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	<title>Militarismus Archives -</title>
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	<title>Militarismus Archives -</title>
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		<title>Kampf gegen Militarismus heißt Kampf gegen den bürgerlichen Staat!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Franz Rieger]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 04 Mar 2026 15:24:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Empfohlen]]></category>
		<category><![CDATA[Theorie]]></category>
		<category><![CDATA[Imperialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Militarismus]]></category>
		<category><![CDATA[Staatstheorie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kommunisten kämpfen gegen die aktuelle Wiedereinführung der Wehrpflicht, denn sie soll den deutschen Imperialismus stärken. Aber wir geben uns nicht mit der Verhinderung der Wehrpflicht zufrieden. Wir kämpfen gegen den [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Kommunisten kämpfen gegen die aktuelle Wiedereinführung der Wehrpflicht, denn sie soll den deutschen Imperialismus stärken. Aber wir geben uns nicht mit der Verhinderung der Wehrpflicht zufrieden. Wir kämpfen gegen den bürgerlichen Staat und seine Armee insgesamt. Denn sie sind Werkzeuge der Kapitalistenklasse für die Ausbeutung fremder Länder und die Unterdrückung der eigenen Arbeiterklasse zuhause.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine kapitalistische Berufsarmee – wie die Bundeswehr seit 2011 eine ist – ist für uns nicht besser als eine kapitalistische Wehrpflichtigenarmee, im Gegenteil. Denn eine Berufsarmee ist noch mehr von der Bevölkerung getrennt und daher leichter für militärische Abenteuer im Ausland oder die Bekämpfung von Streiks im Inland einzusetzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stattdessen kämpfen Kommunisten dafür, den kapitalistischen Staat, samt seiner Armee, zu zerschlagen und durch einen Arbeiterstaat mit einer Arbeitermiliz zu ersetzen, der tatsächlich die Interessen der Mehrheit der Bevölkerung vertritt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Reformisten, z.B. die Führung der LINKEN, sprechen sich zwar gegen die Wehrpflicht aus, kämpfen aber nicht gegen den bürgerlichen Staat. Sie greift den Militarismus in Worten an, aber unterstützt ihn in Taten: Während sie (im Ernstfall völlig nutzlose) „Beratungsstellen zur Kriegsdienstverweigerung“ fordert, stimmt sie im Bundesrat nicht nur für das Sondervermögen Bundeswehr, sondern auch für eine Resolution, die mehr Waffenlieferungen an die Ukraine fordert.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Was ist der Staat?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Staat ist weder ein „neutraler Schiedsrichter“ zwischen den Klassen, noch gab es ihn schon immer. Er ist ein Produkt der Teilung der Gesellschaft in Klassen, wie Engels in „Der Ursprung der Familie“ erklärt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuvor lebten Menschen für Jahrzehntausende in urkommunistischen Gesellschaften, in denen alle produzierten und das Produzierte gemeinsam konsumierten. Da im harten Überlebenskampf mit der Natur kein Überschuss produziert werden konnte, konnte sich auch keine herrschende Klasse bilden, die von der Arbeit anderer lebte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle Mitglieder dieser Gesellschaft waren bewaffnet: für die Jagd und gelegentliche Kriege mit anderen Stämmen um die begrenzten natürlichen Ressourcen. Ein militärischer Anführer für Kriegszeiten wurde von allen Stammesmitgliedern gewählt, aber seine Autorität war eine rein moralische. Ansonsten gab es weder eine Armee noch eine Polizei, Gefängnisse oder Richter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Später teilte sich die Gesellschaft in wirtschaftliche Klassen, in der eine Minderheit von der Ausbeutung der Mehrheit lebte. Die allgemeine Volksbewaffnung konnte unter diesen Umständen nicht weiter bestehen, denn sie wäre in ständigen blutigen Auseinandersetzungen zwischen den Klassen geendet, die die Gesellschaft komplett gelähmt hätten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So entstand der Staat, der im Kern nichts anderes ist als Gruppen bewaffneter Menschen (Armee, Polizei) mit Verwaltungsanhang (Behörden, Steuerverwaltung,&#8230;). Der Mehrheit der unbewaffneten Bevölkerung steht eine Minderheit bewaffneter Diener der herrschenden Klasse in Form des stehenden Heeres und der Polizei gegenüber. Der Staat ist also ein Werkzeug in den Händen der ausbeutenden Klasse zur Unterdrückung der ausgebeuteten Klasse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der griechischen und römischen Antike war er die „demokratische“ Republik der Sklavenhalter gegen die Sklaven. Aus den 90.000 athenischen Bürgern wurde ein Heer gebildet, dass die 365.000 Sklaven in Schach hielten. Im Mittelalter war der Staat ein Werkzeug in den Händen des landbesitzenden Adels, der als Ritter den Kern der Streitmacht bildete. Im Kapitalismus ist der Staat das Gewaltwerkzeug der Kapitalistenklasse, auch und ganz besonders die demokratische Republik: Während der Arbeiter nur das Stimmrecht hat, können die Kapitalisten durch hundertundein Formen der legalen und illegalen Bestechung auf den Staat Einfluss nehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Die Wehrpflicht und die bürgerliche Revolution</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Armee spiegelt den Klassencharakter des Staates wider. Die Armeen des Absolutismus bestanden aus zum Militärdienst gezwungenen bäuerlichen Untertanen, deren Disziplin nur mit Stockschlägen aufrechterhalten wurde. Die Offiziere rekrutierten sich meist aus dem Adel und genossen die Privilegien ihres Standes.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als die Französische Revolution 1789 siegte, behielt sie zuerst die alte, königliche Armee bei. Nachdem der König abgesetzt worden war, erklärten alle reaktionären Mächte Europas der Französischen Republik den Krieg. Die adeligen Offiziere sabotierten bei jeder Gelegenheit die Kriegsanstrengungen der Republik. Die feindlichen Armeen standen kurz vor Paris. Die Revolution war in Lebensgefahr!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die revolutionäre Regierung der Jakobiner ergriff nun eine beherzte Gegenmaßnahme: Sie führte ausnahmslos die Wehrpflicht für alle unverheirateten Männer zwischen 18 und 25 Jahren ein. So füllten sie die Armee hauptsächlich mit Angehörigen der unterdrückten Volksmassen an, was die Armee von 400.000 auf 1.000.000 anwachsen ließ. Zudem wurden die alten, verräterischen Offiziere gesäubert und durch treue Republikaner und Revolutionäre ersetzt. Diese <em>Levée en masse </em>war das Werkzeug in den Händen der revolutionären Massen und des republikanischen Bürgertums. Sie schaffte die Standesunterschiede in der Armee ab und machte sie vom versteckten Werkzeug des entmachteten Königs zum Werkzeug der Revolution.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Sinne war die Wehrpflicht eine revolutionäre Errungenschaft, die von Marx und Engels verteidigt wurde, auch noch gegen den preußischen Absolutismus der 1860er Jahre.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch nach dem Sieg der Kapitalistenklasse in der französischen Revolution musste sie ihre Herrschaft gegen die unteren Volksschichten absichern. Statt eines echten Volksheeres brauchten sie eine kleinere, ihr treue, von den Massen ausreichend getrennte Armee.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so wurde die <em>Levée en masse</em> 1798 durch die in den meisten bürgerlichen Staaten „normale“ Wehrpflicht ersetzt: Alle jungen Männer wurden dazu verpflichtet, sich registrieren zu lassen. Die Regierung legte jährlich eine Quote für die Einberufung von Rekruten fest. Nur eine Minderheit wurde tatsächlich eingezogen. In den Kasernen waren diese Soldaten vom Volk getrennt und der Gewalt sowie der politischen Indoktrinierung durch die Offiziere ausgesetzt. Auch wenn es also formal die Wehrpflicht gab, bedeutete dies keinesfalls die Bewaffnung der breitesten Volksmassen. So konnte die Armee wieder zu einem zuverlässigen Instrument der herrschenden Klasse werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die grundlegende Forderung von Marx und Engels in der Militärfrage war die <em>Abschaffung des stehenden Heeres und seine Ersetzung durch die Volksmiliz</em>. Statt eines von der Bevölkerung abgesonderten Heeres unter der Kontrolle der Offiziere, sollte die gesamte Bevölkerung bewaffnet werden, mit demokratisch gewählten Offizieren, und bei Bedarf zusammengerufen werden können. So würde die Armee als Werkzeug in den Händen der herrschenden Klasse unschädlich gemacht werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Pariser Kommune: Das Volk bewaffnet sich</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Während der Pariser Kommune 1871 wurde diese Forderung Realität. Deutsche Truppen waren dabei, den deutsch-französischen Krieg von 1870-71 zu gewinnen. Sie hatten den französischen Kaiser Napoleon III. gefangen genommen und marschierten auf Paris. Die in der Folge entstandene bürgerliche republikanische Regierung traf einen folgenschweren Entschluss: Sie öffnete die Nationalgarde, die zuvor eine Miliz der reichen Bürger gewesen war, für die Pariser Volksmassen und bewaffnete damit die Pariser Arbeiterklasse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch nun begannen sie, die bewaffnete Pariser Arbeiterklasse mehr zu fürchten als die deutschen Heere. Lieber wollte sie Paris den deutschen Eroberern überlassen und die Wiederherstellung der Monarchie riskieren als die proletarische Revolution.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Öffnung der 200.000 Mann starken Nationalgarde für die Unterschichten machte sie immer mehr zu einer Volksarmee mit einer engen Verankerung in den Arbeitervierteln. Als die Regierung der Nationalgarde aus Angst vor dieser Entwicklung ihren Sold kürzte, setzte die Nationalgarde ihre alten Offiziere ab, wählte neue und schuf ein demokratisches „Zentralkomitee“. Das bedeutete den offenen Aufstand gegen den kapitalistischen Staat. Das Zentralkomitee organisierte in den Pariser Vierteln Wahlen, aus denen die Pariser Kommune als neue Macht hervorging.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die bürgerliche Regierung schickte nun die reguläre Armee, um die Nationalgarde zu entwaffnen. Doch die Soldaten wurden von immer mehr Arbeitern samt Frauen und Kindern und Nationalgardisten umringt. Als der General befahl, auf die Arbeiter zu schießen, schossen die Soldaten nicht. Sie verbrüderten sich mit den Arbeitern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die bürgerliche Regierung fürchtete auf diese Weise auch die übrigen Soldaten der regulären Armee zu verlieren. Deshalb befahl sie den sofortigen Abzug aller Truppen nach Versailles. Auf dem Rückzug sangen viele der Soldaten offen revolutionäre Lieder. Trotzki schreibt:</p>



<p class="wp-block-paragraph">“<em>Die Überreste der Infanterie wollten sich nicht nach Versailles zurückziehen. Das Band, das die Offiziere und Soldaten verband, war ziemlich dünn. Und hätte es in Paris eine führende Partei gegeben, hätte sie einige hundert oder sogar einige Dutzend engagierte Arbeiter in die sich zurückziehenden Armeen geschickt – da die Möglichkeit eines Rückzugs bestand – und ihnen folgende Anweisungen gegeben: Verstärkt die Unzufriedenheit der Soldaten gegenüber den Offizieren, nutzt den ersten günstigen psychologischen Moment, um die Soldaten von ihren Offizieren zu befreien und sie nach Paris zurückzubringen, um sich mit dem Volk zu vereinen.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Forderung nach der Absetzung der alten Offiziere und der Wahl neuer, hätte hier eine gewaltige revolutionäre Sprengkraft entfaltet. Dass die Kommune das nicht tat, war einer ihrer tödlichen Fehler. Getrennt vom revolutionären Volk, das einige Wochen in Paris herrschte, und nur der lügnerischen Hetzpropaganda der reaktionären Regierung ausgesetzt, kippte die Stimmung in der Armee nach einiger Zeit wieder. Die Disziplin war wiederhergestellt und die Armee konnte eingesetzt werden, um die Pariser Kommune, mit Hilfe der Deutschen, im Blut zu ertränken.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Die alte Staatsmaschinerie zerschlagen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gründe für das Scheitern der Kommune werden an anderer Stelle behandelt. Während die Kommune bestand, setzte sie viele revolutionäre Maßnahmen durch: Mieten wurden eingefroren; Betriebe, deren Besitzer geflohen waren, wurden unter Arbeiterkontrolle weitergeführt; Nachtarbeit wurde abgeschafft und die Lebensmittelversorgung für die Armen sichergestellt; leerstehende Häuser wurden konfisziert und Wohnungslosen zur Verfügung gestellt; ausländische Arbeiter wurden als Brüder und Schwestern, als Soldaten der „universellen Republik der internationalen Arbeiterklasse“ angesehen; die Kommune erklärte den Sozialismus als Ziel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eines unterschied die Kommune von allen vorherigen Revolutionen: In allen vorherigen Revolutionen war auch die siegreiche Klasse eine ausbeuterische Minderheit, genauso wie die Klasse, die sie zuvor abgelöst hatte (z.B. Adel und Bourgeoisie). Deswegen übernahm die bürgerliche Revolution auch die Staatsmaschinerie des Absolutismus, anstatt sie zu zerstören. Der König wurde durch ein bürgerliches Parlament ausgetauscht (und selbst das nicht immer), das feudale Recht wurde durch das bürgerliche Zivilrecht ersetzt. Aber der Militär-, Repressions- und Verwaltungsapparat wurde übernommen oder sogar noch ausgebaut. Schließlich brauchte auch die Kapitalistenklasse ein Gewaltwerkzeug zur Unterdrückung der ausgebeuteten Mehrheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Pariser Kommune war jedoch die erste (wenn auch nur für kurze Zeit) siegreiche proletarische Revolution. In ihr wurde eine ausbeuterische Minderheit (Kapitalistenklasse) gestürzt und zum ersten Mal wurde die Mehrheit (Arbeiterklasse) zur herrschenden Klasse. Für die Unterdrückung der ausbeuterischen Minderheit durch die siegreiche Arbeiterklasse war aber kein riesiger Repressionsapparat mehr nötig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Deshalb zerstörte die Kommune die alte Staatsmaschinerie: Alle Beamtenprivilegien wurden abgeschafft und ihr Gehalt auf einen durchschnittlichen Arbeiterlohn gesenkt; alle Amtsträger wurden gewählt und waren jederzeit abwählbar; Tag und Nacht fanden in den Arbeitervierteln Versammlungen statt, in denen debattiert und das öffentliche Leben organisiert wurde; das erste Dekret der Kommune schaffte das stehende Heer ab und beschloss die allgemeine Volksbewaffnung innerhalb der Nationalgarde; die meisten Frauen dienten im Sanitätsdienst, aber einige kämpften auch mit der Waffe in der Hand; die Polizei wurde abgeschafft und die Wahrung der öffentlichen Ordnung der Nationalgarde übertragen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Marx und Engels zogen aus der Erfahrung der Pariser Kommune die eindeutige Schlussfolgerung: Um in der Revolution siegreich zu sein, kann das Proletariat den bürgerlichen Staatsapparat nicht einfach übernehmen, es muss ihn vollständig zerschlagen und einen anderen, proletarischen Staat aufbauen. Denn die Staatsmaschinerie des bürgerlichen Staates ist für eine einzige Aufgabe konstruiert: Für die Unterdrückung der Mehrheit durch die Minderheit. Er kann für nichts anderes gebraucht werden, denn seine Form entspricht genau diesem Zweck:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Aufgaben der öffentlichen Verwaltung werden von einem Apparat von ausgewählten Beamten erledigt, der von der arbeitenden Bevölkerung getrennt ist. Die Beamten haben Privilegien, die sie von den breiteren Schichten der Arbeiterklasse abheben &#8211; erst recht, wenn sie nach einigen Jahren befördert werden. Und befördert wird nur, wer brav ist. Die dienstliche Verschwiegenheitspflicht verbirgt die für das öffentliche Leben sehr wichtigen Vorgänge innerhalb der Behörde vor der Öffentlichkeit. Und durch offizielle wie ungeschriebene Regeln, Dienstwege und Hierarchien bleibt die Behörde unter der Kontrolle der obersten und bestbezahlten Beamten. Vor allem die höheren Beamten sind wiederum durch tausend Fäden mit der Kapitalistenklasse verbunden: Viele stammen selbst aus der Kapitalistenklasse. Außerdem kennt man sich aus dem Studium, geht gemeinsam Golfen oder zum Rotary-Club. Die Art und Weise, wie der Beamtenapparat organisiert ist, ermöglicht es der herrschenden Klasse, ihn zu kontrollieren und für ihre Zwecke zu benutzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch das Militär ist ein Werkzeug der Kapitalistenklasse. Aber die Masse der einfachen Soldaten setzt sich aus Arbeitern und armen Kleinbürgern zusammen. Um seine Kontrolle über die Armee aufrechtzuerhalten, braucht die herrschende Klasse ein Bindeglied: Das Offizierskorps, also die Gesamtheit aller Offiziere. Mit denselben Mechanismen wie Beamte, sind Offiziere an die herrschende Klasse gebunden. Historisch ist das Offizierskorps das Rückgrat der politischen Reaktion und Konterrevolution, durchsetzt mit vielen Konservativen, Nationalisten und Faschisten. Durch die Armeedisziplin, die Militärjustiz, mit Schikanen und politischer Indoktrinierung halten diese Kader der herrschenden Klasse die einfachen Soldaten unter ihrer Kontrolle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Deswegen muss der Staatsapparat inklusive stehendem Heer und Offizierskorps zerschlagen werden, wenn das Proletariat seine Interessen durchsetzen will. Statt eines besonderen Beamtenapparats bezieht der Arbeiterstaat die gesamte arbeitende Bevölkerung in die Erledigung der öffentlichen Aufgaben, inklusive der Verteidigung, ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Kampf gegen Militarismus</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach der Niederschlagung der Kommune und dem Sieg über Frankreich gründete Bismarck 1871 das Deutsche Reich. Eine Phase der stürmischen Entwicklung des Kapitalismus und der gesteigerten Konkurrenz zwischen den europäischen Großmächten folgte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle Staaten rüsteten daher ihr Militär massiv auf, was mit einer Ausdehnung der allgemeinen Wehrpflicht einherging. Doch in den Händen der Militaristen des Großkapitals war die Wehrpflicht kein revolutionär-demokratisches Mittel der Revolution mehr, wie während der Levée en masse, sondern des Missbrauchs der Arbeiterjugend zur Kriegsvorbereitung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Sozialistischen Parteien begannen unter den Wehrpflichtigen und Soldaten antimilitaristische Agitation zu betreiben. Sie veröffentlichten Berichte über die Schikanen der Offiziere und Sozialistische Soldaten schlossen sich zu eigenen Bünden zusammen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch der reformistische Flügel in der SPD wollte den Kampf gegen den bürgerlichen Staat nicht aufnehmen. Sie „vergaßen“ die marxistische Lehre vom Staat – nämlich, dass dieser nicht neutral, sondern ein Werkzeug der herrschenden Klasse ist, das zerschlagen werden muss. Deswegen verdrehten sie Engels Worte und behaupteten, Volksheer und Volksbewaffnung seien durch die allgemeine Wehrpflicht schon verwirklicht… in Form der kaiserlichen, deutschen Armee! Damit machten sie sich zum pseudosozialistischen Feigenblatt des deutschen Militarismus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während Engels weiter für die Ersetzung des stehenden Heeres durch die Volksmiliz eingetreten war, hatte er gleichzeitig erklärt, dass der Militarismus durch die Ausbildung immer größerer Teile der Massen an der Waffe letztlich die Revolution vorbereitete. In dem Moment, wo sie ein revolutionäres Bewusstsein entwickelten, würden sie ihre Waffen gegen die Herrschenden richten. Das bewahrheitete sich später in der Russischen Revolution 1917 und der Deutschen Revolution 1918.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Lenin und der Erste Weltkrieg</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu Beginn des Ersten Weltkriegs 1914, zeigte sich der völlig reformistische Charakter der SPD-Führung: Die SPD-Fraktion stimmte im Reichstag geschlossen für die Kriegskredite der kaiserlichen Regierung, die den Krieg ermöglichten. Dieser historische Verrat war nur die logische Konsequenz des falschen Staatsverständnisses der Reformisten: Mit dem bürgerlichen Staat akzeptierten sie auch dessen imperialistische Kriegsanstrengungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die russische Sozialdemokratie, sowie Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht und andere, blieben dem revolutionären Marxismus treu. Lenin erklärte, dass der Hauptfeind jeder Arbeiterklasse der imperialistischen Länder ihre eigene nationale Kapitalistenklasse und ihre eigene Regierung ist. Die Arbeiter dürfen sich nicht auf die Logik der Landesverteidigung im Interesse der Bourgeoisie einlassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch Lenin wandte sich ebenfalls scharf gegen die Pazifisten, die sich darauf beschränkten, abstrakt ein „Ende aller Kriege“ und „Entwaffnung“ zu fordern. Denn er erklärte, dass der imperialistische Krieg erst dann ende, wenn die Kapitalisten durch die Arbeiter gestürzt werden. Da die Kapitalisten sich aber nicht kampflos ergeben werden, muss das Proletariat sich selbst <em>be</em>waffnen, um die Bourgeoisie zu <em>ent</em>waffnen. Erst dann kann das Proletariat <em>„die Waffen zum alten Eisen werfen.“ </em>Im Kampf gegen die Opportunisten forderte Lenin, den imperialistischen Krieg in den Klassenkrieg zu verwandeln!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu diesem Zweck forderte Lenin die Arbeitermiliz. 1916 forderte er: <em>„Wahl der Offiziere durch die Mannschaften, Abschaffung jeder Militärjustiz, Gleich­stellung der ausländischen Arbeiter mit den einheimischen [&#8230;], das Recht jeder, sagen wir, hundert Einwohner des Staates, freiwillige Vereine für Militärübung mit freier Wahl der Instruktoren, Entschädigung derselben auf Staatskosten zu formieren usw. Nur so könnte das Proletariat alles Militärische wirklich für sich und nicht für seine Sklavenhalter erlernen, was absolut in sei­nem Interesse liegt.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach drei Jahren des blutigen Schlachtens kippte die Stimmung der Massen. Der Weltkrieg brachte die Revolution hervor. In der Russischen Revolution von 1917 liefen die einfachen Soldaten der russischen Armee auf die Seite der revolutionären Massen über. Sie setzten ihre Offiziere ab und wählten eigene Soldatenräte. Die Arbeiter bildeten in den Betrieben und Stadtteilen Milizen nach dem Vorbild der Pariser Kommune. Und in den Provinzen enteigneten die Milizen der Landarbeiter die Großgrundbesitzer noch vor dem Oktober. Während die Bolschewiki diese Initiativen aktiv unterstützten und koordinierten, versuchten die Reformisten und Pazifisten, die Arbeiter davon abzuhalten, gegen die Herrschenden zu kämpfen. So konnten die Arbeiter und Bauern in der Oktoberrevolution die Macht erobern und endlich den Ersten Weltkrieg beenden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in der deutschen Revolution ab 1918 stürzten die Kieler Matrosen ihre Offiziere und die Arbeiter bildeten Milizen, wie z.B. die Rote Ruhrarmee, die 1920 den konterrevolutionären Kapp-Putsch verhinderte und drei Wochen lang das Ruhrgebiet kontrollierte, oder die Proletarischen Hundertschaften.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Kampf gegen den Staat</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Reformisten appellieren im Kampf gegen die Wehrpflicht an den bürgerlichen Staat. Aber der bürgerliche Staat kann nie Mittel der Bekämpfung des Militarismus sein, denn er ist das Mittel der herrschenden Klasse zur Umsetzung des Militarismus. Der Militarismus wird durch Klassenkampf besiegt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Bundeswehr ist die Armee der Reichen. Sie ist durch tausend Fäden mit den Kapitalisten verbunden und so strukturiert, dass sie ihren Interessen dient. Deswegen muss die Arbeiterklasse für ihre Auflösung kämpfen. Stattdessen braucht es die allgemeine Volksbewaffnung unter demokratischer Kontrolle der Massenorganisationen der Arbeiterklasse in Form der Arbeitermiliz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Offizierskorps sichert der Kapitalistenklasse die Kontrolle über die Armee. Deswegen kämpfen wir für seine Auflösung, inklusive seiner Offiziersschulen und -verbände.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Solange das stehende Heer noch existiert, muss die Arbeiterbewegung die einfachen Soldaten als Teil von sich organisieren und für ihre Rechte kämpfen: Wahl der Offiziere, Abschaffung der Militärjustiz, Aushandlung der Besoldung und Dienstbedingungen durch die gewerkschaftliche Organisation der Soldaten oder Soldatenkomitees.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Entscheidungen über Krieg und Frieden dürfen wir nicht einer kleinen Elite von Kapitalisten, Politikern und Generälen überlassen. Deswegen kämpfen wir für die Zerschlagung des bürgerlichen Staates und seine Ersetzung durch einen Arbeiterstaat wie in der Pariser Kommune, in welchem die Mehrheit regiert. Indem so ein Arbeiterstaat die Kapitalisten enteignet, macht er den Weg frei für die klassenlose Gesellschaft, in der alle Staaten absterben werden: den Kommunismus.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Leseliste:</strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Lenin: Staat und Revolution (1917)</li>



<li>Marx: Der Bürgerkrieg in Frankreich (1871)</li>



<li>Lenin: Über die Losung der Entwaffnung (1916)</li>



<li>Engels: Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats (1884)</li>
</ul>
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			</item>
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		<title>Merz und Klingbeil rüsten auf </title>
		<link>https://derkommunist.de/merz-und-klingbeil-ruesten-auf/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[David Sifft]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 06 Jul 2025 06:00:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Militarismus]]></category>
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<p class="wp-block-paragraph">Friedrich Merz (CDU) kündigte an, Deutschland wieder „zurück auf die internationale Bühne“ zu bringen. So haben sein Sidekick Lars Klingbeil (SPD), der inzwischen „verantwortungsvoller Minister“ ist, und sein Haushaltsplan auch direkt gezeigt, wem und was die Verantwortung gilt: Der deutschen herrschenden Klasse, ihren Profiten und ihren imperialistischen Interessen. </p>

<h3><strong>Investitionen für wen?</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Deutschland befindet sich das dritte Jahr in Folge in Rezession. Während Unternehmen abwandern und ausländische Investitionen nachlassen (2021: 150 Milliarden Euro; 2024: 43 Milliarden), wenden sich auch die USA ab, die Deutschland früher ein Gewicht auf der internationalen Bühne gegeben haben. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Deshalb dient das 500-Milliarden-Sondervermögen nicht dem öffentlichen Nahverkehr oder dem Klimaschutz, sondern dem deutschen Imperialismus, als logistischer Drehscheibe der NATO. Es ist außerdem eine Subvention für die deutsche Industrie, die sich vehement vor Investitionen in Infrastruktur drückt und lieber spekuliert, weshalb nun der deutsche Staat einspringt. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Die als Klimaschutz getarnten Gelder dienen demselben Zweck. Die Autoindustrie erhält z.B. 3,2 Milliarden Euro für den Umstieg auf E-Autos und die Fertigung von Batteriezellen. Statt die dafür nötigen Investitionen zu tätigen, haben die Konzerne am Diesel festgehalten und sich so selbst in die Krise gestürzt. Hinzu kommt der „Investitionsbooster“, sprich Steuererleichterungen im Interesse der Großkonzerne: Statt die Stromsteuer wie versprochen für alle zu senken, gilt das jetzt nur noch für die Großindustrie. Dass es hier weder um Verbesserungen für die Arbeiterklasse noch um Klimaschutz geht, beweist auch die kürzlich getroffene Aussage der Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), die das Ziel der Klimaneutralität von 2045 auf 2050 verschieben will. </p>

<h3><strong>Wer zahlt?</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Roosevelt sagte einmal: „Speak softly and carry a big stick.“ Falls die angestrebte wirtschaftliche Überlegenheit nicht ausreicht, soll ein großes Militär dem Willen Ausdruck verleihen. Deshalb soll das neue Ausgabeziel von 5% für NATO-Staaten hierzulande bereits 2029 erreicht werden, also sechs Jahre früher als vorgesehen, und die offiziellen Ausgaben für Verteidigung und Zivilschutz von den diesjährigen 75 Milliarden auf nahezu 170 Milliarden steigen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">All das soll zu einem riesigen Teil aus Schulden finanziert werden. Abgesehen davon, dass im Haushaltsplan trotzdem noch ein riesiges Finanzierungsloch klafft, das allein von 2027-2029 144 Milliarden beträgt, kommen steigende Schuldentilgungen plus Zinsen hinzu. Ab 2028 müssen schon jährliche 9 Milliarden Euro zusätzlich an Corona-Schulden zurückgezahlt werden. Die Zinszahlungen werden sich bis 2029 auf ca. 60 Milliarden verdoppeln. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Alle anderen Ministerien stehen unter „hohem Konsolidierungsdruck“. Das heißt, es wird massive Kürzungen geben und daran werden auch die den Ländern frei zur Verfügung stehenden 100 Milliarden nichts ändern, wie die Kürzungen in Berlin bereits zeigen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem scheint all das noch nicht zu reichen: Die im SPD-Wahlkampf versprochene Mindestlohnerhöhung auf 15 Euro kommt nicht und Carsten Linnemann (CDU) nennt auf die Frage, wer denn in Deutschland zu wenig arbeite, beispielhaft Rentner. Nach der herrschenden Klasse sollen alle mehr arbeiten, weniger dafür bekommen, Kürzungen hinnehmen und gleichzeitig die Milliarden für die Aufrüstung und Großindustrie bejubeln. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Das Wort „Verteidigung“ ist dabei gewollt irreführend: Die Arbeiterklasse zahlt auf Kosten ihres Lebensstandards die Verteidigung der Profite und imperialistischen Interessen der herrschenden Klasse. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Damit provoziert die herrschende Klasse in der Zukunft eine massive Gegenreaktion. Deshalb ist es auch gerade die SPD, die die Ministerien für Verteidigung, Finanzen, Arbeit und Soziales, etc. besetzt. Ihre Aufgabe ist es, den Generalangriff auf die Arbeiterklasse und Jugend zu verkaufen, die Gegenreaktion abzufedern und der herrschenden Klasse so den Rücken freizuhalten. </p>
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		<title>Hände weg von unseren Unis! Kürzungen und Kriege stoppen! Sozialismus erkämpfen! </title>
		<link>https://derkommunist.de/haende-weg-von-unseren-unis-kuerzungen-und-kriege-stoppen-sozialismus-erkaempfen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[RKP Berlin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 31 May 2025 07:00:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland Kultur & Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Militarismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Berliner Senat (CDU/SPD) hat im Dezember ein massives Kürzungsprogramm im Abgeordnetenhaus beschlossen. Für dieses Jahr hat er 3 Mrd. Euro aus dem Haushalt gekürzt und in den beiden Folgejahren [&#8230;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Der Berliner Senat (CDU/SPD) hat im Dezember ein massives Kürzungsprogramm im Abgeordnetenhaus beschlossen. Für dieses Jahr hat er 3 Mrd. Euro aus dem Haushalt gekürzt und in den beiden Folgejahren sollen weitere 1,6 Mrd. folgen. Der Wissenschaft entzieht der Senat allein dieses Jahr 250 Mio. Euro, davon 122 Mio. den staatlichen Hochschulen. In den kommenden zwei Jahren sollen bei der Wissenschaft erneut jeweils über 80 Mio. Euro gekürzt werden. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Den Berliner Hochschulen drohen dramatische Folgen. Die Universität der Künste könnte 2026 ihre Strompreise und Miete nicht mehr zahlen. Es steht in Frage, ob sie im Wintersemester überhaupt noch Studenten aufnimmt. Für freie Arbeitsstellen ist bereits ein Besetzungsstopp verhängt. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Die drei anderen großen Berliner Universitäten können solch drastische Folgen noch durch Rücklagen hinauszögern. Aber auch sie besetzen freie Stellen in Lehre und Verwaltung teilweise nicht mehr oder unterziehen sie einer „kritischen Überprüfung“. Ganzen Studiengängen droht die Abschaffung. Bis 2027 könnten 40.000 Studienplätze gestrichen werden. Dazu kommen ein Anstieg des Sozialbeitrags von 22 Euro für alle Studenten, steigende Preise in den Mensen und der Verfall der Wohnheime. </p>

<h3><strong>Kürzen für Aufrüstung</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Diese Kürzungen sind die Folge der kapitalistischen Krise und des imperialistischen Wettrüstens. Die deutsche herrschende Klasse will ihre Interessen weiterhin global verteidigen und rüstet zügellos auf. Im letzten Jahr stiegen die Rüstungsausgaben um 28%. Bezahlen muss das die Jugend und die Arbeiterklasse. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Bei allen „Redundanzen“ (Bildung, Gesundheit, Soziales usw.) kürzen die Regierungen im Auftrag der Profite des Kapitals. Sie zerstören unsere Lebensgrundlage und beschallen uns jeden Tag zur Rechtfertigung mit ihrer Kriegspropaganda. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Aber die Jugend sieht das Leid, das die imperialistischen Kriege der Herrschenden verursachen. Und sie sieht zunehmend, dass dieses System ihr keine Zukunft bietet. Von steigenden Preisen und Mieten bis zum Klimawandel – der Kapitalismus bringt die Hölle auf die Erde. Deshalb sind 4 von 5 Jugendlichen nicht bereit, im Krieg für Deutschland zu sterben und 7 von 10 wollen es nicht mit einer Waffe in der Hand verteidigen. </p>

<h3><strong>Wille zum Kampf</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Der Wahlerfolg der Linkspartei beweist, dass ein großer Teil der Jugend gegen Rassismus, Kürzungen und Aufrüstung kämpfen, tatsächlich „auf die Barrikaden“ gehen, will. Auf diese Stimmung treffen die Kürzungen des Senats und der neuen Bundesregierung. Die Studenten der Berliner Hochschulen lehnen die Kürzungen entschieden ab. Alle, mit denen wir darüber diskutieren, sind dagegen. Viele wären bereit, sich einer Bewegung gegen die Kürzungen anzuschießen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Kürzungen sind abwendbar. Aber diese Stimmung hat noch keinen Ausdruck gefunden, weil die Führung der Linkspartei sowie der Gewerkschaften GEW und ver.di keinen Kampf gegen die Kürzungen organisieren. Mit ihren Apparaten und Ressourcen könnten sie die Berliner Studenten ermächtigen und den Kampf über alle Sektoren der Wirtschaft und Verwaltung ausweiten. Diese Zurückhaltung ist ein Hindernis, aber nicht unüberwindbar. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Studenteninitiativen beginnen, den Kampf auf eigene Faust zu organisieren. Sie machen Infotische und Diskussionsveranstaltungen zu den Kürzungen, auch Demonstrationen werden geplant und Vollversammlungen an den Unis werden diskutiert. Diese Schritte sind wichtig, da sie das Potenzial haben, breitere Teile der Studierenden mit in den Kampf zu ziehen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Erfahrung der Bildungsproteste in den 2000er Jahren zeigen, dass wir eine breite Bewegung brauchen. Über Jahre fanden damals Demonstrationen mit Zehntausenden Teilnehmern gegen Angriffe auf das Bildungssystem statt. Allein am 17. Juni 2009 gingen über 270.000 Schüler, Studenten und Azubis auf die Straße. Im November und Dezember desselben Jahres wurden Hörsäle an etwa 30 Hochschulen gleichzeitig besetzt. Doch diese Proteste schafften es nicht, ihre Forderungen durchzusetzen. Die Bewegung hatte eine entscheidende Schwäche: Ihre Forderungen waren auf das Bildungssystem beschränkt. </p>

<h3><strong>Studenten und Beschäftigte</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Wir Kommunisten unterstützen jede Aktivität an den Unis, welche die Selbstaktivität der Studenten fördert. Wir beteiligen uns daran und mobilisieren mit. In diesem Kampf treten wir für ein revolutionäres Programm ein. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Um den Forderungen der Studenten Wirkungsmacht zu verleihen, brauchen wir die Vereinigung mit der Arbeiterklasse. Die Kürzungen treffen auch die Angestellten an den Hochschulen: Entlassungen und Einstellungsstopps sorgen für Mehrbelastung durch Personalmangel; eingedampfte Mittel zerstören Forschungsprojekte und Lehre. Studenten und Beschäftigten der Unis müssen zusammen kämpfen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Eine Bewegung an den Hochschulen könnte aufzeigen, dass man sich gegen die Kürzungen wehren kann und die Beschäftigten in anderen Bereichen der Daseinsvorsorge und der Wirtschaft inspirieren, es uns gleich zu tun. Nur eine breitere Massenbewegung hat die Schlagkraft, die Kürzungen an den Unis abzuwehren. Deswegen muss sich der Kampf an den Universitäten gegen alle Kürzungen in Berlin und Deutschland richten. </p>

<h3><strong>Für Revolution</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Auch die Bundesregierung bläst zum Angriff auf die Arbeiterklasse und Jugend. Wir denken, der Kampf an den Berliner Unis sollte ein Leuchtfeuer für bundesweite Gegenwehr werden. Wir Kommunisten treten dafür ein, dass die Forderungen unseres Protests sich nicht auf die Hochschulen beschränken, sondern an die Wurzel der gesamten Sparpolitik gehen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Wir können Kürzungen zurückschlagen, aber wenn wir den Kapitalismus nicht stürzen, werden die Herrschenden die nächste Spar-Runde vorbereiten. Wir wollen nicht den Rest unseres Lebens damit verbringen, Angriffe auf unseren Lebensstandard abzuwehren. Allein der Sanierungsstau an den Hochschulen beträgt deutschlandweit 140 Mrd. Euro. Überall, wo jetzt gekürzt wird, sieht es nicht besser aus. Niedergang und Elend liegen im System. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Wir wollen eine Gesellschaft errichten, die uns allen ein besseres Leben ermöglicht und das Wettrüsten beendet. Wir treten für ein revolutionäres Programm ein. Der Reichtum der Gesellschaft und die Kontrolle über die Wirtschaft muss bei der Arbeiterklasse und Jugend liegen. Der Kampf gegen Kürzungen ist der Kampf für den Sozialismus! </p>

<p class="wp-block-paragraph">Du teilst unsere Ideen? Hilf mit, der Stimme des Kommunismus mehr Gehör zu verschaffen! </p>
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		<title>Die LINKE: Verhandlungsfriede in der Ukraine durch die EU?</title>
		<link>https://derkommunist.de/die-linke-verhandlungsfriende-in-der-ukraine-durch-die-eu/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Krone]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 19 Apr 2025 06:00:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Die Linke]]></category>
		<category><![CDATA[Imperialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Militarismus]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
		<category><![CDATA[Ukrainekrieg]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Wahl Donald Trumps zum 47. Präsidenten der USA ging mit einem drastischen Kurswechsel des US-Imperialismus einher, der im Zuge seiner Abwendung von Europa dramatische Folgen für die europäischen Imperialisten [&#8230;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Die Wahl Donald Trumps zum 47. Präsidenten der USA ging mit einem drastischen Kurswechsel des US-Imperialismus einher, der im Zuge seiner Abwendung von Europa dramatische Folgen für die europäischen Imperialisten hat. Trump will den Ukraine-Krieg zu einem schnellen Ende bringen und dabei noch möglichst viel Gegenwert für die bisherigen Hilfen an die Ukraine aus dieser herauspressen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig offenbart sich den europäischen NATO-Staaten die Perspektive, dass sie bald auf sich allein gestellt sein könnten. In dieser Gemengelage muss die selbsternannte „Friedenspartei“ DIE LINKE, die gestärkt im Bundestag sitzt, diesem Label nun gerecht werden. Doch wie sieht das in der Realität aus?</p>

<p class="wp-block-paragraph">Am 1. März 2025 beschloss der Parteivorstand der Linkspartei eine Resolution zum Ukraine-Krieg sowie dem Verhalten der neuen US-Regierung. Im Kern zielt diese darauf ab, die Ukraine mit zivilen Mitteln zu unterstützen und einen Verhandlungsfrieden zu erreichen, bei dem die EU eine führende Rolle spielen soll. Außerdem wird noch einmal bekräftigt, dass einzig und allein Russland der Aggressor sei.</p>

<h3><strong>Wieso gibt es Krieg in der Ukraine?</strong></h3>

<p class="wp-block-paragraph">In der Behauptung, dass einzig und allein Russland Schuld am Krieg hätte, sind sich die LINKE und alle Parteien des bürgerlichen Establishments einig. Ja, es waren russische Soldaten, die 2022 in die Ukraine einmarschierten und nicht andersrum. Aber die Frage der Kriegsschuld darauf zu reduzieren, wer den ersten Schuss abgegeben hat, wird der Sache nicht gerecht. „Der Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“, sagte einst Carl von Clausewitz. Sieht man sich die Politik vor dem Krieg, also dessen Vorgeschichte an, zeichnet sich ein ganz anderes Bild ab.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Jahre und Jahrzehnte seit dem Fall der Sowjetunion waren nicht davon geprägt, dass Russland massiv expandiert ist, sondern das Gegenteil war der Fall: Ein Land nach dem anderen wurde durch die NATO-Osterweiterung der russischen Einflusssphäre entrissen und in den Westen eingegliedert. Das bedeutete die zunehmende Einkreisung des russischen Imperialismus durch die NATO, einem konkurrierenden imperialistischen Block.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Vor Beginn des Ukraine-Krieges forderte Russlands Präsident Wladimir Putin Sicherheitsgarantien ein, um diesen Prozess zu stoppen. In seiner Arroganz und der Fehlannahme, Russland wäre bestenfalls eine zweitklassige Macht, verweigerte der damalige US-Präsident Joe Biden diese aber komplett.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Was wir sehen, ist also, dass der russische Imperialismus sich gezwungen sah, mithilfe des Krieges seinen „Vorgarten“ zu verteidigen, während der US-Imperialismus ihm gerade diesen streitig machen wollte. Das Kalkül des US-Imperialismus war es, Russland als Konkurrenten insgesamt und mit dem Ukraine-Krieg vor allem auch militärisch auf eine solche Weise zu schwächen, dass es auf absehbare Zeit aus dem Spiel genommen ist. Der Verlauf des Krieges hat aber gezeigt, dass das eine Fehlkalkulation war.</p>

<h3><strong>Zivile Hilfen statt Waffenlieferungen?</strong></h3>

<p class="wp-block-paragraph">Diese Fakten zu unterschlagen, gibt ein völlig verzerrtes Bild von der Realität wieder. Anstelle eines zwischenimperialistischen Krieges, der auf dem Boden der Ukraine und vom Westen mit ukrainischen Soldaten ausgefochten wird, würde es sich demnach um einen reinen Verteidigungskrieg einer schwachen Nation gegen das mächtige Russland handeln, das scheinbar aus reiner Böswilligkeit seinen Nachbarn überfallen hat. Wenn das die Schlussfolgerung ist, ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Linkspartei mit ihrer traditionellen Friedensposition ins Straucheln gerät.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Zwar lehnt sie Waffenlieferungen weiterhin ab, wobei sich der prominente LINKEN-Politiker Bodo Ramelow öffentlich für diese ausspricht, allerdings befürwortet sie als „Zwischenweg“ zivile Hilfen für die Ukraine.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Der Gedanke mag auf den ersten Blick gar nicht schlecht erscheinen: Man hilft der Bevölkerung der Ukraine, ohne den militärischen Konflikt weiter anzuheizen. Aber am Ende steckt doch mehr dahinter. Mit solchen Mitteln stützt man vor allem das korrupte Regime in Kiew, das die eigene Arbeiterklasse unterdrückt, die Arbeiterbewegung faktisch entmachtet hat und nun zunehmend sein Kanonenfutter auf offener Straße in Transporter zerrt und direkt in den Tod an der Front verfrachtet.</p>

<h3><strong>Friedensweltmacht EU?</strong></h3>

<p class="wp-block-paragraph">Ein weiteres praktisches Beispiel für die Redewendung „Das Gegenteil von gut ist gut gemeint“ findet sich in Bezug auf die EU. Gregor Gysi, mittlerweile Alterspräsident des Bundestags, verkündete in seiner Eröffnungsrede des Parlaments: „Wenn die Europäische Union funktionierte, könnte sie eine Art vierte Weltmacht werden […] Daran müssen wir arbeiten!“ Gepaart mit der Ansicht, dass die EU eine größere Rolle beim Erzielen eines Verhandlungsfriedens mit Russland einnehmen soll, verbreitet die Linkspartei gefährliche Illusionen in den Charakter der EU und desorientiert damit die Jugend und Arbeiterbewegung.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Die EU ist keine „Friedensmacht“. Zwar verhinderte die Integration in die NATO unter der Schirmherrschaft der USA Kriege zwischen den europäischen Imperialisten. Gleichzeitig waren sie außerhalb Europas aber an US-Interventionen beteiligt und haben auch eigene Militärinterventionen durchgeführt. Genauso tragen die europäischen Imperialisten die volle Verantwortung für den Ukrainekrieg. Das von Deutschland forcierte EU-Assoziationsabkommen mit der Ukraine von 2014 war ein Grundstein für den gegenwärtigen Konflikt.</p>

<p class="wp-block-paragraph">In diesem Krieg zeigen sich die Imperialisten von ihrer wahren Seite, schließlich sind sie maßgeblich daran beteiligt, diesen mit Waffenlieferungen und sonstiger militärischer Unterstützung wie zum Beispiel der Ausbildung ukrainischer Soldaten zu eskalieren. Das taten sie anfangs zwar eher widerwillig und auf Druck der USA hin, jetzt sind sie aber selbst die treibenden Kräfte und wollen den Krieg sogar dann noch weiterführen, wenn die USA schon dabei sind, aus diesem auszusteigen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Um ihre eigenen Interessen in Ost-Europa zu verteidigen, rüsten die europäischen Imperialisten nun selbst massiv auf. Es geht nicht darum, Frieden zu schaffen, sondern darum, eine mögliche nächste Runde gegen Russland um die Vormacht in der Region zu gewinnen.</p>

<h3><strong>Wie wir wirklich für Frieden kämpfen können</strong></h3>

<p class="wp-block-paragraph">Weder die EU noch die Unterstützung des ukrainischen Regimes in irgendeiner Art und Weise stellen einen Weg zum Frieden dar. Das ist aber auch nicht notwendig, denn wir vertrauen nicht auf irgendwelche Staaten, sondern auf die Arbeiterklasse. Die Linkspartei sollte das auch tun, denn gerade angesichts ihres Wiedererstarkens ist sie durchaus in der Lage, etwas zu bewegen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Wie können wir also gegen den Krieg kämpfen? Der Heiße Herbst 2022 hat dafür großes Potenzial geboten. Damals waren die Energiekrise und die Inflation brandaktuell und der Unmut der Massen war allgemein spürbar. Diesen Unmut hätte man in eine bundesweite Bewegung kanalisieren und mit einem klassenkämpferischen und internationalistischen Programm ausstatten müssen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Stattdessen gab es nur einzelne Demos vom DGB, die vor allem den Charakter einer Alibi-Veranstaltung annahmen. Das Potenzial war aber dagewesen, Hunderttausende, wenn nicht sogar Millionen von Arbeitern auf die Straße zu bringen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Der Heiße Herbst ist lange vorbei, aber die Perspektive ist umso aktueller. Um die Aufrüstung zu finanzieren, wird es massive Einschnitte in den Lebensstandard der Arbeiterklasse geben, während ein Betrieb nach dem anderen Stellenabbau betreibt oder komplett schließt. Das Potenzial für eine soziale Explosion ist gelegt.</p>

<p class="wp-block-paragraph">DIE LINKE könnte in dieser Situation so eine Bewegung in Gang setzen. So könnte die Arbeiterklasse ihren Lebensstandard verteidigen, der AfD als bisher einziger Opposition würde das Wasser abgegraben werden und weitere Waffenlieferungen in die Ukraine könnten unterbunden werden. Jetzt, wo die USA sich vom Ukraine-Krieg abwenden und die Bedeutung Deutschlands bei der Fortführung des Krieges wächst, wäre das ein entscheidender Schritt, dem sinnlosen Schlachten in der Ukraine endlich ein Ende zu bereiten.</p>
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		<title>Keine linke Landesverteidigung gegen Russland!</title>
		<link>https://derkommunist.de/keine-linke-landesverteidigung-gegen-russland/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Franz Rieger]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 15 Apr 2025 16:00:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Die Linke]]></category>
		<category><![CDATA[Imperialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Militarismus]]></category>
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<p class="wp-block-paragraph">Die Bundestagsfraktion der LINKEN hat gegen Merz’ Aufrüstungspaket gestimmt. Die Begründung: Die Partei sei gegen Aufrüstung, aber für „Landesverteidigung“ und da reiche der bisher vorhandene Betrag. Das klingt auf den ersten Blick antimilitaristisch, unterstützt aber in Wahrheit die bürgerliche Aufrüstungspropaganda.</p>

<h3><strong>Wer ist der Aggressor?</strong></h3>

<p class="wp-block-paragraph">Ohne viel Faktengrundlage beschwören bürgerliche Politiker, Journalisten und „Militärexperten“ die Möglichkeit eines russischen Angriffs auf Europa, um die Aufrüstung der Bundeswehr zu rechtfertigen. Sie wollen Europa zur viertstärksten imperialistischen Weltmacht machen – mit Deutschland an der Spitze.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Dabei war es in den letzten 30 Jahren vor allem die NATO, die eine aggressive Außenpolitik verfolgte: NATO-Osterweiterung bis an die russische Grenze, Bombardierung Jugoslawiens, Einsätze im Irak, Afghanistan und Mali. Seit 2014 zogen die USA alle Register, um die Ukraine in die westliche Einflusssphäre zu ziehen und stützten sich dabei auf Neonazi-Banden. Heuchlerisch tun westliche Imperialisten jetzt so, als sei Russland der alleinige Aggressor.</p>

<h3><strong>Landesverteidigung</strong></h3>

<p class="wp-block-paragraph">Alle imperialistischen Staaten, auch Deutschland, sind Räuber. Alle ihre Kriege sind Raubzüge um die imperialistische Aufteilung der Welt. Aber gegenüber der Arbeiterklasse rechtfertigen sie diese Kriege häufig mit der „Landesverteidigung“: Putin rechtfertigt den Ukrainekrieg zuhause als Verteidigungskrieg gegen die NATO-Expansion. Die westlichen Imperialisten behaupten, wir müssten das „demokratische“ Europa gegen den bösen, diktatorischen Putin verteidigen. Und selbst die Nazis begannen den Zweiten Weltkrieg mit einem vorgetäuschten polnischen Angriff auf Deutschland, um das Argument der „Landesverteidigung“ zu nutzen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Kapitalisten nutzen das Argument der „Landesverteidigung“ zur Täuschung der Arbeiter: Der Arbeiter denkt an die Verteidigung seiner Familie und seines Zuhauses; der Kapitalist meint aber die Verteidigung seiner Profite auf der ganzen Welt, auf Kosten der Arbeiterklasse.</p>

<h3><strong>Was DIE LINKE sagt</strong></h3>

<p class="wp-block-paragraph">Die Linkspartei springt auf diesen Zug mit auf: Der Parteivorsitzende Jan van Aken sagte im Deutschlandfunk, Deutschland werde nicht mehr am Hindukusch (Afghanistan), sondern „an der Grenze zu Russland“ verteidigt. Ein Parteibeschluss stellt Putin als einzigen Aggressor in der Ukraine dar und schweigt über die aggressive Politik Deutschlands und der NATO. Die Fraktionsvorsitzende Heidi Reichinnek beklagt in einem JACOBIN-Interview die mangelnde Ausrüstung der Bundeswehr:</p>

<p class="wp-block-paragraph"><em>“Wir werden auch immer wieder attackiert, weil wir angeblich die Bundeswehr nicht unterstützen wollen. Das ist totaler Quatsch. Wir wollen natürlich, dass die Bundeswehr als Verteidigungsarmee ausgerüstet ist. [&#8230;]. Wie kann es denn sein, dass wir 100 Milliarden Sondervermögen verballert haben und die Kasernen immer noch in einem Zustand sind, dass Soldatinnen sagen, da kann man nicht arbeiten?”</em></p>

<p class="wp-block-paragraph">Anstatt die bürgerliche Propaganda von der russischen Gefahr zu entlarven, schenkt DIE LINKE diesem Argument Glaubwürdigkeit, mit dem die Bürgerlichen die Aufrüstung rechtfertigen. Damit tritt sie als linkes Feigenblatt für die Militarisierung und die damit verbundene Sparpolitik auf. Die linken Politiker in Bremen und Mecklenburg-Vorpommern handelten somit folgerichtig, als sie Merz’ Aufrüstungspaket im Bundesrat zustimmten.</p>

<h3><strong>Wer verteidigt wen gegen was?</strong></h3>

<p class="wp-block-paragraph">Die Bundeswehr ist die Armee eines kapitalistischen Staates, angeführt von hohen Offizieren, Staatsbeamten und Politikern, die über tausend Fäden des Lobbyismus mit dem Großkapital verbunden sind. Können wir ihnen wirklich vertrauen, uns, die deutsche Arbeiterklasse, in unserem Interesse zu verteidigen? Das sind dieselben bürgerlichen Politiker, die die NATO-Osterweiterung und die Bombardierung Jugoslawien beschlossen und umgesetzt haben; dieselben, die jetzt, gegen den Mehrheitswillen der Bevölkerung, das OK für die Stationierung amerikanischer Mittelstreckenraketen in Deutschland geben; dieselben, die den unnötigen Ukrainekrieg vom Zaun brechen halfen. Sie rüsten zusammen mit den Kriegsgewinnlern der Rüstungsindustrie die Bundeswehr hoch. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Nichts kann verhindern, dass eine „reine Verteidigungsarmee“, wenn es den Herren vom Großkapital passt, auch zum Angriff genutzt wird – denn Angriff ist bekanntlich die beste Verteidigung. Solange die Arbeiterklasse nicht die Macht in Deutschland hat, kann man auch nicht ernsthaft von „Verteidigung“ im Sinne der Mehrheit der Bevölkerung sprechen. So müsste DIE LINKE die Frage stellen.</p>

<h3><strong>Die beste Verteidigung</strong></h3>

<p class="wp-block-paragraph">Die wichtigste Aufgabe einer sozialistischen Partei wäre es, die eigenen Imperialisten scharf anzugreifen und ihre aggressive Außenpolitik zu demaskieren. Doch DIE LINKE macht mit den Kapitalisten in der Frage der „Landesverteidigung“ gemeinsame Sache, statt für den Sturz der Regierung und die Einsetzung einer Arbeiterregierung zu kämpfen. Wir Kommunisten kämpfen für eine Arbeiterregierung, die Rüstungskonzerne, Banken und Großkonzerne entschädigungslos enteignen wird. Dann hätte Deutschland keine imperialistischen Ambitionen mehr. Die Geschicke des Volkes lägen in den Händen des Volkes.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Das wäre die beste Verteidigung gegen vermeintliche russische Angriffspläne. Im Moment muss Putin zuhause keine Propaganda mehr machen, denn die NATO schürt sie für ihn: Mit der NATO-Osterweiterung, mit der Unterstützung für ein rechtes ukrainisches Regime, mit einem Westen der sich im Irak und in Afghanistan vor aller Welt als imperialistische Schlächter offenbart hat. Die russischen Massen lieben Putin nicht, das haben die Proteste vor einigen Jahren gezeigt. Aber vor allem hassen sie den NATO-Imperialismus noch mehr. Die Aufrüstung Deutschlands und die Verlegung einer Panzerbrigade nach Litauen treiben die russischen Massen weiter in Putins Arme.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Was aber würden die russischen Arbeiter sagen, wenn das Regime ihnen befiehlt, gegen ein Land mit einer Arbeiterregierung ins Feld zu ziehen, das keine imperialistischen Bestrebungen hat? Einen solchen Krieg zu rechtfertigen, wäre fast unmöglich. Eher noch würde das die russischen Arbeiter inspirieren, ihr eigenes Regime zu stürzen und selbst die Macht zu übernehmen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Der Klassenkampf gegen die eigene Kapitalistenklasse ist das wirksamste Mittel für den Frieden, nicht Aufrüstung und „Landesverteidigung“. Zwei Weltkriege haben gezeigt, dass Wettrüsten nicht zum Frieden führt.</p>
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		<p>The post <a href="https://derkommunist.de/keine-linke-landesverteidigung-gegen-russland/">Keine linke Landesverteidigung gegen Russland!</a> appeared first on <a href="https://derkommunist.de"></a>.</p>
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		<title>Kürzungen in Berlin &#8211; Hände weg von unseren Unis!</title>
		<link>https://derkommunist.de/kuerzungen-in-berlin-haende-weg-von-unseren-unis/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[RKP Berlin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 15 Apr 2025 13:00:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland Kultur & Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Militarismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Corona-Pandemie, der Ukraine-Krieg, der Genozid in Gaza und die wirtschaftliche Situation in Deutschland belasten besonders junge Menschen massiv. Währenddessen hört die Jugend von der Politik seit Jahren rauf und [&#8230;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Die Corona-Pandemie, der Ukraine-Krieg, der Genozid in Gaza und die wirtschaftliche Situation in Deutschland belasten besonders junge Menschen massiv. Währenddessen hört die Jugend von der Politik seit Jahren rauf und runter, wie faul sie sei und dass sie nicht arbeiten wolle.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Die CDU fordert, dass es „Mehr Bock auf Arbeit“ braucht, obwohl eine Studie der Bundesagentur für Arbeit kürzlich feststellte, dass die Jugend in Deutschland so viel arbeitet wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Seit Jahren ist sie extremen Belastungen ausgesetzt. Nun fährt der Berliner Senat (CDU/SPD) im Zuge seiner Kürzungspolitik einen Frontalangriff auf die Jugend und die Studenten in Berlin, der die Hoffnung auf eine gute Zukunft endgültig zunichtemacht.</p>

<h3><strong>Angriff auf Bildung und Forschung</strong></h3>

<p class="wp-block-paragraph">Der Berliner Senat muss 3 Mrd. Euro im Haushalt einsparen und hat letztes Jahr ein seitenlanges Kürzungs- und Sparprogramm für 2025 beschlossen. Dieses beinhaltet Kürzungen von 250 Mio. Euro im Wissenschaftsetat, von denen 122 Mio. auf die staatlichen Hochschulen und 20 Mio. auf die Universitätsklinik entfallen. In den kommenden drei Jahren wird der Senat eine Milliarde Euro für die Wissenschaft kürzen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Wenn diese Kürzungen so ausfallen werden wie angekündigt, dann kann die Universität der Künste (UdK) 2026 ihre Stromrechnung und Miete nicht mehr zahlen. Es könnte sein, dass laufende Studiengänge eingestellt werden müssen, da Materialien und Lehrpersonal schon jetzt nicht mehr finanziert werden können. Das würde bedeuten, dass Studenten am Ende ohne Abschluss dastehen. Denn bereits jetzt muss die UdK 30% ihres Budgets einsparen, was dazu führt, dass die Unileitung darüber nachdenkt, keine neuen Studenten in den kommenden Semestern aufzunehmen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Berlins Wissenschaftssenatorin kündigte außerdem an, dass die Technische Universität Berlin ihr Institut für Geisteswissenschaften schließen soll, da es keine doppelten Besetzungen an Studiengängen brauche. An allen Berliner Universitäten wurde ein Einstellungsstopp verhängt. Es werden keine neuen wissenschaftlichen Mitarbeiter, keine neuen Professoren und keine studentischen Hilfskräfte mehr eingestellt. Für wissenschaftliche Mitarbeiter ist das fatal, denn diese hängen in Dauerbefristungen fest. Jetzt bedeutet die Befristung baldige Arbeitslosigkeit.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Insgesamt sind an allen Berliner Universitäten kleine Institute in Gefahr, auf kurz oder lang geschlossen zu werden, denn diese Kürzungen, die für das Jahr 2025 angekündigt wurden, sind erst der Anfang. Schon jetzt ist klar, dass weitere Angriffe folgen werden. Insgesamt fallen 25.000 Studienplätze in Berlin aufgrund der Kürzungen weg. Dies entspricht beinahe einer ganzen Universität! Die Perspektive für die kommenden Jahre ist, dass Studiengebühren wieder eingeführt werden, dass Institute vielleicht privatisiert werden und dass Studieren langfristig wieder zu einem Luxus wird, den sich viele nicht leisten können.</p>

<h3><strong>Schwarz-Rot in der Offensive gegen die Arbeiter und Jugend</strong></h3>

<p class="wp-block-paragraph">Nachdem die 500 Mrd. Euro Schulden für Infrastruktur und Aufrüstung von der Bundesregierung beschlossen und den Ländern davon 100 Mrd. versprochen wurden, meldete sich Berlins Bürgermeister Kai Wegner (CDU) zu Wort und erklärte in einem Jugendkulturzentrum, das auch von Kürzungen betroffen ist: „Ich weiß, dass der eine oder andere jetzt große Hoffnungen hat: Wir müssen nicht mehr sparen. Diese Hoffnungen werde ich Ihnen ausdrücklich nehmen, denn wir müssen weiter den Haushalt in Ordnung bringen.” Die angekündigten Einsparungen von 3 Mrd. Euro in Berlin werden bleiben, denn die herrschende Klasse lässt die Jugend für die Krise des Kapitalismus zahlen, die die Kapitalisten selbst zu verschulden haben!</p>

<p class="wp-block-paragraph">Um diese Kürzungen durchsetzen zu können, hetzt und spaltet die CDU nun. Der CDU-Politiker Adrian Grasse hat bei einer Veranstaltung des Studierenden-Verbandes der CDU an der Freien Universität in Berlin den Vorschlag gemacht, einfach eine ganze Universität zu schließen, am besten die Freie Universität, denn sie habe ein „Antisemitismus-Problem“. Gleichzeitig sind sie diejenigen, die das Geisteswissenschaften-Institut der TU schließen wollen, inklusive des Studiengangs „Antisemitismusforschung“!</p>

<p class="wp-block-paragraph">Nicht nur nutzt die CDU hier die Palästina-Bewegung, um die enormen Kürzungen an den Unis zu rechtfertigen, hier wird außerdem die Uni-Leitung unter Druck gesetzt, noch mehr Repressionen und Angriffe gegen ihre eigenen Studenten durchzusetzen. Die Palästina-Bewegung und der Wahlerfolg der Linkspartei haben nämlich gezeigt: Die Jugend will kämpfen.</p>

<h3><strong>Klassenkampf gegen Kürzungen und Krieg</strong></h3>

<p class="wp-block-paragraph">Kein Wunder also, dass DIE LINKE in Berlin die stärkste Kraft geworden ist und die Wahlen mit fast 20% gewonnen hat. Unter den 18- bis 24-Jährigen hat jede vierte Person DIE LINKE gewählt! Die Jugend blickt langsam hinter die Lügen und Hetze der Herrschenden. Sie haben kein Vertrauen in die kommende Regierung, sie wollen keine GroKo und keinen Kanzler Merz. Sie werden richtigerweise die Kürzungen, die Sparpolitik und die Schulden für die Aufrüstung als Angriff gegen sie wahrnehmen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Jetzt ist es die Aufgabe der Linkspartei, SDS und Linksjugend einen Kampf gegen die Angriffe und Kürzungen auf die Universitäten und die Forschung gemeinsam mit den Gewerkschaftsjugenden zu organisieren. Sie stehen in der Verantwortung, das gemeinsame Interesse der Arbeiter und der Jugend auf der Straße zu verteidigen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Kommunisten setzen sich für eine Offensive der Jugend in Berlin gegen Krieg und Kürzungen ein. Wir sagen: Hände weg von unseren Unis! Klassenkampf gegen Kürzungen und Krieg! Bildung statt Bomben!</p>
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		<title>Schulden schützen nicht vor Sozialabbau!</title>
		<link>https://derkommunist.de/schulden-schuetzen-nicht-vor-sozialabbau/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ture Hirche]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Apr 2025 10:42:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeiterkontrolle]]></category>
		<category><![CDATA[Die Linke]]></category>
		<category><![CDATA[Marxismus]]></category>
		<category><![CDATA[Militarismus]]></category>
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<p class="wp-block-paragraph">Die von Union und SPD angetriebene und im alten Bundestag durchgesetzte Anpassung der Schuldenbremse ermöglicht es, Ausgaben für Militär und Geheimdienst über einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts von der Schuldenbremse auszunehmen. Das bedeutet praktisch, dass die Bundesregierung nach Belieben Kredite für Aufrüstung aufnehmen kann. Gleichzeitig abgestimmt wurde ein Sondervermögen von 500 Mrd. Euro, das vor allem auf die Sanierung von Transportwegen sowie Investitionen für energieschonende Produktionsverfahren in der Industrie ausgelegt ist.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Damit rückt das deutsche Kapital immer weiter von seiner alten Ansicht ab, die Staatskassen durch die Schuldenbremse zu schonen und erkennt die Notwendigkeit, die marode deutsche Wirtschaft durch neue Investitionen am Leben zu halten.</p>

<h3><strong>Eine Waffe gegen Sozialabbau?</strong></h3>

<p class="wp-block-paragraph">Im Streit um die Schuldenbremse haben die reformistischen Führer der Arbeiterbewegung stets die Position bezogen, dass es nötig ist, neue Schulden aufzunehmen, um Wachstum und Innovation voranzutreiben. Sie hoffen, dass zumindest ein kleiner Teil der dadurch erzielten Profite auf die Arbeiterklasse abfällt und sozialer Frieden einkehren kann. So begrüßte die Vorsitzende des DGB, Yasmin Fahimi, das Sondervermögen, kritisierte jedoch, dass die Reform der Schuldenbremse nur auf Rüstungsausgaben beschränkt blieb. </p>

<p class="wp-block-paragraph">DIE LINKE bezog einen ähnlichen Standpunkt. Die Bundestagsgruppe stimmte zwar gegen das Schuldenpaket, weil sie die damit verbundene Aufrüstung nicht mittragen wollte. In einem Beschluss vom 1. März 2025 stellte sie dennoch klar: „Die Linke wird einer Aufhebung der Schuldenbremse im Bundestag zustimmen, Taschenspielertricks wie Sondervermögen finden wir falsch.“</p>

<p class="wp-block-paragraph">Ihre Position trifft einen wahren Kern. In der Tat war es eine kontraproduktive Entscheidung der herrschenden Klasse, 2009 die Schuldenbremse einzuführen. Seit Anbruch des 21. Jahrhunderts sind Investitionen der Kapitalisten in die Produktion auf einem historischen Tiefstand, da es ihnen auf den überfüllten Märkten weltweit immer schwerer fällt, profitable Anlageoptionen auszumachen. Ein Grund für den zunehmenden Verlust der Konkurrenzfähigkeit der deutschen Wirtschaft im Vergleich zu den USA und China war, dass sich der deutsche Staat selbst dazu verpflichtet hatte, keine Schulden zu machen – selbst dann nicht, wenn es um Investitionen in Infrastruktur und Innovation ging, die von Unternehmen nicht übernommen wurden. Die Folge ist Deindustrialisierung.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Das neue Sondervermögen soll diesen Fehler ausbessern, indem der Staat für die ausbleibenden Investitionen aufkommt. Damit treffen sie eine überfällige Maßnahme zum Schutz der Interessen des Kapitals. Doch was springt dabei für die Arbeiterklasse raus? Das bürgerliche Establishment hat in dieser Frage einen realistischeren Einblick als die reformistischen Führer der Arbeiterbewegung. Für Merz, die Arbeitgeberverbände und Co. ist klar: Ohne dass die Mehrheit den Gürtel enger schnallt, wird es nicht gehen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Denn im Kapitalismus gibt es keine Geschenke. Irgendwann müssen Schulden zurückgezahlt werden. Dafür bitten die Herrschenden die Arbeiter zur Kasse. Kürzungen bei Arbeitslosengeld, Kindergeld, Elterngeld, öffentlichem Personennahverkehr, Wohnungsbau und Kultur sowie Steuererhöhungen sind bereits angekündigt und das ist erst der Anfang eines umfassenden Programms an Konterreformen durch die kommende Regierung.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Auch die Auflösung der Schuldenbremse würde daran nichts ändern. Zahlreiche andere EU-Staaten wie Frankreich oder Italien nehmen seit Jahren im großen Stil Schulden auf, in der Hoffnung, ihr Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Doch die erwünschte Wirkung bleibt aus. Die Wachstumszahlen sind niedrig, die Staatsverschuldung steht in beiden Ländern bei über 100%. Je mehr Schulden der Staat aufnimmt, desto höher steigen die Kreditzinsen. Die Folge ist eine brutale Abwärtsspirale, in der der Staat immer mehr Geld für die Rückzahlung von Schulden aufbringen muss. Das fehlende Geld nimmt er sich durch intensiver werdende Angriffe auf den Lebensstandard der Massen. Die meisten EU-Länder sind bereits in diesem Strudel gefangen und auch Deutschland wird ein ähnliches Schicksal ereilen.</p>

<h3><strong>Arbeiterkontrolle statt Verschuldung und Austerität</strong></h3>

<p class="wp-block-paragraph">Umso fataler ist da die Tatsache, dass die Landesverbände Bremen und Mecklenburg-Vorpommern der LINKEN im Bundesrat für das Sondervermögen und für die Lockerung der Schuldenbremse zum Wohle der Militarisierung gestimmt haben. Sie reden sich damit raus, dass die Gelder aus dem Sondervermögen dringend für den Haushalt der Bundesländer benötigt werden, in denen sie regieren. Damit haben sie ihre formale Zustimmung für die vom Kapital beschlossene Aufrüstungs- und Kürzungspolitik abgegeben.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Linksjugend Berlin reagierte auf diesen Verrat aus den eigenen Reihen und forderte den Rücktritt und den Parteiaustritt der Senatoren und Minister aus Bremen und Mecklenburg-Vorpommern. In einem offenen Brief betonte sie: „Eine Regierungsbeteiligung, in der Ihr gut bezahlte Posten habt, ist Euch wichtiger als der politische Kampf der eigenen Partei für den Sozialismus und Frieden auf der Welt.“ Im selben Schreiben stellen sie klar, dass es „kein Vertrauen in kapitalistische Regierungsbeteiligung“ geben kann und fordern eine Debatte über den Umgang der Linkspartei mit Parlamentarismus und Regierungsbeteiligungen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Die RKP unterstützt diesen Schritt der Linksjugend Berlin. Sich auf Abstimmungen im Parlament und auf Forderungen, die nur eine andere Verwaltung des Kapitalismus fordern, zu versteifen, führt die Arbeiterbewegung in eine Sackgasse. Wir können nichts planen, was wir nicht kontrollieren. Solange die Produktion in den Händen der Kapitalisten bleibt, werden Investitionen und Aufnahme von Schulden auch nur für ihre Interessen getätigt.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Doch auch das Kapital kann nicht einfach machen, was es will. In ganz Europa führten und führen Kürzungen im Sozialwesen zu Massenbewegungen und Klassenkampf. Die europäische Arbeiterklasse kann dem Kapital einen Strich durch die Rechnung ziehen, indem sie durch politischen Streik erzwingt, dass die Kürzungsprogramme zurückgenommen werden und keine Schulden aufgenommen werden, die nur den Profiten der Kapitalisten dienen. Die RKP ruft DIE LINKE dazu auf, den Kampf für die Forderungen aus ihrem eigenen Programm zu organisieren. Das könnte DIE LINKE, indem sie ihre Anhängerschaft dazu auffordert, es nicht bei einem Kreuz auf dem Wahlzettel zu belassen, sondern selbst gegen Austerität auf die Straße zu gehen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Natürlich werden die Kapitalisten ihrerseits mit einem verschärften Klassenkampf von oben antworten. Deshalb kämpft die RKP und die Revolutionäre Kommunistische Internationale für eine sozialistische Föderation in Europa. Ein solches Bündnis wäre stark genug, die zuvor von den Kapitalisten aufgenommenen Schulden einfach zu annullieren. Wachstum und Investitionen würden aufhören nur dem Expansionszwang der Kapitalisten zu dienen. Stattdessen befänden sich Industrie und Finanzwesen in den Händen der Arbeiterklasse, die sie durch einen sozialistischen Produktionsplan für die tatsächlichen Bedürfnisse der Gesellschaft einsetzen würde.</p>
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		<title>Eine marxistische Analyse von Donald Trump</title>
		<link>https://derkommunist.de/eine-marxistische-analyse-von-donald-trump/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alan Woods]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 22 Mar 2025 11:04:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Nordamerika]]></category>
		<category><![CDATA[Faschismus]]></category>
		<category><![CDATA[Imperialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Leitartikel]]></category>
		<category><![CDATA[Militarismus]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
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<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p class="wp-block-paragraph">Ein Gespenst geht um in Europa. Ein schreckliches Phänomen, als wäre es durch schwarze Magie aus der finstersten Hölle heraufbeschworen worden und plötzlich aufgetaucht, um die guten Menschen auf dieser Erde zu plagen und zu martern, sie um den Schlaf zu bringen und ihre Albträume in Besitz zu nehmen.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Das Schlimmste daran ist, dass es scheinbar niemand erklären kann. Es stellt sich dar wie eine unaufhaltsame, alles hinwegfegende Naturgewalt. In erstaunlich kurzer Zeit ist es ihm gelungen, das wohlhabendste und mächtigste Land der Erde unter seine Kontrolle zu bringen.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Die vereinten Kräfte des Großen und Schönen, all die Verteidiger der „regelbasierten Weltordnung“, die Schutzpatrone von Apfelkuchen und Mutterfreuden haben sich zum Sieg über dieses Ungeheuer der Ungerechtigkeit verbündet.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Unsere wunderbare freie Presse – jeder weiß, sie ist die größte Vorkämpferin der Meinungsfreiheit – zog wie ein Mann in den hehren Kampf um Demokratie, Freiheit, Recht und Ordnung.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Alle sind sie gescheitert.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Dieses Gespenst heißt Donald J. Trump.</p>
<p> </p>
<h3 class="wp-block-heading"><strong>Panik</strong></h3>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Der völlige intellektuelle Bankrott der herrschenden Klasse offenbart sich in der gänzlichen Unfähigkeit der Kapitalstrategen, die gegenwärtige Lage zu begreifen, geschweige denn zufriedenstellend einzuschätzen, was in Zukunft passieren wird.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Dieser geistige Niedergang hat in den führenden Politikern Europas seinen Tiefpunkt erreicht. Sie haben diesen einst mächtigen Kontinent in den wirtschaftlichen, kulturellen und militärischen Sumpf getrieben und ihn völlig hilflos gemacht.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Nachdem sie über Jahrzehnte alles für den Vorteil des US-Imperialismus geopfert und sich an die Demütigung gewohnt hatten, Washingtons unterwürfige Lakaien zu sein, wurden sie nun von ihren ehemaligen Verbündeten im Stich gelassen und müssen selbst schauen, wo sie bleiben.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Die Niederlage in der Ukraine und der Zusammenbruch ihrer absurden Träumereien von einem vernichtenden Sieg über Russland haben ihre Dummheit nun völlig zur Schau gestellt. Jetzt sind sie mit einem mächtigen und erstarkten Russland konfrontiert, einer riesigen Armee, mit modernsten Waffen bis an die Zähne bewaffnet und durch jahrelange Kampferfahrung gestählt.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">In dieser kritischen Situation hat die Macht sie verlassen, die sie verteidigen sollte. Wie kopflose Hühner laufen sie umher und überstürzen sich in der Hast, ihre unerschütterliche Unterstützung für Wolodymyr Selenskyj zu beteuern.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Sie schimpfen und wüten gegen den Mann im Weißen Haus, den sie allein für die Katastrophe verantwortlich machen, die sie plötzlich ereilt hat.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Doch diese ganze Hysterie drückt nur ihre Panik aus – und diese wiederum die tiefsitzende, nackte Angst. Hinter der trotzigen Fassade sind diese Führer vor Angst erstarrt wie Kaninchen im Scheinwerferlicht.</p>
<p> </p>
<h3 class="wp-block-heading">Und warum?</h3>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Wenn wir das Klagelied aus Empörung und Beschimpfungen kurz ausblenden und uns fragen, was das alles bedeutet, so zeichnen sich im dichten Nebel der Medienhysterie bald die verschwommenen Umrisse der Wahrheit ab.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Für jeden, der auch nur halbwegs bei Verstand ist, ist es offensichtlich, dass eine so gewaltige Krise nicht das Werk eines einzelnen Mensch sein kann, selbst wenn er über übermenschliche Kräfte verfügen würde. Diese „Erklärung“ erklärt nichts und gehört eher in das düstere Reich der Dämonologie als in eine politische Analyse.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">In apokalyptischen Tönen beschwört uns der <a href="https://www.theguardian.com/commentisfree/2024/nov/06/us-election-donald-trump-new-world-order">Guardian</a>:</p>
<p> </p>
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Ob wir es wollen oder nicht, wird Trump die globale Agenda verändern. Der Kampf gegen den Klimawandel wird einen schweren Rückschlag erleiden, die internationalen Beziehungen werden kuhhändlerischer werden, der Kampf der Ukraine gegen den russischen Aggressor könnte verraten werden und Taiwan wird in den Lauf einer chinesische Waffe blicken. Überall werden liberale Demokratien, auch Großbritannien, von ihren eigenen Trump-Imitatoren unter Druck gesetzt werden, angetrieben von wahrheitsverachtenden sozialen Medien.</p>
 
<p class="wp-block-paragraph">Die amerikanischen Wähler haben diese Woche etwas Schreckliches und Unverzeichliches getan. Scheuen wir uns nicht, zu sagen: Sie haben sich von der gemeinsamen Ethik und den Regeln abgewandt, die die Welt seit 1945 – im Großen und Ganzen – zum Besseren geprägt haben. Die Amerikaner sind zu dem Schluss gekommen, dass Trump nicht „weird“ ist, wie vorübergehend Mode war, zu behaupten, sondern Mainstream. Die Wähler sind am Dienstag zur Wahl gegangen und haben weird gewählt. Die Amerikaner müssen mit den Konsequenzen leben.“ (<em>The Guardian</em>, 6. November 2024)</p>
</blockquote>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Na, wenn das so ist. Der <em>Guardian</em>, jener abscheulichste, schamloseste Ausdruck liberaler Heuchelei, gibt den Amerikanern die Schuld – sie haben die unverzeihliche Sünde begangen, in einer freien und fairen Wahl für einen Kandidaten zu stimmen, der ihm nicht gefällt.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Und wie erklärt man diesen empörenden Regelverstoß? Der <em>Guardian</em> teilt uns völlig unironisch mit, dass es an der „Weirdness“ des amerikanischen Volkes liege. „Weird“, also komisch, ist anscheinend alles, was mit den Vorurteilen der Redaktion des <em>Guardian</em> nicht übereinstimmt.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Was sie wirklich meinen, ist, dass die amerikanischen Wähler – Millionen gewöhnlicher Arbeiterinnen und Arbeiter – eigentlich nicht befähigt sind, ihr Wahlrecht auszuüben, weil sie eben organisch „weird“ sind.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Das heißt einfach, dass alle Amerikaner von Natur aus zum Rassismus, zum Hass auf Minderheiten und zu einem unverständlichen Widerwillen gegen die Prinzipien des bürgerlichen Liberalismus neigen. Deswegen haben sie eine natürliche Abneigung gegen die Demokratie und eine Neigung zum Faschismus, den eben Donald Trump repräsentiert.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Aber woher kommt diese Weirdness? Waren dieselben amerikanischen Wähler auch „weird“, als sie für Joe Biden oder Obama stimmten? Offenbar waren sie damals absolut zurechnungsfähig. Was hat sich also geändert?</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Das wirklich Komische ist hier nicht das Benehmen der amerikanischen Wähler, deren Entscheidungen durchaus rational und leicht nachvollziehbar sind, sondern die geistigen Verrenkungen dieser erbärmlichen, kleinbürgerlichen, liberalen Schmierfinkenbande, deren Bekenntnis zur Demokratie exakt an dem Punkt endet, wo die Wähler sich „falsch“ entscheiden.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Ihre Vorstellung von Demokratie – nämlich, dass Wahlen nur dann akzeptabel sind, wenn dabei Kandidaten herauskommen, die wir gut finden – erscheint mir dann doch eher „weird“. Sie wurde allerdings eindrucksvoll bestätigt, als vor Kurzem <a href="https://marxist.com/romanian-establishment-annuls-election.htm">das Ergebnis der Präsidentschaftswahl in Rumänien anulliert wurde</a>, weil die Behörden einfach unglücklich damit waren, dass in der ersten Wahlrunde ein Kandidat gewonnen hatte, mit dem sie unzufrieden waren: Călin Georgescu. Zur Sicherheit wurde ihm dann gleich verboten, an der Wahlwiederholung teilzunehmen, die im Mai stattfindet.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Diese Maßnahmen wurden von der EU-Führung in Brüssel vollständig unterstützt. Und es besteht kein Zweifel, dass <em>The Guardian</em> die Annullierung der Wahl mit Begeisterung gefeiert hat. Offenbar ist das die Methode, um Wahlsiege von Leuten wie Donald Trump zu verhindern!</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Hurra! Dreifaches Hoch auf die Demokratie!</p>
<p> </p>
<h3 class="wp-block-heading"><strong>Der Faschismus ist da!</strong></h3>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Von Anfang an starteten die Medien eine laute Kampagne, um Trump als Faschisten darzustellen. Hier ein paar zufällig ausgewählte Beispiele aus der Presse:</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.lemonde.fr/en/opinion/article/2025/03/02/trump-s-first-weeks-as-president-have-been-enough-to-give-the-nightmare-of-america-s-turn-to-fascism-a-feeling-of-reality_6738723_23.html"><em>Le Monde</em></a><em>: </em>„Trumps erste Wochen als Präsident reichten aus, um dem Albtraum eines faschistischen Amerikas eine beängstigende Realität zu verleihen.“</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.newstatesman.com/international-politics/2025/01/can-the-united-states-resist-fascism"><em>New Statesman</em></a>: „Können die Vereinigten Staaten dem Faschismus widerstehen?“</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.newyorker.com/magazine/dispatches/what-does-it-mean-that-donald-trump-is-a-fascist"><em>The New Yorker</em></a>: „Was bedeutet es, dass Donald Trump ein Faschist ist?“</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.theguardian.com/commentisfree/2025/jan/24/trump-fascism-what-to-do"><em>The Guardian</em></a>: „Trumps Neofaschismus ist da. Hier sind zehn Dinge, die du tun kannst, um ihn zu bekämpfen.“</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Auch allerlei Establishment-Figuren äußerten sich in ähnlicher Weise. Mark Milley, ein pensionierter US-Armeegeneral und ehemaliger Vorsitzender der Vereinigten Stabschefs, gab eine <a href="https://www.theguardian.com/us-news/2024/oct/11/bob-woodward-book-mark-milley-trump">düstere Warnung an die USA</a> heraus: „Er ist der gefährlichste Mensch aller Zeiten. Ich hatte schon den Verdacht, als ich mit dir über seinen geistigen Verfall sprach, aber jetzt wird mir klar: Er ist ein totaler Faschist. Er ist jetzt die größte Bedrohung für dieses Land.“</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Kamala Harris <a href="https://www.bbc.co.uk/news/articles/c1dp7xnyr51o">stimmte zu</a>, dass Trump ein Faschist sei, während sich Joe Biden immerhin darauf beschränkte, ihn als „<a href="https://www.politico.com/news/2022/08/25/biden-trump-philosophy-semi-fascism-00053831">halbfaschistisch</a>“ zu bezeichnen. Trotzdem hat er wiederholt gewarnt, dass Trump eine Gefahr für die Demokratie darstelle – eine Meinung, die viele teilen, darunter der Generalstaatsanwalt von Arizona, der zu dem Schluss kommt: „Wir stehen an der Schwelle einer Diktatur.“</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Anthony Scaramucci, der kurze Zeit für Trump als Pressesprecher des Weißen Hauses arbeitete, <a href="https://www.youtube.com/watch?v=7nC3UGUy7NU&amp;ab_channel=TheRestIsPolitics">brachte es noch direkter auf den Punkt</a>: „Er ist ein verdammter Faschist. Der Fascho aller Faschos.“</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Wie zu erwarten, haben sich auch zahlreiche prominente Figuren der „Linken“ diesem Chor angeschlossen. Alexandria Ocasio-Cortez (die oft als „sozialistische“ Demokratin präsentiert wird) <a href="https://www.instagram.com/seanhannity/reel/DFDkCsOsGmo/?locale=zh_tw&amp;hl=ar">klagt</a>: „Wir stehen am Vorabend einer autoritären Regierung. So sieht der Faschismus des 21. Jahrhunderts aus.“</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Und so setzt sich die ermüdende Litanei Tag für Tag endlos fort. Die Absicht ist offensichtlich: Durch ständige Wiederholung soll die Idee als Wahrheit etabliert werden. Diese gewaltigen Heißluftwolken erzeugen viel Hitze – aber kaum Licht.</p>
<p> </p>
<h3 class="wp-block-heading"><strong>Was ist Faschismus?</strong></h3>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Offensichtlich wird hier der Begriff „Faschismus“ nicht als wissenschaftliche Definition, sondern mehr als vulgäre Beschimpfung eingesetzt, als Ersatz für Wörter wie „Drecksack“ oder dergleichen.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Solche Beleidigungen mögen kurzfristig dabei helfen, Frust abzubauen. Man schimpft über eine Person, die einem nicht passt, fühlt sich danach erleichtert und geht zufrieden nach Hause, in dem Glauben, einen grandiosen politischen Schlag gegen den Feind gelandet und die Sache der Freiheit irgendwie weitergebracht zu haben.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Leider sind solche Siege praktisch ziemlich nutzlos. Dieser terminologische Radikalismus ist lediglich Ausdruck hilfloser Wut. Wenn man dem verhassten Feind in Wirklichkeit nichts anhaben kann, beglückwünscht man sich eben dafür, dass man ihn aus sicherer Entfernung beleidigt hat.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Wer echte Kämpfe gegen echte Feinde führen will, anstatt wie Don Quijote vor Windmühlen herumzufuchteln, braucht andere, ernstzunehmendere Mittel. Die erste Voraussetzung für einen Kommunisten ist eine präzise, wissenschaftliche Analysemethode.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Der Marxismus ist eine Wissenschaft. Und wie jede Wissenschaft hat er eine exakte Terminologie. Begriffe wie „Faschismus“ oder „Bonapartismus“ haben (für uns jedenfalls) eine klare Definition. Sie sind nicht einfach nur Schimpfwörter oder Etiketten, mit denen man beliebig jeden bekleben kann, der einem nicht passt.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Beginnen wir also mit einer präzisen Faschismusdefinition. Im marxistischen Sinne ist Faschismus eine konterrevolutionäre Massenbewegung, die sich vor allem aus dem Lumpenproletariat und dem wütenden Kleinbürgertum zusammensetzt. Er dient als Rammbock, um die Arbeiterklasse zu zerschlagen und zu vereinzeln und einen totalitären Staat zu errichten, in dem die Bourgeoisie die Staatsmacht an eine faschistische Bürokratie überträgt.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Das zentrale Merkmal eines faschistischen Staates ist eine extreme Zentralisierung der Macht. Die Banken und großen Konzerne bleiben unangetastet, stehen aber unter der Kontrolle eines mächtigen faschistischen Verwaltungsapparats. Im <a href="https://www.marxists.org/archive/trotsky/germany/1933/330610.htm"><em>Porträt des Nationalsozialismus</em></a> beschreibt Trotzki diesen Mechanismus so:</p>
<p> </p>
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Der deutsche wie der italienische Faschismus stiegen zur Macht über den Rücken des Kleinbürgertums, das sie zu einem Rammbock gegen die Arbeiterklasse und die Einrichtungen der Demokratie zusammenpreßten. Aber der Faschismus, einmal an der Macht, ist alles andere als eine Regierung des Kleinbürgertums. Im Gegenteil: Er ist die gnadenloseste Diktatur des Monopolkapitals.“</p>
</blockquote>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Das sind die Grundzüge des Faschismus. Und wie passt das zum Trump-Phänomen? Wir haben bereits eine komplette Trump-Regierung erlebt. Die Demokraten und das liberale Establishment warnten damals lautstark, dass er die Demokratie abschaffen werde. Das ist nicht passiert.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Es gab keine systematische Unterdrückung von Streiks oder Demonstrationen und erst recht keine Abschaffung der Gewerkschaften. Es fanden weiterhin reguläre Wahlen statt, und am Ende – wenn auch unter lautstarkem Protest – wurde Trump in einem Wahlprozess von Joe Biden abgelöst. Was auch immer man über Trumps erste Amtszeit sagen mag – mit Faschismus hatte sie nichts zu tun.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Der eigentliche Angriff auf die Demokratie kam vielmehr von Biden und den Demokraten, die mit allen Mitteln versuchten, Trump politisch zu erledigen. Der gesamte Jutizapparaat wurde mobilisiert, um ihn mit unzähligen Anklagen vor Gericht zu bringen, um ihm um jeden Preis einen Schuldspruch anzuhängen, ihn sicher hinter Gittern zu verwahren und ihn so davon abzuhalten, sich erneut um das Präsidentenamt zu bewerben.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Die gesamte Medienlandschaft wurde mobilisiert, um ihn systematisch zu diffamieren. Das erzeugte ein Klima, in dem mindestens zwei Mordanschläge auf ihn verübt wurden. Dass Trump nur knapp einem Attentat entgangen ist (und das typisch für ihn als „göttliche Fügung“ darstellte), war letztlich reiner Zufall.</p>
<p> </p>
<h3 class="wp-block-heading"><strong>Eine reaktionäre Utopie</strong></h3>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Die Ideologie des Trumpismus – soweit sie überhaupt existiert – hat mit Faschismus herzlich wenig zu tun. Trump ist nicht für einen starken Staat, sondern träumt von einem entfesselten freien Markt, in dem der Staat keine oder nur eine minimale Rolle spielt.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Sein Programm ist der Versuch, zu den wirtschaftspolitischen Vorstellungen von Roosevelt zurückzukehren – allerdings nicht zu Franklin Delano Roosevelt, dem Architekten des New Deal, sondern zu Theodore Roosevelt, der bereits vor dem Ersten Weltkrieg Präsident war.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Am 10. Januar schrieb <a href="https://www.lemonde.fr/en/international/article/2025/01/10/trump-revives-imperialism-a-la-teddy-roosevelt_6736920_4.html"><em>Le Monde</em></a>:</p>
<p> </p>
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Es liegt ein Hauch von Déjà-vu in der Luft. Donald Trump schockierte seine Verbündeten am Dienstag, dem 7. Januar, indem er den Einsatz militärischer Gewalt zur Rückeroberung des Panamakanals oder den Kauf Grönlands nicht ausschloss. Mit diesem Bluff belebt der designierte Präsident die alte Tradition des US-Imperialismus zur Jahrhundertwende wieder.</p>
</blockquote>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Die ‚goldene Ära‘, die nach dem Bürgerkrieg begann, ist Trumps Traum: eine Zeit der Anhäufung kolossaler Vermögen, allgegenwärtiger Korruption und protektionistischer Zölle, die die amerikanische Industrie schützten – eine Zeit ohne Einkommenssteuer.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Vor allem aber war es eine Epoche des Imperialismus, um die US-Hegemonie über die westliche Hemisphäre zu sichern. In dieser Zeit kauften die USA Alaska von den Russen (1867), marschierten in Kuba, Puerto Rico und den Philippinen ein – 1898 ‚befreit‘ vom spanischen Kolonialismus – und begannen mit dem Bau des Panamakanals, der 1914 fertiggestellt wurde.“</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Mit anderen Worten: Trump will die Uhr um hundert Jahre zurückdrehen, in eine imaginäre Vergangenheit, eine Amerika-Version von vor dem Ersten Weltkrieg. Ein Amerika, in dem ein ungebremster Kapitalismus florierte, Gewinne explodierten, freie Unternehmen ungestört expandierten und der Staat sich nicht einmischte. Eine Zeit, in der sich die USA nach Belieben in Mexiko, Panama und der gesamten westlichen Hemisphäre austoben konnten und den gebrechlichen spanischen Kolonialismus aus Kuba vertrieben, um es anschließend in eine amerikanische Kolonie zu verwandeln.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Davon kann man halten, was man will. Mit dem Faschismus hat dieses Ideal allerdings wenig zu tun. Und diese verklärte Geschichtsauffassung hat keinerlei reale Substanz oder Bezug zur Welt des 21. Jahrhunderts.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Die Ära von Teddy Roosevelt war eine Zeit, in der der Kapitalismus noch nicht sein gesamtes Potential als fortschrittliches Wirtschaftssystem erschöpft hatte. Die USA waren eine aufstrebende, frisch industrialisierte Macht, die in vielerlei Hinsicht bereits den alten europäischen Staaten überlegen war und gerade erst begann, sich als globale Kraft zu behaupten.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Doch seither ist eine ganze Epoche vergangen. Die USA stehen heute vor einem völlig veränderten internen und externen Kräfteverhältnis. Trumps Versuch, die Welt so wiederheruzstellen, wie sie in diesen längst vergangenen Tagen war, ist zum Scheitern verurteilt. Er wird an der veränderten Weltlage und am Kräfteverhältnis innerhalb der US-Klassengesellschaft zerschellen. Sein Programm ist letztlich eine reaktionäre Utopie.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Wir werden auf diese Punkte noch zurückkommen. Doch zunächst müssen wir mit den hysterischen und völlig falschen Versuchen abrechen, die sowohl von links als auch von rechts versuchen, das mysteriöse Phänomen Donald J. Trump zu erklären.</p>
<p> </p>
<h3 class="wp-block-heading"><strong>Eine falsche Methode</strong></h3>
<p> </p>
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Die enorme praktische Bedeutung einer korrekten theoretischen Orientierung zeigt sich am deutlichsten in Zeiten akuter sozialer Konflikte, rascher politischer Verschiebungen und abrupter Veränderungen der Situation … Gerade in solchen Perioden entstehen notwendigerweise alle möglichen Übergangs- und Zwischensituationen und -kombinationen. die gegen die gewohnten Schemata verstoßen und doppelte, scharfe theoretische Aufmerksamkeit erfordern. Kurz gesagt: Wenn man in einer ruhigen, ‚organischen‘ Phase (vor dem Krieg) von den Zinsen einiger fertiger Abstraktionen leben konnte, so bringt uns in unserer Zeit jedes neue Ereignis mit voller Wucht das wichtigste Gesetz der Dialektik bei: Die Wahrheit ist immer konkret.“<br />(<a href="https://www.sozialistischeklassiker2punkt0.de/sites.google.com/site/sozialistischeklassiker2punkt0/trotzki/1934/leo-trotzki-bonapartismus-und-faschismus.html"><em>Bonapartismus und Faschismus</em></a>, Leo Trotzki, 1934)</p>
</blockquote>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Viel zu oft beobachte ich, dass Menschen auf der Linken, wenn sie mit einem neuen Phänomen konfrontiert werden – einem, das sich scheinbar allen bisherigen Normen und Definitionen entzieht –, reflexartig nach Etiketten suchen. Und sobald sie ein passendes Etikett gefunden haben, suchen sie sich die Fakten zusammen, die es bestätigen sollen.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Sie sagen: <em>Ah, ich weiß, was das ist! Das ist Faschismus! Oder Bonapartismus! Oder irgendetwas anderes, das mir gerade einfällt. </em>Das ist eine falsche Methode. Das ist das Gegenteil des dialektischen Materialismus. Und es führt nirgendwohin. Es ist ein Beispiel für bequemes Denken – die Suche nach einer simplen Antwort auf neue und komplexe Fragen.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Statt Klarheit zu schaffen, lenkt diese Methode nur von den eigentlichen Problemen ab. Sie führt zu endlosen und völlig sinnlosen Diskussionen über künstlich eingeführte Fragen, die am Ende nur für mehr Verwirrung sorgen, anstatt die wirklich wichtigen Fragen zu beantworten.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Lenin erklärte in seinen <a href="http://kpd-ml.org/doc/lenin/LW38.pdf"><em>Philosophischen Heften</em></a>, dass das grundlegende Gesetz der Dialektik die absolute Objektivität der Betrachtung sei: „Nicht Beispiele, nicht Abschweifungen, sondern das Ding an sich selbst.“</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Das ist das Wesen der dialektischen Methode. Das Gegenteil der Dialektik ist die Gewohnheit, einer Sache einfach ein Label aufzukleben und sich einzubilden, damit hätte man sie verstanden.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Mein guter Freund John Peterson bemerkte kürzlich zu mir, dass Donald Trump „ein Phänomen“ sei. Ich denke, das trifft es ziemlich genau. Es besteht kein Grund, ihn mit historischen Figuren zu vergleichen. Wir müssen anerkennen, dass Donald Trump einfach Donald Trump ist. Und genau so sollten wir ihn betrachten: ein neues Phänomen, das wir anhand konkreter Fakten analysieren müssen – nicht durch Gemeinplätze.</p>
<p> </p>
<h3 class="wp-block-heading"><strong>Bonapartismus?</strong></h3>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Trotzkis Artikel <em>Bonapartismus und Faschismus</em> liefert eine präzise marxistische Definition von Bonapartismus: „Eine Regierung, die sich über die Nation erhebt, schwebt jedoch nicht in der Luft. Die wahre Achse der gegenwärtigen Regierung verläuft durch die Polizei, die Bürokratie und die militärische Clique. Es handelt sich um eine militärisch-polizeiliche Diktatur, noch leicht bedeckt mit den Dekorationen des Parlamentarismus. Doch eine Regierung des Säbels in der Eigenschaft des Schiedsrichter der Nation, das ist eben Bonapartismus.“</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Das Wesen des Bonapartismus, der in vielen verschiedenen Gewändern auftreten kann, bleibt immer dieselbe: eine Militärdiktatur.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">In <a href="https://www.marxists.org/deutsch/archiv/trotzki/1932/09/01-bonfasch.htm"><em>Deutschland: Der einzige Weg</em></a> erklärt Trotzki, wie der Bonapartismus entsteht: „Sobald der Kampf zweier sozialer Schichten – der Besitzenden und der Besitzlosen, der Ausbeuter und der Ausgebeuteten – seinen höchsten Spannungsgrad erreicht, sind die Bedingungen für die Herrschaft von Bürokratie, Polizei, Soldateska gegeben. Die Regierung wird ‚unabhängig‘ von der Gesellschaft.“</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Das ist unmissverständlich. Aber wie passt das zur aktuellen Lage in den USA? Gar nicht. Machen wir uns nichts vor: Die herrschende Klasse greift nur in letzter Instanz zur Reaktion in der Form des Bonapartismus oder Faschismus. Ist das wirklich die aktuelle Lage? Ja, es gibt erhebliche Spannungen in der amerikanischen Gesellschaft, und sie destabilisieren die bestehende Ordnung ernsthaft.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Aber zu glauben, der Klassenkampf habe bereits die kritische Stufe erreicht, in der die Herrschaft des Kapitals kurz vor dem Sturz steht und der herrschenden Klasse nur noch die Lösung bleibt, einem bonapartistischen Regime die Macht zu übergeben, ist reine Fantasie. Diese Eskalationsstufe haben wir noch nicht einmal annähernd erreicht.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Natürlich kann man in der aktuellen Situation bestimmte Elemente des Bonapartismus ausmachen. Das mag zutreffen. Aber man könnte dasselbe über fast jedes moderne bürgerlich-demokratische Regime sagen.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Im „demokratischen“ Großbritannien unter Tony Blair verlagerte sich die Macht faktisch vom Parlament ins Kabinett – und von dort in die Hände einer kleinen Clique von nicht gewählten Beamten, Beratern und PR-Leuten. Es existierten zweifellos Elemente dessen, was man ein parlamentarisch-bonapartistisches Regime nennen könnte.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Aber das bloße Vorhandensein einzelner Elemente eines Phänomens bedeutet nicht, dass das Phänomen tatsächlich schon da ist. Man kann also argumentieren, dass es Elemente des Bonapartismus im Trumpismus gibt. Sicher. Aber Elemente allein machen noch kein vollständig entwickeltes Phänomen aus.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Hegel bemerkt in der <a href="http://www.zeno.org/Philosophie/M/Hegel,+Georg+Wilhelm+Friedrich/Ph%C3%A4nomenologie+des+Geistes/Vorrede"><em>Phänomenologie des Geistes</em></a>: „Wo wir eine Eiche in der Kraft ihres Stammes und in der Ausbreitung ihrer Äste und den Massen ihrer Belaubung zu sehen wünschen, sind wir nicht zufrieden, wenn uns an Stelle dieser eine Eichel gezeigt wird.“</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Diese falsche Methode führt zu endlosen Fehlern. Zuerst versucht man, ein Phänomen äußerlich zu definieren. Dann hält man um jeden Preis an der Definition fest und versucht, sie mit allen möglichen, an den Haaren herbeigezogenen, „klugen“ geschichtlichen Beispielen zu untermauern.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Unweigerlich taucht jemand anderes auf und sagt: „Nein, das ist kein Bonapartismus!“, bringt eigene, ebenso “kluge” Fakten ins Spiel und fängt an, dagegen zu argumentieren.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Beide haben gleichermaßen recht und unrecht. Wohin führt eine solch zirkuläre Debatte? Dorthin, wo ein Hund landet, wenn er seinem Schwanz nachjagt – nirgendwohin.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Korrekte historische Analogien können in manchen Fällen zwar hilfreich sein. Aber das gedankenlose und mechanische Aneinanderreihen oberflächlich ähnlicher, aber wesentlich unterschiedlicher Phänomene ist eine sichere Methode, um Verwirrung zu stiften.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Ein Beispiel für eine sinnvolle und angebrachte Analogie wäre meiner Meinung nach, Putins Regime als eine Form des bürgerlichen Bonapartismus zu bezeichnen. Das ist eine hilfreiche Analogie. Bei Trump hingegen ist die Sache komplizierter.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Das Problem ist, dass Bonapartismus ein extrem dehnbarer Begriff ist. Er umfasst eine ganze Bandbreite an Varianten, beginnend mit dem klassischen Bonapartismus, der im Kern nichts anderes als Herrschaft des Säbels ist.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Aber die gegenwärtige Trump-Regierung in Washington bleibt bei all ihren Eigentümlichkeiten eine bürgerliche Demokratie.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Gerade diese Eigenheiten müssen wir untersuchen und erklären. Und wenn wir – ganz ehrlich – nichts in der Geschichte des Altertums oder der Neuzeit finden können, das sich mit Trump auch nur vergleichen lässt, wenn wir keine fertige Definition haben, die perfekt passt, dann bleibt uns nur eine einzige Möglichkeit: Wir müssen anfangen, zu denken.</p>
<p> </p>
<h3 class="wp-block-heading"><strong>Die Krise des Kapitalismus</strong></h3>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Der große Philosoph Spinoza sagte, dass die Aufgabe der Philosophie nicht darin bestehe, zu weinen oder zu lachen, sondern zu verstehen. Wenn wir Donald J. Trump begreifen wollen, müssen wir daher die Pseudowissenschaft der Dämonologie beiseitelassen und die Dinge beim Namen nennen.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Zunächst einmal ist Trump, was auch immer man sonst über ihn sagen mag, kein böser Geist mit übermenschlichen Kräften. Er ist ein gewöhnlicher Sterblicher – soweit man einen amerikanischen Milliardär als solchen bezeichnen kann. Und wie der Aufstieg jeder anderen historischen Figur ist auch der seine letztlich auf objektive gesellschaftliche Prozesse zurückzuführen.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Mit anderen Worten: Sein Aufstieg ist untrennbar mit der objektiven Weltlage in den ersten Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts verbunden.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Der entscheidende Wendepunkt in der modernen Geschichte war die Krise von 2008, die das gesamte System ins Wanken brachte. Der Kapitalismus stand am Rande des Zusammenbruchs. Als Lehman Brothers pleite ging, erinnere ich mich noch genau daran, wie Banker öffentlich äußerten, sie hätten Angst, dass sie binnen weniger Monate von den Straßenlaternen hängen würden.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Diese Angst war keineswegs unbegründet. Tatsächlich waren alle objektiven Bedingungen für eine sozialistische Revolution vorhanden. Das einzige, was diese Entwicklung verhinderte, war die panische Intervention des Staates, der das Finanzsystem mit enormen Mengen an öffentlichen Geldern rettete.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Das stellte einen eklatanten Widerspruch zu all den Theorien dar, die die offiziellen bürgerlichen Ökonomen drei Jahrzehnte lang gepredigt hatten. Über Jahre wurde uns eingetrichtert, dass der Staat keine oder nur eine minimale Rolle in der Wirtschaft spielen dürfe. Der freie Markt würde alle Probleme lösen, wenn man ihn sich selbst überließ.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Doch im Moment der Wahrheit entlarvte sich diese Theorie als falsch. Das kapitalistische System wurde nur durch massives staatliches Eingreifen gerettet. Doch diese Rettung brachte neue Widersprüche mit sich: enorme, letztlich untragbare Schulden.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Seit 2008 steckt der Kapitalismus in seiner tiefsten Krise. Er taumelt von einer Katastrophe zur nächsten. Bei jedem Schritt griffen die Regierungen auf die gleiche, verantwortungslose Politik zurück: Staatsverschuldung und massives Gelddrucken, um kurzfristig die Löcher zu stopfen.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Die kurzsichtigen Strategen des Kapitals – dieser erbärmliche Haufen bürgerlicher Ökonomen und ihr nicht minder bankrottes politisches Establishment – glaubten allen Ernstes, das könne ewig so weitergehen: Unbegrenzte Geldmengen aus dem Nichts, endlose billige Kredite, niedrige Inflation, niedrige Zinsen. Doch sie haben sich geirrt.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Sie häuften lediglich Widersprüche auf und bereiteten damit die größte Krise aller Zeiten vor.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/crisis-of-capitalism-and-tasks-of-marxists-1.htm#:~:text=The%20last%20two,is%20already%20surmounted">Wir sagten damals voraus</a>, dass alle Versuche der Bourgeoisie, das wirtschaftliche Gleichgewicht wieder herzustellen, nur zur Zerstörung des gesellschaftlichen und politischen Gleichgewichts führen würden. So ist es auch gekommen.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Die objektiven Bedingungen für eine sozialistische Revolution waren eindeutig vorhanden. Warum kam es nicht dazu? Weil eine entscheidende Variable in dieser Gleichung fehlte: die revolutionäre Führung.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Über Jahre hinweg schlug das Pendel in Land um Land nach links aus. Das spiegelte sich im Aufstieg einer ganzen Reihe von radikal klingenden linken Bewegungen wider: Podemos in Spanien, Syriza in Griechenland, Bernie Sanders in den USA – und allen voran Corbyn in Großbritannien. Doch all das zeigte letztlich nur, wo die Grenzen des Linksreformismus liegen.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Man nehme das Beispiel Tsipras: Ganz Griechenland stand hinter ihm, als er sich gegen das Austeritätsdiktat aus Brüssel stellte. Doch er kapitulierte. Und das Ergebnis war ein Rechtsruck.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">In Spanien verlief es ähnlich. Podemos gab sich anfangs ein ausgesprochen radikales Image. Doch die Führung beschloss, „verantwortungsvoll“ zu handeln – und ging eine Koalition mit den Sozialdemokraten ein, mit den erwartbaren Konsequenzen.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">In den USA katapultierte sich Bernie Sanders aus dem Nichts heraus an die Spitze einer Massenbewegung, die unmissverständlich nach einer sozialistischen Alternative suchte. Er hatte jede Möglichkeit, eine ernsthafte linke Alternative zu den Demokraten und Republikanern aufzubauen. Aber was tat er? Er kapitulierte vor dem Establishment der Demokratischen Partei – und die Gelegenheit war vertan.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Am deutlichsten zeigte sich das in Großbritannien: Corbyn kam wie Sanders aus dem Nichts. Eine mächtige Bewegung nach Links katapultierte ihn an die Spitze der Labour Party. Diese Bewegung hatte nicht er geschaffen, aber sie machte ihn zu ihrem Bezugspunkt, zum Ausdruck des aufgestauten Zorns und der tiefen gesellschaftlichen Unzufriedenheit.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Das Ergebnis versetzte die herrschende Klasse in Panik und Verblüffung. Sie erklärte offen, dass sie die Kontrolle über Labour verloren hatte. Und so war es. Oder besser gesagt: Es hätte wahr sein sollen.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Doch im Moment der Wahrheit weigerte sich Corbyn, gegen die rechte Führung der Labour-Parlamentsfraktion vorzugehen, die mit der Unterstützung der bürgerlichen Medien eine brutale Kampagne gegen ihn organisierte.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Am Ende kapitulierte Corbyn vor den Rechten und bezahlte den Preis für seine Feigheit. Was sich hier zeigte, war nichts anderes als die organische Rückgratlosigkeit des linken Reformismus.</p>
<p> </p>
<h3 class="wp-block-heading"><strong>Trump und Corbyn</strong></h3>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Hier zeigt sich ein krasser Kontrast zu Donald Trump. Auch er wurde vom Establishment angegriffen, sogar von der eigenen Parteiführung. Doch im Gegensatz zu Corbyn tat er, was Corbyn hätte tun müssen: Er mobilisierte seine Basis gegen die alte Führung der Republikaner und zwang sie zum Rückzug.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Das ändert natürlich nichts daran, dass Trump ein reaktionärer bürgerlicher Politiker blieb. Doch man muss schon zugeben, dass er den Mut und die Entschlossenheit hatte, die Corbyn offenkundig fehlten.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Trump scherte sich außerdem keinen Deut um politische Korrektheit und Identitätspolitik, während die linken Reformisten diese Ideologie leider blind geschluckt haben. Das spielte bei Corbyn eine absolut verheerende Rolle.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Als ihn die Parteirechte wegen angeblichen Antisemitismus angriff (ein völlig haltloser Vorwurf), knickte er sofort ein. Er wurde zur leichten Beute für die reaktionäre zionistische Lobby und die gesamte britische Bourgeoisie. In kürzester Zeit war er auf elende Unterwerfung reduziert – ein hilfloses Opfer seiner eigenen Fixierung auf reaktionäre Identitätspolitik.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Hätte Corbyn wie Trump gehandelt, hätte er sich der Antisemitismus-Kampagne direkt entgegengestellt, seine Basis gegen das rechte Establishment entfesselt und die Labour-Partei gründlich von diesen verfaulten Elementen gesäubert.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Hätte er das getan, hätte er ohne jeden Zweifel gewonnen. Doch er tat es nicht. Das ermöglichte dem rechten Labour-Flügel, in die Offensive zu gehen, die Linke aus der Partei zu werfen – einschließlich Corbyn selbst – und Labour von oben bis unten zu säubern. Das Ergebnis war der Sieg von Starmer – und das Experiment „Corbynismus“ endete in einem völligen Desaster.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Diese Erfahrung hat sich immer und immer wieder wiederholt. Und jedes Mal spielte die Führung der Linken eine absolut erbärmliche Rolle. Sie enttäuschten ihre Basis und übergaben die Macht kampflos an den rechten Flügel.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Genau das – nichts anderes – erklärt den aktuellen Rechtsruck. Er war unvermeidlich nach der feigen Kapitulation der Linken.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Sollen sich andere über Trump und rechte Demagogen beklagen. Unsere Antwort darauf ist Verachtung: Hört auf zu jammern. Ihr seid selbst schuld! Ihr habt einfach bekommen, was ihr verdient. Und jetzt müssen wir alle die Konsequenzen tragen.</p>
<p> </p>
<h3 class="wp-block-heading"><strong>Was stellt Trump wirklich dar?</strong></h3>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Fangen wir mit dem Offensichtlichen an. Donald Trump ist ein reaktionärer bürgerlicher Politiker. Das lohnt sich kaum auszusprechen. Ebenso wenig muss man wiederholen, dass Kommunisten ihn in keiner Weise unterstützen.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Aber diese Feststellung allein bringt uns keinen Schritt weiter in der Analyse von Trump und Trumpismus. Ist es zum Beispiel korrekt zu sagen, dass es keinen Unterschied zwischen Trump und Biden gibt?</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Ja, sie sind beide bürgerliche Politiker, die im Wesentlichen für die gleichen Klasseninteressen stehen. In diesem Sinne könnte man sagen, sie sind alle gleich. Doch selbst für die Blindesten unter den Blinden muss klar sein, dass es sehr ernste Unterschiede zwischen beiden gibt, ja ein Abgrund zwischen beiden klafft.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Denn nur weil zwei bürgerliche Politiker grundsätzlich dieselben Klasseninteressen vertreten, heißt das noch lange nicht, dass es innerhalb dieser Klasse keine scharfen Konflikte gibt. Solche Konflikte hat es tatsächlich immer gegeben.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Das zentrale Problem der Bourgeoisie ist, dass das Modell, das den Kapitalismus jahrzehntelang stabil gehalten hat, endgültig gescheitert ist.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Die Globalisierung, die es ihnen lange erlaubte, die Grenzen des Nationalmarktes zu überwinden, ist an ihre Grenzen gestoßen. An ihre Stelle tritt der Aufstieg des wirtschaftlichen Nationalismus. Überall setzt die Kapitalistenklasse nun ihre eigenen nationalen Interessen gegen die der anderen durch. Die Ära des Freihandels weicht einer Ära der Zölle und Handelskriege.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Die Nostalgiker des Liberalismus beklagen das Ende der alten Ordnung. Doch Donald Trump umarmt sie mit der Inbrunst eines frisch Bekehrten. Und damit hat er die Weltordnung auf den Kopf gestellt – zum Entsetzen der schwächeren Nationen.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Donald Trump ruft sich damit den Zorn seiner früheren „Verbündeten“ in Europa herbei, die ihm für ihr ganzes Unglück die Schuld geben. Doch er hat diese Situation nicht erfunden. Er ist nur ihr schärfster und konsequentester Vertreter.</p>
<p> </p>
<h3 class="wp-block-heading"><strong>Der Bankrott des Liberalismus</strong></h3>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Seit vielen Jahren haben die herrschende Klasse und ihre politischen Vertreter im Westen systematisch ein pseudo-progressives Image gepflegt, um die Realität der Klassenherrschaft zu verschleiern. Sie haben die sogenannte Identitätspolitik geschickt als Waffe der Konterrevolution eingesetzt.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Und die „Linken“, denen jegliche belastbare ideologische Grundlage fehlt, haben diesen Unsinn komplett geschluckt. Das hat sie in den Augen der Arbeiterklasse nur noch weiter diskreditiert. Statt für die tatsächlichen Interessen von Arbeitern, Frauen und anderen unterdrückten Schichten zu kämpfen, streiten sie sich über Worte und wiederholen endlos die Phrasen der sogenannten politischen Korrektheit.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Wenn dann ein Donald Trump kommt und Identitätspolitik und politische Korrektheit anprangert, ist es wenig überraschend, dass er bei Millionen einfacher Menschen auf Resonanz stößt, deren Gehirne nicht völlig vom postmodernen Wahnsinn vernebelt sind.</p>
<p> </p>
<h3 class="wp-block-heading"><strong>Verteidigen die Liberalen die Demokratie?</strong></h3>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Die Liberalen haben eine ziemlich merkwürdige Auffassung von Demokratie. Wie wir gesehen haben, sind sie für Wahlen – aber nur, wenn ihr bevorzugter Kandidat gewinnt. Fällt das Ergebnis nicht in ihrem Sinne aus, schreien sie sofort Betrug, werfen mit Anschuldigungen über Wahlfälschung um sich und spekulieren über alle möglichen fragwürdigen Machenschaften – meist ohne einen einzigen Beweis.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Das war nach Trumps Wahlsieg über Hillary Clinton 2016 zu beobachten. Trump war der erste US-Präsident der Geschichte, der weder ein öffentliches Amt noch eine militärische Laufbahn hatte. Er war ein Außenseiter, der nicht mit dem bestehenden Washingtoner Establishment verbandelt war, das seit Jahrzehnten das politische Monopol innehatte.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Sie sahen in ihm eine Bedrohung für ihr Monopol und handelten entsprechend, um die Demokratie zu untergraben und das Wahlergebnis rückgängig zu machen. Die Demokraten inszenierten den berüchtigten „Russiagate“-Skandal mit dem klaren Ziel, Trump aus dem Amt zu drängen.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Das könnte man mit Fug und Recht einen demokratischen Putschversuch nennen. Ein Verstoß gegen die Demokratie? Natürlich. Aber wenn es manchmal nötig ist, die Regeln der Demokratie zu brechen, um die Demokratie zu verteidigen, dann muss das eben so sein.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Anschließend gingen sie zu den absurdesten Mitteln über, um zu verhindern, dass Trump je wieder Präsident wird. Eine regelrechter Tsunami von Gerichtsverfahren wurde gegen ihn losgetreten, mit dem Ziel, ihn ins Gefängnis zu bringen.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Vier große Prozesse richteten sich direkt gegen ihn – angefangen mit der berüchtigten Stormy-Daniels-Affäre, über Wahlmanipulationsvorwürfe in Georgia bis hin zur Affäre um geheime Dokumente in Mar-a-Lago. Dazu kamen über 100 weitere Klagen gegen seine Regierung.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Die Massenmedien wurden vollständig mobilisiert, um diesen Angriff auszunutzen. Aber es ging völlig nach hinten los. Jedes dieser Verfahren führte nur dazu, dass seine Unterstützung in den Umfragen weiter wuchs. Das Endergebnis zeigte sich bei der Präsidentschaftswahl am 5. November 2024.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Mit der zweithöchsten Wahlbeteiligung seit 1900 (nach 2020) gewann Trump 77.284.118 oder 49,8 Prozent der Stimmen. Das war die zweithöchste Stimmenzahl in der US-Geschichte (nach Bidens Sieg 2020). Trump gewann alle sieben Swing States.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Das war nicht einfach nur ein Wahlsieg – es war ein triumphaler Durchmarsch. Es war eine totale Abfuhr für das liberale Establishment der Demokraten. Und eine schallende Ohrfeige für die korrupten Medien, die sich fast geschlossen hinter Harris gestellt hatten. Von den Tageszeitungen stellten sich 54 hinter Harris und nur 6 hinter Trump. Von den Wochenzeitungen waren 121 für Harris und nur 11 für Trump. Wie soll man das erklären?</p>
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<h3 class="wp-block-heading"><strong>Trump und die Arbeiterklasse</strong></h3>
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<p class="wp-block-paragraph">Bemerkenswert ist der Unterschied in der Klassenzusammensetzung der Stimmen. Während die Mehrheit der Wähler mit einem Einkommen von über 100.000 Dollar für Harris stimmte, <a href="https://www.ft.com/content/6de668c7-64e9-4196-b2c5-9ceca966fe3f">konnte Trump die Mehrheit der Wähler mit einem Einkommen unter 50.000 Dollar für sich gewinnen</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Daran ist überhaupt nichts Überraschendes oder “Weirdes”. Trumps Anziehungskraft auf die Arbeiterklasse hat eine materielle Grundlage. Seit den frühen 1980ern sind die Reallöhne der amerikanischen Arbeiterklasse entweder stagniert oder gesunken – insbesondere, weil Jobs in andere Länder ausgelagert wurden. Das <a href="https://www.epi.org/publication/charting-wage-stagnation/">Economic Policy Institute</a> berichtet, dass die Einkommen der mittleren und unteren Klasse sich seit den späten 1970er Jahren kaum gestiegen sind, während die Lebenshaltungskosten kontinuierlich anstiegen.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">In vielen US-Städten herrschen mittlerweile Zustände von Elend und Verwahrlosung, die den ärmsten Gegenden Lateinamerikas, Afrikas oder Asiens in nichts nachstehen. Und dieses Elend existiert neben der obszönsten Konzentration von Reichtum in wenigen Händen, die seit über 100 Jahren zu beobachten war.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Doch all das bleibt für die „progressiven“ Mittelschichtslinken offenbar unsichtbar. Das politische Establishment und seine gutbezahlte Journalisten- und Kommentatorenbande waren auf ihrer identitätspolitischen Vergiftung derart hängengeblieben, dass sie die wirklichen Probleme der Arbeiterklasse – egal ob schwarz oder weiß, männlich oder weiblich, hetero oder queer – konstant ignoriert haben.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Ein typisches Beispiel war die absurde Kampagne der politisch korrekten Dummköpfe, den Begriff „Latinx“ als genderneutrale Alternative zu „Latino“ zu etablieren. Doch laut <a href="https://www.pewresearch.org/race-and-ethnicity/2024/09/12/latinx-awareness-has-doubled-among-u-s-hispanics-since-2019-but-only-4-percent-use-it/">Pew Research</a> verwenden gerade mal vier Prozent der Hispanics diesen Begriff – 75 Prozent sagen, er solle überhaupt nicht benutzt werden.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Diese Ignoranz öffnete Demagogen wie Donald Trump Tür und Tor, um die aufgestaute Wut von Millionen Menschen aufzugreifen, die sich vom liberalen Establishment in Washington völlig ignoriert fühlten.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">2024 konnte Trump deshalb seine Basis ausbauen, indem er gezielt schwarze und lateinamerikanische Arbeiterklasse-Milieus ansprach.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Das ist das direkte Ergebnis des Verrats der „Linken“ wie Sanders, die keinerlei klare Alternative zu den Liberalen aufzeigten und damit rechten Demagogen wie Trump Tür und Tor öffneten.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Tatsache ist, dass bis vor Kurzem selbst der Begriff <em>Arbeiterklasse</em> in der Wahlpropaganda der großen Parteien praktisch nicht mehr existierte. Noch die wagemutigsten Linken sprachen stattdessen von der <em>Mittelschicht</em>. Und so war die amerikanische Arbeiterklasse in der politischen Praxis schlichtweg ausradiert.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Natürlich gab es hier und da eine Ausnahme. Aber es ist wirklich keine Übertreibung zu sagen, dass ausgerechnet Donald Trump – ein milliardenschwerer, rechter Demagoge – der Einzige war, der in seinen Reden beanspruchte, für die Arbeiterklasse einzutreten. Man könnte fast sagen, dass er allein die Arbeiter wieder ins Zentrum der amerikanischen Politik gerückt hat.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Natürlich wissen wir, dass das bloße Demagogie ist – leere Rhetorik ohne Substanz. Natürlich sagt Trump solche Dinge nur für seine eigenen Zwecke, die zwangsläufig mit den Interessen der Klasse zusammenhängen, der er angehört.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Das ist uns völlig klar und es ist völlig belanglos. Die einfache Wahrheit ist, dass es den Millionen von Arbeitern, die ihn gewählt haben, eben nicht klar war. Diese Wahrheit ignorieren wir auf eigene Gefahr.</p>
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<h3 class="wp-block-heading"><strong>Wessen Interessen verteidigt Trump?</strong></h3>
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<p class="wp-block-paragraph">Die Antwort darauf ist eigentlich denkbar einfach. Wir sagen: Dieser Milliardär verteidigt die Interessen seiner Klasse. Alles, was er sagt, dient letztlich diesen Interessen – also den Interessen der Kapitalisten und Banker. Daraus folgt wie die Nacht auf den Tag, dass diese Interessen niemals mit denen der Arbeiterklasse übereinstimmen können.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Um die Unterstützung der Arbeiter zu gewinnen, wird er aber manchmal Dinge sagen, die für sie plausibel klingen. Wenn er über Jobs, sinkende Löhne oder steigende Preise spricht, dann kommt das natürlich an.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Und es kann sogar sein, dass die eine oder andere seiner Aussagen faktisch korrekt ist. Trump hat selbst zugegeben, dass er einige Ideen aus Sanders’ Reden verwendet hat, um Arbeiter für sich zu gewinnen.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Natürlich bleibt er trotzdem ein reaktionärer, bürgerlicher Politiker. Aber das heißt nicht, dass er dasselbe ist wie jeder andere reaktionäre, bürgerliche Politiker. Er hat seinen eigenen Blick auf die Dinge, seine eigene Sichtweise, Politik und Strategie, die sich in vielen grundlegenden Punkten von derjenigen von Joe Biden und seiner Clique unterscheidet.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">In mancher Hinsicht scheinen seine Positionen sogar mit unseren übereinzustimmen – zumindest bis zu einem gewissen Grad. Man denke an seine Haltung zum Ukraine-Krieg, an die Auflösung von USAID oder seine Ablehnung der sogenannten „Wokeness“. Dass es solche Überschneidungen zwischen dem, was bürgerliche Politiker sagen, und dem, was wir selbst vertreten, geben kann, ist nichts Neues. Trotzki hat das schon vor langer Zeit erklärt.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Im Mai 1938 schrieb er den Artikel <a href="https://www.marxists.org/deutsch/archiv/trotzki/1938/05/denken.htm"><em>Lernt denken – ein freundschaftlicher Rat an gewisse Ultralinke</em></a>. Darin heißt es: „In neunzig von hundert Fällen setzen die Arbeiter tatsächlich ein Minuszeichen, wo die Bourgeoisie ein Pluszeichen setzt. In zehn Fällen hingegen sind sie gezwungen, dasselbe Zeichen zu setzen wie die Bourgeoisie – allerdings mit ihrem eigenen Stempel, der ihr Misstrauen gegenüber der Bourgeoisie ausdrückt. Die Politik des Proletariats ergibt sich keineswegs automatisch aus der Politik der Bourgeoisie, nur mit umgekehrtem Vorzeichen (dann wäre jeder Sektierer ein Meisterstratege). Nein, die revolutionäre Partei muß sich in jedem Falle, in der inneren wie in der äußeren Lage, unabhängig orientieren und die Entscheidungen treffen, die den Interessen des Proletariats am besten entsprechen. Diese Regel gilt für Kriegszeiten genauso wie für Friedenszeiten.“</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Selbst wenn Trump also die Wahrheit sagt, tut er das immer aus der Perspektive seiner eigenen Klasseninteressen und zu reaktionären Zwecken, mit denen wir absolut nichts gemeinsam haben.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Der entscheidende Punkt ist: Wir müssen in jeder Frage die Klassenposition betonen. Deshalb wäre es absolut unzulässig, uns mit Trumps Politik zu identifizieren. Es wäre ein schwerer Fehler.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Doch es wäre ein noch weitaus größerer Fehler – ja, geradezu ein Verbrechen –, auch nur einen Moment lang an der Seite der sogenannten „liberalen“ und „demokratischen“ Bourgeoisie zu stehen, deren Angriffe auf Trump nichts anderes sind als ein Versuch des reaktionären bürgerlichen Establishments, das von Trump aktuell bekriegt wird.</p>
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<h3 class="wp-block-heading"><strong>Das kleinere Übel?</strong></h3>
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<p class="wp-block-paragraph">Sobald man sich Zugeständnisse an Anschuldigungen wie „Faschismus“, „Bonapartismus“ oder die angebliche „Gefahr für die Demokratie“ macht, begibt man sich in Gefahr – und sei es nur unbewusst – auf die Position des kleineren Übels abzurutschen. Das ist aber zweifellos die größte Gefahr.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Ist es richtig zu sagen, dass das Biden-Regime gegenüber Trump fortschrittlich war? So wurde es uns verkauft. Und die sogenannte Linke hat das naiv geschluckt.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Sie versuchen zu argumentieren, Trump sei ein Feind der Demokratie. Doch wer sich das ungeheuerliche Verhalten der Biden-Clique ansieht, erkennt, dass sie bis zum letzten Moment nichts als Verachtung für die Demokratie zeigte.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Man nehme nur Bidens sogenannte „eiserne“ Unterstützung für Israels Angriff auf Gaza – die ihm den Spitznamen „Genocide Joe“ einbrachte. Oder die brutale Unterdrückung des Versammlungsrechts unter seiner „demokratischen“ Regierung, bei der hunderte Studierende zusammengeschlagen und 3.200 landesweit verhaftet wurden, nur weil sie sich friedlich mit Palästina solidarisierten.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Biden hatte versprochen, „der gewerkschaftsfreundlichste Präsident in der Geschichte der USA“ zu sein, doch er zerschlug das Streikrecht der Eisenbahner. Er hatte versprochen, die Abschiebungen unter Trump zu beenden – und deportierte am Ende sogar mehr Menschen ohne Papiere als sein Vorgänger. Und die Liste ließe sich fortsetzen.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Selbst als bereits offensichtlich war, dass er unfähig war, das Amt auszuüben, und er von seiner eigenen Partei als Präsidentschaftskandidat abgesetzt war, klammerte sich Biden weiter an sein Amt.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Selbst nachdem die überwältigende Mehrheit der Wählerschaft die Demokraten abgewählt hatte, nutzte er seine Macht als Präsident, um offen Sabotage gegen den demokratisch gewählten Kandidaten Trump zu betreiben, und die USA an den Rand eines Krieges mit Russland zu treiben.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Es wäre schwer, sich eine unverhohlenere Missachtung der Demokratie und des Willens der überwältigenden Mehrheit der US-Bevölkerung vorzustellen. Doch dieser Gangster und seine Clique gaben weiterhin vor, die Verteidiger der Demokratie gegen die angebliche Gefahr der Diktatur zu sein!</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Auch vieles andere, was Biden und seine Gang taten, war unendlich konterrevolutionärer, desaströser und ungeheuerlicher als irgendetwas, von dem Trump je geträumt hat. Das ist die Wahrheit. Und es gibt trotzdem Linke, die behaupten, es wäre vorzuziehen, wenn man die Demokraten gegen Trump unterstützt, „um die Demokratie zu verteidigen“!</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Unsere Aufgabe ist es nicht, uns an ein sinkendes Schiff zu klammern. Im Gegenteil – wir tun alles, um es zum Sinken zu bringen. Es ist nicht unsere Politik, Illusionen in die Liberalen und ihre sogenannte Demokratie zu säen, sondern sie als zynische Unwahrheit und Täuschung zu entlarven.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Trotzki machte in <a href="https://www.marxists.org/deutsch/archiv/trotzki/1934/wohinfr1/wohin1.htm#zusa"><em>Wohin geht Frankreich?</em></a> klar, dass die Politik des „kleineren Übels“ nichts als ein Verbrechen und ein Verrat an der Arbeiterklasse ist: „Die Arbeiterpartei soll sich nicht mit hoffnungslosen Versuchen abgeben, diese Partei von Bankrotteuren zu retten, sie muss im Gegenteil aus Leibeskräften den Prozess der Befreiung der Massen vom Einfluss der Radikalen fördern.“ [Die Radikalen waren eine liberale Partei, die in den 1930er Jahren in Frankreich an der Macht war.]</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Das ist heute ein ebenso treffender Ratschlag. Im Kampf gegen die Trump-Reaktion dürfen wir uns in keiner Weise mit den bankrotten liberalen Demokraten assoziieren.</p>
<p> </p>
<h3 class="wp-block-heading"><strong>Der Weg zur Arbeiterklasse</strong></h3>
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<p class="wp-block-paragraph">Übergangsperioden wie die, in der wir uns gerade befinden, führen zwangsläufig zu Verwirrung. Wir werden immer wieder mit vielerlei neuen und komplexen Phänomenen konfrontiert sein, für die es keine klaren historischen Präzedenzfälle gibt.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Um sich nicht aus dem Gleichgewicht bringen zu lassen, muss man sich jederzeit an den grundlegenden Prinzipien orientieren und darf sich nicht durch diese oder jene zufällige Entwicklung vom Kurs abbringen lassen. Das zentrale Element der gegenwärtigen Lage ist, dass die objektive Lage einerseits nach einer revolutionären Lösung schreit.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Das Potenzial ist vorhanden. Andererseits gibt es aktuell keine Kraft, die stark genug wäre, um dieses Potenzial zu verwirklichen. Daher bleibt es – zumindest vorerst – eben nur ein Potenzial.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Die Massen suchen verzweifelt nach einem Ausweg aus der Krise. Sie setzen einen Politiker nach dem anderen auf die Probe und decken rasch die Mängel aller bestehenden Organisationen auf. Das erklärt die allgemeine politische Instabilität, die sich in heftigen Schwankungen im Wahlverhalten ausdrückt – mal nach links, dann nach rechts, und wieder zurück.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">In der Abwesenheit einer revolutionären Führung bleibt das Feld offen für die verschiedensten seltsamen Abweichungen und Demagogen à la Trump.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Solche Figuren können in kürzester Zeit aufsteigen und dem aufgestauten Zorn der Massen einen Ausdruck verleihen. Doch früher oder später scheitern sie an der Realität, und die Enttäuschung ebnet den Weg für eine neue Bewegung in die entgegengesetzte Richtung.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Wer das rein negativ betrachtet, hat den Prozess völlig missverstanden. Die Massen sind verzweifelt und brauchen schnell Lösungen für ihre Probleme. Figuren wie Trump scheinen ihnen genau das zu versprechen.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Wir müssen das verstehen und solche Bewegungen nicht einfach als “rechtsextrem” (ein ohnehin völlig nichtssagender Begriff) abtun. Natürlich gibt es in solchen Bewegungen immer reaktionäre Elemente. Aber die Tatsache, dass sie eine Massenbasis haben, bedeutet, dass sie auch innere Widersprüche enthalten.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Wenn wir einen Weg zu den Arbeitern finden wollen, egal in welchem Land, dann müssen wir sie nehmen, wie sie sind – nicht wie wir sie gerne hätten. Um einen Dialog mit den Arbeitern zu führen, müssen wir an ihrem aktuellen Bewusstseinsstand ansetzen. Jede andere Herangehensweise ist nichts als ein Rezept für Sterilität und Hilflosigkeit.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Wer ernsthaft mit einem Arbeiter sprechen will, der Illusionen in Trump hat, kann nicht mit schrillen Verdammungen oder Faschismus-Vorwürfen anfangen. Wenn wir ihm aber aufmerksam zuhören, können wir bei vielen Punkten anknüpfen, bei denen Übereinstimmung besteht, und dann mit geschickten Argumenten nach und nach Zweifel daran säen, dass die Interessen der Arbeiterklasse wirklich von einem milliardenschweren Geschäftsmann vertreten werden können.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Natürlich werden diese Argumente in der aktuellen Etappe nicht notwendigerweise Erfolg haben. Die Arbeiterklasse lernt im Allgemeinen nicht aus Diskussionen, sondern durch eigene Erfahrung. Und die Erfahrung mit einer neuen Trump-Regierung wird für viele Arbeiter eine äußerst schmerzhafte Lernkurve sein.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Deshalb müssen wir gegenüber Trump-Wählern freundlich auftreten, allem zustimmen, dem wir zustimmen können, und ihnen dann geschickt die Grenzen des Trumpismus aufzeigen und für den Sozialismus argumentieren.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Die Widersprüche werden früher oder später an die Oberfläche kommen. Trotzdem werden sich die Illusionen in Trump eine Weile halten.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Wer sich den vielen ehrlichen Arbeitern gegenüber, die aus völlig verständlichen Gründen jetzt Trump unterstützen, nur feindselig und aggressiv verhält, erreicht gar nichts. Eine solche Herangehensweise ist völlig steril und kontraproduktiv.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Die Geschichte kennt viele Beispiele von Arbeitern, die ihre ersten politischen Erfahrungen mit extrem rückständigen, ja sogar reaktionären Ansichten machten, nur um dann unter dem Einfluss der Ereignisse in die entgegengesetzte Richtung zu gehen.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Zu Beginn der Russischen Revolution 1905 waren die Marxisten eine kleine, isolierte Minderheit. Die große Mehrheit der russischen Arbeiter war rückständig, gläubig und hatte Illusionen in den Zaren.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Die überwältige Mehrheit der Arbeiter in St. Petersburg folgten anfangs dem Popen Gapon, der aktiv mit der Polizei zusammenarbeitete. Als die Marxisten Flugblätter verteilten, die den Zaren angriffen, wurden die Flugblätter oft zerrissen und die Revolutionäre oft von eben diesen Arbeitern zusammengeschlagen.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Doch nach dem Massaker des Blutsonntags am 9. Januar verwandelte sich all das in sein Gegenteil. Die gleichen Arbeiter, die zuvor die Flugblätter zerrissen hatten, kamen nun zu den Revolutionären gelaufen und verlangten Waffen, um den Zaren zu stürzen.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">In den USA gab es ein weniger dramatisches, aber dennoch aufschlussreiches Beispiel: Farrell Dobbs. Dieser junge Arbeiter begann seine politische Laufbahn in den 1930er Jahren als überzeugter Republikaner.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Doch durch die Erfahrung des Klassenkampfes wechselte er direkt von der rechten Republikanischen Partei zum revolutionären Trotzkismus und wurde zu einer der zentralen Figuren der Teamster-Rebellion in Minneapolis.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">In den kommenden stürmischen Klassenkämpfen in den USA werden wir viele solcher Beispiele sehen. Und einige der Arbeiter, die heute noch Trump oder ähnlichen Demagogen hinterherlaufen, können auf Grundlage der kommenden Ereignisse für das Banner der sozialistischen Revolution gewonnen werden.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">An der Oberfläche wirkt die Trump-Bewegung stabil, ja unzerstörbar. Doch das ist eine optische Täuschung. In Wahrheit ist sie extrem heterogen und voller Widersprüche. Früher oder später werden sie aufbrechen.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Trumps liberale Feinde hoffen darauf, dass das Scheitern seiner Wirtschaftspolitik zu weit verbreiteter Enttäuschung führt und er seine Unterstützung verliert. So etwas vorherzusehen, ist keine Kunst. Die Zölle führen schon jetzt zu unvermeidbaren Gegenmaßnahmen. Diese müssen sich schließlich in Arbeitsplazverlusten und Werksschließungen in den betroffenen Branchen ausdrücken.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Doch Prognosen über einen baldigen Niedergang der Trump-Bewegung sind verfrüht. Trump hat enorme Erwartungen und Hoffnungen bei Millionen Menschen geweckt, die zuvor völlig perspektivlos waren. Solche Illusionen sitzen tief. Sie sind stark genug, um eine ganze Serie von Erschütterungen und vorübergehenden Enttäuschungen zu überstehen.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Es wird Zeit brauchen, bis der hypnotische Bann von Trumps Demagogie nachlässt. Doch früher oder später wird die Desillusionierung einsetzen – und je länger es dauert, bis die Arbeiterklasse erkennt, dass ihre Klasseninteressen nicht vertreten werden, desto heftiger wird die Reaktion ausfallen.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Trump ist schon sehr alt geworden. Selbst wenn er einem Attentat entgeht, wird früher oder später die Natur ihre eisernen Gesetze durchsetzen. So oder so ist es unwahrscheinlich, dass er noch einmal für das Präsidentenamt kandidiert – selbst wenn sich die Regeln zu seinen Gunsten ändern ließen.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Trumpismus ohne Donald J. Trump ist kaum vorstellbar. Gerade seine Persönlichkeit, sein unbestreitbares Talent als Massenführer und Meister der Demagogie ist der Kitt, der seine heterogene Bewegung zusammenhält. Ohne ihn werden die inneren Widersprüche, die in ihr schlummern, unweigerlich an die Oberfläche treten und zu internen Krisen und Spaltungen in der Führung führen.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">J.D. Vance scheint der wahrscheinlichste Nachfolger von Trump zu sein, doch er besitzt weder dessen immense Autorität noch dessen Charisma. Er ist jedoch ein kluger Mann, der sich – je nach Verlauf der Ereignisse – in die unterschiedlichsten Richtungen entwickeln kann. Was dabei herauskommt, ist nicht vorhersehbar.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Ein bekanntes Gesetz der Mechanik besagt, dass jede Aktion eine gleich große und entgegengesetzte Reaktion erzeugt. Trump ist ein Meister der Übertreibung. Seine demagogischen Äußerungen kennen keine Grenzen. Alles ist „marvellous“, „tremendous“, „wonderful“, „enormous“ und so weiter. Und entsprechend wird die Enttäuschung, wenn sie kommt, ebenso gewaltig sein.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">An einem bestimmten Punkt wird seine Bewegung beginnen, sich entlang von Klassenlinien aufzuspalten. Sobald die Arbeiter sich von ihm abwenden, werden sich die fanatisierten kleinbürgerlichen Elemente wahrscheinlich den Embryo einer neuen, tatsächlich faschistischen oder bonapartistischen Organisation bilden.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Aus diesem chaotischen Prozess heraus wird die Bewegung hin zu einer dritten Partei unaufhaltsam werden. Ihrer Natur nach wird sie zunächst widersprüchlich sein – keineswegs zwangsläufig links oder fortschrittlich. Doch die Ereignisse werden ihre eigene Logik entfalten.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Viele Arbeiter, die sich an Trumps Experiment die Finger verbrannt haben, werden nach einer neuen Banner suchen, das ihren Zorn und ihren tief verwurzelten Hass auf die Reichen und das Establishment klarer widerspiegelt, der selbst nichts anderes ist als ein unreifes, instinktives Aufbegehren gegen das kapitalistische System selbst. Das wird sie mit voller Wucht nach links treiben.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Es ist keineswegs abwegig anzunehmen, dass einige der kühnsten, engagiertesten und selbstlosesten Kämpfer der zukünftigen kommunistischen Bewegung in den USA genau aus jenen Arbeitern bestehen werden, die einst die Schule des Trumpismus durchlaufen haben und daraus die richtigen Lehren gezogen haben. Wie wir gesehen haben, gibt es für solche Entwicklungen zahlreiche historische Parallelen.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Zum Abschluss sei eines klargestellt: Was ich hier skizziert habe, ist keine ausgearbeitete Perspektive, geschweige denn eine detaillierte Vorhersage der Zukunft. Um das zu leisten, bräuchte man nicht die marxistische Methode, sondern eine Kristallkugel – die leider noch nicht erfunden wurde.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Auf der Grundlage aller mir verfügbaren Fakten habe ich eine vorläufige Einschätzung gegeben, die nicht mehr als eine begründete Annahme sein kann. Die gegenwärtige Situation ist eine extrem komplexe Gleichung mit vielen möglichen Lösungen. Erst die Zeit wird die Lücken füllen und uns die Antwort liefern.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Die Geschichte wird uns noch viele Überraschungen bereiten. Nicht alle werden schlecht sein.</p>
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		<title>An DIE LINKE: Mit Klassenkampf gegen Aufrüstung und Sparpolitik! </title>
		<link>https://derkommunist.de/an-die-linke-mit-klassenkampf-gegen-aufruestung-und-sparpolitik/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Revolutionare Kommunistische Partei]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 15 Mar 2025 09:45:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Erklärung der Anti-Militarismus-Konferenz (22. und 23. März) der RKP an die Genossinnen und Genossen der Partei DIE LINKE und ihre Bundestagsfraktion. Der Wahlerfolg der Linkspartei zeigt, dass vor allem die [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[		<div data-elementor-type="wp-post" data-elementor-id="4321" class="elementor elementor-4321" data-elementor-post-type="post">
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<p class="wp-block-paragraph" style="font-weight: 400;"><em>Erklärung der Anti-Militarismus-Konferenz (22. und 23. März) der RKP an die Genossinnen und Genossen der Partei DIE LINKE und ihre Bundestagsfraktion.</em></p>
<p style="font-weight: 400;">Der Wahlerfolg der Linkspartei zeigt, dass vor allem die Jugend – aber nicht nur sie – eine ernstzunehmende Opposition gegen Aufrüstung und Sparpolitik möchte. Gefragt ist Politik, die die Kriegstreiber und Kürzer am Sozialstaat und in den Betrieben nicht nur in Worten an den Pranger stellt, sondern gegen sie „auf die Barrikaden“ geht.</p>
<p style="font-weight: 400;">Ihr habt einen kämpferischen Ton im Wahlkampf angeschlagen und einen Wunsch von Millionen Menschen offengelegt: Endlich muss eine gesellschaftliche Opposition entstehen, die den Kampf auf der Straße, in den Stadtteilen, Betrieben und DGB-Gewerkschaften organisiert. Dank der Stimme und der Unterstützung von Millionen von Menschen könnt ihr eine Bewegung gegen Sparpolitik, Deindustrialisierung, Aufrüstung und Kriegsvorbereitungen anstoßen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Das Parlament ist eine nützliche Bühne, um die Politik der herrschenden Klasse anzuprangern und die gesellschaftliche Opposition zu mobilisieren. Aber die Interessen der „99 Prozent“ lassen sich nicht mit parlamentarischen Reden und Anfragen oder durch die Zusammenarbeit „mit allen Demokraten“ durchsetzen. Die Kapitalistenklasse und ihr Staat geben nur her, was die Arbeiterbewegung ihnen im Klassenkampf abringt.</p>
<p style="font-weight: 400;">Auf das Zerwürfnis zwischen dem US-Imperialismus und den europäischen Mächten antworten die Herrschenden in Europa mit Aufrüstung. Auch sie wollen bei der räuberischen Neuaufteilung der Welt nicht leerausgehen. Sie wollen die EU zur Militärmacht machen, an deren Spitze ein kriegsfähiges Deutschland steht. Dafür wollen CDU/CSU, SPD und Grüne ein 500 Mrd. Euro „Sondervermögen“ beschließen und die Schuldenbremse für Aufrüstung nicht mehr gelten lassen. Sie garantieren den Aktionären der (Rüstungs-)Industrie unbegrenzte Profite.</p>
<p style="font-weight: 400;">Den bürgerlichen Politikern, den Banken und Konzernen können wir unsere Sicherheit nicht anvertrauen. Diese Kriegstreiber kaufen jetzt Panzer und Bomben. Sie exportieren Waffen und entsenden Soldaten in alle Welt. Sie befeuern den Ukrainekrieg und Israels Völkermord. Gleichzeitig wollen sie die Jugend hierzulande zu Kanonenfutter machen und setzen mit dem „Operationsplan Deutschland“ Kriegsvorbereitungen gegen Russland in Gang.</p>
<p style="font-weight: 400;">Für diese imperialistische Großmachtpolitik soll die Arbeiterklasse bezahlen. Mit anti-russischem und anti-muslimischen Chauvinismus und mit Kriegsangst wollen sie Patriotismus erzeugen und unseren Geldbeutel locker machen. CDU/CSU, SPD und Grüne laden zusammen mit den Unternehmerverbänden, unterstützt von der AfD, die Kosten für Krise und Krieg auf die Arbeiterklasse und Jugend ab.</p>
<p style="font-weight: 400;">Sie verlangen Opferbereitschaft von uns, weil wir über unsere Verhältnisse gelebt hätten und die „Friedensdividende“ aufgebraucht sei. Das ist eine Lüge. Die Krise des Kapitalismus in Deutschland haben die Kapitalisten, ihre Politiker und ihre Regierungen zu verantworten. Was wir erleben, ist die Entfesselung der Krise dieses Systems in pure Barbarei. Sie zerstören alles, was ein halbwegs zivilisiertes Leben möglich macht.</p>
<p style="font-weight: 400;">In eurem Beschluss vom 1. März streckt ihr „allen demokratischen Parteien“ eure Hand entgegen. Dabei sind sie es, die die Aufrüstung und den Militarismus in Deutschland und der EU vorantreiben. So werdet ihr die in eurem Wahlprogramm formulierten Ziele nicht erreichen: sozialer Ausgleich, Vergesellschaftung und Konversion der Rüstungsindustrie, Stopp der Aufrüstungsspirale und der Waffenlieferungen oder den Abzug der Bundeswehr aus dem Ausland.</p>
<p style="font-weight: 400;">Indem ihr diesen Handlangern von Tod und Ausbeutung eure Hand reichen wollt, macht ihr euch zu deren Feigenblatt. Aber die Linkspartei wurde gewählt, damit sie gegen die Politik der Reichen und Imperialisten „auf die Barrikaden“ geht – nicht für friedfertige Zusammenarbeit mit CDU/CSU, SPD und Grüne.</p>
<p style="font-weight: 400;">Wer sich für die Aufhebung der Schuldenbremse im Parlament einsetzt, aber nicht den Kampf gegen Sparpolitik und Aufrüstung in den Betrieben, Stadtteilen, Bildungseinrichtungen und Gewerkschaften organisiert, der gibt der kommenden Regierung – allem mündlichen Protest zum Trotz – einen Freifahrtschein für Militarismus und Umverteilung von unten nach oben.</p>
<p style="font-weight: 400;">Sozialisten und Kommunisten wollen der imperialistischen Barbarei ein Ende setzen. Wir sind Teil der Arbeiterbewegung und müssen ihre Speerspitze werden. Die Führungen von SPD und DGB-Gewerkschaften haben längst vor dem bürgerlichen Staat und den Unternehmerverbänden kapituliert. Wollt auch ihr diesen Weg weiter gehen?</p>
<p style="font-weight: 400;">Es ist offensichtlich, dass der Reformismus und die Sozialpartnerschaft jede unabhängige Bewegung der Arbeiterklasse und Jugend gehemmt und in Niederlagen geführt haben. Die Arbeiterbewegung braucht deshalb eine Stimme und organisierende Kraft, die sie aus dieser Sackgasse führt und den Klassenkampf wiederbelebt.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Linkspartei wurde gewählt, weil sie die Hoffnung nach einer gesellschaftlichen Bewegung gegen die Politik der Reichen geweckt hat. Nehmt diesen Auftrag ernst und organisiert diese Bewegung. Wir werden jeden Schritt in diese Richtung unterstützen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Wir, die Revolutionäre Kommunistische Partei, werden als Teil einer solchen Massenbewegung mit unserem Programm mitkämpfen:</p>
<ul>
<li>Wir sind kein Kanonenfutter! Kein Mensch und kein Cent für die imperialistischen Interessen und Kriege Deutschlands, der NATO und der EU. Keine Unterstützung für den Ukrainekrieg! Keine Unterstützung für Israels Völkermord! Keine Vorbereitungen auf Krieg mit Russland! Alle Truppen zurückholen und alle Waffenexporte einstellen!</li>
<li>Nein zu Kürzungspolitik und zur Verschuldung für Aufrüstung. Wir führen den Kampf nicht allein im Parlament oder vor dem Verfassungsgericht. Wir setzen uns ein für eine Protest- und Streikbewegung in den Unis, Schulen, Betrieben und im DGB!</li>
<li>Enteignet die Banken und Konzerne. Konfisziert den Reichtum der Milliardäre und Millionäre. Dann sind Investitionen möglich in gutbezahlte und sichere Arbeitsplätze, in neue klimafreundliche Produktionsanlagen, in den Ausbau von Infrastruktur, in Krankenhäuser, Schulen, Kitas, Unis.</li>
<li>Gegen Militarismus und Aufrüstung kämpfen heißt gegen Imperialismus und Kapitalismus kämpfen. Unser Ziel ist eine sozialistische Planwirtschaft unter Kontrolle und Verwaltung der Arbeiterklasse – der großen Mehrheit der Werktätigen und der Jugend.</li>
</ul>
<p style="font-weight: 400;">Es ist an der Zeit, eine Offensive der Organisierung und der Mobilisierung zu starten. Die Arbeiterklasse und Jugend Griechenlands, Serbiens und Spaniens gehen schon jetzt zu Millionen gegen Kürzungspolitik auf die Straße und zeigen mit Generalstreiks ihre gesellschaftliche Macht.</p>
<p style="font-weight: 400;">Lasst uns ihnen die Hand ausstrecken, denn wenn auch wir hierzulande einen solchen Schritt machen, dann wird eine Welle der Inspiration durch Europa und die Welt gehen. Wenn wir hier die Kriegs- und Profitmaschinerie aufhalten, dann wird der Militarismus weltweit einen schweren Schlag erleiden.</p>
<p style="font-weight: 400;">Unsere Tradition sind Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht: Der wahre Weg zum Frieden heißt Klassenkampf und Internationalismus! Wir stehen vor der Wahl: Sozialismus oder Barbarei!</p>
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		<title>Kriegskredite durch Wahlbetrug &#8211; DIE LINKE jetzt in die Offensive!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Dennis U.]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 15 Mar 2025 09:44:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeiterbewegung]]></category>
		<category><![CDATA[Die Linke]]></category>
		<category><![CDATA[Imperialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Militarismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der neue Bundestag ist gewählt, aber die abgewählten Abgeordneten traten diese Woche trotzdem noch einmal zusammen: Der herrschenden Klasse unter der politischen Führung von Friedrich Merz (CDU) ist jedes Mittel [&#8230;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Der neue Bundestag ist gewählt, aber die abgewählten Abgeordneten traten diese Woche trotzdem noch einmal zusammen: Der herrschenden Klasse unter der politischen Führung von Friedrich Merz (CDU) ist jedes Mittel recht, die Ergebnisse der Bundestagswahl zu umgehen, um die Bundeswehr mit Kriegskrediten aufzurüsten. Was sollte DIE LINKE jetzt dagegen tun?</p>

<p class="wp-block-paragraph">Das, was die Bürgerlichen Putin und anderen „autoritären Machthabern“ vorwerfen, machen sie im schlimmsten Fall selbst, um den deutschen Imperialismus und damit auch die Profite der herrschenden Klasse zu schützen. Zwar wurde der letzte Bundestag deutlich abgewählt, aber die alten politischen Mehrheitsverhältnisse wurden noch einmal genutzt, um eine künftige Sperrminorität aus LINKE und AfD zu umgehen. Im künftigen neuen Bundestag ist demnach eine Verfassungsänderung ohne Zusammenarbeit mit LINKE oder AfD nicht mehr möglich.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Im Grundgesetz ist eine Schuldenbremse verankert, die einer milliardenschweren Aufrüstung der Bundeswehr im Wege steht. Deshalb möchte die kommende Union/SPD-Regierung die Schuldenbremse „reformieren“ und greift zu antidemokratischen Maßnahmen, was einem Wahlbetrug nie dagewesenen Ausmaßes in der Geschichte der Bundesrepublik gleicht: Die Ergebnisse der Bundestagswahl vom 23. Februar werden bewusst auf die Füße getreten.</p>

<h3><strong>Scheindebatte im Bundestag</strong></h3>

<p class="wp-block-paragraph">Der abgewählte Bundestag debattierte am vergangenen Donnerstag über das Aussetzen der Schuldenbremse und über die Aufnahme von 800 Milliarden Euro Krediten. Der Ex-BlackRock-Manager Friedrich Merz betonte in seiner Rede, dass „Deutschland unabhängig von Wahlterminen verteidigungsfähig sein sollte.“ Das heißt in unverhüllter Sprache: Wir wollen eigentlich noch vor der Zusammensetzung des neuen Bundestages putschen, weil wir im neuen Bundestag keine Mehrheit mehr haben. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Und so geht der Klassensprecher des Kapitals in seiner Rede noch weiter, wobei das eigentliche Sagen in seiner Schulklasse das Finanzkapital hat. Laut Merz hätten führende Ökonomen Clemens Fuest (ifo-Institut), Michael Hüther (Institut der deutschen Wirtschaft in Köln), Moritz Schularick (Kiel Institut für Weltwirtschaft) und Jens Südekum (Professor HHU Düsseldorf) bei den laufenden Koalitionsverhandlungen folgendes diktiert: „Der alte Bundestag sollte noch vor Beginn der neuen Legislatur das Sondervermögen Bundeswehr aufstocken und ein weiteres Sondervermögen Infrastruktur danebenstellen.“ Folgerichtig handelt er in diesem Auftrag und ließ sich auf eine Schauspiel-Debatte mit den Fraktionen ein.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Auseinandersetzung im Bundestag war vor allem davon geprägt, dass Die Grünen für ihr Kapitalklientel etwas Geldherausschlagen wollten. Nachdem Merz diesem symbolischen Klimaschutz in der Verfassungsänderung zugestimmt hat, wollen Die Grünen am kommenden Dienstag den Kriegskrediten zustimmen und versuchen ihr schlechtes Wahlergebnis mit Taktiererei im Parlament wettzumachen. Sie wollen auch ihre Handschrift hinterlassen in den Milliardenaufträgen für die Rüstungsindustrie. Außerdem signalisierten einige ihre beteiligten Landesregierungen bereits vor der Bundestagssitzung, im Bundesrat den Plänen zuzustimmen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">BSW und AfD warfen Merz als auch Klingbeil (SPD) Wahlbetrug vor. Jessica Tatti (BSW) fasste die eigentliche Intention des Sondervermögens für die „Infrastruktur“ treffend zusammen: „Es geht um militärische Ertüchtigung unserer Infrastruktur“. Außerdem ginge es bei der Aufrüstung „um Kriegskredite und die SPD macht wieder mit wie 1914.“ Sahra Wagenknecht sprach davon, dass „alles über Bord geworfen wird, was man den Wählern in endlosen TV-Runden und Wahlkampfreden versprochen hatte“, nämlich, dass die CDU vor der Wahl eine Reform der Schuldenbremse ausgeschlossen hatte.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Alice Weidel ärgerte sich, dass der alte Bundestag herangezogen wird und beteuerte: „Kein Bewerber um das Kanzleramt hat so viele Versprechen gebrochen wie Sie [Friedrich Merz].“ Die AfD hat aber keinesfalls die Intention, nun gegen den Militarismus vorzugehen, im Gegenteil: Ihr Problem ist, dass Merz nicht mit ihr zusammenarbeiten will. Deshalb zog die AfD vor dem Bundesverfassungsgericht und versuchte eine Abstimmung am kommenden Dienstag zu verhindern. Die AfD betonte bereits oft genug mit ihrer reaktionären „Germany First“-Politik, dass die Bundeswehr abgewirtschaftet und nicht genug Mittel für Aufrüstung vorhanden seien. Sie möchte diese ausschließlich durch massive Kürzungen bei Renten und im Sozialstaat finanzieren.</p>

<h3><strong>Und DIE LINKE?</strong></h3>

<p class="wp-block-paragraph">Ebenso zog DIE LINKE vergeblich mit einer Klage vor Gericht. Das Urteil der Richter aus Karlsruhe ist – wenig überraschend – voll und ganz im Sinne „des Gesetzes“, also der unter Panik stehenden herrschenden Klasse. DIE LINKE pochte dabei auf die Instanzen des bürgerlichen Klassenstaates, anstatt ihren Aufschwung in ein Kampfprogramm gegen Merz und Co. umzumünzen. Sie hält damit ihre Parteibasis passiv und lässt die aufgeheizte Stimmung in der Jugend und Arbeiterklasse durch den Parlamentarismus verpuffen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Noch vor der Bundestagssitzung kritisierte die Linkspartei die Pläne von Union und SPD. Sie verwies korrekterweise auf die Widersprüchlichkeit, dass in den vergangenen Jahren angeblich kein Geld für Bildung, Renten und Pflege vorhanden gewesen wären, aber der bereits abgewählte Bundestag innerhalb von zwei Werktagen knapp eine Billion Euro Kredite für Aufrüstung beschließen sollte.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Dabei bleibt es aber auch schon. Und das, obwohl die Linkspartei einen Aufschwung wie schon lange nicht mehr erlebt. Mehr als 40.000 Mitglieder sind kürzlich eingetreten, sie knackte damit erstmals die 100.000-Mitglieder Marke. Im Wahlkampf erarbeitete sie sich in den sozialen Medien ein großes Umfeld und stellte den Kampf gegen AfD, Friedrich Merz und hohe Mieten in den Vordergrund. Gerade jetzt hätte die Linkspartei die Möglichkeit, den Bundestag als Tribüne des Klassenkampfes zu nutzen, um zu großen Demonstrationen gegen die Kriegskredite aufzurufen und die angestaute Wut in den Betrieben und auf der Straße zu versammeln.</p>

<h3><strong>„Klimaschutz und Aufrüstung ohne sozialen Ausgleich“</strong></h3>

<p class="wp-block-paragraph">Stattdessen kritisierte Parteichefin Ines Schwerdtner, dass Union und SPD mit Den Grünen verhandeln, mit der Linkspartei aber nicht. Nach dem Bekanntwerden der Einigung von Grüne und SPD mit der Union am Freitag sagte Ines Schwerdtner, dass sie „einen zentralen Fehler der Ampel, nämlich Klimaschutz und Aufrüstung ohne sozialen Ausgleich&#8220;, wiederholen würden. Dabei wird Ines Schwerdtner wissen, dass die herrschende Klasse die Frage anders stellt: „Kanonen und Butter, das ist Schlaraffenland“ (Clemens Fuest). Deshalb machen die „demokratischen Parteien“ welche DIE LINKE zur „Vernunft“ bringen möchte, genau das, was das Kapital fordert: Schulden für Kanonen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Fraktionsspitze sucht den Weg zu den Parteien, die Kriegskredite bewilligen werden. Ines Schwerdtner gab in einer Pressekonferenz außerdem noch bekannt, dass sie für eine „grundsätzliche Reform der Schuldenbremse“ sei, ohne dabei Teil der Regierung zu sein.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Wer sich für die Aufhebung der Schuldenbremse im Parlament einsetzt, aber nicht den Kampf gegen Sparpolitik und Aufrüstung in den Betrieben, Stadtteilen, Bildungseinrichtungen und Gewerkschaften organisiert, der gibt der kommenden Regierung – allem mündlichen Protest zum Trotz – einen Freifahrtschein für Militarismus und Umverteilung von unten nach oben. Damit die Regierung das Geld in Bildung, Renten und Pflege steckt statt in Aufrüstung, muss sie durch Klassenkampf dazu gezwungen werden. Das ist der Auftrag, den DIE LINKE hat.</p>

<h3><strong>Zusammenarbeit mit den Bürgerlichen streut Sand in den Augen</strong></h3>

<p class="wp-block-paragraph">Die Sperrminorität im noch nicht neu konstituierten Bundestag lastet jetzt schon mit einem großen Druck auf die Linkspartei. Der ausscheidende Fraktionsvorsitzende Christian Dürr (FDP) wies im Bundestag darauf hin, dass die CDU mit der Linkspartei noch einen Unvereinbarkeitsbeschluss habe, während sie im neuen Bundestag auf DIE LINKE für Verfassungsänderungen angewiesen seien. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Karten liegen also in Zukunft häufig bei der Linksfraktion. Sie könnte in dieser Position vom Bundestag heraus eine Bewegung gegen die Kürzungs- und Kriegspolitik organisieren. Bisher hat die Parteiführung ihren Blick aber nicht auf eine Bewegung in den Straßen und in den Betrieben, sondern auf die Bürgerlichen: So möchte z.B. der Elder-Statesman von Thüringen, Bodo Ramelow, mit der CDU zusammenarbeiten: „Ich gehe davon aus, dass meine Fraktion im Bundestag genauso kompromissfähig sein wird, wie es meine Fraktion im Thüringer Landtag ist. Ich habe da in den letzten Jahren ein hohes Maß an Gemeinsamkeit mit den anderen demokratischen Parteien erlebt. Aber bei der Zusammenarbeit ist ja nun zunächst die Union gefragt.“ </p>

<p class="wp-block-paragraph">Das Bemühen um „Kompromisse“ mit der CDU gleicht dem Versuch, den Teufel vor der Sünde zu bewahren: Die neue Bundesregierung ist darauf angewiesen, bei Verfassungsänderungen mit Linkspartei oder AfD zusammenzuarbeiten. Merz schloss (wenn auch nicht glaubwürdig) eine Zusammenarbeit mit der AfD aus, weswegen sich die Linkspartei nun verpflichtet fühlt, „gesprächsbereit“ zu sein, damit Merz sich ja nicht an der AfD versündigt. So lassen sich keine Kürzungen abwenden, die Aufrüstung nicht aufhalten und schon gar nicht ein weiterer Aufstieg der rechten AfD.</p>

<h3><strong>Gegen die Kungelei mit der CDU &#8211; für eine Offensive gegen Merz und Co.!</strong></h3>

<p class="wp-block-paragraph">Logischerweise lockert diese Gesprächsbereitschaft die Anti-Kriegshaltung der Linkspartei auf: „Man muss es halt für die richtigen Dinge ausgeben, z.B. Luftverteidigung. […] Wir müssen Sicherheit europäisch denken und wir müssen die europäischen Interessen stärken“, so Jan van Aken in einem Interview. Die Interessen der Arbeiterklasse und der Jugend kamen in diesem Gespräch gar nicht zu Wort.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Anstatt gerade gegen die Aufrüstung durch die Hintertür auf der Straße und in den Betrieben einen Kampf zu organisieren, versucht die Führung der Linkspartei, das Problem „juristisch zu prüfen.“ Dabei haben 27% der Erstwähler DIE LINKE gewählt. Das zeigt, dass sich viel Wut in der Jugend und Arbeiterklasse angestaut hat. Das vor allem junge Umfeld ist nicht aus dem Himmel gefallen, sondern verdeutlicht den fortgeschrittenen Bewusstseinsstand in der Jugend, kämpfen zu wollen. Es liegt gerade sehr viel Potential in der Luft, dass draus eine Massenbewegung werden kann. Diese Bewegung könnte weit darüber hinausgehen als nur die Kriegskredite zu stoppen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Linkspartei sollte ihren Aufschwung nutzen, um ihn in die Bahnen des Klassenkampfes zu lenken. Dafür braucht es ein gemeinsames Kampfprogramm gegen Merz und Co. für die Interessen der Arbeiterklasse und Jugend. Um dabei Reichinnek zu zitieren: „Auf die Barrikaden!“</p>

<h3><strong>Den Kampf vorbereiten: Komm zu der Anti-Militarismus-Konferenz!</strong></h3>

<p class="wp-block-paragraph">Die Linkspartei wurde gewählt, weil sie die Hoffnung nach einer gesellschaftlichen Bewegung gegen die Politik der Reichen geweckt hat. Wir wollen, dass sie diesen Auftrag ernst nimmt und diese Bewegung organisiert. Wir Kommunisten werden jeden Schritt in diese Richtung unterstützen und als Teil einer solchen Massenbewegung mit unserem Programm mitkämpfen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Wir reichen euch kampfbereiten Genossen in der Linkspartei die Hand, mit uns gemeinsam zu diskutieren, wie wir den Kampf gegen Merz und Co. konsequent aufnehmen können. Wir diskutieren am kommenden Wochenende (22. und 23. März) in Berlin in mehreren Vorträgen, wie wir nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch die Kriegstreiberei und das Säbelrasseln beenden. Wir laden alle, die gegen Krieg, Militarismus und Imperialismus kämpfen wollen, <a href="https://derkommunist.de/amk/">zu unserer Anti-Militarismus-Konferenz ein</a>!</p>
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