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	<title>Reformismus Archives -</title>
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	<title>Reformismus Archives -</title>
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		<title>Merz-Regierung und AfD bekämpfen! Kapitalismus stürzen!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Alexander Kalabekow]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 12 Mar 2026 09:01:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Anti-AfD]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Empfohlen]]></category>
		<category><![CDATA[Leitartikel]]></category>
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<p class="wp-block-paragraph">Der deutsche Kapitalismus ist in einer fundamentalen Krise. Die Herrschenden kennen nur einen Ausweg: Die Arbeiterklasse soll den Gürtel bedeutend enger schnallen. Über Jahre hat das Finanzkapital Friedrich Merz für das Kanzleramt aufgebaut. Er organisiert eine allgemeine Offensive der herrschenden Klasse gegen die Arbeiterklasse vermittels des Staates.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sein Auftrag ist Austerität, Kahlschlag bei den Sozialversicherungen und der Unternehmensregulierung, damit die Produktionskosten – der Lebensstandard der Arbeiterklasse – sinken und die Profite der Kapitalisten steigen. Zudem soll der Staat den Konzernen mit Garantien und Subventionen aufwarten und die Profite zusätzlich heben. Umverteilung von unten nach oben ist das Programm der Schwarz-Roten Koalition.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber der herrschenden Klasse geht es nicht schnell genug. Im November letzten Jahres waren bereits 77% der Unternehmer mit der Regierung unzufrieden, bei mittelgroßen Unternehmen mit 50 bis 249 Beschäftigten sogar 83%. Die Stimmung unter Unternehmern und Managern gegenüber der Regierung sei „extrem negativ, teils regelrecht aggressiv“, sagt der Präsident des Bundesverbands der deutschen Industrie (BDI), Peter Leibinger. Die Kapitalisten drängen zum schnelleren Kahlschlag und pochen darauf, dass Merz endlich durchgreift und der Koalition mittels seiner „Richtlinienkompetenz“ das Programm der herrschenden Klasse diktiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Die SPD wird abgerichtet</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Rainer Dulger, erklärt: „Ich gebe der Regierung noch Zeit bis ins nächste Frühjahr“. An die Adresse der SPD heißt es seinerseits, er „hoffe auf die Reformfähigkeit der Sozialdemokratie“, d.h. darauf, dass sie an der Agenda 2010 von Schröder und Müntefering anknüpft und eine Agenda 2030 umsetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jedoch steht die SPD so schwach in der Wählergunst da wie nie zuvor und versucht aus Erhaltungstrieb, die harten Angriffe, die das Kapital fordert, durch Verschuldung hinauszuzögern. Doch das Finanzkapital erhöht den Druck auf die SPD, die es in die Regierung genommen hat, damit sie die Arbeiterklasse unter der Betondecke des Reformismus passiviert und die Kürzungspolitik durchsetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schon im letzten Jahr opponierte die „Junge Gruppe“ der CDU/CSU-Fraktion im Interesse des Finanzkapitals in der Rentenfrage gegen den Regierungskurs, der ein Zugeständnis an die SPD war. Jetzt folgte der nächste Stich von Saskia Ludwig (CDU-Fraktion). Im Interview mit der Berliner Zeitung erklärte sie, sie würde „keinem Antrag der Regierung mehr zuzustimmen, der eine zusätzliche Verschuldung nach sich zieht“. Das ist eine direkte Absage an die SPD-Politik und auch eine Warnung an den Kanzler.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit gibt Ludwig der Stimme der Kapitalisten weiteren Nachdruck in der CDU-Fraktion und droht der SPD mit dem Regierungsaus: Es sei „schwer vorstellbar“, dass „die Koalition mit einer Sozialdemokratie, die sich scheinbar selbst aufgegeben hat“, die Legislatur durchhält. Schließlich greift sie die SPD-Arbeitsministerin Bärbel Bas persönlich an. Diese habe „dem Mittelstand in Deutschland den Krieg erklärt, gegen den sie gemeinsam mit den Linken und Linksextremen in diesem Land kämpft.“ Auch der Verband der Chemischen Industrie ermahnt die SPD: „Wir sind nicht im Klassenkampf.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Finanzkapital und die CDU versuchen, die SPD-Fraktion auf Linie zu peitschen. Ein zentrales Werkzeug hierfür ist für das Finanzkapital der Aufstieg der AfD. Es macht sich diesen zunutze, um die SPD mit dem Schreckgespenst des „Faschismus“ auf den geforderten Kürzungskurs zu drängen – dieser notwendig um die „Demokratie“ zu „retten“. „Ich appelliere an alle, die Gefahr des Rechtsextremismus nicht auf die leichte Schulter zu nehmen“, sagt Bundesbankpräsident Joachim Nagel, „das bedroht unseren Wohlstand“ – ein „Wohlstand“, der für die Arbeiterklasse und Jugend ewige Sparpolitik bedeutet.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Spaltungslinien in den besitzenden Klassen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter dem Druck der tiefen ökonomischen Krise entwickelt sich derweil eine Spaltung in den besitzenden Klasse, die sich auch zunehmend in der CDU selbst ausdrückt. Der Kanzler Friedrich Merz erklärt noch, dass mit einem „Unterbietungswettbewerb“ keine Wahlen zu gewinnen sind, und setzt damit, wie der tonangebende Teil der herrschenden Klasse, darauf, dass die Kürzungen erfolgreich im Rahmen der „Sozialpartnerschaft“ durchgesetzt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während das Finanzkapital die AfD noch aus der Regierung raushalten will, drängt ein wachsender Teil des Kleinbürgertums und Schichten von kleineren Kapitalisten darauf, die AfD ins Boot zu holen. Mittlerweile sagt ein Drittel der Unternehmer und Manager, dass sie die AfD wählen würden. Und auch im rechten Flügel der CDU formiert sich eine Strömung, die diese Entwicklung repräsentiert und dem vom Kanzler untersagten Unterbietungswettbewerb Auftrieb gibt, wie die „Lifestyle-Teilzeit“-Hetze zeigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zugespitzt stellt sich folgende Frage in den besitzenden Klassen immer schärfer: Setzen sie ihr Programm zusammen mit den „Sozialpartnern“ (SPD und DGB-Vorstände) durch, oder setzen sie auf eine Bürgerblockregierung und treten ihrem „Sozialpartner“ zumindest vorläufig in den Hintern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die kommenden Landtagswahlen im Osten werden in dieser Hinsicht zu einem Kräftemessen zwischen verschiedenen Flügeln der besitzenden Klassen. Die Krise des Kapitalismus vertieft die Krise der bürgerlichen Demokratie immer weiter. In Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern wird dieses Jahr gewählt und die AfD liegt dort gegenwärtig bei knapp 40%. Eine Minderheit der CDU pocht dort auf die Zusammenarbeit mit der AfD und erhofft sich durch gemeinsame Bürgerblock-Regierungen, widerstandslos ein hartes Sparprogramm durchzusetzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Finanzkapital fürchtet noch, dass die AfD in Regierungen verantwortungslos handelt. Vor allem aber fürchtet es die Reaktion aus der Arbeiterklasse und der Jugend gegen so eine Regierung der sozialen Angriffe, die sich nicht der Zusammenarbeit mit den DGB-Führungen sicher sein kann. Es fürchtet, dass die Stimmung der Massen in einen offenen Klassenkampf umschlagen könnte. Die Arbeiterklasse, die größte und stärkste soziale Kraft in der Gesellschaft, ist sehr politisiert, wütend und vieler Illusionen in die bürgerlichen Institutionen beraubt.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Reformismus und Aufstieg AfD</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz dieser Abwehrhaltung des Finanzkapitals gegen die AfD ist diese rechte, demagogische Partei Teil der allgemeinen Offensive der herrschenden Klasse gegen die Arbeiterklasse. Sie ist ein Produkt der Krise des Kapitalismus. Jetzt, wo die AfD in den Umfragen und bei Wahlen sehr stark abschneidet, sehen Teile des Kleinbürgertums und der herrschenden Klasse, denen selbst die SPD zu „rot“ ist, in der AfD ein Werkzeug für die Durchsetzung ihrer Interessen. Sie wollen extreme Einschnitte im Lebensstandard der Arbeiterklasse sehen, um ihre Profite zu steigern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihnen ist die rassistische und soziale Demagogie der AfD ein nützliches Werkzeug, um die Wut von den Teilen der Arbeiterklasse zu kanalisieren, die durch die passivierende Betondecke des Reformismus zutiefst verbittert und im Klassenbewusstsein zurückgeworfen sind. Die AfD hält so die Passivität und Spaltung der Arbeiterklasse aufrecht, was der gesamten herrschenden Klasse nützt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber die Demagogie und die verbalen Angriffe der AfD gegen das „Establishment“, die „Kartell-Parteien“ usw. destabilisieren gleichzeitig das gesamte Herrschaftsgefüge des Finanzkapitals, weil sie das Vertrauen der Massen in die Institutionen der bürgerlichen Herrschaft zusätzlich schleifen. AfD-Regierungen wären mindestens genauso instabil und krisengebeutelt wie die Regierungen der etablierten Parteien. Zudem könnte deren reaktionäre Politik die Wut in den klassenbewussten Schichten der Jugend und Arbeiterklasse schneller zuspitzen und den Klassenkampf früher entflammen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a></a>Deshalb macht der tonangebende Teil der herrschenden Klasse noch an der Kampagne gegen die AfD mit. Wir dürfen uns aber nicht von dieser Politik täuschen lassen. Weil die Herrschenden die AfD nicht mehr kleinhalten können, versuchen sie gleichzeitig, die AfD so hinzubiegen, dass sie in Regierungen teilnehmen kann. Dafür sorgen der Verfassungsschutz, die Presse, aufgebauschte Skandale usw. Das zeigt Wirkung: Die Führung der AfD schniegelt sich längst für mögliche Regierungsbeteiligungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Linkspartei behindert Klassenbewusstsein</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber die Entwicklung der Gesellschaft geht nicht nur in eine reaktionäre Richtung. Der Aufstieg der AfD sowie die Politik der Merz-Regierung, die nur Austerität und Aufrüstung verfolgt, erzeugt Radikalisierung nach links in der Jugend und in Schichten der Arbeiterklasse. Sie suchen einen Weg zum Klassenkampf und einer sozialistischen Gesellschaft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Linkspartei versucht mit ihren Warnungen vor einer „Faschisierung“ der Gesellschaft diese Stimmung einzufangen. Sie schlägt vor, die AfD und die Merz-Regierung durch eine „Volksfront“-Bewegung zu bekämpfen und dadurch die Grundlage für eine „antifaschistische Regierung“ mit SPD und Grünen zu legen – Parteien, die für Militarismus, Krieg und Austerität stehen. Im Kern verfolgt die Linkspartei das gleiche Programm wie die tonangebenden Teile der herrschenden Klasse. Sie versucht, die „Demokratie zu retten“ – d.h. die Herrschaft der Kapitalistenklasse. Sie möchte lediglich die Krisenlasten „gerechter“, durch Steuern und Schulden, zwischen den Klassen verteilen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Deshalb erklärt sie, dass die linke Bewegung ausdrücklich auf eine „reine Strategie ‚Klasse gegen Klasse‘“ verzichten sollte. Das heißt, sie soll darauf verzichten, den Kapitalismus, die Ursache der Angriffe des Finanzkapitals und des Aufstiegs der AfD, zu bekämpfen. Wir warnen vor solcher Politik, die mit Teilen der herrschenden Klasse eine Übereinkunft sucht. Damit wirft der Reformismus die Arbeiterklasse und die Jugend den Reichen zum Fraß vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Verzicht auf Klassenkampf in einer Situation, in der die herrschende Klasse eine allgemeine Offensive organisiert, stärkt nur die Betondecke des Reformismus. Damit hindert die Führung der Linkspartei die klassenbewussten Schichten der Jugend und Arbeiterklasse daran, sich effektiv gegen die Angriffe der herrschenden Klasse zu wehren und die AfD erfolgreich zu bekämpfen. Das führt dazu, dass die gesamte Arbeiterklasse passiviert, demobilisiert und gespalten wird. Die reformistische Politik ist der wichtigste Treiber der Zustimmungswerte für die AfD in der Arbeiterklasse.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Es braucht revolutionäre Politik</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Deshalb schlagen wir Kommunisten den klassenbewussten Schichten der Jugend und Arbeiterklasse eine reine „Klasse gegen Klasse”-Strategie vor, um die Spaltungen in der Arbeiterklasse zu überwinden. Wir treten für ein kommunistisches Programm ein, dass das Ziel hat, den Kapitalismus zu stürzen und die Macht über Wirtschaft und Politik in die Hände der Arbeiterklasse zu legen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die herrschende Klasse will zwar in die Offensive, aber sie kann das nur, wenn die Arbeiterklasse sich nicht wehrt. Wenn die Arbeiterklasse sich bewegt und einen Abwehrkampf gegen die Angriffe des Kapitals führt, dann kann sie die Betondecke des Reformismus durchbrechen, die Herrschenden in die Schranken weisen und ihr System stürzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So ein Klassenkampf lässt sich nur mit einem kommunistischen Programm organisieren, weil es die Interessen der gesamten Klasse formuliert. Wenn so ein Programm in der Arbeiterklasse Wurzeln schlägt, dann kann es sie aufrütteln, aufklären, organisieren und zum Kampf bewegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Ansatzpunkt dafür liegt in den Schichten der Jugend und der Arbeiterklasse, die sich stark nach links radikalisieren. Immer mehr wollen die Ausbeutung und Unterdrückung des Kapitalismus nicht mehr dulden. Das drückt sich in der Anti-Wehrpflicht-Bewegung aus, in Kämpfen gegen Rassismus und die AfD, in den Bewegungen für die Befreiung von Palästina und Kurdistan, in der Solidarität mit Venezuela und Kuba sowie im Hass auf die „Epstein-Klasse“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber auch breitere Schichten der Arbeiterklasse versuchen ihre Interessen gegen die Angriffe der herrschenden Klasse zu verteidigen: in Tarifkämpfen für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen, in Abwehrkämpfen gegen Austerität, Entlassungen und Werkschließungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle diese Bewegungen und Kämpfe müssen letztendlich den Kapitalismus herausfordern und Teil einer allgemeinen Gegenoffensive der Arbeiterklasse und Jugend werden, um Erfolge zu erzielen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Klassenkampf braucht dich! Bau die RKP mit uns auf und gibt so dem Kommunismus eine laute Stimme und ein sichtbares Banner in der Arbeiterbewegung. Pack mit an für die sozialistische Weltrevolution, um dem Kapitalismus ein Ende zu setzen und eine Gesellschaft in Frieden, Wohlstand und Solidarität zu errichten.</p>
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		<title>Gen-Z-Revolutionen und Generalstreik in Italien! Die Macht der Massen entfesseln!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Alexander Kalabekow]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Nov 2025 13:54:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Revolutionen]]></category>
		<category><![CDATA[Weltgeschehen]]></category>
		<category><![CDATA[Klassenkampf]]></category>
		<category><![CDATA[Leitartikel]]></category>
		<category><![CDATA[Reformismus]]></category>
		<category><![CDATA[Revolution]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die vergangenen Monate haben den wahren Charakter der Periode offenbart, in der wir heute leben. Der Klassenkampf ist im Aufstieg und Revolutionen sind auf der Tagesordnung. Wir müssen aus den [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Die vergangenen Monate haben den wahren Charakter der Periode offenbart, in der wir heute leben. Der Klassenkampf ist im Aufstieg und Revolutionen sind auf der Tagesordnung. Wir müssen aus den Geschehnissen die richtigen Lehren ziehen, um die Bewegung in Deutschland für die kommenden Jahre zu orientieren:</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>1) Generation Revolution</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer jung ist, dessen Bewusstsein ist ungetrübt vom Ballast der Vergangenheit. Geboren zu Beginn dieses Jahrtausend und bewusst geworden inmitten der tiefsten Krise des Kapitalismus, kennt die Generation Z den Kapitalismus nur als Gesellschaft gebrochener Versprechen, andauernden Niedergangs, extremer Krisen und Katastrophen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weltweit wächst eine „Generation Revolution“ heran, die ihre Zukunft aus den Fesseln des Kapitals herausbrechen wird. Realitätsfremde Politiker verleumden sie gern als verweichlicht und arbeitsscheu. Aber dieses Jahr gab sie eine Kostprobe ihrer Lebenskraft: die Gen-Z-Revolutionen in Indonesien, Nepal, Osttimor, Philippinen, Peru, Madagaskar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Jugend zeigte Regierungen die Grenzen ihrer Macht auf oder brachte sie sogar zu Fall. Auch in Serbien, Frankreich (Bloquons tout!), Griechenland (Generalstreik) und insbesondere in Italien (politischer Generalstreik für Palästina) stand sie dieses Jahr mutig an der Spitze von Klassenkämpfen und revolutionären Bewegungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in Deutschland wächst so eine Generation heran. Die Welle der Radikalisierung begann maßgeblich mit den Klimaprotesten ab 2018. Viele haben gelernt, dass Appelle an Regierungen vergeblich sind. Die Mitverantwortung aller Parteien am Völkermord an den Palästinensern und deren Heuchelei haben diese Einsicht nur vertieft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein großer Teil der Jugend entdeckte für sich den „Schulstreik“ als Kampfmittel, mit welchem man nicht nur gegen untragbare Umstände protestieren, sondern sich auch gegen die Institutionen der kapitalistischen Herrschaft auflehnen kann. Die Erfahrungen aus den Schulstreiks wird die Jugend vertiefen, sobald sie zu Betriebsstreiks greift. Inspiration zu diesem Schritt liefert der italienische Generalstreik.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>2) Direkte Aktion der Massen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gen-Z-Revolutionen und Bewegungen waren so mächtig, weil sie direkte Aktionen der Massen waren — im Unterschied zu den üblichen Demonstrationen oder direkten Aktionen von isolierten Kleingruppen. Millionen von Menschen traten in den Kampf und genossen den Rückhalt der überwältigenden Mehrheit der Gesellschaft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den Bewegungen lag die Erfahrung zu Grunde, dass einfache Demonstrationen allein nicht ausreichen, um die Herrschenden in Bedrängnis zu bringen und die eigenen Interessen durchzusetzen. Die Massen müssen ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und den Kampf auf die Frage der Macht lenken: Wer regiert und in wessen Interesse?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Klassenkämpfe scheinen ihre Ursachen in kleinen Ereignissen zu haben: In Serbien der Einsturz eines Bahnhofsdachs; in Italien die Drohungen Israels, die „Flotilla“ anzugreifen; in Nepal Videos korrupter Politiker; in Spanien blockierten einige Demonstranten eine Etappe des Vuelta-Radrennens und wenige Tage später machten es Hunderttausend in Madrid ihnen gleich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Ereignisse waren Zufälle, die eine tieferliegende Notwendigkeit zum Vorschein brachten. Die wirklichen Ursachen und der Motor dieser Klassenkämpfe sind die akkumulierten Folgen von Jahrzehnten organischer Krise des Kapitalismus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Kapitalismus hat seine Existenzberechtigung längst verloren und zieht die Menschheit in den Abgrund. Chaos, Kriege und der Kampf um die Neuaufteilung der Welt zwischen den Imperialisten sind die neue Normalität. Aber diese Systemkrise ist auch der Motor von Klassenkampf und Revolutionen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in Deutschland hat sich jede Menge brennbaren Materials im Bewusstsein angesammelt: Jahrzehnte von Austerität, steigende Ausbeutung, Inflation, politische Skandale, Ausverkauf der DDR, Corona-Pandemie, Ukrainekrieg, Energiekrise, Völkermord in Palästina, Einschränkungen demokratischer Rechte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Folge ist die rasant wachsende Ablehnung des Establishments und fallendes Vertrauen in die staatlichen Institutionen sowie die starke Polarisierung, die sich im Niedergang der etablierten Parteien, im Aufstieg der AfD wie auch im diesjährigen Aufstieg der Linkspartei ausdrückt. Auch hierzulande werden die Massen irgendwann in Aktion treten.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>3) Politischer Streik</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Einen Wendepunkt für den Klassenkampf markiert der politische Generalstreik in Italien. Millionen von Menschen solidarisierten sich mit den Palästinensern und richteten ihren Kampf gegen die Meloni-Regierung, die Israels Völkermord unterstützt und die kapitalistische Krise auf dem Rücken der italienischen Massen austrägt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Italien zeigt: Wer Austerität, Deindustrialisierung, Aufrüstung und Einschränkungen demokratischer Rechte im eigenen Land bekämpfen will, muss uneingeschränkt solidarisch mit den Palästinensern sein und für ihre Freiheit kämpfen. Die Arbeiterklasse braucht eine vom Establishment unabhängige Position, denn wer sich in Fragen der Außenpolitik auf die Seite der Herrschenden stellt, stärkt seine eigenen Unterdrücker. Die Position muss deshalb sein: Kampf gegen die eigene herrschende Klasse, der Hauptfeind steht im eigenen Land.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die direkte Aktion der Massen war in Italien damit verbunden, dass Teile der Arbeiterklasse als Klasse handelten, d.h. mit den Methoden, die die Macht der herrschenden Klasse erschüttern und herausfordern: Streik, politischer Streik, politischer Generalstreik.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein politischer Generalstreik geht weiter als allein der Sturz einer Regierung. Er rüttelt am Fundament des Kapitalismus — den Eigentumsverhältnissen — und stellt die Machtfrage grundsätzlicher: Wessen Interessen und Bedürfnisse sollen Banken und Konzerne befriedigen? Wem sollen sie gehören? Wer ist Herr der Gesellschaft?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn die Arbeiterklasse zu politischen Generalstreiks greift, dann markiert das einen fundamentalen Fortschritt des Bewusstseins und Wandel im Kräfteverhältnis zwischen den Klassen. Die italienische Arbeiterklasse hat einen neuen Zyklus des explosiven Klassenkampfes in Europa eingeleitet, der sich über die kommenden Jahre entfalten wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Deutschland ist der Katalysator für diese Entwicklung. Die Krise der deutschen Industrie zieht die gesamte EU abwärts. Die deutsche herrschende Klasse handelt nach dem Prinzip „Germany first“, d.h. sie wälzt ihre Krise auf den Rest Europas ab. Das schürt die Flamme des Klassenkampfes in Europa. Die Bewegung in Deutschland muss echte internationale Solidarität üben und diese Flamme auch hierzulande entzünden.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>4) Reformistische Führung überwinden</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Revolutionen und Klassenkämpfe in all den verschiedenen Ländern gingen viel weiter, als die traditionellen Führungen der Gewerkschaften und Arbeiterparteien es wollten. In Wirklichkeit lähmen und behindern die reformistischen Führer jede Entwicklung des Klassenkampfes. Sie handeln als Stützpfeiler des Kapitalismus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Initiative ging immer von den Massen aus — vor allem von der Jugend. Sie zwangen ihre Führungen zum Handeln. So rief Italiens größter gewerkschaftlicher Dachverband den Generalstreik nur deshalb mit aus, weil seine Mitglieder gegen den Willen der Führung die Vorbereitungen bereits begonnen hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die lähmende Rolle der offiziellen Führungen wird für die Arbeiterklasse immer offensichtlicher und bringt sie dazu, den Kampf in die eigenen Hände zu nehmen, um die Blockade der Bürokratie zu durchbrechen. Dieser Konflikt zwischen Basis und realitätsfremder Führung legt die Grundlage für eine Erneuerung der Führung in den Gewerkschaften im Klassenkampf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So bildete sich in Folge der Gelbwesten-Bewegung in Frankreich ab 2018, eine wachsende linke Opposition im zweitgrößten Gewerkschaftsverband CGT heraus — die Unité CGT. Diese Opposition möchte die Erfahrungen der Bewegung in den Gewerkschaften der CGT verankern und beteiligt sich am Kampf gegen Macron und seine Regierungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">CGT Unité war Teil der Bewegung „Bloquons tout!“ — Lasst uns alles blockieren! — im September, die eine Regierung zu Fall brachte und den geplanten Kürzungsmaßnahmen des französischen Establishments einen Riegel vorschob. Das Establishment kann seine Haushaltskrise nicht lösen, weil die offizielle Führung der Gewerkschaft gezwungen war, die Bewegung mitzutragen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in Deutschland macht die Deindustrialisierung eine Streikbewegung notwendig. Die Austerität — ein politischer Angriff der Merz-Regierung auf das ganze Volk — kann nur mit politischen Streiks und Generalstreiks zurückgewiesen werden, wie auch die Unterstützung des Völkermords in Gaza und das in die Länge ziehen des Ukraine-Kriegs durch die Bundesregierung.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>5) Klassenkampf für Sozialismus</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Bewegungen dieses Jahres zeigen, dass höhere Löhne, ein ausfinanzierter Sozialstaat und Frieden nur gegen die Interessen der Herrschenden und ihre Regierungen durchgesetzt werden können: durch Organisierung der Massen für den Kampf auf der Straße und im Betrieb um die Macht in der Gesellschaft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Methoden, mit denen die Arbeiterklasse ihre Interessen durchsetzen kann, haben die Bewegungen gezeigt. Was ihnen allen aber gefehlt hat, ist ein Programm, dass diese Interessen eindeutig formuliert und die Selbstaktivität der Massen, die Mobilisierung ihrer Macht, dem Zufall entreißt und zu einer bewusst gesetzten Aufgabe macht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hierfür muss die Arbeiterbewegung ihre vollständige politische Unabhängigkeit gewinnen. Anstelle der Zusammenarbeit mit den Kapitalisten und den bürgerlichen Regierungen muss sich die Arbeiterbewegung allein auf die eigene Kraft stützen, den Klassenkampf wählen und für die Überwindung des Kapitalismus kämpfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die radikalen Schichten der Jugend können diese Aufgabe lösen, wenn sie ideologisch mit dem Reformismus brechen und sich um ein kommunistisches Programm organisieren. Dann können sie jeden Kampf im Hier und Jetzt als einen Schritt hin zur sozialistischen Revolution führen. So würde die Arbeiterklasse schneller aus der Sackgasse des Reformismus herausfinden und die Erneuerung der Führung insbesondere der DGB-Gewerkschaften gelingen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So ein Programm kann nicht nur die Angriffe der herrschenden Klasse und ihrer Regierungen aufhalten, es würde auch dem Aufstieg der rechten Demagogen ein Ende bereiten, wie Italien zeigt. Trotz eingeschränktem Streikrecht und Drohungen von Meloni und Co. konnten die Rechten den Generalstreik nicht aufhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das verdeutlicht: Anders als die Linkspartei es vorgibt, kann man die AfD nicht mit dem Programm „Rettet die Demokratie“ bekämpfen. Man muss den Kampf gegen die Merz-Regierung, das Establishment und den Kapitalismus insgesamt führen. Das würde die Passivität, die den Massen von ihrer reformistischen Führung aufgezwungen wird, durchbrechen und den Demagogen den Schein einer Alternative rauben.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>6) Funken der Weltrevolution</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die weltweiten Bewegungen zeigen, dass der Sozialismus schon heute weltweit erkämpft werden kann. Die sozialistische Weltrevolution wird von der Krise des Kapitalismus erzeugt. Die Arbeiterklasse hat die historische Rolle, diese Aufgabe zu lösen. Es ist der einzige Weg, der die Gesellschaft aus der Barbarei und zu neuem Fortschritt führen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Bewegung in Serbien zeigt, dass die Arbeiterklasse und Jugend sich bereits unbewusst dieser Aufgabe zuwenden. Dort bildeten Studenten und Arbeiter dieses Jahr Aktionskomitees (Zborowi) welche die Grundlage einer sozialistischen Rätemacht hätten sein können, die den bürgerlichen Staat ersetzen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Massen lernen aus ihren Erfahrungen, sie inspirieren sich über Grenzen hinweg, wie die gemeinsamen Slogans (Alles blockieren!), gemeinsame Symbole (One-Piece-Fahnen) und gemeinsame Methoden (Aufstände, Massenaktionen, politische Streiks) zeigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber was fehlt ist eine Weltpartei, die in diesen Bewegungen eine bedeutende Rolle spielt und sie zusammenführt, wie es einst die Kommunistische Internationale unter der Führung von Lenin und Trotzki tat. Sie nahm teil an Revolutionen und Klassenkämpfen, organisierte diese, wertete systematisch Erfahrungen aus, diskutierte Erfolge und Niederlagen, entwickelte Programme, Strategien und Taktiken, mit welchen der Erfolg der Weltrevolution nicht dem Zufall überlassen werden sollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute knüpfen wir mit dem Aufbau der Revolutionären Kommunistischen Internationale (RKI) an diesem Projekt an. In der Verbindung aus den internationalen Erfahrungen und den Ideen von Marx, Engels, Lenin und Trotzki liegt der Schlüssel für eine neue Weltpartei der sozialistischen Revolution, die den Kampf gegen Kapitalismus und Imperialismus zum Ziel führen wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Klassenkampf ist im Aufschwung und die Massen nehmen immer häufiger und entschiedener ihr Schicksal in die eigenen Hände. Organisier dich in der RKI, wenn auch du Einfluss auf den Gang der Geschichte nehmen und für das notwendige revolutionäre Programm in der Bewegung kämpfen willst. Kämpf mit uns für Sozialismus in unserer Lebenszeit.</p>
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		<title>DIE LINKE: Reformismus kann Palästina nicht befreien</title>
		<link>https://derkommunist.de/die-linke-reformismus-kann-palaestina-nicht-befreien/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Quentin Dalmazio]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Nov 2025 11:00:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Genozid in Gaza]]></category>
		<category><![CDATA[Linke]]></category>
		<category><![CDATA[Palästina]]></category>
		<category><![CDATA[Reformismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In ihrer Erklärung vom 14. Oktober 2025 bezeichneten die Parteivorsitzenden Jan van Aken und Ines Schwerdtner den aktuellen, von US-Präsident Trump erarbeiteten Waffenstillstand als „gute Nachricht“. Sie betonen dabei das [&#8230;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">In ihrer Erklärung vom 14. Oktober 2025 bezeichneten die Parteivorsitzenden Jan van Aken und Ines Schwerdtner den aktuellen, von US-Präsident Trump erarbeiteten Waffenstillstand als „gute Nachricht“. Sie betonen dabei das Ende von „Töten, Sterben und unermesslichem Leid“, die „Verantwortung der internationalen Gemeinschaft“ für die dauerhafte Umsetzung des Plans, und die Notwendigkeit, Palästina als Staat anzuerkennen. Und auch die Linksjugend Solid rief eilig in einem Instagram Post die Hamas auf, Trumps Plan zuzustimmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei ist dieser „Frieden“ eine Farce: Er ist die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln! Er bedeutet imperialistische Fremdherrschaft über die Palästinenser in kolonialer Manier durch den westlichen Imperialismus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das zeigt eindeutig, dass die sogenannte „internationale Gemeinschaft“ den Palästinensern nichts anzubieten hat als mehr Unterdrückung. Sie kann Palästina nicht befreien! Anstatt diese Wahrheiten zu benennen und so den Imperialismus zu demaskieren, hilft die Führung der Linkspartei mit ihrem Statement die imperialistische Unterdrückung Palästinas zu kaschieren!</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Falsche Positionen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist nur das letzte Beispiel dafür, wie die Partei es nicht schafft, sich in der Palästinafrage klar auf die Seite der Unterdrückten zu stellen. Bereits am 21. März 2024 hatte DIE LINKE im Bundestag einen Antrag auf „sofortigen Waffenstillstand“ eingebracht, ohne jedoch die imperialistische Rolle Deutschlands und der EU zu benennen. Gleichzeitig bekräftigte der Parteivorstand am 8. Mai 2025: „Das Existenzrecht des Staates Israel ist für uns nicht verhandelbar“ – eine Übernahme der deutschen Staatsräson, die jede revolutionäre Kritik an der kolonialen und imperialistischen Rolle Israels ausschließt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit Beginn des Genozids in Gaza wurden Hunderte pro-palästinensische Aktivisten kriminalisiert, Demonstrationen verboten und Universitäts-Protestcamps gewaltsam geräumt. DIE LINKE hat zu keinem Zeitpunkt entschieden für die demokratischen Rechte der Protestierenden gekämpft. Stattdessen wiederholte die Parteiführung selbst oft genug hanebüchene Antisemitismusvorwürfe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Sommer kündigte Ines Schwerdtner eine Gaza-Großdemo an, um den Protest „auf die Straße zu bringen“, verschob sie dann aber mehrfach – an der Basis wuchs der Unmut. Als DIE LINKE im Oktober schließlich zur Demo „Zusammen für Gaza“ aufrief, herrschte Verwirrung, welche Rolle die Partei überhaupt spielte, weil nur Ines Schwerdtner, nicht aber der gesamte Parteivorstand als Mitinitiator geführt wurde. Van Aken erklärte nur ausweichend, man wolle „der Mehrheit ermöglichen, ihre Meinung auf die Straße zu tragen“. Und die LINKE-Bundestagsabgeordnete Caren Lay rief sogar zur pro-zionistischen Gegendemo auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn sich DIE LINKE für Gaza einsetzt, dann nur, indem sie das humanitäre Leid in Gaza moralisch bedauert und kritisiert. Aber nicht, indem sie die Ursache für dieses Leid, den israelischen und besonders den westlichen Imperialismus inklusive des deutschen, attackiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Reformismus</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ursache für dieses Versagen liegt im reformistischen Programm der LINKEN: Sie möchte den Kapitalismus nicht stürzen, sondern ihn mitverwalten. Aber wer den Kapitalismus akzeptiert, muss auch den Imperialismus hinnehmen, der aus ihm folgt. Das deutsche Kapital hat imperialistische Interessen im Nahen Osten und die Unterstützung Israels liegt in seinem Interesse. Würde die Linkspartei das fundamental angreifen, wäre sie für die deutsche herrschende Klasse und die etablierten Parteien kein „seriöser Partner“ mehr. Genau das möchte die Parteiführung aber sein. Parteifunktionäre nennen das Nahost-Thema daher intern ein „Spaltungsthema“ und wollen es vermeiden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">DIE LINKE zieht in ihrem Programm eine künstliche Trennlinie zwischen Innen- und Außenpolitik. Soziale Fragen werden als innerstaatliche Probleme behandelt, während die Außenpolitik auf moralische Formeln reduziert wird: „Abrüstung“, „zivile Konfliktlösung“, „Verantwortung der internationalen Gemeinschaft“. Diese „internationale Gemeinschaft“, an die DIE LINKE appelliert, hat in den letzten zwei Jahren Waffen in Milliardenhöhe geliefert, allen voran die USA – und Deutschland mit knapp 500 Mio. Euro. Und die UNO, in der genau diese Länder sitzen und entscheiden, ist nichts weiter als eine Maske des Imperialismus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Programm der Partei heißt es, man kämpfe für den „demokratischen Sozialismus“. Doch wer im Inland höhere Löhne fordert, aber im selben Atemzug die „Verteidigungsfähigkeit“ Deutschlands verteidigt, der akzeptiert den bürgerlichen Staat, statt ihn zu bekämpfen – ein Staat, der nichts anderes ist als das organisierte Gewaltmonopol der herrschenden Klasse. Und wer die Außenpolitik der herrschenden Klasse mitträgt, muss auch ihre Politik im Inland mittragen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Linkspartei-Führung will nicht mit der Merz-Regierung brechen, sondern loyale Opposition sein. Dabei ist es die Merz-Regierung, die Waffen nach Israel schickt und gleichzeitig in Deutschland massive Angriffe auf den Lebensstandard der Arbeiterklasse fährt: Sozialabbau, Erhöhung der Arbeitszeit, Angriffe auf demokratische Rechte. Der „Krieg nach außen“ und der „Krieg nach innen“ sind zwei Seiten derselben Medaille: Die Bourgeoisie führt Krieg für ihre Profite – in Gaza mit Bomben, hier mit Lohnkürzungen, Einschränkung demokratischer Rechte und Polizeiknüppeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Verpasste Chance</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese reformistische Position der Linkspartei hemmt den Klassenkampf gegen die Merz-Regierung: Während in Italien, Griechenland und Spanien Arbeiter mit Streiks Waffenlieferungen an Israel stoppten und sich weltweit in vielen Ländern größere Protestbewegungen gebildet hatten, blieb es dagegen in Deutschland abgesehen von einer größeren Demo in Berlin bei Mahnwachen und moralischen Appellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">DIE LINKE hat es in zwei Jahren nicht geschafft, eine Massenbewegung aufzubauen, obwohl sie mit über 115 000 Mitgliedern und vier Millionen Wählerstimmen eine reale Kraft sein könnte. Aber statt sich an die Spitze der Solidaritätsbewegung zu stellen, reagiert sie defensiv und moralisch – und schwächt dadurch jene Kräfte, die tatsächlich gegen Krieg und Repression kämpfen wollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Genozid in Gaza ist zum Kristallisationspunkt für die Wut der Massen gegen die Herrschenden geworden. Millionen haben klar gesehen, was das für Leute sind, die uns regieren: Dass den Herrschenden ein Menschenleben normaler Leute nichts wert ist und sie es ohne zu zögern imperialistischen Profitinteressen opfern; dass das ganze Gerede von „Menschenrechten“, „Werten“ und „Demokratie“ nur zynische Phrasen sind. Diesen im Bewusstsein der Massen reifenden Erkenntnisprozess hätte DIE LINKE aufgreifen und beschleunigen können. Sie hätte die Palästinafrage mit der sozialen Frage zuhause verbinden und so eine Massenbewegung gegen die Merz-Regierung organisieren können. Das hätte auch der Palästinabewegung eine viel größere Sprengkraft gegeben, wie der italienische Generalstreik zeigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Indem die Parteiführung das nicht tat, rettete sie der Merz-Regierung de facto den Hintern. Sie hat selber dafür gesorgt, dass die Bewegung nicht so groß und stark ist, wie sie sein könnte und dass die imperialistische deutsche Regierung fester im Sattel sitzt, als es sein müsste. Und jetzt erklärt sie uns, dass Trumps „Friedensplan“ vielleicht nicht perfekt ist, aber doch das Beste, was wir unter diesen Umständen erreichen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Welches Programm?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Reformismus der LINKEN hat sie in eine Sackgasse geführt. Eine Partei, die Israels Genozid nur moralisch verurteilt, aber gleichzeitig die deutsche Staatsräson akzeptiert, kann den Imperialismus nicht bekämpfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a></a>Das macht deutlich: Wer für Palästina kämpfen will, muss gleichzeitig gegen die Merz-Regierung kämpfen. Der Slogan „Freiheit für Palästina“ ist wertlos, wenn er nicht verbunden wird mit der Blockade von Waffenexporten und der entschädigungslosen Enteignung der Profiteure der Aufrüstung. Nur die organisierte Arbeiterklasse, angeführt von einem revolutionären Programm, kann Militarisierung, Sozialabbau und Genozid stoppen. Der Aufbau der RKP ist die Voraussetzung, dieses Programm durchzusetzen.</p>
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		<title>Die Bedeutung von Jeremy Corbyns neuer Partei und die Haltung der Kommunisten zu ihr</title>
		<link>https://derkommunist.de/die-bedeutung-von-jeremy-corbyns-neuer-partei-und-die-haltung-der-kommunisten-zu-ihr/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alan Woods]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 12 Oct 2025 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Linke]]></category>
		<category><![CDATA[Reformismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Ankündigung von Jeremy Corbyn und Zarah Sultana im Juli, eine neue Partei zu gründen, löste eine starke Welle der Unterstützung und Begeisterung aus. Das war kaum überraschend. Die reaktionäre [&#8230;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Die Ankündigung von Jeremy Corbyn und Zarah Sultana im Juli, eine neue Partei zu gründen, löste eine starke Welle der Unterstützung und Begeisterung aus. Das war kaum überraschend. Die reaktionäre Politik der Starmer-Regierung war ein Schlag ins Gesicht für Millionen Menschen, welche die Labour-Partei in der Hoffnung auf Veränderung wählten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In bemerkenswert kurzer Zeit ist Starmer trotz eines überwältigenden Wahlsiegs zum unpopulärsten Premierminister aller Zeiten geworden. Besonders von Linken wird er verachtet, die ihn zurecht als Verräter betrachten, den praktisch nichts von den Tories und Liberalen unterscheidet. Links von Labour entstand ein klaffender Abgrund, ein riesiges politisches Vakuum, das früher oder später gefüllt werden musste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Angesichts der Schwäche der Kräfte des echten Marxismus in der heutigen Zeit konnte dieses Vakuum nur durch irgendeine Art linksreformistischer Alternative gefüllt werden. Es war daher ziemlich naheliegend, dass es durch den ehemaligen Labour-Vorsitzenden und Linksreformisten Corbyn gefüllt werden würde. Innerhalb weniger Stunden meldeten sich Tausende an, um der neuen Partei beizutreten.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Stimmung des Pessimismus</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit langer Zeit sind die sogenannten Linken in Großbritannien wie auch international durch eine Stimmung der Niedergeschlagenheit und des Pessimismus gelähmt. Sie sahen überall nur Reaktion. Ohne jegliche Kenntnis der Dialektik erfassen sie lediglich die Oberfläche der Ereignisse, bleiben aber blind für die realen Prozesse der Radikalisierung, die sich abspielen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während die Linke in tiefem Pessimismus versunken ist, herrscht unter den Massen eine Stimmung der Wut, Frustration und Verzweiflung, die sich immer weiter zuspitzt. In ihrer Verzweiflung suchen Millionen Menschen nach einem Ausweg aus der Krise, wenden sich erst der einen, dann der anderen Option zu. Organisationen und Führer werden nach und nach auf die Probe gestellt und entlarvt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Rechte Demagogen wie Trump können plötzlich aus dem Nichts auftauchen und zeitweise Erfolge erzielen. Sektiererische Idioten und Linksreformisten, die nicht weiter als bis zur eigenen Nasenspitze sehen, deuten dies als Aufstieg des Faschismus. Aber davon kann keine Rede sein. Es ist Ausdruck extremer Instabilität auf der Wahlebene, die sich durch heftige Schwankungen auszeichnet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die rechten Demagogen stoßen unweigerlich auf die Widersprüche des Kapitalismus, für die sie keine Antworten haben. Sie werden ebenso plötzlich zusammenbrechen, wie sie aufgetaucht sind, und den Weg für einen noch heftigeren Schwenk nach links ebnen. Diese Instabilität stellt eine ernste Bedrohung für die bestehende Ordnung dar.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Plötzliche Veränderungen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die gesamte Situation bringt unerwartete Veränderungen mit sich, vor allem plötzliche und schnelle Bewusstseinsveränderungen. Mächtige zentrifugale Kräfte wirken und treiben die Klassen in einen offenen Krieg. Dass dies nicht unmittelbar zu revolutionären Entwicklungen führt, liegt am Fehlen einer ernsthaften Alternative auf der Linken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Abwesenheit einer solchen Alternative werden wir unweigerlich heftige Umschwünge auf der Wahlebene erleben – sowohl nach links als auch nach rechts. Doch die Bewegung zur sozialistischen Revolution ist kein mechanischer Prozess.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Schwäche des subjektiven Faktors bedeutet unweigerlich, dass sich die Radikalisierung der Massen in der nächsten Periode im Aufstieg und Fall neuer linksreformistischer Formationen und Führer ausdrücken wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einige von ihnen werden eine sehr radikale Sprache verwenden, aber alle werden an die grundlegenden Grenzen des Reformismus stoßen: ihre Unfähigkeit, die grundlegende Frage des Sturzes des kapitalistischen Systems und der Machtübernahme der Arbeiterklasse zu stellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ankündigung einer neuen linken Partei in Großbritannien eröffnet Kommunisten zweifellos neue Möglichkeiten. Diese Tatsache stellt den wichtigsten Aspekt der gegenwärtigen Situation dar.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Die Bilanz des Linksreformismus</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gründung der neuen Partei eröffnet uns ein neues und potenziell fruchtbares Arbeitsfeld. Doch ob wir erfolgreich sind oder nicht, hängt davon ab, ob wir die richtige Taktik dafür entwickeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Taktik der Revolutionary Communist Party (RCP, britische Schwesterpartei der RKP) kann nicht von vorübergehenden Begeisterungsstürmen in den Massen bestimmt werden – Stimmungen, die durchaus flüchtig sein können. Gerade im taktischen Bereich ist es notwendig, die Angelegenheit sorgfältig zu überdenken und abzuwägen, bevor man einen entscheidenden Schritt unternimmt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Insbesondere müssen wir die Lehren der Vergangenheit in Bezug auf den Linksreformismus stets im Auge behalten. Wir kennen die Erfahrungen von Tsipras in Griechenland, Podemos in Spanien, Sanders in den USA und nicht zuletzt Corbyn in Großbritannien. In jedem Fall traten diese Führer plötzlich in Erscheinung und erlangten enorme Unterstützung und Begeisterung, weil sie – zumindest in Worten – eine radikale Politik vertraten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Großbritannien trat Corbyn überraschend auf und stieg in die Labour-Führung auf, obwohl er nur ein moderates Reformprogramm vertrat. Sein Erfolg beruhte darauf, dass die weit verbreitete Unzufriedenheit in ihm einen Bezugspunkt fand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tatsächlich war die Resonanz, die Corbyn damals erhielt, vermutlich sogar größer als die Unterstützung, die er heute erfährt. Er hatte das Potenzial, die gesamte Situation in Großbritannien zu verändern. Doch er stieß sofort auf Widerstand des rechten Labour-Flügels im Parlament, der ihn mit Unterstützung rechter Medien bekämpfte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Corbyn hätte seine Massenbasis mobilisieren sollen, um die Labour-Fraktion zu zerschlagen und rechte Labour-Abgeordnete abzuwählen. Doch Corbyn weigerte sich, dies zu tun. Linke Reformisten klammern sich aus Angst vor einer Spaltung stets an die rechten Reformisten. Die rechten Reformisten ihrerseits, die offene Agenten der Großunternehmen in den Reihen der Labour-Partei sind, hatten solche Skrupel nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie setzten ihre Sabotage fort und besiegten schließlich Corbyn, der nicht bereit war, den Kampf bis zum Ende zu führen. Seine Niederlage war daher absolut unvermeidlich und die direkte Folge seiner eigenen linksreformistischen Politik.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist absolut notwendig, dies im Moment fest im Auge zu behalten und nicht zuzulassen, dass unser Urteil durch die Begeisterung getrübt wird, die seine Ankündigung einer neuen Partei ausgelöst hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Wie sollten wir an die neue Partei herantreten?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Was ist die Hauptaufgabe von Kommunisten in der gegenwärtigen Zeit? Sie besteht darin, Seite an Seite mit den Massen der Arbeiterklasse zu kämpfen und das fertige Programm der sozialistischen Revolution mit dem unerfüllten Verlangen der fortschrittlichsten Elemente nach einer grundlegenden revolutionären Umgestaltung zu verbinden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sollten wir die neue Partei unterstützen? Wir Kommunisten begrüßen die Gründung einer neuen linken Partei in Großbritannien mit größter Begeisterung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist noch zu früh, um zu sagen, wie das tatsächliche Erscheinungsbild der neuen Partei aussehen wird. Die ersten Anzeichen deuten darauf hin, dass sie für eine Reihe radikaler Reformen in Bereichen wie Gesundheit und Wohnen steht, für die wir alle auch kämpfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die entscheidende Frage ist jedoch, ob die Führung dieser Partei wirklich für eine grundlegende Umgestaltung der Gesellschaft steht. Damit meinen wir die Abschaffung des Kapitalismus und die Machtübernahme durch die Arbeiterklasse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir können diese Frage nicht im Voraus beantworten, aber höchstwahrscheinlich wird der linksreformistische Charakter der Führung sie zu der Position verleiten, dass es möglich sei, die Probleme der Arbeiterklasse ohne einen radikalen Bruch mit dem Kapitalismus und dem Privateigentum an Produktionsmitteln zu lösen. Dafür spricht, dass sich der ursprüngliche Gründungsaufruf auf die Besteuerung von Reichen beschränkt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn das der Fall ist, werden alle versprochenen Reformen in der Praxis nur wenig bewirken. Hier liegt die grundlegende Trennlinie zwischen der ernsthaften sozialistischen Politik der Kommunisten und dem vagen und zweideutigen Programm des Linksreformismus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heißt das, dass eine ehrliche und brüderliche Zusammenarbeit zwischen der RCP und der Partei ausgeschlossen ist? Nein. Das bedeutet es keineswegs.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die RCP steht auf dem Programm der sozialistischen Revolution, aber wir verstehen auch, dass die sozialistische Revolution ohne den täglichen Kampf um Fortschritte im Kapitalismus eine unmögliche Utopie wäre.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Unterschied zwischen uns und den Reformisten besteht nicht darin, dass wir Reformen ablehnen. Im Gegenteil, wir befürworten den militantesten Kampf für jede bedeutende Reform, die den Interessen der Arbeiterklasse dient.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unsere Kritik an den rechten Reformisten besteht darin, dass sie nicht wirksam für Reformen kämpfen. Sie widersetzen sich konsequent Streiks und anderen Aktionen der Arbeiter, um eine Verbesserung ihres Lebensstandards zu erreichen. Und sie kapitulieren unweigerlich vor dem Druck der Kapitalisten und führen eine Politik der sogenannten Austerität durch – das heißt, brutale Kürzungen des Lebensstandards – also Gegenreformen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Unterschied zwischen den linken und den rechten Reformisten besteht darin, dass letztere offen für die Interessen der Banker und Kapitalisten eintreten, während erstere glauben, dass ehrgeizige Reformen und Verbesserungen des Lebensstandards innerhalb der Grenzen des kapitalistischen Systems möglich seien. Dies ist jedoch unmöglich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Deshalb kann unsere Unterstützung für die neue Partei nicht bedingungslos sein. Wir müssen jederzeit eine prinzipielle Position vertreten und das Programm einer grundlegenden Umgestaltung der Gesellschaft – der sozialistischen Revolution – entschlossen hochhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir reichen den Mitgliedern der Partei die Hand der Freundschaft. Unsere Unterstützung kann jedoch nie unkritisch sein. Tatsächlich ist es die Grundvoraussetzung für eine fruchtbare und ehrliche Zusammenarbeit mit den linken Reformisten, von Anfang an klare Trennlinien zu ziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wann immer Corbyn einen Schritt in die richtige Richtung macht, werden wir ihn unterstützen. Doch wann immer er einen Schritt zurückgeht, wann immer er Zweideutigkeiten und Schwankungen an den Tag legt (was er schon oft getan hat), behalten wir uns das Recht vor, ihn entschieden, aber solidarisch zu kritisieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nur so können wir unsere politische Unabhängigkeit wahren, die Politik des Kommunismus aufrechterhalten und in einen konstruktiven Dialog mit den Mitgliedern der neuen Partei treten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir haben unsere Mitglieder dazu aufgerufen, die Partei zu unterstützen und sich in und um sie herum aktiv zu engagieren, soweit uns dies möglich ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber wir können keinerlei Einschränkungen unserer Freiheit akzeptieren, für den Kommunismus und das revolutionäre Programm einzutreten. Wir möchten die linken Reformisten nicht daran hindern, ihre Positionen offen und ehrlich zu verteidigen, und wir erwarten von ihrer Seite den gleichen Respekt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eines muss absolut klargestellt werden: Die Liquidierung der RCP steht außer Frage – sie ist die einzige wirkliche Garantie dafür, dass das wahre Programm des Sozialismus aufrechterhalten wird. In dieser Frage kann es keinen Kompromiss geben.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Revolutionäres Potenzial</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die begeisterte Reaktion auf Corbyns Erklärung ist nur ein kleiner Hinweis auf die tatsächliche Stimmung in der Gesellschaft. Unter der scheinbaren Ruhe brauen sich heftige Stürme zusammen. Die Kluft zwischen Arm und Reich hat ein Ausmaß erreicht, das es in den letzten 100 Jahren nicht gegeben hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die jüngsten Ereignisse in Großbritannien und anderen Ländern zeigen, dass das Bewusstsein zu reifen beginnt, aber um den wahren Weg zum Sieg zu finden, wird es viele Fehlstarts geben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die objektive Lage ist zunehmend reif für eine Revolution. Doch der subjektive Faktor hinkt den Ereignissen weit hinterher. Von der Lösung dieses Widerspruchs wird der gesamte Verlauf der zukünftigen Geschichte abhängen.</p>
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		<title>Demokratie retten oder Sozialismus erkämpfen? </title>
		<link>https://derkommunist.de/demokratie-retten-oder-sozialismus-erkaempfen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexander Kalabekow]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 29 Sep 2025 12:18:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[AfD]]></category>
		<category><![CDATA[Die Linke]]></category>
		<category><![CDATA[Reformismus]]></category>
		<category><![CDATA[Was bedeutet der Aufstieg der Rechten?]]></category>
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<p class="wp-block-paragraph">Die CDU lebt ihr rassistisches Anti-Migrations-Programm voll aus und hetzt im Einklang mit der AfD. Beide Parteien liegen gleichauf bei 25%. Die Merz-Regierung (CDU/CSU/SPD) verschärft Grenzkontrollen, schiebt verstärkt ab und hetzt gegen Migranten und Arme. Sie rüstet auf und droht, die Ampelregierung bei Einschränkungen demokratischer Rechte zu übertreffen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig fällt die SPD unter 15%, den Grünen sitzt die 10%-Marke im Nacken, während sich die Linkspartei auf 10% hochkämpft. Der liberale Flügel der herrschenden Klasse und die Parteien der Arbeiterklasse verlieren an Boden, während rechte und konservative Politik das Ruder zu übernehmen scheint. Die bürgerliche Demokratie ist in einer tiefen Krise. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Viele fürchten sich vor diesem vermeintlichen „Rechtsruck“. In der Jugend wächst das Bedürfnis dagegen anzukämpfen. Der Wahlerfolg der Linkspartei Anfang des Jahres brachte das zum Ausdruck. Aber es stellen sich mehrere Fragen: Wieso geschieht diese Krise? Und gegen was, wofür und mit wem soll der Kampf geführt werden? </p>

<h3><strong>Linkspartei sieht schwarz</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Die Linkspartei-Führung und ihre Rosa-Luxemburg-Stiftung blicken entsetzt auf diese Krise. Sie verstehen, dass hinter Friedrich Merz kapitalistische Interessen stehen, die eine Agenda verfolgen „ohne jegliches Zukunftsversprechen, aber mit dem expliziten Willen zu Führung, Härte und Durchsetzung von Klasseninteressen.“ </p>

<p class="wp-block-paragraph">Das Programm der Merz-Regierung vertieft die Politik vorangegangener Regierungen: Zum einen die „Austerität“, d.h. Kürzungen am Sozialstaat, zum anderen den „Autoritarismus“, vor allem Einschränkungen demokratischer Rechte. Richtig erkennen die linken Reformisten, dass diese Regierung deshalb „nur ein Intermezzo auf dem Weg in eine tiefere politische Krise“ ist. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Sie gehen davon aus, dass Austerität und was sie „Autoritarismus“ nennen, die Arbeiterklasse nur noch wehrloser und passiver machen. Deshalb geht ihre Perspektive einer „tieferen politischen Krise“ nicht von Klassenkämpfen und revolutionären Bewegungen aus. Dabei war dies stets die Antwort der Arbeiterklasse auf solche Politik. Man denke zum Beispiel an Griechenland in der Eurokrise oder an Argentinien seit dem Wahlsieg von Javier Milei. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Perspektive der Linkspartei ist ein Abgleiten in den Faschismus in den nächsten 10 bis 20 Jahren, weil der liberale (FDP, Grüne, Führung der SPD) und der konservative (CDU/CSU) Flügel der herrschenden Klasse in der Krise sind und die AfD aufsteigt. Die Verantwortung für den Aufstieg der AfD schieben sie den Massen zu, denen sie „emotionalen Kontrollverlust“, eine kindische Trotzreaktion hin zum gesellschaftlichen Rückschritt unterstellen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Linkspartei sieht in der Abwendung wachsender Schichten der Arbeiterklasse und Jugend von der offiziellen Elite und ihre Hinwendung zur AfD eine „Faschisierung“. Von dieser weltfremden Idee kommt sie zu ihrer dystopischen Perspektive: Sie sagen, wir leben in einer Periode der Reaktion. Deshalb schreibt sich die Linkspartei das heuchlerische Programm der herrschenden Klasse auf die Fahne: „Rettet die Demokratie!“ – d.h. rettet den Kapitalismus. </p>

<h3><strong>Wo hat die AfD Erfolg?</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Die AfD gewinnt ihren Zuspruch, wo der Kapitalismus eine Schneise des Niedergangs hinterlässt, wo der „Strukturwandel“ vorherrscht: Betriebssterben, Abstieg im Beruf, leerstehende Geschäfte, heruntergekommene Infrastruktur, ländliche Regionen, wo die Jugend wegzieht und nur Alte bleiben. Die AfD wählen besonders ehemalige Nichtwähler, Arbeitslose und manuelle Arbeiter – jene, die von den etablierten Parteien enttäuscht und verraten wurden. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Im Osten hat die westdeutsche Kapitalistenklasse durch die „Wiedervereinigung“ die Hoffnungen auf eine bessere Zukunft mit Schocktherapie und Treuhand beantwortet. Sie zerstörte die Industrie der DDR und mit ihr Dreiviertel der Arbeitsplätze. Sie zwang Millionen in schlechtbezahlte Jobs, Armut und Angst vor noch tieferem Abstieg. Bis heute liegt der Lohn durchschnittlich 20% unter dem im Westen. Jetzt dominiert die AfD den Osten. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Auch im Westen gewinnt die AfD, wo die Industrie vom Kapital zerstört wurde, wie in Nordrhein-Westfallen oder Saarland. Aber auch in Baden-Württemberg und Bayern, wo eine neue Welle der Deindustrialisierung eingesetzt hat, wegen der Energiekrise, der Trump-Zölle und der Konkurrenz aus China, vor allem aber, weil die Kapitalistenklasse nicht mehr investiert. Die Zukunftsängste der Arbeiterklasse wachsen auch hier. </p>

<h3><strong>Wut auf Establishment</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Zusammen mit Inflation, sinkenden Löhnen und steigenden Mieten, nimmt der Konkurrenzkampf in der Arbeiterklasse zu und auch kleinbürgerliche Schichten müssen um ihre Existenzen bangen. Daneben sehen nur noch 23% den öffentlichen Dienst, d.h. den Staat, als handlungsfähig an: Kitaplätze fehlen, Termine bei Ämtern sind rar, Krankenhäuser gehen bankrott. </p>

<p class="wp-block-paragraph">An dieser Situation zugespitzter Konkurrenz und wachsenden Unmuts gegen die verantwortlichen Parteien, knüpft die AfD am stärksten an. Sie inszeniert sich als Fundamentalopposition zum Establishment und knüpft dabei an den sozialen Krisen an, die auf der Arbeiterklasse und Jugend lasten. Jedoch lenkt sie mit rassistischer Demagogie die Wut weg von der Krise des Kapitalismus hin zu Migranten und Asylsuchenden. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem ist die Hinwendung zur AfD keine Faschisierung. Das Entscheidende ist der Bruch mit dem Establishment, dessen Politik die Arbeiterklasse unterdrückt. Das ist eine Suchbewegung nach Politik, die den Interessen der Arbeiterklasse entspricht. Das ist eine sehr wichtige Entwicklung hin zum Klassenkampf. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Sollte die AfD in Regierungen kommen, droht uns nicht Diktatur oder Faschismus. Die AfD möchte im Parlament, wie das Establishment, die Profite des Kapitals steigern und die kapitalistische Krise durch Austerität auf die Massen abschieben. Wenn sie dies tut, wird sie die Hoffnungen ihrer Wähler enttäuschen und den Zorn der Arbeiterklasse, einen Sturm des Klassenkampfes, ernten. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Dass es überhaupt diese wachsende Zustimmung zur AfD gibt, ist allein der reformistischen Politik der Führungen von SPD, DGB-Gewerkschaften und Linkspartei zuzuschreiben. Sie haben den Klassenkampf blockiert und zusammen mit dem Establishment die Kosten der kapitalistischen Krise auf die Arbeiterklasse abgewälzt. Im Verständnis dieser Dynamik liegt der Schlüssel für einen erfolgreichen Kampf gegen die AfD. </p>

<h3><strong>Krisenregierungen</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Die Krise der Demokratie ist die Folge der Krise des Kapitalismus. Der imperialistische Machtkampf zwischen USA, China und Russland hat Deutschland zwischen alle Fronten eingezwängt und weitgehend bewegungsunfähig gemacht. Das führt zu Machtkämpfen um strategische Fragen innerhalb des Establishments und Kapitals sowie zu wachsenden sozialen Krisen. Deshalb bietet die bürgerliche Demokratie nur noch Krisenregierungen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Ampelregierung war gelähmt, weil die Zwänge der kapitalistischen Krise sie zerrieben. Auch der Merz-Regierung ergeht es nicht besser. Der Wahlkampf machte das deutlich, als Friedrich Merz auf die Abstimmung über seine nicht-bindende rassistische Asyl-Resolution bestand, welche von CDU/CSU, FDP und AfD angenommen wurde. Er provozierte damit eine soziale Bewegung gegen sich und läutete eine instabile Regierung ein. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Darauf folgte sein Putsch gegen den neugewählten Bundestag, mit der Abstimmung über Sondervermögen und Aufweichung der Schuldenbremse für unbegrenzte Aufrüstung. Dann scheiterte Merz im ersten Wahlgang ins Kanzleramt und musste bei der Linkspartei um Hilfe betteln. Sie erwies ihm diesen Dienst. Seit dem folgen Streiterei und gebrochene Versprechen. </p>

<h3><strong>Krise der Institutionen</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">So platzte der Kulturkampf mitten in die Koalition. An der Personalie Frauke Brosius-Gersdorf, die die SPD als Verfassungsrichterin vorschlug, entbrannte eine Regierungskrise. Der rechte Flügel der CDU, der von der AfD unter Druck steht und um seine Wahlkreise fürchtet, entfesselte angefeuert von FAZ, BILD, Nius und Junge Freiheit eine Hetz-Kampagne gegen die Juristin um das Thema Abtreibung. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Liberale Kreise drängten Brosius-Gersdorf zum Rücktritt. In der Süddeutschen Zeitung hieß es: „Der Graben mitten durch die Mitte, zwischen progressiven und konservativen Demokraten, würde umso tiefer, je länger dieser Streit andauerte“, und weil das nur der AfD nütze, sollte man nachgeben, um die „Mitte“ und die „Demokratie“ zu retten. Die SPD knickte ein. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Ines Schwerdtner (Die Linke) beklagte, dass die CDU nicht in der Lage sei „so eine Institution wie das Bundesverfassungsgericht zu stützen“. Dabei hätte sie die Heuchelei hinter der unterstellten „Neutralität“ des Verfassungsgerichts angreifen müssen sowie den Klassencharakter der bürgerlichen Demokratie und des Liberalismus. Der ideologische Kitt der bürgerlichen Gesellschaft bröselt für viele bereits sichtbar und Linke müssen diese Entwicklung unterstützen, indem sie die wirklichen Klasseninteressen hinter den staatlichen Institutionen aufzeigen. </p>

<h3><strong>Austerität</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Wem diese Demokratie wirklich nützt, zeigt die Sparpolitik der Merz-Regierung. Während die Reichen immer reicher werden, sagt der Kanzler mit Blick auf den Sozialstaat: „Wir können uns dieses System nicht mehr leisten.“ Die Merz-Regierung plant einen Kahlschlag bei den Sozialversicherungen. Nach Agenda 2010, möchte das Kapital jetzt eine Agenda 2030 – festgehalten im CDU-Programm und diktiert von den Unternehmerverbänden BDI und BDA. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Die herrschende Klasse verlangt, dass ihre Aufrüstung sowie ihre Subventionen und Deregulierungen für ihre Banken und Konzerne durch die Arbeiterklasse bezahlt werden. Die SPD trägt das mit – trotzt „Bullshit“-Wahlkampfgetöse von Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD). Der Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) pocht darauf, die 170 Mrd. Euro Lücke im Haushalt bis 2029 durch enorme Einsparungen im Sozialstaat zu stopfen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), fordert zudem: „Wir müssen mehr und länger arbeiten.“ Laut Allensbach-Umfrage sehen das 63% der Bürger anders. Nur 18% stimmen der Ministerin zu. Nur 23% finden eine Anhebung des Renteneintrittsalters „akzeptabel“ und nur 23% eine längere Wochenarbeitszeit. Weiter würden sich nur 7% mit geringeren Renten in der Zukunft abfinden und nur 5% mit sinkender Qualität der Gesundheitsversorgung. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Weil die herrschende Klasse keine demokratische Legitimation für ihr Programm hat, schlägt sie zuerst auf die Schwächsten in der Arbeiterklasse ein. Die Regierung, Parteien, Medien und Verbände hetzen gegen Bürgergeldbezieher und Asylsuchende. Trotzdem fänden nur 33% der Bürger Einschränkungen von staatlichen Leistungen „akzeptabel“ und Einschränkungen sozialer Absicherung sogar nur 15%. </p>

<h3><strong>Führung der Gewerkschaften</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Diese Regierung ist schwach und ihr Programm muss mit Klassenkampf beantwortet werden. Aber DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi klingt versöhnend: „Mehr Investitionen im Bundeshaushalt 2026 von knapp 127 Milliarden Euro sind ein gutes und klares Signal, dass mit dem Kaputtsparen endlich Schluss ist“. Dabei wird nun Bildung und Sozialstaat kaputtgespart. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Und auch die Milliarden für Investitionen werden auf den Konten der Banken, Konzerne und Aktionäre verschwinden, wie im Zuge der Weltwirtschaftskrise 2008, in der Corona-Pandemie und seit der Energiekrise. Auch Yasmin Fahimi ist das bekannt, sie sagt selbst: „Superreiche sind die Krisengewinner der letzten Jahrzehnte.“ </p>

<p class="wp-block-paragraph">Auch prangert DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel die spalterische Hetze um den Sozialstaat an: „Mit dem Theaterdonner zum Bürgergeld Menschen mit geringen Löhnen gegen Menschen im Bürgergeld gegeneinander auszuspielen, löst keine Probleme und ersetzt nicht die dringend notwendige Diskussion um gerechte Umverteilung.“ </p>

<p class="wp-block-paragraph">Und so fordert auch Yasmin Fahimi, „eine verfassungsgemäße Vermögenssteuer und eine einmalige Vermögensabgabe der reichsten 3.900 Personen, die fast ein Drittel des gesamten volkswirtschaftlichen Vermögens besitzen“. Diese Forderung entspricht der Stimmung in der Arbeiterklasse und Jugend und eben dieser Druck von unten zwingt die Gewerkschaftsführung zu radikaleren Tönen. </p>

<h3><strong>Arbeiterklasse will kämpfen</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Auch 2024 war besonders reich an Arbeitskämpfen und Streiks für höhere Löhne, mehr Urlaub und Arbeitszeitverkürzung, gegen Stellenabbau und Schließungen. Gerade in Ostdeutschland streiken Beschäftigte überdurchschnittlich oft und stark für ihre Interessen. Das spricht gegen die These der Faschisierung und gegen die Idee, dass Austerität die Arbeiterklasse nur lähmt und passiv macht. Im Gegenteil: Die Krise der letzten Jahre führt zu wachsender Gegenwehr. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Forderungen und Interessen der Beschäftigten stehen in unversöhnlichem Widerspruch zu den Plänen der Merz-Regierung und der Unternehmerverbände. In einer Zeit genereller Angriffe, einer Agenda 2030, hat die Führung der Gewerkschaften die Aufgabe eine bundesweite Protestbewegung zu organisieren. Sie müsste die verschiedenen Arbeitskämpfe, Branchen und Forderungen zu einem einheitlichen bundesweiten Kampf zusammenführen, mit Demonstrationen und Streiks auf der Straße. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Merz-Regierung würde wie ein Kartenhaus zusammenfallen, die herrschende Klasse wäre auf dem Rückzug und auch den rechten Demagogen könnte die Arbeiterklasse das Handwerk legen. Stattdessen aber organisieren die Gewerkschaftsführer Niederlagen in den maßgebenden Arbeitskämpfen, wie bei VW. Sie bauen keine bundesweite Solidarität auf und lassen Kämpfe vereinzelt. Ohne Not akzeptieren sie Lohnkürzungen und „sozialverträglichen“ Stellenabbau. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Letztlich bleibt vom Kampf gegen die Superreichen nichts als Rhetorik. Die sozialpartnerschaftliche Führung der Gewerkschaft handelt als Stützpfeiler des deutschen Kapitalismus. Auch ihr Motto ist: „Demokratie retten!“ Das heißt Zusammenarbeit mit der Regierung und den Bossen. Von dieser Absage an den Klassenkampf profitiert die AfD. </p>

<h3><strong>Führung bremst</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Vor 20 Jahren bestellt die Kapitalistenklasse die Agenda 2010. Damals setzten SPD und Grüne diese gegen die Arbeiterklasse durch. Sie waren damit erfolgreich, weil sich die Führung der Gewerkschaften der Regierung unterordnete. Wie heute organisierten sie keine ernstzunehmende Gegenwehr und lähmten den Widerstand auf der Straße. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Opposition von Mitgliedern der Gewerkschaften und SPD gründeten in dem Zuge die WASG, die später mit der PDS zur Linkspartei zusammenging. Die Linkspartei setzt aber nur auf Wahlen und das Parlament, um die Austerität aufzuhalten. Deshalb gab auch sie damals dem Widerstand auf der Straße gegen die kapitalistische Krise keine Perspektive. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Heute hätte die Führung der Linkspartei die Chance zu beweisen, dass sie aus der Vergangenheit gelernt hat: Loyale Opposition zu bürgerlichen Regierungen oder gar Beteiligung an solchen – wie die Linkspartei es auf Landesebene häufig mit SPD und Grünen tat – können die Zwänge des Kapitalismus nicht brechen. </p>

<h3><strong>Wiederholung alter Fehler</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Die Linkspartei aber führt den alten Kurs weiter. „Demokratie retten“ heißt Zusammenarbeit mit der Merz-Regierung. Ines Schwerdtner beteuert, ihre Partei werde der CDU „nicht nur helfen, wenn die Hütte brennt“. Im Interview bei „Jung und naiv“ machte sie klar, dass sie nicht an einer „Regierungskrise“ interessiert sei, weil das der AfD den „Aufstieg ermöglicht“. So eine loyale Opposition kann Austerität, Aufrüstung und kapitalistische Krise nicht bekämpfen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Wie weit die Linkspartei bereits ging, um die „Demokratie“ vor der AfD „zu retten“ zeigt ein Beispiel aus Sachsen-Anhalt. 2020 stimmt dort die Linke-Fraktion für die Schuldenbremse in der Landesverfassung im Austausch gegen einen wertlosen „Antifa-Artikel“ (Artikel 37a). Das sollte die AfD in Sachsen-Anhalt aufhalten. Dort liegt sie jetzt aber bei 39%. Das zeigt: Faschismus-Hysterie und Unterordnung unter kapitalistische Zwänge stärkt die AfD. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Aber die Linkspartei macht gerade so weiter: Im Bundesrat stimmten die Linke-Fraktionen der Landesregierungen von Bremen und Mecklenburg-Vorpommern für die Kriegskredite der Bundesregierung. Jetzt feilt die Bremer Linke-Fraktion mit SPD und Grünen an einem Sparprogramm für den Landeshaushalt. </p>

<h3><strong>Sackgasse Reformismus</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Dabei positioniert sich die Linkspartei gegen Austerität. Sie fordert „tax the rich“, wie auch die DGB-Führung: Vermögenssteuer, Erbschaftssteuer, höhere Steuern für Manager und eine Vermögensabgabe. Die Linkspartei könnte die Initiative ergreifen für eine Offensive der Arbeiterklasse und Jugend gegen die Merz-Regierung und für einen Kurswechsel der Gewerkschaften. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Diese gemeinsamen Forderungen sind die Grundlage für eine klassenkämpferische Bewegung auf der Straße, in den Betrieben und Bildungseinrichtungen. Stattdessen setzt die Linkspartei auf parlamentarische Debatten um Steuersysteme. Sie erhofft sich davon „Druck“ auf die SPD aufzubauen, die eine Vermögenssteuer in Erwägung zieht, um ihr Haushaltsloch zu stopfen. Aber ohne Klassenkampf hat die Linkspartei kein gewichtiges Argument. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Wie wir bereits zur Debatte über die Schuldenbremse sagten: „Wer sich für die Aufhebung der Schuldenbremse im Parlament einsetzt, aber nicht den Kampf gegen Sparpolitik und Aufrüstung in den Betrieben, Stadtteilen, Bildungseinrichtungen und Gewerkschaften organisiert, der gibt der kommenden Regierung – allem mündlichen Protest zum Trotz – einen Freifahrtschein für Militarismus und Umverteilung von unten nach oben.“ </p>

<p class="wp-block-paragraph">Auch Geld aus Vermögenssteuern unterläge keiner demokratischen Kontrolle durch die Arbeiterklasse und Jugend. Zudem kommt: Will man an die Vermögen ran, muss man revolutionären Klassenkampf führen. Debatten über „Umverteilung“ werden das nicht erreichen. Die herrschende Klasse muss um ihre Macht fürchten, damit sie ihr Vermögen preisgibt. Nur eine organisierte Arbeiterbewegung kann ihr diese Macht streitig machen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Merz-Regierung hat keine Legitimation für ihre Politik, die etablierten Parteien sind in einer tiefen Krise, die Institutionen des bürgerlichen Staates büßen Vertrauen ein. Die Massen suchen nach Alternativen. Wut und Frustration gegen diese Klassengesellschaft wachsen. Die herrschende Klasse ist in einer Position der Schwäche. </p>

<h3><strong>Revolutionäre Strategie</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Das alles spricht gegen die Idee der Linkspartei, dass wir in einer Zeit leben, die „Optionen linker und progressiver Entwicklungen schon jetzt entscheidend einschränkt“. In Wirklichkeit bahnen sich Klassenkampf und soziale Explosionen an. Darauf muss sich die Strategie derjenigen ausrichten, die ernsthaft gegen Krieg, Sparpolitik, Aufrüstung, Einschnitte bei demokratischen Rechten und den Aufstieg von rechten Demagogen kämpfen wollen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">„Demokratie retten“ heißt den Klassenkampf aufgeben und somit Austerität und „Autoritarismus“ akzeptieren. Damit trägt die Linkspartei zum Aufstieg der rechten Demagogen bei. Die Demokratie der Reichen ist in der Krise, weil der Kapitalismus in der Krise ist und die Herrschenden diese Krise auf die Arbeiterklasse abwälzen müssen. Damit untergraben sie das Vertrauen der Massen in ihr Regime und destabilisieren ihre eigene Herrschaft. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Das gibt uns wiederum die Möglichkeit das Vertrauen der Massen zu gewinnen, weil diese zum Klassenkampf gezwungen sein werden, um ihre Interessen zu verteidigen. Das erzwingt der Klassenwiderspruch zwischen Kapitalistenklasse und Arbeiterklasse, der die Grundlage der kapitalistischen Gesellschaft bildet. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Nur Politik, die von diesem Klassenwiderspruch ausgeht, und allein die Interessen der Arbeiterklasse formuliert, kann die Rechten aufhalten und die Krise des Kapitalismus beenden. Dafür muss die Arbeiterklasse die Macht der Kapitalisten brechen, indem sie die Banken und Konzerne enteignet und in eigene Kontrolle und Verwaltung überführt – den Kapitalismus also abschafft. </p>

<h3><strong>Sozialismus in unserer Lebzeit</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Wir denken, dass die Linkspartei für ihre Forderungen auf der Straße, in den Unis und Betrieben kämpfen sollte. Millionen von jungen Menschen haben sie gewählt, weil sie die Gesellschaft verändern wollen. Eine Bewegung der Jugend könnte die Arbeiterklasse aufrütteln und den Klassenkampf entfesseln. Wir würden das von Herzen begrüßen und unterstützen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Immer mehr junge Menschen brechen ideologisch mit dem Kapitalismus und suchen einen Weg diesen zu stürzen. Aber auch AfD-Wähler wird die kapitalistische Krise in diesen Kampf gegen die Regierung und die herrschende Klasse zwingen. Deshalb brauchen wir eine Strategie und ein Programm, die diese beiden Schichten zusammenbringen und die Gräben überwinden können. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Wir setzen auf Klassenkampf entlang der gemeinsamen Klasseninteressen, mit dem Ziel einer Planwirtschaft und sozialistischer Demokratie. Unsere Aufgabe ist: Sozialismus erkämpfen! Dabei unterstützen wir jeden Kampf für Reformen. Aber wir setzen uns dafür ein, dass die Arbeiterbewegung und Jugend mit dem Reformismus brechen, der sie an den Kapitalismus fesselt, weil er das Programm von Linkspartei und Gewerkschaften zu einem zahnlosen Tiger macht. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Linkspartei könnte mit einem kommunistischen Programm und ihren 100.000 Mitgliedern schon heute der sozialistischen Revolution den Weg ebnen. Weil sie dies nicht tut, bauen wir die RKP auf. Schließ dich uns an und hilf mit, diese kommunistischen Ideen in der Bewegung zu verankern. </p>
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		<title>Der Kampf gegen den Reformismus &#8211; Editorial In Verteidigung des Marxismus Nr.17</title>
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		<dc:creator><![CDATA[RKI]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 07 Sep 2025 06:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theorie]]></category>
		<category><![CDATA[Reformismus]]></category>
		<category><![CDATA[Welche Rolle spielen reformistische Parteien und Gewerkschaften im Klassenkampf?]]></category>
		<category><![CDATA[Welches Verhältnis haben Kommunisten zu den reformistischen Massenorganisationen?]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Reformismus ist der Glaube, dass gesellschaftliche Übel wie Krieg und Armut schrittweise und ohne den revolutionären Sturz des kapitalistischen Systems beseitigt werden können. Der Leitartikel der vorliegenden Ausgabe, Lehren aus Griechenland, [&#8230;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Reformismus ist der Glaube, dass gesellschaftliche Übel wie Krieg und Armut schrittweise und ohne den revolutionären Sturz des kapitalistischen Systems beseitigt werden können.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Der Leitartikel der vorliegenden Ausgabe, <em>Lehren aus Griechenland</em>, beschäftigt sich mit diesem Problem. Es drückt sich gewöhnlich in dem Argument aus, die Arbeiterbewegung solle sich darauf beschränken, das zu erkämpfen, was unmittelbar erreichbar sei. Mit jedem kleinen Sieg, so sagt man, gehe es der Arbeiterklasse besser, damit werde sie mächtiger und so beschreite sie langsam, aber sicher den Weg ihrer Befreiung. Jede Diskussion über ein „Endziel“ der Bewegung, über den Sozialismus etwa, wird damit zu einer akademischen Frage.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Vielen erscheint das als realistischere, praktischere Alternative zum Kampf für die sozialistische Revolution. Immerhin scheint das ein Weg zur Veränderung zu sein, der ohne das Risiko von Gewalt oder Instabilität auskommt.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Es gibt Zeiten, in denen diese Argumente auch nicht völlig falsch sind. Während Perioden bedeutender Aufschwünge des Kapitalismus waren die Bosse historisch in der Lage, sich zumindest in den fortgeschrittenen kapitalistischen Ländern bedeutende demokratische und soziale Reformen zu leisten. Die Periode des Aufstiegs der Sozialdemokratie vor dem ersten Weltkrieg war eine solche Periode, ebenso wie die sogenannten „glorreichen dreißig Jahre“ nach dem Zweiten Weltkrieg.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Doch die Geschichte zeigt, dass friedlicher und allmählicher Fortschritt im Kapitalismus unmöglich ist. Zyklische Krisen stürzen das gesamte System immer wieder ins Chaos. Und im Zeitalter des Niedergangs des Kapitalismus sind diese Krisen tiefer und langanhaltender geworden.</p>

<h3 class="wp-block-heading">Krise</h3>

<p class="wp-block-paragraph">Das 20. Jahrhundert hat gezeigt, wie schnell sich Reformismus in sein Gegenteil verkehren kann. In Europa, der Wiege der Sozialdemokratie, wurde die Zeit des Wohlstands schließlich von Massenarbeitslosigkeit, Bürgerkrieg und vielerorts Faschismus abgelöst.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Indem sie die Ziele, Methoden und selbst die Denkweise der Arbeiterbewegung an die Strukturen des Kapitalismus knüpften, waren die Reformisten nicht in der Lage, die bisherigen Errungenschaften zu verteidigen, geschweige denn neue zu erringen. Schlimmer noch: Viele wirkten an imperialistischen Kriegen und Angriffen auf die Arbeiter mit, um die Stabilität ihrer eigenen kapitalistischen Staaten zu sichern. Trotzki schrieb 1935:</p>

<p class="wp-block-paragraph">„Ohne Reformen gibt es keinen Reformismus, ohne prosperierenden Kapitalismus keine Reformen. Der rechte Flügel des Reformismus wird antireformistisch, insofern er der Bourgeoisie direkt oder indirekt hilft, die alten Errungenschaften der Arbeiterklasse zu zerschlagen.“</p>

<p class="wp-block-paragraph">Heute äußert sich die Krise des Kapitalismus auch als Krise des Reformismus.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Seit dem Ende des Nachkriegsbooms in den 1970er Jahren sind die Errungenschaften der Arbeiterklasse weltweit langsam und schmerzhaft zurückgenommen worden. Reformen wurden zu Konterreformen. Dieselbe Labour Party (Großbritannien), die in den 1940er Jahren das Sozialstaatsprinzip „von der Wiege bis zur Bahre“ eingeführt hat, kürzt heute fünf Milliarden Pfund bei den Leistungen für Menschen mit Behinderung.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Nach der Krise von 2008 wandten sich Millionen Arbeiter und Jugendliche nach links und beflügelten weltweit den Aufstieg neuer Bewegungen: Syriza in Griechenland, Podemos in Spanien, Corbyn in Großbritannien, Mélenchon in Frankreich und Sanders in den USA gewannen mit Forderungen nach radikaler Veränderung – oft unter Berufung auf den „Sozialismus“ – Massenunterstützung.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Doch sie alle teilten die Illusion, den Kapitalismus durch kluge Politik und staatliches Eingreifen reparieren zu können. Trotz sozialistischer Rhetorik zielten sie darauf ab, den Kapitalismus zu regulieren, nicht ihn abzuschaffen. Damals wie heute betrachteten sie die Sparpolitik als Entscheidung, hinter der eine hässliche „neoliberale“ Ideologie steckt; nicht als notwendiges Ergebnis der kapitalistischen Krise.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Keiner von ihnen hat irgendeine bedeutende Reform umgesetzt. In Großbritannien kapitulierte Corbyn vor den Antisemitismusvorwürfen der Rechten und vor dem „Brexit“. Das zerstörte seine Bewegung.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Sanders hat seit 2016 jeden Kandidaten des demokratischen Establishments unterstützt, um „Trump zu verhindern“.</p>

<p class="wp-block-paragraph">In Griechenland gewann Syriza ein historisches Mandat, um gegen die Austerität zu kämpfen, nur um sich dann vor den Forderungen des internationalen Finanzkapitals zu ergeben. Die Folgen für die griechischen Massen waren entsetzlich.</p>

<p class="wp-block-paragraph">In jedem Fall zogen sich die linksreformistischen Führer zurück, sobald sie auf ernsthaften Widerstand der herrschenden Klasse stießen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">So kam es, dass die „Linke“ heute völlig diskreditiert ist. Doch die Wut in der Gesellschaft ist nicht verschwunden. Stattdessen hat sich ein bedeutender Anteil der Arbeiterklasse, in der Hoffnung, dort einen Ausweg aus der Krise zu finden, an Figuren wie Trump und an Parteien wie „Reform UK“ und die „Alternative für Deutschland“ gewandt.</p>

<h3 class="wp-block-heading">Verrat</h3>

<p class="wp-block-paragraph">Wie konnte das passieren? Trotzki fasste es zusammen:</p>

<p class="wp-block-paragraph">„Wer sich vor dem Vollendeten verneigt, ist nicht fähig, die Zukunft vorzubereiten.“</p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Sichtweise aller Reformisten ist durch den gröbsten Empirismus gekennzeichnet. Tatsächlich geben die Reformisten selbst stolz mit ihrem „Pragmatismus“ an. Sie nehmen die unmittelbar vorliegenden „Fakten“ als Ausgangspunkt und stützen dann ihre ganze Strategie drauf.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Unbestreitbar gehört die Wirtschaft den Kapitalisten und sie beherrschen sie. Auch die Existenz und Macht des bürgerlichen Staates ist eine Tatsache. In den sogenannten „liberalen Demokratien“ gehören die gesetzgeberische Tätigkeit des Parlaments, das allgemeine Wahlrecht, die Gewerkschaften usw. zu den Tatsachen des Lebens.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Die meisten Reformisten würden auch zugeben, dass die Arbeiterklasse existiert. Aber dass die Arbeiterklasse den bürgerlichen Staat ersetzt und selbstständig die Gesellschaft verwaltet, finden sie „utopisch“. Warum? Weil es noch nicht so ist.</p>

<p class="wp-block-paragraph">So kommt es, dass sie den bürgerlichen Staat für „den Staat“ im Allgemeinen halten. Die bürgerliche Demokratie erscheint ihnen als „Demokratie“ schlechthin; kapitalistische Verhältnisse sind einfach „die Wirtschaft“; die ideologischen Prinzipien der herrschenden Klasse, ihre moralischen Prinzipien, werden zu allgemeinen „Werten“ und einer allgemeinen „Moral“.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Für den Reformisten ist also die kapitalistische Ordnung die Ordnung schlechthin – die einzige Ordnung, die es gibt, und die einzige, die es geben kann. Alles, was zum Zusammenbruch dieser Ordnung führen kann, ist daher undenkbar.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Deshalb fürchten reformistische Führer die Bewegungen, die sie entfesseln können. Für sie ist die Arbeiterklasse keine revolutionäre Kraft, die man mobilisiert, um die bestehende Ordnung zu stürzen. Es ist eine Masse, die man „vertritt“. Massenmobilisierungen und Streiks sind also vor allem dafür da, als Verhandlungsmasse gegenüber den Bossen zu dienen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Wenn die Kämpfe der Arbeiter drohen, die Grundlagen des Systems zu gefährden, ziehen sie sich panisch zurück. Von solchen Führern braucht sich die Arbeiterklasse nichts als Niederlagen zu erwarten.</p>

<h3 class="wp-block-heading">Sektierertum</h3>

<p class="wp-block-paragraph">Der Marxismus schlussfolgert aus einer wissenschaftlichen Untersuchung des Klassenkampfs in der menschlichen Geschichte, dass nur der bewusste Sturz des Kapitalismus durch die Arbeiterklasse die Übel des Kapitalismus beseitigen kann.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Daher ist es die erste Pflicht echter Kommunisten, für die Klassenunabhängigkeit der Arbeiterbewegung zu kämpfen. Dazu gehört notwendigerweise, sich jedem Versuch zu widersetzen, die Bewegung an den bürgerlichen Staat und seine Institutionen zu binden und jeden dieser Versuche zu entlarven. Das ist der „erste Buchstabe im Alphabet des Kommunismus“, wie Trotzki sagen würde.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Doch jedes Kind weiß, dass es noch mehr Buchstaben gibt. Es ist nämlich notwendig, zwischen dem Reformismus der Arbeiterführer und dem Wunsch der Arbeiterklasse nach Reformen zu unterscheiden.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Oft hängt beides zusammen. Die Reformisten bieten Reformen an und die Arbeiter folgen ihnen, weil sie sich greifbare Verbesserungen versprechen. Einige Marxisten könnten der Versuchung erliegen, die „reformistischen Illusionen“ der Arbeiter einfach zurückzuweisen. Ihre Lösung ist, den Arbeitern mitzuteilen, dass sie einen Fehler machen, dass ihre Führer sie verraten werden und dass sie nicht ihre Zeit damit verschwenden sollten, reformistische Politiker zu wählen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Abstrakt genommen ist das schön und gut. Man drückt mit einem solchen Argument ja die profunde Wahrheit aus, dass der Reformismus in Zeiten der kapitalistischen Krise nicht imstande ist, die Reformen zu liefern, die die Massen verlangen. Gerade durch seine Abstraktheit würde das Argument aber das Gegenteil von dem erreichen, was es bezweckt, und in der Tat falsch werden.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Arbeiterklasse einfach über die Notwendigkeit zu belehren, den Kapitalismus zu stürzen, ohne diese allgemeine Wahrheit mit den konkreten Anforderungen der lebendigen Bewegung zu verknüpfen, ist das Kennzeichen des Sektierertums. Wie Trotzki erklärte:</p>

<p class="wp-block-paragraph">„Der Sektierer betrachtet das gesellschaftliche Leben als eine große Schule, in der er selbst der Lehrer ist. Nach seiner Meinung soll die Arbeiterklasse ihre weniger wichtigen Angelegenheiten beiseiteschieben und sich in geschlossener Formation um seine Rednertribüne scharen: dann wäre die Aufgabe gelöst.“</p>

<h3 class="wp-block-heading">Bewusstsein</h3>

<p class="wp-block-paragraph">Es reicht nicht aus, zu behaupten, die Arbeiter müssten revolutionär werden. Man muss verstehen, wie revolutionäres Bewusstsein tatsächlich entsteht. Und es entsteht dialektisch, in dramatischen Sprüngen, angetrieben durch den praktischen Kampf um die Veränderung der Gesellschaft – nicht bloß in der Theorie.</p>

<p class="wp-block-paragraph">In Krisenzeiten, wenn der Kapitalismus sich nicht einmal mehr grundlegende Reformen leisten kann, können solche Sprünge einen revolutionären Charakter annehmen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Kommunistische Internationale stellte 1922 fest:</p>

<p class="wp-block-paragraph">„Angesichts der heutigen Gesamtsituation der Arbeiterbewegung wird jede ernsthafte Massenaktion, selbst wenn sie nur mit Teilforderungen beginnt, unvermeidlich die allgemeineren und grundsätzlichen Fragen der Revolution in den Vordergrund rücken.“</p>

<p class="wp-block-paragraph">Vier Jahre später beteiligten sich mehr als drei Millionen britische Arbeiter an einem Generalstreik unter dem Motto: „Keinen Penny weniger Lohn, keine Minute länger Arbeit.“ Was als Abwehrkampf gegen die Angriffe der Unternehmer begann, wurde zu einer direkten Konfrontation zwischen der Arbeiterklasse und der gesamten Staatsmacht Großbritanniens, in der die Arbeiter hätten die Macht übernehmen können.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Wenn die Massen in Bewegung geraten, wenden sie sich zunächst meist an bekannte Persönlichkeiten und Organisationen. Doch im Verlauf des Kampfes können sie oft weit über die Absichten ihrer Führer hinausgehen. Im Kolumbien entfaltet sich aktuell ein Beispiel dafür.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Der linke Präsident Gustavo Petro versucht, eine Reihe von Reformen durchs Parlament zu bringen. Er hat klargemacht, dass er eine Art „menschlichen Kapitalismus“ – und sicher keinen Sozialismus – in Kolumbien aufbauen möchte. Doch Millionen Arbeiter unterstützen seine Regierung und deren Reformprogramm, weil sie darin den Versuch sehen, ihre dringenden Forderungen nach einem besseren Gesundheitssystem, besseren Pensionen, besseren Arbeitsbedingungen – kurz: nach einem besseren Leben – zu erfüllen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Doch leider ist der kolumbianische Kapitalismus unfähig, diese Forderungen zu erfüllen. Durch ihre Kontrolle über das Parlament blockiert oder verwässert die herrschende Klasse also Petros Vorschläge. Petro beantwortet das mit Massenmobilisierungen für ein Referendum, genannt <em>consulta popular</em> über einige seiner Reformen. Er hat dabei absolut nicht vor, die Grenzen der bürgerlichen Demokratie zu überschreiten. Er will den Druck der Massen nutzen, um die herrschende Klasse zu einem Kompromiss zu zwingen. Doch Petros Absichten sind nicht dieselben wie die der Arbeiter und Jugend.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Durch den Aufruf Petros aufgerüttelt, haben sich Volksversammlungen namens <em>cabildos</em> gebildet, um die Bewegung zu organisieren. Die kämpferischste Schicht in diesen Versammlungen hat den Aufruf nach einem <em>Paro Nacional</em>, einem „landesweiten Streik“, erhoben. Das war auch der Hauptslogan der Aufstandsbewegung, die 2021 die rechte Regierung von Ivan Duque besiegte.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Je mehr sich die Krise vertieft und sich die Manöver der herrschenden Klasse fortsetzen, desto mehr wird diese Radikalisierung wahrscheinlich anwachsen – und die Massen auf Kollisionskurs mit Petros Reformismus bringen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Lenin bezeichnete die Momente im Klassenkampf, wenn die Arbeiter sagen: „Wir weichen nicht zurück!“, als wesentliche Bedingung einer Revolution. In Griechenland wurde dieser Moment 2015 erreicht.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Als die Syriza-Regierung ein Referendum über das Sparpaket organisierte, das die Gläubiger des Landes verlangten, konzentrierten sich alle Forderungen der griechischen Massen in einem einzigen Wort: „Όχι!“ (Nein!)</p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Führung hatte nur eine einfache Abstimmung durchführen wollen, um ihre Verhandlungsposition zu stärken. Doch die Massen waren aufgestanden. Ihre Bewegung hätte mit dem Kapitalismus brechen und eine revolutionäre Welle in Europa auslösen können.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Genau hier wird die Frage der Führung entscheidend.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Man hat in Griechenland gesehen, dass die reformistischen Führungen ab einem bestimmten Punkt nicht weiterwissen. Der Gegensatz zwischen ihren Worten und Taten verschärft sich zu einem unerträglichen Grad und die Bewegung gerät in die Krise.</p>

<h3 class="wp-block-heading">Die Rolle der Kommunisten</h3>

<p class="wp-block-paragraph">Man könnte sich fragen: Wenn die Arbeiter so radikalisiert waren, warum werden sie ihre Führer dann nicht einfach los und ergreifen selbst die Macht?</p>

<p class="wp-block-paragraph">Wenn die Arbeiter eine revolutionäre Führung einfach improvisieren könnten, dann wäre die revolutionäre Partei unnötig und wir würden bereits im Sozialismus leben. Die Aufgabe der revolutionären Partei besteht nicht darin, die Revolution der Reform gegenüberzustellen, sondern darin, die Brücke zwischen beiden herzustellen. Rosa Luxemburg erklärte in ihrer Broschüre Sozialreform oder Revolution:</p>

<p class="wp-block-paragraph">„Für die [Marxisten] besteht zwischen der Sozialreform und der sozialen Revolution ein unzertrennlicher Zusammenhang.“</p>

<p class="wp-block-paragraph">Doch um vom Wort zur Tat zu schreiten, muss die Partei das Vertrauen des Großteils der Arbeiterklasse gewinnen. So hängen strategische Fragen mit taktischen Problemen zusammen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Kommunisten müssen in der Lage sein, die Welt mit den Augen der Arbeiterklasse zu sehen. Wir müssen als Ausgangspunkt das Bewusstsein der Massen nehmen, <em>wie es heute ist</em>, inklusive aller Illusionen, die sie vielleicht haben – über reformistische Führer, demokratische Forderungen, die nationale Frage usw. – und diese mit der Notwendigkeit verbinden, dass die Arbeiterklasse die Leitung der Gesellschaft übernimmt.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Wenn wir Kommunisten finden, dass die Massen falsche Forderungen oder Führer gewählt haben, müssen wir ihnen die Wahrheit sagen. Aber nicht, indem wir sie von der Seite belehren. Erst einmal müssen wir beweisen, dass wir bereit sind, an ihrer Seite zu kämpfen – auf dem Kampffeld, das sie sich selbst wählen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Das war die Methode von Marx und Engels; dafür setzte sich Trotzki sein Leben lang ein, vor allem im <em>Übergangsprogramm; </em>und das war die Methode, mit der es der bolschewistischen Partei gelang, im Oktober 1917 die größte Revolution der Geschichte durchzuführen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Im Frühling 1917 schauten die meisten Arbeiter auf reformistische Parteien wie die Menschewiki. Anstatt einfach zu den Arbeitern zu sagen, sie sollen sich von den Reformisten abwenden, erklärte Lenin öffentlich, diese Parteien sollen selbst die Macht ergreifen, aber auf jede Zusammenarbeit mit der herrschenden Klasse und deren Agenten verzichten. Das war sehr effektiv, weil es genau ausdrückte, was die meisten Arbeiter zu diesem Zeitpunkt wollten, und weil es sichtbar machte, dass die Reformisten die Forderungen der Arbeiter <em>in der Praxis</em> nicht erfüllen konnten.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Ebenso waren die Forderungen der Bolschewiki nach einer Konstituierenden Versammlung und nach der Verteilung des Landes an die Bauern keine sozialistischen Forderungen; sie wurden von den Massen selbst aufgestellt und direkt von ihnen übernommen. Aber die Bolschewiki gaben ihnen einen revolutionären Übergangscharakter, als sie erklärten, dass diese Forderungen nur erfüllt werden konnten, indem die Arbeiter und Bauern durch die Sowjets (Räte), die sie sich im Kampf geschaffen hatten, die Macht ergriffen und sie selbst verwirklichten.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Lenins Rat an die Bolschewiki war: „Geduldig erklären!“ So zogen die Arbeiter ihre eigenen Schlussfolgerungen und wandten sich an die Bolschewiki als einzige Partei, die wirklich die Reformen liefern konnte, für die sie kämpften. Ohne das hätte die Oktoberrevolution niemals stattgefunden.</p>

<h3 class="wp-block-heading">Unsere Aufgabe</h3>

<p class="wp-block-paragraph">Die kommende Periode wird voller Gelegenheiten für revolutionäre Kommunisten sein, aber auch schwere Prüfungen beinhalten.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Wenn wir es nicht schaffen, die fortgeschrittensten Arbeiter und Jugendlichen von unserem Banner zu überzeugen, dann wird sich jeder Anspruch, eine revolutionäre Alternative zur gegenwärtigen Führung darzustellen, einfach als heiße Luft herausstellen. Der Kampf gegen den Reformismus heute ist nichts anders als der Kampf um die Überwindung unserer eigenen Isolation.</p>

<p class="wp-block-paragraph">In Ländern, wo die revolutionären Kommunisten jetzt erst anfangen, sich zu organisieren, bleibt der Kampf um die Avantgarde der Arbeiterklasse noch eine Zukunftsvision. Doch selbst hier müssen wir umfassend gebildete marxistische Kader, <em>echte</em> Kommunisten, ausbilden, die nicht nur die Fehler der Arbeiterführer, sondern auch die Gefühle der Arbeiter selbst verstehen können. Nur so können wir die Kräfte des Kommunismus weltweit stärken.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Das Verhältnis zwischen dem Kampf für Reformen, dem Reformismus, und der Revolution zu verstehen, ist der Prüfstein für jede revolutionäre Strömung. Versteht sie es nicht, wird sie höchstens eine kommunistische Propagandagruppe, aber niemals die Partei der proletarischen Revolution.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Das ist unsere Aufgabe: Wenn wir erfolgreich sein wollen, müssen wir die Lehren der Vergangenheit verstehen.</p>
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		<title>Marxistische Ökonomie: „Tax the Rich“ oder Enteignung der Milliardäre? </title>
		<link>https://derkommunist.de/marxistische-oekonomie-tax-the-rich-oder-enteignung-der-milliardaere/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ture Hirche]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Jul 2025 06:00:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theorie]]></category>
		<category><![CDATA[Die Linke]]></category>
		<category><![CDATA[Marxistische Ökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[Reformismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Jahr 2024 vergrößerten die Milliardäre weltweit ihr Vermögen um 2 Billionen Dollar. Gleichzeitig soll die arbeitende Mehrheit immer länger und härter arbeiten. Das bringt die Stimmung in der Arbeiterklasse [&#8230;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2024 vergrößerten die Milliardäre weltweit ihr Vermögen um 2 Billionen Dollar. Gleichzeitig soll die arbeitende Mehrheit immer länger und härter arbeiten. Das bringt die Stimmung in der Arbeiterklasse zum Brodeln. Die Tötung des CEO von UnitedHealth durch Luigi Mangione im letzten Dezember zeigte eindrucksvoll diese Wut gegen Milliardäre in der amerikanischen Bevölkerung. Auf die Tat folgte keine moralische Entrüstung, sondern massenhafte Solidarität mit dem verhafteten Schützen. Denn Millionen US-Amerikaner erleben die betrügerischen Geschäftspraktiken der Versicherungsgesellschaften im Gesundheitssektor am eigenen Leib. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Diese wachsende Ablehnung gegenüber Reichen hat der reformistischen Linken neuen Auftrieb gegeben. Seit Trumps Wahlsieg zieht etwa Bernie Sanders angesichts steigender Lebenshaltungskosten mit seiner „Fight Oligarchy Tour“ Zehntausende an. In Deutschland konnte DIE LINKE mit fast 9% ihren Stimmenanteil verdoppeln. Grund hierfür war vor allem ihr kämpferischeres Auftreten, sowie die Forderung zur Abschaffung von Milliardären. Das und andere soziale Probleme wollen linke Reformisten grundsätzlich durch höhere Steuern für Reiche lösen. Die Kluft zwischen Arm und Reich soll durch eine solche Umverteilung wieder verringert werden. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Dieser Ansatz scheint zunächst schlüssig. In den letzten Jahrzehnten haben bürgerliche Regierungen durch ihre Steuerpolitik diese Kluft ausgedehnt. Besonders seit den 1990er Jahren erhielten Kapitalisten massive Steuergeschenke: In Deutschland wurde die Körperschaftsteuer drastisch gesenkt und 1997 die Vermögenssteuer komplett ausgesetzt. Heute werden durchschnittliche Arbeitseinkommen mit 47,9% besteuert, während Milliardäre oft nur die Hälfte entrichten.  </p>

<p class="wp-block-paragraph">Zugleich führen Inflation, prekäre Arbeitsverhältnisse und Austeritätspolitik zu brutalen Angriffen auf den Lebensstandard der Arbeiterklasse. Entsprechend erscheint es naheliegend, nun den Reichen einen Teil ihres Vermögens zu nehmen und so das soziale Gleichgewicht wiederherzustellen. Doch historisch ist jeder Versuch, einen langfristigen Kompromiss in der Verteilungsfrage mit den Reichen zu finden, an den grundsätzlichen Gesetzmäßigkeiten des Kapitalismus gescheitert. </p>

<h3><strong>Was ist der Kapitalismus?</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Karl Marx hat als erster die Funktionsweise des Kapitalismus vollständig herausgearbeitet. Als Ausgangspunkt für seine Analyse untersucht er in seinem dreibändigen Werk „Das Kapital“ den Grundbaustein des Kapitalismus, die Ware. Er erklärt: „Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine ungeheure Warensammlung.“ </p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Kapitalisten produzieren als Eigentümer der Produktionsmittel (Fabriken, Felder usw.) alle Waren allein für den Austausch. Doch sie tauschen ihre Waren nicht einfach gegen andere Waren ein, die sie gerade benötigen und vorfinden. Stattdessen tauschen sie ihre Waren auf einem Markt gegen Geld. Denn mit diesem universellen Tauschmittel können sie später jede andere Ware erwerben. Die Kapitalisten wollen durch den Verkauf ihrer Waren Profite machen und diese kontinuierlich steigern, indem sie sie in die Produktion reinvestieren, um mehr Waren verkaufen oder zum Ausstechen der Konkurrenz effizienter produzieren zu können.  </p>

<p class="wp-block-paragraph">Dieses System hat zwangsläufig einen chaotischen Charakter. Es gibt keinen gesamtgesellschaftlichen Überblick über die Produktion. Allein die Profitinteressen der konkurrierenden Kapitalisten sind ausschlaggebend dafür, was produziert wird und wohin Investitionen fließen. Der Preis einer Ware erscheint uns deshalb schnell als eine unerklärliche Eigenschaft. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Doch der Warentausch ist nichts Übernatürliches, sondern wird von Menschen gemacht. Da die gesamte Wirtschaft auf Warentausch basiert, sind alle abhängig von dem, was die anderen produzieren. Aus diesem Grund muss es zwangsweise ökonomische Gesetze geben, die bestimmen, zu welchen Bedingungen getauscht wird. </p>

<h3><strong>Die Arbeitswerttheorie</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Im Zentrum jeder Warentauschbeziehung steht der Tauschwert: Er macht möglich, dass unterschiedliche Gebrauchswerte – also Waren mit verschiedenen nützlichen Eigenschaften – quantitativ vergleichbar werden.  </p>

<p class="wp-block-paragraph">Alle Waren haben gemeinsam, dass sie durch menschliche Arbeit entstanden sind. Marx’ Arbeitswerttheorie führt den Tauschwert auf die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit zurück, die zur Produktion einer bestimmten Ware aufgewendet werden muss. Bereits der bürgerliche Ökonom Adam Smith erkannte Arbeit als „ursprüngliches Geld“, mit dem alle Reichtümer der Welt zuerst erworben wurden. Dabei messen wir nicht die konkrete, handwerkliche Tätigkeit eines einzelnen Produzenten, sondern abstrahieren sie zur in allen Arbeiten gleichen abstrakten Arbeit. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Erst auf dieser Ebene wird Vergleichbarkeit möglich: Ein Tischler und ein Holzfäller verrichten unterschiedliche konkrete Arbeiten, doch lassen sich ihre Produkte über die dafür erforderliche Arbeitszeit ins Verhältnis setzen. Entscheidend ist dabei nicht die individuelle Arbeitsdauer, sondern die durchschnittlich notwendige Arbeitszeit – ein Durchschnittswert, der im Konkurrenzkampf zwischen den Produzenten entsteht. Wer länger braucht als diese Durchschnittsdauer, kann seine Ware nicht teurer anbieten, ohne Käufer an effizientere Konkurrenten zu verlieren. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Werte sind also ein soziales Verhältnis aber  keine materielle Größe. Sie können weder über physische Eigenschaften noch über die individuellen Gebrauchsvorstellungen der Menschen bestimmt werden. Luft zum Atmen oder ein malerischer Sonnenaufgang mögen einen Gebrauchswert besitzen, kosten aber nichts und zeigen, dass Nützlichkeit und Tauschwert auseinanderfallen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Dass Marktpreise in der Realität dennoch vom Tauschwert abweichen, ist kein Widerspruch, sondern Ausdruck der anarchischen Produktionsweise des Kapitalismus. Angebot und Nachfrage signalisieren, ob sich Investitionen lohnen, und treiben Preise kurzzeitig über oder unter den tatsächlichen Tauschwert. Letztlich spiegelt sich die unterschiedliche notwendige Arbeitszeit für die Produktion der Waren aber auch in den Preisen wider: Für einen Ziegelstein würden wir niemals mehr bezahlen als für einen Neuwagen. </p>

<h3><strong>Woher kommt der Profit?</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Aus der Arbeitswerttheorie folgt, dass die Kapitalisten ihre Profite durch die Ausbeutung der Arbeiterklasse machen. Dieser offensichtliche Umstand wird aber von bürgerlichen Ökonomen geleugnet. Denn aus ihm lässt sich der krisenhafte Charakter des Kapitalismus nachweisen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Ausbeutung der Arbeiterklasse resultiert aus ihrer sozialen Lage. Im Gegensatz zu den Kapitalisten besitzt die Mehrheit der Bevölkerung keine Produktionsmittel. Um ihren eigenen Lebensunterhalt finanzieren zu können, muss sie die einzige Ware verkaufen, die sie besitzt: ihre Arbeitskraft. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Arbeitskraft ist die menschliche Fähigkeit, der Natur zielgerichtet neue Gebrauchswerte abzuringen. Die Kapitalisten kaufen diese Ware aufgrund dieser einzigartigen Eigenschaft.  </p>

<p class="wp-block-paragraph">Der Wert der Ware Arbeitskraft wird, wie bei allen anderen Waren, durch die in ihr enthaltene gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit bestimmt. Der Kapitalist muss also dem Arbeiter gerade so viel bezahlen, dass er sich Lebensmittel, Unterkunft und Erholung leisten kann. Außerdem muss es ihm möglich sein, Kinder großzuziehen, die später einmal seinen Posten einnehmen. Zahlt der Kapitalist weniger, kann sich die Ware Arbeitskraft nicht nachhaltig reproduzieren. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Dieses Verhältnis scheint zunächst ein fairer Tausch zu sein. Der Arbeiter stellt dem Kapitalisten seine Fähigkeit zu arbeiten zur Verfügung, der Kapitalist gibt dem Arbeiter durch den Lohn die Fähigkeit sich zu erhalten und zu reproduzieren. Doch mit entsprechenden Werkzeugen und Wissen sind Menschen in der Lage der Natur mehr Produkte abzuringen, als sie zum bloßen Überleben benötigen. Diesen sogenannten Mehrwert eignet sich der Kapitalist an und realisiert so auf dem Markt seine Profite. Wenn ein Kapitalist einen Arbeiter für acht Stunden am Tag einstellt, hat der Arbeiter vielleicht schon nach vier Stunden den Wert erarbeitet, der seinem Lohn entspricht. Die restlichen vier Stunden arbeitet er dann praktisch unbezahlt für den Kapitalisten. Kein Kapitalist wird dem Arbeiter den vollen Wert seiner Arbeit auszahlen, denn das würde für den Kapitalisten einen Wegfall jeglicher Profite bedeuten. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Der Wert einer Ware setzt sich somit aus drei Bestandteilen zusammen. Der Kapitalist muss zunächst Rohstoffe und Maschinen für die Produktion erwerben, die bereits von anderen Produzenten hergestellt wurden. Er muss dem Arbeiter einen Lohn zahlen. Und zu guter Letzt streicht er unbezahlte Arbeit als Mehrwert ein. </p>

<h3><strong>Die Widersprüchlichkeit des Kapitalismus</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Für eine Zeit konnte der Kapitalismus auf dieser Basis enormen Fortschritt erreichen. Da die Kapitalisten darum konkurrieren, wer die meisten Waren auf dem Markt profitabel verkaufen kann, investierten sie ihre Profite wieder in die Entwicklung der Produktion, um mehr Waren in kürzerer Zeit produzieren zu können. Das machte die Waren günstiger, weil weniger Arbeitszeit für ihre Produktion benötigt wurde, und es weitete die Produktion aus.  Um die wachsende Warenmasse abzusetzen, erschlossen sie sich die ganze Welt als Markt, und reinvestierten ihre Profite wiederum in noch größerem Umfang in die Produktion. Die Ausbeutung der Arbeiterklasse ermöglichte diesen Prozess, weil sie den Kapitalisten den nötigen Profit zum Investieren erbrachte. Doch ab einem gewissen Zeitpunkt entwickelt sich diese Wirkung in ihr Gegenteil. Da die Arbeiterklasse mehr produziert, als sie zu ihrer Reproduktion benötigt, ist sie nicht in der Lage, die Waren, die sie produziert, zurückzukaufen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Das kann für den Kapitalismus eine Zeit lang gut gehen, da die Kapitalisten ihre Waren nicht nur an die Arbeiter verkaufen, sondern auch an ihre eigene Klasse, die Maschinen, Rohstoffe, Fabriken, Lagerhallen usw. Benötigt. Die Ausweitung der Nachfrage kann irgendwann nicht mehr Schritt halten mit der Ausweitung der Produktion. Ab einem gewissen Punkt können die Kapitalisten die neuen Waren nicht mehr profitabel verkaufen, weil das Angebot die Nachfrage übersteigt. Sie befinden sich in einer Überproduktionskrise.  </p>

<p class="wp-block-paragraph">Um sich wirtschaftlich über Wasser zu halten, tun sie alles, um ihre Profite zu retten. Mangels genügend profitabler Investitionsmöglichkeiten schließen sie unrentable Fabriken oder kürzen bei den Löhnen, um die Verluste auszugleichen. Durch Letzteres sowie die Erschließung neuer Märkte und gründlichere Ausnutzung ihrer bestehenden Märkte können sie es schaffen, eine neue Wachstumsperiode zu erreichen, bis sich der ganze Zyklus wiederholt.  </p>

<p class="wp-block-paragraph">Das Absurde an diesem Vorgang ist, dass andere Gesellschaften in Krisen gekommen sind, weil sie zu wenig produziert haben, während der Kapitalismus in die Krise geht, weil er zu viel Reichtum, zu viele nützliche Gebrauchsgegenstände produziert hat. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Zwar kann der Kapitalismus seine Krisen zeitweise überbrücken, doch die Möglichkeit zu expandieren wird für die Kapitalisten immer enger, desto mehr Krisen stattfinden. So wie die Kapitalisten ihre Produktion ausweiten, verschlimmern sie auch die soziale Ungleichheit. Die ständigen Investitionen in neue Industrien führen dazu, dass der Anteil der Arbeit am Reproduktionsprozess der Arbeiterklasse geringer wird und der relative Reichtum in den Händen der Arbeiterklasse schrumpft.  Die Arbeiter produzieren also mit zunehmendem technischen Fortschritt immer größere Überschüsse, die sie allerdings nicht zurückkaufen können. Auch die Erschließung neuer Märkte kann dem nicht ewig entgegenwirken, da die ganze Welt längst unter den Kapitalisten aufgeteilt ist. Der Zyklus von Wachstum und Krise entwickelt sich statt wie ein Kreislauf wie eine Spirale. Die Aufschwünge werden schwächer und die Krisen härter. Irgendwann kommt der Kapitalismus an einen Punkt, an dem es ihm kaum noch gelingt, ein neues Gleichgewicht zu finden. Er kommt in eine organische Krise, die von langwieriger stagnierender Entwicklung der Produktion und zerfallendem Lebensstandard geprägt ist.  </p>

<h3><strong>Der Kapitalismus lässt keine wirksamen Reformen mehr zu</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Das ist genau der Zustand, in dem sich der Kapitalismus heute befindet. Die Finanzkrise 2008 war Ausdruck einer Überproduktionskrise, der nur eine schwache Erholung folgte. Eine erneute Krise brach kurz vor der Coronapandemie aus und wurde durch sie verstärkt.  </p>

<p class="wp-block-paragraph">Um dem Investitionsstau und sinkendem Wirtschaftswachstum entgegenzuwirken, sind die kapitalistischen Staaten auf der ganzen Welt gezwungen, den Kapitalisten unter die Arme zu greifen, indem sie die Steuern für sie senken und ihre Unternehmen subventionieren. Andernfalls müssten die Kapitalisten ihre Investitionen, mangels profitabler Anlagemöglichkeiten, massiv dämpfen oder würden sich einfach im Ausland nach profitableren Optionen umschauen. Ohne Investitionen, um die Produktion am Laufen zu halten, würde die heimische Wirtschaft noch tiefer in die Krise rutschen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Aus diesem Grund haben die Herrschenden keine andere Wahl als Angriffe auf den Lebensstandard der Arbeiterklasse in Form von z.B. härterer Ausbeutung, Kürzungen bei Bildung, der Gesundheit und dem Sozialstaat durchzuführen.  </p>

<p class="wp-block-paragraph">Befürworter der Reichensteuer argumentieren zwar, dass in den westlichen kapitalistischen Ländern bis vor gut dreißig Jahren Unternehmen sehr wohl deutlich stärker besteuert wurden und es einen stärkeren Sozialstaat gab. Doch das geschah in einer Phase des ökonomischen Aufschwungs, der es den Kapitalisten erlaubte, Zugeständnisse an die Arbeiterklasse zu tolerieren. Heute ist das Gegenteil der Fall.  </p>

<p class="wp-block-paragraph">Eine linke Regierung, die mitten in der kapitalistischen Krise versucht, die Kürzungen rückgängig zu machen, indem sie die Reichen mehr besteuert, würde auf heftigsten Widerstand der Kapitalisten stoßen, die die ganze Wirtschaft unter ihrer Kontrolle haben. Ohne wirtschaftlichen Aufschwung können Reformen nicht finanziert werden. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Die von 2012 bis 2017 amtierende sozialdemokratische Regierung in Frankreich unter Francois Hollande hat bildhaft gezeigt, dass die Kapitalistenklasse in der organischen Krise keine fortschrittlichen Reformen zulässt. Hollande wurde für sein Programm gewählt, das eine 75% Einkommensteuer für Reiche, öffentliche Investitionen in die Industrie und einige kleinere soziale Reformen versprach. Umsetzen konnte er davon so gut wie nichts.  </p>

<p class="wp-block-paragraph">Obwohl er das Steuerprogramm nur zum Teil durchsetzte, reduzierten die Kapitalisten ihre Investitionen enorm, teils aus ökonomischen Gründen, teils um die Regierung zu zwingen, sie zurückzunehmen.  </p>

<p class="wp-block-paragraph">Die staatlichen Investitionen scheiterten teilweise daran, dass die Überproduktionskrise sich schon auf der ganzen Welt ausgebreitet hatte. Die exportabhängige Industrie hätte das Geld zwar nutzen können, um neue Waren zu produzieren, aber sie hätten sie kaum profitabel verkaufen können. Zwar hat der Staat versucht, durch z.B. öffentlichen Ausbau der Infrastruktur die Nachfrage zu erhöhen, doch er hatte nicht das Geld, um seine Programme dauerhaft aufrechtzuerhalten. Einige Kapitalisten konnten hier einmalig einen Profit machen, aber insgesamt ist der Markt nicht gewachsen und die Investitionen blieben gering. Wegen der Anarchie des Marktes konnte die Regierung mit ihrer Wirtschaftspolitik außerdem nicht auf die Bedürfnisse aller einzelnen Kapitalisten eingehen. Viele gingen leer aus und haben nur Verluste durch die höheren Steuern gemacht. Um den Widerstand der Kapitalisten aufzulösen, musste Hollande schließlich das genaue Gegenteil seines Programms durchsetzen: Er reduzierte die Steuern für Unternehmen und flexibilisierte die Tarifverträge, Arbeitszeiten und den Kündigungsschutz.  </p>

<p class="wp-block-paragraph">Als Norwegen 2022 seine Vermögenssteuer auf bescheidene 1,1% erhöhte, verließen superreiche Kapitalisten in Scharen das Land, was zu viele Millionen schweren Lücken im norwegischen Staatshaushalt führte. Die freundlichen Bitten der norwegischen Regierung, diese Individuen mögen bitte aus dem sonnigen Lugano in der Schweiz zurück nach Norwegen kommen, blieben unbeachtet.  </p>

<p class="wp-block-paragraph">Reformisten behaupten, das Problem der Kapitalflucht könnte vermieden werden, indem man Vermögen an die Staatsbürgerschaft knüpft. So könnten die Kapitalisten auch besteuert werden, wenn sie ihr Kapital aus dem Land schaffen. Doch das würde nach wie vor bedeuten, dass die Investitionen in die eigene Wirtschaft fehlen würden. Ist die Produktion durch Investitionsmangel lahmgelegt, gibt es keine Waren, die man kaufen kann. Das durch Steuern erhobene Geld wird also zunehmend wertlos. </p>

<h3><strong>Für ein sozialistisches Wirtschaftsprogramm</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">DIE LINKE fordert eine Vermögenssteuer von 1% ab einem Vermögen von 1 Million € und 5% ab 50 Millionen €. Die erste Frage, die sich aufdrängt, lautet: Warum sollen die anderen 99% bzw. 95% des aus unserer Arbeit entstandenen Vermögens weiter auf den Schweizer Bankkonten schlummern, statt im Sinne der Allgemeinheit investiert zu werden?  </p>

<p class="wp-block-paragraph">Wie wir gesehen haben, werden die Kapitalisten alles tun, um eine Vermögenssteuer zu verhindern: Mit Kapitalflucht und Investitionsstreiks. Wollte man die Vermögenssteuer also konsequent aufrechterhalten, müsste man zum einen alle Kapitalisten enteignen, die durch Kapitalflucht ihr Vermögen dem staatlichen Zugriff entziehen. Denn Nichtinvestieren in die heimische Wirtschaft würde die Vermögenssteuer sabotieren. Letztlich hätte man dann den Großteil der Kapitalisten enteignet und die meisten Wirtschaftssektoren in staatlicher Hand.  </p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Reformisten haben eine falsche Analyse des Kapitalismus, sind sie nicht in der Lage, ein korrektes Programm aufzustellen. Sie glauben, kosmetische Eingriffe in die Verteilung der Waren würden genügen, um spürbare Verbesserungen für die Arbeiterklasse herzustellen. In der Realität ist das jedoch eine utopische Vorstellung. Da der Profit das treibende Motiv im Kapitalismus ist, führt jeder Versuch, ihn zu beschneiden, zu wirtschaftlichen Problemen. In der Überproduktionskrise, wo die Märkte überfüllt sind und die Kapitalisten deshalb in noch viel verbitterterer Konkurrenz um die verbliebenen Profite stehen, ist das noch viel eher der Fall. Weil der Reformismus mit der Realität in Konflikt gerät, befindet er sich in einem Teufelskreis. Er fängt die Wut der Arbeiter über ihre Ausbeutung auf, indem er ihnen soziale Verbesserungen verspricht. Doch weil er den Kapitalismus als Wirtschaftssystem verteidigt, kann er nur Reformen durchsetzen, wenn die ökonomische Lage das zulässt. Tut sie das nicht, können die Reformisten ihre Reformen nicht nur nicht durchsetzen, sondern sind sogar gezwungen, die Profite der Kapitalisten zu retten, aus Angst ein Kollaps der Wirtschaft würde noch Schlimmeres bedeuten. Das haben die Regierung Hollande und zahlreiche andere Beispiele eindringlich bewiesen.  </p>

<p class="wp-block-paragraph">Als Kommunisten sind wir nicht gegen Reformen. Auch wir sind der Ansicht, dass der Reichtum der Kapitalisten umverteilt werden muss, um der sozialen Verelendung entgegenzuwirken. Wir sind für jeden Kampf für höhere Löhne, gegen Sozialabbau und für eine bessere Stellung der Arbeiterklasse. Doch diese Forderungen können langfristig nur durchgesetzt werden, wenn die Arbeiterklasse selbst die Kontrolle über die Produktion übernimmt. Angefangen mit der Enteignung der größten Betriebe und der Banken, kann die Arbeiterklasse durch einen demokratisch abgestimmten rationalen Produktionsplan selbst entscheiden, wie investiert werden soll. Überproduktionskrisen würden so undenkbar werden. Da nicht mehr für Profit sondern für Bedürfnisse produziert werden würde, könnte die Industrie maximal effizient für die Bereicherung der ganzen Menschheit genutzt werden. </p>
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		<title>Sanders und Trump zeigen den Molekularprozess der Revolution</title>
		<link>https://derkommunist.de/sanders-und-trump-zeigen-den-molekularprozess-der-revolution/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jacob Jakobsen]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 07 Jun 2025 06:00:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nordamerika]]></category>
		<category><![CDATA[Reformismus]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die USA sind tief gespalten – aber nicht so, wie es auf den ersten Blick scheint. Zwar ist der rechte Demagoge Donald Trump Präsident, während gleichzeitig der Reformist Bernie Sanders [&#8230;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Die USA sind tief gespalten – aber nicht so, wie es auf den ersten Blick scheint. Zwar ist der rechte Demagoge Donald Trump Präsident, während gleichzeitig der Reformist Bernie Sanders mit seiner „Fighting Oligarchy Tour“ Zehntausende auf die Straße holt. Doch beide Phänomene haben ein und dieselbe Wurzel: den Hass auf das Establishment. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Weil weder Trump noch Sanders einen ernsthaften Kampf gegen den Status quo führen, können sie die Massen auf die Dauer nicht an sich binden. Viele suchen bereits nach einer wirklichen Alternative und finden sie in unserer US-amerikanischen Schwesterpartei, den Revolutionary Communists of America (RCA). Die wahre Spaltung in den Vereinigten Staaten verläuft nämlich zwischen Arm und Reich, zwischen den Klassen. Und wachsende Teile der Bevölkerung werden sich dessen bewusst. </p>

<h3><strong>Veteran: „Dann bin ich auch ein Kommunist“</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Immer wieder treffen unsere Genossen von den RCA auf vermeintliche Trump-Anhänger, die offen für den Kommunismus sind. Zum Beispiel sprachen sie mit einem behinderten Veteranen, der den Präsidenten nicht besonders mag, aber jemanden will, der für den kleinen Mann kämpft. Als wir meinten, wir seien Kommunisten, fragte er, ob wir für ein totalitäres System stünden. Wir erklärten ihm, dass wir tatsächlich für eine Arbeiterdemokratie statt der Diktatur der Reichen kämpfen. Daraufhin meinte er: „Wenn du das so sagst, dann bin ich wohl auch ein Kommunist.“ </p>

<p class="wp-block-paragraph">Unsere Genossen berichten außerdem von einem 65-jährigen Arbeiter, dessen Freunde Trump wählten, aber es jetzt bereuen. Er sagte, er möchte auch eine Revolution. Sogar auf einen Libertären mit Interesse am Sozialismus stießen sie, der bei einem Infotisch „Staat und Revolution“ von Lenin kaufte, um Einsicht in die Natur des Staates zu erlangen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Einer unserer Genossen erzählt, wie in seiner armen Familie der Aufstieg von Trump tatsächlich als Bewegung gegen das Establishment wahrgenommen wurde. Während der Finanzkrise von 2008 hatte sich seine Mutter verletzt und konnte nicht mehr arbeiten, zumindest nicht so wie früher. Sein Vater war deswegen gezwungen, Soldat zu werden, um eine Gesundheitsversicherung für die Familie zu erhalten. Dabei verletzte er sich jedoch selber und war fortan gezwungen, mit seiner Frau von einer mickrigen Pension zu leben, die nie rechtzeitig da war. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Dieses Elend schuf in der Familie einen Hass gegenüber dem Staat. Als Trump verkündete, er würde einen Kampf führen gegen das verrottete Establishment in Washington, den „Sumpf“, wie er es nannte, knüpfte das an ihre Erfahrung an. Als Trump die Wahl 2016 gewann, fühlte es sich für sie wie ein Triumph an. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Familie unterstütze Trump sogar so weit, dass unser Genosse selbst am 6. Januar 2021 bei der „Stop the Steal“-Demo in Washington gegen den angeblichen Wahlbetrug durch die Demokraten anwesend war. Dann begann er zu zweifeln. Die Realität war nämlich, dass sich für die Familie in den vier Jahren seit Trumps Wahlsieg trotzdem nichts verbessert hatte. Diese Enttäuschung brachte ihn letztendlich zum Kommunismus und zu den RCA. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Unser Genosse ist kein Einzelfall. Viele haben zwar noch Illusionen, aber liberale Belehrung wird sie nicht überzeugen. Durch ihre Erfahrung werden sie lernen und wie der Genosse sagt: „Trumps Scheitern bei seinem zweiten Versuch wird Millionen weitere Kommunisten schaffen.“ </p>

<h3><strong>Sackgasse Trump</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Die Milliardärsregierung von Trump ist nämlich nicht in der Lage, die Bedingungen der Arbeiter in den USA zu verbessern. Ihr gelang es nicht, die Lebensmittelpreise zu senken, sie setzt massive Kürzungen im Sozialstaat um und durch ihre protektionistische Handelspolitik wird sie die Preise für fast alle Waren sogar noch erhöhen. So stellt sich Trumps kämpferische Rhetorik als inhaltsleere Demagogie heraus. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Denn die Krise ist die natürliche Konsequenz des Kapitalismus selbst, von dem Trump, der selbst Kapitalist ist, sich niemals trennen wird. Er ist bereit, eine Verschlechterung des Lebensstandards der Massen zu akzeptieren, um zu versuchen, den US-amerikanischen Kapitalismus zu retten. Erst vor kurzem sagte er im Fernsehen über die Auswirkungen des Protektionismus: „Ich denke nicht, dass eine 11-Jährige 30 Puppen braucht. Ich denke, sie könnte drei oder vier haben. Sie braucht nicht 250 Bleistifte. Sie kann fünf haben.“ </p>

<h3><strong>Der Verrat des Reformismus</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Zur selben Zeit sehen wir die Rückkehr von Sanders, der in seiner „Fighting Oligarchy Tour“ die bislang größten Kundgebungen seiner Karriere organisierte. In Denver und Los Angeles kamen jeweils 34.000 und 36.000 Menschen, um seine Reden zu hören. Auf diesen Veranstaltungen haben unsere Genossen mit zahlreichen Teilnehmern gesprochen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Stimmung war kämpferisch. Ein Mann, mit dem unsere Genossen geredet haben, war tatsächlich auch ehemaliger Trump-Wähler und als wir ihn fragten, warum er hier sei, antwortete er: „Die Lebensmittelpreise!“ Er hatte an Trumps Versprechen, die Inflation zu stoppen, geglaubt, aber die Preise sind immer noch zu hoch, als dass er über die Runden kommen könnte. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Bei den Kundgebungen waren Viele tatsächlich auf der Suche nach einer Organisation mit einem revolutionären Programm. Aber was bietet Sanders ihnen? Wieder rief er dazu auf, innerhalb der verhassten Demokratischen Partei zu arbeiten. Doch die Massen haben nicht vergessen, was ihnen Joe Bidens Präsidentschaft brachte, die Sanders ihnen jetzt als „geringeres Übel“ verkaufen wollte. Nicht ohne Grund sind die Umfragewerte der Partei so niedrig wie noch nie zuvor. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Einige unserer Genossen haben bereits selbst die „Schule von Bernie“ durchgemacht. Mit seiner kämpferischen Rhetorik war er ein Anlaufpunkt für alle, die Sozialismus wollten. Aber Sanders selbst kapitulierte in den Präsidentschaftswahlen 2016 und 2020 vor der bürgerlichen Führung der Demokraten. Durch diesen Verrat zogen etliche ehemalige Sanders-Anhänger revolutionäre Schlüsse. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Meisten, mit denen unsere Genossen auf der „Fighting Oligarchy Tour“ gesprochen haben, bezeichneten sich nicht als Demokraten, sondern als Unabhängige. Sie erkannten, dass es nicht eine Frage von Demokraten gegen Republikaner, sondern von den Massen gegen die Milliardäre ist. In Los Angeles verkauften wir 140 Ausgaben unserer US-amerikanischen Zeitung und konnten 83 potenzielle Rekruten finden. </p>

<h3><strong>Revolutionärer Optimismus</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Das zeigt: Was fehlt, sowohl in den USA als auch in Deutschland, ist eine Partei, die dem System wirklich den Kampf ansagt und nicht zurückschreckt. Deshalb liegt hierzulande die AfD in Umfragen aktuell bei 25%. Der Blick in die Staaten zeigt aber: Das reaktionäre Programm der Rechten kann die Krise nicht beheben. Sie knüpfen am berechtigten Hass auf das Establishment an, bieten jedoch keine Lösung. Es gibt keinen „Rechtsruck“ in der Arbeiterklasse, sondern lediglich ein gewaltiges Vakuum für eine revolutionäre Alternative. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Von diesem Vakuum können auch linke Reformisten wie Sanders oder DIE LINKE profitieren. Schlagen sie widerspenstige Töne an, wecken sie in den Massen die Hoffnung auf einen ernsthaften Kampf. Doch weil sie in letzter Konsequenz immer vor dem Status quo einknicken, ihn sogar gegen die Rechten als „geringeres Übel“ verteidigen wollen, müssen auch die Reformisten enttäuschen. Statt aus den vergangenen Niederlagen zu lernen, gehen sie auf ihrem altbekannten Holzweg weiter. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Wir und unsere Genossen der RCA sagen dagegen: Wer die Krise beenden will, muss den Kapitalismus stürzen. Auf Grundlage ihrer Erfahrung kommen auch die Massen zunehmend zu dieser Schlussfolgerung. Sie testen Parteien und Programme aus, was sich auf politischer Ebene in wilden Schwankungen zwischen Links und Rechts ausdrückt. Das ist der Molekularprozess der Revolution, der nicht nur in den USA oder Deutschland, sondern auf dem gesamten Planeten bereits in Gang gesetzt wurde. Deswegen kämpfen wir dafür, das Vakuum zu füllen. </p>
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		<title>DIE LINKE und Palästina: Klassenkampf oder Treue zur „Staatsräson“? </title>
		<link>https://derkommunist.de/die-linke-und-palaestina-klassenkampf-oder-treue-zur-staatsraeson/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Quentin Dalmazio]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 30 May 2025 06:00:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Die Linke]]></category>
		<category><![CDATA[Israel & Palästina]]></category>
		<category><![CDATA[Reformismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am 8. Mai 2025 veröffentlichte der Parteivorstand der LINKEN eine Erklärung: „Das Existenzrecht des Staates Israel ist für uns nicht verhandelbar.“ Das war eine Reaktion auf den Post einer Politikerin [&#8230;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Am 8. Mai 2025 veröffentlichte der Parteivorstand der LINKEN eine Erklärung: <em>„Das Existenzrecht des Staates Israel ist für uns nicht verhandelbar.“</em> Das war eine Reaktion auf den Post einer Politikerin der Partei: Ulrike Eifler hatte ein Foto eines Demoplakats geteilt, das eine historische Karte Palästinas mit dem Slogan „Free Palestine“ zeigte. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Was folgte, war ein orchestrierter Angriff: Bürgerliche Medien, rechte Twitter-Accounts und Parteikarrieristen schäumten. Der Vorwurf: Sie habe angeblich das „Existenzrecht Israels“ geleugnet und damit unterschwellig die Ausrottung der israelischen Juden gutgeheißen. Das sind offensichtlich abstruse Verleumdungen. DIE LINKE hätte diesen Angriff zurückweisen, ihre Genossin verteidigen, die Verleumdung benennen müssen. Denn die Bürgerlichen nutzen schon lange falsche Antisemitismusvorwürfe, um Repressionen gegen die Palästinabewegung zu rechtfertigen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Stattdessen riet der Bundesgeschäftsführer der Partei Eifler zum Parteiaustritt. In vorauseilendem Gehorsam handelte der Parteivorstand mit seiner Erklärung als verlängerter Arm des staatlichen Repressionsapparats. Was der Beschluss eigentlich aussagt ist: Wer das „Existenzrecht Israels“ nicht verteidigt (und was das im Einzelfall heißt, bestimmen die Herrschenden), den wird man nicht gegen staatliche Repression verteidigen. </p>

<h3><strong>Was bedeutet „Existenzrecht“?</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Die Debatte um das „Existenzrecht Israels“ ist ein Konstrukt der herrschenden Klasse, das nicht auf dem Völkerrecht fußt, sondern der Delegitimierung jeder Kritik an den Verbrechen Israels dient. Im Völkerrecht existiert kein allgemeines „Existenzrecht“ für Staaten – Staaten existieren faktisch oder eben nicht. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Tatsächlich ist es nicht Israel, das in seiner Existenz bedroht ist. Israel verfügt über die stärkste Armee der Region, über Atomwaffen und unbegrenzte westliche Rückendeckung. Es ist das palästinensische Volk, das seiner kollektiven Existenz beraubt wird: durch Besatzung, Blockade, ethnische Säuberung und einen völkermörderischen Krieg in Gaza. Wer heute vom „Existenzrecht Israels“ spricht, meint in der Praxis das Recht Israels auf unbegrenzte militärische Aggression gegen palästinensische Zivilisten. Auf dieses „Existenzrecht“ beruft sich die Regierung, wenn sie neue Mordwaffen an Israel liefert und propalästinensische Demonstranten niederknüppeln lässt. </p>

<h3><strong>Kampf um demokratische Rechte</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Der Parteivorstandsbeschluss dient in Wahrheit als linkes Feigenblatt für staatliche Repression. So kann man das Establishment, Merz und seine Kriegs- und Kürzungsregierung nicht bekämpfen. Während die Bundesregierung 2024 Rüstungsexporte im Wert von über 13,3 Mrd. Euro genehmigte – darunter 161 Mio. Euro an Israel – erzielen Rüstungskonzerne Milliardengewinne. Diese Aufrüstung geht Hand in Hand mit der Sparpolitik. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Um diese Politik abzusichern, nimmt auch die innere Repression zu – angefangen bei denen, die sich mit Palästina solidarisieren. Aber bald wird es die ganze Arbeiterbewegung treffen: Schon jetzt diskutiert die CDU über die Einschränkung des Streikrechts. Deswegen ist es die Verantwortung der LINKEN, gegen jeden Angriff auf die demokratischen Rechte der Unterdrückten zu kämpfen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Auf dem Bundesparteitag im Mai 2025 beschloss die Parteibasis mit knapper Mehrheit gegen den Parteivorstand, sich an der „Jerusalemer Erklärung zum Antisemitismus“ zu orientieren. Damit wurde die repressivere IHRA-Definition abgelehnt, nach der fast jede Kritik am israelischen Staat mit Antisemitismus gleichzusetzen sei. Der Beschluss forderte zudem, dass sich DIE LINKE aktiv gegen die Anwendung der IHRA-Definition durch Behörden und Kommunen stellen soll – insbesondere, wenn sie als Vorwand dient, palästinasolidarischen Gruppen öffentliche Räume zu verweigern. Es ist die Verantwortung der LINKEN, jetzt aktiv Kämpfe dafür zu organisieren. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Dieser Parteitagsbeschluss zeigt, dass sich ein großer Teil der Parteibasis einen entschlossenen Kampf gegen Verleumdungsversuche und Repression wünscht und bereit ist dafür einzustehen. Als Kommunisten kämpfen wir mit den Mitteln des Proletariats gegen staatliche Angriffe auf unsere demokratischen Rechte: Unsere Genossen Alyona, Leonard und Adrian, die unter fadenscheinigen Begründungen vor Gericht gezerrt wurden, verteidigen wir entschlossen. Wir nutzten diese Attacke, um eine politische Kampagne gegen diese Verleumdungen und für demokratische Rechte zu organisieren. Dabei sammelten wir knapp 9000 Euro aus der Bewegung, um mögliche Rechtskosten zu decken. </p>
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		<title>Tarifrunde 2025: Die Linke muss zur Streikpartei werden!</title>
		<link>https://derkommunist.de/tarifrunde-2025-die-linke-muss-zur-streikpartei-werden/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Quentin Dalmazio]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 31 Mar 2025 10:18:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeiterbewegung]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeiterkontrolle]]></category>
		<category><![CDATA[Betrieb & Gewerkschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Die Linke]]></category>
		<category><![CDATA[Reformismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vom 14. bis 17. März fand in Potsdam die dritte Verhandlungsrunde im Tarifstreit des öffentlichen Dienstes (TVöD) statt – betroffen sind über 2,5 Millionen Beschäftigte: Krankenhäuser, Kitas, Flughäfen, Nahverkehr, Kläranlagen, [&#8230;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Vom 14. bis 17. März fand in Potsdam die dritte Verhandlungsrunde im Tarifstreit des öffentlichen Dienstes (TVöD) statt – betroffen sind über 2,5 Millionen Beschäftigte: Krankenhäuser, Kitas, Flughäfen, Nahverkehr, Kläranlagen, Müllentsorgung und vieles mehr. Die Tarifverhandlungen sind besonders brisant, weil die Gewerkschaften direkt mit staatlichen Vertretern verhandeln. Nach wochenlangen Verhandlungen ist die Anspannung immer noch greifbar.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Auch vor dieser Runde gingen rund 150.000 Beschäftigte in den Streik. Am 13. März legten 15.000 Streikende Hannover lahm. In Hamburg blockierten 150 Hafenarbeiter den Betrieb. In Düsseldorf legte ein 48-stündiger Streik der Rheinbahn fast den gesamten Nahverkehr lahm.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Botschaft: Als Motor dieser Gesellschaft können die Arbeiter das öffentliche Leben stilllegen, und das tun sie auch, wenn ihre Forderungen ignoriert werden.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Gewerkschaften fordern 8 % mehr Lohn, mindestens 350 Euro pro Monat und drei zusätzliche Urlaubstage. Das Angebot von staatlicher Seite ist lächerlich: 5,5 % schrittweise über vier Jahre verteilt – mit Nullrunde im ersten Jahr, dann nur 2 %, 2 % und 1,5 %. Das bedeutet weiter krasse Reallohnverluste für viele Arbeiter.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem bezeichnete Innenministerin Nancy Faeser (SPD) diesen Vorschlag als „spürbare Verbesserung“ – während Bundestagsabgeordnete sich selbst eine Gehalterhöhung von 6 % für 2024 und 5,4 % für 2025 gönnen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Nach Scheitern der Verhandlungen ist im Tarifvertrag festgelegt, dass ein Schlichtungsprozess eingeleitet wird. Zwei Männer haben nun ein weiteres Verhandlungsangebot erarbeitet:</p>

<p class="wp-block-paragraph"><strong>Hans-Henning Lühr (SPD)</strong>, Ex-Finanzsenator Bremen – verhandelt für die Gewerkschaften und war bereits beim letzten Schlichtungsprozess 2023 verantwortlich. Ergebnis war ein schlechter Tarifabschluss mit 14-monatiger Nullrunde und mickrigen Erhöhungen, die nicht mal ansatzweise die steigenden Lebenskosten ausgleichen konnten.</p>

<p class="wp-block-paragraph"><strong>Roland Koch (CDU)</strong>, Ex-Ministerpräsident Hessen, einst als „bester Mann von Angela Merkel“ bezeichnet, verhandelt für die staatliche Seite und kann im Falle eines Patts den entscheidenden Vorschlag selbst festlegen. Der Budgetrahmen des Staates ist bereits in den drei Verhandlungsrunden deutlich geworden: Während für Rüstung Geld da ist und die Schuldenbremse gelockert wird, soll bei Pflegekräften, Busfahrern und Reinigungskräften weiter gespart werden. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Angesichts einer solchen Schlichtungskommission ist die am 28. März veröffentlichte „Empfehlung“ eine logische Konsequenz:</p>

<p class="wp-block-paragraph">Obwohl die Schlichtung auf den ersten Blick Lohnerhöhungen verspricht, entpuppt sich dies bei näherer Betrachtung als gezielte Augenwischerei. Die vorgeschlagenen nominalen Erhöhungen – 3 % ab April 2025 und 2,8 % ab Mai 2026 – wirken angesichts der dramatischen Preissteigerungen der letzten Jahre wie ein Hohn. In den Jahren 2022 bis 2024 lag die kumulierte Inflation bei rund 20 % (2022: 7,9 %, 2023: 6,5 %, 2024: ca. 5,2 %). Besonders betroffen waren Grundbedürfnisse: Energie, Wohnen, Lebensmittel – genau die Bereiche, auf die Arbeiter im unteren und mittleren Einkommensbereich den Großteil ihres Gehalts verwenden.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Warum eine Laufzeit von 27 Monate? Das beantwortet der Vorsitzende der Schlichtungskomission Roland Koch selbst: „Aber jetzt muss in den kommenden zwei Jahren niemand mehr Einschränkungen durch Arbeitskämpfe im bei Weitem größten Tarifbereich Deutschlands befürchten.“ Auch der nächste Tarifvertrag soll die Arbeiter des öffentlichen Diensts mit langer Laufzeit fesseln.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Über die Schlichtungsempfehlung werden nun die Gewerkschaften und staatlichen Vertreter am Samstag, dem 5. April 2025, erneut in Potsdam verhandeln. Die bestehende Friedenspflicht dauert an.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Was jetzt folgt, darf kein fauler Kompromiss am Verhandlungstisch sein. Die Schlichtungsempfehlung ist kein Fortschritt – sie ist ein Angriff auf die Löhne der Arbeiter im öffentlichen Dienst, verkleidet als „Kompromiss“. Sie zementiert Reallohnverluste, schafft keine sozialen Verbesserungen, sondern sichert dem Staat Haushaltsdisziplin und Ruhe vor dem nächsten Streik. Wer diesen Vorschlag annimmt, verrät die Streikenden von Hannover, Düsseldorf und Hamburg – und beerdigt den Mut von über 150.000 Arbeitern, die gezeigt haben, dass der öffentliche Dienst nicht nur funktioniert, sondern auch stillstehen kann.</p>

<h3><strong>Ein Funke bei der BVG</strong></h3>

<p class="wp-block-paragraph">DieArbeiter der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) haben es vorgemacht: In Berlin üben die Arbeiter der Verkehrsbetriebe mit einer kämpferischen Basis massiven Druck auf die zögerliche Linie der Gewerkschaftsführung aus. Nach dem Scheitern der sechsten Verhandlungsrunde zwischen der BVG und der Gewerkschaft ver.di, in der die Unternehmensseite kein akzeptables Angebot vorlegte, rief ver.di zu einem 48-stündigen Warnstreik auf.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Bevor die Schlichtung am 28. März startete und damit ein Streikverbot gilt, traten vom 26. bis 27. März 14.500 Arbeiter der BVG und der Tochterfirma BT zum fünften Mal in den Streik. Ihre Forderungen sind klar und berechtigt: Eine 36,5-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich, die Anerkennung von Nacht- und Wochenendarbeit auch für Neueingestellte und spürbare Lohnerhöhungen. Die Kampfbereitschaft ist groß: Bereits am 10. Februar hatte die Belegschaft mit einem 40-Tage-Ultimatum erklärt, für ihre Forderungen falls nötig auch länger in den Streik zu treten. Ein unbefristeter Streik wird von vielen Arbeitern gefordert angesichts der mangelhaften Angebote der Unternehmensseite. Deswegen wurde parallel zum Warnstreik eine Urabstimmung unter den rund 16.000 BVG-Arbeitern initiiert über die Durchführung eines unbefristeten Streiks. Diese Abstimmung begann am 26. März und soll bis zum 4. April andauern. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Angesichts dieser kämpferischen Stimmung ist es umso enttäuschender, dass die Gewerkschaftsführung von ver.di trotz laufender Urabstimmung dieser Schlichtung am 26. März zugestimmt hat, obwohl im Gegensatz zum TVöD dazu kein vertraglicher Zwang besteht. Anstatt die Druckmittel der Streikenden weiter auszubauen, hat die Gewerkschaftsführung den Widerstand komplett ausgebremst und die Kampfbereitschaft in eine Sackgasse gelenkt.</p>

<p class="wp-block-paragraph">In den Medien werden nun die beiden Schlichter Bodo Ramelow (Linke) und Matthias Platzeck (SPD) als neutrale Vermittler inszeniert. Doch beide stehen für Parteien, die in Regierungsverantwortung den öffentlichen Dienst ausgehöhlt und privatisiert haben. Sie vertreten nicht die Interessen der Arbeiter – sie sollen die reibungslose Funktionsfähigkeit des Staates sichern, koste es, was es wolle.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Derweil versucht der Berliner Senat unter Kai Wegner (CDU) Stimmung gegen die Streikenden zu schüren, in dem er die Unannehmlichkeiten für die Bevölkerung beklagt – er verschweigt, worum es wirklich geht: Hungerlöhne, Überlastung und Personalmangel. Jahrzehntelange Sparpolitik haben die Infrastruktur zerschlissen. Die Arbeiter des BVG kämpfen deswegen nicht nur für bessere Löhne, sondern darüber hinaus für zuverlässige und sichere öffentliche Verkehrsmittel für die gesamte Bevölkerung!</p>

<p class="wp-block-paragraph">. Jetzt, da sich die Arbeiter des öffentlichen Dienstes gegen diese Zustände wehren, zeigt sich die Politik empört – das ist pure Heuchelei! </p>

<p class="wp-block-paragraph">Die aktuelle vereinbarte Schlichtung bedeutet ein Streikverbot bis zum 30. April. Doch der Funke ist entzündet, und der Staat reagiert auf diese brodelnde Unzufriedenheit.</p>

<h3><strong>Entwurf für Ausweitung der Schlichtungsverfahren – Angriff auf das Streikrecht</strong></h3>

<p class="wp-block-paragraph">Während sich also die sozialen Spannungen in Deutschland verschärfen, zeigt die herrschende Klasse, dass sie sich auf kommende Konflikte vorbereitet – nicht durch Zugeständnisse, sondern durch Repression. Ein Gesetzesentwurf, der von Gesamtmetall, einem der einflussreichsten Unternehmerverbände, vorgelegt wurde, zielt darauf ab, das Streikrecht massiv einzuschränken. Dieser Entwurf ist ein Angriff auf eines der letzten effektiven Mittel der Arbeiterklasse: den kollektiven Arbeitskampf. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Kern des Gesetzes ist die Möglichkeit für Unternehmer, ein Schlichtungsverfahren einseitig einzuleiten – direkt nachdem eine Gewerkschaft ihre Tarifforderungen gestellt hat. </p>

<p class="wp-block-paragraph">DasSchlichtungsverfahren wäre verbindlich – gegen den Willen der Arbeiter. Dieses Verfahren kann sich über Wochen hinziehen und wirkt wie ein gesetzlich verordnetes Streikverbot auf Zeit. Obwohl die Regierung das Gesetz noch nicht verabschiedet hat, ist dieser Entwurf ein klares Signal der Arbeitgeber, dass sie bereit sind, die Rechte der Arbeiter weiter einzuschränken, um ihre Interessen durchzusetzen.</p>
<p><strong></strong></p>
<p class="wp-block-paragraph">Doch damit nicht genug: Auch sogenannte Warnstreiks sollen massiv eingeschränkt werden. Sie dürften künftig nur noch zwei Stunden dauern und im Abstand von sieben Tagen wiederholt werden. Gerade in frühen Phasen von Tarifrunden – wenn es darum geht, Kampfkraft aufzubauen – wäre das eine empfindliche Schwächung gewerkschaftlicher Taktik. Für Bereiche der öffentlichen Daseinsvorsorge wie Verkehr, Bildung oder Pflege kommen weitere Fesseln hinzu: Streiks müssten vier Tage im Voraus angekündigt und eine „angemessene Grundversorgung“ sichergestellt werden – ein juristisch dehnbarer Begriff, der faktisch ganze Streiks delegitimieren kann.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Ver.di bringt es auf den Punkt: „Ein Streikverbot durch die Hintertür.“ Und genau das ist es. In Zeiten, in denen Kapitalismus in der Krise ist, kann sich die Bourgeoisie keine kämpfenden Arbeiter leisten – sie braucht Ruhe, Disziplin, Kontrolle.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Doch kein Gesetz der Welt kann verschleiern, worauf diese Gesellschaft wirklich steht: Ob in der Industriehalle oder am Lenkrad des Busses, ob in der Pflege, an der Kasse oder in der Reinigung – es ist die Arbeiterklasse, die alles am Laufen hält. Produktion, Versorgung, Mobilität, Pflege, Bildung – das Leben funktioniert nur durch uns.</p>

<h3><strong>Die Linke als Streikpartei – Verantwortung übernehmen im Klassenkampf </strong></h3>

<p class="wp-block-paragraph">Die geplanten Angriffe auf das Streikrecht müssen nicht nur verurteilt, sondern durch aktive Mobilisierung entschlossen bekämpft werden. <em>Die Linke</em> hat mit ihren jüngsten Wahlerfolgen und einem rasanten Mitgliederzuwachs – über 100.000 Menschen zählen inzwischen zur Partei – gezeigt, dass sie politisches Potenzial besitzt. Doch dieses Potenzial reicht nicht aus. In Zeiten wachsender sozialer Ungleichheit, stagnierender Löhne und explodierender Konzernprofite braucht es eine Partei, die nicht nur verbal an der Seite der Beschäftigten steht, sondern mit ihnen kämpft – auf der Straße, in den Betrieben, in den Tarifrunden. <em>Die Linke</em> muss sich jetzt zur Streikpartei entwickeln – einer Partei, die Klassenkämpfe organisiert, zuspitzt und politisch begleitet.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Realität zeigt: Die deutschen Aufrüstungspläne gehen mit Kürzungen und Repression nach innen einher. Wer in diesem System nur auf parlamentarische Initiativen setzt, verkennt die Lage. Niedrige Tarifabschlüsse, Angriffe auf das Streikrecht und zunehmende staatliche Härte sind keine Zufälle – sie sind Ausdruck der systematischen Vorbereitung auf eine Verschärfung der Kürzungs- und Sparpolitik. Während Milliarden in Kriegsgerät fließen, werden zentrale Bereiche wie Bildung, Pflege oder Nahverkehr kaputtgespart. Wer diesen Zustand beenden will, muss Streiks nicht nur unterstützen, sondern als zentrale politische Strategie verstehen. <em>Die Linke</em> muss deshalb konsequent an der Seite kämpfender Beschäftigter stehen – in den aktuellen wie in den kommenden Tarifrunden.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Doch derzeit überlässt <em>Die Linke</em> die Bühne jenen, die keinen wirklichen Wandel wollen. Sie bleibt oft still, wenn Streiks sabotiert oder Kompromisse gegen die Interessen der Beschäftigten durchgedrückt werden. Die Folge: Andere bestimmen die Bedingungen – und das meist im Interesse des Kapitals. Will <em>Die Linke</em> eine Streikpartei sein, muss sie sich klar gegen solche faulen Deals positionieren, stattdessen Streikkomitees und Basisinitiativen stärken und eine politische Perspektive aufzeigen, die nicht auf Versöhnung, sondern auf Klassenkonflikt setzt.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Der Fall Ramelow zeigt exemplarisch, wohin es führt, wenn man „verantwortungsvoll“ die Krise des Kapitalismus verwalten will. Als Ministerpräsident agierte er nicht als Unterstützer der Interessen der Arbeiter, sondern als Bremser. Eine Bewegung ist für einen „verständnisvollen“ Politiker nur solange hilfreich, soweit sie ihn in eine Verhandlungsposition hebt – indem sie zur Wahlurne geht oder den Verhandlungstisch in einer Tarifrunde vorbereitet. Danach ist eine kämpferische Bewegung für ihn eine Last, denn er versteht die „Sorgen und Nöte“ der Unternehmer gut.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Aufgabe einer Streikpartei besteht genau im Gegenteil: Kämpfe befeuern, nicht abwürgen; Niederlagen analysieren, nicht beschönigen; Organisation und politische Klarheit schaffen, statt Verwirrung und Frust.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Diese Entwicklung ist kein Einzelfall, sondern Ausdruck einer politischen Linie, die auf Kompromiss um jeden Preis setzt – selbst wenn dieser Preis der Rückzug der eigenen Basis ist. Doch wer die Auseinandersetzung mit dem Kapital scheut, kann keine politische Kraft aufbauen. <em>Die Linke</em> muss sich von einer Partei der Appelle zu einer Partei der Aktion wandeln. Das bedeutet: Sich mit Streikenden vernetzen, Kampagnen zum Aufbau gewerkschaftlicher Basisstrukturen starten, konkrete Streikunterstützung leisten – finanziell, organisatorisch, medial – und Streiks als politische Kämpfe sichtbar machen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Wenn <em>Die Linke</em> in dieser entscheidenden Phase keine klare, kämpferische Haltung einnimmt, wird sie nicht nur irrelevant, sondern macht sich mitschuldig am Rückzug der Arbeiterbewegung. Jetzt ist der Moment, die Rolle einer echten Streikpartei einzunehmen: parteilich, entschlossen und mit dem Ziel, die Kräfteverhältnisse zu verändern – nicht zu verwalten.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Als RKP unterstützen wir jeden Schritt, den Die Linke unternimmt, um die Arbeiterkämpfe zu stärken. Aber wenn Die Linke wirklich gegen Aufrüstung und Kürzungen kämpfen will, muss sie die politische Stimme der Streikenden werden. Sie muss ihr Gewicht als Massenpartei hinter die Streiks werfen, die Mobilisierung ihrer Mitglieder vorantreiben und einen Zusammenschluss der Streiks aktiv vorantreiben. Sie muss ihre Medienaufmerksamkeit nutzen, um vor den Angriffen auf das Streikrecht zu warnen und die Arbeiterklasse in diesem Kampf zu stärken. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Um eine Partei zu schaffen, die bedingungslos die Interessen der Arbeiter vertritt und sich nicht durch die parlamentarische Bühne lähmen lässt, braucht es den Marxismus als fundamentale Grundlage. Die RKP kämpft nicht nur gegen die Auswirkungen des kapitalistischen Systems, sondern auch gegen die Illusion eines Klassenkompromisses – d. h. durch vorauseilende Zugeständnisse an die Kapitalisten hofft man auf eine Verbesserung der Lage der Arbeiterklasse. Hierdurch wird immer wieder die Kampfkraft geschwächt und eine Niederlage vorbereitet. . Die RKP ist eine politische Kraft, die bedingungslos die Interessen der Arbeiter verteidigt und konsequent gegen die reaktionären Kräfte der herrschenden Klasse ankämpft. Deswegen kämpfen wir für Reformen und die revolutionäre Transformation der Gesellschaft, um das kapitalistische System zu überwinden. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Gegen den fortschreitenden Sozialabbau, das Lohndumping, die zunehmende Wohnungsnot und die Kriegstreiberei hat Die Linke das Potenzial, zur treibenden Kraft einer revolutionären sozialen Bewegung zu werden. Aber dafür muss sie eine klare Entscheidung treffen: sich mit voller Kraft auf die Seite der Arbeiterklasse stellen! </p>

<ul>
<li><strong>Kein Opfer für die Krise des Kapitals – keine Zugeständnisse an die Kriegspolitik! </strong></li>
<li><strong>Für eine Bewegung gegen Sozialabbau, Ausbeutung und Aufrüstung – hier und weltweit!</strong></li>
</ul>
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