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	<title>Venezuela Archives -</title>
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		<title>Hugo Chávez und die venezolanische Revolution</title>
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		<dc:creator><![CDATA[John Peterson]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 Mar 2026 10:36:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Lateinamerika]]></category>
		<category><![CDATA[Venezuela]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Dieser Artikel wurde im Dezember 2025, wenige Wochen vor der Entführung des venezuelanischen Präsidenten Nicholas Madurors durch die USA, veröffentlicht. Die bolivarische Revolution Venezuelas war ein Wendepunkt in der Geschichte [&#8230;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><em>Dieser Artikel wurde im Dezember 2025, wenige Wochen vor der Entführung des venezuelanischen Präsidenten Nicholas Madurors durch die USA, veröffentlicht.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die bolivarische Revolution Venezuelas war ein Wendepunkt in der Geschichte des Klassenkampfes. Sie war ein Lichtblick in den dunklen Jahren, die auf den Zusammenbruch des Stalinismus folgten. Schon lange vor der Krise von 2008, Occupy, Black Lives Matter oder dem Aufstieg von Sanders oder Mamdani verlieh sie dem Antikapitalismus, Antiimperialismus und Sozialismus neue Anerkennung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hugo Chávez verkörperte die Revolution und brachte die Hoffnungen und Bestrebungen der armen Massen weltweit zum Ausdruck. Das Potenzial für eine sozialistische Revolution in der Region war offensichtlich. Wäre sie erfolgreich gewesen, sähe die Welt heute ganz anders aus. Anstelle von hunderttausenden in die USA fliehenden verzweifelten venezolanischen Flüchtlingen hätte sich die sozialistische Revolution wie ein Lauffeuer über Landesgrenzen hinaus ausgebreitet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die schrecklichen Lebensbedingungen und die verschärfte imperialistische Schikane, unter der die Venezolaner heute leiden, sind direkte Folgen des Scheiterns der Revolution. Es ist das Gesetz der Geschichte: Der Preis dafür, die sozialistische Revolution nicht zu Ende zu führen, ist Reaktion und Konterrevolution.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unglaublicherweise behaupten viele sogenannte Marxisten, dass es sich überhaupt nicht um eine Revolution gehandelt habe. Aber jeder, der den Film&nbsp;<a href="https://www.youtube.com/watch?v=iH5nzZU0qCc"><em>The Revolution Will Not Be Televised</em></a>&nbsp;gesehen hat, wird die Opferbereitschaft und den Bewusstseinssprungder unterdrücktesten Schichten der venezolanischen Gesellschaft gesehen haben. Denn g<em>enau</em>&nbsp;so sieht es aus, wenn die Massen die Bühne der Geschichte betreten, ihr Schicksal in die Hand nehmen und den Himmel erstürmen.</p>



<h2 class="wp-block-heading" style="font-size:22px">Unvollendete Revolution</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Über ein Jahrzehnt lang stand die venezolanische Revolution an einem Scheideweg. Aber schließlich verwandelte sich Quantität in Qualität, und der Weg zur Revolution war – vorerst – verschlossen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine harte Lektion, dass revolutionäre Chancen, auch unter den außergewöhnlichsten Umständen, nicht ewig anhalten. Es gibt keinen dritten Weg zwischen Sozialismus und Kapitalismus, und&nbsp;<em>man kann keine halbe Revolution machen</em>. Wie Marx erklärt: „Die Arbeiterklasse kann nicht die fertige Staatsmaschinerie einfach in Besitz nehmen und für ihre eigenen Zwecke in Bewegung setzen.“ Genauso kann sie nicht einfach die kapitalistische Wirtschaft übernehmen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tragischerweise haben Chávez und seine engsten Mitstreiter genau das versucht. Trotz der heroischen Anstrengungen der Massen blieben die Hauptaufgaben der Revolution unvollendet: die Errichtung eines demokratischen Arbeiterstaates und die Enteignung der Banken, der Industrie und des Grundbesitzes, sowohl der ausländischen wie der einheimischen Bourgeoisie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das offen erklärte Ziel des US-Imperialismus ist es, Venezuelas Öl, welches die größten nachgewiesenen Reserven der Welt darstellt, zu beschlagnahmen. Ebenso will er, den venezolanischen Massen eine „Lektion“ darüber zu erteilen, wer hier der Chef ist, und gleichzeitig Kuba sowie der breiteren lateinamerikanischen Linken einen Schlag zu versetzen. Vor allem zielen die USA darauf ab, dem schnell wachsenden Einfluss Chinas und Russlands entgegenzuwirken, da BRICS die amerikanische Hegemonie in ihrer eigenen Hemisphäre bedroht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Imperialisten hoffen, dass verstärkte militärisches Einschüchterung und Sabotage der sanktionsgeschwächten Wirtschaft zu einem Zusammenbruch der Regierung führen werden, ähnlich wie in Syrien. Venezuela ist jedoch nicht mehr so isoliert wie in der Vergangenheit und bereitet sich seit über zwei Jahrzehnten auf einen asymmetrischen Krieg im Falle eines imperialistischen Angriffes vor. Obwohl die Venezolaner in einer direkten Konfrontation eindeutig unterlegen wären, könnten sie durchaus in der Lage sein, ein Schiff oder ein, zwei Flugzeuge auszuschalten, möglicherweise sogar noch viele mehr. Nach Vietnam, Irak und Afghanistan hat die amerikanische Bevölkerung eine extrem niedrige Toleranz für Opfer, insbesondere wenn sie aus einem unprovozierten Krieg resultieren und eine noch größere Flüchtlingskrise auslösen könnten.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bisher war „Operation Southern Spear“ ein unbeholfener Anfang für Trumps offensichtlichen Versuch, sich in die westliche Hemisphäre zurückzuziehen. Der Chef-Anwalt des Südkommandos (Southcom) des US-Militärs hat die „Double-Tap“-Angriffe auf mutmaßliche Drogenschmugglerboote als illegal angeprangert, und der Top-Offizier von Southcom tritt zurück, um gegen diese außergerichtlichen Morde zu protestieren. Hegseth und Trump werden offen beschuldigt, Kriegsverbrechen zu begehen. Darüber hinaus ist Milliarden von Dollar auszugeben, um mit 20 Prozent der US-Marine Venezuela zu schikanieren nicht ganz, was die MAGA-Wähler im Sinn hatten, als ihnen eine „America First“-Politik versprochen wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit nur 15 Prozent Unterstützung für eine Intervention sowohl in den USA als auch in Venezuela könnte jeder Angriff böse nach hinten losgehen, und die Amerikaner könnten mit einem gescheiterten Staat im Stil Libyens in ihrem Hinterhof enden – oder sie könnten die Revolution auf dem gesamten Kontinent wiederbeleben – auch in den USA. Trotz des unablässigen Drucks der Neokonservativen anzugreifen, gibt all dies Trump sicherlich zu denken. Nichtsdestotrotz sollten wir einen Angriff unter falscher Flagge nicht ausschließen – wie Pearl Harbor oder den Vorfall im Golf von Tonkin – um die Amerikaner, für den Plan Maduro auszuschalten, zu gewinnen.</p>



<h2 class="wp-block-heading" style="font-size:22px">Der&nbsp;Caracazo</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Jahrhunderten spanischer Herrschaft erlangte Venezuela 1821 nach einem längeren revolutionären Krieg unter der Führung von Simón Bolívar seine Unabhängigkeit. Aber das Land blieb wirtschaftlich rückständig, undemokratisch und abhängig. Nach der Entdeckung des Öls 1914 beschleunigte sich das Eindringen des ausländischen Imperialismus in die Wirtschaft. Der damalige Diktator gewährte ausländischen Ölkonzernen großzügige Zugeständnisse, und eine Reihe von Militärjuntas regierte Venezuela bis 1958 bis zu dem besonders repressiven Regime von Marcos Pérez Jiménez, das in einem Massenaufstand gestürzt wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die direkte Militärherrschaft wurde durch eine Periode begrenzter formaler Demokratie ersetzt, die als das Puntofijo-Abkommen bekannt ist. Das Abkommen war ein Machtteilungspakt zwischen den beiden wichtigsten bürgerlichen Parteien – Demokratische Aktion (AD) und dem Komitee der Unabhängigen Politischen Wahlorganisation (COPEI) – einer Zweiparteienoligarchie, ähnlich derer der Republikaner und Demokraten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während der globalen Ölkrise 1976 verstaatlichte Präsident Carlos Andrés Pérez (AD) den Ölsektor und gründete Petróleos de Venezuela, S.A. (PDVSA). Angeblich ein staatliches Unternehmen, wurde es von einer technokratischen Elite dominiert, und ausländische Unternehmen behielten einen erheblichen Einfluss. Nach einem weiteren Jahrzehnt der Korruption und Krise waren die Voraussetzungen für den&nbsp;<em>Caracazo</em> geschaffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1989 war Carlos Andrés Pérez zum zweiten Mal zum Präsidenten gewählt worden. Im Februar kündigte er ein vom IWF auferlegtes „Strukturanpassungspaket“ an, das massive Sparmaßnahmen, Privatisierungen und Währungsabwertungen beinhaltete. Mit dem Aussetzen staatlicher Subventionen schossen die Kosten für Lebensmittel, Treibstoff und Transport über Nacht in die Höhe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Morgen des 27. Februar versammelten sich wütende Menschenmassen in den verarmten&nbsp;<em>Barrios</em>&nbsp;rund um die Hauptstadt Caracas, um gegen die erhöhten Buspreise zu protestieren. Die Proteste explodierten schnell in einen massiven spontanen Aufstand ohne organisierte Führung oder Plan. Hungrige und verzweifelte Menschen plünderten Supermärkte; Busse wurden angezündet; und Symbole des Reichtums und der Regierungsgewalt wurden angegriffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Pérez erklärte den Ausnahmezustand, setzte die Grundrechtsgarantien aus und mobilisierte Polizei und Militär. Häuser wurden durchsucht und unbewaffnete Zivilisten auf offener Straße erschossen. Bis zu 3.000 Menschen wurden getötet oder verschwanden und Tausende weitere wurden verprügelt und verhaftet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Staat erlangte schließlich die Kontrolle zurück. Aber das Puntofijo-System war tot. Ein junger Major namens Hugo Chávez, der von diesen Ereignissen zutiefst betroffen war, sollte später sagen, dass das Blut, das während des&nbsp;<em>Caracazo</em>&nbsp;vergossen wurde, die Samen der Bolivarischen Revolution gewässert hatte.</p>



<h2 class="wp-block-heading" style="font-size:22px">Der Aufstieg von Chávez</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Hugo Rafael Chávez Frías, 1954 in ländlicher Armut geboren, träumte davon, professioneller Baseballspieler zu werden, trat aber stattdessen in die venezolanische Militärakademie ein. Inspiriert von Bolivar glaubte er daran, dass der enorme natürliche Reichtum des Landes zum Wohle der einfachen Leute genutzt werden sollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem&nbsp;<em>Caracazo</em> bildeten er und andere fortschrittliche Offiziere eine geheime Gruppe namens MBR-200 und entwickelten seine „bolivarische“ Ideologie, die Bolívars Panamerikanismus mit Antiimperialismus verschmolz. Chávez, mittlerweile ein Oberst, startete am 4. Februar 1992 einen Putsch gegen Pérez. Dieser Versuch war leider voreilig und der Putsch verlor schnell an Schwung. Chávez ließ man live im Fernsehen auftreten, um seine Genossen dazu aufzufordern, die Waffen niederzulegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anstatt sich für das gescheiterte Abenteuer zu entschuldigen, übernahm er die volle Verantwortung und fügte hinzu, dass die Ziele der Bewegung nur „<em>por ahora</em>“ – vorerst – nicht erreicht worden seien. Von seinem Mut und seiner Authentizität elektrisiert, sahen Millionen ihn als Volkshelden an. Verurteilt und ins Gefängnis gesteckt, bildete er sich weiter und verband sich mit den Volksbewegungen des Landes. Unter dem Druck von unten wurden Chávez und seine Mitstreiter nach nur zwei Jahren begnadigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Chávez trat in die Politik ein und reiste durch das Land. Obwohl er ein klassisches Beispiel für einen Zufall war, der die Notwendigkeit ausdrückte, hat er den Ereignissen seine eigene Prägung verliehen. Er verstand die Probleme der armen Arbeiter und Bauern. Er strotzte vor Charisma und gab ihnen den Respekt und die Würde, die sie verdienten. Er vermischte nahtlos Verweise auf Bolívar, Revolution, Sozialismus und Jesus Christus. Nette, kleine alte Damen forderten inbrünstig, dass Chávez die Bibel in der einen Hand und das Schwert von Bolívar in der anderen tragen solle – um den Oligarchen die Köpfe abzuschlagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1997 gründete er die Bewegung der Fünften Republik (MVR) und startete seine Präsidentschaftskampagne, die von den „bolivarischen Zirkeln“ unterstützt wurde, die im ganzen Land wie Pilze aus dem Boden schossen. Sein Programm forderte eine verfassungsgebende Versammlung, um die Verfassung umzuschreiben, und verlangte, dass Venezuelas Ölreichtum zur Finanzierung von Sozialprogrammen für die Armen verwendet werden soll. Seine Wahlkampfausgaben wurden von denen seiner Gegner weit überschattet und er sah sich großer Feindseligkeit seitens der Medien und beider großer Parteien ausgesetzt, die einen einzigen Kandidaten unterstützten, um ihn zu stoppen. Jedoch war seine Graswurzelbewegung nicht aufzuhalten und er wurde am 6. Dezember 1998 mit entscheidenden 56 Prozent der Stimmen zum Präsidenten gewählt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im April 1999 stimmten 87,75 Prozent für die Einberufung einer verfassungsgebenden Versammlung, und nach ausführlicher Debatte und Öffentlichkeitsbeteiligung wurde eine neue Verfassung entworfen. Obwohl die Verfassung im Allgemeinen bürgerlich blieb, war sie weitaus fortschrittlicher als frühere Versionen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Land wurde offiziell in „Bolivarische Republik Venezuela“ umbenannt und eine neue Fahne wurde angenommen. Sie bekräftigte die staatliche Kontrolle über natürliche Ressourcen, insbesondere Öl, und verbot die Privatisierung von PDVSA. Sie garantierte gleiche Rechte für Frauen und erweiterte Mechanismen für die direkte Demokratie, einschließlich Referenden und Abwahlen. Sie garantierte kostenlose Gesundheitsversorgung und Bildung als verfassungsmäßige Rechte. Sie erkannte unter anderem die Rechte indigener und afro-venezolanischer Völker auf ihre Länder, Sprachen und Kulturen an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Dezember wurde die Verfassung mit 71,78 Prozent der Stimmen verabschiedet. Es folgten die „Mega-Wahlen“ vom Juli 2000, um die Präsidentschaft und alle anderen gewählten Ämter unter der neuen Verfassung zu bestätigen, und Chavez konnte seinen Stimmenanteil auf 59,76 Prozent erhöhen. Mit seinem erneuerten Mandat versuchte er, echte Kontrolle über PDVSA und die Ölindustrie zu erlangen.</p>



<h2 class="wp-block-heading" style="font-size:22px">Der Putsch im April 2002</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im November 2001 verabschiedete die Nationalversammlung ein Ermächtigungsgesetz, das Chávez erlaubte, ein Jahr lang per Dekret Gesetze zu bestimmten Fragen zu erlassen. Mit diesen Befugnissen erließ er 49 Dekrete, darunter ein Landumverteilungsgesetz und das Kohlenwasserstoffgesetz, das die Tantiemen des Staates für die Ölförderung erhöhte und die staatliche Kontrolle über die PDVSA stärkte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist nicht überraschend, dass dies für die venezuelanischen Oligarchen und ihre imperialistischen Unterstützer zu viel war. Sie starteten eine hysterische Kampagne und nannten die Dekrete „kommunistisch“ und „diktatorisch“. Sie fürchteten weniger die bescheidenen Reformen selbst, sondern vielmehr die Massen hinter Chávez.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fedecámaras, ein Konsortium der mächtigsten Familien und Unternehmen, sabotierte die Wirtschaft von Anfang an. Sie horteten Speiseöl, Reis, Toilettenpapier und andere Güter des täglichen Bedarfs, was zu künstlichem Mangel führte. Sie schlossen Fabriken, verlagerten Kapital aus dem Land und weigerten sich, zu investieren. Sie organisierten Proteste, Streiks und Straßensperren, um das Land unregierbar zu machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass die CIA stark beteiligt war, versteht sich von selbst. Die Organisationen National Endowment for Democracy und USAID schulten rechte Aktivisten in den Methoden des Regimewechsels. Sie gaben Millionen an die tollwütige&nbsp;<em>Escualido-O</em>pposition, darunter die friedliebende Nobelpreisträgerin María Corina Machado. Diese große venezolanische Patriotin hat versprochen, die riesigen natürlichen Ressourcen ihres Landes an die amerikanischen Konzerne zu übergeben, und würde es auch mit Freude in ein neues Syrien verwandeln, solange sie und ihre kriminellen Freunde ein Stück vom Kuchen abbekommen. Sie hat sogar Netanjahu dazu aufgefordert, in ihr Land einzumarschieren, um es zu befreien.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da die Kontrolle über die Reichtümer der PDVSA auf dem Spiel stand, starteten sie im April 2002 eine Art „Farbenrevolution“. Wie sie es 2014 in der Ukraine wieder tun würden, inszenierten sie einen bewaffneten Zusammenstoß zwischen rivalisierenden Demonstrationen, benutzten Scharfschützen, um Menschen auf beiden Seiten zu töten, und machten die Regierung dafür verantwortlich. Das Oberkommando des Militärs rebellierte, und die reaktionären Kräfte umzingelten den Präsidentenpalast. Chávez weigerte sich, seinen Rücktritt zu unterzeichnen, und wurde auf eine Insel gebracht, um von den Amerikanern aus dem Land gebracht zu werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 12. April wurde Pedro Carmona – der Chef von Fedecámaras – als Präsident vereidigt und sofort von der George-W.-Bush-Regierung anerkannt. Ein Who-is-who der Reaktion versammelte sich im Präsidentenpalast und jubelte vor Schadenfreude, als Carmona jede demokratische Institution der Bolivarischen Republik auflöste – natürlich alles im Namen der Demokratie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inmitten einer Welle von Massenverhaftungen, Repressionen und Belagerung der kubanischen Botschaft waren die Minister von Chávez gezwungen, sich zu verstecken. Die Imperialisten und die lokale Oligarchie dachten, sie könnten weitermachen wie gewohnt – aber die Massen hatten andere Pläne. Soweit es sie anging, hatten&nbsp;<em>sie</em> Chávez gewählt, und&nbsp;<em>sie</em>&nbsp;würden entscheiden, wann er nicht mehr ihr Präsident ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Morgen des 13. April verbreitete sich in den&nbsp;<em>Barrios</em>&nbsp;die Nachricht, dass Chávez nicht zurückgetreten war, sondern gefangen gehalten wurde. Wie damals 1989 brach eine menschliche Lawine über das Zentrum von Caracas herein und forderte die Rückkehr von Chávez. Loyale Militäreinheiten, einschließlich der Präsidentengarde, gingen gegen die Putschisten vor. Diejenigen, die nicht verhaftet wurden, flohen wie Ratten – jedoch nicht, bevor sie nicht die Präsidententresore geplündert hatten. Früh am 14. April wurde Chávez zurück in den Präsidentenpalast geflogen und nahm sein Amt wieder auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum ersten Mal in der Geschichte Lateinamerikas wurde ein von den USA angestifteter Staatsstreich durch die revolutionäre Aktion der Massen rückgängig gemacht. Der alte Staatsapparat war plötzlich machtlos. Den Armen und Arbeitern gehörten die Straßen und die einfachen Soldaten waren auf der Seite der Revolution. Wie Alan Woods damals erklärte, hätte Chávez nur seinen kleinen Finger heben müssen und die Revolution hätte ohne Blutvergießen oder Bürgerkrieg durchgeführt werden können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er hätte die Besetzung und Verstaatlichung der Fabriken und Ländereien, die Enteignung des Imperialismus und die Nichtanerkennung der Auslandsschulden fordern können. Er hätte die Bildung von Volksaktionskomitees – Sowjets – und einer bewaffneten Volksmiliz fordern können, um die Revolution zu verteidigen und damit das stehende Heer und die Polizei zu ersetzen. Die Massen waren bereit und warteten nur noch auf das Wort. Der gesamte Verlauf der Menschheitsgeschichte hätte sich in diesem Moment ändern können. Der sozialistischen Revolution wäre Tür und Tor geöffnet worden. Ganz Lateinamerika wäre dem Beispiel Venezuelas gefolgt – und viele andere Orte auch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stattdessen ging der Moment verloren. In den frühen Morgenstunden rief Chávez zu Ruhe und Frieden auf und forderte alle auf, nach Hause zu gehen. Keine einzige Person, die an dem Putsch beteiligt war, wurde jemals verhaftet. Sogar „Pedro der Kurze”, wie Carmona genannt wurde, durfte sich frei auf den Straßen von Caracas und Miami bewegen.</p>



<h2 class="wp-block-heading" style="font-size:22px">‚Jeder 11. hat einen 13.’</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist unmöglich zu übertreiben, wie groß diese verpasste Chance war. Nichtsdestotrotz wurde die Idee, dass „jeder 11. einen 13. hat“, Teil des kollektiven Gedächtnisses der venezolanischen Massen. Die Peitsche der Konterrevolution&nbsp;<em>kann</em>&nbsp;durch konzertierte revolutionäre Aktion zerschlagen werden, und der April 2002 in Venezuela ist der Beweis.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Über den Verlauf der nächsten Jahre tobte der erbitterte Kampf zwischen Revolution und Konterrevolution weiter. Die Oligarchie und der Imperialismus blieben skrupellos und unerbittlich. Sie hatten die Schlacht verloren, hatten aber nicht vor, den Krieg aufzugeben. Anstatt sie von ihrem Elend zu erlösen, versuchte Chávez, sie zu beschwichtigen. Aber wie jeder weiß, zieht Schwäche nur Aggression auf sich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nur wenige Monate später, im Dezember 2002, wurde ein weiterer Regimewechsel versucht, diesmal in Form einer Aussperrung der Arbeiter in der Ölindustrie durch die Bosse. Die Verbindung zu den Computern, die den Betrieb von Houston aus fernsteuerten, wurde gekappt. Geräte und Ventile wurden zerstört und Sand in die Pipelines gegossen. Milliarden an Einnahmen gingen verloren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber innerhalb weniger Tage bildeten die PDVSA-Mitarbeiter Koordinierungsräte und begannen, die Produktion – manuell – wieder in Gang zu bringen. Innerhalb weniger Wochen war die riesige Maschinerie von PDVSA unter Arbeiterkontrolle – ohne die Geschäftsleitung – und viele Arbeiter erkannten nicht einmal das Ausmaß dessen, was sie erreicht hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den folgenden Jahren erlebten Dutzende anderer Fabriken Aussperrungen oder wurden geschlossen. In vielen Fällen reagierten die Arbeiter, indem sie die Fabriken besetzten, und der Slogan „Eine geschlossene Fabrik ist eine besetzte Fabrik!“ wurde zur Losung des Tages. Es gab auch einen organischen Aufschwung der gewerkschaftlichen Organisierung, denn die Arbeiter brachen mit der faulen CTV und gründeten ihre eigenen demokratischen Gewerkschaften unter dem Gewerkschaftsverband der Nationalen Gewerkschaft der Arbeiter (UNT).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Chávez führte die berühmten&nbsp;<em>Misiones</em>&nbsp;Sozialprogramme ein, zu denen subventionierte Lebensmittelgeschäfte, Alphabetisierungskampagnen und kostenlose Bildung gehörten. Die medizinische Grundversorgung wurde armen Vierteln und abgelegenen Dörfern verfügbar gemacht, indem kubanische Ärzte im Austausch für Öl ins Land geholt wurden. Ungenutztes Land wurde an arme Bauern verteilt, und ein Sofortprogramm für bezahlbaren Wohnraum wurde ins Leben gerufen.&nbsp;<em>Misión Milagro</em>&nbsp;stellte kostenlose Katarakt- und andere Augenoperationen zur Verfügung, damit arme Menschen wieder sehen konnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Programme waren für Millionen von Menschen buchstäblich lebensverändernd – und das nicht nur in Venezuela. Citgo, das venezolanische staatliche Energieunternehmen hier in den USA, stellte Indianerreservaten und armen Vierteln in Boston und der Bronx kostenloses oder billiges Heizöl zur Verfügung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den nächsten Jahren wurden mehrere weitere Versuche unternommen, Chávez zu stürzen. Die Opposition inszenierte&nbsp;<em>Guarimba-Unruhen,</em> oft mit Hilfe rechtsextremer kolumbianischer Paramilitärs. Sie griffen Regierungsgebäude an und verübten Attentate mit Autobomben auf&nbsp;<em>chavistische</em>&nbsp;Funktionäre.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie inszenierten Wahlboykotte, um den demokratischen Prozess zu delegitimieren, obwohl sie die Wahlen ohnehin verloren hätten. Im Jahr 2004 organisierten sie ein Abwahlreferendum, nachdem sie dafür genügend Unterschriften gesammelt hatten – auch von Neugeborenen und Toten. Chávez gewann mit 59 Prozent der Stimmen. 2005 sabotierten sie die nationale Fluggesellschaft VIASA.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ausgehend von den gelebten Erfahrungen der Revolution und dem Verhalten der herrschenden Klasse zog Chávez den Schluss, dass die einzige Lösung der Sozialismus sei. Wie er es ausdrückte, als er auf dem Weltsozialforum in Porto Alegre die Notwendigkeit des „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ erklärte: „Entweder Kapitalismus, der der Weg zur Hölle ist, oder Sozialismus für diejenigen, die das Himmelreich hier auf Erden aufbauen wollen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Wahlbeteiligung bei den Präsidentschaftswahlen 2006 betrug 78 Prozent, und Chávez gewann 62 Prozent der Stimmen. Internationale Beobachter, darunter Jimmy Carter, bestätigten die Wahlen als frei und fair. Und trotzdem nennen die Mainstream-Medien Chávez weiterhin einen Diktator.</p>



<p class="wp-block-paragraph">2007 kündigte er die Gründung einer neuen politischen Partei an, der Vereinigten Sozialistischen Partei Venezuelas (PSUV). Innerhalb weniger Wochen traten 5,5 Millionen Mitglieder bei – fast 20 Prozent der Bevölkerung. Angesichts der Welle der Fabrikbesetzungen bat er seinen Arbeitsminister, eine Liste der stillgelegten Fabriken zu erstellen, die verstaatlicht und unter Arbeiterkontrolle geführt werden sollten. Sie enthielt 1.200 Betriebe.</p>



<h2 class="wp-block-heading" style="font-size:22px">Bolivarische Bürokratie</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Allerdings wurden nur sehr wenige verstaatlicht und nur eine Handvoll wurde unter Arbeiterkontrolle betrieben. Nicht nur wurden sie nicht in eine rational geplante Wirtschaft integriert, die zunehmend aufgeblähte Staatsbürokratie strengte sich zudem noch größtmöglich an, selbst die kühnsten Initiativen von Chávez zu ersticken. Als er eine Fünfte Internationale forderte, um die erstarrten sozialistischen und kommunistischen Parteien der Vergangenheit zu ersetzen, wurde sein Vorschlag von den konservativen Komiteemännern und -frauen um ihn herum zynisch ignoriert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus wurde Venezuelas „Petrosozialismus“ durch die Umleitung von Öleinnahmen finanziert, die zuvor die Oligarchie bereichert hatten. Während des Ölpreisbooms der 2000er Jahre erreichten die Öleinnahmen jährlich über $90 Milliarden. Aber als die Preise nach 2014 zusammenbrachen, hatte der&nbsp;<em>Chavismus</em>&nbsp;keine produktive Basis, auf die er zurückgreifen konnte. Sie hatten es nicht nur versäumt, den Kapitalismus zu enteignen und eine Arbeiterdemokratie zu errichten, sondern auch, die Wirtschaft zu diversifizieren. Sie waren auf Importe angewiesen, von Lebensmitteln und Autos bis hin zu Elektronik, hatten aber nicht mehr das Geld, um all das zu bezahlen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die milliardenschweren Öleinnahmen führten auch zu schweren inflationären Verzerrungen, die schließlich katastrophale Auswirkungen haben würden. All diese Petrodollar bestärkten die konservativen Tendenzen der ‚Bolivarkratie‘ die im revolutionären Prozess entstand. Dies war der „Deepstate“ der Fünften Republik, den Chávez nie zu brechen oder zu kontrollieren vermochte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hugo Chávez starb am 5. März 2013 nach einem längeren Kampf gegen den Krebs. Wie Lenin vor seinem Tod konnte er die schleichende Bürokratisierung sehen und drängte auf einen Kurswechsel. Aber die Stunde hatte bereits geschlagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er war ohne Zweifel ein ehrlicher Revolutionär und Verfechter seines Volkes. Er nährte und ernährte sich gleichermaßen von der revolutionären Inbrunst und dem Elan der Massen. Er schätzte und zitierte oft Marx, Lenin, Trotzki und Alan Woods. Aber er war nie wirklich ein Marxist – ein fataler Fehler, wenn es um die Vollendung der sozialistischen Revolution geht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne Chávez hat die „Boligarchie“, die jetzt den Staat und die PSUV kontrolliert, den&nbsp;<em>Chavismus</em>&nbsp;zum Gespött gemacht. Maduro hat eine Art thermidorianische Reaktion angeführt und die meisten Errungenschaften der Revolution zurückgefahren. Er hat verstaatlichte Betriebe privatisiert, die Arbeiterkontrolle ausgehebelt und die Ländereien den Pächtern zurückgegeben. Er ist gegen die politische Linke und die kritischen Medien vorgegangen und hat jede Opposition gegen seine Herrschaft niedergeschlagen, auch in den Gewerkschaften. Trotz Trumps Drohungen hat er versucht, den Imperialismus zu beschwichtigen, indem er die PDVSA für ausländische Unternehmen wie Chevron wieder öffnete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Allerdings gibt es verschiedene Grade der Konterrevolution. Wenn der Imperialismus und die alte Garde jemals direkt wieder an die Macht kämen, würde es eine Welle der Vergeltung und ein Blutbad in der Größenordnung der besiegten Pariser Kommune geben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der langsame Tod der Revolution lässt sich darauf zurückführen: Obwohl Chávez durch die Macht durch bürgerliche&nbsp;Wahlen&nbsp;<em>gewonnen</em> hatte,&nbsp;<em>hatte</em>&nbsp;er die Macht nie wirklich <em>besessen</em>. Und die venezolanischen Arbeiter hatten sie definitiv auch nie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es handelt sich hier um einen eigentümlichen Fall einer sozialistischen Revolution, die den Versuch unternahm, sich an die alten Regeln zu halten, aber die Machtfrage blieb dabei ungelöst. Obwohl die Bourgeoisie die direkte Kontrolle über ihren Staat verlor, blieb er ein bürgerlicher Staat. Armee und Polizei wurden mehrmals gesäubert, blieben aber bürgerlicher Natur. Um diese und andere Reste des alten Staatsapparates kristallisierte sich eine neue Bürokratie heraus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl einige Fabriken verstaatlicht und unter Arbeiterkontrolle geführt wurden, blieb die Mehrheit in privater Hand. Die Kapitalisten nutzten dies, um den revolutionären Prozess zu sabotieren. Anstelle von Enteignungen verhängte Chávez Preis- und Währungskontrollen. Sanktionen, die während Trumps erster Amtszeit verhängt wurden, verschlimmerten die Situation zusätzlich. All dies führte zu einem wirtschaftlichen Irrenhaus, das weder rational und zentral geplant noch der irrationalen, aber regulierenden Hand des Marktes überlassen wurde.</p>



<h2 class="wp-block-heading" style="font-size:22px">Hände weg von Venezuela!</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Ergebnis war endloses Chaos und Instabilität, was zu einem ausgedehnten Schwarzmarkt und einer außer Kontrolle geratenen Inflation führte. Verständlicherweise waren riesige Schichten der venezolanischen Gesellschaft enttäuscht und verloren ihren revolutionären Eifer, was die Tür zu Maduros Konterrevolution in bolivarischer Form öffnete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Abrechnung mit Maduro ist jedoch Aufgabe der venezolanischen Arbeiter. Was Trump mit der beispiellosen militärischen Eskalation in der Karibik bezwecken will, ist weder die „Wiederherstellung der Demokratie“ noch die „Bekämpfung des Drogenterrorismus“. Vielmehr versucht er, Venezuela zu unterwerfen und es dem Einfluss Chinas und Russlands zu entreißen. Der Hauptfeind der amerikanischen Kommunisten steht im eigenen Land. Wir verteidigen Venezuela&nbsp;<em>bedingungslos</em>&nbsp;vor dem Imperialismus und sagen: „Hände weg von Venezuela!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die wichtigste Lektion ist klar:&nbsp;<em>Eine revolutionäre Führung muss im Voraus vorbereitet werden und kann nicht in der Hitze des Gefechts improvisiert werden.</em>&nbsp;Das Fehlen einer solchen Führung ist die Tragödie Venezuelas und jeder anderen Revolution seit 1917 – etwas, das die RCA gerade im Gange ist zu berichtigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Woran scheiterte Venezuela?</title>
		<link>https://derkommunist.de/woran-scheiterte-venezuela/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Emanuel Tomaselli]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 Mar 2026 11:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Lateinamerika]]></category>
		<category><![CDATA[Chavez]]></category>
		<category><![CDATA[Venezuela]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die politische Rechte wird nicht müde, die Aggression gegen Venezuela als anti-sozialistische Flurbereinigung darzustellen. Eine politische Klarstellung: In Venezuela scheiterte nicht der Sozialismus, sondern der Versuch, den Kapitalismus zu regulieren. [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Die politische Rechte wird nicht müde, die Aggression gegen Venezuela als anti-sozialistische Flurbereinigung darzustellen. Eine politische Klarstellung: In Venezuela scheiterte nicht der Sozialismus, sondern der Versuch, den Kapitalismus zu regulieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Exemplarisch aus der Presse: „Es ist Mai 2006. Österreich hat unter Kanzler Wolfgang Schüssel die EU-Ratspräsidentschaft inne und richtet in Wien den EU-Lateinamerika-Gipfel aus. Als Stargäste haben sich die linken Revolutionäre Evo Morales aus Bolivien und Venezuelas Hugo Chávez angekündigt. Während Morales seine Stippvisite in Europa vor allem dazu nutzte, um bei jeder Gelegenheit Coca-Blätter an die Anwesenden zu verteilen, ließ sich der populäre Chávez nicht nur in der Wiener Arena für seinen ‚sozialistischen Kampf gegen das US-Imperium‘ abfeiern.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man sieht: Der Schock sitzt den bürgerlichen Schreiberlingen noch immer in den Knochen. Mit über 5.000 enthusiastischen Besuchern war unsere Veranstaltung „Hände weg von Venezuela“ die größte anti-imperialistische Versammlung der 2. Republik. Die Revolutionäre Kommunistische Internationale (damals IMT) rief 2002 zu einer internationalen Kampagne in Verteidigung der Revolution auf, daher auch die Wiener Initiative. Als Fußnote angemerkt: Die KPÖ und die gesamte linksradikale Szene boykottierten diese Kundgebung nicht nur, sondern arbeiteten aktiv dagegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Warum? Sie wollten das revolutionäre Potential der venezolanischen Revolution nicht erkennen und jedenfalls ganz im Rahmen eines bürgerlich-demokratischen Prozesses verorten. Der Putsch gegen Hugo Chávez 2002 war jedoch ein Wendepunkt. Die Massen brachten ihren Präsidenten zurück und die politische Dynamik radikalisierte sich. Zu jener Zeit erklärte Hugo Chávez den Sozialismus zum strategischen Ziel der Revolution. Diese Ideen kamen nicht von irgendwo. Wir nützten die politische Autorität unserer internationalen Soli-Arbeit und Hugo Chávez begann, unsere Literatur zu lesen und in seiner TV-Show zu besprechen. So unter anderem das Werk von Alan Woods: „Aufstand der Vernunft“ über Dialektik und Trotzkis „Permanente Revolution“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Ideen ließen Chávez nicht los, weil die darin besprochenen Ideen mit den Erfahrungen der Revolution korrespondierten. Die Bürokratie des Staatsapparates ließ jede revolutionäre Energie der Massen in den Korridoren versanden. Die Armee zeigte ständig politische Schwankungen. Der Versuch, den Kapitalismus durch Preiskontrollen zu regulieren (gepusht vom internationalen Reformismus), führte zu einer vollständigen Zerrüttung der Wirtschaft: Weder funktionierte der freie Markt, noch wurde er durch eine demokratische Planwirtschaft ersetzt. Nur Schwarzmarkt und Korruption blühten auf. Ab 2019 wurden die internationalen Sanktionen der Imperialisten hart verschärft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir rieten Chávez, die Macht zu übernehmen, indem er die Massen aufruft, die Betriebe zu besetzen und den bürgerlichen Staat durch Ausschüsse der Massen zu ersetzen. Er war interessiert, wie seine letzte politische Initiative „Kurswechsel“ im Wahlkampf 2012 zeigte. Er plädierte für den Aufbau eines neuen Staats auf Basis der Kommune. Wenige Monate später starb Chávez. Sein Nachfolger Maduro setzte auf das genaue Gegenteil: neoliberale Schocktherapie, Privilegierung des Sicherheitsapparates, der zur zentralen Machtsäule des Regimes wurde. Millionen von Venezolanern verließen das Land aus wirtschaftlichen Gründen. Die Symbolik des Regimes blieb ident, doch der Inhalt war klar konterrevolutionär und bürgerlich. Die Kommunisten in Venezuela (die RKI, wie die Kommunistische Partei PCV) stehen in Opposition zum Maduro Regime und werden politisch verfolgt. Die RKI hält seit 2018 an einer unabhängigen Klassenposition zum „Maduro-Thermidor“, also der konterrevolutionären Machtübernahme der „patriotischen Bourgeoisie“ fest. Die PCV brach die klassenkämpferische oppositionelle Einheitsfront „Alternativa Popular Revolucionaria“ („ARP“), um bei den letzten Parlamentswahlen 2024 im Namen der „Demokratie“ einen „Zentrums-Kandidaten“ zu unterstützen. Dies taten wir selbstverständlich nicht, denn die Arbeiterklasse hatte bei diesen Wahlen von keiner Seite was zu gewinnen. Und ja, die Wahlen waren gefälscht und ihr Ergebnis wurde nie verlautbart. Die revolutionären Viertel demonstrierten massenhaft gegen das „Wahlergebnis“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die venezolanische Revolution endete vorerst in Niederlagen. Dies ist die bittere Wahrheit, aus der die Kommunisten die richtigen Lehren ziehen müssen. Der Himmel war so nahe, aber wenn man die Revolution nicht vollständig macht, dann kommt die Konterrevolution, in Venezuela gleich mehrfach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Venezuela ist weit davon entfernt, ein sozialistisches Land zu sein, und die Kommunisten des Landes unterstützen Maduro nicht. Dies heißt in keinem Fall, dass man imperialistische Einmischung befürworten kann. Diese erfolgt immer im Interesse der Konzerne und bringt den Massen nichts Gutes. Wir sagen aus Prinzip: Freiheit für Maduro und Cilia Flores – die Imperialisten haben kein Recht, Venezuela zu übernehmen und zu drangsalieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die wechselvolle Geschichte der Revolution ist nicht zu Ende. Im Gegenteil: Ihr Herren in Washington und Wien, ihr freut euch zu früh.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Leseliste: Venezuela heute, Chavez und die bolivarische Revolution</title>
		<link>https://derkommunist.de/leseliste-venezuela-heute-chavez-und-die-bolivarische-revolution/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Exekutivkomitee der RKP]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 08 Jan 2026 15:23:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Lateinamerika]]></category>
		<category><![CDATA[Venezuela]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der imperialistische Angriff der USA auf Venezuela zeigt erneut und unmissverständlich den Anspruch des US-Imperialismus, die westliche Hemisphäre zu beherrschen. Als Marxisten stehen wir daher bedingungslos auf der Seite Venezuelas [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Der imperialistische Angriff der USA auf Venezuela zeigt erneut und unmissverständlich den Anspruch des US-Imperialismus, die westliche Hemisphäre zu beherrschen. Als Marxisten stehen wir daher bedingungslos auf der Seite Venezuelas gegen jede imperialistische Aggression.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um jedoch die Motive des US-Imperialismus, die innere Lage Venezuelas und die mögliche weitere Entwicklung der Situation wirklich zu begreifen, braucht es ein historisches Verständnis der bolivarischen Revolution der vergangenen fast 30 Jahre. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Periode war geprägt von einem massiven Aufbegehren der venezolanischen Arbeiterklasse: Fabriken wurden unter Arbeiterkontrolle gestellt, der Einfluss ausländischer Konzerne wurde offen herausgefordert, und von Venezuela ging eine politische Erschütterung aus, die ganz Südamerika erfasste. Objektiv hätte nichts die Arbeiterklasse daran gehindert, den Kapitalismus zu stürzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Warum dies dennoch nicht geschah, welche Rolle die bolivarische Führung spielte und welche Bedeutung den venezolanischen Massen heute im Abwehrkampf gegen den Imperialismus zukommt, behandelt die untenstehende Leseliste.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Aktuelle Lage:</strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="https://derkommunist.de/trumps-angriff-auf-venezuela-verurteilt-diese-kriminelle-aggression-rki-statement/">RKI-Statement: Trumps Angriff auf Venezuela: Verurteilt diese kriminelle Aggression!</a> <a href="https://derkommunist.de/trumps-angriff-auf-venezuela-verurteilt-diese-kriminelle-aggression-rki-statement/">(03.01.26)</a></li>



<li><a href="https://marxist.com/us-attack-on-venezuela-the-donroe-doctrine-in-action.htm">US attack on Venezuela &#8211; the ‘Donroe Doctrine’ in action (Jorge Martin, 05.01.26)</a></li>



<li><a href="https://marxist.com/will-donald-j-trump-ever-be-awarded-the-nobel-peace-prize.htm">Will Donald J Trump ever be awarded the Nobel Peace Prize? (Alan Woods, 10.10.25)</a>&nbsp;</li>



<li><a href="https://marxist.com/trump-s-escalation-in-the-caribbean-us-imperialism-attempts-to-reassert-control-over-its-backyard.htm">Trump’s escalation in the Caribbean – US imperialism attempts to reassert control over its ‘backyard’ (Jorge Martin, 03.11.25)</a></li>



<li><a href="https://marxist.com/us-aggression-against-venezuela-what-does-trump-want-and-can-he-achieve-it.htm">US aggression against Venezuela: what does Trump want and can he achieve it? (Jorge Martin, 08.12.25)</a></li>



<li><a href="https://marxist.com/trump-declares-an-oil-blockade-of-venezuela-the-us-is-already-at-war.htm">Trump declares an oil blockade of Venezuela – the US is already at war! (Jorge Martin, 18.12.25)</a></li>



<li>weitere Artikel zur aktuellen Lage in Venezuela auf <a href="http://marxist.com">marxist.com</a> unter der Kategorie <a href="https://marxist.com/venezuela.htm">Venezuela</a></li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Historischer Hintergrund &#8211; Hugo Chavez und die Bolivarische Revolution:</strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="https://marxist.com/hugo-chavez-and-the-venezuelan-revolution.htm">Hugo Chávez and the Venezuelan Revolution (John Peterson, 15.12.25)</a></li>



<li><a href="https://marxist.com/a-tribute-to-hugo-chavez.htm">A tribute to Hugo Chávez – 10 years since his death (Alan Woods, 05.03.23)</a></li>



<li><a href="https://marxist.com/marxists-venezuelan-revolution040504.htm">Marxists and the Venezuelan Revolution (Alan Woods, 19.07.05)</a></li>



<li><a href="https://marxist.com/sectarianism-venezuelan-revolution230704.htm">Foxes and Grapes: sectarian stupidity and the Venezuelan revolution (Alan Woods, 19.07.05)</a></li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Buch</strong>:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="https://marxist.com/book-the-venezuelan-revolution-marxist-perspective/all-pages.htm">The Venezuelan Revolution: A Marxist Perspective (Alan Woods, 2005)</a></li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Podcasts / Film</strong>:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="https://www.youtube.com/watch?v=n9BxGDk7UAk">Hugo Chavez and the Bolivarian Revolution (RevFest)</a></li>



<li><a href="https://www.youtube.com/watch?v=g9xe2tuDThE">What Happened in the Venezuelan Revolution (RCA)</a></li>



<li><a href="https://www.youtube.com/watch?v=xlEeknFSyec">US imperialism and Latin America: Trump threatens war on Venezuela (Against the Stream)</a></li>



<li><a href="https://www.youtube.com/watch?v=iH5nzZU0qCc">The Revolution Will Not Be Televised (Film, 2003)</a></li>
</ul>
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		<title>Venezuela: Wie sind wir in diese politische Sackgasse geraten?</title>
		<link>https://derkommunist.de/venezuela-wie-sind-wir-in-diese-politische-sackgasse-geraten/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jorge Martin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Sep 2024 18:15:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Lateinamerika]]></category>
		<category><![CDATA[Armut]]></category>
		<category><![CDATA[Bolivarische Revolution]]></category>
		<category><![CDATA[Maduro]]></category>
		<category><![CDATA[Proteste]]></category>
		<category><![CDATA[Venezuela]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlbetrug]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Wahl war ein Duell zwischen Nicolás Maduro und María Corina Machado. Der Name des offiziellen Kandidaten der Opposition spielt keine Rolle, Machado war die tatsächliche Oppositionskandidatin, die die Fäden [&#8230;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Die Wahl war ein Duell zwischen Nicolás Maduro und María Corina Machado. Der Name des offiziellen Kandidaten der Opposition spielt keine Rolle, Machado war die tatsächliche Oppositionskandidatin, die die Fäden zog.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wichtig zu verstehen ist, dass Maduros Regierung nichts mit jener von Hugo Chávez (Präsident von 1999– 2013) gemein hat. Vielmehr steht Maduro für das genaue Gegenteil.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Chávez stand an der Spitze der Bolivarischen Revolution mit allem was zu ihr gehörte: Landbesetzungen, Gründung von Kommunen, Arbeiterkontrolle, Verstaatlichungen, die Bekämpfung des Imperialismus, Diskussionen über den Sozialismus, usw.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Maduro hingegen hat den gegenteiligen Prozess angeführt, die bürgerliche Restauration der nationalen Oligarchie: die Rückgabe des Landes an die Grundbesitzer, Privatisierungen, Zerschlagung der Arbeiterkontrolle, Eingriffe in Lohnverhandlungen, die Inhaftierung von Aktivisten der Arbeiterklasse usw.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Maduros Regierung stützt sich dabei auf bonapartistische Methoden, auch um die linke Opposition auszuschalten. Sie haben der Tupamaros-Bewegung, der UPV, der PPT und der Kommunistischen Partei Venezuelas (PCV) die Kontrolle über ihre Wahllisten entzogen. Sie gingen sogar so weit, eine fingierte Partei aus bezahlten Beamten zu gründen, um der PCV den Namen abspenstig zu machen. Als Maduros Partei die Wahlen im Bundesstaat Barinas verlor, annullierte sie diese, disqualifizierte die Kandidaten der Opposition (ebenso wie jenen der PCV) und ließ die Wahlen wiederholen, nur um erneut zu verlieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">María Corina Machado repräsentiert den lakaienhaften rechten Flügel der verkommenen imperialistischen Oligarchie. Sie hat 26 Jahre damit verbracht, Putschversuche und Terroranschläge zu schmieden, zur ausländischen Invasion und gewalttätigen Guarimbas (Aufständen) aufzurufen, imperialistische Sanktionen zu bejubeln, und ganz allgemein einen tiefen Hass gegen die Arbeiterklasse, die Armen und die Bauern zu schüren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Genossen von Lucha de Clases, der venezolanischen Sektion der RKI, erklärten, dass es für die Arbeiterklasse bei dieser Wahl keine Option gibt. Es war „eine Wahl zwischen Tod durch Ersticken und Tod durch Enthauptung“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zehn Jahre schwere Wirtschaftskrise als Folge des kombinierten Chaos einer unvollendeten Revolution, imperialistischer Sanktionen und einer verrückten Geld- und Preispolitik, gefolgt von einem harten Sparkurs auf dem Rücken der arbeitenden Bevölkerung, haben Maduros Unterstützerbasis völlig erodieren lassen. Die Unterstützer, die er von Chávez geerbt hat, sind in einem solchen Ausmaß von Maduro abgestoßen, dass viele die Möglichkeit sahen, der Regierung bei den Wahlen eine schwere Niederlage zuzufügen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daher begannen schon am Samstag Mobilisierungen in beispiellosem Ausmaß zu den Wahllokalen. Der Wahltag selbst verlief ohne größere Zwischenfälle, wobei einige Wahllokale mit stundenlanger Verspätung aufsperrten. Am Ende des Tages begann sich die Situation zuzuspitzen. Anhänger der Opposition drängten zu den Wahllokalen, um die öffentliche Bekanntgabe der Auszählungen abzuwarten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als das Ergebnis der einzelnen Wahllokale bekannt gegeben wurde, wurden Fotos der Auszählungsbögen (actas) in den sozialen Medien gepostet. Auf allen war der Oppositionskandidat als Sieger zu sehen. Ich habe nur von einem einzigen Auszählungsbogen gehört – allerdings kein Foto davon gesehen – auf dem Maduro als Sieger aufscheint.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich, im ganzen Land gibt es etwa 30.000 Auszählungsbögen. Ein paar Dutzend, die in den sozialen Medien kursieren, lassen nicht auf das Endergebnis schließen. Aber es war bezeichnend, dass viele von ihnen aus traditionell chavistischen Hochburgen stammten. Im revolutionären Viertel 23 de Enero in Caracas beispielsweise, in dem sich auch Chávez’ eigenes Wahllokal befand, konnte die Opposition die Wahl für sich entscheiden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann wurde die Übermittlung der Ergebnisse aus den Wahllokalen an den nationalen Wahlrat (CNE) unterbrochen. Die Regierung behauptet, dies sei die Folge eines Cyberangriffs gewesen. Die Wahlbeobachter der Opposition prangerten an, dass sie entgegen den Vorschriften keinen Zugang zum Auszählungsraum des CNE erhielten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Liste an Unstimmigkeiten geht noch weiter: Gruppen bewaffneter Zivilisten schüchterten diejenigen, die in den Wahllokalen auf die Bekanntgabe der Ergebnisse warteten, ein. In einigen Fällen gaben sie Schüsse ab, um die Menge zu vertreiben, dabei wurde eine Person getötet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gegen 23 Uhr (bei einem Auszahlungsstand von 80%) gab der CNE schließlich ein erstes Ergebnis bekannt: 51% für Maduro gegen 44% für Edmundo Gonzalez (Opposition) und 4,6% für die anderen Kandidaten. Die Wahlbeteiligung lag bei 59%. „Der Trend ist unumkehrbar“, verkündete der CNE.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das offizielle Ergebnis stimmte nicht mit den in den sozialen Medien veröffentlichten Ergebnissen überein. Außerdem verkündete der CNE am folgenden Tag den Sieg Maduros, ohne jemals das vollständige Ergebnis mit einem Auszählungsgrad von 100% zu veröffentlichen, geschweige denn die Aufschlüsselung nach Bundesstaat, Gemeinde und Wahllokal offenzulegen. Die offiziellen Ergebnisse können daher nicht mit den Ergebnissen der Wahllokale verglichen werden. Es ist also kein Wunder, dass viele den Ergebnissen keinen Glauben schenken.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Verrat der Bolivarischen Revolution</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich weisen wir die widerliche Heuchelei der internationalen Rechten zurück. Die spanische Volkspartei, der argentinische Präsident Milei, Donald Trump, der peruanische Premierminister (der sein Amt einem Staatsstreich verdankt!), Vicente Fox, Bukele und andere groteske Gestalten schreien jetzt: „Betrug!“. Diese Leute haben Putsche in Venezuela offen unterstützt oder direkt organisiert, das Massaker an der Bevölkerung im chilenischen Aufstand bejubelt, die Putschregierung in Peru anerkannt, u.v.m.. Wir haben nichts mit ihnen gemein. Sie sind unsere Klassenfeinde und wir bekämpfen sie, damit werden wir auch jetzt nicht aufhören.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch all das erklärt nicht, warum die Arbeiterklasse und die Armenviertel den Aufstand gegen Maduro proben. Das liegt vor allem an der inneren Dynamik Venezuelas. Die Verantwortung dafür liegt bei Maduro und der Führung seiner Partei (PSUV), die die Bolivarische Revolution verraten haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit dem 29. Juli befindet sich Venezuela in einer explosiven und sehr gefährlichen Situation. In einigen ärmeren Gegenden sind Menschen spontan auf die Straße gegangen, um eine Regierung loszuwerden, die sie nicht mehr vertritt. Doch ihr einziger politischer Ausdruck ist Machado, die Repräsentantin der pro-imperialistischen Rechten. Die Arbeiterklasse und die Armen können in keinem Szenario etwas gewinnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie verlieren, wenn die Regierung der Bosse unter Maduro auf der Grundlage massiver Unterdrückung an der Macht bleibt. Sie verlieren, wenn er gestürzt und durch Machado ersetzt wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gefahr besteht darin, dass Teile der Volksmassen ihre politische Hoffnungen in die Opposition setzen. Niemand sollte sich Illusionen hingeben. Wenn Machado an die Macht kommt, wird sie ein brutales Sparprogramm durchsetzen, die letzten Errungenschaften der Revolution demontieren, für&nbsp;Spottpreise&nbsp;privatisieren und alle Überbleibsel kommunaler Selbstverwaltung mit Waffengewalt zerschlagen. Und all dies wird natürlich durch die militärische Unterdrückung der Arbeiter- und Bauernbewegung erzwungen, falls diese es wagen sollte, sich zu widersetzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einige werden sagen: „Unter Maduro ist es genau gleich.“ Nein. Es wäre noch schlimmer. Aber es war die bürgerliche, bürokratische Konterrevolution von Maduro, die direkt zum Aufstieg der offenen Reaktion von Machado geführt hat. Außerdem kann sich Maduro im Moment nur durch offene Repression durch den Staatsapparat an der Macht halten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Gab es eine Alternative?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die gab es. Wir haben dies in den letzten zehn Jahren wiederholt erklärt. Die notwendige Alternative wurde von Chávez selbst in seiner berühmten Rede unter dem Motto „Golpe del Timón“ („Das Steuer herumreißen“) vorgeschlagen hat: „den bürgerlichen Staat zu zerschlagen“ und „eine sozialistische Wirtschaft“ aufzubauen. Dies war immer das instinktive Ziel der kämpfenden Arbeiterklasse und der Armen: die Revolution durch die Abschaffung des Kapitalismus zu vollenden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das hätte die imperialistische Aggression nicht gestoppt oder die Guarimbas, Putschversuche und gescheiterten Invasionen verhindert. Aber es hätte die Werktätigen an die Macht gebracht, ihre Moral gestärkt und als Beispiel für die Arbeiterklasse und die Bauern des ganzen Kontinents gedient, indem es die reale Möglichkeit einer Ausweitung der sozialistischen Revolution über die Grenzen Venezuelas hinaus auf die Tagesordnung gesetzt hätte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Fehler der PCV und die Lehren, die wir ziehen müssen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Rolle der PCV verdient besondere Erwähnung. Wir haben uns von Anfang an mit den Genossen der Kommunistischen Partei solidarisch gegen die Repressionen der Maduro-Regierung gezeigt. Doch es gehört ebenso zu unserer Pflicht, die Genossen auf die schweren Fehler hinzuweisen, die sie unserer Meinung nach gemacht haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erstens haben sie das 2020 gegründete Bündnis APR (dt. Revolutionäre Volksalternative; an dem auch unsere Genossen beteiligt waren) als reines Wahlinstrument behandelt, anstatt – wie vereinbart – als Kampffront aufzubauen. Der Beschluss, einen Gründungskongress einzuberufen, wurde nie umgesetzt. In dieser Frage liegt die Verantwortung nicht allein bei der PCV. Doch da sie die stärkste Organisation der APR waren, tragen sie die Hauptverantwortung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir glauben allerdings, dass der Fehler der PCV, bei den Wahlen einen Kandidaten der Bosse, Enrique Marquez von der Partei Centrados, zu unterstützen, noch schwerer wiegt. Sie verteidigten diesen Kandidaten, der an Putschversuchen beteiligt war, mit dem Argument einer „Einheitsfront für die Demokratisierung“ und der Notwendigkeit, „die Institutionen und die Verfassung wiederzubeleben“. Aktuell rufen sie dazu auf, „Räume der breiten Einheit zu schaffen, um den Kampf für die Rettung der Verfassung und der Rechtsstaatlichkeit Venezuelas zu stärken“, was als Aufruf zur Aktionseinheit mit Machado verstanden werden könnte!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Fehler der Linken haben dazu geführt, dass die Arbeiterklasse einer eigenen Führung völlig beraubt wurde und jetzt der Bourgeoisie ausgeliefert ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was nun? In jedem Fall ist es entscheidend, dass wir die Notwendigkeit einer politisch unabhängigen Organisation der Arbeiterklasse erklären. Wer auch immer regiert, die Interessen unserer Klasse müssen verteidigt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus ist es notwendig, eine ernsthafte Bilanz der Bolivarischen Revolution, ihrer Errungenschaften, aber vor allem ihrer Beschränkungen zu ziehen. Wer eine halbe Revolution macht, schaufelt sich sein eigenes Grab. Wir müssen aus den Fehlern der Vergangenheit lernen, damit wir sie nicht wiederholen.</p>
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