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	<title>Planwirtschaft Archives -</title>
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	<title>Planwirtschaft Archives -</title>
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		<title>Wer die AfD bekämpfen will, muss Merz stürzen!</title>
		<link>https://derkommunist.de/wer-die-afd-bekaempfen-will-muss-merz-stuerzen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michele Rocco Troccolo]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Nov 2025 13:29:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Anti-AfD]]></category>
		<category><![CDATA[AfD]]></category>
		<category><![CDATA[Klassenkampf]]></category>
		<category><![CDATA[Planwirtschaft]]></category>
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<p>Ende November will die AfD ihre neue Jugendorganisation im hessischen Gießen gründen. Die Partei hatte im März die „Junge Alternative“ mit ihren 2.400 Mitgliedern auflösen lassen. Sie war nicht direkt an die Mutterpartei gebunden und galt daher für diese als schlecht kontrollierbar. Zusätzlich stand ein Verbot im Raum.</p>



<p>Ein breites Bündnis unter dem Namen „widersetzen“ mobilisiert gegen das Gründungstreffen. Schon im Januar verzögerten ca. 15.000 Demonstranten durch Blockade der Zufahrtswege den AfD-Parteitag im sächsischen Riesa für zwei Stunden. 200 Busse aus 80 Städten waren angereist. Mit diesem Protest hatten sie ein symbolisches Zeichen gesetzt. Trotzdem erstarkte die AfD immer weiter.</p>



<p>Um gemeinsam eine starke Massenbewegung auf die Straße zu bringen und die Anziehungskraft der AfD zu schwächen, müssen wir mit einem klassenkämpferischen Programm mobilisieren.</p>



<p style="font-size:22px"><strong>Eine Strategie gegen rechte Demagogen</strong></p>



<p>Der italienische Generalstreik vom 3. Oktober zeigt, wie die Arbeiterklasse gegen rechte Demagogen kämpfen muss. Melonis Koalition konnte nur an die Macht kommen, weil die sogenannte „Linke“ keine Antworten auf die sozialen Probleme vorbrachte. Die bürgerlichen Institutionen verloren im Zuge der sozialen, politischen und ökonomischen Krisen immer weiter an Legitimität. Gleichzeitig verteidigte die „Linke“ das Establishment und diskreditierte sich so in den Augen vieler. In Deutschland spielt die Linkspartei diese Rolle.</p>



<p>Der italienische Generalstreik zeigt, dass die Meloni-Regierung keineswegs stabil ist und dass der „Rechtsruck“ ein Märchen ist. Der Aufstieg der Rechten ist ein Ausdruck der Wut gegen das alte Establishment. Jetzt drückt sich dieselbe Wut gegen das Regime entlang von Klassenfragen aus. „Alles blockieren“ war der Ruf des Generalstreiks. Statt Hetze gegen Migranten stand internationale Solidarität auf der Tagesordnung. Dagegen war Meloni machtlos, trotz verschärften Streikrechts.</p>



<p>Die AfD zu verhindern, heißt dem Vorbild der italienischen Arbeiterklasse zu folgen. Jetzt muss der Kampf gegen die Merz-Regierung geführt werden. Direkte Aktionen einer Minderheit reichen nicht. Nur ein Programm, dass sich Forderungen der Arbeiterklasse auf die Fahne schreibt, kann zu Massenaktionen der Arbeiterklasse führen.</p>



<p style="font-size:22px"><strong>Was fordern wir?</strong></p>



<p>„widersetzen“ erklärte in einer Pressekonferenz die Gründe für den Aufstieg der AfD. Die Partei schafft es, an „reale soziale Ängste“ anzuknüpfen. Beispielhaft wurde aufgezählt, die Schwierigkeit bezahlbaren Wohnraum zu finden, die Krise des Gesundheitssystems und den Abbau des Sozialstaats.</p>



<p>Die Pressesprecherin von „widersetzen“ zieht konsequenterweise die Schlussfolgerung, dass man für sozialen Wohnungsbau, für bessere Arbeitsbedingungen, höheren Mindestlohn, mehr Sozialstaat und weitere soziale Reformen kämpfen muss, um die AfD in ihre Schranken zu weisen. Trotzdem klammert das Bündnis die Umsetzung dieser Strategie in seinem Kampf gegen die AfD aus und beschränkt diesen auf „Nein!“-sagen. Dabei sind Linkspartei und Gewerkschaften Teil des Bündnisses, die ihre Mitglieder tatsächlich für die Lösung dieser Fragen mobilisieren könnte.</p>



<p>Weil sie es aber nicht tun, kann „widersetzen“ nur noch mit leeren Formeln hantieren: Es stehe ein für Freiheit, Respekt, Solidarität und Menschlichkeit, während die AfD für Ausgrenzung, Hass und Angst sei. Doch auch die Establishment-Parteien predigen diese Werte, während sie in Taten den Lebensstandard angreifen und hetzen. Diese Heuchelei trieb viele in die Arme der AfD.</p>



<p>In einem Mobi-Video für die Protestaktion in Riesa beschränkte sich das Bündnis darauf, die Folgen einer AfD-Politik zu kritisieren: höhere Preise, niedrige Löhne, Einschränkung von Arbeitsrechten, Auflösung von Tarifverträgen, Privatisierung von Wohnraum und Rentenkürzungen. Aber: All dies wird ohnehin bereits von CDU, SPD, Grüne und FDP umgesetzt. Deshalb muss der Kampf gegen die Merz-Regierung und das Establishment der Ausgangspunkt der Bewegung sein, sonst wird das „widersetzen“ gegen die AfD zur Verteidigung des Status quo.</p>



<p>Nur eine Planwirtschaft unter demokratische Kontrolle der Arbeiterklasse kann diese sozialen Probleme lösen. Wer das nicht sagt, verteidigt die Hülle einer Demokratie, die die Interessen der Reichen umsetzt, und stößt diejenigen ab, die dies bereits heute erkennen.</p>
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		<title>Angriffe auf Zivilklausel: Unis sollen bei der Aufrüstung mithelfen</title>
		<link>https://derkommunist.de/angriffe-auf-zivilklausel-unis-sollen-bei-der-aufruestung-mithelfen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Franz Rieger]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 13 Oct 2025 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Aufrüstung]]></category>
		<category><![CDATA[Planwirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Universität]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>70 von 422 deutschen Unis und Hochschulen haben eine Zivilklausel – also eine freiwillige Selbstverpflichtung, nicht für militärische, sondern nur für zivile Zwecke zu forschen. Im Zuge der Aufrüstung wird [&#8230;]</p>
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<p>70 von 422 deutschen Unis und Hochschulen haben eine Zivilklausel – also eine freiwillige Selbstverpflichtung, nicht für militärische, sondern nur für zivile Zwecke zu forschen. Im Zuge der Aufrüstung wird die Forderung immer lauter, die Zivilklausel abzuschaffen. Das Land Bayern hat sogar ein Gesetz verabschiedet, das Zivilklauseln verbietet und die Unis zur Zusammenarbeit mit Bundeswehr und Rüstungsindustrie verpflichtet.</p>



<p>Gegen diese Entwicklungen regt sich Widerstand. Organisationen wie der SDS und DIE LINKE fordern die Verteidigung und Ausweitung der Zivilklausel. Die Gewerkschaft GEW klagt gegen das Land Bayern. Und viele Wissenschaftler und Studenten wollen nicht, dass die Früchte ihrer Arbeit eingesetzt werden, um imperialistische Kriege wie in Gaza oder in der Ukraine zu ermöglichen. Wie kann dieser Kampf erfolgreich geführt werden?</p>



<p style="font-size:22px"><strong>Löchriger als ein Küchensieb</strong></p>



<p>In Wahrheit ist die Zivilklausel schon jetzt löchriger als ein Küchensieb. Viele Unis mit Zivilklausel arbeiten mehr oder minder geheim mit Armee und Rüstungsindustrie zusammen.</p>



<p>Die Uni Bremen, die erste Uni, an der 1986 eine Zivilklausel eingeführt wurde, erhielt allein in den Jahren 2003 bis 2011 ganze 480.000 Euro für Forschungsprojekte mit „wehrtechnischem Auftraggeber“. Das Raumfahrtunternehmen OHB, das auch Rüstungsgüter herstellt, stiftete der Uni eine eigene Professur.</p>



<p>Die Uni Rostock forschte rund um Seeminen. Die TU Berlin kooperiert mit dem Technion im israelischen Haifa, das ebenfalls für die Rüstungsindustrie forscht. Beide Unis entwickeln U-Boote, gemeinsam mit ThyssenKrupp Marine Systems, das wiederum Israel mit atomwaffenfähigen U-Booten und Korvetten ausstattete. Und all das trotz Zivilklausel.</p>



<p>Weitere Verstöße sind bekannt von den Universitäten Göttingen, Kassel, Tübingen und Konstanz. Die reale Zahl dürfte wesentlich größer sein. Wenn jetzt also die Abschaffung der Zivilklausel gefordert wird, geht es nur noch darum, die letzte Hürde für eine offene und vollständige Integration der Wissenschaft in die Aufrüstung aus dem Weg zu räumen.</p>



<p style="font-size:22px"><strong>Kapital und Forschung</strong></p>



<p>Manchen Forscher mögen patriotische Gefühle zur Zusammenarbeit mit der Rüstungsindustrie bewegen. Aber ein weitaus schlagkräftigeres Argument sind die Forschungsgelder, die Unis von Unternehmen, Bundesministerien oder der Bundeswehr für ihre militärisch brauchbare Forschung erhalten. Besonders in Zeiten massiver Kürzungen regulärer staatlicher Gelder für die Unis werden diese Drittmittel wichtiger.</p>



<p>Das Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft hat bewusst die Absicht formuliert, die Zivilklausel durch „Förderanreize“ aus dem Verteidigungsministerium zu Fall zu bringen. Auch das EU-Forschungsprogramm „Horizon Europe“ soll 2028 für Technologie, die auch militärische Anwendung finden können, geöffnet werden. Deutsche Unis, die ihre Zivilklausel aufrechterhalten, liefen dann Gefahr, milliardenschwere Förderungen nicht zu erhalten.</p>



<p>Nicht nur militärisch relevante Forschung wird durch Drittmittel finanziert: Gelder von Ministerien und Unternehmen machten 2022 ganze 28% der finanziellen Mittel aller deutschen Unis aus. Laut Statistischem Bundesamt fließen jedes Jahr über 1,4 Mrd. Euro von Unternehmen direkt an die Unis, um Forschungsprojekte zu finanzieren. Unternehmen stifteten über 800 Professuren an deutschen Universitäten.</p>



<p>Das bescherte uns so wunderbare Einrichtungen wie die Nestlé-Professur für Ernährungsmedizin am Uni-Klinikum Erlangen oder den „Lehrstuhl für Innovative Verstärkungsmethoden mit Befestigungen“ – gesponsert vom Dübelhersteller Fischer – an der Uni Stuttgart. Und der SAP-Mitbegründer Hasso Plattner schenkte der Uni Potsdam gleich eine ganze Fakultät. All das passiert natürlich nicht aus reiner Großzügigkeit von Seiten der milden Spender. Das Kapital erhält einen relevanten Einfluss auf Forschung und Lehre an den Unis.</p>



<p style="font-size:22px"><strong>Wie kämpfen?</strong></p>



<p>Wir fordern, dass die Unis die Geschäftsbücher vollständig offenlegen! Denn oft versuchen sie das wahre Ausmaß der Kooperation mit Unternehmen (egal ob zivil oder nicht) und Bundeswehr zu verschleiern. Die Studenten und Beschäftigten müssen wissen, wie viel Geld ihre Uni hat, woher es kommt und wohin es genau fließt! Alle Forschungsprojekte und -kooperationen müssen offengelegt werden.</p>



<p>Die standardmäßige Umgehung der Zivilklausel zeigt, dass eine Zusage auf dem Papier nicht reicht. Die Beschäftigten und Studenten einer Uni müssen selbst entscheiden und kontrollieren, wohin Gelder fließen und woran geforscht wird. Wir kämpfen dafür, dass von ihnen demokratisch gewählte Komitees diese Entscheidungen treffen können.</p>



<p>Der Kampf für die Beschränkung der Forschung auf zivile Zwecke muss als Teil des Kampfes gegen die Kürzungen geführt werden. Nur so können wir die Uni-Beschäftigten dafür gewinnen, denn ihre Jobs sind oft von Drittmitteln abhängig. Deswegen fordern wir die sofortige Umwandlung aller befristeten Arbeitsverhältnisse in unbefristete! Die Unis müssen auf Kosten der Kapitalisten voll ausfinanziert werden!</p>



<p>Das kann nur durch den Klassenkampf der Arbeiterklasse auf der Straße und im Betrieb errungen werden! Um Beschäftigte aus anderen Sektoren gewinnen zu können, muss sich der Kampf generell gegen alle Kürzungen und Angriffe der Merz-Regierung auf den Sozialstaat richten. Die Arbeiterklasse muss entscheiden, wo das Geld hineingesteckt wird: nämlich in den sozialen Sektor und die Erneuerung der Produktionsanlagen unter Arbeiterkontrolle, statt in die Aufrüstung und in Subventionen für den Geldbeutel der Kapitalisten!</p>



<p>Wir fordern die entschädigungslose Enteignung der Rüstungsindustrie und all ihrer Investoren unter demokratischer Arbeiterkontrolle! Das so konfiszierte Vermögen kann für die Ausfinanzierung der Universitäten benutzt werden. Gleichzeitig können wir so sicherstellen, dass keine Waffen hergestellt werden, um sie an Israel zu liefern oder andere imperialistische Kriege zu führen. Die Produktionsanlagen können dann für zivile Zwecke umgerüstet werden.</p>



<p>Die Arbeiterklasse muss entscheiden, in welchen Bereichen geforscht wird – nicht die Kapitalisten durch Drittmittelvergabe. Daher müssen die Banken und Großkonzerne unter demokratischer Arbeiterkontrolle enteignet werden!</p>



<p>Die Befürworter der Zivilklausel berufen sich gerne auf Albert Einsteins Ausspruch: „Was für eine Welt könnten wir bauen, wenn wir die Kräfte, die ein Krieg entfesselt, für den Aufbau einsetzten?“ Aber dafür reicht es nicht, sicherzustellen, dass die Forschung zivil bleibt. Denn sehr viele Technologien werden sowohl für zivile als auch für militärische Zwecke eingesetzt (sogenannte „Dual-Use“ Technologien). Deswegen muss die Arbeiterklasse und die Jugend auch die Kontrolle über die gesamte Industrie des Landes erkämpfen, um sicherstellen zu können, dass z.B. Hochgeschwindigkeits-Zentrifugensysteme für die Herstellung von Medizin statt für die von Atombomben verwendet werden. Das geht letztlich nur in einer von der Arbeiterklasse demokratisch kontrollierten Planwirtschaft!</p>



<p></p>
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		<title>Sollten Kommunisten die DDR verteidigen?</title>
		<link>https://derkommunist.de/sollten-kommunisten-die-ddr-verteidigen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ture Hirche]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 03 Oct 2025 15:59:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Theorie]]></category>
		<category><![CDATA[DDR]]></category>
		<category><![CDATA[Planwirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hegten große Teile der Arbeiterklasse auch im Osten Deutschlands den Wunsch nach einem sozialistischen Neuanfang. Schon 1945 begannen sie, die alten Industriellen und Naziunterstützer [&#8230;]</p>
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<p>Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hegten große Teile der Arbeiterklasse auch im Osten Deutschlands den Wunsch nach einem sozialistischen Neuanfang. Schon 1945 begannen sie, die alten Industriellen und Naziunterstützer zu verjagen und auf eigene Faust die Kontrolle über die Produktion in vielen Betrieben zu übernehmen.</p>



<p>Die Arbeiterbewegung stieg in ganz Deutschland wie der Phönix aus der Asche. In der Sowjetischen Besatzungszone zählten SPD und KPD viele hunderttausend Mitglieder. Die Vereinigung beider Parteien zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) war vor allem möglich, weil es ein großes Begehren nach Einheit innerhalb der Arbeiterbewegung gab. Doch die Hoffnung der Arbeiter wurde schnell enttäuscht. Ziel der Vereinigung war nicht Stärkung, sondern Kontrolle über die Arbeiterbewegung.</p>



<p style="font-size:22px"><strong>Repression und Startschwierigkeiten</strong></p>



<p>Die ohnehin schon eingeschränkte Arbeiterkontrolle wurde 1948 offiziell abgeschafft und in der SED begannen früh breite Säuberungen gegen Andersdenkende, Kommunisten wie Sozialdemokraten. Statt in Deutschland einen Arbeiterstaat zu schaffen, strebte Stalin, in Abstimmung mit dem Westen, ein neutrales, geeintes Deutschland auf kapitalistischer Grundlage an. Doch dieser Ausverkauf der ostdeutschen Arbeiterklasse scheiterte an der Ablehnung des Westens, als 1949 die Bundesrepublik gegründet wurde. Die Sowjetbürokratie war gezwungen, nachzuziehen und gründeten die DDR im selben Jahr.</p>



<p>Der neue Staat wurde am Beispiel des stalinistischen Modells der Sowjetunion (SU) geschaffen, wo alle Macht in den Händen einer aufgeblähten Bürokratie lag.</p>



<p>Trotzdem legten die Stalinisten dem Wiederaufbau der DDR sowie den anderen Ostblockländern zunächst große Steine in den Weg. Sie demontierten viele relevante Industrieanlagen und die DDR musste erdrückende Reparationszahlungen an die UdSSR leisten. Erst nach Stalins Tod und mehreren Volksaufständen erkannte die sowjetische Bürokratie, dass politische Stabilität nur durch einen steigenden Lebensstandard möglich war.</p>



<p style="font-size:22px">„<strong>Mein Freund der Plan“</strong></p>



<p>Die SU begann die Ostblockstaaten durch den Verkauf von Ressourcen weit unter dem Marktpreis zu unterstützen. In den 50er und 60er Jahren konnte die DDR Wachstumsraten von 5 bis 7% verzeichnen. Sie wuchs damit schneller als die BRD und auch die Lücke in der Arbeitsproduktivität und des BIP pro Kopf konnte zumindest in kleinen Schritten reduziert werden.</p>



<p>Die Planwirtschaft ermöglichte enorme soziale Errungenschaften. Statt nur auf Profit zu beharren, wurden die Gewinne zugunsten des Lebensstandards der Bevölkerung verteilt. Sie profitierte von der Einführung eines einheitlichen Sozialsystems und kostenloser Gesundheitsversorgung. Lebensmittelpreise und Wohnungsbau wurden extrem subventioniert. Ein Kilo Kartoffeln für eine halbe Mark, ein Kilo Zucker für eine Ganze, oder eine Zweizimmerwohnung für 40 Mark waren bei einem durchschnittlichen Monatsgehalt von 1000 Mark sehr günstig. Bettler und Arbeitslose gab es nicht. Auch die Eingliederung der Frau ins öffentliche Leben war dem Westen meilenweit voraus, wo 1989 nur 51% der Frauen einem Beruf nachgegangen sind. Im Osten waren es 92%.</p>



<p style="font-size:22px"><strong>Bürokratie behindert Entwicklung</strong></p>



<p>Über die Zeit wurde die Bürokratie zu einer immer größeren Bremse für die Entwicklung der DDR. Sie war nicht für die Planwirtschaft, weil sie den Sozialismus aufbauen wollte, sondern weil ihre Herrschaft und ihre Privilegien auf ihr fußten.</p>



<p>Um Planziele zu erfüllen, produzierten Betriebsdirektoren oft qualitativ minderwertige Waren oder produzierten mit Absicht weniger, um die Planziele niedrig zu halten. Stockende Lieferketten und Drosselung des Wirtschaftswachstums waren die Folge.</p>



<p>Die Bürokratien der einzelnen Ostblockstaaten versuchten, ihre Macht gegenüber den anderen auszubauen, indem sie versuchten, ganze Wirtschaftszweige allein auf die Beine zu stellen, statt die verschiedenen Produktionsprozesse rational untereinander aufzuteilen.</p>



<p>Für die kleine DDR war das eine kaum zu stemmende Aufgabe. Wo ihre Produktion nicht ausreichte, war sie zunehmend gezwungen, Waren aus dem Westen zu importieren. Doch wegen steigender Marktpreise war das irgendwann zu teuer. Ende der 80er stand sie kurz vor der Zahlungsunfähigkeit und weil das Geld fehlte, waren wichtige Industrien und die Infrastruktur in einem maroden Zustand.</p>



<p>Gegen den ökonomischen und politischen Stillstand brach 1989 eine Massenbewegung aus. Der Westen nutzte den Unmut und konnte mangels einer sozialistischen Opposition den Kapitalismus in der DDR wieder einführen und sie sich einverleiben.</p>



<p style="font-size:22px"><strong>Wie stehen Kommunisten zur DDR?</strong></p>



<p>Schuld am Scheitern der DDR war nicht die Planwirtschaft, sondern ihre bürokratische Deformierung. Wäre im Ostblock tatsächlich alle Macht von den Werktätigen ausgegangen, wäre die Geschichte anders ausgegangen. Korrupte Betriebsdirektoren wären abgewählt worden. Da die Arbeiterklasse kein Interesse an zwischennationalen Rivalitäten hat, hätte die Wirtschaft des Ostblocks harmonisiert und die Abhängigkeit vom Westen enorm reduziert werden können.</p>



<p>Dennoch sollten wir uns vor dem historischen Erbe der DDR nicht verstecken oder uns dafür schämen. Die Errungenschaften der Planwirtschaft wurden nicht wegen, sondern trotz der Diktatur der Bürokratie ermöglicht. Wir verteidigen sie, indem wir sagen: Nur wenn die Arbeiterklasse an der Macht ist, können solche Errungenschaften erhalten und ausgebaut werden. Dafür kämpfen wir heute.</p>



<p></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Wie wird der Sozialismus aussehen?</title>
		<link>https://derkommunist.de/wie-wird-der-sozialismus-aussehen-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ben Gliniecki]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 12 Sep 2025 06:00:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeiterkontrolle]]></category>
		<category><![CDATA[Planwirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Staat]]></category>
		<category><![CDATA[Wie wird der Sozialismus aussehen?]]></category>
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<p>Wir befinden uns heute inmitten einer der tiefsten Krisen, die der Kapitalismus je erlebt hat. Während die 99% für die Krise zur Kasse gebeten werden, häufen die 1% immer schneller immer mehr Reichtum an. Das hohe Ausmaß von Skandalen und Korruption im Establishment entfremdet Millionen von der traditionellen Politik. All dies verursacht ein Hinterfragen der kapitalistischen Gesellschaft. Viele suchen nach Alternativen zum existierenden System, und eine wachsende Zahl sucht die Antwort im revolutionären Sozialismus.</p>

<p>Für viele ist klar, gegen was wir kämpfen: Korruption, Krise und Kürzungspolitik; aber es kann schwerer sein, auszudrücken oder sich sogar vorzustellen, für was wir kämpfen. Konkret: Wie könnte eine neue Gesellschaft funktionieren? Wie würde unser individuelles Leben davon betroffen sein? Wie wird der Sozialismus aussehen?</p>

<p>Marxisten sind keine Wahrsager. Wir können die Zukunft nicht mit absoluter Sicherheit voraussagen und deshalb können wir nicht sagen, wie der Sozialismus genau aussehen wird. Wenn wir zum Beispiel über die Familie im Sozialismus sprechen, sagt Engels „[die Ordnung der Geschlechterverhältnisse im Sozialismus] wird sich entscheiden, wenn ein neues Geschlecht [lies: Generation] herangewachsen sein wird […]. Wenn diese Leute da sind, werden sie sich den Teufel darum scheren, was man heute glaubt, daß sie tun sollen; sie werden sich ihre eigne Praxis und ihre danach abgemeßne öffentliche Meinung über die Praxis jedes einzelnen selbst machen – Punktum.“ Die Gesellschaft wird nicht von den Spekulationen vergangener Generationen gestaltet, sondern durch die Entscheidungen und Taten der Gegenwart.</p>

<p>Nichtsdestotrotz ist es doch möglich einige Schlussfolgerungen zu ziehen, wie der Sozialismus aussehen wird, da Marxisten wissenschaftliche Sozialisten sind, die eine materialistische Analyse auf die Entwicklung von Geschichte und Gesellschaft anwenden. In anderen Worten, wir können Hypothesen aufstellen über die Zukunft, basierend auf Anhaltspunkten aus der Vergangenheit und Gegenwart. Dies ist keine exakte Wissenschaft – genau wie ein Arzt nicht sagen kann, wann ein Patient sterben wird oder ein Geologe nicht das Datum des nächsten Erdbebens oder Vulkanausbruchs sagen kann, so kann ein Marxist nicht exakt vorhersagen, wann eine Revolution ausbrechen wird oder welche spezifische Form sie annehmen wird. Aber genau so wie man durch das betrachten eines Kindes ungefähr sagen kann, was für eine Art Erwachsener er oder sie möglicherweise wird, können wir durch das Betrachten der kapitalistischen Gesellschaft sehen, wie eine mögliche sozialistische Gesellschaft aussehen wird.</p>

<p>Schon jetzt können wir den Keim des Sozialismus im Kapitalismus sehen. Indem wir untersuchen, was für Widersprüche und Hürden der Kapitalismus – ein System des Privatbesitzes und der Produktion für Profit – der Gesellschaft aufbürdet, können wir sehen, was die Möglichkeiten für eine zukünftige, sozialistische Gesellschaft sein könnten; eine Gesellschaft, in der diese Hürden überwunden sind und in der die Produktion sich nach den Bedürfnissen der Menschen richtet.</p>

<h3>Eine Wirtschaft ohne Profit</h3>

<p>Wirtschaftliche Entwicklung ist die materielle Voraussetzung für die Entwicklung aller anderen Aspekte der Gesellschaft. Ohne eine genügende Entwicklung der Produktivkräfte – der Industrie und der Landwirtschaft; der Technologie und der Technik – wird eine Gesellschaft nicht über die materiellen Bedingungen verfügen und die nötigen Mittel, um auf den Gebieten der Wissenschaft, Kunst, Kultur, Philosophie etc. voran zu kommen. Dies ist der fundamentale Grundsatz der marxistischen – also der materialistischen – Sicht der Geschichte.</p>

<p>Der Kapitalismus ist aufgrund seiner Widersprüche und der daraus resultierenden Anarchie und Ineffizienz nicht länger imstande, diesen grundlegendsten Aspekt der Gesellschaft zu entwickeln. Milliarden Pfund, Dollar, Euro, Franken etc. sind im Crash von 2008 verloren gegangen. Dieser wurde nicht durch individuelle Gier oder eine falsche Ideologie verursacht, sondern durch die inhärenten Mechanismen des Kapitalismus selbst. Es folgte eine Stagnation der wirtschaftlichen Produktivkräfte auf globaler Ebene. Dies hat viele Länder in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung um Jahre oder gar Jahrzehnte zurückgeworfen – in Großbritannien zum Beispiel bleiben die wirtschaftlichen Investitionen 25% unter den höchsten Werten vor der Krise.</p>

<p>Der Kapitalismus ist unfähig, die Produktivkräfte in ihrem ganzen Potential zu entwickeln. Die Kapazitätsauslastung der Produktivkräfte in entwickelten Ländern liegt im Moment bei 70-80% und das sogar nach der Schließung weiter Teile der Produktion und dem Verlust von Millionen von Stellen. Quer durch die Welt steht die durchschnittliche Kapazitätsauslastung bei 70%. Dies bedeutet, dass wir im Moment die Fähigkeit hätten, den globalen wirtschaftlichen Output um fast 50% zu erhöhen, einfach durch die Nutzung der existierenden Kapazität der Wirtschaft. Aber obwohl Leute auf der ganzen Welt dringend Essen, Unterkunft, Gesundheitsversorgung und andere grundlegende Güter benötigen, wird diese Kapazität nicht ausgeschöpft. Tatsächlich sprechen viele bürgerliche Ökonomen heute von Überkapazität – das bedeutet, dass die Wirtschaft fähig ist, viel mehr zu produzieren, als sich am Markt verkaufen lässt – also zu viel. Daher müsse noch mehr gekürzt werden, deshalb die Schließungen und Stellenverluste.</p>

<p>Der Grund für diesen Widerspruch ist der Profit. Unter dem Kapitalismus wird die Wirtschaftskraft der Gesellschaft nur benutzt, um Güter zu produzieren, welche für Profit verkauft werden können; wenn kein Profit erzeugt werden kann, wird nichts produziert. Die Besitzer der Produktionsmittel würden eher ihre Geschäfte ungenutzt lassen als mit Verlust zu produzieren, sogar wenn die Dinge, die produziert werden würden, verzweifelt gebraucht würden. Die kapitalistische Wirtschaft wird vom Profit und nicht vom Bedarf regiert und aus diesem Grund ist sie höchst ineffizient darin, den Bedarf der Gesellschaft zu decken, entgegen dem was die Verteidiger des Kapitalismus behaupten. Uns wird oft gesagt, dass der Kapitalismus das effizienteste aller Wirtschaftssysteme sei – doch wenn das wahr wäre, warum stehen dann Fabriken und Büros ungenutzt und leer, obwohl sie eine Fülle an Gütern und Dienstleistungen produzieren könnten, welche die Gesellschaft braucht?</p>

<p>Ohne Profit als Hauptziel der Wirtschaft, könnten wir alle Produktionsmittel in ihrem vollen Umfang nutzen, um die Bedürfnisse aller zu decken. Diese Idee einer Wirtschaft, die nicht durch Profit bestimmt wird, gibt uns einen ersten Eindruck, wie der Sozialismus aussehen wird.</p>

<h3>Kapitalismus = Armut inmitten von Überfluss</h3>

<p>Die globale Arbeitslosigkeit liegt offiziell bei 200 Millionen; aber in Wirklichkeit liegt die Zahl der Arbeitslosen oder Unterbeschäftigten näher bei einer Milliarde. Diese Leute sind weder ohne Beschäftigung, weil sie unfähig sind zu arbeiten, noch weil es keine Arbeit gibt, die getan werden muss, sondern einfach weil es nicht profitabel ist, sie anzustellen.</p>

<p>Währenddessen zeigen Statistiken von 2012, dass 24% der Menschen in Großbritannien zwei Jobs haben, wovon 90% den zweiten Job brauchen, weil das Einkommen von nur einem Job nicht ausreicht. 2012 gab es einen Anstieg von 37.4% an Menschen, die Rekrutierungswebsites beigetreten sind um nach einem Zweitjob zu suchen. Mit Inflation, Lohnstopps und Niedriglöhnen ist dies ein Trend, der sich in der Zukunft fortsetzen wird. Es ist ein eklatanter Widerspruch des Kapitalismus, dass manche Menschen gezwungen sind, für zwei Jobs zu arbeiten, während Millionen arbeitslos bleiben – eine Absurdität geboren aus der Jagd nach Profit.</p>

<p>Ohne die Hürde des Profits könnte diesen arbeitslosen und unterbeschäftigten Menschen ein produktiver Job gegeben werden. Jeder wäre imstande, zu besseren Bedingungen in nur einem Job zu arbeiten und genügend Menschen wären übrig, um viele weitere Jobs zu schaffen. Dadurch würden die Produktivkräfte zusätzliche menschliche Arbeit erhalten und der wirtschaftliche Ertrag würde drastisch erhöht.</p>

<p>Es gibt weitere absurde Widersprüche dieser Art unter dem Kapitalismus. 6.500 Menschen allein schlafen auf Londons Straßen, ein Anstieg von 77% seit 2010. Die amtliche Zahl der als obdachlos gemeldeten Haushalte ist in England um 26 Prozent auf 111.960 gestiegen. Aber zur selben Zeit gibt es laut Regierungsangaben 610.000 leerstehende Wohnungen in England. Warum gibt es eine steigende Zahl von Obdachlosigkeit neben einer steigenden Zahl leerstehender Häuser? Häuser werden nur an Menschen verkauft oder vermietet, die es sich leisten können, dafür zu bezahlen, unabhängig davon, ob sie einen Ort zum Leben brauchen. Für die Kapitalisten ist es eine Frage des Profits, nicht des Bedarfs.</p>

<p>Dieser Widerspruch wird ergänzt durch Orte wie der Bishop’s Avenue in London, der zweitteuersten Straße in Großbritannien, wo ein Drittel der Wohnungen leer steht. Manche von ihnen sind baufällig geworden, weil sie für 25 Jahre unbewohnt blieben. Diese Häuser werden als Spekulationsobjekte genutzt, nicht als Heim für Menschen, um darin zu leben. Da sind 350 Millionen Pfund an Besitz, die in ein Ödland verwandelt wurden – das Resultat einer Wirtschaft, die auf Profitstreben basiert.</p>

<p>Solch eine profitorientierte Wirtschaft steht auch einer technologischen Entwicklung und dem Einsatz von Maschinen im Weg. Maschinen kaufen keine Waren, und deshalb muss die Bourgeoisie, wenn sie einen Markt für ihre Produkte haben will, eine bestimmte Anzahl an Menschen als Arbeiter anstellen. Im Kapitalismus führt der Einsatz von Maschinen und Technologie dazu, dass Arbeit ausgelagert wird, was in (technologisch bedingter) Massenarbeitslosigkeit für manche und intensiver Überarbeitung für die Übriggebliebenen resultiert. Ohne Profitzwang könnten Maschinen entwickelt werden, um die gefährlichen und dreckigen Jobs zu erledigen, die niemand anderes machen möchte, was wiederum Arbeitszeit spart und den Menschen die Möglichkeit gibt, sich mit anderen wirtschaftlich produktiven Tätigkeiten zu beschäftigen, sowie die wöchentliche Arbeitszeit zu reduzieren und dadurch echte Freizeit zu ermöglichen. Die erzwungene Untätigkeit der Arbeitslosigkeit (oder Unterbeschäftigung), welche wir unter dem Kapitalismus sehen, würde ersetzt durch freiwillige Freizeit.</p>

<p>Der Profit steht im Kapitalismus der sinnvollen Verteilung und der Produktion von Gütern im Weg. Die berühmt-berüchtigten „Berge“ und „Seen“ von überschüssigen Nahrungsmitteln, die in der EU produziert werden, sind nur die Spitze des Eisberges. Während sich diese überschüssigen Nahrungsmittel auftürmen und die Landwirtschaftspolitik der EU benutzt wird, um Bauern dafür zu bezahlen, nicht zu produzieren, sterben jedes Jahr sechs Millionen Kinder an Unterernährung. Es gibt keinen logischen Grund, fruchtbares Land in manchen Ländern nicht zu nutzen, um Nahrung zu produzieren, um sie an Menschen in kargeren Umgebungen zu verteilen. Der einzige Grund es nicht zu tun ist, weil es nicht profitabel ist und weil die enorme Hürde der Nationalstaaten eine echte internationale Lösung verhindert. Im Kapitalismus wird es vorgezogen, Nahrungsmittel zu verschwenden, als jene zu ernähren, die sie am dringendsten benötigen.</p>

<h3>Eine Planwirtschaft</h3>
<p>Uns wird oft gesagt, dass Wettbewerb das Geheimnis der kapitalistischen Effizienz ist, aber in Wahrheit führt Wettbewerb zu hoher Verschwendung. Zum Beispiel gibt es eine signifikante Verdoppelung der Arbeit zwischen Unternehmen im gleichen Bereich – was bedeutet, dass Zeit und Geld zweimal in dieselben Dinge investiert werden. Nehmen wir als Beispiel Supermärkte: wenn die Verteilung von Gütern von einer einzigen Organisation ausgeführt würde, dann würde der Prozess durch die Größenvorteile günstiger und durch die zentrale Planung effizienter werden.<br /><br />Wettbewerb zwingt die Unternehmen auch, durch Werbung die Nachfrage für ihre Produkte zu erzeugen. Handelsgeheimnisse und Urheberrechte bedeuten, dass die besten Ideen und Innovationen nicht so vollständig weitergeführt werden wie sie könnten und führen zu teuren Gerichtsverfahren, wie die berühmt-berüchtigte Apple-Samsung-Fälle über Mobiltelefone, welche wieder die Preise für gewöhnliche Menschen erhöhen. Statt die weltbesten und klügsten Köpfe zusammen zu bringen um die Dinge zu produzieren, die die Gesellschaft braucht, werden Wissenschaftler, Ingenieure und Designer aufgeteilt auf verschiedene Unternehmen und gegeneinander in Konkurrenz gesetzt, was zu völlig unnötiger Duplikation von Aufwand und Ressourcen führt.<br /><br />Jedenfalls ist echter Wettbewerb im Zeitalter des Imperialismus, der höchsten Stufe des Kapitalismus, eine Art Mythos. 2012 wurde aufgedeckt, dass Barclays, UBS, Citibank, RBS, DB und JP Morgan ihre Zinssätze abgesprochen haben, um größere Profite zu machen. In den vergangenen Jahren bei British Airways und Virgin Atlantic in der Luftfahrt; Grolsch, Bavaria und Heineken in der Brauerei und Sainsbury’s, Asda und anderen Supermärkten: alle wurden bei Preisabsprachen zwecks höherer Profite erwischt. Der Grund für diese Skandale ist, dass diese Unternehmen erkennen, dass die Planung ein effizienterer Weg ist, eine Wirtschaft zu führen, als sie der Anarchie des freien Marktes zu überlassen.<br /><br />Genau die Anwesenheit solcher riesigen multinationalen Monopole in jeder Branche mit nur einer Hand voll Firmen, die den Markt dominieren, zeigt, wie sich der freie Wettbewerb in sein Gegenteil kehrt, genau wegen der gesteigerten Produktivität und Effizienz, die durch das Produzieren in solchen Massen erreicht werden kann. Innerhalb jeder Firma gibt es eine immense Häufigkeit an Planung, Koordination und Kooperation, alles um die Effizienz zu steigern, im Namen des großen Profits. Unterdessen bleibt zwischen den Firmen die Anarchie des Wettbewerbs und der unsichtbaren Hand bestehen, was zu enormer Ineffizienz und Verschwendung auf gesellschaftlicher Ebene führt.<br /><br />Als Beispiel führt James C. Leontiades im Buch „Multinational Corporate Strategy; Planning for World Markets“ das Elektronikunternehmen Texas Instruments an – eine multinationale Organisation, welche alle ihre Tätigkeiten von ihrem Hauptsitz in Dallas aus plant. Der Grad der zentralisierten Kontrolle des Multinationalen ist erkennbar an den Elementen der Strategie, über welche im Hauptsitz entschieden wird. Diese beinhaltet:</p>

<ul class="wp-block-list">
<li>Eine regionale und globale Analyse der Konkurrenz.</li>

<li>Ein Kern an Produktdesigns, die auf der ganzen Welt standardisiert sind.</li>

<li>Zentralisierte und koordinierte Forschung und Entwicklung um kostspielige Doppelläufe zu verhindern.</li>

<li>Weltweit Rationalisierte Produktion um die größenbezogene Effizienz auf internationaler Ebene maximal zu nutzen.</li>

<li>Globale Preispolitik.</li>
</ul>

<p>Hier sehen wir den Keim einer neuen Gesellschaft innerhalb der alten. Eine sozialistische Gesellschaft würde die Möglichkeiten der Planwirtschaft wahrnehmen, aber natürlich wären wir imstande, im Interesse der Bedürfnisse von vielen zu planen anstatt des Profits einiger Weniger. Das ist die Grundlage einer Gesellschaft des Überflusses, in welcher alle Kräfte der wirtschaftlichen Produktion und Investition rationell und demokratisch geplant werden im Interesse der Mehrheit. Der erste Schritt in diese Richtung wird die Enteignung der Führungsspitze der Wirtschaft sein – also Grund und Boden, die Banken, die Mittel und die Infrastruktur der größten Unternehmen – um alle unter die demokratische Kontrolle der Arbeiterklasse zu stellen als Teil der Planwirtschaft.<br /><br />Das Resultat einer Planwirtschaft kann man sehen in der Transformation Russlands in den fünfzig Jahren zwischen 1913 und 1963, nach der Russischen Revolution von 1917 – trotz dem enormen Entwicklungsbruch, welche die stalinistische Bürokratie verursachte. In diesem Zeitraum entwickelte sich das Land, das wirtschaftlich rückständiger war als Bangladesch heute, zur zweitmächtigsten Nation der Welt. Die Industrieproduktion wurde 52mal größer, verglichen mit sechsmal in den USA und zweimal in Großbritannien. Die Arbeitsproduktivität stieg um 1310%, verglichen mit 332% in den USA und 73% in Großbritannien.<br /><br />Die Lebenserwartung in Russland verdoppelte sich und die Kindersterblichkeit schrumpfte um den Faktor neun. Und das Land hatte mehr Ärzte pro 100.000 Einwohner als Italien, Österreich, Westdeutschland, die USA, Großbritannien, Frankreich, die Niederlande und Schweden. Wenn das im Russland des 20. Jahrhunderts erreicht wurde, welches ein rückständiges, fast feudales Land war zu dieser Zeit und von zwei Weltkriegen und einem Bürgerkrieg verwüstet worden war, sowie unter der stalinistischen Bürokratie litt, stellt euch vor, was eine demokratisch geplante Wirtschaft in Großbritannien und dem Rest der wirtschaftlich entwickelten Welt des 21. Jahrhunderts erreichen könnte.<br /><br />Kuba ist auch ein gutes Beispiel für den Erfolg der Planwirtschaft, trotz seiner begrenzten Arbeiterdemokratie. Die Lebenserwartung (gemäß den Statistiken des Human Development Reports der UNO von 2005) zur Zeit der Geburt liegt in Kuba heute bei 77.7 Jahren (1959, zur Zeit der Revolution, betrug sie 62 Jahre), in den USA bei 77.9 Jahre. Sie ist weit höher als im benachbarten Haiti, wo sie nur 59.5 Jahre beträgt und wesentlich höher als in der regionalen kapitalistischen Macht Brasilien (71.7 Jahre). Die Lese- und Schreibfähigkeit bei Erwachsenen in Kuba beträgt 99.8%, während sie in Brasilien bei lediglich 88.6% liegt, und sie ist auch höher als in Chile (95.7%) und Costa Rica (94.9%).<br /><br />In Wahrheit, laut demselben UN-Report, hat Kuba den vierthöchsten Index der Menschlichen Entwicklung (HDI) in Lateinamerika. Wenn wir die Statistiken für die Kindersterblichkeit anschauen (Totgeburten pro 1000 Lebendgeburten), so ist die Situation in Kuba (5.93 heute gegenüber 78.8 1959) laut dem CIA World Factbook von 2008 viel besser als sogar in den USA (6.3), Chile (7.9), Costa Rica (9.01) und Brasilien (26.67), nicht zu sprechen von Haiti, wo die Quote bei 62.33 Totgeburten pro 1000 Lebendgeburten liegt. Diese Zahlen sollten uns nicht verwundern, da, laut der Weltbank, Kuba das Land mit den zweit meisten Ärzten pro 1000 Einwohner ist (5.91), während die USA bei nur 2.3 liegen, Brasilien bei 2.06, Chile bei 1.09, Costa Rica bei 1.32 und Haiti bei knapp 0.25.<br /><br />Nochmals, dies war ein wirtschaftlich rückständiges Land 1959, als Castros Revolution stattfand. Seine Geschichte war dominiert durch fremde Mächte, benutzt als Spielplatz für US-Kapitalisten und als Monokultur für Zucker. Die Fortschritte seither waren nur möglich durch die Planwirtschaft, frei von imperialistischer Herrschaft.</p>
<h3>Arbeit, Löhne und Geld</h3>
<p>Das Resultat solcher Planung, kombiniert mit rationeller Verteilung der Arbeit auf alle, die fähig sind zu arbeiten (anstatt das einige Leute zwei oder drei Jobs haben, während andere arbeitslos sind, wie es unter dem Kapitalismus geschieht) würde die Verkürzung des Arbeitstages ohne Lohnverlust bedeuten. Hinweise darauf kann man in der besetzten Flasko-Fabrik in Brasilien finden. Seit 2003, als die Fabrik erstmals besetzt und die Arbeit demokratisch geplant wurde, wurden die Arbeitsstunden von 40 Stunden pro Woche auf 30 Stunden gekürzt, ohne Lohnverlust oder Produktivitätsrückgang.<br /><br />Mit der Entwicklung der Technologie, die immer mehr Arbeit durch Maschinen und digitalisierte Abläufe ersetzt, könnten die Arbeitsstunden sogar noch weiter gekürzt werden. Zum Beispiel waren 1870 70-80% der US-Bevölkerung in der Landwirtschaft beschäftigt, während es heute nur 2% sind. Aber trotz Beschäftigungsrückgang in der Landwirtschaft, hat sich der Ertrag von 1950 bis 2000 gewaltig erhöht. Diese Entwicklung der Produktivität kann hauptsächlich auf die Mechanisierung, die Entwicklung neuer Dünger und anderer technischen Fortschritte zurückgeführt werden. Weitere Entwicklungen dieser Art in anderen Sektoren können ähnliche Resultate erreichen, was die Länge des Arbeitstages angeht. Aus diesem Grund könnte man die Arbeitserfordernisse für jede Person einmal auf Lebenszeitbasis festlegen anstelle von Tages-, Wochen- oder Monatsbasis.<br /><br />Marxisten werden oft gefragt, was der Anreiz wäre, in einer sozialistischen Gesellschaft zu arbeiten. Der Anreiz im Kapitalismus zu arbeiten besteht in der Form, dass die Menschen arbeiten müssen, um Geld zu verdienen um ihr Leben zu leben. Im Sozialismus andererseits geht es um die Freiheit von der Arbeit. Der Anreiz im Sozialismus zu arbeiten wird sein, dass wir daran arbeiten, eine Gesellschaft zu errichten, in welcher wir frei sind von der Notwendigkeit zu arbeiten. Diese Freiheit könnte erreicht werden durch die gemeinsamen Leistungen der Gesellschaft, die Wirtschaft und Produktivkräfte in einem solchen Maß zu entwickeln, dass nur sehr wenig menschliche Arbeit nötig wäre, um sie am laufen zu halten.<br /><br />Kapitalisten haben ein sehr enges, inkorrektes Verständnis davon, was Menschen anreizt, Dinge zu tun – sie sehen alles als eine Frage von Geld, entgegen der Tatsache, dass es viele Dinge gibt, die alle tun (z.B. Hobbys), welche nur dadurch motiviert sind, dass wir sie gerne tun; Dinge, die uns als Menschen entwickeln, uns einen Sinn geben und uns helfen, Bindungen mit anderen zu bilden.<br /><br />Dennoch gibt es einige Kapitalisten, die dies selbst erkennen. Eine Harvard Business School Professorin, Teresa Amabile, hat ein Buch geschrieben mit dem Titel „Das Fortschrittsprinzip“, welches argumentiert, dass es ein Gefühl von Fortschritt und Vorwärtskommen ist, sowohl beruflich als auch privat, das Menschen bei der Arbeit wirklich motiviert. Gemäß Alfie Kohn, einem Sozialwissenschaftler der Harvard Business Review, weist der kapitalistische Managementsprache auf vier Faktoren hin, die Menschen motiviert oder anreizt hart zu arbeiten: persönliche Entwicklung, Anerkennung, Verantwortung und herausfordernde Arbeit – finanzielle Belohnung ist verdächtig abwesend auf dieser Liste. Es sind diese Anreize, die der Sozialismus in den Vordergrund schieben würde, nicht den finanziellen Gewinn.<br /><br />Anstelle davon, uns von unserer Arbeit zu entfremden, wird der Sozialismus uns eine echte Beteiligung an der Wirtschaft und Gesellschaft erlauben, indem er sie zu unserem kollektiven Eigentum macht. Die Arbeit selbst, nicht nur die Löhne daraus, werden darum einen direkteren Zweck haben und klar zu unserem Vorteil und dem Vorteil anderer sein, anstatt für Bonzen in entfernten Vorstandsetagen.<br /><br />Wenn Geld im Sozialismus nur eine kleine Rolle spielt um den Menschen Anreize zu schaffen, bedeutet dies, dass man Löhne abschaffen wird? Die Antwort darauf ist nein – nicht sofort; aber es bedeutet, dass Löhne nach und nach verschwinden könnten, während die Wirtschaft sich entwickelt. ArbeiterInnen werden zuerst immer noch in Geld bezahlt werden – dies ist nichts, was man einfach per Erlass über Nacht abschaffen könnte. In der Tat werden in einer Periode des sozialistischen Übergangs wahrscheinlich Lohnunterschiede existieren. Das war der Fall in Russland gleich nach 1917, wo die Bolschewiki Lohnunterschiede erlaubten, wo es nötig war, aber strikt auf ein Verhältnis von 1:4 beschränkten.<br /><br />Jedoch könnten Löhne mit der Zeit durch Gutscheine ersetzt werden, welche wiederum durch überhaupt nichts ersetzt werden könnten. Je näher die Gesellschaft einem Zustand des Überflusses kommt, desto weniger werden Löhne gebraucht um Konsum zu rationieren, da es von allem genug für alle gibt.<br /><br />Genau wie mit den Löhnen ist es mit Geld generell. Trotzki erklärte die Notwendigkeit einer unregulierten Währung mit einer Geldversorgung, welche mit dem realen Produktionsniveau der Wirtschaft verbunden ist, sogar im Sozialismus. Natürlich, viele Funktionen von Geld im Kapitalismus würden sich verändern oder verschwinden – die Notwendigkeit von Geldlöhnen ist ein Beispiel – aber es könnte immer noch eine Rolle spielen als Indikator der Gesundheit der Planwirtschaft.<br /><br />Unter dem Kapitalismus zeigen der Geldfluss und der Einsatz von Signalpreisen an, wo es Mangel oder Überschüsse in der Wirtschaft gibt. Wo zum Beispiel die Nachfrage das Angebot übersteigt, steigen die Preise für Güter über deren wahren Wert und generieren Extra-Profite für Kapitalisten in diesem Sektor. Dies ermutigt Kapitalisten ihr Geld in diesem Sektor zu investieren und so das Angebot wieder in ein Gleichgewicht mit der Nachfrage zu bringen. In den frühen Stufen des Sozialismus würden diese Rolle des Geldes und der Signalpreise immer noch benötigt; aber stattdessen wären die hauptsächlichen Hebel der Wirtschaft – die Banken und großen Firmen – unter der Kontrolle des Arbeiterstaats, welcher Investitionen dementsprechend lenken könnte, um Mangelerscheinungen zu eliminieren. Signalpreise werden deshalb ein Indikator für Angebot und Nachfrage von Gütern in unterschiedlichen Regionen und Sektoren sein und die Inflationsrate wird auf alle möglichen wirtschaftlichen Probleme hinweisen. Der Geldfluss wird ein Maßstab sein, wie weit der Handel in der Planwirtschaft sich ausbreitet.<br /><br />Allmählich, während ein stetig wachsender Teil der Wirtschaft unter einen gemeinsamen, demokratischen Produktionsplan kommt, wird die Produktion und der Tausch von Handelswaren nachlassen und Geld als Ganzes wird allmählich verschwinden, während diese Funktionen, die Gesundheit einer Wirtschaft zu messen abgelöst werden durch administrative statt finanzielle Kontrolle.</p>

<h3>Staat und Demokratie</h3>

<p>Genauso wie Geld einmal im Sozialismus verschwinden wird, so wird es auch der Staat. Ein echter proletarischer Staat wird, als erste Handlung, den Prozess seiner eigenen Zerstörung beginnen. Dies geschieht darum, weil die Enteignung der Produktionsmittel und ihre Verwaltung durch die demokratische Kontrolle der ArbeiterInnen als Teil der Planwirtschaft beginnen wird, die Klassenunterschiede zu eliminieren, da diese durch den Unterschied zwischen den Besitzenden und den Nichtbesitzenden definiert werden. Eine Gesellschaft, in der alle die Produktionsmittel besitzen und bewirtschaften ist eine ohne Klassen; es ist eine Gesellschaft, die nicht länger einen Staatsapparat mit bewaffneten Institutionen, die von den Unterdrückenden benutzt werden, um die Unterdrückten in Schach zu halten.</p>

<p>Vor der Klassengesellschaft, welche um etwa 10.000 v.u.Z. während der neolithischen Revolution entstand, war die Gesellschaft nach primitiv-kommunistischen Regeln organisiert. Klassen existierten zu dieser Zeit nicht, da die Produktivkräfte unfähig waren, mehr zu produzieren als zum eigenen Überleben benötigt wurde. Deshalb war eine besitzende und eine besitzlose Klasse eine wirtschaftliche Unmöglichkeit. Friedrich Engels, der sich auf die Arbeit des Anthropologen Lewis Henry Morgan stützt, beschrieb die Art wie diese primitiven kommunistischen Gesellschaften funktionierten. Entscheidend, im Kontext einer Studie des irokesischen Stammes (Gens), zeigt er auf:</p>

<p>„Die Gewalt des Sachem [Friedensvorsteher] innerhalb des Gens war väterlich, rein moralischer Natur; Zwangsmittel hatte er nicht… Sie setzt den Sachem und Kriegshäuptling nach Belieben ab… Die Gentilgenossen schuldeten einander Hülfe, Schutz und namentlich Beistand zur Rache für Verletzung durch Fremde… Die Gens hat einen Rat, die demokratische Versammlung aller männlichen und weiblichen erwachsenen Gentilen, alle mit gleichem Stimmrecht.“</p>

<p>Das ist eine Beschreibung einer Gesellschaft ohne Staatsstrukturen wie Polizei, Armee, Gerichte, Gefängnisse oder einer politischen Elite, die über und neben der Gesellschaft steht. Weil die Produktivkräfte in diesem Stamm gemeinsam besessen und bearbeitet wurden (aus Notwendigkeit um zu überleben) waren die wirtschaftlichen Interessen aller dieselben, was bedeutet, dass kein staatliches Instrument durch Zwang den Willen einer Klasse gegen die andere durchsetzen musste.</p>

<p>Die befehlshabenden Spitzen der Wirtschaft enteignen, sie unter demokratische Arbeiterkontrolle und -verwaltung stellen und sie als Teil einer sozialistischen Planwirtschaft führen, würde die wirtschaftliche Trennung der Menschen in Klassen auf ähnliche Weise entfernen und dadurch die materielle Basis des Staates entfernen. Wir würden zurückkehren in eine kommunistische Form der Gesellschaft, aber auf einer höheren Stufe, mit fortgeschrittenen Produktivkräften anstelle von primitiven.</p>

<p>Das Bild, wie der Staat unter dem Sozialismus aussehen wird, hebt sich scharf von dem ab, was in der UdSSR unter Stalin geschehen ist. Das bürokratische Monster, welches die Planwirtschaft in diesem Land erwürgte, war kein gesunder Arbeiterstaat, es fehlte eine Arbeiterdemokratie – ein fundamentaler Aspekt, um eine gesunde sozialistische Wirtschaft zu führen. Der Kapitalismus hat das Ziel (aber versagt oft – wie wir diskutierten), den Wettbewerb zu nutzen, um ineffiziente Produktion auf einem Minimum zu halten. Im Sozialismus, ohne konkurrierende Unternehmen, wird ein viel effektiverer Mechanismus benötigt, um die Effizienz zu sichern und Korruption zu verhindern – dieser Mechanismus muss die demokratische Kontrolle der Wirtschaft durch gewöhnliche Menschen sein. Wie Trotzki einst sagte: Die Planwirtschaft braucht die Arbeiterdemokratie wie ein Körper Sauerstoff benötigt.</p>

<p>Konkret bedeutet das, dass Maßnahmen getroffen werden müssen wie das volle Recht auf Abwahl von gewählten Funktionären, welche auch nicht mehr verdienen dürfen als einen durchschnittlichen Arbeiterlohn, sodass sie die selben materiellen Interessen haben wie die Menschen, die sie repräsentieren sollen. Wir sollen nicht fünf Jahre warten müssen, um Vertreter abzuwählen, welche Entscheidungen treffen, die nicht im Interesse der Mehrheit sind – proletarische Demokratie braucht mehr Kontrolle als das. Lenin sprach auch von der Notwendigkeit, alle in die Arbeit der Administration der neuen Gesellschaft zu involvieren, so, dass sich keine Schicht von Bürokraten einrichten kann, abgetrennt vom Rest der Arbeiterklasse und über ihr stehend: Wenn alle Bürokraten sind, ist niemand Bürokrat.</p>

<p>Die Gründung von Gewerkschaften markiert einen großen Sieg der Arbeiterklasse, da diese demokratische Organisationen sind, geschaffen von der Arbeiterklasse für die Arbeiterklasse. In diesem Sinne verkörpern sie die Saat der sozialistischen Demokratie. Der marxistische Autor Rob Sewell stellt dies in seinem Buch „In the Cause of Labour: History of British Trade Unionism“ fest, wo er sagt:</p>

<p>„Die Gewerkschaften sind die grundlegenden Organisationen der Arbeiterklasse. Aber sie sind viel mehr als das. Sie sind die Keimzelle der zukünftigen Gesellschaft innerhalb der alten.“</p>

<p>Er erklärt weiter, dass dies bedeute, dass sie besser geeignet sind für die Interessen der Arbeiterklasse zu kämpfen:</p>

<p>„Wieder und wieder haben die Arbeiter ihre Bewegung in Organe und Schulen der Solidarität, des Kampfes und Sozialismus verwandelt, um den Ausdruck Friedrich Engels‘ zu verwenden.“</p>

<p>Die besetzte Flasko-Fabrik in Brasilien bietet uns ein Beispiel für die konkreten Elemente einer Arbeiterdemokratie in der Praxis. Der gewählte Fabrikrat untersteht einem unmittelbaren Recht auf Abberufung. Der Rat trifft sich wöchentlich, um die Pläne für die Fabrik zu diskutierten und die Protokolle dieser Treffen werden für alle ArbeiterInnen veröffentlicht. Weiter wird über das Fabrikbudget jeden Monat durch alle ArbeiterInnen abgestimmt. Dieses Modell, wie auch die Sowjets in Russland im frühen 20. Jahrhundert, legt die Kontrolle in die Hand der Menschen selbst, ohne sie zu zwingen, sich auf jemand anderen zu verlassen.</p>

<p>Die Sowjets waren gewählte Arbeiterräte in denen die ArbeiterInnen teilnahmen und durch ihre Arbeitsstellen, Ortschaften und Regionen gewählt wurden. Solch eine demokratische Methode ist viel näher an der Arbeiterklasse als eine bürgerliche Demokratie, da sie den Menschen direkte Kontrolle über ihr Leben gibt in einer Art, wie es die parlamentarische Demokratie nie kann.</p>

<p>Wir haben keine wirkliche Wahl in dieser Sache, da die Wirtschaft in Privathand ist und um die kapitalistische Wirtschaft am laufen zu halten, muss sich die Regierung dem Willen jener beugen, die die führenden Spitzen der Wirtschaft besitzen – den Kapitalisten. Nur indem wir der Arbeiterklasse die demokratische Kontrolle über die Wirtschaft geben, können wir eine echte demokratische Wahl garantieren.</p>

<h3>Die Pariser Kommune</h3>

<p>Wie auch die russischen Sowjets, so ist auch die noch frühere Pariser Kommune von 1871 ein Beispiel eines proletarischen Staates, welcher sich vom Staat, wie wir ihn im Kapitalismus verstehen, sehr unterscheidet. Marx beschreibt die Kommune folgendermaßen:</p>

<p>Das erste Dekret der Kommune war daher die Auflösung des stehenden Heeres und seine Ersetzung durch das bewaffnete Volk.</p>

<p>Die Kommune bildete sich aus den durch allgemeines Stimmrecht in den verschiedenen Bezirken von Paris gewählten Stadträten. Sie waren verantwortlich und jederzeit absetzbar. Ihre Mehrzahl bestand selbstredend aus Arbeitern oder anerkannten Vertretern der Arbeiterklasse. Die Kommune sollte nicht eine parlamentarische, sondern eine arbeitende Körperschaft sein, vollziehend und gesetzgebend zu gleicher Zeit.</p>

<p>Die Polizei, bisher das Werkzeug der Staatsregierung, wurde sofort aller ihrer politischen Eigenschaften entkleidet und in das verantwortliche und jederzeit absetzbare Werkzeug der Kommune verwandelt. Ebenso die Beamten aller andern Verwaltungszweige. Von den Mitgliedern der Kommune an abwärts, musste der öffentliche Dienst für Arbeiterlohn besorgt werden. Die erworbenen Anrechte und die Repräsentationsgelder der hohen Staatswürdenträger verschwanden mit diesen Würdenträgern selbst. Die öffentlichen Ämter hörten auf, das Privateigentum der Handlanger der Zentralregierung zu sein. Nicht nur die städtische Verwaltung, sondern auch die ganze, bisher durch den Staat ausgeübte Initiative wurde in die Hände der Kommune gelegt.</p>

<p>Das stehende Heer und die Polizei, die Werkzeuge der materiellen Macht der alten Regierung einmal beseitigt, ging die Kommune sofort darauf aus, das geistliche Unterdrückungswerkzeug, die Pfaffenmacht, zu brechen; sie dekretierte die Auflösung und Enteignung aller Kirchen, soweit sie besitzende Körperschaften waren. Die Pfaffen wurden in die Stille des Privatlebens zurückgesandt, um dort, nach dem Bilde ihrer Vorgänger, der Apostel, sich von dem Almosen der Gläubigen zu nähren.</p>

<p>Sämtliche Unterrichtsanstalten wurden dem Volk unentgeltlich geöffnet und gleichzeitig von aller Einmischung des Staats und der Kirche gereinigt. Damit war nicht nur die Schulbildung für jedermann zugänglich gemacht, sondern auch die Wissenschaft selbst von den ihr durch das Klassenvorurteil und die Regierungsgewalt auferlegten Fesseln befreit.</p>

<p>Die richterlichen Beamten verloren jene scheinbare Unabhängigkeit, die nur dazu gedient hatte, ihre Unterwürfigkeit unter alle aufeinanderfolgenden Regierungen zu verdecken, deren jeder sie, der Reihe nach, den Eid der Treue geschworen und gebrochen hatten. Wie alle übrigen öffentlichen Diener, sollten sie fernerhin gewählt, verantwortlich und absetzbar sein.</p>

<p>Damit gewöhnliche Menschen fähig sind, wirklich am demokratischen Ablauf der Gesellschaft teil zu nehmen, wie er oben von Marx beschrieben wurde, müssen sie auch Zeit dafür haben. Im Kapitalismus bedeutet die Länge der Arbeitswoche und der Druck des täglichen Lebens, dass die große Mehrheit komplett getrennt ist von politischen Aktivitäten. Für jemanden mit langen Arbeitszeiten oder zwei Jobs ist es das letzte was sie können oder wollen, an den Abenden und Wochenenden die Feinheiten wirtschaftlicher Planung oder Staatswesen zu studieren. Das führt dazu, dass, selbst wenn solche Studien gemacht würden, es keinen Unterschied machen würde, da normale ArbeiterInnen überhaupt nichts zu sagen haben darüber, wie die Wirtschaft oder Gesellschaft als Ganzes geführt wird.</p>

<p>In einer sozialistischen Gesellschaft, wo Technologie, Automation und die Effizienz der Planwirtschaft die Stunden des Arbeitstages reduziert hat, werden gewöhnliche Menschen endlich die nötige freie Zeit haben, um voll an der Führung der Gesellschaft daran teil zu haben. Indem die Wirtschaft unter echte demokratische Kontrolle der Arbeiterklasse gestellt wird, werden die Menschen auch die Motivation haben sich einzubringen, dank dem Wissen, dass ihre Gedanken und Taten einen spürbaren Unterschied machen können.</p>

<p>Wie Marx‘ Beschreibung der Pariser Kommune oben illustriert, besteht die proletarische Demokratie auch darin, parlamentarische Institutionen durch ausführende zu ersetzen – Schwatzbuden mit echter Aktivität zu ersetzen. Während des Generalstreiks 1926 in Großbritannien lehnte das Streikkomitee des Nordostens die Anfrage der Regierung ab, wichtigen Nachschub in der Region zu verteilen, da sie selbst schon ein System aufgestellt hatten, dies zu tun. Das Streikkomitee redete nicht einfach nur, erließ Resolutionen und delegierte die Verantwortung dann an andere – seine Vertreter trafen Entscheidungen, übernahmen die Verantwortung für deren Umsetzung und spürten die Konsequenzen mit allen anderen zusammen. Dies ist echte proletarische Demokratie und es ist grundsätzlich verschieden von der Höhle der heißen Luft des Parlaments.</p>

<p>Im Herzen der sozialistischen Demokratie liegt deshalb die Fähigkeit der Gesellschaft, die Entscheidungen, die sie trifft auch tatsächlich umsetzen zu können. Dies ist die grundlegende Hürde in der Demokratie im Kapitalismus – selbst wenn die Gesellschaft für Forderungen stimmt wie Vollbeschäftigung oder Investitionen in diesem oder jenem Sektor, wie können solche Forderungen in der Praxis umgesetzt werden, wenn alle echten Entscheidungen darüber, welche Jobs geschaffen werden und wo investiert wird in den Händen nicht gewählter Banker und Bosse liegen? In der schlussendlichen Analyse benötigt wahre Demokratie deshalb die wirtschaftliche Kontrolle in den Händen der 99% anstatt der 1%.</p>

<h3>Die Polizei, die Armee und das Gesetz</h3>

<p>MarxistInnen verstehen den Staat in letzter Instanz als bewaffnete Körperschaft von Menschen über der Gesellschaft – Institutionen wie die Polizei oder die Armee. Unter dem Kapitalismus ist der Staat eine Waffe der Bourgeoisie, welche die Polizei und Armee benutzt, um ihre Macht aufrecht zu erhalten; aber ein proletarischer Staat würde eine Waffe der ArbeiterInnen sein, um sie gegen die Versuche der Kapitalisten zu benutzten, sie weiterhin auszubeuten und zu unterdrücken. Das ist es, was Marxisten meinen, wenn sie die Bewaffnung der Arbeiterklasse fordern. Es bedeutet die Polizei und Armee komplett umzubauen entlang der proletarischen Linie – die Kontrolle dieser Organisationen den ArbeiterInnen zu übergeben durch die demokratische Wahl von Offizieren und ihren Untergebenen unter der Aufsicht der organisierten Arbeiterklasse.</p>

<p>Beispiele solcher Maßnahmen konnten in Turin, Italien, 1920 gesehen werden, als die Roten Brigaden, zusammengesetzt aus freiwilligen ArbeiterInnen, gebildet wurden unter der Kontrolle der Fabrikkomitees. Die FIOM Gewerkschaft besetzte Fabriken und stellte Bürgerwehren auf, um die Fabriktore zu bewachen. Sie verließen sich nicht auf die Kräfte des bürgerlichen Staates – sie erschufen eine Alternative zu diesen Strukturen unter der Kontrolle des Proletariats.</p>

<p>In ähnlicher Weise war Trotzki nach 1917 beauftragt, die Rote Armee in Russland von Grund auf neu aufzubauen unter den schwierigsten Bedingungen. Er führte ein System von Kommissaren der Armee ein, deren Rolle als führende Kader der bolschewistischen Partei war, die politische Disziplin der Regimenter und der kommandierenden Generäle zu erhalten (Mangels militärisch-technischem Know-how waren dies oft Generäle, die zuvor den früheren reaktionären Regimes des Zaren und der bürgerlichen provisorischen Regierung treu waren). Auf diese Weise wurde die Armee als eine Waffe des Proletariats konstruiert, nicht als Werkzeug für die konterrevolutionäre Bourgeoisie.</p>

<p>Mit der Zeit, wenn die Klassen sich unter den Bedingungen der vergesellschafteten Produktion auflösen, werden diese Institutionen verschwinden, da sie nicht mehr von einer Klasse gebraucht werden, um Dominanz über eine andere zu behalten. Die administrativen Tätigkeiten werden bleiben; aber, da alle „Bürokraten“ sind, wird das nicht zu einer Gruppe, die getrennt vom Rest der Gesellschaft steht, führen. Die Durchsetzung sozialer Verhaltensnormen etc. würde durch sozialen Druck in der Gesellschaft erfolgen, nicht durch eine Zwang ausübende Kraft von außerhalb – in der gleichen Weise, wie zivilisiertes Verhalten in einer Gruppe Freunden reguliert wird oder wie es in den primitiven kommunistischen Gesellschaften war.</p>

<p>Basierend auf Morgans Studie über die Irokesen beschreibt Engels solche primitiven kommunistischen Gesellschaften folgendermaßen:</p>

<p>„Ohne Soldaten, Gendarmen und Polizisten, ohne Adel, Könige, Statthalter, Präfekten oder Richter, ohne Gefängnisse, ohne Prozesse geht alles seinen geregelten Gang. Allen Zank und Streit entscheidet die Gesamtheit derer, die es angeht, die Gens oder der Stamm, oder die einzelnen Gentes unter sich – nur als äußerstes, selten angewandtes Mittel droht die Blutrache, von der unsre Todesstrafe auch nur die zivilisierte Form ist, behaftet mit allen Vorteilen und Nachteilen der Zivilisation. Obwohl viel mehr gemeinsame Angelegenheiten vorhanden sind als jetzt – die Haushaltung ist einer Reihe von Familien gemein und kommunistisch, der Boden ist Stammesbesitz, nur die Gärtchen sind den Haushaltungen vorläufig zugewiesen -, so braucht man doch nicht eine Spur unsres weitläufigen und verwickelten Verwaltungsapparats. Die Beteiligten entscheiden, und in den meisten Fällen hat jahrhunderte langer Gebrauch bereits alles geregelt. Arme und Bedürftige kann es nicht geben – die kommunistische Haushaltung und die Gens kennen ihre Verpflichtungen gegen Alte, Kranke und im Kriege Gelähmte. Alle sind gleich und frei – auch die Weiber.“</p>

<p>Für die meiste Zeit in der die Menschen auf diesem Planeten waren, etwa zwei Millionen Jahre, haben wir in solchen Gesellschaften gelebt und unser Verhalten innerhalb der Gesellschaft geregelt und nicht von Institutionen, die außerhalb und oberhalb von ihr standen. Der Sozialismus würde eine Rückkehr zu dieser natürlichen menschlichen Art eine Gesellschaft zu organisieren markieren – kooperativ anstatt antagonistisch.</p>

<p>Neben diesen Institutionen, die das Gesetz durchsetzen, gibt es auch die Institution des Gesetzes selbst, über welches Marx sagte, es kann nicht höher sein als seine wirtschaftliche Grundlage. Also wird die Existenz des Gesetzes so lange andauern wie der Staat, aber wie der Staat wird es ebenfalls irgendwann verschwinden.</p>

<p>Der sowjetische Jurist Evgeny Pashukanis diskutiert dies in seinem Buch „Allgemeine Rechtslehre und Marxismus“:</p>

<p>„Das Absterben von Kategorien des bürgerlichen Rechts wird unter diesen Bedingungen das Absterben des Rechts überhaupt bedeuten, das heißt das Verschwinden des juristischen Moments aus den Beziehungen der Menschen zueinander.“</p>

<p>Eine Charakteristik des Gesetzes unter dem Sozialismus, während es im Begriff ist zu verschwinden, ist, dass es nicht länger in einer komplett abstrakten Form existiert, wie unter dem Kapitalismus. Das bürgerliche Gesetz besteht darauf, dass die Justiz blind ist – in anderen Worten, sie wird ungleiche Dinge gleich behandeln. Deshalb setzt das Vertragsrecht voraus, dass die zwei Vertragsparteien sich ganz gleich gestellt sind, selbst wenn dies in der wirtschaftlichen und sozialen Realität nicht der Fall ist. Solch eine Einstellung innerhalb der bürgerlichen Gesetzgebung gräbt einfach Ungleichheit und Ungerechtigkeit ein. Das Gesetz unter dem Sozialismus, auf der anderen Seite, wäre nicht blind – es hätte beide Augen weit geöffnet und würde dazu schauen, die Interessen der Arbeiterklasse zu verteidigen.</p>

<p>Genau so wie der Besitz der Produktionsmittel keine Frage des individuellen Besitzes sein wird und eine Sache des kollektiven Besitzes wird, so wird auch die Gesetzgebung weniger ein Thema von individuellen Rechten und mehr von kollektiven Rechten der Gesellschaft. Nach diesen Rechten wird Verhalten als kriminell oder nicht beurteilt werden im Sozialismus.</p>

<p>Eine Redewendung sagt, dass Besitz Neunzehntel des Gesetzes ausmacht – also wird die Abschaffung des Privateigentums an Produktionsmitteln sicherlich einen Rückgang an Rechtsfällen und Verbrechen zur Folge haben. Wie kann man von einem Laden stehlen, wenn die Güter in diesem Laden im Überfluss vorhanden sind, frei verfügbar für die Menschen, um sie auf Basis ihrer Bedürfnisse zu nehmen? Es wäre so absurd wie jemanden des Diebstahls von Sauerstoff zu beschuldigen, weil er die Luft atmet, die er zum Leben braucht.</p>

<p>Im Kapitalismus existiert die große Mehrheit der Rechtsarbeit nur dafür, Verträge aufzusetzen und Klarheit über private Besitzrechte zu erlangen. Wenn der Besitz im Sozialismus nun in Kollektivbesitz ist, würde diese enorme Menge an Rechtsarbeit obsolet und könnte dafür zu gesellschaftlich nötigeren Aufgaben umgeleitet werden.</p>

<p>Weiter zur Frage des Verbrechens. Je näher wir einer Gesellschaft des Überflusses kommen, in der jede und jeder einen Job und eine Aufgabe, einen demokratischen Anteil an der Wirtschaft und dem eigenen Leben hat, desto kleiner wird das Motiv sein, überhaupt Verbrechen zu begehen. Dies geht soweit, dass jene, die Verbrechen begehen als Opfer der Übel der Gesellschaft behandelt werden können, anstatt sie wie wilde Tiere oder Sklaven einzusperren. Pashukanis erklärt diesen Punkt wie folgt:</p>

<p>„Man stelle sich für einen Augenblick vor, daß das Gericht sich tatsächlich nur mit der Erwägung dessen abgäbe, auf welche Weise die Lebensbedingungen des Angeklagten derart verändert werden könnten, daß er entweder gebessert oder daß die Gesellschaft vor ihm geschützt würde – und der ganze Sinn der Bezeichnung »Strafe« verflüchtigt sich sofort.“</p>

<p>Die Frage der Gesetzgebung führt auch zur Frage der Gesetzgeber selber – der politischen Parteien. Sozialismus bedeutet nicht einen Einparteiensystem; aber es bedeutet eine Veränderung der Parteien, wie wir sie heute verstehen – versammelt um verschiedene Klasseninteressen – da diese Klassenunterschiede schnell erodiert werden. Während die Konservativen traditionell die Interessen der Bourgeoisie in Großbritannien vertreten haben, wurde Labour von den Gewerkschaften gegründet, um die Interessen der Arbeiterklasse zu vertreten. In den USA repräsentieren die Demokraten und Republikaner zwei Flügel der Bourgeoisie, welche leicht verschiedene Ansichten darüber haben, wie man die Herrschaft des Kapitals am besten erhalten kann. Im Sozialismus werden politische Parteien nicht länger gegründet mit dem Ziel, bestimmte Klasseninteressen zu vertreten. sondern eher verschiedene Ideen, wie man am besten die Wirtschaft plant, wo man investiert und forscht, welche Prioritäten es gibt für die Gesellschaft, etc. Wir werden Parteien sehen, basierend auf Ideen und Wünschen, nicht Klassen.</p>

<h3>Ein Ende dem Nationalismus, Sexismus und Rassismus</h3>

<p>Der Nationalstaat wie wir ihn heute verstehen wurde eingeführt mit der Entwicklung des Kapitalismus aus dem Feudalismus, sehr oft auf willkürliche Art (die Grenzen von vielen afrikanischen Ländern sind schlicht das Ergebnis gerader Linien, die von den Imperialisten auf eine Karte gezeichnet wurden). Heute ist der Nationalstaat eine Fessel bei der Entwicklung der Produktivkräfte, weil er Protektionismus, Wettbewerb zwischen Staaten und Einwanderungskontrollen befeuert. Er stellt auch eine Fessel dar bei der Entwicklung der menschlichen Kultur, indem er giftigen Nationalismus nährt, welcher Ideen fremder Kulturen ablehnt und indem er die freie Bewegung der Menschen und das Vermischen ihrer Kulturen beschränkt.</p>

<p>Die Schaffung von Freihandelszonen – wie der Europäischen Union – ist eine Anerkennung der Bourgeoisie, dass wirtschaftliche Entwicklung die Demontierung der nationalen Grenzen benötigt; und die momentane Krise der Eurozone ist Beweis, dass die Demontierung der nationalen Grenzen unmöglich ist unter dem Kapitalismus. Der Sozialismus ist ein System, welches die Arbeiterklasse über Grenzen hinweg vereinigt und nationale Grenzen und Konkurrenz zwischen Staaten niederreißt. Das bedeutet nicht die Zerstörung lokaler Unterschiede und Kulturen – verschiedene Regionen vereint unter einem sozialistischen Staat zu haben, würde ihre Individualität nicht zerstören – es zerstört nur die künstlichen Steuer-, Migrations- und andere Grenzen zwischen Menschen.</p>

<p>Das ist auch ein Standpunkt, den die französische Arbeiterpartei vor über 120 Jahren in einem Artikel vertrat, genannt „Patriotismus und Sozialismus“. In einer Diskussion über die Vorteile des Internationalismus besagt der Artikel:</p>

<p>„Internationalismus wird uns nicht daran hindern, patriotisch zu sein. Er wird die Menschheit komplett aufblühen lassen. Genau wie wir am Ende des letzten Jahrhunderts gesehen haben, als wir, obwohl wir Franzosen wurden, immer noch aus der Provence, Bourbon, Belgien oder der Bretagne kamen.“</p>

<p>In anderen Worten, obwohl die bürgerliche Revolution an Orten wie Frankreich oder Deutschland lokale Teilungen überwand und die Existenz eines Nationalstaates zementierte, zerstörte das nicht die lokale Identität und Tradition der Menschen. Auf ähnliche Weise bedeutet Internationalismus die Aufhebung von Grenzen zur Kooperation zwischen Menschen aus verschiedenen Nationen, aber es bedeutet nicht, der ganzen Welt eine Einheitsidentität aufzuzwingen.</p>

<p>Auch andere Spaltungen zwischen Menschen würden in einem sozialistischen System zurückgehen, zum Beispiel Vorurteile gegen Frauen. Engels erklärt, dass der Ursprung der Frauenunterdrückung im Privatbesitz liegt. Der Sozialismus, indem er den Privatbesitz abschafft, entfernt die materiellen Bedingungen für diese Unterdrückung. Ebenso die traditionelle Familie, welche, im Kapitalismus, die Rolle der grundlegendsten Einheit der wirtschaftlichen Ausbeutung spielt.</p>

<p>Im Sozialismus würde die Familie befreit von bürgerlichen Zwängen sein. Haushaltsaufgaben könnten vergesellschaftet werden, was die Last der unbezahlten Arbeit von den Schultern (vorwiegend) der Frauen nehmen und sie zur Verantwortung der Gesellschaft als Ganzes machen würde. Kochen, Putzen, Waschen und Kinder-, sowie Altenbetreuung könnte alles als öffentliche Dienstleistungen bereitgestellt werden und so die Frauen aus den Fesseln des traditionellen Familienlebens entlassen. Dies würde die Möglichkeit eines traditionellen Familienleben, falls gewünscht, nicht einschränken, aber es würde nicht mehr notwendig sein. Unter diesen Bedingungen würden Gesetze zur Ehe, Scheidung oder Abtreibung absurd.</p>

<p>Die Bolschewiki nahmen nach der Oktoberrevolution 1917 Schritte in diese Richtung vor. Trotzki erklärt die Ziele des sozialistischen Staates in seinem Artikel „Von der Alten Familie zur Neuen“ für Prawda im Juli 1923:</p>

<p>„Die physischen Vorbereitungen für die Bedingungen des neuen Lebens und der neuen Familie wiederum können nicht grundsätzlich von der allgemeinen Arbeit des sozialistischen Aufbaus getrennt werden.</p>

<p>Der Arbeiterstaat muss reicher werden, um in der Lage zu sein, ernsthaft die öffentliche Erziehung der Kinder und die Entlastung der Familie von der Last der Küche und der Wäscherei anzupacken. Vergesellschaftung der familiären Haushaltung und öffentliche Erziehung der Kinder ist undenkbar ohne einen merklichen Fortschritt in unserer Wirtschaft als ganzer. Wir brauchen mehr sozialistische Wirtschaftsformen.</p>

<p>Nur unter diesen Bedingungen können wir die Familie von Funktionen und Aufgaben befreien, die sie heute belasten und desintegrieren. Das Waschen muss in einer öffentlichen Wäscherei geschehen, die Versorgung mit Essen in einem öffentlichen Restaurant, Nähen durch öffentliche Einrichtungen. Die Kinder müssen durch gute öffentliche Lehrer erzogen werden, die eine echte Berufung für diese Arbeit spüren. Dann wird das Band zwischen Mann und Frau von allen äußeren und zufälligen Dingen befreit und der eine würde aufhören, das Leben des anderen völlig für sich in Anspruch zu nehmen. Echte Gleichberechtigung würde schließlich erreicht. Das Band würde auf gegenseitiger Anziehung beruhen. Und in dieser Hinsicht wird sie innere Stabilität erreichen, natürlich nicht dieselbe für alle, aber als Zwang für keinen.“</p>

<p>Wie Trotzki erklärt, würden solche Änderungen auch weit genug reichen um andere Vorurteile nieder zu reißen, wie z.B. Homophobie, die im Kapitalismus von der herrschenden Klasse benutzt wird, um Spaltungen in der Arbeiterklasse zu verursachen. Tatsächlich begannen die Bolschewiki viele dieser Reformen, inklusive der Legalisierung der Homosexualität, nach 1917 unter der Führung von Lenin und Trotzki.</p>

<p>Rassistische Vorurteile würden ebenfalls im Sozialismus nicht überleben. Rassismus wird auch von der Herrscherklasse verwendet um die Arbeiterklasse zu spalten, so dass die Bosse die ArbeiterInnen einfacher ausbeuten können. Es ist kein Zufall, dass migrationsfeindliche und rassistische Rhetorik in Zeiten der kapitalistischen Krise zum Vorschein kommt, wenn die Bourgeoisie es für nötig befindet, die Lebensstandards der ArbeiterInnen weiter zu drücken.<br />Im Sozialismus wird es einmal keine materielle Basis für Rassismus mehr geben, da es keine Teilung der Klasse geben wird.</p>

<p>Auch wenn es ein verzerrtes Beispiel ist, gibt die UdSSR uns einen kleinen Blick auf einige Fortschritte, die im Sozialismus in diesem Bereich gemacht werden können. Vieles der sowjetischen Propagandakunst enthielt Bilder einer ethnisch diversen Auswahl von Menschen, die für den Sozialismus kämpfen, um zu verdeutlichen, dass der Kampf für den Sozialismus von der Arbeiterklasse auf der ganzen Welt geführt wird. Des Weiteren bot die UdSSR den Einwohnern afrikanischer Staaten kostenlose Bildung an und richtete die Universität der Völkerfreundschaft, benannt nach dem linken kongolesischen Revolutionsführer Patrice Lumumba, ein. Unterdessen dauerte in den erzkapitalistischen USA die Rassentrennung bis zur Mitte der 1950er Jahre an.</p>

<p>Der Prozess der sozialistischen Revolution wird diesen diversen Arten von Unterdrückung und Vorurteilen die materielle Grundlage entziehen und gleichzeitig durch die Errichtung einer sozialistischen Gesellschaft selbst diese Vorurteile abbauen. Im Kontext der sozialistischen Revolution treten die Klassenfragen in den Vordergrund, während Spaltungen aufgrund von Ethnie, Gender und so fort in den Hintergrund treten.</p>

<p>Der Bergarbeiterstreik in Großbritannien von 1984-85 liefert ein Beispiel für den Effekt eines revolutionären Prozesses auf das Geschlechterverhältnis. Loretta Loach erklärt in ihrem Buch über die Frauen im Bergarbeiterstreik wie die Beziehungen zwischen Männern und Frauen sich innerhalb der Arbeiterklasse als Resultat ihres gemeinsamen Kampfes gegen die erzkapitalistische Thatcher-Regierung zu dieser Zeit radikal veränderten:</p>

<p>Als das Leiden größer wurde, so wurde die Entschlossenheit der Frauen stärker. Sie begannen mit ihren Männern zu marschieren und Kundgebungen und Versammlungen zu besuchen, immer lernend. Vorher unpolitische, zurückhaltende Frauen traten als begnadete Schöpferinnen hervor und sprachen auf Versammlungen, um Geld zu sammeln für die zukünftigen Aufgaben.</p>

<p>Im Kampf für den Sozialismus wird der Einsatz für die sozialistische Revolution wichtig, ein Charakterzug, der nicht einem Geschlecht oder einer Ethnie eigen ist. Alle anderen Spaltungen werden niedergerissen im Prozess des gemeinsamen Kampfes.</p>

<h3>Das Erblühen der Wissenschaft und Kultur</h3>

<p>In der UdSSR wurden massive Alphabetisierungsprogramme und die Verstaatlichung der öffentlichen Bibliotheken vollzogen. Mit mehr Menschen, die fähig sind zu lesen und zu schreiben, werden die literarische, die theatralische und die poetische Kultur der Menschen sehr schnell neue Höhen erreichen.</p>

<p>In Venezuela, einem Land, das zu Beginn der bolivarischen Revolution unter Hugo Chavez einige sozialistische Ideen umgesetzt hat, konnte man die Effekte des enormen Bildungs- und Alphabetisierungsprogramms, welches 1,5 Millionen Menschen lesen und schreiben gelehrt hat, an der boomenden venezolanischen Belletristik analysieren. Gemäß dem Journalisten Boris Munoz hat die venezolanische Belletristik „sich einem größeren Publikum geöffnet, durch düstere Romane, historische Romane, ohne ihre eigene venezolanische Eigenart zu verleugnen.“</p>

<p>Ein anderer Literaturkritiker, Antonio Lopez Ortega, beschreibt die venezolanische Belletristik als „das bestgehütete Geheimnis der Karibik“, während 2006 ein Venezolaner zum ersten Mal den prestigeträchtigen Herralde Novel Award gewann und es auch in die engere Auswahl für den Preis für ausländische Belletristik der unabhängigen Zeitung schaffte. Des weiteren entschied sich Venezuela an der Internationalen Buchmesse 2006 in La Paz [Bolivien] 25.000 Bücher gratis an die Bewohner und Bewohnerinnen von La Paz und die benachbarte Stadt El Alto zu verteilen, statt sie an reiche, internationale Gäste zu verkaufen, aus einem Verständnis heraus, den Zugang zu Kultur zu erweitern.</p>

<p>Solche Entwicklungen und Einstellungen waren nur möglich in einem Land, welches den Reichtum seiner natürlichen Ressourcen im Interesse aller einsetzt, anstatt den Profiten ein paar weniger. Stellt euch vor, was auf dieser Grundlage erreicht werden könnte im Bereich der Kultur in einer voll entwickelten, gesunden sozialistischen Gesellschaft!</p>

<p>Und diese Frage geht über das simple Ausweiten von Alphabetisierungsprogrammen hinaus. Sozialismus bietet jungen Menschen eine leuchtende Zukunft voller Möglichkeiten, welche die Inspiration für große Fortschritte in Kunst und Philosophie bietet. Es ist kein Zufall, dass die größten bürgerlichen Philosophen im Morgengrauen des Kapitalismus geschrieben haben, als die Gesellschaft sich aus dem hinfälligen Feudalsystem erhob, einer leuchtenden, kapitalistischen Zukunft entgegen.</p>

<p>Ebenso die größten Künstler – da Vinci, Beethoven, Shakespeare, etc. – produzierten ihre Meisterwerke dank der Inspiration des revolutionären Kampfes des Bürgertums gegen die alte feudale Ordnung. Solch kultureller Fortschritt wird stattfinden mit der Ankunft des Sozialismus; aber mit dem zusätzlichen Vorteil von vielen hundert Jahren menschliche Entwicklung dahinter, werden diese sozialistischen Meisterwerke Ideen ausdrücken auf einer unendlich viel höheren Ebene als alles, was wir zuvor gesehen haben.</p>

<p>Eine Planwirtschaft wird rationale Investitionen in wissenschaftliche Forschung erlauben, um weit effektivere Resultate zu bekommen als dass es der Fall ist im Kapitalismus. Kubas weltberühmte Gesundheitsversorgung ist das Ergebnis geplanter Investitionen in wissenschaftliche Entwicklung und seine Effektivität wurde wiederholt demonstriert, kürzlich durch die überragende Menge an Hilfe von Kuba für die durch Ebola betroffenen Länder und durch die Statistiken der Zahl der Ärzte, wie vorher erwähnt.</p>

<p>Bei wissenschaftlichen Fragen um den Klimawandel sieht es so aus, als wäre Sozialismus die einzige Sache, die uns noch vor der Zerstörung des Planeten retten kann. Wir benötigen einen international koordinierten Plan um uns mit dem Klimawandel zu befassen – einer, in dem Profit und nationale Grenzen keine Hindernisse sind. Während das die direkte Antithese zum Kapitalismus ist, beschreibt es Sozialismus perfekt. Mit international geplanten wissenschaftlichen Anstrengungen, um die Emissionen zu reduzieren und den Klimawandel abzuschwächen, könnten wir das ernsteste Problem angehen, dass das alles Leben auf der Erde heute hat.</p>

<p>Die Technologie existiert bereits, um die Energie von Wind, Wellen und Sonne nutzbar zu machen, was benutzt werden könnte, um den gesamten Planeten mit Energie zu versorgen. 1986 fand der deutsche Physiker Gerhard Knies heraus, dass die Wüsten der Erde in sechs Stunden soviel Energie erhalten, wie die Menschheit in einem Jahr verbraucht, das bedeutet, ein Gebiet in der Sahara von der Größe von Wales würde ausreichen für ganz Europa. Diese Gelegenheit zu verfolgen würde bedeuten, alle Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu entfernen und dadurch die CO2-Emissionen dramatisch zu senken – etwas, das der Planet verzweifelt braucht. Dies wird nicht getan, weil es unprofitabel wäre für die Kapitalisten, die große Ölfirmen aufgebaut oder in sie investiert haben.</p>

<p>Kapitalismus ist unfähig, für die Zukunft zu planen, da er nur auf kurzfristigen Gewinn ausgerichtet ist. Aus kapitalistischer Sicht ist die Zerstörung des Planeten ein akzeptabler Preis für höhere Profite, nicht zuletzt, da es die ärmsten Menschen sind, die die Hauptlast der extremen Klimaveränderungen tragen (werden). Nur durch rationale, langfristige und demokratische Planung können wir tun, was für die Rettung des Planeten nötig ist.</p>

<p>Wissenschaftlicher Fortschritt in der Weltraumforschung könnte viel effizienter verfolgt werden in einer Planwirtschaft, anstatt dass jede Nation ihre eigenen Satelliten und anderen Gerätschaften produziert, startet und unterhält. Tatsächlich mussten private Unternehmen, die Missionen zum Mars starten, versuchen, von der Regierung finanzierte Projekte wie NASA um Hilfe bitten für Spenden und Fachwissen. Ein rationell geplanter öffentlicher Sektor ist ein effektiverer Weg um Weltraumforschung voran zu treiben, wie die UdSSR bewies, indem sie die erste Nation war, die einen Menschen in den Weltraum brachte und kurz davor stand eine ganze Raumstation, fähig die äußersten Grenzen des Sonnensystems zu erreichen, zu starten, während die USA immer noch versuchten, einen Mann auf den Mond zu bringen.</p>

<h3>Das Ende und der Anfang</h3>

<p>Wird es MarxistInnen geben im Sozialismus? Wird die marxistische Theorie eine Rolle spielen nach dem Sieg der sozialistischen Revolution? Im Moment ist Marxismus vor allem ein politisches Werkzeug und jene, die diese Ideen studieren und versuchen in die Praxis umzusetzen sind vor allem politische AktivistInnen.</p>

<p>Aber in einer sozialistischen Gesellschaft wird der dialektische Materialismus, die Philosophie des Marxismus, immer noch ein wichtiges Werkzeug sein, um die Entwicklungen dieser Gesellschaft zu analysieren. Und weiter wird es ein bewusstes Element in der wissenschaftlichen Forschung und kultureller Schöpfung werden. In der Gegenwart ist diese Philosophie in verschiedenen wissenschaftlichen Gebieten inbegriffen, wie die Forschung über Quantenprozesse und Chaostheorie, aber dadurch, dass wir es zu einem expliziten Element in unserem Verständnis der Gesellschaft machen, wird das Bewusstsein der Menschen sich viel weiter und schneller entwickeln im Sozialismus. Genau so wie die Philosophien des Liberalismus und Rationalismus diese Rolle im Kapitalismus gespielt haben, so wird Marxismus diese Rolle im Sozialismus spielen.</p>

<p>Sozialismus bedeutet das Ende einer Gesellschaft, in welcher Menschen durch andere Menschen unterdrückt und ausgebeutet werden. Es bedeutet ein Ende des Privateigentums im großen Stil und ein Ende der privaten Profite und der Anarchie des freien Marktes. Aber Sozialismus bedeutet nicht ein unmittelbares Ende aller Probleme der Welt und die Erschaffung eines Paradieses in welchem alle für immer glücklich leben; noch bedeutet es das Ende der Geschichte und aller zukünftigen Entwicklungen der menschlichen Gesellschaft.</p>

<p>Tatsächlich ist Sozialismus nur der Beginn der Geschichte. Er verspricht ein System, welches fähig ist, die Produktivkräfte in einem solchen Maß zu entwickeln, dass die Menschen aufhören können, sich und ihren Planeten zu zerstören und stattdessen beginnen, bewusst Kontrolle zu fassen über ihr eigenes Leben.</p>

<p>Der Philosoph Hegel sagte, dass echte Freiheit nicht davon kommt, zu versuchen, die Gesetze, die die Welt regieren, zu überschreiten, sondern davon, sie zu verstehen; da einmal verstanden diese Gesetze zu unserem eigenen Vorteil eingespannt werden können. Die Theorie des Marxismus stellt uns das Verständnis der physikalischen, sozialen und ökonomischen Gesetze bereit, die die Welt regieren, und die Praxis des Sozialismus wird uns die Freiheit geben, die davon kommt, sie für unsere Zwecke zu nutzen. Was wir mit dieser Freiheit machen ist die Frage, die alle zukünftigen menschlichen Entwicklungen leitet.</p>
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		<title>Psychiatrie und Planwirtschaft: Ein Bericht aus der Sowjetunion</title>
		<link>https://derkommunist.de/psychiatrie-und-planwirtschaft-ein-bericht-aus-der-sowjetunion/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Li Hofmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 Nov 2024 13:52:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Planwirtschaft]]></category>
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									<p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Isidore Ziferstein war ein kalifornischer Psychiater, der in den 1960er und 1970er Jahren Beobachtungsstudien im sowjetischen Psychiatriesystem durchführte. Sein wissenschaftlicher Artikel dazu unter dem Titel „Psychotherapy in the USSR“ (1976) beschreibt seine Erlebnisse im psychoneurologischen Bechterew-Forschungsinstitut in Leningrad. Zwei Fälle, über die Ziferstein berichtet, sind für den Vergleich mit Psychotherapie und Psychiatrie heute besonders interessant.</span></p><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Die sowjetischen Psychiater spielten eine aktive Rolle in der Behandlung ihrer Patienten. Im ersten Fall wurde ein junger Fabrikarbeiter behandelt. Über die Behandlung stellten der Therapeut und der Patient gemeinsam fest, dass ihn die Arbeit in der Fabrik nicht genug forderte und ihm keine Erfolgserlebnisse bot. Die Schlussfolgerung war, dass diese Arbeitssituation stark zum psychischen Leiden des Patienten beitrug. Gleichzeitig war der Behandler überzeugt, dass der Patient mehr Erfüllung in der Arbeit eines Ingenieurs finden würde. Zur Entlassung des Patienten stellte der Psychiater dem Patienten also ein Rezept aus, direkt adressiert an dessen Fabrikleiter, dass der junge Mann von seiner aktuellen Arbeit freizustellen und ihm die Weiterbildung zum Ingenieur bei vollständiger Lohnfortzahlung zu finanzieren ist. Rezepte wie diese waren bindend für die Fabrikleitung.</span></p><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Ein zentrales Element der sowjetischen psychiatrischen Behandlung war die Arbeitstherapie. Arbeitstherapie mag seltsam klingen, aber auch heute legen Psychiater und Psychotherapeuten Wert auf Therapie, in der Patienten die Gelegenheit haben, etwas zu erschaffen, sei es Kunst oder praktische Arbeit. Das sind im heutigen bürgerlichen Staat die oft psychiatrisch-ergänzend genutzte Ergotherapie und die Arbeitstherapie im Kontext von Langzeitkrankheit und Erwerbsminderungs- bzw. Erwerbsunfähigkeitsrente. Hier werden sogenannte gemeinnützige Betriebe von den Krankenkassen oder der Rentenversicherung bezahlt, damit die Versicherten dort arbeiten <em>dürfen</em>, unabhängig der Tatsache, dass sie verkaufsfertig produzieren.</span></p><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">In sowjetischen Psychiatrien waren Werkstätten angegliedert, in denen Patienten nicht nur als eine Art Beschäftigungstherapie „vor sich hinarbeiten“. Einerseits wurden sie für ihre Arbeit bezahlt und andererseits hatten sie in diesen Werkstätten die Gelegenheit, neue Berufe und Felder zu erlernen. Sozial wichtige Arbeit zu tun und dafür entlohnt zu werden, wirkte nach Ansicht der sowjetischen Psychiater der Isolation entgegen, hielt die Patienten in Kontakt mit dem Alltagsleben und stärkte deren Selbstbewusstsein.</span></p><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Ziferstein berichtet von einem zweiten Fall, einem anderen Patienten, der drei Monate in Krankenhausbehandlung war. Ihm war für seine Arbeitstherapie die Elektronikwerkstatt zugewiesen. Dort lernte er, medizinische Geräte zusammenzubauen und zu reparieren, die Nutzung in der Forschung fanden. Zu seiner Entlassung bat er darum, weiter in der Werkstatt arbeiten zu dürfen, um sich weiter auszubilden. Das wurde ihm gestattet und später gelang es ihm durch diese praktische Ausbildung, eine technische, gut bezahlte Arbeitsstelle zu bekommen. Ziferstein merkt an, dass sein Krankenhausaufenthalt für den Patienten keinerlei Stigma hatte. Er erzählte Ziferstein im Gespräch, dass er häufig bei Freunden und Nachbarn damit prahlte, im Bechterew-Institut einen hochangesehenen Beruf gelernt zu haben.</span></p><h3 style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;"><strong>Die Planwirtschaft macht’s möglich</strong></span></h3><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Was hier berichtet wird, geschah in der späten Sowjetunion, also im bereits degenerierten Arbeiterstaat, wo jede Bestrebung zur sozialistischen Weltrevolution aufgegeben worden war und die stalinistische Bürokratie die Arbeiterdemokratie verdrängt hatte. Dennoch zeigen sich markante Vorteile gegenüber heutigen Behandlungsansätzen. Heute in Deutschland können Ärzte oder Therapeuten lediglich empfehlen, die Arbeit zu wechseln, und womöglich den Patienten an Sozialarbeiter weiterleiten. Innerhalb des Arbeitsmarktes ist der Patient so oder so verpflichtet, selbst sein buchstäbliches Glück zu versuchen, einen neuen Arbeitsplatz zu finden.</span></p><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Dahingegen ist das beschriebene Beispiel aus Leningrad eine Behandlung auf materialistischer Grundlage. Die Arbeits- und damit Alltagsrealität des Patienten wird vollumfänglich und in gemeinsamer Verantwortung des Arztes und des Patienten in die Behandlung integriert. So ordnet der Arzt konkrete Maßnahmen an, an die sich die Fabrikleiter halten müssen. Neben psychotherapeutischer und medikamentöser Behandlung wird also praktisch auf die Lebensumstände des Patienten eingewirkt, um echte materielle Besserungen zu bringen. Das ist nur in einer Planwirtschaft möglich, denn im Kapitalismus zerschellen solche Ansätze an der diktatorischen Freiheit des Unternehmers. In einer Planwirtschaft hingegen greifen alle Bereiche des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens ineinander.</span></p><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Für uns heute klingt das gar utopisch. Schon konzeptionell wirkt diese Art der Behandlung für uns heute unmöglich. Weil Therapeuten und Ärzte nur begrenzt Einfluss nehmen können auf die materiellen Umstände im Leben des Patienten, sind sie gezwungen, psychische Krankheit vom Arbeitsalltag zu trennen, obwohl es völlig logisch ist, dass die Arbeit einen massiven Einfluss auf das Leben von Arbeitern und Angestellten hat. Auch logisch ist, dass materielle Verbesserungen im Leben zur Besserung der psychischen Gesundheit führen. Im Kapitalismus ist die medizinische Behandlung, unabhängig jeder Motivation der individuellen Ärzte, stets durch das Profitmotiv geprägt. Institutionen wie Krankenhäuser werden teilweise privat betrieben und den Eigentümern geht es nicht um Genesung der Patienten, sondern um Gewinn. Selbst öffentlich betriebene Krankenhäuser müssen wirtschaften, da ihre Gelder begrenzt sind und Vorstände reich bezahlt werden im Vergleich zum Pflegepersonal, aber auch der unteren Ärzte und Therapeuten. Ganz zu schweigen von Problemen in den Rahmenbedingungen therapeutischer oder ärztlicher Praxen (z. B. der Kassenzulassung für Psychotherapeuten, die viele dazu zwingt, ihre Behandlung nur für Selbstzahler oder Privatpatienten anzubieten) kratzen diese Beschreibungen nur an der Oberfläche der im Kapitalismus begründeten Behandlungskrise.</span></p><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">In einer Planwirtschaft ist das Leitmotiv die Bedarfsdeckung. Es geht darum, Menschen ein gutes Leben zu ermöglichen, und jede Produktion geschieht zu diesem Zweck. Das gilt auch für die Medizin. Forschung kann sich konzentrieren auf bestmögliche Versorgung. Therapien haben nichts als die optimale Genesung zum Zweck. Die Umstände in den Leben der Menschen werden zum Besseren verändert und da das Sein das Bewusstsein bestimmt, mentale Gesundheit massiv fördern. Ohne Fetischisierung von Lohnarbeit oder „Hustle Culture“ verliert Krankheit und besonders mentale Krankheit ihr Stigma.</span></p><h3 style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;"><strong>Kommunismus erkämpfen!</strong></span></h3><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Hast du den schäbigen Zustand der Gesundheitsversorgung im Kapitalismus am eigenen Leib erfahren? Arbeitest du in einem Krankenhaus oder einer Praxis und kennst den Arbeitsalltag? Schreib uns einen Leserbrief, zeig diesen Artikel deinen Kollegen, deinen Freunden. Komm mit ihnen ins Gespräch. Werdet gemeinsam politisch aktiv:</span></p><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Wir bauen die Revolutionäre Kommunistische Partei auf. Um den Kapitalismus abzuschaffen und den Sozialismus weltweit zu erkämpfen, brauchen wir dich und du uns. Unsere Organisation ist schon heute und die Partei, die wir gründen, wird dein Werkzeug, dieses verrottende System, das uns tagein tagaus unsägliches Leid beschert, abzuschütteln.</span></p>								</div>
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		<title>Planwirtschaft: Nicht nur möglich, sondern notwendig! </title>
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		<dc:creator><![CDATA[Ture Hirche]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Oct 2024 12:00:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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									<p><span style="color: #000000;">In jedem Klassenzimmer, jeder bürgerlichen Zeitung und jedem Hörsaal schreit es einem entgegen: Der Kapitalismus ist alternativlos. Die Erfahrungen der Vergangenheit haben angeblich gezeigt, wo andere Gedanken hinführen. Die ökonomischen Probleme in den Ostblockstaaten werden als Rechtfertigung genutzt, um den Kommunismus als gescheiterte Idee abzustempeln. Demnach sei eine sozialistische Wirtschaft geplagt von Mangel, stagnierender Leistung, wenig Innovation und ginge außerdem mit massiven Einschränkungen der Freiheit einher. </span></p><p><span style="color: #000000;">Diese Behauptungen haben sich nach dem Niedergang des Stalinismus in den 1990er Jahren mit großer Hartnäckigkeit etabliert. Doch nun beginnt diese Demagogie zu bröckeln. Denn der Kapitalismus zeigt immer deutlicher, dass er längst kein fortschrittliches System mehr ist und deswegen in einer organischen Krise steckt. </span></p><p><span style="color: #000000;">Das Produktionspotenzial der Gesellschaft ist lange über die Grenzen des Marktes hinausgewachsen. Der in der Produktion geschaffene Reichtum wird lieber vernichtet, als dass er den Bedürftigen zuteilkommt. 863 Millionen Menschen leiden bei einer Weltbevölkerung von 8,16 Milliarden an Hunger, obwohl wir genug Nahrung produzieren, um 10 Milliarden zu ernähren. Millionen leben auf der Straße oder sterben an behandelbaren Krankheiten. Wir versinken tiefer und tiefer in der Klimakrise. </span></p><p><span style="color: #000000;">Der Kapitalismus kann diese Probleme nicht lösen. Er ist ein System ökonomischer Anarchie, in dem der Nutzen dem Profit unterlegen ist und jeder Kapitalist versucht, den anderen auszustechen. Die Zeit war noch nie reifer für eine geplante Wirtschaft, die Produktion und Verteilung auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Menschheit und des Planeten statt auf den Profit auslegt. <br /><br /></span></p><h3><span style="color: #000000;"><b>Kann eine Planwirtschaft funktionieren?</b> </span></h3><p><span style="color: #000000;">Das häufigste Argument gegen die Planwirtschaft lautet, dass Planung nur auf Basis eines großen bürokratischen Apparates funktionieren kann, der zentral die Rechenführung der Produktion übernimmt. Diese könne jedoch niemals so effektiv wirtschaften wie der Markt, weil ihr ohne die Preissignale des Marktes das nötige Wissen über die sich ständig ändernden Bedürfnisse fehlen würde. </span></p><p><span style="color: #000000;">Solche Thesen beziehen sich vor allem auf die Wirtschaftssysteme der stalinistischen Ostblockstaaten. Doch sie liefern keine Argumente, warum ökonomische Planung nach den Prinzipien der sozialistischen Demokratie nicht funktionieren sollte. </span></p><p><span style="color: #000000;">Die Arbeiterklasse hat dadurch, dass sie Seite an Seite in der Fabrik steht und den Produktionsprozess genau begleitet oder im Büro sitzt und über ihn Rechnung führt, die Leitung der Wirtschaft de facto bereits heute inne. Einzig das Privateigentum an Produktionsmitteln hindert sie daran, all dieses Wissen zusammenzutragen und die Wirtschaft bewusst nach ihren Bedürfnissen zu planen. </span></p><p><span style="color: #000000;">Die Oktoberrevolution in Russland und die Erfahrungen der jungen Sowjetunion geben uns einen Eindruck davon, wie eine Planwirtschaft das gesamte Potential der Menschheit entfesseln kann. <br /><br /></span></p><h3><span style="color: #000000;"><b>Das Proletariat am Hebel der Wirtschaft</b> </span></h3><p><span style="color: #000000;">Als die Arbeiter am 7. November 1917 die Macht in Russland unter Führung ihrer Partei, den Bolschewiki, übernahmen, war es den Kommunisten bereits klar, dass Russland unmöglich alleine den Weg zum Sozialismus beschreiten kann. Der Kapitalismus schuf ein System, das die Produktion über den ganzen Globus hinweg miteinander vernetzte. Um den Weg in die klassenlose Gesellschaft zu ebnen, musste die Revolution einen internationalen Charakter haben. </span></p><p><span style="color: #000000;">Doch die Arbeiter in Russland sind, obwohl sie dort im Vergleich zum Bauerntum eine Minderheit waren, den ersten Schritt gegangen. Durch die Sowjets (Räte) lag die gesellschaftliche Gewalt komplett in den Händen der Unterdrückten. </span></p><p><span style="color: #000000;">In diesen demokratischen Organen, welche in vielen Betrieben, Städten und Regionen bestanden, konnte sich die Arbeiterklasse und das arme Bauerntum seine Delegierten zu jeder Zeit wählen und wieder abwählen, während diese dasselbe Gehalt erhielten wie ein durchschnittlicher Arbeiter. </span></p><p><span style="color: #000000;">Die Fabrikbesitzer waren gebunden an die Entscheidungen der gewählten Delegierten der Fabriken. Was dort entstand, war weit entfernt vom bürokratischen Alptraum, den liberale Ökonomen skizzieren wollen. Lenin schrieb damals: </span></p><p><span style="color: #000000;">„Die schöpferische, lebendige Tätigkeit der Massen ist der Hauptfaktor der neuen Gesellschaft. Die Arbeiter müssen damit beginnen, die Arbeiterkontrolle in ihren eigenen Fabriken zu organisieren und die Bauernhöfe mit Industrieprodukten im Austausch gegen Weizen zu beleben. Jeder Gegenstand, jedes Pfund Brot sollte gezählt werden, denn Sozialismus ist vor allem Buchhaltung. Lebendiger, atmender Sozialismus ist die Schöpfung der Volksmassen selbst.“ </span></p><p><span style="color: #000000;">Damit der Sozialismus aufgebaut werden konnte, musste die Wirtschaft harmonisch miteinander arbeiten. Zu diesem Zweck schufen die Bolschewiki im Dezember den Obersten Rat für Volkswirtschaft (Wesencha), der die Wirtschaft und die Finanzen des jungen Sowjetstaates zentral koordinieren sollte. </span></p><p><span style="color: #000000;">Die demokratische Kontrolle der einzelnen Betriebe wurde so mit dem gesamten Wirtschaftssystem verbunden. Wesencha setzte sich zusammen aus Repräsentanten der Sowjets und Gewerkschaften. Das Management einzelner Betriebe bestand zu je einem Drittel aus Repräsentanten der regionalen Wirtschaftsräte, der Gewerkschaften und der Belegschaft. </span></p><p><span style="color: #000000;">Dennoch war der Verwaltungsapparat des jungen Sowjetstaates unerfahren und die Arbeiter, der Rückständigkeit Russlands geschuldet, auf einem niedrigen kulturellen Niveau. Aus diesem Grund war man nicht in der Lage, alle Fabriken in Staatseigentum zu überführen. Die Expertise der alten Kapitalisten und Fabrikdirektoren wurde nach wie vor benötigt, um die Wirtschaft am Laufen zu halten.  </span></p><p><span style="color: #000000;">So war der Kapitalismus nicht abgeschafft, aber die politische Macht lag fest in den Händen der Arbeiterklasse. Das zeigt, dass die Wirtschaft nach einer Revolution nicht unmittelbar auf Sozialismus umgestellt werden kann, sondern sich in einer Phase des Übergangs zwischen Kapitalismus und Sozialismus befindet, in der die Überbleibsel der alten Gesellschaft durch die stetige Entwicklung der Produktivkräfte allmählich absterben würden. </span></p><p><span style="color: #000000;">Die Erhöhung der Produktivität der Arbeit würde den Reichtum vermehren und den Arbeitstag reduzieren. Der Bildungsstand kann so erhöht werden und die Arbeiter hätten mehr Zeit, sich in die Verwaltung der Gesellschaft einzubringen und die Relikte der alten Gesellschaft allmählich abzulösen. <br /><br /></span></p><h3><span style="color: #000000;"><b>Die ökonomischen Bedingungen für den Sozialismus </b> </span></h3><p><span style="color: #000000;">Doch der Revolution wurden extreme Steine in den Weg gelegt. Im Sommer 1918 befand sich das ganze Land im Bürgerkrieg, der die Wirtschaft auf 13 % des Niveaus vor dem 1. Weltkrieg reduzierte. Den Fabriken fehlte es an Rohstoffen und die Bevölkerung litt unter Hunger. </span></p><p><span style="color: #000000;">Anstelle den Aufbau des Sozialismus anzuleiten, war es die Aufgabe der wirtschaftlichen Planungsbehörden, die Industrie vor dem kompletten Zerfall zu bewahren und zu gewährleisten, dass die mangelhafte Menge an Munition und Nahrung so gut es ging verteilt wird.  </span></p><p><span style="color: #000000;">Doch selbst unter Umständen des extremen Mangels zeigte sich, welches Potential entfesselt wird, wenn die vormals Unterdrückten plötzlich kollektiv beginnen, die Gesellschaft zu leiten. Die kommunistischen Arbeiter und Soldaten informierten sich stets über den Zustand des Landes und zeigten Initiative, um bestehende Missstände auszubessern. </span></p><p><span style="color: #000000;">So löste der Beschluss einiger Eisenbahner, samstags unentgeltlich Arbeit zu leisten, um beschädigte Schienen, Lokomotiven und Waggons zu reparieren, eine Begeisterung und Nachahmung in zahlreichen Betrieben aus. </span></p><p><span style="color: #000000;">Ein anderes Beispiel ist der Einsatz revolutionärer Soldaten, deren Armee ihre militärischen Aufgaben bereits erfüllt hat. Bewusst über den schlechten Zustand der Infrastruktur im Ural, debattierten die Soldaten, wie man die Situation verbessern könne und schlugen vor, ihre Armee vorübergehend zur Arbeit einzusetzen. </span></p><p><span style="color: #000000;">Der Vorschlag wurde schnell angenommen und im Zuge dessen wurden zahlreiche Einheiten mobilisiert, die Infrastruktur aufzubessern, Fläche wieder bebaubar zu machen oder mangelnde Stellen in der Industrie oder der Rohstoffförderung aufzufüllen. </span></p><p><span style="color: #000000;">Solche Beispiele sind für die Ideologen des freien Marktes unerklärbar. Sie fragen sich, woher eine solche Selbstaufopferungen rühren kann, obwohl der einzelne gar keinen Profit daraus schöpfen kann. Doch die Arbeiter kämpften sehr wohl für ihr Interesse. Sie wussten, dass, wenn die Wirtschaft unter ihrer Leitung arbeitet, die Früchte ihrer Arbeit ihrem Wohlstand und dem der ganzen Gesellschaft zugutekommen würden. </span></p><p><span style="color: #000000;">Doch so heroisch ihr Einsatz auch war, wird der Sozialismus nicht auf Basis von wirtschaftlichem Zerfall oder freiwilliger Mehrarbeit aufgebaut, sondern durch moderne Industrie und Verkürzung des Arbeitstags. Erst so erhält die Mehrheit die nötige Zeit, um sich aktiv in die Verwaltung der Gesellschaft einzubringen. </span></p><p><span style="color: #000000;">Im Bürgerkrieg war vor allem das politisch bewusste Proletariat zu großen Teilen an der Front umgekommen und der Arbeitstag musste erhöht werden, um den vollständigen Kollaps der Wirtschaft abzuwenden. Durch das Scheitern der Revolution in Deutschland und anderen Ländern war die Sowjetunion ökonomisch und politisch isoliert und kein industrialisiertes Land konnte ihr zur Hilfe kommen. </span></p><p><span style="color: #000000;">Diese Umstände führten dazu, dass die aktive Teilnahme an der Demokratie schrumpfte und die Verwaltung in wachsendem Ausmaß von Bürokraten übernommen wurde. Das Motiv dieser Bürokratie bestand jedoch nicht im Aufbau des Sozialismus, sondern in der Erweiterung ihrer Privilegien. Die Sowjets sind so über die Jahre von Organen der direkten Demokratie in über dem Volk stehende Verwaltungsbehörden degeneriert. Die Wirtschaft behielt ihre sozialistische Grundlage, doch das Proletariat war seiner politischen Macht entzogen. </span></p><p><span style="color: #000000;">Doch diese Degeneration belegt in keiner Weise, dass eine geplante Wirtschaft nur gegen die Freiheit durchzusetzen ist. Die Sowjetdemokratie hörte auf zu existieren, weil äußere Faktoren sie in ihrem eigenen Blut ertränkten. <br /><br /></span></p><h3><span style="color: #000000;"><b>Erfolge der Planwirtschaft</b> </span></h3><p><span style="color: #000000;">Trotzdem brachte die Planwirtschaft in der Sowjetunion unvergleichbaren gesellschaftlichen Fortschritt, der im Kapitalismus nicht möglich gewesen wäre. Im Kapitalismus wäre die nach dem Bürgerkrieg marode Industrie dicht gemacht worden und Russland wäre auf absehbare Zeit ein Agrarstaat geblieben. Doch der Staat stellte sich schützend vor die Industrie und nutzte die restlichen Erträge der Wirtschaft, um sie zu erhalten und auszubauen. </span></p><p><span style="color: #000000;">Die zentralen Planungsbehörden fertigten in allen ökonomischen Zweigen Statistiken über ihre gegenwärtige Leistung und ihr Wachstumspotenzial an. Diese Daten wurden ab 1928 genutzt, um auf fünf Jahre datierte Pläne mit Wachstumszielen für die verschiedenen wirtschaftlichen Bereiche aufzustellen. </span></p><p><span style="color: #000000;">Solche Daten könnten im Kapitalismus niemals genau erhoben werden, da die Unternehmen ihre Zahlen lieber unter Verschluss halten, um ihren Konkurrenten nicht zu viel Preis zu geben. </span></p><p><span style="color: #000000;">Während der ersten beiden Fünfjahrespläne wuchs die sowjetische Wirtschaft um 62 bis 70 %, während der Kapitalismus in der Weltwirtschaftskrise versank, zahlreich seine Betriebe schloss und Arbeiter auf die Straße setzte. Bis in die 1960er konnte die Sowjetwirtschaft mit beeindruckenden Ergebnissen strahlen. So wuchs die Wirtschaft von 1945 bis 1964 um 570 % und die Arbeitsproduktivität stieg von 1913 bis 1963 um 1.310 %. 1970 war die Anzahl von Ärzten von 135.000 auf 448.000 angewachsen und die Lebenserwartung hatte sich mehr als verdoppelt.  </span></p><p><span style="color: #000000;">All diese Beispiele bezeugen die Überlegenheit wirtschaftlicher Planung auf Basis wissenschaftlich erhobener Daten gegenüber der ökonomischen Anarchie, der wir im Kapitalismus ausgesetzt sind. </span></p><p><span style="color: #000000;">In der bisherigen Geschichte wurde der Mensch stets von den Produktionsverhältnissen regiert statt andersrum. Mit dem Sozialismus dreht er den Spieß um und beginnt die Produktion nach den eigenen Bedürfnissen und Ansprüchen zu gestalten. </span></p><p><span style="color: #000000;">Doch in der Sowjetunion und den restlichen Staaten, die nach ihrem Vorbild entstanden, konnte dieser Zustand nie erreicht werden. Ab den 60ern begann das Wachstum zu sinken, bis es in den 70ern und 80ern stagnierte und die Planwirtschaften schließlich zusammenbrachen. </span></p><p><span style="color: #000000;">Grund für diese Entwicklung war die unkontrollierte Bürokratie, die enorme Misswirtschaft, Korruption und Verschwendung verursachte. Die zentrale Planungsbehörde versuchte, jeden Aspekt der Wirtschaft anzuleiten. Doch es war ihr unmöglich, auch das Handeln der Millionen Bürokraten in der zivilen Verwaltung und den Betrieben zu kontrollieren. </span></p><p><span style="color: #000000;">Das erste Interesse eines Bürokraten ist es, die Anforderungen der über ihm stehenden Bürokratie zu erfüllen, damit er sich verdient macht, seinen Posten zu behalten oder im Rang aufzusteigen. Wenn eine Fabrik also von oben Produktionsziele gesetzt bekam, war für den Fabrikdirektor nur wichtig, Zahlen vorbringen zu können, die diese Ziele erfüllen. </span></p><p><span style="color: #000000;">Das führte dazu, dass die hergestellten Produkte oft minderwertig waren. Rohstoffe und industrielle Erzeugnisse waren oft nicht gut verarbeitet und Maschinen oder Fahrzeuge mussten schnell wieder in die Reparatur. Nicht selten kam es auch einfach dazu, dass Produktionsangaben übertrieben wurden. <br /><br /></span></p><h3><span style="color: #000000;"><b>Die Kunst ökonomischer Planung </b> </span></h3><p><span style="color: #000000;">Die Widersprüche, die zu dieser Entwicklung führten, wurden schon während des ersten Fünfjahresplans von Leo Trotzki erkannt, der die Sowjetwirtschaft aufmerksam aus der stalinistischen Verbannung beobachtete. </span></p><p><span style="color: #000000;">Der Plan stellte extrem hohe Produktionsziele auf, die nicht immer erreicht werden konnten oder sehr zu Lasten der Qualität der Produkte gingen. Zur gleichen Zeit war die Bürokratie nicht in der Lage, die dadurch entstandenen ökonomischen Missverhältnisse durch Anpassung des Plans auszugleichen. </span></p><p><span style="color: #000000;">In seinem Artikel „Sowjetwirtschaft in Gefahr“ schreibt Trotzki: „A priori ein vollendetes System wirtschaftlicher Harmonie zu schaffen ist unmöglich.“ Er schreibt weiter: „Nur die beständige Regulierung des Plans während der Ausführung, seine teilweise oder gänzliche Umarbeitung auf Grund der aus der Erfahrung gewonnenen Lehren, können seine wirtschaftliche Wirkung sichern.“ </span></p><p><span style="color: #000000;">Damit eine Planwirtschaft, die sich in der Phase des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus befindet, auf die ständig in Bewegung stehenden Dynamiken der Wirtschaft reagieren kann, muss sie sich auf drei Säulen stützen: die zentrale Planungsbehörde, eine starke Währung und als politische Grundlage die Arbeiterdemokratie. </span></p><p><span style="color: #000000;">Die zentrale Planung ermöglicht es, durch die wissenschaftliche Erhebung ökonomischer Daten alle Wirtschaftsabläufe miteinander zu rationalisieren und die Wirtschaft nach Plan zu expandieren. </span></p><p><span style="color: #000000;">Doch um den Erfolg des auf dieser Basis erstellten Plans festzustellen, braucht es für eine gewisse Zeit weiterhin Preissignale, die zeigen, ob Angebot und Nachfrage aufeinandertreffen. Werden Produkte etwa in einem Sektor teurer, lässt das auf einen Kapitalmangel schließen. Werden sie billiger, liegt ein Überschuss vor. Auf dieser Grundlage kann der Plan angepasst werden. Um diese Signale nicht zu verzerren, braucht es eine unabhängige, stabile Währung.  </span></p><p><span style="color: #000000;">Doch Statistiken und Märkte können sich nicht selbst regulieren. Dafür braucht es die direkte Kontrolle der Arbeiter über alle Bereiche der Gesellschaft. Trotzki erklärt: „Die Kunst sozialistischer Planwirtschaft fällt nicht vom Himmel und wird nicht bei der Eroberung der politischen Macht fertig eingehändigt. Diese Kunst kann nur im Kampf errungen werden, Schritt für Schritt, nicht von einem Einzelnen, sondern von den Millionen, als Bestandteil der neuen Wirtschaft und Kultur.“ </span></p><p><span style="color: #000000;">Durch die jederzeitige Abwählbarkeit aller Ämter und der Gleichbezahlung jedes Funktionsträgers mit einem durchschnittlichen Arbeiter können schlechte Verwaltung und Korruption schnell bekämpft werden. </span></p><p><span style="color: #000000;">Die Arbeiterklasse hat kein Interesse daran, eine Million Tonnen minderwertigen Stahls zu produzieren, nur um irgendein angeordnetes Produktionsziel zu erreichen. Sie ist daran interessiert, den Wohlstand der Gesellschaft zu erweitern. </span></p><p><span style="color: #000000;">Deshalb wird die Arbeiterklasse gut überprüfen, dass der Produktionsprozess dort, wo er hinkt, ausgebessert und dort, wo er mangelt, ausgebaut wird. Die politische Beteiligung der Arbeiterklasse ist das genaueste Mittel, um zu ermitteln, welche Bedürfnisse existieren und wie die Wirtschaft organisiert werden muss. Da kann kein Markt oder anderswo erstellte Statistik mithalten. <br /></span><span style="color: #000000;" data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559738&quot;:240,&quot;335559740&quot;:276}"> </span></p><h3><span style="color: #000000;"><b>Planwirtschaft: Der einzige Weg vorwärts für die Menschheit</b> </span></h3><p><span style="color: #000000;">Noch nie waren die Bedingungen für die Errichtung einer Planwirtschaft besser als heute. Seit der Gründung der Sowjetunion ist die Produktivität, der Bildungsstand und die Arbeiterklasse enorm gewachsen. </span></p><p><span style="color: #000000;">Die Notwendigkeit ökonomischer Planung wird dadurch bewiesen, dass auch die Kapitalisten ihr Glück nicht vollständig den Launen des Markts überlassen. Um eine effektive Produktion zu gewährleisten, planen die großen internationalen Konzerne schon lange zentral. </span></p><p><span style="color: #000000;">Sie setzen den verschiedenen Branchen in ihrem Unternehmen Produktionsziele, um die voneinander abhängigen Produktionsbereiche auf ihre jeweiligen Bedürfnisse abzustimmen, und legen global Preise fest. </span></p><p><span style="color: #000000;">Doch die Konkurrenz zwischen diesen Kapitalgiganten verhindert, dass die Anarchie des Marktes vollständig durch ökonomische Kalkulation ersetzt werden kann und diese den Bedürfnissen der Menschheit dient, nicht den Profiten der Monopole. </span></p><p><span style="color: #000000;">Einzig die Übernahme der Produktion durch das Proletariat kann diesen Prozess vollenden. Die Krise des Kapitalismus zwingt es zu diesem Schritt. Nach der Eroberung der Macht würden zunächst die revolutionären Schichten der Arbeiterklasse die Umstrukturierung der Gesellschaft übernehmen. Doch desto mehr die Produktion perfektioniert und dadurch der Lebensstandard erhöht wird, desto mehr steigt auch die Begeisterung an demokratischer Beteiligung in der gesamten Bevölkerung. </span></p><p><span style="color: #000000;">Eine der wichtigsten Aufgaben der neuen Ökonomie wird darin bestehen, die Arbeitsproduktivität über das Niveau des Kapitalismus zu heben. Die Krise des Kapitalismus macht Investitionen in höhere Produktivität unprofitabel, doch ein wissenschaftlich geplantes System, ausgerichtet auf Bedarf statt auf Profit, bräuchte sich darüber keine Sorgen machen. </span></p><p><span style="color: #000000;">Mit gezielten Investitionen in Technologien und der Rationalisierung der weltweiten Lieferketten würde die Produktivität einen historischen Schub erfahren, auf dessen Grundlage der notwendige Arbeitstag stetig verkürzt werden würde.  </span></p><p><span style="color: #000000;">Auf derselben Grundlage könnte die Menschheit auch der Klimakrise entgegentreten. Bereits jetzt existieren Technologien, um den Großteil der Wirtschaft komplett CO2 frei weiterzuführen, während für den restlichen Teil bereits Modelle bestehen. Ein Arbeiterstaat würde diese Forschungen fördern und die Wirtschaft so schnell wie möglich klimafreundlich machen.  </span></p><p><span style="color: #000000;">Auch der Verschwendung im Kapitalismus, wo Waren und Produktionsmittel vernichtet werden, wenn der Markt übersättigt ist, könnte Einhalt geboten werden. Die sozialistische Wirtschaft wird das, was überschüssig erscheinen mag, für den wachsenden Wohlstand und Bedarf der Gesellschaft verwendbar machen, oder, sollte das nicht möglich sein, als ökonomische Rücklage behalten. Arbeitskräfte in tatsächlich sinnlosen Berufen könnten darüber hinaus schnell umgeschult werden. </span></p><p><span style="color: #000000;">Die permanente Anstrengung, den Fortschritt der Gesellschaft voranzutreiben, wird es Menschen, deren Vorfahren vielleicht in Lehmhütten lebten oder sich den Rücken am Fließband kaputt arbeiten mussten, erlauben, zu Wissenschaftlern, Künstlern oder Philosophen zu werden. </span></p><p><span style="color: #000000;">Liberale werden vielleicht sagen, dass ohne Profit kaum die Motivation dazu existieren wird. Doch jeder Mensch hat persönliche Ansprüche und Interessen, denen er im Kapitalismus niemals gerecht werden kann. </span></p><p><span style="color: #000000;">Die Produktion eines Überflusses an Reichtum und die Automatisierung des Produktionsprozesses werden es den Menschen erlauben, sich mehr und mehr auf das zu konzentrieren, was sie persönlich und die Gesellschaft weiterbringt. </span></p><p><span style="color: #000000;">Durch die Abschaffung jeglichen Mangels wird die Klassengesellschaft absterben, kapitalistische Überbleibsel wie Staat, Geld und Lohn verschwinden. Erst dann, wenn die alte Gesellschaft den Prozess des Übergangs in die neue vollendet hat, wird der Mensch zum bewussten Richter seines Schicksals und kann ganz nach seinen Bedürfnissen und Fähigkeiten leben. Für dieses Ziel, den Kommunismus, kämpfen wir. </span></p>								</div>
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		<title>Industrie 4.0: Vorwärts zur sozialistischen Planwirtschaft!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jan F.]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 03 Dec 2019 19:28:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Marxismus]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeiterkontrolle]]></category>
		<category><![CDATA[Marxistische Ökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[Planwirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Entwicklung der modernen Technik ist weit fortgeschritten und droht immer mehr Arbeitsplätze überflüssig zu machen. Der letzte Teil unserer Serie zum Thema Industrie 4.0.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Wir dürfen uns davor jedoch nicht fürchten sondern müssen eine drastische Arbeitszeitverkürzung fordern. Das Potential des technologischen Fortschrittes zeigt die Notwendigkeit einer sozialistischen Planwirtschaft. Die Digitalisierung ist ein Ausdruck des technologischen Fortschritts, welcher in den letzten zwei Jahrhundert durch die kapitalistische Produktionsweise angetrieben wurde. Die Automatisierungen und welche möglich werden, haben das Potential uns vom größten Teil der Arbeitslast zu befreien. Solange sich jedoch die Produktionsmittel in den Händen von Privatpersonen befinden und sie alle Entscheidungen treffen, wird dieses Potential jedoch nur der Profitmaximierung weiter dienen. Das volle Potential für die Gesellschaft, kann sich erst unter einer sozialistischen Planwirtschaft entfalten.</p>
<p>Welche enorme Produktivitätssteigerung gewonnen werden können, zeigen uns allein die industriellen Roboter, welche seit der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts die Fabriken auf der ganzen Welt eroberten. Mit ihnen kann mit einem Bruchteil der menschlichen Arbeit viel mehr produziert werden. „Zwischen 1962 und 2005 gingen in der US Stahlindustrie 400.000 Jobs verloren — 75% insgesamt. Doch die Stahlproduktion ist seither nicht gesunken. Heute produziert ein Minenarbeiter so viel wie 1945 zehn. Eine Textilarbeiterin produziert so viel wie Tausende vor einigen Dekaden.“[1]</p>
<p>Doch das ist noch lange nicht alles. “Auch in der Lebensmittelindustrie werden Arbeiten wie das Verpacken von Käse von Robotern durchgeführt, mit denen auch die Beteiligung von Menschen an gefährlichen Berufen ausgeschlossen werden kann. Roboter bedeuten mehr Qualität, mehr Flexibilität in der Produktion und Geschwindigkeit.”[2] Mit der Digitalisierung wird das alles noch viel weitergetrieben: Es wird mit selbstfahrenden Autos experimentiert, autonome Küchen oder selbst die Chirurgen sollen irgendwann von Robotern ersetzt werden.</p>
<p><strong>Das Internet</p>
<p></strong>Mit dem Internet erhöht sich das Potential zur Automatisierung und Optimierung der Produktion und der Dienstleistungen. Es ermöglicht eine automatische Koordination zwischen ganzen Fabriken und Verarbeitungsschritten. Informationen aus Anlagen der ganzen Welt können an einem zentralen Ort zusammengetragen und bis zu einem gewissen Grad von der Ferne aus gesteuert und gewartet werden. Dazu kommt das immer schneller und besser werdende drahtlose Internet über das Mobilfunknetz enormes Potential. Alle elektronischen Geräte könnten einen Internetzugang bekommen und die Produktion so dynamischer, flexibler und autonomer machen.</p>
<p>Doch nicht nur im Produktionsprozess spielt das Internet eine wichtige Rolle, auch bei der Forschung und Bildung der Menschen hat es uns große Fortschritte beschafft. Je mehr Menschen einen Zugang zu dem aktuellen Wissensstand haben, umso mehr Ideen fließen in die Weiterentwicklung des aktuellen Standes. Dadurch und mit seinen eigenen technologischen Möglichkeiten, revolutioniert das Internet die Produktionsmittel schneller als je zuvor. Um dieses Potential voll zu entfalten müsste jedoch die Last der Arbeit vermindert werden, denn nicht viele haben die Motivation und Kraft nach einem harten Arbeitstag noch ihren Entdecker- und Erfindergeist auszuleben.</p>
<p>Durch das Internet ist die Welt viel näher zusammengerückt. Menschen können quer über den ganzen Planeten kommunizieren als würden sie nebeneinander stehen. Dies zeigt sich auch in der Produktion, wie z.B. die Softwareindustrie, welche hauptsächlich digitale Rohstoffe benötigen und digitale Waren produzieren. Sie können diese innerhalb Sekunden über den ganzen Planeten transportieren. Dort können sie wieder neu in einen Produktionsprozess, von einer anderen Firma, eintreten.</p>
<p>Die Geschwindigkeit der Anhäufung von Kapital ist in den letzten Jahrzehnten stark gestiegen. Das konstante Kapital, welches Rohstoffe und Maschinen sowie auch Programme und ihre Lizenzen unter sich vereint, nimmt zu, während verhältnismäßig das variable Kapital, welches die menschliche Arbeitskraft repräsentiert, tendenziell abnimmt. Da der Mehrwert jedoch nur aus dem variablen Kapital entsteht, sinkt tendenziell der Profit gegenüber dem investierten Kapital. In ihrem Streben nach Profit verfallen sie in Spekulationen und sie stürzen sich wie Geier auf neue Branchen.</p>
<p>Die Entstehung riesiger Technologie-, Software- und Internetkonzerne und die enorme Investitionssummen, welche in sie gesteckt werden, lassen sich damit erklären. Dadurch ist aber auch die Gefahr für Hypes und Blasen groß. Aber auch hier bildeten sich neue riesige multinationale Konzerne. Denken wir nur an Amazon, Google, Facebook, u.s.w. Dies ist dem Prozess der Zentralisation des Kapitals geschuldet, bei welchem die kleineren Kapitale, welche immer wieder von neuem, aus dem nichts erscheinen, von den größeren geschluckt, verdrängt oder anderweitig absorbiert werden.</p>
<p><strong>Big Data</p>
<p></strong>Das Internet bietet uns Zugang zu Unmengen an Informationen und Wissen. Wer bereits einmal vor einem Stapel Schulbücher, die gelernt werden müssten, gesessen hat weiß, dass es nicht so einfach ist aus einem Berg von Informationen das Wichtigste heraus zu ziehen. Ein Technikhistoriker der ETH Zürich (David Gugerli) schätzt, dass 1989 der Fichenskandal des Schweizer Geheimdienstes nur aufgeflogen ist, weil der Geheimdienst kaum Möglichkeiten hatte fast eine Million Dossiers auf Papier sinnvoll auszuwerten. Da kommt ein Modebegriff, welcher zur Industrie 4.0 gehört, ins Spiel: ‚Big Data‘. Dabei geht es in erster Linie eigentlich nur darum, unglaubliche Mengen und vor allem alle möglichen Daten und Informationen zu speichern und auszuwerten.</p>
<p>Heute werden diese Informationen in riesigen Datenbanken gespeichert und von Computerprogrammen durchforstet und analysiert. Die NSA, ein amerikanischer Geheimdienst, speichert so gut wie alle Internet- und Telefonverbindungen und analysieren diese um Informationen zu gewinnen, welche ihnen diplomatischen, militärischen und wirtschaftlichen Vorteile bringen. Google liefert in Bruchteilen einer Sekunde nach der Eingabe eines Suchbegriffes oder Bildes hunderttausende Fundstellen. Nur durch die enormen Fortschritte, welche bei der Rechenleistung von Computer, gemacht wurden, ist dies überhaupt möglich — also durch die Entwicklung der Produktivkräfte.</p>
<p>In Anlehnung an das menschliche Gehirn wurden Methoden entwickelt, die es Computer ermöglichen selbständig komplexe Konzepte zu erkennen und verstehen. Wie im Gehirn wurden künstliche neuronale Netze erstellt, welche mit ausgeklügelten Mechanismen beginnen selbstständig aus Daten zu lernen. Je mehr Daten und Informationen diese Systeme bekommen, umso mehr lernen sie und umso besser werden sie mit der Verarbeitung von komplexen Problemen. Google verwendete zum Beispiel die ungeheuren Mengen an Bilder in ihren Datenbanken, um ihrer Suchmaschine beizubringen ähnliche Bilder zu erkennen und finden.</p>
<p>So richtig beeindruckend und auch beängstigend sind die Ergebnisse der Werbeindustrie. Die Konzerne versuchen alle möglichen Daten über alle zu sammeln und diese zu analysieren. Dadurch können sie zielgerichtete und erfolgversprechende ihre Werbung verbreiten. In der USA gab es einen Fall von einem Teenager Mädchen, welche Schwangerschaftsgutscheine bekommen hat. Nachdem sich der Vater beschwerte stellte sich später heraus, dass seine Tochter tatsächlich schwanger war. Aufgrund des veränderten Konsumverhaltens der Tochter schloss der Konzern, dass sie schwanger sein müsste.[3]</p>
<p>Aber auch in der Produktion bieten sich dadurch wieder neue Möglichkeiten. Heute sind so gut wie alle Geräte mit Sensoren und einem Computer ausgerüstet. Werden alle über das Internet verbunden und so die Daten an einem zentralen Ort gesammelt, werden Unmengen an Daten gewonnen. Daraus können Informationen über die Optimierung von Produktionsabläufen, Ressourcenverbrauch und vieles mehr gewonnen werden. Internet in Kombination mit Big Data bietet also riesige Möglichkeiten zur Produktivitätssteigerung und somit zur Reduktion der Arbeitszeit.</p>
<p><strong>Vorwärts zur sozialistischen Planwirtschaft!</p>
<p></strong>Die Digitalisierung oder Industrie 4.0 eröffnet also ein riesiges Potential, welches nur noch genutzt werden muss. Bereits heute nutzen multinationale Konzerne viele dieser Methoden und organisieren eine Produktion in der hunderttausende Menschen involviert sind, eine Vielzahl verschiedener Produkte produziert oder Dienstleistungen angeboten werden und komplexe Produktionsabläufe minutiös durchplanen. Die Nachfrage des Weltmarkts wird analysiert und die Produktion darauf ausgerichtet, um den Profit zu maximieren. Dabei erreichen sie teilweise beeindruckende Erfolge, diese sind aber immer stark limitiert durch die kapitalistische Gesellschaft. Die Maximierung des Profits für Privatpersonen absorbiert das Potential, welches diese enormen Produktivkräfte für die Gesellschaft haben.</p>
<p>Die durch die moderne Technik hervorgebrachten Methoden müssten gesamtgesellschaftlich angewandt werden. Die Überlegenheit der Planwirtschaft gegenüber der kapitalistischen Produktionsweise wurde bereits in einer verzerrten Weise durch die Sowjetunion demonstriert. Aus einer stark rückständigen Gesellschaft in einem durch Kriege zerstörten Teil der Welt wurde eine wirtschaftliche Weltmacht, die eine Weltraumstation errichtete. Dies ohne Arbeitslosigkeit, mit steigenden Lebensbedingungen und während einer Zeit, in welcher die restliche kapitalistische Welt von Krisen, Depression und Massenarbeitslosigkeit geplagt war. Die sowjetische Planwirtschaft wurde jedoch von einer bürokratischen Kaste geleitet, welche jegliche Kritik und Widerspruch unterdrückte und somit jegliche Rückmeldung vom Erfolg der Entscheidungen verstummen lies. Es war sozusagen eine Planwirtschaft im totalen Blindflug.</p>
<p>Eine gesunde Planwirtschaft benötigt jedoch eine allumfassende Demokratie damit alle Konsequenzen der Entscheidungen in die nächsten einfließen. Sie stellt also die Rückmeldungen über Erfolg oder Misserfolg der getroffenen Maßnahmen sicher. In Kombination mit den heutigen Unmengen an Informationen, welche über das Internet sofort überall zur Verfügung stehen und von Computer immer besser gefiltert und interpretiert werden, bietet sich eine komplett neue Welt. Die sowjetische Planwirtschaft im Blindflug würde dagegen nur wie eine primitive Vorform erscheinen.</p>
<p>Die Augen und Ohren der demokratisch organisierten Gesellschaft wären überall und mit unglaublichen Fähigkeiten ausgestattet sehr viele Informationen in Betracht zu ziehen. Die Menge der Produkte welche produziert werden müssten könnte immer genauer vorhergesagt werden. Über- und Unterproduktion könnten fast komplett eliminiert werden. Die Arbeit, welche noch immer durch die menschliche Arbeitskraft verrichtet werden müsste, wird auf alle Menschen verteilt. „Danach könnte der Arbeitstag stetig verkürzt werden und damit die materiellen Voraussetzungen für ein solches Aufblühen von Demokratie, Kunst, Wissenschaft und Kultur geschaffen werden, wie es die Welt noch nie gesehen hat. Genau das ist die materielle Grundlage für den Sozialismus &#8211; eine neue und qualitativ höhere Form der menschlichen Gesellschaft. Das sind keine utopischen Tagträume, sondern Schlussfolgerungen, die sich logisch und zwangsläufig aus dem gegenwärtigen Wissensstand und den tatsächlichen Anforderungen der Produktivkräfte ergeben.”[4]</p>
<p>[1] US Section of IMT, 2017 Perspectives for the US Revolution</p>
<p>[2] Alan Woods, Reform or Revolution, S. 162</p>
<p>[3] Forbes 16.02.2012, Kashmir Hill,&nbsp;<a href="https://www.forbes.com/sites/kashmirhill/2012/02/16/how-target-figured-out-a-teen-girl-was-pregnant-before-her-father-did/#3a15c9fd6668" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://www.forbes.com/sites/kashmirhill/2012/02/16/how-target-figured-out-a-teen-girl-was-pregnant-before-her-father-did/#3a15c9fd6668</a></p>
<p>[4] Alan Woods, Reform or Revolution, S. 162</p>
<p>Industrie 4.0 Teil I</p>
<p>Industrie 4.0 Teil II</p>
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		<title>Industrie 4.0: Was bringt der digitale Kapitalismus?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jan F.]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Nov 2019 05:55:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Marxismus]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeiterkontrolle]]></category>
		<category><![CDATA[Marxistische Ökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[Planwirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Teil II unserer Serie zum Thema Industrie 4.0 wollen wir uns mit der Frage beschäftigen, inwieweit der „digitale Kapitalismus“ etwas qualitativ Neues darstellt.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>In der Geschichte des Kapitalismus zeigen sich immer wieder größere Umwälzungen der Produktionsmittel, also der eingesetzten Werkzeuge und Maschinen. Die Art und Weise, wie die Waren produziert werden, veränderte sich stets aufs Neue. In den Anfängen des Kapitalismus wurden die vielen versprengten selbständigen Handwerker unter einem Dach zusammengezogen und in der Manufaktur dem Kommando des Kapitals unterstellt. Die erste industrielle Revolution ersetzte menschliche Arbeitskraft durch Wasser- und Dampfkraft. In der zweiten sorgte die Elektrizität nicht nur für Glühlampen, Telegrafie oder das Telefon, sondern auch für die wirkliche Massenproduktion von Gütern. Mit der dritten kamen dann mit der Elektronik die Computer und Roboter hinzu, was wiederum eine stärkere Automation bedeutete, wie z.B. Autos, die automatisch zusammengesetzt werden.</p>



<p>Es waren große Wellen des technologischen Fortschritts, welche diverse bahnbrechende Erfindungen mit sich brachten. Die Folgen davon sind widersprüchlich. Anstatt Wohlstand und Überfluss bedeutete die reduzierte notwendige Arbeitszeit jeweils Massenarbeitslosigkeit. Die Digitalisierung ist nichts anderes als eine weitere Welle in der Entwicklung des technologischen Fortschritts, welche die Arbeitszeit weiter drastisch senkt. Während die bisherigen industriellen Revolutionen ihre Auswirkungen in Teilen der Produktion zeigten und damit den Arbeitsmarkt umstrukturierten, werden die Auswirkungen der Digitalisierungen in allen Bereichen Einfluss nehmen und somit viel umfassender und weitreichender werden.</p>



<p><strong>Entwicklung der Produktivkräfte</strong></p>



<p>Die Ursache für die immer erneuten Umwälzungen der Produktionsmittel haben ihren Ursprung in der Funktionsweise des kapitalistischen Systems selbst. Im Kapitalismus wurde erst „bewiesen, was die Tätigkeit der Menschen zustande bringen kann. Sie hat ganz andere Wunderwerke vollbracht als ägyptische Pyramiden, römische Wasserleitungen und gotische Kathedralen“. Die Bürgerlichen können „nicht existieren, ohne die Produktionsinstrumente, also die Produktionsverhältnisse, also sämtliche gesellschaftlichen Verhältnisse fortwährend zu revolutionieren.“ (Karl Marx und Friedrich Engels, in: Manifest der Kommunistischen Partei“)</p>



<p>Die kapitalistische Produktionsweise treibt die Kapitalisten dazu, kontinuierlich neue Innovationen hervorzubringen. Verantwortlich dafür ist die Konkurrenz unter den Kapitalisten und ihr Streben nach Profit, welches sie unaufhörlich nach Marktvorteilen suchen lässt, um selbst nicht unterzugehen. Die technologischen Entwicklungen der Digitalisierung erhöhen die Produktivität und somit kurzfristig auch die Profite einzelner Kapitalisten. Wenn die Kapitalisten eine größere Menge mit weniger Arbeit als andere produzieren lassen können, ihre Produktion also effizienter ist als die ihrer Konkurrenten, können sie sich zusätzlich einen Extraprofit aneignen. Auf der Suche nach diesen Extraprofiten treiben sie den technologischen Fortschritt unaufhaltsam vorwärts. Doch die Extraprofite können sie sich nicht dauerhaft aneignen. Denn sobald die Konkurrenz anfängt, ihr Maschinenarsenal auch zu modernisieren, beginnen die Preise und somit die Profite zu fallen.</p>



<p>Angeheizt wird diese Dynamik durch die vielen aufkommenden Start-Ups, welche dank des technologischen Fortschritts den Markt revolutionieren. So wurde z.B. mit der Plattform Uber das ganze Taxigewerbe und mit AirBnB die klassische Hotellerie unter Druck gesetzt. Dies geht meist einher mit einer verstärken Ausbeutung durch miserable Arbeitsbedingungen. Die Konkurrenz führt jedoch stets zum „Untergang vieler kleinerer Kapitalisten, deren Kapitale teils in die Hand des Siegers übergehn, teils untergehn.“ (Karl Marx, in: Das Kapital Band I)</p>



<p>Es findet ein „periodisches Abmähen der Kleinkapitale“ statt, „die dann immer wieder rasch aufkommen, um von neuem durch die Sense der Großindustrie abgemäht zu werden.“ (Rosa Luxemburg, in: Sozialreform oder Revolution)</p>



<p><strong>Der digitale Kapitalismus</strong></p>



<p>Die treibende Kraft hinter der Digitalisierung ist also die kapitalistische Produktionsweise. Doch ist es möglich, heute eine solidarische Marktwirtschaft zu errichten, in der Überfluss und Wohlstand allen zukommt? Die Einführung der neuen Maschinen ist immer mit Investitionen verbunden, welche sich für die Kapitalisten in Profiten auszahlen müssen. Vor allem in Krisenzeiten wie heute überlegen sie sich jede Investition sehr genau und es werden lieber billigere Arbeitskräfte gesucht: So verrichten heute viele Menschen schlecht oder ganz unbezahlte Arbeit in der Form von temporärer Zeitarbeit oder eines Praktikums.</p>



<p>Der digitale Kapitalismus, wie Nahles ihn nennt, ist nichts anders als der Kapitalismus auf dem heutigen Stand der technologischen Entwicklung. Während langer Zeit trieb er den Fortschritt unaufhaltsam voran und sorgte zumindest in den entwickelten Ländern für einen allgemein höheren Wohlstand. Doch heute wird die Marktwirtschaft immer mehr zum Hemmnis, wenn große Firmen versuchen, Innovationen, die ihr Geschäftsmodell untergraben, im Keim zu ersticken oder die Lebensdauer ihrer Produkte künstlich verkürzen. Der Kapitalismus bedeutet heute, dass Produkte von minderer Qualität produziert werden, die Arbeitsbedingungen sich verschlechtern und die Arbeitslosigkeit steigt.</p>



<p>Auch die Entwicklung der Vermögensverhältnisse zeigt eine Ungleichheit, die noch nie größer war als heute. Eine Oxfam-Studie berichtete, dass acht Einzelpersonen gleich viel besitzen wie die ärmere Hälfte der Menschheit. 2010 waren es noch 388 Milliardäre. Die Einkommen (fast ausschließlich Kapitalgewinne) des reichsten Prozents sind seit den 1990er Jahren um 43% gestiegen. Die Löhne der großen Mehrheit hingegen stagnieren praktisch und werden zusätzlich verstärkt belastet durch höhere Mieten und steigende Lebenshaltungskosten.</p>



<p><strong>Perspektive des digitalen Kapitalismus</strong></p>



<p>Die Konzentration von Kapital in immer weniger Händen und die damit verbundene Ungleichheit wächst immer schneller. Während Konzerne wie Apple, Nestlé oder die UBS über Jahrzehnte von Kapitalkonzentration und -zentralisation wuchsen, weisen Milliardenkonzerne wie Google oder Facebook eine viel kürzere Geschichte auf. Einerseits senkte die Digitalisierung in vielen Bereichen die Hürden für kleinere Kapitale, indem ein Unternehmen mit der Entwicklung einer Software anstatt einer neuen Fabrik gegründet werden kann. Andererseits beschleunigen sich ganz allgemein die Produktionszyklen.</p>



<p>Jeder Verkauf eines Produktes oder einer Dienstleistung stellt sowohl einen End- wie auch einen Startpunkt eines Zyklus dar. Sobald eine Ware verkauft wird, kann das Kapital wieder investiert werden und je schneller dies der Fall ist, umso häufiger kann daraus Profit gezogen werden. Dabei ist nicht nur die Produktionszeit entscheidend, sondern auch die Zeit „während deren der Kapitalist kauft und verkauft, sich auf dem Markt herumtreibt”. (Karl Marx, in: Das Kapital Band II) Mit der Digitalisierung werden sowohl die Transport- wie auch die Kommunikationswege drastisch reduziert, wodurch die Märkte besser erschlossen werden und die Akkumulation von Kapital beschleunigt wird.</p>



<p>Diese Beschleunigung wird eine Intensivierung auch der negativen Aspekte der Digitalisierung bedeuten, was sich auch in der aktuellen Wirtschaftskrise zeigt. Die Kapitalisten ziehen ihren Profit aus der Arbeit der Arbeitenden, welche jedoch durch die Einführung neuer Maschinen und Computer immer weniger benötigt werden. Das bedeutet, dass es für die Kapitalisten immer schwieriger wird, sich Profite anzueignen. Wollen sie in der Konkurrenz nicht untergehen, sind sie daher zu immer stärkeren Kostenreduktionen und stärkerer Ausbeutung der Arbeitenden gezwungen.</p>



<p>Die kapitalistische Produktionsweise folgt nach wie vor den gleichen Gesetzen wie noch vor über 150 Jahren, als Karl Marx sein Werk ‚Das Kapital’ schrieb. Welche Auswirkung diese Produktionsweise hat, beschreibt er wie folgt: „Die Akkumulation von Reichtum auf dem einen Pol ist also zugleich Akkumulation von Elend, Arbeitsqual, Sklaverei, Unwissenheit, Brutalisierung und moralischer Degradation auf dem Gegenpol.“</p>



<p>Im Kapitalismus sind keine Reformen und Regulierungen des Marktes möglich, welche zum Wohlstand und Überfluss für alle führen könnten. Vielmehr führt jede Reform bestenfalls zu einer Verlangsamung des Prozesses. Solange das Privateigentum an Produktionsmitteln erhalten bleibt, wird der Markt immer durch die Jagd nach Profiten bestimmt werden und diese Jagd führt nur zu Überfluss und Wohlstand für die Kapitalisten. Das einzige, was uns aus dieser Situation retten kann, ist der Sturz des Kapitalismus und eine grundsätzliche Veränderung der Produktionsweise.</p>



<p>Industrie 4.0 Teil I</p>
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		<title>Industrie 4.0: Wenn Maschinen die Arbeit übernehmen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jan F.]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Oct 2019 04:58:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Marxismus]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeiterkontrolle]]></category>
		<category><![CDATA[Marxistische Ökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[Planwirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die „Digitalisierung“ ist in aller Munde. Vielen bereitet sie Angst durch den drohenden Jobverlust.Teil I unserer Serie zum Thema Industrie 4.0.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Den alten Ideen, wie Maschinensteuern oder Grundeinkommen, welche heute zur Lösung wieder ausgegraben werden, stellen wir die Notwendigkeit einer radikalen Arbeitszeitverkürzung und der sozialistischen Revolution entgegen. Die Auswirkungen der Digitalisierung begegnen uns überall und treten als Resultat des kontinuierlichen Prozesses des technologischen Fortschritts auf.</p>



<p>Heute besitzt jeder ein Smartphone, kennt Plattformen wie Uber und AirBnB oder ist zumindest den automatischen „SelfCheckout“ Kassen in den Supermärkten begegnet. Immer mehr Geräte sind mit einem winzigen Computer und mit einem direkten Zugang zum Internet ausgestattet. Diese Entwicklungen veranlasste die Bundesregierung zu dem Strategieprojekt, welches den Begriff „Industrie 4.0“ in die Welt setzte. Das Ziel des Projektes ist die Verwandlung der bisherigen industriellen Produktion in autonom organisierte Produktion. Die neuen technologischen Errungenschaft en der Informations- und Kommunikationstechnik sollen genutzt werden um ganze Wertschöpfungsketten zu optimieren. Von der Idee eines Produktes — über die Entwicklung und Produktion, Verteilung und Verkauf, Nutzung und Wartung — bis zum Recycling soll der komplette Lebenszyklus eines Produktes einbezogen werden. Möglich wurde dies durch den technologischen Fortschritt und die Massenproduktion von Computerprozessoren und Sensoren, die immer kleiner und billiger produziert werden können. Die Informatik ermöglichte es Maschinen auf Einsatzgebiete trainiert zu werden und sich zu optimieren. Dadurch werden autonomere und komplexere Produktionsanlagen möglich.</p>



<p>Die Bestandteile einer Liftanlage, einer modernen Mühle oder eines Wasserkraftwerkes kennen beispielsweise bereits ihren Zustand oder Standpunkt und wissen, mit welchen anderen Komponenten sie zusammengehören. Ihre gesammelten Informationen der Sensoren können über das Internet übermittelt werden. Das ermöglicht es, die Produktion auch über größere geografische Distanzen hinweg zu optimieren, zu automatisieren und zu verbessern. Dadurch kann der Arbeitsaufwand in der Produktion stark verringert werden.</p>



<p><strong>Digitalisierung im Kapitalismus</strong></p>



<p>Politiker, Ökonomen und andere Propheten sehen in diesem Fortschritt die Garantie für künftiges Wachstum und versprechen, dass es uns von der Arbeit befreien und ein Leben in Überfluss und Wohlstand ermöglichen wird. Es gelte nur die Modernisierung nicht zu verschlafen und Umstrukturierungen durchzuführen um weiterhin konkurrenzfähig zu bleiben. Im Kapitalismus zeigt sich das Resultat des technologischen Fortschritts aber für die meisten Menschen gerade als das Gegenteil von Wohlstand und Überfluss. Wenn unsere Arbeit durch moderne Maschinen verringert werden kann, reduziert sich der insgesamt benötigte Arbeitsaufwand. Wodurch in uns schnell die Angst aufkommt unsere Arbeit zu verlieren, die uns unsere Existenzgrundlage sichert. Diese Angst ist nicht unbegründet wie Studien zeigen. Die Arbeit von Dienstleistungsberufen wie KassiererInnen, kaufmännischen Angestellten, Empfangspersonal, Buchhalter oder Postangestellte soll mit hoher Wahrscheinlichkeit automatisiert werden können. Am Weltwirtschaftsforum 2016 in Davos wurde vorausgesagt, dass in den nächsten Jahren in den Industrieländern fünf Millionen Arbeitsplätze wegfallen, wahrend nur zwei Millionen neue entstehen.</p>



<p>Die Universität Oxford zeigte auf, dass die Hälfte aller Jobs in der USA durch Maschinen ersetzt werden könnten. Die Angst vor dem Verlust der Existenzgrundlage wird zudem instrumentalisiert und ausgenutzt, um unter der konstanten Drohkulisse der Digitalisierung kontinuierlich die Löhne zu drücken und Arbeitsbedingungen zu verschlechtern. Umstrukturierungen bedeuten meistens nichts anderes als Entlassungen und Intensivierung der Arbeitsbelastung. Anstatt Wohlstand und Überfluss bringt uns Lohnabhängigen der technologische Fortschritt also nur schlechtere Arbeitsbedingungen oder gar Arbeitslosigkeit. Für die Bürgerlichen zählt dabei vor allem die Wettbewerbsfähigkeit. In ihren Augen wird der Markt, durch Angebot und Nachfrage, eisern von Adam Smiths unsichtbaren Hand regiert. Rücksichtslos zwingt sie Firmen zu Automatisierungen und Staaten zu Austeritätspolitik. In der Linken herrscht Empörung und auf der Suche nach einem Ausweg werden alte Ideen, wie die Maschinensteuer oder das Grundeinkommen, wieder ausgegraben. Darüber woher das Geld für die Maschinensteuer oder das Grundeinkommen kommen soll, da es nicht einfach vom Himmel fällt, gibt es keine Einigkeit.</p>



<p><strong>Potential und Realität</strong></p>



<p>Der technologische Fortschritt hat durchaus das Potential den Überfluss und Wohlstand zu ermöglichen von dem gesprochen wird und könnte uns von einem großen Teil der Arbeitslast befreien. Kaum jemand aber liefert eine Erklärung, warum das Potential des technologischen Fortschritts nicht ausgenutzt werden kann und die Realität sich gegensätzlich entwickelt. Eine unsichtbare Hand ist dabei keine Erklärung, mit der wir uns begnügen können. Ohne Verständnis der kapitalistischen Produktionsverhältnisse kann uns eine Erklärung dafür nicht gelingen. Marx erklärte, dass dabei der Ursprung des Profits eine zentrale Rolle spielt. Dieser entsteht nicht durch Wucher oder geschicktes Ein- und Verkaufen. Marx ging von der Welt als einen geschlossenen Organismus aus, der sich entwickelt und in unzähligen, sich teilweise widersprechenden Prozessen entfaltet. In diesem komplexen Organismus interagieren die einzelnen Individuen untereinander und mit ihrer Umwelt, aber ohne Einwirkung äußerer (göttlicher) Kräfte.</p>



<p>Die Art und Weise, wie die Produktion und Reproduktion des menschlichen Lebens organisiert ist, bestimmen die Produktionsverhältnisse. Die Grundlage dafür ist die Interaktion zwischen Mensch und Natur, also die Arbeit selbst. Der Profit muss daher aus dem Arbeitsprozess selbst entspringen. Wie viel ein Produkt zu einem Zeitpunkt auf dem Markt kostet, ist bekanntlich abhängig von Angebot und Nachfrage. Historisch gesehen ist jedoch viel entscheidender, wie viel Arbeitszeit benötigt wird um ein Produkt herzustellen. Dass der Preis von Produkten, wie z.B. Telefonen oder Computern, in den letzten Jahrzehnten zu einem Bruchteil zusammenschrumpfen konnte, kann nur dadurch erklärt werden, dass durch Massenproduktion und technologische Fortschritte zu ihrer Herstellung viel weniger Arbeitszeit benötigt wurde. Von Produktivitätssteigerungen profitieren jeweils jedoch nicht wir Arbeitenden. Wenn wir Arbeitenden, z.B. dank verbesserter Maschinen, während eines Arbeitstages mehr produzieren, erhalten wir deswegen nicht automatisch einen höheren Lohn. Von einer durch technologischen Fortschritt gewonnenen Produktivitätssteigerung profitieren nur die Kapitalistinnen und Kapitalisten, welche sich höhere Profite sichern können.</p>



<p>Die Kapitalisten bezahlen uns Arbeitende nicht für die von uns direkt geleistete Arbeit, sondern für unsere Arbeitskraft , welche wir ihnen für einen Tag zur Verfügung stellen. Können die Kapitalisten die von uns hergestellten Produkte für mehr Geld verkaufen als sie für unsere Arbeitslöhne, die Rohstoffe und die Infrastruktur aufwenden müssen, stecken sie Profite ein. Während eines Teils des Arbeitstages müssen wir also arbeiten um den Gegenwert des Arbeitslohns zu produzieren um danach den Gegenwert der Profi te zu produzieren. Auch die Digitalisierung erlaubt es die Produkte schneller zu produzieren, welche nötig sind um unseren Arbeitslohn zu finanzieren. Das bedeutet, dass sich durch sie das Verhältnis zwischen bezahltem und unbezahltem Teil des Arbeitstages zugunsten der Kapitalisten verändert. Indem wir in kürzerer Zeit den Gegenwert unseres Arbeitslohns produzieren, erhöht sich der unbezahlte Teil des Arbeitstages und somit die Profite. Das ist die Erklärung dafür, was wir heute beobachten können: Vom technologischen Fortschritt profitieren nur die KapitalistInnen und uns Arbeitenden bringt er hauptsächlich schlechte Arbeitsbedingungen, Arbeitslosigkeit und Armut.</p>



<p><strong>Fordern was uns zusteht</strong></p>



<p>Um von der Digitalisierung zu profitieren, müssen wir dafür kämpfen, dass sich der unbezahlte Teil unseres Arbeitstags verkleinert. Der Prozess des technologischen Fortschritts macht dies im Kapitalismus zu einem endlosen Kampf um den von uns erarbeiteten Reichtum. Jede weitere Produktivitätssteigerung erhöht fortlaufend den unbezahlten Teil des Arbeitstages und vermindert die Zahl der benötigten Arbeitskräfte. An dieser Tatsache können kein Grundeinkommen und keine Maschinensteuer etwas ändern. Wir Arbeitende und die Kapitalisten stehen uns in einem unversöhnlichen Kampf gegenüber wie unser Arbeitstag aufgeteilt wird.</p>



<p>Einerseits versuchen die Kapitalisten immer ihren Profit zu maximieren. Andererseits mussten wir uns höhere Löhne und kürzere Arbeitstage stets erkämpfen. Wie der von uns produzierte Reichtum konkret verteilt wird, also wie das Verhältnis zwischen dem bezahlten und dem unbezahlten Teil unseres Arbeitstages ist, wurde und wird durch den Klassenkampf bestimmt. Nur unter der Drohung und Durchführung von Streiks konnten wir heutige Errungenschaften wie Achtstundentag oder Sozialdienstleistungen erkämpfen, geschenkt wird uns nichts. Um von der Produktivitätssteigerung profitieren zu können, müssen wir also immer wieder für eine radikale Verkürzung der Arbeitszeit einstehen. Aber wie jede Forderung hat auch diese ihre Grenzen und kann nur eine Übergangsforderung darstellen. Eine Verkürzung der Arbeitszeit ermöglicht es unsere Lebensbedingungen zu verbessern und die Arbeit auf mehr Menschen zu verteilen, was die Arbeitslast und Arbeitslosigkeit vermindert.</p>



<p>Eine wirkliche Entscheidung im Klassenkampf — unsere wirkliche Befreiung von der Lohnsklaverei — kann uns nur eine sozialistische Revolution und somit der Sturz des Kapitalismus bringen. Nur so können wir tatsächlich den versprochenen Überfluss und Wohlstand erhalten.</p>



<p>Industrie 4.0 Teil II</p>
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