Leo Trotzki: Es hätte nicht so kommen müssen 

Im Folgenden ist das Vorwort zu dem Buch „Es hätte nicht so kommen müssen. Schriften über den Aufstieg des Faschismus in Deutschland und Österreich“ abgedruckt. 

Die bürgerliche Demokratie ist weltweit in der Krise. Ob AfD in Deutschland, FPÖ in Österreich, Donald Trump in den USA oder Nigel Farage in Großbritannien: rechte Demagogen gewinnen an Einfluss, haben Wahlerfolge und drängen an die Schalthebel der Staatsmacht. Diese Entwicklung ist bedrohlich: Sie hetzen gegen Migranten, greifen Frauenrechte an, verschärfen die staatliche Repression und setzen auf extreme Sparpolitik. 

Steht uns also wieder Faschismus bevor? Wie kann man gegen die Rechten kämpfen? Diese Fragen stellen sich viele Jugendliche und Arbeiter. Doch ehrliche Antworten und Lösungen finden sie weder in den bürgerlichen Medien noch bei linken Parteien und Politikern. Zwar ziehen diese regelmäßig Vergleiche zur Krise der Weimarer Republik in der Zwischenkriegszeit. Eine Erklärung für den damaligen Aufstieg des Faschismus in Europa bleiben sie jedoch schuldig. 

Eines beteuern bürgerliche wie linke Politiker hingegen unaufhörlich: Die Demokratie müsse gerettet werden, sonst drohe erneut der Faschismus. Zum Aufstieg der AfD, seiner Bedeutung und zur Frage, wie die Rechten erfolgreich bekämpft werden können, haben wir bereits ausführlich Stellung bezogen. Dazu ist im 1917-Verlag die Broschüre „Wie besiegen wir die AfD? – Demokratie retten oder Sozialismus erkämpfen?“ erschienen. 

Das vorliegende Buch richtet den Blick auf die Zwischenkriegszeit in Deutschland und Österreich. Die ausgewählten Texte dieses Sammelbands erklären, warum die Demokratie in der Weimarer Republik scheiterte, welche Kräfte den Faschismus antrieben, wie gegen ihn gekämpft wurde – und weshalb er dennoch an die Macht gelangen konnte. 

Rob Sewell zeichnet in seinem Essay „Deutschland: Von der Revolution zur Konterrevolution“ die Dynamik der Klassenkämpfe in der Zwischenkriegszeit nach. Er gibt einen lebendigen Einblick in diese Zeit heftiger gesellschaftlicher Erschütterungen, die in der bürgerlichen Geschichtsschreibung bis heute falsch dargestellt wird. Im Mittelpunkt steht die Politik der Kommunistischen Partei (KPD), der Sozialdemokratie (SPD) und der Gewerkschaften – vom Ersten Weltkrieg über die Revolutionsjahre 1918–23 bis zum Kampf gegen den Faschismus, an dem 1933 alle Massenorganisationen der Arbeiterklasse scheiterten. 

Die folgenden Artikel und Broschüren des russischen Revolutionärs Leo Trotzki entstanden mitten in dieser stürmischen Epoche, in der Revolution und Konterrevolution unnachgiebig miteinander rangen. Trotzki verstand es damals wie kein anderer, den Marxismus anzuwenden. Meisterhaft erfasste er den lebendigen Prozess: die Bewegung der kämpfenden Klassen und ihr Verhältnis zu Parteien und Führern; die Konflikte zwischen den Nationen; die Wechselwirkungen zwischen ökonomischer, sozialer und politischer Krise; und wie all dies die Gesellschaft vor eine Entscheidung stellte: Sozialismus oder Barbarei! 

Immer wieder erkannte Trotzki im Voraus wichtige Entwicklungen und entscheidende Wendepunkte. Daraus entwickelte er Strategien und Programme, mit denen die Arbeiterklasse den Kapitalismus hätte überwinden und die faschistische Barbarei abwenden können. Das war umso dringlicher, weil KPD, SPD und andere linke Parteien und Strömungen die Arbeiterklasse mit ihrer Politik in eine fatale Sackgasse führten. 

Es hätte nicht so kommen müssen – aber die Nazis gelangten an die Macht und fügten der Arbeiterbewegung eine brutale, unbarmherzige Niederlage zu. Die Verantwortung für diese historische Katastrophe und ihre Folgen tragen letztlich die Führungen der SPD und KPD. Sie kannten Trotzkis Schriften, seine Warnungen und Vorschläge. Doch sie wiesen sie zurück – stets auf ihre eigenen engstirnigen Interessen fixiert. Mehr noch: Sie verfolgten Trotzkis Anhänger und schnitten sie von der Arbeiterklasse ab. 

Trotzkis Schriften zeigen, was geschieht, wenn die Führung der Arbeiterklasse in entscheidenden Momenten eine falsche Politik verfolgt. Sie zeigen aber auch, dass der Marxismus es ermöglicht, die Welt richtig zu verstehen und ein Programm zu entwickeln, mit dem sie verändert werden kann. Noch einmal: Der Faschismus hätte 1933 nicht siegen müssen. Die Möglichkeiten für eine erfolgreiche sozialistische Revolution waren gewaltig – sie hätten nur genutzt werden müssen. 

Heute ist es die Aufgabe einer neuen Generation junger Kommunisten das Vermächtnis Leo Trotzkis zu studieren und anhand seiner Texte die richtige Anwendung des Marxismus zu erlernen. Kommunisten begnügen sich nicht mit historischen Parallelen, denn diese ersetzen keine Analyse gegenwärtiger Entwicklungen. Im Gegenteil: Sie können schnell in die Irre führen – mit allen negativen praktischen Konsequenzen. 

Um Parteien aufzubauen, die die Revolution zum Erfolg führen können, braucht es ein richtiges Verständnis der marxistischen Methode. Dieses Buch ist ein mächtiges Werkzeug, um sich dieses Verständnis zu erarbeiten. Das ist heute dringender denn je: Erneut steht die Gesellschaft vor der Wahl zwischen Sozialismus und Barbarei. Dieses Mal muss der Sozialismus gewinnen. 

SCHLIESS DICH DEN KOMMUNISTEN AN!

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