[Dieser Artikel wurde zuerst am 16. Juli 2025 auf marxist.com veröffentlicht.]
Trump hat Grönland im Visier, Putin stärkt Russlands Basis auf der Inselgruppe Spitzbergen und geht gleichzeitig neue Joint Ventures mit China in der gesamten Arktisregion ein. Die führenden imperialistischen Mächte der Welt konkurrieren darum, ihre Positionen in der Arktis zu stärken und drängen schwächere Nationen beiseite. Das Abschmelzen der arktischen Eiskappe infolge der globalen Erwärmung hat einen neuen Wettlauf um die Arktis entfacht.
Die Arktis ist seit langem eine Region von militärstrategischer Bedeutung. Während des Kalten Krieges betrachteten sowohl die USA als auch die Sowjetunion sie als eine wichtige Konfliktzone, da die Arktis die kürzeste Flugstrecke für potenzielle Raketen zwischen US-amerikanischem und russischem Territorium bietet.
Angesichts der zunehmenden Spannungen zwischen den imperialistischen Mächten und der globalen Erwärmung, die neue profitable Handels- und Plünderungsmöglichkeiten eröffnet, erreichen die Interessen der wichtigsten imperialistischen Mächte in der Arktis ein höheres Niveau als je zuvor. Wie Leif Terje Aunevik, Bürgermeister von Longyearbyen auf Spitzbergen, im Mai gegenüber der BBC erklärte: „Ich glaube, die Welt ist von arktischem FOMO [Fear of Missing Out, Angst, etwas zu verpassen] erfasst worden.
Seit 1979 hat sich die Arktis fast viermal schneller erwärmt als der Rest der Erde. Wissenschaftler sagen voraus, dass der Arktische Ozean bis zum Sommer 2050 oder sogar schon 2035 eisfrei sein könnte. Da die Schmelzperioden länger werden, beschleunigt sich die globale Erwärmung, weil die dunkleren Flächen aus dünnerem Eis und offenem Meerwasser mehr Sonnenlicht absorbieren und so Wärme in der Atmosphäre festhalten.
Für normale Menschen bedeutet das eine Katastrophe: Der Anstieg des Meeresspiegels wird Küstenstädte überfluten und schließlich ganze Inselstaaten versenken. Katastrophale Wetterereignisse werden häufiger auftreten, und ganze Ökosysteme werden gefährdet sein.
Doch für die Kapitalisten bedeuten eisfreie arktische Gewässer, auftauender Permafrost und verschwindende Gletscher etwas ganz anderes. Die Aussicht auf zugängliche Vorkommen seltener Erden, unerschlossene Öl- und Gaslagerstätten und neue Fischgründe bedeutet, dass sich hier Geld verdienen lässt. Neue Schifffahrtswege in eisfreien Gewässern sind für Frachtmonopole besonders attraktiv.
Deshalb zeigte Trump Interesse an Grönland, wo 25 der 34 kritischen Rohstoffe vorkommen – und deshalb nehmen die Spannungen in der Polarregion zu.
Im Jahr 2021 veröffentlichte die US-Armee eine neue Arktisstrategie mit dem Titel „Regaining Arctic Dominance“ und argumentierte, dass die USA sich „organisieren müssen, um in der Arktis zu siegen“, dass die Region „eine Wettbewerbsarena, eine Angriffslinie im Konflikt, ein lebenswichtiger Bereich mit zahlreichen… natürlichen Ressourcen und eine Plattform globaler Machtprojektion“ sei.
Ähnliche Aussagen wurden nicht nur von großen Akteuren wie China und Russland gemacht, sondern auch von arktischen Ländern wie Norwegen und Kanada. Kanada erklärte 2019, dass „die Arktisregion für die nationale Sicherheit und Verteidigung Kanadas von entscheidender Bedeutung ist“, und versprach, Maßnahmen zu ergreifen, um „seine Präsenz in der Arktis und im Norden zur Unterstützung der regionalen Sicherheit zu verstärken“. Im Jahr 2025 kündigte Kanada sein Ziel an, „eine nahezu permanente militärische Präsenz in der Region“ zu haben.
Im Jahr 2020 erklärte das norwegische Verteidigungsministerium: „Wenn Norwegen keine regelmäßige und vorhersehbare Präsenz im Norden hat, könnte sich ein Raum öffnen, den Verbündete oder andere füllen könnten … Eine solche Entwicklung könnte negative Folgen für die Stabilität haben, und Norwegen könnte seinen Einfluss auf die Sicherheitsentwicklung in seiner eigenen Nachbarschaft verlieren.“
Die Militärübungen in der Arktis haben in den letzten zehn Jahren erheblich zugenommen. Die NATO hat ihre militärischen Aktivitäten in der Arktis von 2015 bis 2020 verdoppelt. Gleichzeitig hat Russland mindestens 81% seiner Atomwaffen seiner Nordflotte zugewiesen.
In der Vergangenheit gab es zwar militärische Spannungen, aber dennoch hatten alle arktischen Länder einen gewissen Spielraum, um ihren eigenen Einflussbereich zu schaffen – selbst schwächere Nationen wie Norwegen und Dänemark. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion schien die Arktis fast eine konfliktfreie Zone zu sein. Wissenschaftler bezeichneten dies als „Arktischen Exzeptionalismus“ und gingen davon aus, dass es sich immer um ein Gebiet handeln würde, in dem alle Länder miteinander auskommen würden. Es gab eine intensive internationale Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern und Politikern in der Region; die Russen wurden akzeptiert, solange sie nicht als Bedrohung angesehen wurden, ebenso wie die Chinesen. In Wirklichkeit lag das daran, dass die USA zu dieser Zeit die einzige dominante Supermacht waren und niemand stark genug war, um sie herauszufordern.
Als Russland und China begannen, eine Bedrohung für die Vorherrschaft der USA darzustellen, hofften Länder wie Norwegen, Kanada und Dänemark, ihre Interessen in der Arktis durch ihr Bündnis mit den USA weiterhin sichern zu können. Doch nun ist Trump auf den Plan getreten und hat deutlich gemacht, dass die USA nicht mehr derselbe Verbündete und Freund sind wie in der Vergangenheit.
Damit ist die Ära des „arktischen Exzeptionalismus” endgültig vorbei. Die lukrativen Möglichkeiten, die sich in der Arktis eröffnen, machen sie zu einem der Hauptschauplätze für den Kampf zwischen den stärksten imperialistischen Mächten, während schwächere Nationen versuchen aufzuholen – und dabei scheitern.
Russland: die wichtigste Supermacht in der Arktis
Im Wettlauf um die Arktis liegt Russland weit vorne. Das liegt zum Teil an der Geografie. 20% der Landmasse Russlands liegen innerhalb des Polarkreises. Rund 53% der arktischen Küstenlinie gehören zu Russland, und rund 50% der arktischen Bevölkerung sind Teil der Russischen Föderation.
Russland verfügt dort aber auch über eine starke militärische Präsenz, die seit der Sowjetzeit besteht und in den letzten zehn Jahren erheblich ausgebaut wurde. Russland verfügt über eine der größten U-Boot-Flotten, darunter 16 atomgetriebene U-Boote mit ballistischen Raketen. Russland ist auch das einzige Land, das atomgetriebene Eisbrecher baut und betreibt und mindestens acht davon besitzt. Dies verschafft Russland einen großen Vorteil, da sie dickeres Eis durchbrechen können als dieselbetriebene Eisbrecher. Außerdem sind sie bei kaltem Wetter zuverlässiger und können jahrelang ohne Nachfüllen von Treibstoff betrieben werden.
Die Nordflotte, die auf der Halbinsel Kola östlich von Nordskandinavien im Gebiet Murmansk stationiert ist, ist die größte und mächtigste Flotte Russlands. Obwohl die US-Marine in Bezug auf Tonnage, technologische Ausgereiftheit und globale Reichweite die mächtigste der Welt ist, ist sie nicht in der Polarregion stationiert. Im Februar veröffentlichte Popular Mechanics einen Artikel mit dem Titel „Russland ist der US-Marine in der Arktis völlig überlegen. Das ist eine echte Bedrohung für Amerika”. (Russia Is Absolutely Crushing the U.S. Navy in the Arctic. That’s a Real Threat to America)
Der Artikel weist darauf hin, dass Russland etwa 40 Eisbrecher betreibt, während die USA nur einen einzigen besitzen, der bereits 49 Jahre alt ist. Und obwohl Trump Pläne zum Bau von „vierzig großen Eisbrechern für die Küstenwache. Richtig Große.“ angekündigt hat, ist dies leichter gesagt als getan. Tatsächlich haben die USA Schwierigkeiten, die ersten drei Eisbrecher fertigzustellen, und leiden seit langem unter einem Defizit an Eisbrechern und in der Schiffbauindustrie im Allgemeinen.
Es ist klar, dass die Drohungen, Kanada und Grönland zu annektieren, mit der Absicht ausgesprochen wurden, Amerikas Ambitionen in der Arktis zu demonstrieren. Letztendlich muss dies jedoch durch eine echte Fähigkeit zur Sicherung der amerikanischen Interessen untermauert werden.
In Europa sieht es jedoch noch düsterer aus. Hier sind die Seestreitkräfte der zweitrangigen imperialistischen Mächte nicht einmal ansatzweise mit denen der USA, Chinas und Russlands vergleichbar – das Gleiche gilt für ihre militärischen Fähigkeiten im Allgemeinen.
Colin Wall, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Center for Strategic and International Studies in Washington, räumte ein, dass „derzeit das militärische Gleichgewicht in der Arktis stark zugunsten Russlands verschoben ist“. Militärexperten im Westen schätzen, dass es mindestens zehn Jahre militärischer Investitionen erfordern würde, bis die NATO-Staaten in der Arktis mit den russischen Fähigkeiten in der Region gleichziehen könnten.
Aber selbst das ist eine unglaublich optimistische Prognose. Bereits 2022 überstieg die Zahl der russischen Militärstützpunkte innerhalb des Polarkreises die der NATO um etwa ein Drittel. Dies ist keine Überraschung, da Russland seit langem in seine militärischen Fähigkeiten in dieser Region und anderswo investiert. Seit 2005 hat Russland Dutzende von Militärstützpunkten aus der Sowjetzeit in der Arktis wiedereröffnet, seine Marine modernisiert und neue Hyperschallraketen entwickelt, die US-Sensoren und -Verteidigungssysteme umgehen sollen.
Und es geht nicht nur um militärische Fähigkeiten. Russland entwickelt sein Arktis-LNG-Projekt und baut neue Anlagen auf der Halbinsel Gydan an der sibirischen Küste der Karasee, die nach ihrer Fertigstellung 9% zur weltweiten Produktion von Flüssigerdgas beitragen könnten. Das Land hat in Häfen, Infrastruktur und Schiffe investiert, um die Nordostpassage zu erschließen und zu schützen. All dies hat bei den anderen arktischen Ländern große Besorgnis ausgelöst.
Als der Krieg in der Ukraine ausbrach, nutzte der Westen das als Gelegenheit, alle Beziehungen zu Russland abzubrechen, um das Land zu isolieren und zu schwächen. Im März 2022 beschlossen sieben der acht Mitglieder des Arktischen Rates – Schweden, Kanada, Norwegen, Finnland, Island, Dänemark und die USA – künftige Ratssitzungen zu boykottieren, wodurch der Rat für Monate praktisch lahmgelegt wurde. Dies geschah während der Amtszeit Russlands als Vorsitzland. Später versuchten sie, ihn unter dem Vorsitz Norwegens ohne russische Beteiligung wieder aufzunehmen. Darauf folgte der Beitritt Finnlands und Schwedens zur NATO, was bedeutete, dass nun alle Länder des Rates außer Russland Teil des NATO-Blocks waren.
Das hat Russland jedoch nicht davon abgehalten, seine Streitkräfte in der Region weiter aufzubauen. Tatsächlich haben die letzten Jahre Russland nur dazu veranlasst, immer mehr seiner Streitkräfte in der Arktis zu konzentrieren. Nach Ausbruch des Krieges in der Ukraine wurde die Nutzung des Schwarzen Meeres für die russische Flotte zu riskant, und seit 2022 hat die Türkei russischen Kriegsschiffen die Einfahrt ins Schwarze Meer untersagt, wodurch Russlands Einsatzmöglichkeiten seiner Schwarzmeerflotte weiter eingeschränkt wurden. Nach dem Beitritt Schwedens und Finnlands zur NATO ist auch die Ostsee für Russland zu einer viel unzuverlässigeren wirtschaftlichen und militärischen Wasserstraße geworden. Daher war es für Russland ein logischer Schritt, seine Streitkräfte in der eisigen Barentssee zu konzentrieren.
Anstatt Russland zu isolieren und sein Streben nach Kontrolle über die Region zu schwächen, haben die NATO-Staaten Russland nicht nur dazu gedrängt, seine Streitkräfte in der Arktis zu verstärken, sondern auch zu einer engeren Beziehung zu China, was wiederum China den Zugang zur Arktis in einem viel größeren Ausmaß als zuvor eröffnet hat.
Das Bündnis zwischen Russland und China
China hat seine Präsenz in der Polarregion in den letzten zehn Jahren schrittweise ausgebaut. Im Jahr 2013 erhielten sie Beobachterstatus im Arktischen Rat und errichteten Forschungseinrichtungen auf Spitzbergen, Island und in der nordschwedischen Stadt Kiruna. Im Jahr 2018 legten sie noch einmal nach und veröffentlichten ein Weißbuch, in dem sie ihre Strategie für die Arktis darlegten, sich selbst als „nahe der Arktis gelegenen Staat“ definierten und ihr Ziel verkündeten, eine „Polare Seidenstraße“ für arktische Schifffahrtsrouten zu bauen.
Im Jahr 2024 schickten sie ihre ersten drei Eisbrecher in die arktischen Gewässer und kündigten Pläne an, ein bemanntes Tauchboot zum arktischen Meeresboden zu schicken, womit sie nach Russland das zweite Land wären, das dies erreicht.
Die engeren Beziehungen zu Russland haben es China ermöglicht, seine Ambitionen in der Region viel schneller voranzutreiben und dort eine regelmäßige Präsenz aufzubauen. Seit 2022 haben China und Russland mehrere gemeinsame Militärübungen und Grenzpatrouillen in der Polarregion durchgeführt.
Chinesische Unternehmen unterstützen Russland auch bei der Entwicklung seiner arktischen LNG-Projekte auf der Halbinsel Jamal im Nordwesten Sibiriens – die im vergangenen Jahr ein Rekordjahr bei den Frachtladungen verzeichnete – und beim LNG-2-Projekt, das derzeit auf der Halbinsel Gydan gebaut wird. Obwohl Sanktionen den Bau der neuen Anlage verzögert haben, konnte sie dank chinesischer Investitionen fortgesetzt werden. Das chinesische Unternehmen Wison New Energies lieferte im vergangenen Jahr Kraftwerksmodule an LNG 2, obwohl es sich offiziell aus dem Projekt zurückgezogen hatte.
Derzeit entwickeln sie die Nordostpassage entlang der russischen Küste. Im Juli 2023 wurde offiziell ein regelmäßiger chinesisch-russischer Schifffahrtskorridor entlang der arktischen Seewege eingerichtet. In diesem Jahr [2025] erreichten 80 Fahrten mit Frachtschiffen, Kreuzfahrtschiffen und Öltankern chinesische Häfen über die arktische Wasserstraße. Es wird erwartet, dass dies bis 2050 die meistgenutzte Schifffahrtsroute zwischen Asien und Europa sein wird, da sie die Transportzeit im Vergleich zur Schifffahrt durch den Suezkanal um etwa 50% verkürzt. Um dies auszubauen, plant Russland den Bau eines Tiefwasserhafens in Archangelsk und einer daran angeschlossenen Eisenbahnstrecke mit chinesischen Investoren.
Der größte Teil der Nordostpassage liegt innerhalb der ausschließlichen Wirtschaftszone Russlands, und obwohl sie für die Schifffahrt aller Länder offen ist, müssen diese die russischen Vorschriften einhalten, Genehmigungen einholen und von russischen Eisbrechern eskortiert werden.
Die USA versuchen, das anzufechten, mit dem Argument, dass es sich um internationale Gewässer handeln sollte. Es wird jedoch schwierig sein, Russland die Kontrolle über die Route zu entreißen, da es Russland und China sind, die sie tatsächlich ausbauen. Sie sind es, die Häfen entlang der russischen Küste errichten, und sie sind es, die begonnen haben, die Route zu nutzen. Kommerzielle Reedereien aus Russland und China haben bereits umfangreiche Erfahrungen mit dem Betrieb in dieser Region gesammelt. Das bedeutet, dass sie einen enormen Vorsprung haben.
Im August 2023 veröffentlichte das U.S. Naval Institute einen Aufsatz darüber, wie die USA Russland in Bezug auf die Nordostpassage herausfordern könnten. Er bestand aus einer langen Wunschliste für Investitionen seitens der Regierung. Die Autoren stellten die tatsächlichen Kräfteverhältnisse ganz offen dar: „Nachdem die Küstenwache mit einem Verhältnis von russischen zu US-amerikanischen Eisbrechern von 3,6:1 gescheitert ist, muss sie nun einen Transit mit einem Verhältnis von fast 20:1 in Betracht ziehen. Es werden mehr Kapazitäten und bessere Eisbrecher benötigt.“
Der vernichtende Bericht stellte fest, dass „eine vergrößerte US-Eisbrecherflotte allein notwendig, aber nicht ausreichend sein wird, um den Anforderungen dieses neuen Sicherheitsparadigmas gerecht zu werden“.
Seit Trump wieder an der Macht ist, hat er einen anderen Ansatz als frühere Regierungen verfolgt. In den Verhandlungen über den Ukraine-Krieg hat er versucht, mit Putin eine Einigung zu erzielen, um aus dem Ukraine-Krieg auszusteigen und die Auswirkungen der harten Politik von Biden und den Europäern, die Russland näher an China herangerückt hat, rückgängig zu machen. Trumps Hoffnung war, dass es einfacher wäre, sich gegen die chinesische Konkurrenz zu behaupten, wenn er Russland von China losreißen könnte. Aber wie viele von Trumps Plänen war auch dieser bisher eher erfolglos.
Selbst wenn Trump viele der Sanktionen gegen Russland aufheben würde, wäre das keine Garantie dafür, dass er einen Keil zwischen Russland und China treiben könnte. In der Arktis arbeiten sie bei so vielen verschiedenen Projekten eng zusammen, dass es unglaublich schwierig wäre, sie voneinander zu trennen. Und sowohl aus russischer als auch aus chinesischer Sicht würde dies keinen Sinn machen, da ihre Zusammenarbeit für beide Seiten von Vorteil ist.
Solange die USA nicht bereit sind, einzusteigen und in gleichem Umfang zu investieren, macht es für Russland keinen Sinn, sich in größerem Umfang von China zu distanzieren. Gerade durch große chinesische Investitionen ist Russland in der Lage, seine Öl- und Gasindustrie auszubauen und Handelswege zu entwickeln.
Genau dieses Problem hatte die Biden-Regierung in Bezug auf Lateinamerika. Nach Trumps erster Amtszeit, in der er versucht hatte, lateinamerikanische Länder mit harter Hand zur Unterwerfung zu zwingen, versuchte Biden einen anderen Ansatz. Mit seiner B3W-Initiative bot er Investitionen an, um diese Länder von Chinas Neuen Seidenstraße (Belt and Road Initiative, BRI) abzuwerben. Die angebotenen Investitionen waren jedoch einfach zu gering, um eine echte Alternative darzustellen.
Für China bedeutet die Zusammenarbeit mit Russland, dass es seinen Einfluss in der Arktis viel schneller und auf einer viel stabileren Grundlage ausbauen kann, während die meisten Europäer bei fast jedem Schritt auf Widerstand stoßen.
Chinesische Investitionen: ein Angebot, das schwer abzulehnen ist
China ist jedoch nicht nur über Russland in der Arktis aktiv. In den letzten 15 Jahren haben die chinesischen Investitionen in der gesamten Region mehr oder weniger überall zugenommen. Island ist eines der wichtigsten Länder, mit denen China Beziehungen geknüpft hat.
Im vergangenen Jahr forderte der ehemalige Pentagon-Beamte Michael Rubin Donald Trump auf, gegen China in der Arktis vorzugehen, insbesondere in Bezug auf Island: „Für Strategen in Peking ist Island jedoch das perfekte Trojanische Pferd, das China Zugang zur Arktis, zum Atlantik, zu Europa und zur NATO verschafft. Vielleicht kann Trump dafür entschuldigt werden, dass Island während seiner ersten Amtszeit unter seinem Radar geblieben ist, aber es kann keinen Zweifel mehr an Chinas Ambitionen auf der Insel und Islands Nachsicht gegenüber chinesischem Geld und strategischen Vorstößen geben. Es ist an der Zeit, mit Island hart zu verhandeln, bis es erkennt, dass chinesisches Geld die Kosten für die Gefährdung der Sicherheit im Nordatlantik und in der Arktis nicht aufwiegt.“
Obwohl Island Mitglied der NATO ist, hat es sich zunehmend zwischen den USA und China positioniert, was sich in seiner Haltung gegenüber Chinas BRI zeigt. Bei einem offiziellen Besuch in Island im Jahr 2019 dankte der damalige US-Vizepräsident Mike Pence dem Land dafür, dass es sich nicht der BRI angeschlossen hatte. Dies wurde jedoch schnell von der isländischen Regierung zurückgewiesen, die erklärte, dass sie noch keine Entscheidung getroffen habe. Sechs Jahre später ist noch immer keine Entscheidung gefallen.
Während des Kalten Krieges war Island ein wichtiger Militärstützpunkt für den amerikanischen Imperialismus. Seit 2006 gibt es dort jedoch keine permanenten amerikanischen Militärstützpunkte oder Soldaten mehr. Und obwohl es an NATO-Militärübungen teilgenommen und Sanktionen gegen Russland verhängt hat, hat es sich auch China angenähert.
Nach der Krise von 2008, die zum Zusammenbruch der drei größten Banken Islands führte, griff China ein, um von der schweren Wirtschaftskrise des Landes zu profitieren. Im Jahr 2010 unterzeichneten sie ein Währungsswap-Abkommen im Wert von 480 Millionen Dollar, das es Island ermöglichte, chinesische Importe mit der isländischen Krone zu bezahlen. Das Abkommen wurde 2013 und 2016 verlängert. Im Jahr 2013 unterzeichneten sie ein Freihandelsabkommen. Im Jahr 2018 eröffnete China eine Forschungseinrichtung im Norden Islands und im Jahr 2020 eine vierstöckige Botschaft in Reykjavik mit Platz für 500 Mitarbeiter, die damit die mit Abstand größte Botschaft des Landes ist.
An anderen Orten wurde China bisher zurückgewiesen. Als es versuchte, in den Bau von Flughäfen in Grönland zu investieren, schalteten sich die USA ein, um dies zu verhindern. Sehr zum Ärger der Machthaber in Washington hätte die dänische Regierung beinahe die Baurechte an die Chinesen abgetreten, die direkt mit der grönländischen Regierung in Verhandlungen getreten waren. In einer kleinen diplomatischen Krise zwischen Dänemark und der ersten Regierung unter Donald Trump sprang der damalige dänische Ministerpräsident mit einem Koffer voller Geld in das erste Flugzeug nach Grönland, um China daran zu hindern, dort Fuß zu fassen.
Auch in Norwegen hat die chinesische Reederei Cosco versucht, einen Vertrag mit dem Hafen in Kirkenes abzuschließen, wurde jedoch bislang von der norwegischen Regierung blockiert, die sich vor dem wachsenden Einfluss Chinas hütet. Norwegen hat kürzlich neue Gesetze verabschiedet, die die Übertragung von Eigentum oder Unternehmen verbieten, die „norwegischen Sicherheitsinteressen“ schaden könnten.
Die lokalen Entscheidungsträger in Kirkenes, insbesondere der Hafendirektor Terje Jørgensen, kämpfen jedoch gegen die Regierung, um chinesische Investitionen zu sichern. Der Vorstandsvorsitzende Terje Hansen erklärte gegenüber norwegischen Medien im vergangenen Jahr, dass „wenn ein chinesisches Unternehmen mit uns Handel treiben möchte, wir dies auf jeden Fall zulassen werden“ und dass sie weiterhin um Cosco werben werden, „es sei denn, die Zentralbehörden hindern uns daran“. Die lokalen Führungskräfte von Kirkenes sind verzweifelt auf der Suche nach Arbeitsplätzen, da die Schließung der Bergwerke zu einem Bevölkerungsrückgang geführt hat und junge Menschen die Stadt verlassen.
Dies ist eines der vielen Dilemma für Nordeuropa. Einerseits spüren sie die Konkurrenz durch die stärkeren imperialistischen Länder und werden dazu gedrängt, sich für eine Seite zu entscheiden. Andererseits brauchen sie Investitionen. Mit der Zeit wird die Schwäche von Ländern wie Norwegen, Schweden und Dänemark in der Arktis spürbar werden.
Der Fall Spitzbergen
Norwegische Politiker äußern nicht nur Bedenken über den wachsenden Einfluss Chinas. Die Stärkung Russlands hat zu noch mehr Aufruhr geführt, insbesondere wegen seiner Aktivitäten auf Spitzbergen – der Inselgruppe, die an der Schnittstelle zwischen Arktischem Ozean und Atlantik liegt, 600 Kilometer vom norwegischen Festland und 1.000 Kilometer vom Nordpol entfernt.
Spitzbergen steht seit 1920, als der Spitzbergenvertrag unterzeichnet wurde, unter norwegischer Herrschaft. Dies wurde von den Siegern des Ersten Weltkriegs unterstützt, insbesondere von Großbritannien, zu dem Norwegen sehr enge Beziehungen unterhielt.
Der Spitzbergenvertrag garantierte jedoch auch Bürgern und Unternehmen aller Unterzeichnerstaaten gleiche Rechte für die Ausübung kommerzieller Aktivitäten auf den Inseln, wie Bergbau, Fischerei, Jagd und maritime Aktivitäten. Spitzbergen wurde zu einer visumfreien Zone für alle Unterzeichnerstaaten, sodass Bürger dieser Länder das Recht haben, sich dort ohne Visum aufzuhalten und zu arbeiten. Das bedeutet, dass heute mehr als ein Drittel der Einwohner Spitzbergens keine Norweger sind und dass andere Länder – insbesondere Russland – sich hier leichter eine Basis schaffen können.
In der Praxis war Spitzbergen, obwohl es unter norwegischer Gerichtsbarkeit stand, während des größten Teils des 20. Jahrhunderts ein gemeinsames Territorium der Sowjetunion und Norwegens. Bergbauunternehmen aus den Niederlanden, den USA und Schweden verkauften in den 1920er und 1930er Jahren den größten Teil ihrer Minen entweder an die Sowjetunion oder an Norwegen.
Während Russland jedoch weiterhin sein Kohlebergwerk in Barentsburg betreibt und in die Umwandlung seiner ehemaligen Bergbaustadt Pyramiden in eine Touristenattraktion investiert hat, schließt Norwegen nun sein letztes Bergwerk in Longyearbyen. Anstatt von norwegischen Bergleuten bevölkert zu sein, hat sich Longyearbyen zu einer Stadt für Wissenschaftler aus aller Welt entwickelt.
Russland hingegen hat seine militärische Präsenz verstärkt und plant den Bau eines Forschungszentrums in Pyramiden, für das es Investitionen aus China und anderen BRICS-Ländern anstrebt.
Die norwegischen Regierungen haben die Schließung der Kohlebergwerke als Kosteneinsparungsmaßnahme betrachtet, da diese nie wirklich rentabel waren. Gleichzeitig ermöglicht es der Regierung, sich in Bezug auf die Klimakrise als grün und fortschrittlich zu präsentieren… während sie gleichzeitig zwei Millionen Barrel Öl pro Tag fördert. Das bedeutet aber auch, dass weniger Norweger auf der Insel leben werden, was Norwegens territorialen Anspruch schwächt.
Darauf wies Brede Edvardsen, stellvertretender Vorsitzender des norwegischen Norwegischer Arbeiterverbands, hin: „Ich glaube, dass sie [die norwegische Regierung] sich der Rolle, die das Bergbauunternehmen Store Norske und damit der norwegische Staat im geopolitischen Kontext spielen, nicht bewusst sind. Der Kohlepreis war in den letzten 100 Jahren immer Schwankungen unterworfen, und langfristig haben wir damit nie Geld verdient. Das ist aber nicht der Grund, warum sie Kohle abgebaut haben. Es ging darum, unsere Souveränität zu wahren … Norwegen konnte seine Position in Spitzbergen dank des Bergbaus behaupten, weil wir dort tatsächlich etwas tun.“
Norwegen versucht, seinen Einfluss mit anderen Mitteln geltend zu machen. Im vergangenen Jahr verabschiedete die norwegische Regierung ein neues Weißbuch zu Spitzbergen, in dem sie ihr Ziel verkündete, die norwegische Kontrolle über die wissenschaftliche Forschung auf Spitzbergen zu verstärken.
Norwegen strebt auch die Kontrolle über den künftigen Tiefseebergbau außerhalb der Inselgruppe an. Im Jahr 2020 registrierten norwegische Wissenschaftler Mineralien auf dem Meeresboden in der Nähe von Spitzbergen mit einem geschätzten Wert von fast 100 Milliarden US-Dollar. Dies wird jedoch von Russland, Island, den Niederlanden, Spanien und Großbritannien angefochten, die argumentieren, dass die gleichen Zugangsrechte des Spitzbergenvertrags auch den Festlandsockel umfassen sollten.
Dies weist auf eines der Hauptprobleme für die schwächeren arktischen Länder hin. Nach Trumps Machtantritt verkündeten europäische Politiker lautstark, dass sie geschlossen auftreten würden. In Wirklichkeit tun sie dies jedoch nicht. Auch andere europäische Länder sind daran interessiert, Norwegens Anspruch auf Spitzbergen zu schwächen. Seit Jahren gibt es zwischen der EU und Norwegen (das kein EU-Mitglied ist) anhaltende Streitigkeiten über Fischereirechte. Norwegen stößt auch auf Widerstand seitens der EU, wenn es darum geht, weiter nördlich nach Öl zu bohren.
Gleichzeitig haben sich die sogenannten „Arktischen Fünf“ – die USA, Kanada, Norwegen, Russland und Dänemark (über Grönland), die alle direkt an den Arktischen Ozean grenzen – oft getroffen und Entscheidungen getroffen, ohne die anderen Länder des Arktischen Rates einzubeziehen. Während Norwegen manchmal daran interessiert ist, in Bezug auf Russland Unterstützung von Schweden und Finnland zu erhalten, schließt es diese Länder auch gerne aus, wenn es dadurch einen größeren Einfluss unter den Hauptakteuren in der Region gewinnt.
Keines der schwächeren Länder in der Arktis kann sich allein gegen die Konkurrenz aus Russland, China oder den USA behaupten. Selbst wenn sie sich zusammenschließen – wie sie es taten, als sie Russland aus der arktischen Zusammenarbeit ausschlossen –, können sie die Großmächte auf der Weltbühne nicht davon abhalten, auf ihre Kosten voranzukommen.
Das tatsächliche Kräfteverhältnis
Die schwächeren arktischen Länder tun derzeit ihr Möglichstes, um zu beweisen, dass sie die Interessen ihrer herrschenden Klassen in der Region verteidigen können. Es findet eine NATO-Militärübung nach der anderen statt. Mark Rutte besuchte im Mai Nordnorwegen und sprach darüber, dass „wir immer mehr gemeinsam tun“ und dass „die NATO sich zunehmend damit befasst, wie wir all diese Bemühungen am besten koordinieren können“.
Doch ohne die Unterstützung der USA werden sie nicht in der Lage sein, China und Russland viel Widerstand zu leisten. Deshalb mussten die europäischen und kanadischen Politiker, nachdem sie Trump wegen der Zölle, Grönland und dem Krieg in der Ukraine lautstark kritisiert und mit Phrasen um sich geworfen hatten, letztendlich doch einknicken und sich auf dem letzten NATO-Gipfel Trumps Forderungen beugen. Sie konnten die USA nicht dazu bewegen, Russland zu verurteilen, und sie erklärten sich bereit, ihre Verteidigungsausgaben auf 5% zu erhöhen.
Aber es ist eine Sache, sich verbal zu etwas zu verpflichten, und eine andere, es tatsächlich umzusetzen. Die meisten dieser Länder haben massive Staatsschulden. Diejenigen, die keine haben, wie Dänemark und Schweden, haben massive Haushaltsschulden, die eine starke Erhöhung der Staatsverschuldung sehr riskant machen.
Und es ist nicht nur eine Frage der Finanzierung. Sie brauchen Regierungen, die dies umsetzen können. Die europäischen Regierungen haben jahrzehntelang Kürzungen vorgenommen und behauptet, dass einfach kein Geld für Schulen, Krankenhäuser, Pflegeheime usw. vorhanden sei. Jetzt versprechen sie plötzlich enorme Summen für Militärausgaben. Politiker finden es bereits immer schwieriger, Sparmaßnahmen durchzuführen und wiedergewählt zu werden. Die wachsende Opposition gegen die Ausgaben für den Krieg in der Ukraine, während der Lebensstandard der Arbeiter unter Sparmaßnahmen und Inflation sank, war ein entscheidender Faktor für den Machtantritt von Trump und den Aufstieg von Parteien wie der AfD und Reform UK.
Und die europäischen Länder, die sich einen Teil der Arktis sichern oder ihren bereits vorhandenen Anteil verteidigen wollen, müssen nicht nur ihre Verteidigungsausgaben massiv erhöhen. Sie brauchen auch eine Industrie, die dies unterstützt. Nicht nur die US-amerikanische Schiffbauindustrie befindet sich in der Krise. Während über 70% der neuen Schiffbauaufträge im Jahr 2024 an chinesische Unternehmen gingen, die sich damit einen weltweiten Marktanteil von 55,7% sicherten, ist der Marktanteil Europas gemessen an der sogenannten „Compensated gross tonnage“ (CGT, Maß für den Schiffbau) auf etwa 7% und wertmäßig auf etwa 16% zurückgegangen.
Die Realität ist, dass die schwächeren arktischen Länder einfach nicht mächtig oder wettbewerbsfähig genug sind, um ihre frühere Position zu verteidigen. Lenin bemerkte vor über 100 Jahren zur Epoche des Imperialismus: „Die Welt hat sich zum erstenmal als bereits aufgeteilt erwiesen, so daß in der Folge nur noch Neuaufteilungen in Frage kommen“. Die Arktis wird derzeit neu aufgeteilt.
Schwedische, norwegische oder kanadische Politiker mögen sich darüber beschweren, dass die chinesische Forschung in der Arktis „nur ein Vorwand für die Sammlung von Informationen“ sei, während ihre eigene Forschung dem „Schutz der Eisbären“ diene. Sie können behaupten, dass Xi Jinping, Putin oder Trump böse Imperialisten seien, die die Arktis wegen ihrer natürlichen Ressourcen plündern wollten, während sie selbst nur in der Arktis seien, um die Gletscher oder die Interessen der Sami und Inuit zu schützen. Dabei wird die lange Geschichte der brutalen Unterdrückung der indigenen Bevölkerung durch Kanada, der Inuit Grönlands durch Dänemark oder der Sami durch Schweden, Norwegen und Finnland einfach ignoriert.
Die Wahrheit ist, dass alle Nationen, die in der Arktis tätig sind oder tätig werden wollen, dies aus dem gleichen Grund tun – wegen der Gewinne, die ihre nationale Bourgeoisie aus den Reichtümern erzielen kann, die durch die Klimakrise verfügbar werden. Die Europäer und Kanadier jammern nur, weil sie nicht stark genug sind, um der Konkurrenz durch die stärkeren imperialistischen Mächte entgegenzuwirken.
Keiner von ihnen hat auch nur das geringste Interesse an den tatsächlichen Interessen der Menschen oder Tiere, die in der Arktis leben, noch kümmern sie sich darum, wie die zunehmenden kommerziellen Aktivitäten in der Arktis die Klimakrise beschleunigen werden. Der einzige Weg, die Arktis vor imperialistischer Ausbeutung zu retten, ist die vollständige Abschaffung des Kapitalismus durch die Machtübernahme der Arbeiterklasse, in der Arktis und darüber hinaus.
