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	<title>Strategie &amp; Organisation Archives -</title>
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	<title>Strategie &amp; Organisation Archives -</title>
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		<title>Linkspartei Berlin will „Rote Metropole“: Liverpool der 80er birgt relevante Lehren</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Caspar Müller]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Apr 2026 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
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		<category><![CDATA[Strategie & Organisation]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Linkspartei steuert in den kommenden Berlin-Wahlen das Rote Rathaus an und will damit an ihrem Erfolg bei der Bundestagswahl 2025 anknüpfen. Ihr Wahlkampfslogan lautet: „Berlin zurückerobern – für eine [&#8230;]</p>
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<p>Die Linkspartei steuert in den kommenden Berlin-Wahlen das Rote Rathaus an und will damit an ihrem Erfolg bei der Bundestagswahl 2025 anknüpfen. Ihr Wahlkampfslogan lautet: „Berlin zurückerobern – für eine Rote Metropole“ und soll dem Beispiel von New Yorks neuem Bürgermeister Zohran Mamdami folgen.</p>



<p>Schon einmal 2001 warb der damalige Fraktionsvorsitzende Harald Wolf mit der „roten Zukunft“ Berlins. Die Partei ging daraufhin in eine Regierung mit der SPD, in der sie Spar- und Privatisierungsmaßnahmen mittrug. Als 2021 der Volksentscheid „Deutsche Wohnen und Co. enteignen“ von 58% der Berliner befürwortet wurde und der Linkspartei erneut in die Regierung verhalf, führte sie das Anliegen der Berliner zusammen mit SPD und Grüne in eine bürokratische Sackgasse. Die Forderung einer „Roten Metropole“ darf sich daher nicht wieder im Parlamentarismus verflüchtigen, sondern muss im Klassenkampf errungen werden.</p>



<p>Sollte die Linkspartei anstreben, die Regierung in der Stadt zu übernehmen, wird sie sich mit einem gewaltigen Haushaltsloch konfrontiert sehen, das der Schwarz-Rote Senat hinterlassen hat. „Für eine Rote Metropole“ heißt diesem Druck zu Kürzungen den Kampf bereiten – gegen die Immobilienhaie, gegen die Finanz-Heuschrecken in der Stadt und gegen die Merz-Regierung. Ein Beispiel der Geschichte zeigt uns, wie so ein Kampf aussehen kann.</p>



<p>1979 wurde Margaret Thatcher von der konservativen Tory-Partei Großbritanniens Premierministerin. Die Bourgeoisie beauftragte sie mit der gleichen Aufgabe wie heute Friedrich Merz: Schocktherapie gegen die Arbeiterklasse und Wiederherstellung der Profite fürs Kapital. Während ein Großteil der Linken die Thatcher-Jahre als allgemeinen Rechtsruck der britischen Politik in Erinnerung behält, wird oft der tapfere Widerstand der Massen gegen die „Eiserne Lady“ ausgeblendet.</p>



<p>Eine Stadt, die besonders schwer unter der Privatisierungs- und Demontagewelle litt, die seit den 1970ern über das Land zog, war Liverpool. An der gesamten Merseyside wurden 25% der Jobs durch die Offensive des Kapitals zerstört, im Fertigungssektor 61%, jeder Fünfte hatte keine Arbeit, in einigen Vierteln sogar jeder Dritte, mit einer Jugendarbeitslosigkeit von bis zu 90%. Die Bevölkerungszahl sank um ein Drittel und der Ausverkauf der Stadt an private Investoren führte zu einem massiven Rückgang in den öffentlichen Ausgaben. Zwischen 1979 und 1983 kürzte die Zentralregierung 270 Millionen Pfund an staatlichen Zuschüssen und stopfte sie direkt in die Taschen der Kapitalisten, die für die katastrophale Lage verantwortlich waren.</p>



<p>Während die sozialdemokratische Labour-Partei auf nationaler Ebene unter Thatchers Diktat zusammenbrach und ihre Angriffe mittrug oder duldete, organisierte die Liverpooler Labour-Partei unter der revolutionären Führung der „Militant Tendency“ die Arbeiterklasse zur Gegenwehr. Mit einer klassenkämpferischen Wahlkampagne gegen Thatcher und die Kürzungen errang Labour unter „Militant“ bei den Wahlen 1982 einen historischen Sieg und ergriff nur ein Jahr später auf der Welle eines stadtweiten Generalstreiks gegen die Privatisierungen die absolute Mehrheit im Stadtrat. „Militant“ versprach einen Stopp der Kürzungen und Entlassungen und forderte die Regierung zum Kampf heraus.</p>



<p>Inmitten des industriellen Niedergangs setzte der Liverpooler Stadtrat auf der Grundlage eines marxistischen Programms umgreifende Reformen durch, die mit einem „illegalen“ Defizithaushalt finanziert werden sollten. Unter dem Slogan „Besser das Gesetz brechen als die Armen“ schuf der Stadtrat mehr als 6.000 neue Arbeitsplätze und reduzierte die Wochenarbeitszeit auf 35 Stunden. Wo vorher heruntergekommene Hochhäuser standen, wurden 5.000 neue Wohnungen gebaut. Dazu kamen sechs Krankenhäuser, fünf Sportzentren und 17 neue Schulen, begleitet von einer Reform des Bildungs- und Sozialwesens.</p>



<p>Der Kampf um den Haushalt war mehr als nur eine parlamentarische Angelegenheit. Ihm lag das neue Selbstbewusstsein der Arbeiterklasse zu Grunde. Mit dem Streik der britischen Bergarbeiter im Rücken verteidigte sie ihre Stadt gegen Thatcher und ging in die Offensive. Ganz Liverpool war elektrifiziert von politischem Elan. Alte Spaltungslinien zwischen Herkunft oder Geschlecht traten vor dem gemeinsamen Kampf in den Hintergrund. Selbst tiefe Feindschaften wie zwischen den Fans der rivalisierenden Fußballclubs Everton FC und Liverpool FC wurden überwunden. Vor dem Derby im Milk Cup Finale 1984 besangen sie gemeinsam ihren Stadtrat und forderten „Maggie, Maggie, Maggie – Raus, Raus, Raus“.</p>



<p>Die Straßen von Liverpool erlebten in den Jahren 1983-87 unzählige Massenaktionen und mehrere Generalstreiks. An der parlamentarischen Front gewann Labour unter „Militant“ trotz gewaltigen medialen Hetzkampagnen und politischen Repressionen von Jahr zu Jahr an Stimmen, wobei die Wahlbeteiligung für lokale Wahlen mit über 50% und 80% in der Arbeiterklasse ungewöhnlich hoch war. Während landesweit der Reformismus in der Labour-Partei dominierte und den Torys kampflos das Feld überließ, bewies „Militant“, dass Labour mit einem revolutionären Programm, das die Arbeiterklasse in Bewegung setzte, die Macht der Konservativen und der Kapitalisten brechen konnte. Das Gewicht der Massen konnte den sonst scheinbar rigorosen Torys in Liverpool mehr als 60 Millionen Pfund abringen, die „Militants“ Sozialprogramm mitfinanzierten. In den 4 Jahren des revolutionären Stadtrats war Liverpool tatsächlich eine rote Metropole.</p>



<p>Doch eine rote Metropole kann sich in einem Meer der Privatwirtschaft nicht ewig halten. Wenn die Massen nicht national die Macht ergreifen, den Staat zerschlagen und selbst die Kontrolle über Wirtschaft und Finanzen übernehmen, kann kein Reformprojekt überleben. Eine solche Möglichkeit hätte in Großbritannien existiert. In anderen Labour-geführten Städten bildete sich ebenfalls Widerstand gegen die Kürzungen, doch statt den Kampf wie in Liverpool kämpferisch zu führen, wurde er von den Reformisten aufgegeben.</p>



<p>Der neue Labour-Führer Neil Kinnock bewies sich als Zwangsvollstrecker der Bourgeoisie innerhalb der Partei und wetterte in einer Hexenjagd drakonisch gegen die „Militant“-Leute, die er unter Jubel der bürgerlichen Presse des „grotesken Chaos“ beschuldigte. Die Führer von „Militant“ wurden schließlich trotz einer mehrheitlichen Unterstützung in der Basis und unvergleichbarer elektoraler Mehrheiten aus der Partei ausgeschlossen und Liverpools Stadtrat von der Regierung wegen des illegalen Budgets suspendiert, was den Beginn einer fortwährenden Degeneration Labours einläutete.</p>



<p>Der Fall Liverpool beweist, dass eine rote Metropole mehr sein kann als eine Utopie. Unter dem Druck des Klassenkampfs kann die herrschende Klasse selbst in Zeiten der Offensive geschlagen werden. Die entscheidende Stellschraube dafür ist jedoch ein Programm, das die Arbeiterklasse mobilisiert und Spaltungen durchbricht. Dieses Programm muss revolutionär sein und die Ohnmacht des Reformismus, die in Liverpool letztlich zur Niederlage führte, zersprengen. Wer sich nicht traut, die Eigentumsfrage zu stellen und den Arbeitern landesweit zur Macht zu verhelfen, wird nur rote Zahlen verwalten. Eine rote Zukunft kann nur im Kampf gegen die Kapitalisten und ihre Diener in den Partei- und Staatsapparaten errungen werden.</p>



<p></p>
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		<title>GegenStandpunkt: Ohnmacht statt Klassenkampf</title>
		<link>https://derkommunist.de/gegenstandpunkt-ohnmacht-statt-klassenkampf/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Julius Scheffler]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Apr 2026 12:02:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Empfohlen]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Marxismus]]></category>
		<category><![CDATA[Theorie]]></category>
		<category><![CDATA[GSP]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik]]></category>
		<category><![CDATA[Staatstheorie]]></category>
		<category><![CDATA[Strategie & Organisation]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Krise des Kapitalismus radikalisiert immer größere Teile der Jugend, die nach revolutionären Antworten suchen – oft zuerst im Internet. Schnell stoßen sie auf verschiedenen Plattformen auf Ideen, die in [&#8230;]</p>
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<p>Die Krise des Kapitalismus radikalisiert immer größere Teile der Jugend, die nach revolutionären Antworten suchen – oft zuerst im Internet. Schnell stoßen sie auf verschiedenen Plattformen auf Ideen, die in marxistischer Terminologie präsentiert werden, aber zentrale Positionen von Marx und Engels in ihr Gegenteil verkehren.</p>



<p>Ein bekannter Urheber dieses Phänomens ist die Gruppe rund um die Zeitschrift <em>GegenStandpunkt</em> (GSP). Diese führt seit 1992 die Tradition der aufgelösten <em>Marxistischen Gruppe</em> (MG) fort. Eine Frage, in der sie besonders für Verwirrung sorgt und in der sich gleichzeitig die ganze Schädlichkeit ihrer Methode und Philosophie widerspiegelt, ist die des bürgerlichen Staats.</p>



<p><strong>Marxismus und der Staat</strong></p>



<p>Im Vorwort „<em>Zur Kritik der Politischen Ökonomie</em>“ schreibt Karl Marx:</p>



<p>„In der gesellschaftlichen Produktion ihres Lebens gehen die Menschen bestimmte, notwendige, von ihrem Willen unabhängige Verhältnisse ein, Produktionsverhältnisse, die einer bestimmten Entwicklungsstufe ihrer materiellen Produktivkräfte entsprechen. Die Gesamtheit dieser Produktionsverhältnisse bildet die ökonomische Struktur der Gesellschaft, die reale Basis, worauf sich ein juristischer und politischer Überbau erhebt, und welcher bestimmte gesellschaftliche Bewußtseinsformen entsprechen. Die Produktionsweise des materiellen Lebens bedingt den sozialen, politischen und geistigen Lebensprozeß überhaupt.“</p>



<p>Einen zentralen Bestandteil dieses gesellschaftlichen Überbaus bildet in jeder Klassengesellschaft der Staat. Die Produktionsweise setzt ihm wiederum Schranken, wie weit er sich ausprägen kann. Denn seine Einrichtungen und Bediensteten müssen aus dem Überschuss finanziert werden, den eine Gesellschaft produziert.</p>



<p>In „<em>Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats</em>“ erklärt Engels:</p>



<p>„[Der Staat] ist (&#8230;) ein Produkt der Gesellschaft auf bestimmter Entwicklungsstufe; er ist das Eingeständnis, daß diese Gesellschaft sich in einen unlösbaren Widerspruch mit sich selbst verwickelt, sich in unversöhnliche Gegensätze gespalten hat, die zu bannen sie ohnmächtig ist. Damit aber diese Gegensätze, Klassen mit widerstreitenden ökonomischen Interessen, nicht sich und die Gesellschaft in fruchtlosem Kampf verzehren, ist eine scheinbar über der Gesellschaft stehende Macht nötig geworden, die den Konflikt dämpfen, innerhalb der Schranken der ‚Ordnung‘ halten soll; und diese, aus der Gesellschaft hervorgegangene, aber sich über sie stellende, sich ihr mehr und mehr entfremdende Macht ist der Staat.“</p>



<p>Und er ergänzt:</p>



<p>„Da der Staat entstanden ist aus dem Bedürfnis, Klassengegensätze im Zaum zu halten, da er aber gleichzeitig mitten im Konflikt dieser Klassen entstanden ist, so ist er in der Regel Staat der mächtigsten, ökonomisch herrschenden Klasse, die vermittelst seiner auch politisch herrschende Klasse wird und so neue Mittel erwirbt zur Niederhaltung und Ausbeutung der unterdrückten Klasse.“</p>



<p>Für die meisten Klassengesellschaften ist es offensichtlich, dass der Staat ein Werkzeug der herrschenden Klasse ist. Aber auch in der demokratischen Republik erhalten die Kapitalisten aktiv ihre politische Macht aufrecht. Engels erklärt:</p>



<p>„[D]ie demokratische Republik weiß offiziell nichts mehr von Besitzunterschieden. In ihr übt der Reichtum seine Macht indirekt, aber um so sicherer aus. Einerseits in der Form der direkten Beamtenkorruption, wofür Amerika klassisches Muster ist, andrerseits in der Form der Allianz von Regierung und Börse, die sich um so leichter vollzieht, je mehr die Staatsschulden steigen und je mehr Aktiengesellschaften nicht nur den Transport, sondern auch die Produktion selbst in ihren Händen konzentrieren und wiederum in der Börse ihren Mittelpunkt finden.“</p>



<p><strong>Marxismus auf den Kopf gestellt</strong></p>



<p>Wir haben gesehen, dass der Staat bei Marx und Engels ein historisches Produkt des Klassenkampfes ist und vor allem deshalb als bewaffnete Formation benötigt wird, damit die herrschende Klasse ihre Interessen durchsetzen kann. Die Theoretiker des GSP lehnen diesen historisch-materialistischen Zugang ab. Für sie ist der bürgerliche Staat ein Herrschaftsverhältnis, welches sich aus sich selbst heraus erhält. Demnach sei es der Staat, der der Gesellschaft den Kapitalismus aufzwinge, indem er seine bürgerliche Rechtsordnung durchsetze.</p>



<p>In „<em>Der bürgerliche Staat</em>“ schreibt Karl Held (ehem. Chefredakteur GSP) dazu, dass „der Staat seine Bürger durch die Unterwerfung unter das Gesetz zwingt, sich als Privateigentümer zu erhalten“. Gleichzeitig, so Held, wollen „sie [&#8230;] die staatliche Herrschaft, weil sie ihren Sonderinteressen nur nachgehen können, indem sie von ihnen auch abstrahieren. Der bürgerliche Staat ist also die Verselbständigung ihres abstrakt freien Willens.“</p>



<p>Für den GSP bestehen die „Sonderinteressen“ dabei nicht in den objektiven Klasseninteressen, sondern beziehen sich auf die jeweilige Einkommensquelle des Individuums. Das heißt: Um sich zu erhalten, muss der Arbeiter seine Arbeitskraft an einen Kapitalisten verkaufen. Doch damit dieser ihm am Ende des Monats nicht den Lohn verweigert, braucht der Arbeiter eine gesellschaftliche Macht, die ihm die Durchsetzung seines Anspruchs garantiert. Deshalb wolle er die staatliche Herrschaft und das ist, was Held mit der „Verselbstständigung ihres abstrakt freien Willens“ meint. Gleiches gelte natürlich auch für den Unternehmer, den Vermieter und den Großaktionär.</p>



<p>In dieser Darstellung wird der Staat von einem Produkt der Klassengegensätze zu dem Produkt eines bestimmten Bewusstseins von Individuen in Bezug auf ihre Privatinteressen, die der Staat gleichzeitig erst erzeugt. Aus dieser idealistischen Logik folgt für den GSP schließlich, dass nicht die Klassen, sondern der Staat das eigentliche „Subjekt der Ökonomie“ ist.</p>



<p>Laut GSP müsse die Kapitalistenklasse keine aktive Kontrolle über den Staat ausüben und tue dies auch nicht, da dieser ohnehin ein eigenes Interesse am Erfolg und Wachstum der kapitalistischen Wirtschaft habe, da hierdurch mehr Steuereinnahmen generiert und dadurch seine eigene Handlungssouveränität bzw. „Finanzfreiheit“ gesichert würden.</p>



<p>Der GSP leugnet also nicht, dass der bürgerliche Staat ein Klassenstaat ist, der seine Politik im Interesse der Kapitalistenklasse treibt. Er erklärt jedoch, dass er dies aus einem eigenständigen Interesse heraus tut. Und so harmlos diese Theorie auf den ersten Blick wirken mag, so verheerend sind ihre Auswirkungen, wenn man sie zum Ausgangspunkt einer revolutionären Strategie macht.</p>



<p><strong>Was du „erkämpfst“, hat der Staat gewollt</strong></p>



<p>Ausgehend von seiner Staatstheorie münzt der GSP jede historische Errungenschaft des Klassenkampfes zu einer bewussten Herrschaftsausübung des bürgerlichen Staates um. So sind Wahlen für den GSP bloß die beste Art, wie der Staat dafür sorgt, dass sich niemand gegen ihn auflehnt. Wer bei diesen Wahlen an die Macht kommt, sei ohnehin egal, da jede Regierung wiederum gezwungen sei, für den Erfolg der kapitalistischen Wirtschaft einzutreten.</p>



<p>Doch ein Blick in die Geschichte zeigt uns, dass diese Darstellung falsch ist. Die ersten bürgerlichen Revolutionen führten nicht das allgemeine Wahlrecht, sondern das Zensuswahlrecht ein. Dabei hatten nur Männer, die sich die Zahlung einer bestimmten Steuer leisten konnten oder einen größeren Grundbesitz hatten, das aktive Wahlrecht. Die Einführung des allgemeinen Wahlrechts war kein „Willensakt des Staates“, sondern eine Folge der sich verändernden Kräfteverhältnisse zwischen den Klassen.</p>



<p>Denn im 19. Jahrhundert wuchs die Arbeiterklasse zu einer bedeutenden Kraft heran. Sie formierte sich in Gewerkschaften und den ersten Arbeiterparteien und trat politisch eigenständig auf. Zuvor hatte sich die Bourgeoisie Freiheit und Gleichheit auf die Fahne geschrieben, um damit die proletarischen und bäuerlichen Massen für ihre Sache zu gewinnen. Diesen Teil der historischen Gleichung betont auch der GSP. Doch bleiben für ihn deshalb Freiheit und Gleichheit Ideale, die in jedem Fall die kapitalistischen Verhältnisse und den bürgerlichen Staat stützen würden, da aus ihnen unmittelbar die Notwendigkeit zur Konkurrenz zwischen Privateigentümern entspringe. Doch es sind nicht Ideen, aus denen die gesellschaftlichen Verhältnisse entspringen, stattdessen wird die Bedeutung solcher Ideen von den darunter liegenden Klasseninteressen geformt.</p>



<p>So stellte die Bewegung der Sansculotten – bestehend aus Arbeitern und Handwerkern – einen bedeutenden Teil der Basis der französischen Revolution dar. Ihre Interpretation von Freiheit und Gleichheit ging jedoch weiter als die des Bürgertums. Sie forderten echte soziale Freiheit und Gleichheit. Doch das Militär stand an der Seite des reichen Bürgertums, welches die Aufstände der Sansculotten niederschießen ließ.</p>



<p>Für Karl Held hingegen handelt es sich bei der französischen Revolution um einen Zusammenschluss der Klassen zum Staat, der zwar nicht „harmonisch“, aber „freiwillig“ verlief, weil es unter Proletariat und Bourgeoisie einen gemeinsam „praktizierten Staatsidealismus“, sprich eine gemeinsame Vorstellung von Freiheit und Gleichheit gegeben habe und bis heute gebe. Weil die Arbeiter dieser bürgerlichen Vorstellung gefolgt seien, hätten sie einen Staat geschaffen, der ihre Ausbeutung zur „bitteren Notwendigkeit“ gemacht habe. Dass die Bourgeoisie den Staat von Beginn an einsetzen musste, um die Ausgebeuteten niederzuhalten, davon kein Wort.</p>



<p>Doch der Klassenkampf ist nicht nur das direkte gewaltvolle Aufeinanderprallen der Klassen. Er findet die ganze Zeit statt und muss von der Kapitalistenklasse allein deshalb auf allen Ebenen geführt werden, um zu verhindern, dass sich die Arbeiterklasse bewusst zusammenschließt. Und bei diesem Kampf kann die herrschende Klasse selbst dann Teilniederlagen einfahren, ohne dass Streiks oder Aufstände stattgefunden haben. Dies äußert sich in Zugeständnissen an die Arbeiterklasse, um die soziale Stabilität aufrechtzuerhalten. Die Einführung des allgemeinen Wahlrechts, aber auch bestimmter Sozialreformen sind Beispiele für solche Zugeständnisse.</p>



<p>Auch das erklärt der GSP jedoch aus den Interessen des Staates selbst heraus. Karl Held schreibt dazu: „Die negativen Wirkungen der durch das Recht formell gesicherten Konkurrenz auf die Reproduktion der Bürger sind für den Staat Anlaß zu kompensatorischer Tätigkeit, die der Aufrechterhaltung der Eigentumsordnung dient.“ Und weiter erklärt Karl Held in „<em>Der bürgerliche Staat</em>“, dass diese „kompensatorischen Tätigkeiten“ nicht aus dem Druck flössen, den Klassenkampf im Zaum zu halten, sondern einfach die „Funktionsfähigkeit der Lohnarbeit“ aufrechterhalten sollten.</p>



<p>Während das auf einige Gesetze durchaus zutreffen mag, ist diese Darstellung in Bezug auf die meisten Sozialreformen nicht haltbar. So war die Sozialgesetzgebung Bismarcks eine direkte Reaktion auf den wachsenden Einfluss der Sozialdemokratie im späten 19. Jahrhundert. Und auch der Acht-Stunden-Tag war ein direktes Ergebnis der Novemberrevolution von 1918. Auch viele staatliche Leistungen, die heute noch in Deutschland existieren, aber immer weiter weg gekürzt werden, gehen auf das erdrückende Gewicht der Arbeiterklasse in der Gesellschaft zurück, das allein schon die Herrschenden zu Zugeständnissen und Vorsicht zwingt.</p>



<p>Doch der GSP geht noch weiter und behauptet, dass jeder Arbeitskampf, jeder Kampf für demokratische Rechte in Wahrheit nur die Herrschaft des bürgerlichen Staates weiter festigt, da ein Kampf für ein Gesetz am Ende des Tages nur die Zustimmung zur staatlichen Herrschaft ausdrücke.</p>



<p><strong>Der Klassenkampf entscheidet</strong></p>



<p>Das wahre Verhältnis von staatlichen Gesetzen zum Klassenkampf erklärt uns Friedrich Engels in Bezug auf die englische Chartisten-Bewegung, welche als erste politische Bewegung der Arbeiterklasse unter Anderem das allgemeine Wahlrecht forderte:</p>



<p>„In jedem Kampf von Klasse gegen Klasse ist das unmittelbare Ziel, um das gekämpft wird, die politische Macht; die herrschende Klasse verteidigt ihre politische Vorherrschaft, das heißt ihre sichere Mehrheit in den gesetzgebenden Körperschaften; die untere Klasse kämpft zuerst um einen Anteil an dieser Macht, später um die ganze Macht, um in die Lage zu kommen, die bestehenden Gesetze entsprechend ihren eigenen Interessen und Bedürfnissen zu ändern. So kämpfte die Arbeiterklasse Großbritanniens jahrelang leidenschaftlich und sogar unter Anwendung von Gewalt für die Volks-Charte, die ihr diese politische Macht geben sollte; sie erlitt eine Niederlage, aber der Kampf hatte auf die siegreiche Mittelklasse einen solchen Eindruck gemacht, daß diese seitdem schon froh war, um den Preis immer neuer Zugeständnisse an das werktätige Volk, einen längeren Waffenstillstand zu erkaufen.“</p>



<p>Doch während diese Zugeständnisse eine ganze Zeit lang einen Waffenstillstand zwischen den Klassen sichern können und hierdurch tatsächlich der Kapitalismus selbst stabilisiert wird, handelt es sich immer noch um Zugeständnisse, die die Kapitalistenklasse in ihrer Herrschaft einschränken. Das zeigt sich besonders in Krisenzeiten.</p>



<p>Zwischen den beiden Weltkriegen hatte sich das deutsche Finanzkapital eine ganze Zeit vor allem auf die Sozialdemokratie gestützt. Diese war dem Kapital zwischen 1918 und 1923 immer wieder zur Hilfe geeilt, um die sozialistische Revolution zu verhindern. Da sich die Sozialdemokratie gleichzeitig auf die Arbeiterklasse stützte, musste die herrschende Klasse eine Reihe an schmerzhaften Reformen hinnehmen. Diese sah sich jedoch zwischen den Siegermächten in Europa eingepfercht und sann auf eine Revanche. Deshalb unterstützten die führenden Industriellen Hitlers Wahl zum Reichskanzler 1933. Weil die Führungen der Arbeiterorganisationen die Gegenwehr sabotierten, konnten die Faschisten die Arbeiterbewegung zerschlagen, demokratische Rechte abschaffen und den Weg für die Aufrüstung und Kriegsvorbereitung des deutschen Kapitals freimachen.</p>



<p>Heute haben die Unternehmerverbände erst die Ampel-Regierung und jetzt die Merz-Regierung mit einem klaren Austeritätsprogramm beauftragt. Am liebsten würden sie den Sozialstaat zusammen mit demokratischen Rechten wie dem Streikrecht enorm abbauen. Doch auch wenn SPD und CDU grundsätzlich bereit wären, diesen Auftrag durchzuführen, will die Offensive nicht so recht ins Rollen kommen. Beide wissen, dass das ihren politischen Tod an der Wahlurne bedeuten und noch mehr das Ende jeglicher politischen und sozialen Stabilität hervorbringen würde. Hier zeigt sich der dialektische Charakter des allgemeinen Wahlrechts. Wo es in Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs die effektivste Sicherung der kapitalistischen Interessen darstellt, kann es in Zeiten der Krise zu einem Hindernis für die Politik des Kapitals werden, weil sie gegen die Interessen der Arbeiterklasse geht und Revolutionen erzeugt.</p>



<p><strong>Wozu der GSP schweigt: Der Weg zur Revolution</strong></p>



<p>Weil der GSP den Klassenkampf leugnet, kann er nur praktische Ohnmacht anbieten. Schon allein die Frage, was man mit den Analysen des GSP machen könne, sehen seine Vertreter als „implizite Zurückweisung ihrer ganzen Analyse“. So antwortete Peter Decker bei „<em>99zu1</em>“ auf fast jede Zuhörerfrage, die in diese Richtung ging. Für ihn sei die Linke sowieso so schwach, dass man nichts anderes als „Meinungsbildung über die Umstände“ betreiben könne. Der GSP stellt die 11. Feuerbach-These von Marx auf den Kopf. „Die Kommunisten haben nur versucht die Welt verschieden zu verändern, es kommt allein darauf an, sie zu interpretieren.“ Selbst darin scheitert der GSP kläglich.</p>



<p>Dem GSP fehlt ein dialektisches Verständnis für Veränderung. Für ihn gibt es nur starre Kategorien und Verhältnisse. Damit stehen sie nicht in der Tradition von Marx und Engels, sondern fallen auf die Philosophie der Junghegelianer zurück. Wie der GSP den Staat, sahen diese die Religion als Fessel der Gesellschaft. Diese wollten sie mit dem reinen Mittel der Kritik sprengen. Marx nannte diesen Ansatz die Anerkennung des Bestehenden vermittels einer anderen Interpretation.</p>



<p>Für echte Marxisten ist klar, dass der menschliche Entwicklungs- und Erkenntnisprozess ein praktischer ist. Das bedeutet, dass man notwendigerweise mit zunächst falschen Vorstellungen und daraus abgeleiteten Zielen an die Welt herantreten muss, um die Prämissen des eigenen Handelns weiterentwickeln zu können. Wie ein Kind, welches so fest von der Existenz des Weihnachtsmanns überzeugt ist, dass es sich nachts im Wohnzimmer versteckt, um ihn zu Gesicht zu bekommen. Nur um festzustellen, dass es die eigenen Eltern sind, die die Geschenke unter den Baum legen.</p>



<p>Gleiches gilt für die Arbeiterklasse. Ihr Bewusstsein wird geformt durch die kapitalistischen Verhältnisse und vollgestopft mit dem ideologischen Unsinn der Bourgeoisie. Doch gleichzeitig schürt die herrschende Klasse mit ihren Angriffen die Wut der Arbeiter und zwingt sie immer mehr zum Kampf. Dieser Kampf entfaltet sich notwendigerweise auf der Grundlage verschiedener Illusionen. So die Klimabewegung, die dachte, man müsse nur an die Politiker appellieren. Oder die „<em>Deutsche Wohnen und Co. enteignen!</em>“<em>&#8211;</em>Bewegung, die ihre Hoffnungen in einen Volksentscheid legte.</p>



<p>Die Aufgabe von Kommunisten ist es, an diesen Geburtswehen des offenen Klassenkampfes aktiv teilzunehmen, am vorgefundenen Bewusstsein anzuknüpfen und der Arbeiterklasse entlang ihrer praktischen Erfahrungen zu helfen sich mehr und mehr zu einem organisierten und handelnden Subjekt zu formieren, das seine Interessen erkennt und zu den Mitteln greift, mit welchen es die gesamte Gesellschaft umwälzen kann.</p>



<p></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Arbeiter der Welt, erhebt euch zur Verteidigung Kubas!</title>
		<link>https://derkommunist.de/arbeiter-der-welt-erhebt-euch-zur-verteidigung-kubas/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jorge Martin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Feb 2026 16:25:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Lateinamerika]]></category>
		<category><![CDATA[Nordamerika]]></category>
		<category><![CDATA[Global]]></category>
		<category><![CDATA[Imperialismus]]></category>
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		<category><![CDATA[Strategie & Organisation]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kuba steht derzeit vor einem nahezu vollständigen Stromausfall, nachdem Trump eine Ölblockade gegen die Insel verhängt hat. Der US-Imperialismus sieht eine Gelegenheit, die kubanische Revolution nach 67 Jahren unablässiger Angriffe [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>Kuba steht derzeit vor einem nahezu vollständigen Stromausfall, nachdem Trump eine Ölblockade gegen die Insel verhängt hat. Der US-Imperialismus sieht eine Gelegenheit, die kubanische Revolution nach 67 Jahren unablässiger Angriffe endlich zu zerschlagen. Es ist die Pflicht der internationalen Arbeiterbewegung, sich zur Verteidigung der kubanischen Revolution zu mobilisieren.</em></p>



<p>Der US-Militärangriff auf Venezuela hat Kuba von einem seiner wichtigsten Energielieferanten abgeschnitten. Die Lieferungen venezolanischen Öls an die Karibikinsel sind vollständig zum Erliegen gekommen, da die USA den Handel des Öls kontrollieren.</p>



<p>Am 29. Januar erliess Trump ein skandalöses <a href="https://www.whitehouse.gov/presidential-actions/2026/01/addressing-threats-to-the-united-states-by-the-government-of-cuba/">Dekret</a>, in dem Kuba als «ausserordentliche Bedrohung» für die nationale Sicherheit der USA bezeichnet wurde, und bedrohte jedes Land, das Öl an die Insel verkauft, mit Strafzöllen. Dieser ungeheuerliche imperialistische Druck zielt hauptsächlich auf Mexiko, den wichtigsten Öllieferanten Kubas, ab, das wenige Tage zuvor bereits eine Öllieferung nach Kuba storniert hatte.</p>



<p>Das Land ist bei etwa 60 bis 70 Prozent seines Energiebedarfs auf Ölimporte angewiesen. Ohne diese lebenswichtige Versorgung kommt das Land langsam zum Stillstand, was zu einer humanitären Krise führt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Humanitäre Krise</strong></h2>



<p>Die kubanische Regierung musste Notmassnahmen ergreifen, um kritische Infrastruktur zu priorisieren und den Verbrauch zu reduzieren. Staatsbetriebe haben auf eine Vier-Tage-Woche umgestellt, der öffentliche Verkehr wurde erheblich eingeschränkt.</p>



<p>Treibstoffverkäufe sind limitiert und erfolgen nur noch in US-Dollar. Stromausfälle, die Kubas Städte bereits zuvor belasteten, haben sich deutlich verlängert und erreichen in einigen Provinzen bis zu 16 Stunden am Tag. Dies beeinträchtigt die Möglichkeiten der Bevölkerung zu kochen, Lebensmittel zu kühlen, Ventilatoren zu betreiben oder Wohnungen, Arbeitsplätze und Schulen zu beleuchten. Elektive Operationen und nicht dringliche medizinische Konsultationen wurden verschoben.&nbsp;</p>



<p>Der Transport von Lebensmitteln wird zunehmend schwieriger, und importierte Waren können nicht mehr von den Häfen zu den Verteilstellen gebracht werden. Der Verkauf von Flugtreibstoff wurde eingestellt. Infolgedessen haben Fluggesellschaften ihre Flüge auf die Insel gestrichen. Die Treibstoffknappheit hat massive negative Auswirkungen auf den Tourismus, eine der wichtigsten Einnahmequellen des Landes.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Was will Trump?</strong></h2>



<p>Trump zieht die Schlinge um den Hals des kubanischen Volkes immer enger zu. Was verlangt der Mann im Weissen Haus eigentlich von Kuba?</p>



<p>Offensichtlich ist ein Element von Trumps jüngstem Angriff in seiner nationalen Sicherheitsstrategie begründet, die darauf abzielt, Amerikas Gegner aus der Hemisphäre zu verdrängen. Washington will Kuba vollständig unter die Vorherrschaft des US-Imperialismus bringen und es dazu zwingen, seine Beziehungen zu Russland und China abzubrechen.</p>



<p>Zudem sprach Trump kürzlich darüber, dass viele Exil-Kubaner in den USA, «sehr schlecht behandelt» worden seien. Das ist ein Verweis auf Personen und Unternehmen, deren Eigentum durch die kubanische Revolution enteignet wurde. Mit diesem Vorwand entschuldigt der US-Imperialismus schon lange seine Angriffe auf Kuba.</p>



<p>In Wirklichkeit erleben wir die Fortsetzung – in massiv verschärfter Form – der jahrzehntelangen imperialistischen US-Blockade Kubas, die von Präsident Kennedy am 3. Februar 1962 formalisiert wurde. Das Ziel ist klar: der Sturz der kubanischen Revolution. Die Mittel sind ebenso klar: Hunger und Verzweiflung sollen soziale Unruhen auslösen, die zum Sturz der Regierung führen oder diese dazu zwingen, die Revolution in Verhandlungen aufzugeben.</p>



<p>Die offizielle Position der kubanischen Regierung lautet, man sei zu Gesprächen mit den USA bereit – sofern diese ohne «Druck oder Vorbedingungen», «auf Augenhöhe», unter voller Achtung der kubanischen Souveränität und ohne «Einmischung in innere Angelegenheiten» stattfinden.</p>



<p>Das ist offensichtlich nicht das, was Washington will. Sie fordern Unterwerfung, und sind bereit, diese durch eine totale Ölblockade zu erzwingen – ungeachtet der Auswirkungen auf das Leben der kubanischen Bevölkerung. Sollte dies nicht genügen, ist der US-Imperialismus auch zu direkter militärischer Aggression bereit. US-Marineschiffe operieren nahe der Nordküste Kubas, militärische Überwachungsflugzeuge kreisen über der Karibik.</p>



<p>US-Sprecher, darunter Rubio und Trump, erklärten im Zuge dieser militärischen Schikane, man wolle, dass Kuba seine Wirtschaft «öffnet» und «wirtschaftliche Reformen» durchführt, die US-Unternehmen Investitionen ermöglichen würden.&nbsp;</p>



<p>Mit «Öffnung» ist jedoch nicht einfach die Zulassung von US-Investitionen gemeint.&nbsp; Es geht um nichts anderes als die Demontage der Planwirtschaft, auf der die Errungenschaften der Revolution beruhen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kuba wird von seinen bürgerlichen «Verbündeten» im Stich gelassen</strong></h2>



<p>Angesichts dieser existentiellen Bedrohung stellt sich die Frage: Wie kann die kubanische Revolution verteidigt werden? Institutionell war Kuba noch nie so isoliert wie heute. Ein <a href="https://www.facebook.com/latizzadecuba/posts/pfbid02naAYHDkNmevQQ1gxVEWBfh5AAwGmkmhYQUEtvBJknDQri6Mb9UmFcTxuoywdJnx5l">Leitartikel</a> der links-revolutionären kubanischen Publikation La Tizza beschreibt die Situation als eine, «in der fast alle ‘blockfreien’ oder ‘progressiven’ Regierungen wegschauen, in der angebliche Blöcke, Allianzen, Foren und gemeinsame Kommissionen jegliche praktische Verpflichtungen meiden und höchstens harmlose besorgte Erklärungen abgeben». Das ist eine präzise Beschreibung der Lage.&nbsp;</p>



<p>Die venezolanische Regierung, trotz ihrer Rhetorik der Souveränität, befindet sich in halbkolonialer Abhängigkeit von Washington. Dies zeigt sich daran, dass sie die Öllieferungen an Kuba – rund 34 Prozent der Energieimporte – vollständig eingestellt hat, ohne öffentlich etwas dazu zu sagen.</p>



<p>In Mexiko hat die Regierung von Claudia Sheinbaum ebenfalls den Anweisungen und Drohungen Trumps nachgegeben und die Öllieferungen eingestellt. Die Regierung erklärte öffentlich, man könne «Mexikos Interessen nicht gefährden» mit Öllieferungen. Mexiko ist nicht bereit, sein souveränes Recht auf Handel mit einem anderen souveränen Staat zu verteidigen. Die Grenzen des bürgerlichen Nationalismus werden brutal sichtbar.</p>



<p>Andere lateinamerikanische Länder haben zwar verbal Kritik an der Blockade geäussert, aber niemand hat konkrete Schritte zu ihrer Durchbrechung unternommen. Auch China und Russland protestierten – bislang nur mit Worten. Die viel beschworene multipolare Welt, die angeblich bessere Bedingungen für die Souveränität kleiner Staaten bringt, erweist sich angesichts der Macht der US-Streitkräfte in der Karibik als leere Rhetorik.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Nur die Arbeiter der Welt können Kuba retten!</strong></h2>



<p>Auf wen sonst kann die kubanische Revolution in dieser Stunde der Not zählen? Der Leitartikel von <em>La Tizza</em> weist in die richtige Richtung: „Völker der Welt – erhebt euch mit Kuba!“, heisst es in der Überschrift.&nbsp;</p>



<p>In diesen Worten liegt viel Wahrheit. Das Schicksal der kubanischen Revolution wird letztlich in der Arena des internationalen Klassenkampfes entschieden. Die gegenwärtige Situation bestätigt, dass man den Sozialismus nicht in einem Land aufbauen kann – und schon gar nicht auf einer kleinen Karibikinsel.</p>



<p>Nach 1959 konnte die kubanische Revolution fast drei Jahrzehnte lang auf eine sehr günstige wirtschaftliche Beziehung zur UdSSR zählen. Als die Sowjetunion infolge ihrer eigenen bürokratisch-stalinistischen Deformationen zusammenbrach, stand die kubanische Revolution unter den extrem harten Bedingungen der “Sonderperiode” allein da.&nbsp;</p>



<p>Mit dem Beginn der venezolanischen Revolution erhielt sie eine neue Rettungsleine, sowohl wirtschaftlich als auch politisch. Als diese wiederum in eine Krise geriet, weil es nicht gelungen war, die herrschende Klasse zu enteignen, wurde Kuba erneut stärker isoliert. Der Druck in Richtung kapitalistischer Restauration nahm zu.</p>



<p>Diese beiden Erfahrungen unterstreichen, dass eine Revolution, die den Kapitalismus abschafft, auf Dauer nicht in Isolation überleben kann.</p>



<p>Heute kann Kuba erneut nur auf sein eigenes Volk zählen – aber auch auf die Völker der Welt: auf die Arbeiterklasse, die armen Bauern und die revolutionäre Jugend der Welt. Das ist keine abstrakte Redewendung, sondern eine konkrete Frage.</p>



<p>Das Einzige, was die mexikanische Regierung dazu zwingen könnte, ihre Unterordnung unter die imperialistischen Diktate ihres mächtigen nördlichen Nachbarn zu brechen, wäre eine massive Bewegung des mexikanischen Volkes, seiner Gewerkschaften und Massenorganisationen, seiner Jugend und seiner Bauernschaft. Dasselbe gilt für Kolumbien und Brasilien, zwei ölproduzierende Länder mit Regierungen, die von Arbeitern und Armen gewählt wurden.&nbsp;</p>



<p>Natürlich hat Trump Strafzölle gegen jedes Land angedroht, das Öl an Kuba verkauft. Doch wenn Länder wie Mexiko, Kolumbien und Brasilien sich einer solchen Drohung widersetzen würden – und wenn sie dies gestützt auf eine starke Massenbewegung gegen den Imperialismus täten –, würde das den US-Imperialismus in eine schwierige Lage bringen. Eine solche Bewegung würde auch innerhalb der Vereinigten Staaten Widerhall finden.Die einzige Alternative zu einer Mobilisierung der Arbeiter- und Volksmassen auf dem ganzen Kontinent und darüber hinaus ist die Zerstörung der kubanischen Revolution und all ihrer Errungenschaften.</p>



<p>Dabei geht es nicht nur um materielle Fortschritte, insbesondere in den Bereichen Wohnen, Bildung und Alphabetisierung – Errungenschaften, die durch Jahrzehnte der Blockade, durch die Isolation der Revolution und durch schleichende kapitalistische Konterreformen untergraben wurden. Es geht auch um nationale Souveränität, um die Unabhängigkeit des Landes von imperialistischer Vorherrschaft.</p>



<p>Wie die Genossen von <em>La Tizza</em> formulieren: „Die Revolution musste sozialistisch sein, um eine Revolution der nationalen Befreiung zu sein.“ Der einzige Weg, auf dem Kuba sich von den Vereinigten Staaten befreien konnte, war die Enteignung der Kapitalisten und Grossgrundbesitzer. Eine Wiederherstellung des Kapitalismus in Kuba würde bedeuten, die Insel erneut in eine Halbkolonie der USA zu verwandeln – wie sie es vor 1959 war.</p>



<p>Ein Sieg der USA in Kuba würde zudem einen weiteren Vormarsch der sogenannten Donroe-Doktrin bedeuten, also die Wiederherstellung der halbkolonialen Vorherrschaft der Vereinigten Staaten über den gesamten amerikanischen Kontinent. Auf dem Spiel steht nicht nur die kubanische Revolution – so bedeutend sie für die internationale Arbeiterbewegung auch ist –, sondern auch der gegenwärtige Vorstoss des US-Imperialismus, das zu unterwerfen, was er nichts anderes als seinen eigenen „Hinterhof“ betrachtet.</p>



<p>Aus diesem Grund schliessen wir uns den Stimmen unserer kubanischen Genossen an:<br><strong>Erhebe dich, Arbeiterbewegung der Welt – erhebe dich mit der kubanischen Revolution!</strong></p>



<p></p>
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		<title>Karl-Marx-Seminar 2025: Ein neuer Meilenstein der RKP</title>
		<link>https://derkommunist.de/karl-marx-seminar-2025-ein-neuer-meilenstein-der-rkp/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Revolutionare Kommunistische Partei]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Dec 2025 11:35:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Perspektiven]]></category>
		<category><![CDATA[RKI]]></category>
		<category><![CDATA[RKP]]></category>
		<category><![CDATA[Strategie & Organisation]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vom 5. bis zum 7. Dezember fand das Karl-Marx-Seminar 2025, das nationale Bildungsseminar der deutschen Sektion der Revolutionären Kommunistischen Internationale (RKI), in Berlin statt. </p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Vom 5. bis zum 7. Dezember fand das Karl-Marx-Seminar 2025, das nationale Bildungsseminar der deutschen Sektion der Revolutionären Kommunistischen Internationale (RKI), in Berlin statt.&nbsp;</p>



<p>Mit 15 marxistischen Workshops und 240 Teilnehmern war es eine inspirierende Veranstaltung und das größte Seminar, das wir bisher veranstaltet haben.</p>



<p>Der zentrale Grund, warum wir das KMS so groß aufziehen konnten, war die theoretische Weiterentwicklung unserer Partei. Seit wir von 2023 bis 2024 in kurzer Zeit von etwas über 100 auf 300 Genossen gewachsen sind, stand die RKP auf einem Wachstumsplateau. Um wieder neue Ziele zu erreichen, mussten die vielen neuen Genossen in den Grundfesten des Marxismus ausgebildet werden und aus denen, die schon davor dabei waren, echte revolutionäre Kader gemacht werden. Denn nur durch ein gutes theoretisches Verständnis sind wir auch in der Lage unsere Ideen und Analysen an die Avantgarde in Jugend und Arbeiterklasse zu tragen und davon zu überzeugen, aktiv bei uns zu werden.</p>



<p>Beim KMS wurde gezeigt, dass unsere innerparteiliche Konsolidierungsarbeit nach einem Jahr ersichtliche Früchte getragen hat. Im Herbst haben unsere Ortsgruppen 49 lokale Veranstaltungen abgehalten und bei 150 Zeitungsverkäufen 700 Zeitungen verkauft. Gegenwärtig sind wir mit etwa 120 Interessierten in Diskussion über unsere Ideen und unser Programm, um sie vom Beitritt in die RKP zu überzeugen. Das und der Fakt, dass 50 der Teilnehmer beim KMS zum Zeitpunkt der Veranstaltung noch keine Mitglieder waren, zeigt, dass wir jetzt besser in der Lage sind, unsere Ideen nach außen zu tragen als je zuvor.</p>



<p style="font-size:22px"><strong>Der Kampf gegen den Reformismus</strong></p>



<p>Dass der Untertitel des Seminars &#8222;Der Weg zum Sozialismus: Reform oder Revolution&#8220; lautete, war kein Zufall. Ob die GenZ Revolutionen oder der Aufstieg Zohan Mamdanis in New York. Sie alle zeigen, dass große Schichten der Arbeiterklasse und Jugend nach Lösungen gegen die prekären Umstände suchen, unter denen sie im Kapitalismus leiden. Doch all diese Bewegungen brechen nicht fundamental mit dem Kapitalismus und sind daher dazu gezwungen, auf die eine oder andere Weise seine Regeln zu akzeptieren.</p>



<p>Auch in Deutschland hat die linksreformistische Linkspartei bei der Bundestagswahl im März schlagartig trotz vorheriger Umfragen von 3%, beinahe 9% erreicht. Der Träger für diesen Sieg war die Jugend, die die Partei durch ein rebellisch anmutendes Auftreten gewinnen konnte. Doch es setzte schnell Ernüchterung ein.&nbsp;</p>



<p>Die Führung der Landesverbände in Bremen und Mecklenburg-Vorpommern, die jeweils in der Regierung ihres Bundeslandes vertreten sind, stimmten dem 500 Mrd. € Sondervermögen für Aufrüstung zu. Die Partei positioniert sich nicht klar gegen Zionismus und statt eine klassenkämpferische Opposition aufzubauen wollen sie sich gegenüber den Herrschenden lieber als vertrauenswürdige Partner zeigen. Das hat sich gezeigt, als sie für einen zweiten Wahlgang bei der Merz’ Kanzlerwahl gestimmt haben, und es hat sich vor kurzem wieder gezeigt, als sie sich beim Rentenpaket der Regierung enthalten haben, um das Scheitern der Regierung zu verhindern.</p>



<p>Viele, die auf die LINKE blicken, durchschauen dieses falsche Spiel. Sie haben mit dem Kapitalismus gebrochen und wollen radikale Antworten. Das hat sich gezeigt, als die Linksjugend bei ihrem Kongress einen Antrag beschlossen hat, in dem Israel verurteilt und die Befreiung der Palästinenser in Kontext mit der internationalen sozialitischen Revolution gesetzt wurde. Die Aufgabe von Kommunisten ist es, an die radikale Stimmung der Jugend anzuknüpfen und sie mit dem Marxismus zu schärfen.&nbsp;</p>



<p>Das erste Referat am Freitag vom Genossen Francesco Merli vom Internationalen Sekretariat der RKI hat in diesem Sinne aufgezeigt, in welcher Situation sich der Kapitalismus heute befindet. Während sich die imperialistischen Nationen Europas im Niedergang befinden, findet auf Weltebene ein erbitterter Konkurrenzkampf zwischen den Vereinigten Staaten, China und Russland statt. Gleichzeitig findet in kaum einem Land eine Regierung breite Unterstützung bei ihrer Bevölkerung. Die herrschende Klasse befindet sich in einer politischen Legitimationskrise, während ein Teil der Wut der Massen von linken Reformisten oder den rechten Demagogen aufgefangen wird. Beide Richtungen können final aber nur in eine Sackgasse führen.&nbsp;</p>



<p>Wir müssen allen, die den Kapitalismus ablehnen, die Hand reichen und gleichzeitig einen politischen Kampf gegen den Einfluss des Reformismus in der Arbeiterbewegung kämpfen. Die Referate beim KMS deckten zu diesem Zweck eine Vielzahl von Themen ab. Von den Grundlagen des Marxismus, hin zum Charakter und dem Kampf gegen die AfD in Deutschland, dem Kampf gegen Austerität, der Frage, wie wir den Sozialismus mehrheitsfähig machen oder den historischen Erfahrungen der jungen KPD in Deutschland und der Oktoberrevolution in Russland.&nbsp;</p>



<p>Aus den Workshops ging hervor, dass der Sozialismus nur durch revolutionären Klassenkampf zu erreichen ist und, dass wir dazu heute eine Kaderpartei aufbauen müssen mit einem theoretisch fundierten Verständnis von Strategie und Taktik, durch das wir in der Lage sind, Wurzeln in der Arbeiterklasse zu schlagen.</p>



<p style="font-size:22px"><strong>Das politische Niveau erhöhen</strong></p>



<p>Um die Partei auf das Wochenende vorzubereiten, wurde im Oktober eine Leseliste auf unserer Website hochgeladen, mit Artikeln, Büchern und Vorträgen zu den diversen Referatsthemen. Jede Ortsgruppe hat Themenschwerpunkte unter ihren Genossen verteilt, die für die nächsten Monate der Fokus ihrer theoretischen Ausbildung sein sollen. Angefangen mit der Vorbereitung auf die Referatsthemen, wird nun jeder Genosse nach dem Seminar ein oder mehrere Bücher zum jeweiligen Themenschwerpunkt studieren. Durch diesen geduldigen Zugang zu Theorie, in dem Genossen sich gründlich mit einem Thema befassen, statt voreilig zum nächsten zu springen, wollen wir das Verständnis für die marxistische Methode verankern.</p>



<p>Die Begeisterung für Theorie und die Vorarbeit der Genossen auf das Seminar hat sich in der großen Beteiligung neuer und alter Genossen an den Diskussionen im Anschluss der Referaten gezeigt, für die viele Genossen über Wochen qualitativ hochwertige Redebeiträge vorbereitet haben. Beim Literatur- und Merchandise-Tisch haben wir außerdem einen neuen Rekord aufgestellt und fast eine Verdreifachung der Verkäufe unserer letzten Veranstaltung erreicht. Insgesamt wurden 246 Bücher gekauft, was im Durchschnitt bedeutet, dass sich ungefähr jeder Teilnehmer ein Buch gekauft hat.</p>



<p style="font-size:22px"><strong>Bolschewistische Finanztradition</strong></p>



<p>Ein weiteres Highlight des Wochenendes war die Spendensammlung am Sonntag, bei der wir erneut einen neuen Rekord aufgestellt haben. Der Finanzvortrag hat meisterhaft aufgezeigt, wie die Bolschewiki ohne eine opferbereite Finanztradition niemals in der Lage gewesen wären, eine starke Führung, eine populäre Zeitung und einen Stamm von Berufsrevolutionären aufzubauen. Beim Seminar hat sich gezeigt, warum auch wir diesem Beispiel folgen müssen. Denn ohne die finanziellen Opfer unserer Genossen, wären wir nicht in der Lage ein großes Karl-Marx-Seminar zu finanzieren, einen Apparat von Hauptamtlichen zu unterhalten, die das Seminar organisieren und die vielen Referate mit den Referenten politisch vorzubereiten und die Ideen des Marxismus so in die Mitgliedschaft tragen. Aus diesem Grund haben wir Geld für unser Büro gesammelt, in dem die ganze Arbeit der Führung zentralisiert ist, sowie für unsere Internationale, die durch ihre Analysen und ihr theoretisches Material uns und unseren Schwesterparteien unbezahlbare politische Orientierung liefert, ohne die wir nicht in der Lage wären, die kommunistische Bewegung weltweit aufzubauen.&nbsp;</p>



<p>Der Finanzvortrag hat erklärt, dass dieses finanzielle Opfer keine Kleinigkeit ist, das wir mal eben zusammenkratzen können. Doch weil uns der Marxismus die politische weitsicht gibt, nicht vor dem Unmittelbaren einzuknicken, sondern die Möglichkeiten zu erblicken, die sich mit jeder Situation entwickeln, schauen wir nicht pessimistisch in die Welt. Wir sehen, dass die Arbeiterklasse gezwungen ist aufzustehen, wir sehen eine Periode von harten Klassenkämpfen auf uns zukommen. Diese Einsicht in die realen Weltprozesse gibt uns den revolutionären Optimismus und die Opferbereitschaft, mit der wir in der Arbeiterklasse und Jugend für unsere Ideen kämpfen und diesen Kampf auch finanziell unterstützen.</p>



<p>Dass wir bei der gesammelten Summe einen neuen Rekord aufstellen konnten, setzt ein klares Zeichen. Unsere Partei sucht nicht nach Entschuldigungen, unsere Partei meint es ernst und sie ist hier, um zu bleiben.</p>



<p style="font-size:22px"><strong>Vorwärts ins nächste Jahr!</strong></p>



<p>Das Karl-Marx-Seminar hat erneut gezeigt, dass die RKP in ihrem politischen Reifeprozess weiter vorangekommen ist. Doch dieser Prozess ist noch lange nicht vorbei.&nbsp;</p>



<p>Die vielen Interessierten, die wir im Herbst kennenlernten und zum KMS mobilisiert haben, stellen unsere junge Partei vor neue Herausforderungen, eine stabile politische Ausbildung in unseren Reihen zu etablieren.</p>



<p>Die Hauptverantwortung, diese Aufgabe zu lösen, trägt die Führung. Darum haben wir dieses Jahr damit begonnen, eine Bildungsabteilung im Hauptamt aufzubauen, die jetzt von einer Abteilung für Außenarbeit gefolgt wird. Beide haben die Aufgabe, Material auszugeben und Impulse zu setzen, mit denen diese beiden Arbeitsbereiche in den Ortsgruppen professionalisiert werden sollen.</p>



<p>Zu diesem Zweck haben beide Abteilungen ein Einstiegsheft für neue Genossen und Interessierte entworfen, das auch auf dem KMS besprochen wurde. Das Heft soll einen Leitfaden für unsere Ausbildungsarbeit liefern, indem mit neuen Genossen sofort die Kernideen der RKP und der RKI diskutiert werden und ihnen für das erste Jahr ihrer Mitgliedschaft zentrale marxistische Werke an die Hand gegeben werden.</p>



<p>Die Führung der RKP wird sich weiter daran setzen, alle unsere Lücken zu füllen und die Partei über Hindernis zu Hindernis zu hieven.</p>



<p>So werden wir die vielen Genossen, die wir kennenlernen und rekrutieren, zu marxistischen Kadern machen und so werden wir auch im Jahr 2026 neue Rekorde aufstellen.</p>



<p></p>
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		<title>Freispruch für Alyona und Leonard: Wie man erfolgreich gegen Repression kämpft!</title>
		<link>https://derkommunist.de/freispruch-fuer-alyona-und-leonard-wie-man-erfolgreich-gegen-repression-kaempft/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[David K.]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 06 Sep 2025 13:58:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Strategie & Organisation]]></category>
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<p>Im Juli wurden unsere Genossen Alyona und Leonard nun auch im finalen Gerichtsprozess vor dem Landesgericht München freigesprochen. Das Urteil ist rechtskräftig. Dieser Sieg hält wichtige Lehren für die ganze Palästina- und Arbeiterbewegung im Umgang mit Repressionen bereit! Eine Diskussion darüber ist angesichts des Umgangs der Führung der LINKEN mit der Palästinafrage dringend nötig.</p>

<p>Gegen Alyona und Leonard wurde ermittelt, weil sie im November 2023 ein Banner mit der Aufschrift „Freiheit für Palästina! Intifada bis zum Sieg!“ hochgehalten hatten. Die Staatsanwaltschaft warf ihnen vor, gegen §140 StGB – Belohnung und Billigung von Straftaten – verstoßen zu haben.</p>

<p>Nachdem wir bereits in erster Instanz vor Gericht gewannen und die Staatsanwaltschaft mit einem Berufungsprozess in die zweite Runde ging, haben wir nun auch diese gewonnen. So haben wir den Angriff der Staatsanwaltschaft endgültig abgewehrt und dabei einen Sieg für die gesamte Bewegung erkämpft: Der Slogan „Intifada bis zum Sieg!“ als revolutionäre sozialistische Perspektive auf die Befreiung Palästinas ist nach wiederholten Freisprüchen nicht illegal.</p>

<h3><strong>Diffamierung</strong><strong> und Einschüchterungsversuch</strong></h3>

<p>Wir verteidigen die Erste Intifada von 1987, weil sie als revolutionäre Massenbewegung der Palästinenser das Potential hatte, auf die umliegende Region ausgeweitet zu werden und durch eine Machtübernahme der entstandenen Räte das Tor zu einer sozialistischen Föderation des Nahen und Mittleren Ostens gewesen wäre. Palästina kann auch heute nur durch Klassenkampfmethoden und die revolutionäre Aktion der Massen selbst befreit werden.</p>

<p>Von Beginn an versuchte die Staatsanwaltschaft, in ihrer Begründung einen Bezug auf den 7. Oktober in unserem Slogan zu konstruieren, obwohl dieser mit der ErstenIntifada nichts zu tun hatte. So schreibt sie: <em>„</em><em>Ebenso bezog sich der Inhalt des Transparents </em>(…) <em>bewusst auch auf die Geschehnisse ab dem 07.10.2023 in Israel</em><em>[…]</em><em>.</em><em>“</em></p>

<p>So sollte unser Slogan in die Nähe von Terrorismus gerückt werden. Das ist an Zynismus kaum zu übertreffen. Denn die wahren Terroristen sind das zionistische Regime, das einen Völkermord an den palästinensischen Zivilisten begeht, und der deutsche Staat, der Israel das ermöglicht. Die Staatsanwaltschaft ist selbst Organ dieses Staates.</p>

<p>Aber vor allem war bei genauerer Betrachtung schnell offensichtlich, dass der Standpunkt der Staatsanwaltschaft juristisch unhaltbar ist. Eine genauere Erklärung der Urteilsbegründung findet sich unter diesem Artikel als Anhang. Der Zweck dieser Strafbefehle gegen unsere Genossen war wohl vor allem Einschüchterung von Aktivisten.</p>

<h3><strong>Gaza-Genozid entlarvt deutschen Imperialismus</strong></h3>

<p>Die Komplizenschaft des deutschen Imperialismus im Genozid in Gaza spielt sich vor den Augen von Millionen Arbeitern und Jugendlichen ab und entblößt zunehmend den wahren Klassencharakter des Regimes: 80% aller Deutschen sind gegen Israels Vorgehen im Gazastreifen, während die aktive Unterstützung dafür nur noch auf Rückhalt bei 12% stößt.</p>

<p>In einer Zeit, in der das Vertrauen in Establishment und staatliche Institutionen ein Rekordtief erreicht hat, fürchtet die herrschende Klasse nichts mehr als weitere politische Delegitimierung.</p>

<p>Diese Angst erklärt die jüngsten halbgaren Scheinzugeständnisse wie der vorläufige Stopp von Waffenexporten (der sofort wieder gebrochen wurde) oder das Gerede über eine mögliche Anerkennung eines palästinensischen Staates. Die Eigeninitiative der Arbeiterklasse und Jugend, den Genozid beenden zu wollen, wird währenddessen weiter mit Repression und Verleumdung begegnet, um durch deren Einschüchterung eine Ausweitung der Bewegung zu verhindern.</p>

<p>Sozialisten und Kommunisten müssen dagegen die Ereignisse in Palästina nutzen, um den Massen den Klassencharakter des Staates möglichst scharf vor Augen zu führen.So könnte die Palästinafrage Ausgangspunkt einer Massenbewegung gegen den deutschen Imperialismus sein. Denn dieser unterdrückt auch die eigene Bevölkerung: Unser Lebensstandard wird kaputtgespart um mehr Geld in die Aufrüstung und die Taschen der Kapitalisten zu stopfen. </p>

<p>DIE LINKE könnte diese Rolle spielen: Sie ist weiterhin im Umfragehoch und hat zehntausende neue Mitglieder, die gegen Militarisierung, Kürzungen und Rassismus und auch <a href="https://derkommunist.de/die-linke-und-palaestina-klassenkampf-oder-treue-zur-staatsraeson/">für ein freies Palästina kämpfen wollen</a>!</p>

<h3><strong>DIE LINKE und Pal</strong><strong>ä</strong><strong>stina</strong></h3>

<p>Das fürchten auch die Bürgerlichen. Deswegen überziehen sie propalästinensische Stimmen in der LINKEN mit einer Hetzkampagne. Zuletzt traf es den Kreisverband Neukölln und die LAG Palästinasolidarität, die ein KIEZ-Event gegen Genozid, Besatzung, Waffenlieferungen und Rassismus organisierten. Die Springerpresse unterstellte den Genossen in einer wüsten Diffamierungskampagne Nähe zur Hamas.Das sollte die Aktivisten demoralisieren und ist ein politischer Angriff, mit dem Ziel weitere Repression gegen die Bewegung zu rechtfertigen. </p>

<p>Anstatt diese abstrusen Anschuldigungen brüskiert zurückzuweisen, ließen die Berliner Parteiführung ebenso wie der Bundesvorsitzende Jan van Aken den Neuköllner Kreisverband wie eine heiße Kartoffel fallen. So schenkten sie den bürgerlichen Verleumdungsversuchen auch noch Glaubwürdigkeit. Dabei wäre es die Aufgabe der LINKEN, das als politischen Angriff zu entlarven anstatt jene Einschüchterungsversuche zu tragen, gegen welche die Bewegung seit Tag eins ankämpft.</p>

<p>Die Herangehensweise der LINKEN schadet dem Kampf gegen Militarismus und Kürzungen der Merz-Regierung. Sie deckt die Regierung, statt sie zu entlarven.Zudem nimmt sie Angriffe auf demokratische Rechte hin, anstatt sie zu bekämpfen. Das wird dazu führen, dass immer mehr demokratische Rechte angegriffen werden: Schon jetzt fordern Teile der CDU und Unternehmerverbände die Einschränkung des Streikrechts. </p>

<p>In der Palästinafrage stehen die reformistischen Führer der LINKEN letztlich auf dem Boden der deutschen Staatsräson. Schließlich wollen sie es sich mit den Herrschenden und deren Parteien nicht verscherzen. Denn sie haben kein Vertrauen in die Macht der Arbeiterklasse, die Gesellschaft zu verändern. Deswegen klammern sie sich an die bürgerlichen Parteien in der Hoffnung, Deals mit ihnen machen zu können statt auf den Klassenkampf gegen sie zu setzen. Aber in Wahrheit kann der Kampf gegen Aufrüstung und Kürzung nur gegen die Bürgerlichen und nicht mit ihnen geführt werden. </p>

<h3><strong>Wie kämpfen wir gegen Repressionen?</strong></h3>

<p>Doch unser Sieg im Fall Alyona und Leonard zeigt, dass es auch anders geht. Die zurückgeschlagene Repression beweist: Wir sind politischen Angriffen der Bürgerlichen nicht hilflos ausgeliefert! Das konnten wir nur erreichen, weil wir ein kommunistisches Programm haben, das sich nur auf den Klassenkampf und die Kraft der Arbeiterklasse stützt.</p>

<p>Sozialisten und Kommunisten sollten Verleumdungen, Einschüchterungsversuche und Repression auch klar als solche benennen und sie entschieden zurückweisen; sie sollten sie nutzen, um klar aufzuzeigen, wer in Wahrheit die Terroristen und Verbrecher sind; sie sollten nicht ohne Not einknicken und demokratische Rechte der Arbeiter und der Jugend entschlossen verteidigen und sich dabei auf die eigenen Kräfte stützen, das heißt auf die Kraft der Arbeiterklasse und Jugend.</p>

<p>Genau das haben wir als RKP getan: Wir sind nicht zurückgerudert oder haben uns entschuldigt, wo es nichts zu entschuldigen gibt. Wir haben diese Attacke genutzt, um eine große politische Kampagne in der Palästina-, Friedens- und Arbeiterbewegung und an den Unis zu starten. So klärten wir über die Rolle Deutschlands in Israels Genozid auf.</p>

<p>Außerdem stützten wir uns nur auf unsere eigene Kraft und die der Bewegung. Diesen Sieg haben wir nicht nur uns, sondern vor allem den Jugendlichen und Arbeitern aus der Palästinabewegung zu verdanken: Ihre Solidarität und ihr Wunsch nach einer aufrichtigen revolutionären Partei ermöglichten uns, 9000€ an Spenden für die Gerichtskosten zu sammeln. Das wird nicht der letzte Angriff gewesen sein. Aber jetzt werden wir die Kommenden mit unseren durch Spenden aufgebauten Rücklagen genauso entgegentreten und weitere Siege erringen.</p>

<p>Auch wir hätten die Strafbefehle der Staatsanwaltschaft hinnehmen können statt Widerspruch einzulegen und dadurch einen Gerichtsprozess zu eröffnen. Als klar wurde, dass wir nicht einknicken würden, boten sie uns an, das Verfahren gegen Geldzahlung einzustellen. Aber das taten wir nicht.</p>

<p>Denn die Folge wäre gewesen, unsere und andere Aktivisten zu demoralisieren. Wir hätten einen Präzedenzfall geschaffen, der es Polizei und Staatsanwaltschaft ermöglicht, einfach vorsorglich immer mehr mit Geldstrafen verbundene Strafbefehle an Aktivisten zu verschicken (das haben sie bereits versucht, in dem sie anfingen, an immer mehr Leute Vorladungen zu schicken). Wir hätten anfangen können, den „Intifada“-Slogan nicht mehr zu verwenden – also eine Einschränkung unserer Meinungsfreiheit hinzunehmen und politische Selbstzensur zu betreiben. Hätten wir die Strafbefehle hingenommen, hätten wir ja auch bis zu einem gewissen Grad die Deutung der Staatsanwaltschaft akzeptiert. Diese de facto Illegalisierung des „Intifada“-Slogans hätte wiederum die Grundlage für zukünftige mediale Hetzkampagnen sein können. </p>

<p>Hätte die Staatsanwaltschaft gesiegt, dann hätte dies den Herrschenden ermöglicht, den Fall aufzubauschen und als Bollwerk zur Diffamierung und Einschüchterung der gesamten Bewegung zu nutzen. Derartige Niederlagen geben den Bürgerlichen wiederum freiere Hand für Angriffe im breiteren Klassenkampf. Einzuknicken hättebedeutet, dass wir unsere Glaubwürdigkeit für kommende Kämpfe verspielt hätten.Kurz: Der Weg des scheinbar geringsten Widerstands hätte uns und die Bewegung geschwächt und in eine schlechtere Situation gebracht. </p>

<p>Aber wir haben uns dafür entschieden, diesen Kampf bis zum Ende zu kämpfen. Damit haben wir nicht nur für unsere Aktivisten und die RKP einen Sieg errungen, sondern für die ganze Palästinabewegung. Denn jetzt steht gerichtlich fest, dass der „Intifada“-Slogan nicht per se illegal ist und das, bezugnehmend auf vorangegangene Urteile, die freie Meinungsäußerung nicht so leicht durch das Strafrecht eingeschränkt werden kann. Wir glauben, dass diese Vorgehensweise in der ganzen Palästinabewegung, in der ganzen Arbeiterbewegung und der politischen Linken in Deutschland Schule machen muss! Denn dieser Einschüchterungsversuch wird nicht der letzte sein. </p>

<h3><strong>Anhang: Die genauere Urteilsbegründung</strong></h3>

<p>Der Richter in diesem letzten Verfahren am Landesgericht stellte ausdrücklich die hohe Bedeutung der Meinungsfreiheit (Art. 5 GG) gegenüber dem Strafrecht fest. Damit der Tatbestand einer „Billigung von Straftaten“ gegeben ist, muss eindeutig eine konkrete Straftat ausdrücklich und für andere wahrnehmbar gutgeheißen werden. Denn: „Die Vorschrift will jedoch nicht eine Gesinnung bestrafen.“ Die abenteuerliche Verbindung, die die Staatsanwaltschaft von unserem Slogan zu den Geschehnissen des 7. Oktober konstruieren wollte, weist das Gericht daher ab: „Die zustimmende Kundgebung muss jedoch immer aus sich heraus verständlich sein; sie muss als solche unmittelbar und <strong><em>ohne Deuteln</em></strong> als Befürwortung der Straftat erkannt werden.“ (Unsere Hervorhebung) Zudem gilt nach einem Bundesverfassungsgerichtsurteil von 1995, dass alle Interpretationsmöglichkeiten der fraglichen Aussage in Betracht gezogen werden müssen: „Im Falle von mehrdeutigen Äußerungen ist maßgeblich, ob eine der nicht auszuschließenden Bedeutungsvarianten straffrei wäre.&#8220; In diesem Fall muss sozusagen die straffreie Variante gewertet werden.</p>

<p>Das Gericht hielt es für „ausgeschlossen“, dass wir uns auf die Erste Intifada bezögen und fand zudem, es sei „dahingestellt“, also ungeklärt, ob ein Bezug auf sie eine Strafbarkeit erfüllen könnte. Die Erste Intifada war in aller erster Linie eine breite Massenbewegung. Das ist ihr entscheidender Wesenszug. Sofern es zu Gewalt kam, waren dies meist palästinensische Jugendliche mit Steinen gegen eine hochgerüstete israelische Armee. Das spiegelt sich auch in den Opferzahlen wider. Über diese Vorwürfe gegen die Erste Intifada schreiben wir <a href="https://derkommunist.de/marxisten-und-der-aufruf-zur-intifada-was-er-wirklich-bedeutet/">an anderer Stelle</a>. Jedoch hält das Gericht die folgende Deutung für möglich und straffrei: „Nachdem aber zu diesem Zeitpunkt der Demonstration aufgrund der Bodenoffensive der israelischen Armee bereits Kampfhandlungen auf dem Gebiet des Gazastreifens stattgefunden haben, ist auch die Auslegung als Widerstand gegen diese Kampfhandlungen möglich, bis die Militäroperation durch Israel beendet wird.“ Zudem werde durch Hammer und Sichel ein Bezug zum „sozialistischen Verständnis“ deutlich.</p>
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		<title>Wie entwickeln Kommunisten Perspektiven für den Klassenkampf? </title>
		<link>https://derkommunist.de/wie-entwickeln-kommunisten-perspektiven-fuer-den-klassenkampf/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Julius Scheffler]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 09 Jul 2025 06:00:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Strategie & Organisation]]></category>
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<p>Der Klassenkampf nimmt in den letzten Jahren überall auf der Welt an Fahrt auf. Er drückt sich in Streikwellen, Jugendbewegungen und politischer Polarisierung aus. Arbeiterinnen und Arbeiter diskutieren in ihren Betrieben, Vereinen, Familien und Freundeskreisen wieder vermehrt über Politik. Sie fragen sich, welche Ursache die Angriffe auf soziale Errungenschaften und Lebensstandard haben und wie diese bekämpft werden können. Als Kommunisten wollen wir hierfür wirksame Antworten entwickeln, die unserer Klasse einen erfolgreichen Kampf ermöglichen. Doch dieser Kampf verläuft entlang von immer neuen Entwicklungen und Ereignissen. Die Fähigkeit, diese korrekt einzuschätzen und der Arbeiterklasse Orientierung zu geben, fällt nicht vom Himmel. </p>

<h3><strong>Der dialektische Materialismus</strong> </h3>

<p>Die Philosophie des dialektischen Materialismus von Karl Marx und Friedrich Engels ist der Ausgangspunkt für unser Verständnis der Welt. Im Gegensatz zu jeder bisherigen Weltanschauung stülpt er der Welt keine aus der Luft gegriffene Konzepte über. Stattdessen fordert der dialektische Materialismus dazu auf, jedes Phänomen durch die praktische Untersuchung seines Entwicklungsprozesses zu verstehen. So erschien unseren Vorfahren beispielsweise das Feuer bei einer ersten Betrachtung als ein übernatürlicher Zauber. Erst als sie begannen, sich mit diesem auseinanderzusetzen, es selbst zu entzünden und als Wärmequelle einzusetzen, bauten sie ein wirkliches Verständnis dafür auf. Sie begriffen entzündliches Material als Voraussetzung für die Flammen und sahen, dass diese ohne Luft wieder erstickten. Mit wachsenden technischen Möglichkeiten wurde daraus unser modernes Verständnis von Feuer als exotherme chemische Reaktion. </p>

<p>Alles menschliche Wissen basiert auf der praktischen Auseinandersetzung mit der realen Welt. Marx und Engels erforschten das reichhaltige Material der wirklichen Gesellschaft und ihrer Geschichte. So erkannten sie den Klassenkampf als ihre zentrale Triebkraft. Hiervon ausgehend schufen sie mit dem „Manifest der Kommunistischen Partei“ die erste allgemeine Perspektive für den proletarischen Klassenkampf. Diese Perspektive wurde in den kommenden Perioden von Kommunisten immer weiter ausgebaut und präzisiert. So konnten Lenin und Trotzki beispielsweise eine korrekte Perspektive für den Klassenkampf im Ersten Weltkrieg herausarbeiten, was die Grundlage des Erfolges der Oktoberrevolution sein sollte. </p>

<h3><strong>Fakten und Theorie</strong> </h3>

<p>Es kann verlockend sein, Perspektiven und Positionen unmittelbar den marxistischen Klassikern zu entnehmen. Doch hierdurch können wir schnell zu Fehleinschätzungen gelangen. Denn die Wahrheit ist immer konkret und kann nur durch eine Beschäftigung mit den Fakten herausgearbeitet werden. Die Rolle der Theorie ist es, unter diesen Fakten Wesentliches von Unwesentlichem zu trennen und sie in ein richtiges Verhältnis zu setzen. Das verstand auch Lenin, als er seine Perspektive für die russische Revolution aufstellte. Die Menschewiki gingen dogmatisch davon aus, dass die sozialistische Revolution in den entwickelten kapitalistischen Ländern ihren Ausgang finden und Russland zunächst eine Phase der kapitalistischen Entwicklung durchlaufen müsse. Lenin hingegen erkannte mit seiner Analyse des Imperialismus die veränderte Weltlage und schrieb bereits 1915 treffend: „Die bürgerliche demokratische Revolution in Russland ist heute schon nicht mehr nur der Prolog, sondern ein untrennbarer Bestandteil der sozialistischen Revolution im Westen.“ </p>

<h3><strong>Die Intervention im Klassenkampf</strong> </h3>

<p>Kommunisten sind keine über dem Klassenkampf stehenden Kommentatoren. Sie beziehen die eigene Rolle in die Entwicklung ihrer Perspektiven ein. Hieraus folgen Handlungsaufforderung und Prüfstein zugleich. Am Infostand oder im Betrieb können wir mit abstrakten Perspektiven und Ideen nicht überzeugen. Es gilt an dem anzuknüpfen, was Arbeiter und Jugendliche jeden Tag sehen und erleben. Kommunisten müssen sich deshalb nicht nur mit Theorie und Geschichte, sondern auch mit den täglichen Entwicklungen in der Öffentlichkeit auseinandersetzen und diese entlang der Perspektiven einordnen. </p>

<h3><strong>Die Notwendigkeit der Partei</strong> </h3>

<p>Das Verständnis und damit auch die Wirkung eines isolierten Kommunisten bleibt notwendigerweise beschränkt. Denn niemand kann allein gleichzeitig die relevanten Entwicklungen auf globaler sowie nationaler Ebene analysieren und dabei mit einem konkreten Programm im Klassenkampf vor Ort intervenieren. Aus diesem Grund organisieren wir uns in der RKP als Teil der Revolutionären Kommunistischen Internationale und teilen uns diese Arbeit untereinander auf. In Ortsgruppen bilden wir uns in wöchentlichen Treffen gemeinsam als Kommunisten aus. Wir veröffentlichen Literatur und Texte, die neuen Genossen einen leichten Einstieg in den Marxismus ermöglichen. Mit unseren Mitgliedsbeiträgen befreien wir einige Genossen von der Lohnarbeit, damit sie sich für uns tiefer mit einzelnen Fragen des Klassenkampfes auseinandersetzen können. Denn mit der RKP wollen wir eine Partei schaffen, welche der Arbeiterklasse ein Verständnis ihrer Lage und damit die Fähigkeit zur eigenen Befreiung gibt. </p>
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		<title>Die Methode hinter kommunistischer Außenarbeit </title>
		<link>https://derkommunist.de/die-methode-hinter-kommunistischer-aussenarbeit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Julius Scheffler]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 Jun 2025 06:00:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Strategie & Organisation]]></category>
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<p>Kommunisten schließen sich nicht im stillen Kämmerchen ein. Denn wer ein marxistisches Verständnis der Welt entwickeln will, muss die Theorie anwenden. Das bedeutet immer, in Auseinandersetzung mit der Arbeiterklasse und Jugend zu treten. Ob Infostände, Plakatieraktionen oder Diskussionsveranstaltungen – die dafür zur Verfügung stehenden Werkzeuge sind vielfältig und unterscheiden sich in Wirkung und Voraussetzung. Um bei der Außenarbeit eine korrekte Auswahl der Werkzeuge zu treffen, müssen wir in der Ortsgruppe zunächst drei Fragen diskutieren: </p>

<h3><strong>Wozu treten wir nach außen?</strong> </h3>

<p>Jeder politische Kontakt mit der Arbeiterklasse und Jugend schärft unser Verständnis und ist ein Test unserer Perspektiven und Organisation. Doch dafür müssen wir mit einem bewussten Ziel an sie herantreten. Das Ziel darf nicht willkürlich oder aus Routine gesetzt werden. Es braucht eine politische Begründung, welche die Verbindung zum strategischen Zweck – dem Sturz des Kapitalismus – aufzeigt. Durch die Suche neuer Rekruten stärken wir unsere Möglichkeiten, im Klassenkampf zu intervenieren und für größere Teile der Arbeiterklasse ein relevanter Faktor zu werden. Durch das Verkaufen unserer Zeitung verbreiten wir unsere Ideen, bauen Bekanntschaft und ein Umfeld auf. Durch das Sammeln von Spenden können wir unseren Literaturbestand ausweiten oder Bildungsseminare finanzieren. Jedes Ziel muss schlussendlich auf eine Stärkung unserer politischen Wirkung im Klassenkampf abzielen.  </p>

<h3><strong>Welche objektiven Möglichkeiten und Anforderungen ergeben sich aus dem Interventionsfeld?</strong> </h3>

<p>Unsere Partei bauen wir nicht im luftleeren Raum auf. Ob Erster Mai, Universität oder Betrieb – jedes Feld, in dem wir mit einem bestimmten Ziel intervenieren, hat seine spezifischen Eigenheiten. Diese Eigenheiten zu erkennen, ist Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Intervention. Wenn wir vor einem Universitätsgebäude Stände abhalten, müssen wir wissen, wann dort besonders viel Betrieb ist. Veranstaltungen müssen in leicht erreichbaren Räumlichkeiten stattfinden und Parolen müssen auf den Bewusstseinsstand der zu adressierenden Schicht angepasst werden. Durch Ausprobieren und Auswertung in der Ortsgruppe können wir uns mit der Zeit ein Bild über unsere Interventionsumgebung verschaffen und damit die Erfolgsaussichten einer Intervention steigern. </p>

<h3><strong>Welche Fähigkeiten und Kräfte besitzen wir?</strong> </h3>

<p>Unsere Möglichkeiten zur Intervention bauen wir durch die Erfahrung und Anzahl der Genossen unserer Ortsgruppe aus. Für einen eigenen Demoblock oder eine große Veranstaltungsreihe benötigen wir eine Vielzahl erfahrener Genossen. Eine neue Ortsgruppe sollte sich zunächst auf Methoden konzentrieren, die ihren Kräften entsprechen. Durch regelmäßige Arbeit, wie zum Beispiel wöchentliche Infostände an der Uni, steigen Erfahrung und Übung der Genossen. Um Überforderung zu vermeiden, sollten die Fähigkeiten der eigenen Ortsgruppe im Mittelpunkt unserer Ziel- und Aufbaudiskussionen stehen. Das losgelöste Ziel, von drei auf sieben Genossen in einem bestimmten Zeitraum zu wachsen, kann kaum Enthusiasmus auslösen. Doch die Aussicht, im nächsten Semester eine eigene Kampagne auf die Beine stellen zu können, wenn weitere vier Kommunisten rekrutiert und ausgebildet werden, schafft Inspiration in der Ortsgruppe. </p>

<h3><strong>Planvoll und kombiniert zum Erfolg</strong> </h3>

<p>Flyern, Plakatieren, Infostände, Veranstaltungsreihen, Kundgebungen, Social-Media-Posts, Demo-Interventionen und Handverkäufe – der Einsatz dieser und weiterer Methoden erfordert ein unterschiedliches Ausmaß an Erfahrung, Vorbereitung und Ortsgruppengröße. Doch ihre volle Kraft entfalten diese Methoden, wenn sie in einer Kampagne miteinander kombiniert werden. Veranstaltungsreihen können beispielsweise vorab durch Plakate beworben werden oder bei Demo-Interventionen kann für eine eigene Kundgebung durch Flyer mobilisiert werden. Eine solche Kampagne erfordert die koordinierte Kraftanstrengung aller Genossen und sollte deshalb nur dann die regelmäßige Arbeit unterbrechen, wenn sich durch sie besondere Möglichkeiten ergeben. Genügend Zeit zur Planung, Abschätzung der Kräfte und Nutzung bestehender Erfahrungen anderer Ortsgruppen sind für den Erfolg entscheidend. </p>

<h3><strong>Bolschewismus statt Aktivismus</strong> </h3>

<p>Unsere Außenarbeit müssen wir immer als Teil des Klassenkampfes verstehen. Wir treten nicht als Aktivisten mit einem besonderen Interesse an die Arbeiterklasse und Jugend heran. Wir wollen unserer Klasse die nötigen Einsichten und Kampfmethoden zur Verfügung stellen, die sie zur Durchsetzung ihrer gemeinsamen Interessen benötigt. Der Aufbau unserer Partei dient allein diesem Zweck. Wir müssen deshalb jedes Mal zunächst Klarheit in unserer Ortsgruppe schaffen, mit welchen Ideen und Forderungen wir nach außen treten, bevor wir uns der hier skizzierten Diskussion über die richtigen Methoden und Ziele widmen. </p>
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		<title>Kann man den Sozialismus durchs Parlament einführen?</title>
		<link>https://derkommunist.de/kann-man-den-sozialismus-durchs-parlament-einfuehren/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Oskar Kiefer]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 18 Apr 2025 06:00:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Marxismus]]></category>
		<category><![CDATA[Strategie & Organisation]]></category>
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<p>Der Star der LINKEN, Gregor Gysi, betont gerne, dass er den Kapitalismus hin zum „demokratischen Sozialismus“ reformieren möchte. Mit Bezug auf Artikel 15 im Grundgesetz, welcher die Möglichkeit bietet, Privateigentum zu verstaatlichen, erscheint dieses Vorhaben möglich.</p>

<h3><strong>Ist der Staat neutral?</strong></h3>

<p>Allerdings ist das eine pure Illusion und zeigt das komplette Unverständnis vom Wesen des bürgerlichen Staates. Es ist utopisch zu glauben, dass sich die herrschende Klasse kampflos enteignen ließe. Selbst wenn die LINKE eine absolute Mehrheit in der Regierung bekäme, würde die herrschende Klasse auf alle Mittel zurückgreifen, die ihnen der Staat bietet:</p>

<p>Das Bundesverfassungsgericht könnte zentrale Reformen für verfassungswidrig erklären, ebenso könnte der Bundesrat Gesetzesentwürfe verhindern. Reicht das nicht, werden die Medien und der Beamtenapparat immer weiter Druck ausüben, bis die unliebsamen Politiker brechen oder diskreditiert sind. Der selbsternannte Sozialist Jeremy Corbyn in Großbritannien (von 2015 bis 2019 Vorsitzender der Labour Partei) z.B. wurde von den Medien zerrissen und als Antisemit diffamiert. Unter ständigem Druck des rechten Flügels seiner Partei knickte er schließlich ein. Ersetzt wurde er von einem treuen Knecht des Kapitals: Sir Keir Starmer.</p>

<p>Sollten diese legalen Methoden allerdings nicht ausreichen, um die Reformisten in ihre Grenzen zu weisen, treten Geheimdienste, Polizei und Armee auf den Plan, um die Machtverhältnisse gewaltvoll wiederherzustellen. So drohten z.B. britische Generäle mit einem Putsch für den Fall einer Corbyn-Regierung.</p>

<p>Der Glaube, dass diese Institutionen dem Bundestag und somit dem Volk dienen, ist eine Illusion. Das ehemalige Mitglied der Parlamentarischen Kontrollkommission und SPD-Minister Gerhard Jahn erklärte in den 1980ern: „Jeder Versuch, den Verfassungsschutz, den Militärischen Abschirmdienst oder den Bundesnachrichtendienst parlamentarisch an die Leine zu nehmen, ist schlicht gescheitert.“</p>

<p>Der bürgerliche Staat ist kein neutraler Schiedsrichter. Seine Aufgabe ist die Verwaltung der Interessen der Kapitalisten und die Sicherstellung der Machtverhältnisse zwischen den Klassen. Sind diese Machtverhältnisse in Gefahr, wird er sie verteidigen.</p>

<h3><strong>Die Lehren der Geschichte ziehen</strong></h3>

<p>Ein Blick in die Vergangenheit beweist das: Im Jahr 1970 gewann die sozialistische Unidad Popular (UP) die Wahlen in Chile. Das war ein unglaublicher Sieg für die chilenischen Arbeiter. Unter ihrem Präsident Salvador Allende konnten einige wichtige Reformen durchgebracht werden, insbesondere entschädigungslose Enteignungen von Minen. Dadurch legte man sich aber mit dem US-Imperialismus an.</p>

<p>Im Kampf gegen Sabotage, Embargos und Boykotte durch die Kapitalisten entstanden Arbeiterräte. Sie hätten den bewaffneten Kampf gegen die Konterrevolution organisieren können. Aber die UP war zu fokussiert auf die Arbeit im Parlament, wo man versuchte, Kompromisse mit den Christdemokraten zu schließen.</p>

<p>Allende weigerte sich, die Arbeiterräte zum Kampf und zur Machtübernahme aufzurufen, weil er die Gesetze des bürgerlichen Staates nicht brechen wollte. So hatten die Kapitalisten und ihre Handlanger Zeit, mithilfe des CIA einen Putsch zu planen und ihn 1973 auszuführen. Allende verließ sich zu dem Zeitpunkt noch auf den Oberbefehlshaber der Armee, Augusto Pinochet, der aber in Wahrheit den Putsch leitete und später brutaler Diktator Chiles werden sollte.</p>

<p>Auch wenn die Kapitalisten untereinander in Konkurrenz stehen, sind sie im Kampf gegen den Sozialismus engste Verbündete. Um gegen deren unvermeidliche Reaktion zu kämpfen, braucht es die Massen der Arbeiter, die zu der Zeit in Chile auch vollkommen bereit gewesen wären zu kämpfen.</p>

<h3><strong>Macht</strong></h3>

<p>Die Macht im Staat kommt nicht durch das Papier, auf dem die Verfassung gedruckt ist, oder durch eine Legitimation an der Wahlurne, sondern durch die Kontrolle über die Produktionsmittel und somit über die Wirtschaft. Diese Macht liegt momentan noch bei der Kapitalistenklasse. Allerdings ist deren Macht auf Sand gebaut, denn es ist die Arbeiterklasse, die tatsächlich die Produktionsmittel benutzt und dadurch den Wert in der Gesellschaft schafft. Wenn die Arbeiterklasse diese Macht geeint nutzt, um ihre Interessen durchzusetzen, kann sie keine Macht der Welt stoppen.</p>

<p>Soziale Errungenschaften und Rechte für die Arbeiter waren immer die Folge harten Klassenkampfes und nicht das Ergebnis „geschickten Taktierens“ im Parlament oder vor Gericht. Aber dieser Kampf muss organisiert werden. Die Arbeit im Parlament ist dieser Aufgabe immer untergeordnet!</p>

<p>Das bürgerliche Parlament sollte genutzt werden, solange die Massen Illusionen darin haben. Aber als Bühne, um den Herrschenden die liberale Maske von der stinkenden Fratze zu reißen und um die Massen zu mobilisieren, selber gegen die Herrschenden zu kämpfen – nicht um den Bürgerlichen die Hand auszustrecken. Denn der Sozialismus lässt sich nur durch den revolutionären Kampf der Arbeiterklasse einführen. Dafür braucht es eine Partei, die nicht im bürgerlichen Parlament, sondern im proletarischen Klassenkampf das Mittel zur Umsetzung des Sozialismus sieht. Deswegen bauen wir die RKP auf.</p>
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		<title>Die Jugend, die Linkspartei und der Klassenkampf</title>
		<link>https://derkommunist.de/die-jugend-die-linkspartei-und-der-klassenkampf/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexander Kalabekow]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 Apr 2025 12:51:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeiterbewegung]]></category>
		<category><![CDATA[Die Linke]]></category>
		<category><![CDATA[Leitartikel]]></category>
		<category><![CDATA[Strategie & Organisation]]></category>
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<p>Der Wahlerfolg der Linkspartei zeigt, dass es in der Jugend einen echten Wunsch nach einem Kampf gegen all die Übel der kapitalistischen Gesellschaft gibt. Sie erhielt 8,8% der Stimmen bei der Bundestagswahl und konnte dadurch ein überraschendes Comeback feiern. Mittlerweile liegt sie sogar bei 11% in den Meinungsumfragen. Bei jungen Menschen ist sie die stärkste Partei. In Berlin hatte sie sogar die Wahlen gewonnen.</p>

<p>Das Ergebnis unter den Erstwählenden hat die enorme Polarisierung in der Jugend offengelegt: 27% DIE LINKE, 6% BSW, 20% AfD – während SPD, CDU, Grüne und FDP zusammengenommen nur noch 43% erhalten haben.</p>

<p>Die Jugend kennt den Kapitalismus nur als System permanenter Krisen und ständigen Niedergangs. Die Zukunft Deutschlands sehen nur noch 46% der Jugendlichen optimistisch, 2021 lag der Wert noch bei 62%. Beim Blick auf die Zukunft der Welt sind sogar nur 38% zuversichtlich.</p>

<p>Das Leben im krisengebeutelten Kapitalismus bedeutet für die Jugend ständige Zunahme psychischer Belastungen: 51% leiden unter Stress, 36% unter Erschöpfung, 33% haben Selbstzweifel usw. Die größten Sorgen bereiten der Jugend Inflation (65%), Krieg in Europa und Nahost (60%), teurer und knapper Wohnraum (54%), Spaltung der Gesellschaft (49%), Klimakatastrophe, Aufstieg der Rechten usw.</p>

<p>Gleichzeitig sind die Generationen seit den 2000ern, die politisiertesten und politisch aktivsten seit Jahrzehnten sind. 50 % der jungen Menschen bezeichnen sich als politisch interessiert. Sie haben die Arabischen Revolutionen der 2010er; die Massenbewegungen in Lateinamerika, Afrika und Asien; Fridays for Future; Black Lives Matters; die Frauenbewegungen in Spanien, Irland, Polen, Iran sowie jüngst die Proteste gegen den Völkermord in Gaza gesehen oder erlebt.</p>

<p>Die Jugend sucht nach Veränderung, nach einem würdevollen Leben sowie sinnstiftender und sicherer Arbeit. Der Wunsch nach einer besseren Gesellschaft muss sich früher oder später in Klassenkampf umwandeln. Der Wahlerfolg der Linkspartei hat die kämpferische Stimmung in der Jugend offengelegt.</p>

<p>Kurz vor der Wahl konnte die Linkspartei ihr Ansehen als Kraft für soziale Gerechtigkeit stärken und vor allem als Vorkämpferin gegen Rassismus und reaktionäre Migrationspolitik. Die Abstimmung im Bundestag zwischen CDU und AFD für eine rassistische Asyl-Resolution sendete eine Schockwelle durch die Jugend. Die Linkspartei schleuderte dem entgegen, dass sie „auf die Barrikaden“ gehen würde: gegen Rassismus, Sparpolitik, Aufrüstung und Krieg. Das war der zentrale Faktor, der der Linkspartei den überraschenden Wahlerfolg ermöglichte.</p>

<p>Dieses Versprechen zu kämpfen, hat eine breite Schicht der Jugend für die Linkspartei begeistert. Die Partei konnte es an die kämpferische Energie anknüpfen, mit der Hunderttausende gegen Merz und die AfD demonstriert haben.</p>

<p>Die Linkspartei wird als eine kämpferische Partei wahrgenommen, die sich gegen den offenen Rassismus der etablierten Parteien und die brutale Sparpolitik in Berlin wendet. Damit konnte sie an die Sorgen eines großen Teils der jungen Menschen anknüpfen.</p>

<h3><strong>Zur Geschichte der Linkspartei</strong></h3>

<p>Dabei war die Linkspartei bereits seit Jahren in einer tiefen Krise. Noch am Tag der Abstimmung über die rassistische Asyl-Resolution lag sie bei 3% in den Meinungsumfragen. Ein Niveau auf dem sie sich seit einem Jahr befand. Selbst in der Bundestagswahl 2021 schaffte sie den Wiedereinzug in den Bundestag nur dank dreier Direktmandate. 2023 spaltete sich die Partei. Die Abspaltung um Sahra Wagenknecht (Bündnis Sahra Wagenknecht &#8211; BSW) passte sich der AfD an und erhob kriegs- und einwanderungsfeindliche Forderungen. Die Mehrheit setzte die Anpassung der Partei an die Liberalen und die Sozialdemokratie fort.</p>

<p>Die gesellschaftlichen Wurzeln der Linkspartei liegen vor allem in zwei tiefgreifenden Einschnitten in das Leben und Bewusstsein der Massen in den 1990er und den frühen 2000er Jahren.</p>

<p>Der Zusammenbruch der Sowjetunion und die darauffolgende Abwicklung der DDR-Planwirtschaft durch das westdeutsche Kapital und Establishment hatten barbarische Folgen für die Arbeiterklasse in Ostdeutschland: industrieller Kahlschlag, Massenarbeitslosigkeit und -abwanderung, Zusammenbruch der sozialen Sicherheit. Eine nachhaltig demütigende Erfahrung, die der PDS (Partei des Demokratischen Sozialismus) ab Mitte der 90er eine Massenbasis im Osten gab.</p>

<p>Des Weiteren waren breite Schichten von der Politik der Rot-Grünen Bundesregierung unter Kanzler Gerhard Schröder schwer enttäuscht. Die reformistische SPD handelte als Erfüllungsgehilfe von Kapitalisteninteressen in der bürgerlichen Regierung mit den Grünen. Das Kapital diktierte die reaktionäre Agenda-Politik – sozialer Kahlschlag, Sparpolitik, Angriffe auf Arbeitsrechte, Hartz IV – und Rot-Grün führte aus. Darauf formte sich Widerstand auf den Straßen sowie eine Opposition aus Gewerkschaftern und SPD-Mitgliedern, welche 2004 die WASG (Arbeit &amp; soziale Gerechtigkeit – Die Wahlalternative) gründeten. </p>

<p>Zur Mitte der Nullerjahre gab es also zwei Parteien links der SPD, die den Willen zum Widerstand in den klassenbewussten Schichten der Arbeiterklasse und Jugend gegen die Schröder-Agenda und den Kahlschlag im Osten zum Ausdruck brachten. Diese beiden Parteien schlossen sich am 16. Juni 2007 zur linksreformistischen Partei DIE LINKE zusammen. Das war ein Fortschritt, denn der Klassenkampf erforderte einen organisierten Ausdruck, der alle Kampfwilligen sammeln und geeint in Bewegung setzen konnte.</p>

<p>Der Aufstieg der Linkspartei war ein Produkt der Krise der SPD. Ihre Führung und der Apparat hatten nicht nur keine Reformen, sondern nur noch Konterreformen anzubieten. Der Reformismus zwingt die Arbeiterklasse in eine ungleiche Ehe mit ihrem Klassenfeind, den Kapitalisten. In der Krise des Kapitalismus wälzen die Herrschenden die Krisenfolgen auf die Arbeiterklasse ab, während letztere durch ihre reformistische Führung am Widerstand behindert wird.</p>

<p>Die Linkspartei war ein erster Versuch der Arbeiterklasse, aus dieser Zwangsehe auszubrechen. Mit ihr begann eine neue Etappe des Klassenkampfes. Zum ersten Mal gab es eine Partei links der SPD, die in Ost und West eine Massenbasis gewinnen und der Arbeiterbewegung einen kämpferischen Impuls geben konnte. Die Linkspartei erreichte Erfolge bei Landtags- und Bundestagswahlen, ihre Mitgliedschaft wuchs, sie gab einer großen Schicht linker Aktivisten die Möglichkeit, für Veränderung zu kämpfen und sie weckte Hoffnungen auf positive Reformen. Aber bald geriet diese Aufbruchstimmung in Konflikt zum politischen Fundament der Linkspartei.</p>

<h3><strong>Eine grundlegende Schwäche</strong></h3>

<p>Granden wie Gregor Gysi oder Dietmar Bartsch hatten sich von Anfang an mit dem Kapitalismus arrangiert und der Mitgliedschaft der Linkspartei eine reformistische Desorientierung verpasst, indem sie behaupteten, dass Wahlen, parlamentarische Arbeit und die Beteiligung an bürgerlichen Regierungskoalitionen mit SPD und Grünen Reformen bewirken könnten.</p>

<p>Die Partei mobilisierte keinen Kampf für ihr Programm sowohl außerhalb als auch innerhalb des Parlaments. Stattdessen passte sich die Partei den Zwängen des kapitalistischen Systems an. Dies führte zu einer ständigen Unterwürfigkeit gegenüber den liberalen Medien sowie der Sozialdemokratie und der herrschenden Klasse selbst. Dort, wo sie auf regionaler Ebene in die Regierung kam, beugte sie sich dem Druck zur Durchführung von Sparmaßnahmen und Privatisierungen, anstatt den Widerstand durch die Arbeiterbewegung zu organisieren. Wo sie nicht an der Regierung war und sich an sozialen Bewegungen beteiligte, übernahm sie nicht die Führung.</p>

<p>Nach einem kurzen Aufstieg setzte bereits in der zweiten Hälfte der 2010er Jahre ein Abstieg ein, aus dem die Linkspartei und insbesondere ihre Vorstände keine richtigen Schlussfolgerungen zogen. Ein Aufruf zur Erneuerung folgt auf den anderen. Doch inhaltlich bleibt es beim Alten: stetige Anpassung an liberale Ideen und den Parlamentarismus.</p>

<p>Die Linkspartei verkümmerte zur Wahlkampfmaschine und die zahme Idee eines „Demokratischen Sozialismus“ im Parteiprogramm fiel unter den Tisch. In der Corona-Pandemie, mit dem Ukrainekrieg, in der Energiekrise und Inflation und auch gegenüber der tiefen Wirtschaftskrise seit 2018 blieb die Linkspartei völlig passiv. Sie verzichtete darauf die Kapitalistenklasse im Klassenkampf herauszufordern und stürzte in eine tiefe Krise seit 2020. Die Führung der Linkspartei hatte sie inmitten der tiefsten Krise des Kapitalismus in eine völlige Lähmung manövriert, die zur breiten Abwendung von der Partei führte.</p>

<p>2023 kommentierten wir die Krise der Linkspartei:</p>

<p>„Heute zeigt sich deutlicher denn je, dass die Zwangsjacke des Reformismus gesprengt werden muss. Vom Klimawandel bis zur Inflation – alle Krisensymptome des Kapitalismus erfordern massenhaften Widerstand. Die Bewegungen um Fridays for Future, Black Lives Matter, aber auch die Streikbewegungen der letzten Monate zeigen, dass sich ein solcher Kampf auf der Straße und in den Fabriken anbahnt, in welchem die Arbeiterklasse und die Jugend selbst auf den Plan rücken. Das erfordert einen neuen organisierten Ausdruck: eine Arbeiterpartei, die den Kampf für die sozialistische Revolution aufnimmt.“</p>

<h3><strong>Die Linkspartei heute</strong></h3>

<p>Vor der Bundestagswahl in diesem Jahr schien die Linkspartei aus ihrer Passivität auszubrechen. Die Partei hob sich von den Bewegungen ab, die den Rassismus und die reaktionäre Politik von AfD und CDU herausforderten. Die Linkspartei schien in dieser Frage die ehrlichste Partei zu sein, denn SPD, Grüne und FDP organisierten ihre eigene reißerische rassistische Anti-Flüchtlings-Hysterie. Die Linkspartei organisierte auch einen energischen Haustür-Wahlkampf, insbesondere in Berlin und Leipzig, und nahm sich der Probleme der Massen an: hohe Mieten, schlechte Löhne und Sparmaßnahmen. Dies belebte die Hoffnungen in die Partei, aber das kämpferische Auftreten der Partei war nicht von Dauer.</p>

<p>In der Pressekonferenz am Tag nach der Wahl sagte Jan van Aken, der Vorsitzende der Linkspartei: Seine Partei wird „jeden Angriff auf den Sozialstaat bekämpfen sowohl im Parlament als auch auf der Straße“. Und verwies darauf, dass die Neumitglieder darauf brennen, „weiterzumachen auf der Straße“.</p>

<p>Jedoch hat die Führung der Linkspartei seitdem keine Kämpfe organisiert, um die sozialen Errungenschaften zu verteidigen und die Aufrüstung abzuwenden. Stattdessen ermöglichte sie es den etablierten Parteien CDU/CSU, SPD und Grüne einen Putsch im alten Bundestag gegen das neue Wahlergebnis durchzuführen. Sie stimmte dafür, dass der alte Bundestag zusammentreten soll, um eine Debatte und Abstimmung durchzuführen über das 500 Mrd. Euro Sondervermögen für „Infrastruktur“ und die Reform der Schuldenbremse, die eine ungebremste schuldenfinanzierte Aufrüstung ermöglicht.</p>

<p>Während die Bundestagsfraktion dann dennoch gegen diese Konterreform stimmt, verdeutlichte die Regierungsträger der Linkspartei in den Bundesländern Bremen und Mecklenburg-Vorpommern ihre Loyalität zu den bürgerlichen Partien mit ihrer – nicht notwendig gewesenen – Zustimmung zu den Kriegskrediten im Bundesrat.</p>

<p>Es ist klar: Wer sich für die Aufhebung der Schuldenbremse im Parlament einsetzt, aber nicht den Kampf gegen Sparpolitik und Aufrüstung in den Betrieben, Stadtteilen, Bildungseinrichtungen und Gewerkschaften organisiert, der gibt der kommenden Regierung – allem mündlichen Protest zum Trotz – einen Freifahrtschein für Militarismus und Umverteilung von unten nach oben.</p>

<p>Diese Konterreform wird die kommende Regierung aus CDU/CSU und SPD voll ausschöpfen. Diese Kriegstreiber kaufen jetzt Panzer und Bomben. Sie exportieren Waffen und entsenden Soldaten in alle Welt. Sie befeuern den Ukrainekrieg und Israels Völkermord.  In diesem Monat hat Deutschland zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg dauerhaft Truppen in einem anderen Land, nämlich in Litauen, stationiert. Gleichzeitig wollen sie die Jugend hierzulande zu Kanonenfutter machen und setzen mit dem „Operationsplan Deutschland“ Kriegsvorbereitungen gegen Russland in Gang.</p>

<p>Für diese imperialistische Großmachtpolitik soll die Arbeiterklasse bezahlen. Mit anti-russischem und anti-muslimischen Chauvinismus und mit Kriegsangst wollen sie Patriotismus erzeugen und unseren Geldbeutel locker machen. CDU/CSU, SPD und Grüne laden zusammen mit den Unternehmerverbänden, unterstützt von der AfD, die Kosten für Krise und Krieg auf die Arbeiterklasse und Jugend ab.</p>

<p>Die herrschende Klasse verlangen Opferbereitschaft von der Jugend und Arbeiterklasse, weil wir über unsere Verhältnisse gelebt hätten und die „Friedensdividende“ aufgebraucht sei. Das ist eine Lüge. Die Krise des Kapitalismus in Deutschland haben die Kapitalisten, ihre Politiker und ihre Regierungen zu verantworten. Was wir erleben, ist die Entfesselung der Krise dieses Systems in pure Barbarei. Sie zerstören alles, was ein halbwegs zivilisiertes Leben möglich macht.</p>

<p>In dieser Situation streckt die Führung der Linkspartei in einem Beschluss vom 1. März ihre Hand „allen demokratischen Parteien“ entgegen. Auch ihr Abgeordneter Gregor Gysi, der dienstälteste Parlamentarier und deshalb Alterspräsident des neuen Bundestags, bekräftigte diese Haltung in seiner Eröffnungsrede des neuen Bundestags am 25. März:</p>

<p>„Die Mehrheit der Mitglieder des Bundestages geht davon aus, dass man durch die Bundeswehr und deren Waffen ein hohes Abschreckungspotential benötigt, sodass kein Land sich wagte uns anzugreifen. Sie meinen, dass nur auf dieser Basis auf Augenhöhe Verhandlungen geführt werden können. Diejenigen die das anders sehen, z. B. ich, dürfen diejenigen die diesen Standpunkt vertreten niemals als Kriegstreiber bezeichnen. Denn sie wollen ja auf ihrem Weg Frieden sichern.“</p>

<p>Gysi trat als vehementer Befürworter von „Verteidigungsausgaben“ auf und verschwieg die sozialen Konsequenzen und die kommende barbarische Politik der bürgerlichen Parteien.</p>

<p>Angetreten war die Linkspartei mit dem Versprechen „auf die Barrikaden“ zu gehen. Sie sagte, sie werde die Kürzungspolitik, Aufrüstung und Tatenlosigkeit der bürgerlichen Parteien in der Klimakrise anprangern und einen Kampf dagegen führen. Doch Gysis erster Auftritt im neuen Bundestag stand im Lichte der Versöhnung mit dem Klassenfeind. Damit beschreitet die Führung der Linkspartei nach der Bundestagswahl den selben Pfad, der sie vorher in die tiefe Krise geführt hat.</p>

<h3><strong>Was braucht es jetzt?</strong></h3>

<p>Der Wahlerfolg der Linkspartei hat den Wunsch der Jugend zu kämpfen offengelegt. Die Linkspartei hat es jetzt in der Hand die Passivität der Arbeiterbewegung, die den Massen von der Gewerkschaftsführung auferlegt wird, zu durchbrechen, indem sie die Jugend auf die Straße mobilisiert für eine Protestbewegung gegen Sparpolitik, Aufrüstung und die kommende Regierung.</p>

<p>Das ist die Verantwortung, die die Linkspartei jetzt trägt: Sie muss die soziale Opposition auf die Straße zu bringen, sie sollte ihre Mitgliedschaft und Wählerschaft (über 4 Mio. Stimmen) zum Kampf rufen. Wir Kommunisten sind der Meinung, die Linkspartei sollte für ihr Programm auf der Straße kämpfen, dafür wurde sie gewählt.</p>

<p>Die Jugend kann, in dem sie mutig vorangeht, dem Rest der Arbeiterbewegung vormachen, dass es möglich ist zu kämpfen. Sie ist inspiriert durch die weltweiten Klassenkämpfe und hat das Potential die Arbeiterbewegung im Deutschland zu inspirieren. Wenn man entschlossen kämpft, kann man gewinnen. Jetzt ist die Zeit zu handeln, die Zeit für einen soziale Bewegung auf der Straße, an deren Spitze die Jugend steht.</p>

<p>Wir Kommunisten setzen uns für solch eine Offensive ein und werben überall dafür. Die herrschende Klasse verlangt von der gesamten Arbeiterklasse einen enormen Aderlass. Die Jugend sollte sagen: Wir zahlen nicht für eure Krise! Wir lassen uns nicht nehmen, was wir haben! Uns steht noch viel mehr zu! Wir wollen mehr vom Leben!</p>

<p>Wir denken, dass die Jugend und Arbeiterklasse nicht nur radikalere Kampfmethoden braucht, sondern auch ein Programm, dass die Massen mobilisieren kann, um die herrschende Klasse zurückzuschlagen. Der Reformismus und die Sozialpartnerschaft haben jede unabhängige Bewegung der Arbeiterklasse und Jugend gehemmt und in Niederlagen geführt haben. Die Arbeiterbewegung braucht deshalb eine Stimme und organisierende Kraft, die sie aus dieser Sackgasse führt und den Klassenkampf wiederbelebt.</p>

<p>Wir Kommunisten von der RKP in Deutschland kämpfen für so eine Partei. Unser Programm stellt sich gegen den nationalen Patriotismus und gegen die Verteidigung dieses Ausbeuter- und Unterdrückersystem. Wir sagen, die Jugend und die Arbeiterbewegung kann nur auf die eigene Kraft setzen. Sie muss ihr Schicksal in die eigenen Hände nehmen, das heißt die Macht in der Gesellschaft erkämpfen.</p>

<p>Wir sagen: Friede den Hütten, Krieg den Palästen. Für uns heißt das: Klassenkampf satt Kuschelkurs. Die Zukunft der Jugend und der Arbeiterklasse liegt im Kampf gegen den Kapitalismus, für die sozialistische Revolution.</p>
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		<title>Was tun? Wie Lenin eine revolutionäre Partei aufbaute</title>
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		<dc:creator><![CDATA[RKI]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 10 Apr 2025 10:00:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Revolutionen]]></category>
		<category><![CDATA[Theorie]]></category>
		<category><![CDATA[Bildungsmappe MassenErobern]]></category>
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<p>Im Jahr 1901 veröffentlichte Lenin sein lang erwartetes Buch <em>Was tun?</em> Dieses Meisterwerk der marxistischen Literatur ist ein unvergleichliches Handbuch für alle, die eine bolschewistische Partei aufbauen und ernsthaft für den Sturz des Kapitalismus kämpfen wollen. In diesem Artikel erklären wir, warum dieses Buch bis heute so bedeutend ist und warum jeder Kommunist sich den Inhalt aneignen sollte.</p>

<p>Nachdem die Delegierten des ersten Kongresses der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands (SDAPR) im Jahr 1898 verhaftet wurden, geriet die marxistische Bewegung in Russland in Unordnung. Dilettantische Methoden, Des-Organisation und mangelnde politische Klarheit herrschten in den kleinen isolierten marxistischen Zirkeln im ganzen Land.</p>

<p>Nach seiner Rückkehr aus dem sibirischen Exil reiste Lenin nach Westeuropa. Dort schloss er sich mit Martow und Potresow den Veteranen der marxistischen Bewegung, Plechanow, Sassulitsch und Axelrod an. Gemeinsam gründeten sie die Zeitung <em>Iskra</em>, um diese Probleme zu lösen. Mit dieser Zeitung arbeiteten sie daran, die verstreuten Elemente zu verbinden und der Partei eine klare politische Linie, Richtung und Organisation zu geben.</p>

<p>Doch ihre Bemühungen stießen auf Widerstand. In der Partei gab es eine Strömung, die die schwierige Lage der Marxisten nicht nur hinnahm, sondern sie sogar zur Stärke erklärte. Sie verherrlichte die amateurhaften und unklaren Methoden und idealisierte die rein spontane Natur der Arbeiterbewegung, anstatt sie auf das Niveau einer bewussten, organisierten Bewegung unter kommunistischer Führung zu heben. Diese Strömung wurde als «Ökonomismus» bekannt.</p>

<p>Es war notwendig, einen entschiedenen politischen Kampf gegen diese Strömung zu führen, um die Jugendkrise zu überwinden und ins Erwachsenenalter einzutreten. Und gerade in scharfen Auseinandersetzungen zeigte Lenin stets seine größte Stärke.</p>

<p>Das kurze Buch <em>Was tun?</em> war das Ergebnis dieser Polemik. Dieses Meisterwerk der marxistischen Literatur steckt voller Lehren für den heutigen Aufbau einer revolutionären Partei. Es bleibt eine unverzichtbare Lektüre für jeden ernsthaften Kommunisten.</p>

<p>Wie Lenins Lebensgefährtin und Genossin Nadeschda Krupskaja es ausdrückte, ist dies ein Buch, das von jedem studiert werden sollte, der ein Leninist in der Praxis und nicht nur in Worten sein will.</p>

<h3><strong>Ökonomismus</strong></h3>

<p>Seit Mitte der 1890er Jahre kam es in Russland zu einem gewaltigen Anstieg der Arbeiterunruhen. In allen großen Fabriken brachen Streiks aus. Die Marxisten stürzten sich in die Agitation rund um wirtschaftliche Fragen. Oft genügte schon ein Flugblatt der, SDAPR das Missstände in einer Fabrik aufdeckte, um die Arbeiter zum Streik zu bewegen.</p>

<p>Dies war eine spontane, elementare Bewegung. Sie stellte die ersten Vorboten eines erwachenden Bewusstseins der Arbeiterklasse dar. Lenin und die Anhänger der Iskra verstanden, dass die Rolle der Partei der Avantgarde der Arbeiterklasse darin bestand, das Bewusstseinsniveau der Arbeiterklasse anzuheben: diese ersten Ansätze von Klassenbewusstsein in ein klares, revolutionäres Verständnis zu verwandeln.</p>

<p>Als die Arbeiter begannen, sich gegen ihre eigenen Chefs zu wenden, war es nötig, ihren Blick zu heben: zu erklären, dass ihr Feind nicht nur ein einzelner Chef war, sondern die Bosse als Klasse, die Grundbesitzer und die gesamte zaristische Autokratie.</p>

<p>Wenn die Arbeiterklasse zu einer kämpferischen Kraft werden sollte, die die Autokratie herausfordern kann, musste die wirtschaftliche Agitation durch eine umfassende politische Agitation und Propaganda ergänzt werden – mit anderen Worten, dieses spontane, halbbewusste Erwachen musste auf die Ebene einer organisierten, bewussten, revolutionären Bewegung gehoben werden.</p>

<p>Die Ökonomisten hingegen verherrlichten die spontane Bewegung der Arbeiterklasse. Die Redakteure von Rabocheye Dyelo warfen Lenin und den Anhängern der <em>Iskra </em>vor, zu viel Wert auf Politik und Theorie zu legen, die nur für Intellektuelle und fortgeschrittene Arbeiter geeignet seien, und zu wenig auf die «praktische», alltägliche Arbeit und einfache wirtschaftliche Agitation, die sich an den «Durchschnittsarbeiter» richtet.</p>

<p>Politisches Bewusstsein ergebe sich automatisch aus dem wirtschaftlichen Kampf – «Politik ergibt sich aus der Wirtschaft». Das Eingreifen einer Avantgarde, um dieses Bewusstsein zu heben, sei daher unnötig. Es genüge, wenn die Marxisten die Streikbewegung energisch ermutigen, und den Rest würden die Arbeiter selbst erledigen.</p>

<p>Aber Lenin erklärte, dass die Arbeiter viel besser wissen als die Marxisten, dass sie wirtschaftlich ausgebeutet werden! Wenn die Marxisten ihre Agitation darauf beschränken, den Arbeitern zu sagen, was sie bereits wissen, besteht die Gefahr, dass sie die Arbeiter langweilen. Bis heute gibt es viele sogenannte «marxistische» Sekten, die wie die Ökonomisten glauben, dass die Arbeiter nur an «praktischen» Fragen interessiert sind, die das tägliche Brot betreffen. Ihre grauen Zeitungen lesen sich weniger wie Organe des revolutionären Kampfes und eher wie eine Nachtlektüre, die gegen Schlaflosigkeit helfen soll.</p>

<p>Der wahre Lenin ist für diese modernen Sekten ein Rätsel, obwohl sie in jedem zweiten Satz auf Lenin schwören. Sie versuchen, eine Abkürzung zu den «rückständigen» Arbeitern zu finden, indem sie ihr Material verwässern, und dabei behandeln sie die Arbeiter wie Kinder:</p>

<p>«Ihr Herren Sachwalter der ‘Durchschnittsarbeiter’ beleidigt ja eigentlich die Arbeiter durch euren Wunsch, euch unbedingt zu bücken, bevor ihr von Arbeiterpolitik oder von Arbeiterorganisation zu reden anfangt. Redet doch von ernsten Dingen in aufrechter Haltung und überlasst die Pädagogik den Pädagogen, nicht den Politikern und Organisatoren!»</p>

<p>Lenin warf ihnen vor, dass sie die Rolle der Parteimitglieder auf die Rolle von Gewerkschaftssekretären reduzierten, indem Sie sich auf ökonomische Fragen beschränkten.</p>

<p>Was im Gegensatz dazu eigentlich nötig benötigt war, war eine Partei auf Grundlage professioneller Revolutionäre, die in marxistischer Theorie gestählt sind und als «Volkstribun» handeln können. Das heißt, die gesamte innere Logik des Kapitalismus offenlegen und die Arbeiter darin ausbilden und die lebendige Berichte und Analysen einbringen, die den Arbeitern helfen, den Klassenkampf von allen Seiten zu erkennen.</p>

<p>Er erklärte, dass es viele verschiedene Formen von Agitation und Propaganda gebe, welche die Massen erreichen und bilden können, nicht nur ökonomische Fragen:</p>

<p>«Die Landeshauptleute und die Prügelstrafen für Bauern, die Bestechlichkeit der Beamten und die Behandlung des ‘gemeinen Volks’ in den Städten durch die Polizei, der Kampf gegen die Hungernden und das Kesseltreiben gegen das Streben des Volkes nach Licht und Wissen, die Zwangseintreibung der Abgaben und die Verfolgungen der Sektierer, das Drillen der Soldaten und die Kasernenhofmethoden bei der Behandlung der Studenten und liberalen Intellektuellen – stellen denn alle diese und tausend andere ähnliche Erscheinungen der Unterdrückung, die nicht unmittelbar mit dem ‘ökonomischen’ Kampf verknüpft sind, im allgemeinen weniger ‘weit anwendbare’ Mittel und Anlässe der politischen Agitation, der Einbeziehung der Massen in den politischen Kampf dar?»</p>

<p>Erst wenn die Arbeiter erkennen, dass sie nicht nur im Konflikt mit ihrem eigenen Boss, sondern mit der ganzen Kapitalistenklasse, dem Staatsapparat, den Medien und dem Schulsystem sind, wenn die Arbeiter den wirklichen Inhalt der Phrasen der Politiker verstehen, die Stärken und Schwächen der anderen Klassen erkennen, können sie sich bereitmachen für den finalen Kampf für den Sozialismus. Die Rolle der Kommunisten ist es, die Arbeiterklasse zu organisieren und ihr ein umfassendes politisches Verständnis zu geben, angefangen bei der fortgeschrittensten Schicht.</p>

<p>Aber anstatt danach zu streben, die Arbeiter zu führen und ihr politisches Verständnis zu heben, ließen sich die Ökonomisten hinab auf das Level, das ihrer Meinung nach dem Bewusstsein der Arbeiter entsprach.</p>

<p>Sie spotteten über die Partei-«Theoretiker», die sie des Elitismus beschuldigten, weil diese es wagten, über Dinge zu sprechen, die angeblich über das Interesse und Verständnis des «durchschnittlichen Arbeiters» hinausgehen. Kurz gesagt: Sie verherrlichten die Rückständigkeit und Ignoranz in der Arbeiterklasse und bedienten mit demagogischen Phrasen über „die Massen» oder «die Arbeiter für die Arbeiter» die übelsten Vorurteile gegen die «Führer» und Theoretiker.</p>

<p>Anstatt der Bewegung zu helfen, über dessen Anfangsphase hinauszuwachsen, hilft dieser «Workerismus», wie es Marxisten nennen, die Massenbewegung künstlich in ihren Kinderschuhen festzuhalten. Indem sie den politischen Kampf aufgaben, überließen sie den Einfluss in der Arbeiterklasse der liberalen Bourgeoisie.</p>

<p>In <em>Was tun? </em>Wendete sich Lenin entschieden gegen diese Verachtung der Theorie – begründet mit der Notwendigkeit, sich auf «kleine», «praktische» Taten zu konzentrieren, die damals wie heute zur politischen Unterwerfung gegenüber der liberalen Bourgeoisie führt:</p>

<p>«Man kann danach beurteilen, welchen Mangel an Takt das ‘Rabotscheje Delo’ zeigt, wenn es mit triumphierender Miene Marx’ Ausspruch ins Treffen führt: ‘Jeder Schritt wirklicher Bewegung ist wichtiger als ein Dutzend Programme.’ Diese Worte in einer Zeit der theoretischen Zerfahrenheit wiederholen ist dasselbe, als wolle man beim Anblick eines Leichenbegängnisses ausrufen: ‘Mögen euch immer so glückliche Tage beschieden sein’.</p>

<p>Ohne revolutionäre Theorie kann es auch keine revolutionäre Bewegung geben. Dieser Gedanke kann nicht genügend betont werden in einer Zeit, in der die zur Mode gewordene Predigt des Opportunismus sich mit der Begeisterung für die engsten Formen der praktischen Tätigkeit paart.</p>

<p>Jetzt möchten wir nur darauf hinweisen, dass die Rolle des Vorkämpfers nur eine Partei erfüllen kann, die von einer fortgeschrittenen Theorie geleitet wird.»</p>

<p>Heute wird dieselbe Herangehensweise des «Workerismus» und der Verspottung der Theorie genutzt, um den hässlichsten Opportunismus zu rechtfertigen. In 2018 hat Alexandria Ocasio-Cortez in einem Vanity Fair-Artikel ein krudes Beispiel dieser Herangehensweise gezeigt:</p>

<p>«Ich denke, es ist echt bougie, mit einer definierten politischen Ideologie aufzuwachsen. Du brauchst dafür Eltern, die auf dem College waren und ein politisches Lexikon besitzen. Meine Mutter hat nicht einmal ein Englisch-Lexikon! Wenn Leute sagen, ich sei nicht sozialistisch genug, dann empfinde ich das als sehr klassizistisch. Ich bin dann so: ‘Was – lese ich dir nicht genug Bücher, Junge?’.» (Unsere Übersetzung)</p>

<p>Sie stellt ihre Herkunft aus der Arbeiterklasse zur Schau, um sich über die kommunistischen «Bücherwürmer» lustig zu machen, die Ideen und Theorie ernst nehmen. Doch was hat sie getan? Sie hat ihren Einfluss genutzt, um die Arbeiter direkt in die Arme der herrschenden Klasse zu treiben! Im Jahr 2019 haben sie, Sanders und der gesamte «Squad» Biden und die Demokraten auf schändliche Weise unterstützt. Es folgte noch viel Schlimmeres, darunter die Unterstützung Bidens beim Verbot des Eisenbahnerstreiks und bei der Militärhilfe für Israel seit dem 7. Oktober.</p>

<p>AOC ist natürlich eine durchschaubare Karrieristin. Es ist eine Verleumdung der Arbeiterklasse zu sagen, dass diese sich nicht für die Theorie interessiere oder sie nicht verstehen könne. Wenn die Theorie einfach und auf lebendige Weise erklärt wird, wenn Marxisten gute Agitation und Propaganda zu den verschiedensten Themen betreiben, dann werden die Arbeiter – angefangen bei der fortgeschrittensten Schicht – sie verstehen können. Die Kraft der marxistischen Theorie besteht darin, dass sie wahr ist. Und das Leben lehrt die Arbeiter täglich dieselben Wahrheiten.</p>

<p>Die Aufgabe der Marxisten ist es genau, den Arbeitern zu helfen, alle korrekten revolutionären Schlussfolgerungen aus ihrer Erfahrung zu ziehen. Wir können nicht davon ausgehen, dass automatisch und spontan die korrekten politischen Schlussfolgerungen aus den ökonomischen Kämpfen der Arbeiter gezogen werden.</p>

<p>Lenin wies auf das Beispiel Großbritanniens hin, wo die Verfechter des Fabianismus (der schrittweisen Reformen im Schneckentempo) die Führung der Labour-Partei beherrschten, um zu zeigen, wie die Arbeiterbewegung für Zugeständnisse auf wirtschaftlicher Ebene auch unter den politischen Einfluss der kleinbürgerlichen Liberalen geraten kann, die nicht weiter schauen als kleinliche Reformen auf parlamentarischer Ebene. Um dies zu verhindern, müssen die Kommunisten einen entschlossenen Kampf um politischen Einfluss führen.</p>

<p>Eine kurze Randbemerkung: Wir sollten festhalten, dass Lenin im Kampf gegen diese Verschandelung des Marxismus den Bogen manchmal etwas in die andere Richtung überspannt hat. Das führte zu einer Formulierung in <em>Was tun?, </em>die Lenin von Kautsky übernommen hat und seither nie mehr wiederholte, dass die Arbeiterklasse «ausschließlich aus eigener Kraft nur ein trade-unionistisches [gewerkschaftliches] Bewusstsein hervorzubringen vermag».</p>

<p>Das ist offensichtlich ein Fehler, der aus einer Übertreibung fließt. Wie Lenin im Buch selbst erklärt, ist das eine stark vereinfachte Faustregel. Trotzdem wiederholen viele sogenannte Leninisten diese Worte. In Wahrheit ist die Geschichte voll mit Beispielen von Arbeitern, die weitreichende politische Schlussfolgerungen gezogen haben, ohne dass diese Ideen von außen von Marxisten hineingetragen wurden. Es reicht, etwa die fortgeschrittenen politischen Schlussfolgerungen des «physical force» Chartismus in Großbritannien in den 1830er Jahren zu erwähnen.</p>

<p>Was Lenin jedoch richtigerweise betonte, war die essentielle Rolle der revolutionären Partei im politischen Kampf, deren erste Kader aus allen Klassen stammen können – zu der in Russland nicht nur viele Studenten, sondern sogar Kinder von Kapitalisten und Aristokraten gehörten – und deren Aufbau bis zu einem gewissen Grad unabhängig vom Wachstum der Arbeiterbewegung ist.</p>

<h3><strong>Eine Partei aus professionellen Revolutionären</strong></h3>

<p>Die Ökonomisten zeigten alle realen Probleme auf, mit denen die marxistische Bewegung zu kämpfen hatte – insbesondere die amateurhaften Methoden, die zu Polizeidurchsuchungen führten, welche die Arbeit unterbrachen – aber zogen alle falschen Schlussfolgerungen.</p>

<p>Sie machten vor allem die Tatsache dafür verantwortlich, dass Studenten über lange die Führung der marxistischen Zirkel dominiert hatten. Sie plädierten stattdessen dafür, die Arbeit unter Studenten zugunsten einer «breiten» Partei der Arbeiter zu vernachlässigen. Für eine Partei der «Massen», nicht der «Führer».</p>

<p>Aber Lenin erklärte, dass das Gegenteil einer losen, amateurhaften, schlecht geführten Organisation eine zentralisierte, disziplinierte, gut geführte Organisation von geschulten professionellen Revolutionären ist. Damit meinte Lenin nicht nur Fulltimer. In der ersten Ausgabe der <em>Iskra </em>erklärte er: Ein professioneller Revolutionär ist jemand, der sein gesamtes Leben, nicht nur die freien Abende der Revolution widmet. Ob ein professioneller Revolutionär vorher ein Student, ein Intellektueller oder ein Arbeiter war, ist egal.</p>

<p>Um diesen Punkt zu erklären, hat Lenin einen direkten Vergleich zwischen dem Klassenkrieg und dem traditionellen Krieg gezogen. Oftmals hat in der Geschichte hat eine kleine, aber disziplinierte Armee mit guten Offizieren größere Armeen besiegt, die aus mutigen Soldaten bestanden, aber von schlechten Offizieren geführt waren. Dasselbe gilt für den Klassenkrieg. Eine revolutionäre Partei – soll sie denn effektiv sein – muss um politisch und technisch geschulte und gestählte Kader aufgebaut werden.</p>

<p>Der einzige Weg für eine solche Partei, sowohl politische Klarheit als auch Einheit in der Aktion zu erreichen, ist mithilfe des demokratischen Zentralismus. Das bedeutet breiteste demokratische Diskussionen in der gesamten Partei, bevor eine Entscheidung gefällt wird, um die maximale Klarheit zu erreichen und das Verständnis auf ein höheres Level zu heben. Aber nachdem die Entscheidung gefällt ist, ist die disziplinierte Einheit in der Aktion unverzichtbar.</p>

<p>Dieses Modell wurde nicht von Lenin erfunden. Er hat es aus der marxistischen Bewegung vor ihm, und insbesondere von der Deutschen Sozialdemokratischen Partei übernommen, die sich zu der Zeit noch als marxistische Organisation bezeichnete und international als Vorbild gehandelt wurde.</p>

<p>Heute gibt es viele auf der sogenannten Linken, die den demokratischen Zentralismus verhöhnen, da sie die Lügen der bürgerlichen Historiker glauben, die Lenin’s Namen anschwärzen wollen, indem sie ihn mit dem Stalinismus verbinden und fälschlicherweise den demokratischen Zentralismus mit dem monströsen bürokratischen Zentralismus von Stalins Diktatur gleichsetzen.</p>

<p>Diese Linken glauben diesen Mythos und haben das Gefühl, mit ihren «breiten», losen Netzwerken etwas gefunden zu haben, das viel «demokratischer» ist als Lenins zentralisierte Partei. Ausnahmslos führen ihre «Innovationen» aber zum Aufstieg von bürokratischen Cliquen, ungewählten Führungen ohne Rechenschaftspflicht und schließlich ins Desaster. Das ist genau, was Lenin verhindern wollte.</p>

<p>Ein Beispiel: Kurz nachdem Corbyn 2015 zum Parteipräsidenten der Labour Party in Großbritannien gewählt wurde, als Hunderttausende von normalen Arbeitern und Jugendlichen in die Partei strömten, gab es einen Versuch, dem Corbynism einen organisierten Ausdruck zu geben: Momentum. Hunderte Gruppen entstanden überall im Lande, Zehntausende wurden von diesem Banner angezogen.</p>

<p>Dessen Führer, etwa Jon Lansmann, erklärten, sie bauten eine «breite Basisbewegung» auf. Das klingt alles sehr schön und sehr «demokratisch». Was bedeutete es in der Praxis? Anstatt demokratischer Konferenzen mit Delegierten, die politische Ideen diskutieren, das Verständnis heben und ein Aktionsprogramm entwickeln, das die innere Revolution in der Labour Partei zum Abschluss bringt, kreierten sie eine demokratische Fassade mit gelegentlichen Online-Abstimmungen.</p>

<p>Ihr Vorbild war die Podemos, die viele scheinbar sehr demokratische Online-Debatten und -Konsultationen abhielt. Dabei konnten aber nur diejenigen an den Diskussionen teilnehmen, die alle Zeit der Welt hatten. Mangels angemessenen internen Kanälen wurde die Mehrheit von dem gesamten Prozess entfremdet und auf eine passive Position reduziert.</p>

<p>Die Führer von Momentum und Podemos hatten in Wahrheit Angst, die Kontrolle über die Organisation zu verlieren, wenn sie den Basismitgliedern die Initiative übergeben. Stattdessen wurden die Mitglieder behandelt wie hirnlose Fußsoldaten für eine Wahlmaschine, die wie ein Wasserhahn ein- und ausgeschaltet werden kann.</p>

<p>Die Momentum-Führer hatten nie den Anspruch, Marxisten zu sein. Aber die Situation ist bei vielen Sekten nicht besser, die sich «marxistisch» oder sogar «leninistisch» nennen.</p>

<p>Nachdem die Socialist Party in Großbritannien die bestehenden Arbeitermassenorganisationen als verrottet und bürokratisch abgelehnt hat, hat sie wiederholt versucht, einfach neue, «breite» «Arbeitermassenparteien» auszurufen. In der Praxis verwässern sie einfach ihr revolutionäres Profil, wie es die Ökonomisten taten, nehmen eine reformistische Färbung an, sprechen ausschließlich über «Brot und Butter»-Fragen und verschwenden eine Menge Zeit damit, ihre leblose «breite Front» künstlich am Leben zu erhalten.</p>

<p>Solche Versuche sind ausnahmslos immer gescheitert.</p>

<p>Für uns, als ernsthafte revolutionäre Kommunisten, ist der Aufbau einer disziplinierten Organisation aus professionellen Revolutionären, die gefestigt sind in der marxistischen Theorie, nicht nur ein schönes Hirngespinst. Es ist die absolut unabdingbare Voraussetzung für den Aufbau einer kämpferischen revolutionären Partei, die um die politische Führung der Arbeiterklasse konkurrieren kann. Die Oktoberrevolution hat die Richtigkeit der Leninschen Konzeption ein für alle Mal bewiesen. <em>Was tun?</em> bleibt deshalb ein Handbuch für uns, auf dem Weg, eine revolutionäre kommunistische Internationale zu gründen.</p>

<h3><strong>Eine gesamtrussische marxistische Zeitung</strong></h3>

<p>Wenn einmal klar ist, dass wir eine Partei von professionellen Revolutionären brauchen, stellt sich die Frage nach einem Plan. Wie gehen wir diese Aufgabe an? Lenin’s Antwort war klar: Die revolutionäre Bewegung braucht eine gesamtrussische marxistische Zeitung.</p>

<p>Die Ökonomisten waren perplex. Für sie kam die Frage nach einem Plan erst gar nicht auf, und der Plan von Lenin erschien ihnen doch sehr «buchmäßig». Nein, sagten sie, wir müssen einfach etwas tun: mehr «praktische» Arbeit leisten, «die Bewegung aufbauen», Streikgelder sammeln, usw. usf.</p>

<p>Aber die Revolutionäre in Russland waren sehr aktiv! Das Problem war, dass diese Aktivität schlecht koordiniert war. Gruppen in einem Teil des Landes konnten nicht aus den Erfahrungen aus anderen Regionen lernen. Die Nachricht eines Streiks im Ural, eines Massakers auf dem Lande etc. wurde im restlichen Land nicht gehört. Qualitativ hochwertiges theoretisches Material erreichte die lokalen Gruppen nur selten und die Verbindung zur nationalen Führung war in den besten Fällen lückenhaft. Es gab massive Doppelarbeit, da überall lokale Zeitungen entstanden, die dann nach einer Verhaftungswelle durch die Okhrana (zaristische Geheimpolizei) wieder eingestellt wurden.</p>

<p>Darüber hinaus würde sogar die technische Vorbereitung der Zeitung die Organisation stählen und disziplinieren. Lenin erklärte die Rolle der Zeitung mit einer Analogie: eine Richtschnur, die von Maurern verwendet wird.</p>

<p>«Die Gründung einer gesamtrussischen Zeitung muss die wichtigste Richtschnur sein, an Hand derer wir die Organisation (d.h. die revolutionäre Organisation, die stets bereit ist, jeden Protest und jedes Aufflackern zu unterstützen) unbeirrt tiefer entwickeln und erweitern können. Sagt doch bitte: Wenn Maurer an verschiedenen Stellen die Steine für einen ungeheuer großen, noch nie dagewesenen Bau legen – ist es dann eine ‘papierne’ Arbeit, wenn sie eine Schnur ziehen, die die richtige Stelle für das Legen der Steine anzeigt, die auf das Endziel der gemeinsamen Arbeit hinweist, die die Möglichkeit gibt, nicht nur jeden Stein, sondern auch jedes Stück Stein zu verwerten, das, sich dem vorhergehenden und dem folgenden einfügend, die letzte Lücke in der vollendeten und allumfassenden Linie schließt? […] Hätten wir einen Trupp erfahrener Maurer, die so gut aufeinander eingearbeitet sind, dass sie auch ohne Schnur die Steine gerade dort hinlegen könnten, wo es notwendig ist (das ist, abstrakt gesprochen, durchaus nicht unmöglich), dann könnten wir vielleicht auch nach einem anderen Kettenglied greifen. Aber das ist ja eben das Malheur, dass wir noch keine erfahrenen und gut aufeinander eingearbeiteten Maurer haben, dass die Steine oft ganz nutzlos gelegt werden, dass sie nicht nach einer gemeinsamen Schnur gelegt werden, sondern so verstreut, dass der Feind sie einfach fortbläst, als wären es nicht Steine, sondern Sandkörner.»</p>

<p>So wie eine Richtschnur bei der gemeinsamen Arbeit hilft, so soll die Zeitung die gemeinsame Arbeit der Partei anleiten. Sie soll regelmäßigen Kontakt und Korrespondenz zwischen den Regionen und dem Center fördern. Dafür braucht es ein Netzwerk zur Verteilung der Zeitung, zum Sammeln des Geldes, um die revolutionäre Organisation zu finanzieren, und die Entwicklung eines zuverlässigen Netzwerks von Kontakten in den Fabriken.</p>

<p>Dieselben Kontakte, welche die <em>Iskra </em>und andere Zeitungen, die die bolschewistische Partei später in den russischen Massen etabliert hatten, würden wie ein Nervensystem funktionieren, wenn der Tag für den Aufstand kommt.</p>

<p>In der Tradition dieser bewährten Methoden haben unsere Genossinnen und Genossen im Vorfeld der Gründung der Revolutionären Kommunistischen Internationale in den letzten Monaten in einer Reihe von Ländern die kommunistische Presse ins Leben gerufen oder wiederbelebt, unter anderem in Großbritannien, Kanada, Deutschland, El Salvador, Portugal, Schweden, der Schweiz und Ungarn, wobei in einer ganzen Reihe weiterer Länder neue Zeitungen in Vorbereitung sind.</p>

<p>Heute gibt es viele sogenannte Linke (viele davon, die sich als Anhänger von Lenin verstehen!), die sich auch heute noch über die wahren Leninisten lustig machen, weil diese darauf bestehen, eine Zeitung zu veröffentlichen. Sie verweisen auf neue Formen der elektronischen und sozialen Medien. Mit einem Blog kann jeder, der in seinem Keller sitzt, sagen, was er will.</p>

<p>Aber der Aufbau einer Zeitung benötigt eine rundum professionelle Organisation. Sie erfordert eine klare redaktionelle Linie und ein starkes Netzwerk von geschulten, ausgebildeten Korrespondenten. Die nörgelnden Kritiker der revolutionären Presse verstehen nicht, dass das, was wir eigentlich aufbauen, überhaupt keine Zeitung ist: Wir bauen den Keim einer revolutionären Organisation auf.</p>

<h3><strong>Eine internationale Spaltung</strong></h3>

<p>Obwohl Lenin ein marxistischer Anführer in Russland war, war sein Ausblick niemals nur national. Er verstand sofort die wahre Bedeutung des Ökonomismus als russische Form des globalen opportunistischen Trends, der in der Arbeiterbewegung aufgekommen war.</p>

<p>Überall entwickelte sich eine klare Trennung innerhalb der sozialistischen Internationale zwischen dem revolutionären und dem opportunistischen Flügel.</p>

<p>In Deutschland war die Arbeiterbewegung – in Worten – immer noch dem Marxismus ergeben, aber eine verräterische Bürokratie von bequemen Karrieristen war dabei, sich zu festigen, vor allem in den oberen Schichten der Partei und der Gewerkschaften. Eine lange Boom-Periode bis 1914, in der die herrschende Klasse wichtige Zugeständnisse machte, ohne dass ernsthafte Klassenkämpfe geführt wurden, hatte in einer Schicht die Illusion genährt, dass alles immer besser werden würde.</p>

<p>Eduard Bernstein war der erste, der eine theoretische Rechtfertigung für diesen Opportunismus gab, indem er den Marxismus zu revidieren versuchte. Der Kapitalismus sei dabei, seine inneren Widersprüche zu lösen, behauptete er. Die friedliche Entwicklung würde für immer anhalten. Seiner Meinung nach können schrittweise kleine Reformen die Notwendigkeit für eine Revolution ersetzen – die SPD müsse nur ihre Parlamentsfraktion vergrößern, um sich für kleine Reformen einzusetzen und kleine ökonomische Konzessionen zu verlangen. Schon lange zuvor (1889) hatte Rosa Luxemburg in ihrem brillanten Pamphlet <em>Reform oder Revolution </em>eine Antwort darauf formuliert. </p>

<p>Alle Voraussagen von Bernstein über den Kapitalismus ohne Widersprüche wurden mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 zerschmettert.</p>

<p>Im Gegensatz zu Deutschland mussten die russischen Kommunisten im Untergrund arbeiten. Es gab nur wenige legale Möglichkeiten für die Partei. Alles, was sie ihren Mitgliedern anbieten konnten, war ein Leben in Gefahr und Aufopferung. Nur diejenigen, die von den edelsten Absichten geleitet wurden, wurden in die Bewegung gezogen. Egoistische Karrieristen konnten dort nichts finden. Trotzdem drückte sich dieselbe opportunistische Tendenz aus, nur in einer subtileren Form. Doch gerade die Gefahren und Schwierigkeiten der revolutionären Arbeit in Russland und die Tatsache, dass eine ganze Generation ins Exil gezwungen wurde, um dort die Lehren aus der internationalen Bewegung zu ziehen, schärfte den Verstand Tausender junger Revolutionäre.</p>

<p>Die Spaltung der Arbeiterbewegung zwischen Opportunismus und Revolution ist nicht zufällig. Es ist ein Zeichen der Zeit. Während der Kapitalismus von einer Krise in die nächste taumelt, schwindet der Spielraum für ernsthafte, dauerhafte Reformen immer mehr. Die Zeiten, in denen man ernsthafte Reformen durchsetzen konnte, während man Lippenbekenntnisse zur zukünftigen sozialistischen Revolution abgab, die wie eine ferne Zukunftsperspektive erschien, liegen hinter uns. Die Frage des revolutionären Sturzes des Kapitalismus durch die Arbeiterklasse steht im Raum. Heutzutage endet der Reformismus schnell in Verrat und völliger Kapitulation vor der herrschenden Klasse. Die Leichen von Syriza und der Corbyn- und Sanders-Bewegung sind eine deutliche Erinnerung an diese Tatsache.</p>

<p>Der Kampf darum, alle revolutionären Kommunisten in einer Partei zu vereinen, die den Kampf aufnimmt, um den Einfluss des reformistischen Opportunismus über breite Schichten der Arbeiterklasse zu brechen, ist der entscheidende Kampf unserer Zeit. Bevor Kommunisten die Macht erobern können, müssen sie die Arbeiterklasse erobern.</p>

<p>In diesem Sinne hat <em>Was tun? </em>Heute nicht an Bedeutung verloren. Reformisten, Sektierer und Anarchisten wiederholen weltweit die Argumente der Ökonomisten.</p>

<p>Sie bevormunden die Arbeiterklasse. Sie sagen uns, dass «das Bewusstsein der Arbeiterklasse zu tief ist», um revolutionäre Ideen zu verstehen. Stattdessen müssen wir uns auf kleine Schritte begrenzen, sagen sie. Wir begrenzen unseren Fokus auf Dinge wie simple Gewerkschaftsarbeit, «mutual aid» und «Brotfragen»; wir sollen uns «wählbar» machen für die breiten Massen, anstatt den Blick der Massen für die großen historischen Aufgaben zu heben, die sie selbst noch nicht begreifen.</p>

<p>Sie behandeln Arbeiter wie Kinder und verwechseln ihre eigene Rückständigkeit, ihr eigenes tiefes Level mit demjenigen der Arbeiter. Sie lehnen die Idee einer Partei der Avantgarde der Arbeiterklasse auf Grundlage von professionellen Revolutionären ab, weil es «elitär» sei. Stattdessen sehen die Reformisten die Partei nur als Wahlmaschine, um sie ins Parlament zu hieven. Währenddessen verherrlichen Anarchisten die spontane Bewegung der Arbeiterklasse, was sie praktischerweise von der Pflicht, etwas zu tun, befreit, außer vielleicht ab und zu den Arbeitern einen Anstoß zu geben durch «direkte Aktion». Lenin hat im Stil einer scharfen Polemik in <em>Was tun?</em> längst all das beantwortet. Die Kommunisten sollten dieses Buch wieder und wieder lesen, um sich auf die kommende Zeit vorzubereiten.</p>
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