In Syrien wird ein Massaker an Rojava vorbereitet. Das islamistische Regime unter der Führung von Ahmed al-Sharaa, hat eine Offensive im Nordosten des Landes gestartet und die historische kurdische Festungsstadt Kobane an der nördlichen Grenze zur Türkei umzingelt.
Die Täuschung des Westens
Als Assad Ende 2024 durch Hayat-Tahrir al-Sham (HTS) fiel, versicherten die Imperialisten im Westen der Welt schnell, dass man dem neuen Regime einen Vertrauensvorschuss gewähren sollte. Der ehemalige Al-Qaida- und ISIS-Kommandeur wurde nicht nur willkommen geheißen, sondern auch als Galionsfigur der syrischen Demokratie präsentiert.
Al-Sharaa und HTS kamen unter dem Schutz des türkischen Imperialismus an die Macht. Trotz vieler leerer Worte der dschihadistischen „Rebellen“ über die Bildung einer inklusiven Übergangsregierung hat sich al-Sharaa als alleiniger Herrscher durchgesetzt.
Anstatt wie versprochen Syrien zu vereinen, hat HTS mehrere Massaker an ethnischen Minderheiten in Syrien verübt.
Die derzeitige Offensive der syrischen Streitkräfte zusammen mit arabischen Stammes- und Clanmilizen gegen die kurdisch geführte SDF ist die natürliche Folge dieses Prozesses.
Der kurdische Widerstand
Es steht außer Frage, dass die Aussichten für die Kurden düster sind. Das liegt jedoch nicht nur an der Machtübernahme durch HTS und daran, dass die USA die Kurden nun zynisch fallen lässt, nach dem sie diese für ihre Zwecke benutzt hat.
Politisch gesehen hat die Führung der Kurden in Form der PKK den kurdischen Kampf auf rein nationaler Basis geführt und die Frage nach militärischen Verbündeten lediglich als taktisches Problem betrachtet. Dies führte sie während des syrischen Bürgerkriegs zu einem Bündnis mit dem US-Imperialismus. Heute zeigt sich, dass das fatal war.
Der gleiche Ansatz wurde im Frühjahr wiederholt, als der inhaftierte PKK-Führer Abdullah Öcalan verkündete, dass sich die PKK auflösen, ihre Waffen niederlegen und ihr Vertrauen in Erdoğan legen werde.
Al-Sharaas Botschaft an die Kurden ist unmissverständlich: „Löst euch auf und integriert euch in meine Armee unter meinem Kommando, oder ihr müsst mit einem Angriff rechnen.“ Der Ansatz des SDF-Führers Mazloum Abdi bestand faktisch darin, zu kapitulieren.
Die Notwendigkeit von Gegenwehr
Während Erdoğan und al-Sharaa sich vielleicht schon die Hände reiben, zeigt die Geschichte, dass die Kurden nicht einfach zum Schlachten marschieren werden. Bereits jetzt brechen in der gesamten Region und unter den kurdischen Diasporagemeinden weltweit Proteste aus. Was jedoch benötigt wird, ist nicht die Zusammenarbeit und Beschwichtigung der Türkei und der HTS.
Der einzige Ausweg aus diesem reaktionären Sumpf besteht darin, einen Kurswechsel vorzunehmen und anzuerkennen, dass der Kampf für eine kurdische Heimat nicht auf der Grundlage eines nationalen militärischen Kampfes gelöst werden kann, der von imperialistischen sogenannten „Freunden“ unterstützt wird. Ein revolutionärer Kampf zum Sturz Erdoğans und der Islamisten in Syrien ist der einzige Ausweg. Auf der Grundlage eines vereinten revolutionären Kampfes der kurdischen und nicht-kurdischen Massen würde der Boden unter den Füßen dieser schwachen Regime zu beben beginnen.
Das Potenzial für einen solchen revolutionären Kampf besteht nicht nur in Syrien und der Türkei, sondern in der gesamten Region. Um dieses Ziel voranzutreiben, ist ein vollständiger Bruch mit dem Imperialismus und der Klassenzusammenarbeit erforderlich, die sich erneut als Totengräber der kurdischen Sache erweisen.
