Kämpfen für Arbeitszeitverkürzung!

Bei vollem Lohnausgleich 35 Stunden Arbeit. Diese Forderungen aus den Tarifrunden der Lokführer provozierte ein gewaltiges Gegenfeuer in den Kommentarspalten der bürgerlichen Journaille. Patrick Welter (FAZ) fordert „einfach wieder mehr Arbeiten“. Sein Kollege Christian Reiermann (Spiegel) bezeichnet die Deutschen als „ein Volk von Teilzeitkräften“, das von der Politik wieder zu mehr Arbeit gezwungen werden sollte. Befeuert werden diese Schreibtischflaneure vom Kapital. Der Unternehmerverband (BDA) – der Lobbyclub der großen Bosse – schreibt in einer jüngsten Mitteilung: „Notwendig ist es, mehr und länger zu arbeiten, damit wir auch noch morgen in Wohlstand leben können.“

Rackern für die Reichen

Für die Masse der Menschen sieht es jedoch anders aus. Für sie bedeutet mehr Arbeit nicht mehr Wohlstand, sondern mehr Belastung. Tag für Tag werden Millionen von Arbeitern durch schlechte Arbeitsbedingungen und Billigjobs zu Grunde gerichtet. Sie arbeiten nicht zu wenig, sondern zu viel. Das Arbeitsvolumen der BRD war im letzten Jahr so hoch wie nie. Das Renteneinstiegsalter nimmt jährlich zu, während Arbeit immer stärker beansprucht und intensiviert wird.

2023 leisteten Arbeiter in Deutschland über 1,3 Milliarden Überstunden. Das entspricht über 800.000 Vollzeitstellen (zum Vergleich: die Arbeitslosigkeit liegt momentan bei 2,6 Millionen Menschen). 60 % dieser Überstunden blieben unbezahlt, das sind 775 Millionen Stundenlöhne oder 18 Milliarden Euro zusätzlicher Profit für das Kapital. Das ist kein Zufall oder das Ergebnis schlecht verzeichneter Arbeitsstunden (der BDA spricht sich seit Jahren gegen eine Arbeitszeiterfassung aus). Dahinter steckt das kalte Kalkül der Ausbeutung.

Im Kapitalismus arbeiten wir nur zum Teil für uns. Den anderen Teil arbeiten wir für unseren Boss. Dieser nimmt für eine bestimmte Zeit, z. B. acht Stunden, unsere Arbeitskraft in Anspruch. In dieser Zeit arbeiten wir für ihn und erwirtschaften in Form von Waren oder Dienstleistungen eine bestimmte Höhe an Wert. Einen Teil dieses Wertes bekommen wir in Form von Lohn selbst ausgezahlt. Davon bezahlen wir Wohnung, Nahrung, Kleidung und alles, was wir zum Leben brauchen.

Der restliche Wert, den wir erzeugen, der sogenannte Mehrwert, geht als Profit an unseren Chef. Wohin dieser Profit fließt? Ob in die Produktion? Ob er dem Wohl der Allgemeinheit dient oder das Leben der Bonzen finanziert? Darauf haben wir keinen Einfluss. Den größten Teil des Tages werden wir für Profite ausgebeutet, die der Willkür Einzelner unterliegen. Eine Willkür, die in den letzten Jahren Krise nach Krise heraufbeschworen hat.

Acht Stunden sind kein Tag

Für eine wachsende Schicht vor allem an jungen Arbeitern ist dieser Zustand nicht länger tragbar. Sie fordern eine Verkürzung ihrer Arbeitszeit, aber nicht mit Lohneinbußen und Teilzeit, sondern bei vollem Lohnausgleich. 74 % der Deutschen wollen eine 4-Tage-Woche. Auch die LINKE hat diese Forderung in ihr Programm aufgenommen. Doch das reicht nicht. Eine Verkürzung der Arbeitszeit kann nur im Klassenkampf errungen werden, denn sie richtet sich direkt gegen die Profitinteressen der Kapitalisten, die alles dafür geben, die Löhne niedrig und die Arbeitszeiten hochzuhalten.

Die Grundlage für eine drastische Arbeitszeitverkürzung ist vorhanden. Durch Digitalisierung und technische Innovationen wie KI können Arbeitsprozesse radikal beschleunigt und vereinfacht werden. Alleine seit 1970 ist die Arbeitsproduktivität, also das, was ein Arbeiter in einer Stunde an Wert erzeugt, um 260 % gestiegen. Trotzdem arbeiten wir nicht weniger und auch die Löhne hängen mit einer Steigerung von gerade einmal 170 % im selben Zeitraum weit hinter dem zurück, was technisch möglich ist. Der gesellschaftliche Wohlstand wächst, nur hat die Arbeiterklasse immer weniger an ihm Teil.

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung könnten wir alle sogar deutlich weniger arbeiten als vier Tage. Ganz ohne Wohlstandsverlust. Das Einzige, was uns im Weg steht, ist der Kapitalismus. Für die herrschende Klasse wäre eine Arbeitszeitverkürzung angesichts der tiefen organischen Krise ihres Systems untragbar.

Nur wenn wir sie und ihr System stützen und selbst die Produktion in den Fabriken übernehmen, können wir das volle Potenzial der großartigen technischen Errungenschaften der Menschheit entfalten und müssen nicht mehr nur für fremde Profite, sondern für unsere eigenen Bedürfnisse arbeiten. Das schafft die Grundlage für eine nie dagewesene Entwicklung der Produktivkräfte und eine Reduzierung der Arbeitszeit auf ein absolutes Minimum. Das erste Mal in der Geschichte werden wir die Zeit haben, uns den wirklichen Vorzügen des Lebens hinzugeben, Kunst, Wissenschaft und Kultur zu erleben und nicht mehr in Ausbeutung und Unterdrückung leben.

SCHLIESS DICH DEN KOMMUNISTEN AN!

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