USA: Zehn Thesen zum Generalstreik 2026 in Minnesota

Im Januar 2026 kam es zu einigen der bedeutendsten Entwicklungen in der jüngeren Geschichte des amerikanischen Klassenkampfs. Der Mord an Renée Good durch ICE löste eine explosive Anti-ICE-Bewegung in Minnesota aus, die faktisch in einem politischen Generalstreik gipfelte. Der anschließende Mord an Alex Pretti drohte, die Bewegung auf nationaler Ebene auszuweiten, und zwang Trump zumindest vorübergehend zurückzustecken. Welche Schlussfolgerungen können wir aus dieser Erfahrung ziehen?

1. Plötzliche, massive Eskalationen im Klassenkampf gehören nicht der Vergangenheit an. Sie sind in den USA sogar unvermeidlich. Die Ereignisse in Minnesota waren ein klassisches Beispiel dafür, wie eine Massenbewegung praktisch über Nacht ausbrechen kann, wenn Ereignisse eine breite Schicht der Gesellschaft politisieren.

2. Ereignisse treiben Veränderungen im Massenbewusstsein voran. Die schamlose Ermordung von Renée Good drängte Hunderttausende gewöhnliche Menschen zu politischem Handeln. Die Massen der Arbeiter ziehen ihre politischen Schlussfolgerungen auf der Grundlage von Ereignissen. In Minnesota erkannten die Arbeiter die Notwendigkeit der Selbstorganisation, entwickelten ein völliges Misstrauen gegenüber (zumindest bestimmten Flügeln) des kapitalistischen Staates und ein wachsendes Verständnis für die Macht, die sie gemeinsam über die Wirtschaft ausüben können.

3. Entgegen den Behauptungen der liberalen Medien hat es unter den US-Arbeitern keinen grundlegenden „Rechtsruck“ gegeben. Während einige Schichten der Arbeiterklasse Trumps Programm noch auf die Probe stellen, lehnt ihn eine andere große Schicht bereits vollständig ab und hat sich nach links bewegt. Symptomatische Entwicklungen wie die Wahl von Zohran Mamdani sind nur die Spitze des Eisbergs. In Minnesota haben wir gesehen, wie sich gewöhnliche Menschen massenhaft gegen die bewaffneten Organe des kapitalistischen Staates mobilisiert haben. In Form von Massenversammlungen in den Nachbarschaften und Signal-Chats entstanden embryonale Organe der Selbstorganisation der Arbeiterklasse. In bestimmten Schichten fanden auch Diskussionen über die Notwendigkeit bewaffneter Selbstverteidigung statt.

4. Die Vorstellung, dass die Trump-Regierung eine faschistische Regierung oder eine aufkeimende Militär-Polizei-Diktatur sei, ist völlig falsch. Trump ist nicht in der Lage, ein bonapartistisches oder faschistisches Regime aufzubauen. Angesichts der organischen Bewegung der Massen war Trump gezwungen, einen Rückzieher zu machen und öffentlich zu erklären: „Wir werden ein wenig deeskalieren.“ Dies bestätigt voll und ganz die Methoden des kollektiven Massenkampfs und zeigt, dass das Kräfteverhältnis in den USA vollständig zugunsten der Arbeiterklasse ist.

5. Die derzeitige Instabilität offenbart die wahre Natur der bürgerlichen „Demokratie“. Sie war schon immer die Diktatur der Kapitalistenklasse über die ausgebeutete Mehrheit. Ereignisse wie die Ermordung von Renée Good und Alex Pretti verdeutlichen Millionen von Menschen die wahre Rolle des kapitalistischen Staates.

6. Mit einer revolutionären Führung hätte die Bewegung deutlich weiter gehen können. Die Stimmung und das Potenzial für einen umfassenden Generalstreik waren zu 100% vorhanden. Dieser hätte nicht nur kleine Unternehmen, Schulen und kulturelle Einrichtungen lahmlegen können, sondern auch die wichtigsten Hebel der Wirtschaft: Verkehr, Energie, Kommunikation, Logistik, Produktion usw. Nach der Ermordung von Alex Pretti hätte sich dies auf das ganze Land ausweiten können. Nur der Druck von unten hat die Gewerkschaftsbürokraten gezwungen, einen Termin für einen „Aktionstag” festzulegen, aber sie vermieden es, mehr zu tun. Erforderlich war die Ausweitung und Verbreitung der Nachbarschaftskomitees auf die Arbeitsplätze und vor allem ihre Verbindung durch gewählte Vertreter zu einem stadtweiten Gremium, das den Massenversammlungen gegenüber rechenschaftspflichtig und in der Lage wäre, die Bewegung zu koordinieren. Mit diesem Programm hätte eine marxistische Kaderorganisation mit nur 500 oder 1.000 Mitgliedern, die in den Arbeitsstätten der Schlüsselindustrien in Minneapolis-St. Paul verwurzelt war, den Ausschlag geben können.

7. Die Reformisten verstehen nichts. In der Führung der Demokratischen Sozialisten Amerikas, in der Redaktion von Jacobin und in einigen Ecken der Gewerkschaftsbürokratie geben bestimmte Reformisten Lippenbekenntnisse zum Klassenkampf ab, während sie in der Praxis lediglich die Demokratische Partei und andere Institutionen der herrschenden Klasse stützen. Diese Leute huldigen der Geschichte des Klassenkampfs in den USA, aber sie haben nie wirklich geglaubt, dass so etwas noch einmal passieren würde. Jetzt, wo es geschehen ist, „unterstützen“ sie es, aber sie können immer noch nicht verstehen, was es wirklich bedeutet.

8. Wir sind in eine neue Epoche des Klassenkampfs in den USA eingetreten. Der 23. Januar war nur ein Zeichen für weitaus größere Dinge, die noch kommen werden. Massenbewegungen, militante Streiks, Generalstreiks und schließlich eine voll entfaltete revolutionäre Situation stehen uns bevor.

9. Die einzige wirkliche Schwäche der US-amerikanischen Arbeiterklasse ist das Fehlen einer revolutionären Partei. Die rund 160 Millionen Lohnabhängigen in Amerika stellen eine potenziell unaufhaltsame Kraft dar, aber dieses Potenzial kann nur dann voll ausgeschöpft werden, wenn sie eine Führung haben, die diesen Namen verdient. Eine revolutionäre Massenpartei könnte die Kraft der Arbeiterklasse nutzen, um die Gesellschaft nach sozialistischen Grundsätzen zu verändern.

10. Eine solche Partei wird nicht vom Himmel fallen. Sie muss bewusst im Voraus aufgebaut werden, bevor zukünftige Bewegungen und revolutionäre Umwälzungen stattfinden. Die Arbeiterklasse braucht eine Partei professioneller Revolutionäre – Menschen, die sich gründlich mit der marxistischen Theorie und den Lehren des Klassenkampfs auseinandergesetzt haben. Alle ernsthaften Klassenkämpfer in den USA sollten sich der RCA anschließen und beim Aufbau der Partei der kommenden amerikanischen sozialistischen Revolution mithelfen.

SCHLIESS DICH DEN KOMMUNISTEN AN!

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