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		<title>Leo Trotzki: Es hätte nicht so kommen müssen </title>
		<link>https://derkommunist.de/leo-trotzki-es-haette-nicht-so-kommen-muessen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexander Kalabekow]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 06 Oct 2026 06:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Faschismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Folgenden ist das Vorwort zu dem Buch „Es hätte nicht so kommen müssen. Schriften über den Aufstieg des Faschismus in Deutschland und Österreich“ abgedruckt.&#160; Die bürgerliche Demokratie ist weltweit [&#8230;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><em>Im Folgenden ist das Vorwort zu dem Buch „Es hätte nicht so kommen müssen. Schriften über den Aufstieg des Faschismus in Deutschland und Österreich“ abgedruckt.</em>&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die bürgerliche Demokratie ist weltweit in der Krise. Ob AfD in Deutschland, FPÖ in Österreich, Donald Trump in den USA oder Nigel Farage in Großbritannien: rechte Demagogen gewinnen an Einfluss, haben Wahlerfolge und drängen an die Schalthebel der Staatsmacht. Diese Entwicklung ist bedrohlich: Sie hetzen gegen Migranten, greifen Frauenrechte an, verschärfen die staatliche Repression und setzen auf extreme Sparpolitik.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Steht uns also wieder Faschismus bevor? Wie kann man gegen die Rechten kämpfen? Diese Fragen stellen sich viele Jugendliche und Arbeiter. Doch ehrliche Antworten und Lösungen finden sie weder in den bürgerlichen Medien noch bei linken Parteien und Politikern. Zwar ziehen diese regelmäßig Vergleiche zur Krise der Weimarer Republik in der Zwischenkriegszeit. Eine Erklärung für den damaligen Aufstieg des Faschismus in Europa bleiben sie jedoch schuldig.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eines beteuern bürgerliche wie linke Politiker hingegen unaufhörlich: Die Demokratie müsse gerettet werden, sonst drohe erneut der Faschismus. Zum Aufstieg der AfD, seiner Bedeutung und zur Frage, wie die Rechten erfolgreich bekämpft werden können, haben wir bereits ausführlich Stellung bezogen. Dazu ist im 1917-Verlag die Broschüre „Wie besiegen wir die AfD? – Demokratie retten oder Sozialismus erkämpfen?“ erschienen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das vorliegende Buch richtet den Blick auf die Zwischenkriegszeit in Deutschland und Österreich. Die ausgewählten Texte dieses Sammelbands erklären, warum die Demokratie in der Weimarer Republik scheiterte, welche Kräfte den Faschismus antrieben, wie gegen ihn gekämpft wurde – und weshalb er dennoch an die Macht gelangen konnte.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Rob Sewell zeichnet in seinem Essay „Deutschland: Von der Revolution zur Konterrevolution“ die Dynamik der Klassenkämpfe in der Zwischenkriegszeit nach. Er gibt einen lebendigen Einblick in diese Zeit heftiger gesellschaftlicher Erschütterungen, die in der bürgerlichen Geschichtsschreibung bis heute falsch dargestellt wird. Im Mittelpunkt steht die Politik der Kommunistischen Partei (KPD), der Sozialdemokratie (SPD) und der Gewerkschaften – vom Ersten Weltkrieg über die Revolutionsjahre 1918–23 bis zum Kampf gegen den Faschismus, an dem 1933 alle Massenorganisationen der Arbeiterklasse scheiterten.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die folgenden Artikel und Broschüren des russischen Revolutionärs Leo Trotzki entstanden mitten in dieser stürmischen Epoche, in der Revolution und Konterrevolution unnachgiebig miteinander rangen. Trotzki verstand es damals wie kein anderer, den Marxismus anzuwenden. Meisterhaft erfasste er den lebendigen Prozess: die Bewegung der kämpfenden Klassen und ihr Verhältnis zu Parteien und Führern; die Konflikte zwischen den Nationen; die Wechselwirkungen zwischen ökonomischer, sozialer und politischer Krise; und wie all dies die Gesellschaft vor eine Entscheidung stellte: Sozialismus oder Barbarei!&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Immer wieder erkannte Trotzki im Voraus wichtige Entwicklungen und entscheidende Wendepunkte. Daraus entwickelte er Strategien und Programme, mit denen die Arbeiterklasse den Kapitalismus hätte überwinden und die faschistische Barbarei abwenden können. Das war umso dringlicher, weil KPD, SPD und andere linke Parteien und Strömungen die Arbeiterklasse mit ihrer Politik in eine fatale Sackgasse führten.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es hätte nicht so kommen müssen – aber die Nazis gelangten an die Macht und fügten der Arbeiterbewegung eine brutale, unbarmherzige Niederlage zu. Die Verantwortung für diese historische Katastrophe und ihre Folgen tragen letztlich die Führungen der SPD und KPD. Sie kannten Trotzkis Schriften, seine Warnungen und Vorschläge. Doch sie wiesen sie zurück – stets auf ihre eigenen engstirnigen Interessen fixiert. Mehr noch: Sie verfolgten Trotzkis Anhänger und schnitten sie von der Arbeiterklasse ab.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzkis Schriften zeigen, was geschieht, wenn die Führung der Arbeiterklasse in entscheidenden Momenten eine falsche Politik verfolgt. Sie zeigen aber auch, dass der Marxismus es ermöglicht, die Welt richtig zu verstehen und ein Programm zu entwickeln, mit dem sie verändert werden kann. Noch einmal: Der Faschismus hätte 1933 nicht siegen müssen. Die Möglichkeiten für eine erfolgreiche sozialistische Revolution waren gewaltig – sie hätten nur genutzt werden müssen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute ist es die Aufgabe einer neuen Generation junger Kommunisten das Vermächtnis Leo Trotzkis zu studieren und anhand seiner Texte die richtige Anwendung des Marxismus zu erlernen. Kommunisten begnügen sich nicht mit historischen Parallelen, denn diese ersetzen keine Analyse gegenwärtiger Entwicklungen. Im Gegenteil: Sie können schnell in die Irre führen – mit allen negativen praktischen Konsequenzen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um Parteien aufzubauen, die die Revolution zum Erfolg führen können, braucht es ein richtiges Verständnis der marxistischen Methode. Dieses Buch ist ein mächtiges Werkzeug, um sich dieses Verständnis zu erarbeiten. Das ist heute dringender denn je: Erneut steht die Gesellschaft vor der Wahl zwischen Sozialismus und Barbarei. Dieses Mal muss der Sozialismus gewinnen.&nbsp;</p>
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		<title>Glasgow Rent Strike 1915: Wie bekämpfen wir die Vermieter?</title>
		<link>https://derkommunist.de/glasgow-rent-strike-1915-wie-bekaempfen-wir-die-vermieter/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Julius Scheffler]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Oct 2026 08:48:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeiterbewegung]]></category>
		<category><![CDATA[Mieten]]></category>
		<category><![CDATA[Streik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am 20. September mobilisierte die Linkspartei hunderttausende Arbeiter und Jugendliche an die Wahlurnen mit dem Versprechen den Volksentscheid „Deutsche Wohnen &#38; Co enteignen“ endlich umzusetzen. Ihren Wahlkampf als wirklichen Klassenkampf [&#8230;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Am 20. September mobilisierte die Linkspartei hunderttausende Arbeiter und Jugendliche an die Wahlurnen mit dem Versprechen den Volksentscheid „Deutsche Wohnen &amp; Co enteignen“ endlich umzusetzen. Ihren Wahlkampf als wirklichen Klassenkampf gegen die Immobilienkonzerne zu organisieren, versäumte sie jedoch. Denn für die reformistischen Spitzen der Partei ist Enteignung etwas, was ausschließlich durch das bürgerliche Recht, also durch den Beschluss eines Gesetzes denkbar ist. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Ein solches Gesetz wäre zweifellos ein gewaltiger Fortschritt. Doch ohne die Mobilisierung der Arbeiterklasse, würde es niemals der Reaktion des Finanzkapitals und des Staates standhalten. Während die Berliner Banken mit Kapitalstreiks und Abwanderung drohen, will die Merz-Regierung Enteignungen auf Länderebene gleich vollständig verbieten. Die Eigentumsfrage kann daher nur gelöst werden, wenn die Arbeiterklasse sie nicht als Rechtsfrage, sondern als praktische Machtfrage behandelt. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Vor über hundert Jahren zeigten die Arbeiter und vor allem die proletarischen Frauen der schottischen Stadt Glasgow, wie der Kampf gegen die Vermieter mit Methoden des Klassenkampfes erfolgreich geführt werden kann. </p>

<h3 class="wp-block-heading"><strong>Die Offensive der Vermieter</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Glasgow war 1915 ein Zentrum der britischen Kriegsindustrie. Tausende Arbeiter strömten in die Werften und Munitionsfabriken am Fluss Clyde. Schon vor dem Ersten Weltkrieg lebten Arbeiterfamilien in überfüllten Mietskasernen. Die massive Zuwanderung nach Glasgow in Folge des Krieges verschärfte diese Wohnungsnot weiter. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Vermieter wollten die Situation mit einer allgemeinen Mieterhöhung von 25% ausnutzen. Vor allem in den Frauen, deren Männer an der Front waren, sahen sie ein leichtes Ziel. Sie irrten sich gewaltig. </p>

<p class="wp-block-paragraph">In den Arbeitervierteln entstanden Mieterkomitees. Die Glasgow Women’s Housing Association organisierte Versammlungen in Hinterhöfen und auf der Straße. In den Fenstern erschienen Schilder: „RENT STRIKE. WE ARE NOT REMOVING.“ Die Mieter verweigerten kollektiv die Erhöhung oder zahlten überhaupt keine Miete mehr. </p>

<h3 class="wp-block-heading"><strong>Mrs Barbour’s Army</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Die Vermieter antworteten mit Räumungen, die jedoch von den Arbeiterfrauen der Stadt militant bekämpft wurden. Vor Häusern, die einen Räumungsbescheid bekommen hatten, hielten sie Wache und sobald ein Sheriff Officer auftauchte, wurde mit Glocken Alarm geschlagen. Die Nachbarinnen ließen ihre Arbeit liegen und strömten zusammen. Hausverwalter und Gerichtsvollstrecker wurden mit Mehlbomben und verdorbenem Gemüse vertrieben. Dieses System der proletarischen Selbstverteidigung wurde maßgeblich von der Sozialistin Mary Barbour organisiert und bald sprach man von „Mrs Barbour’s Army“. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Kombination aus Mietstreik und proletarischer Selbstverteidigung stellte in dieser Situation das Eigentumsrecht der Vermieter praktisch in Frage. Gleichzeitig hatte sich in Form der Mieterkomitees und Verteidigungseinheiten der Embryo einer Arbeitermacht gebildet, der in der Lage war, das Gewaltmonopol des bürgerlichen Staats zu untergraben. </p>

<h3 class="wp-block-heading"><strong>Die Regierung knickt ein</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Als die Räumungen immer schwieriger wurden, änderten die Vermieter ihre Taktik. Sie wollten die ausstehenden Beträge nun über die Gerichte direkt vom Lohn beschäftigter Mieter pfänden lassen. Sie unterschätzten die Arbeiterklasse ein zweites Mal. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Am 17. November sollten 18 Mieter vor Gericht erscheinen. Doch längst beschränkte sich der Mieterstreik nicht mehr nur auf die Frauen. Mit ihrem Vorgehen inspirierten sie die übrige Arbeiterklasse der Stadt und zogen sie in den Kampf. Arbeiter aus den Werften und Maschinenbaubetrieben legten die Arbeit nieder und marschierten gemeinsam mit tausenden Frauen zum Gericht. Über 10.000 Menschen füllten die umliegenden Straßen. Für den Fall, dass die Regierung nicht nachgab, wurde für den 22. November ein Generalstreik vorbereitet. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Der Sheriff geriet in Panik und meldete der Regierung in London, dass die Stadt kurz vor einer Revolution stünde. Lloyd George, der Munitionsminister, erkannte den Ernst der Lage. Nicht nur war der britische Imperialismus auf die Werften und Rüstungsbetriebe in Glasgow inmitten des Weltkrieges angewiesen, der Kampf in Glasgow begann sich bereits auf andere Städte auszuweiten. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Alle Verfahren gegen die Mieter wurden umgehend fallengelassen. Wenige Wochen später verabschiedete das Parlament den Rent Restriction Act, der die Mieten auf das Vorkriegsniveau einfror. </p>

<h3 class="wp-block-heading"><strong>Die Machtfrage</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Der Rent Restriction Act war ein entscheidender Sieg, den die Glasgower Arbeiter und Frauen für die gesamte britische Arbeiterklasse erkämpften. Doch gleichzeitig zeigt er auch die Limitationen einer jeden Verbesserung, die in den Grenzen des Kapitalismus verbleibt. Denn auf das Gesetz folgte die Demobilisierung der Mieter, Werftarbeiter und Selbstverteidigungseinheiten. Ohne proletarische Kontrollorgane konnten Regierung und Vermieter über die folgenden Jahre das Gesetz schrittweise untergraben. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Hierin liegt die entscheidende Lehre. Die Wohnungsfrage, genau wie jedes andere Problem, mit dem die Arbeiterklasse konfrontiert ist, kann nicht isoliert von der Machtfrage gelöst werden. Durch jeden Streik, jede Besetzung und den Aufbau von Selbstverteidigungseinheiten stellt die Arbeiterklasse Eigentum und Macht der Kapitalisten praktisch, aber noch implizit in Frage. Nur wenn der bürgerliche Staat völlig zerschlagen, durch einen Arbeiterstaat ersetzt und das Eigentum der Kapitalisten konfisziert wird, können die errungenen Verbesserungen durch die Arbeiterklasse selbst garantiert werden. </p>
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		<title>Die Aufrüstung wird den ökonomischen Zerfall beschleunigen</title>
		<link>https://derkommunist.de/die-aufruestung-wird-den-oekonomischen-zerfall-beschleunigen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ture Hirche]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 30 Sep 2026 07:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Aufrüstung]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Militarismus]]></category>
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<p class="wp-block-paragraph">Die deutsche Wirtschaft ist gerettet und ihr Schutzengel heißt Aufrüstung. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche nennt sie einen wesentlichen Wirtschaftsfaktor. Ursula von der Leyen nennt die Rüstungsindustrie einen Wachstumsmotor und verkündet sogar Wohlstand für die nächsten Jahrzehnte. Schließlich würde die Rüstungswirtschaft neue Jobs schaffen und so die Kaufkraft der Konsumenten ankurbeln. Durch die Konversion von ziviler in militärische Produktion würden Betriebsschließungen verhindert. Auch die restliche Industrie dürfe aufatmen, da die Waffenproduktion die Nachfrage anziehen würde. Die militärische und technologische Entwicklung berge außerdem das Potential, Europa in die Zukunft zu katapultieren. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Ein Jammer, dass man nicht früher auf diesen ökonomischen Stein der Weisen gekommen ist! Jahrzehnte Deindustrialisierung, Jobabbau, Austerität und verschlafene Digitalisierung wären uns wohl erspart geblieben. </p>

<h3><strong>Ernüchternde Zahlen</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Die Vertreter der herrschenden Klasse müssen gewitzt sein, um die hunderten Milliarden Euro, die für das Militär verpulvert werden, zu rechtfertigen. Offensichtlich reicht das Gequatsche von Verteidigung unserer Werte nicht aus. Vergeblich versucht man deshalb, die Arbeiterklasse mit solchen Seifenblasenträumen zu umgarnen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Dabei sind die Strategen des Kapitals sehr wohl aufgeklärt über die tatsächliche Lage der Wirtschaft. Zwar wurde jüngst die Wachstumsprognose 2026 in Verbindung mit dem Sondervermögen für Rüstung und Infrastruktur von 0,6% auf „satte“ 1,3% erhöht. Dieser Effekt wird jedoch schnell verpuffen. Ein in Rüstung investierter staatlicher Euro sorgt höchstens für 0,5 Euro Wirtschaftswachstum. Weniger als jeder staatliche Euro, der in zivile Infrastruktur wie Kindergärten oder Bildung investiert wird, berichtet das Handelsblatt. 2029 soll die Aufrüstung gerade mal 0,04% Wirtschaftswachstum liefern können und das, obwohl die Militärausgaben bis dahin von 108 Milliarden auf fast 200 Milliarden Euro anwachsen sollen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Dem massiven industriellen Jobverlust kann der militärische Sektor kaum etwas entgegensetzen. Letztes Jahr sind nur 1.100 Arbeiter von der zivilen in die Rüstungsindustrie gewechselt, während das produzierende Gewerbe jährlich 15.000 Jobs verliert. Die Konversion von Waggonbau Görlitz zur Panzerschmiede bedeutete einen Rückgang der Belegschaft von 700 auf 300. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Wenn Militärausgaben die technologische Entwicklung der Wirtschaft voranbringen sollen, fragt man sich, warum das Geld nicht gleich in die zivile Forschung gesteckt wird. In der Vergangenheit hat das Militär viermal mehr Technologien aus dem zivilen Sektor übernommen als andersrum. </p>

<h3><strong>Keine Ware wie jede andere</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Doch Rüstungsinvestitionen sind nicht bloß ineffektive Wachstumsbringer. Trotz ihres kurzfristigen positiven Effekts sind sie auf längere Sicht in der Regel sogar schädlich. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Im Kapitalismus wird Kapital akkumuliert, d.h. vermehrt, indem die Kapitalisten den Mehrwert, den sie durch die Ausbeutung der Arbeiterklasse gewinnen, in die Produktion reinvestieren, um mehr Mehrwert zu akkumulieren, der wiederum reinvestiert werden kann. Kapital ist demnach Wert, der innerhalb dieses Kreislaufs durch Nutzung menschlicher Arbeitskraft investiert wird, um sich selbst zu vermehren. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Nach Marx gibt es innerhalb dieses Prozesses zwei Sektoren: Die Produktion von Produktionsmitteln (z.B. Maschinen, Rohstoffe, Infrastruktur) und die Produktion von Konsumgütern für die Arbeiterklasse.  </p>

<p class="wp-block-paragraph">Beide sind essenziell für die Kapitalakkumulation. Investitionen in die Herstellung von z.B. Stahl und Maschinen sind nützlich, weil diese Waren in anderen Wirtschaftsbereichen verwertet werden können, um neue Waren herzustellen. Wenn ein Arbeiter sich etwas zu Essen kauft oder ins Theater geht, befriedigt er seine körperlichen und geistigen Bedürfnisse und reproduziert so seine Arbeitskraft, die er dem Kapitalisten dann wieder verkaufen kann. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Produktion von Rüstungsgütern steht außerhalb dieses Prozesses, da sie in ihm keinen Nutzen erfüllt. Rüstungsgüter können in der Wirtschaft nicht produktiv (mehrwerterzeugend) eingesetzt werden, da sie keine Produktionsmittel sind. Genauso wenig helfen sie, Arbeitskraft zu erneuern. Stattdessen sind sie eine Last, die, ohne etwas dafür zurückzugeben, Ressourcen verschlingt. Darum ist auch der Effekt von Rüstungsinvestitionen auf das Wirtschaftswachstum im Vergleich zu zivilen Investitionen sehr schwach. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Geld, das für Rüstung ausgegeben wird, ist deshalb nichts weiter als fiktives Kapital, also Kapital, das innerhalb des Kreislaufs der Kapitalakkumulation keinen Gegenwert besitzt. Möchte man einfach die Nachfrage ankurbeln, könnte der Staat auch einfach Geld drucken, um Waren zu kaufen, nur um sie in Lagerhäusern versauern zu lassen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Aus diesem Grund hat Waffenproduktion einen inflationären Effekt. Sie tritt mit der restlichen Wirtschaft in Konkurrenz um Ressourcen, die nur begrenzt vorhanden sind und entsprechend teurer werden können. Im Umkehrschluss sinken die Profite der zivilen Industrie, die weniger investieren kann und im schlimmsten Fall gezwungen ist, nicht mehr profitable Stellen abzubauen und Werke zu schließen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Dieser Verteilungskampf zeichnet sich bereits ab. Da Rüstungsindustrie sehr kapitalintensiv ist, benötigt sie vor allem qualifizierte Arbeitskräfte. Diese werden wiederum in anderen, zivilen Branchen fehlen. </p>

<h3><strong>Versagen der Sozialpartnerschaft</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Die schlimmsten Kosten wird jedoch die Arbeiterklasse tragen. Für den Haushalt 2026 muss die Bundesregierung 98 Milliarden Euro Schulden aufnehmen. Ein Anstieg der Verteidigungsausgaben auf 5% des BIPs würde diese finanzielle Lücke mehr als verdoppeln. Um sie zu schließen, muss das Geld aus Sozialstaat, Bildung und Gesundheitswesen genommen werden. Doch eine verarmte, schlechter gebildete, depressive und kranke Arbeiterklasse ist weniger produktiv. Die Krise der Wirtschaft wird sich so weiter intensivieren. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Vom rein ökonomischen Standpunkt würde die herrschende Klasse deshalb am liebsten gar kein Geld für Militär ausgeben. Doch weil sie ihre imperialistischen Interessen auch mit Gewalt durchsetzen muss, nimmt sie die ökonomischen Nachteile in Kauf und lässt die Arbeiterklasse dafür zahlen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Doch angesichts dieses Frontalangriffs auf die Arbeiterklasse, bleiben die Gewerkschaften passiv oder unterstützen die Aufrüstung. Die IG-Metall erklärt die Konversionen in Rüstungsbetriebe zur Chance, Arbeitsplätze zu erhalten und fordert deshalb die Rüstungsindustrie „zukunftsfähig“ zu machen. Das ist das Wesen der Sozialpartnerschaft. Die reformistischen Gewerkschaftsführer wollen ihr Bündnis mit dem Kapital wahren. Sie verhindern den Klassenkampf, indem sie die Arbeiterklasse belügen und sie so ins Messer der herrschenden Klasse laufen lassen. </p>

<h3><strong>Planwirtschaft statt Deindustrialisierung</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">In Wirklichkeit sind militante Streiks gegen jede Verschlechterung der Arbeitsbedingungen, jede Kündigung und jede Betriebsschließung nötig. Ziel dieser Kämpfe muss sein, die Kontrolle über die Produktion aus den Händen des Kapitals zu nehmen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Während die Unternehmen über zu hohe Kosten jammern, haben sie sich über Jahrzehnte am Aktienmarkt bereichert, statt in die Modernisierung der Industrie zu investieren. Die Gewerkschaften müssen, angefangen bei den von Schließung und Stellenabbau betroffenen Betrieben, um Einsicht in die Geschäftsbücher und Kontrolle über Investitionen und Personalverwaltung kämpfen. Dann werden wir sehen, welche Reichtümer die Kapitalisten tatsächlich besitzen und wie diese effektiver zu nutzen sind. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Dieser Kampf muss verbunden werden mit der Konversion von Rüstungsbetrieben in zivile Industrie. Die Arbeiterklasse braucht Busse, Bahnen und internationale Klassensolidarität statt Panzer, Haubitzen und Säbelrasseln. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Dann wäre der Weg geebnet, die Monopole und Banken gänzlich zu vergesellschaften und unter die demokratische Verwaltung der Arbeiterklasse zu bringen. So können wir alle Sektoren der Wirtschaft effizient miteinander koordinieren und auf Basis eines rationalen Produktionsplans Wohlstand und Fortschritt maximieren, statt die Profite einer kleinen Minderheit.</p>

<p class="wp-block-paragraph"> </p>
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		<title>Europa in Flammen</title>
		<link>https://derkommunist.de/europa-in-flammen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Franz Rieger]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Sep 2026 07:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Klimakrise]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wir sind im Krieg! Europa brennt. Hunderttausende mussten evakuiert werden. Allein in Deutschland fielen dem Feind in nur einem Sommer 16.300 Zivilisten zum Opfer – knapp mehr als die 15.500 [&#8230;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Wir sind im Krieg! Europa brennt. Hunderttausende mussten evakuiert werden. Allein in Deutschland fielen dem Feind in nur einem Sommer 16.300 Zivilisten zum Opfer – knapp mehr als die 15.500 zivilen Toten in vier Jahren Ukrainekrieg. Diesen Sommer verlor die deutsche Wirtschaft 36 Mrd. Euro. Europa stand diesem Feind völlig unvorbereitet gegenüber. Dieser Feind ist nicht der böse Russe, sondern der Klimawandel! </p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Waldbrände, die Europa diesen Sommer heimsuchten, vernichteten fast 700.000 Hektar Wald – Tendenz steigend. Abgebrannte Wälder führen wiederum zu weiteren Temperaturanstiegen. 52.000 Menschen erlagen europaweit der Hitzewelle. Tagelang waren die Notaufnahmen der Krankenhäuser noch überfüllter als sonst – Klimaanlagen gab es selbst dort nicht. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Fest steht: Hitzesommer wie dieser werden in Zukunft zu den milderen zählen. Laut FAZ werden Temperaturen bis 45°C und Dürren in Deutschland zunehmen. Vor wenigen Wochen verkündete die UN, dass das 1,5-Grad-Ziel verfehlt wurde – was Wissenschaftler schon 2023 sagten. Im Moment steuern wir zielsicher auf eine Erderwärmung von 2,6 Grad Celsius zu! Damit sind irreparable Schäden an Natur und Klima unvermeidlich. </p>

<h3><strong>Keine Lösung im Kapitalismus</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Obwohl der Klimawandel seit den 1980er Jahren bekannt ist, hat kein kapitalistischer Staat bislang wirksame Klimaschutzmaßnahmen ergriffen. Nach den millionenstarken Protesten von Fridays for Future um das Jahr 2019 gab es zwar viele Lippenbekenntnisse der Politik, aber verändert hat sich nichts. Seit Pandemie und Ukrainekrieg wurden selbst die einstigen verbalen Zugeständnisse wieder zurückgenommen. Für die Kapitalistenklasse zählt nur militärisch aufzurüsten, um auch in Zukunft ihre Profitinteressen zu sichern. Obwohl wegen Hitzewellen mehr Patienten anfallen werden, wird das Gesundheitssystem kaputtgespart. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Bundeskanzler Merz (CDU) betonte, die Waldbrände seien Folgen des „menschengemachten Klimawandels“ und rügte die „Klimawandelleugner“, um dann… nichts zu tun. Hitzeschutz sei Ländersache, da habe man schon genügend Geld zur Verfügung gestellt und in der Vergangenheit bereits ausreichend Klimaschutzmaßnahmen ergriffen – eine Behauptung, der Experten entschieden widersprechen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Das zeigt klar: Im Kapitalismus wird es nie einen wirksamen Klimaschutz geben. Was und wie im Kapitalismus produziert wird, entscheiden die Kapitalisten danach, was am profitabelsten ist und nicht danach, was gesellschaftlich am sinnvollsten ist. Erst recht in Zeiten der Krise und des Niedergangs setzt die Kapitalistenklasse auf kurzfristige Profite statt auf langfristiger Planung. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Außerdem beweist das, dass es bei der militärischen Aufrüstung gegen Russland nicht um den Schutz des Lebens und der Gesundheit der Bevölkerung geht. Der Klimawandel hat allein dieses Jahr mindestens 16.000 Deutschen das Leben gekostet – „der Russe“ seit 1945 keinem einzigen. Würde es den Herrschenden um den Schutz der Menschen gehen, würden sie sämtliche Ressourcen auffahren, um den Klimawandel zu stoppen, statt für die Aufrüstung. </p>

<h3><strong>Militarismus und Klimawandel</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Letztere trägt selbst zum Klimawandel bei. Kriege produzieren, neben furchtbarem menschlichem Leid, auch enorm viel CO2. In drei Jahren Ukrainekrieg wurden 230 Mio. Tonnen zusätzlich ausgestoßen – so viel wie ein westliches Land pro Jahr. In nur zwei Wochen Irankrieg waren es 5 Mio. Tonnen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Auch in Friedenszeiten gehört das Militär zu den größten Treibern des Klimawandels. Bislang ist es für ca. 5,5% des weltweiten Treibhausgasausstoßes verantwortlich. Laut Experten könnte dieser Wert wegen der weltweiten Aufrüstung auf 10% oder 20% steigen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Klimaexperte Lennard de Klerk sagte der ZEIT über das Nato-Ziel, 5% des BIPs für das Militär auszugeben: „Dieser indirekte Effekt wiegt schwerer als die eigentlichen Emissionen durch Kriegshandlungen. Denn wir sprechen hier über enorme Investitionen in Rüstung, die sich über Jahrzehnte hinweg in zusätzlichen Emissionen niederschlagen werden.“ Jedes Prozent mehr vom BIP, das in Aufrüstung fließt, lasse die Innovationsrate bei grünen Technologien um bis zu 25% sinken, weil staatliche Mittel und Produktionskapazitäten in die Rüstungsindustrie abfließen. </p>

<h3><strong>Planwirtschaft</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Klimaschutz kann daher nur erfolgreich sein, wenn er Hand in Hand geht mit einem erbitterten Klassenkampf gegen Aufrüstung und Krieg. Die liberale Führung von FFF Deutschland stellt sich derweil lieber öffentlich hinter den westlichen Imperialismus im Ukrainekrieg und im Nahen Osten. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Erst durch die Abschaffung des Privateigentums an Produktionsmitteln und mit der Einführung einer demokratischen Planwirtschaft wird echter Klimaschutz möglich. Dann können wir all die Ressourcen, das Know-How, die Technologie, die gut ausgebildeten Arbeitskräfte nutzen, um die gesamte Industrie klimaneutral umzurüsten, erneuerbare Energien effektiv auszubauen, den Großteil des Verkehrs von der Straße auf die Schiene zu verlegen und den schlimmsten Folgen des Klimawandels etwas entgegenzusetzen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Kapitalisten rasen sehenden Auges in die Klimakatastrophe. Es ist Zeit, dass die Arbeiterklasse ihnen endlich das Steuer aus der Hand reißt!</p>
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		<title>In die Offensive! Enteignung durchsetzen! </title>
		<link>https://derkommunist.de/in-die-offensive-enteignung-durchsetzen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexander Kalabekow]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 28 Sep 2026 09:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Empfohlen]]></category>
		<category><![CDATA[AfD]]></category>
		<category><![CDATA[Die Linke]]></category>
		<category><![CDATA[Enteignung]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlen]]></category>
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<p class="wp-block-paragraph">Drei Landtagswahlen haben erneut verdeutlicht, wie tief das politische System in der Krise steckt. In Sachsen-Anhalt (SA) und Mecklenburg-Vorpommern (MV) hat die AfD die Wahlen klar gewonnen, in Berlin hingegen die Partei die Linke (PdL). Die Ergebnisse zeigen, dass die Massen stark politisiert und polarisiert sind. Die Wahlbeteiligung ist deutlich gestiegen. Davon profitierten allein die „Ränder“, allen voran die AfD und in Berlin auch die PdL. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Diese Wahlen waren vor allem Abstimmungen über Kanzler Friedrich Merz (CDU), seine Regierung aus CDU, CSU und SPD sowie deren Programm sozialer Angriffe. Die Massen zeigten ihre breite Ablehnung und straften die Regierungsparteien durchweg ab. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Kanzlerpartei CDU erzielte historisch schlechte Ergebnisse und flog in MV zum ersten Mal in ihrer Geschichte aus einem Landtag. Die Wahlniederlagen verstärken die existenzielle Panik in der traditionellen Partei der herrschenden Klasse. Seit Monaten debattieren CDU und Medien über das Ende der Koalition, von Friedrich Merz und sogar der CDU. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Dass bei diesen Wahlen vor allem die Bundespolitik im Mittelpunkt stand, zeigt das Wahlergebnis der SPD in MV. Anders als in den anderen Bundesländern schnitt die SPD dort stark ab (35,5%). Das war nur möglich, weil sich ihre Spitzenkandidatin und Ministerpräsidentin Manuela Schwesig demagogisch gegen die Politik der Merz-Regierung auflehnte, an der ihre Bundespartei beteiligt ist. Zudem half ihr dort die PdL mit ihrem entpolitisierten Wahlkampf. Das bewahrte die SPD vor einer gravierenden Niederlage. Noch ein Jahr zuvor lag sie 20 Prozentpunkte unter ihrem Wahlergebnis von 2021 (39,6%). </p>

<h3><strong>Politische Krise </strong></h3>

<p class="wp-block-paragraph">Die Wahlen verdeutlichen das wachsende Misstrauen und die tiefe Enttäuschung breiter Schichten der Gesellschaft über die etablierten Parteien und die sogenannte „politische Mitte“. Selbst diejenigen, die noch SPD oder CDU wählen, tun dies mehrheitlich nicht, weil sie deren Programm und Politik für richtig halten, sondern weil sie gegen die AfD stimmen wollen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Die herrschende Klasse verliert zunehmend die Kontrolle über ihr politisches System. Besonders die jüngsten Schichten der Gesellschaft – aber nicht nur sie – wenden sich scharf von den etablierten Vertretern der herrschenden Klasse ab. Diese verwalten seit Jahrzehnten eine immer tiefere Krise des Kapitalismus und wälzen die Krisenkosten auf die Massen ab. Gerade die Merz-Regierung verschärft die Sparpolitik massiv. Sie kürzt bei Arbeit, Rente, Gesundheit und sozialer Sicherung und belastet die hart arbeitende Mehrheit. </p>

<p class="wp-block-paragraph">In SA und MV hat die AfD am stärksten von dieser Abwendung profitiert, weil sie demagogisch an die wachsende Ablehnung von Kriegstreiberei und Aufrüstung anknüpft. Dort spricht sie sich vehement gegen die Fortsetzung des Ukrainekriegs und der Russland-Sanktionen sowie für die Inbetriebnahme der Nord-Stream-Pipelines aus, die billige Energie liefern sollen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Sie verspricht die Energiekrise zu beenden und die Sparpolitik abzuschwächen. Das Geld, das an das korrupte Selenskyj-Regime in der Ukraine fließt, könne stattdessen für Sozialausgaben und Investitionen in Deutschland genutzt werden. Das verfängt bei breiten Schichten der Arbeiterklasse, denn monatlich werden 15.000 Arbeitsplätze zerstört, die Deindustrialisierung nimmt zu und am Monatsende bleibt immer weniger Geld auf dem Konto. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Wahlerfolge der AfD nötigten Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) das verbale Zugeständnis ab, die Konterreform der Rente nochmals überarbeiten zu müssen. Auch die ostdeutschen CDU-Ministerpräsidenten Kretschmer, Schulze und Voigt wandten sich gegen die Rentenpläne der Merz-Regierung. Die Wut der Massen erschüttert die etablierten Parteien – sie fürchten eine soziale Explosion. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig inszenieren sie mit den Medien die Gefahr einer faschistischen Machtübernahme durch die AfD. Diese Panikmache soll vor allem die Massen manipulieren. Sie sollen die etablierten Parteien wählen und deren Politik akzeptieren. </p>

<h3><strong>Polarisieren ist richtig</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Die hohe Zustimmung zu „Anti-Establishment-Parteien“ zeigt, dass sich immer mehr Menschen einen grundlegenden politischen Wandel ersehnen. Deshalb finden zunehmend Parteien Anklang, die als Kämpfer gegen den erbärmlichen Status quo erscheinen und eine völlig andere Politik versprechen. Davon profitieren jedoch nicht nur rechte Demagogen, sondern auch linke Kräfte. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Darüber dürfen uns die schlechten Ergebnisse der PdL in SA und MV nicht hinwegtäuschen. Die Spitzenkandidatin der PdL in MV, Simone Oldenburg, kritisierte die Spitzenkandidatin der SPD: Diese habe einen „polarisierenden Wahlkampf“ geführt, wodurch die PdL „Federn gelassen“ habe. Laut Oldenburg spiegle das Ergebnis jedoch nicht die Regierungsarbeit der PdL wider. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Wer so argumentiert, verschließt die Augen vor der Realität. Tatsächlich ist das Wahlergebnis der PdL in MV und SA das Ergebnis ihrer Politik. Dort tritt sie völlig gemäßigt auf und präsentiert sich als zuverlässiges Anhängsel der etablierten Parteien. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Als Teil der rot-roten Landesregierung in MV setzte die PdL unter anderem Kürzungen bei Unis, Kommunalverwaltungen und Inklusion durch. Die beitragsfreien Kitas – ihr Leuchtturmprojekt – waren nur um den Preis einer massiv verschlechterten Betreuung möglich: MV hat bundesweit den schlechtesten Betreuungsschlüssel in den Kitas. Selbst die Beitragsfreiheit steht seit einem Bericht des Landesrechnungshofs im vergangenen Jahr auf der Kippe. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Mit ihren Niederlagen hat die PdL in beiden Bundesländern erneut praktisch bewiesen, dass die Politik des „kleineren Übels“, die Anbiederung an die etablierten Parteien und die Beteiligung an bürgerlichen Regierungen, die AfD zum Erfolg führt und die PdL schwächt. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Berlin-Wahl zeigt hingegen, dass es durchaus großen Spielraum für linke Politik gibt. Eine linke Partei kann die politische Radikalisierung auffangen, wenn sie glaubhaft macht, dass sie echte Verbesserungen für die Arbeiterklasse erkämpft und sich gegen die Profitinteressen des Kapitals und dessen politische Handlanger auflehnt. Polarisierung ist unbedingt notwendig, muss aber entlang von Klassenlinien erfolgen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Das ist der PdL in Berlin geglückt, wobei ihr die herrschende Klasse unverhofft geholfen hat. Im Zentrum des Wahlkampfs stand eine soziale Frage: die Wohnungsfrage. Die PdL trat für eine Mietenbremse bei landeseigenen Wohnungen und vor allem für die Umsetzung des Volksentscheids „Deutsche Wohnen und Co. enteignen“ (DWE) ein. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Forderung nach Enteignung löste eine heftige Gegenreaktion der herrschenden Klasse aus, die eine Schmierkampagne entfesselte. Die PdL musste ihre Forderung öffentlich und vehement verteidigen, obwohl sie ursprünglich nur eine nebensächliche Rolle in ihrem Wahlkampf spielen sollte. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Der Wahlkampf polarisierte dadurch entlang von Klassenlinien: zwischen Arbeiter- und Kapitalistenklasse, zwischen Arm und Reich sowie zwischen der PdL und allen anderen Parteien, die das kapitalistische Eigentum verteidigen und gegen den Volksentscheid arbeiten. Zudem machte die PdL die Umsetzung von DWE zur Bedingung für eine Regierung. Dadurch erschien sie in diesem Wahlkampf besonders den jüngeren Schichten der Arbeiterklasse als glaubhafte und kämpferische Kraft. </p>

<h3><strong>Hetze gegen die PdL</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Weil die herrschende Klasse die Kontrolle über ihr System verliert, setzt sie immer unverblümter auf Massenmanipulation. Besonders deutlich zeigt das die widerliche Hetzkampagne gegen die PdL. Medien und etablierte Parteien überziehen sie mit erfundenen Vorwürfen über „Antisemitismus“, Nähe zu „Clankriminalität“ und „Terrorismus“. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Die ehemaligen SPD-Bürgermeister Berlins richteten eine Resolution an ihren Berliner Parteivorstand. Darin fordern sie, nicht mit der PdL zu koalieren, weil dies die „roten Linien sozialdemokratischer Werte“ überschreiten würde. Die Grünen fordern den Rücktritt von Ferat Kocak, weil er über Belangloses mit einem Kriminellen gechattet hat. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) fordert, Berlin den Geldhahn zuzudrehen, sollte die PdL eine Regierung anführen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Diese völlig undemokratische Kampagne gegen die PdL soll SPD und Grüne von einer Regierungsbeteiligung abhalten oder die PdL dazu bringen, ihre Forderungen aufzugeben. Denn die Herrschenden wollen die Enteignung von Immobilienkonzernen in Berlin verhindern. Daneben verfolgt die herrschende Klasse ein weiteres Ziel: Die PdL soll sich von propalästinensischen und revolutionären Kräften säubern. Vor allem die radikalen jungen Mitglieder soll die Parteiführung brechen. Die Partei soll sich vollständig an die Interessen des Kapitals ketten. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Herrschenden fürchten sich davor, dass radikale und gegen ihre Interessen gerichtete Ideen breite Zustimmung finden. Immerhin gaben 80% der PdL-Wähler in Berlin an, aus Überzeugung gewählt zu haben. Eine drohende Enteignung, die von einer breiten Mehrheit der Berliner unterstützt wird, lehrt die Herrschenden das Fürchten. Das ist der wirkliche Grund für die Hetze. </p>

<h3><strong>PdL am Scheideweg</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Statt offensiv gegen diese Kampagne vorzugehen, hält sich die PdL bedeckt; zugleich fordert ihr rechter Flügel um Gregor Gysi, die Umsetzung des DWE-Volksentscheids nicht zur Bedingung einer Regierungsbeteiligung zu machen. Er wirbt verlogen dafür, dass die Enteignung der Immobilienkonzerne durch einen neuen Volksentscheid entschieden werden soll. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Führung der PdL greift zudem die erfundenen und von den Medien verbreiteten Antisemitismus-Vorwürfe gegen propalästinensische Aktivisten auf, um sie in der Partei mundtot zu machen und sogar auszuschließen. Nach dem Willen des rechten Flügels soll die PdL als verlässliche Kraft der SPD, den Grünen und damit der herrschenden Klasse dienen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Sollte die Führung der PdL diesen Weg fortsetzen, ihre aktivsten und radikalsten Mitglieder aus der Partei drängen, sich auf eine Koalition mit SPD und Grünen einlassen und auf die Enteignung verzichten, dann wird sie sich in den Augen ihrer Wähler erneut diskreditieren. Eine solche opportunistische Politik stärkt nur die AfD, weil sie dann als einzige ernst zu nehmende Opposition gegen die Politik der etablierten Parteien erscheint. </p>

<p class="wp-block-paragraph">In SA setzt die PdL diese Politik ungebrochen fort, indem sie garantiert, eine Minderheitsregierung der CDU zu stützen, wie sie es in Sachsen bereits tut. In MV bereitet sie sich darauf vor, weiterhin Juniorpartner der SPD im Bündnis mit den Grünen zu sein. All das geschieht unter dem Vorwand, die Demokratie zu schützen und keinesfalls zu polarisieren. Dieser Weg führt direkt ins Verderben. </p>

<h3><strong>Revolutionäre Politik</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">In Berlin kann die PdL noch zeigen, dass sie einen anderen Weg einschlägt und gegen die herrschende Klasse sowie die etablierten Parteien in die Offensive geht. Dafür muss sie die passive Zustimmung ihrer Wähler zu ihrem Programm in eine Bewegung verwandeln, die die Enteignung der Immobilienkonzerne durchsetzt. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Die gesellschaftlichen Voraussetzungen für einen entfesselten Klassenkampf sind längst vorhanden. Hinter der politischen Polarisierung steht eine kämpferische Stimmung gegen Sparpolitik, Deindustrialisierung, Aufrüstung, Krieg, Rassismus und andere Formen der Unterdrückung. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Millionen Berlinerinnen und Berliner wollen, dass der Volksentscheid, für den sie mehrheitlich gestimmt haben, umgesetzt wird. So eine Bewegung in den Stadtteilen, Bildungseinrichtungen und Betrieben würde die Arbeiterklasse und die Jugend in ganz Deutschland für den Kampf gegen die Merz-Regierung, die AfD und den Kapitalismus inspirieren. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Der Haustürwahlkampf wies in die richtige Richtung. Er hätte nun eine solche Mobilisierung ermöglicht, wenn die PdL auf eine dauerhafte klassenkämpferische Organisierung gesetzt hätte. Spätestens jetzt sollte sie damit beginnen. Statt Koalitionsverhandlungen zu führen, sollte die PdL ihre ganze Kraft darauf richten, den Klassenkampf zu entfesseln. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Die herrschende Klasse hat den Fehdehandschuh hingeworfen. Die PdL sollte darauf mit der Eröffnung des Kampfes antworten, statt weiter zu versuchen, die bürgerliche Demokratie und damit auch den Kapitalismus zu retten. Nur so lassen sich die Krise, die Angriffe der Merz-Regierung und der Aufstieg rechter Demagogen besiegen. Wir Kommunisten werden diesen Kampf mit aller Kraft unterstützen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Doch auch wenn die PdL diesen Kampf nicht führen sollte, lassen wir Kommunisten den Kopf nicht hängen. Wir gehen revolutionären Entwicklungen entgegen. Mit dem Aufbau der Revolutionären Kommunistischen Partei bereiten wir uns darauf vor, uns im Kampf mit der Arbeiterklasse zu verbinden. Die politische Voraussetzung dafür ist die völlige Unabhängigkeit von den bürgerlichen Parteien. Sie ergibt sich aus der marxistischen Theorie und einem revolutionären Programm. Wenn auch du den Kapitalismus stürzen und eine sozialistische Gesellschaft erkämpfen möchtest, schließ dich uns an.</p>
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		<title>Berlin: Wie die Enteignung Wirklichkeit wird </title>
		<link>https://derkommunist.de/berlin-wie-die-enteignung-wirklichkeit-wird/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Elena Winona]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 28 Sep 2026 08:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche Wohnen und Co Enteignen]]></category>
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<p class="wp-block-paragraph">Vor fünf Jahren konnte die Berliner Initiative „Deutsche Wohnen und Co Enteignen“ (DWE) einen der größten Erfolge im Klassenkampf in Deutschland seit Jahrzehnten erkämpfen: Im September 2021 stimmten 59,1% der Berliner für einen Volksentscheid, der 220.000 Wohnungen enteignen und in die öffentliche Hand bringen sollte. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Passiert ist seitdem jedoch nicht viel. Die vergangenen Regierungen verhinderten die Umsetzung des Volksentscheids durch Verschleppung und Sabotage. Sie schützten das Privateigentum und blockierten den Willen der Berliner. Die LINKE kündigt an, Schluss damit zu machen: Schon bei den Koalitionsverhandlungen wolle sie als stärkste Kraft eine „rote Linie“ ziehen und dann in der kommenden Regierung enteignen. </p>

<h3><strong>Für Klassenunabhängigkeit</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Als mögliche Koalitionspartner bieten sich die SPD und die Grünen an, mit denen die LINKE bereits 2021 regiert hat. Auch damals verfolgten sie den Plan, Enteignung aus dem Parlament heraus umzusetzen – ein Plan, der scheiterte. Als stärkste Kraft will die LINKE nun die Umsetzung von DWE forcieren. Doch damals wie heute vertritt die SPD die Interessen der herrschenden Klasse und spricht sich gegen eine Enteignung aus. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Unter diesen Umständen gibt es für die LINKE als selbsternannte „organisierende Klassenpartei“ nur eine folgerichtige Handlung: eine Regierungsbeteiligung ablehnen. Denn wenn sie sich auf eine bürgerliche Regierung einlässt, macht sie sich abhängig vom Willen der herrschenden Klasse und das Vorhaben, DWE umzusetzen, wird undurchführbar. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Statt sich auf das Parlament und die Gunst der Herrschenden zu verlassen, müsste sich die LINKE auf die Kampfkraft der Arbeiterklasse stützen und deren Klassenstandpunkt einnehmen. Das heißt, eine Bewegung der Arbeiterklasse in den Betrieben, in den Wohnblöcken und auf der Straße zu organisieren. Erst solch eine Bewegung würde es der LINKEN erlauben Reformen gegen die Interessen der herrschenden Klasse durchzusetzen. </p>

<h3><strong>Enteignung ohne Entschädigung</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Die SPD stemmt sich nicht nur im Parlament gegen die Enteignung. Gemeinsam mit der CDU versuchen sie den Volksentscheid auch mit anderen Mitteln des Staats zu bekämpfen. Die Initiative DWE stützt sich auf Artikel 15 des Grundgesetzes, der Enteignung juristisch möglich macht. Genau dieses juristische Fundament des Volksentscheids greifen die bürgerlichen Parteien an: Die Merz-Regierung plant ein neues Bundesgesetz, das den Vergesellschaftungsartikel so ändert, dass er de facto abgeschafft wird. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Auch an einer weiteren juristischen Front wird gekämpft: Artikel 15 fordert im Falle einer Enteignung eine „angemessene Entschädigung“ für die Kapitalisten. Die CDU präsentierte dieses Jahr einen neuen Rahmengesetzesentwurf, in dem sie eine Entschädigungssumme vorschlagen: 36 Milliarden Euro. Fraktionsvorsitzender Dirk Stettner lies keine Zweifel daran, wie der Entwurf zu verstehen sei und machte deutlich, er ermögliche keine Enteignung und schütze „den Berliner Haushalt vor Milliardenschweren Abenteuern“.  </p>

<p class="wp-block-paragraph">Diese völlig wahnwitzige Summe errechnet sich aus dem aktuellen Marktwert der Wohnungen – also aus jahrzehntelanger Spekulation und dreisten Mieterhöhungen. Zum Vergleich: Im Jahr 2004 verkauften PDS und SPD 66.000 landeseigene Wohnungen, die dann über Umwege in den Besitz von Deutsche Wohnen gelangten, für grade einmal 405 Millionen Euro. Das Kapital hat sich Jahrzehnte an den Wohnungen bereichert und daraus Milliardenprofite geschlagen. Deswegen sollten die Immobilienkonzerne entschädigungslos Enteignung werden. </p>

<h3><strong>Macht des Kapitals brechen</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">All diese Debatten über einen Rahmengesetzesentwurf, die Höhe der Entschädigungssumme oder eine Änderung von Artikel 15 sind eine Verschleppungstaktik der Herrschenden und auch darauf ausgelegt, die Arbeiterklasse hinters Licht zu führen. Unter den Arbeitern wird durch diese Scheindebatte gezielt Angst vor einer Enteignung geschürt. Ein Zusammenschluss der Berliner Industrie- und Unternehmerverbände verbreitet Panik und warnt davor, dass das Geld für die Enteignung am Ende woanders fehlen würde, beispielsweise bei Kitas, Schulen und Infrastruktur. Ein heuchlerisches Argument, denn auch ohne die Enteignung fehlen Investitionen und es wird Sparpolitik durchgeführt. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Diese Institutionen – die Gerichte, das Parlament, die Wirtschaftsinstitute – und die Verfassung sind Instrumente, durch die das Kapital seine gesellschaftliche Macht ausübt. Sie sind Instrumente zum Schutz ihrer Interessen und auf sie können wir uns nicht verlassen. Kaum ein Beispiel aus den letzten Jahren zeigt das besser als der Mietendeckel. Die Deckelung der Berliner Mieten 2020 durch das Abgeordnetenhaus, wurde schon 2021 wieder vom Bundesverfassungsgericht gekippt. Über das Parlament hinaus hat das Kapital etliche Mittel, ihr Eigentum und ihre Profite zu schützen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Deswegen muss der Kampf für Enteignung vor allem außerhalb des Parlaments stattfinden. Nur wenn die Arbeiterklasse sich organisiert und diese Debatten kollektiv von ihrer eigenen Klassenposition aus führt, kann sie die Desinformation und Panikmache als eine Strategie der Herrschenden entlarven, ihr Klasseninteresse zu verteidigen. Dann kann sie dagegen als organisierte Klasse praktisch ankämpfen und die gesellschaftliche Macht des Kapitals brechen. </p>

<h3><strong>Die Produktionsmittel erkämpfen</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Das Kapital ist so mächtig, weil es an allen wirtschaftlichen Hebeln sitzt. Der Bericht des Wirtschaftsinstituts warnt davor, dass Enteignung einen „schweren Vertrauensbruch“ für die Unternehmer und Investoren darstellen würde. Sie würden darauf mit Investitionsstreik und Kapitalflucht reagieren. Selbst wenn ein neues Gesetz zur Enteignung die Hürden des Parlaments und der Gerichte überwinden würde, sitzt das Kapital am längeren Hebel. Kapitalflucht, die sie offen androhen, würde den Verlust von Arbeitsplätzen, weniger Steuereinnahmen und mehr Kürzungen nach sich ziehen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Das Kapital hat Einfluss auf das unmittelbare Leben der Arbeiter. Diesen Einfluss nutzen die Kapitalisten bewusst, um der Arbeiterklasse ihre Interessen aufzuzwingen. Und solange ihnen das Spielfeld der Wirtschaft überlassen wird, werden sie damit Erfolg haben. Um das zu verhindern, muss die Arbeiterklasse die Macht über die Produktionsmittel erlangen. Erst dann werden Banken und Konzerne keine Macht mehr über uns haben.  </p>

<p class="wp-block-paragraph">Außerdem gehört die Mietenfrage zusammen mit dem Kampf für faire Löhne in die Betriebe. Wenn eine Enteignung durchgesetzt werden sollte und die Mieten gesenkt werden sollten, wird die Kapitalistenklasse darauf mit einer Senkung der Löhne reagieren. Um das zu verhindern, braucht es eine starke Bewegung in den Betrieben, die die Kapitalisten entmachtet und in der Lage ist, selbst die Kontrolle über die Produktion und die Unternehmen zu übernehmen. Nur Banken, Wohnungen und Betriebe in Arbeiterhand können Verbesserungen für die Arbeiterklasse garantieren. </p>

<h3><strong>Kampf für den Sozialismus</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Anfang dieses Jahres gab Vonovia eine Umfrage in Auftrag, deren Ergebnisse sie selbst nie veröffentlicht haben, weil sie zeigten, dass auch nach fünf Jahren noch 56% der Berliner für die Enteignung sind. Die LINKE, die diese Forderung zum zentralen Thema der Wahlen gemacht hat und mit dem Versprechen angetreten ist, die Initiative DWE durchzusetzen, wurde genau dafür von den Berlinern gewählt. Nicht um, wie sie selbst sagt, die Bürgermeisterin zu stellen, sondern um als „organisierende Klassenpartei“ die Enteignung zu erkämpfen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Damit das Wirklichkeit wird, braucht es eine starke proletarische Massenbewegung mit dem Ziel des Sozialismus – nicht nur in Berlin, sondern in ganz Deutschland. Das bedeutet kompromisslose Streiks in den Betrieben, Mietstreiks, eine kämpferische Bewegung in den Gewerkschaften und eine Ausweitung des Kampfes. Jede Verbesserung muss in Zeiten der Austerität gegen die Interessen der Herrschenden umgesetzt werden, und das geht nur durch Klassenkampf für die Kontrolle über die Produktionsmittel und den Sozialismus. </p>
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		<title>Wie man Streiks gewinnt </title>
		<link>https://derkommunist.de/wie-man-streiks-gewinnt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Harry DeBoer]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 28 Sep 2026 06:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Empfohlen]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeiterbewegung]]></category>
		<category><![CDATA[Betrieb & Gewerkschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Streik]]></category>
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<p class="wp-block-paragraph"><em>Die Erfahrungen des Teamsters-Streik aus dem Jahre 1934 hat Harry De Boer, damals selbst Streikführer, in der Broschüre &#8222;How to win strikes” aus dem Jahr 1987 zusammengefasst. Der folgende Text ist eine gekürzte Version. Er zeigt den Weg, den die Gewerkschaften auch heute in der Krise gehen sollten.</em> </p>

<p class="wp-block-paragraph">Konzerne nutzen Arbeiter zunehmend aus. Trotz riesiger Profite fordern Unternehmen weitreichende Zugeständnisse – und bekommen sie auch. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Wo Gewerkschaften Lohnerhöhungen durchsetzen können, fallen diese oft gering aus und halten mit der Inflation nicht Schritt. Der Lebensstandard sinkt. Viele Arbeiter kommen kaum über die Runden und ihre Schulden steigen weiter. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Nicht gewerkschaftlich organisierte Arbeiter trifft es besonders hart. Ohne den Schutz einer Gewerkschaft sind Unorganisierte allen möglichen Angriffen auf ihre Arbeitsbedingungen ausgesetzt. Ihre Arbeitszeiten werden gekürzt. Sie werden nach Belieben des Unternehmers entlassen, ohne dass Regeln nach Betriebszugehörigkeit gelten. </p>

<h3><strong>Eine neue Stimmung</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Das muss nicht so sein. Die Ära der Zugeständnisse kann, muss und wird zu Ende gehen. Es gibt Anzeichen für eine neue Stimmung unter den Arbeitern. Gewerkschaften berichten, dass unorganisierte Beschäftigte nach Organisierungskampagnen fragen. Sie wollen höhere Löhne, bessere Arbeitsbedingungen und Schutz am Arbeitsplatz. An der Basis ist ein wachsender Wille zu spüren, sich zu wehren. Große Kämpfe liegen vor uns, und ich sage für die nahe Zukunft einen bedeutenden Aufschwung der Arbeiterbewegung voraus. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Heutzutage werden die Unternehmer den Beschäftigten am Verhandlungstisch keine guten Bedingungen zugestehen, wenn diese nicht bereit sind zu streiken. In den vergangenen Jahren sind bedeutende Streiks verloren gegangen. Arbeiter, die die Arbeit niederlegen, werden durch Streikbrecher ersetzt. Große Streiks wurden gebrochen. Beschäftigte haben ihre Arbeitsplätze dauerhaft verloren. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Das hat einige in der Arbeiterbewegung zu dem falschen Schluss gebracht, dass Streiks heute nicht mehr erfolgreich sein könnten. Sie verweisen auf die jüngsten Niederlagen und fragen: „Was bringt es, zu kämpfen?“ Infolgedessen haben Gewerkschaften Verträge mit weitreichenden Zugeständnissen unterzeichnet. Wenn die Unternehmer wissen, dass die Gewerkschaft nicht streiken wird, werden sie sie bis aufs Letzte auspressen. </p>

<h3><strong>Der Streik von 1934 war ein Vorbild</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Ich habe Vertrauen in die neue Generation von Arbeitern. Ich glaube, dass sie beginnen wird, sich wieder kämpferischen gewerkschaftlichen Methoden zuzuwenden. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Der Lkw-Fahrerstreik von 1934 in Minneapolis war ein Vorbild dafür, wie man kämpft und gewinnt. Wir brachten den Lkw-Verkehr in der Stadt zum Stillstand, vertrieben die Streikbrecher von den Straßen und errangen einen entscheidenden Sieg. Wir erkämpften die Anerkennung unserer Gewerkschaft, unseren ersten Tarifvertrag, Lohnerhöhungen und bessere Arbeitsbedingungen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Streiks in Minneapolis, Toledo und San Francisco im Jahr 1934 lösten eine Welle militanter Arbeitskämpfe aus, die den Weg für die Entstehung der großen Gewerkschaften in diesem Land ebneten. Doch in den 1950er-, 1960er- und 1970er-Jahren wurden die Gewerkschaften selbstzufriedener. Gewerkschaften stellten Streikposten auf und gingen im Allgemeinen davon aus, dass diese respektiert würden – und das wurden sie auch. Doch Ende der 1970er- und in den 1980er-Jahren änderte sich das. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Unternehmer wurden aggressiver. Sie testeten aus, wie weit sie gehen konnten und stellten fest, dass sich Streiks ohne große Schwierigkeiten brechen ließen. </p>

<h3><strong>Eine kurze Geschichte des Streiks</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Es gibt nur einen Weg, einen Streik zu gewinnen: Der Betrieb muss stillstehen. Heute lässt sich ein Streik nicht mit einer Handvoll Streikposten gewinnen. Es braucht Massenaktionen auf der Straße, geführt von der streikenden Gewerkschaft. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Der Lkw-Fahrerstreik von 1934 in Minneapolis bestand in Wirklichkeit aus drei Streiks: dem Streik der Kohlefahrer im Februar, einem breiter angelegten Streik im Mai und der Wiederaufnahme des Streiks im Juli, mit der wir schließlich den Sieg errangen. Zu Beginn hatten wir nicht genügend Streikposten, um alle bestreikten Kohlelager lahmzulegen. Ich organisierte deshalb das, was als „fliegende Streikposten“ bekannt wurde. Wir stellten Streikposten vor einem Tor auf und ließen Lkw aus den Kohlehöfen herausfahren, damit die Polizei glaubte, sie seien durch. Zwei oder drei Häuserblocks weiter fuhren wir mit Autos hinterher, zwangen die Lkw zum Anhalten und kippten die Kohle auf die Straße. Innerhalb weniger Tage kam der Kohletransport mit Lkw praktisch vollständig zum Erliegen. Die Unternehmen gaben nach und wir gewannen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Farrell Dobbs, ein weiterer junger Teamster-Führer, und ich wurden beauftragt, abends im Gewerkschaftshaus zu bleiben und neue Mitglieder aufzunehmen. Zu Tausenden kamen sie, um unserer Gewerkschaft, der Teamsters-Ortsgruppe 574, beizutreten. Wenn Arbeiter eine Führung sehen, die weiß, wie man kämpft und gewinnt, zögern sie nicht, sich der Gewerkschaft anzuschließen. Beim Streik im Mai rekrutierte die Polizei mehrere Hilfspolizisten und rüstete sie mit Schlagstöcken aus, um die Streikenden von der Straße zu vertreiben. Zur Selbstverteidigung besorgten wir uns Stöcke und vertrieben die Hilfspolizisten in einer großen Straßenschlacht von der Straße. Dieser Zusammenstoß wurde als „Battle of Deputy’s Run“ bekannt. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Beim Streik im Juli, der begann, nachdem die Unternehmen ihre Vereinbarung mit der Gewerkschaft gebrochen hatten, eröffnete die Polizei das Feuer auf unbewaffnete Streikende. Zwei Arbeiter wurden getötet und fast 60 Streikende verletzt. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Statt die Gewerkschaft zu schwächen, stärkte er die Entschlossenheit der Arbeiter und brachte uns noch mehr öffentliche Unterstützung ein. Schließlich akzeptierte die Unternehmerseite im August 1934 eine Einigung – ein gewaltiger Sieg für die Teamsters und die gesamte Arbeiterbewegung. Der Streik brachte Minneapolis auf den Weg, eine Gewerkschaftsstadt zu werden, und gab Organisierungskampagnen im gesamten Bundesstaat und im Mittleren Westen Auftrieb. </p>

<h3><strong>Die Schulbücher</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Die heutigen Schulbücher erzählen wenig über die Geschichte der Arbeiterbewegung. Sie sagen kaum etwas über den Aufstieg der Gewerkschaften und die gewaltigen Opfer, die Arbeiter gebracht haben. Die Kapitalisten möchten, dass die Arbeiter ihre eigene Vergangenheit vergessen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Tatsächlich behaupten die Bosse gerne, heute sei alles anders. Die alten Zeiten des Kampfes lägen hinter uns, kämpferische Gewerkschaftspolitik gehöre der Vergangenheit an. Manche Unternehmen zeigen den Beschäftigten teure Filme, in denen die Zusammenarbeit zwischen Belegschaft und Management und sogenannte „Qualitätszirkel“ angepriesen werden, in denen Beschäftigte gemeinsam mit Managern die Probleme des Unternehmens lösen sollen. Arbeitet schneller, produziert mehr und vor allem: Kämpft nicht gegen uns – das ist die Botschaft des Unternehmens. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Diese Unternehmer mit ihren schmeichelnden Appellen zur Zusammenarbeit sind ausnahmslos dieselben, die am Verhandlungstisch von der Gewerkschaft Zugeständnisse und Lohnstopps fordern. </p>

<p class="wp-block-paragraph">In Wahrheit hat sich im Verhältnis zwischen Kapitalisten und Beschäftigten nichts Grundlegendes geändert. Der Boss ist immer noch der Boss. Nur engagiert er heute hochbezahlte Berater zur Gewerkschaftsbekämpfung, die ihre arbeiterfeindlichen Botschaften in wohlklingende Worte verpacken.  </p>

<p class="wp-block-paragraph">Gewerkschaftsführer sollten das kapitalistische System verstehen. Unsere Führung wusste 1934, dass das Profitsystem die Unternehmer dazu trieb, unsere Gewerkschaft brechen zu wollen. Diese Perspektive – und die daraus folgende Organisierung – waren entscheidend für den Sieg im Streik. </p>

<h3><strong>Was die Arbeiter gelernt haben</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Was die Arbeiter in den 1930er-Jahren lernten, war: Wenn sie in großer Zahl zusammenstehen, können sie die notwendigen Lohnerhöhungen und besseren Arbeitsbedingungen durchsetzen. Fünfzig Jahre später gilt das noch immer. Arbeiter müssen heute einen kämpferischen Standpunkt einnehmen, wenn sie Erfolg haben wollen. Symbolische Aktionen reichen nicht aus. Gewerkschaften müssen Massenstreiks organisieren und den Einsatz von Streikbrechern verhindern. Manche Gewerkschaftsführer sagen, das sei heute unmöglich. Binnen ein oder zwei Tagen, werde der Unternehmer vor Gericht gehen und eine einstweilige Verfügung erwirken. </p>

<p class="wp-block-paragraph">1934 tapezierten wir die Wände mit einstweiligen Verfügungen. Der Unternehmer kann immer irgendeinen gewerkschaftsfeindlichen Richter finden, der ein Stück Papier unterschreibt. Aber bei Streiks entscheidet letztlich das Kräfteverhältnis. Wenn unsere Kräfte größer und stärker sind als ihre, werden wir gewinnen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Aber wenn wir die Verfügung ignorieren und weiterhin Massenstreikposten aufstellen, wird die Polizei uns verhaften, wenden manche Gewerkschaftsführer ein. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Dann soll es so sein. Sollen sie die Gefängnisse bis zum Überlaufen füllen. Die Gewerkschaft soll Kaution für die Verhafteten stellen und die Masse der Arbeiter zurück an die Streikposten bringen – verstärkt durch neue Kräfte, die über das willkürliche Vorgehen der Behörden empört sind. Wir müssen den bestreikten Betrieb weiter lahmlegen. </p>

<h3><strong>Führung kann den Unterschied machen</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Einige Gewerkschaftsführer behaupten, dass wir heute keine Massen von Arbeitern mehr mobilisieren könnten. Die Beschäftigten seien zu passiv, sagen sie. Aber das stimmt nicht. In den Vereinigten Staaten gab es in den vergangenen Jahren eine Reihe großer Streiks, bei denen Tausende Arbeiter und ihre Unterstützer vor den Betrieben marschierten und Kundgebungen abhielten. Das ist Ausdruck der neuen kämpferischen Stimmung, die sich entwickelt. Leider ist in manchen Fällen offensichtlich, dass die Beschäftigten zu Aktionen bereit sind, während die Führung davor zurückschreckt, den Betrieb wirklich lahmzulegen.  </p>

<p class="wp-block-paragraph">Es braucht eine Führung, die bereit ist, solche Schritte zu gehen. Wenn ihr in eurer Gewerkschaft keine Kämpfer an der Spitze habt, müsst ihr neue Führer wählen. Ihr braucht Kandidatenlisten mit Kollegen, die bereit sind, es mit den Kapitalisten aufzunehmen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Erfolgreiche Streiks brauchen die Beteiligung und Unterstützung der Arbeiterbewegung. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Denkt groß. Organisiert vor Ablauf der Streikfrist eine oder mehrere Massenkundgebungen mit bekannten Rednern aus der Arbeiterbewegung und werbt mit Flugblättern und Plakaten. Ladet alle Gewerkschaften ein, nicht nur eure eigene. Denkt an alle Seiten des Kampfes. Sorgt dafür, dass Frauen und Minderheiten eine wichtige Rolle spielen. In einigen Fällen, in den 1930er-Jahren, schickten wir Organisatoren unter die Arbeitslosen und organisierten sie als Arbeitslosenkontingente unserer Gewerkschaft, damit sie sich uns bei den Streikposten anschlossen. So sollten wir auch heute vorgehen. Wenn Arbeitslose auf unserer Seite organisiert sind, ist es für den Boss viel schwieriger, sie als Streikbrecher einzusetzen. Denn an sie wenden sich Unternehmer oft zuerst, wenn sie einen Streik brechen wollen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Schickt Vertreter eurer Gewerkschaft zu Versammlungen anderer Gewerkschaften, damit sie erklären, wofür ihr kämpft. Gewinnt führende Gewerkschafter dafür, Briefe an alle Gewerkschaften im Bundesstaat zu schreiben, in denen die Streitfragen erklärt werden. Sie sollen die anderen Gewerkschaften auffordern, die Kundgebung zu unterstützen, Mitglieder dorthin zu schicken und sich im Fall eines Streiks den Streikposten anzuschließen. Denkt groß. Und dann denkt noch größer. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Sorgt dafür, dass Arbeiter in eurem gesamten Betrieb und in der Stadt Anstecker mit Solidaritätsslogans tragen. Sorgt dafür, dass Artikel über die Streitfragen in der Gewerkschaftspresse und in anderen Medien erscheinen. Organisiert Pressekonferenzen mit bekannten Gewerkschaftern, die euch unterstützen. Stellt der Öffentlichkeit Gewerkschaftsmitglieder vor, die zeigen, wie schwer es ist, mit ihren Löhnen über die Runden zu kommen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Ein Streik muss gut organisiert sein und der Streik von Minneapolis im Jahr 1934 ist dafür ein klassisches Beispiel.  </p>

<p class="wp-block-paragraph">Wir hatten eine Verpflegungsstelle, die die Streikenden und ihre Familien versorgte. Jeden Tag gaben wir warme Mahlzeiten aus, zubereitet mit Lebensmitteln, die solidarische Landwirte und Lebensmittelhändler gespendet hatten. Das half nicht nur, die Streikenden zu versorgen, sondern vertiefte auch die Solidarität unter den Arbeitern. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Das Streikkomitee hielt im Hauptquartier einen Arzt und Krankenschwestern bereit, um Arbeiter zu versorgen, die an den Streikposten verletzt werden könnten. Das erwies sich als äußerst wertvoll. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Zum ersten Mal überhaupt gaben wir im ganzen Land eine tägliche Streikzeitung heraus. Sie hieß „The Organizer“. Während eines Streiks kann man damit rechnen, dass die Redakteure unternehmerfreundlicher Medien versuchen, zu verzerren, worum es im Streik geht. Ihr braucht eine eigene Publikation, um die Hintergründe zu erklären und die Wahrheit über den Streik zu verbreiten. Eine tägliche Streikzeitung kann die Streikenden und ihre Unterstützer sammeln, die Öffentlichkeit aufklären und neue Verbündete für die Streikenden gewinnen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Ziel ist es, den Unternehmer zu isolieren, bis der massive öffentliche Druck ihn zum Einlenken zwingt. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Besondere Aufmerksamkeit muss außerdem den Arbeitern gelten, die in der größten finanziellen Not sind. Die Beschäftigten müssen wissen, dass sie in solchen Fragen nicht alleingelassen werden. Sich um diejenigen zu kümmern, die am dringendsten Hilfe brauchen, hat in einem Streik höchste Priorität. Ich habe Streiks erlebt, bei denen Aktivisten diese Kollegen vernachlässigten, woraufhin sie versuchten, die Streikpostenketten zu durchbrechen. Was für eine Tragödie! Gerade diese Menschen würden zu den entschlossensten Verteidigern der Gewerkschaft werden, wenn sich die Gewerkschaft die Zeit nähme, sich um sie zu kümmern. Und genau das ist ihre Aufgabe. </p>

<h3><strong>Die Gewerkschaft aktivieren</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">„Wie können wir unsere Gewerkschaft aktivieren?“, fragt ihr euch vielleicht. „Viele unserer Mitglieder kommen nicht zu Gewerkschaftsversammlungen. All diese Ideen sind gut, aber unsere Mitglieder werden sich nicht beteiligen.“ </p>

<p class="wp-block-paragraph">Das Rückgrat jeder Gewerkschaft sollte Demokratie sein. Je demokratischer die Gewerkschaft ist, desto stärker ist sie. Oft kommen Mitglieder nicht zu Versammlungen, weil sie den Eindruck haben, dass ohnehin schon alle Entscheidungen gefallen sind. Die Versammlungen müssen geöffnet und demokratischer gestaltet werden. Alle wichtigen Entscheidungen der Gewerkschaft sollten erst nach einer Diskussion und Abstimmung der Mitgliedschaft getroffen werden. Wenn ihr undemokratische Führer habt, müsst ihr sie abwählen. Kämpferische Führer, die sich der Gewerkschaftsdemokratie verpflichtet fühlen, werden auch mehr Aktivität an der Basis hervorbringen. Die Gewerkschaftsführung sollte ihre Strategie offen mit der Mitgliedschaft diskutieren. Kollegen aus der Basis sollten ermutigt werden, wichtige Aufgaben innerhalb einer umfassenden Strategie zu übernehmen. Diskutiert, plant und stimmt ab! Je demokratischer eure Gewerkschaft wird, desto mehr Mitglieder werden sich an den Entscheidungen beteiligen wollen, die ihr eigenes Leben betreffen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Einige Gewerkschaftsführer lehnen diesen offenen Stil der Demokratie ab. Während eines Streiks oder bei Verhandlungen plädieren sie für äußerste Geheimhaltung. Oft habe ich erlebt, dass solche Geheimhaltung in Wirklichkeit nur ein Mittel ist, um hinter dem Rücken der Arbeiter einen unbefriedigenden Kompromiss auszuhandeln. Jede Einigung beinhaltet Kompromisse. Aber die Entscheidungen der Gewerkschaft müssen von der Mitgliedschaft getroffen werden. Über die Forderungen sollen die Mitglieder abstimmen. Die Mitglieder sollen auch entscheiden, wann die Gewerkschaft eine Forderung vom Verhandlungstisch nimmt. </p>

<h3><strong>Den Betrieb lahmlegen</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Es gibt verschiedene Möglichkeiten, einen Betrieb lahmzulegen, und diese Broschüre kann unmöglich auf alle eingehen. Hier sind aber einige wichtige Methoden. </p>

<ul class="wp-block-list">
<li>Massenstreikposten. Sie sollten Teil jedes Streiks sein. Allein durch eure große Zahl könnt ihr verhindern, dass der Betrieb weiterläuft. </li>
</ul>

<ul class="wp-block-list">
<li>Sitzblockaden vor einem Betrieb. Wenn eine große Zahl von Polizisten oder die Nationalgarde vor Ort ist, kann es manchmal die beste Taktik sein, mehrere Tausend Menschen vor den wichtigsten Türen oder Toren Platz nehmen zu lassen. Vielleicht werden sie euch bei Massenverhaftungen abführen. Die Gewerkschaft stellt Kaution für euch – und ihr setzt euch wieder hin. </li>
</ul>

<ul class="wp-block-list">
<li>Sitzstreiks im Betrieb. Sitzstreiks, eine Taktik aus den 1930er-Jahren, sollten auch heute als praktikable Streikmethode in Betracht gezogen werden. Für die Bosse ist es viel schwieriger, die Arbeiter aus dem Gebäude zu bekommen, wenn sie erst einmal drinnen sitzen. </li>
</ul>

<ul class="wp-block-list">
<li>„Fink Drives“. „Finks“ ist eine Bezeichnung für Streikbrecher. Solche Aktionen nutzten wir, wenn Unternehmer mit Streikbrechern versuchten, bestreikte Betriebe wieder in Gang zu setzen. Wir nahmen einige unserer kämpferischsten Arbeiter mit, gingen in den Betrieb hinein und vertrieben die Streikbrecher. </li>
</ul>

<ul class="wp-block-list">
<li>Massendemonstrationen und Kundgebungen. Sie können dazu dienen, auf Streikposten und andere Aktionen hinzuarbeiten, die den Betrieb tatsächlich lahmlegen. </li>
</ul>

<h3><strong>Mit den Arbeitern reden</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Carl Skoglund, der später Vorsitzender unserer Ortsgruppe wurde, war der Architekt des Streiks von Minneapolis im Jahr 1934. Ich erinnere mich an den Abend vor dem Kohlefahrerstreik im Februar 1934.  </p>

<p class="wp-block-paragraph">„Harry“, sagte er zu mir, „viele Arbeiter werden am Anfang vielleicht nicht verstehen, wofür wir kämpfen. Wir müssen mit ihnen reden. Wir müssen ihnen erklären, worum es in diesem Streik geht. Gebt ihnen eine Chance, es zu verstehen. Schreibt sie nicht ab, bevor ihr ihnen diese Chance gegeben habt.“ </p>

<p class="wp-block-paragraph">Einer der ersten nicht gewerkschaftlich organisierten Fahrer, die wir am nächsten Tag anhielten, bestätigte Carls Argument. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Wir waren einem Lkw aus dem Kohlehof gefolgt und holten ihn ein paar Häuserblocks weiter ein. Wir erklärten dem Fahrer, wofür wir kämpften und warum wir streikten. Der Mann wurde wütend. Er erzählte uns, sein Boss habe ihn darüber belogen, worum es bei unserem Streik ging. Er sprang aus dem Lkw und half uns dabei, seine eigene Ladung Kohle auf die Straße zu kippen! Noch am selben Abend kam er ins Gewerkschaftshaus und trat der Gewerkschaft bei. Nach dem Streik wurde er ein loyaler Gewerkschaftsvertrauensmann. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Daraus lässt sich etwas lernen. Wir müssen den Arbeitern erklären, warum wir streiken. Das gilt auch für Beschäftigte, die als Streikbrecher angeheuert wurden. Oft werden sie sich auf unsere Seite stellen, wenn wir mit ihnen reden. </p>

<p class="wp-block-paragraph">In einer Gesellschaft, in der so viel gewerkschaftsfeindliche Propaganda verbreitet wird, entwickeln Menschen häufig eine feindselige Haltung gegenüber Gewerkschaften. Oft kann eine Erklärung der Streitfragen ihre Haltung verändern. </p>

<h3><strong>Die Unorganisierten organisieren</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Derselbe Ansatz, der zum Sieg an der Streikpostenkette führt, muss auch auf die gewerkschaftliche Organisierung übertragen werden. Organisierungskampagnen brauchen Massenmobilisierungen der Arbeiter. Es sollte Kundgebungen geben, die gesamte Mitgliedschaft sollte sich an diesen Kampagnen beteiligen und wir müssen uns um die Unterstützung der übrigen Arbeiterbewegung bemühen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Während Tarifverhandlungen versuchen Bosse manchmal, die Arbeiter durch Einschüchterung zur Unterwerfung zu zwingen. Unternehmer drohen Gewerkschaften, die höhere Löhne fordern damit abzuwandern und sich anderswo billigere, nicht gewerkschaftlich organisierte Arbeitskräfte zu suchen.  </p>

<p class="wp-block-paragraph">Wenn der Boss sein Werk verlegt, sollten die Gewerkschaftsführer sagen: „Wir werden Organisatoren an euren neuen Standort schicken und die Beschäftigten dort organisieren. Wenn ihr ins Ausland geht, wird unsere internationale Gewerkschaft dafür sorgen, dass die Beschäftigten gewerkschaftlich organisiert werden, wo immer ihr euch niederlasst. Wohin ihr auch geht, wir werden euch folgen. Wir werden nicht zulassen, dass ihr eure Beschäftigten ausbeutet.“ </p>

<p class="wp-block-paragraph">Ein klares Bekenntnis zur Organisierung ist der beste Weg, um gute Tarifverträge in gewerkschaftlich organisierten Betrieben abzusichern. In der Ortsgruppe 574 hatten wir ein Motto: „Jedes Mitglied ist ein Organisator.“ Dieses Motto sollten wir uns auch heute zu eigen machen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Je mehr Arbeiter wir in den Gewerkschaften organisieren, desto schwieriger wird es für die Kapitalisten, Menschen zu finden, mit denen sie Streiks brechen können. Und desto stärker kann die Gewerkschaft zu einer Kraft für Fortschritt werden. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Gewerkschaft muss für die Benachteiligten, die Armen und die Leidenden eintreten. Wir müssen uns um alleinerziehende Familien kümmern, um Kinder, die nicht genug zu essen haben, um Menschen mit Behinderung und um die Opfer von Diskriminierung. Wir müssen unsere Stimme für ältere Menschen erheben, von denen viele mit ihren kleinen Renten und Sozialversicherungsleistungen kaum überleben. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Indem wir für sie kämpfen, können wir die Gewerkschaft wieder zu ihrer früheren Stärke führen. Ihre Sache wird zu unserer Sache, wenn wir für angemessene Löhne und Arbeitsbedingungen für alle eintreten. </p>
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			</item>
		<item>
		<title>AfD triumphiert in Sachsen-Anhalt – die Zeit zu kämpfen ist jetzt!</title>
		<link>https://derkommunist.de/afd-triumphiert-in-sachsen-anhalt-die-zeit-zu-kaempfen-ist-jetzt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michele Rocco Troccolo und Franz Rieger]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 Sep 2026 13:33:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Anti-AfD]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Empfohlen]]></category>
		<category><![CDATA[AfD]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die AfD ist deutliche Siegerin der Wahlen in Sachsen-Anhalt. Laut dem vorläufigen Ergebnis&#160; erhielt sie 43,8 % und hat somit ihren Stimmenanteil seit der Wahl 2021 verdoppelt. Die regierende CDU [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Die AfD ist deutliche Siegerin der Wahlen in Sachsen-Anhalt. Laut dem vorläufigen Ergebnis&nbsp; erhielt sie 43,8 % und hat somit ihren Stimmenanteil seit der Wahl 2021 verdoppelt. Die regierende CDU hingegen hat sich von rund 37 % auf 17,2 % mehr als halbiert. Die SPD schrammte in den Umfragen zwischenzeitlich an der 5 % Hürde, aber kann nun „aufatmend“ mit 9,3 % ins Parlament einziehen. Die Grünen&nbsp; erreichten mit 8,9% ihr bislang bestes Ergebnis, während die FDP an der 5%-Hürde scheiterte. Das BSW zog überraschend mit 5,3% in den Landtag ein. Die Linkspartei wurde hingegen mit nur 8,6% Fünfter &#8211; ihr schlechtestes Ergebnis jemals in Sachsen-Anhalt. Dabei hatte sie bei den Landtagswahlen von 2011 noch 24% der Stimmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zusammengefasst sehen wir: alle etablierten Parteien haben eine Niederlage zu verzeichnen. Die Ablehnung des Status quo hat in der Wahl einen deutlichen Ausdruck gefunden. Der Hass auf die Regierenden war so groß, dass die CDU in Sachsen-Anhalt aufgrund des Eskalationspotenzial lieber keine großen Veranstaltungen mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) plante. Dieser mahnte hingegen, dass Sachsen-Anhalt „kein Experimentierfeld für Wutbürger“ werden dürfe.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Krisengeschütteltes Land</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Was sie wütend macht, wird schnell verständlich. Sachsen-Anhalt ist mit 23,7 Milliarden Euro verschuldet und finanziell nicht wirklich handlungsfähig. Das Land hatte in den vergangenen sechs Jahren das geringste Wirtschaftswachstum aller Bundesländer. Hier gibt es die niedrigsten Löhne und die geringste Wirtschaftsleistung pro Einwohner. Und die älteste Bevölkerung – so dass sich der amtierende CDU-Ministerpräsident Sven Schulze im Wahlkampf gezwungen sah, sich auch mal gegen die Renten-Kürzungspläne der Bundes-CDU zu positionieren.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der größte Wirtschaftssektor sind Gesundheit und Soziales. Genau hier soll in den Krankenhäusern und Pflegeheimen weiter kräftig eingespart werden. Die Chemieindustrie steckt in der Krise aufgrund der hohen Energiepreise. Die Automobilzulieferer vor Ort werden von der Flaute bei VW und BMW mitgerissen. Abhilfe in der wirtschaftlichen Not sollte eine riesige Intel-Chipfabrik in Magdeburg schaffen – dieses Projekt scheiterte aber.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Situation wird von manchen Kommentatoren auch mal schön geredet: Die Stundenlöhne seien zwar niedriger als im Westen, aber dafür auch die Lebenshaltungskosten. Insbesondere die Mieten seien günstig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Woher das kommt, macht eine Entwicklung deutlich: Seit den Achtzigerjahren hat Sachsen-Anhalt ein Drittel seiner Bevölkerung verloren, statt drei Millionen leben nur noch 2,1 Millionen Menschen im Land. Dementsprechend hat Sachsen-Anhalt die höchste Leerstandsquote bei kommunalen Wohnungen. Der Haken: Diese müssten saniert werden und dafür fehlt das Geld. Resultat: Günstig leben in Bruchbuden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nur für Bayer, das in Bitterfeld Aspirin für ganz Europa herstellt, läuft es gut. Alleine im letzten Quartal betrug der Gewinn des Konzerns in der Pharma-Sparte etwas mehr als eine Milliarde Euro. Dieser kommt natürlich nicht dem Gemeinwohl zugute.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die etablierten Parteien, die seit Jahren eine Politik im Interesse des Kapitals verfolgen, haben bei dieser Wahl die Abrechnung bekommen.&nbsp;</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Kommt die AfD-Regierung?</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Noch ist offen, wie die nächste Regierung aussehen wird. Aber es sieht danach aus, dass am Ende eines chaotischen Regierungsbildungsprozesses eine AfD-Regierung stehen könnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während die AfD zwar die absolute Mehrheit verpasste, könnte sie durch abtrünnige rechte CDUler die nötige Mehrheit erhalten. Wenn das BSW sich wie angekündigt im dritten Wahlgang enthält, würde sogar einer reichen, um eine einfache Mehrheit für Ulrich Siegmund als Ministerpräsidenten zu erreichen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stimmen CDU, SPD, Grüne und Linke geschlossen gegen Siegmund, entsteht bei Enthaltung des BSW eine Pattsituation (39 Sitze gegen 39 Sitze), die zu Neuwahlen führen kann. Stand jetzt würde davon vermutlich die AfD profitieren und hätte dann sehr gute Chancen, die absolute Mehrheit zu holen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist unwahrscheinlich, aber nicht völlig auszuschließen, dass auf die eine oder andere Art und Weise eine „All-Parteien-Regierung“ ohne die AfD gebildet würde, etwa wenn das BSW in Sachsen-Anhalt doch in diese Richtung umkippt. Doch auch eine solche Regierung würde die politische Krise massiv verschärfen und sicherstellen, dass die AfD bei der nächsten Wahl die absolute Mehrheit hat.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Was hieße eine AfD-Regierung?</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Eine AfD-Regierung würde weitere Angriffe auf die Arbeiterklasse bedeuten, auch wenn Sigmund das Gegenteil verspricht. In einem Wahlwerbespot gibt er sich „volksnah“ im Vergleich zu abgehobenen Politikern. Er kritisiert das fehlende Geld für Schulen und Krankenhäuser, spricht die hohen Tankpreise an und will die Sanktionen gegen Russland beenden, um die Energieversorgung wieder zu stabilisieren. Er verspricht, dass es mit ihm &#8222;bergauf&#8220; geht und sagt „alles ist möglich“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Umsetzen will die AfD in Sachsen-Anhalt jedoch etwas ganz anderes: Die traditionelle Familie soll gestärkt werden, sprich die Frau noch fester an Herd und Heim gekettet werden. So können die Kürzungen im Sozialstaat aufgefangen werden. Im Programm lesen wir: „Funktionierende Familien machen Schulsozialarbeiter überflüssig, wirken einer Überlastung der Altenheime entgegen und bringen tüchtige junge Menschen hervor, die ihren Lebensunterhalt selbst verdienen.“ Passenderweise sollen Femizide nicht mehr statistisch erfasst werden und bei Abtreibungsberatungen soll eine verpflichtende Ultraschalluntersuchung durchgeführt werden, um die Hürden noch höher zu machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in der Bildungs- und Kulturpolitik will die AfD ordentlich umkrempeln. Regenbogenflaggen an der Schule sollen verboten werden. Stattdessen soll Heimatliebe vermittelt werden. Alles was irgendwie „links“ klingt, soll keine staatlichen Gelder erhalten und die Polizei soll aufgerüstet werden, um gegen die „Terrorvereinigung“ Antifa vorzugehen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die AfD will „Standortvorteile generieren“ für mittelständische Unternehmen. Im Programm der Bundes-AfD können wir nachlesen, was das heißt: Steuern senken für Unternehmen und Reiche, Tarifverträge lockern, Mindestlohn abschaffen, Leistungen für Arbeitslose verkleinern und viele weitere Maßnahmen, um die Arbeiterklasse härter auszubeuten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich will Sigmund auch mehr Migranten ausweisen und fordert unter anderem eine Abschiebehaft. Darauf konterte im TV-Duell der CDU-Kandidat Schulze, dass unter der CDU geführten Bundesregierung bereits 1.000 Geflüchtete weniger nach Sachsen-Anhalt gekommen sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn die CDU in Sachen Rassismus der AfD kaum nachsteht, wäre eine AfD-Regierung eine existenzielle Frage für viele Migranten. Jeder fünfte Arzt im Land ist Ausländer, jeder dritte Mitarbeiter in der Gastronomie und mehr als 40 Prozent der Arbeiter in der Lebensmittelherstellung.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schon jetzt wird sich die Lage von Migranten und Linken extrem verschärfen. Beflügelt durch den Wahlsieg der AfD werden sich faschistische Banden, die sich in und um die Partei herum organisieren, bestärkt sehen und zu weiteren Taten schreiten. Noch wird die Polizei politisch gedrängt, bei den schlimmsten Übergriffen einzugreifen, aber bei einer AfD-Regierung würde auch diese Hemmung weiter fallen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit einer AfD-Regierung würde die herrschende Klasse auch einen Teil ihrer Kontrolle über ihren Staatsapparat in Sachsen-Anhalt verlieren. Sigmund hatte bereits angekündigt, hunderte Behördenstellen bei Amtsantritt neu zu besetzen. Außerdem will er als erste Amtshandlung die Rundfunkstaatsverträge kündigen, „damit wir die Bürger in diesem Land von dieser Zwangsabgabe, von dieser Desinformation befreien können“. Zu diesem Staatsorgan sagt er: „Wir möchten endlich dieser woken, antideutschen und manipulativen Beeinflussung den Stecker ziehen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn die AfD im Grunde ein Programm im Interesse des Kapitals vorschlägt, wollen die Herrschenden diesen ungetesteten Politikern nicht einfach die Zügel in die Hand geben. Durch verschiedene Maßnahmen versucht das Kapital, die Partei zu disziplinieren. Eine der zentralen Gründungspositionen – der Austritt aus der EU – war der herrschenden Klasse besonders ein Dorn im Auge und wird heute nur noch in abgemildeter Form von AfD-Politikern geäußert. Der dominante Teil der herrschenden Klasse stört sich ebenso an der AfD-Forderung nach Wiederaufnahme politischer und wirtschaftlicher Beziehungen zu Russland. Trotzdem ist dieser Anpassungsprozess, die „Melonisierung“ (nach Giorgia Meloni, die heute als ganz handzahm gilt), noch nicht abgeschlossen und der Ausgang ungewiss. In den AfD-Reihen befindet sich weiterhin eine relevante Schicht von Politikern, die ihre ganz eigenen Interessen verfolgen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem kann eine AfD-Regierung riesige Proteste auslösen, die die politische Lage weiter destabilisiert. Man muss sich nur an die bundesweite Protestwelle 2020 erinnern, als der FDP-Kandidat Thomas Kemmerich mit AfD Stimmen zum Ministerpräsidenten in Thüringen gewählt wurde. Oder an das politische Beben als Merz AfD-Stimmen zu dem Zustrombegrenzungsgesetz Ende Januar 2025 erhielt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Vorbereitungen der Polizei in Sachsen-Anhalt laufen bereits seit zehn Monaten. Sie stellt sich bei einer AfD-Regierung „neben bürgerlichen Demonstrationen auch auf eine mögliche bundesweite Anreise der linksextremen Szene zu versammlungsrechtlichen Aktivitäten und Straftaten ein“.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Zerreißprobe für die CDU</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Eine AfD-Regierung ist im Moment noch ungewiss, eben weil ihr die absolute Mehrheit fehlt. Die CDU müsste eine offene oder versteckte Koalition mit der AfD eingehen oder aber Abgeordnete müssten von der CDU zur AfD überlaufen. Merz hat aber klargemacht, dass er eine Zusammenarbeit kategorisch ablehnt und sogar seinen CDU-Vorsitz an diese Frage gekoppelt. Auch Sven Schulze betonte, dass er keine AfD-Minister erlauben werde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie irgendwelche Koalitionsgespräche der CDU mit anderen Parteien ablaufen, können wir nicht voraussehen. Aber eins ist klar: In jedem Fall werden sich die Konflikte innerhalb der CDU weiter verschärfen. Während die Führungsspitze die Brandmauer zur AfD aufrechterhalten will, wird sie vermehrt in der Partei kritisiert. Jüngst rief ein CDU-Bürgermeister sogar dazu auf die AfD zu wählen, aus Protest gegen die aktuelle Linie: „Es ist höchste Zeit, dass sich die Union von extrem linken Kräften und von all jenen trennt, die mit den Linken oder auch Grünen paktieren wollen – namentlich auch von Personen wie Sven Schulze.“ Der sachsen-anhaltinische CDU-Politiker Sepp Müller erklärte am Wahlabend, aus dem Wahlergebnis sei kein Regierungsauftrag für die CDU abzuleiten – damit unterstützt er indirekt den Regierungsanspruch der AfD.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während zwar die Mehrheit der bundesweiten CDU-Wähler gegen eine Koalition mit der AfD ist, lehnt ebenso eine Mehrheit Koalition mit der Linkspartei ab (ca. 80 % respektive 60 % in einem ZDF-Politbarometer). Der Spiegel beschreibt es so: „In Sachsen-Anhalt regiert die CDU seit 24 Jahren. Im Landesverband sehen viele in der Linken die einstige Staatspartei SED, die für Stasi und Schießbefehl verantwortlich war, und wollen nichts mit ihr zu tun haben. Andere fürchten, bei einer Öffnung nach links ließe sich auch die Abgrenzung zu den Rechtsextremen nicht mehr halten. Der Parteibasis wäre das kaum zu vermitteln. Im schlimmsten Fall zerfiele die CDU: in ein Lager, das zur AfD neigt, und in eines, das eher mit den Linken kooperieren würde.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und weiter: „Einen Landtag, in dem mehr als die Hälfte der Sitze auf AfD und Linke entfiel, gab es bereits 2019 in Thüringen. Damals schloss CDU-Spitzenkandidat Mike Mohring am Morgen nach der Wahl eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei nicht aus. Die Empörung in der Partei war riesig, Mohring nahm seine Aussage zurück. Es folgte das politische Chaos mit der Wahl des Kurzzeit-Ministerpräsidenten Thomas Kemmerich von der FDP, mit Stimmen der AfD.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Danach kam in Thüringen eine Minderheitsregierung zustande, die mit wechselnden Mehrheiten arbeitete. Aber in Sachsen-Anhalt wäre aufgrund der Stärke der AfD die CDU auf jede einzelne Stimme der Linkspartei angewiesen, insbesondere wenn man mit Abweichlern in den eigenen Reihen rechnen muss.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">D.h. ohne zumindest versteckte Zusammenarbeit der CDU mit der AfD oder der Linkspartei wäre (ohne Neuwahlen) gar keine Regierung möglich. Daran könnte die Partei jedoch zerbrechen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schon jetzt wirkt die Wahl in Sachsen-Anhalt zurück auf die Krise in der Bundespolitik. Hochrangige SPD-Politiker wie Bundesfinanzminister und Parteichef Lars Klingbeil und Generalsekretär Tim Klüssendorf kritisierten bereits am Wahlabend Merz’ Bundes-CDU für ihre harten Sparmaßnahmen am Sozialstaat. Sie forderten Abmilderungen der Kürzungspakete, die die Schwarz-Rote Koalition gerade eigentlich gemeinsam umsetzen will. Das bringt neuen Sprengstoff in die krisengeschüttelte Regierungskoalition. Und es zeigt, wie der Druck von Seiten der Massen – selbst in verzehrter und reaktionärer Form geäußert – auf die Herrschenden zurückwirkt und ihre Handlungsfähigkeit einschränkt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ereignisse in Sachsen-Anhalt werden bundesweite Konsequenzen haben und das nicht nur innerhalb der CDU. Der langfristige Niedergang der Unterstützerbasis der etablierten Parteien wurde abgebremst, weil Einige sie noch wählten, um die AfD zu schwächen. Wenn diese Praxis nicht mehr die AfD verhindert oder keine stabile Regierung mehr zustande bringt, dann muss eine Alternative her.&nbsp;</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Die Strategie der Linkspartei hat versagt!</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Während die CDU noch darüber debattiert, was das kleinere Übel ist, hat sich die reformistische Führung der Linkspartei bereits entschieden: Im Wahlkampf hatte sie schon frühzeitig der CDU die Hand ausgestreckt. So sagte beispielsweise Heidi Reichinnek: „Wir sind bereit, mit allen demokratischen Parteien beziehungsweise Fraktionen zusammenzuarbeiten, wenn es darum geht, etwas für die Menschen zu erreichen und die Demokratie zu verteidigen“. Und Linken-Spitzenkandidaten Eva von Angern sagte: „Wenn es für Sachsen-Anhalt nötig ist, wird mit uns auch eine engere Kooperation möglich sein. Ich schließe gar nichts aus.“ Selbst Luigi Pantisano, Vorsitzender der Linkspartei, der neulich noch der CDU „faschistische Politik“ vorgeworfen hatte, hält eine Kooperation für möglich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich beteuert die Führung der Partei, dass sie keine Kürzungen der CDU unterstützen wolle. Aber in der Vergangenheit haben wir immer und immer wieder gesehen, dass die Führung der Linkspartei gerne härteste Kürzungen mitträgt, um mit etablierten Parteien zusammenzuarbeiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie verteidigen lieber ein abstraktes Demokratiekonzept: D.h. das Recht zu wählen, sich zu organisieren, die freie Meinungsäußerung etc. bleiben erhalten, aber diese Rechte werden von ihrem Zweck getrennt: politische Veränderungen durchzusetzen. Diese demokratischen  Rechte hat sich die Arbeiterklasse im Kampf von der herrschenden Klasse abgerungen. Aber nicht als Selbstzweck, sondern als Mittel, um die Interessen der Arbeiterklasse durchzusetzen. Für die Reformisten hingegen ist die Demokratie zu einem Heiligenbild geworden, dass man an die Wand hängt, dort hübsch aussieht, aber man sonst nichts weiteres damit machen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Berlin hingegen stellt die Linkspartei mit der Forderung nach Enteignung der Immobilienkonzerne immerhin die Eigentumsfrage. Das ist ein richtiger Schritt und birgt das Potential, eine demokratische Wahl zum Schauplatz des Klassenkampfes zu machen. Doch dazu müsste die Linkspartei den Wahlkampf nutzen, um in den Stadtteilen, in den Betrieben und Bildungseinrichtungen den Klassenkampf zu organisieren. Denn nicht durch eine Wahl selbst entscheidet sich, ob die Interessen der Arbeiterklasse umgesetzt werden, sondern ob eine Partei es schafft, die Arbeiterklasse insgesamt zu mobilisieren und mit einem Klassenbewusstsein auszustatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau das tat die Linkspartei aber weder in Berlin noch in Sachsen-Anhalt. Beispielsweise hätte sie in Sachsen-Anhalt für die kränkelnde Chemieindustrie lautstark die Verstaatlichung fordern und ebenso die Belegschaft auf der Straße mobilisieren müssen. Die Linkspartei hätte, nach jahrzehntelanger gegenteiliger Politik, beweisen müssen, dass sie es ernst meint mit dem Kampf gegen die Superreichen. Stattdessen war ein Großteil ihrer Wahlkampagne ausgerichtet auf den Kampf gegen die AfD und von vornherein war die Zusammenarbeit mit der CDU das dominierende Thema.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ließ keinen Platz, auch nur daran zu denken, zum Sturz der Merz Regierung aufzurufen. Nur mit dieser Forderung und einer aktiven Mobilisation dafür, hätten auch AfD-Wähler zurückgewonnen werden können. Im Gegensatz zu der AfD vermittelte die Linkspartei-Wahlkampagne keinen Klassenhass gegen die Herrschenden, sondern es wurde Harmonie und Wohlfühl-Politik präsentiert. Und diese Harmonie läuft immer auf einen Klassenkompromiss hinaus. Mit ihrem Auftreten in Sachsen-Anhalt ist die Linkspartei keine Opposition zum Establishment. Und sie konnte vor allem nicht an der zu 100% gerechtfertigten Wut der Menschen in Sachsen-Anhalt anknüpfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die Wählerwanderung zeigt, dass die Linkspartei vor allem für ihre pro-Establishment-Haltung abgestraft wurde. Die mit Abstand meisten Wähler verlor sie an BSW (15.000) und AfD (12.000), während nur 5.000 zu den Grünen abwanderten. Zusammen mit den Wahlschlappen bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz erhielt die Linkspartei eine Klatsche für ihre „konstruktive Politik“ gegenüber der von Merz geführten Schwart-Roten Koalition.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Der Wahrheit ins Auge sehen</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt zeigt deutlich, dass die Politik des kleineren Übels immer zur Stärkung des größeren Übels führt. Seit mehr als zehn Jahren wird nun versucht, so die AfD aufzuhalten. Jeder, der die AfD ernsthaft bekämpfen will, muss ernsthaft die Ergebnisse dieser Strategie bilanzieren: Nicht nur scheitert sie, sie ist auch ein Geschenk an die AfD, die sich als einzige ernsthafte Opposition präsentieren kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um die AfD erfolgreich zu bekämpfen, muss mit dem Reformismus gebrochen werden, denn diese Politik steckt tief in seiner DNA. Die Reformisten können sich keine Gesellschaft ohne Kapitalismus vorstellen. Ihr Bewusstsein ist geprägt von einer Zeit als Wirtschaftswachstum zu einer Verbesserung des Lebensstandards der Arbeiterklasse führte. Dementsprechend hoffen sie heute durch Zurückhaltung und stabilisierender Politik im Interesse des Kapitals, die ökonomische Krise schneller zu überwinden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber wenn die Krise nicht endet, stehen sie ratlos da. Sie sind unfähig zu sehen, dass der Patient todkrank ist. Und im Sterbeprozess reißt dieser Patient alle noch mit in den Untergang, wenn er nicht gestoppt wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es braucht revolutionäre Politik, statt staatstragendem Kurs und „konstruktiver Opposition“. Statt einen „Pol der Hoffnung“, wie sich die Linkspartei in Sachsen-Anhalt selbst nennt, brauchen wir einen Pol der Revolution.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade die Jugend versteht dies. Die Schülerstreikbewegung, aber auch die anfängliche Begeisterung für die Linkspartei kurz vor der letzten Bundestagswahl 2025 zeigen das.&nbsp;</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Den Pol der Revolution organisieren!</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Sollte die AfD tatsächlich regieren, wird die Strategie der Reformisten, die bis jetzt gescheitert ist und ihr diesen Sieg ermöglicht hat, mit Sicherheit nicht dazu geeignet sein, sie in der Regierung effektiv zu bekämpfen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die AfD kann nur geschlagen werden mit Klassenkampf. D.h. einen Kampf gegen die Merz-Regierung, ohne angezogene Handbremse, aus Angst vor politischer Instabilität. Die angekündigte Protestkaskade der Linkspartei hat das Potenzial, die Arbeiterbewegung in den Kampf zu ziehen und das Klassenbewusstsein zu steigern. Das kann nur erreicht werden, wenn auf revolutionäre anstatt reformistische Politik gesetzt wird. Genau das tut die reformistische Führung der Linken aber nicht. Trotz AfD-Sieg ist sie nicht bereit, eine ernsthafte klassenkämpferische Bewegung gegen Merz und die CDU zu organisieren, obwohl das Potential unter den Massen dafür gewaltig ist!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch das Aktionsbündnis Widersetzen, muss die Lehre ziehen, dass ohne aktive Mobilisation gegen den Kapitalismus und seine Herrschenden, man nur zum Verteidiger des Status quo wird. Jegliche anderen Kraftanstrengungen, wie die Blockade des AfD-Parteitags, bleiben sonst reine Symbolpolitik ohne Auswirkung, außer der Erschöpfung und Demoralisation der Aktivisten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die heutige Hauptaufgabe für alle, die die AfD bekämpfen wollen, ist den Reformismus aus der Arbeiterbewegung zu verdrängen. Für diese Aufgabe reifen auch die nötigen Mittel heran. Die Dynamiken in Sachsen-Anhalt zeigen zwei große Entwicklungslinien und offenbaren einen Blick in eine mögliche Zukunft Deutschlands.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf der einen Seite sehen wir eine sich vertiefende Krise der bürgerlichen Demokratie: Die ökonomische Instabilität hat immer schlimmere Auswirkungen. Die etablierten Parteien erhalten eine Abfuhr für ihre kapitalfreundliche Politik. Die AfD steigt immer weiter auf, solange sie als Werkzeug gegen den Status quo gesehen wird. Stabile Regierungen werden seltener. Und die Linkspartei stellt sich selbst ein Bein, wenn sie weiter an ihrer reformistischen Politik festhält.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber gleichzeitig reift ein Pol der Revolution heran, vor allem in der Jugend. Eine Strömung, die sichtbar in der Arbeiterbewegung die Position vertritt, dass nur eine revolutionäre Politik einen Weg aus der aktuellen Ausweglosigkeit aufzeigen kann. Solch eine Jugendbewegung kann ein Entzündungsfunke, d.h. ein Katalysator für den Klassenkampf der gesamten Arbeiterklasse sein. Von der Betondecke des Reformismus befreit kann die Arbeiterbewegung mit Streiks, Massenmobilisation und Enteignungen gegen die ökonomische Krise vorgehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die AfD würde in dieser Situation des offenen Klassenkampfs mit ihren falschen Versprechungen ihre Anziehungskraft verlieren bzw. sich vor ihren Wählern als Feind der Arbeiterklasse entblößen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stattdessen wird die Frage nach Sozialismus auf der Tagesordnung stehen. Eine Planwirtschaft unter demokratischer Kontrolle der Arbeiterklasse. Denn dies ist der einzige Ausweg aus der Krise. Die andere Option lautet kapitalistische Barbarei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Deswegen ist das wirksamste, was man jetzt gegen die AfD tun kann, die RKP aufzubauen und diese Ideen in der Arbeiterbewegung zu vertreten. Denn die Reformisten und ihr Programm haben sich als völlig unwirksam im Kampf gegen die AfD erwiesen! Werde auch du Teil der RKP, die diesen Pol der Revolution organisiert, ihn mit klaren marxistischen Ideen ausstattet und so die Kämpfern des Sozialismus ausbildet.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Klassenkampf gegen Merz-Regierung und AfD!</li>



<li>Einheit der Arbeiterklasse statt rassistischer Spaltung!</li>



<li>Sozialismus erkämpfen statt „Demokratie retten“!</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Mehr zu dem Thema:</strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li>[Broschüre] <a href="https://shop.derfunke.de/buecher/213-wie-besiegen-wir-die-afd.html">Wie besiegen wir die AfD?</a></li>



<li>[Podcast] <a href="https://www.youtube.com/watch?v=zvSahCrHmrs">Befinden wir uns wirklich in einem Rechtsruck? – Eine marxistische Analyse der AfD</a></li>



<li><a href="https://derkommunist.de/klassenkampf-organisieren-blaue-welle-brechen/">Klassenkampf organisieren! Blaue Welle brechen!</a></li>



<li><a href="https://derkommunist.de/sachsen-anhalt-mit-klassenkampf-gegen-die-afd/">Sachsen-Anhalt: Mit Klassenkampf gegen die AfD</a></li>



<li><a href="https://derkommunist.de/demokratie-retten-oder-sozialismus-erkaempfen/">Demokratie retten oder Sozialismus erkämpfen?</a>&nbsp;</li>



<li><a href="https://derkommunist.de/wie-demokratie-retten-faschismus-brachte/">Wie „Demokratie retten“ Faschismus brachte</a></li>



<li><a href="https://derkommunist.de/nrw-wahl-zeigt-warum-die-afd-erfolgreich-ist/">NRW-Wahl zeigt, warum die AfD erfolgreich ist</a></li>



<li><a href="https://derkommunist.de/berlin-wahl-fuer-enteignung-kaempfen/">Berlin-Wahl: Für Enteignung kämpfen!</a></li>



<li><a href="https://derkommunist.de/wer-die-afd-bekaempfen-will-muss-merz-stuerzen/">Wer die AfD bekämpfen will, muss Merz stürzen!</a></li>



<li><a href="https://derkommunist.de/die-jugend-die-linkspartei-und-der-klassenkampf/">Die Jugend, die Linkspartei und der Klassenkampf</a></li>



<li><a href="https://derkommunist.de/eine-marxistische-analyse-von-donald-trump/">Eine marxistische Analyse von Donald Trump</a></li>



<li><a href="https://derkommunist.de/linkspartei-droht-der-faschismus/">Linkspartei: Droht der Faschismus?</a>&nbsp;</li>



<li><a href="https://derkommunist.de/abschiebungen-rassismus-und-hetze-notwendig-im-kapitalismus/">Abschiebungen, Rassismus und Hetze: Notwendig im Kapitalismus</a></li>



<li><a href="https://derkommunist.de/was-ist-nationalismus/">Was ist Nationalismus?</a></li>



<li><a href="https://derkommunist.de/keine-angst-oder-welchen-antifaschismus-braucht-es/">„Keine Angst“ – oder: welchen Antifaschismus braucht es?</a></li>



<li><a href="https://derkommunist.de/was-sagen-kommunisten-zu-einem-verbotsverfahren-gegen-die-afd/">Was sagen Kommunisten zu einem Verbotsverfahren gegen die AfD?</a></li>



<li><a href="https://derkommunist.de/hilft-ein-verbot-der-afd-im-kampf-gegen-rechts/">Hilft ein Verbot der AfD im Kampf gegen Rechts?</a>&nbsp;</li>



<li><a href="https://derkommunist.de/category/anti_afd/">Viele weitere Artikel zu AfD</a></li>



<li><a href="https://derkommunist.de/bildungsmappe-2/">Unsere Bildungsmappe</a></li>
</ul>
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			</item>
		<item>
		<title>Todesstoß für die Psychotherapie</title>
		<link>https://derkommunist.de/todesstoss-fuer-die-psychotherapie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[HW]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 01 Sep 2026 19:33:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am 10. Juli verabschieden Bundestag und Bundesrat mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz die größten Kürzungen der psychotherapeutischen Versorgung seit ihrer Einführung 1999. Das bedeutet: deutlich längere Wartezeiten, viel weniger Therapieplätze, drohende Praxisschließungen [&#8230;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Am 10. Juli verabschieden Bundestag und Bundesrat mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz die größten Kürzungen der psychotherapeutischen Versorgung seit ihrer Einführung 1999. Das bedeutet: deutlich längere Wartezeiten, viel weniger Therapieplätze, drohende Praxisschließungen und eine Gesundheitsversorgung, in der immer stärker der Geldbeutel statt der medizinische Bedarf über den Zugang zur Therapie entscheidet. Was über Jahrzehnte erkämpft wurde, wird nun systematisch zerstört.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit nur wenigen Tagen Vorlauf wurden per Änderungsantrag tiefgreifende Eingriffe in die psychotherapeutische Versorgung beschlossen. Die entscheidenden Änderungen gelangen praktisch ohne öffentliche Debatte durch Bundestag und Bundesrat erst kurz vor der Sommerpause.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Was wurde konkret beschlossen?</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Ab sofort wird der gesetzliche Schutz für eine angemessene Bezahlung psychotherapeutischer Leistungen gestrichen (die sogenannte „Angemessenheitsprüfung“). Diese Regelung sollte sicherstellen, dass Psychotherapeuten von den Krankenkassen eine ausreichende Bezahlung erhalten, die es ihnen ermöglicht, ihre Praxis und ihren Lebensunterhalt zu finanzieren und so Psychotherapien für gesetzlich Versicherte anbieten zu können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als im März bereits eine Kürzung der Vergütung um 4,5 Prozent geplant war, bildete genau diese Regelung die rechtliche Grundlage, um gerichtlich dagegen vorzugehen. Mit ihrer Streichung entfällt dieser Schutz. Künftige Honorarkürzungen lassen sich damit deutlich leichter durchsetzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zusätzlich soll ab dem 1. Januar 2027 die Budgetierung psychotherapeutischer Leistungen wieder eingeführt werden. Künftig entscheidet nicht mehr allein der medizinische Bedarf über die Behandlung, sondern auch eine politisch festgelegte Ausgabenobergrenze. Ist das Budget ausgeschöpft, werden weitere Behandlungen schlechter vergütet oder gar nicht mehr bezahlt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hinzu kommt die Streichung verschiedener Zuschläge, unter anderem für Kurzzeittherapien und kurzfristig vermittelte Termine über die Terminservicestellen.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Dramatische Folgen</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Reform trifft auf ein Versorgungssystem, das bereits heute massiv überlastet ist. Jeder vierte Mensch in Deutschland ist mittlerweile von einer psychischen Erkrankung betroffen. Nach Angaben der Bundespsychotherapeutenkammer fehlen bundesweit rund 7.000 Kassensitze. Ein Kassensitz ist die Zulassung, gesetzlich Versicherte auf Kosten der Krankenkassen behandeln zu dürfen. Da viele Psychotherapeuten heute einen solchen Versorgungsauftrag teilen und jeweils mit einem halben Kassensitz arbeiten, entspricht dies je nach Ausgestaltung bis zu 14.000 zusätzlich benötigten Psychotherapeuten, um den tatsächlichen Behandlungsbedarf zu decken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das neue Gesetz wird die Versorgungslage noch einmal deutlich verschlechtern: In vielen Regionen warten Patienten bereits sechs Monate oder länger auf einen Therapieplatz. In Zukunft werden es wohl anderthalb Jahre sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bis jetzt behandeln Psychotherapeuten mit einem halben Kassensitz in der Regel rund 25 bis 30 Patientinnen und Patienten pro Woche. Nach den geplanten Kürzungen sind ab kommendem Jahr nur noch maximal 18 Patienten pro Woche vollständig finanziert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für viele Praxen stellt sich künftig nicht mehr nur die medizinische Frage, wer behandelt werden sollte, sondern auch die wirtschaftliche Frage, welche Behandlungen überhaupt noch finanzierbar sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Reform leitet den dauerhaften Rückbau der psychotherapeutischen Versorgung innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung ein.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Existenzielle Bedrohung für Therapeuten</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kürzungen treffen nicht nur die Patientinnen und Patienten. Sie bedrohen auch die wirtschaftliche Existenz tausender psychotherapeutischer Praxen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine psychotherapeutische Sitzung wird zwar mit etwa 120 Euro brutto vergütet. Tatsächlich bleiben nach Praxis-, Personal- und Ausbildungskosten häufig nur rund 50 Euro übrig. Hinzu kommen Dokumentation, Telefonate, Fortbildungen, Supervision und Verwaltungsarbeit – Tätigkeiten, die größtenteils unbezahlt bleiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig tragen viele Kolleginnen und Kollegen noch erhebliche Schulden aus ihrer Ausbildung oder dem Erwerb eines Kassensitzes, der häufig mehrere zehntausend Euro kostet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Durch die gedeckelte Budgetierung werden viele psychotherapeutische Praxen ihre laufenden Kosten nicht mehr decken können. Viele werden schließen müssen, andere werden gezwungen sein, ihren Anteil an Privatpatienten deutlich zu erhöhen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Umfragen denken inzwischen zwei Drittel der niedergelassenen Psychotherapeuten darüber nach, ihren Kassensitz aufzugeben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch betroffen sind nicht nur die bereits niedergelassenen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten. Auch der Nachwuchs gerät zunehmend unter Druck.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eigentlich müsste angesichts des steigenden Bedarfs massiv in Ausbildung investiert werden. Das Gegenteil geschieht. Nach dem Sparpaket fehlen vielerorts die finanziellen Mittel für Weiterbildungsstellen. Die Universität Trier beispielsweise kann derzeit überhaupt keine Weiterbildungsplätze anbieten, obwohl dort früher rund 120 Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten ausgebildet wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während in den kommenden Jahren viele erfahrene Therapeuten in den Ruhestand gehen (Ein Drittel der Therapeuten ist über 60), wird gleichzeitig die Ausbildung ihrer Nachfolger erschwert. Der bestehende Fachkräftemangel droht sich dadurch weiter zu verschärfen.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Rückschritt Richtung Barbarei</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Mit dem Krankenkassenspargesetz beginnt der systematische Rückbau einer Gesundheitsversorgung, die über Jahrzehnte mühsam erkämpft wurde. Mit dem Psychotherapeutengesetz von 1999 entstand erstmals der eigenständige Heilberuf des Psychologischen Psychotherapeuten. Millionen gesetzlich Versicherte erhielten dadurch einen deutlich besseren Zugang zu psychotherapeutischer Behandlung.Trotz anhaltender Versorgungsengpässe wurde die rechtliche und institutionelle Stellung der Psychotherapie in den vergangenen Jahrzehnten schrittweise gestärkt und die Versorgung in einzelnen Bereichen verbessert. Die psychotherapeutische Versorgung blieb dabei stets hinter dem tatsächlichen Bedarf zurück. Dennoch brachten einzelne Reformen konkrete Fortschritte: So erleichterte die Reform der Psychotherapie-Richtlinie 2017 mit der Einführung der psychotherapeutischen Sprechstunde und der Akutbehandlung insbesondere den zeitnahen Erstzugang zur Versorgung. Gleichzeitig nahm die gesellschaftliche Anerkennung psychischer Erkrankungen und ihrer Behandlung zu. Mit der Reform der Psychotherapeutenausbildung 2019 sollte schließlich der Beruf weiter professionalisiert, die Weiterbildung finanziell abgesichert und langfristig eine Grundlage für die Deckung des steigenden Bedarfs geschaffen werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese historischen Errungenschaften werden nun Stück für Stück wieder demontiert. Während des Nachkriegsaufschwungs konnte sich die Arbeiterklasse in den entwickelten kapitalistischen Ländern durch harte Klassenkämpfe wichtige soziale Reformen erkämpften, die vielen ein &#8211; im Vergleich zu vorher – halbwegs erträgliches Leben ermöglichten. Die tiefe Krise des deutschen Kapitalismus mit De-Industrialisierung und Austerität zerstört diesen Lebensstandard. Mit Armut, erhöhter Ausbeutung und Unsicherheit wird auch die zwischenmenschliche Verrohung wieder zunehmen: Häusliche Gewalt, Suchterkrankungen, Verzweiflungstaten, menschliche Abstumpfung. So wird die gesellschaftliche Barbarei wieder ein Stückweit zunehmen. Und ausgerechnet in dieser Situation, in der die kapitalistische Krise immer mehr psychisches Leid produziert, werden die Behandlungsmöglichkeiten massiv reduziert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unbehandelte psychische Erkrankungen verändern das gesamte Leben eines Menschen. Schwere Depressionen führen häufig dazu, dass Betroffene sich immer weiter zurückziehen, Interessen verlieren und selbst engste Beziehungen nicht mehr aufrechterhalten können. Was zunächst wie Antriebslosigkeit erscheint, endet oft darin, dass Arbeit, Familie und Freundschaften Stück für Stück auseinanderbrechen. Angehörige erleben den Rückzug häufig als Ablehnung. Missverständnisse, Hilflosigkeit und Konflikte nehmen zu, bis selbst langjährige Beziehungen zerbrechen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Angststörungen und Traumafolgestörungen machen Arbeit, Schule oder selbst alltägliche Situationen oft kaum noch bewältigbar. Betroffene vermeiden öffentliche Verkehrsmittel, Arbeitsplätze, Behörden oder soziale Situationen. Ihr Lebensradius schrumpft immer weiter, bis selbst der Weg zum Supermarkt oder zum Arzt zur kaum überwindbaren Hürde wird. Wer keine rechtzeitige Unterstützung erhält, verliert möglicherweise den Arbeitsplatz, bricht eine Ausbildung ab oder zieht sich vollständig aus dem gesellschaftlichen Leben zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Psychosen können zu massivem Misstrauen gegenüber Angehörigen führen. Menschen erleben ihre Partner, Eltern oder Freunde plötzlich als Teil einer Bedrohung, lehnen Hilfe ab oder brechen den Kontakt vollständig ab. Ganze Familien können daran zerbrechen. Auch schwere Persönlichkeitsstörungen können Beziehungen dauerhaft belasten. Was mit einer rechtzeitigen psychotherapeutischen Behandlung häufig aufgefangen und schrittweise verändert werden könnte, entwickelt sich ohne Hilfe immer häufiger zu einer dauerhaften sozialen Krise.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn psychotherapeutische Hilfe ausbleibt, werden immer mehr Betroffene versuchen, ihr Leiden selbst zu lindern. Die Zahl der Suchterkrankungen wird enorm ansteigen, weil Alkohol, Cannabis, Beruhigungsmittel oder andere Drogen vermehrt genutzt werden, um Angst, Schlaflosigkeit, belastende Erinnerungen oder innere Leere kurzfristig erträglicher zu machen. Was zunächst Erleichterung verschafft, wird häufig zur nächsten Krankheit. Hinzu kommen körperliche Folgeschäden, finanzielle Probleme und Konflikte in Familie und Beruf. Psychische Erkrankung und Sucht verstärken sich gegenseitig und machen eine spätere Behandlung wesentlich schwieriger.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch die Folgen enden nicht bei den Erkrankten selbst. Partner und Angehörige übernehmen Betreuung, organisieren Arzttermine, begleiten Krisen und versuchen jahrelang, Versorgungslücken auszugleichen, die eigentlich das Gesundheitssystem schließen müsste. Viele geraten dadurch selbst an die Grenze ihrer psychischen und körperlichen Belastbarkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wo schwere psychische Krisen, Suchterkrankungen und soziale Not zusammentreffen, steigt auch das Risiko von Gewalt innerhalb von Familien und Partnerschaften.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders betroffen sind die Kinder, denn bereits heute hat rund die Hälfte aller psychisch erkrankten Kinder mindestens ein psychisch erkranktes Elternteil. Kinder erleben, dass Mutter oder Vater über lange Zeit kaum ansprechbar sind, sich zurückziehen oder wegen akuter Krisen immer wieder stationär behandelt werden müssen. Sie entwickeln Schuldgefühle, übernehmen Verantwortung, die ihrem Alter nicht entspricht, oder versuchen, familiäre Probleme nach außen zu verbergen. Kinder und Jugendliche bringen familiäre Belastungen, Ängste und traumatische Erfahrungen mit in die Schule. Konzentrationsprobleme, Rückzug, Selbstverletzungen oder Schulvermeidung sind häufig Ausdruck psychischer Überforderung.&nbsp; Ohne rechtzeitige Hilfe steigt das Risiko, dass auch sie Angststörungen, Depressionen, Suchterkrankungen oder andere psychische Erkrankungen entwickeln. So setzt sich psychisches Leid von einer Generation zur nächsten fort. Eine gekürzte psychotherapeutische Versorgung verschlechtert deshalb nicht nur das Leben heutiger Patientinnen und Patienten, sondern auch die Lebens- und Entwicklungschancen ihrer Kinder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders dramatisch zeigen sich die Folgen in akuten suizidalen Krisen. Wer nach einem Suizidversuch monatelang auf einen Therapieplatz warten muss, bleibt häufig mit genau den Belastungen allein, die zur Krise geführt haben. Ein kurzer stationärer Aufenthalt kann die akute Gefahr zunächst abwenden. Ohne anschließende ambulante Psychotherapie kehren die Konflikte jedoch zurück. Angehörige sollen dann auffangen, was ein kaputtgespartes Gesundheitssystem nicht mehr leisten kann. Erneute Krisen, weitere Suizidversuche und vollendete Suizide werden dadurch zunehmen. Hinter jeder dieser Entwicklungen steht ein Mensch, dessen Leben durch rechtzeitige und kontinuierliche Hilfe möglicherweise hätte stabilisiert oder gerettet werden können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Folgen treffen das gesamte Gesundheitssystem. Wenn ambulante Psychotherapie fehlt, gelangen Menschen immer häufiger erst dann in Behandlung, wenn ihre Erkrankung bereits vollständig eskaliert ist. Was früher häufig in einer ambulanten Therapiesitzung hätte aufgefangen werden können, endet nun in der Notaufnahme oder auf einer geschlossenen Station. Überfüllte Stationen, chronischer Personalmangel und steigende Fallzahlen lassen immer weniger Zeit für Gespräche, Beziehungsaufbau und individuelle Behandlung. Dadurch nehmen Gewaltvorfälle, Zwangsmaßnahmen und medikamentöse Sedierungen zwangsläufig einen größeren Raum ein, nicht weil dies medizinisch die beste Behandlung wäre, sondern weil das System immer häufiger nur noch auf akute Eskalationen reagieren kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig steigt der Einsatz von Psychopharmaka. Medikamente können in akuten Krisen unverzichtbar sein und Leben retten. Sie können eine psychotherapeutische Behandlung jedoch nicht ersetzen. Wenn Therapieplätze fehlen, besteht die Gefahr, dass Menschen über lange Zeit medikamentös stabilisiert werden, ohne ihre Erkrankung und deren Ursachen therapeutisch bearbeiten zu können. Aus Behandlung wird immer häufiger bloße Krisenverwaltung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hinzu kommt, dass psychische und körperliche Gesundheit eng miteinander verbunden sind. Dauerhafter Stress, Angst, Depressionen und Traumafolgestörungen beeinflussen Schlaf, Hormonhaushalt, Herz-Kreislauf-System und Immunsystem. Gleichzeitig erschweren psychische Erkrankungen häufig die Behandlung körperlicher Leiden. Psychotherapeutische Kürzungen treffen deshalb nicht nur die psychische Versorgung. Sie erhöhen zugleich die Belastung von Hausarztpraxen, Notaufnahmen und Krankenhäusern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit reichen die Auswirkungen weit über das Gesundheitssystem hinaus. Psychische Erkrankungen gehören bereits heute zu den häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit und verursachen rund 40 Prozent aller Frühverrentungen. Unbehandelte Erkrankungen erhöhen das Risiko von Wohnungslosigkeit, Armut und sozialer Isolation. Aus einer gesundheitlichen Krise wird so häufig eine existenzielle Krise.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kürzungen beseitigen deshalb keinen einzigen Euro an gesellschaftlichen Kosten, sondern sie verlagern sie nur. Was die Krankenkassen heute nicht für eine rechtzeitige Psychotherapie bezahlen, muss später an anderer Stelle vielfach aufgebracht werden: für psychiatrische Krankenhausaufenthalte, Notfallbehandlungen, Psychopharmaka, Suchtbehandlung, Rehabilitation, Jugendhilfe, Wohnungslosenhilfe, Arbeitslosigkeit, Erwerbsminderungsrenten und die Behandlung körperlicher Folgeerkrankungen. Besonders verheerend ist dabei, dass viele dieser Bereiche mit den neuen Konterreformen ebenfalls kaputtgespart werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit dem neuen Spargesetz wird Psychotherapie wieder stärker zu einer Frage des Geldbeutels, statt allen Menschen entsprechend ihres Bedarfs offenzustehen. So verschärft sich die bereits bestehende Zwei-Klassen-Versorgung (gesetzlich vs. privat versichert), in der ausgerechnet diejenigen den schlechtesten Zugang zur Therapie erhalten, die durch Armut, unsichere Arbeitsverhältnisse und soziale Belastungen am stärksten gefährdet sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Rechnung bezahlen am Ende die Betroffenen, ihre Familien und die gesamte Gesellschaft. Im schlimmsten Fall bezahlen Menschen mit ihrem Leben.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Fäulnis des deutschen Kapitalismus</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade darin zeigt sich der grundlegende Widerspruch dieser Politik: Obwohl eine gute psychotherapeutische Versorgung menschliches Leid verhindert und langfristig sogar gesellschaftliche Kosten senkt – also volkswirtschaftlich sinnvoll ist &#8211; wird sie zurückgebaut. Ein rational geplantes Gesundheitssystem müsste deshalb eigentlich in ihren Ausbau investieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Warum werden die Kürzungen also trotzdem beschlossen? Die Antwort lautet nicht, dass der Politik diese Zusammenhänge unbekannt wären.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Entscheidend ist vielmehr, dass im Kapitalismus die Gesundheitsversorgung nicht nach gesellschaftlichen Bedürfnissen organisiert wird. Solange Produktion und Staat den Interessen des Kapitals untergeordnet sind, geraten selbst Bereiche, die gesellschaftlich notwendig und langfristig sogar kostensparend sind, unter den Druck von Sparpolitik und Profit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht nur im Gesundheitssystem erscheinen viele Entwicklungen völlig irrsinnig. Der VW-Abgasskandal ist ein Beispiel: Statt langfristig in emissionsarme Technologien zu investieren, wurden Milliarden eingesetzt, um durch Betrug kurzfristig Marktanteile und Profite zu sichern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dasselbe Muster zeigt sich bei der öffentlichen Infrastruktur. Brücken verfallen, die Bahn wird immer ineffizienter, Schulen werden kaputtgespart und Krankenhäuser geschlossen, obwohl der gesellschaftliche Bedarf offensichtlich ist und das langfristig volkswirtschaftlich genauso verheerend ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lenin bezeichnete den Imperialismus als das „parasitäre und faulende Stadium des Kapitalismus“. Er meinte damit eine Entwicklungsstufe des Kapitalismus, in der gesellschaftlicher Fortschritt immer stärker mit den Profitinteressen einer kleinen herrschenden Klasse kollidiert. Entsprechend werden gesellschaftliche Ressourcen nicht eingesetzt, um die Gesellschaft langfristig industriell, technologisch, wissenschaftlich, kulturell oder sozial voranzubringen, sondern dort, wo sich <em>kurzfristig</em> die größtmöglichen Profite sichern lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Krankenkassenspargesetz ist deshalb keine Fehlentscheidung einzelner Politiker, sondern die Kürzungen fallen in eine Zeit, in der der deutsche Kapitalismus seine tiefste Krise der Nachkriegszeit durchlebt. Wirtschaftliche Stagnation, verschärfte imperialistische Konkurrenz und die milliardenschwere Aufrüstung im Zuge der Militarisierung erhöhen den Druck auf die öffentlichen Haushalte. Die Antwort der herrschenden Klasse besteht deswegen darin, Gesundheit, Bildung und soziale Infrastruktur kaputtzusparen. Das Krankenkassenspargesetz ist Ausdruck dieser parasitären Entwicklung.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Was also tun?</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Positiv ist, dass sich innerhalb weniger Monate bundesweit ein bemerkenswerter Widerstand entwickelt hat. Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten organisieren Demonstrationen, Aktionsbündnisse und regionale Vernetzungen. Sie starteten Petitionen an den Bundestag und riefen dazu auf, seinem Bundestagsabgeordneten eine Email zu schreiben, mit einem Appell gegen das Gesetz zu stimmen. Vielen ist bewusst geworden, dass es sich nicht um eine technische Reform des Honorarsystems handelt, sondern um einen politischen Angriff auf die psychotherapeutische Versorgung. Grade wegen ihrer fachlichen Qualifikation ist ihnen besonders klar, welche extrem negativen menschlichen Folgen dieser Angriff haben wird. Die Wut unter den Psychotherapeuten kocht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist ein wichtiger Anfang. Gleichzeitig macht die Verabschiedung des Gesetzes trotz des geschlossenen Widerstands von Fachverbänden, Kammern und tausenden Betroffenen deutlich, dass Appelle allein nicht ausreichen. Wer diese Kürzungen gegen den Protest der Betroffenen durchsetzt, wird sie nicht durch weitere Gespräche oder offene Briefe zurücknehmen. Es sollten deswegen keine Hoffnung in den sogenannten „Entschließungsantrag“ gesetzt werden, der Nachbesserungen verspricht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist eine Nebelkerze! Denn die gesundheitspolitische Sprecherin der CDU brachte die Perspektive der Bundesregierung nach der Verabschiedung des Gesetzes selbst auf den Punkt: „<em>Das Gesetz ist beschlossen. Nach der Reform ist vor der Reform. Nun beginnt die Arbeit an den notwendigen Strukturveränderungen im Gesundheitswesen.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Krankenkassenspargesetz ist Teil eines fundamentalen Angriffs auf den Lebensstandard der gesamten Arbeiterklasse. Heute trifft es die Psychotherapie. Massive Kürzungen bei Krankenhäusern, Frauenhäusern, Kassenleistungen, usw. wurden ebenfalls auf Bundes- und Landesebene auf den Weg gebracht. Gleichzeitig werden hunderttausende Industriearbeitsplätze vernichtet, Kommunen kaputtgespart, Lehrkräfte und Erzieher arbeiten am Limit und die öffentliche Infrastruktur verfällt. Morgen werden weitere Bereiche des Gesundheitswesens und des Sozialstaates angegriffen. In ihrer Gesamtheit bedeuten diese Angriffe ein Ende aller Errungenschaften, die der Arbeiterklasse in Deutschland seit dem Nachkriegsaufschwung ein halbwegs erträgliches Leben ermöglicht haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Deshalb braucht es eine Antwort der gesamten Arbeiterklasse, die über einzelne Proteste hinausgeht. Es stellt sich die Frage nach einem politischen Generalstreik gegen die gesamte Kürzungspolitik der Merz-Regierung. Allein diese Maßnahme könnte die nötige Kraft dazu entfalten, diese massiven Kürzungspakete zu verhindern. Es ist daher die Verantwortung der DGB-Gewerkschaften und der Partei die Linke im Interesse aller Arbeiter einen harten Abwehrkampf in den Betrieben und auf der Straße zu organisieren und so einen Streik vorzubereiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Kampf der Psychotherapeuten gegen diese Angriffe kann nur von Erfolg gekrönt sein, wenn er Teil einer breiteren Bewegung aller Beschäftigten gegen die Merz-Regierung und ihre Angriffe wird. Das Wirksamste, was Psychotherapeuten dazu beitragen können, ist, ihre fachliche Autorität einzusetzen, um die gesellschaftlichen Folgen dieser Kürzungen öffentlich sichtbar zu machen. Sie müssen erklären, welche menschlichen Folgen längere Wartezeiten, Praxisschließungen und der Abbau psychotherapeutischer Versorgung haben werden. Gerade weil sie täglich erleben, wie psychisches Leid entsteht und welche Folgen ausbleibende Behandlung hat, kommt ihrer Stimme besonderes Gewicht zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig müssen sie aus ihrer fachlichen Erfahrung die politischen Schlussfolgerungen ziehen. Wer versteht, dass diese Kürzungen mehr Suizide, mehr Suchterkrankungen, mehr chronische Erkrankungen, mehr familiäre Krisen und eine weitere Überlastung des gesamten Gesundheits- und Sozialsystems zur Folge haben werden, kann sich nicht länger auf Appelle und Sozialpartnerschaft beschränken. Angesichts der barbarischen sozialen Folgen dieser Politik ist die Logik der Sozialpartnerschaft erschöpft. Notwendig ist ein entschlossener gemeinsamer Abwehrkampf der gesamten Arbeiterklasse. Deshalb sollten Psychotherapeuten sich öffentlich und wirksam dafür einsetzen, dass die Massenorganisationen der Arbeiterklasse – allen voran die Gewerkschaften – mit der Logik der Sozialpartnerschaft brechen und den Widerstand bis hin zu einem politischen Generalstreik organisieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber der Kampf endet nicht mit der Rücknahme dieses Gesetzes. Er braucht eine politische Perspektive. Denn jeder erfolgreiche Kampf gegen Sozialabbau wirft letztlich die Frage auf, wer über den gesellschaftlichen Reichtum entscheidet: die Banken und Konzerne oder die Arbeiterklasse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Deshalb treten wir Kommunisten dafür ein, dass der Widerstand gegen das Krankenkassenspargesetz mit den Kämpfen gegen Sozialabbau, Werksschließungen und Aufrüstung verbunden wird. &nbsp;So eine Bewegung würde logisch auf den Sturz der Merz-Regierung hinauslaufen und die Frage stellen, durch was für eine Regierung sie ersetzt werden sollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir sind überzeugt, dass die drängenden Probleme unserer Zeit nur auf Grundlage das Sozialismus gelöst werden können. Wir kämpfen deshalb für eine demokratisch geplante Wirtschaft, in der die großen Banken und Konzerne der demokratischen Kontrolle der Arbeiterklasse unterstehen und die gesellschaftlichen Ressourcen nach den Bedürfnissen der Mehrheit statt nach Profitinteressen eingesetzt werden. Erst auf dieser Grundlage kann Gesundheit aufhören, eine Ware zu sein. Mit der Überwindung von Armut und Ausbeutung werden die systemischen Wurzeln eines Großteils des psychischen Leids beseitigt. An die Stelle von Konkurrenz, Existenzangst und Vereinzelung treten Solidarität, soziale Sicherheit und die freie Entfaltung des Menschen. Für eine solche Gesellschaft kämpfen wir!</p>
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		<title>Indiens „Kakerlaken“ erheben sich: Kein Rückzug, bis Modi fällt!</title>
		<link>https://derkommunist.de/indiens-kakerlaken-erheben-sich-kein-rueckzug-bis-modi-faellt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ravi Mistry]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Aug 2026 12:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Asien]]></category>
		<category><![CDATA[Jugend]]></category>
		<category><![CDATA[Massenbewegung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Dieser Artikel wurde ursprünglich auf marxist.com am 29.07.2026 veröffentlicht. Indien hat gerade eine Woche erlebt, in der Jahrzehnte an Ereignissen stattfanden. Trotz brutaler Unterdrückung haben Massendemonstrationen, organisiert von der „Cockroach [&#8230;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Dieser Artikel wurde ursprünglich auf <a href="https://marxist.com/india-s-cockroaches-rise-no-retreat-until-modi-falls.htm">marxist.com</a> am 29.07.2026 veröffentlicht.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Indien hat gerade eine Woche erlebt, in der Jahrzehnte an Ereignissen stattfanden. Trotz brutaler Unterdrückung haben Massendemonstrationen, organisiert von der „Cockroach Janta Party“ (CJP), den Rücktritt des verhassten indischen Bildungsministers Dharmendra Pradhan erzwungen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Dies ist ein wichtiger und seltener Sieg, der im ganzen Land für Aufruhr gesorgt hat.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Doch gerade als sich Zehntausende darauf vorbereiteten, auf die Straße zu gehen, und Modi sowie die gesamte Regierung in völliger Panik versanken, stoppte die CJP die Proteste abrupt. Dies ist ein schwerwiegender Fehler, der die Gefahr birgt, den Sieg in den letzten Augenblicken noch zu verspielen.</p>

<h2 class="wp-block-heading">Die Generation Z wehrt sich</h2>

<p class="wp-block-paragraph">Die beispiellose „Cockroach”-Bewegung, angeführt von der Generation Z des Landes, hat die gesamte Nation in ihren Bann gezogen. Das ganze Land spricht über Politik. In den großen Städten wie Delhi, Mumbai und Kalkutta herrschte karnevalsähnliche Stimmung.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Sogar Bollywood-Superstars wie <a href="https://x.com/BeingSalmanKhan/status/2079980444469395837">Salman Khan</a> und Indiens größter Cricketspieler <a href="https://x.com/sachin_rt/status/2080307190221664539">Sachin Tendulkar</a> gaben vage Unterstützungsbekundungen für die studentischen Demonstranten ab.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Und das in einem Land, in dem Widerstand gegen die Regierung und ihren starken Mann Narendra Modi üblicherweise mit Verleumdungen, Zensur, Schlägen, Inhaftierung oder sogar dem Tod geahndet wird.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Ereignisse haben sich rasant entwickelt. Die „Cockroach Janta Party“ (CJP) wurde erst Mitte Mai gegründet, als Reaktion auf die Äußerungen des indischen Obersten Richters Surya Kant, der die arbeitslosen Jugendlichen des Landes als „Kakerlaken“ bezeichnet hatte.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Ihr Gründer Abhijeet Dipke kehrte Anfang Juni nach Indien zurück und begann, Kundgebungen abzuhalten. Gegen Ende Juni wurde am Jantar Mantar im Herzen von Lutyens’ Delhi ein Zeltlager errichtet.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Ihre Hauptforderung war der Rücktritt von Bildungsminister Dharmendra Pradhan, den sie für das Durchsickern der Prüfungsfragen für die anspruchsvolle NEET-Medizinprüfung verantwortlich machten, wodurch die Prüfung ungültig wurde und mindestens 17 Studierende in den Selbstmord getrieben wurden.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Aus Protest trat Sonam Wangchuk, ein bekannter Klimaaktivist und Ingenieur, in ein gandhisches Hungerstreik bis zum Tod ein. Er wurde am Samstag, dem 18. Juli, gewaltsam aus dem Zeltlager entfernt, was den <em>Sansad Chalo</em>-Marsch zum Parlament auslöste.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Bis zu hunderttausend Menschen nahmen an dem Marsch teil und wurden von der Polizei mit Lathi (Schlagstöcken), Tränengas und sogar <a href="https://theprint.in/india/raf-chief-admits-use-of-excessive-force-force-bars-pellet-guns-electric-shock-weapons-at-jantar-mantar/2996422/">Schrotflinten</a> empfangen. Die Bilder entsetzten das Land, insbesondere die Jugend.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Doch anstatt die Massen einzuschüchtern, entfesselte die Repression die aufgestaute Wut, die sich seit über einem Jahrzehnt aufgebaut hatte. Es entstanden unglaubliche Szenen, in denen Zehntausende junger Menschen in Indien auf die Straßen strömten und zeigten, dass sie keine Angst mehr hatten.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Diese Furchtlosigkeit gegenüber dem repressiven Staatsapparat wurde durch ein weit verbreitetes <a href="https://www.instagram.com/p/DbIFxm1xnLY/?utm_source=ig_embed&amp;ig_rid=AEQH9OL8wWjS9m5R6gqg3uh">Bild</a> verkörpert, das eine junge Frau zeigt, die vor einem mit festgenommenen Demonstranten gefüllten Polizeiwagen steht und sich weigert, zur Seite zu treten, bis diese freigelassen werden.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Andere virale Videos zeigen Demonstranten, die bei Lathi-Angriffen geschlagen werden und sofort wieder aufstehen. In Delhi wurden die rechtsextremen Schläger der RSS (<em>Rashtriya Swayamsevak Sangh</em>) von Studenten vertrieben, die Blumentöpfe warfen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Stimmung in der Bewegung war durchweg euphorisch und trotzig. Kreativität und Satire kamen voll zur Geltung. Junge Demonstranten veröffentlichten Reels mit Titeln wie „<a href="https://www.instagram.com/reels/DbG1ixuMSjI/">Machen wir uns bereit, von der Polizei in Mumbai festgenommen zu werden</a>“ oder verkleideten sich als Kakerlaken, Spider-Man, Iron Man, Batman und Superman.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Das Zeltlager wurde mit Lebensmitteln, Kleidung und Decken überschwemmt. Dipke (CJP) musste die Menschen öffentlich dazu auffordern, keine weiteren Hilfsgüter mehr zu schicken, weil sie schon zu viel hatten!</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.instagram.com/reels/DbH7vAWzDrp/">Ein virales Video</a> fängt die Stimmung wirklich gut ein. Es zeigt ein Interview mit einem jungen, weißen britischen Touristen aus London, der mitten in den Protesten in Delhi steht. Er erzählt, dass er mit Studenten gesprochen habe, die „gegen diese korrupte Regierung für ihre Bildung kämpfen“.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Er fährt fort:</p>

<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Nachdem ich so vielen Menschen zugehört habe, ihre Geschichten gehört habe … Modi versaut es allen, in diesem Land müsste alles in Ordnung gebracht werden … die Zensur in den Medien ist falsch … scheiß auf Modi.“</p>
</blockquote>

<p class="wp-block-paragraph">Seine Worte werden mit Jubelrufen und Beifall quittiert, als hätte er ein Tor bei der Weltmeisterschaft geschossen.</p>

<h2 class="wp-block-heading">Der starke Mann beugt sich</h2>

<p class="wp-block-paragraph">Amit Shah, der Innenminister und Chef der Polizei von Delhi, ist ein gnadenloses Monster, das als noch brutaler gilt als Modi. Als er den Marsch auf das Parlament sah, setzte er brutale Repressionen ein, um das Lager zu zerstören und die „Kakerlaken“ zu zerschlagen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Das war nichts Ungewöhnliches. Doch die trotzige und wütende Reaktion der „Kakerlaken“ alarmierte die BJP-Führung und führte zu gegenseitigen Schuldzuweisungen. Einige BJP-Führer plädierten für mehr Repression, andere dafür, die Demonstranten zu beschwichtigen. Letztendlich taten sie beides.</p>

<p class="wp-block-paragraph">So wurden beispielsweise in Mumbai 300 Strafanzeigen (FIRs) und Verbotsverfügungen gegen Demonstranten erlassen. Gleichzeitig appellierte die Zentralregierung direkt an Sonam, <a href="https://indianexpress.com/article/political-pulse/sonam-wangchuk-ends-fast-government-assurance-talks-10801849/">seinen Hungerstreik zu beenden</a>, und bis Freitag hatte das Kabinett in Eilverfahren zehnjährige Haftstrafen und Geldstrafen von bis zu 10 Crore Rupien (etwas über 1 Million US-Dollar) für die Beamten beschlossen, die für die Durchsickern der Prüfungsunterlagen verantwortlich waren.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Dennoch nahmen die Proteste weiter zu. In den großen Städten wie Mumbai, Pune, Kolkata, Bengaluru, Indore und Jaipur strömten Tausende und Abertausende auf die Straße. Auch in den Heimatstädten von Modi und Shah, Ahmedabad und Gandhinagar, versammelten sich die Menschen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Noch bedeutender war, dass am Freitag die <a href="https://x.com/ramanmann1974/status/2080704173214187546">Bauernvereinigung versprach, zum Protestlager zu marschieren</a> und dort zu bleiben, bis die Forderungen der Demonstranten erfüllt seien. Die Bauern selbst hatten Modi zuvor eine Niederlage zugefügt, als sie ihn 2021 zwangen, sein reaktionäres Agrargesetz zurückzuziehen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Das ist der Schlüssel zu den Zugeständnissen, die die Studierenden Modi abgerungen haben: Er und sein Regime hatten panische Angst vor der Aussicht, dass andere Schichten &#8211; darunter die Bauern und breite Schichten der ausgebeuteten Massen &#8211; in den studentischen Kampf hineingezogen würden. Auch einzelne Jugendliche in kleineren Städten begannen, spontan aktiv zu werden.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Genau das geschah in Bangladesch: Die Bewegung begann mit Protesten kleinbürgerlicher Jugendschichten, weitete sich aber schnell aus und zog viel breitere, wütende Schichten der Massen mit ein, die über die brutale Unterdrückung dieser mutigen und aufständischen jungen Menschen empört waren.</p>

<p class="wp-block-paragraph"><em>The Indian Express</em> <a href="https://indianexpress.com/article/political-pulse/dharmendra-pradhans-exit-what-changed-in-48-hours-concerns-over-house-washout-larger-protests-10803739/">berichtete</a>, dass Modi in den letzten 48 Stunden vor dem Rücktritt von Dharmendra Pradhan die direkte Kontrolle über die Reaktion übernommen habe. Modi veröffentlichte ein verzweifeltes, persönliches Video, um die Demonstranten zu beschwichtigen, gefolgt von <a href="https://www.instagram.com/p/DbLyA8tIo7x/">einem zweiten</a> am Freitagabend um 23:00 Uhr. Hochrangige BJP-Funktionäre verfolgten die Reaktionen aufmerksam. Doch letztendlich verschärfte dies die Situation nur noch weiter. Kommentare wie „Pack deine Koffer“ und Memes mit Modis Gesicht verspotteten einen Mann, der einst gefürchtet war.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Am Freitagabend bereitete sich Pradhan noch immer auf die parlamentarischen Fragestunden vor. Doch die Lage geriet zunehmend außer Kontrolle. Die Gespenster von Rajapaksa und Sheikh Hasina (den Tyrannen, die durch die Revolutionen der Generation Z in Sri Lanka und Bangladesch gestürzt wurden) verfolgten Modi. Doch er hat auch aus ihren Fehlern gelernt: Es ist besser, etwas nachzugeben, als zu riskieren, dass ein Jugendprotest revolutionäre Ausmaße annimmt.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Eine hochrangige BJP-Quelle <a href="https://indianexpress.com/article/political-pulse/dharmendra-pradhans-exit-what-changed-in-48-hours-concerns-over-house-washout-larger-protests-10803739/">sagte</a>, es seien „nicht mehr viele Optionen“ übrig geblieben. Und so gab Modi nach.</p>

<h2 class="wp-block-heading">Ein Fehler, die Proteste abzubrechen</h2>

<p class="wp-block-paragraph">Dharmendra Pradhans Rücktritt ist erst <em>der zweite</em> Ministerrücktritt aufgrund von Protesten während Modis zwölfjähriger Amtszeit, und der vorherige stellte keine existenzielle Bedrohung für die Herrschaft der gesamten Regierung dar.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Die wahre Bedeutung dieses Zugeständnisses liegt darin, dass die „Kakerlaken“ gezeigt haben, dass Modi <em>nicht </em>unbesiegbar ist. Der „starke Mann“ wurde gezwungen, eine Portion Demut zu schlucken.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Daher herrschte nach der Nachricht von Pradhans Rücktritt am Samstag pure Euphorie. Das Video von Dipkes erster<a href="https://www.instagram.com/reel/DbNcw7sTUFQ/"> Reaktion auf die Nachricht von seinem Rücktritt</a> hat auf Instagram fast 150 Millionen Aufrufe. Durch diesen Erfolg haben Dipke und die CJP enorm an Autorität gewonnen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Doch die CJP versprach daraufhin sofort, die Proteste im „guten Glauben“ gegenüber der BJP zu beenden. Wir müssen uns absolut im Klaren sein: <strong><em>das war ein großer Fehler.</em></strong></p>

<p class="wp-block-paragraph">Dies hat Verwirrung gestiftet, zu einer Zeit, als Modi und seine gesamte Regierung in der Krise steckten und Zehntausende junger Menschen in Städten außerhalb von Delhi gerade erst begonnen hatten, sich zu mobilisieren.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Pradhan wurde durch jemanden ersetzt, der noch schlimmer ist: Pralhad Joshi. Er ist ein RSS-Ideologe, der dafür verantwortlich ist, dass elf Männer freigelassen wurden, die lebenslange Haftstrafen verbüßten, weil sie Bilkis Bano vergewaltigt und ihre Familie bei den Pogromen in Gujarat 2002 ermordet hatten &#8211; die selbstverständlich von Narendra Modi selbst inszeniert wurden.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Führung der CJP, darunter Dipke, Saurav Das und Ashutosh Ranka, besteht aus reinen Zufallsfiguren. Sie wurden einfach deshalb an die Spitze der Bewegung katapultiert, weil sie zur richtigen Zeit das Richtige gesagt haben. Ihr „Kakerlaken“-Slogan begann als Scherz, fand aber starken Anklang bei den Millionen Indern, die die Verachtung spüren, die von der herrschenden Klasse ausgeht.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Diese Führungskräfte sind keine erfahrenen Aktivisten, geschweige denn Revolutionäre oder Marxisten. Sie alle haben vor nicht allzu langer Zeit renommierte Universitäten im Westen besucht, und die beiden Letzteren hatten relativ komfortable Jobs in der Mittelschicht. Sie scheinen, offen gesagt, schockiert und verängstigt von dem, was sie ausgelöst haben!</p>

<p class="wp-block-paragraph">Ihre Haltung ist verwirrend, was sich in Slogans wie „<em>Jai Bhim</em>“ („Heil Ambedkar“, dem liberalen Dalit, der die indische Verfassung verfasste) und „<em>Bande Mataram</em>“ (ein nationalistischer Ruf an das Mutterland) zeigt. Sie haben die Menschen auch davon abgehalten, „<em>Aazadi</em>“ (Freiheit) zu rufen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Damit lassen -sich ihre äußerst begrenzten Forderungen erklären: nur einen Minister zu entlassen und Entschädigungen für diejenigen zu fordern, die nach den NEET-Prüfungen Selbstmord begangen haben.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Vor allem aber erklärt es <em>ihr Vertrauen in den indischen Staat</em>, in die Polizei, den Obersten Gerichtshof, die „parlamentarische Opposition“ und die indische Verfassung.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Sie tasten sich empirisch durch die Ereignisse. Sie verstehen nicht wirklich, wie es ihnen gelungen ist, den Rücktritt von Dharmendra Pradhan zu erzwingen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Letztendlich fehlt den Führern der CJP eine revolutionäre Perspektive. Wir müssen fragen: Sind diese Menschen geeignet, einen Kampf auf Leben und Tod gegen das Modi-Regime zu führen, hinter dem das noch mächtigere „Billionaire Raj” steht?</p>

<p class="wp-block-paragraph">Im Vergleich dazu sind Narendra Modi und die BJP-Regierung <em>äußerst klassenbewusst</em>.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Sie haben erkannt, dass die eigentliche Bedrohung für ihre Herrschaft weniger von den Studierenden selbst ausging, sondern vielmehr von der Gefahr, dass sich die Bauernbewegung mit der Studierendenbewegung verbünden könnte und dass andere Bevölkerungsschichten diesem Beispiel folgen könnten. Sie haben erkannt, dass die Gefahr in den immer wieder aufkommenden Menschenmassen lag. Sie haben den Sturz von Hasina und Rajapaksha miterlebt. Sie erkennen, dass in Indien &#8211; einem Pulverfass &#8211; im Grunde ähnliche Bedingungen herrschen und dass die Studentenbewegung wie ein Funke auf diesem Zündstoff wirken könnte.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Modi gab nicht aus Angst vor der „Kakerlaken“-Bewegung selbst nach, sondern weil die Bewegung drohte, außer Kontrolle zu geraten und das gesamte Regime zu stürzen. Er ist nun darauf aus, durch Repression Verwirrung und Angst zu säen. Und Modi hat keine Skrupel, seine „Versprechen“ zurückzunehmen, die schönen Worte der Verfassung außer Kraft zu setzen, seine RSS-Schläger einzusetzen, um die Opposition zu verprügeln, oder die Staatsmacht zu missbrauchen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Nachdem er den Obersten Richter durch das Angebot von Pradhans Rücktritt zum Rückzug bewegt hatte, handelt er nun entschlossen und ungestraft, um die fortschrittlichsten und radikalsten Elemente der Bewegung zu isolieren und an ihnen ein Exempel zu statuieren.</p>

<h2 class="wp-block-heading">Weitsicht statt Überraschung</h2>

<p class="wp-block-paragraph">Was wir letzte Woche erlebt haben, war für Marxisten völlig vorhersehbar, angesichts der ähnlichen Bedingungen in anderen Ländern, die von Gen-Z-Revolutionen erfasst wurden, wie Sri Lanka, Bangladesch und Nepal.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Dürfen wir unsere Leser an <a href="https://marxist.com/the-gen-z-revolutions-india-next.htm">unseren Beitrag</a> vom 3. Oktober letzten Jahres erinnern:</p>

<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Die gleichen Bedingungen, die die Gen-Z-Bewegung ausgelöst haben, bestehen auch in Indien. Und um es noch einmal zu betonen: Wenn der revolutionäre Funke in Indien überspringt, wird dies weitreichendere Folgen haben als jede der Bewegungen, die wir in der jüngeren Vergangenheit gesehen haben.“</p>
</blockquote>

<p class="wp-block-paragraph">Wir haben keine Kristallkugel und können nicht mit Sicherheit sagen, wohin die Bewegung führt. Doch seit dem Ende der Proteste hat Modi keine Zeit verloren, repressive Maßnahmen zu ergreifen. Es gibt <a href="https://x.com/DrSauceX/status/2081378788701884836">Berichte über Hunderte</a> von studentischen Demonstranten, die in Bihar und Westbengalen unter strafrechtlichen Vorwürfen festgenommen wurden. Auch regierungsfeindliche Graffiti werden <a href="https://x.com/mariakhan_11/status/2081417759397957843">übermalt</a>.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Pro-Modi-Zellen <a href="https://x.com/choga_don/status/2081583626794229844">verbreiten Propaganda</a>, wonach die Führung der CJP in Fünf-Sterne-Hotels feiere und völlig realitätsfern sei. Es gibt Berichte, dass regierungskritische Inhalte in den sozialen Medien <a href="https://x.com/internetfreedom/status/2081728430316339593">online gelöscht werden</a> und dass RSS-Schläger sich ermutigt fühlen, bekannte „Kakerlaken“ auf offener Straße anzugreifen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Modi rüstet wieder auf. Gleichzeitig könnte er es aber auch übertreiben. Unter dem Druck dieser neuen Welle der Repression sah sich die CJP-Führung <a href="https://x.com/CJP_for_India/status/2081745469844398348">gezwungen zu erklären, dass sie die Proteste wieder aufnehmen werde</a>, sollten die Festgenommenen nicht freigelassen werden.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Im Shivaji-Park in Mumbai versammelten sich am Tag <em>nach </em>der einseitigen Beendigung des Protestaufrufs Tausende, um zu feiern, und <a href="https://x.com/AbhiBaakiHai/status/2081274782562320441">skandierten</a>: „<em>Modi, Amit Shah</em>…<em> Abhi Baaki Hai</em>!“ („Modi und Amit Shah sind noch da!“). Offensichtlich sind einige der „Kakerlaken“ bereit, viel weiter zu gehen als die Führung.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Lage ist sehr unbeständig, und es mangelt nicht an Zündstoff, der die Bewegung auf einer noch höheren Ebene wieder entfachen könnte. Die Tatsache, dass die CJP-Führer versuchen, die Bewegung auf die einzige Forderung nach der Absetzung von Pradhan zu beschränken, deutet darauf hin, dass sie im Grunde nicht verstehen, warum sie gewonnen haben. Sie haben aus Angst, die Bewegung könnte zu etwas viel Größerem eskalieren, ein begrenztes Zugeständnis errungen. Sobald die Bewegung jedoch abebbt und Modi im Amt bleibt, wird das Regime auf Rache aus sein.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Wie sich das alles von nun an entwickelt, wird von den Ereignissen bestimmt werden. Die „Kakerlaken“ gießen Öl ins Feuer einer ohnehin schon brisanten Lage &#8211; der Iran-Krieg, Trumps Zölle gegen Indien, die Tötung indischer Seeleute durch die USA in der Straße von Hormus, die nationale Frage in Kaschmir, anhaltende Spannungen in Manipur, Bauernproteste gegen das Handelsabkommen zwischen den USA und Indien, grassierende Arbeitslosigkeit unter Hochschulabsolventen usw.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Der Rückschlag, den Modi im Krieg mit Pakistan erlitten hat, hat ihn ernsthaft geschwächt. Unterdessen verschlechtern sich die Lebensbedingungen der Massen zusehends. Die mächtige indische Arbeiterklasse, die zwar stark ausgebeutet, aber äußerst mächtig ist, beobachtet all dies, hat sich jedoch noch nicht in Bewegung gesetzt. Doch die Tatsache, dass das Regime selbst privilegierte Schichten von Studierenden als „Kakerlaken“ betrachtet, dass auch diese Studierenden mit Not und Arbeitslosigkeit konfrontiert sind und dass sie in der Lage sind, zu kämpfen <em>und zu gewinnen &#8211;</em> all das muss den Arbeitern Stoff zum Nachdenken geben.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Wir können mit Zuversicht sagen, dass es in Indien keinen Mangel an revolutionärem Potenzial gibt.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Und wir dürfen auch nicht vergessen, welch tiefgreifenden Einfluss diese Woche auf die indische Jugend hatte. Die 15- bis 29-Jährigen <a href="https://www.ft.com/content/71bbe9fd-e1cb-4e28-8edb-f319032139c4?syn-25a6b1a6=1">stellen eine größere Bevölkerungsgruppe dar</a> als die gesamten Vereinigten Staaten von Amerika. Sie sind in einer Welt aufgewachsen, in der sie nur einen Führer kannten, den sie für allmächtig hielten und die Kosten von Widerstand und offenem Auftreten zu spüren bekamen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Sie beginnen, ihre Angst zu verlieren. Es gibt immer mehr Risse in der Fassade, doch sie ist noch nicht vollständig zusammengebrochen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Diese Ereignisse beweisen, wie entscheidend Führung in der Stunde der Wahrheit ist. Das Fehlen einer revolutionären Führung bleibt eine grundlegende Schwäche all der gewaltigen Bewegungen, die Südasien in den letzten Jahren erfasst haben.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Indien ist <em>das</em> Schlüssel-Land auf dem Subkontinent. Wir haben bisher nur einen kleinen Einblick in das revolutionäre Potenzial gewonnen, das in der indischen Gesellschaft schlummert. Dies wird kein einmaliges Ereignis bleiben.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Wir haben eine einfache Botschaft an jene „Kakerlaken“, die über die voreilige Demobilisierung ihrer Führung frustriert sind und sich gegen Modis hartes Durchgreifen wehren wollen:</p>

<ul class="wp-block-list">
<li><em>Kein</em> Kompromiss mit der BJP!</li>

<li><em>Unbefristete </em>Proteste, bis Modi zurücktritt!</li>

<li><em>Unbefristete </em>Proteste, bis die gesamte BJP-Regierung und das von ihr verteidigte System hinweggefegt sind!</li>

<li><em>Sieg</em> für die indische Jugend, die Arbeiter und die Bauern!</li>

<li>Wir haben eine Welt zu gewinnen!</li>
</ul>
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