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	<title>Palästina Archives -</title>
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	<title>Palästina Archives -</title>
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		<title>Linksjugend Solid beschließt neue Palästinaposition – wie weiter?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Exekutivkomitee der RKP]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 11 Nov 2025 13:59:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Jugend]]></category>
		<category><![CDATA[Naher Osten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Linksjugend Solid hat bei ihrem Bundeskongress Anfang November mit einer deutlichen Mehrheit von fast 70% eine neue Palästina-Position beschlossen. Die neue Positionierung ist ein gewaltiger Fortschritt und wir gratulieren [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Die Linksjugend Solid hat bei ihrem Bundeskongress Anfang November mit einer deutlichen Mehrheit von fast 70% eine neue Palästina-Position beschlossen. Die neue Positionierung ist ein gewaltiger Fortschritt und wir gratulieren den Genossen zu diesem Beschluss!&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">In dem <a href="https://www.welt.de/ig/6e36ce3d-00f9-4f6e-bec9-aa89cba6935f/index/Beschluss.pdf">Beschluss</a> stellt sich die Linksjugend nun voll auf die Seite der unterdrückten palästinensischen Bevölkerung: Sie erkennt den vollständig reaktionären Charakter des „israelischen Staatsprojektes“, also des Zionismus, an und bekräftigt die Legitimität der Forderungen der Palästinenser.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist ein gewaltiger Fortschritt im Vergleich zur Position der Linkspartei und auch früherer Positionen der Solid, die „beide Seiten“ kritisieren. Denn hierbei handelt es sich nicht um einen Konflikt zwei ähnlich starker Konfliktparteien, sondern um eine einseitige Unterdrückung des palästinensischen Volkes durch den israelischen Staat zusammen mit dem westlichen Imperialismus. Indem DIE LINKE das nicht benennt, deckt sie in Wahrheit die Verbrechen des israelischen Staates und die Komplizenschaft der deutschen Regierung. Im selben Atemzug, in dem sie das „humanitäre Leid“ in Gaza bedauert, schwört sie auf das Existenzrecht und die Sicherheit Israels. Aber der israelische Staat kann nur durch die Unterdrückung der Palästinenser existieren.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Unterschied zwischen der Position der Linkspartei und der neuen Position der Linksjugend ist, dass erstere mit der deutschen Staatsräson und den Interessen des deutschen Imperialismus vereinbar ist und letztere nicht.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weiter benennt der Beschluss der Linksjugend richtigerweise den westlichen Imperialismus (inklusive <a href="https://derkommunist.de/warum-unterstuetzt-deutschland-israel-2/">Deutschland</a> und der USA) als Hauptverantwortliche der Unterdrückung der Palästinenser! Das macht klar, dass die Unterdrückung der Palästinenser eine Folge des Kapitalismus ist und gleichzeitig, dass kein Verlass auf die „internationale Gemeinschaft“ bei der Lösung dieses Problems ist. Der bürgerliche Staat in den USA, Deutschland oder Israel wird sich nicht eines Tages einfach umentscheiden und sich für die Befreiung der Palästinenser einsetzen. Das ist ein gewaltiger Fortschritt zu einem Instagram-Post des alten Bundessprecher:innenrats (BSPR) der Solid von vor wenigen Wochen, in dem dieser die Palästinenser dazu aufrief, <a href="https://derkommunist.de/die-bedeutung-des-waffenstillstands-in-gaza-2/">Trumps kolonialen „Friedensplan“</a> anzunehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Konsequenterweise erklärt der Beschluss, dass es für den Nahen Osten nur eine revolutionäre Lösung geben kann: „Ebenso muss auch die Befreiung Palästinas als Teil einer breiteren demokratischen und sozialistischen Revolution betrachtet werden, die den Imperialismus und Kapitalismus aus der Region herauswirft und wirkliche Gleichberechtigung und Selbstbestimmung schafft.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und die Linksjugend erklärt, welchen Auftrag sie daraus für Sozialisten hierzulande ableiten: „Es ist unsere Aufgabe als Sozialist:innen in Deutschland, die revolutionären Bewegungen in der Region zu unterstützen und den deutschen Staat daran zu hindern, die Revolution mithilfe seiner Verbündeten in der Region niederzuwerfen und demokratische und sozialistische Ansätze zu unterdrücken.“&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Hetzkampagne</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Kaum war der Bundeskongress vorbei, brach es schon über die Solid herein: Die gesamte bürgerliche Presse, von WELT und BILD bis zur TAZ und selbst das ND, machten den Genossen alle möglichen verleumderischen und verlogene Vorwürfe: Der Beschluss sei antisemitisch und würde indirekt die Hamas unterstützen. Genossen, diese Kampagne zeigt, dass ihr etwas richtig macht!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unterstützt wurde die bürgerliche Presse dabei vom bürokratischen Parteiapparat der LINKEN. 17 Bundestagsabgeordnete forderten eine klare Distanzierung durch den Parteivorstand, die auch prompt folgte. Anstatt ihre Parteijugend zu verteidigen, fielen van Aken und Schwerdtner ihr öffentlich in den Rücken. Schon seit Wochen laufen Linksparteifunktionäre mal offen, mal anonym, zur bürgerlichen Presse, um mit allerhand wütenden Worten das erstarkende pro-palästinensische Lager in der Partei zu verdammen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch die Nachwuchsbürokraten in der Linksjugend taten ihren Teil: Pro-zionistische Delegierte aus den klassischerweise anti-deutsch dominierten Landesverbänden Sachsen und Thüringen wandten sich an die bürgerlichen Medien, inklusive der BILD-Zeitung, um der Mehrheit und der neuen Führung des Jugendverbandes alle möglichen Schandtaten vorzuwerfen. So seien pro-zionistische Delegierte angeblich angefeindet und eingeschüchtert worden, die „Verbandskultur“ sei an einem Tiefpunkt und unverschämterweise habe sich die Mehrheit nicht auf einen typischen faulen Formelkompromiss in der Nahost-Frage eingelassen, wie früher.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass der zionistische Flügel genau so einen Formulierungskompromiss einfordert, der die Fehler „beider Seiten“ verurteilt, zeigt schon, dass diese faulen Kompromisse letztlich voll im Interesse der Zionisten sind.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist schon extrem zynisch, dass die selben Leute, die seit zwei Jahren jede Repression, jeden Einschüchterungsversuch, jeden <a href="https://derkommunist.de/freispruch-fuer-alyona-und-leonard-wie-man-erfolgreich-gegen-repression-kaempft/">undemokratischen Akt gegen pro-palästinensische Stimmen</a> beklatschen und einfordern, sich jetzt als Opfer und als Verteidiger der Parteidemokratie hinstellen. Der bürokratische Ausschluss von Ramsis Kilani wegen seiner pro-palästinensischen Haltung ist nur das bekannteste Beispiel dafür. </p>



<p class="wp-block-paragraph">In Wahrheit steckt etwas anderes dahinter: Diese „anti-deutschen“ Nachwuchsbürokraten kontrollierten seit mindestens zehn Jahren den Jugendverband. In dieser Zeit haben sie die Linksjugend mit ihren pro-zionistischen und reformistischen Positionen unter breiten Schichten der Jugend diskreditiert, der Lächerlichkeit preisgegeben und ihn beinahe vollständig zugrunde gerichtet – noch vor wenigen Jahren sank die aktive Mitgliedschaft in vielen Landesverbänden auf einen kleinen Kreis um den Landessprecher:innenrat (LSPR).&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der vom israelischen Staat offen durchgeführte Genozid hat den Zionismus jedoch in breiteren Schichten der Bevölkerung nachhaltig diskreditiert. Niemand glaubt mehr das Märchen vom „Hort der Aufklärung“, der „einzigen Demokratie“ im Nahen Osten, dem „linken Zionismus“. Und selbst die halbgaren Formelkompromisse überzeugen nicht mehr. In den letzten Monaten hat sich die gewaltige Diskrepanz zwischen der Mehrheitsmeinung der Linksjugend Mitglieder und der abgehobenen Führung in den Kommentarspalten auf Instagram immer wieder klar gezeigt. Jetzt haben diese Leute völlig zurecht durch eine demokratische Abstimmung die Kontrolle über den Jugendverband verloren. Das können sie nicht ertragen. Und deswegen werden sie jetzt versuchen, jeden Dreck und Schmutz, den sie finden können, auf die anti-imperialistische Mehrheit zu werfen. Gegenüber der TAZ erklärten sie schon, diese demokratische Entscheidung des Bundeskongresses nicht ohne Gegenwehr hinzunehmen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir, die Mitglieder der RKP, erklären unsere volle Solidarität mit den Genossen der Linksjugend Solid angesichts dieser Hetzkampagne von bürgerlichen Medien und Parteibürokratie!&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Linkes Feigenblatt</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Linksjugend Solid hat mit diesem Beschluss klar gemacht, dass sie entschlossen für ein freies Palästina kämpfen will. Das bedeutet gleichzeitig auch den Kampf gegen den deutschen und westlichen Imperialismus, der den Genozid ermöglicht und gleichzeitig zuhause den Lebensstandard der Massen immer weiter herabsenkt. Doch das geht nicht mit der aktuellen Führung der LINKEN, denn diese will lieber mit den Herrschenden zusammenarbeiten. Ihr Reformismus ist ein Hindernis für diesen Kampf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Genozid in Gaza ist in den letzten zwei Jahren zum Kristallisationspunkt der Wut der breiten Bevölkerung gegen die herrschende Klasse geworden. Die Unterstützung Israels hat den Massen den menschenfeindlichen Charakter der westlichen imperialistischen Regierungen am brennendsten vor Augen geführt, der sich auch zuhause in brutaler Kürzungspolitik ausdrückt. In Italien und Spanien sind in den letzten zwei Monaten <a href="https://derkommunist.de/italienischer-generalstreik-eine-dramatische-wende-in-der-weltlage/">millionenschwere Generalstreiks</a> entbrannt, die die Palästinafrage mit der sozialen Frage zuhause verbanden. Die rechte Regierung Italiens sah sich den Massen hilflos ausgeliefert. Und auch in Deutschland gibt es dafür ein großes Potential, dass sich in der <a href="https://derkommunist.de/all-eyes-on-gaza-die-regierung-der-kriegsverbrecher-stuerzen/">Massendemo am 27.9.</a> mit Hunderttausend Teilnehmern ausdrückte.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anstatt dieser Wut eine Stimme und einen organisierten Ausdruck zu geben, hat die reformistische Führung der Linkspartei sich in den letzten zwei Jahren alle Mühe gegeben sie einzuhegen. Als sie, viel zu spät, Israel kritisierte, tat sie das auf rein moralische Weise. Sie bedauerte die humanitäre Lage in Gaza, bekannte sich aber im gleichen Atemzug zur deutschen Staatsräson. Und anstatt der deutschen Regierung, die die israelischen Kriegsverbrechen ermöglichte, zu bekämpfen, stützte sie sie: Erst beim <a href="https://derkommunist.de/kriegskredite-durch-wahlbetrug-die-linke-jetzt-in-die-offensive/">Sondervermögen </a>für die Bundeswehr, später bei der <a href="https://derkommunist.de/merz-blamiert-linke-eilt-zur-hilfe/">Kanzlerwahl</a>. Unter dem Vorwand, die AfD kleinhalten zu wollen, reichte sie der CDU die Hand und das „nicht nur wenn die Hütte brennt“, wie Ines Schwerdtner sagte. Dabei ist eine klare Mehrheit der deutschen Bevölkerung und auch der Parteibasis eindeutig für Palästina. Damit stieß die Parteiführung viele politisch fortschrittliche Arbeiter und Jugendliche ab. So machte sich die Linkspartei zum linken Feigenblatt der imperialistischen Politik der Bundesregierung.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Grund dafür liegt im Reformismus des bürokratischen Apparats der Linkspartei. Sie wollen in bürgerliche Regierungen und Parlamente. Dafür wollen sie der herrschenden Klasse zeigen, was für zuverlässige Staatsmänner- und frauen sie doch sind. Sie haben kein Vertrauen in den Klassenkampf und in die Macht der Arbeiterklasse, die Gesellschaft zu verändern und selber zu regieren. Die Arbeiterklasse soll sie wählen, aber bitte nicht selber kämpfen. Deswegen sehen sie ihr politisches Machtzentrum in der Zusammenarbeit mit den Kapitalisten und deren Staat. Aber wer auf kapitalistischer Grundlage Politik macht, der muss auch alle kapitalistischen „Sachzwänge“ akzeptieren: vom Sparzwang bis hin zu den imperialistischen Interessen des Westens im Nahen Osten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der neue Beschluss der Linksjugend bricht zumindest in Worten mit dieser Politik. Er sagt dem westlichen Imperialismus unverblümt den Kampf an. Zum ersten Mal sind es nicht nur einzelne Aktivisten, die diese Position beziehen, sondern ein ganzer Jugendverband!&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kampf gegen den Reformismus</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch die Aufgabe von Sozialisten in Deutschland ist nicht nur „zu verhindern, dass Deutschland die [demokratische und sozialistische] Revolution in der Region niederwirft“. Sie müssen auch beantworten, wie das genau getan werden kann.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dafür muss die Linksjugend den Kampf gegen den Reformismus aufnehmen! Beim nächsten Bundesparteitag sollte sie einen eigenen Leitantrag als Gegenantrag zu dem des Parteivorstandes einreichen, der in der Palästinafrage, aber auch in der sozialen Frage zuhause, revolutionäre und sozialistische Positionen vertritt. Die gewaltige Sprengkraft, die das entfalten kann, zeigt der <a href="https://derkommunist.de/italienischer-generalstreik-eine-dramatische-wende-in-der-weltlage/">italienische Generalstreik</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu <a href="https://derkommunist.de/kampagne-gegen-krieg-und-imperialismus-bildung-statt-bomben/">so einem Programm</a> gehört ein Ende aller Waffenlieferungen und Komplizenschaft mit Israel, die Enteignung der Rüstungskonzerne, der Banken und Großkonzerne, der Ausbau des Bildungs- und Gesundheitssystem durch Enteignung des Vermögens der Kapitalisten, die Koppelung der Löhne an die Inflation, die Senkung der Wochenarbeitszeit bei vollem Lohn- und Personalausgleich, die Enteignung der Immobilienkonzerne und die Umwandlung der Wirtschaft in eine demokratische Planwirtschaft zur Verhinderung der Deindustrialisierung.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Merz-Regierung muss gestürzt und durch eine Arbeiterregierung ersetzt werden, die allein im Interesse der arbeitenden Bevölkerung regiert. Dazu gehört auch, die Kriegstreiberei zu beenden und Ressourcen in zivile Zwecke statt in Aufrüstung und Säbelrasseln zu stecken.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">DIE LINKE könnte dann Arbeiter und Jugendliche in den Betrieben, Stadtteilen und Unis für dieses Programm im Klassenkampf mobilisieren. Das würde im Übrigen auch der AfD das Wasser abgraben, da es dann eine radikale anti-Establishment Kraft von Links gäbe.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn die Linksjugend so ein Programm in der Linkspartei gemeinsam mit der Parteibasis durchsetzt, kann sie die Hindernisse für den Klassenkampf, den die reformistische Parteiführung errichtet hat, einreißen. Eine Bewegung wie in Italien und sogar eine, die noch weiter geht, wäre auch hier möglich. Eine Linkspartei mit einem wirklich sozialistischen und klassenkämpferischen Programm wäre eine Katastrophe für die Kapitalisten. Genau davor haben die Bürgerlichen panische Angst und das erklärt die wütende Hetzkampagne gegen die Linksjugend.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Potential dafür ist zweifelsfrei vorhanden, aber um das zu erreichen, muss noch ein erbitterter Kampf gekämpft werden.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Nur der eigenen Kraft vertrauen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der rechte Parteiflügel mit Granden wie Gysi, Bartsch, Ramelow, Lay, etc. steht fest auf dem Boden des deutschen Kapitalismus. Sie vertreten die Interessen der herrschenden Klasse in der Linkspartei und freuen sich an ihren hohen Gehältern. Sie haben sich nie bereit gezeigt, den Klassenkampf zu organisieren, sondern setzten ausschließlich auf Regierungsbeteiligungen und parlamentarische Arbeit. Damit führten sie die Linkspartei nach einem gewaltigen Aufschwung nach der Finanzkrise von 2008 (bei der Bundestagswahl 2009 erhielt DIE LINKE 11,9%, 2013 noch 8,6%) in die <a href="https://derkommunist.de/die-jugend-die-linkspartei-und-der-klassenkampf/">tiefe Krise</a> in der sie sich in den letzten Jahren befand. Denn immer breitere Schichten der Arbeiterklasse und Jugend sahen die LINKE nicht mehr als eine Partei, die für ihre Interessen kämpft, sondern als Teil des Establishments, nachdem diese in zahlreichen Landesregierungen tiefgreifende Kürzungen mit umgesetzt hatte. Das eröffnete der AfD erst den Spielraum für ihren heutigen Erfolg, da sie als einzige (zumindest in Worten) radikale Anti-Establishment-Partei übrig blieb. Ihre Wiederbelebung bei der letzten Bundestagswahl verdankt sie in erster Linie der Dummheit von Friedrich Merz und der kampfeswilligen Jugend. Statt sich das einzugestehen, schiebt der rechte Flügel alle Schuld auf Sahra Wagenknecht.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser rechte Flügel holte sich die selbsternannte Marxistin Ines Schwerdtner in den Parteivorstand, um die motivierte junge Mitgliedschaft mit sozialistischen Phrasen bei Laune zu halten. Sie sprach vom Klassenkampf und davon, DIE LINKE wieder zu einer „sozialistischen Mitgliederpartei“ zu machen. Doch Schwerdtner ist selbst Reformistin und trug, wenn es drauf ankam, immer den rechten Kurs der Parteiführung mit. Jetzt, wo die Mitglieder einen pro-palästinensischen Kurs einfordern, ist von der „Mitgliederpartei“ nicht mehr so viel übrig. Schwerdtner ist ein blasses, vermeintlich linkes Feigenblatt für die Silberlocken-Clique – eine undankbare und wenig ruhmreiche Rolle, die vorher Janine Wissler spielte. Auf sie wird in diesem Kampf kein Verlass sein. Sie wird im Gegenteil die Politik des rechten Flügels mittragen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu glauben, man könnte mit dem rechten Flügel oder auch mit Ines Schwerdtner Kompromisse machen, wäre ein fataler Fehler. Das zeigt das <a href="https://communist.red/britain-in-the-2010s-the-lessons-of-corbynism-round-one/">historische Beispiel Jeremy Corbyn</a> in Großbritannien. Der selbsternannte Sozialist Corbyn wurde 2015 Vorsitzender der Labour Party, woraufhin 400.000 in die Partei eintraten. Von der ersten Stunde an bekämpfte die gesamte Parteibürokratie inklusive der Parlamentsfraktion Corbyn verbittert. Diese Agenten des Großkapitals in der Labour Party wollten die Partei wieder völlig unter ihre Kontrolle bringen. Zusammen mit der bürgerlichen Presse fuhren sie eine Hetzkampagne nach der anderen gegen Corbyn – gipfelnd in hahnebüchenen Antisemitismusvorwürfen. Eine Parteibürokratin erklärte: „I don’t want to stab Corbyn in the back – I want to stab him in the front!“ („Ich möchte Corbyn kein Messer in den Rücken rammen, sondern in die Brust!“) Aber anstatt diese Verräter öffentlich bloßzustellen und anzugreifen, versuchte Corbyn die ganze Zeit Kompromisse mit ihnen zu schließen, „um die Partei nicht zu spalten“. Indem Corbyn nicht den unerbittlichen Kampf gegen diese Leute aufnahm, gab er ihnen die Möglichkeit, letztlich ihn und viele Tausend weitere linke Aktivisten aus der Labour Party auszuschließen. Hunderttausende traten daraufhin frustriert aus der Partei aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch auf Funktionäre des linken Flügels der LINKEN wie Ferat Kocak kann man sich nicht verlassen. Bislang gibt es von ihm zum Beschluss der Linksjugend statt Solidarität und Unterstützung nur ohrenbetäubendes Schweigen. Und auch im Parteivorstand hielten sich, wie die WELT schreibt, die „israelfeindlichen Funktionäre“ (d.h. in Springer-Sprech die pro-palästinensischen Vorstandsmitglieder) zurück, während die rechten Bürokraten Strafgericht über die Parteijugend hielten.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">All das zeigt, die Linksjugend kann diesen Kampf nicht als bürokratischen Kampf mit Manövern, Kompromissen und Geschäftsordnungsanträgen kämpfen. Sie hat nur eine Chance, wenn sie sich auf die Basismitglieder und radikalisierte Jugendliche und Arbeiter innerhalb und außerhalb der Partei stützt und diese für ihr Programm begeistert und organisiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Eine Säuberung wird vorbereitet!</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Beschluss der Linksjugend hat die Parteibürokratie in hellen Aufruhr versetzt. Denn er kommt zur Unzeit. Schon beim letzten Bundesparteitag setzten die Delegierten <a href="https://derkommunist.de/die-linke-und-palaestina-klassenkampf-oder-treue-zur-staatsraeson/">gegen den Willen des Vorstandes durch</a>, die IHRA-Antisemitismusdefinition zu verwerfen und dafür die Jerusalemer Erklärung zum Antisemitismus anzunehmen. Die Parteibasis hat ihren Kampfeswillen in der Palästinafrage bei der <a href="https://derkommunist.de/all-eyes-on-gaza-die-regierung-der-kriegsverbrecher-stuerzen/">Großdemo am 27.9.</a> zum Ausdruck gebracht und die Kluft offenbart, die zwischen Parteibasis und reformistischem Apparat in dieser Frage verläuft &#8211; Caren Lay rief sogar zur zionistischen Gegendemo auf. In Leipzig sind bereits ca. 50 Mitglieder wegen der laschen Haltung der Partei in der Palästinafrage ausgetreten. Wenn die Parteigranden zu den Basisgruppen und Kreisverbänden in die Provinz reisen, schallt ihnen der Unmut der Parteibasis entgegen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und beim Landesparteitag der Berliner LINKEN am 15.11. gibt es einen Antrag, der die BDS-Kampagne unterstützt. Man kann sich geradezu bildlich vorstellen, wie im Karl-Liebknecht-Haus die Drähte heißlaufen und Strategien ersonnen werden, um den Beschluss dieses Antrags zu verhindern. Während eine eindeutig pro-palästinensische Haltung der Berliner LINKEN mit Sicherheit viele Wählerstimmen bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl im nächsten Jahr einbringen würde (wie <a href="https://derkommunist.de/zohran-mamdani-gewinnt-wie-geht-es-weiter-im-kampf-gegen-die-milliardaere/">Zorhan Mamdanis Sieg</a> in New York zeigt), würde er aber mit Sicherheit eine Rot-Rot-Grüne Koalition unmöglich machen und den Parteifunktionären damit den Weg zu gutbezahlten Staatsämtern versperren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und zuguterletzt steht bald, im Vorlauf zum nächsten Bundesparteitag, eine Programmdebatte an, in der auch die Position zu Aufrüstung und Nahost neu diskutiert werden wird. Die Parteibürokratie fürchtet, dass die Basis hier eine pro-palästinensische Haltung erzwingt und die Linkspartei dadurch in den Augen der Herrschenden kein „zuverlässiger Partner“ mehr ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Deswegen wird die Parteibürokratie alle Kräfte mobilisieren, um das zu verhindern. Nicht nur die 17 Bundestagsabgeordneten, sondern auch zahlreiche andere Funktionäre laufen jetzt als Reaktion auf den Beschluss der Linksjugend Solid beim Parteivorstand Sturm. Wie die WELT schreibt, „verlangen [sie] als Abgeordnete vom Parteivorstand politische Verlässlichkeit und Klarheit, dass weder diese politische Orientierung noch diese politische Kultur in der Partei unwidersprochen geduldet werden und in die Fraktion schwappt“. Die Führungsgremien der Partei und Fraktion müssten „entlang unseres in der Partei mühsam erarbeiteten Konsenses deutlich vernehmbar und deutlich wahrnehmbar klare Grenzen ziehen“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die WELT berichtet weiter: &#8222;Angesprochen wurden auch die zahlreichen Neueintritte in die Partei und den Jugendverband seit dem vergangenen Jahr: Damit gingen auch Probleme einher, man müsse genau hinschauen.&#8220;&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir müssen es deutlich sagen: Das sind Anzeichen dafür, dass der reformistische Apparat potentiell eine Säuberung der Partei vorbereitet. Wir können sicher sein, dass der Parteiapparat und anti-deutsche Elemente in der Linksjugend schon jetzt zusammen mit der bürgerlichen Presse und staatlichen Institutionen eine Strategie erarbeiten, um die Partei politisch unter ihrer Kontrolle zu behalten. Ob sie dabei auf einen Schlag vorgehen oder auf Zermürbungstaktik setzen, wird sich zeigen und hängt vom konkreten Kräfteverhältnis in der Partei und dem parteiinternen Kampf in den nächsten Monaten ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die reformistische Bürokratie in der Linkspartei hat keine anderen Mittel, mit denen sie kämpfen und gewinnen könnte. So drehte der Berliner Landesverband der Linkspartei bereits 2022 der Berliner Linksjugend den Geldhahn zu, als diese eine ähnliche Palästina-Position beschloss. Eine vollständig demokratische Debatte werden sie nicht zulassen können, da ihre pro-israelischen oder moderaten und auf vermeintlichen Ausgleich bedachten Argumente nach zwei Jahren Genozid niemanden mehr täuschen. Sie haben einen ganzen Apparat mit gut bezahlten Angestellten, Karrieristen, Verwaltungsinfrastruktur, der internen Kommunikationsstruktur, Kontrolle über die Organisation des Parteitags usw. Außerdem haben sie die bürgerlichen Medien und den Staat auf ihrer Seite. In organisatorischen und verfahrenstechnischen Taktieren und Manövern werden revolutionäre Sozialisten ihnen immer unterlegen sein. Sie können sich nur auf Klarheit in den politischen Ideen und eine breite Mobilisierung kämpferischer Jugendlicher und Arbeiter stützen, die um diese Ideen organisiert sind. Das schließt auch breite Teile der Parteibasis ein.&nbsp; Nur ihr Druck und ihre Wachsamkeit kann erzwingen, dass eine genuin demokratische Diskussion und Beschlussfassung beim Parteitag stattfinden kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie den Kampf führen?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn die Linksjugend Solid den Kampf gegen den Reformismus aufnimmt und beim nächsten Bundesparteitag einen alternativen Leitantrag einreicht, würde sie zehntausenden Parteimitgliedern, die für Palästina und gegen Kürzungen und Aufrüstung kämpfen wollen, eine organisierte Stimme geben.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber das ist kein Kampf, der mit organisatorischen Manövern, Absprachen und Geschäftsordnungsanträgen gewonnen werden kann, sondern nur mit politischen Ideen und Klassenkampfmethoden.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Linksjugend sollte im ganzen Jugendverband Diskussionen über die Palästinafrage und den Reformismus der Linkspartei organisieren, die allen Mitgliedern die Möglichkeit gibt diese Fragen in der Tiefe und auf der Grundlage marxistischer Theorie zu durchdringen und so die neue Position auch selber gut verteidigen zu können. Denn die schlechten Palästina-Positionen der Linkspartei und der Solid in der Vergangenheit sind nicht einfach zufällig oder aus Boshaftigkeit entstanden. Sie sind die direkte Folge der Ideen des Reformismus. Zu einer Aufarbeitung dieser Fehler gehört auch eine ideologische und theoretische Aufarbeitung und die gründliche Auseinandersetzung mit dem Marxismus. Dazu lohnt es sich vor allem <a href="https://www.marxists.org/deutsch/archiv/lenin/1917/imp/">Lenins Broschüre zum Imperialismus </a>und seinen Klassiker <a href="https://www.marxists.org/deutsch/archiv/lenin/1917/staatrev/index.htm">„Staat und Revolution“ </a>gemeinsam zu lesen und gründlich die Lehren für heute zu besprechen. Außerdem muss eine gründliche <a href="https://derkommunist.de/die-jugend-die-linkspartei-und-der-klassenkampf/">Bilanz</a> der politischen Fehler der Linkspartei in den letzten fünfzehn Jahren gezogen und politisch diskutiert werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und vor allem sollte die Linksjugend jetzt mit diesen Inhalten offensiv nach außen treten. Viele Jugendliche schauen sich verzweifelt nach einer Möglichkeit um, konsequent für Palästina und gegen die kapitalistischen Übel zu kämpfen. Eine öffentliche Kampagne an den Unis, Schulen und Stadtteilen mit dem Ziel, Jugendliche um dieses Programm zu organisieren, würde sicherlich große Früchte tragen! Sie würde zeigen, dass die Linksjugend Solid Leute um diese Ideen organisieren kann. Und sie würde der Solid das nötige Rückgrat geben, um den Kampf um die Partei zu führen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der pro-zionistische Kurs vorheriger Führungen der Solid hat den Jugendverband bei vielen Jugendlichen diskreditiert. Der neue Beschluss eröffnet die Möglichkeit, verlorenes wieder gut zu machen. Die Solid sollte klar vernehmbar öffentlich erklären, dass sie ihre Position geändert hat. Sie könnte eine bundesweite Jugendkonferenz zum Kampf für Palästina, gegen Aufrüstung und die Merz-Regierung einberufen, wozu sie auch andere Jugendorganisationen aus der Palästinabewegung und alle interessierten Jugendlichen einlädt. Auf einer solchen Konferenz könnten das nötige revolutionäre Programm und das weitere Vorgehen diskutiert werden.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die wenigen tausend wirklich aktiven Mitglieder, die die Linksjugend im Moment hat, könnten potentiell auf einige Zehntausend anwachsen! Wenn sie mit einem revolutionären Programm ausgestattet sind, hätte das ein viel größeres Gewicht und würde in der politischen Situation einen Unterschied machen! Sie könnten in Tausenden Unis, Schulen und Betrieben helfen, die Bewegung für ein freies Palästina und gegen den Kapitalismus koordiniert zu organisieren. Und sie würden einem revolutionären, sozialistischen Programm im parteiinternen Kampf in der LINKEN das nötige Gewicht verleihen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als RKP werden wir alle Schritte in diese Richtung unterstützen! Wir werden weiterhin mit klaren revolutionären Analysen und Ideen und dem Aufbau einer <a href="https://www.marxist.com/manifest-der-revolutionaeren-kommunistischen-internationale.htm">Revolutionären Kommunistischen Internationale</a> dazu beitragen.&nbsp;</p>
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		<title>DIE LINKE: Reformismus kann Palästina nicht befreien</title>
		<link>https://derkommunist.de/die-linke-reformismus-kann-palaestina-nicht-befreien/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Quentin Dalmazio]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Nov 2025 11:00:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
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		<category><![CDATA[Reformismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In ihrer Erklärung vom 14. Oktober 2025 bezeichneten die Parteivorsitzenden Jan van Aken und Ines Schwerdtner den aktuellen, von US-Präsident Trump erarbeiteten Waffenstillstand als „gute Nachricht“. Sie betonen dabei das [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">In ihrer Erklärung vom 14. Oktober 2025 bezeichneten die Parteivorsitzenden Jan van Aken und Ines Schwerdtner den aktuellen, von US-Präsident Trump erarbeiteten Waffenstillstand als „gute Nachricht“. Sie betonen dabei das Ende von „Töten, Sterben und unermesslichem Leid“, die „Verantwortung der internationalen Gemeinschaft“ für die dauerhafte Umsetzung des Plans, und die Notwendigkeit, Palästina als Staat anzuerkennen. Und auch die Linksjugend Solid rief eilig in einem Instagram Post die Hamas auf, Trumps Plan zuzustimmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei ist dieser „Frieden“ eine Farce: Er ist die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln! Er bedeutet imperialistische Fremdherrschaft über die Palästinenser in kolonialer Manier durch den westlichen Imperialismus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das zeigt eindeutig, dass die sogenannte „internationale Gemeinschaft“ den Palästinensern nichts anzubieten hat als mehr Unterdrückung. Sie kann Palästina nicht befreien! Anstatt diese Wahrheiten zu benennen und so den Imperialismus zu demaskieren, hilft die Führung der Linkspartei mit ihrem Statement die imperialistische Unterdrückung Palästinas zu kaschieren!</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Falsche Positionen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist nur das letzte Beispiel dafür, wie die Partei es nicht schafft, sich in der Palästinafrage klar auf die Seite der Unterdrückten zu stellen. Bereits am 21. März 2024 hatte DIE LINKE im Bundestag einen Antrag auf „sofortigen Waffenstillstand“ eingebracht, ohne jedoch die imperialistische Rolle Deutschlands und der EU zu benennen. Gleichzeitig bekräftigte der Parteivorstand am 8. Mai 2025: „Das Existenzrecht des Staates Israel ist für uns nicht verhandelbar“ – eine Übernahme der deutschen Staatsräson, die jede revolutionäre Kritik an der kolonialen und imperialistischen Rolle Israels ausschließt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit Beginn des Genozids in Gaza wurden Hunderte pro-palästinensische Aktivisten kriminalisiert, Demonstrationen verboten und Universitäts-Protestcamps gewaltsam geräumt. DIE LINKE hat zu keinem Zeitpunkt entschieden für die demokratischen Rechte der Protestierenden gekämpft. Stattdessen wiederholte die Parteiführung selbst oft genug hanebüchene Antisemitismusvorwürfe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Sommer kündigte Ines Schwerdtner eine Gaza-Großdemo an, um den Protest „auf die Straße zu bringen“, verschob sie dann aber mehrfach – an der Basis wuchs der Unmut. Als DIE LINKE im Oktober schließlich zur Demo „Zusammen für Gaza“ aufrief, herrschte Verwirrung, welche Rolle die Partei überhaupt spielte, weil nur Ines Schwerdtner, nicht aber der gesamte Parteivorstand als Mitinitiator geführt wurde. Van Aken erklärte nur ausweichend, man wolle „der Mehrheit ermöglichen, ihre Meinung auf die Straße zu tragen“. Und die LINKE-Bundestagsabgeordnete Caren Lay rief sogar zur pro-zionistischen Gegendemo auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn sich DIE LINKE für Gaza einsetzt, dann nur, indem sie das humanitäre Leid in Gaza moralisch bedauert und kritisiert. Aber nicht, indem sie die Ursache für dieses Leid, den israelischen und besonders den westlichen Imperialismus inklusive des deutschen, attackiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Reformismus</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ursache für dieses Versagen liegt im reformistischen Programm der LINKEN: Sie möchte den Kapitalismus nicht stürzen, sondern ihn mitverwalten. Aber wer den Kapitalismus akzeptiert, muss auch den Imperialismus hinnehmen, der aus ihm folgt. Das deutsche Kapital hat imperialistische Interessen im Nahen Osten und die Unterstützung Israels liegt in seinem Interesse. Würde die Linkspartei das fundamental angreifen, wäre sie für die deutsche herrschende Klasse und die etablierten Parteien kein „seriöser Partner“ mehr. Genau das möchte die Parteiführung aber sein. Parteifunktionäre nennen das Nahost-Thema daher intern ein „Spaltungsthema“ und wollen es vermeiden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">DIE LINKE zieht in ihrem Programm eine künstliche Trennlinie zwischen Innen- und Außenpolitik. Soziale Fragen werden als innerstaatliche Probleme behandelt, während die Außenpolitik auf moralische Formeln reduziert wird: „Abrüstung“, „zivile Konfliktlösung“, „Verantwortung der internationalen Gemeinschaft“. Diese „internationale Gemeinschaft“, an die DIE LINKE appelliert, hat in den letzten zwei Jahren Waffen in Milliardenhöhe geliefert, allen voran die USA – und Deutschland mit knapp 500 Mio. Euro. Und die UNO, in der genau diese Länder sitzen und entscheiden, ist nichts weiter als eine Maske des Imperialismus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Programm der Partei heißt es, man kämpfe für den „demokratischen Sozialismus“. Doch wer im Inland höhere Löhne fordert, aber im selben Atemzug die „Verteidigungsfähigkeit“ Deutschlands verteidigt, der akzeptiert den bürgerlichen Staat, statt ihn zu bekämpfen – ein Staat, der nichts anderes ist als das organisierte Gewaltmonopol der herrschenden Klasse. Und wer die Außenpolitik der herrschenden Klasse mitträgt, muss auch ihre Politik im Inland mittragen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Linkspartei-Führung will nicht mit der Merz-Regierung brechen, sondern loyale Opposition sein. Dabei ist es die Merz-Regierung, die Waffen nach Israel schickt und gleichzeitig in Deutschland massive Angriffe auf den Lebensstandard der Arbeiterklasse fährt: Sozialabbau, Erhöhung der Arbeitszeit, Angriffe auf demokratische Rechte. Der „Krieg nach außen“ und der „Krieg nach innen“ sind zwei Seiten derselben Medaille: Die Bourgeoisie führt Krieg für ihre Profite – in Gaza mit Bomben, hier mit Lohnkürzungen, Einschränkung demokratischer Rechte und Polizeiknüppeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Verpasste Chance</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese reformistische Position der Linkspartei hemmt den Klassenkampf gegen die Merz-Regierung: Während in Italien, Griechenland und Spanien Arbeiter mit Streiks Waffenlieferungen an Israel stoppten und sich weltweit in vielen Ländern größere Protestbewegungen gebildet hatten, blieb es dagegen in Deutschland abgesehen von einer größeren Demo in Berlin bei Mahnwachen und moralischen Appellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">DIE LINKE hat es in zwei Jahren nicht geschafft, eine Massenbewegung aufzubauen, obwohl sie mit über 115 000 Mitgliedern und vier Millionen Wählerstimmen eine reale Kraft sein könnte. Aber statt sich an die Spitze der Solidaritätsbewegung zu stellen, reagiert sie defensiv und moralisch – und schwächt dadurch jene Kräfte, die tatsächlich gegen Krieg und Repression kämpfen wollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Genozid in Gaza ist zum Kristallisationspunkt für die Wut der Massen gegen die Herrschenden geworden. Millionen haben klar gesehen, was das für Leute sind, die uns regieren: Dass den Herrschenden ein Menschenleben normaler Leute nichts wert ist und sie es ohne zu zögern imperialistischen Profitinteressen opfern; dass das ganze Gerede von „Menschenrechten“, „Werten“ und „Demokratie“ nur zynische Phrasen sind. Diesen im Bewusstsein der Massen reifenden Erkenntnisprozess hätte DIE LINKE aufgreifen und beschleunigen können. Sie hätte die Palästinafrage mit der sozialen Frage zuhause verbinden und so eine Massenbewegung gegen die Merz-Regierung organisieren können. Das hätte auch der Palästinabewegung eine viel größere Sprengkraft gegeben, wie der italienische Generalstreik zeigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Indem die Parteiführung das nicht tat, rettete sie der Merz-Regierung de facto den Hintern. Sie hat selber dafür gesorgt, dass die Bewegung nicht so groß und stark ist, wie sie sein könnte und dass die imperialistische deutsche Regierung fester im Sattel sitzt, als es sein müsste. Und jetzt erklärt sie uns, dass Trumps „Friedensplan“ vielleicht nicht perfekt ist, aber doch das Beste, was wir unter diesen Umständen erreichen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Welches Programm?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Reformismus der LINKEN hat sie in eine Sackgasse geführt. Eine Partei, die Israels Genozid nur moralisch verurteilt, aber gleichzeitig die deutsche Staatsräson akzeptiert, kann den Imperialismus nicht bekämpfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a></a>Das macht deutlich: Wer für Palästina kämpfen will, muss gleichzeitig gegen die Merz-Regierung kämpfen. Der Slogan „Freiheit für Palästina“ ist wertlos, wenn er nicht verbunden wird mit der Blockade von Waffenexporten und der entschädigungslosen Enteignung der Profiteure der Aufrüstung. Nur die organisierte Arbeiterklasse, angeführt von einem revolutionären Programm, kann Militarisierung, Sozialabbau und Genozid stoppen. Der Aufbau der RKP ist die Voraussetzung, dieses Programm durchzusetzen.</p>
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		<title>Israel hat die Flottille abgefangen: Blockieren wir alles! – Für den Arbeiterboykott und Generalstreik!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Revolutionaere Kommunistische Internationale]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Oct 2025 18:17:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Naher Osten]]></category>
		<category><![CDATA[Imperialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Palästina]]></category>
		<category><![CDATA[Streik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Brahim Guedich, CC BY 4.0 via Wikimedia Commons Am 1. Oktober gegen 18 Uhr haben israelische Streitkräfte die Global Sumud Flotilla abgefangen, die aus mehr als 40 Schiffen bestand und [&#8230;]</p>
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<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph"><em>Brahim Guedich, CC BY 4.0 via Wikimedia Commons</em></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 1. Oktober gegen 18 Uhr haben israelische Streitkräfte die <em>Global Sumud Flotilla</em> abgefangen, die aus mehr als 40 Schiffen bestand und auf dem Weg nach Gaza war, um die Seeblockade zu durchbrechen und humanitäre Hilfe zu liefern. Bis zum Morgen des 2. Oktober hatte Israel die meisten Boote gekapert und Hunderte Menschen an Bord illegal festgenommen und nach Israel gebracht. Darunter befanden sich Greta Thunberg, die ehemalige Bürgermeisterin von Barcelona, Ada Colau, ein irischer Senator und viele andere Persönlichkeiten aus Politik, Gewerkschaften und Solidaritätsbewegungen sowie pro-palästinensische Aktivisten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass es dazu kommen würde, stand nie in Frage. Israel wird nicht zulassen, dass seine Seeblockade des Gazastreifens durchbrochen wird. Aber die Flottille ist in vielen Ländern zum Brennpunkt einer wachsenden Solidaritätsbewegung mit Palästina geworden, insbesondere in Italien und Spanien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Angesichts des seit fast zwei Jahren live übertragenen Genozids in Gaza und der erneuten blutigen Offensive Israels gegen Gaza-Stadt spüren Hunderttausende, dass Empörung allein nicht mehr ausreicht, sondern dass sie selbst aktiv werden müssen. Eine halbe Million Menschen sind am Montag vergangener Woche in Italien auf Aufruf der Gewerkschaft USB unter dem Slogan «Blockieren wir alles» auf die Strasse gegangen. Sie haben Strassen, Häfen und Bahnhöfe blockiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Druck der öffentlichen Meinung zwang die rechte Regierung Italiens und die «Mitte-Links»-Regierung Spaniens dazu, Marineschiffe zu entsenden, um «der Flottille zu helfen und sie zu unterstützen». Das war eine zynische Geste, die nur dazu bestimmt war, die Massen auf den Strassen zu beschwichtigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Vorabend des israelischen Angriffs verlangten die europäischen Schiffe von der Flottille, umzukehren und den israelischen Befehlen Folge zu leisten. Als sich die Aktivisten weigerten, kehrten die Marineschiffe um und überliessen die Flottille, die sich noch in internationalen Gewässern befand, dem Angriff der israelischen Streitkräfte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als sich die Nachricht vom Abfangen der Flottille zu verbreiten begann, strömten Tausende spontan auf die Strassen von Rom, Neapel, Mailand, Genua, Florenz, Bologna und vielen anderen Städten und Gemeinden in ganz Italien und begannen, Bahnhöfe und Häfen zu blockieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am vergangenen Wochenende haben Hafenarbeiter im Hafen von Genua eine europaweite Hafenarbeiterkonferenz abgehalten und zu einem Boykott des Handels mit Israel aufgerufen. Schon davor wurden Schiffe, die Treibstoff und Kriegsmaterial nach Israel transportieren, durch gemeinsame direkte Aktionen von Hafenarbeitern und ihren Unterstützern aus der lokalen Arbeiterschaft und Jugend in den italienischen Häfen Livorno, Ravenna, Taranto und Genua gestoppt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die italienischen Hafenarbeiter (und andere, die ähnliche Massnahmen in Griechenland, Spanien, Frankreich usw. ergriffen haben) zeigen den Weg vorwärts. In einer kapitalistischen Gesellschaft bewegt sich nichts ohne die Zustimmung der Arbeiterklasse. Diese Macht muss sinnvoll genutzt werden, um die israelische Kriegsmaschinerie zu boykottieren, die von ihren westlichen imperialistischen Verbündeten mit Bauteilen, Waffen, Munition und Treibstoff versorgt wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in der Türkei, in Belgien, Berlin, Barcelona, Madrid, Paris und in vielen anderen Städten Europas gingen innerhalb kürzester Zeit Hunderte auf die Strasse, um gegen den israelischen Angriff auf die Flottille zu protestieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für den 2. Oktober war bereits ein landesweiter Studentenstreik in Spanien angesetzt. Es ist nicht nur mit massiven Demonstrationen zu rechnen, sondern auch mit Versuchen, «alles zu blockieren».</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Italien hat die Gewerkschaft USB für Freitag, den 3. Oktober, einen Protest-Generalstreik ausgerufen. Doch diesmal hat sich unter dem Druck ihrer Mitglieder und der Gesamtbewegung auch die fünf Millionen Mitglieder starke CGIL offiziell angeschlossen. Matteo Salvini, stellvertretender Ministerpräsident und Verkehrsminister, hat bereits gedroht, dass die Regierung «nicht zulassen wird, dass das Land lahmgelegt wird». Damit sind die Weichen für eine ernsthafte Konfrontation gestellt, die die rechte Regierung erheblich schwächen wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für den 4. Oktober war bereits eine Demonstration in Rom geplant, die zweifellos riesig werden wird. Aber schon heute besetzen Studenten Schulen und Universitäten, Tausende von Arbeiter- und Jugendaktivisten blockieren Bahnhöfe und Häfen, im Vorfeld des morgigen grossen Tages.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Massenbewegung in Italien ist zwar anhand der Gaza-Frage explodiert, spiegelt jedoch eine tiefere Wut über die Angriffe der rechten Regierung auf die Arbeiterklasse, die sich verschlechternden Arbeitsbedingungen, den Abbau im Bildungs- und Gesundheitswesen usw. wider. Der gestrige Generalstreik in Griechenland richtete sich gegen die von der Regierung geplante Konterreform des Arbeitsrechts (die unter anderem einen 13-Stunden-Arbeitstag vorsieht), aber bei allen Demonstrationen wehten palästinensische Flaggen. Das Gleiche gilt für Frankreich, wo heute ein weiterer massiver Streiktag gegen die Regierung und ihre Sparmassnahmen stattfindet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Millionen von Arbeitern und Jungen ziehen die richtige Schlussfolgerung, dass dieselben Regierungen, die den israelischen Völkermord in Gaza unterstützen, auch die Arbeiterklasse im eigenen Land angreifen. Sie müssen gestürzt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist der Weg vorwärts: Massenmobilisierung, Streiks, Blockaden und ein koordinierter Arbeiterboykott. Im Vordergrund dieser Proteste muss die Frage stehen, wie die westlichen imperialistischen Regierungen, die sich mitschuldig am Völkermord machen, gestürzt werden können. Die Arbeiterklasse muss ihre ganze Kraft zum Tragen bringen.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Stoppt den Genozid! Free Palestine!</li>



<li>Nieder mit den Kriegstreibern! Nieder mit den Kriegsverbrechern!</li>



<li>Arbeiterboykott gegen Israel – blockieren wir alles!</li>



<li>Für eine sozialistische Föderation des Nahen Ostens!</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<item>
		<title>All Eyes on Gaza: Die Regierung der Kriegsverbrecher stürzen!</title>
		<link>https://derkommunist.de/all-eyes-on-gaza-die-regierung-der-kriegsverbrecher-stuerzen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Franz Rieger]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 Sep 2025 14:30:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Jugend]]></category>
		<category><![CDATA[Naher Osten]]></category>
		<category><![CDATA[Die Linke]]></category>
		<category><![CDATA[Palästina]]></category>
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									<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Kommenden Samstag findet in Berlin endlich eine große bundesweite Palästina-Demo unter dem Titel <a href="https://all-eyes-on-gaza.de/">„All Eyes on Gaza!“</a> statt. Auch DIE LINKE hat dazu aufgerufen, denn viele ihrer Mitglieder wollen, dass die Partei endlich entschlossen für Palästina kämpft. Es werden über 50.000 Teilnehmer erwartet. Eine gewaltige Chance, die Palästinabewegung voranzubringen!</p>
<p><br></p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph"></p>
<h3><strong>Merz mordet mit!</strong></h3>
<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p class="wp-block-paragraph">200.000 Palästinenser wurden schon im Gaza-Genozid ermordet oder verstümmelt, sagt selbst die Israelische Armee. Andere Quellen sprechen von über 600.000 Toten! Das war nur möglich durch deutsche und amerikanische Unterstützung! Nach den USA liefert Deutschland am meisten Waffen an Israel. In Deutschland produzierte Granaten zerfetzen in diesem Moment palästinensische Kinder! Deutsche Motoren treiben die Panzer der IDF an!&nbsp;</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Und zuhause in Deutschland unterdrücken diese „Verteidiger der Demokratie“ jede Kritik daran durch Polizeigewalt, Entlassungen von Journalisten und Wissenschaftlern oder mediale Hetzkampagnen.&nbsp;</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Ihre Mithilfe bei diesem Genozid versuchen sie mit dem Holocaust zu rechtfertigen – was für eine widerliche Entehrung des Andenkens an die Nazi-Opfer!&nbsp;</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Dafür sind Merz, Klingbeil und Wadephul genauso verantwortlich wie Scholz und Baerbock! Sie alle sind Kriegsverbrecher und haben Blut an ihren Händen! Wir müssen sie stürzen!&nbsp;</p>
<p><br></p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph"></p>
<h3><strong>Zynische Symbolpolitik</strong></h3>
<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p class="wp-block-paragraph">Frankreich hat jetzt während der UNO-Vollversammlung Palästina als Staat anerkannt und folgte damit Großbritannien. Deutschland ist dazu nicht bereit, behauptete aber die Genehmigung für <a href="https://derkommunist.de/stopp-der-waffenlieferungen-ist-reine-symbolpolitik/">Waffenlieferungen auszusetzen</a>.&nbsp;</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Doch das ist nur zynische Symbolpolitik, die dem palästinensischen Volk überhaupt nichts bringt! Wieso um alles in der Welt fangen die Kriegsverbrecher in London, Paris und Berlin nach zwei Jahren Völkermord ausgerechnet jetzt an, moralische Bauchschmerzen zu entwickeln?</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Die Antwort ist leicht: Sie haben ihre Meinung kein Stück weit geändert! Aber sie spüren die Wut der Massen in den westlichen Ländern!</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Diese schändliche Komplizenschaft der westlichen Regierungen in den letzten zwei Jahren hat Millionen die Augen geöffnet: Unsere Regierung kämpft nicht für Demokratie und Menschenrechte, sondern einzig und allein für die <a href="https://derkommunist.de/warum-unterstuetzt-deutschland-israel-2/">Profitinteressen des amerikanischen und deutschen Imperialismus!</a></p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Jetzt versuchen Merz, Macron und Starmer ihrer Bevölkerung Sand in die Augen zu streuen, um Israel weiter mit Waffen beliefern zu können.</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Die Palästinenser können sich nicht auf die UNO verlassen. Dass die ehemalige deutsche Außenministerin Annalena Baerbock (B’90/GRÜNE) die neue Präsidentin der UN-Vollversammlung ist, sollte eigentlich schon alles sagen. Denn noch vor kurzem verteidigte sie im Bundestag israelische Angriffe auf zivile Ziele.</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Die Geschichte der letzten 80 Jahre hat gezeigt: Die UN sind völlig machtlos. Sie sind das Feigenblatt des US-Imperialismus! Wenn sie gegen die Interessen der USA beschließen, werden ihre Beschlüsse nicht umgesetzt.&nbsp;</p><p><br></p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph"></p>
<h3><strong>Die Kriegstreiber-Regierung stürzen!</strong></h3>
<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p class="wp-block-paragraph">Um den Genozid der israelischen Regierung zu stoppen, müssen wir ihren Komplizen das Handwerk legen! Alle Regierungen, die Israels Massaker unterstützen, müssen gestürzt werden, auch die Merz-Regierung!&nbsp;</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">In Italien waren gestern (24.9.) <a href="https://marxist.com/italy-the-dam-has-burst-half-a-million-on-the-streets-for-gaza.htm">500.000 Menschen auf der Straße</a>, um für Palästina zu demonstrieren und Solidarität mit der Freedom Flotilla zu zeigen! In Deutschland sind 83% der Bevölkerung gegen das israelische Vorgehen. Nur 14% sind für Waffenlieferungen an Israel!</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Für den ehemaligen Blackrock-Manager Friedrich Merz zählen allein die Profite der Kapitalisten, Menschen sind ihm egal. Das zeigt nicht nur die Unterstützung seiner Regierung für Israel, sondern auch die geplante Kürzungspolitik, die kriegstreiberische Aufrüstung und rassistische Abschiebungen!&nbsp;</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Die Merz-Regierung plant Angriffe auf den Sozialstaat, die Millionen Arbeiter in menschliches Elend stürzen werden. Kein Wunder, dass die Bundesregierung in Umfragen einen neuen Unbeliebtheitsrekord geknackt hat! Nur noch 26% der Bevölkerung sind mit der Arbeit der Regierung zufrieden!</p><p><br></p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph"></p>
<h3><strong>DIE LINKE: Wer A sagt, muss auch B sagen!</strong></h3>
<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p class="wp-block-paragraph">Es wäre die Verantwortung der Linkspartei, den Kampf für ein freies Palästina und gegen die Merz Regierung zu führen! Bei der Bundestagswahl haben 4 Millionen, großteils Jugendliche und junge Arbeiter, sie gewählt, damit sie gegen den Rassismus, die Kürzungspolitik und die Aufrüstung der Merz-Regierung kämpft!</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Zehntausende strömten in die Partei. Die meisten von ihnen erwarten, dass ihre Parteiführung endlich entschlossen für Palästina kämpft!</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Aber stattdessen begann die Führung der Linkspartei sofort nach der Wahl mit den etablierten Parteien zusammenzuarbeiten, inklusive der CDU.&nbsp;</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Als Merz noch mit dem alten Bundestag ein riesiges Schuldenpaket für die Aufrüstung durchzudrücken versuchte, hätte DIE LINKE das nutzen können, um ihre Anhänger gegen die Regierung zu mobilisieren! Stattdessen stimmten die Linksparteipolitiker aus Bremen und Mecklenburg-Vorpommern im Bundesrat für das Paket und stützen so den Regierungskurs!&nbsp;</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Auch als Merz im ersten Wahlgang zum Kanzler scheiterte, <a href="https://derkommunist.de/merz-blamiert-linke-eilt-zur-hilfe/">reichte die Linksfraktion der CDU die Hand</a>, anstatt diese Blamage auszunutzen, um Blackrock-Merz einen Schlag zu versetzen.</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Vor zwei Tagen veröffentlichten Heidie Reichinnek und Bodo Ramelow einen <a href="https://www.instagram.com/p/DO8eQ2zDAYM/?img_index=1&amp;igsh=ZmZta291ZjhyaWt0">Post</a>, in dem sie die CDU in Gestalt von Jens Spahn anbettelten, doch endlich mit ihnen zusammenzuarbeiten.&nbsp;</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Auch in der Palästina-Frage sucht die Führung der Linkspartei die Nähe zu den etablierten Parteien. Sie schwört auf das Existenzrecht Israels und die Zwei-Staaten-Lösung, die längst eine <a href="https://marxist.com/palestine-the-failure-of-the-two-state-solution-and-the-communist-alternative.htm">Farce geworden</a> ist! Denn sie will es sich nicht mit Grünen, SPD und CDU verscherzen.&nbsp;</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Bodo Ramelow schwafelt im Interview von „Hamas-Propaganda“, als er von einer jungen Aktivisten spricht, die ihm Videos von verstümmelten Kinderleichen in Gaza zeigte. Und als DIE LINKE Neukölln ein Palästina-Kiez-Event organisierte, <a href="https://derkommunist.de/freispruch-fuer-alyona-und-leonard-wie-man-erfolgreich-gegen-repression-kaempft/">distanzierte sich der Parteivorstand</a> auf eine schäbige Art und Weise. Im Sommerinterview lies Jan van Aken sie fallen, wie eine heiße Kartoffel.</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Die Basis der LINKEN will hingegen endlich einen konsequenten Kampf für ein freies Palästina führen! In vielen Städten, darunter Berlin und Leipzig, wächst der Druck auf die Parteiführung. Auch in der Linksjugend brodelt es. Schon beim letzten Bundesparteitag <a href="https://derkommunist.de/die-linke-und-palaestina-klassenkampf-oder-treue-zur-staatsraeson/">setzte sich die Parteibasis gegen den Parteivorstand durch</a> und nahm einen Antrag an, der die zynische IHRA Antisemitismusdefinition durch die Jerusalemer Erklärung ersetzte.&nbsp;</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Nachdem die Parteiführung vor einigen Wochen schonmal in letzter Minute eine große Palästina-Demo abgesagt hatte, spürt sie nun den Druck der Basis und schließt sich der „All Eyes on Gaza“-Demo an. <em>Aber wer A sagt, muss auch B sagen! Wer für Palästina und gegen den Genozid ist, muss auch den Kampf gegen die Merz-Regierung aufnehmen! Und kann nicht nach der Demo wieder im Bundestag der CDU Hand reichen und von ihr Zusammenarbeit einfordern! Doch genau das wollen Gysi, van Aken, Reichinnek, Schwerdtner und Co nicht.</em></p><p><em><br></em></p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph"></p>
<h3><strong>Ein anti-imperialistisches Programm</strong></h3>
<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p class="wp-block-paragraph">Um diesen Kampf zu führen, müsste DIE LINKE offene Reaktionäre wie Bodo Ramelow aus der Partei werfen! Sie müsste die Merz-Regierung, die CDU und auch SPD und Grüne entschieden für ihre Palästina-Politik attackieren! Ebenso wie für ihre Kürzungspolitik und ihren Militarismus. Sie müsste den Kampf für den Sturz der Regierung aufnehmen &#8211; statt ihr bei der nächsten Gelegenheit wieder aus der Patsche zu helfen! Dazu müsste sie ihre motivierte Mitgliedschaft in den Stadtteilen mobilisieren, wie sie es zuletzt im Wahlkampf getan hat und sich auf die kampfbereite Arbeiterklasse und Jugend stützen.&nbsp;</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Aber vor allem braucht der Kampf für ein freies Palästina ein anti-imperialistisches Programm, das mit der deutschen Staatsräson bricht und fest auf dem Boden des proletarischen Internationalismus steht:&nbsp;</p>
<p></p>
<ul class="wp-block-list"><p></p>
<li>Bedingungsloser Kampf für die Freiheit für Palästina!</li>
<p></p>
<li>Kampf gegen die Merz-Regierung! Sturz aller Regierungen, die Israels Genozid unterstützen!&nbsp;</li>
<p></p>
<li>Sofortige Aufkündigung aller militärischen Abkommen mit Israel!</li>
<p></p>
<li>Enteignung aller Firmen und ihrer Investoren, deren Produkte im Gaza-Genozid zum Einsatz kommen!</li>
<p></p>
<li>Entschädigungslose Enteignung der Rüstungsindustrie unter Arbeiterkontrolle!</li>
<p></p>
<li>Entschlossener Kampf gegen jede Repression gegen die Palästinabewegung!</li>
<p></p>
<li>Geld in den Sozialstaat statt in die Aufrüstung! Bildung statt Bomben! Pflege statt Panzer! Renten statt Raketen!</li>
<p></p>
<li>Stopp aller Kürzungen! Volle Ausfinanzierung des Bildungs- und Gesundheitssystems auf Kosten der Reichen!</li>
<p></p>
<li>Bundesweite Kampagne für die entschädigungslose Enteignung der großen Immobilienkonzerne und bezahlbarer Wohnraum für alle!</li>
<p></p>
<li>Sturz des Kapitalismus! Für die sozialistische Revolution!</li>
<p></p>
</ul>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Wir haben kein Vertrauen in die Parteiführung, diesen Kurs umzusetzen. Den Kampf für ein freies Palästina müssen wir selber in die Hand nehmen!&nbsp;</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Den Genossen in der Basis der Linkspartei, die für Palästina kämpfen wollen, sagen wir: Versucht eure Genossen vor Ort in euren Basisgruppen oder eurem Kreisverband von diesem Programm zu überzeugen! Nehmt den Kontakt zur RKP auf, um zu diskutieren, wie der Kampf für Palästina in Zukunft geführt werden kann!&nbsp;</p><p><br></p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph"></p>
<h3><strong>Mit der RKP für ein freies Palästina!</strong></h3>
<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p class="wp-block-paragraph">Wenn DIE LINKE tatsächlich Schritte in diese Richtung gehen würde, würden wir das begrüßen und unterstützen. Aber so oder so wird die RKP bedingungslos für die Freiheit Palästinas entlang des oben skizzierten Programms kämpfen! Dieser Kampf kann letztlich nur als revolutionärer und sozialistischer Kampf gegen Kapitalismus und Imperialismus siegen!</p>
<p></p>
<p class="wp-block-paragraph">Wir rufen alle, die diesen Kampf führen wollen, dazu auf, uns beizutreten und die RKP aufzubauen. Denn wir wollen der Jugend und Arbeiterklasse eine Partei geben, die ohne Zögern und Schwanken bedingungslos auf der Seite der Unterdrückten steht.&nbsp;</p>
<p></p>								</div>
					</div>
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		<title>Geschichte Israel-Palästinas [Teil 1]</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Francesco Merli]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 13 Oct 2024 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Asien]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte 1848-1913]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte 1914-1945]]></category>
		<category><![CDATA[Israel]]></category>
		<category><![CDATA[Israel & Palästina]]></category>
		<category><![CDATA[Kolonialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Naher & Mittlerer Osten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die „Judenfrage“ und die Auswirkungen der zionistischen Kolonialisierung im britischen Mandatsgebiet Palästina In diesen beiden Artikeln erläutert Francesco Merli die dubiosen Geschäfte und Machenschaften der imperialistischen Nationen, die den Weg für die [&#8230;]</p>
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<h2 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Die „Judenfrage“ und die Auswirkungen der zionistischen Kolonialisierung im britischen Mandatsgebiet Palästina</span></h2>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">In diesen beiden Artikeln erläutert <em>Francesco Merli</em> die dubiosen Geschäfte und Machenschaften der imperialistischen Nationen, die den Weg für die Teilung des damaligen Palästinas geebnet haben. Dieser Abschnitt der Geschichte bestätigt die Kurzsichtigkeit der herrschenden Klasse, die die mit Gewalt und Erniedrigung gefüllte Büchse der Pandora öffnete, welche das Land seither wie eine Plage heimsucht. Wichtige historische Ereignisse werden behandelt, vom Sechstagekrieg bis zur ersten Intifada.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Durch die Betrachtung der gesamten Geschichte der Region und insbesondere Israels und Palästinas werden die Klasseninteressen, die oft verdeckt werden, offen dargelegt.</span></p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://derkommunist.de/?p=3375">Hier findest du Teil 2.</a></p>

<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">In den letzten hundert Jahren diente der Nahe Osten als Spielbrett für viele entscheidende Schachzüge zwischen den imperialistischen Mächten. Der Grund für die Bedeutung dieser Region, die bis zum Ende des 19. Jahrhunderts als eher nebensächlich galt, ist wohlbekannt: Im Nahen Osten liegen die größten Erdölvorkommen des Planeten. Palästina geriet aus mehreren geopolitischen und historischen Gründen immer mehr in den Mittelpunkt der Konflikte im Nahen Osten.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Der langwierige Zerfallsprozess des Osmanischen Reiches wurde durch die „Jungtürkische“ Revolution im Juli 1908 plötzlich beschleunigt, war aber erst nach der Niederlage des Reiches im Ersten Weltkrieg abgeschlossen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Das Osmanische Reich hatte bereits im Laufe des 19. Jahrhunderts die Kontrolle über einen Teil seiner europäischen Provinzen verloren. Während dieser Zeit übernahmen Großbritannien und Frankreich zudem die Kontrolle über weite Teile Nordafrikas. Frankreich übernahm 1830 Algerien und besetzte 1881 Tunesien. Großbritannien eroberte 1882 Ägypten und den Sudan. Sogar eine zweitrangige Macht wie Italien nahm sich ein Stück des Reiches, indem es 1911 Libyen besetzte.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die Regierung der Jungtürken trat an der Seite der Mittelmächte (Deutschland und Österreich-Ungarn) in den Krieg ein. Großbritannien und Frankreich hatten sich bereits lange vor Kriegsende darüber verständigt, wie sie die Beute des Reiches untereinander aufteilen würden. Die Briten und Franzosen waren es gewohnt, riesige Kolonialreiche zu beherrschen und einigten sich darauf, eine Reihe von künstlich voneinander getrennten Staaten zu erschaffen, deren Grenzen sie willkürlich mit einem Lineal auf der Landkarte einzeichneten. Die Verhandlungen wurden im Jänner 1916 mit dem geheimen Sykes-Picot-Abkommen (unter Zustimmung von Russland und Italien) abgeschlossen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Dieses Abkommen wurde von den Bolschewiki (die russischen Revolutionäre unter der Führung von Lenin und Trotzki; Anm.) im November 1917, unmittelbar nach der Russischen Revolution, verurteilt und an die Öffentlichkeit gebracht – sehr zum Entsetzen der Imperialisten. Doch nach dem Krieg verlief die Teilung entlang der Grenzen, die Sykes und Picot abgemacht hatten. Frankreich übernahm die Herrschaft über Syrien und den Libanon. Großbritannien erhielt ein Mandat über Mesopotamien (dem heutigen Irak) und Palästina sowie ein Protektorat über die Marionettenmonarchie von Transjordanien (heutiges Jordanien).</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die britischen Imperialisten hatten auf zynische Art die Hoffnungen der arabischen Nationalisten auf ein arabisches Heimatland geweckt. Eine diesbezügliche Vereinbarung wurde von Sir Henry McMahon, dem britischen Hochkommissar für Ägypten, in seinem Briefwechsel mit Hussein bin Ali, dem Scharif Mekkas, als Gegenleistung für die arabische Unterstützung im Krieg getroffen. Die Aufstände der Araber gegen die Osmanen spielten eine Schlüsselrolle im Untergang des Osmanischen Reiches. Die britischen Imperialisten hatten jedoch keinerlei Absicht, ihre Versprechen einzuhalten und waren viel mehr an der Erweiterung ihrer eigenen Einflusssphäre interessiert. Der Aufstieg des Nationalbewusstseins der Araber stellte eine strategische Gefahr für ihre imperialistischen Interessen dar.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Die „Judenfrage“ und der Zionismus</span></h3>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die Geschichte der jüdischen Einwanderung nach Palästina ist eng verknüpft mit dem Aufstieg der zionistischen Bewegung Ende des 19. Jahrhunderts. Bis zu diesem Zeitpunkt machte die einheimische jüdische Bevölkerung in Palästina einige tausend Leute aus, die sich hauptsächlich auf die städtischen Gegenden konzentrierte.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Ein Wendepunkt war die Welle an Pogromen durch die Geheimpolizei im Russischen Reich, welche gegen die jüdische Minderheit entfesselt wurde, die für das Attentat auf Zar Alexander II. im Jahr 1881 verantwortlich gemacht wurde. Wütende Mobs, die von angeheuerten Provokateuren angestachelt wurden, stürmten jüdische Viertel, plünderten diese und griffen die Bevölkerung an. Hunderttausende Juden flohen aus Russland und der Ukraine, um der Terrorkampagne von Ermordungen, Prügelattacken, Vergewaltigungen, Lynchmorden und der Zerstörung ihrer Existenzgrundlage und ihres Eigentums zu entkommen. Weitere Pogromwellen folgten in den Jahren 1903-1906 und eine noch größere wurde 1917 und 1921 von den weißen Armeen während des Bürgerkriegs gegen die bolschewistische Revolution entfacht.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Ende des 19. Jahrhunderts schlug ein weiterer Vorfall riesige Wellen. 1894-1895 wurde Alfred Dreyfus, ein französischer jüdischer Offizier, zu Unrecht wegen Landesverrat verurteilt. Sein Gerichtsverfahren führte zu verstärktem Antisemitismus in Frankreich. Die „Dreyfus-Affäre“ spielte eine wichtige Rolle in der Bekehrung des kosmopolitischen jüdischen bürgerlichen Intellektuellen Theodor Herzl (1860-1904) zum Zionismus. Tatsächlich verfasste Herzl im Anschluss an die Gerichtsverhandlung die Schrift Der Judenstaat, die das politische Manifest des Zionismus werden sollte.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<figure id="attachment_20821" class="wp-block-image">
<figure id="attachment_20821" aria-describedby="caption-attachment-20821" style="width: 200px" class="wp-caption alignright"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="wp-image-20821" src="https://derfunke.at/wp-content/uploads/2024/02/Herzl_Image_public_domain-200x300.webp" alt="" width="200" height="300" /><figcaption id="caption-attachment-20821" class="wp-caption-text">Die „Dreyfus-Affäre“ spielte eine wichtige Rolle bei der Bekehrung des kosmopolitischen jüdischen bürgerlichen Intellektuellen Theodor Herzl zum Zionismus / Bild: public domain</figcaption></figure>
<figcaption class="wp-element-caption"></figcaption>
</figure>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Herzl wurde zum Hauptorganisator und -theoretiker der zionistischen Bewegung und entwickelte sie zu einer internationalen Kraft. Er propagierte, eine Massenauswanderung der Juden von Europa nach Palästina zu organisieren. Er kam ebenfalls zu dem Schluss, dass der Anstieg der antisemitischen Tendenzen in Europa unter Umständen als hilfreich für das zionistische Projekt angesehen werden sollte, da dieser ein Druckmittel gegen die von ihm betrachtete säkulare jüdische Trägheit sein könnte.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Deshalb basierte das zionistische politische Projekt auf dem Bemühen, die europäischen Staatsoberhäupter und -minister (welche oft leidenschaftliche Antisemiten waren) zu überreden, dass die Auswanderung der Juden nach Palästina eine einmalige Gelegenheit darstellte, sich des „jüdischen Problems“ zu entledigen. Ebenso versuchte er diese Herren zu überzeugen, dass ein jüdischer Staat in Palästina für die Großmächte nützlich sein könnte, um „für Europa den Vorpostendienst der Kultur gegen die Barbarei Asiens“ zu besorgen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Von Anfang an musste sich das zionistische Projekt auf die Gunst einer der imperialistischen Hauptmächte als Garantie für seinen Erfolg verlassen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Herzl versicherte den osmanischen Behörden öffentlich, dass die jüdische Einwanderung dem Reich nur materiellen Nutzen bringen würde, um die notwendige Einwilligung der osmanischen Behörden sicherzustellen. Insgeheim erkannte er jedoch, dass es keinen jüdischen Staat ohne Enteignung und Vertreibung der Palästinenser geben könne.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">„Den Privatbesitz der angewiesenen Ländereien müssen wir sachte expropriieren. Die arme Bevölkerung trachten wir unbemerkt über die Grenze zu schaffen, indem wir ihr in den Durchzugsländern Arbeit verschaffen, aber in unserem eigenen Lande jederlei Arbeit verweigern. (…) Das Expropriationswerk muß ebenso wie die Fortschaffung der Armeen mit Zartheit und Behutsamkeit erfolgen.“, schrieb Herzl 1895 in sein Tagebuch.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die Umsetzung der zionistischen reaktionären Utopie verwandelte Palästina in ein Schlachtfeld und würde den Palästinensern (aber auch den jüdischen Siedlern) unsagbares Leid zufügen. Ihre reaktionären Folgen halten bis heute an.</span><br /><span style="color: #000000;">Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verkörperte die zionistische Bewegung dennoch nur eine winzige Minderheit, beschränkt auf einen kleinen Kreis jüdischer bürgerlicher und kleinbürgerlicher Intellektueller und Wohltäter.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Die Entwicklung des arabischen Nationalbewusstseins</span></h3>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die zionistische Führung hatte ständig Bedenken, dass die arabischen Arbeiter sich organisiert gegen ihre Ausbeutung auflehnen könnten. Eine weitere Angst lag darin, dass die Entwicklung eines Nationalbewusstseins die Araber verbünden könnte, um Widerstand gegen die zionistische Kolonisation zu leisten.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Das arabische Nationalbewusstsein begann sich in den 1880ern zu entwickeln. Die jungtürkische Revolution von 1908 erweckte Hoffnungen auf die Befreiung aller Völker des gesamten Osmanischen Reiches. Die rasche Hinwendung des neuen Regimes zum türkischen Nationalismus beschleunigte den massenhaften Prozesses der Ausprägung des Nationalbewusstseins bei allen Völkern des Reiches, besonders unter den Arabern, die ein Gebiet (das vom heutigen Irak bis nach Marokko reichte), eine gemeinsame Sprache und Tradition teilten.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<figure id="attachment_20823" class="wp-block-image">
<figure id="attachment_20823" aria-describedby="caption-attachment-20823" style="width: 300px" class="wp-caption alignleft"><img decoding="async" class="wp-image-20823" src="https://derfunke.at/wp-content/uploads/2024/02/Young_Turk_Revolution_Image_public_domain-300x220.jpg" alt="" width="300" height="220" /><figcaption id="caption-attachment-20823" class="wp-caption-text">Die jungtürkische Revolution von 1908 weckte Hoffnungen auf die Emanzipation aller Völker des Osmanischen Reiches / Bild: gemeinfrei</figcaption></figure>
<figcaption class="wp-element-caption"></figcaption>
<span style="color: #000000;">In Palästina wurde dieser Prozess durch die wachsende Feindseligkeit gegen die Folgen der jüdischen Einwanderung noch weiter auf die Spitze getrieben. Jeder Landerwerb der Siedler bedeutete automatisch die Vertreibung der palästinensischen Bauern, die oft nicht wussten, dass die Eigentümer, gelockt vom steigenden Bodenpreis, das Land den Neuankömmlingen verkauft hatten. Dem Historiker Benny Morris zufolge stieg der durchschnittliche Bodenpreis von 5,3 Palästina-Pfund pro Dunam (osmanisches Flächenmaß, das ungefähr 1000 m2 entspricht) im Jahr 1929 auf 23,3 im Jahr 1935. 1944 betrug der Preis des Bodens 50-mal so viel wie im Jahr 1910.</span></figure>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die Siedler sprachen weder Arabisch, noch waren sie mit der regionalen Kultur und den Traditionen vertraut und wollten darüber in vielen Fällen auch nichts lernen, sie missachteten lang bestehende Bräuche und beanspruchten Gemeindeländer, Weideflächen und vor allem den Zugang zu Wasserquellen. Es dauerte nicht lange, bis die Palästinenser zunehmend eine vom stetigen Zustrom von Siedlern ausgehende drohende Gefahr spürten.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Die Balfour-Deklaration</span></h3>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Das Interesse der Strategen des britischen Imperialismus wurde geweckt. Sie verstanden, dass das zionistische Projekt ein nützliches Werkzeug für Großbritanniens Pläne für den Nahen Osten nach dem Untergang des Osmanischen Reiches werden könnte.</span><br /><span style="color: #000000;">Am 2. November 1917 wurde dieser Wandel in einem Brief zusammengefasst, der im Namen der britischen Regierung von Lord Balfour an Lord Rothschild und die Zionist Federation adressiert wurde. Die Deklaration besagt:</span><br /><span style="color: #000000;">„Die Regierung Seiner Majestät betrachtet mit Wohlwollen die Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina und wird ihr Bestes tun, die Erreichung dieses Zieles zu erleichtern, mit der Maßgabe, dass nichts geschehen soll, was die bürgerlichen und religiösen Rechte der bestehenden nicht-jüdischen Gemeinschaften in Palästina oder die Rechte und den politischen Status der Juden in anderen Ländern in Frage stellen könnte.“</span><br /><span style="color: #000000;">Der Nebensatz zeigte eindeutig, dass die britischen Imperialisten sogar damals ein klares Verständnis über die Implikationen ihrer Billigung hatten. Auf kapitalistischer Ebene führte die sogenannte „Lösung“ der jahrhundertealten Unterdrückung der Juden zwangsläufig dazu, dass sich die „Palästinenserfrage“ in besonders scharfer Weise stellte.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<figure id="attachment_20825" class="wp-block-image">
<figure id="attachment_20825" aria-describedby="caption-attachment-20825" style="width: 228px" class="wp-caption alignleft"><img decoding="async" class="wp-image-20825" src="https://derfunke.at/wp-content/uploads/2024/02/Balfour_dec_Image_public_domain-228x300.webp" alt="" width="228" height="300" /><figcaption id="caption-attachment-20825" class="wp-caption-text">Auf kapitalistischer Grundlage führte die so genannte „Lösung“ der jahrhundertealten Unterdrückung der Juden zwangsläufig zur Entstehung der „Palästinenserfrage“ / Bild: public domain</figcaption></figure>
<figcaption class="wp-element-caption"></figcaption>
</figure>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">1923 schrieb ein rechter Zionist, Wladimir Jabotinsky, sein politisches Manifest: Die eiserne Mauer. Er erkannte die Bedeutung der Balfour-Deklaration und argumentierte, dass die Palästinenser mit einer „eisernen Mauer aus jüdischen Bajonetten“ gezwungen werden müssten, sich zu unterwerfen und ergänzte später – „britische Bajonette“. Aus seiner Sicht hing die Durchführbarkeit des zionistischen Projekts von der aktiven Unterstützung und Gunst des britischen Imperialismus ab.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Diese Unterstützung wurde Realität, nachdem das Osmanische Reich zerfiel und das britische Mandat über Palästina erteilt wurde.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Unter der britischen Herrschaft konnten die Zionisten halbstaatliche Institutionen errichten: die Jewish Agency als eine Art Regierung in Keimform; den Jüdischen Nationalfonds, um Finanzen zu lenken und Land zu erwerben und vor allem eine jüdische Miliz, die Hagana.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Dennoch befanden sich mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs immer noch nicht mehr als 60.000 Juden in Palästina, das bis 1908 erworbene Land machte nur 1,5% des verfügbaren Grund und Bodens aus. In den 1920er beschleunigte sich – als Resultat des britischen Mandats für Palästina – der Zustrom neuer Siedler. 1929 sah die Bilanz der jüdischen Einwanderung seit 1880 wie folgt aus: Von etwa 4 Millionen Juden, die in dieser Periode aus Mittel- und Osteuropa auswanderten, gingen nur 120.000 nach Palästina (manche davon nur vorübergehend), verglichen mit 2,9 Millionen in die USA, 210.000 nach Großbritannien, 180.000 nach Argentinien, 125.000 nach Kanada. Die jüdische Siedlerbevölkerung in Palästina wuchs, sie erreichte 150.000 im Jahr 1929 und stieg bis 1936 auf über 400.000 an.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<figure class="wp-block-image aligncenter"><span style="color: #000000;"><img decoding="async" class="wp-image-20734" src="https://derfunke.at/wp-content/uploads/2024/02/statistik_palaestina.gif" alt="" /></span></figure>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die zunehmenden Spannungen zwischen Palästinensern und Siedlern erreichten ihren Höhepunkt mit den Unruhen von Jaffa im Mai 1921, bei denen Dutzende Menschen auf beiden Seiten getötet wurden.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Im August 1929 wurde ein Aufstand der Palästinenser gegen die britische Besatzung zu einer blutigen Auseinandersetzung, bei der jüdische Gemeinden mehrmals angegriffen wurden. Einer dieser Angriffe traf die kleine palästinensische jüdische Gemeinschaft von Hebron (etwa 600 Menschen) – eine Gemeinde, deren Bestehen bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht. 66 Juden wurden bei diesem Angriff getötet, obwohl viele Palästinenser versuchten, die Flüchtenden zu beschützen, indem sie sie in ihre Häuser aufnahmen. Die jüdische Gemeinde in Hebron wurde ausgelöscht. Die Hagana wehrte weitere Angriffe ab. Die tragische Bilanz der Todesopfer der „blutigen Tage“ im August 1929 lag bei 133 Juden und 116 Palästinensern.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Dies führte zum entscheidenden Anstoß für die Konsolidierung der jüdischen Miliz (Hagana), die zunehmend mit der britischen Besatzungsmacht zusammenarbeitete.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Die Gründung der Kommunistischen Partei Palästinas</span></h3>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">In den 1920er und 1930er bot sich tatsächlich die Möglichkeit, gestützt auf die Arbeiterklasse eine revolutionäre Alternative aufzubauen, die den Ausbruch eines Bürgerkriegs verhindern hätte können, in dem jüdische und arabische Arbeiter alles zu verlieren hatten.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Anfang der 1920er förderte die Anwesenheit der britischen Kolonialverwaltung einen gewissen Grad der industriellen Entwicklung des Küstenstreifens, wodurch ein Wirtschaftssektor geschaffen wurde, in dem jüdische und palästinensische Arbeiter Seite an Seite arbeiteten. Diese Entwicklung hatte Auswirkungen auf die überwiegend ländliche palästinensische Wirtschaft und führte zu einer starken Zuwanderung vom Land in die Küstenstädte.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Um die Kolonialverwaltung herum entstanden die Eisenbahn, die Telefongesellschaft, Post und Telegraf, Häfen und Werften, Zivilverwaltungen, denen die lokale Verwaltung von Städten mit gemischter Bevölkerung zugeteilt wurde, und im Privatsektor stellten manche großen Firmen mit ausländischem Kapital jüdische und palästinensische Arbeitskräfte an. Zum Beispiel die Zementwerke Nescher, das Terminal der Iraq Oil Company und die Raffinerie in Haifa, und die rasch expandierende Bauindustrie.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Zwischen den Volkzählungen von 1922 und 1931 wuchs die Bevölkerung der palästinensischen Araber um 40% und in Städten wie Jaffa und Haifa um jeweils 63% und 87%. Die Neuankömmlinge ließen die Reihen des Proletariats in allen Sektoren anschwellen, was schnell einen beachtlichen Anstieg der gewerkschaftlichen Kämpfe bedeutete. Zur Zuwanderung aus den ländlichen Gebieten gesellte sich die Einwanderung aus Nachbarländern, insbesondere aus Ägypten.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Der Mangel an jüdischen Arbeitskräften, um arabische Arbeit zu ersetzen, führte sehr oft dazu, dass billige jüdische Arbeiter aus dem Jemen oder dem Maghreb nach Palästina importiert wurden. Sie stellten einen Teil der jüdischen Arbeiterklasse dar, der besonders ausgebeutet wurde und weit entfernt war von der Mehrheit der Zionisten mit europäischen Wurzeln, die zum Großteil Jiddisch sprachen und alle Führungspositionen in den zionistischen Institutionen bekleideten.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">In dieser Zeit entstand die wachsende Kluft zwischen aschkenasischen (aus Europa) und sephardischen Juden (Nachfahren der Diaspora spanischer Juden, die sich im Osmanischen Reich angesiedelt hatten), die die israelische Gesellschaft heute immer noch prägt. Die Sephardim sprachen Ladino, einen aus dem Spanischen stammenden Dialekt. Sie konnten oft Arabisch sprechen oder verstehen und gehörten zu einer sozialen Schicht, die etwas höher stand als die Masse des arabischen Proletariats. Unter diesen Bedingungen entstand schnell ein Klassenbewusstsein in dieser Schicht, die sich instinktiv den Arabern näher fühlte als den großen jüdischen Tycoons wie Rothschild und Co.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die zionistischen „sozialistischen“ Parteien lehnten jedoch jede Forderung, die jüdischen Gewerkschaften auch für die arabischen Arbeiter zu öffnen, erbittert ab. Die Differenzen reichten von David Ben-Gurions Achdut HaAwoda, die für die gewerkschaftliche Organisierung der Araber waren, aber in getrennten Organisationen in „gleicher Würde“ (unter zionistischer Führung), bis hin zu Chaim Arlosoroffs HaPoel HaZair, die den rein jüdischen Charakter der gewerkschaftlichen Organisation verteidigte, um eine zunehmende Arbeitsteilung zwischen einer jüdischen Arbeiteraristokratie mit den qualifiziertesten und bestbezahlten Jobs und einer Masse an unorganisierten arabischen Arbeitern zu fördern.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Ein dritter Standpunkt wurde von einer anderen Partei der zionistischen Linken geäußert, der Poale Zion. Diese Partei ging zu halbrevolutionären Haltungen über, indem sie 1924 um Mitgliedschaft bei der Kommunistischen Internationale (KI) ansuchte, sich allerdings nicht vollständig vom Zionismus lossagte. Die KI weigerte sich eine Partei aufzunehmen, die nicht komplett frei vom Zionismus war. Dies führte zu einer Spaltung und der Gründung der Kommunistischen Partei Palästinas (KPP). Die neue Partei wurde sofort aus der zionistischen Gewerkschaft Histadrut ausgeschlossen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Arbeitskämpfe und Klasseneinheit</span></h3>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die KPP vertrat eine Position zugunsten gemeinsamer Gewerkschaften, ohne Diskriminierung entlang nationaler oder religiöser Linien. Indem sie diese politische Linie verfolgte, konnte die KPP die wachsende Radikalität und Forderungen nach Einheit, die sich aus den Erfahrungen der Arbeiter ergaben, zu ihrem Vorteil nutzen. Der Drang zur Einheit wurde aber sowohl von der zionistischen Führung als auch den arabischen Nationalisten abgelehnt und behindert.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die KPP schlug ihre Wurzeln in der arabischen und der jüdischen Arbeiterklasse. Die Partei veröffentlichte zwei Zeitungen in zwei Sprachen. Obwohl sie ihre Hauptunterstützung unter den arabischen Arbeitern fand, gewann die KPP 8% der Stimmen in der Wahl für den Jischuv (den jüdischen Rat), über 10%, wenn man die Stimmen in den Städten betrachtet.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<figure id="attachment_20827" class="wp-block-image">
<figure id="attachment_20827" aria-describedby="caption-attachment-20827" style="width: 300px" class="wp-caption alignright"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-20827" src="https://derfunke.at/wp-content/uploads/2024/02/Palestinian_communist_poster_Image_public_domain-300x207.jpg" alt="" width="300" height="207" /><figcaption id="caption-attachment-20827" class="wp-caption-text">Die PCP schlug ihre Wurzeln sowohl in der arabischen als auch in der jüdischen Arbeiterklasse / Bild: public domain</figcaption></figure>
<figcaption class="wp-element-caption"></figcaption>
</figure>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Ein Ereignis – kurz andauernd, aber bedeutsam – zeigte das Potenzial für die Entwicklung der Klasseneinheit während eines Streiks. Zweihundert jüdische Arbeiter der Zementwerke Nescher in Haifa wurden im Streik von 80 ägyptischen Mitarbeitern, die weniger Rechte hatten und halb so viel bezahlt bekamen, unterstützt und brachten ihre eigenen Forderungen vor. Nach einem zweimonatigen Streik machte der Chef Zugeständnisse für ein paar der Forderungen der jüdischen Arbeiter. Die Arbeiter stimmten mit 170 zu 30 gegen diesen Deal (und widersetzten sich somit der Linie ihrer eigenen Gewerkschaft) und schworen so lange zu streiken, bis die Forderungen ihrer ägyptischen Genossen vollständig erfüllt würden. Die Gefahr, dass so ein Beispiel ansteckend sein könnte, brachte die Führung der Histadrut dazu, Druck auf die britische Kolonialverwaltung auszuüben, die hart gegen den Streik vorging, indem sie alle 80 ägyptischen Arbeiter deportierte.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Eine Bereitschaft zur Arbeitereinheit im Kampf ergab sich mehrere Male zwischen 1925-1935. Man sollte hier den Streik der Bäcker erwähnen, die Kämpfe der Hafenarbeiter in Haifa und der Bahnarbeiter, den Streik des öffentlichen Verkehrs und der Taxifahrer im Jahr 1931. 1935 ereignete sich ein wichtiger Kampf der Arbeiter in der Iraqi Oil Company und der Haifa-Raffinerie.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">In diesen Jahren organisierte die KPP Gewerkschaften unabhängig von der Histadrut und gewann in vielen Gebieten eine wichtige Unterstützungsbasis unter der Mehrheit der arabischen und vieler jüdischer Arbeiter. Ihre Erfolge zwangen die Zionisten, ihre Taktik zu ändern und arabische Gewerkschaften zu fördern, die sich mit den zionistischen Gewerkschaften zusammenschlossen, um dem Einfluss der Kommunisten entgegenzuwirken.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Das enorme Potenzial, das das Wachstum der KPP darstellte, wurde jedoch durch die Folgen der stalinistischen Degeneration der UdSSR zunichte gemacht. Die sowjetische Bürokratie unter Stalin verwandelte die Kommunistische Internationale in ein reines Werkzeug für ihre diplomatischen Interessen. Das bedeutete, die korrekte revolutionäre Politik der Einheit der Arbeiterklasse aufzugeben, indem man sich mit dem arabischen Nationalismus während des Großen arabischen Aufstands in Palästina 1936-1939 anbiederte, was den Verlust der Unterstützung für die KPP unter den meisten jüdischen Arbeitern zur Folge hatte. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die KPP noch härter getroffen, da Moskau eine Kehrtwende machte und im Krieg mit dem britischen Kolonialismus zusammenarbeitete, was die Parteibasis in der palästinensischen Arbeiterklasse schwächte, bevor der Partei schlussendlich 1948 der Gnadenstoß gegeben wurde, als die UdSSR sich entschied, die Gründung von Israel zu unterstützen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Die reaktionäre Rolle der palästinensischen Elite</span></h3>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Das frisch entstandene nationalistische Lager unter den Palästinensern wurde von einigen wenigen einflussreichen Familien beherrscht, die Kommunalbeamte, Richter, Polizisten, religiöse Amtsinhaber und Staatsbedienstete im Osmanischen Reich und später in der britischen Kolonialmacht stellten. Sie erhoben sich zur nationalen Führung der Palästinenser. Doch eine riesige Kluft trennte die Elite von den weitgehend armen und ungebildeten Massen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Der Kampf um die Vorherrschaft zwischen der arabischen Husseini- und der Naschaschibi-Familie Mitte der 1930er führte zur Gründung zweier verfeindeter arabisch-nationalistischer Parteien. Die Nationale Verteidigungspartei der Naschaschibi-Familie wurde von der radikaleren nationalistischen Arabischen Partei Palästinas gekontert. Doch die ganze Treue zum arabischen Nationalismus hinderte die beiden Familien nicht daran, sich zu einer Vielzahl von Menschen zu zählen, die im Geheimen Land an die Zionisten verkauften.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die Arabische Partei Palästinas radikalisierte ihre Positionen entlang einer antisemitischen Linie. Viele arabische Nationalisten (darunter auch der spätere ägyptische Präsident Anwar as-Sadat) sympathisierten offen mit dem Faschismus und Nationalsozialismus. Amin al-Husseinis Worte der Unterstützung für Hitler in einer Rede vor dem deutschen Konsul in Jerusalem sind bezeichnend: „Die Muslime innerhalb und außerhalb von Palästina heißen das neue Regime in Deutschland willkommen und hoffen, dass sich das faschistische anti-demokratische Regierungssystem auf andere Länder ausbreiten wird.“</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Bewaffnete arabisch-nationalistische Gruppierungen entstanden. Die Schwarze Hand, geführt von Scheich Izz ad-Din al-Qassam, verübte seit 1931 vereinzelte Angriffe auf jüdische Siedler. Al-Qassam wurde am 21. November 1935 von britischen Truppen in einem Hinterhalt getötet, was ihn zu einer Symbolfigur der arabischen Nationalisten machte.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Das Tempo der jüdischen Einwanderung nahm während der 1930er weiter zu. Zwischen 1931 und 1934 wurde Palästina von einer langanhaltenden Dürre getroffen. 1932 fiel die landwirtschaftliche Produktion je nach Feldfrucht und betroffener Region um 30 bis 75%. Dies verarmte palästinensische Dörfer und führte zu einer Überfüllung der Slums um Jaffa und Haifa. Zudem wurde das Land von einer Finanzkrise getroffen, die durch die Folgen der Abessinien-Krise ausgelöst wurde und zum Bankrott vieler Firmen führte. Die Kombination dieser Faktoren verschärfte die Lage der palästinensischen Massen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Der Große arabische Aufstand von 1936-1939</span></h3>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die Konflikte von 1921 und 1929 waren zwar brutal und blutig, trafen aber nur eine kleine Schicht der arabischen und jüdischen Bevölkerung direkt.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Im April 1936 breitete sich der palästinensische Aufstand jedoch von den Städten ausgehend massenhaft aus, in denen durch die Initiative der radikalisierten Jugend, der Schabab, spontan „Nationalkomitees“ gebildet wurden. Die traditionellen Führer sträubten sich vor einer direkten Auseinandersetzung mit den britischen Behörden. Erst am 25. April wurde das Arabische Hochkomitee gegründet, um den Aufstand unter die Führung der Husseinis zu bringen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Der Aufstand wurde durch einen sechsmonatigen Generalstreik der Araber sowie durch einen dauerhaften halb-aufständischen Kampf und einer bewaffneten Guerilla in ländlichen Regionen geprägt (von Mitte Mai bis Mitte Oktober).</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<figure id="attachment_20829" class="wp-block-image">
<figure id="attachment_20829" aria-describedby="caption-attachment-20829" style="width: 300px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-20829" src="https://derfunke.at/wp-content/uploads/2024/02/British_soldiers_Jersualem_Image_public_domain-300x200.webp" alt="" width="300" height="200" /><figcaption id="caption-attachment-20829" class="wp-caption-text">Die traditionellen Führer zögerten, sich offen mit den britischen Behörden anzulegen / Bild: public domain</figcaption></figure>
<figcaption class="wp-element-caption"></figcaption>
</figure>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Dass sich das Ausmaß dieses Aufstandes von den bisherigen unterschied, bemerkte Ben-Gurion selbst und schrieb, dass die Araber „gegen die Vertreibung (kämpfen) … Der Araber führt einen Krieg, der nicht ignoriert werden kann. Er tritt in den Streik, er wird getötet, er bringt große Opfer.“ Am 19. Mai 1936 meinte er auch, dass „(die Araber) genau das Gegenteil von uns (sehen). Es spielt keine Rolle, ob ihre Ansichten richtig sind… Sie sehen eine Einwanderung im großen Stil… Sie sehen, dass die Juden sich wirtschaftlich festigen… Sie sehen, dass die besten Ländereien in unsere Hände gelangen. Sie sehen, dass England sich mit dem Zionismus identifiziert.“</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die Zionisten (an deren Spitze die Gewerkschaft Histadrut stand) verfolgten eine aggressive Streikbrecherpolitik, die darauf abzielte, palästinensische Arbeiter in einem Unternehmen nach dem anderen durch jüdische zu ersetzen. 1937 erklärte der Sekretär des Gewerkschaftsverbandes in Jaffa den Standpunkt der Zionisten folgendermaßen: „Das grundlegende Ziel der Histadrut ist die ‚Eroberung der Arbeit‘. (…) Egal, wie viele Araber arbeitslos sind, sie haben kein Recht darauf, eine Stelle anzunehmen, die ein möglicher Einwanderer besetzen könnte. Kein Araber hat das Recht, in jüdischen Unternehmen zu arbeiten. Wenn Araber auch bei anderen Arbeiten verdrängt werden können… ist das gut.“</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die britischen Behörden hatten monatelang keine andere Wahl, als darauf zu warten, dass der Aufstand an Stärke verlor. Erst am 7. September wurde das Kriegsrecht ausgerufen und eine Ausgangssperre verhängt. 20.000 Soldaten wurden aus Großbritannien und Ägypten eingezogen und zusätzlich von 2.700 jüdischen Polizisten unterstützt. Die Aufstandsbekämpfung begann, die die arabische Führung zwang, den Streik bis zum 10. Oktober abzusagen, in der Hoffnung, eine Verhandlungslösung zu erzielen.</span><br /><span style="color: #000000;">Die britische Regierung berief eine Königliche Kommission unter dem Vorsitz von Lord Peel ein, um eine Untersuchung durchzuführen und die Bedingungen für eine Schlichtung des palästinensisch-zionistischen Konfliktes festzulegen. Der am 7. Juli 1937 veröffentlichte, 404-seitige Peel Report empfahl die Teilung Palästinas: 20% des Gebiets sollten an die jüdische Autonomiebehörde gehen; Jerusalem und ein Korridor nach Jaffa sowie die Küstenstädte mit einer gemischten Bevölkerung sollten unter britische Verwaltung gestellt werden; der Rest sollte sich Transjordanien anschließen und einen gemeinsamen arabischen Staat bilden. Die Folge dieses Vorschlags wäre die Zwangsumsiedelung von 225.000 Palästinensern und 1.250 Juden.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die zionistischen Führer Weizmann und Ben-Gurion sahen den Peel Report als Sprungbrett für eine weitere Expansion. Weizmann bemerkte: „Die Juden wären Narren, wenn sie ihn nicht annehmen würden, auch falls (das ihnen zugeteilte Gebiet) so groß wie ein Tischtuch sein sollte.“ Der Bericht wurde also von den Zionisten akzeptiert, während er vom Arabischen Hochkomitee abgelehnt wurde.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Die zweite Phase des Aufstands</span></h3>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Im September 1937 nahm der Aufstand wieder an Fahrt auf, aber das Arabische Hochkomitee wurde durch eine heftige Fehde auseinandergerissen, als die Husseinis versuchten, im Juli 1937 ein Attentat auf den Führer der gegnerischen Familie zu verüben. „Nun trennen Blutströme die beiden Fraktionen“, bemerkte Eliahu Sasson, ein hochrangiger Beamter der Jewish Agency im April 1939.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Der Aufstand verlief in einer Spirale aus Konflikten und Repression weiter. Das Arabische Hochkomitee wurde verboten und 200 seiner Führer verhaftet, viele von ihnen wurden gehängt, während andere flohen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Der Peel Report spornte die rechte jüdische revisionistische Partei (die eine Revision des britischen Mandats forderte) dazu an, eine Terrorkampagne gegen einfache Palästinenser zu starten. Mehrere Bombenanschläge der Irgun Zwai Leumi wurden an palästinensischen Zivilisten an Bushaltestellen und Märkten verübt, bei denen Hunderte getötet und verstümmelt wurden.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die bewaffneten Gruppierungen der Palästinenser agierten ohne ein zentralisiertes Kommando. Viele von ihnen hatten keine Perspektive und entwickelten sich zu kriminellen Banden, die palästinensische Bauern ausraubten und ihre Unterstützer bald abschreckten. Diese Situation schwächte die Aussicht auf Erfolg des Aufstandes entscheidend.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Der Aufstand dauerte bis zum Mai 1939. An seinem Höhepunkt im Herbst 1938 waren etwa 20.000 palästinensische Kämpfer beteiligt. Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg endete der ernsteste und langwierigste arabische Aufstand gegen die britische Besatzung mit mehreren tausend Todesopfern und einer De-facto-Niederlage.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Der Zweite Weltkrieg und der Holocaust</span></h3>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die Niederlage des Aufstands wurde mit einer scharfen Wendung in der Politik des britischen Imperialismus geahndet. Die Briten befürchteten, dass sobald ihre Streitkräfte an anderen Fronten eingesetzt werden mussten, ein neuer arabischer Aufstand ausbrechen würde. Darüber hinaus wollte der britische Imperialismus die arabische Bourgeoisie nicht zu seinem Feind machen, um zu verhindern, dass diese mit den Nazis kollaborieren.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Das von der Kolonialverwaltung entworfene Weißbuch (veröffentlicht am 17. Mai 1939) forderte zum ersten Mal eine Deckelung der jüdischen Einwanderung (höchstens 75.000 in den nächsten fünf Jahren) und starke Einschränkungen des Landerwerbs durch Juden. Außerdem wurde in Aussicht gestellt, in zehn Jahren einen nach dem Mehrheitsprinzip regierten, unabhängigen Staat gründen zu können.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Natürlich gewann der britische Imperialismus durch diesen Kurswechsel keine größere Unterstützung bei den Arabern. Er beeinträchtigte jedoch Großbritanniens enges Verhältnis zur zionistischen Führung. Die britische Kehrtwende (genau in dem Moment, in dem die Angst vor der antisemitischen Politik der Nazis zunahm) wurde von den Zionisten als Verrat empfunden.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die britischen Behörden hatten den Übergang der Hagana zur „aggressiven Verteidigung“ gegen die Palästinenser gefördert. Im Mai 1938 gründete die Hagana „Feldkompanien“, um aufstandsbekämpfende Taktiken in ländlichen Gebieten anzuwenden. Einen Monat später wurden die Special Night Squads geschaffen, die das Ziel hatten, nachts arabische Viertel und Dörfer, die den Aufstand unterstützten, zu terrorisieren. Dieselben Taktiken würden ein Jahrzehnt später in viel größerem Ausmaß von den Zionisten eingesetzt werden, um im Vorfeld der Gründung Israels dafür zu sorgen, dass die Palästinenser in Panik aus ihren Dörfern und Häusern fliehen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<figure id="attachment_20831" class="wp-block-image">
<figure id="attachment_20831" aria-describedby="caption-attachment-20831" style="width: 300px" class="wp-caption alignright"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-20831" src="https://derfunke.at/wp-content/uploads/2024/02/Holocaust_survivors_in_Israel_Image_public_domain-300x190.jpg" alt="" width="300" height="190" /><figcaption id="caption-attachment-20831" class="wp-caption-text">Die zionistische Führung nutzte die Verzweiflung der aus Europa fliehenden Juden, um die internationale Unterstützung für den Zionismus zu stärken / Bild: public domain</figcaption></figure>
<figcaption class="wp-element-caption"></figcaption>
</figure>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Anfang des Jahres 1939 wurden drei geheime Einheiten mit der Bezeichnung Plugot meyuchadot („Spezialoperationen“) gegründet, um einerseits Repressalien in arabischen Dörfern und an Guerillaeinheiten auszuüben und andererseits britische Einrichtungen anzugreifen und Informanten auszuschalten. Diese Einheiten waren David Ben-Gurion direkt unterstellt.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die ersten Berichte über Massendeportationen von Juden begannen sich langsam zusammen mit den jüdischen Flüchtlingen aus Europa zu verbreiten, was enorme psychologische Auswirkungen auf die jüdische Bevölkerung der Diaspora (besonders in den USA) hatte, die die abscheulichen Einwanderungsbeschränkungen der britischen Behörden unerträglich fanden.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Doch die Haltung der zionistischen Führung zur Bedrohung durch die Nazis war von Zynismus geprägt. Im Dezember 1938, einen Monat nach dem Nazi-Pogrom, das später als Kristallnacht bekannt wurde, sagte Ben-Gurion: „Wenn ich wüsste, dass es möglich wäre, alle (jüdischen) Kinder Deutschlands zu retten, indem man sie nach England schickt oder nur die Hälfte davon zu retten, indem man sie nach Eretz Israel schickt, würde ich die zweite Option wählen – weil wir nicht nur mit der Anzahl dieser Kinder, sondern auch der historischen Bilanz des jüdischen Volkes konfrontiert sind.“ Im Dezember 1942 meinte er erneut: „Die Katastrophe des europäischen Judentums ist nicht unmittelbar meine Angelegenheit…“</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die zionistische Führung nutzte die Verzweiflung der aus Europa flüchtenden Juden, um die internationale Unterstützung für den Zionismus zu stärken und um sich der Blockade der britischen Behörden, die um jeden Preis entschlossen waren, der illegalen Einwanderung ein Ende zu setzen, offen zu widersetzen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Ein Teil des zionistischen rechten Flügels lehnte jedoch jegliche Zusammenarbeit mit den Briten ab. Im November 1944 verübten die Lochamei Cherut Israel (LECHI), die „Kämpfer der Freiheit Israels“ (auch als Stern-Bande bekannt), in Kairo ein Attentat auf den britischen Nahostminister Lord Moyne.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Eine Reihe von Flüchtlingsbooten wurde in offener Missachtung des britischen Verbots zu Wasser gelassen, was ein Tauziehen mit den Mandatsbehörden zur Folge hatte, die beschlossen hatten, alle Versuche zu verhindern und tausende Flüchtlinge nach Mauritius und Zypern in Konzentrationslager zu deportieren. Die Flüchtlinge waren Schachfiguren, gefangen in einem zynischen Machtspiel, das zu mehreren Tragödien führte. Im November 1940 sprengte die Hagana die SS Patria, ein Schiff im Hafen von Haifa, auf dem 1.700 Einwanderer nach Mauritius deportiert werden sollten, und verursachte 252 Todesfälle. Ein weiteres Schiff, die Struma, sank mit 769 Flüchtlingen an Bord am 25. Februar 1942 im Schwarzen Meer, nachdem die britischen Behörden den Transport untersagten (alle bis auf eine Person kamen ums Leben).</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Sehr wenige jüdische Flüchtlinge flohen während des Krieges nach Palästina, während die Nazis sechs Millionen Juden in Europa vernichteten, ebenso wie Millionen von Slaven, Roma, Kommunisten und Antifaschisten verschiedenster Nationalitäten, Religionen und politischer Orientierungen.</span></p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://derkommunist.de/?p=3375">Hier findest du Teil 2.</a></p>
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		<title>Geschichte Israel-Palästinas [Teil 2]</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Francesco Merli]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 13 Oct 2024 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Asien]]></category>
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		<category><![CDATA[Geschichte ab 1945]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Von der Nakba zur Intifada und den Oslo-Abkommen In diesen beiden Artikeln erläutert Francesco Merli die dubiosen Geschäfte und Machenschaften der imperialistischen Nationen, die den Weg für die Teilung des damaligen Palästinas [&#8230;]</p>
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<h2 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Von der Nakba zur Intifada und den Oslo-Abkommen</span></h2>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">In diesen beiden Artikeln erläutert <em>Francesco Merli</em> die dubiosen Geschäfte und Machenschaften der imperialistischen Nationen, die den Weg für die Teilung des damaligen Palästinas geebnet haben. Dieser Abschnitt der Geschichte bestätigt die Kurzsichtigkeit der herrschenden Klasse, die die mit Gewalt und Erniedrigung gefüllte Büchse der Pandora öffnete, welche das Land seither wie eine Plage heimsucht. Wichtige historische Ereignisse werden behandelt, vom Sechstagekrieg bis zur ersten Intifada.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Durch die Betrachtung der gesamten Geschichte der Region und insbesondere Israels und Palästinas werden die Klasseninteressen, die oft verdeckt werden, offen dargelegt.</span></p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://derkommunist.de/?p=3369">Hier findest du Teil 1.</a></p>

<p class="wp-block-paragraph"><br /><span style="color: #000000;">Lange vor der Ausrufung des Staates Israel (14. Mai 1948) entpuppte sich der zionistische Traum von der Gründung eines Staates, der die Juden beschützen und dem biblischen Land Israel neues Leben einhauchen sollte, schlichtweg als Albtraum.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Der Slogan „Ein Land ohne Volk für ein Volk ohne Land“, der in verschiedenen Varianten von der zionistischen Propaganda ausgerufen wurde, war eine Mystifizierung der realen Situation Palästinas. Er blendete die lästige Anwesenheit der Palästinenser, die das Land bewohnten, aus.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die zionistische Führung verstand jedoch nur zu gut, dass ein Konflikt mit der arabischen Mehrheit um die Kontrolle über Palästina unausweichlich war. David Ben-Gurion, das erste Oberhaupt des neugeborenen Staates Israel, sagte bereits 1919 auf einer zionistischen Führungssitzung: „Jeder sieht Schwierigkeiten in der Frage der Beziehungen zwischen Arabern und Juden. Aber nicht jeder sieht, dass es keine Antwort auf diese Frage gibt. Keine Antwort! Dieser Abgrund lässt sich mit nichts überbrücken… Ich wüsste nicht, welcher Araber zustimmen würde, dass Palästina den Juden gehören sollte… Wir als Nation wollen, dass dieses Land unser sei; die Araber als Nation wollen, dass das Land ihnen gehört.“</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">In den Augen der zionistischen Führer stellte jeder Siedler, der Palästina betrat, einen weiteren Soldaten im Krieg um die Eroberung des Landes dar. Alle ihre Handlungen hatten das Ziel, Bedingungen zu schaffen, die ihnen ermöglichen würden, die Mehrheit der arabischen Bevölkerung aus Palästina zu vertreiben und die Geburt des israelischen Staates herbeizuführen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<figure id="attachment_20834" class="wp-block-image">
<figure id="attachment_20834" aria-describedby="caption-attachment-20834" style="width: 300px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-20834" src="https://derfunke.at/wp-content/uploads/2024/02/First-Intifada-Palestine_Image_public_domain-300x200.webp" alt="" width="300" height="200" /><figcaption id="caption-attachment-20834" class="wp-caption-text">Der Preis für die Gründung des neuen Staates war die systematische Unterdrückung des palästinensischen Volkes / Bild: public domain</figcaption></figure>
<figcaption class="wp-element-caption"></figcaption>
</figure>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">„Der Versuch, die jüdische Frage durch die Zuwanderung von Juden nach Palästina zu lösen, zeigt sich jetzt als das, was er ist: eine tragische Verhöhnung des jüdischen Volkes.“ Diese Zeilen schrieb Leo Trotzki im Juli 1940 und bezog sich auf die Kehrtwende des britischen Imperialismus, der zuerst die jüdische Einwanderung befürwortete, nur um dann zu versuchen, diese gewaltsam aufzuhalten, als sie nicht mehr seinen Interessen entsprach. Trotzki zeigte auf, dass jede Lösung der Judenfrage auf Basis eines morschen kapitalistischen Systems eine blutige Falle für Abertausende Juden werden würde. Trotzki erlebte das Kriegsende nicht mehr und konnte nicht miterleben, welche Auswirkungen das neue Kräfteverhältnis der Nachkriegszeit auf die Perspektiven des Zionismus haben würde.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Im neuen Kräftegleichgewicht, das aus dem Krieg hervorging, wurde plötzlich möglich und schließlich zur Realität, was zuvor unwahrscheinlich erschien. Israel wurde auf den Ruinen des britischen Mandatsgebietes gegründet. Allerdings wurde der Staat auf palästinensischem Blut gegründet. 750.000 Palästinenser wurden aus ihrem Land vertrieben. Der neue Staat entstand um den Preis, dass er sich auf die systematische Unterdrückung der Palästinenser stützen musste. Das zionistische Projekt enthüllte sich als reaktionäre Utopie voller tragischer Konsequenzen. Seine Umsetzung schuf Wunden, die nach über siebzig Jahren noch immer offen sind.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Seit seiner Gründung ist die Geschichte Israels von Kriegen durchzogen. Die Liste ist lang und wir beziehen nur die wichtigsten Kriege mit ein. Wie wir bald sehen werden, ging Israel aus dem sogenannten „Unabhängigkeitskrieg“ von 1948-49 hervor, den die Palästinenser und die arabische Welt als Nakba (Katastrophe) bezeichnen. Darauf folgte 1956 der Suezkrieg; 1967 der Sechstagekrieg; 1973 der Jom-Kippur-Krieg, sowie drei Einmärsche in den Libanon in den Jahren 1978, 1982 und 2006, unzählige Bombenanschläge und Gefechte während des jahrzehntelangen Zermürbungskrieges gegen die Hisbollah im Südlibanon, und ein halbes Dutzend „Kriege“ (meist schwere Bombardements aus der Ferne) gegen die Hamas in Gaza. Die Geschichte Israels ist gekennzeichnet von unzähligen palästinensischen Widerstandsbewegungen, wie etwa Massenaufstände (die erste Intifada 1987-1992 und die zweite Intifada 2000-2003) der unbeugsamen Bevölkerung jener Gebiete, die 1967 besetzt wurden.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Anstatt ein „Schutzraum“ für Juden zu sein, stellte sich heraus, dass die konkrete Realität des „Gelobten Landes“ eine belagerte Festung darstellt, die von feindseligen Völkern und Gegnern umzingelt ist. Die israelische herrschende Klasse nutzte diese Kriege gekonnt aus, um eine tiefe „Belagerungsmentalität“ in der Mehrheit der jüdischen Bevölkerung in Israel und Israels Unterstützern in der jüdischen Diaspora zu verankern.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Zionistischer Terrorismus und der britische Abzug</span></h3>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Während des Krieges kollaborierten die meisten Zionisten und arabischen Nationalisten mit der britischen Armee. Eine jüdische Brigade von 23.000 Mann kämpfte unter dem Kommando der Alliierten. Der palästinensische Trupp zählte 9.000 Mann.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">1944 machte das von den Zionisten erworbene Land in Palästina immer noch nicht mehr als 6,6% des britischen Mandatsgebietes aus. Doch der Zionismus wurde durch den Krieg wesentlich gestärkt. Die Jewish Agency war zumindest im Ansatz zu einem Halbstaat geworden, der über eine eigene Wirtschaft, eigene Institutionen und vor allem eine eigene Armee verfügte, die während des Krieges von den Alliierten zu Tausenden ausgebildet und bewaffnet worden war.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<figure id="attachment_20836" class="wp-block-image">
<figure id="attachment_20836" aria-describedby="caption-attachment-20836" style="width: 300px" class="wp-caption alignright"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-20836" src="https://derfunke.at/wp-content/uploads/2024/02/King_David_hotel_Image_public_domain-300x298.jpg" alt="" width="300" height="298" /><figcaption id="caption-attachment-20836" class="wp-caption-text">Der schwerste dieser zionistischen Terroranschläge versetzte dem Zentrum der Mandatsverwaltung den Todesstoß / Bild: public domain</figcaption></figure>
<figcaption class="wp-element-caption"></figcaption>
</figure>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Sobald der Krieg vorüber war, wechselten die zionistischen Führer ihre Taktik. Zwischen 1945 und 1948 verbündeten sich die Hagana und die Irgun Zwai Leumi (die bewaffnete Miliz der zionistischen Rechten), um Angriffe gegen die britische Besatzung und die arabische Bevölkerung durchzuführen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die schwerste dieser zionistischen Terroranschläge versetzte der Mandatsverwaltung einen tödlichen Schlag mitten ins Herz. Am 22. Juli 1946 setzte die Irgun unter dem Kommando des zukünftigen israelischen Ministerpräsidenten Menachem Begin genügend Sprengstoff ein, um den Südflügel des King David Hotels in Jerusalem in die Luft zu sprengen, wo sich das Hauptquartier der Zivilverwaltung des britischen Mandats befand. 91 Briten, Palästinenser und Juden wurden in der Explosion getötet, Dutzende wurden verletzt.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Diese plötzliche Eskalation machte die Lage für den britischen Imperialismus unhaltbar. Obwohl Großbritannien im Zweiten Weltkrieg zu den Gewinnern gehörte, ging es geschwächt aus dem Krieg hervor und sein Reich lag in Trümmern. Aus diesem Grund verkündete das Vereinigte Königreich im April 1947, innerhalb eines Jahres aus Palästina abzuziehen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Das löste eine Debatte über den Status Palästinas aus. Das Zentrum der imperialistischen Macht verschob sich entscheidend zugunsten der aufstrebenden Weltmacht, den Vereinigten Staaten. Sie deuteten die britische Position zu Recht als Zeichen der Schwäche eines überstrapazierten und angeschlagenen Reiches und begannen, den jüdisch-palästinensischen Konflikt als „Keule“ zu schwingen, um den Einfluss ihres ehemaligen Verbündeten im Nahen Osten zurückzudrängen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Am 29. November 1947 wurde die UN-Resolution 181 auf Druck der USA verabschiedet. Zusammengefasst teilt der UN-Plan Palästina in drei Gebiete auf: einen arabischen Staat (mit einer Fläche von 11.500 km² für 804.000 Palästinenser und 10.000 Juden); einen jüdischen Staat (11.400 km² für 558.000 Juden und 405.000 Palästinenser); und ein Gebiet (Jerusalem), das unter internationale Kontrolle gestellt werden sollte. Dieser Plan war utopisch, wenn man bedenkt, dass die beiden Staaten einer palästinensischen Wirtschaftsunion beitreten und Währung, Ressourcen und Infrastruktur (Häfen, Postämter, Bahnstrecken, Straßen) miteinander teilen hätten sollen, als ob nicht über 20 Jahre lang ein erbarmungsloser Krieg zwischen Zionisten und Palästinensern geherrscht hätte.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Die zionistische Offensive</span></h3>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Mit den britischen Besatzern auf dem Rückzug erkannte die zionistische Führung, dass sie die Chance hatte, das Vakuum zu füllen und die Bedingungen einer Teilung nach ihren eigenen Vorstellungen festzulegen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Ende des Jahres 1947 entfesselten die Hagana, die Irgun und die Stern-Bande, nun im gemeinsamen Kampf verbündet, eine Terrorkampagne mit einer Reihe von koordinierten Angriffen auf palästinensische Dörfer mit Dutzenden zivilen Opfern. Die Angriffe intensivierten sich in den ersten Monaten des Jahres 1948: auf Tantura, Tira, Sasa, Haifa, Al-Husayniyya, Al-Sarafand; allesamt mit hunderten palästinensischen Opfern.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Am 9. April wurde die Bevölkerung des Dorfes Deir Yasin, nahe Jerusalem, von der Irgun niedergemetzelt. Das Rote Kreuz fand 254 Männer, Frauen und Kinder ermordet auf. Manche von ihnen waren verstümmelt und in ihre Brunnen geworfen worden. Begin prahlte öffentlich mit dem Massaker.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Aufgrund dieser Terrorkampagne, die durch von den Zionisten verbreitete Drohungen und Gerüchte verstärkt wurde, flohen hunderttausende unbewaffnete Palästinenser aus ihren Häusern, die später dem Erdboden gleichgemacht wurden, um eine Rückkehr unmöglich zu machen. Die Zahl der palästinensischen Flüchtlinge stieg innerhalb eines Monats von 60.000 auf 350.000. Dann nahm der zionistische Terror die Städte ins Visier: Am 22. April wurde Haifa mitten in der Nacht angegriffen, wobei 50 getötet und 200 verletzt wurden. 100 weitere wurden getötet und Hunderte verletzt, als die Zionisten eine Kolonne palästinensischer Frauen und Kinder angriffen, die versuchten zu fliehen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<figure id="attachment_20837" class="wp-block-image">
<figure id="attachment_20837" aria-describedby="caption-attachment-20837" style="width: 300px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-20837" src="https://derfunke.at/wp-content/uploads/2024/02/Israeli_soldiers_Image_Government_Press_Office_Israel-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" /><figcaption id="caption-attachment-20837" class="wp-caption-text">Das zynische Kalkül der zionistischen Führer bestand darin, so viel Land wie möglich zu erobern und die Rückkehr der palästinensischen Bevölkerung unmöglich zu machen / Bild: Regierungspresseamt Israel</figcaption></figure>
<figcaption class="wp-element-caption"></figcaption>
</figure>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Wie kann man sich solch eine Grausamkeit erklären? Die zionistischen Führer kalkulierten zynisch, soviel Land wie möglich zu erobern und die Rückkehr der palästinensischen Bevölkerung unmöglich zu machen: den Palästinensern Angst einzujagen, sie tatsächlich zu terrorisieren, zur Flucht zu zwingen und ihre Häuser niederzureißen – das war im Wesentlichen der Plan. All das, um eine Teilung Palästinas durchzusetzen, die vorteilhafter für den zukünftigen Staat Israel wäre.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Der Staat Israel wurde am 14. Mai 1948 ausgerufen. Alle wichtigsten zionistischen Führer waren an den Massakern und dem großflächigen Terrorismus beteiligt. In dieser Hinsicht gibt es keine Unterschiede zwischen der zionistischen Linken und der Rechten. Mosche Dajan, Golda Meir, David Ben-Gurion, Menachem Begin und viele andere, der jüngere Ariel Scharon, Jitzchak Schamir und Jitzchak Rabin – die wichtigsten Führungspersonen des zukünftigen israelischen Staates – lernten aus ihren konkreten Erfahrungen, wie sehr die mit Stahl und Feuer vor Ort geschaffenen Machtverhältnisse den Rahmen möglicher Szenarien im Bereich der internationalen Diplomatie bestimmen. Eine Lehre, die sie sich aneignen und in den kommenden Jahrzehnten systematisch anwenden würden.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Die Nakba</span></h3>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Unmittelbar danach, am 15. Mai, marschierten ägyptische, syrische, libanesische und transjordanische Armeen in Palästina ein und erzielten in der ersten Phase gewisse militärische Erfolge. Die UN schlug im Juni einen Waffenstillstand vor, der von beiden Seiten akzeptiert wurde, aber nur den Zionisten half, sich zu organisieren und aufzurüsten.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Der Gegenangriff der zionistischen Armee nach dem 8. Juli brach den Widerstand der arabischen Streitkräfte, die schlecht koordiniert und häufig der Leitung britischer Offiziere unterstellt waren. Die Führer der arabischen Regimes gaben nie den Versuch auf, heimlich eine Einigung mit den Zionisten zu erzielen, um ihre eigenen Interessen zu fördern. Abdallah I., der König von Transjordanien, traf sich mehrere Male mit Golda Meir und Mosche Dajan, um über die Annexion der Westbank durch sein Königreich zu verhandeln (welche sich im Dezember 1948 ereignete), während die Ägypter den Gazastreifen besetzten.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die zionistischen Führer waren fest entschlossen, alle Hindernisse zu beseitigen. Der UN-Vermittler Graf Folke Bernadotte wies am 13. September Israel an, die Rückkehr der Flüchtlinge zu ermöglichen und deren Häuser wiederaufzubauen. Vier Tage später wurde er zusammen mit seinem Assistenten, dem französischen Oberst Serot, von der Stern-Bande ermordet.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die Waffenstillstandsabkommen von 1949 besiegelten die arabische Niederlage und beendeten, was die Israelis als ihren „Unabhängigkeitskrieg“ betrachteten. Wieder einmal leugnete die von den Siegern geschriebene Geschichte jegliche Hinweise auf die erfolgten Massaker und Gräueltaten und versuchte, diese aus den offiziellen Aufzeichnungen zu entfernen. Für die Palästinenser war 1948 stattdessen das Jahr der Nakba, der Katastrophe, einer Niederlage, die die palästinensischen Massen über zwanzig Jahre lang in einen tiefen Zustand der Unterwerfung und der Apathie befördern sollte.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Die Flüchtlingsfrage und die „israelischen Araber“</span></h3>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Von insgesamt 750.000 palästinensischen Flüchtlingen flohen 39% in das Westjordanland; 10% landeten in Jordanien; 26% flohen in den von Ägypten besetzten Gazastreifen, dessen Bevölkerung sich innerhalb weniger Wochen verdoppelte; 14% flohen von Nordpalästina in den Libanon und 10% überquerten die Golanhöhen nach Syrien. Nur wenige (1% der gesamten Bevölkerung) entkamen nach Ägypten. Fast alle Flüchtlinge wurden unter völligen Armutsbedingungen in „vorübergehenden“ Lagern am Rande der Städte zusammengepfercht, und diese Bedingungen blieben für sie und ihre Nachkommen bis heute bestehen, obwohl sich die Flüchtlingspopulation verachtfacht hat.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">1950 wurde das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge (englisch: United Nations Relief and Works Agency for Palestine Refugees – UNRWA) gegründet. Seitdem erreichte die Anzahl der registrierten Flüchtlinge aus der Vertreibung 1948 sowie deren Kinder laut offiziellen Angaben der UNRWA – drei Generationen später – die schwindelerregende Zahl von 5,9 Millionen, wobei diese Summe die Flüchtlinge aus dem Sechstagekrieg von 1967 nicht berücksichtigt. Mehrere Generationen kennen nur diese Lager und Zustände. Viele der palästinensischen Flüchtlinge von 1948 und ihre Nachfahren haben keine Staatsbürgerrechte in den Ländern, die sie beherbergen, geschweige denn in Israel, und sind auf die Unterstützung der UNRWA angewiesen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<figure id="attachment_20838" class="wp-block-image">
<figure id="attachment_20838" aria-describedby="caption-attachment-20838" style="width: 300px" class="wp-caption alignright"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-20838" src="https://derfunke.at/wp-content/uploads/2024/02/refugee_camp_Image_public_domain-300x200.webp" alt="" width="300" height="200" /><figcaption id="caption-attachment-20838" class="wp-caption-text">Die meisten palästinensischen Flüchtlinge von 1948 und ihre Nachkommen haben keine Staatsbürgerrechte in den Ländern, die sie beherbergen / Bild: public domain</figcaption></figure>
<figcaption class="wp-element-caption"></figcaption>
</figure>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die Frage des Rechts der palästinensischen Flüchtlinge auf Rückkehr steht im Mittelpunkt der Palästinenserfrage. Sie kann im Kapitalismus nicht gelöst werden. Nur eine sozialistische Revolution im Nahen Osten und die Errichtung einer sozialistischen Föderation aller Völker mit dem Recht auf Selbstbestimmung für Minderheiten kann die Bedingungen schaffen, unter denen die seit Jahrzehnten klaffenden Wunden heilen können. So kann materiell die Grundlage für die Lösung der Frage gelegt werden, die alle Missstände beenden kann, ohne ein weiteres monströses unterdrückerisches System zu schaffen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Etwa 150.000 Palästinenser verblieben auf ihrem Land innerhalb der „Grünen Linie“, dem 1948 von Israel besetzten Gebiet. Heute machen sie mehr als 20% der israelischen Bevölkerung aus. Der israelische Staat enteignete mithilfe von Ad-hoc-Gesetzen Grundbesitze und Ländereien der Geflüchteten und untergrub systematisch die Rechte der verbliebenen Palästinenser, mit Gesetzen wie dem Gesetz über das Eigentum von Abwesenden (1950), dem Gesetz über den Erwerb von Land (1953) und weitere. 1952 wurde den arabischen Israelis (die Palästinenser innerhalb der Grünen Linie) durch das Staatsbürgerschaftsgesetz formell die Staatsbürgerschaft gewährt.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Doch bis 1966 unterlagen die Palästinenser in Israel dem Kriegsrecht, und sie lebten in einem Zustand der Segregation mit immensen Bewegungseinschränkungen, wodurch die israelischen Behörden sogar den Besitz derer enteignen konnten, die innerhalb des Landes vertrieben und physisch an der Rückkehr zu ihren Häusern gehindert wurden.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Innerhalb weniger Jahre schrumpfte die Zahl der palästinensischen Dörfer, die die Nakba überlebt hatten, von 550 auf 100. Über 25% der palästinensischen Bauern wurden enteignet und mussten in „Geisterdörfern“ Zuflucht suchen, die in Israel als verboten galten und regelmäßig von der Armee dem Erdboden gleichgemacht wurden, nur um später wiederaufgebaut zu werden. Ihre Standorte wurden aus den Landkarten gestrichen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Nach 1967 lockerte die israelische Regierung den Druck auf die palästinensische Bevölkerung und bemühte sich um eine stärkere Integration der israelischen Araber, während sie die neuen territorialen Eroberungen des Sechstagekriegs festigte: die besetzten Gebiete der Westbank, Gaza, die Golanhöhen und Ostjerusalem.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Die Festigung des israelischen Kapitalismus</span></h3>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Für die Palästinenser stellte Israel ein feindseliges Regime dar, das ihr Land an sich riss und verantwortlich für Völkermord und Massendeportationen war. Für die jüdischen Flüchtlinge, die aus Europa, nach der Schoa, oder aus der arabischen Welt, wo das jahrhundertealte Gleichgewicht der Koexistenz durch die Folgen der Nakba zerbrochen war und es hunderttausenden Juden unmöglich machte zu bleiben, weiter zuwanderten – für sie wurde Israel immer mehr zur besten Möglichkeit, ihre durch Krieg und Verfolgung zerstörten Leben wiederaufzubauen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Zwischen 1948 und 1951 hatte sich Israels Bevölkerung mehr als verdoppelt (von 650.000 auf 1,4 Mio.) und stieg aufgrund der jüdischen Zuwanderung in den folgenden Jahrzehnten weiter rasch an. Israels Bevölkerung erreichte 1973 über 3 Millionen und hat inzwischen die 9-Millionen-Marke überschritten.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die israelische zionistische Bourgeoisie und der Imperialismus konnten die Entschlossenheit der jüdischen Massen, einen Ort zu errichten, in dem sie vor Verfolgung Zuflucht finden würden, mit bemerkenswertem Zynismus ausnutzen. Während der 1950er und 1960er Jahre nutzten sie die Masse der jüdischen Flüchtlinge als günstige und stets erneuerbare billige Arbeitskraft für die Industrie und falls notwendig als Soldaten, um Israels Vormachtstellung in der Region zu sichern. Die beachtliche Entwicklung des israelischen Kapitalismus hätte aber ohne wesentliche Subventionen und Investitionen der USA (von 1949 bis Mitte der 1990er geschätzt 140 Milliarden US-Dollar) nicht stattgefunden.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Trotz des erheblichen Zuzugs an Einwanderern wurden über die Jahre immer mehr israelische Juden innerhalb von Israel geboren: 27,7% im Jahr 1949, 44% im Jahr 1968, 57% im Jahr 1981. Heute machen die in Israel geborenen Juden 75% aus. Die hebräische Sprache, die Ende des 19. Jahrhunderts von Eliezer Ben-Jehuda entworfen worden war, schlug unter den jüngeren Generationen vermehrt ihre Wurzeln und ersetzte allmählich das Jiddisch der Aschkenasim und das Ladino der Sephardim. Viele Israelis der zweiten Generation gaben die Sprachen ihrer Herkunftsländer auf.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die jüdischen Massen waren natürlich unempfänglich für die nationalistische Propaganda der arabischen Regime, die sie als Feinde darstellten, die vernichtet werden müssen. Die ständige militärische Bedrohung durch die arabischen Nachbarregime sowie die Taktiken des Individualterrorismus, die von den palästinensischen nationalistischen Organisationen seit Mitte der 1960er angewandt wurden, trieben die Mehrheit der Israelis in die Arme des zionistischen Staates. Dies half dem Zionismus, basierend auf der Angst, dass die Araber sie zerstören wollten, bei der Herausbildung eines israelischen Nationalbewusstseins.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Der Wirtschaftsboom der 1950er bis 1970er Jahre, verstärkt durch die Hilfe der USA, bedeutete, dass die israelischen Arbeiter (zu einem gewissen Maß auch die arabisch-israelische Minderheit) einen deutlich höheren Lebensstandard erreichen konnten als die arabischen Massen in den Nachbarländern. Diese materiellen Errungenschaften stellen für die israelischen Arbeiter ein Kapital dar, das verteidigt werden musste, besonders, wenn Angriffe von außen drohten.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Obwohl die palästinensische Minderheit in Israel stark diskriminiert wurde, waren sich viele bewusst, welche Trostlosigkeit und welches Elend die autokratischen und reaktionären arabischen Regime bereithielten.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die saudische Monarchie, Kuwait, Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und der Rest der ölreichen Golfstaaten erklärten sich zwar zu „Freunden“ der Palästinenser und finanzierten die PLO, bedienten sich aber hunderttausender Palästinenser und anderer armer Gastarbeiter, um sie unter sklavenähnlichen Bedingungen arbeiten zu lassen. Sie gaben gut acht, ihnen keine politischen oder gewerkschaftlichen Rechte einzuräumen, geschweige denn Bürgerrechte, und beuteten sie gnadenlos aus. Bis in die frühen 1990er wurde dieses Spiel weitergetrieben, bis die Auswirkungen des Ersten Golfkrieges die Regime dazu veranlassten, von den palästinensischen Arbeitern abzulassen und den Blick nach Indien, Pakistan und Nepal als Hauptquelle billiger Arbeitskräfte zu werfen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Klassenwidersprüche in Israel</span></h3>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Abgesehen von diesen grundlegenden Faktoren, die dem israelischen Kapitalismus eine gewisse Unterstützung garantierten, vor allem wenn er bedroht war, muss gesagt werden, dass die israelische Gesellschaft tief polarisiert und von Homogenität weit entfernt war und auch heute noch ist.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">1974 lösten gewaltsame Proteste der israelischen Black Panthers eine Regierungsuntersuchung aus. Diese Proteste waren vom zionistischen Staat rabiat unterdrückt worden. Die Untersuchung befasste sich mit den Lebensbedingungen der sephardischen Juden, die großteils ab 1948 aus Nordafrika, dem Irak, Jemen und den übrigen Regionen des früheren Osmanischen Reichs nach Israel gekommen waren und die Hälfte der jüdischen Bevölkerung Israels ausmachten.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Diese Untersuchung enthüllte ein ausgebeutetes „zweites Israel“. 92% der unterernährten Kinder und 90% der jüdischen Häftlinge waren sephardischer Abstammung; nur 17% von ihnen hatten eine Oberschulausbildung – im Gegensatz zu 41% der europäischen Juden (Aschkenasim); in den Universitäten waren 20% sephardischer Abstimmung und 78% Aschkenasim. Die Sephardim gehörten zu 62% der Arbeiterklasse an (Aschkenasim: 39%) und zu 5% der Bourgeoisie (Aschkenasim: 14%). Der Höhepunkt der sozialen Diskriminierung war die geringe Anzahl von „Mischehen“: Nur 17%. Der radikale Aufstand der sephardischen Jugend in Israel gegen Unterdrückung und Diskriminierung fand sein Vorbild nicht zufällig im Kampf der Black Panthers in den USA.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">In den vergangenen Jahrzehnten ist der israelische Kapitalismus immer ungleicher geworden. 1992 entfielen auf die reichsten 10% der Bevölkerung 27% des Nationaleinkommens, auf die ärmsten 10% nur 2,8% davon (CIA World Factbook 1999). Seitdem hat sich die Ungleichheit bedeutend verschärft. Laut dem World Inequality Report 2002, herausgegeben vom World Inequality Lab, ist „Israel eines der ungleichsten Länder mit hohem Einkommen. Das kaufkraftbereinigte Durchschnittseinkommen der unteren 50% der Bevölkerung beträgt 11.200 Euro oder 57.000 Schekel, während die oberen 10% 19-mal mehr verdienen (211.900 Euro oder 1.096.300 Schekel). Die Ungleichheit ist damit auf einem ähnlichen Niveau wie in den USA: Auf die unteren 50% der Bevölkerung entfallen 13% des nationalen Gesamteinkommens; auf die oberen 10% entfallen 49%.“</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die wirtschaftliche und militärische Macht Israels wurde nicht weniger als in jedem anderen kapitalistischen Land auf der Ausbeutung errichtet, der Ausbeutung der israelischen und palästinensischen Arbeiterklasse. Tatsächlich demonstrieren diese Zahlen, was die Spaltung der Arbeiterklasse bedeutet. Der israelische Staat gründet sich auf der Unterdrückung und systematischen Diskriminierung der Palästinenser, aber das bedeutet nur die kontinuierliche Ausbeutung der Palästinenser und der normalen israelischen Arbeiter, während die israelischen Kapitalisten gewaltige Vermögen angehäuft haben.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Ein Wendepunkt: Der Sechstagekrieg</span></h3>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<figure id="attachment_20840" class="wp-block-image">
<figure id="attachment_20840" aria-describedby="caption-attachment-20840" style="width: 300px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-20840" src="https://derfunke.at/wp-content/uploads/2024/02/israeli_tanks_Image_Government_Press_Office_Israel-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" /><figcaption id="caption-attachment-20840" class="wp-caption-text">Das Jahr 1967 war ein Wendepunkt in der Geschichte des Nahen Ostens / Bild: Pressebüro der Regierung Israels</figcaption></figure>
<figcaption class="wp-element-caption"></figcaption>
</figure>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Das Jahr 1967 war eine Zeitenwende in der Geschichte des Mittleren Ostens. Bis dahin hatten die meisten palästinensischen Flüchtlinge in den verschiedenen arabischen Ländern die Hoffnung gehegt, dass durch eine Intervention der Streitkräfte Ägyptens, Syriens und Jordaniens eines Tages die Wiederherstellung der Rechte der Palästinenser garantiert werden könne.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Nach einem Monat zunehmender Scharmützel und Spannungen entfesselte die israelische Luftwaffe am Morgen des 5. Juni einen Blitzangriff auf die Flughäfen Ägyptens und Jordaniens. 90% der Luftwaffe dieser Länder wurde zerstört, bevor die Flugzeuge auch nur abheben konnten. Am selben Tag marschierte die IDF im Westjordanland und Gaza ein und besiegte nach wenigen Tagen erbitterter Kämpfe die jordanische Arabische Legion und die in Gaza stationierte ägyptische Armee. Am sechsten Tag eroberten sie Gaza und am siebten Jerusalem, womit die Besatzung des Westjordanlandes vollendet war. Vor den Augen der fassungslosen arabischen Welt hatte Israel am 10. Juni nicht nur das ganze britische Mandatsgebiet Palästina unter seiner Herrschaft vereint, sondern auch die syrischen Golanhöhen und die ägyptische Sinai-Halbinsel besetzt, seinen arabischen Feinden eine erschütternde Niederlage zugefügt und eine neue Flüchtlingswelle 300.000 palästinensischer Flüchtlinge ausgelöst.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die verheerende Niederlage im Sechstagekrieg wirkte sich auf das palästinensische Volk jedoch nicht derart demoralisierend aus wie die Nakba. Jetzt überwog nicht die Resignation, sondern die Wut. Die Niederlage der Araber beendete (entgegen den Prognosen der zionistischen Strategen) alle verbliebenen Illusionen darüber, dass eine Intervention von außen „es richten“ könnte.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die Palestine Liberation Organization (Palästinensische Befreiungsorganisation, PLO) war 1964 durch einen Beschluss der Arabischen Liga auf ihrem ersten Gipfeltreffen gegründet worden. In den ersten Jahren war sie nichts weiter als ein Anhängsel der Regime, die in der Liga vertreten waren. Sie war mit wachsendem Widerstand von seiten des palästinensischen Widerstandes konfrontiert, etwa von Kräften wie der Fatah, der Guerillaorganisation von Yassir Arafat, und anderen, die wie er die Gelegenheit gehabt hatten, in den frühen 1960er Jahren die Gefängnisse der „befreundeten“ Regimes von innen zu sehen. 1967 drückte sich die unterschwellige Radikalisierung des palästinensischen Kampfes in der Gründung der Volksfront für die Befreiung Palästinas (Popular Front for the Liberation of Palestine, PFLP) unter George Habasch aus.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Der bürgerliche arabische Nationalismus war durch die krachende Niederlage im Sechstagekrieg völlig diskreditiert und entlarvt worden. Unter den Palästinensern, die sich mit einem Mal unter direkter israelischer Herrschaft befanden, und unter all jenen in den überfüllten Flüchtlingslagern Jordaniens, Syriens und Libanons entwickelte sich ein fruchtbarer Boden für Kritik am arabischen Nationalismus und den arabischen Regimes. Dieser Gärungsprozess gab dem palästinensischen Widerstand (insbesondere der Fatah und der neugegründeten PFLP) einen gewaltigen Auftrieb. Schließlich erlangte er eine Massenbasis in den Flüchtlingslagern.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Am 21. März 1968 zog die israelische Armee aus, das Hauptquartier des Widerstands im jordanischen Dorf Karameh anzugreifen. Die Kämpfer der Fatah aber waren gewarnt worden und schlugen den Angriff zurück. Die unvorhergesehene Härte des Widerstandes zwang die IDF zum Rückzug. 28 israelische Soldaten wurden getötet, 69 verletzt. Über 100 palästinensische Kämpfer wurden getötet, aber diese Episode löste in der ganzen arabischen Welt einen gewaltigen Gefühlsausbruch aus. Denn der palästinensische Widerstand hatte geschafft, woran die Armeen der arabischen Länder immer gescheitert waren: Der israelischen Armee ihre erste Niederlage zuzufügen. Das brachte die Fatah und Arafat 1969 an die Spitze der umkämpften PLO.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Der palästinensische Widerstand untergräbt die arabischen Regime</span></h3>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die palästinensischen Flüchtlinge wurden dem Elend der überfüllten Flüchtlingslager überlassen. 1968 erreichte ihre Bevölkerungszahl anderthalb Millionen. Die Kapitalisten der jeweiligen Länder nutzten sie als billige Arbeitskräfte aus und hielten sie in erniedrigenden Lebensbedingungen. Der Aufstieg des Widerstandes in den späten 1960ern stellte den Stolz der Palästinenser wieder her und machte die Lager zu Zufluchtsorten für die Organisationen des Widerstandes.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Das machte die Lager und die Länder, in denen sie sich befanden, zu Angriffszielen für brutale israelische Vergeltungsmaßnahmen. Die ständigen Konflikte zwischen der Widerstandsbewegung und den Regierungen dieser Länder verschärften sich durch die Verbreitung revolutionärer Ideen unter den Palästinensern. Zunehmend betrachteten sie die palästinensische Revolution als Teil einer umfassenderen arabischen Revolution mit sozialistischem Charakter. Diese Positionen wurden durch das wachsende Prestige des palästinensischen Widerstandes gestärkt und stießen auf Gehör bei den libanesischen und jordanischen Massen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die erste Krise entlud sich 1969 im Libanon, der ohnehin von Spannungen zwischen der maronitisch-christlichen Minderheit und der muslimischen Mehrheitsbevölkerung geprägt war. Im Herbst 1969 kam es zu einem gewalttätigen Konflikt, in dem die libanesische Armee von der PLO besiegt wurde. Das Kairoer Abkommen beendete diese Konfrontation vorübergehend.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Der Schwarze September</span></h3>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Ähnliche Prozesse vollzogen sich schon seit geraumer Zeit in Jordanien. Die wachsende Abscheu, ausgelöst durch die engen Beziehungen zwischen der haschemitischen Monarchie unter König Hussein und dem US-Imperialismus sowie die unterdrückerischen Verhältnisse, denen der überwiegende Großteil der Bevölkerung ausgesetzt war, fand in der Perspektive einer palästinensischen Revolution einen Anknüpfungspunkt.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die PLO gab sich große Mühe, eine direkte Konfrontation mit Hussein zu vermeiden, doch der revolutionäre Aufstand der jordanischen Massen zerschlug jedes Hindernis. Die Massenbewegung, die dem jordanischen Regime entgegentrat, war wegen des Zögerns der PLO ohne Führung. Im Sommer 1970 begannen die Zusammenstöße zwischen palästinensischen Widerstandskämpfern und der Armee zu eskalieren. Eine Reihe von Flugzeugentführungen (PanAm, Swissair und British Airways, aber ohne zivile Opfer) durch die PFLP waren der Vorwand, den Hussein brauchte, um die Repression vor der Weltöffentlichkeit zu rechtfertigen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Doch der palästinensische Widerstand setzte sich durch und eroberte binnen weniger Wochen einen Großteil der Hauptstadt Amman. Hussein bildete am 16. September eine Militärregierung, die am Morgen des 17. September eine Offensive gegen die palästinensischen Flüchtlingslager begann. Armeeeinheiten der Beduinen, die von der revolutionären Stimmung weniger erfasst waren, bombardierten die Lager unter der Führung des Generals al-Madschali mit Phosphor und Napalmgeschossen und setzten Panzer gegen die Arbeiterviertel von Amman ein. Trotz des militärischen Kräfteungleichgewichts war der Widerstand so entschlossen, dass die Kämpfe noch fast zwei weitere Wochen anhielten. Am 27. September sah Hussein sich gezwungen, einen Kompromiss zu schließen. Die palästinensische Widerstandsbewegung sagte zu, Jordanien zu verlassen und sich in den Libanon zu begeben.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die genaue Opferzahl des Schwarzen Septembers in Jordanien ist nie bekannt geworden. Palästinensische Quellen sprechen von 20.000 Toten, andere Quellen von 5-10.000 hauptsächlich zivilen Opfern.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die Haltung der PLO-Führer und Arafats wurde von einem sehr großen Teil der palästinensischen revolutionären Bewegung, die nach den jordanischen Ereignissen in Trümmern lag, scharf kritisiert. Frustration und Wut über das von Hussein verübte Massaker und das Schweigen der anderen arabischen Nationen waren unter den Palästinensern weit verbreitet und ließen Raum für die Entwicklung extremistischer Terrororganisationen (z. B. der Terrorgruppe Schwarzer September).</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Die diplomatische Wende der PLO</span></h3>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die Niederlage in Jordanien trug nicht dazu bei, die wesentlichen Beschränkungen des palästinensischen Widerstandes zu beheben. Die Vorstellung von einem Befreiungskampf „von außen“ sprach den palästinensischen Massen der besetzten Gebiete nur eine rein passive Rolle zu. Paradoxerweise wurde das Bekenntnis der PLO zur „Nichteinmischung“ in die inneren Angelegenheiten der arabischen Länder noch verstärkt.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<figure id="attachment_20841" class="wp-block-image">
<figure id="attachment_20841" aria-describedby="caption-attachment-20841" style="width: 300px" class="wp-caption alignright"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-20841" src="https://derfunke.at/wp-content/uploads/2024/02/nasser_arafat_hussein_Image_public_domain-300x163.webp" alt="" width="300" height="163" /><figcaption id="caption-attachment-20841" class="wp-caption-text">Die Idee, dass das palästinensische Volk selbst den Befreiungskampf führen sollte, wurde aufgegeben / Bild: public domain</figcaption></figure>
<figcaption class="wp-element-caption"></figcaption>
<span style="color: #000000;">Die Beschränkung des Kampfes auf einen rein nationalen Rahmen verschob die Frage, welche Art von Gesellschaft im befreiten Palästina errichtet werden sollte, auf eine ungewisse Zukunft und gestattete so der PLO, eine trügerische Einheit mit den arabischen Regimes zu wahren. Das schützte sie aber nicht davor, von diesen Regimes bei der erstbesten Gelegenheit verraten zu werden, wenn die arabischen Massen versuchten, sich von ihren Ketten zu befreien und dabei in Konflikt mit den grundlegenden Interessen ihrer Unterdrücker gerieten.</span></figure>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Unter Arafats Führung erlangte die PLO die massenhafte Unterstützung der Palästinenser. Doch unter internationalem diplomatischem Druck, gerade von Seiten der arabischen Regimes, vollzog er eine 180-Grad-Wende: Die Idee, dass der Befreiungskampf vom palästinensischen Volk selbst geführt werden sollte, wurde verdrängt durch das Konzept des bewaffneten Kampfs als Instrument, um zusätzlichen internationalen diplomatischen Druck aufzubauen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Am 6. Oktober 1973, dem Vorabend des jüdischen Jom-Kippur-Festes, wurde Israel von Syrien und Ägypten angegriffen. Der israelische Verteidigungsapparat wurde überrascht und erlitt eine empfindliche Niederlage. In den besetzten Gebieten beteiligte sich der palästinensische Widerstand an den Kämpfen. Jordanische, irakische und marokkanische Einheiten sowie eine symbolische Abteilung aus Tunesien beteiligten sich ebenfalls an diesem Krieg. Anfängliche Erfolge der arabischen Kräfte galten den arabischen Massen als Entschädigung für die schmähliche Niederlage des Jahres 1967.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Der Jom-Kippur-Krieg hatte eine entscheidende Auswirkung auf die israelische Gesellschaft: Er erschütterte die Gewissheit, dass die israelische Armee unbesiegbar sei. Allerdings organisierte sich die IDF schließlich neu und machte den verlorenen Boden wett, und am 22. Oktober kam es zu einem Waffenstillstand, als Israel bereits wieder die Oberhand gewonnen hatte.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">So verstärkte sich die „diplomatische Wende“ weiter. Die PLO wurde am 27. November 1973 von der Arabischen Liga als „einzige legitime Repräsentantin des palästinensischen Volkes“ anerkannt. Im Mai 1974 wurde die Palästinensische Nationalcharta dahingehend abgeändert, dass erstmals die Perspektive einer teilweisen Befreiung Palästinas (und damit einer impliziten Anerkennung Israels) aufgestellt wurde. Arafat wurde eingeladen, am 13. November 1974 eine Rede vor den Vereinten Nationen zu halten. In seiner berühmten Rede verurteilte er den Zionismus, sagte aber: „Ich bin hierhergekommen mit einem Ölzweig in der einen und der Waffe des Freiheitskämpfers in der anderen Hand. Lasst den Ölzweig nicht aus meiner Hand fallen.“</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Arafats Wende ermöglichte es den verräterischen arabischen Regimes, die Initiative zurückzuerlangen. Diese Linie verfolgte er um den Preis, die einzige wirkliche Kraftquelle des Widerstandes zu schwächen: Die Verankerung der Bewegung in den palästinensischen Massen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Revolution und Konterrevolution im Libanon</span></h3>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Trotz der jordanischen Erfahrung und der Zusammenstöße von 1969 wuchs im palästinensischen Widerstand im Libanon das Vertrauen in seine immer größere Stärke. Im Libanon herrschten tiefe Spaltungen zwischen der von den Franzosen eingesetzten christlich-maronitischen herrschenden Klasse und den verschiedenen muslimischen, bürgerlichen und kleinbürgerlichen Fraktionen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Wie in Jordanien war auch hier die wachsende Autorität des palästinensischen Widerstandes eng mit der Entwicklung revolutionärer Bestrebungen der libanesischen Massen verknüpft. Die Palästinenser in den Flüchtlingslagern waren ein integraler Bestandteil der libanesischen Arbeiterklasse geworden. Die libanesischen Kapitalisten hatten ihre Arbeit jahrelang ausgebeutet, ihre Lager an die Stadtränder verlegt und versucht, die Flüchtlinge auszunutzen, um die starken Organisationen der libanesischen Arbeiterklasse zu schwächen. Diese zynische Berechnung hatte aber bald den Effekt, die palästinensische Befreiungsbewegung und die revolutionären Bestrebungen der libanesischen Arbeiter zusammenzuschweißen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die Zwangsumsiedelung tausender PLO-Kämpfer aus Jordanien machte den Libanon zwangsläufig zu ihrem Hauptstützpunkt. Ganze Stadtviertel von Beirut wurden von der PLO kontrolliert, die sich als Alternative zur Staatsmacht herauskristallisierte und dabei von weiten Teilen der libanesischen Massen unterstützt wurde. Im Umfeld der PLO kam es – ermöglicht durch Gelder, die dem Widerstand gespendet wurden – zu einem Aufblühen von verschiedenen sozialen Institutionen wie Schulen und Krankenhäusern, deren Leistungen oft eine höhere Qualität hatten als jene des libanesischen Staats. Die ganze Bevölkerung hatte Zugang zu diesen Institutionen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Mitte der 1970er Jahre kippte das labile Gleichgewicht. Ein „Bürgerkrieg“ wurde von der christlich-maronitischen herrschenden Klasse, der Armee, den christlichen Phalange-Milizen und ihren Verbündeten angezettelt. Das war in Wirklichkeit ein konterrevolutionärer Klassenkampf mit dem Ziel, die Kontrolle dieser Kräfte über die Gesellschaft wiederherzustellen. Die libanesischen Massen und ihre Organisationen, etwa die Libanesische Nationalbewegung unter Kamal Dschumblat, mussten ebenso zerschlagen werden wie der palästinensische Widerstand. Israel intervenierte mit häufigen Einmärschen in den Südlibanon, um den Widerstand anzugreifen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Am 26. Jänner 1975 intervenierten palästinensische Kämpfer, als die Armee versuchte, den Streik der Fischer in Sidon niederzuschlagen. Der palästinensische Widerstand zwang die libanesischen Sicherheitskräfte zum Rückzug und tötete zehn seiner Männer. Die christliche Phalange ging mit eisener Faust gegen die PLO vor. Im Februar wurde ein propalästinensischer libanesischer Abgeordneter, Maarouf Saad, angeblich von der libanesischen Armee erschossen. Am 13. April wurde ein Mordversuch am Phalange-Führer Pierre Gemayel damit vergolten, dass in einem Bus in das Flüchtlingslager Tall el-Zaatar sämtliche 27 Fahrgäste massakriert wurden, was wiederum Kämpfe in ganz Beirut auslöste.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Im gesamten Jahr 1975 beschränkte sich die Haltung der PLO darauf, die Milizen der libanesischen Linken mit logistischer Unterstützung und Waffen zu unterstützen. Die „abwartende“ Taktik der PLO diente lediglich dazu, den Konflikt in die Länge zu ziehen, aber die Entscheidung der Phalange, die Flüchtlingslager Dbayeh und Tall el-Zaatar zu belagern, zwang die bewaffneten palästinensischen Widerstandsgruppen dazu, sich mit aller Kraft in den Konflikt einzuschalten. Die konterrevolutionären Phalangisten wurden in die Berge gejagt, bis sie kurz vor der Niederlage standen. An diesem Zeitpunkt kam es zu einer spektakulären Kehrtwende.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Als die Möglichkeit der Bildung einer revolutionären Regierung der libanesischen Linken im Raum stand, brach die arabische Front der „Freunde“ des palästinensischen Kampfes zusammen. Ägypten und Jordanien fürchteten die Perspektive einer Ausbreitung der Revolution im gesamten Nahen Osten. Der offene Verrat kam jedoch von dort, wo man ihn am wenigsten erwartet hatte. Der Vorkämpfer des antiimperialistischen Kampfes, Hafez al-Assad, Syriens Baath-Präsident, vollzog eine spektakuläre Kehrtwende und entsandte im Juni 1976 syrische Truppen zur Unterstützung der Phalangisten.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die syrische Intervention stellte das Kräfteverhältnis auf brutale Weise auf den Kopf. Der Widerstand musste sich unter schweren Verlusten in die Städte zurückziehen, während die Phalangisten, geschützt von der syrischen Armee, das Lager von Tall el-Zaatar erneut belagerten. Nach 52 Tagen, am 12. August, ergab sich Tall el-Zaatar und die Phalangisten und Syrer übten Rache, indem sie dreitausend Palästinenser bei der Räumung des Lagers massakrierten.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Syrien, das „fortschrittlichste“ aller arabischen Regime, hatte, sobald es sich durch die Entwicklung der Revolution – wenn auch nur indirekt – bedroht sah, keine Sekunde gezögert, sich auf die Seite des reaktionärsten Flügels der bürgerlichen Konterrevolution gegen denselben palästinensischen Widerstand zu stellen, dessen Hauptquartier es in Damaskus und Syrien beherbergt und jahrelang finanziert hatte.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die herrschenden Cliquen der Arabischen Liga standen am Fenster und schauten erleichtert zu, ohne einen Finger zu rühren. Nach 19 Monaten Krieg und 60.000 Toten wurde der Libanon in Zonen aufgeteilt, in denen die verschiedenen Konkurrenten ihre Positionen durch einen fragilen „Waffenstillstand“ festigten. Trotz Assads Verrat verausgabte sich die Führung der PLO in demütigenden Verhandlungen, um die Kluft zu „flicken“ und die „arabische Front“ neu zu formieren.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Israelische Invasionen im Libanon</span></h3>
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<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Für Israel war die bloße Anwesenheit palästinensischer Kämpfer auf libanesischem Boden unerträglich. Am 14. März 1978 marschierte Israel in den Südlibanon ein und überwältigte innerhalb weniger Tage den palästinensischen Widerstand, der von der libanesischen Armee im Stich gelassen wurde.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Unter dem Druck von US-Präsident Jimmy Carter beschloss der israelische Premierminister Jitzchak Schamir jedoch, sich zurückzuziehen, bevor er seine Ziele erreicht hatte. Carter hatte beschlossen, bilaterale Geheimverhandlungen zwischen Schamir und dem ägyptischen Präsidenten Anwar Sadat zu unterstützen, die auf eine Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel und Ägypten abzielten. Am 18. September 1978 wurde in Camp David, einer Erholungsanlage des US-Präsidenten, ein Abkommen offiziell ratifiziert.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Für Israel war das Problem jedoch nicht gelöst. Am 6. Juni 1982 startete die IDF unter dem Kommando von Ariel Scharon, dem Verteidigungsminister der Begin-Regierung, eine zweite groß angelegte Invasion im Libanon. Die Invasion wurde zu einem Blutbad. Innerhalb weniger Stunden fiel ein Flammenmeer der israelischen Luftwaffe auf die Städte und Flüchtlingslager hernieder, während Panzerkolonnen auf Beirut vorrückten und eine Schneise von Tod und Zerstörung hinterließen: 14.000 Opfer allein in den ersten zwei Wochen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die IDF belagerte West-Beirut in einer tödlichen Umklammerung, die 78 Tage dauerte, in der alle Vorräte blockiert waren und die Stadt unerbittlich bombardiert wurde. 7.000 tote libanesische Zivilisten und eine nicht näher bezeichnete Zahl palästinensischer Opfer (deren genaue Zahl nie ermittelt werden wird) reichten nicht aus, um den Widerstand zu brechen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die Pattsituation ermöglichte es der imperialistischen Diplomatie, die vollständige Evakuierung des palästinensischen Widerstands aus dem Libanon auszuhandeln. Ende August 1982 verließen mehr als 10.000 palästinensische Kämpfer unter den wachsamen Augen einer französisch-italienisch-amerikanischen Truppe Beirut. Doch der Preis, den die Massen für den Erhalt der PLO-Strukturen zahlten, war extrem hoch. Die libanesische Bevölkerung und die zehntausenden Palästinenser, die sich weiterhin in den Flüchtlingslagern drängten, waren der Rache der Phalangisten, der pro-syrischen schiitischen Milizen von Amal, der syrischen Armee und der israelischen Armee ausgeliefert. Für sie garantierte allein ein in den Sand geschriebenes Abkommen, an dessen Einhaltung niemand Interesse hatte.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die Rache der Israelis war unmittelbar und schrecklich. Zwischen dem 16. und 18. September, sobald das internationale „Friedens“-Kontingent den Libanon verlassen hatte (nachdem die verbliebenen palästinensischen Kämpfer entwaffnet und evakuiert worden waren), massakrierten die libanesischen Phalangisten unter dem Schutz der IDF 3.000 wehrlose palästinensische Flüchtlinge, indem sie die Flüchtlingslager Sabra und Shatila in Beirut 40 endlose Stunden lang verwüsteten.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Berichten zufolge beobachtete Ariel Scharon die Operation von der Spitze eines Gebäudes aus, 200 Meter von der Mauer des Lagers Schatila entfernt, von seinem Hauptquartier aus. Genau wie die Syrer sechs Jahre zuvor in Tall al-Zaatar leistete die israelische Armee lediglich logistische Unterstützung für die Phalangisten, indem sie das Gebiet mit Leuchtraketen beleuchtete, alle Fluchtwege aus den Lagern blockierte und die Phalangisten, die das Massaker durchführten, versorgten und unterstützten.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die Auswirkungen des Massakers in Sabra und Schatila erschütterten sogar Israel. Am 25. September 1982 überschwemmte eine Massendemonstration von 400.000 Menschen, aus Abscheu gegen die Rolle der IDF und Scharons bei dem Massaker, die Straßen von Tel Aviv. Es wurde eine offizielle Untersuchung eingeleitet, um die Bewegung zu entschärfen und die Rolle der IDF zu vertuschen, aber selbst der beschönigende Bericht dieser Untersuchung konnte die persönliche Verantwortung von Ariel Sharon nicht verbergen. So musste er zurücktreten.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die Führung der PLO zog nach Tunesien, wo Arafat und sein Gefolge in einem luxuriösen Exil lebten, bis sie 1994 nach Gaza zogen. Ihre ganze Energie wurde darauf verwendet, Verhandlungsstrategien zu entwickeln, Rivalitäten zwischen den arabischen Regimen zu jonglieren und „normale“ Beziehungen zu den Golfmonarchien wiederherzustellen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die Politik der PLO basierte zunehmend darauf, Stabilität im Nahen Osten gegen Zugeständnisse einzutauschen. Um an einem Verhandlungstisch in den Augen des US-Imperialismus und Europas Einfluss zu gewinnen, verließ sich Arafat auf den Widerstand und sogar zunehmend auf individuelle terroristische Taktiken (die von der PLO formell verurteilt wurden), während die Kraft der Massenwiderstandsbewegung infolge ihrer Niederlagen nachließ.</span></p>
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<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Die besetzten Gebiete am Vorabend der Intifada</span></h3>
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<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Während der zwanzigjährigen militärischen Besatzung waren die besetzten Gebiete für Israel ein zusätzlicher Markt für seine Produkte und eine Quelle ungelernter Arbeitskräfte gewesen. Ein wichtiger Faktor bei der Entscheidung, das Westjordanland und die Golanhöhen zu besetzen, war die Aneignung der Wasserressourcen der Region. Das Letzte, was Israel wollte, war, dass die Gebiete ein Eigenleben entwickelten.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die israelische Regierung erdrückte schrittweise das wirtschaftliche Leben der besetzten Gebiete, die überwiegend auf die Landwirtschaft mit begrenztem Kleinhandwerk ausgerichtet war. Dadurch wurde die Lebensgrundlage der Bauern und Landarbeiter untergraben, die nun gezwungen waren, so wie bereits 120.000 Palästinenser, täglich zur Arbeit nach Israel zu pendeln (ein Anteil von einem Drittel der Arbeitskräfte im Westjordanland und 50% der Arbeitskräfte im Gazastreifen). Die Notwendigkeit, die „Grüne Linie“ zu überschreiten, wurde vom israelischen Staat als Vergeltungswaffe gegen palästinensische Arbeiter eingesetzt. Er drohte ständig mit willkürlichen Grenzschließungen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die Wirtschaft dieser Gebiete war (und ist) sogar grundlegende Konsumgüter betreffend vollständig von Israel abhängig. Die israelische Politik verschärfte die natürliche und historische wirtschaftliche Abhängigkeit der Gebiete vom Rest Palästinas. Im Jahr 1970 waren bereits 82% der Importe israelischen Ursprungs, 1987 stieg der Anteil auf 91%. Die hunderttausenden Palästinenser im Ausland unterstützten ihre Familien mit einer Vielzahl von Überweisungen, die damals 37% des BIP der Gebiete ausmachten. Auch heute noch machen Überweisungen einen erheblichen Teil (etwa 20%) des BIP des Westjordanlandes und des Gazastreifens aus. Dies trug paradoxerweise dazu bei, einen Markt aufrechtzuerhalten, in den israelische Produktionsüberschüsse exportiert werden konnten.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">In den ersten zehn Jahren der Besatzung betrug die Gesamtzahl der israelischen Siedler in den besetzten Gebieten nicht mehr als 7.000. Mit der Machtübernahme des zionistischen rechten Likud im Jahr 1977 eskalierte die Kolonisierungspolitik jedoch rasch. In den folgenden zehn Jahren wurden auf palästinensischem Land 18.000 Häuser und 139 Siedlungen für insgesamt 80.000 Siedler gebaut. Um die Siedler von den Palästinensern zu trennen, wurde ein spezielles Straßennetz errichtet, was die Bewegungsfreiheit der Palästinenser stark einschränkte. Die wachsende Präsenz der jüdischen Siedler wurde zum abscheulichsten Ausdruck der Besatzung.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die palästinensische Bevölkerung der Gebiete hatte während der zwanzigjährigen Besatzung eine bemerkenswerte Bevölkerungsexplosion erlebt. 1987 waren 75% der Bevölkerung unter 25 Jahre und 50% sogar unter 15 Jahre alt. Die Mehrheit hatte – am Vorabend der Intifada – nichts anderes gekannt als das zunehmend unerträgliche, demütigende und unterdrückerische Regime der israelischen Besatzung.</span></p>
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<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Die Intifada</span></h3>
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<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Vier Jahrzehnte nach der Nakba und zwanzig Jahre nach dem Sechstagekrieg waren die Aussichten für den nationalen Befreiungskampf der Palästinenser düster. Die revolutionären Bewegungen in Jordanien und im Libanon waren blutig unterdrückt, der palästinensische Widerstand zerschlagen worden. Die enormen Opfer der palästinensischen Massen in den Flüchtlingslagern hatten keinen konkreten Nutzen gehabt. Israel hatte seinen Griff über ganz Palästina gefestigt.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die Kluft zwischen der PLO-Führung in Tunis und der Realität in den besetzten Gebieten war so groß geworden, dass selbst Arafat mit seiner sonst so ausgeprägten Auffassungsgabe die zahlreichen Anzeichen eines Stimmungsumschwungs vor Ort nicht bemerkt hatte.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Einige Monate vor der Intifada hieß es in einem Bericht des West Bank Data Base-Instituts des israelischen Soziologen Meron Benvenisti: „Gewalt geht zunehmend von unorganisierten, spontanen Gruppen aus… Zwischen April 1986 und Mai 1987 wurden 3.150 gewalttätige Vorfälle registriert, angefangen vom einfachen Steinewerfen über Straßensperren bis hin zu etwa hundert Angriffen mit Sprengstoff oder Schusswaffen.“ Die zunehmende Radikalität der palästinensischen Bevölkerung unter Besatzung zeigte sich in den Tagen des 5. und 6. Juni, als anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der israelischen Besatzung ein Generalstreik stattfand.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
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<figure id="attachment_20842" aria-describedby="caption-attachment-20842" style="width: 300px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-20842" src="https://derfunke.at/wp-content/uploads/2024/02/first_intifada_barricades_Image_Abarrategi_Wikimedia_Commons-300x202.jpg" alt="" width="300" height="202" /><figcaption id="caption-attachment-20842" class="wp-caption-text">Das Wort Intifada (ein Begriff, der mit „Abschütteln“ übersetzt werden kann) beschreibt die Reaktion der palästinensischen Massen sehr gut / Bild: Abarrategi, Wikimedia Commons</figcaption></figure>
<figcaption class="wp-element-caption"></figcaption>
</figure>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Am 7. Dezember 1987 geschah etwas, was sowohl für den israelischen Geheimdienst als auch für die PLO-Führer völlig unerwartet war: Ein Vorfall, der sich auf die eine oder andere Weise öfters ereignete, löste einen spontanen Aufstand von zehntausenden jungen Menschen und Arbeitern gegen die israelische Besatzung mitten im Herzen der besetzten Gebiete aus. Diese Zone hatten die PLO-Führer als Schauplatz für Massenkämpfe längst abgeschrieben.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Ein IDF-Lastwagen kollidierte mit einem Zivilfahrzeug und tötete vier palästinensische Arbeiter. Ob es sich dabei um eine vorsätzliche Vergeltungsaktion der Soldaten für die Tötung eines Israelis in Gaza am Tag zuvor handelte oder nur um einen Unfall, spielte dabei eigentlich keine Rolle. Das war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Dieser Funke entzündete das brennbare Material, welches die israelische Besatzung zwanzig Jahre lang produziert hatte.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Das Wort Intifada (ein Begriff, der mit „Abschütteln“ übersetzt werden kann) beschreibt die Reaktion der palästinensischen Massen gut. Nachdem er einmal begonnen hatte, warf der Aufstand innerhalb weniger Stunden das seit langem bestehende Kräftegleichgewicht über den Haufen und wurde über Monate hinweg immer stärker, was die Besatzungstruppen auf eine harte Probe stellte. Die Intifada hatte auch eine enorme internationale Auswirkung. Sie hatte innerhalb Israels die Unterstützung der israelischen Araber und löste auch bei der jüdischen Jugend immer mehr Abneigung gegen die brutalen Methoden zur Unterdrückung des Aufstands aus.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Selbst die brutalste Repression erwies sich als wirkungslos. Israel setzte systematisch Verwaltungshaftstrafen von bis zu einem Jahr ohne Anklage oder Gerichtsverfahren durch. Innerhalb weniger Monate kam es zu 9.000 Festnahmen; hunderte Menschen wurden getötet und tausende verletzt; es kam zu Zerstörungen von Häusern und Vergeltungsmaßnahmen gegen die Familien der Getöteten oder Festgenommenen; kollektive Repressalien gegen Dörfer oder Stadtteile fanden statt – gekrönt durch den Befehl des israelischen Verteidigungsministers Rabin, denjenigen, die beim Steinwerfen erwischt wurden (die meisten von ihnen waren Kinder), „Arme und Beine zu brechen“ – ein solch rücksichtsloses Maß an Repression führte zu nichts, außer die Revolte weiter anzuheizen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Der Kampf nahm die Form von Generalstreiks, Straßenblockaden und Hinterhalten auf israelische Patrouillen an, die von den steinewerfenden Shebabs, den Burschen des Aufstands, angegriffen wurden. Es handelte sich um Formen des zivilen Ungehorsams wie einen Steuerstreik und die Weigerung, die von den israelischen Behörden festgelegten Öffnungszeiten der Geschäfte einzuhalten. In Ostjerusalem versuchte das israelische Militär während einer Aussperrung vergeblich, die Öffnung von Geschäften zu erzwingen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Unter Drohungen sperrten die Ladenbesitzer auf und schlossen die Läden wieder, sobald die Soldaten abgezogen waren.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Seit den Anfängen der Intifada entstanden überall spontan Volkskomitees. Sie koordinierten zunächst Jugendgruppen, die mit Schleudern und brennenden Reifen gegen die Besatzungstruppen, IDF und Polizeipatrouillen kämpften. Im weiteren Verlauf des Kampfs verteilten die Volkskomitees während Streiks und Aussperrungen auch Grundversorgungsgüter und gründeten Gruppen, die mit dem Schutz der Gemeinden beauftragt waren. Diese Organe versammelten und organisierten die Jugend- und Arbeiteraktivisten (von denen die überwiegende Mehrheit nicht Teil bereits bestehender Organisationen war) und übernahmen die Führung des Kampfes, wobei sie sich um jeden Aspekt der unmittelbaren Bedürfnisse der Bevölkerung und deren Aufgaben kümmerten, die sich aus dem Kampf ergaben.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Spezifische Komitees organisierten verschiedene Aspekte des Kampfes. In Stadtteilen und Dörfern wurden Kliniken eingerichtet und das Bildungswesen wurde neu organisiert, nachdem die Schulen aller Ebenen im Februar 1988 von den Besatzungsbehörden geschlossen worden waren. Honorare, Mieten und Preise wurden gedeckelt. Man organisierte den Kampf gegen das Hamstern, den Boykott israelischer Produkte, die Verteilung knapper Vorräte. Sie versuchten sogar, auf die Nahrungsmittelkrise mit der Entwicklung von Subsistenzlandwirtschaft und Viehzucht zu reagieren. Es wurden Volksgerichte eingerichtet. Frauen spielten eine wichtige Rolle bei der Funktionsweise dieser zahlreichen Komitees.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Aufgrund der erdrückenden militärischen Besatzung konnten die Komitees ihr Potenzial als Alternativmacht zu den Kolonialbehörden durch eine Koordination auf allgemeiner Ebene nicht voll ausschöpfen. Während der ersten Phase der Intifada waren sie die Strukturen, durch die die Massen ihre Macht und Radikalität zum Ausdruck brachten.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Im Mai 1988, sechs Monate nach Beginn des Aufstands, gab es nach Schätzungen israelischer Quellen 45.000 aktive Komitees. Diese begannen sich auf Stadtebene zu koordinieren, während auf Initiative der wichtigsten Parteien der palästinensischen Linken (PFLP, DFLP und PCP) sofort ein einheitliches Intifada-Kommando eingerichtet wurde.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Anders als später behauptet wurde, wurde die PLO-Führung in Tunis durch die explosionsartige Entwicklung der revolutionären Mobilisierung in den Gebieten völlig gestürzt. Arafats Anweisungen wurden vom Einheitskommando weitgehend ignoriert, bis ein Jahr später, im September 1988, die israelische Repression die Bewegung ihrer ursprünglichen Führung enthauptet hatte.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Spaltungen in Israel</span></h3>
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<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die stärkste Armee der Region wurde gegen Kinder eingesetzt, die nur mit Steinen und Mut bewaffnet waren. Das erinnerte an den biblischen Mythos vom Kampf Davids gegen Goliath, nur dass David hier Palästinenser war. Die Besatzungstruppen führten routinemäßig Durchsuchungen durch, um „gefährliche Waffen“ wie Schulbücher, Medikamente und medizinische Hilfsgüter zu beschlagnahmen und zu verbrennen und die Gärten zu zerstören, die überall entstanden waren, um die in bitterer Not lebende Bevölkerung zu ernähren. Dies erschütterte das Selbstvertrauen der jungen IDF-Soldaten und löste bei Teilen der israelischen Jugend eine zunehmende Abneigung gegen die Besatzung aus.</span></p>
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<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die scharfen Spaltungen erreichten im März 1988 ihren Höhepunkt mit der Gründung des Rats für Frieden und Sicherheit durch eine Gruppe pensionierter israelischer Generäle, deren Position von General Orr, dem ehemaligen Oberbefehlshaber der IDF in der Nordregion (Libanon), folgendermaßen zusammengefasst wurde: „Wir sind uns alle einig, dass die Besatzung enden muss, denn ihre Aufrechterhaltung stellt eine weitaus größere Gefahr für unsere Sicherheit dar als ihre Beendigung.“ (Le Monde, 2. Juni 1988). Ihre Petition wurde vom ehemaligen Chef des Mossad (Yariv) und dem ehemaligen Verwalter des Westjordanlandes (Sneh) sowie von 30 Divisionsgenerälen und 100 Brigadegenerälen – der Hälfte der Reservegeneräle – unterzeichnet.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Schamir hingegen fasste den Beschluss, aus der Krise herauszukommen, indem er das Vorgehen in den Territorien noch verschärfte. Im August 1988 wurden die Volkskomitees verboten und für ihre Mitglieder wurden Gefängnisstrafen von bis zu zehn Jahren verhängt. Ein Jahr nach ihrem Beginn bekam die Intifada die Folgen der Repression und der sich verschlechternden wirtschaftlichen Lage zu spüren.</span></p>
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<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Das Intifada-Kommando erkannte Ende 1988 die Autorität der PLO als „alleinige Vertretung des palästinensischen Volkes“ an. Am 15. November proklamierte Arafat die Unabhängigkeit eines palästinensischen Staates in den von Israel besetzten Gebieten. Die PLO machte sich daraufhin daran, die Kontrolle über die Mobilisierung in den Territorien zurückzugewinnen. Die Komitees wurden in die Wohlfahrtsstrukturen der PLO integriert und ihrer Rolle als embryonale Machtorgane der Masse der Palästinenser beraubt.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Dies versetzte dem Massencharakter der Intifada einen entscheidenden Schlag und eröffnete eine zweite, härtere Phase des Aufstands, der unter einer Schicht der Jugend eine verzweifelte Wendung nahm. Es ist kein Zufall, dass mit dem Nachlassen des Massencharakters des Aufstands die Rolle islamischer Gruppierungen wie Hamas und Islamischer Dschihad zunahm.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Die Hamas</span></h3>
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<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die Muslimbruderschaft spielte in der ersten Phase der Intifada keine Rolle. Die Hamas wurde als eigenständige Organisation gegründet, nachdem die Intifada bereits begonnen hatte, um die Interessen von Mujama Al-Islamiya zu schützen, der Organisation, die vom Führer der Gaza-Bruderschaft, Scheich Ahmed Yassin, gegründet wurde.</span></p>
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<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Ein aufschlussreicher Artikel von Andrew Higgins im Wall Street Journal aus dem Jahr 2009 beleuchtet die Rolle Israels bei der Förderung dessen, was später zur Hamas werden sollte.</span></p>
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<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Nach zwei Jahrzehnten der Unterdrückung durch das ägyptische Regime fand die Muslimbruderschaft im von Israel besetzten Gazastreifen günstige Bedingungen vor. Israel hatte Mujama Al-Islamiya in den 1970er und 1980er Jahren erlaubt, sich als Wohltätigkeitsorganisation zu registrieren, legal zu operieren und Geld und Vermögen anzuhäufen. Rund um die Organisation herum bot ein Netzwerk aus Schulen, Vereinen, Moscheen und der Islamischen Universität von Gaza der Muslimbruderschaft das perfekte Umfeld für die Entwicklung ihrer Aktivitäten. Israels Ziel war es, die islamischen Fundamentalisten zu nutzen, um die revolutionäre linke Bewegung des palästinensischen Widerstands zu untergraben.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die Mujama lieferte sich heftige Auseinandersetzungen mit der palästinensischen Linken, um die Kontrolle über Institutionen wie den palästinensischen Roten Halbmond (die muslimische Version des Roten Kreuzes) zu erlangen, indem sie deren Büros stürmte.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Der Kampf entbrannte auf allen Ebenen. Islamisten griffen Kinos und Geschäfte an, die Alkohol verkauften. Das israelische Militär stand größtenteils abseits und schaute zu.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die Beziehungen zwischen der Mujama und den israelischen Geheimdiensten wurden auch nach der Verhaftung von Scheich Yassin im Jahr 1984 aufrechterhalten und beinhalteten Beratungen auf höchster Ebene. Lange nach dem Ausbruch der Intifada erzählte Herr Hacham, ein israelischer Militärexperte für arabische Angelegenheiten, dass er einen der Gründer der Hamas, Mahmoud Zahar, im Rahmen regelmäßiger Besprechungen zu einem Treffen mit dem israelischen Verteidigungsminister Jitzchak Rabin mitnahm.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Das Massaker in der Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem im Oktober 1990 und die Verzweiflung, die nach einem so langen und perspektivlosen Kampf aufkam, schufen günstige Bedingungen für das Wachstum der Hamas.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Die Oslo-Abkommen von 1993</span></h3>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Arafat und die PLO unterstützten den Irak im Golfkrieg 1990. Saddam Hussein hatte die palästinensische Frage gegen den US-Imperialismus ins Feld geführt, indem er die Doppelmoral gegenüber dem Irak und Israel anprangerte und den Rückzug aus Kuwait anbot, sollte Israel dasselbe mit den besetzten Gebieten tun. Dies provozierte einen Bruch der PLO mit den USA, aber auch mit der Arabischen Liga, die sich hinter Bush gestellt hatte.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die US-Imperialisten dachten, sie könnten Arafats Schwäche zu ihrem Vorteil nutzen. Die „Lösung der Palästinenserfrage“ wurde an einem Verhandlungstisch in Madrid im Sommer 1991 diskutiert. Die PLO beteiligte sich daran, die Hamas nannte es einen „Ausverkauf Palästinas“. Bilaterale israelisch-palästinensische Verhandlungen führten schließlich zur Unterzeichnung des Oslo-Abkommens, das am 13. September 1993 im Weißen Haus mit dem berühmten Händedruck zwischen Jassir Arafat und dem israelischen Premierminister Jitzchak Rabin offiziell besiegelt wurde.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Auf israelischer Seite stellten die Abkommen eine Anerkennung der durch die Intifada offengelegten Tatsache dar, dass eine weitere Durchsetzung der direkten Besetzung der Gebiete unmöglich war.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Rabin hatte den größten Teil seines Lebens damit verbracht, gegen die Palästinenser zu kämpfen. 1948 nahm er an den Angriffen auf Lydda und Ramle zwischen Tel Aviv und Jerusalem teil. Bei dieser Operation wurden hundert Menschen erschossen. 1967 war Rabin während des Sechstagekrieges Stabschef der IDF und erlangte danach den Status eines israelischen Helden. In den späten 1980er Jahren leitete er als Verteidigungsminister unter Schamir die israelische Repression gegen die Intifada und befahl israelischen Soldaten, palästinensischen Jugendlichen, die beim Steinewerfen erwischt wurden, die Arme zu brechen, was er später bestritt.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Gerade die Intifada überzeugte ihn davon, dass der Status quo unhaltbar geworden war. In einem Artikel im New Yorker (19. Oktober 2015) wurde Rabin zitiert, der 1988 einer Gruppe seiner Parteikollegen bei der sozialdemokratischen Awoda sagte: „Ich habe in den letzten zweieinhalb Monaten etwas gelernt. Unter anderem, dass man eineinhalb Millionen Palästinenser nicht mit Gewalt regieren kann.“</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Rabins Worte veranschaulichen, wie tief der revolutionäre Aufstand der Intifada die Grundfesten der israelischen Besatzung erschüttert hatte. Dies zwang die zionistische Führung, ihre Taktik zu ändern. Rabins Autorität erlaubte ihnen dies, allerdings um den Preis, den wachsenden Unmut der zionistischen Rechten zu provozieren, der Rabin 1995 das Leben kostete.</span></p>
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<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Der „Erzfeind“, die PLO-Führung, wurde von der israelischen herrschenden Klasse in einem unsicheren Kompromiss kooptiert, der sich als Falle zusammenfassen lässt. Die PLO stimmte zu, das Existenzrecht Israels anzuerkennen und gab die Forderung nach dem Recht der palästinensischen Flüchtlinge von 1948 auf Rückkehr auf. Israel stimmte der Einrichtung einer Palästinensischen Autonomiebehörde in einem Teil der besetzten Gebiete des Gazastreifens und des Westjordanlands zu, die für die Sicherheit Israels verantwortlich gemacht werden sollte. Mit anderen Worten: Die PLO übernahm die Aufgabe der Überwachung ihres eigenen Volkes im Austausch für das Scheinbild eines palästinensischen Halbstaates, der auf allen Ebenen von der Willkür Israels abhängig ist. Die Einigung wurde unter der Schirmherrschaft der arabischen Regime, der „Freunde“ Palästinas und des US-Imperialismus erzielt.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die Oslo-Abkommen stellten einen Wendepunkt in der Situation dar und begünstigten den Untergang des palästinensischen Widerstands. Die Hamas war die einzige bedeutende palästinensische Kraft, die sich den Abkommen widersetzte. So reiften die giftigen Früchte des vom US-Imperialismus gesteuerten sogenannten Friedensprozesses heran, der bis heute den Rahmen des israelisch-palästinensischen Konflikts prägt.</span></p>
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