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	<title>Nordamerika Archives -</title>
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	<title>Nordamerika Archives -</title>
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		<title>USA: Zehn Thesen zum Generalstreik 2026 in Minnesota</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Revolutionary Communists of America]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 Mar 2026 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nordamerika]]></category>
		<category><![CDATA[Generalstreik]]></category>
		<category><![CDATA[ICE]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Januar 2026 kam es zu einigen der bedeutendsten Entwicklungen in der jüngeren Geschichte des amerikanischen Klassenkampfs. Der Mord an Renée Good durch ICE löste eine explosive Anti-ICE-Bewegung in Minnesota [&#8230;]</p>
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<p>Im Januar 2026 kam es zu einigen der bedeutendsten Entwicklungen in der jüngeren Geschichte des amerikanischen Klassenkampfs. Der Mord an Renée Good durch ICE löste eine explosive Anti-ICE-Bewegung in Minnesota aus, die faktisch in einem politischen Generalstreik gipfelte. Der anschließende Mord an Alex Pretti drohte, die Bewegung auf nationaler Ebene auszuweiten, und zwang Trump zumindest vorübergehend zurückzustecken. Welche Schlussfolgerungen können wir aus dieser Erfahrung ziehen?</p>



<p>1. Plötzliche, massive Eskalationen im Klassenkampf gehören nicht der Vergangenheit an. Sie sind in den USA sogar unvermeidlich. Die Ereignisse in Minnesota waren ein klassisches Beispiel dafür, wie eine Massenbewegung praktisch über Nacht ausbrechen kann, wenn Ereignisse eine breite Schicht der Gesellschaft politisieren.</p>



<p>2. Ereignisse treiben Veränderungen im Massenbewusstsein voran. Die schamlose Ermordung von Renée Good drängte Hunderttausende gewöhnliche Menschen zu politischem Handeln. Die Massen der Arbeiter ziehen ihre politischen Schlussfolgerungen auf der Grundlage von Ereignissen. In Minnesota erkannten die Arbeiter die Notwendigkeit der Selbstorganisation, entwickelten ein völliges Misstrauen gegenüber (zumindest bestimmten Flügeln) des kapitalistischen Staates und ein wachsendes Verständnis für die Macht, die sie gemeinsam über die Wirtschaft ausüben können.</p>



<p>3. Entgegen den Behauptungen der liberalen Medien hat es unter den US-Arbeitern keinen grundlegenden „Rechtsruck“ gegeben. Während einige Schichten der Arbeiterklasse Trumps Programm noch auf die Probe stellen, lehnt ihn eine andere große Schicht bereits vollständig ab und hat sich nach links bewegt. Symptomatische Entwicklungen wie die Wahl von Zohran Mamdani sind nur die Spitze des Eisbergs. In Minnesota haben wir gesehen, wie sich gewöhnliche Menschen massenhaft gegen die bewaffneten Organe des kapitalistischen Staates mobilisiert haben. In Form von Massenversammlungen in den Nachbarschaften und Signal-Chats entstanden embryonale Organe der Selbstorganisation der Arbeiterklasse. In bestimmten Schichten fanden auch Diskussionen über die Notwendigkeit bewaffneter Selbstverteidigung statt.</p>



<p>4. Die Vorstellung, dass die Trump-Regierung eine faschistische Regierung oder eine aufkeimende Militär-Polizei-Diktatur sei, ist völlig falsch. Trump ist nicht in der Lage, ein bonapartistisches oder faschistisches Regime aufzubauen. Angesichts der organischen Bewegung der Massen war Trump gezwungen, einen Rückzieher zu machen und öffentlich zu erklären: „Wir werden ein wenig deeskalieren.“ Dies bestätigt voll und ganz die Methoden des kollektiven Massenkampfs und zeigt, dass das Kräfteverhältnis in den USA vollständig zugunsten der Arbeiterklasse ist.</p>



<p>5. Die derzeitige Instabilität offenbart die wahre Natur der bürgerlichen „Demokratie“. Sie war schon immer die Diktatur der Kapitalistenklasse über die ausgebeutete Mehrheit. Ereignisse wie die Ermordung von Renée Good und Alex Pretti verdeutlichen Millionen von Menschen die wahre Rolle des kapitalistischen Staates.</p>



<p>6. Mit einer revolutionären Führung hätte die Bewegung deutlich weiter gehen können. Die Stimmung und das Potenzial für einen umfassenden Generalstreik waren zu 100% vorhanden. Dieser hätte nicht nur kleine Unternehmen, Schulen und kulturelle Einrichtungen lahmlegen können, sondern auch die wichtigsten Hebel der Wirtschaft: Verkehr, Energie, Kommunikation, Logistik, Produktion usw. Nach der Ermordung von Alex Pretti hätte sich dies auf das ganze Land ausweiten können. Nur der Druck von unten hat die Gewerkschaftsbürokraten gezwungen, einen Termin für einen „Aktionstag” festzulegen, aber sie vermieden es, mehr zu tun. Erforderlich war die Ausweitung und Verbreitung der Nachbarschaftskomitees auf die Arbeitsplätze und vor allem ihre Verbindung durch gewählte Vertreter zu einem stadtweiten Gremium, das den Massenversammlungen gegenüber rechenschaftspflichtig und in der Lage wäre, die Bewegung zu koordinieren. Mit diesem Programm hätte eine marxistische Kaderorganisation mit nur 500 oder 1.000 Mitgliedern, die in den Arbeitsstätten der Schlüsselindustrien in Minneapolis-St. Paul verwurzelt war, den Ausschlag geben können.</p>



<p>7. Die Reformisten verstehen nichts. In der Führung der Demokratischen Sozialisten Amerikas, in der Redaktion von Jacobin und in einigen Ecken der Gewerkschaftsbürokratie geben bestimmte Reformisten Lippenbekenntnisse zum Klassenkampf ab, während sie in der Praxis lediglich die Demokratische Partei und andere Institutionen der herrschenden Klasse stützen. Diese Leute huldigen der Geschichte des Klassenkampfs in den USA, aber sie haben nie wirklich geglaubt, dass so etwas noch einmal passieren würde. Jetzt, wo es geschehen ist, „unterstützen“ sie es, aber sie können immer noch nicht verstehen, was es wirklich bedeutet.</p>



<p>8. Wir sind in eine neue Epoche des Klassenkampfs in den USA eingetreten. Der 23. Januar war nur ein Zeichen für weitaus größere Dinge, die noch kommen werden. Massenbewegungen, militante Streiks, Generalstreiks und schließlich eine voll entfaltete revolutionäre Situation stehen uns bevor.</p>



<p>9. Die einzige wirkliche Schwäche der US-amerikanischen Arbeiterklasse ist das Fehlen einer revolutionären Partei. Die rund 160 Millionen Lohnabhängigen in Amerika stellen eine potenziell unaufhaltsame Kraft dar, aber dieses Potenzial kann nur dann voll ausgeschöpft werden, wenn sie eine Führung haben, die diesen Namen verdient. Eine revolutionäre Massenpartei könnte die Kraft der Arbeiterklasse nutzen, um die Gesellschaft nach sozialistischen Grundsätzen zu verändern.</p>



<p>10. Eine solche Partei wird nicht vom Himmel fallen. Sie muss bewusst im Voraus aufgebaut werden, bevor zukünftige Bewegungen und revolutionäre Umwälzungen stattfinden. Die Arbeiterklasse braucht eine Partei professioneller Revolutionäre – Menschen, die sich gründlich mit der marxistischen Theorie und den Lehren des Klassenkampfs auseinandergesetzt haben. Alle ernsthaften Klassenkämpfer in den USA sollten sich der RCA anschließen und beim Aufbau der Partei der kommenden amerikanischen sozialistischen Revolution mithelfen.</p>
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		<title>Arbeiter der Welt, erhebt euch zur Verteidigung Kubas!</title>
		<link>https://derkommunist.de/arbeiter-der-welt-erhebt-euch-zur-verteidigung-kubas/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jorge Martin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Feb 2026 16:25:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Lateinamerika]]></category>
		<category><![CDATA[Nordamerika]]></category>
		<category><![CDATA[Global]]></category>
		<category><![CDATA[Imperialismus]]></category>
		<category><![CDATA[RKI]]></category>
		<category><![CDATA[Strategie & Organisation]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kuba steht derzeit vor einem nahezu vollständigen Stromausfall, nachdem Trump eine Ölblockade gegen die Insel verhängt hat. Der US-Imperialismus sieht eine Gelegenheit, die kubanische Revolution nach 67 Jahren unablässiger Angriffe [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>Kuba steht derzeit vor einem nahezu vollständigen Stromausfall, nachdem Trump eine Ölblockade gegen die Insel verhängt hat. Der US-Imperialismus sieht eine Gelegenheit, die kubanische Revolution nach 67 Jahren unablässiger Angriffe endlich zu zerschlagen. Es ist die Pflicht der internationalen Arbeiterbewegung, sich zur Verteidigung der kubanischen Revolution zu mobilisieren.</em></p>



<p>Der US-Militärangriff auf Venezuela hat Kuba von einem seiner wichtigsten Energielieferanten abgeschnitten. Die Lieferungen venezolanischen Öls an die Karibikinsel sind vollständig zum Erliegen gekommen, da die USA den Handel des Öls kontrollieren.</p>



<p>Am 29. Januar erliess Trump ein skandalöses <a href="https://www.whitehouse.gov/presidential-actions/2026/01/addressing-threats-to-the-united-states-by-the-government-of-cuba/">Dekret</a>, in dem Kuba als «ausserordentliche Bedrohung» für die nationale Sicherheit der USA bezeichnet wurde, und bedrohte jedes Land, das Öl an die Insel verkauft, mit Strafzöllen. Dieser ungeheuerliche imperialistische Druck zielt hauptsächlich auf Mexiko, den wichtigsten Öllieferanten Kubas, ab, das wenige Tage zuvor bereits eine Öllieferung nach Kuba storniert hatte.</p>



<p>Das Land ist bei etwa 60 bis 70 Prozent seines Energiebedarfs auf Ölimporte angewiesen. Ohne diese lebenswichtige Versorgung kommt das Land langsam zum Stillstand, was zu einer humanitären Krise führt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Humanitäre Krise</strong></h2>



<p>Die kubanische Regierung musste Notmassnahmen ergreifen, um kritische Infrastruktur zu priorisieren und den Verbrauch zu reduzieren. Staatsbetriebe haben auf eine Vier-Tage-Woche umgestellt, der öffentliche Verkehr wurde erheblich eingeschränkt.</p>



<p>Treibstoffverkäufe sind limitiert und erfolgen nur noch in US-Dollar. Stromausfälle, die Kubas Städte bereits zuvor belasteten, haben sich deutlich verlängert und erreichen in einigen Provinzen bis zu 16 Stunden am Tag. Dies beeinträchtigt die Möglichkeiten der Bevölkerung zu kochen, Lebensmittel zu kühlen, Ventilatoren zu betreiben oder Wohnungen, Arbeitsplätze und Schulen zu beleuchten. Elektive Operationen und nicht dringliche medizinische Konsultationen wurden verschoben.&nbsp;</p>



<p>Der Transport von Lebensmitteln wird zunehmend schwieriger, und importierte Waren können nicht mehr von den Häfen zu den Verteilstellen gebracht werden. Der Verkauf von Flugtreibstoff wurde eingestellt. Infolgedessen haben Fluggesellschaften ihre Flüge auf die Insel gestrichen. Die Treibstoffknappheit hat massive negative Auswirkungen auf den Tourismus, eine der wichtigsten Einnahmequellen des Landes.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Was will Trump?</strong></h2>



<p>Trump zieht die Schlinge um den Hals des kubanischen Volkes immer enger zu. Was verlangt der Mann im Weissen Haus eigentlich von Kuba?</p>



<p>Offensichtlich ist ein Element von Trumps jüngstem Angriff in seiner nationalen Sicherheitsstrategie begründet, die darauf abzielt, Amerikas Gegner aus der Hemisphäre zu verdrängen. Washington will Kuba vollständig unter die Vorherrschaft des US-Imperialismus bringen und es dazu zwingen, seine Beziehungen zu Russland und China abzubrechen.</p>



<p>Zudem sprach Trump kürzlich darüber, dass viele Exil-Kubaner in den USA, «sehr schlecht behandelt» worden seien. Das ist ein Verweis auf Personen und Unternehmen, deren Eigentum durch die kubanische Revolution enteignet wurde. Mit diesem Vorwand entschuldigt der US-Imperialismus schon lange seine Angriffe auf Kuba.</p>



<p>In Wirklichkeit erleben wir die Fortsetzung – in massiv verschärfter Form – der jahrzehntelangen imperialistischen US-Blockade Kubas, die von Präsident Kennedy am 3. Februar 1962 formalisiert wurde. Das Ziel ist klar: der Sturz der kubanischen Revolution. Die Mittel sind ebenso klar: Hunger und Verzweiflung sollen soziale Unruhen auslösen, die zum Sturz der Regierung führen oder diese dazu zwingen, die Revolution in Verhandlungen aufzugeben.</p>



<p>Die offizielle Position der kubanischen Regierung lautet, man sei zu Gesprächen mit den USA bereit – sofern diese ohne «Druck oder Vorbedingungen», «auf Augenhöhe», unter voller Achtung der kubanischen Souveränität und ohne «Einmischung in innere Angelegenheiten» stattfinden.</p>



<p>Das ist offensichtlich nicht das, was Washington will. Sie fordern Unterwerfung, und sind bereit, diese durch eine totale Ölblockade zu erzwingen – ungeachtet der Auswirkungen auf das Leben der kubanischen Bevölkerung. Sollte dies nicht genügen, ist der US-Imperialismus auch zu direkter militärischer Aggression bereit. US-Marineschiffe operieren nahe der Nordküste Kubas, militärische Überwachungsflugzeuge kreisen über der Karibik.</p>



<p>US-Sprecher, darunter Rubio und Trump, erklärten im Zuge dieser militärischen Schikane, man wolle, dass Kuba seine Wirtschaft «öffnet» und «wirtschaftliche Reformen» durchführt, die US-Unternehmen Investitionen ermöglichen würden.&nbsp;</p>



<p>Mit «Öffnung» ist jedoch nicht einfach die Zulassung von US-Investitionen gemeint.&nbsp; Es geht um nichts anderes als die Demontage der Planwirtschaft, auf der die Errungenschaften der Revolution beruhen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kuba wird von seinen bürgerlichen «Verbündeten» im Stich gelassen</strong></h2>



<p>Angesichts dieser existentiellen Bedrohung stellt sich die Frage: Wie kann die kubanische Revolution verteidigt werden? Institutionell war Kuba noch nie so isoliert wie heute. Ein <a href="https://www.facebook.com/latizzadecuba/posts/pfbid02naAYHDkNmevQQ1gxVEWBfh5AAwGmkmhYQUEtvBJknDQri6Mb9UmFcTxuoywdJnx5l">Leitartikel</a> der links-revolutionären kubanischen Publikation La Tizza beschreibt die Situation als eine, «in der fast alle ‘blockfreien’ oder ‘progressiven’ Regierungen wegschauen, in der angebliche Blöcke, Allianzen, Foren und gemeinsame Kommissionen jegliche praktische Verpflichtungen meiden und höchstens harmlose besorgte Erklärungen abgeben». Das ist eine präzise Beschreibung der Lage.&nbsp;</p>



<p>Die venezolanische Regierung, trotz ihrer Rhetorik der Souveränität, befindet sich in halbkolonialer Abhängigkeit von Washington. Dies zeigt sich daran, dass sie die Öllieferungen an Kuba – rund 34 Prozent der Energieimporte – vollständig eingestellt hat, ohne öffentlich etwas dazu zu sagen.</p>



<p>In Mexiko hat die Regierung von Claudia Sheinbaum ebenfalls den Anweisungen und Drohungen Trumps nachgegeben und die Öllieferungen eingestellt. Die Regierung erklärte öffentlich, man könne «Mexikos Interessen nicht gefährden» mit Öllieferungen. Mexiko ist nicht bereit, sein souveränes Recht auf Handel mit einem anderen souveränen Staat zu verteidigen. Die Grenzen des bürgerlichen Nationalismus werden brutal sichtbar.</p>



<p>Andere lateinamerikanische Länder haben zwar verbal Kritik an der Blockade geäussert, aber niemand hat konkrete Schritte zu ihrer Durchbrechung unternommen. Auch China und Russland protestierten – bislang nur mit Worten. Die viel beschworene multipolare Welt, die angeblich bessere Bedingungen für die Souveränität kleiner Staaten bringt, erweist sich angesichts der Macht der US-Streitkräfte in der Karibik als leere Rhetorik.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Nur die Arbeiter der Welt können Kuba retten!</strong></h2>



<p>Auf wen sonst kann die kubanische Revolution in dieser Stunde der Not zählen? Der Leitartikel von <em>La Tizza</em> weist in die richtige Richtung: „Völker der Welt – erhebt euch mit Kuba!“, heisst es in der Überschrift.&nbsp;</p>



<p>In diesen Worten liegt viel Wahrheit. Das Schicksal der kubanischen Revolution wird letztlich in der Arena des internationalen Klassenkampfes entschieden. Die gegenwärtige Situation bestätigt, dass man den Sozialismus nicht in einem Land aufbauen kann – und schon gar nicht auf einer kleinen Karibikinsel.</p>



<p>Nach 1959 konnte die kubanische Revolution fast drei Jahrzehnte lang auf eine sehr günstige wirtschaftliche Beziehung zur UdSSR zählen. Als die Sowjetunion infolge ihrer eigenen bürokratisch-stalinistischen Deformationen zusammenbrach, stand die kubanische Revolution unter den extrem harten Bedingungen der “Sonderperiode” allein da.&nbsp;</p>



<p>Mit dem Beginn der venezolanischen Revolution erhielt sie eine neue Rettungsleine, sowohl wirtschaftlich als auch politisch. Als diese wiederum in eine Krise geriet, weil es nicht gelungen war, die herrschende Klasse zu enteignen, wurde Kuba erneut stärker isoliert. Der Druck in Richtung kapitalistischer Restauration nahm zu.</p>



<p>Diese beiden Erfahrungen unterstreichen, dass eine Revolution, die den Kapitalismus abschafft, auf Dauer nicht in Isolation überleben kann.</p>



<p>Heute kann Kuba erneut nur auf sein eigenes Volk zählen – aber auch auf die Völker der Welt: auf die Arbeiterklasse, die armen Bauern und die revolutionäre Jugend der Welt. Das ist keine abstrakte Redewendung, sondern eine konkrete Frage.</p>



<p>Das Einzige, was die mexikanische Regierung dazu zwingen könnte, ihre Unterordnung unter die imperialistischen Diktate ihres mächtigen nördlichen Nachbarn zu brechen, wäre eine massive Bewegung des mexikanischen Volkes, seiner Gewerkschaften und Massenorganisationen, seiner Jugend und seiner Bauernschaft. Dasselbe gilt für Kolumbien und Brasilien, zwei ölproduzierende Länder mit Regierungen, die von Arbeitern und Armen gewählt wurden.&nbsp;</p>



<p>Natürlich hat Trump Strafzölle gegen jedes Land angedroht, das Öl an Kuba verkauft. Doch wenn Länder wie Mexiko, Kolumbien und Brasilien sich einer solchen Drohung widersetzen würden – und wenn sie dies gestützt auf eine starke Massenbewegung gegen den Imperialismus täten –, würde das den US-Imperialismus in eine schwierige Lage bringen. Eine solche Bewegung würde auch innerhalb der Vereinigten Staaten Widerhall finden.Die einzige Alternative zu einer Mobilisierung der Arbeiter- und Volksmassen auf dem ganzen Kontinent und darüber hinaus ist die Zerstörung der kubanischen Revolution und all ihrer Errungenschaften.</p>



<p>Dabei geht es nicht nur um materielle Fortschritte, insbesondere in den Bereichen Wohnen, Bildung und Alphabetisierung – Errungenschaften, die durch Jahrzehnte der Blockade, durch die Isolation der Revolution und durch schleichende kapitalistische Konterreformen untergraben wurden. Es geht auch um nationale Souveränität, um die Unabhängigkeit des Landes von imperialistischer Vorherrschaft.</p>



<p>Wie die Genossen von <em>La Tizza</em> formulieren: „Die Revolution musste sozialistisch sein, um eine Revolution der nationalen Befreiung zu sein.“ Der einzige Weg, auf dem Kuba sich von den Vereinigten Staaten befreien konnte, war die Enteignung der Kapitalisten und Grossgrundbesitzer. Eine Wiederherstellung des Kapitalismus in Kuba würde bedeuten, die Insel erneut in eine Halbkolonie der USA zu verwandeln – wie sie es vor 1959 war.</p>



<p>Ein Sieg der USA in Kuba würde zudem einen weiteren Vormarsch der sogenannten Donroe-Doktrin bedeuten, also die Wiederherstellung der halbkolonialen Vorherrschaft der Vereinigten Staaten über den gesamten amerikanischen Kontinent. Auf dem Spiel steht nicht nur die kubanische Revolution – so bedeutend sie für die internationale Arbeiterbewegung auch ist –, sondern auch der gegenwärtige Vorstoss des US-Imperialismus, das zu unterwerfen, was er nichts anderes als seinen eigenen „Hinterhof“ betrachtet.</p>



<p>Aus diesem Grund schliessen wir uns den Stimmen unserer kubanischen Genossen an:<br><strong>Erhebe dich, Arbeiterbewegung der Welt – erhebe dich mit der kubanischen Revolution!</strong></p>



<p></p>
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		<title>NATO, EU und Bundeswehr raus aus Grönland! Nieder mit dem Imperialismus!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Die Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 16 Jan 2026 12:29:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Nordamerika]]></category>
		<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Weltgeschehen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der US-Imperialismus will Grönland annektieren. Die Merz-Regierung und ihre Freunde in Kopenhagen, Paris, Stockholm, Helsinki und Oslo sagen, dass die Grönländer selbst über ihr Schicksal entscheiden müssten, schicken aber Soldaten [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Der US-Imperialismus will Grönland annektieren. Die Merz-Regierung und ihre Freunde in Kopenhagen, Paris, Stockholm, Helsinki und Oslo sagen, dass die Grönländer selbst über ihr Schicksal entscheiden müssten, schicken aber Soldaten nach Grönland, um dessen Kolonialstatus zu verteidigen. Die Führung der Linkspartei kritisiert die militärische Reaktion: Anstelle Soldaten zu entsenden, solle die Merz-Regierung eine deutsche Botschaft auf Grönland eröffnen. Welche Position nehmen Kommunisten zu diesem Konflikt ein?</p>



<p><strong>Wieso wird über Grönland gestritten?</strong></p>



<p>Der Kampf um Besitz und Kontrolle Grönlands ist ein wesentlicher Teil des imperialistischen Kampfs um die Neuaufteilung der Erde zwischen den USA, den europäischen Mächten, China und Russland. In den letzten zwei Jahrzehnten ist ein intensiver <a href="https://derkommunist.de/spannungen-um-die-arktis-imperialisten-wetteifern-um-die-beute/">Kampf um die Kontrolle des Arktischen Ozeans</a> entbrannt.</p>



<p>Der Klimawandel lässt die Eiskappen schneller schmelzen. Die Imperialisten nutzen diese Katastrophe für die Menschheit, um ihre Profite in die Höhe zu schrauben. Es geht um Kontrolle über Rohstoffe und neue Handelswege sowie Vorteile im Wettrüsten.</p>



<p><strong>Trump macht ernst</strong></p>



<p>Trump erklärt das Interesse des US-Imperialismus an einer Annexion Grönlands damit, dass es ein zentraler Baustein der US-amerikanischen „Nationalen Sicherheit“ und „entscheidend“ für das Raketenabwehrsystem „Golden Dome“ sei. Vor allem würde die NATO „viel beeindruckender und wirksamer, wenn Grönland in den Händen der VEREINIGTEN STAATEN liegt“.</p>



<p>Seine Freunde auf der anderen Seite des Atlantiks lässt er wissen: „Alles andere ist inakzeptabel. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit in dieser Angelegenheit! Präsident DJT“.</p>



<p>Diese offene Drohung an die europäischen herrschenden Klassen macht er ihnen damit schmackhaft, dass „WENN WIR ES NICHT TUN, WERDEN ES RUSSLAND ODER CHINA TUN, UND DAS WIRD NICHT PASSIEREN!“ Also können sich die Europäer entscheiden, ob es „auf die leichte“ oder „auf die harte Art“ gehen soll.</p>



<p><strong>Europäer zwischen Heuchelei, Kriecherei und Panik</strong></p>



<p>Friedrich Merz (CDU) erklärt: „Wir teilen die amerikanischen Besorgnisse, dass dieser Teil Dänemarks besser geschützt werden muss“. Die Arktis müsse besser geschützt werden und er hoffe, „dass wir da zu einer einvernehmlichen Lösung innerhalb der Nato kommen.“</p>



<p>Hier zeigt sich der wahre Zustand der „Freundschaft“ zwischen den europäischen herrschenden Klassen: Am Ende ist sich jeder selbst der nächste und schaut nur auf die eigenen Vorteile und Interessen. Oder um die Bettelei des Kanzlers zu zitieren, nachdem die USA ihre neue Nationale Sicherheitsstrategie veröffentlichten: „Wenn Ihr mit Europa nichts anfangen könnt, dann macht wenigstens Deutschland zu eurem Partner“.</p>



<p>Der tonangebende Teil der deutschen herrschenden Klasse setzt darauf, die USA in der NATO zu halten, um weiterhin im Windschatten des „großen Bruders“ ein Gewicht in der Welt zu haben. Diese Liebedienerei ist es, wieso nun bald 5% des BIP für Aufrüstung ausgegeben werden und die Wehrpflicht de jure eingeführt wurde. Die europäischen Mächte ziehen aber auch aus demselben Grund den Ukrainekrieg in die Länge – gegen die Interessen der US-Regierung.</p>



<p><strong>Ein König und seine listigen Vasallen</strong></p>



<p>Dass weder Russland noch China einen Atomkrieg mit der NATO über Grönland riskieren würden, ist selbstredend. Es gibt keinen einzigen Beweis für Pläne dieser beiden Mächte, Grönland zu besetzen und zu annektieren. So ist auch die Darstellung des Verteidigungsministers Boris Pistorius (SPD), dass Russland und China in der Arktis „die Freiheit der Verkehrs-, Kommunikations- und Handelswege infrage“ stellen würden, nur ein Vorwand.</p>



<p>Sowohl die USA wie die europäischen Mächte verbreiten solche Szenarien, um davon abzulenken, dass es ihnen darum geht, selbst entscheidende Kontrolle über die Arktis zu erlangen oder zumindest an der Beute beteiligt zu werden. Aber auch, dass es um einen Interessenkonflikt zwischen den USA und den zweitrangigen europäischen Mächten geht.</p>



<p>In dem der US-Imperialismus darauf pocht, Grönland zu annektieren, will er das reale Kräfteverhältnis zwischen den USA und seinen sogenannten Verbündeten in der NATO richtigstellen: Die USA sind der König und die anderen sind die Vasallen. Alles andere ist inakzeptabel. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit in dieser Angelegenheit!</p>



<p><strong>Schamlose Heuchler</strong></p>



<p>Umso abgedroschener kommt die „Solidarität“ der europäischen Regierungen mit den Grönländern daher. Außenminister Johann Wadephul (CDU) erklärte, dass die Grönländer entscheiden, was mit Grönland geschehe, schließlich sei es „ihr Selbstbestimmungsrecht“, was „eine ganz klare internationale Rechtsregel“ sei.</p>



<p>Die Heuchelei dieser Worte lässt sich an den zehntausenden Toten und Millionen ausgebombten Palästinensern messen, sowie an den Ukrainern, Iranern, Syrern, Venezolanern und all den vielen anderen Nationen, die die westlichen Imperialisten in Armut, Hunger und Barbarei zwingen.</p>



<p>Aber halten wir uns lieber nicht zu lange bei solchen „komplexen“ Fragen auf – was verstehen wir einfachen Sterblichen schon von der aufopfernden „Drecksarbeit“, die zum „Schutze unserer Demokratie“ vom Westen und seinen Freunden tagtäglich geleistet wird – wie Merz uns erklärte als Israel den Iran bombardierte.</p>



<p><strong>Kleingeld</strong></p>



<p>Die Europäer und insbesondere <a href="https://derkommunist.de/daenische-kapitalisten-fuerchten-sich-ihre-arktische-kolonie-zu-verlieren/">Dänemark wollen Grönland als Kolonie behalten</a>, um bei der Aufteilung des Arktischen Ozeans mitzureden und sich selbst einen möglichst großen Teil des Kuchens in dieser Weltregion unter die Nägel zu reißen.</p>



<p>EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen (CDU) erklärte: „Ich möchte betonen, dass die Arktis und die Sicherheit in der Arktis für die Europäische Union zentrale Themen und von enormer Bedeutung sind“. Im Haushaltsentwurf habe die EU die finanzielle Unterstützung für Grönland (man Lese: für die europäischen Konzerne, die in Grönland aktiv sind und die Kolonie ausplündern) verdoppelt.</p>



<p>Der US-Imperialismus und die europäischen Mächte tragen ihren Interessenkonflikt auf dem Rücken der Grönländer aus. Herr Wadephul lässt uns nämlich wissen, dass die Grönländer vor allem eine Kolonie Dänemarks bleiben wollen würden. Und damit die Grönländer ihr „Selbstbestimmungsrecht“ auch richtig auslegen, schicken Dänemark, Frankreich, Schweden, Finnland, Norwegen und Deutschland Soldaten auf die Insel.</p>



<p>Ein Vorauskommando aus 13 Bundeswehrsoldaten soll bei seinem Einsatz die „Möglichkeiten einer Seeraum-Überwachung prüfen, vor allem rund um die grönländische Hauptstadt“. Hier zeigt sich der wahre Sinn der Aufrüstung und des Militarismus. Deutschland will, wie jede imperialistische Macht, Soldaten an den umkämpften Außengrenzen seines imperialistischen Einflussgebietes stationieren: Im Baltikum und Balkan, in Nahost und der Westsahara, aber auch auf Grönland oder im Indo-Pazifik.</p>



<p>Die Auslandseinsätze der Bundeswehr dienen nicht dem Schutz von „Demokratie“, sondern haben die Aufgabe die Interessen der deutschen Kapitalistenklasse (Unternehmen, Märkte, Rohstoffe) durchzusetzen, insbesondere gegen die Arbeiterklasse dieser Länder. Die Bundeswehr ist im Ausland immer eine Besatzungsmacht.</p>



<p>Die Leittragenden des imperialistischen Kampfes um Grönland sind die Grönländer, deren Selbstbestimmungsrecht von den europäischen Imperialisten mit den Füßen getreten wird. Die Grönländer erleiden das Schicksal zahlreicher kleiner Nationen: sie sind nur das Kleingeld im imperialistischen Geschacher.</p>



<p>Am Ende werden sie wie in den alten Tagen des Kolonialismus für kleine Zugeständnisse an den US-Imperialismus verkauft – zum „Schutz“ von „Demokratie“ und „Wohlstand“, werden uns später die europäischen Regierungen erklären.</p>



<p><strong>Führung der Linkspartei stützt den Imperialismus</strong></p>



<p>Jan van Aken, Vorsitzender der Linkspartei, hat die Position seiner Partei dargelegt: „Angesichts der ständigen unverhohlenen Drohungen Donald Trumps sollte die EU aktiv werden – nur Reden reicht angesichts der realen Gefahr nicht mehr. Deutschland kann zum Beispiel schnellstmöglich eine Botschaft in Grönland einrichten, die EU kann einen wichtigen Gipfel in Grönland ausrichten. Und wir sollten eine Debatte über mögliche Sanktionen gegen die USA beginnen, falls sie weiter mit Angriffen auf Grönland drohen.“</p>



<p>Diese Position unterscheidet sich nur in einer Sache von der Position der imperialistischen Mächte Europas. Jan van Aken möchte lieber einen Imperialismus, der „diplomatisch“ in Anzug und Krawatte daherkommt und Grönland als dänische Kolonie und Anspruchsgebiet der EU besetzt hält, statt „militaristisch“ im Flecktarn und mit Gewehr.</p>



<p>Zugleich vertritt er öffentlich sogar aggressiver die nationalistischen Interessen der europäischen Imperialisten als sie es sich trauen würden. Sanktionen sind praktisch eine Kriegserklärung gegen das sanktionierte Land. Gleichzeitig wären sie völlig impotent und selbstmörderisch, wie es auch die Sanktionen gegen Russland bereits sind.</p>



<p>Jan van Akens Position opfert jegliche internationale Solidarität für nationalistische Taktiererei in den Institutionen der „internationalen Gemeinschaft“, wie der EU oder der UN – eine der Lieblingsbeschäftigungen des rechten Flügels in der Linkspartei. Damit nimmt er seinen Parteimitgliedern, die gegen den Imperialismus kämpfen wollen, mal wieder eine Möglichkeit eine eigenständige Position der Arbeiterklasse gegen den Imperialismus zu formulieren. So bremst die Parteiführung den Kampf gegen Imperialismus und Militarismus aus.</p>



<p><strong>Linker Flügel in der Linkspartei</strong></p>



<p>Özlem Alev Demirel, außen- und friedenspolitische Sprecherin der Linkspartei im Europaparlament, nimmt eine deutlich bessere Position ein: „Grönland gehört den Menschen in Grönland. PUNKT! – nicht Donald Trump, nicht der EU oder sonst irgendwem. Nur die Menschen in Grönland müssen frei über ihre Zukunft sowie selbstbestimmt über die Ressourcen und Reichtümer des Landes entscheiden können.“</p>



<p>Von hier aus lässt sich eine eigenständige Position der Arbeiterklasse entwickeln. Damit diese aber auch aktiv von der Linkspartei vertreten werden kann, braucht es einen entschiedenen Kampf gegen den rechten Parteiflügel und seine pro-imperialistischen Positionen, die er hinter pazifistischen Vorzeichen zu verstecken versucht. Ziel muss sein, die Reformisten in der Linkspartei zu entmachten und zu verdrängen.</p>



<p>In der Palästina-Frage zeigen sich die reaktionären Folgen der reformistischen Positionen. Ihre Unterstützung der „Staatsräson“, d.h. des deutschen Imperialismus, sowie ihr Pochen auf die Interventionen der „internationalen Gemeinschaft“ und das wertlose „Völkerrecht“ haben die Partei gelähmt und die Palästina-Bewegung enorm geschwächt. Diese Tatsache wurde in den letzten zwei Jahren unwiderlegbar offengelegt.</p>



<p>Der Kampf gegen den Reformismus lässt sich nur gewinnen, wenn der sozialistische und antiimperialistische Flügel der Linkspartei, den Kampf gegen den Imperialismus in den Betrieben, Bildungseinrichtungen und Stadtteilen organisiert und so die Arbeiterklasse und Jugend auf die Straße mobilisiert – gegen den Widerstand der Reformisten. In der selbstständigen Aktivität der Massen liegt die Durchsetzungskraft sozialistischer Ideen.</p>



<p>Ein wichtiger Ausgangspunkt hierfür ist die keimende Schüler-Bewegung gegen die Wehrpflicht, die zu einem Klassenkampf gegen Imperialismus, Kürzungen und die Merz-Regierung ausgebaut werden sollte, in dem dieser Flügel der Linkspartei sein volles Gewicht in die Waagschale wirft.</p>



<p><strong>Welches Programm braucht die Bewegung?</strong></p>



<p>Wir revolutionäre Kommunisten kämpfen entschieden gegen den Imperialismus und beziehen einen unabhängigen proletarischen Klassenstandpunkt. Wir reichen jeder und jedem die Hand, die diesen Kampf ebenso ernsthaft führen wollen. Den Imperialismus und seine Schergen kann nur die internationale Solidarität der Arbeiterklasse bezwingen.</p>



<p>Unsere Position leitet sich von einem grundsätzlichen Standpunkt ab:</p>



<p>Grönland ist eine Kolonie Dänemarks. Dänemark sichert seine Herrschaft über Grönland durch die Unterstützung der anderen europäischen Imperialisten im Rahmen der EU und bisher auch gemeinsam mit den USA in der NATO ab.</p>



<p>Wir bekämpfen Imperialismus und Kolonialismus. Wir sagen, der Hauptfeind steht im eigenen Land! Deshalb kämpfen wir gegen den deutschen Imperialismus, gegen die NATO und die EU, beides imperialistische Werkzeuge der herrschenden Klasse hierzulande.</p>



<p>Wir unterstützen vorbehaltlos das Recht der Grönländer auf Selbstbestimmung, einschließlich des Rechts auf Abspaltung von Dänemark. Es ist allein ihre Sache, zu entscheiden, welche Beziehungen sie zu anderen Nationen unterhalten möchten, sei es zu den USA, Dänemark oder einem anderen Land.</p>



<p>Im Gegensatz zu den deutschen Kapitalisten hat die Arbeiterklasse in Deutschland kein Interesse daran, die Grönländer zu unterdrücken. Der beste Weg für die Arbeiterklasse und Jugend in Deutschland und Europa, den Kampf der Grönländer für ihre Freiheit zu unterstützen, ist der Kampf gegen unseren gemeinsamen Feind: die deutsche herrschende Klasse, der deutsche Imperialismus sowie die imperialistische EU und NATO.</p>



<p>Wenn der Kampf gegen den Imperialismus in Deutschland und Europa Früchte trägt, wird das ein Leuchtfeuer für die US-amerikanische Arbeiterklasse sein, ihre eigene herrschende Klasse zu stürzen. Die Arbeiterklassen in den USA wie auch in Europa, sind der imperialistischen Aggressionen und Abenteuer sowie ewig währender Kriege überdrüssig! Sie wollen ein Leben in Frieden und Wohlstand, statt Militarismus und ewiger Austerität!</p>



<p>Nur wenn die Arbeiterklasse den Kapitalisten die Macht in der Gesellschaft entreißt, können wir Imperialismus und Kolonialismus ein für alle Mal beenden.</p>



<p>Deshalb sagen wir:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Nieder mit der Merz-Regierung! Nieder mit Militarismus und Austerität!</li>



<li>Zieht die Bundeswehr aus Grönland und allen anderen Regionen der Welt ab!</li>



<li>Zerschlagt die Bundeswehr! Kein Mann, keine Frau, kein Cent für ihre Kriege!</li>



<li>Raus mit der NATO und der EU aus Grönland! Zerschlagt die NATO und die EU!</li>



<li>Für die Vereinigten Sozialistischen Staaten von Europa!</li>



<li>Friede den Völkern, Krieg den Milliardären!</li>
</ul>



<p></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Spannungen um die Arktis: Imperialisten wetteifern um die Beute</title>
		<link>https://derkommunist.de/spannungen-um-die-arktis-imperialisten-wetteifern-um-die-beute/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ylva Vinberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 16 Jan 2026 12:16:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nordamerika]]></category>
		<category><![CDATA[Weltgeschehen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://derkommunist.de/?p=6433</guid>

					<description><![CDATA[<p>[Dieser Artikel wurde zuerst am 16. Juli 2025 auf marxist.com veröffentlicht.] Trump hat Grönland im Visier, Putin stärkt Russlands Basis auf der Inselgruppe Spitzbergen und geht gleichzeitig neue Joint Ventures [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>[Dieser Artikel wurde zuerst am 16. Juli 2025 auf <a href="https://marxist.com/tensions-over-the-arctic-imperialists-race-to-grab-the-loot.htm">marxist.com </a>veröffentlicht.]</p>



<p>Trump hat Grönland im Visier, Putin stärkt Russlands Basis auf der Inselgruppe Spitzbergen und geht gleichzeitig neue Joint Ventures mit China in der gesamten Arktisregion ein. Die führenden imperialistischen Mächte der Welt konkurrieren darum, ihre Positionen in der Arktis zu stärken und drängen schwächere Nationen beiseite. Das Abschmelzen der arktischen Eiskappe infolge der globalen Erwärmung hat einen neuen Wettlauf um die Arktis entfacht.</p>



<p>Die Arktis ist seit langem eine Region von militärstrategischer Bedeutung. Während des Kalten Krieges betrachteten sowohl die USA als auch die Sowjetunion sie als eine wichtige Konfliktzone, da die Arktis die kürzeste Flugstrecke für potenzielle Raketen zwischen US-amerikanischem und russischem Territorium bietet.</p>



<p>Angesichts der zunehmenden Spannungen zwischen den imperialistischen Mächten und der globalen Erwärmung, die neue profitable Handels- und Plünderungsmöglichkeiten eröffnet, erreichen die Interessen der wichtigsten imperialistischen Mächte in der Arktis ein höheres Niveau als je zuvor. Wie Leif Terje Aunevik, Bürgermeister von Longyearbyen auf Spitzbergen, im Mai <a href="https://www.bbc.com/news/articles/cjwqn7z02plo">gegenüber der BBC erklärte</a>: „Ich glaube, die Welt ist von arktischem FOMO [Fear of Missing Out, Angst, etwas zu verpassen] erfasst worden.</p>



<p>Seit 1979 hat sich die Arktis fast viermal schneller erwärmt als der Rest der Erde. Wissenschaftler sagen voraus, dass der Arktische Ozean bis zum Sommer 2050 <a href="https://www.theguardian.com/world/2024/mar/05/ice-free-summers-in-arctic-possible-within-next-decade-scientists-say">oder sogar schon 2035 eisfrei sein könnte</a>. Da die Schmelzperioden länger werden, beschleunigt sich die globale Erwärmung, weil die dunkleren Flächen aus dünnerem Eis und offenem Meerwasser mehr Sonnenlicht absorbieren und so Wärme in der Atmosphäre festhalten.</p>



<p>Für normale Menschen bedeutet das eine Katastrophe: Der Anstieg des Meeresspiegels wird Küstenstädte überfluten und schließlich ganze Inselstaaten versenken. Katastrophale Wetterereignisse werden häufiger auftreten, und ganze Ökosysteme werden gefährdet sein.</p>



<p>Doch für die Kapitalisten bedeuten eisfreie arktische Gewässer, auftauender Permafrost und verschwindende Gletscher etwas ganz anderes. Die Aussicht auf zugängliche Vorkommen seltener Erden, unerschlossene Öl- und Gaslagerstätten und neue Fischgründe bedeutet, dass sich hier Geld verdienen lässt. Neue Schifffahrtswege in eisfreien Gewässern sind für Frachtmonopole besonders attraktiv.</p>



<p>Deshalb zeigte <a href="https://marxist.com/trump-s-empire-of-chaos-and-the-delusion-of-fortress-america.htm">Trump Interesse an Grönland</a>, wo 25 der 34 kritischen Rohstoffe vorkommen – und deshalb nehmen die Spannungen in der Polarregion zu.</p>



<p>Im Jahr 2021 veröffentlichte die US-Armee <a href="https://api.army.mil/e2/c/downloads/2021/03/15/9944046e/regaining-arctic-dominance-us-army-in-the-arctic-19-january-2021-unclassified.pdf">eine neue Arktisstrategie</a> mit dem Titel „Regaining Arctic Dominance“ und argumentierte, dass die USA sich „organisieren müssen, um in der Arktis zu siegen“, dass die Region „eine Wettbewerbsarena, eine Angriffslinie im Konflikt, ein lebenswichtiger Bereich mit zahlreichen… natürlichen Ressourcen und eine Plattform globaler Machtprojektion“ sei.</p>



<p>Ähnliche Aussagen wurden nicht nur von großen Akteuren wie China und Russland gemacht, sondern auch von arktischen Ländern wie Norwegen und Kanada. <a href="https://www.rcaanc-cirnac.gc.ca/eng/1562939617400/1562939658000#chp4">Kanada erklärte </a>2019, dass „die Arktisregion für die nationale Sicherheit und Verteidigung Kanadas von entscheidender Bedeutung ist“, und versprach, Maßnahmen zu ergreifen, um „seine Präsenz in der Arktis und im Norden zur Unterstützung der regionalen Sicherheit zu verstärken“. Im Jahr 2025 kündigte Kanada <a href="https://www.cbc.ca/news/politics/canada-arctic-troops-expansion-exercise-1.7535095">sein Ziel an</a>, „eine nahezu permanente militärische Präsenz in der Region“ zu haben.</p>



<p>Im Jahr 2020 <a href="https://www.rcinet.ca/eye-on-the-arctic/2020/04/20/norway-strengthens-its-arctic-military-in-new-defense-plan-as-security-concerns-grow-in-the-region/">erklärte das norwegische Verteidigungsministerium</a>: „Wenn Norwegen keine regelmäßige und vorhersehbare Präsenz im Norden hat, könnte sich ein Raum öffnen, den Verbündete oder andere füllen könnten &#8230; Eine solche Entwicklung könnte negative Folgen für die Stabilität haben, und Norwegen könnte seinen Einfluss auf die Sicherheitsentwicklung in seiner eigenen Nachbarschaft verlieren.“</p>



<p>Die Militärübungen in der Arktis haben in den letzten zehn Jahren erheblich zugenommen. Die NATO hat ihre militärischen Aktivitäten in der Arktis von 2015 bis 2020 verdoppelt. Gleichzeitig hat Russland mindestens 81% seiner Atomwaffen seiner Nordflotte zugewiesen.</p>



<p>In der Vergangenheit gab es zwar militärische Spannungen, aber dennoch hatten alle arktischen Länder einen gewissen Spielraum, um ihren eigenen Einflussbereich zu schaffen – selbst schwächere Nationen wie Norwegen und Dänemark. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion schien die Arktis fast eine konfliktfreie Zone zu sein. Wissenschaftler bezeichneten dies als „Arktischen Exzeptionalismus“ und gingen davon aus, dass es sich immer um ein Gebiet handeln würde, in dem alle Länder miteinander auskommen würden. Es gab eine intensive internationale Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern und Politikern in der Region; die Russen wurden akzeptiert, solange sie nicht als Bedrohung angesehen wurden, ebenso wie die Chinesen. In Wirklichkeit lag das daran, dass die USA zu dieser Zeit die einzige dominante Supermacht waren und niemand stark genug war, um sie herauszufordern.</p>



<p>Als Russland und China begannen, eine Bedrohung für die Vorherrschaft der USA darzustellen, hofften Länder wie Norwegen, Kanada und Dänemark, ihre Interessen in der Arktis durch ihr Bündnis mit den USA weiterhin sichern zu können. Doch nun ist Trump auf den Plan getreten und hat deutlich gemacht, dass die USA nicht mehr derselbe Verbündete und Freund sind wie in der Vergangenheit.</p>



<p>Damit ist die Ära des „arktischen Exzeptionalismus” endgültig vorbei. Die lukrativen Möglichkeiten, die sich in der Arktis eröffnen, machen sie zu einem der Hauptschauplätze für den Kampf zwischen den stärksten imperialistischen Mächten, während schwächere Nationen versuchen aufzuholen – und dabei scheitern.</p>



<p><strong>Russland: die wichtigste Supermacht in der Arktis</strong></p>



<p>Im Wettlauf um die Arktis liegt Russland weit vorne. Das liegt zum Teil an der Geografie. 20% der Landmasse Russlands liegen innerhalb des Polarkreises. Rund 53% der arktischen Küstenlinie gehören zu Russland, und rund 50% der arktischen Bevölkerung sind Teil der Russischen Föderation.</p>



<p>Russland verfügt dort aber auch über eine starke militärische Präsenz, die seit der Sowjetzeit besteht und in den letzten zehn Jahren erheblich ausgebaut wurde. Russland verfügt über eine der größten U-Boot-Flotten, darunter 16 atomgetriebene U-Boote mit ballistischen Raketen. Russland ist auch das einzige Land, das atomgetriebene Eisbrecher baut und betreibt und mindestens acht davon besitzt. Dies verschafft Russland einen großen Vorteil, da sie dickeres Eis durchbrechen können als dieselbetriebene Eisbrecher. Außerdem sind sie bei kaltem Wetter zuverlässiger und können jahrelang ohne Nachfüllen von Treibstoff betrieben werden.</p>



<p>Die Nordflotte, die auf der Halbinsel Kola östlich von Nordskandinavien im Gebiet Murmansk stationiert ist, ist die größte und mächtigste Flotte Russlands. Obwohl die US-Marine in Bezug auf Tonnage, technologische Ausgereiftheit und globale Reichweite die mächtigste der Welt ist, ist sie nicht in der Polarregion stationiert. Im Februar veröffentlichte <em>Popular Mechanics</em> <a href="https://www.popularmechanics.com/military/navy-ships/a63975726/us-vs-russia-icebreakers/">einen Artikel </a>mit dem Titel „Russland ist der US-Marine in der Arktis völlig überlegen. Das ist eine echte Bedrohung für Amerika”. (<em>Russia Is Absolutely Crushing the U.S. Navy in the Arctic. That’s a Real Threat to America</em>)</p>



<p>Der Artikel weist darauf hin, dass Russland etwa 40 Eisbrecher betreibt, während die USA nur einen einzigen besitzen, der bereits 49 Jahre alt ist. Und obwohl Trump Pläne zum Bau von „vierzig großen Eisbrechern für die Küstenwache. <em>Richtig Große</em>.“ angekündigt hat, ist dies leichter gesagt als getan. Tatsächlich haben die USA Schwierigkeiten, die ersten drei Eisbrecher fertigzustellen, und leiden seit langem unter einem Defizit an Eisbrechern und in der Schiffbauindustrie im Allgemeinen.</p>



<p>Es ist klar, dass die Drohungen, Kanada und Grönland zu annektieren, mit der Absicht ausgesprochen wurden, Amerikas Ambitionen in der Arktis zu demonstrieren. Letztendlich muss dies jedoch durch eine echte Fähigkeit zur Sicherung der amerikanischen Interessen untermauert werden.</p>



<p>In Europa sieht es jedoch noch düsterer aus. Hier sind die Seestreitkräfte der zweitrangigen imperialistischen Mächte nicht einmal ansatzweise mit denen der USA, Chinas und Russlands vergleichbar – das Gleiche gilt für ihre militärischen Fähigkeiten im Allgemeinen.</p>



<p>Colin Wall, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Center for Strategic and International Studies in Washington, räumte ein, dass „derzeit das militärische Gleichgewicht in der Arktis stark zugunsten Russlands verschoben ist“. Militärexperten im Westen schätzen, dass es mindestens zehn Jahre militärischer Investitionen erfordern würde, bis die NATO-Staaten in der Arktis mit <a href="https://www.reuters.com/graphics/ARCTIC-SECURITY/zgvobmblrpd/">den russischen Fähigkeiten in der Region gleichziehen könnten</a>.</p>



<p>Aber selbst das ist eine unglaublich optimistische Prognose. Bereits 2022 überstieg die Zahl der russischen Militärstützpunkte innerhalb des Polarkreises die der NATO um etwa ein Drittel. Dies ist keine Überraschung, da Russland seit langem in seine militärischen Fähigkeiten in dieser Region und anderswo investiert. Seit 2005 hat Russland Dutzende von Militärstützpunkten aus der Sowjetzeit in der Arktis wiedereröffnet, seine Marine modernisiert und neue Hyperschallraketen entwickelt, die US-Sensoren und -Verteidigungssysteme umgehen sollen.</p>



<p>Und es geht nicht nur um militärische Fähigkeiten. Russland entwickelt sein Arktis-LNG-Projekt und baut neue Anlagen auf der Halbinsel Gydan an der sibirischen Küste der Karasee, die nach ihrer Fertigstellung 9% zur weltweiten Produktion von Flüssigerdgas beitragen könnten. Das Land hat in Häfen, Infrastruktur und Schiffe investiert, um die Nordostpassage zu erschließen und zu schützen. All dies hat bei den anderen arktischen Ländern große Besorgnis ausgelöst.</p>



<p>Als der Krieg in der Ukraine ausbrach, nutzte der Westen das als Gelegenheit, alle Beziehungen zu Russland abzubrechen, um das Land zu isolieren und zu schwächen. Im März 2022 beschlossen sieben der acht Mitglieder des Arktischen Rates – Schweden, Kanada, Norwegen, Finnland, Island, Dänemark und die USA – künftige Ratssitzungen zu boykottieren, wodurch der Rat für Monate praktisch lahmgelegt wurde. Dies geschah während der Amtszeit Russlands als Vorsitzland. Später versuchten sie, ihn unter dem Vorsitz Norwegens ohne russische Beteiligung wieder aufzunehmen. Darauf folgte der Beitritt Finnlands und Schwedens zur NATO, was bedeutete, dass nun alle Länder des Rates außer Russland Teil des NATO-Blocks waren.</p>



<p>Das hat Russland jedoch nicht davon abgehalten, seine Streitkräfte in der Region weiter aufzubauen. Tatsächlich haben die letzten Jahre Russland nur dazu veranlasst, immer mehr seiner Streitkräfte in der Arktis zu konzentrieren. Nach Ausbruch des Krieges in der Ukraine wurde die Nutzung des Schwarzen Meeres für die russische Flotte zu riskant, und seit 2022 hat die Türkei russischen Kriegsschiffen die Einfahrt ins Schwarze Meer untersagt, wodurch Russlands Einsatzmöglichkeiten seiner Schwarzmeerflotte weiter eingeschränkt wurden. Nach dem Beitritt Schwedens und Finnlands zur NATO ist auch die Ostsee für Russland zu einer viel unzuverlässigeren wirtschaftlichen und militärischen Wasserstraße geworden. Daher war es für Russland ein logischer Schritt, seine Streitkräfte in der eisigen Barentssee zu konzentrieren.</p>



<p>Anstatt Russland zu isolieren und sein Streben nach Kontrolle über die Region zu schwächen, haben die NATO-Staaten Russland nicht nur dazu gedrängt, seine Streitkräfte in der Arktis zu verstärken, sondern auch zu einer engeren Beziehung zu China, was wiederum China den Zugang zur Arktis in einem viel größeren Ausmaß als zuvor eröffnet hat.</p>



<p><strong>Das Bündnis zwischen Russland und China</strong></p>



<p>China hat seine Präsenz in der Polarregion in den letzten zehn Jahren schrittweise ausgebaut. Im Jahr 2013 erhielten sie Beobachterstatus im Arktischen Rat und errichteten Forschungseinrichtungen auf Spitzbergen, Island und in der nordschwedischen Stadt Kiruna. Im Jahr 2018 legten sie noch einmal nach und <a href="https://english.www.gov.cn/archive/white_paper/2018/01/26/content_281476026660336.htm">veröffentlichten ein Weißbuch</a>, in dem sie ihre Strategie für die Arktis darlegten, sich selbst als „nahe der Arktis gelegenen Staat“ definierten und ihr Ziel verkündeten, eine „Polare Seidenstraße“ für arktische Schifffahrtsrouten zu bauen.</p>



<p>Im Jahr 2024 schickten sie ihre ersten drei Eisbrecher in die arktischen Gewässer und kündigten Pläne an, ein bemanntes Tauchboot zum arktischen Meeresboden zu schicken, womit sie nach Russland das zweite Land wären, das dies erreicht.</p>



<p>Die engeren Beziehungen zu Russland haben es China ermöglicht, seine Ambitionen in der Region viel schneller voranzutreiben und dort eine regelmäßige Präsenz aufzubauen. Seit 2022 haben China und Russland mehrere gemeinsame Militärübungen und Grenzpatrouillen in der Polarregion durchgeführt.</p>



<p>Chinesische Unternehmen unterstützen Russland auch bei der Entwicklung seiner arktischen LNG-Projekte auf der Halbinsel Jamal im Nordwesten Sibiriens – die im vergangenen Jahr ein <a href="https://www.highnorthnews.com/en/russias-arctic-yamal-lng-gas-plant-saw-record-287-cargo-loadings-2024">Rekordjahr bei den Frachtladungen </a>verzeichnete – und beim LNG-2-Projekt, das derzeit auf der Halbinsel Gydan gebaut wird. Obwohl Sanktionen den Bau der neuen Anlage verzögert haben, konnte sie dank chinesischer Investitionen fortgesetzt werden. Das chinesische Unternehmen Wison New Energies <a href="https://www.highnorthnews.com/en/russia-continues-working-sanctioned-arctic-lng-2-wison-power-modules-installation-and-gas-flaring">lieferte im vergangenen Jahr Kraftwerksmodule</a> an LNG 2, obwohl es sich offiziell aus dem Projekt zurückgezogen hatte.</p>



<p>Derzeit entwickeln sie die Nordostpassage entlang der russischen Küste. Im Juli 2023 wurde offiziell ein regelmäßiger chinesisch-russischer Schifffahrtskorridor entlang der arktischen Seewege eingerichtet. In diesem Jahr [2025] erreichten 80 Fahrten mit Frachtschiffen, Kreuzfahrtschiffen und Öltankern <a href="https://www.gisreportsonline.com/r/china-arctic-russia/">chinesische Häfen über die arktische Wasserstraße</a>. Es wird erwartet, dass dies bis 2050 die meistgenutzte Schifffahrtsroute zwischen Asien und Europa sein wird, da sie die Transportzeit im Vergleich zur Schifffahrt durch den Suezkanal um etwa 50% verkürzt. Um dies auszubauen, plant Russland den Bau eines Tiefwasserhafens in Archangelsk und einer daran angeschlossenen Eisenbahnstrecke <a href="https://www.thebarentsobserver.com/arctic/new-barents-sea-port-and-500-km-railway-link-could-help-connect-asia-with-the-arctic/117314">mit chinesischen Investoren</a>.</p>



<p>Der größte Teil der Nordostpassage liegt innerhalb der ausschließlichen Wirtschaftszone Russlands, und obwohl sie für die Schifffahrt aller Länder offen ist, müssen diese die russischen Vorschriften einhalten, Genehmigungen einholen und von russischen Eisbrechern eskortiert werden.</p>



<p>Die USA versuchen, das anzufechten, mit dem Argument, dass es sich um internationale Gewässer handeln sollte. Es wird jedoch schwierig sein, Russland die Kontrolle über die Route zu entreißen, da es Russland und China sind, die sie tatsächlich ausbauen. Sie sind es, die Häfen entlang der russischen Küste errichten, und sie sind es, die begonnen haben, die Route zu nutzen. Kommerzielle Reedereien aus Russland und China haben bereits umfangreiche Erfahrungen mit dem Betrieb in dieser Region gesammelt. Das bedeutet, dass sie einen enormen Vorsprung haben.</p>



<p>Im August 2023 veröffentlichte das U.S. Naval Institute <a href="https://www.usni.org/magazines/proceedings/2023/august/build-coalition-northern-sea-route-security">einen Aufsatz</a> darüber, wie die USA Russland in Bezug auf die Nordostpassage herausfordern könnten. Er bestand aus einer langen Wunschliste für Investitionen seitens der Regierung. Die Autoren stellten die tatsächlichen Kräfteverhältnisse ganz offen dar: „Nachdem die Küstenwache mit einem Verhältnis von russischen zu US-amerikanischen Eisbrechern von 3,6:1 gescheitert ist, muss sie nun einen Transit mit einem Verhältnis von fast 20:1 in Betracht ziehen. Es werden mehr Kapazitäten und bessere Eisbrecher benötigt.“</p>



<p>Der vernichtende Bericht stellte fest, dass „eine vergrößerte US-Eisbrecherflotte allein notwendig, aber nicht ausreichend sein wird, um den Anforderungen dieses neuen Sicherheitsparadigmas gerecht zu werden“.</p>



<p>Seit Trump wieder an der Macht ist, hat er einen anderen Ansatz als frühere Regierungen verfolgt. In den Verhandlungen über den Ukraine-Krieg hat er versucht, mit Putin eine Einigung zu erzielen, um aus dem Ukraine-Krieg auszusteigen und die Auswirkungen der harten Politik von Biden und den Europäern, die Russland näher an China herangerückt hat, rückgängig zu machen. Trumps Hoffnung war, dass es einfacher wäre, sich gegen die chinesische Konkurrenz zu behaupten, wenn er Russland von China losreißen könnte. Aber wie viele von Trumps Plänen war auch dieser bisher eher erfolglos.</p>



<p>Selbst wenn Trump viele der Sanktionen gegen Russland aufheben würde, wäre das keine Garantie dafür, dass er einen Keil zwischen Russland und China treiben könnte. In der Arktis arbeiten sie bei so vielen verschiedenen Projekten eng zusammen, dass es unglaublich schwierig wäre, sie voneinander zu trennen. Und sowohl aus russischer als auch aus chinesischer Sicht würde dies keinen Sinn machen, da ihre Zusammenarbeit für beide Seiten von Vorteil ist.</p>



<p>Solange die USA nicht bereit sind, einzusteigen und in gleichem Umfang zu investieren, macht es für Russland keinen Sinn, sich in größerem Umfang von China zu distanzieren. Gerade durch große chinesische Investitionen ist Russland in der Lage, seine Öl- und Gasindustrie auszubauen und Handelswege zu entwickeln.</p>



<p>Genau dieses Problem hatte die Biden-Regierung in Bezug auf Lateinamerika. Nach Trumps erster Amtszeit, in der er versucht hatte, lateinamerikanische Länder mit harter Hand zur Unterwerfung zu zwingen, versuchte Biden einen anderen Ansatz. Mit seiner B3W-Initiative bot er Investitionen an, um diese Länder von Chinas Neuen Seidenstraße (Belt and Road Initiative, BRI<strong>) </strong>abzuwerben. Die angebotenen Investitionen waren jedoch <a href="https://www.cfr.org/backgrounder/china-influence-latin-america-argentina-brazil-venezuela-security-energy-bri">einfach zu gering, um eine echte Alternative darzustellen</a>.</p>



<p>Für China bedeutet die Zusammenarbeit mit Russland, dass es seinen Einfluss in der Arktis viel schneller und auf einer viel stabileren Grundlage ausbauen kann, während die meisten Europäer bei fast jedem Schritt auf Widerstand stoßen.</p>



<p><strong>Chinesische Investitionen: ein Angebot, das schwer abzulehnen ist</strong></p>



<p>China ist jedoch nicht nur über Russland in der Arktis aktiv. In den letzten 15 Jahren haben die chinesischen Investitionen in der gesamten Region mehr oder weniger überall zugenommen. Island ist eines der wichtigsten Länder, mit denen China Beziehungen geknüpft hat.</p>



<p>Im vergangenen Jahr <a href="https://nationalsecurityjournal.org/iceland-chinas-trojan-horse-in-europe/">forderte der ehemalige Pentagon-Beamte Michael Rubin Donald Trump auf, gegen China in der Arktis vorzugehen</a>, insbesondere in Bezug auf Island: „Für Strategen in Peking ist Island jedoch das perfekte Trojanische Pferd, das China Zugang zur Arktis, zum Atlantik, zu Europa und zur NATO verschafft. Vielleicht kann Trump dafür entschuldigt werden, dass Island während seiner ersten Amtszeit unter seinem Radar geblieben ist, aber es kann keinen Zweifel mehr an Chinas Ambitionen auf der Insel und Islands Nachsicht gegenüber chinesischem Geld und strategischen Vorstößen geben. Es ist an der Zeit, mit Island hart zu verhandeln, bis es erkennt, dass chinesisches Geld die Kosten für die Gefährdung der Sicherheit im Nordatlantik und in der Arktis nicht aufwiegt.“</p>



<p>Obwohl Island Mitglied der NATO ist, hat es sich zunehmend zwischen den USA und China positioniert, was sich in seiner Haltung gegenüber Chinas BRI zeigt. Bei einem offiziellen Besuch in Island im Jahr 2019 dankte der damalige US-Vizepräsident Mike Pence dem Land dafür, dass es sich nicht der BRI angeschlossen hatte. Dies wurde jedoch schnell von der isländischen Regierung zurückgewiesen, die erklärte, dass sie noch keine Entscheidung getroffen habe. Sechs Jahre später ist noch immer keine Entscheidung gefallen.</p>



<p>Während des Kalten Krieges war Island ein wichtiger Militärstützpunkt für den amerikanischen Imperialismus. Seit 2006 gibt es dort jedoch keine permanenten amerikanischen Militärstützpunkte oder Soldaten mehr. Und obwohl es an NATO-Militärübungen teilgenommen und Sanktionen gegen Russland verhängt hat, hat es sich auch China angenähert.</p>



<p>Nach der Krise von 2008, die zum Zusammenbruch der drei größten Banken Islands führte, griff China ein, um von der schweren Wirtschaftskrise des Landes zu profitieren. Im Jahr 2010 unterzeichneten sie ein Währungsswap-Abkommen im Wert von 480 Millionen Dollar, das es Island ermöglichte, chinesische Importe mit der isländischen Krone zu bezahlen. Das Abkommen wurde 2013 und 2016 verlängert. Im Jahr 2013 unterzeichneten sie ein Freihandelsabkommen. Im Jahr 2018 eröffnete China eine Forschungseinrichtung im Norden Islands und im Jahr 2020 eine vierstöckige Botschaft in Reykjavik mit Platz für 500 Mitarbeiter, die damit die mit Abstand größte Botschaft des Landes ist.</p>



<p>An anderen Orten wurde China bisher zurückgewiesen. Als es versuchte, in den Bau von Flughäfen in Grönland zu investieren, schalteten sich die USA ein, um dies zu verhindern. Sehr zum Ärger der Machthaber in Washington hätte die dänische Regierung beinahe die Baurechte an die Chinesen abgetreten, die direkt mit der grönländischen Regierung in Verhandlungen getreten waren. In einer kleinen diplomatischen Krise zwischen Dänemark und der ersten Regierung unter Donald Trump sprang der damalige dänische Ministerpräsident mit einem Koffer voller Geld in das erste Flugzeug nach Grönland, um China daran zu hindern, dort Fuß zu fassen.</p>



<p>Auch in Norwegen hat die chinesische Reederei Cosco versucht, einen Vertrag mit dem Hafen in Kirkenes abzuschließen, wurde jedoch bislang von der norwegischen Regierung blockiert, die sich vor dem wachsenden Einfluss Chinas hütet. Norwegen hat kürzlich neue Gesetze verabschiedet, die die Übertragung von Eigentum oder Unternehmen verbieten, die „norwegischen Sicherheitsinteressen“ schaden könnten.</p>



<p>Die lokalen Entscheidungsträger in Kirkenes, insbesondere der Hafendirektor Terje Jørgensen, kämpfen jedoch gegen die Regierung, um chinesische Investitionen zu sichern. Der Vorstandsvorsitzende Terje Hansen <a href="https://www.nrk.no/tromsogfinnmark/north-norwegian-port-manager-welcomes-controversial-chinese-shipping-giant-to-the-arctic-1.17005205">erklärte gegenüber norwegischen Medien</a> im vergangenen Jahr, dass „wenn ein chinesisches Unternehmen mit uns Handel treiben möchte, wir dies auf jeden Fall zulassen werden“ und dass sie weiterhin um Cosco werben werden, „es sei denn, die Zentralbehörden hindern uns daran“. Die lokalen Führungskräfte von Kirkenes sind verzweifelt auf der Suche nach Arbeitsplätzen, da die Schließung der Bergwerke zu einem Bevölkerungsrückgang geführt hat und junge Menschen die Stadt verlassen.</p>



<p>Dies ist eines der vielen Dilemma für Nordeuropa. Einerseits spüren sie die Konkurrenz durch die stärkeren imperialistischen Länder und werden dazu gedrängt, sich für eine Seite zu entscheiden. Andererseits brauchen sie Investitionen. Mit der Zeit wird die Schwäche von Ländern wie Norwegen, Schweden und Dänemark in der Arktis spürbar werden.</p>



<p><strong>Der Fall Spitzbergen</strong></p>



<p>Norwegische Politiker äußern nicht nur Bedenken über den wachsenden Einfluss Chinas. Die Stärkung Russlands hat zu noch mehr Aufruhr geführt, insbesondere wegen seiner Aktivitäten auf Spitzbergen – der Inselgruppe, die an der Schnittstelle zwischen Arktischem Ozean und Atlantik liegt, 600 Kilometer vom norwegischen Festland und 1.000 Kilometer vom Nordpol entfernt.</p>



<p>Spitzbergen steht seit 1920, als der Spitzbergenvertrag unterzeichnet wurde, unter norwegischer Herrschaft. Dies wurde von den Siegern des Ersten Weltkriegs unterstützt, insbesondere von Großbritannien, zu dem Norwegen sehr enge Beziehungen unterhielt.</p>



<p>Der Spitzbergenvertrag garantierte jedoch auch Bürgern und Unternehmen aller Unterzeichnerstaaten gleiche Rechte für die Ausübung kommerzieller Aktivitäten auf den Inseln, wie Bergbau, Fischerei, Jagd und maritime Aktivitäten. Spitzbergen wurde zu einer visumfreien Zone für alle Unterzeichnerstaaten, sodass Bürger dieser Länder das Recht haben, sich dort ohne Visum aufzuhalten und zu arbeiten. Das bedeutet, dass heute mehr als ein Drittel der Einwohner Spitzbergens keine Norweger sind und dass andere Länder – insbesondere Russland – sich hier leichter eine Basis schaffen können.</p>



<p>In der Praxis war Spitzbergen, obwohl es unter norwegischer Gerichtsbarkeit stand, während des größten Teils des 20. Jahrhunderts ein gemeinsames Territorium der Sowjetunion und Norwegens. Bergbauunternehmen aus den Niederlanden, den USA und Schweden verkauften in den 1920er und 1930er Jahren den größten Teil ihrer Minen entweder an die Sowjetunion oder an Norwegen.</p>



<p>Während Russland jedoch weiterhin sein Kohlebergwerk in Barentsburg betreibt und in die Umwandlung seiner ehemaligen Bergbaustadt Pyramiden in eine Touristenattraktion investiert hat, schließt Norwegen nun sein letztes Bergwerk in Longyearbyen. Anstatt von norwegischen Bergleuten bevölkert zu sein, hat sich Longyearbyen zu einer Stadt für Wissenschaftler aus aller Welt entwickelt.</p>



<p>Russland hingegen hat seine militärische Präsenz verstärkt und plant den Bau eines Forschungszentrums in Pyramiden, für das es Investitionen aus China und anderen BRICS-Ländern anstrebt.</p>



<p>Die norwegischen Regierungen haben die Schließung der Kohlebergwerke als Kosteneinsparungsmaßnahme betrachtet, da diese nie wirklich rentabel waren. Gleichzeitig ermöglicht es der Regierung, sich in Bezug auf die Klimakrise als grün und fortschrittlich zu präsentieren&#8230; während sie gleichzeitig zwei Millionen Barrel Öl pro Tag fördert. Das bedeutet aber auch, dass weniger Norweger auf der Insel leben werden, was Norwegens territorialen Anspruch schwächt.</p>



<p><a href="https://atmos.earth/the-worlds-northernmost-coal-mine-closing-is-good-news-right/">Darauf wies</a> Brede Edvardsen, stellvertretender Vorsitzender des norwegischen Norwegischer Arbeiterverbands, hin: „Ich glaube, dass sie [die norwegische Regierung] sich der Rolle, die das Bergbauunternehmen Store Norske und damit der norwegische Staat im geopolitischen Kontext spielen, nicht bewusst sind. Der Kohlepreis war in den letzten 100 Jahren immer Schwankungen unterworfen, und langfristig haben wir damit nie Geld verdient. Das ist aber nicht der Grund, warum sie Kohle abgebaut haben. Es ging darum, unsere Souveränität zu wahren &#8230; Norwegen konnte seine Position in Spitzbergen dank des Bergbaus behaupten, weil wir dort tatsächlich etwas tun.“</p>



<p>Norwegen versucht, seinen Einfluss mit anderen Mitteln geltend zu machen. Im vergangenen Jahr verabschiedete die norwegische Regierung ein neues <a href="https://www.highnorthnews.com/en/new-svalbard-white-paper-affirms-norwegian-jurisdiction-svalbard">Weißbuch zu Spitzbergen</a>, in dem sie ihr Ziel verkündete, die norwegische Kontrolle über die wissenschaftliche Forschung auf Spitzbergen zu verstärken.</p>



<p>Norwegen strebt auch die Kontrolle über den künftigen Tiefseebergbau außerhalb der Inselgruppe an. Im Jahr 2020 registrierten norwegische Wissenschaftler Mineralien auf dem Meeresboden in der Nähe von Spitzbergen mit einem geschätzten Wert <a href="https://www.highnorthnews.com/en/vast-mineral-deposits-near-svalbard">von fast 100 Milliarden US-Dollar</a>. Dies wird jedoch von Russland, Island, den Niederlanden, Spanien und Großbritannien angefochten, die argumentieren, dass die gleichen Zugangsrechte des Spitzbergenvertrags auch den Festlandsockel umfassen sollten.</p>



<p>Dies weist auf eines der Hauptprobleme für die schwächeren arktischen Länder hin. Nach Trumps Machtantritt verkündeten europäische Politiker lautstark, dass sie geschlossen auftreten würden. In Wirklichkeit tun sie dies jedoch nicht. Auch andere europäische Länder sind daran interessiert, Norwegens Anspruch auf Spitzbergen zu schwächen. Seit Jahren gibt es zwischen der EU und Norwegen (das kein EU-Mitglied ist) anhaltende Streitigkeiten über Fischereirechte. Norwegen stößt auch auf Widerstand seitens der EU, wenn es darum geht, weiter nördlich nach Öl zu bohren.</p>



<p>Gleichzeitig haben sich die sogenannten „Arktischen Fünf“ – die USA, Kanada, Norwegen, Russland und Dänemark (über Grönland), die alle direkt an den Arktischen Ozean grenzen – oft getroffen und Entscheidungen getroffen, ohne die anderen Länder des Arktischen Rates einzubeziehen. Während Norwegen manchmal daran interessiert ist, in Bezug auf Russland Unterstützung von Schweden und Finnland zu erhalten, schließt es diese Länder auch gerne aus, wenn es dadurch einen größeren Einfluss unter den Hauptakteuren in der Region gewinnt.</p>



<p>Keines der schwächeren Länder in der Arktis kann sich allein gegen die Konkurrenz aus Russland, China oder den USA behaupten. Selbst wenn sie sich zusammenschließen – wie sie es taten, als sie Russland aus der arktischen Zusammenarbeit ausschlossen –, können sie die Großmächte auf der Weltbühne nicht davon abhalten, auf ihre Kosten voranzukommen.</p>



<p><strong>Das tatsächliche Kräfteverhältnis</strong></p>



<p>Die schwächeren arktischen Länder tun derzeit ihr Möglichstes, um zu beweisen, dass sie die Interessen ihrer herrschenden Klassen in der Region verteidigen können. Es findet eine NATO-Militärübung nach der anderen statt. <a href="https://www.highnorthnews.com/en/nato-secretary-generals-visit-norway-increased-focus-high-north-within-alliance">Mark Rutte besuchte im Mai Nordnorwegen</a> und sprach darüber, dass „wir immer mehr gemeinsam tun“ und dass „die NATO sich zunehmend damit befasst, wie wir all diese Bemühungen am besten koordinieren können“.</p>



<p>Doch ohne die Unterstützung der USA werden sie nicht in der Lage sein, China und Russland viel Widerstand zu leisten. Deshalb mussten die europäischen und kanadischen Politiker, nachdem sie Trump wegen der Zölle, Grönland und dem Krieg in der Ukraine lautstark kritisiert und mit Phrasen um sich geworfen hatten, letztendlich doch einknicken und sich auf dem letzten NATO-Gipfel Trumps Forderungen beugen. Sie konnten die USA nicht dazu bewegen, Russland zu verurteilen, und sie erklärten sich bereit, ihre Verteidigungsausgaben auf 5% zu erhöhen.</p>



<p>Aber es ist eine Sache, sich verbal zu etwas zu verpflichten, und eine andere, es tatsächlich umzusetzen. Die meisten dieser Länder haben massive Staatsschulden. Diejenigen, die keine haben, wie Dänemark und Schweden, haben massive Haushaltsschulden, die eine starke Erhöhung der Staatsverschuldung sehr riskant machen.</p>



<p>Und es ist nicht nur eine Frage der Finanzierung. Sie brauchen Regierungen, die dies umsetzen können. Die europäischen Regierungen haben jahrzehntelang Kürzungen vorgenommen und behauptet, dass einfach kein Geld für Schulen, Krankenhäuser, Pflegeheime usw. vorhanden sei. Jetzt versprechen sie plötzlich enorme Summen für Militärausgaben. Politiker finden es bereits immer schwieriger, Sparmaßnahmen durchzuführen und wiedergewählt zu werden. Die wachsende Opposition gegen die Ausgaben für den Krieg in der Ukraine, während der Lebensstandard der Arbeiter unter Sparmaßnahmen und Inflation sank, war ein entscheidender Faktor für den Machtantritt von Trump und den Aufstieg von Parteien wie der AfD und Reform UK.</p>



<p>Und die europäischen Länder, die sich einen Teil der Arktis sichern oder ihren bereits vorhandenen Anteil verteidigen wollen, müssen nicht nur ihre Verteidigungsausgaben massiv erhöhen. Sie brauchen auch eine Industrie, die dies unterstützt. Nicht nur die US-amerikanische Schiffbauindustrie befindet sich in der Krise. Während über 70% der neuen Schiffbauaufträge im Jahr 2024 an chinesische Unternehmen gingen, die sich damit einen weltweiten Marktanteil von 55,7% sicherten, ist der Marktanteil Europas gemessen an der sogenannten „Compensated gross tonnage“ (CGT, Maß für den Schiffbau) auf etwa 7% und wertmäßig auf etwa 16% zurückgegangen.</p>



<p>Die Realität ist, dass die schwächeren arktischen Länder einfach nicht mächtig oder wettbewerbsfähig genug sind, um ihre frühere Position zu verteidigen. Lenin bemerkte vor über 100 Jahren zur Epoche des Imperialismus: „Die Welt hat sich zum erstenmal als bereits aufgeteilt erwiesen, so daß in der Folge <em>nur noch</em> Neuaufteilungen in Frage kommen“. Die Arktis wird derzeit neu aufgeteilt.</p>



<p>Schwedische, norwegische oder kanadische Politiker mögen sich darüber beschweren, dass die chinesische Forschung in der Arktis „nur ein Vorwand für die Sammlung von Informationen“ sei, während ihre eigene Forschung dem „Schutz der Eisbären“ diene. Sie können behaupten, dass Xi Jinping, Putin oder Trump böse Imperialisten seien, die die Arktis wegen ihrer natürlichen Ressourcen plündern wollten, während sie selbst nur in der Arktis seien, um die Gletscher oder die Interessen der Sami und Inuit zu schützen. Dabei wird die lange Geschichte der brutalen <a href="https://www.marxist.ca/article/canadian-state-literally-built-on-the-bones-of-indigenous-people">Unterdrückung der indigenen Bevölkerung durch Kanada</a>, <a href="https://marxist.dk/de-stjalne-gronlandske-born-et-morklagt-kapitel-af-dansk-kolonialisme/">der Inuit Grönlands durch Dänemark</a> oder der Sami durch Schweden, Norwegen und Finnland einfach ignoriert.</p>



<p>Die Wahrheit ist, dass alle Nationen, die in der Arktis tätig sind oder tätig werden wollen, dies aus dem gleichen Grund tun – wegen der Gewinne, die ihre nationale Bourgeoisie aus den Reichtümern erzielen kann, die durch die Klimakrise verfügbar werden. Die Europäer und Kanadier jammern nur, weil sie nicht stark genug sind, um der Konkurrenz durch die stärkeren imperialistischen Mächte entgegenzuwirken.</p>



<p>Keiner von ihnen hat auch nur das geringste Interesse an den tatsächlichen Interessen der Menschen oder Tiere, die in der Arktis leben, noch kümmern sie sich darum, wie die zunehmenden kommerziellen Aktivitäten in der Arktis die Klimakrise beschleunigen werden. Der einzige Weg, die Arktis vor imperialistischer Ausbeutung zu retten, ist die vollständige Abschaffung des Kapitalismus durch die Machtübernahme der Arbeiterklasse, in der Arktis und darüber hinaus.</p>
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		<title>Zohran Mamdani gewinnt: Wie geht es weiter im Kampf gegen die Milliardäre?</title>
		<link>https://derkommunist.de/zohran-mamdani-gewinnt-wie-geht-es-weiter-im-kampf-gegen-die-milliardaere/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Revolutionary Communists of America]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Nov 2025 17:05:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nordamerika]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Wahl von Zohran Mamdani zum Bürgermeister von New York City ist einer der bedeutendsten Siege eines sozialistischen Kandidaten in der Geschichte der Vereinigten Staaten. In der „Hauptstadt des Kapitalismus“ [&#8230;]</p>
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<p>Die Wahl von Zohran Mamdani zum Bürgermeister von New York City ist einer der bedeutendsten Siege eines sozialistischen Kandidaten in der Geschichte der Vereinigten Staaten. In der „Hauptstadt des Kapitalismus“ – der größten Stadt des mächtigsten imperialistischen Landes der Welt – stimmten über eine Million Menschen für einen selbsternannten demokratischen Sozialisten, was die New York Times zutreffend als „Welle der Unzufriedenheit mit dem Establishment“ bezeichnete.</p>



<p>Die Bedeutung dieses politischen Erdbebens kann kaum überschätzt werden. Seit Bernie Sanders 2015 seine erste Präsidentschaftskampagne startete, haben sozialistische Ideen Einzug in die amerikanische Arbeiterklasse gehalten. Aber Zohrans Sieg ist eines der deutlichsten Zeichen für den enormen Wandel im Massenbewusstsein, der sich in den letzten zehn Jahren vollzogen hat.</p>



<h3 class="wp-block-heading">„Demokratischer Sozialismus“ ist Mainstream geworden</h3>



<p>Vor nur neun Monaten war Zohran mit einem Umfragewert von 1 % noch ein nahezu Unbekannter. Doch seine Forderungen nach einer Mietbremse für regulierte Wohnungen, kostenlosen Bussen, bezahlbarer Kinderbetreuung und Supermärkten im Eigentum der Stadt – ganz zu schweigen von seiner Opposition gegen Israels Völkermords im Gazastreifen – fanden schnell breite Unterstützung. Er baute eine starke Basis von 42.000 freiwilligen Unterstützern auf, die ihm zu einem sensationellen&nbsp;<a href="https://communistusa.org/zohran-mamdani-stuns-establishment-is-this-a-step-toward-a-socialist-nyc/">Sieg in den Vorwahlen der Demokraten</a>&nbsp;über den Favoriten des Establishments – der schlussendlich von Trump unterstützt wurde – Andrew Cuomo verhalf.</p>



<p>Seitdem ist seine Unterstützerbasis auf 104.000 Menschen angewachsen. Gemeinsam klopften sie im Vorfeld der Wahlen an drei Millionen Türen und tätigten 4,4 Millionen Telefonate. Die New Yorker Sektion der Democratic Socialists of America (DSA) – die rund 10.000 Mitglieder in der ganzen Stadt hat, inklusive Zohran selber – bildete das Rückgrat dieser Unterstützerbasis.</p>



<p>Letztendlich war Cuomos 40 Millionen Dollar schwere Kampagne, mit ihren ständigen Angriffen gegen Mamdani im Fernsehen und im Radio, kein Gegner für Zohran. Er konnte die Wut von Millionen von New Yorkern aus der Arbeiterklasse über die steigenden Lebenskosten, die absurde Vermögensungleichheit und die abscheulichen Verbrechen Israels mit Unterstützung des US-Imperialismus kanalisieren und auf dieser Grundlage eine große Zahl von freiwilligen Helfern mobilisieren.</p>



<p>Zohran gewann die Stimmen vieler Angestellter, aber auch die&nbsp;<a href="https://www.nytimes.com/interactive/2025/11/05/nyregion/nyc-mayor-election-results-mamdani-cuomo.html">Mehrheit der einkommensschwachen Stadtteile</a>. Dazu gehörte auch der Sieg in einem großen Teil der Bronx, wo mehr als ein Viertel der Einwohner in Armut lebt.</p>



<p>Laut der Mamdani-Kampagne erklärten sich 6.568 Menschen spontan bereit, sich für ihn ehrenamtlich zu engagieren, nachdem sie von Wahlhelfern angesprochen worden waren. Weitere 8.389 Menschen erklärten sich nach Telefonanrufen bereit, mitzuarbeiten. Das zeigt, wie groß die Begeisterung für einen Kandidaten ist, der als echter Kämpfer für diejenigen angesehen wird, denen lange Zeit eine politische Stimme verwehrt blieb. Vor allem betonte sein Programm die Notwendigkeit, „die Lebenskosten für die Arbeiterklasse in New York zu senken“.</p>



<p>Das Etikett „demokratischer Sozialist“ war kein zufälliger Faktor, sondern ein zentraler Bestandteil von Zohrans Erfolg. Eine CNN-Wahltagsbefragung ergab, dass&nbsp;<a href="https://www.cnn.com/election/2025/exit-polls/new-york-city/general/mayor/0">85 %</a>&nbsp;der Wähler (ca. eine Million) von Mamdani sich selbst als „demokratische Sozialisten“ betrachten. Insgesamt identifizierten sich 25 % der New Yorker Wähler mit diesem Label. Davor ging aus einer&nbsp;<a href="https://www.politico.com/news/2025/09/15/is-socialism-going-mainstream-a-new-poll-suggests-it-might-be-00564167">Umfrage vom September</a>&nbsp;hervor, dass bundesweit 74 % derjenigen, die sich als wahrscheinliche Demokraten-Wähler sehen, „demokratischen Sozialismus“ als den Begriff ansehen, der ihrer politischen Sichtweise am nächsten kommt.</p>



<p>Zohran gewann außerdem:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>65 % der Erstwähler bei einer Bürgermeisterwahl</li>



<li>59 % der Mieter</li>



<li>59 % der Befragten, die angaben, dass ihre Familien finanziell zurückfallen</li>



<li>66 % der Wähler, die angaben, dass die Lebenskosten das wichtigste Thema für New York sind</li>



<li>33 % der Wähler, die angaben, dass sie eine negative Meinung von der Demokratischen Partei haben</li>



<li>65 % der Wähler, die eine negative Meinung von beiden Parteien haben</li>



<li>76 %, die angaben, dass die Ablehnung von Trump ein Grund für ihre Stimmabgabe war</li>



<li>9 % der Menschen, die letztes Jahr für Trump gestimmt haben, und 9 % der selbsternannten MAGA-Wähler</li>
</ul>



<p>All das bestätigt, was die Revolutionäre Kommunistische Internationale seit Trumps Wiederwahl im letzten Jahr&nbsp;<a href="https://marxist.com/the-meaning-of-donald-trump-a-marxist-analysis.htm">sagt</a>: Die US-amerikanische Arbeiterklasse ist nicht im grundlegenden Sinne „nach rechts gerückt“. Vielmehr treibt die&nbsp;<a href="https://communistusa.org/where-is-america-going/">Krise des amerikanischen Kapitalismus</a>&nbsp;und vor allem die Krise der US-Wirtschaft die Arbeiter in die Arme von&nbsp;<em>Anti-Establishment-Politikern</em>, die bereit sind, den Status quo in Frage zu stellen.</p>



<p>Der zunehmende Reiz des linken und rechten Populismus ist ein verzerrtes Spiegelbild der verzweifelten Suche nach Lösungen für die Probleme, mit denen alle Arbeiter konfrontiert sind. In diesem Fall sehen wir eine besondere Situation, in der ein selbsternannter Sozialist innerhalb der kapitalistischen Demokratischen Partei kandidiert, da es in den USA keine Massenarbeiterpartei gibt.</p>



<p>In einer Stadt, in der zionistische Demokraten seit Jahrzehnten das Sagen haben, ist die Wahl von Zohran auch ein wichtiger Sieg für die Solidaritätsbewegung mit Palästina. Tatsächlich wurde Zohrans Forderung, Benjamin Netanjahu als Kriegsverbrecher zu verhaften, sollte er nach New York zurückkehren – von den bürgerlichen Medien als absurde Idee abgetan – von&nbsp;<a href="https://www.semafor.com/article/07/28/2025/poll-new-york-dems-side-with-mamdani-on-israel-netanyahu">63 %</a>&nbsp;der Wähler in den Vorwahlen unterstützt.</p>



<p>In seiner&nbsp;<a href="https://jacobin.com/2025/11/zohran-mamdani-election-victory-speech">Siegesrede</a>, die er mit einem Zitat des großen amerikanischen Sozialisten Eugene Debs begann, versprach Zohran, seine kühnen Versprechen einzulösen:</p>



<p><em>„Wenn wir in 58 Tagen das Rathaus betreten, werden die Erwartungen hoch sein. Wir werden sie erfüllen. Ein großer New Yorker hat einmal gesagt, dass man im Wahlkampf mit Poesie wirbt, aber mit Prosa regiert. Wenn das wahr sein muss, dann soll sich die Prosa, die wir schreiben, dennoch reimen, und wir eine strahlende Stadt für alle bauen. Und wir müssen einen neuen Weg einschlagen, der ebenso mutig ist wie der, den wir bereits gegangen sind.</em></p>



<p><em>Der Hausverstand würde euch schließlich sagen, dass ich weit davon entfernt bin, der perfekte Kandidat zu sein. Ich bin jung, trotz meiner Bemühungen, älter zu werden. Ich bin Muslim. Ich bin demokratischer Sozialist. Und das Schlimmste von allem: Ich weigere mich, mich für irgendetwas davon zu entschuldigen.“</em></p>



<p>Vor dreißig Jahren wäre das alles in den USA absolut undenkbar gewesen. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion erklärte die amerikanische herrschende Klasse triumphierend, der Sozialismus gehöre der Vergangenheit an. Aber es war ein Pyrrhussieg. Wir leben heute in einer völlig anderen Welt. Alle noch bestehenden Vorurteile, dass die amerikanische Arbeiterklasse irgendwie unempfänglich für sozialistische Ideen sei, können endgültig ad acta gelegt werden. Es ist ganz offensichtlich, dass sozialistische Politik in diesem Land wieder auf der Tagesordnung steht.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Der Kampf hat erst begonnen</h3>



<p>Unmittelbar nach Bekanntwerden seines Wahlsiegs berichteten die Medien von ausgelassenen Feierlichkeiten in überfüllten Bars in Brooklyn und Queens. Die New Yorker DSA veröffentlichte ein triumphales Plakat mit der Aufschrift „<a href="https://www.instagram.com/p/DQqKE7iEaV_/?img_index=1">Der Sozialismus siegt</a>“.</p>



<p>Zohrans Wahl ist zweifellos ein symbolischer Sieg gegen den Kapitalismus und den Zionismus. Aber jetzt ist nicht die Zeit, sich zurückzulehnen. Die Realität ist, dass&nbsp;<em>der echte Sozialismus noch nicht gesiegt hat</em>. Es steht ein langer, harter Kampf gegen die Kapitalisten New Yorks und die gesamte herrschende Klasse der USA bevor.</p>



<p>Seit seinem Sieg bei den Vorwahlen im Juni drohen die Bosse mit einem Kapitalstreik gegen ein von Zohran geführtes New York. Trump hat angedeutet, dass er der Stadt Bundesmittel vorenthalten werde. Die Gouverneurin des Bundesstaates New York, Kathy Hochul – eine Demokratin, die Zohran zögerlich unterstützt hat, um sich Einfluss zu verschaffen – hat immer wieder angedeutet, dass sie jede neue Steuer für Reiche blockieren werde. Unterdessen hat die bürgerliche Presse Hunderte von Artikeln veröffentlicht, in denen Zohran verleumdet und angegriffen wird.</p>



<p>Der Druck der Demokratischen Partei, der bürgerlichen Medien, der 300.000 Mann starken Stadtverwaltung sowie der Vermieter und Kapitalisten wird von nun an nur noch zunehmen. Cuomo mag zwar besiegt worden sein, aber Hunderte hochrangiger Stadtbeamter bleiben auf ihren Posten und werden unter einem Bürgermeister Zohran weiterhin für die Interessen der Kapitalisten und Vermieter kämpfen.</p>



<p>Zohran Mamdani ist allem Anschein nach von dem aufrichtigen Wunsch motiviert, die Lebenskosten für normale Menschen zu senken. Aber die Geschichte zeigt, dass gute Absichten nicht ausreichen, um die Gesellschaft zu verändern. Um erfolgreich zu sein, brauchen wir ein wissenschaftliches Verständnis davon, wie die kapitalistische Gesellschaft funktioniert und mit welcher Art von Feind wir es zu tun haben. Aus diesem Grund hat sich die RCA stets gegen Sozialisten ausgesprochen, die als Demokraten kandidieren – einer institutionellen Partei des Klassenfeindes. Wir feiern zwar gemeinsam mit der Mehrheit der New Yorker Arbeiterklasse die Niederlage des Establishment-Kandidaten, konnten aber Zohran nicht unterstützen, solange er für die Demokratische Partei kandidierte.</p>



<p>Zohran begibt sich auf feindliches Terrain und braucht eine ernsthafte Strategie, um erfolgreich zu sein. Zunächst einmal sollte er seine eigenen früheren Aussagen über die Ziele der sozialistischen Bewegung im Hinterkopf behalten. Wie er 2021 auf einer YDSA-Konferenz sagte:</p>



<p><em>„Der Zweck dieses gesamten Projekts besteht nicht nur darin, das Klassenbewusstsein zu schärfen, sondern den Sozialismus zu erkämpfen. Und natürlich ist die Schärfung des Klassenbewusstseins ein wichtiger Teil davon. Aber wir müssen sicherstellen, dass wir Kandidaten haben, die das sowohl verstehen als auch bereit sind, dafür einzutreten … Wir müssen weiterhin mehr Sozialisten wählen. Und wir müssen sicherstellen, dass wir uns für unseren Sozialismus nicht entschuldigen.“</em></p>



<p>Zohran hatte vollkommen Recht, als er das sagte. Die gesamte Geschichte beweist, dass Schwäche gegenüber dem Klassenfeind nur zu Aggressionen einlädt. Nur eine Strategie des mutigen, kompromisslosen Klassenkampfs – die sich ausschließlich auf die Stärke der Arbeiterklasse stützt – kann erfolgreich sein.</p>



<p>Allerdings muss gesagt werden, dass Zohran seinen eigenen Rat bisher nicht befolgt hat. Seit den Vorwahlen im Juni haben die Kapitalisten alles daran gesetzt, ihn zu zügeln, und in einer Reihe von Treffen hinter verschlossenen Türen hat Zohran ihnen freundlich Gehör geschenkt. Wie das&nbsp;<em>New York Times Magazine</em>&nbsp;im Oktober ausführlich&nbsp;<a href="https://www.nytimes.com/2025/10/14/magazine/zohran-mamdani-mayor-new-york.html">berichtete</a>:</p>



<p><em>„[Seit Juni] hat Mamdani eine Art zweite Vorwahl durchgeführt, indem er sich heimlich mit einflussreichen Persönlichkeiten der Stadt getroffen hat, um Unterstützung zu gewinnen und seine Hauptkonkurrenten auszuschalten … Einiges davon wurde berichtet. Das meiste jedoch nicht.</em></p>



<p><em>Seit Monaten trifft sich Mamdani privat mit ehemaligen Führungskräften der Stadtverwaltung, Geschäftsleuten, Leitern von New Yorker Kunst- und Kulturinstitutionen und skeptischen lokalen Demokraten. Die Gespräche werden als Kennenlerngespräche mit dem neuen politischen Star dargestellt. Aber sie dienen auch einem doppelten Zweck, wie Personen mit Kenntnis der Gespräche berichten. In ihnen hat Mamdani versucht, sich als eine neue Art von Linkem zu präsentieren, als jemand, der zuhört, seine Schwächen versteht und bereit ist, sich weiterzuentwickeln. Er hat seinen Mangel an Managementerfahrung eingeräumt und um Rat gefragt. Er hat nach Gemeinsamkeiten gesucht …</em></p>



<p><em>Robert Wolf, Mitglied der Partnership for New York City und wichtiger Spendensammler für die Demokratische Partei, sagte, er würde jetzt mit dem Kandidaten schreiben und dass er so zu einem informellen Pulsmesser für die Finanz- und Geschäftswelt der Stadt geworden sei. Wolf traf sich diesen Monat auch für eine Stunde mit Mamdani in dessen Wahlkampfbüro, als persönliche Fortsetzung eines einstündigen Zoom-Meetings im August.</em></p>



<p><em>‚Zohran ist für mich eher ein progressiver Kapitalist‘, sagte Wolf und fügte hinzu, dass er durch ihre privaten Gespräche davon überzeugt sei, dass Mamdani die Bedeutung eines florierenden Privatsektors in seinem New York verstehe.“</em></p>



<p>Die&nbsp;<em>Financial Times</em>&nbsp;<a href="https://www.ft.com/content/92bf9fba-dc24-4384-9e84-a6f63473eb2f">berichtete</a>&nbsp;am Vorabend der Wahlen ähnliches:</p>



<p><em>„Mamdani hat seit den Vorwahlen hart daran gearbeitet, seine Sympathien zu verbreitern und den New Yorkern zu beweisen, dass er kein Hitzkopf ist. Er hat sich intensiv um Wählergruppen bemüht, die seiner Kampagne zunächst feindlich gegenüberstanden, wie beispielsweise Großunternehmen und die Wall Street.</em></p>



<p><em>Anfangs schreckte er die vermögende Elite ab, indem er versprach, die Steuern für die reichsten Einwohner und Unternehmen New Yorks zu erhöhen. Er schlug eine Steuer von 2 % auf Einkommen über 1 Million Dollar vor, die 4 Milliarden Dollar an Steuereinnahmen generieren würde, sowie eine Erhöhung des Körperschaftsteuersatzes des Bundesstaates auf 11,5 % – das gleiche Niveau wie im benachbarten New Jersey –, was jährlich etwa 5 Milliarden Dollar einbringen würde.</em></p>



<p><em>Seit den Vorwahlen sei seine Botschaft jedoch ‚viel differenzierter geworden‘, sagt Kathryn Wylde, Leiterin von Partnership for New York City, einer Interessenvertretung, die einige der größten Arbeitgeber des privaten Sektors der Stadt vertritt.“</em></p>



<p>Sich mit dem Klassenfeind einzulassen, ist ein gefährliches Spiel. Der Druck, der während dieser Treffen hinter verschlossenen Türen auf ihn ausgeübt wurde, hat bereits dazu geführt, dass Zohran einen Rückzieher gemacht hat.</p>



<p>Im Sommer gelobte er, seine Anhänger davon „abzubringen”, den Slogan „Globalize the Intifada” zu verwenden, entschuldigte sich in einer geschlossenen Sitzung vor einer großen Gruppe von NYPD-Beamten für seine Äußerungen während der George-Floyd-Unruhen 2020 und deutete stillschweigend an, dass eine Mietbremse nach vier Jahren möglicherweise&nbsp;<a href="https://www.nytimes.com/2025/07/23/nyregion/mamdani-socialists-dsa.html">überdacht</a>&nbsp;werden müsse.</p>



<p>Außerdem versicherte er „Wirtschaftsgranden“, dass er nicht darauf fixiert sei, die Reichen zu besteuern, und dass er offen dafür sei, seine Programme durch Ausgabenkürzungen zu finanzieren. Darüber hinaus hat er deutliche Andeutungen gemacht, dass er die milliardenschwere Erbin Jessica Tisch als Polizeichefin behalten werde.</p>



<p>Ex-Präsident Barack Obama selbst rief Zohran im Sommer zweimal an. Nachdem er seine Kampagne gelobt hatte, gab Obama Berichten zufolge Ratschläge, welche Art von „Infrastruktur“ Zohran für seine Regierungsarbeit vorbereiten müsse, und bot ihm an, in Zukunft als Berater für seine Vorschläge zur Verfügung zu stehen.</p>



<p>In seinem letzten Amtsjahr genehmigte Obama ein zehnjähriges Militärhilfepaket in Höhe von&nbsp;<a href="https://obamawhitehouse.archives.gov/the-press-office/2016/09/14/fact-sheet-memorandum-understanding-reached-israel">38 Milliarden Dollar</a>&nbsp;für Israel, das später dazu verwendet wurde, Zehntausende Menschen in Gaza zu töten. Er ist kaum ein würdiger Berater für einen Kandidaten, der vor allem aufgrund seiner Unterstützung für die Rechte der Palästinenser gewonnen hat.</p>



<p>Obama und der Rest der herrschenden Klasse wollen, dass Zohran nach „ihren Regeln“ spielt – Regeln, die von den Kapitalisten geschrieben wurden, um ihren Reichtum und ihre Macht zu sichern. Zohran täte gut daran, die „Ratschläge“ dieser bewährten Feinde der Arbeiterklasse völlig zu ignorieren und ihnen zu misstrauen. Die Arbeiter haben keinerlei Gemeinsamkeiten mit diesen Leuten und absolut nichts von ihnen zu lernen. Leute wie Barack Obama, Kathy Hochul, Chuck Schumer, Patrick Gaspard, Sally Susman und ihresgleichen sollten verächtlich behandelt und von Zohrans Wirken weit ferngehalten werden. Wenn die Kapitalisten „Kennenlerngespräche“ mit Zohran führen wollen, dann soll es so sein, aber diese Treffen sollten vollständig öffentlich sein.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Klassenkämpferische Taktik ist notwendig</h3>



<p>Im Oktober bezeichnete die New York Times Zohran als „gut ausgebildeten und wohlerzogenen Sohn von Intellektuellen aus Manhattan“ und bemerkte anerkennend, dass er „zuhört, Fragen stellt und freundlich ist“, während er „den Wirtschaftsführern keine Vorträge hält, sondern ihre Standpunkte aufnimmt und manchmal verspricht, über ihre Argumente nachzudenken“.</p>



<p>Aber die Kapitalistenklasse ist ein skrupelloser und entschlossener Feind. Sie versteht, dass ihre Interessen denen der Arbeiterklasse diametral entgegenstehen. Sie lässt sich nicht „bezaubern“, nicht mit Vernunft überzeugen und auch nicht auf andere Weise dazu bewegen, echte Reformen zu unterstützen, weil Reformen einfach nicht in ihrem Klasseninteresse liegen. In unserer Zeit kann nur ein entschlossener Klassenkampf ernsthafte Zugeständnisse erringen.</p>



<p>Wie alle Reformisten versucht Zohran, „allen alles recht zu machen“, indem er der Arbeiterklasse substanzielle Reformen verspricht und gleichzeitig den Kapitalisten versichert, dass ihre Profite safe sind. Das wäre eine Sache, wenn sich der Weltkapitalismus in einer allgemeinen Aufschwungphase befände, wie es von 1946 bis 1973 der Fall war. Aber in einer Epoche des kapitalistischen Niedergangs ist das einfach nicht möglich.</p>



<p>Vor dem Hintergrund einer globalen Überproduktionskrise verliert der US-Imperialismus seinen Vorsprung gegenüber dem aufstrebenden chinesischen Imperialismus. Die Kapitalisten betrachten selbst geringfügige Eingriffe in ihre Gewinne als ernsthafte Belastung. Darüber hinaus würde die Zulassung substanzieller Reformen das Risiko bergen, die Arbeiterklasse zu ermutigen, für mehr zu kämpfen – der Appetit kommt mit dem Essen. Es gibt bereits Berichte, dass die Entscheidungsträger der Wall Street „<a href="https://www.nytimes.com/2025/11/05/business/wall-street-mamdani-victory.html">den nächsten Schritt planen</a>“. Die herrschende Klasse wird Zohrans Programm – so mild und „vernünftig“ es auch sein mag – mit allen Mitteln bekämpfen.</p>



<p>Um die Bibel zu zitieren: „Niemand kann zwei Herren dienen.“ In seinem Bestreben, seine Reformen umzusetzen und der sozialistischen Bewegung zu einem echten Fortschritt zu verhelfen, sind Zohrans einzige verlässliche Verbündete die Arbeiter und Jugendlichen, die ihn zum Bürgermeister gemacht haben. Zohran hat die Demokraten wiederholt als „unsere Partei“ bezeichnet. Aber aus der Sicht der Arbeiterklasse und der sozialistischen Bewegung ist es nicht „unsere“ Partei. Es ist&nbsp;<em>ihre</em>&nbsp;Partei – die Partei der Kapitalisten –, und dieses Verständnis ist entscheidend für den Erfolg.</p>



<p>Die Kapitalisten erhöhen den Druck auf Mamdani. Durch seine Kandidatur für die kapitalistische Demokratische Partei hat er sich in eine Zwickmühle gebracht. Aber es ist noch nicht zu spät, mit diesem politischen Rahmen komplett zu brechen und seine Kampagne in ein Epizentrum für einen umfassenden Klassenkampf zu verwandeln.</p>



<p>Es gab noch nie einen besseren Zeitpunkt, um mit den Demokraten zu brechen und eine klassenunabhängige Arbeiterpartei aufzubauen.</p>



<p>Zohran, eine landesweit bekannte Persönlichkeit, wurde zum Bürgermeister der größten Stadt der USA gewählt. Hinter ihm steht eine Armee von Freiwilligen, die einen ernsthaften Kampf gegen die Milliardäre führen wollen. Mit einem einzigen Instagram-Video könnte er seine 100.000 Freiwilligen und fünf Millionen Follower dazu aufrufen, eine neue politische Partei zu gründen, die völlig unabhängig von den Demokraten ist. Eine solche Partei wäre nicht nur ein Wahlkampfinstrument, sondern würde einen ernsthaften Kampf der Arbeiterklasse organisieren.</p>



<p>Angesichts des Hasses, den Millionen von Menschen gegenüber beiden bürgerlichen Parteien empfinden, würde sich dies wie ein Lauffeuer in allen großen Städten des Landes verbreiten und die Grundlage für eine Massenarbeiterpartei in den USA bilden. Die Bewegung kann in New York beginnen, aber damit die Arbeiterinnen und Arbeiter gewinnen können, muss sie sich landesweit ausbreiten. Jetzt ist es an der Zeit für Mut und Kühnheit – die ganze Welt schaut zu! Die Neinsager werden argumentieren, dass ein solcher Kurs „unrealistisch“ sei. Unrealistisch ist jedoch die Vorstellung, dass durch die Partei der Clintons, Bidens und Cuomos irgendwelche bedeutenden Veränderungen herbeigeführt werden könnten.</p>



<p>Bei der Zusammenstellung seiner Regierung sollte Zohran sich ausschließlich auf die Reihen der DSA und anderer Basisorganisatoren aus seiner Wahlkampagne stützen und die Versuche des demokratischen Establishments, sich hinein zu schummeln, ignorieren. Er sollte sich verpflichten, nur das Gehalt eines durchschnittlichen Arbeiters zu akzeptieren, und die oberste Stadtverwaltung sollte dasselbe tun.</p>



<p>Die Verwaltung sollte sich nicht als eine spezifisch New Yorker Einrichtung verstehen, sondern als Dreh- und Angelpunkt eines nationalen Kampfes gegen die gesamte US-amerikanische Kapitalistenklasse. Die Probleme, mit denen die Arbeiter in New York konfrontiert sind, sind dieselben Probleme, die die Arbeiter im ganzen Land bedrücken: niedrige Löhne, schwindende Jobs, unerschwingliche Wohnkosten, teure Lebensmittel und Gesundheitsversorgung usw.</p>



<p>Ein öffentlicher Bruch mit jeglicher Verbindung zur Demokratischen Partei und ein Appell an die Arbeiterklasse von New York und der gesamten USA würde einen großen Beitrag zur Bekämpfung der reaktionären Spaltungen im „Kulturkampf“ leisten, unter denen die amerikanischen Arbeiter leiden. Auf dieser Grundlage wäre es möglich, einen bundesweiten Kampf zu führen: für bezahlbaren Wohnraum mit einer Mietobergrenze von 10 % des Einkommens, für gut bezahlte, gewerkschaftlich organisierte Jobs zum Wiederaufbau der Infrastruktur; für einen kostenlosen öffentlichen Nahverkehr; für bezahlbare Kinderbetreuung und ein hochwertiges staatliches Gesundheitssystem.</p>



<p>Es steht viel auf dem Spiel. Wenn Zohran den Weg der Klassenzusammenarbeit weitergeht, wird er unweigerlich gezwungen sein, seine Basis zu verraten, unabhängig davon, was er selber will. Sollte das geschehen, werden die bürgerlichen Medien alle Probleme des Kapitalismus in New York City – Obdachlosigkeit, Arbeitslosigkeit usw. – als unvermeidliche Folgen des „Sozialismus“ hervorheben. Das könnte die Idee des Sozialismus insgesamt in Verruf bringen.</p>



<p>Wenn Zohran hingegen diese Gelegenheit nutzt, um einen kompromisslosen Kampf gegen die Kapitalistenklasse zu führen, könnte die sozialistische Bewegung die US-Politik auf den Kopf stellen. Nicht hinter verschlossenen Türen stattfindende Treffen mit den Kapitalisten, sondern Streiks, Massendemonstrationen und Generalstreiks in New York City, Albany und im ganzen Land sind der Weg in die Zukunft.</p>



<p>Die Genossinnen und Genossen der Revolutionary Communists of America werden sich mitten in diesen Kämpfen befinden und an der Seite unserer Klasse kämpfen. Wir freuen uns darauf, mit Zohrans Anhängern in New York City und im ganzen Land über den weiteren Weg zu diskutieren, und werden weiterhin unsere Perspektiven dafür anbieten, wie die Bewegung um Zohran erfolgreich sein kann. Wir werden jedes entschlossene Handeln unterstützen und die Rückschritte kritisieren. Wir sind zuversichtlich, dass, solange wir aus der Vergangenheit lernen, die Blütezeit der sozialistischen und kommunistischen Bewegung in Amerika in naher Zukunft liegt.</p>
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		<title>USA: „Big Beautiful Bill“ bereitet Krise der Staatsfinanzen vor </title>
		<link>https://derkommunist.de/usa-big-beautiful-bill-bereitet-krise-der-staatsfinanzen-vor/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Niklas Albin Svensson]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 Jul 2025 06:00:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nordamerika]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
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<p>In den letzten Wochen ist das Haushaltsdefizit der US-Regierung stark in den Fokus gerückt. Trumps „One Big Beautiful Bill Act“ soll das Defizit nach der Verlängerung der Steuersenkungen für Spitzen- und Mittelverdiener aus Trumps erster Amtszeit bei 6-7% des BIP halten. Gleichzeitig bleibt die Inflation über dem Zielwert, auch wenn sie gegenüber ihrem Höchststand nach der Pandemie zurückgegangen ist. Dies hat Banken, Versicherungsgesellschaften, Pensionsfonds und andere hinsichtlich künftiger Investitionen beunruhigt. </p>

<p>Der Gesetzentwurf kommt vor allem den reichsten Amerikanern zugute. Die ärmsten 10% werden durchschnittlich 1.600 Dollar verlieren, vor allem aufgrund des Verlusts des Zugangs zu medizinischer Versorgung. Die reichsten 10% werden 12.000 Dollar gewinnen. </p>

<p>Die Folgen des Gesetzes spiegeln die Widersprüche in der Trump-Regierung wider. Dies ist einer der Gründe für den massiven Streit zwischen Elon Musk, der den eher libertären Flügel der Regierung vertritt, und Trump, dem es an der gleichen Bereitschaft zum Kürzen mangelt. </p>

<p>Musk will weitreichendere Kürzungen und ganz sicher keine Aufrechterhaltung des massiven Defizits. Die Republikaner selbst haben jahrelang für eine Senkung des Defizits gekämpft. Bei der Tea-Party-Bewegung, dem Vorläufer von Trumps Bewegung, ging es ausschließlich darum, die Staatsverschuldung und das Defizit durch Kürzungen zu reduzieren. Musk teilt diese Ansicht. </p>

<p>Der größte Teil des US-Staatshaushalts dient jedoch als Sicherheitsnetz für die Armen und gleicht die erbärmlichen Löhne aus, von denen ein Teil der Arbeiterklasse leben muss. Dies hat erhebliche Auswirkungen auf einige Regionen, in denen die Republikaner gewählt werden. Die Republikaner und Trump, die jetzt an der Regierung sind, sind nicht besonders daran interessiert, arme Amerikaner aus der Arbeiterklasse anzugreifen. </p>

<p>Die Kürzungen, die der Gesetzentwurf vorsieht, sind im Vergleich zum Gesamtbudget sehr gering, bedeuten aber dennoch, dass Millionen von Amerikanern den Zugang zu medizinischen Leistungen verlieren werden. Zweifellos spüren die republikanischen Kongressabgeordneten den Druck der Arbeiterklasse, und das ist der Grund für ihre Zurückhaltung, einen umfassenden Angriff auf diese Schicht zu starten. </p>

<p>Während die Kürzungen für eine ganze Schicht der Arbeiterklasse zu groß sind, sind sie für die Kreditgeber der US-Regierung zu gering. Das ist der Widerspruch, in dem sich die US-Regierung befindet. Und sie sind nicht die Einzigen. </p>

<h3><strong>Wie Zentralbanken Regierungen finanziert haben</strong> </h3>

<p>Seit 2007 häufen Regierungen Schulden an, als gäbe es kein Morgen. Von 64% des BIP (dem Wert der US-Produktion in einem Jahr) ist die Staatsverschuldung der USA inzwischen auf 120% gestiegen. In Großbritannien ist die Verschuldung von 36% auf 100% gestiegen, in Frankreich von 69 auf 97%. Und das trotz Inflation und einem gewissen Wirtschaftswachstum. </p>

<p>Seit den 1980er Jahren haben sich Widersprüche in der Weltwirtschaft aufgebaut, da Produktivitätssteigerungen nicht mit Lohnsteigerungen einhergingen. Die Arbeiter wurden immer mehr ausgebeutet und unter Druck gesetzt, d.h. die Ausbeutungsrate stieg massiv an. </p>

<p>Im Ergebnis wurde es immer schwieriger, Konsumenten zu finden, die der steigenden Produktionskapazität der Industrie gerecht wurden, da die Arbeiter sich die von ihnen hergestellten Produkte nicht leisten konnten. Mit anderen Worten: Der Weg, der aus der Krise der 1970er Jahre führte, erzeugte das massive Problem der Überkapazität bzw. Überproduktion in der Wirtschaft. </p>

<p>Um dieses Problem zu lösen, wurde die Kreditvergabe durch Deregulierung und niedrige Zinsen massiv ausgeweitet. So wurde es beispielsweise in den 1990er Jahren legal, dass Banken Kredite an Personen vergaben, von denen sie wussten, dass sie ihre Schulden nicht zurückzahlen konnten. All dies führte zur Krise von 2007-2008, als „schlechte“ Kredite einen Zusammenbruch der Kreditvergabe verursachten. </p>

<p>Als jedoch die Kreditvergabe an Haushalte und in begrenztem Umfang auch an Unternehmen zurückgefahren wurde, musste jemand die Lücke füllen. Und hier kamen die Regierungen ins Spiel. Sie wurden plötzlich, wie es in der Dokumentation der Financial Times heißt, zum „Konsumenten der letzten Instanz“. </p>

<p>Seitdem haben die Regierungen Haushaltsdefizite wie in einer Rezession gemacht, auch wenn die Wirtschaft gewachsen ist. Das Ergebnis ist, dass die Staatsverschuldung jetzt so hoch ist wie 1945, am Ende eines Weltkriegs. </p>

<p>Gleichzeitig hielten die Zentralbanken mit rekordtiefen Zinsen und Gelddrucken (was sie als „Quantitative Easing” bezeichneten) den Kreditkreislauf am Laufen. Das glich die Zurückhaltung der Banken und anderer Institutionen bei der Kreditvergabe aus. Dadurch blieben die Zinsen für Unternehmen und Regierungen niedrig, obwohl sie unter normalen Umständen in die Höhe geschossen wären. </p>

<p>Während der Pandemie erreichte dies verrückte Ausmaße. Die Regierungen der reichen Nationen drehten den Geldhahn auf und die Zentralbanken schalteten die elektronischen Druckerpressen ein. Für kurze Zeit schien es, als gäbe es kostenloses Geld. Es schien, als könne man Defizite durch Gelddrucken finanzieren, ohne dass dies Konsequenzen hätte. </p>

<p>Dies hatte jedoch seinen Preis, der sich in Form steigender Inflation bemerkbar machte. Wenn man die Geldmenge massiv erhöht, während die Produktion stagniert, ist Inflation eine unvermeidliche Folge. Es gibt dann viel mehr Geld, das auf die gleichgebliebene Menge an Waren und Dienstleistungen trifft. </p>

<p>Infolgedessen mussten die Zentralbanken Gegenmaßnahmen ergreifen. Sie erhöhten die Zinsen, um einen Teil der massiven Geldmengen, die sie geschaffen hatten, wieder zu vernichten. </p>

<h3><strong>Eine neue Krise zeichnet sich ab</strong> </h3>

<p>Wenn hohe Staatsschulden und Defizite bei Zinssätzen von 1-2% gerade noch tragbar sind, werden sie dies bei Zinssätzen von 4-5% plötzlich viel weniger. Erschwerend kommt hinzu, dass die Zentralbank begonnen hat, die bereits angehäuften Staats- und Unternehmensanleihen zu verkaufen. </p>

<p>Staatsschulden bestehen hauptsächlich aus Anleihen, die wie Schuldscheine sind, mit einem Datum, an dem sie zurückgezahlt werden müssen, und einem darauf vermerkten Betrag. Wenn die Rückzahlung der Anleihe ansteht, muss die Regierung eine neue Anleihe ausgeben und sie an einen Investor verkaufen. Darüber hinaus muss sie Anleihen ausgeben, um das Defizit im Staatshaushalt zu decken. Dies wird als Primärmarkt für Anleihen bezeichnet. Der Sekundärmarkt ist der Markt, auf dem Investoren diese Anleihen an andere verkaufen, und das ist in der Regel der Markt, über den in der Presse berichtet wird. </p>

<p>Der Primärmarkt ist an sich schon riesig. Vor der Pandemie wurden jedes Jahr Staatsanleihen im Wert von etwa 10 Billionen Dollar ausgegeben. Jetzt sind es etwa 20 Billionen Dollar. Allein die USA machen die Hälfte davon aus. Schätzungen zufolge müssen sie in diesem Jahr Schulden im Wert von 9,2 Billionen Dollar aufnehmen, um fällige Kredite zu bedienen, und weitere 1,9 Billionen Dollar, um das Defizit zu decken. </p>

<p>Die Art und Weise, wie Regierungen Geld leihen, bedeutet auch, dass es einige Zeit dauert, bis sich der Zinssatz im System niederschlägt. Der durchschnittliche Zinssatz, den die USA derzeit für ihre Schulden zahlen, liegt bei 3,3%. Jede neue Kreditaufnahme muss zu 4-5% erfolgen. Mit jeder fälligen Anleihe muss eine neue verkauft werden, um ihren Platz zum neuen Zinssatz zu füllen, und die Zinszahlungen steigen. </p>

<p>In letzter Zeit sind Anleihen mit einer Laufzeit von 10 bis 30 Jahren sehr schwer zu verkaufen, da die Anleger unsicher sind, was das Wachstum der USA und die Inflationsrate in den USA angeht. Es ist eine Sache, der Regierung Geld zu einem Zinssatz von 4% zu leihen, wenn die Inflationserwartung bei 2% liegt. Es ist jedoch etwas ganz anderes, der Regierung Geld zu leihen, wenn die Inflation bei 6 oder 10% liegt. In diesem Fall wäre es sicherer, das Geld in Vermögenswerte wie Gold oder in den Aktienmarkt zu investieren, wo der Wert tendenziell der Inflation folgt. </p>

<p>Darüber hinaus ist es völlig klar, dass irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft eine Neubewertung des Haushalts erfolgen muss. Im Jahr 2024 hat die Regierung für jeden ausgegebenen Dollar vier Dollar geliehen. Mit anderen Worten: Um den Haushalt auszugleichen, müsste sie die Einnahmen um 37% erhöhen oder die Ausgaben um 25% senken. Hinzu kommen die ständig steigenden Zinszahlungen. Im nächsten Jahr wird die US-Bundesregierung schätzungsweise 1,1 Billionen Dollar allein für Zinsen ausgeben müssen, was mehr als einem Fünftel ihrer gesamten Einnahmen entspricht. </p>

<p>Seit Jahrzehnten kann die USA dieses Defizit aufgrund ihrer großen Wirtschaft aufrechterhalten, aber auch weil der Dollar eine „Reservewährung“ ist, was zu einem konstanten Geldfluss in den Dollar führt, einschließlich der Anleihemärkte. Die Tatsache, dass der Dollar die Reservewährung der Welt ist, bedeutet auch, dass das Drucken von Geld durch die US-Notenbank nicht zu einem Wertverfall der Währung führt, wie es bei anderen Notenbanken der Fall wäre. </p>

<p>Die Tatsache, dass die US-Regierung, Unternehmen und Verbraucher Kredite zu niedrigeren Zinsen als der Rest der Welt aufnehmen konnten, wurde als „exorbitantes Privileg“ der USA bezeichnet. Da jedoch der Status des Dollars durch die Außenpolitik der USA und den relativen Verlust ihrer imperialen Macht untergraben wird, ist dies nicht mehr so hilfreich wie früher. </p>

<p>Irgendwann werden die Investoren sagen: „Das ist nicht nachhaltig, ich riskiere, mein Geld nicht zurückzubekommen, oder wenn ich es zurückbekomme, wird es viel weniger wert sein als zum Zeitpunkt der Kreditvergabe.“ Die Tatsache, dass Moody&#8217;s die Bonität der USA von AAA herabgestuft hat – als letzte der großen Ratingagenturen –, ist symptomatisch. </p>

<h3><strong>Ein Rezept für Klassenkampf</strong> </h3>

<p>Natürlich würde jeder Versuch, dieses Ungleichgewicht im Haushalt zu beseitigen, die Arbeiterklasse provozieren. Schon jetzt spüren die Republikaner den Druck aufgrund der relativ geringen Kürzungen im Gesundheitswesen. Wenn sie das Kürzungsprogramm durchführen müssten, das notwendig ist, um die Finanzen wieder in Ordnung zu bringen, würden sie einem ganz anderen Druck ausgesetzt sein. </p>

<p>Das Gleiche gilt für andere Regierungen weltweit. Die britische Regierung hat aufgrund ihrer Versuche, das Defizit zu reduzieren, massive Einbußen in ihrer Popularität hinnehmen müssen. Macrons Regierung in Frankreich brach zusammen, nachdem er die Rentenreform durchgesetzt hatte, um die Märkte zu beruhigen. Seitdem ist es ihm nicht gelungen, eine stabile Regierung zu bilden. </p>

<p>Die Mittel, die der herrschenden Klasse zur Bewältigung der Schulden zur Verfügung stehen, sind allesamt unattraktiv. Sie kann die Steuern erhöhen, in der Regel für die etwas besser gestellten Schichten der Arbeiterklasse, was eine erhebliche Verschlechterung ihres Lebensstandards bedeuten würde. Dies würde auch die Kaufkraft dieser Schichten für Autos, Urlaubsreisen usw. verringern. Damit würde die Wirtschaft in eine Rezession getrieben werden. </p>

<p>Die Herrschenden können natürlich Kürzungen im Sozialstaat vornehmen. Aber nach etwa 15 Jahren Sparpolitik stehen viele öffentliche Dienste kurz vor dem Zusammenbruch. Weitere Kürzungen würden sie definitiv über die Klippe stürzen. </p>

<p>Es gibt auch unorthodoxere Lösungen, über die derzeit offen diskutiert wird. Beispielsweise könnte man die Schulden durch Gelddrucken weg inflationieren und damit die Inflation anheizen. So sind die Staatsschulden seit 2008 nur in den Jahren mit einer Inflationsrate von 8-10% zurückgegangen. </p>

<p>Eine solche Politik würde jedoch auch die ohnehin fragile politische Stabilität zerstören. Eine langfristig hohe Inflation würde die Ersparnisse vernichten. Sie würde die Pensionsfonds und Versicherungsgesellschaften ruinieren, deren Einnahmen zu einem großen Teil aus Zinsen bestehen. Und sie würde massive Klassenkämpfe auslösen, da die Arbeiter um den Erhalt ihrer durch die Inflation aufgezehrten Löhne kämpfen würden. </p>

<p>In diesem Sinne findet die gesamte Wirtschaftskrise ihren Ausdruck in der Krise der Staatsfinanzen. Sie ist einerseits ein Spiegelbild der Krise, aber mittlerweile auch zunehmend eine Quelle der Instabilität für die gesamte Wirtschaft. Wenn die Welt sich darauf verlassen hat, dass die Regierungen die Räder der Industrie am Laufen halten, ist klar, dass sie dazu bald nicht mehr in der Lage sein werden. </p>
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		<title>Sanders und Trump zeigen den Molekularprozess der Revolution</title>
		<link>https://derkommunist.de/sanders-und-trump-zeigen-den-molekularprozess-der-revolution/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jacob Jakobsen]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 07 Jun 2025 06:00:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nordamerika]]></category>
		<category><![CDATA[Reformismus]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
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<p>Die USA sind tief gespalten – aber nicht so, wie es auf den ersten Blick scheint. Zwar ist der rechte Demagoge Donald Trump Präsident, während gleichzeitig der Reformist Bernie Sanders mit seiner „Fighting Oligarchy Tour“ Zehntausende auf die Straße holt. Doch beide Phänomene haben ein und dieselbe Wurzel: den Hass auf das Establishment. </p>

<p>Weil weder Trump noch Sanders einen ernsthaften Kampf gegen den Status quo führen, können sie die Massen auf die Dauer nicht an sich binden. Viele suchen bereits nach einer wirklichen Alternative und finden sie in unserer US-amerikanischen Schwesterpartei, den Revolutionary Communists of America (RCA). Die wahre Spaltung in den Vereinigten Staaten verläuft nämlich zwischen Arm und Reich, zwischen den Klassen. Und wachsende Teile der Bevölkerung werden sich dessen bewusst. </p>

<h3><strong>Veteran: „Dann bin ich auch ein Kommunist“</strong> </h3>

<p>Immer wieder treffen unsere Genossen von den RCA auf vermeintliche Trump-Anhänger, die offen für den Kommunismus sind. Zum Beispiel sprachen sie mit einem behinderten Veteranen, der den Präsidenten nicht besonders mag, aber jemanden will, der für den kleinen Mann kämpft. Als wir meinten, wir seien Kommunisten, fragte er, ob wir für ein totalitäres System stünden. Wir erklärten ihm, dass wir tatsächlich für eine Arbeiterdemokratie statt der Diktatur der Reichen kämpfen. Daraufhin meinte er: „Wenn du das so sagst, dann bin ich wohl auch ein Kommunist.“ </p>

<p>Unsere Genossen berichten außerdem von einem 65-jährigen Arbeiter, dessen Freunde Trump wählten, aber es jetzt bereuen. Er sagte, er möchte auch eine Revolution. Sogar auf einen Libertären mit Interesse am Sozialismus stießen sie, der bei einem Infotisch „Staat und Revolution“ von Lenin kaufte, um Einsicht in die Natur des Staates zu erlangen. </p>

<p>Einer unserer Genossen erzählt, wie in seiner armen Familie der Aufstieg von Trump tatsächlich als Bewegung gegen das Establishment wahrgenommen wurde. Während der Finanzkrise von 2008 hatte sich seine Mutter verletzt und konnte nicht mehr arbeiten, zumindest nicht so wie früher. Sein Vater war deswegen gezwungen, Soldat zu werden, um eine Gesundheitsversicherung für die Familie zu erhalten. Dabei verletzte er sich jedoch selber und war fortan gezwungen, mit seiner Frau von einer mickrigen Pension zu leben, die nie rechtzeitig da war. </p>

<p>Dieses Elend schuf in der Familie einen Hass gegenüber dem Staat. Als Trump verkündete, er würde einen Kampf führen gegen das verrottete Establishment in Washington, den „Sumpf“, wie er es nannte, knüpfte das an ihre Erfahrung an. Als Trump die Wahl 2016 gewann, fühlte es sich für sie wie ein Triumph an. </p>

<p>Die Familie unterstütze Trump sogar so weit, dass unser Genosse selbst am 6. Januar 2021 bei der „Stop the Steal“-Demo in Washington gegen den angeblichen Wahlbetrug durch die Demokraten anwesend war. Dann begann er zu zweifeln. Die Realität war nämlich, dass sich für die Familie in den vier Jahren seit Trumps Wahlsieg trotzdem nichts verbessert hatte. Diese Enttäuschung brachte ihn letztendlich zum Kommunismus und zu den RCA. </p>

<p>Unser Genosse ist kein Einzelfall. Viele haben zwar noch Illusionen, aber liberale Belehrung wird sie nicht überzeugen. Durch ihre Erfahrung werden sie lernen und wie der Genosse sagt: „Trumps Scheitern bei seinem zweiten Versuch wird Millionen weitere Kommunisten schaffen.“ </p>

<h3><strong>Sackgasse Trump</strong> </h3>

<p>Die Milliardärsregierung von Trump ist nämlich nicht in der Lage, die Bedingungen der Arbeiter in den USA zu verbessern. Ihr gelang es nicht, die Lebensmittelpreise zu senken, sie setzt massive Kürzungen im Sozialstaat um und durch ihre protektionistische Handelspolitik wird sie die Preise für fast alle Waren sogar noch erhöhen. So stellt sich Trumps kämpferische Rhetorik als inhaltsleere Demagogie heraus. </p>

<p>Denn die Krise ist die natürliche Konsequenz des Kapitalismus selbst, von dem Trump, der selbst Kapitalist ist, sich niemals trennen wird. Er ist bereit, eine Verschlechterung des Lebensstandards der Massen zu akzeptieren, um zu versuchen, den US-amerikanischen Kapitalismus zu retten. Erst vor kurzem sagte er im Fernsehen über die Auswirkungen des Protektionismus: „Ich denke nicht, dass eine 11-Jährige 30 Puppen braucht. Ich denke, sie könnte drei oder vier haben. Sie braucht nicht 250 Bleistifte. Sie kann fünf haben.“ </p>

<h3><strong>Der Verrat des Reformismus</strong> </h3>

<p>Zur selben Zeit sehen wir die Rückkehr von Sanders, der in seiner „Fighting Oligarchy Tour“ die bislang größten Kundgebungen seiner Karriere organisierte. In Denver und Los Angeles kamen jeweils 34.000 und 36.000 Menschen, um seine Reden zu hören. Auf diesen Veranstaltungen haben unsere Genossen mit zahlreichen Teilnehmern gesprochen. </p>

<p>Die Stimmung war kämpferisch. Ein Mann, mit dem unsere Genossen geredet haben, war tatsächlich auch ehemaliger Trump-Wähler und als wir ihn fragten, warum er hier sei, antwortete er: „Die Lebensmittelpreise!“ Er hatte an Trumps Versprechen, die Inflation zu stoppen, geglaubt, aber die Preise sind immer noch zu hoch, als dass er über die Runden kommen könnte. </p>

<p>Bei den Kundgebungen waren Viele tatsächlich auf der Suche nach einer Organisation mit einem revolutionären Programm. Aber was bietet Sanders ihnen? Wieder rief er dazu auf, innerhalb der verhassten Demokratischen Partei zu arbeiten. Doch die Massen haben nicht vergessen, was ihnen Joe Bidens Präsidentschaft brachte, die Sanders ihnen jetzt als „geringeres Übel“ verkaufen wollte. Nicht ohne Grund sind die Umfragewerte der Partei so niedrig wie noch nie zuvor. </p>

<p>Einige unserer Genossen haben bereits selbst die „Schule von Bernie“ durchgemacht. Mit seiner kämpferischen Rhetorik war er ein Anlaufpunkt für alle, die Sozialismus wollten. Aber Sanders selbst kapitulierte in den Präsidentschaftswahlen 2016 und 2020 vor der bürgerlichen Führung der Demokraten. Durch diesen Verrat zogen etliche ehemalige Sanders-Anhänger revolutionäre Schlüsse. </p>

<p>Die Meisten, mit denen unsere Genossen auf der „Fighting Oligarchy Tour“ gesprochen haben, bezeichneten sich nicht als Demokraten, sondern als Unabhängige. Sie erkannten, dass es nicht eine Frage von Demokraten gegen Republikaner, sondern von den Massen gegen die Milliardäre ist. In Los Angeles verkauften wir 140 Ausgaben unserer US-amerikanischen Zeitung und konnten 83 potenzielle Rekruten finden. </p>

<h3><strong>Revolutionärer Optimismus</strong> </h3>

<p>Das zeigt: Was fehlt, sowohl in den USA als auch in Deutschland, ist eine Partei, die dem System wirklich den Kampf ansagt und nicht zurückschreckt. Deshalb liegt hierzulande die AfD in Umfragen aktuell bei 25%. Der Blick in die Staaten zeigt aber: Das reaktionäre Programm der Rechten kann die Krise nicht beheben. Sie knüpfen am berechtigten Hass auf das Establishment an, bieten jedoch keine Lösung. Es gibt keinen „Rechtsruck“ in der Arbeiterklasse, sondern lediglich ein gewaltiges Vakuum für eine revolutionäre Alternative. </p>

<p>Von diesem Vakuum können auch linke Reformisten wie Sanders oder DIE LINKE profitieren. Schlagen sie widerspenstige Töne an, wecken sie in den Massen die Hoffnung auf einen ernsthaften Kampf. Doch weil sie in letzter Konsequenz immer vor dem Status quo einknicken, ihn sogar gegen die Rechten als „geringeres Übel“ verteidigen wollen, müssen auch die Reformisten enttäuschen. Statt aus den vergangenen Niederlagen zu lernen, gehen sie auf ihrem altbekannten Holzweg weiter. </p>

<p>Wir und unsere Genossen der RCA sagen dagegen: Wer die Krise beenden will, muss den Kapitalismus stürzen. Auf Grundlage ihrer Erfahrung kommen auch die Massen zunehmend zu dieser Schlussfolgerung. Sie testen Parteien und Programme aus, was sich auf politischer Ebene in wilden Schwankungen zwischen Links und Rechts ausdrückt. Das ist der Molekularprozess der Revolution, der nicht nur in den USA oder Deutschland, sondern auf dem gesamten Planeten bereits in Gang gesetzt wurde. Deswegen kämpfen wir dafür, das Vakuum zu füllen. </p>
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		<title>Warum riskiert Trump eine „Great Depression“?</title>
		<link>https://derkommunist.de/warum-riskiert-trump-eine-great-depression/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michele Rocco Troccolo]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 May 2025 14:48:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Nordamerika]]></category>
		<category><![CDATA[Weltgeschehen]]></category>
		<category><![CDATA[Global]]></category>
		<category><![CDATA[Marxistische Ökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Immer mehr Vergleiche der heutigen Ereignisse mit der Weltwirtschaftskrise in den 1930ern drängen sich auf. Die Talfahrt des US-Aktienmarkts Anfang April erinnert an den Börsencrash von 1929. Nach Trumps „Liberation [&#8230;]</p>
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<p>Immer mehr Vergleiche der heutigen Ereignisse mit der Weltwirtschaftskrise in den 1930ern drängen sich auf. Die Talfahrt des US-Aktienmarkts Anfang April erinnert an den Börsencrash von 1929. Nach Trumps „Liberation Day“-Ankündigungen wurden innerhalb von nur zwei Tagen 6,6 Bio. Dollar Börsenwert vernichtet – ein Rekordwert.</p>

<p>Protektionistische Maßnahmen hatten die US-amerikanische Rezession ab 1929 verschlimmert. Im weiteren Verlauf ist sie zu einer weltweiten Depression angewachsen. Viele Ökonomen warnen vor ähnlichen Folgen durch Trumps Zölle.</p>

<p>Schon durch die Wirtschaftskrise von 2008 wurden ähnliche Erinnerungen wach. Ökonomen versicherten uns aber, dass das Schreckgespenst Protektionismus der Vergangenheit angehöre. Dann trat Trump 2016 mit „America First“ seine erste Präsidentschaft an.</p>

<p>Diese Politik war kein historischer Ausrutscher und dementsprechend führte Biden sie fort. Die verschärfte Konkurrenz auf dem Weltmarkt treibt sie an. In seiner zweiten Amtszeit versucht Trump, der Weltökonomie seinen Willen aufzuzwingen und greift nun zu noch härteren Maßnahmen. Doch er kämpft mit scheinbar übernatürlichen Widersprüchen, für die im Kapitalismus keine Lösung existiert. Auch wenn es einige Unterschiede zu den 1930er gibt, legt der Vergleich die unterliegenden Dynamiken der kapitalistischen Krisen offen.</p>

<h3><strong>Die Ursache der Great Depression</strong></h3>

<p>Nach dem 1. Weltkrieg entwickelten sich die USA rasant zur führenden Industrienation. Während der „Roaring Twenties“ stieg die Wirtschaftsleistung um 42%. Vom Aufstieg der 1920er profitierten aber besonders die Reichen und es bildeten sich riesige Monopole.</p>

<p>Gegen Ende der späten 1920er stieg die Spekulation an den Börsen. Die Warnungen vor einer Blase wurden ignoriert, solange man dort noch fettere Gewinne als in der realen Wirtschaft absahnen konnte. Im September 1929 setzte jedoch eine Abwärtsspirale an der Wall Street ein. Ende Oktober 1929 kam es zu mehreren historischen Einbrüchen. In wenigen Wochen halbierte sich der Börsenwert.</p>

<p>Der Crash war ein Symptom einer tieferliegenden Krise. Ende der 1920er war der Markt immer mehr gesättigt. Schon Ende des 19. Jahrhunderts hatten amerikanische Waren und Geld nach neuen Horizonten gesucht und dabei unter anderem Lateinamerika unterworfen. Vor und während des 1. Weltkriegs war Europas Kriegsindustrie ein willkommener Kunde. Doch mit jeder Ausdehnung des Marktes wächst die Industrie, die dann noch größere Märkte braucht.</p>

<p>Ein Indikator dieser Überproduktion war die sinkende Produktion in der Automobilindustrie, die sich schon vor dem Crash innerhalb weniger Monate fast halbierte. Im Dezember 1929 sank sie auf ca. 1/6 der Märzproduktion. Ähnliche Zahlen finden wir für die restliche Industrie.</p>

<p>Man versuchte, über andere Wege die Nachfrage anzukurbeln. Die Kredite für Konsumzwecke wuchsen von 100 Mio. Dollar im Jahr 1919 auf 7 Mrd. Dollar im Jahr 1929. Aber irgendwann müssen diese Kredite zurückgezahlt werden und verkehren sich in eine kolossale Konsumbremse.</p>

<p>Die Finanzkrise war nicht die Ursache des Wirtschaftsabschwungs, aber hat diesen Niedergang für alle offensichtlich gemacht und ihn weiter verstärkt. Zwischen 1929 und 1932 fiel die Industrieproduktion um 47% und das reale BIP um 30%. Löhne wurden gesenkt, Arbeitszeiten erhöht. Die Arbeitslosigkeit stieg von 1,5 Mio. auf rund 12 Mio. Viele wurden obdachlos. Gleichzeitig wurden die Superreichen immer reicher.</p>

<h3><strong>Weltkrise</strong></h3>

<p>Aufgrund der internationalen wirtschaftlichen Verflechtung breitete sich die Krise schnell in andere Länder aus. Alle kapitalistischen Länder wollten insbesondere ihre Interessen schützen und versuchten, die Krise auf die anderen abzuwälzen.</p>

<p>Die USA erließen 1930 das Smoot-Hawley-Zollgesetz und erhöhten die Importzölle um durchschnittlich 20%. Viele Länder antworteten mit eigenen Zöllen. Das Vereinigte Königreich bspw. erließ 1932 die „Imperial Preference“, welche Waren aus dem Empire bevorzugte.</p>

<p>Ausländische Kredite, die die USA in Zeiten des Aufschwungs so großzügig vergeben hatten, wurden nun in handfestem Gold zurückverlangt. Dies setzte eine Kettenreaktion an Bankrotten in Gang. Gleichzeitig entwerteten Staaten ihre Währung und pressten die Arbeiter härter aus, um mit niedrigeren Preisen ihrer Exportgüter international konkurrenzfähig zu sein.</p>

<p>Doch all dies verschärfte die Krise nur. Zwischen 1929 und 1932 sank der Welthandel um zwei Drittel. Es kam zu einer weltweiten Depression.</p>

<h3><strong>Handelskrieg heute</strong></h3>

<p>Auch heute befindet sich die Weltwirtschaft in einer Überproduktionskrise. Dementsprechend greifen Politiker auf der ganzen Welt zu protektionistischen Maßnahmen.</p>

<p>Im Mittelpunkt steht der Handelskrieg zwischen den USA und China. Die USA sind weiterhin die stärkste imperialistische Macht auf dem Planeten, aber China holt rapide auf. Die USA versuchen China zu bremsen durch Exportverbote von hochwertigen Chips oder Importverbote von chinesischen Technologieanbietern wie Huawei. Gleichzeitig wollte Biden mit dem Inflation Reduction Act ausländische Unternehmen im Inland ansiedeln.</p>

<p>Die angespannte ökonomische Weltlage zieht alle Länder in die gleiche Richtung. 2024 waren laut Weltbank die Handelsbeschränkungen fünffach höher als der Durchschnitt von 2010-19.</p>

<p>Eine Vertiefung des Handelskriegs wird wie in den 1930ern die Situation verschlimmern, doch mit wesentlich größeren Auswirkungen. Der Welthandel ist innerhalb des letzten Jahrhunderts um ein Vielfaches gestiegen. Heute liegt der Anteil des Auslandshandels am BIP der USA bei rund 25% und nicht mehr bei nur 9%. Insbesondere Deutschland gilt als „Exportweltmeister“. Laut dem Institut der Deutschen Wirtschaft könnte je nach Szenario der Handelskrieg der EU bis zu 1 Bio. Euro über vier Jahre verteilt kosten, Deutschland wäre mit bis zu 290 Mrd. Euro betroffen.</p>

<p>Gleichzeitig zeigen die protektionistischen Maßnahmen, dass wirtschaftliche Unabhängigkeit eine Illusion ist. Bspw. reagierte China auf Trumps Zölle mit Exportbeschränkungen auf seltene Erden und Permanentmagneten, die in den USA gebraucht werden für Produkte wie E-Autos, Windturbinen, menschliche Roboter und Kampfjets. Diese Lieferketten zu entkoppeln, ist eine unmögliche Aufgabe. </p>

<p>Der Crash an der Börse und der Sturz der US-Staatsanleihen haben vorerst einige Zölle von Trump gestoppt. Doch solche Ereignisse könnten schnell einen Flächenbrand auslösen. US-Anleihen machen mehr als 40% der weltweiten Staatsanleihen aus. Ebenso wird 80% des globalen Handels in Dollar abgewickelt. Zentralbanken auf der ganzen Welt halten fast 60% ihrer Reserven in Dollar. Ein Vertrauensverlust in den Dollar und in die Zahlungsfähigkeit des massiv verschuldeten US-Staats würde weitere Turbulenzen in der Weltökonomie bedeuten.</p>

<h3><strong>Weder Protektionismus noch Freihandel</strong></h3>

<p>Trump ist insofern ein „Madman“ wie alle anderen Kapitalisten, die versuchen, eine Lösung für ein im kapitalistischen System unlösbares Problem zu finden. Zwar könnten seine Maßnahmen kurzfristig positive Wirkungen im Inland haben, indem die Krise exportiert wird. Langfristig wird dadurch aber nur die nächste größere Krise vorbereitet.</p>

<p>Auch die Forderung nach Freihandel löst das Problem nicht. In einer wirtschaftlichen Aufschwungsphase hat kein Unternehmer ein Problem, den wachsenden Kuchen zu teilen. Im Niedergang hingegen fordern nur diejenigen Kapitalisten Freihandel, deren Waren einen fremden Markt erobern können – auf Kosten der ausländischen Industrie und ihrer Arbeiter. Das ist nur eine andere Formulierung für „Meine Profit-Interessen zuerst“.</p>

<p>Das absurde Problem im Kapitalismus ist, dass die weltweiten Produktivkräfte zu viel Reichtum herstellen können – aber die Arbeiterklasse zu arm ist, diesen Reichtum zu kaufen. Die Lösung der Kapitalisten in den 1930er wie heute: Die Produktivkräfte stutzen, sodass sie in die engen Grenzen des Marktes passen.</p>

<p>Eine Lösung kann es nur geben, wenn die kapitalistische Konkurrenz von Unternehmen und Nationalstaaten abgeschafft und durch eine rationale, bedürfnisorientierte Planung der Weltökonomie ersetzt wird. Der Sozialismus benutzt die Überproduktion für die Menschheit statt gegen sie.</p>
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		<title>Eine marxistische Analyse von Donald Trump</title>
		<link>https://derkommunist.de/eine-marxistische-analyse-von-donald-trump/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alan Woods]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 22 Mar 2025 11:04:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Nordamerika]]></category>
		<category><![CDATA[Faschismus]]></category>
		<category><![CDATA[Imperialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Leitartikel]]></category>
		<category><![CDATA[Militarismus]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
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<p></p>
<p>Ein Gespenst geht um in Europa. Ein schreckliches Phänomen, als wäre es durch schwarze Magie aus der finstersten Hölle heraufbeschworen worden und plötzlich aufgetaucht, um die guten Menschen auf dieser Erde zu plagen und zu martern, sie um den Schlaf zu bringen und ihre Albträume in Besitz zu nehmen.</p>
<p> </p>
<p>Das Schlimmste daran ist, dass es scheinbar niemand erklären kann. Es stellt sich dar wie eine unaufhaltsame, alles hinwegfegende Naturgewalt. In erstaunlich kurzer Zeit ist es ihm gelungen, das wohlhabendste und mächtigste Land der Erde unter seine Kontrolle zu bringen.</p>
<p> </p>
<p>Die vereinten Kräfte des Großen und Schönen, all die Verteidiger der „regelbasierten Weltordnung“, die Schutzpatrone von Apfelkuchen und Mutterfreuden haben sich zum Sieg über dieses Ungeheuer der Ungerechtigkeit verbündet.</p>
<p> </p>
<p>Unsere wunderbare freie Presse – jeder weiß, sie ist die größte Vorkämpferin der Meinungsfreiheit – zog wie ein Mann in den hehren Kampf um Demokratie, Freiheit, Recht und Ordnung.</p>
<p> </p>
<p>Alle sind sie gescheitert.</p>
<p> </p>
<p>Dieses Gespenst heißt Donald J. Trump.</p>
<p> </p>
<h3 class="wp-block-heading"><strong>Panik</strong></h3>
<p> </p>
<p>Der völlige intellektuelle Bankrott der herrschenden Klasse offenbart sich in der gänzlichen Unfähigkeit der Kapitalstrategen, die gegenwärtige Lage zu begreifen, geschweige denn zufriedenstellend einzuschätzen, was in Zukunft passieren wird.</p>
<p> </p>
<p>Dieser geistige Niedergang hat in den führenden Politikern Europas seinen Tiefpunkt erreicht. Sie haben diesen einst mächtigen Kontinent in den wirtschaftlichen, kulturellen und militärischen Sumpf getrieben und ihn völlig hilflos gemacht.</p>
<p> </p>
<p>Nachdem sie über Jahrzehnte alles für den Vorteil des US-Imperialismus geopfert und sich an die Demütigung gewohnt hatten, Washingtons unterwürfige Lakaien zu sein, wurden sie nun von ihren ehemaligen Verbündeten im Stich gelassen und müssen selbst schauen, wo sie bleiben.</p>
<p> </p>
<p>Die Niederlage in der Ukraine und der Zusammenbruch ihrer absurden Träumereien von einem vernichtenden Sieg über Russland haben ihre Dummheit nun völlig zur Schau gestellt. Jetzt sind sie mit einem mächtigen und erstarkten Russland konfrontiert, einer riesigen Armee, mit modernsten Waffen bis an die Zähne bewaffnet und durch jahrelange Kampferfahrung gestählt.</p>
<p> </p>
<p>In dieser kritischen Situation hat die Macht sie verlassen, die sie verteidigen sollte. Wie kopflose Hühner laufen sie umher und überstürzen sich in der Hast, ihre unerschütterliche Unterstützung für Wolodymyr Selenskyj zu beteuern.</p>
<p> </p>
<p>Sie schimpfen und wüten gegen den Mann im Weißen Haus, den sie allein für die Katastrophe verantwortlich machen, die sie plötzlich ereilt hat.</p>
<p> </p>
<p>Doch diese ganze Hysterie drückt nur ihre Panik aus – und diese wiederum die tiefsitzende, nackte Angst. Hinter der trotzigen Fassade sind diese Führer vor Angst erstarrt wie Kaninchen im Scheinwerferlicht.</p>
<p> </p>
<h3 class="wp-block-heading">Und warum?</h3>
<p> </p>
<p>Wenn wir das Klagelied aus Empörung und Beschimpfungen kurz ausblenden und uns fragen, was das alles bedeutet, so zeichnen sich im dichten Nebel der Medienhysterie bald die verschwommenen Umrisse der Wahrheit ab.</p>
<p> </p>
<p>Für jeden, der auch nur halbwegs bei Verstand ist, ist es offensichtlich, dass eine so gewaltige Krise nicht das Werk eines einzelnen Mensch sein kann, selbst wenn er über übermenschliche Kräfte verfügen würde. Diese „Erklärung“ erklärt nichts und gehört eher in das düstere Reich der Dämonologie als in eine politische Analyse.</p>
<p> </p>
<p>In apokalyptischen Tönen beschwört uns der <a href="https://www.theguardian.com/commentisfree/2024/nov/06/us-election-donald-trump-new-world-order">Guardian</a>:</p>
<p> </p>
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Ob wir es wollen oder nicht, wird Trump die globale Agenda verändern. Der Kampf gegen den Klimawandel wird einen schweren Rückschlag erleiden, die internationalen Beziehungen werden kuhhändlerischer werden, der Kampf der Ukraine gegen den russischen Aggressor könnte verraten werden und Taiwan wird in den Lauf einer chinesische Waffe blicken. Überall werden liberale Demokratien, auch Großbritannien, von ihren eigenen Trump-Imitatoren unter Druck gesetzt werden, angetrieben von wahrheitsverachtenden sozialen Medien.</p>
 
<p>Die amerikanischen Wähler haben diese Woche etwas Schreckliches und Unverzeichliches getan. Scheuen wir uns nicht, zu sagen: Sie haben sich von der gemeinsamen Ethik und den Regeln abgewandt, die die Welt seit 1945 – im Großen und Ganzen – zum Besseren geprägt haben. Die Amerikaner sind zu dem Schluss gekommen, dass Trump nicht „weird“ ist, wie vorübergehend Mode war, zu behaupten, sondern Mainstream. Die Wähler sind am Dienstag zur Wahl gegangen und haben weird gewählt. Die Amerikaner müssen mit den Konsequenzen leben.“ (<em>The Guardian</em>, 6. November 2024)</p>
</blockquote>
<p> </p>
<p>Na, wenn das so ist. Der <em>Guardian</em>, jener abscheulichste, schamloseste Ausdruck liberaler Heuchelei, gibt den Amerikanern die Schuld – sie haben die unverzeihliche Sünde begangen, in einer freien und fairen Wahl für einen Kandidaten zu stimmen, der ihm nicht gefällt.</p>
<p> </p>
<p>Und wie erklärt man diesen empörenden Regelverstoß? Der <em>Guardian</em> teilt uns völlig unironisch mit, dass es an der „Weirdness“ des amerikanischen Volkes liege. „Weird“, also komisch, ist anscheinend alles, was mit den Vorurteilen der Redaktion des <em>Guardian</em> nicht übereinstimmt.</p>
<p> </p>
<p>Was sie wirklich meinen, ist, dass die amerikanischen Wähler – Millionen gewöhnlicher Arbeiterinnen und Arbeiter – eigentlich nicht befähigt sind, ihr Wahlrecht auszuüben, weil sie eben organisch „weird“ sind.</p>
<p> </p>
<p>Das heißt einfach, dass alle Amerikaner von Natur aus zum Rassismus, zum Hass auf Minderheiten und zu einem unverständlichen Widerwillen gegen die Prinzipien des bürgerlichen Liberalismus neigen. Deswegen haben sie eine natürliche Abneigung gegen die Demokratie und eine Neigung zum Faschismus, den eben Donald Trump repräsentiert.</p>
<p> </p>
<p>Aber woher kommt diese Weirdness? Waren dieselben amerikanischen Wähler auch „weird“, als sie für Joe Biden oder Obama stimmten? Offenbar waren sie damals absolut zurechnungsfähig. Was hat sich also geändert?</p>
<p> </p>
<p>Das wirklich Komische ist hier nicht das Benehmen der amerikanischen Wähler, deren Entscheidungen durchaus rational und leicht nachvollziehbar sind, sondern die geistigen Verrenkungen dieser erbärmlichen, kleinbürgerlichen, liberalen Schmierfinkenbande, deren Bekenntnis zur Demokratie exakt an dem Punkt endet, wo die Wähler sich „falsch“ entscheiden.</p>
<p> </p>
<p>Ihre Vorstellung von Demokratie – nämlich, dass Wahlen nur dann akzeptabel sind, wenn dabei Kandidaten herauskommen, die wir gut finden – erscheint mir dann doch eher „weird“. Sie wurde allerdings eindrucksvoll bestätigt, als vor Kurzem <a href="https://marxist.com/romanian-establishment-annuls-election.htm">das Ergebnis der Präsidentschaftswahl in Rumänien anulliert wurde</a>, weil die Behörden einfach unglücklich damit waren, dass in der ersten Wahlrunde ein Kandidat gewonnen hatte, mit dem sie unzufrieden waren: Călin Georgescu. Zur Sicherheit wurde ihm dann gleich verboten, an der Wahlwiederholung teilzunehmen, die im Mai stattfindet.</p>
<p> </p>
<p>Diese Maßnahmen wurden von der EU-Führung in Brüssel vollständig unterstützt. Und es besteht kein Zweifel, dass <em>The Guardian</em> die Annullierung der Wahl mit Begeisterung gefeiert hat. Offenbar ist das die Methode, um Wahlsiege von Leuten wie Donald Trump zu verhindern!</p>
<p> </p>
<p>Hurra! Dreifaches Hoch auf die Demokratie!</p>
<p> </p>
<h3 class="wp-block-heading"><strong>Der Faschismus ist da!</strong></h3>
<p> </p>
<p>Von Anfang an starteten die Medien eine laute Kampagne, um Trump als Faschisten darzustellen. Hier ein paar zufällig ausgewählte Beispiele aus der Presse:</p>
<p> </p>
<p><a href="https://www.lemonde.fr/en/opinion/article/2025/03/02/trump-s-first-weeks-as-president-have-been-enough-to-give-the-nightmare-of-america-s-turn-to-fascism-a-feeling-of-reality_6738723_23.html"><em>Le Monde</em></a><em>: </em>„Trumps erste Wochen als Präsident reichten aus, um dem Albtraum eines faschistischen Amerikas eine beängstigende Realität zu verleihen.“</p>
<p> </p>
<p><a href="https://www.newstatesman.com/international-politics/2025/01/can-the-united-states-resist-fascism"><em>New Statesman</em></a>: „Können die Vereinigten Staaten dem Faschismus widerstehen?“</p>
<p> </p>
<p><a href="https://www.newyorker.com/magazine/dispatches/what-does-it-mean-that-donald-trump-is-a-fascist"><em>The New Yorker</em></a>: „Was bedeutet es, dass Donald Trump ein Faschist ist?“</p>
<p> </p>
<p><a href="https://www.theguardian.com/commentisfree/2025/jan/24/trump-fascism-what-to-do"><em>The Guardian</em></a>: „Trumps Neofaschismus ist da. Hier sind zehn Dinge, die du tun kannst, um ihn zu bekämpfen.“</p>
<p> </p>
<p>Auch allerlei Establishment-Figuren äußerten sich in ähnlicher Weise. Mark Milley, ein pensionierter US-Armeegeneral und ehemaliger Vorsitzender der Vereinigten Stabschefs, gab eine <a href="https://www.theguardian.com/us-news/2024/oct/11/bob-woodward-book-mark-milley-trump">düstere Warnung an die USA</a> heraus: „Er ist der gefährlichste Mensch aller Zeiten. Ich hatte schon den Verdacht, als ich mit dir über seinen geistigen Verfall sprach, aber jetzt wird mir klar: Er ist ein totaler Faschist. Er ist jetzt die größte Bedrohung für dieses Land.“</p>
<p> </p>
<p>Kamala Harris <a href="https://www.bbc.co.uk/news/articles/c1dp7xnyr51o">stimmte zu</a>, dass Trump ein Faschist sei, während sich Joe Biden immerhin darauf beschränkte, ihn als „<a href="https://www.politico.com/news/2022/08/25/biden-trump-philosophy-semi-fascism-00053831">halbfaschistisch</a>“ zu bezeichnen. Trotzdem hat er wiederholt gewarnt, dass Trump eine Gefahr für die Demokratie darstelle – eine Meinung, die viele teilen, darunter der Generalstaatsanwalt von Arizona, der zu dem Schluss kommt: „Wir stehen an der Schwelle einer Diktatur.“</p>
<p> </p>
<p>Anthony Scaramucci, der kurze Zeit für Trump als Pressesprecher des Weißen Hauses arbeitete, <a href="https://www.youtube.com/watch?v=7nC3UGUy7NU&amp;ab_channel=TheRestIsPolitics">brachte es noch direkter auf den Punkt</a>: „Er ist ein verdammter Faschist. Der Fascho aller Faschos.“</p>
<p> </p>
<p>Wie zu erwarten, haben sich auch zahlreiche prominente Figuren der „Linken“ diesem Chor angeschlossen. Alexandria Ocasio-Cortez (die oft als „sozialistische“ Demokratin präsentiert wird) <a href="https://www.instagram.com/seanhannity/reel/DFDkCsOsGmo/?locale=zh_tw&amp;hl=ar">klagt</a>: „Wir stehen am Vorabend einer autoritären Regierung. So sieht der Faschismus des 21. Jahrhunderts aus.“</p>
<p> </p>
<p>Und so setzt sich die ermüdende Litanei Tag für Tag endlos fort. Die Absicht ist offensichtlich: Durch ständige Wiederholung soll die Idee als Wahrheit etabliert werden. Diese gewaltigen Heißluftwolken erzeugen viel Hitze – aber kaum Licht.</p>
<p> </p>
<h3 class="wp-block-heading"><strong>Was ist Faschismus?</strong></h3>
<p> </p>
<p>Offensichtlich wird hier der Begriff „Faschismus“ nicht als wissenschaftliche Definition, sondern mehr als vulgäre Beschimpfung eingesetzt, als Ersatz für Wörter wie „Drecksack“ oder dergleichen.</p>
<p> </p>
<p>Solche Beleidigungen mögen kurzfristig dabei helfen, Frust abzubauen. Man schimpft über eine Person, die einem nicht passt, fühlt sich danach erleichtert und geht zufrieden nach Hause, in dem Glauben, einen grandiosen politischen Schlag gegen den Feind gelandet und die Sache der Freiheit irgendwie weitergebracht zu haben.</p>
<p> </p>
<p>Leider sind solche Siege praktisch ziemlich nutzlos. Dieser terminologische Radikalismus ist lediglich Ausdruck hilfloser Wut. Wenn man dem verhassten Feind in Wirklichkeit nichts anhaben kann, beglückwünscht man sich eben dafür, dass man ihn aus sicherer Entfernung beleidigt hat.</p>
<p> </p>
<p>Wer echte Kämpfe gegen echte Feinde führen will, anstatt wie Don Quijote vor Windmühlen herumzufuchteln, braucht andere, ernstzunehmendere Mittel. Die erste Voraussetzung für einen Kommunisten ist eine präzise, wissenschaftliche Analysemethode.</p>
<p> </p>
<p>Der Marxismus ist eine Wissenschaft. Und wie jede Wissenschaft hat er eine exakte Terminologie. Begriffe wie „Faschismus“ oder „Bonapartismus“ haben (für uns jedenfalls) eine klare Definition. Sie sind nicht einfach nur Schimpfwörter oder Etiketten, mit denen man beliebig jeden bekleben kann, der einem nicht passt.</p>
<p> </p>
<p>Beginnen wir also mit einer präzisen Faschismusdefinition. Im marxistischen Sinne ist Faschismus eine konterrevolutionäre Massenbewegung, die sich vor allem aus dem Lumpenproletariat und dem wütenden Kleinbürgertum zusammensetzt. Er dient als Rammbock, um die Arbeiterklasse zu zerschlagen und zu vereinzeln und einen totalitären Staat zu errichten, in dem die Bourgeoisie die Staatsmacht an eine faschistische Bürokratie überträgt.</p>
<p> </p>
<p>Das zentrale Merkmal eines faschistischen Staates ist eine extreme Zentralisierung der Macht. Die Banken und großen Konzerne bleiben unangetastet, stehen aber unter der Kontrolle eines mächtigen faschistischen Verwaltungsapparats. Im <a href="https://www.marxists.org/archive/trotsky/germany/1933/330610.htm"><em>Porträt des Nationalsozialismus</em></a> beschreibt Trotzki diesen Mechanismus so:</p>
<p> </p>
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Der deutsche wie der italienische Faschismus stiegen zur Macht über den Rücken des Kleinbürgertums, das sie zu einem Rammbock gegen die Arbeiterklasse und die Einrichtungen der Demokratie zusammenpreßten. Aber der Faschismus, einmal an der Macht, ist alles andere als eine Regierung des Kleinbürgertums. Im Gegenteil: Er ist die gnadenloseste Diktatur des Monopolkapitals.“</p>
</blockquote>
<p> </p>
<p>Das sind die Grundzüge des Faschismus. Und wie passt das zum Trump-Phänomen? Wir haben bereits eine komplette Trump-Regierung erlebt. Die Demokraten und das liberale Establishment warnten damals lautstark, dass er die Demokratie abschaffen werde. Das ist nicht passiert.</p>
<p> </p>
<p>Es gab keine systematische Unterdrückung von Streiks oder Demonstrationen und erst recht keine Abschaffung der Gewerkschaften. Es fanden weiterhin reguläre Wahlen statt, und am Ende – wenn auch unter lautstarkem Protest – wurde Trump in einem Wahlprozess von Joe Biden abgelöst. Was auch immer man über Trumps erste Amtszeit sagen mag – mit Faschismus hatte sie nichts zu tun.</p>
<p> </p>
<p>Der eigentliche Angriff auf die Demokratie kam vielmehr von Biden und den Demokraten, die mit allen Mitteln versuchten, Trump politisch zu erledigen. Der gesamte Jutizapparaat wurde mobilisiert, um ihn mit unzähligen Anklagen vor Gericht zu bringen, um ihm um jeden Preis einen Schuldspruch anzuhängen, ihn sicher hinter Gittern zu verwahren und ihn so davon abzuhalten, sich erneut um das Präsidentenamt zu bewerben.</p>
<p> </p>
<p>Die gesamte Medienlandschaft wurde mobilisiert, um ihn systematisch zu diffamieren. Das erzeugte ein Klima, in dem mindestens zwei Mordanschläge auf ihn verübt wurden. Dass Trump nur knapp einem Attentat entgangen ist (und das typisch für ihn als „göttliche Fügung“ darstellte), war letztlich reiner Zufall.</p>
<p> </p>
<h3 class="wp-block-heading"><strong>Eine reaktionäre Utopie</strong></h3>
<p> </p>
<p>Die Ideologie des Trumpismus – soweit sie überhaupt existiert – hat mit Faschismus herzlich wenig zu tun. Trump ist nicht für einen starken Staat, sondern träumt von einem entfesselten freien Markt, in dem der Staat keine oder nur eine minimale Rolle spielt.</p>
<p> </p>
<p>Sein Programm ist der Versuch, zu den wirtschaftspolitischen Vorstellungen von Roosevelt zurückzukehren – allerdings nicht zu Franklin Delano Roosevelt, dem Architekten des New Deal, sondern zu Theodore Roosevelt, der bereits vor dem Ersten Weltkrieg Präsident war.</p>
<p> </p>
<p>Am 10. Januar schrieb <a href="https://www.lemonde.fr/en/international/article/2025/01/10/trump-revives-imperialism-a-la-teddy-roosevelt_6736920_4.html"><em>Le Monde</em></a>:</p>
<p> </p>
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Es liegt ein Hauch von Déjà-vu in der Luft. Donald Trump schockierte seine Verbündeten am Dienstag, dem 7. Januar, indem er den Einsatz militärischer Gewalt zur Rückeroberung des Panamakanals oder den Kauf Grönlands nicht ausschloss. Mit diesem Bluff belebt der designierte Präsident die alte Tradition des US-Imperialismus zur Jahrhundertwende wieder.</p>
</blockquote>
<p> </p>
<p>Die ‚goldene Ära‘, die nach dem Bürgerkrieg begann, ist Trumps Traum: eine Zeit der Anhäufung kolossaler Vermögen, allgegenwärtiger Korruption und protektionistischer Zölle, die die amerikanische Industrie schützten – eine Zeit ohne Einkommenssteuer.</p>
<p> </p>
<p>Vor allem aber war es eine Epoche des Imperialismus, um die US-Hegemonie über die westliche Hemisphäre zu sichern. In dieser Zeit kauften die USA Alaska von den Russen (1867), marschierten in Kuba, Puerto Rico und den Philippinen ein – 1898 ‚befreit‘ vom spanischen Kolonialismus – und begannen mit dem Bau des Panamakanals, der 1914 fertiggestellt wurde.“</p>
<p> </p>
<p>Mit anderen Worten: Trump will die Uhr um hundert Jahre zurückdrehen, in eine imaginäre Vergangenheit, eine Amerika-Version von vor dem Ersten Weltkrieg. Ein Amerika, in dem ein ungebremster Kapitalismus florierte, Gewinne explodierten, freie Unternehmen ungestört expandierten und der Staat sich nicht einmischte. Eine Zeit, in der sich die USA nach Belieben in Mexiko, Panama und der gesamten westlichen Hemisphäre austoben konnten und den gebrechlichen spanischen Kolonialismus aus Kuba vertrieben, um es anschließend in eine amerikanische Kolonie zu verwandeln.</p>
<p> </p>
<p>Davon kann man halten, was man will. Mit dem Faschismus hat dieses Ideal allerdings wenig zu tun. Und diese verklärte Geschichtsauffassung hat keinerlei reale Substanz oder Bezug zur Welt des 21. Jahrhunderts.</p>
<p> </p>
<p>Die Ära von Teddy Roosevelt war eine Zeit, in der der Kapitalismus noch nicht sein gesamtes Potential als fortschrittliches Wirtschaftssystem erschöpft hatte. Die USA waren eine aufstrebende, frisch industrialisierte Macht, die in vielerlei Hinsicht bereits den alten europäischen Staaten überlegen war und gerade erst begann, sich als globale Kraft zu behaupten.</p>
<p> </p>
<p>Doch seither ist eine ganze Epoche vergangen. Die USA stehen heute vor einem völlig veränderten internen und externen Kräfteverhältnis. Trumps Versuch, die Welt so wiederheruzstellen, wie sie in diesen längst vergangenen Tagen war, ist zum Scheitern verurteilt. Er wird an der veränderten Weltlage und am Kräfteverhältnis innerhalb der US-Klassengesellschaft zerschellen. Sein Programm ist letztlich eine reaktionäre Utopie.</p>
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<p>Wir werden auf diese Punkte noch zurückkommen. Doch zunächst müssen wir mit den hysterischen und völlig falschen Versuchen abrechen, die sowohl von links als auch von rechts versuchen, das mysteriöse Phänomen Donald J. Trump zu erklären.</p>
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<h3 class="wp-block-heading"><strong>Eine falsche Methode</strong></h3>
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<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Die enorme praktische Bedeutung einer korrekten theoretischen Orientierung zeigt sich am deutlichsten in Zeiten akuter sozialer Konflikte, rascher politischer Verschiebungen und abrupter Veränderungen der Situation … Gerade in solchen Perioden entstehen notwendigerweise alle möglichen Übergangs- und Zwischensituationen und -kombinationen. die gegen die gewohnten Schemata verstoßen und doppelte, scharfe theoretische Aufmerksamkeit erfordern. Kurz gesagt: Wenn man in einer ruhigen, ‚organischen‘ Phase (vor dem Krieg) von den Zinsen einiger fertiger Abstraktionen leben konnte, so bringt uns in unserer Zeit jedes neue Ereignis mit voller Wucht das wichtigste Gesetz der Dialektik bei: Die Wahrheit ist immer konkret.“<br />(<a href="https://www.sozialistischeklassiker2punkt0.de/sites.google.com/site/sozialistischeklassiker2punkt0/trotzki/1934/leo-trotzki-bonapartismus-und-faschismus.html"><em>Bonapartismus und Faschismus</em></a>, Leo Trotzki, 1934)</p>
</blockquote>
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<p>Viel zu oft beobachte ich, dass Menschen auf der Linken, wenn sie mit einem neuen Phänomen konfrontiert werden – einem, das sich scheinbar allen bisherigen Normen und Definitionen entzieht –, reflexartig nach Etiketten suchen. Und sobald sie ein passendes Etikett gefunden haben, suchen sie sich die Fakten zusammen, die es bestätigen sollen.</p>
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<p>Sie sagen: <em>Ah, ich weiß, was das ist! Das ist Faschismus! Oder Bonapartismus! Oder irgendetwas anderes, das mir gerade einfällt. </em>Das ist eine falsche Methode. Das ist das Gegenteil des dialektischen Materialismus. Und es führt nirgendwohin. Es ist ein Beispiel für bequemes Denken – die Suche nach einer simplen Antwort auf neue und komplexe Fragen.</p>
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<p>Statt Klarheit zu schaffen, lenkt diese Methode nur von den eigentlichen Problemen ab. Sie führt zu endlosen und völlig sinnlosen Diskussionen über künstlich eingeführte Fragen, die am Ende nur für mehr Verwirrung sorgen, anstatt die wirklich wichtigen Fragen zu beantworten.</p>
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<p>Lenin erklärte in seinen <a href="http://kpd-ml.org/doc/lenin/LW38.pdf"><em>Philosophischen Heften</em></a>, dass das grundlegende Gesetz der Dialektik die absolute Objektivität der Betrachtung sei: „Nicht Beispiele, nicht Abschweifungen, sondern das Ding an sich selbst.“</p>
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<p>Das ist das Wesen der dialektischen Methode. Das Gegenteil der Dialektik ist die Gewohnheit, einer Sache einfach ein Label aufzukleben und sich einzubilden, damit hätte man sie verstanden.</p>
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<p>Mein guter Freund John Peterson bemerkte kürzlich zu mir, dass Donald Trump „ein Phänomen“ sei. Ich denke, das trifft es ziemlich genau. Es besteht kein Grund, ihn mit historischen Figuren zu vergleichen. Wir müssen anerkennen, dass Donald Trump einfach Donald Trump ist. Und genau so sollten wir ihn betrachten: ein neues Phänomen, das wir anhand konkreter Fakten analysieren müssen – nicht durch Gemeinplätze.</p>
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<h3 class="wp-block-heading"><strong>Bonapartismus?</strong></h3>
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<p>Trotzkis Artikel <em>Bonapartismus und Faschismus</em> liefert eine präzise marxistische Definition von Bonapartismus: „Eine Regierung, die sich über die Nation erhebt, schwebt jedoch nicht in der Luft. Die wahre Achse der gegenwärtigen Regierung verläuft durch die Polizei, die Bürokratie und die militärische Clique. Es handelt sich um eine militärisch-polizeiliche Diktatur, noch leicht bedeckt mit den Dekorationen des Parlamentarismus. Doch eine Regierung des Säbels in der Eigenschaft des Schiedsrichter der Nation, das ist eben Bonapartismus.“</p>
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<p>Das Wesen des Bonapartismus, der in vielen verschiedenen Gewändern auftreten kann, bleibt immer dieselbe: eine Militärdiktatur.</p>
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<p>In <a href="https://www.marxists.org/deutsch/archiv/trotzki/1932/09/01-bonfasch.htm"><em>Deutschland: Der einzige Weg</em></a> erklärt Trotzki, wie der Bonapartismus entsteht: „Sobald der Kampf zweier sozialer Schichten – der Besitzenden und der Besitzlosen, der Ausbeuter und der Ausgebeuteten – seinen höchsten Spannungsgrad erreicht, sind die Bedingungen für die Herrschaft von Bürokratie, Polizei, Soldateska gegeben. Die Regierung wird ‚unabhängig‘ von der Gesellschaft.“</p>
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<p>Das ist unmissverständlich. Aber wie passt das zur aktuellen Lage in den USA? Gar nicht. Machen wir uns nichts vor: Die herrschende Klasse greift nur in letzter Instanz zur Reaktion in der Form des Bonapartismus oder Faschismus. Ist das wirklich die aktuelle Lage? Ja, es gibt erhebliche Spannungen in der amerikanischen Gesellschaft, und sie destabilisieren die bestehende Ordnung ernsthaft.</p>
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<p>Aber zu glauben, der Klassenkampf habe bereits die kritische Stufe erreicht, in der die Herrschaft des Kapitals kurz vor dem Sturz steht und der herrschenden Klasse nur noch die Lösung bleibt, einem bonapartistischen Regime die Macht zu übergeben, ist reine Fantasie. Diese Eskalationsstufe haben wir noch nicht einmal annähernd erreicht.</p>
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<p>Natürlich kann man in der aktuellen Situation bestimmte Elemente des Bonapartismus ausmachen. Das mag zutreffen. Aber man könnte dasselbe über fast jedes moderne bürgerlich-demokratische Regime sagen.</p>
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<p>Im „demokratischen“ Großbritannien unter Tony Blair verlagerte sich die Macht faktisch vom Parlament ins Kabinett – und von dort in die Hände einer kleinen Clique von nicht gewählten Beamten, Beratern und PR-Leuten. Es existierten zweifellos Elemente dessen, was man ein parlamentarisch-bonapartistisches Regime nennen könnte.</p>
<p> </p>
<p>Aber das bloße Vorhandensein einzelner Elemente eines Phänomens bedeutet nicht, dass das Phänomen tatsächlich schon da ist. Man kann also argumentieren, dass es Elemente des Bonapartismus im Trumpismus gibt. Sicher. Aber Elemente allein machen noch kein vollständig entwickeltes Phänomen aus.</p>
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<p>Hegel bemerkt in der <a href="http://www.zeno.org/Philosophie/M/Hegel,+Georg+Wilhelm+Friedrich/Ph%C3%A4nomenologie+des+Geistes/Vorrede"><em>Phänomenologie des Geistes</em></a>: „Wo wir eine Eiche in der Kraft ihres Stammes und in der Ausbreitung ihrer Äste und den Massen ihrer Belaubung zu sehen wünschen, sind wir nicht zufrieden, wenn uns an Stelle dieser eine Eichel gezeigt wird.“</p>
<p> </p>
<p>Diese falsche Methode führt zu endlosen Fehlern. Zuerst versucht man, ein Phänomen äußerlich zu definieren. Dann hält man um jeden Preis an der Definition fest und versucht, sie mit allen möglichen, an den Haaren herbeigezogenen, „klugen“ geschichtlichen Beispielen zu untermauern.</p>
<p> </p>
<p>Unweigerlich taucht jemand anderes auf und sagt: „Nein, das ist kein Bonapartismus!“, bringt eigene, ebenso “kluge” Fakten ins Spiel und fängt an, dagegen zu argumentieren.</p>
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<p>Beide haben gleichermaßen recht und unrecht. Wohin führt eine solch zirkuläre Debatte? Dorthin, wo ein Hund landet, wenn er seinem Schwanz nachjagt – nirgendwohin.</p>
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<p>Korrekte historische Analogien können in manchen Fällen zwar hilfreich sein. Aber das gedankenlose und mechanische Aneinanderreihen oberflächlich ähnlicher, aber wesentlich unterschiedlicher Phänomene ist eine sichere Methode, um Verwirrung zu stiften.</p>
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<p>Ein Beispiel für eine sinnvolle und angebrachte Analogie wäre meiner Meinung nach, Putins Regime als eine Form des bürgerlichen Bonapartismus zu bezeichnen. Das ist eine hilfreiche Analogie. Bei Trump hingegen ist die Sache komplizierter.</p>
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<p>Das Problem ist, dass Bonapartismus ein extrem dehnbarer Begriff ist. Er umfasst eine ganze Bandbreite an Varianten, beginnend mit dem klassischen Bonapartismus, der im Kern nichts anderes als Herrschaft des Säbels ist.</p>
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<p>Aber die gegenwärtige Trump-Regierung in Washington bleibt bei all ihren Eigentümlichkeiten eine bürgerliche Demokratie.</p>
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<p>Gerade diese Eigenheiten müssen wir untersuchen und erklären. Und wenn wir – ganz ehrlich – nichts in der Geschichte des Altertums oder der Neuzeit finden können, das sich mit Trump auch nur vergleichen lässt, wenn wir keine fertige Definition haben, die perfekt passt, dann bleibt uns nur eine einzige Möglichkeit: Wir müssen anfangen, zu denken.</p>
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<h3 class="wp-block-heading"><strong>Die Krise des Kapitalismus</strong></h3>
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<p>Der große Philosoph Spinoza sagte, dass die Aufgabe der Philosophie nicht darin bestehe, zu weinen oder zu lachen, sondern zu verstehen. Wenn wir Donald J. Trump begreifen wollen, müssen wir daher die Pseudowissenschaft der Dämonologie beiseitelassen und die Dinge beim Namen nennen.</p>
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<p>Zunächst einmal ist Trump, was auch immer man sonst über ihn sagen mag, kein böser Geist mit übermenschlichen Kräften. Er ist ein gewöhnlicher Sterblicher – soweit man einen amerikanischen Milliardär als solchen bezeichnen kann. Und wie der Aufstieg jeder anderen historischen Figur ist auch der seine letztlich auf objektive gesellschaftliche Prozesse zurückzuführen.</p>
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<p>Mit anderen Worten: Sein Aufstieg ist untrennbar mit der objektiven Weltlage in den ersten Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts verbunden.</p>
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<p>Der entscheidende Wendepunkt in der modernen Geschichte war die Krise von 2008, die das gesamte System ins Wanken brachte. Der Kapitalismus stand am Rande des Zusammenbruchs. Als Lehman Brothers pleite ging, erinnere ich mich noch genau daran, wie Banker öffentlich äußerten, sie hätten Angst, dass sie binnen weniger Monate von den Straßenlaternen hängen würden.</p>
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<p>Diese Angst war keineswegs unbegründet. Tatsächlich waren alle objektiven Bedingungen für eine sozialistische Revolution vorhanden. Das einzige, was diese Entwicklung verhinderte, war die panische Intervention des Staates, der das Finanzsystem mit enormen Mengen an öffentlichen Geldern rettete.</p>
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<p>Das stellte einen eklatanten Widerspruch zu all den Theorien dar, die die offiziellen bürgerlichen Ökonomen drei Jahrzehnte lang gepredigt hatten. Über Jahre wurde uns eingetrichtert, dass der Staat keine oder nur eine minimale Rolle in der Wirtschaft spielen dürfe. Der freie Markt würde alle Probleme lösen, wenn man ihn sich selbst überließ.</p>
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<p>Doch im Moment der Wahrheit entlarvte sich diese Theorie als falsch. Das kapitalistische System wurde nur durch massives staatliches Eingreifen gerettet. Doch diese Rettung brachte neue Widersprüche mit sich: enorme, letztlich untragbare Schulden.</p>
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<p>Seit 2008 steckt der Kapitalismus in seiner tiefsten Krise. Er taumelt von einer Katastrophe zur nächsten. Bei jedem Schritt griffen die Regierungen auf die gleiche, verantwortungslose Politik zurück: Staatsverschuldung und massives Gelddrucken, um kurzfristig die Löcher zu stopfen.</p>
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<p>Die kurzsichtigen Strategen des Kapitals – dieser erbärmliche Haufen bürgerlicher Ökonomen und ihr nicht minder bankrottes politisches Establishment – glaubten allen Ernstes, das könne ewig so weitergehen: Unbegrenzte Geldmengen aus dem Nichts, endlose billige Kredite, niedrige Inflation, niedrige Zinsen. Doch sie haben sich geirrt.</p>
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<p>Sie häuften lediglich Widersprüche auf und bereiteten damit die größte Krise aller Zeiten vor.</p>
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<p><a href="https://marxist.com/crisis-of-capitalism-and-tasks-of-marxists-1.htm#:~:text=The%20last%20two,is%20already%20surmounted">Wir sagten damals voraus</a>, dass alle Versuche der Bourgeoisie, das wirtschaftliche Gleichgewicht wieder herzustellen, nur zur Zerstörung des gesellschaftlichen und politischen Gleichgewichts führen würden. So ist es auch gekommen.</p>
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<p>Die objektiven Bedingungen für eine sozialistische Revolution waren eindeutig vorhanden. Warum kam es nicht dazu? Weil eine entscheidende Variable in dieser Gleichung fehlte: die revolutionäre Führung.</p>
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<p>Über Jahre hinweg schlug das Pendel in Land um Land nach links aus. Das spiegelte sich im Aufstieg einer ganzen Reihe von radikal klingenden linken Bewegungen wider: Podemos in Spanien, Syriza in Griechenland, Bernie Sanders in den USA – und allen voran Corbyn in Großbritannien. Doch all das zeigte letztlich nur, wo die Grenzen des Linksreformismus liegen.</p>
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<p>Man nehme das Beispiel Tsipras: Ganz Griechenland stand hinter ihm, als er sich gegen das Austeritätsdiktat aus Brüssel stellte. Doch er kapitulierte. Und das Ergebnis war ein Rechtsruck.</p>
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<p>In Spanien verlief es ähnlich. Podemos gab sich anfangs ein ausgesprochen radikales Image. Doch die Führung beschloss, „verantwortungsvoll“ zu handeln – und ging eine Koalition mit den Sozialdemokraten ein, mit den erwartbaren Konsequenzen.</p>
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<p>In den USA katapultierte sich Bernie Sanders aus dem Nichts heraus an die Spitze einer Massenbewegung, die unmissverständlich nach einer sozialistischen Alternative suchte. Er hatte jede Möglichkeit, eine ernsthafte linke Alternative zu den Demokraten und Republikanern aufzubauen. Aber was tat er? Er kapitulierte vor dem Establishment der Demokratischen Partei – und die Gelegenheit war vertan.</p>
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<p>Am deutlichsten zeigte sich das in Großbritannien: Corbyn kam wie Sanders aus dem Nichts. Eine mächtige Bewegung nach Links katapultierte ihn an die Spitze der Labour Party. Diese Bewegung hatte nicht er geschaffen, aber sie machte ihn zu ihrem Bezugspunkt, zum Ausdruck des aufgestauten Zorns und der tiefen gesellschaftlichen Unzufriedenheit.</p>
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<p>Das Ergebnis versetzte die herrschende Klasse in Panik und Verblüffung. Sie erklärte offen, dass sie die Kontrolle über Labour verloren hatte. Und so war es. Oder besser gesagt: Es hätte wahr sein sollen.</p>
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<p>Doch im Moment der Wahrheit weigerte sich Corbyn, gegen die rechte Führung der Labour-Parlamentsfraktion vorzugehen, die mit der Unterstützung der bürgerlichen Medien eine brutale Kampagne gegen ihn organisierte.</p>
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<p>Am Ende kapitulierte Corbyn vor den Rechten und bezahlte den Preis für seine Feigheit. Was sich hier zeigte, war nichts anderes als die organische Rückgratlosigkeit des linken Reformismus.</p>
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<h3 class="wp-block-heading"><strong>Trump und Corbyn</strong></h3>
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<p>Hier zeigt sich ein krasser Kontrast zu Donald Trump. Auch er wurde vom Establishment angegriffen, sogar von der eigenen Parteiführung. Doch im Gegensatz zu Corbyn tat er, was Corbyn hätte tun müssen: Er mobilisierte seine Basis gegen die alte Führung der Republikaner und zwang sie zum Rückzug.</p>
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<p>Das ändert natürlich nichts daran, dass Trump ein reaktionärer bürgerlicher Politiker blieb. Doch man muss schon zugeben, dass er den Mut und die Entschlossenheit hatte, die Corbyn offenkundig fehlten.</p>
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<p>Trump scherte sich außerdem keinen Deut um politische Korrektheit und Identitätspolitik, während die linken Reformisten diese Ideologie leider blind geschluckt haben. Das spielte bei Corbyn eine absolut verheerende Rolle.</p>
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<p>Als ihn die Parteirechte wegen angeblichen Antisemitismus angriff (ein völlig haltloser Vorwurf), knickte er sofort ein. Er wurde zur leichten Beute für die reaktionäre zionistische Lobby und die gesamte britische Bourgeoisie. In kürzester Zeit war er auf elende Unterwerfung reduziert – ein hilfloses Opfer seiner eigenen Fixierung auf reaktionäre Identitätspolitik.</p>
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<p>Hätte Corbyn wie Trump gehandelt, hätte er sich der Antisemitismus-Kampagne direkt entgegengestellt, seine Basis gegen das rechte Establishment entfesselt und die Labour-Partei gründlich von diesen verfaulten Elementen gesäubert.</p>
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<p>Hätte er das getan, hätte er ohne jeden Zweifel gewonnen. Doch er tat es nicht. Das ermöglichte dem rechten Labour-Flügel, in die Offensive zu gehen, die Linke aus der Partei zu werfen – einschließlich Corbyn selbst – und Labour von oben bis unten zu säubern. Das Ergebnis war der Sieg von Starmer – und das Experiment „Corbynismus“ endete in einem völligen Desaster.</p>
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<p>Diese Erfahrung hat sich immer und immer wieder wiederholt. Und jedes Mal spielte die Führung der Linken eine absolut erbärmliche Rolle. Sie enttäuschten ihre Basis und übergaben die Macht kampflos an den rechten Flügel.</p>
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<p>Genau das – nichts anderes – erklärt den aktuellen Rechtsruck. Er war unvermeidlich nach der feigen Kapitulation der Linken.</p>
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<p>Sollen sich andere über Trump und rechte Demagogen beklagen. Unsere Antwort darauf ist Verachtung: Hört auf zu jammern. Ihr seid selbst schuld! Ihr habt einfach bekommen, was ihr verdient. Und jetzt müssen wir alle die Konsequenzen tragen.</p>
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<h3 class="wp-block-heading"><strong>Was stellt Trump wirklich dar?</strong></h3>
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<p>Fangen wir mit dem Offensichtlichen an. Donald Trump ist ein reaktionärer bürgerlicher Politiker. Das lohnt sich kaum auszusprechen. Ebenso wenig muss man wiederholen, dass Kommunisten ihn in keiner Weise unterstützen.</p>
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<p>Aber diese Feststellung allein bringt uns keinen Schritt weiter in der Analyse von Trump und Trumpismus. Ist es zum Beispiel korrekt zu sagen, dass es keinen Unterschied zwischen Trump und Biden gibt?</p>
<p> </p>
<p>Ja, sie sind beide bürgerliche Politiker, die im Wesentlichen für die gleichen Klasseninteressen stehen. In diesem Sinne könnte man sagen, sie sind alle gleich. Doch selbst für die Blindesten unter den Blinden muss klar sein, dass es sehr ernste Unterschiede zwischen beiden gibt, ja ein Abgrund zwischen beiden klafft.</p>
<p> </p>
<p>Denn nur weil zwei bürgerliche Politiker grundsätzlich dieselben Klasseninteressen vertreten, heißt das noch lange nicht, dass es innerhalb dieser Klasse keine scharfen Konflikte gibt. Solche Konflikte hat es tatsächlich immer gegeben.</p>
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<p>Das zentrale Problem der Bourgeoisie ist, dass das Modell, das den Kapitalismus jahrzehntelang stabil gehalten hat, endgültig gescheitert ist.</p>
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<p>Die Globalisierung, die es ihnen lange erlaubte, die Grenzen des Nationalmarktes zu überwinden, ist an ihre Grenzen gestoßen. An ihre Stelle tritt der Aufstieg des wirtschaftlichen Nationalismus. Überall setzt die Kapitalistenklasse nun ihre eigenen nationalen Interessen gegen die der anderen durch. Die Ära des Freihandels weicht einer Ära der Zölle und Handelskriege.</p>
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<p>Die Nostalgiker des Liberalismus beklagen das Ende der alten Ordnung. Doch Donald Trump umarmt sie mit der Inbrunst eines frisch Bekehrten. Und damit hat er die Weltordnung auf den Kopf gestellt – zum Entsetzen der schwächeren Nationen.</p>
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<p>Donald Trump ruft sich damit den Zorn seiner früheren „Verbündeten“ in Europa herbei, die ihm für ihr ganzes Unglück die Schuld geben. Doch er hat diese Situation nicht erfunden. Er ist nur ihr schärfster und konsequentester Vertreter.</p>
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<h3 class="wp-block-heading"><strong>Der Bankrott des Liberalismus</strong></h3>
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<p>Seit vielen Jahren haben die herrschende Klasse und ihre politischen Vertreter im Westen systematisch ein pseudo-progressives Image gepflegt, um die Realität der Klassenherrschaft zu verschleiern. Sie haben die sogenannte Identitätspolitik geschickt als Waffe der Konterrevolution eingesetzt.</p>
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<p>Und die „Linken“, denen jegliche belastbare ideologische Grundlage fehlt, haben diesen Unsinn komplett geschluckt. Das hat sie in den Augen der Arbeiterklasse nur noch weiter diskreditiert. Statt für die tatsächlichen Interessen von Arbeitern, Frauen und anderen unterdrückten Schichten zu kämpfen, streiten sie sich über Worte und wiederholen endlos die Phrasen der sogenannten politischen Korrektheit.</p>
<p> </p>
<p>Wenn dann ein Donald Trump kommt und Identitätspolitik und politische Korrektheit anprangert, ist es wenig überraschend, dass er bei Millionen einfacher Menschen auf Resonanz stößt, deren Gehirne nicht völlig vom postmodernen Wahnsinn vernebelt sind.</p>
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<h3 class="wp-block-heading"><strong>Verteidigen die Liberalen die Demokratie?</strong></h3>
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<p>Die Liberalen haben eine ziemlich merkwürdige Auffassung von Demokratie. Wie wir gesehen haben, sind sie für Wahlen – aber nur, wenn ihr bevorzugter Kandidat gewinnt. Fällt das Ergebnis nicht in ihrem Sinne aus, schreien sie sofort Betrug, werfen mit Anschuldigungen über Wahlfälschung um sich und spekulieren über alle möglichen fragwürdigen Machenschaften – meist ohne einen einzigen Beweis.</p>
<p> </p>
<p>Das war nach Trumps Wahlsieg über Hillary Clinton 2016 zu beobachten. Trump war der erste US-Präsident der Geschichte, der weder ein öffentliches Amt noch eine militärische Laufbahn hatte. Er war ein Außenseiter, der nicht mit dem bestehenden Washingtoner Establishment verbandelt war, das seit Jahrzehnten das politische Monopol innehatte.</p>
<p> </p>
<p>Sie sahen in ihm eine Bedrohung für ihr Monopol und handelten entsprechend, um die Demokratie zu untergraben und das Wahlergebnis rückgängig zu machen. Die Demokraten inszenierten den berüchtigten „Russiagate“-Skandal mit dem klaren Ziel, Trump aus dem Amt zu drängen.</p>
<p> </p>
<p>Das könnte man mit Fug und Recht einen demokratischen Putschversuch nennen. Ein Verstoß gegen die Demokratie? Natürlich. Aber wenn es manchmal nötig ist, die Regeln der Demokratie zu brechen, um die Demokratie zu verteidigen, dann muss das eben so sein.</p>
<p> </p>
<p>Anschließend gingen sie zu den absurdesten Mitteln über, um zu verhindern, dass Trump je wieder Präsident wird. Eine regelrechter Tsunami von Gerichtsverfahren wurde gegen ihn losgetreten, mit dem Ziel, ihn ins Gefängnis zu bringen.</p>
<p> </p>
<p>Vier große Prozesse richteten sich direkt gegen ihn – angefangen mit der berüchtigten Stormy-Daniels-Affäre, über Wahlmanipulationsvorwürfe in Georgia bis hin zur Affäre um geheime Dokumente in Mar-a-Lago. Dazu kamen über 100 weitere Klagen gegen seine Regierung.</p>
<p> </p>
<p>Die Massenmedien wurden vollständig mobilisiert, um diesen Angriff auszunutzen. Aber es ging völlig nach hinten los. Jedes dieser Verfahren führte nur dazu, dass seine Unterstützung in den Umfragen weiter wuchs. Das Endergebnis zeigte sich bei der Präsidentschaftswahl am 5. November 2024.</p>
<p> </p>
<p>Mit der zweithöchsten Wahlbeteiligung seit 1900 (nach 2020) gewann Trump 77.284.118 oder 49,8 Prozent der Stimmen. Das war die zweithöchste Stimmenzahl in der US-Geschichte (nach Bidens Sieg 2020). Trump gewann alle sieben Swing States.</p>
<p> </p>
<p>Das war nicht einfach nur ein Wahlsieg – es war ein triumphaler Durchmarsch. Es war eine totale Abfuhr für das liberale Establishment der Demokraten. Und eine schallende Ohrfeige für die korrupten Medien, die sich fast geschlossen hinter Harris gestellt hatten. Von den Tageszeitungen stellten sich 54 hinter Harris und nur 6 hinter Trump. Von den Wochenzeitungen waren 121 für Harris und nur 11 für Trump. Wie soll man das erklären?</p>
<p> </p>
<h3 class="wp-block-heading"><strong>Trump und die Arbeiterklasse</strong></h3>
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<p>Bemerkenswert ist der Unterschied in der Klassenzusammensetzung der Stimmen. Während die Mehrheit der Wähler mit einem Einkommen von über 100.000 Dollar für Harris stimmte, <a href="https://www.ft.com/content/6de668c7-64e9-4196-b2c5-9ceca966fe3f">konnte Trump die Mehrheit der Wähler mit einem Einkommen unter 50.000 Dollar für sich gewinnen</a>.</p>
<p> </p>
<p>Daran ist überhaupt nichts Überraschendes oder “Weirdes”. Trumps Anziehungskraft auf die Arbeiterklasse hat eine materielle Grundlage. Seit den frühen 1980ern sind die Reallöhne der amerikanischen Arbeiterklasse entweder stagniert oder gesunken – insbesondere, weil Jobs in andere Länder ausgelagert wurden. Das <a href="https://www.epi.org/publication/charting-wage-stagnation/">Economic Policy Institute</a> berichtet, dass die Einkommen der mittleren und unteren Klasse sich seit den späten 1970er Jahren kaum gestiegen sind, während die Lebenshaltungskosten kontinuierlich anstiegen.</p>
<p> </p>
<p>In vielen US-Städten herrschen mittlerweile Zustände von Elend und Verwahrlosung, die den ärmsten Gegenden Lateinamerikas, Afrikas oder Asiens in nichts nachstehen. Und dieses Elend existiert neben der obszönsten Konzentration von Reichtum in wenigen Händen, die seit über 100 Jahren zu beobachten war.</p>
<p> </p>
<p>Doch all das bleibt für die „progressiven“ Mittelschichtslinken offenbar unsichtbar. Das politische Establishment und seine gutbezahlte Journalisten- und Kommentatorenbande waren auf ihrer identitätspolitischen Vergiftung derart hängengeblieben, dass sie die wirklichen Probleme der Arbeiterklasse – egal ob schwarz oder weiß, männlich oder weiblich, hetero oder queer – konstant ignoriert haben.</p>
<p> </p>
<p>Ein typisches Beispiel war die absurde Kampagne der politisch korrekten Dummköpfe, den Begriff „Latinx“ als genderneutrale Alternative zu „Latino“ zu etablieren. Doch laut <a href="https://www.pewresearch.org/race-and-ethnicity/2024/09/12/latinx-awareness-has-doubled-among-u-s-hispanics-since-2019-but-only-4-percent-use-it/">Pew Research</a> verwenden gerade mal vier Prozent der Hispanics diesen Begriff – 75 Prozent sagen, er solle überhaupt nicht benutzt werden.</p>
<p> </p>
<p>Diese Ignoranz öffnete Demagogen wie Donald Trump Tür und Tor, um die aufgestaute Wut von Millionen Menschen aufzugreifen, die sich vom liberalen Establishment in Washington völlig ignoriert fühlten.</p>
<p> </p>
<p>2024 konnte Trump deshalb seine Basis ausbauen, indem er gezielt schwarze und lateinamerikanische Arbeiterklasse-Milieus ansprach.</p>
<p> </p>
<p>Das ist das direkte Ergebnis des Verrats der „Linken“ wie Sanders, die keinerlei klare Alternative zu den Liberalen aufzeigten und damit rechten Demagogen wie Trump Tür und Tor öffneten.</p>
<p> </p>
<p>Tatsache ist, dass bis vor Kurzem selbst der Begriff <em>Arbeiterklasse</em> in der Wahlpropaganda der großen Parteien praktisch nicht mehr existierte. Noch die wagemutigsten Linken sprachen stattdessen von der <em>Mittelschicht</em>. Und so war die amerikanische Arbeiterklasse in der politischen Praxis schlichtweg ausradiert.</p>
<p> </p>
<p>Natürlich gab es hier und da eine Ausnahme. Aber es ist wirklich keine Übertreibung zu sagen, dass ausgerechnet Donald Trump – ein milliardenschwerer, rechter Demagoge – der Einzige war, der in seinen Reden beanspruchte, für die Arbeiterklasse einzutreten. Man könnte fast sagen, dass er allein die Arbeiter wieder ins Zentrum der amerikanischen Politik gerückt hat.</p>
<p> </p>
<p>Natürlich wissen wir, dass das bloße Demagogie ist – leere Rhetorik ohne Substanz. Natürlich sagt Trump solche Dinge nur für seine eigenen Zwecke, die zwangsläufig mit den Interessen der Klasse zusammenhängen, der er angehört.</p>
<p> </p>
<p>Das ist uns völlig klar und es ist völlig belanglos. Die einfache Wahrheit ist, dass es den Millionen von Arbeitern, die ihn gewählt haben, eben nicht klar war. Diese Wahrheit ignorieren wir auf eigene Gefahr.</p>
<p> </p>
<h3 class="wp-block-heading"><strong>Wessen Interessen verteidigt Trump?</strong></h3>
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<p>Die Antwort darauf ist eigentlich denkbar einfach. Wir sagen: Dieser Milliardär verteidigt die Interessen seiner Klasse. Alles, was er sagt, dient letztlich diesen Interessen – also den Interessen der Kapitalisten und Banker. Daraus folgt wie die Nacht auf den Tag, dass diese Interessen niemals mit denen der Arbeiterklasse übereinstimmen können.</p>
<p> </p>
<p>Um die Unterstützung der Arbeiter zu gewinnen, wird er aber manchmal Dinge sagen, die für sie plausibel klingen. Wenn er über Jobs, sinkende Löhne oder steigende Preise spricht, dann kommt das natürlich an.</p>
<p> </p>
<p>Und es kann sogar sein, dass die eine oder andere seiner Aussagen faktisch korrekt ist. Trump hat selbst zugegeben, dass er einige Ideen aus Sanders’ Reden verwendet hat, um Arbeiter für sich zu gewinnen.</p>
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<p>Natürlich bleibt er trotzdem ein reaktionärer, bürgerlicher Politiker. Aber das heißt nicht, dass er dasselbe ist wie jeder andere reaktionäre, bürgerliche Politiker. Er hat seinen eigenen Blick auf die Dinge, seine eigene Sichtweise, Politik und Strategie, die sich in vielen grundlegenden Punkten von derjenigen von Joe Biden und seiner Clique unterscheidet.</p>
<p> </p>
<p>In mancher Hinsicht scheinen seine Positionen sogar mit unseren übereinzustimmen – zumindest bis zu einem gewissen Grad. Man denke an seine Haltung zum Ukraine-Krieg, an die Auflösung von USAID oder seine Ablehnung der sogenannten „Wokeness“. Dass es solche Überschneidungen zwischen dem, was bürgerliche Politiker sagen, und dem, was wir selbst vertreten, geben kann, ist nichts Neues. Trotzki hat das schon vor langer Zeit erklärt.</p>
<p> </p>
<p>Im Mai 1938 schrieb er den Artikel <a href="https://www.marxists.org/deutsch/archiv/trotzki/1938/05/denken.htm"><em>Lernt denken – ein freundschaftlicher Rat an gewisse Ultralinke</em></a>. Darin heißt es: „In neunzig von hundert Fällen setzen die Arbeiter tatsächlich ein Minuszeichen, wo die Bourgeoisie ein Pluszeichen setzt. In zehn Fällen hingegen sind sie gezwungen, dasselbe Zeichen zu setzen wie die Bourgeoisie – allerdings mit ihrem eigenen Stempel, der ihr Misstrauen gegenüber der Bourgeoisie ausdrückt. Die Politik des Proletariats ergibt sich keineswegs automatisch aus der Politik der Bourgeoisie, nur mit umgekehrtem Vorzeichen (dann wäre jeder Sektierer ein Meisterstratege). Nein, die revolutionäre Partei muß sich in jedem Falle, in der inneren wie in der äußeren Lage, unabhängig orientieren und die Entscheidungen treffen, die den Interessen des Proletariats am besten entsprechen. Diese Regel gilt für Kriegszeiten genauso wie für Friedenszeiten.“</p>
<p> </p>
<p>Selbst wenn Trump also die Wahrheit sagt, tut er das immer aus der Perspektive seiner eigenen Klasseninteressen und zu reaktionären Zwecken, mit denen wir absolut nichts gemeinsam haben.</p>
<p> </p>
<p>Der entscheidende Punkt ist: Wir müssen in jeder Frage die Klassenposition betonen. Deshalb wäre es absolut unzulässig, uns mit Trumps Politik zu identifizieren. Es wäre ein schwerer Fehler.</p>
<p> </p>
<p>Doch es wäre ein noch weitaus größerer Fehler – ja, geradezu ein Verbrechen –, auch nur einen Moment lang an der Seite der sogenannten „liberalen“ und „demokratischen“ Bourgeoisie zu stehen, deren Angriffe auf Trump nichts anderes sind als ein Versuch des reaktionären bürgerlichen Establishments, das von Trump aktuell bekriegt wird.</p>
<p> </p>
<h3 class="wp-block-heading"><strong>Das kleinere Übel?</strong></h3>
<p> </p>
<p>Sobald man sich Zugeständnisse an Anschuldigungen wie „Faschismus“, „Bonapartismus“ oder die angebliche „Gefahr für die Demokratie“ macht, begibt man sich in Gefahr – und sei es nur unbewusst – auf die Position des kleineren Übels abzurutschen. Das ist aber zweifellos die größte Gefahr.</p>
<p> </p>
<p>Ist es richtig zu sagen, dass das Biden-Regime gegenüber Trump fortschrittlich war? So wurde es uns verkauft. Und die sogenannte Linke hat das naiv geschluckt.</p>
<p> </p>
<p>Sie versuchen zu argumentieren, Trump sei ein Feind der Demokratie. Doch wer sich das ungeheuerliche Verhalten der Biden-Clique ansieht, erkennt, dass sie bis zum letzten Moment nichts als Verachtung für die Demokratie zeigte.</p>
<p> </p>
<p>Man nehme nur Bidens sogenannte „eiserne“ Unterstützung für Israels Angriff auf Gaza – die ihm den Spitznamen „Genocide Joe“ einbrachte. Oder die brutale Unterdrückung des Versammlungsrechts unter seiner „demokratischen“ Regierung, bei der hunderte Studierende zusammengeschlagen und 3.200 landesweit verhaftet wurden, nur weil sie sich friedlich mit Palästina solidarisierten.</p>
<p> </p>
<p>Biden hatte versprochen, „der gewerkschaftsfreundlichste Präsident in der Geschichte der USA“ zu sein, doch er zerschlug das Streikrecht der Eisenbahner. Er hatte versprochen, die Abschiebungen unter Trump zu beenden – und deportierte am Ende sogar mehr Menschen ohne Papiere als sein Vorgänger. Und die Liste ließe sich fortsetzen.</p>
<p> </p>
<p>Selbst als bereits offensichtlich war, dass er unfähig war, das Amt auszuüben, und er von seiner eigenen Partei als Präsidentschaftskandidat abgesetzt war, klammerte sich Biden weiter an sein Amt.</p>
<p> </p>
<p>Selbst nachdem die überwältigende Mehrheit der Wählerschaft die Demokraten abgewählt hatte, nutzte er seine Macht als Präsident, um offen Sabotage gegen den demokratisch gewählten Kandidaten Trump zu betreiben, und die USA an den Rand eines Krieges mit Russland zu treiben.</p>
<p> </p>
<p>Es wäre schwer, sich eine unverhohlenere Missachtung der Demokratie und des Willens der überwältigenden Mehrheit der US-Bevölkerung vorzustellen. Doch dieser Gangster und seine Clique gaben weiterhin vor, die Verteidiger der Demokratie gegen die angebliche Gefahr der Diktatur zu sein!</p>
<p> </p>
<p>Auch vieles andere, was Biden und seine Gang taten, war unendlich konterrevolutionärer, desaströser und ungeheuerlicher als irgendetwas, von dem Trump je geträumt hat. Das ist die Wahrheit. Und es gibt trotzdem Linke, die behaupten, es wäre vorzuziehen, wenn man die Demokraten gegen Trump unterstützt, „um die Demokratie zu verteidigen“!</p>
<p> </p>
<p>Unsere Aufgabe ist es nicht, uns an ein sinkendes Schiff zu klammern. Im Gegenteil – wir tun alles, um es zum Sinken zu bringen. Es ist nicht unsere Politik, Illusionen in die Liberalen und ihre sogenannte Demokratie zu säen, sondern sie als zynische Unwahrheit und Täuschung zu entlarven.</p>
<p> </p>
<p>Trotzki machte in <a href="https://www.marxists.org/deutsch/archiv/trotzki/1934/wohinfr1/wohin1.htm#zusa"><em>Wohin geht Frankreich?</em></a> klar, dass die Politik des „kleineren Übels“ nichts als ein Verbrechen und ein Verrat an der Arbeiterklasse ist: „Die Arbeiterpartei soll sich nicht mit hoffnungslosen Versuchen abgeben, diese Partei von Bankrotteuren zu retten, sie muss im Gegenteil aus Leibeskräften den Prozess der Befreiung der Massen vom Einfluss der Radikalen fördern.“ [Die Radikalen waren eine liberale Partei, die in den 1930er Jahren in Frankreich an der Macht war.]</p>
<p> </p>
<p>Das ist heute ein ebenso treffender Ratschlag. Im Kampf gegen die Trump-Reaktion dürfen wir uns in keiner Weise mit den bankrotten liberalen Demokraten assoziieren.</p>
<p> </p>
<h3 class="wp-block-heading"><strong>Der Weg zur Arbeiterklasse</strong></h3>
<p> </p>
<p>Übergangsperioden wie die, in der wir uns gerade befinden, führen zwangsläufig zu Verwirrung. Wir werden immer wieder mit vielerlei neuen und komplexen Phänomenen konfrontiert sein, für die es keine klaren historischen Präzedenzfälle gibt.</p>
<p> </p>
<p>Um sich nicht aus dem Gleichgewicht bringen zu lassen, muss man sich jederzeit an den grundlegenden Prinzipien orientieren und darf sich nicht durch diese oder jene zufällige Entwicklung vom Kurs abbringen lassen. Das zentrale Element der gegenwärtigen Lage ist, dass die objektive Lage einerseits nach einer revolutionären Lösung schreit.</p>
<p> </p>
<p>Das Potenzial ist vorhanden. Andererseits gibt es aktuell keine Kraft, die stark genug wäre, um dieses Potenzial zu verwirklichen. Daher bleibt es – zumindest vorerst – eben nur ein Potenzial.</p>
<p> </p>
<p>Die Massen suchen verzweifelt nach einem Ausweg aus der Krise. Sie setzen einen Politiker nach dem anderen auf die Probe und decken rasch die Mängel aller bestehenden Organisationen auf. Das erklärt die allgemeine politische Instabilität, die sich in heftigen Schwankungen im Wahlverhalten ausdrückt – mal nach links, dann nach rechts, und wieder zurück.</p>
<p> </p>
<p>In der Abwesenheit einer revolutionären Führung bleibt das Feld offen für die verschiedensten seltsamen Abweichungen und Demagogen à la Trump.</p>
<p> </p>
<p>Solche Figuren können in kürzester Zeit aufsteigen und dem aufgestauten Zorn der Massen einen Ausdruck verleihen. Doch früher oder später scheitern sie an der Realität, und die Enttäuschung ebnet den Weg für eine neue Bewegung in die entgegengesetzte Richtung.</p>
<p> </p>
<p>Wer das rein negativ betrachtet, hat den Prozess völlig missverstanden. Die Massen sind verzweifelt und brauchen schnell Lösungen für ihre Probleme. Figuren wie Trump scheinen ihnen genau das zu versprechen.</p>
<p> </p>
<p>Wir müssen das verstehen und solche Bewegungen nicht einfach als “rechtsextrem” (ein ohnehin völlig nichtssagender Begriff) abtun. Natürlich gibt es in solchen Bewegungen immer reaktionäre Elemente. Aber die Tatsache, dass sie eine Massenbasis haben, bedeutet, dass sie auch innere Widersprüche enthalten.</p>
<p> </p>
<p>Wenn wir einen Weg zu den Arbeitern finden wollen, egal in welchem Land, dann müssen wir sie nehmen, wie sie sind – nicht wie wir sie gerne hätten. Um einen Dialog mit den Arbeitern zu führen, müssen wir an ihrem aktuellen Bewusstseinsstand ansetzen. Jede andere Herangehensweise ist nichts als ein Rezept für Sterilität und Hilflosigkeit.</p>
<p> </p>
<p>Wer ernsthaft mit einem Arbeiter sprechen will, der Illusionen in Trump hat, kann nicht mit schrillen Verdammungen oder Faschismus-Vorwürfen anfangen. Wenn wir ihm aber aufmerksam zuhören, können wir bei vielen Punkten anknüpfen, bei denen Übereinstimmung besteht, und dann mit geschickten Argumenten nach und nach Zweifel daran säen, dass die Interessen der Arbeiterklasse wirklich von einem milliardenschweren Geschäftsmann vertreten werden können.</p>
<p> </p>
<p>Natürlich werden diese Argumente in der aktuellen Etappe nicht notwendigerweise Erfolg haben. Die Arbeiterklasse lernt im Allgemeinen nicht aus Diskussionen, sondern durch eigene Erfahrung. Und die Erfahrung mit einer neuen Trump-Regierung wird für viele Arbeiter eine äußerst schmerzhafte Lernkurve sein.</p>
<p> </p>
<p>Deshalb müssen wir gegenüber Trump-Wählern freundlich auftreten, allem zustimmen, dem wir zustimmen können, und ihnen dann geschickt die Grenzen des Trumpismus aufzeigen und für den Sozialismus argumentieren.</p>
<p> </p>
<p>Die Widersprüche werden früher oder später an die Oberfläche kommen. Trotzdem werden sich die Illusionen in Trump eine Weile halten.</p>
<p> </p>
<p>Wer sich den vielen ehrlichen Arbeitern gegenüber, die aus völlig verständlichen Gründen jetzt Trump unterstützen, nur feindselig und aggressiv verhält, erreicht gar nichts. Eine solche Herangehensweise ist völlig steril und kontraproduktiv.</p>
<p> </p>
<p>Die Geschichte kennt viele Beispiele von Arbeitern, die ihre ersten politischen Erfahrungen mit extrem rückständigen, ja sogar reaktionären Ansichten machten, nur um dann unter dem Einfluss der Ereignisse in die entgegengesetzte Richtung zu gehen.</p>
<p> </p>
<p>Zu Beginn der Russischen Revolution 1905 waren die Marxisten eine kleine, isolierte Minderheit. Die große Mehrheit der russischen Arbeiter war rückständig, gläubig und hatte Illusionen in den Zaren.</p>
<p> </p>
<p>Die überwältige Mehrheit der Arbeiter in St. Petersburg folgten anfangs dem Popen Gapon, der aktiv mit der Polizei zusammenarbeitete. Als die Marxisten Flugblätter verteilten, die den Zaren angriffen, wurden die Flugblätter oft zerrissen und die Revolutionäre oft von eben diesen Arbeitern zusammengeschlagen.</p>
<p> </p>
<p>Doch nach dem Massaker des Blutsonntags am 9. Januar verwandelte sich all das in sein Gegenteil. Die gleichen Arbeiter, die zuvor die Flugblätter zerrissen hatten, kamen nun zu den Revolutionären gelaufen und verlangten Waffen, um den Zaren zu stürzen.</p>
<p> </p>
<p>In den USA gab es ein weniger dramatisches, aber dennoch aufschlussreiches Beispiel: Farrell Dobbs. Dieser junge Arbeiter begann seine politische Laufbahn in den 1930er Jahren als überzeugter Republikaner.</p>
<p> </p>
<p>Doch durch die Erfahrung des Klassenkampfes wechselte er direkt von der rechten Republikanischen Partei zum revolutionären Trotzkismus und wurde zu einer der zentralen Figuren der Teamster-Rebellion in Minneapolis.</p>
<p> </p>
<p>In den kommenden stürmischen Klassenkämpfen in den USA werden wir viele solcher Beispiele sehen. Und einige der Arbeiter, die heute noch Trump oder ähnlichen Demagogen hinterherlaufen, können auf Grundlage der kommenden Ereignisse für das Banner der sozialistischen Revolution gewonnen werden.</p>
<p> </p>
<p>An der Oberfläche wirkt die Trump-Bewegung stabil, ja unzerstörbar. Doch das ist eine optische Täuschung. In Wahrheit ist sie extrem heterogen und voller Widersprüche. Früher oder später werden sie aufbrechen.</p>
<p> </p>
<p>Trumps liberale Feinde hoffen darauf, dass das Scheitern seiner Wirtschaftspolitik zu weit verbreiteter Enttäuschung führt und er seine Unterstützung verliert. So etwas vorherzusehen, ist keine Kunst. Die Zölle führen schon jetzt zu unvermeidbaren Gegenmaßnahmen. Diese müssen sich schließlich in Arbeitsplazverlusten und Werksschließungen in den betroffenen Branchen ausdrücken.</p>
<p> </p>
<p>Doch Prognosen über einen baldigen Niedergang der Trump-Bewegung sind verfrüht. Trump hat enorme Erwartungen und Hoffnungen bei Millionen Menschen geweckt, die zuvor völlig perspektivlos waren. Solche Illusionen sitzen tief. Sie sind stark genug, um eine ganze Serie von Erschütterungen und vorübergehenden Enttäuschungen zu überstehen.</p>
<p> </p>
<p>Es wird Zeit brauchen, bis der hypnotische Bann von Trumps Demagogie nachlässt. Doch früher oder später wird die Desillusionierung einsetzen – und je länger es dauert, bis die Arbeiterklasse erkennt, dass ihre Klasseninteressen nicht vertreten werden, desto heftiger wird die Reaktion ausfallen.</p>
<p> </p>
<p>Trump ist schon sehr alt geworden. Selbst wenn er einem Attentat entgeht, wird früher oder später die Natur ihre eisernen Gesetze durchsetzen. So oder so ist es unwahrscheinlich, dass er noch einmal für das Präsidentenamt kandidiert – selbst wenn sich die Regeln zu seinen Gunsten ändern ließen.</p>
<p> </p>
<p>Trumpismus ohne Donald J. Trump ist kaum vorstellbar. Gerade seine Persönlichkeit, sein unbestreitbares Talent als Massenführer und Meister der Demagogie ist der Kitt, der seine heterogene Bewegung zusammenhält. Ohne ihn werden die inneren Widersprüche, die in ihr schlummern, unweigerlich an die Oberfläche treten und zu internen Krisen und Spaltungen in der Führung führen.</p>
<p> </p>
<p>J.D. Vance scheint der wahrscheinlichste Nachfolger von Trump zu sein, doch er besitzt weder dessen immense Autorität noch dessen Charisma. Er ist jedoch ein kluger Mann, der sich – je nach Verlauf der Ereignisse – in die unterschiedlichsten Richtungen entwickeln kann. Was dabei herauskommt, ist nicht vorhersehbar.</p>
<p> </p>
<p>Ein bekanntes Gesetz der Mechanik besagt, dass jede Aktion eine gleich große und entgegengesetzte Reaktion erzeugt. Trump ist ein Meister der Übertreibung. Seine demagogischen Äußerungen kennen keine Grenzen. Alles ist „marvellous“, „tremendous“, „wonderful“, „enormous“ und so weiter. Und entsprechend wird die Enttäuschung, wenn sie kommt, ebenso gewaltig sein.</p>
<p> </p>
<p>An einem bestimmten Punkt wird seine Bewegung beginnen, sich entlang von Klassenlinien aufzuspalten. Sobald die Arbeiter sich von ihm abwenden, werden sich die fanatisierten kleinbürgerlichen Elemente wahrscheinlich den Embryo einer neuen, tatsächlich faschistischen oder bonapartistischen Organisation bilden.</p>
<p> </p>
<p>Aus diesem chaotischen Prozess heraus wird die Bewegung hin zu einer dritten Partei unaufhaltsam werden. Ihrer Natur nach wird sie zunächst widersprüchlich sein – keineswegs zwangsläufig links oder fortschrittlich. Doch die Ereignisse werden ihre eigene Logik entfalten.</p>
<p> </p>
<p>Viele Arbeiter, die sich an Trumps Experiment die Finger verbrannt haben, werden nach einer neuen Banner suchen, das ihren Zorn und ihren tief verwurzelten Hass auf die Reichen und das Establishment klarer widerspiegelt, der selbst nichts anderes ist als ein unreifes, instinktives Aufbegehren gegen das kapitalistische System selbst. Das wird sie mit voller Wucht nach links treiben.</p>
<p> </p>
<p>Es ist keineswegs abwegig anzunehmen, dass einige der kühnsten, engagiertesten und selbstlosesten Kämpfer der zukünftigen kommunistischen Bewegung in den USA genau aus jenen Arbeitern bestehen werden, die einst die Schule des Trumpismus durchlaufen haben und daraus die richtigen Lehren gezogen haben. Wie wir gesehen haben, gibt es für solche Entwicklungen zahlreiche historische Parallelen.</p>
<p> </p>
<p>Zum Abschluss sei eines klargestellt: Was ich hier skizziert habe, ist keine ausgearbeitete Perspektive, geschweige denn eine detaillierte Vorhersage der Zukunft. Um das zu leisten, bräuchte man nicht die marxistische Methode, sondern eine Kristallkugel – die leider noch nicht erfunden wurde.</p>
<p> </p>
<p>Auf der Grundlage aller mir verfügbaren Fakten habe ich eine vorläufige Einschätzung gegeben, die nicht mehr als eine begründete Annahme sein kann. Die gegenwärtige Situation ist eine extrem komplexe Gleichung mit vielen möglichen Lösungen. Erst die Zeit wird die Lücken füllen und uns die Antwort liefern.</p>
<p> </p>
<p>Die Geschichte wird uns noch viele Überraschungen bereiten. Nicht alle werden schlecht sein.</p>
<p></p>
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		<title>Europa ohne Amerika: Wir steuern auf schwere Zeiten zu </title>
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		<dc:creator><![CDATA[Ben Curry]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Mar 2025 17:00:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Nordamerika]]></category>
		<category><![CDATA[Weltgeschehen]]></category>
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		<category><![CDATA[Wieso wird in Deutschland aufgerüstet?]]></category>
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<p>Noch bevor Trump als 47. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika bestätigt wurde, hatte ein europäischer Think Tank erklärt, dass „die größte Krise in den transatlantischen Beziehungen seit Suez“ im Gange sei. Ein EU-Bürokrat schlug in die gleiche Kerbe: „Gibt es überhaupt noch Beziehungen zwischen der EU und den USA?“ Panik macht sich in den europäischen Machtzentralen breit. </p>

<p>Es ist nicht schwer zu verstehen, warum. Trump hat mit Zöllen in Höhe von 20 Prozent auf alle europäischen Importe gedroht; er hat eine Einigung mit Putin zur Beendigung des Ukraine-Kriegs versprochen; er hat damit gedroht, Grönland vom NATO-Mitgliedsland Dänemark zu annektieren; und er hat von den europäischen NATO-Mitgliedern verlangt, ihre Verteidigungsausgaben auf fünf Prozent des BIP zu erhöhen, andernfalls würden sie zusehen müssen, wie die USA aus dem Militärbündnis austrete. Bemerkenswert war auch, dass die einzige europäische Amtsinhaberin, die eine Einladung zu seiner Amtseinführung erhielt, die Italienerin Georgia Meloni war, obwohl viele Führer sogenannter „rechtsextremer“ und euroskeptischer Parteien auf besondere Einladung anwesend waren. </p>

<p>All dies ergibt sich aus Trumps Strategie, die einen Bruch mit der Politik des US-Imperialismus seit der Nachkriegszeit darstellt. Das Problem ist, dass die europäische Kapitalistenklasse ihr ganzes Vermögen auf dieser Politik aufgebaut hat, nämlich darauf, dass der US-Imperialismus um jeden Preis seinen Status als die alles beherrschende wirtschaftliche und militärische Supermacht der Welt aufrechterhält, als oberster Schiedsrichter dessen, was man heute „die Regelbasierte Weltordnung“ nennt. </p>

<p>Jeder US-Präsident seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion hat bisher versucht, die uneingeschränkte Vorherrschaft der USA in der Welt aufrechtzuerhalten. Dies steht jedoch zunehmend im Widerspruch zu hartnäckigen materiellen Fakten. Trump ist der festen Überzeugung, dass diese nicht länger ignoriert werden können, ohne die imperialistischen Interessen der USA zu gefährden. </p>

<p>Da die amerikanische Industrie einem immer härteren Wettbewerb durch aufstrebende Konkurrenten ausgesetzt ist, beabsichtigt Trump, allen, die auf den US-Markt drängen, die Tür vor der Nase zuzuschlagen. Und wenn er sagt „Amerika zuerst“ (<em>America first)</em>, meint er nicht „Amerika und seine Verbündeten zuerst“. Er meint genau das, was er sagt. Das bedeutet Zölle nicht nur auf chinesische Waren, sondern auch auf europäische Waren. </p>

<p>Der europäische Kapitalismus befindet sich bereits in einer Sackgasse. Ein Zollkrieg wird seine Probleme noch vergrößern, nicht nur, weil er den Zugang der EU zu ihrem größten Exportmarkt behindern wird, sondern auch, weil er China zwingen wird, sich nach anderen Märkten, einschließlich des europäischen, umzusehen, um seinen eigenen Überschuss abzusetzen. </p>

<p>Aber das ist nur der Anfang des Problems für Europa. Trumps Politik ist nicht nur eine des wirtschaftlichen Protektionismus, sondern auch eine des geopolitischen Rückzuges. </p>

<h3><strong>Rückzug</strong> </h3>

<p>Im Wahlkampf im November haben sich die Liberalen darüber ausgelassen, dass Trump „verrückt“ sei. Sie wollen uns glauben machen, dass sie im Gegensatz dazu „die Erwachsenen im Raum“ sind. Die Unverfrorenheit von Trumps Rhetorik und die scheinbare Skurrilität seiner Äußerungen über die Annexion von Teilen der Nachbarländer und Verbündeten der USA könnten den Eindruck erwecken, dass er tatsächlich verrückt sei. </p>

<p>Doch in vielerlei Hinsicht sind es die Liberalen, die den Bezug zur Realität verloren haben, und Trump, dessen Politik die nüchternere Einschätzung der harten Realitäten darstellt, mit denen der US-Imperialismus im Moment konfrontiert ist. Die Politik der Liberalen, die die Realität ignorieren und versuchen, die US-Hegemonie überall auf einmal durchzusetzen, hat zu einer teuren Katastrophe nach der anderen geführt: in Afghanistan, in Syrien, in der Ukraine. Und wofür? Sie haben den Niedergang der USA weder aufgehalten noch auch nur verlangsamt.  </p>

<p>Trump beabsichtigt, dieses Ungleichgewicht zu korrigieren und in Taten anzuerkennen, dass die USA zwar immer noch die größte Militärmacht der Welt sind, aber nicht mehr alles beherrscht und sich auch nicht mehr so darstellen sollte. Die USA müsse sich ihre Schlachten aussuchen. Das bedeutet, dass sie ihre Macht in den Teilen der Welt stärken muss, in denen sie wirklich lebenswichtige Interessen und Einflusssphären zu verteidigen hat. Es bedeutet aber auch, anzuerkennen, dass ihre Konkurrenten ebenfalls ihre Einflussbereiche haben, um die zu streiten vergeblich wäre. </p>

<p>Darin liegt eine unbestreitbare Logik. Aber das bedeutet eine Reihe von Dingen. Es bedeutet, dass der US-Imperialismus die heuchlerische Behauptung aufgeben muss, eine so genannte „regelbasierte Ordnung“ aufrechtzuerhalten. Nein, Trump steht für das „Recht des Stärkeren“ (oder, um seine eigene Formulierung zu verwenden, „Frieden durch Stärke“).  </p>

<p>Das bedeutet auch, dass die USA die Kontrolle über ihr „nahes Ausland“ bekräftigen: Kanada, Mexiko, Panama und natürlich Grönland. Die dänische Regierung war entsetzt über Trumps Pläne für ihren Kolonialbesitz. Aber da sie nur 50 Soldaten dort stationiert hat, kann sie wenig tun, außer öffentlich zu protestieren &#8230; und privat zu verhandeln. </p>

<p>Wir haben es hier mit einem NATO-Mitglied zu tun, das einem anderen NATO-Mitglied mit einer Invasion droht. Was sagt das über die Zukunft dieses sogenannten Bündnisses aus? Trump möchte die Präsenz der USA in Gebieten verstärken, die er als strategisch und wirtschaftlich wichtig erachtet. Dazu gehören Grönland und die Arktis. Auch der pazifische Raum ist für das amerikanische Kapital ein Gebiet von entscheidender geostrategischer Bedeutung. Aber das kleine Hinterland Europa fällt nicht mehr in diesen Bereich. Der Schwerpunkt der Weltwirtschaft hat sich längst vom Atlantik in den Pazifikraum verlagert. </p>

<p>Die primäre militärische Funktion der NATO lag jedoch schon immer genau in Europa, mit dem Fokus auf Russland (früher die Sowjetunion und der Warschauer Pakt) und der Sicherung der westlichen Vorherrschaft in Europa. Trump hat wiederum ganz offen gesagt, dass der Ukraine-Krieg vom Westen durch die Osterweiterung der NATO provoziert wurde. Er hat auch deutlich gemacht, dass dieser Krieg aus Sicht der USA ein teures Ablenkungsmanöver ist, das weit vom Zentrum der US-Interessen entfernt ist. Mit beiden Einschätzungen liegt er richtig, und er hat geschworen, über das Ende des Krieges zu verhandeln, sobald er das Oval Office betritt. </p>

<p>Das hat in den europäischen Hauptstädten wirklich die Katze aus dem Sack gelassen. Die Europäer wurden von der Biden-Administration in diesen Krieg hineingezogen. Das Scheitern des Krieges und die damit einhergehenden Sanktionen haben zu einem Schlag für die Wirtschaft und das Ansehen der Europäer geführt, der in jüngster Zeit ohne Beispiel ist. Jetzt wird ihnen gesagt, dass die Europäer, wenn der Krieg fortgesetzt werden soll, dies zu ihren eigenen Bedingungen und auf ihre eigenen Kosten tun können, ohne Unterstützung der USA. Es handelt sich um einen NATO-Krieg, und dennoch hat der wichtigste militärische Beitragende der NATO erklärt, dass er sich aus dem Krieg zurückziehen wird. </p>

<p>All dies wirft die Frage nach der künftigen Existenz der NATO auf. Trump hat deutlich gemacht, dass ihm das keine schlaflosen Nächte bereiten wird. In Anbetracht der Tatsache, dass die USA 65 Prozent der militärischen Schlagkraft für ein Bündnis bereitstellen, das weit von seinem eigentlichen Interessensschwerpunkt entfernt ist, erscheint ihm dies &#8211; nicht zu Unrecht &#8211; als eine unnötige Subventionierung der europäischen Verteidigungsausgaben. Er hat deutlich gemacht, dass die Europäer Schmarotzer sind, und wenn die NATO-Mitglieder des Kontinents ihre Militärausgaben nicht auf 5 % des BIP anheben, ist er bereit, das Bündnis ganz zu verlassen. </p>

<p>Sein Werben um sogenannte „rechtsextreme“ nationalistische Gruppierungen in Europa, ganz zu schweigen von Elon Musks Tiraden gegen die „undemokratische“ Natur des Europäischen Parlaments, würde darauf hindeuten, dass nicht nur die NATO, sondern auch die EU selbst an die Wand gefahren werden könnte, wenn es nach Trump ginge. Dies würde zu seiner „America First“-Strategie passen, die nicht nur die amerikanische Industrie ankurbeln, sondern auch die industriellen Konkurrenten, einschließlich Europa, schwächen will.  </p>

<p>Da die transatlantischen Handels- und Verteidigungsbeziehungen ausfransen, besteht sowohl für die NATO als auch für die EU die reale Gefahr, dass sie sich in nächster Zeit völlig auflösen. Eine solche Zersplitterung des Kontinents wäre eine Katastrophe für die herrschenden Klassen in Europa. </p>

<h3><strong>Am Rockzipfel der USA hängen </strong> </h3>

<p>Der europäische Kapitalismus hat sich seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs an die Fersen des US-Imperialismus geheftet/am Rockzipfel der USA gehangen.  </p>

<p>In der NATO bot der US-Imperialismus den kleinen imperialistischen Nationen Europas einen militärischen Schutzschirm, unter dem sie sich versammeln konnten. In der späteren EU zwang er sie, oft gegen ihre eigenen kleinen nationalen Interessen, sich zu einem Block zusammenzuschließen. Und er gab den wirtschaftlichen Anstoß für die Wiederbelebung des europäischen und insbesondere des deutschen Kapitalismus, nachdem sich der Kontinent im Zweiten Weltkrieg bis zur Erschöpfung bekämpft hatte. </p>

<p>Als Berlin 1945 an die Alliierten fiel, war der erste Instinkt der Briten und Franzosen der einer kleinlichen, ruinierten Siegernation. Sie begannen damit, Deutschland auszurauben und auszuplündern, in der Hoffnung, den deutschen Imperialismus endgültig zu Fall zu bringen und Deutschland ein für alle Mal auch als Industrienation zu beenden. </p>

<p>Fabriken wurden demontiert und zum Wiederaufbau nach Großbritannien und Frankreich verfrachtet. Tonnen von Rohstoffen wurden als Reparationsleistungen entnommen, und Zehntausende von deutschen Kriegsgefangenen wurden zu Zwangsarbeitern für den britischen und französischen Wiederaufbau gemacht. </p>

<p>Hätte man es Großbritannien und Frankreich überlassen, so wäre Deutschland ein „Super-Versailles“ auferlegt worden. Doch die USA schritten ein, um diesen Machenschaften ein Ende zu setzen, die die zwergenhaften Ambitionen der inzwischen zweitklassigen Mächte widerspiegelten. </p>

<p>Die USA mussten ein mächtiges, industrialisiertes Westdeutschland als Gegengewicht zur Sowjetunion auf dem europäischen Kontinent wieder aufbauen. Sie mussten Europa wieder aufbauen, um eine Revolution zu verhindern und den Vormarsch des Kommunismus aufzuhalten. Sie finanzierte also eine Politik des Wiederaufbaus des europäischen Kapitalismus und zwang diese kleinen Staaten unter ihrer eigenen Herrschaft zusammen. </p>

<p>Anfang der 1950er Jahre bestand die Politik der USA gegenüber Europa darin, riesige Summen an Marshall-Hilfe für den Wiederaufbau bereitzustellen. Es wurden günstige Kredite gewährt und alte Schulden getilgt. Es war der Druck der USA, der die kontinentaleuropäischen Mächte dazu zwang, sich in der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl zusammenzuschließen, dem Vorläufer der EU. </p>

<p>Sehr zum Ärger der USA beharrten die Briten darauf, abseits zu bleiben, und hielten an ihrer albernen Vorstellung fest, eine Macht erster Ordnung mit einer „besonderen Beziehung“ zu den USA zu sein, mit denen sie sich der Illusion hingaben, sie könnten auf Augenhöhe verhandeln. </p>

<p>Die Amerikaner hätten es vorgezogen, Europa um Großbritannien herum zu vereinen, um ihre eigenen Interessen sicherer zu vertreten. Stattdessen stützten sie sich auf die Franzosen, die den US-Plan begeistert mitmachten und sich fälschlicherweise einbildeten, dass sie und nicht die Deutschen dazu bestimmt seien, ein neues integriertes Europa zu beherrschen. Doch es waren die Amerikaner, die von Anfang an das Sagen hatten und den Prozess der europäischen Integration vorantrieben. </p>

<p>Dieser Plan, ein industriell wiederaufgebautes Europa als Gegengewicht zur Sowjetunion zusammenzuführen, wurde durch das 1949 gegründete Militärbündnis NATO und die Präsenz von fast einer halben Million US-Soldaten auf dem Kontinent untermauert, ganz zu schweigen von den nuklearen Fähigkeiten. Auch hier waren die USA mit dem Drängen der einstigen Großmächte Europas konfrontiert, die versuchten, ihren alten Status zu erhalten. Die herrschende Klasse Frankreichs beispielsweise bestand darauf, ein eigenes, von der NATO getrenntes Atomwaffenarsenal zu besitzen. Sie bildeten sich gerne ein, dass sie dadurch mit den großen Supermächten auf eine Stufe gestellt würden, was natürlich nicht der Fall war. </p>

<p>Natürlich waren die EU und ihre Vorgängerorganisationen nicht nur Vehikel für die Interessen der USA. Die europäischen Kapitalistenklassen hatten immer ihre eigenen Interessen und konkurrierten mit dem amerikanischen Kapitalismus. Der US-Imperialismus wollte nicht zulassen, dass sich der europäische Imperialismus zu einem mächtigen militärischen Konkurrenten entwickelt, und seiner Unterstützung für die europäische Integration waren stets Grenzen gesetzt. </p>

<p>Die NATO ging Hand in Hand mit einer Begrenzung der deutschen Wiederaufrüstung, und während der gesamten Nachkriegszeit waren die USA stets auf der Hut vor einer gemeinsamen europäischen Verteidigungspolitik unabhängig von der NATO. Nachdem die Briten als treue Schoßhündchen des US-Imperialismus der EWG und dann der EU beigetreten waren, konnte man sich stets darauf verlassen, dass sie wiederholte Initiativen zur Bildung von so etwas wie einer europäischen Armee blockieren würden. </p>

<p>Dennoch profitierte Europa eine ganze Zeit lang von diesem Arrangement, bei dem seine militärischen Ambitionen von den USA abgewürgt wurden. Mit Hilfe der NATO konnten die Militärausgaben relativ niedrig gehalten werden, und das so eingesparte Geld konnte wieder in Investitionen gesteckt werden. </p>

<p>Die wirtschaftliche Macht der USA war die Grundlage dafür, dass die USA Europa wirtschaftlich und militärisch unterwerfen und dominieren konnten. Doch all die Faktoren, die den US-Imperialismus dazu anregten und es ihm ermöglichten, den europäischen Kapitalismus zu stützen und zu binden, haben sich in den letzten Jahrzehnten in ihr Gegenteil verkehrt. </p>

<p>Seit den 1990er Jahren gibt es keine Notwendigkeit mehr, die Sowjetunion „einzudämmen“. Die NATO blieb ein nützlicher Schirm, um den westlichen (d.h. amerikanischen) Einfluss in die ehemalige sowjetische Einflusssphäre zu verlagern. Der Anstoß zur Gründung der EU im Jahr 1993 ging jedoch von den Europäern selbst aus. </p>

<p>Um im Wettbewerb auf dem Weltmarkt bestehen zu können, mussten sie sich zusammenschließen. In einer Zeit der Handelsliberalisierung und Globalisierung stieß die Gründung des Gemeinsamen Marktes auf keinerlei Einwände der USA, und die Osterweiterung der EU diente als weiterer Transmissionsriemen für den amerikanischen Einfluss in Richtung Russland. </p>

<p>In militärischer Hinsicht war der Abbau der US-Militärpräsenz in Europa nach dem Ende des Kalten Krieges auch eine klare Botschaft an den europäischen Kapitalismus. Sie konnten sich nicht unbegrenzt auf die militärische Macht der USA verlassen. Sie unternahmen verschiedene Versuche, sich aus eigener Initiative militärisch zu vereinigen und scheiterten jedes Mal an dem unvereinbaren Flickenteppich nationaler Interessen, aus dem die EU besteht. </p>

<p>Es genügt, die Frage zu stellen: „Worauf würde sich ein EU-Militär konzentrieren?“, um zu erkennen, in welche Zwangslage eine gemeinsame Verteidigungspolitik die EU bringt. Die Franzosen haben imperialistische Interessen in Westafrika zu verteidigen. Die baltischen und nordischen Länder würden sich auf die russische Bedrohung konzentrieren. Für die Iren stellt sich die Frage der transatlantischen Unterseekabel usw. usw. </p>

<p>Die geringe Größe der europäischen Industrie stellt auch ein wirtschaftliches Hindernis für ihre militärischen Möglichkeiten dar. Das Projekt zur Entwicklung des Eurofighters beispielsweise führte aufgrund des komplizierten transnationalen Mischmaschs eines an der Entwicklung beteiligten Konsortiums zu einer Kostenspirale und immer neuen Verzögerungen. Es bestand aus verschiedenen europäischen Luft- und Raumfahrtunternehmen, von denen jedes einen Teil der Lieferkette bediente, und der gesamte Prozess war von Chaos geprägt. </p>

<p>Doch trotz all dieser strauchelnden Bemühungen, auf eigenen Füßen zu stehen, hat Europa weiterhin zusammengehalten. Das ist nicht zuletzt der Tatsache zu verdanken, dass die herrschende Klasse der USA an der Vorstellung festgehalten hat, sie könne und werde die ganze Welt auf unbestimmte Zeit unter der Ägide ihrer eigenen Alleinherrschaft halten. Nachdem die Sowjetunion nicht mehr im Weg stand, schienen die USA eine imperialistische Macht mit scheinbar unbegrenzter globaler Reichweite zu sein. Dies sollte das neue amerikanische Jahrhundert sein.  </p>

<p>Doch dieses Ziel geriet bald ins Wanken. Der US-Imperialismus wurde überdehnt. Inzwischen hat das Wachstum des Kapitalismus in Ostasien das Zentrum der US-Interessen vom Atlantik in den Pazifikraum verlagert. Europa ist für den US-Kapitalismus heute von geringer Bedeutung. Und selbst wenn der US-Imperialismus seinen einstigen Einfluss überall aufrechterhalten wollte, befindet er sich im relativen Niedergang. Er verfügt nicht mehr über die Ressourcen, die er einst hatte, um die Kosten zu tragen, die sein wirtschaftliches und militärisches Bündnis mit Europa mit sich bringt. </p>

<p>Schon unter Biden wurde der Wandel deutlich. Die Zölle und Subventionen, die unter seiner Regierung durch den Inflation Reduction Act (IRA), den CHIPS Act und andere Gesetze eingeführt wurden, zielten genau auf die europäische Industrie ab. Trump spiegelt diese Tatsachen in seiner Politik nur noch deutlicher wider. </p>

<h3><strong>Wir steuern auf schwere Zeiten zu</strong> </h3>

<p>Was bedeutet das alles nun für Europa? Es bedeutet, dass es in eine Zukunft blickt, in der es aus eigener Kraft untergehen oder schwimmen wird, und die Aussichten sind nicht gut. </p>

<p>Die Gründung der Europäischen Union spiegelt das Bedürfnis kleiner, im Niedergang begriffener Mächte wider, sich zusammenzuschließen, um zu überleben. Sie wurde jedoch nicht durch eine Revolution, die die nationalen Gegensätze beseitigte, als politische Einheit geschaffen. Die europäische Integration wurde durch die Unterstützung des US-Imperialismus und das Glück eines lang anhaltenden Wirtschaftsbooms zusammengehalten, der die gesamte Nachkriegszeit andauerte und die unterschiedlichen nationalen Interessen eines Flickenteppichs von Kleinstaaten vorübergehend überdeckte. </p>

<p>Dies ist die Ursache für den langfristigen Niedergang des europäischen Kapitalismus. Diese kleinen Nationalstaaten verfügen nicht über die Mittel, um Monopole von der Größe und Produktivität zu schaffen, die notwendig sind, um mit den amerikanischen und chinesischen Giganten zu konkurrieren. Indem sie mit dem Ausbruch des Ukraine-Krieges das russische Gas vom europäischen Markt abschnitten, trugen sie zu ihrer eigenen Misere bei, und ein erneuter Handelskrieg wird sie weiter verschärfen. </p>

<p>Die wirtschaftliche Verschlechterung hat das Potenzial, eine erneute Staatsschuldenkrise auszulösen, nur dass dieses Mal nicht nur die kleineren, „peripheren“ europäischen Länder akut betroffen sein werden. Vielmehr dürften die Kernländer, darunter Frankreich und Italien, mit ihren ausufernden Defiziten und vor allem Schulden im Auge des Sturms stehen. </p>

<p>Da die USA nicht mehr der einzige Gravitationspol sind, der auf den Kontinent einwirkt, werden die europäischen Nationen in alle möglichen unterschiedlichen Richtungen gezogen werden. </p>

<p>Mit dem sich abzeichnenden Ende des Ukraine-Krieges wird es einige nationale kapitalistische Klassen geben, die ein Interesse an der Wiederherstellung der Öl- und Gasströme aus Russland haben, wie Österreich und Deutschland, und andere, die sehr feindselig sind, wie Polen, die baltischen Staaten und die Skandinavier. </p>

<p>Ohne die USA, die den Marschbefehl geben, werden die Spannungen wahrscheinlich immer offener ausbrechen. Und Trump hat deutlich gemacht, dass er zwar kein Interesse an einer Fortsetzung des Ukraine-Kriegs hat, aber wenn Europa nicht den wirtschaftlichen Zorn der USA auf sich ziehen will, sollte es besser schnell anfangen, mehr amerikanisches Öl und Gas zu kaufen. </p>

<p>Wenn die Mauern um den US-Markt hochgezogen werden, werden auch die verschiedenen europäischen Länder in unterschiedliche Richtungen ziehen, um neue Märkte zu finden. Einige werden eine vollständige Kapitulation vor allen US-Forderungen vorziehen. Auf andere wiederum wartet Russland, und China ebenso. </p>

<p>Bereits im letzten Jahr kam es zwischen den Mitgliedsstaaten zu offenen Differenzen über die Einführung von Zöllen auf chinesische Elektrofahrzeuge. Frankreich, Polen und die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, führten die Initiative an. Doch Deutschland, Ungarn, Spanien und die Slowakei äußerten öffentlich ihren Unmut über die Pläne &#8211; Deutschland aus Angst vor chinesischen Vergeltungsmaßnahmen, die anderen, weil sie um chinesische Investitionen buhlen. </p>

<p>Und das alles, bevor wir die politischen Auswirkungen der wachsenden Unzufriedenheit in Europa betrachten, die eine Reihe rechter Parteien an die Macht zu bringen droht, die nicht zum traditionellen Establishment gehören: Le Pen in Frankreich, die AfD in Deutschland, die FPÖ in Österreich und sogar Farage in Großbritannien. Welche neuen Variablen würden solche Regierungen darstellen, sobald sie an die Macht kommen? </p>

<p>Ist das alles unvermeidlich? Es gibt Strategen in Europa, die nicht nur Trumps Missachtung der „regelbasierten Ordnung“ und anderer Schibboleths beklagen, sondern die kalten, harten Fakten verstehen. </p>

<p>Draghi hat, wie wir bereits an anderer Stelle kommentiert haben, eine sehr interessante Studie vorgelegt, in der er massive, staatlich gelenkte Investitionen auf dem gesamten Kontinent fordert. Nur so könne der Kontinent eine Klasse von europäischen Champions hervorbringen, massive Monopole, die mit ihren amerikanischen und chinesischen Rivalen ernsthaft konkurrieren könnten. </p>

<p>Es gibt jedoch ein paar Probleme. Wohin würden diese Investitionen fließen? Würden es deutsche oder französische Champions sein? Man kann sicher davon ausgehen, dass es keine griechischen, spanischen oder portugiesischen Champions sein werden. Eine solche Investition wirft einmal mehr das hartnäckige Problem der konkurrierenden nationalen Interessen des europäischen Kapitalismus auf. Darüber hinaus würde eine solche massive Erhöhung der Investitionen mit massiven Kosten verbunden sein, die nach Draghis eigenen Angaben 4,5 Prozent des europäischen BIP betragen würden. </p>

<p>Auch andere haben mit Blick auf die Ära Trump eine Warnung an Europa ausgesprochen. Mark Rutte, Generalsekretär der NATO, hat die europäischen Mitglieder aufgefordert, die Militärausgaben auf 4 Prozent des BIP zu erhöhen und damit auf das Doppelte des derzeitigen Ziels von 2 Prozent. Wenn Europa auf eigenen Füßen stehen will, wenn es darum geht, seine imperialistischen Interessen militärisch zu verteidigen, hat es keine andere Wahl. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass die EU keine eigene Armee hat und ihre Armeen über die NATO weiterhin unter US-Kommando stehen! </p>

<p>Aber hier ist das Problem mit Ruttes Vorschlag: Die europäische Kapitalistenklasse hat die Ausgaben bereits mit massiven Sparmaßnahmen bis auf die Knochen gesenkt, und dennoch haben 10 der 27 Mitgliedsstaaten immer noch Defizite, die über der im Maastricht-Vertrag festgelegten Grenze von 3 Prozent des BIP liegen. Frankreich hat ein sattes Defizit von 6,1 Prozent. </p>

<p>Obendrein wird ihnen von Leuten wie Draghi und Rutte gesagt, dass sie die Staatsausgaben für Investitionen und Militärausgaben enorm erhöhen müssen, wenn der europäische Kapitalismus eine Zukunft haben soll! Um das zu erreichen, müssten die europäischen Regierungen Sparmaßnahmen mit einer Brutalität durchführen, die es in der Geschichte des Kontinents noch nie gegeben hat. Genau dies erklärte Rutte in seiner Rede im Dezember: „Ich weiß, dass mehr Ausgaben für die Verteidigung bedeuten, dass wir weniger für andere Prioritäten ausgeben müssen“, erklärte er vor der Presse und den Politikern. „Aber es ist nur ein bisschen weniger.“ </p>

<p>Nur ein bisschen weniger Lebensmittel, nur ein bisschen weniger für das Gesundheitssystem, ein bisschen weniger Heizung für die Rentner. Ein bisschen weniger, und Europa könnte eine Militärmaschinerie von Weltklasse produzieren, die für die europäische Milliardärsklasse töten und verstümmeln kann. </p>

<p>Die französische Regierung ist jedoch nach einem gescheiterten Versuch im Herbst, ein Sparpaket zu verabschieden, mit dem das Defizit lediglich von 6,1 Prozent auf 5,4 Prozent des BIP gesenkt worden wäre, zusammengebrochen. </p>

<p>Bisher haben sich die herrschenden Klassen davor gescheut, auch nur annähernd die Maßnahmen zu ergreifen, die notwendig wären, um dem europäischen Kapitalismus eine Zukunft in der kommenden Welt des „fressen oder gefressen werden“ zu geben. Und zwar deshalb, weil sie wissen, was dies bedeuten würde: soziale Unruhen, politischer Aufruhr, sogar Revolution. Dennoch könnten sie in Zukunft gezwungen sein, eine solche Politik zu betreiben, mit allen Risiken, die damit verbunden sind. Denn die Alternative ist für den europäischen Kapitalismus in der Tat düster. Sie verspricht einen sich beschleunigenden Niedergang. Das Ende der NATO ist durchaus möglich, ebenso wie die völlige Zersplitterung des Kontinents und der Zusammenbruch der EU. </p>

<p>Am Ende wird der Kontinent dort landen, wo er jetzt ist. Die Ereignisse legen den Grundstein für die europäische Revolution. </p>
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