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	<title>Faschismus Archives -</title>
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		<title>Wie „Demokratie retten“ Faschismus brachte</title>
		<link>https://derkommunist.de/wie-demokratie-retten-faschismus-brachte/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michele Rocco Troccolo]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Jun 2026 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Anti-AfD]]></category>
		<category><![CDATA[Empfohlen]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Theorie]]></category>
		<category><![CDATA[Faschismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die AfD steht bei 27%. Viele warnen, es sei „5 vor 1933“. Mit „Demokratie retten“ werben die etablierten Parteien um eine schwindende Wählerschaft, die ihnen wegen ihrer jahrzehntelangen Kürzungen und [&#8230;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Die AfD steht bei 27%. Viele warnen, es sei „5 vor 1933“. Mit „Demokratie retten“ werben die etablierten Parteien um eine schwindende Wählerschaft, die ihnen wegen ihrer jahrzehntelangen Kürzungen und Angriffe wegläuft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Linkspartei will Rettungsanker der Demokratie sein und stützt Merz. Offen diskutiert sie in Sachsen-Anhalt die Duldung einer CDU-Regierung gegen die AfD.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Krise der Weimarer Republik enthält relevante Lehren für heute. Die Wichtigste: Die Politik „Demokratie retten“ hat den Aufstieg und Sieg des Faschismus erst möglich gemacht. Auch wenn die reaktionäre AfD keine faschistische Partei ist, wird auch sie durch diese „Politik des kleineren Übels“ gestärkt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damals lautete die Frage: Faschismus oder Sozialismus? Doch die reformistische SPD-Führung klammerte sich an eine überlebte Vergangenheit, in der sie den Klassenkampf auf ein ertragbares Maß zurückhielt, dafür von der Bourgeoisie belohnt wurde und den Arbeitern Brotkrumen präsentieren konnte. Sie versuchte mit der „progressiven“ Bourgeoisie zusammenzuarbeiten, aber das Kapital konnte sich im Zuge der Krise ab 1929 den Klassenkompromiss nicht mehr leisten. Weil sie in einer veränderten Lage weiter die Arbeiter passiv hielten, erschienen die Nazis für das verarmte Kleinbürgertum als die Einzigen mit einer Lösung. Gleichzeitig war den Herrschenden bewusst, dass die Reformisten nicht fähig sind, den Klassenkampf dauerhaft zurückzuhalten. Es brauchte aus ihrer Sicht eine Lösung, um die nahende proletarische Revolution zu vereiteln: den Faschismus.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Geburt der Weimarer Republik</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die bürgerliche Demokratie der Weimarer Republik entstand als Klassenkompromiss im Zuge der Novemberrevolution ab 1918. Die Arbeiter und Soldaten beendeten den Ersten Weltkrieg, stürzten den Kaiser und bildeten Räte. Die sozialistische Revolution stand auf der Tagesordnung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Führung der SPD und der Gewerkschaften hatte in den Jahrzehnten zuvor eine enorme Autorität erlangt, weil sie im massiven Wirtschaftsaufschwung durch Kämpfe den Lebensstandard erhöht hatten. Jetzt nutzten die Reformisten diese Autorität, um eine Konterrevolution in demokratischer Form durchzuführen: Sie brüsteten sich, die Demokratie, den 8-Stunden-Tag, Betriebsräte, Koalitionsfreiheit, Teilhabe der SPD in der Regierung etc. erkämpft zu haben, während sie den Sozialismus verrieten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Herrschenden mussten diesen Klassenkompromiss akzeptieren. Als 1920 eine Clique versuchte, eine Militärdiktatur zu errichten, antworteten 12 Mio. mit dem größten Generalstreik der deutschen Geschichte. Nach vier Tagen brach der Kapp-Putsch zusammen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Großbourgeoisie arrangierte sich mit der reformistischen Führung. Sie selbst waren nur eine winzige Minderheit, die vermittels der reformistischen Bürokratie der Arbeiterorganisationen Millionen von Arbeitern und Kleinbürgern hinter ihr Programm bringen musste. Die bürgerliche Demokratie ist der institutionelle Ausdruck des Klassenkompromisses.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Risse im ökonomischen Fundament</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Januar 1923 besetzte Frankreich das Ruhrgebiet, nachdem die Weimarer Republik die Reparationszahlungen einstellte. Gleichzeitig erfasste eine Hyperinflation das Land. Streiks und Proteste nahmen zu. Die KPD wurde immer stärker, aber schaffte es nicht, die Situation zu einer erfolgreichen Revolution zu bringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die SPD-Führung stand fest auf der Seite des Privateigentums. SPD-Reichspräsident Friedrich Ebert erließ Notverordnungen, verbot die KPD und stützte die bürgerliche Regierung, die die Krise auf die Massen abwälzte. Diese Niederschlagung des letzten revolutionären Aufbäumens 1923 war die Grundlage für den Wirtschaftsaufschwung ab 1924.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gegen die Inflation erfolgte eine Währungsreform, die zu weiterer Umverteilung von unten nach oben führte. Der 8-Stunden-Tag wurde abgeschafft, Steuern für Reiche gekürzt. Zusätzlich flossen amerikanische Kredite.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Wirtschaft erholte sich zeitweise. 1929 erreichte die Industrieproduktion das Vorkriegsniveau. In diesem Zuge entstanden riesige Monopole. Die Vereinigten Stahlwerke AG konzentrierten 50% der deutschen Steinkohlen- und Roheisenproduktion und 40% der Stahlproduktion auf sich. Die IG Farben schloss sich 1929 mit anderen europäischen Konzernen zu einem Farbenkartell zusammen, welches 80% aller Farbstoffe der Welt produzierte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig stieg die Arbeitslosigkeit, da der Aufschwung vor allem auf Rationalisierung, d.h. härterer Ausbeutung der Arbeiter, basierte. Vor Beginn der Weltwirtschaftskrise war sie auf fast 2 Mio. Arbeitslose gestiegen. Die Arbeitslosenhilfe riss ein immer größeres Loch in den Staatshaushalt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schon 1927 gab es erste Anzeichen einer Rezession in Deutschland. Diese konnte aber noch ausgeglichen werden durch die Nachfrage des Weltmarkts. Das Kapital spürte immer mehr die Grenzen des nationalen Marktes. Sie suchten neue Absatzmärkte, die ihnen durch andere imperialistische Mächte versperrt wurden. Das Problem, das sie durch den Ersten Weltkrieg zu lösen versucht hatten, stellte sich erneut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Börsen-Crash 1929 in New York läutete ein neues Kapitel in der Welt ein. Der Weltmarkt brach zusammen, überall wurden Zollschranken errichtet und ausländische Kredite zurückgezogen. Banken fielen wie Dominosteine. Die Arbeitslosigkeit wuchs 1932 auf über 6 Mio. und weitere Millionen waren in Kurzarbeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die politische Instabilität stieg. Die Herrschenden brauchten einen politischen Diener, der ein Programm umsetzen konnte, das die Krise auf die Massen ablud, den nächsten Krieg vorbereitete und die Arbeiterklasse hinderte, den Kapitalismus zu stürzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Müller: Kapitän des sinkenden Schiffes</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei den Reichstagswahlen im Mai 1928 wurde die SPD mit fast 30% stärkste Kraft. Nach vier Jahren Opposition, auf der Welle der sich abzeichnenden Krise reitend, ging die SPD unter Reichskanzler Hermann Müller wieder eine Koalition mit bürgerlichen Parteien ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Reformisten waren in einem Dilemma: Sie stützen sich auf die Arbeiterklasse und versuchten gleichzeitig, den Herren Kapitalisten gut zu dienen. Das brachte beständig Konflikte und entzog den Reformisten immer weiter ihre soziale Basis.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Wahl 1928 war die SPD unter anderem mit dem Slogan „Kinderspeisung statt Panzerkreuzer“ angetreten. In der Regierung stimmten die SPD-Minister dann doch dem Bau zu, nachdem die Koalitionspartner ein Scheitern der Regierung androhten. Der Unmut innerhalb der SPD-Reihen wuchs, wovon die KPD profitierte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Zuge des Ruhreisenstreits Ende 1928 hatten die Kapitalisten der Eisen- und Stahlindustrie mehr als 200.000 Arbeiter ausgesperrt. Die Tarifverhandlungen waren gescheitert und der staatliche Schlichterspruch der Müller-Regierung beinhaltete für die Unternehmer inakzeptable Lohnerhöhungen und Arbeitszeitreduzierung. Die Regierung beeilte sich, den Schlichterspruch auszubessern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während der Müller-Regierung deutete sich ein herannahender Bürgerkrieg an. Die vormals unbedeutende NSDAP erstarkte ab 1928. Es kam vermehrt zu Übergriffen zwischen der wachsenden faschistischen Terrororganisation Sturmabteilung (SA) und dem KPD-geführten Roten Frontkämpferbund.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter dem Vorwand, sowas verhindern zu wollen, erließ der preußische SPD-Innenminister 1929 ein Demonstrationsverbot. Die KPD demonstrierte trotzdem am Ersten Mai. Erst prügelte die Polizei, dann schoss sie. Die traurige Bilanz des „Blutmai“: 33 Tote, darunter auch SPD-Mitglieder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die arbeiterfeindliche Politik der SPD-Führung hätte einen gewaltigen Aufstieg der KPD bedeuten können. Diese wuchs zwar beständig, aber doch langsam. Ab 1929 vertrat die KPD die „Sozialfaschismusthese“: Die Sozialdemokraten seien die eigentlichen Faschisten. Ereignisse wie der Blutmai untermauerten dies scheinbar, aber diese These war keine wissenschaftliche Analyse. Aus ihr folgte eine Praxis des Denunzierens aller Sozialdemokraten. Dies hinderte die SPD-Arbeiter daran, zu einem kommunistischen Programm zu wechseln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Währenddessen wandte sich das Kleinbürgertum den Nazis zu und diese erzielten erste größere Erfolge in den Landtagswahlen 1929. Das Kleinbürgertum war nach dem Krieg völlig verarmt. Der Wirtschaftsaufschwung hatte die Lage zwar beruhigt, aber keine Erholung gebracht. Besonders die Bauern verschuldeten sich zunehmend, konnten nicht mit der Großproduktion konkurrieren und ihre Höfe wurden zwangsversteigert. Mit der Konjunkturtrübung ab 1927 und dann der Weltwirtschaftskrise fehlte den Ärzten, Juristen, kleinen Händlern usw. die zahlende Kundschaft. Beamten wurde das Gehalt gekürzt, um die Staatsausgaben zu sanieren. Aufgrund der Millionen Arbeitslosen war ihnen ein Abstieg in die Arbeiterklasse versperrt. Ihnen blieb nur der Weg ins Elend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Politik der etablierten bürgerlichen Parteien, der SPD und der KPD stieß das Kleinbürgertum ab. Insbesondere die SPD bot ihnen keinen Ausweg aus der Krise, sondern war bloß ihr Verwalter. Die Zustimmung der Müller-Regierung zum Young-Plan machte dies für das Kleinbürgertum besonders deutlich: Nun sollten auch ihre Enkel und Urenkel für die Reparationszahlungen herhalten. Die Nazis erschienen als die einzig unverbrauchte Kraft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mithilfe des Hugenberg-Medienimperiums startete die NSDAP eine Kampagne gegen den Young-Plan. Ihr Volksentscheid erreichte fast 6 Mio. Stimmen. Dies war der Initialzünder für den Aufstieg der Nazis, denn viele erfuhren so zum ersten Mal vom Programm der NSDAP.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Ende der Müller-Regierung nahte 1930. Der Reichsverband der Deutschen Industrie forderte härtere Maßnahmen: Steuererleichterungen für Unternehmer, Abschaffung der Zwangsschlichtung, Senkung der Staatsausgaben, Einsparungen bei der Arbeitslosenversicherung usw. Als die SPD bei der Arbeitslosenversicherung den Wünschen der Industrie nicht nachkam, bereitete diese den Bruch der Koalition vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Brünings Dilemma</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Reichspräsident Hindenburg ernannte im März 1930 Brüning zum Kanzler. Diese Regierung sollte klar „antimarxistisch“ sein, d.h. gegen SPD, Gewerkschaften und KPD gerichtet. Das Programm der Herrschenden sollte diese Minderheitsregierung mit Notverordnungen durchsetzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die SPD stellte sich am Anfang gegen diese Regierung, aber das änderte sich mit den Wahlergebnissen im September 1930. Die NSDAP war innerhalb von zwei Jahren von 2,6% auf 18,3% angewachsen und damit zweitstärkste Kraft hinter der SPD. Die unbeliebten Maßnahmen von Brüning, wie die Erhöhung der Steuern auf Bier und Benzin sowie die Kürzung der Arbeitslosenversicherung, trugen dazu bei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tatsächlich waren aber SPD und KPD zusammengenommen immer noch stärkste Kraft mit über 47%. Hinzu kamen die mächtigen Gewerkschaften und der SPD oder KPD nahestehende Arbeiter- sowie paramilitärische Organisationen. Der parlamentarische Zerrspiegel verklärte die reale Lage, die Arbeiterbewegung hätte mit Leichtigkeit die drohende faschistische Gefahr besiegen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stattdessen akzeptierte die SPD-Führung Brüning nun als „kleineres Übel“. Sie stimmten nicht für seine Gesetze, aber sie stimmten nicht gegen seine Notverordnungen, um einen Zusammenbruch der Regierung zu vermeiden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Brüning war angetreten, um ohne und gegen die SPD zu regieren. Nun zeigte sich das wahre Dilemma der Herrschenden: Sie konnten nicht mit, aber auch nicht ohne die SPD die nötigen Angriffe umsetzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Instabile Zwischenregime</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Brünings Regierung sowie die nachfolgenden bonapartistischen Regierungen von Papen und Schleicher ab 1932 besaßen immer weniger Rückendeckung. Notverordnungen konnten durch das Parlament ausgesetzt werden, während mit jeder Wahl die Opposition an den Rändern größer wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dies war ein äußerst instabiles Regime, das sich auf die Feindschaft zweier Lager – Arbeiterbewegung und Faschisten – stützte. Hätte die Clique um Brüning den Staatsapparat gegen die Nazis eingesetzt, so hätte sie diesen gespalten, da viele Polizisten und Soldaten mit den Nazis sympathisierten. Außerdem hätte die SPD Brüning ohne Nazis gar nicht erst toleriert. Gegen die starken Arbeiterorganisationen brauchte die Clique die Nazis. Aber ohne Arbeiterorganisationen hätte nichts die Nazis aufgehalten. Brüning, Papen und Schleicher konnten nur regieren, weil es noch nicht zu einem wirklichen Kräftemessen zwischen Nazis und Arbeiterbewegung gekommen war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Großbourgeoisie war sich in der Frage der Lösung noch uneinig. Trotzki erklärte: „Die sozialdemokratische Therapie stößt einen Teil der Großbourgeoisie wegen der Unbestimmtheit ihrer Ergebnisse und des Risikos allzugroßer Unkosten zurück (Steuer, soziale Gesetzgebung, Arbeitslohn usw.). Der chirurgische Eingriff der Faschisten erscheint dem anderen Teil als der Lage nicht entsprechend und allzu riskant.“ Die Nutzung der Nazis brachte die Gefahr, einen Bürgerkrieg auszulösen, der auch zum Sieg einer sozialistischen Revolution hätte führen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Zwischenregime waren der Versuch einen Weg zu finden, der die Kosten der Sozialdemokratie einerseits und das Risiko eines langwierigen Bürgerkriegs andererseits vermied.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die SPD hielt weiterhin an der „kleineren Übel“-Strategie fest. Bei der Reichspräsidentenwahl im Frühjahr 1932 unterstützte sie den Erzreaktionär Hindenburg gegen Hitler. 1925 war Hindenburg das größere Übel gewesen, jetzt sei er verfassungstreu und würde den Weg für Hitler versperren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Juni 1932 fiel Brüning in Ungnade und wurde durch Papen ersetzt. Dieser ging offener gegen die Arbeiterbewegung vor und entmachtete im Juli die SPD-Regierung in Preußen. Die SPD hielt trotz des Drangs der Mitglieder ihre Füße still. Die KPD versuchte mit einem Aufruf zum Generalstreik, die SPD-Arbeiter zu erreichen. Erfolglos, denn dieser konnte die Sozialfaschismus-Politik nicht wettmachen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der drohende Bürgerkrieg rückte immer näher heran. Die Angst vor dem Bolschewismus in den herrschenden Klassen stieg weltweit. Papen und später Schleicher drängten auf eine Verfassungsänderung, um besser durchregieren zu können. Aber die Reichswehr berechnete in einem Planspiel, dass sie gegen die darauffolgenden Unruhen verlieren würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Angst der Herrschenden: Wie lange wird die SPD ihre Mitgliedschaft zurückhalten können, die gerade wegen des Aufstiegs der Nazis immer unruhiger wird und in bedrohlichem Maß zur KPD überläuft? Wie lange wird die Spaltung zwischen SPD und KPD noch bestehen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Dezember 1932 wurde Schleicher zum Reichskanzler ernannt und scheiterte beim letzten Manöver, mit den Gewerkschaften und „linken“ Nazis wie Gregor Strasser zusammenzuarbeiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Weg von Brüning, Papen, Schleicher und auch der SPD war eine Sackgasse. Alle hatten ihre Hoffnung auf eine Stabilität bringende wirtschaftliche Verbesserung gesetzt. Als diese nicht eintrat, waren sie entblößt.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Machtübertragung an Hitler</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Gesamtheit der Großbourgeoisie wurde der einzige Ausweg immer deutlicher: Es brauchte eine Kraft mit Massenanhang, die sicherstellte, dass der drohende Bürgerkrieg zu ihren Gunsten ausgeht, die also die Arbeiterorganisationen zerschlagen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau dies versprach ihnen Hitlers faschistische Bewegung. Er überzeugte sie, dass er fest auf dem Boden des Privateigentums steht und der nationale „Sozialismus“ nur ein Schein ist. Das Mussolini-Regime zeigte, dass das Vorhaben möglich war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Letztlich erwirkten die Unternehmen, dass Hindenburg die Kanzlerschaft im Januar 1933 an Hitler übertrug. Die legale Machtübertragung war die perfekte Deckung für den faschistischen Staatsstreich. Ihre Position im Staatsapparat konnten die Nazis geschickt nutzen, um die SA in den Staat einzugliedern und gegen KPD und SPD vorzugehen. Die SPD-Führung gab kampflos auf, weil sie sich stets davor gefürchtet hatte, die Arbeitermassen zu mobilisieren und die Kontrolle zu verlieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bürgerlicher Parlamentarismus und Faschismus sind Herrschaftsformen des Kapitals. Zwar gaben die Herrschenden ihre politische Macht an Hitler ab, aber dieser setzte umso besser die Interessen des deutschen Imperialismus um. Durch die Vernichtung der Arbeiterorganisationen und Ermordung von unzähligen Sozialisten und Kommunisten konnten die Kapitalisten ungehindert ihr Kürzungsprogramm und einen neuen imperialistischen Eroberungskrieg umsetzen. Unzählige Gräueltaten folgten.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Nur wer kämpft, kann gewinnen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Statt die Kräfte der Arbeiterklasse einzusetzen, setzte die SPD-Führung stets auf den Klassenkompromiss der Weimarer Republik: Wir beruhigen die Arbeiter und das Kapital gewährt dafür Reformen. Sie hofften im Kampf gegen die Nazis auf Staat, Gesetz, Reichswehr und Polizei. Man wolle die Nazis nicht provozieren und durch Massenmobilisierung die Situation weiter destabilisieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die SPD-Führung glaubte, die Arbeiterklasse sei zu schwach. Aber in Wahrheit war sie nur aufgrund der Schwäche ihrer reformistischen Führung desorientiert und entmutigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Reformisten fürchteten den Bürgerkrieg, aber im Keim steckte er schon in jedem Übergriff durch SA und SS. Die SPD hätte gemeinsam mit der KPD die Nazi-Banden physisch zerschlagen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Haupthindernis im Kampf gegen den Faschismus war die lähmende reformistische Führung. Es wäre die Aufgabe der KPD gewesen, diese zu überwinden. Mit einer korrekt ausgeführten Einheitsfrontpolitik hätte sie den SPD-Arbeitern die Schwäche ihrer Führung aufzeigen können. Stattdessen stützte die KPD-Führung die SPD-Führung von links, weil sie mit ihrer Sozialfaschismus-Politik selbst zur Spaltung der Arbeiterbewegung beitrug.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hätten SPD und KPD die Arbeiter mobilisiert, dann hätte die Arbeiterklasse ihre reale Macht erkannt und wäre mit Riesenschritten auf die sozialistische Revolution zumarschiert. Das wäre der einzig progressive Ausweg aus der Krise der Weimarer Demokratie gewesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weil heute SPD und Linkspartei die Angriffe des Kapitals stets unterstützten, ermöglichten sie den Aufstieg der AfD. Nun, wo die AfD eine ernstzunehmende Kraft ist, wollen sie dieselbe Politik unter dem Banner „Verteidigung der Demokratie“ fortführen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer die AfD bekämpfen will, der braucht stattdessen Klassenkampf. Der Reformismus ist auch heute das Haupthindernis. Weil die kapitalistische Demokratie der Arbeiterklasse nur noch Elend erlaubt, braucht es die Mobilisierung der Arbeiterbewegung mit einem unabhängigen Klassenprogramm, um sie durch den Sozialismus zu ersetzen.</p>
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		<title>Linkspartei: Droht der Faschismus? </title>
		<link>https://derkommunist.de/linkspartei-droht-der-faschismus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Adam Czaplinski]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 05 Jul 2025 06:00:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Weltgeschehen]]></category>
		<category><![CDATA[Die Linke]]></category>
		<category><![CDATA[Faschismus]]></category>
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<p class="wp-block-paragraph">In seiner kürzlich veröffentlichten Analyse „Faschistisches Momentum und linker Hoffnungsschimmer“ kommt Janis Ehling, Bundesgeschäftsführer der Linkspartei, zu einer dramatischen Warnung: Die rechten Demagogen vom Range Trump, AfD und Co. könnten in den nächsten Jahrzehnten den Faschismus errichten. Hinter ihrem Aufstieg stehe laut Ehling eine „gesellschaftliche Blockade“ und ein „konservativer Zeitgeist“. Was steckt hinter Ehlings Sorge? </p>

<h3><strong>„Gesellschaftliche Blockade“</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Ehling stellt zutreffend fest, dass die tiefe Krise des Kapitalismus stabile Regierungskoalitionen erschwert. Seine Diagnose einer „gesellschaftlichen Blockade“ ist jedoch übertrieben. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Trotz der Krise ist die herrschende Klasse weiterhin in der Lage, ihre Geschäfte durch die bestehenden Institutionen – Parlament, Gerichte, Polizei – abzuwickeln. Nach Trump oder dem Scheitern der Ampel sahen die Herrschenden keinen Anlass, eine Diktatur zu errichten, weil der parlamentarische Betrieb nach wie vor funktioniert, wenn auch mit zunehmender Instabilität. Ehling verwechselt den Anfang eines Prozesses mit seinem vermeintlichen Ende. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Weil Ehling die Gesellschaft nicht aus einer proletarischen Klassenperspektive betrachtet, sondern den bürgerlichen Blickwinkel übernimmt, analysiert er von oben: vom Standpunkt des Parlaments, der Koalitionen oder der Wahlumfragen. Spricht er von einer allgemeinen Blockade der Gesellschaft, müsste er nämlich erklären, warum die Arbeiterklasse blockiert sei. Das tut er nicht. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Dabei erleben wir in den letzten Jahren eine spürbare Zunahme an Klassenkämpfen: wachsende gewerkschaftliche Organisierung, steigender Druck auf die sozialpartnerschaftliche Gewerkschaftsführung sowie eine Zunahme sozialer Bewegungen und ihrer Radikalität, etwa bei Fridays for Future oder in der Palästinabewegung. All das sind Anzeichen eines gesellschaftlichen Aufbruchs, nicht einer Lähmung. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Zugleich entlädt sich die gesellschaftliche Wut auch in der Unterstützung von Kräften wie der AfD oder Trump. Ehling erkennt zwar den reaktionären Kern ihrer Programme, bleibt jedoch die Erklärung schuldig, warum sich diese Wut nicht in der Linkspartei ausdrückt. Der Grund liegt in der Rolle der Führung und des Programms seiner Partei, welche Ehling ausklammert. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Linkspartei hätte diese Wut aufgreifen, die Protestbewegungen mit der Klassenfrage verbinden und ein revolutionäres Programm vorantreiben können. Stattdessen begnügte sie sich mit parlamentarischem Betrieb, trug in der Regierung Sparpolitik mit und bot keine klassenkämpferische Perspektive. So wurde sie zum linken Feigenblatt des Establishments. In diesem Vakuum konnten die Rechten aufsteigen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Wenn überhaupt von einer Blockade der Arbeiterklasse gesprochen werden kann, dann nur im Hinblick auf die bremsende Rolle ihrer Führung. </p>

<h3><strong>„Faschisierung“</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Weil Ehling das Verhältnis zwischen Arbeiterklasse und Führung ignoriert, erscheint ihm die Ablehnung von Identitätspolitik und „Wokeness“ als Ausdruck eines „konservativen Zeitgeists“ oder gar einer „Faschisierung der Mitte“. Innerhalb seiner Logik wirkt das plausibel: Wenn sich die Massen nicht nach links wenden, dann müsse eine unsichtbare Macht sie nach rechts treiben. Damit mystifiziert Ehling gesellschaftliche Entwicklungen zu Naturphänomenen, die außerhalb unserer Kontrolle stehen würden. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Er übersieht, dass Identitätspolitik gerade in Zeiten von Sparpolitik vom Establishment gefördert wurde und viele sie deshalb mit Heuchelei und ihrer eigenen Verarmung verbinden. Wir erleben keine Faschisierung der Mitte, sondern eine Polarisierung der Gesellschaft. Diese äußert sich im Aufstieg von demagogischen Anti-Establishment-Kräften, deren Programm jedoch reaktionär ist. Die widersprüchliche Erscheinung dieser Kräfte lässt sich nicht mit starren Begriffen wie „links“ oder „rechts“ erklären, wie Ehling es versucht. </p>

<h3><strong>Repressionen</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Zentral für Ehlings Analyse ist sein Staatsverständnis. Weil er sich nicht der marxistischen Methode bedient, übernimmt er das bürgerliche Bild vom Staat. Dieser erscheint bei ihm als neutraler Schiedsrichter zwischen den Klassen und als Garant abstrakter Ideale wie Freiheit und Gerechtigkeit. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Daher seine zentrale Sorge: Rechte wie Trump könnten durch zunehmende Repressionen die liberale Demokratie aushöhlen und letztlich abschaffen. Trump sei bereits ein Bonapartist, regiere angeblich per Dekret und ignoriere das Parlament. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Zwar ist es richtig, dass Trump massive Repressionen gegen Migranten, Palästina-Aktivisten und andere umsetzt. Doch Ehling setzt Repression willkürlich mit einer qualitativen Veränderung des Staatscharakters gleich. Der Staat ist kein neutrales Instrument, sondern ein Apparat zur Aufrechterhaltung der kapitalistischen Ordnung, notfalls auch mit autoritären Mitteln. Repression ist kein Ausnahmefall, sondern fester Bestandteil jeder bürgerlichen Demokratie. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Trumps Abschiebeoffensive ist zweifellos undemokratisch. Doch unter seinem demokratischen Vorgänger Biden wurden mehr Menschen abgeschoben als in Trumps erster Amtszeit. Auch unter Scholz kam es zu Polizeigewalt, Demonstrationsverboten und politisch motivierten Prozessen gegen Palästina-Aktivisten. Ehling müsste erklären, wodurch sich diese Repressionen qualitativ von denen der Rechten unterscheiden. </p>
<h3></h3>
<h3><strong>Angst vor der Arbeiterklasse</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Trump führt keine starke Regierung, die mit nackter Gewalt regiert. Seine Macht beruht vor allem auf dem demagogischen Appell an die Arbeiter. Die Rechten versprechen eine Rückkehr zu den „guten alten Zeiten“ mit stabilen Arbeitsplätzen und hohem Lebensstandard. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Im Rahmen der kapitalistischen Krise wird sich zeigen, dass sie dieses Versprechen nicht einlösen können. Die Quadratur des Kreises – Steuergeschenke an Reiche bei gleichzeitiger Verbesserung des Lebensstandards der Massen – ist unmöglich. An dem Punkt, an dem diese Politik scheitert, wird die Stimmung, die sie an die Macht gebracht hat, in ihr Gegenteil umschlagen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Erst kürzlich zeigte Trumps Kriegsbeteiligung im Israel-Iran-Konflikt, dass seine Anhängerschaft keineswegs blind folgt. Die Möglichkeit eines neuen Krieges drohte seine Unterstützerbasis durch die Mitte zu spalten. </p>

<p class="wp-block-paragraph"> Um eine Diktatur zu errichten, müssten die Herrschenden in einen offenen Kampf gegen die Organisationen der Arbeiterklasse treten. Weil die Arbeiterklasse aber über beträchtliche Kraftreserven verfügt, kann sich die herrschende Klasse solche Schritte nicht leisten. Die Mehrheit hat sich bisher noch nicht an Streiks und Bewegungen beteiligt – wegen der bremsenden Rolle der reformistischen Führungen, die jede konsequente Bewegung gegen die Regierung und den Kapitalismus fürchten und zurückhalten. Darauf ist die Kapitalistenklasse angewiesen, um ihre Herrschaft zu sichern. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Selbst wenn Trump diktatorische Ambitionen hätte, so wäre deren Umsetzung nicht seine individuelle Entscheidung. Sowas hängt vom Kräfteverhältnis zwischen den Klassen und vom Klassenkampf ab. Die Arbeiterklasse ist heute zu mächtig. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Das heißt nicht, dass bonapartistische Regime unmöglich sind. Wenn es der Arbeiterklasse nicht gelingt, die Macht zu erobern und der offene Klassenkampf in eine Sackgasse gerät, werden sich in der Zukunft die Bedingungen dafür herausbilden. Doch heute sind sie nicht gegeben. Wer jetzt das Gespenst von Bonapartismus oder Faschismus heraufbeschwört, ignoriert die reale Dynamik des Klassenkampfs und dessen unmittelbare Perspektiven. </p>

<h3><strong>Lösung der Linkspartei</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Aus seiner falschen Analyse von Rechten, Staat und Klassenkampf zieht Ehling auch falsche Schlussfolgerungen. Seine Lösung besteht darin, durch Sozialreformen und die Verteidigung der liberalen Demokratie den Rechten den Wind aus den Segeln zu nehmen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Der Forderungskatalog der Linkspartei ist nicht falsch: Mieten runter, Löhne hoch, Investitionen in Soziales. Auf parlamentarischen Wegen ist dies jedoch nicht erreichbar. Das Scheitern von „Deutsche Wohnen und Co. enteignen“ trotz Mehrheit beim Volksentscheid 2021 steht sinnbildlich für die Schranken der bürgerlichen Demokratie. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Dass der Staat grundlegende Veränderungen blockiert, zeigt auch die Tatsache, dass die Linkspartei in jeder Landesregierung, an der sie beteiligt war, Sparpolitik mitgetragen hat – entgegen ihren eigenen Versprechen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Was Ehling als „Verteidigung der Demokratie“ bezeichnet, bedeutet konkret die Fortsetzung des bisherigen Kurses: Zusammenarbeit mit bürgerlichen Parteien, um in Regierungsverantwortung zu kommen oder Staatskrisen zu verhindern. Praktisch heißt das: Sparpolitik zulassen. Das stärkt vorläufig die rechten Demagogen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Demokratische Rechte und soziale Verbesserungen können im Kapitalismus nicht dauerhaft gesichert werden. Sie müssen durch Klassenkampf erkämpft und verteidigt werden. Dieser Kampf für Reformen muss stets mit dem Ziel verbunden werden, den Kapitalismus zu stürzen und den Sozialismus aufzubauen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Eine Partei, die diesen Kampf führen will, muss Vertrauen in die Fähigkeit der Arbeiterklasse haben, die Gesellschaft zu verändern. Der Linkspartei fehlt das, weil sie sich nicht auf den Marxismus stützt. </p>
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		<title>Eine marxistische Analyse von Donald Trump</title>
		<link>https://derkommunist.de/eine-marxistische-analyse-von-donald-trump/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alan Woods]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 22 Mar 2025 11:04:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Nordamerika]]></category>
		<category><![CDATA[Faschismus]]></category>
		<category><![CDATA[Imperialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Leitartikel]]></category>
		<category><![CDATA[Militarismus]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
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<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p class="wp-block-paragraph">Ein Gespenst geht um in Europa. Ein schreckliches Phänomen, als wäre es durch schwarze Magie aus der finstersten Hölle heraufbeschworen worden und plötzlich aufgetaucht, um die guten Menschen auf dieser Erde zu plagen und zu martern, sie um den Schlaf zu bringen und ihre Albträume in Besitz zu nehmen.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Das Schlimmste daran ist, dass es scheinbar niemand erklären kann. Es stellt sich dar wie eine unaufhaltsame, alles hinwegfegende Naturgewalt. In erstaunlich kurzer Zeit ist es ihm gelungen, das wohlhabendste und mächtigste Land der Erde unter seine Kontrolle zu bringen.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Die vereinten Kräfte des Großen und Schönen, all die Verteidiger der „regelbasierten Weltordnung“, die Schutzpatrone von Apfelkuchen und Mutterfreuden haben sich zum Sieg über dieses Ungeheuer der Ungerechtigkeit verbündet.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Unsere wunderbare freie Presse – jeder weiß, sie ist die größte Vorkämpferin der Meinungsfreiheit – zog wie ein Mann in den hehren Kampf um Demokratie, Freiheit, Recht und Ordnung.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Alle sind sie gescheitert.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Dieses Gespenst heißt Donald J. Trump.</p>
<p> </p>
<h3 class="wp-block-heading"><strong>Panik</strong></h3>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Der völlige intellektuelle Bankrott der herrschenden Klasse offenbart sich in der gänzlichen Unfähigkeit der Kapitalstrategen, die gegenwärtige Lage zu begreifen, geschweige denn zufriedenstellend einzuschätzen, was in Zukunft passieren wird.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Dieser geistige Niedergang hat in den führenden Politikern Europas seinen Tiefpunkt erreicht. Sie haben diesen einst mächtigen Kontinent in den wirtschaftlichen, kulturellen und militärischen Sumpf getrieben und ihn völlig hilflos gemacht.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Nachdem sie über Jahrzehnte alles für den Vorteil des US-Imperialismus geopfert und sich an die Demütigung gewohnt hatten, Washingtons unterwürfige Lakaien zu sein, wurden sie nun von ihren ehemaligen Verbündeten im Stich gelassen und müssen selbst schauen, wo sie bleiben.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Die Niederlage in der Ukraine und der Zusammenbruch ihrer absurden Träumereien von einem vernichtenden Sieg über Russland haben ihre Dummheit nun völlig zur Schau gestellt. Jetzt sind sie mit einem mächtigen und erstarkten Russland konfrontiert, einer riesigen Armee, mit modernsten Waffen bis an die Zähne bewaffnet und durch jahrelange Kampferfahrung gestählt.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">In dieser kritischen Situation hat die Macht sie verlassen, die sie verteidigen sollte. Wie kopflose Hühner laufen sie umher und überstürzen sich in der Hast, ihre unerschütterliche Unterstützung für Wolodymyr Selenskyj zu beteuern.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Sie schimpfen und wüten gegen den Mann im Weißen Haus, den sie allein für die Katastrophe verantwortlich machen, die sie plötzlich ereilt hat.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Doch diese ganze Hysterie drückt nur ihre Panik aus – und diese wiederum die tiefsitzende, nackte Angst. Hinter der trotzigen Fassade sind diese Führer vor Angst erstarrt wie Kaninchen im Scheinwerferlicht.</p>
<p> </p>
<h3 class="wp-block-heading">Und warum?</h3>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Wenn wir das Klagelied aus Empörung und Beschimpfungen kurz ausblenden und uns fragen, was das alles bedeutet, so zeichnen sich im dichten Nebel der Medienhysterie bald die verschwommenen Umrisse der Wahrheit ab.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Für jeden, der auch nur halbwegs bei Verstand ist, ist es offensichtlich, dass eine so gewaltige Krise nicht das Werk eines einzelnen Mensch sein kann, selbst wenn er über übermenschliche Kräfte verfügen würde. Diese „Erklärung“ erklärt nichts und gehört eher in das düstere Reich der Dämonologie als in eine politische Analyse.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">In apokalyptischen Tönen beschwört uns der <a href="https://www.theguardian.com/commentisfree/2024/nov/06/us-election-donald-trump-new-world-order">Guardian</a>:</p>
<p> </p>
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Ob wir es wollen oder nicht, wird Trump die globale Agenda verändern. Der Kampf gegen den Klimawandel wird einen schweren Rückschlag erleiden, die internationalen Beziehungen werden kuhhändlerischer werden, der Kampf der Ukraine gegen den russischen Aggressor könnte verraten werden und Taiwan wird in den Lauf einer chinesische Waffe blicken. Überall werden liberale Demokratien, auch Großbritannien, von ihren eigenen Trump-Imitatoren unter Druck gesetzt werden, angetrieben von wahrheitsverachtenden sozialen Medien.</p>
 
<p class="wp-block-paragraph">Die amerikanischen Wähler haben diese Woche etwas Schreckliches und Unverzeichliches getan. Scheuen wir uns nicht, zu sagen: Sie haben sich von der gemeinsamen Ethik und den Regeln abgewandt, die die Welt seit 1945 – im Großen und Ganzen – zum Besseren geprägt haben. Die Amerikaner sind zu dem Schluss gekommen, dass Trump nicht „weird“ ist, wie vorübergehend Mode war, zu behaupten, sondern Mainstream. Die Wähler sind am Dienstag zur Wahl gegangen und haben weird gewählt. Die Amerikaner müssen mit den Konsequenzen leben.“ (<em>The Guardian</em>, 6. November 2024)</p>
</blockquote>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Na, wenn das so ist. Der <em>Guardian</em>, jener abscheulichste, schamloseste Ausdruck liberaler Heuchelei, gibt den Amerikanern die Schuld – sie haben die unverzeihliche Sünde begangen, in einer freien und fairen Wahl für einen Kandidaten zu stimmen, der ihm nicht gefällt.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Und wie erklärt man diesen empörenden Regelverstoß? Der <em>Guardian</em> teilt uns völlig unironisch mit, dass es an der „Weirdness“ des amerikanischen Volkes liege. „Weird“, also komisch, ist anscheinend alles, was mit den Vorurteilen der Redaktion des <em>Guardian</em> nicht übereinstimmt.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Was sie wirklich meinen, ist, dass die amerikanischen Wähler – Millionen gewöhnlicher Arbeiterinnen und Arbeiter – eigentlich nicht befähigt sind, ihr Wahlrecht auszuüben, weil sie eben organisch „weird“ sind.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Das heißt einfach, dass alle Amerikaner von Natur aus zum Rassismus, zum Hass auf Minderheiten und zu einem unverständlichen Widerwillen gegen die Prinzipien des bürgerlichen Liberalismus neigen. Deswegen haben sie eine natürliche Abneigung gegen die Demokratie und eine Neigung zum Faschismus, den eben Donald Trump repräsentiert.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Aber woher kommt diese Weirdness? Waren dieselben amerikanischen Wähler auch „weird“, als sie für Joe Biden oder Obama stimmten? Offenbar waren sie damals absolut zurechnungsfähig. Was hat sich also geändert?</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Das wirklich Komische ist hier nicht das Benehmen der amerikanischen Wähler, deren Entscheidungen durchaus rational und leicht nachvollziehbar sind, sondern die geistigen Verrenkungen dieser erbärmlichen, kleinbürgerlichen, liberalen Schmierfinkenbande, deren Bekenntnis zur Demokratie exakt an dem Punkt endet, wo die Wähler sich „falsch“ entscheiden.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Ihre Vorstellung von Demokratie – nämlich, dass Wahlen nur dann akzeptabel sind, wenn dabei Kandidaten herauskommen, die wir gut finden – erscheint mir dann doch eher „weird“. Sie wurde allerdings eindrucksvoll bestätigt, als vor Kurzem <a href="https://marxist.com/romanian-establishment-annuls-election.htm">das Ergebnis der Präsidentschaftswahl in Rumänien anulliert wurde</a>, weil die Behörden einfach unglücklich damit waren, dass in der ersten Wahlrunde ein Kandidat gewonnen hatte, mit dem sie unzufrieden waren: Călin Georgescu. Zur Sicherheit wurde ihm dann gleich verboten, an der Wahlwiederholung teilzunehmen, die im Mai stattfindet.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Diese Maßnahmen wurden von der EU-Führung in Brüssel vollständig unterstützt. Und es besteht kein Zweifel, dass <em>The Guardian</em> die Annullierung der Wahl mit Begeisterung gefeiert hat. Offenbar ist das die Methode, um Wahlsiege von Leuten wie Donald Trump zu verhindern!</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Hurra! Dreifaches Hoch auf die Demokratie!</p>
<p> </p>
<h3 class="wp-block-heading"><strong>Der Faschismus ist da!</strong></h3>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Von Anfang an starteten die Medien eine laute Kampagne, um Trump als Faschisten darzustellen. Hier ein paar zufällig ausgewählte Beispiele aus der Presse:</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.lemonde.fr/en/opinion/article/2025/03/02/trump-s-first-weeks-as-president-have-been-enough-to-give-the-nightmare-of-america-s-turn-to-fascism-a-feeling-of-reality_6738723_23.html"><em>Le Monde</em></a><em>: </em>„Trumps erste Wochen als Präsident reichten aus, um dem Albtraum eines faschistischen Amerikas eine beängstigende Realität zu verleihen.“</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.newstatesman.com/international-politics/2025/01/can-the-united-states-resist-fascism"><em>New Statesman</em></a>: „Können die Vereinigten Staaten dem Faschismus widerstehen?“</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.newyorker.com/magazine/dispatches/what-does-it-mean-that-donald-trump-is-a-fascist"><em>The New Yorker</em></a>: „Was bedeutet es, dass Donald Trump ein Faschist ist?“</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.theguardian.com/commentisfree/2025/jan/24/trump-fascism-what-to-do"><em>The Guardian</em></a>: „Trumps Neofaschismus ist da. Hier sind zehn Dinge, die du tun kannst, um ihn zu bekämpfen.“</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Auch allerlei Establishment-Figuren äußerten sich in ähnlicher Weise. Mark Milley, ein pensionierter US-Armeegeneral und ehemaliger Vorsitzender der Vereinigten Stabschefs, gab eine <a href="https://www.theguardian.com/us-news/2024/oct/11/bob-woodward-book-mark-milley-trump">düstere Warnung an die USA</a> heraus: „Er ist der gefährlichste Mensch aller Zeiten. Ich hatte schon den Verdacht, als ich mit dir über seinen geistigen Verfall sprach, aber jetzt wird mir klar: Er ist ein totaler Faschist. Er ist jetzt die größte Bedrohung für dieses Land.“</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Kamala Harris <a href="https://www.bbc.co.uk/news/articles/c1dp7xnyr51o">stimmte zu</a>, dass Trump ein Faschist sei, während sich Joe Biden immerhin darauf beschränkte, ihn als „<a href="https://www.politico.com/news/2022/08/25/biden-trump-philosophy-semi-fascism-00053831">halbfaschistisch</a>“ zu bezeichnen. Trotzdem hat er wiederholt gewarnt, dass Trump eine Gefahr für die Demokratie darstelle – eine Meinung, die viele teilen, darunter der Generalstaatsanwalt von Arizona, der zu dem Schluss kommt: „Wir stehen an der Schwelle einer Diktatur.“</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Anthony Scaramucci, der kurze Zeit für Trump als Pressesprecher des Weißen Hauses arbeitete, <a href="https://www.youtube.com/watch?v=7nC3UGUy7NU&amp;ab_channel=TheRestIsPolitics">brachte es noch direkter auf den Punkt</a>: „Er ist ein verdammter Faschist. Der Fascho aller Faschos.“</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Wie zu erwarten, haben sich auch zahlreiche prominente Figuren der „Linken“ diesem Chor angeschlossen. Alexandria Ocasio-Cortez (die oft als „sozialistische“ Demokratin präsentiert wird) <a href="https://www.instagram.com/seanhannity/reel/DFDkCsOsGmo/?locale=zh_tw&amp;hl=ar">klagt</a>: „Wir stehen am Vorabend einer autoritären Regierung. So sieht der Faschismus des 21. Jahrhunderts aus.“</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Und so setzt sich die ermüdende Litanei Tag für Tag endlos fort. Die Absicht ist offensichtlich: Durch ständige Wiederholung soll die Idee als Wahrheit etabliert werden. Diese gewaltigen Heißluftwolken erzeugen viel Hitze – aber kaum Licht.</p>
<p> </p>
<h3 class="wp-block-heading"><strong>Was ist Faschismus?</strong></h3>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Offensichtlich wird hier der Begriff „Faschismus“ nicht als wissenschaftliche Definition, sondern mehr als vulgäre Beschimpfung eingesetzt, als Ersatz für Wörter wie „Drecksack“ oder dergleichen.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Solche Beleidigungen mögen kurzfristig dabei helfen, Frust abzubauen. Man schimpft über eine Person, die einem nicht passt, fühlt sich danach erleichtert und geht zufrieden nach Hause, in dem Glauben, einen grandiosen politischen Schlag gegen den Feind gelandet und die Sache der Freiheit irgendwie weitergebracht zu haben.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Leider sind solche Siege praktisch ziemlich nutzlos. Dieser terminologische Radikalismus ist lediglich Ausdruck hilfloser Wut. Wenn man dem verhassten Feind in Wirklichkeit nichts anhaben kann, beglückwünscht man sich eben dafür, dass man ihn aus sicherer Entfernung beleidigt hat.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Wer echte Kämpfe gegen echte Feinde führen will, anstatt wie Don Quijote vor Windmühlen herumzufuchteln, braucht andere, ernstzunehmendere Mittel. Die erste Voraussetzung für einen Kommunisten ist eine präzise, wissenschaftliche Analysemethode.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Der Marxismus ist eine Wissenschaft. Und wie jede Wissenschaft hat er eine exakte Terminologie. Begriffe wie „Faschismus“ oder „Bonapartismus“ haben (für uns jedenfalls) eine klare Definition. Sie sind nicht einfach nur Schimpfwörter oder Etiketten, mit denen man beliebig jeden bekleben kann, der einem nicht passt.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Beginnen wir also mit einer präzisen Faschismusdefinition. Im marxistischen Sinne ist Faschismus eine konterrevolutionäre Massenbewegung, die sich vor allem aus dem Lumpenproletariat und dem wütenden Kleinbürgertum zusammensetzt. Er dient als Rammbock, um die Arbeiterklasse zu zerschlagen und zu vereinzeln und einen totalitären Staat zu errichten, in dem die Bourgeoisie die Staatsmacht an eine faschistische Bürokratie überträgt.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Das zentrale Merkmal eines faschistischen Staates ist eine extreme Zentralisierung der Macht. Die Banken und großen Konzerne bleiben unangetastet, stehen aber unter der Kontrolle eines mächtigen faschistischen Verwaltungsapparats. Im <a href="https://www.marxists.org/archive/trotsky/germany/1933/330610.htm"><em>Porträt des Nationalsozialismus</em></a> beschreibt Trotzki diesen Mechanismus so:</p>
<p> </p>
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Der deutsche wie der italienische Faschismus stiegen zur Macht über den Rücken des Kleinbürgertums, das sie zu einem Rammbock gegen die Arbeiterklasse und die Einrichtungen der Demokratie zusammenpreßten. Aber der Faschismus, einmal an der Macht, ist alles andere als eine Regierung des Kleinbürgertums. Im Gegenteil: Er ist die gnadenloseste Diktatur des Monopolkapitals.“</p>
</blockquote>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Das sind die Grundzüge des Faschismus. Und wie passt das zum Trump-Phänomen? Wir haben bereits eine komplette Trump-Regierung erlebt. Die Demokraten und das liberale Establishment warnten damals lautstark, dass er die Demokratie abschaffen werde. Das ist nicht passiert.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Es gab keine systematische Unterdrückung von Streiks oder Demonstrationen und erst recht keine Abschaffung der Gewerkschaften. Es fanden weiterhin reguläre Wahlen statt, und am Ende – wenn auch unter lautstarkem Protest – wurde Trump in einem Wahlprozess von Joe Biden abgelöst. Was auch immer man über Trumps erste Amtszeit sagen mag – mit Faschismus hatte sie nichts zu tun.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Der eigentliche Angriff auf die Demokratie kam vielmehr von Biden und den Demokraten, die mit allen Mitteln versuchten, Trump politisch zu erledigen. Der gesamte Jutizapparaat wurde mobilisiert, um ihn mit unzähligen Anklagen vor Gericht zu bringen, um ihm um jeden Preis einen Schuldspruch anzuhängen, ihn sicher hinter Gittern zu verwahren und ihn so davon abzuhalten, sich erneut um das Präsidentenamt zu bewerben.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Die gesamte Medienlandschaft wurde mobilisiert, um ihn systematisch zu diffamieren. Das erzeugte ein Klima, in dem mindestens zwei Mordanschläge auf ihn verübt wurden. Dass Trump nur knapp einem Attentat entgangen ist (und das typisch für ihn als „göttliche Fügung“ darstellte), war letztlich reiner Zufall.</p>
<p> </p>
<h3 class="wp-block-heading"><strong>Eine reaktionäre Utopie</strong></h3>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Die Ideologie des Trumpismus – soweit sie überhaupt existiert – hat mit Faschismus herzlich wenig zu tun. Trump ist nicht für einen starken Staat, sondern träumt von einem entfesselten freien Markt, in dem der Staat keine oder nur eine minimale Rolle spielt.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Sein Programm ist der Versuch, zu den wirtschaftspolitischen Vorstellungen von Roosevelt zurückzukehren – allerdings nicht zu Franklin Delano Roosevelt, dem Architekten des New Deal, sondern zu Theodore Roosevelt, der bereits vor dem Ersten Weltkrieg Präsident war.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Am 10. Januar schrieb <a href="https://www.lemonde.fr/en/international/article/2025/01/10/trump-revives-imperialism-a-la-teddy-roosevelt_6736920_4.html"><em>Le Monde</em></a>:</p>
<p> </p>
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Es liegt ein Hauch von Déjà-vu in der Luft. Donald Trump schockierte seine Verbündeten am Dienstag, dem 7. Januar, indem er den Einsatz militärischer Gewalt zur Rückeroberung des Panamakanals oder den Kauf Grönlands nicht ausschloss. Mit diesem Bluff belebt der designierte Präsident die alte Tradition des US-Imperialismus zur Jahrhundertwende wieder.</p>
</blockquote>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Die ‚goldene Ära‘, die nach dem Bürgerkrieg begann, ist Trumps Traum: eine Zeit der Anhäufung kolossaler Vermögen, allgegenwärtiger Korruption und protektionistischer Zölle, die die amerikanische Industrie schützten – eine Zeit ohne Einkommenssteuer.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Vor allem aber war es eine Epoche des Imperialismus, um die US-Hegemonie über die westliche Hemisphäre zu sichern. In dieser Zeit kauften die USA Alaska von den Russen (1867), marschierten in Kuba, Puerto Rico und den Philippinen ein – 1898 ‚befreit‘ vom spanischen Kolonialismus – und begannen mit dem Bau des Panamakanals, der 1914 fertiggestellt wurde.“</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Mit anderen Worten: Trump will die Uhr um hundert Jahre zurückdrehen, in eine imaginäre Vergangenheit, eine Amerika-Version von vor dem Ersten Weltkrieg. Ein Amerika, in dem ein ungebremster Kapitalismus florierte, Gewinne explodierten, freie Unternehmen ungestört expandierten und der Staat sich nicht einmischte. Eine Zeit, in der sich die USA nach Belieben in Mexiko, Panama und der gesamten westlichen Hemisphäre austoben konnten und den gebrechlichen spanischen Kolonialismus aus Kuba vertrieben, um es anschließend in eine amerikanische Kolonie zu verwandeln.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Davon kann man halten, was man will. Mit dem Faschismus hat dieses Ideal allerdings wenig zu tun. Und diese verklärte Geschichtsauffassung hat keinerlei reale Substanz oder Bezug zur Welt des 21. Jahrhunderts.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Die Ära von Teddy Roosevelt war eine Zeit, in der der Kapitalismus noch nicht sein gesamtes Potential als fortschrittliches Wirtschaftssystem erschöpft hatte. Die USA waren eine aufstrebende, frisch industrialisierte Macht, die in vielerlei Hinsicht bereits den alten europäischen Staaten überlegen war und gerade erst begann, sich als globale Kraft zu behaupten.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Doch seither ist eine ganze Epoche vergangen. Die USA stehen heute vor einem völlig veränderten internen und externen Kräfteverhältnis. Trumps Versuch, die Welt so wiederheruzstellen, wie sie in diesen längst vergangenen Tagen war, ist zum Scheitern verurteilt. Er wird an der veränderten Weltlage und am Kräfteverhältnis innerhalb der US-Klassengesellschaft zerschellen. Sein Programm ist letztlich eine reaktionäre Utopie.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Wir werden auf diese Punkte noch zurückkommen. Doch zunächst müssen wir mit den hysterischen und völlig falschen Versuchen abrechen, die sowohl von links als auch von rechts versuchen, das mysteriöse Phänomen Donald J. Trump zu erklären.</p>
<p> </p>
<h3 class="wp-block-heading"><strong>Eine falsche Methode</strong></h3>
<p> </p>
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Die enorme praktische Bedeutung einer korrekten theoretischen Orientierung zeigt sich am deutlichsten in Zeiten akuter sozialer Konflikte, rascher politischer Verschiebungen und abrupter Veränderungen der Situation … Gerade in solchen Perioden entstehen notwendigerweise alle möglichen Übergangs- und Zwischensituationen und -kombinationen. die gegen die gewohnten Schemata verstoßen und doppelte, scharfe theoretische Aufmerksamkeit erfordern. Kurz gesagt: Wenn man in einer ruhigen, ‚organischen‘ Phase (vor dem Krieg) von den Zinsen einiger fertiger Abstraktionen leben konnte, so bringt uns in unserer Zeit jedes neue Ereignis mit voller Wucht das wichtigste Gesetz der Dialektik bei: Die Wahrheit ist immer konkret.“<br />(<a href="https://www.sozialistischeklassiker2punkt0.de/sites.google.com/site/sozialistischeklassiker2punkt0/trotzki/1934/leo-trotzki-bonapartismus-und-faschismus.html"><em>Bonapartismus und Faschismus</em></a>, Leo Trotzki, 1934)</p>
</blockquote>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Viel zu oft beobachte ich, dass Menschen auf der Linken, wenn sie mit einem neuen Phänomen konfrontiert werden – einem, das sich scheinbar allen bisherigen Normen und Definitionen entzieht –, reflexartig nach Etiketten suchen. Und sobald sie ein passendes Etikett gefunden haben, suchen sie sich die Fakten zusammen, die es bestätigen sollen.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Sie sagen: <em>Ah, ich weiß, was das ist! Das ist Faschismus! Oder Bonapartismus! Oder irgendetwas anderes, das mir gerade einfällt. </em>Das ist eine falsche Methode. Das ist das Gegenteil des dialektischen Materialismus. Und es führt nirgendwohin. Es ist ein Beispiel für bequemes Denken – die Suche nach einer simplen Antwort auf neue und komplexe Fragen.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Statt Klarheit zu schaffen, lenkt diese Methode nur von den eigentlichen Problemen ab. Sie führt zu endlosen und völlig sinnlosen Diskussionen über künstlich eingeführte Fragen, die am Ende nur für mehr Verwirrung sorgen, anstatt die wirklich wichtigen Fragen zu beantworten.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Lenin erklärte in seinen <a href="http://kpd-ml.org/doc/lenin/LW38.pdf"><em>Philosophischen Heften</em></a>, dass das grundlegende Gesetz der Dialektik die absolute Objektivität der Betrachtung sei: „Nicht Beispiele, nicht Abschweifungen, sondern das Ding an sich selbst.“</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Das ist das Wesen der dialektischen Methode. Das Gegenteil der Dialektik ist die Gewohnheit, einer Sache einfach ein Label aufzukleben und sich einzubilden, damit hätte man sie verstanden.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Mein guter Freund John Peterson bemerkte kürzlich zu mir, dass Donald Trump „ein Phänomen“ sei. Ich denke, das trifft es ziemlich genau. Es besteht kein Grund, ihn mit historischen Figuren zu vergleichen. Wir müssen anerkennen, dass Donald Trump einfach Donald Trump ist. Und genau so sollten wir ihn betrachten: ein neues Phänomen, das wir anhand konkreter Fakten analysieren müssen – nicht durch Gemeinplätze.</p>
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<h3 class="wp-block-heading"><strong>Bonapartismus?</strong></h3>
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<p class="wp-block-paragraph">Trotzkis Artikel <em>Bonapartismus und Faschismus</em> liefert eine präzise marxistische Definition von Bonapartismus: „Eine Regierung, die sich über die Nation erhebt, schwebt jedoch nicht in der Luft. Die wahre Achse der gegenwärtigen Regierung verläuft durch die Polizei, die Bürokratie und die militärische Clique. Es handelt sich um eine militärisch-polizeiliche Diktatur, noch leicht bedeckt mit den Dekorationen des Parlamentarismus. Doch eine Regierung des Säbels in der Eigenschaft des Schiedsrichter der Nation, das ist eben Bonapartismus.“</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Das Wesen des Bonapartismus, der in vielen verschiedenen Gewändern auftreten kann, bleibt immer dieselbe: eine Militärdiktatur.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">In <a href="https://www.marxists.org/deutsch/archiv/trotzki/1932/09/01-bonfasch.htm"><em>Deutschland: Der einzige Weg</em></a> erklärt Trotzki, wie der Bonapartismus entsteht: „Sobald der Kampf zweier sozialer Schichten – der Besitzenden und der Besitzlosen, der Ausbeuter und der Ausgebeuteten – seinen höchsten Spannungsgrad erreicht, sind die Bedingungen für die Herrschaft von Bürokratie, Polizei, Soldateska gegeben. Die Regierung wird ‚unabhängig‘ von der Gesellschaft.“</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Das ist unmissverständlich. Aber wie passt das zur aktuellen Lage in den USA? Gar nicht. Machen wir uns nichts vor: Die herrschende Klasse greift nur in letzter Instanz zur Reaktion in der Form des Bonapartismus oder Faschismus. Ist das wirklich die aktuelle Lage? Ja, es gibt erhebliche Spannungen in der amerikanischen Gesellschaft, und sie destabilisieren die bestehende Ordnung ernsthaft.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Aber zu glauben, der Klassenkampf habe bereits die kritische Stufe erreicht, in der die Herrschaft des Kapitals kurz vor dem Sturz steht und der herrschenden Klasse nur noch die Lösung bleibt, einem bonapartistischen Regime die Macht zu übergeben, ist reine Fantasie. Diese Eskalationsstufe haben wir noch nicht einmal annähernd erreicht.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Natürlich kann man in der aktuellen Situation bestimmte Elemente des Bonapartismus ausmachen. Das mag zutreffen. Aber man könnte dasselbe über fast jedes moderne bürgerlich-demokratische Regime sagen.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Im „demokratischen“ Großbritannien unter Tony Blair verlagerte sich die Macht faktisch vom Parlament ins Kabinett – und von dort in die Hände einer kleinen Clique von nicht gewählten Beamten, Beratern und PR-Leuten. Es existierten zweifellos Elemente dessen, was man ein parlamentarisch-bonapartistisches Regime nennen könnte.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Aber das bloße Vorhandensein einzelner Elemente eines Phänomens bedeutet nicht, dass das Phänomen tatsächlich schon da ist. Man kann also argumentieren, dass es Elemente des Bonapartismus im Trumpismus gibt. Sicher. Aber Elemente allein machen noch kein vollständig entwickeltes Phänomen aus.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Hegel bemerkt in der <a href="http://www.zeno.org/Philosophie/M/Hegel,+Georg+Wilhelm+Friedrich/Ph%C3%A4nomenologie+des+Geistes/Vorrede"><em>Phänomenologie des Geistes</em></a>: „Wo wir eine Eiche in der Kraft ihres Stammes und in der Ausbreitung ihrer Äste und den Massen ihrer Belaubung zu sehen wünschen, sind wir nicht zufrieden, wenn uns an Stelle dieser eine Eichel gezeigt wird.“</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Diese falsche Methode führt zu endlosen Fehlern. Zuerst versucht man, ein Phänomen äußerlich zu definieren. Dann hält man um jeden Preis an der Definition fest und versucht, sie mit allen möglichen, an den Haaren herbeigezogenen, „klugen“ geschichtlichen Beispielen zu untermauern.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Unweigerlich taucht jemand anderes auf und sagt: „Nein, das ist kein Bonapartismus!“, bringt eigene, ebenso “kluge” Fakten ins Spiel und fängt an, dagegen zu argumentieren.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Beide haben gleichermaßen recht und unrecht. Wohin führt eine solch zirkuläre Debatte? Dorthin, wo ein Hund landet, wenn er seinem Schwanz nachjagt – nirgendwohin.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Korrekte historische Analogien können in manchen Fällen zwar hilfreich sein. Aber das gedankenlose und mechanische Aneinanderreihen oberflächlich ähnlicher, aber wesentlich unterschiedlicher Phänomene ist eine sichere Methode, um Verwirrung zu stiften.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Ein Beispiel für eine sinnvolle und angebrachte Analogie wäre meiner Meinung nach, Putins Regime als eine Form des bürgerlichen Bonapartismus zu bezeichnen. Das ist eine hilfreiche Analogie. Bei Trump hingegen ist die Sache komplizierter.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Das Problem ist, dass Bonapartismus ein extrem dehnbarer Begriff ist. Er umfasst eine ganze Bandbreite an Varianten, beginnend mit dem klassischen Bonapartismus, der im Kern nichts anderes als Herrschaft des Säbels ist.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Aber die gegenwärtige Trump-Regierung in Washington bleibt bei all ihren Eigentümlichkeiten eine bürgerliche Demokratie.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Gerade diese Eigenheiten müssen wir untersuchen und erklären. Und wenn wir – ganz ehrlich – nichts in der Geschichte des Altertums oder der Neuzeit finden können, das sich mit Trump auch nur vergleichen lässt, wenn wir keine fertige Definition haben, die perfekt passt, dann bleibt uns nur eine einzige Möglichkeit: Wir müssen anfangen, zu denken.</p>
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<h3 class="wp-block-heading"><strong>Die Krise des Kapitalismus</strong></h3>
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<p class="wp-block-paragraph">Der große Philosoph Spinoza sagte, dass die Aufgabe der Philosophie nicht darin bestehe, zu weinen oder zu lachen, sondern zu verstehen. Wenn wir Donald J. Trump begreifen wollen, müssen wir daher die Pseudowissenschaft der Dämonologie beiseitelassen und die Dinge beim Namen nennen.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Zunächst einmal ist Trump, was auch immer man sonst über ihn sagen mag, kein böser Geist mit übermenschlichen Kräften. Er ist ein gewöhnlicher Sterblicher – soweit man einen amerikanischen Milliardär als solchen bezeichnen kann. Und wie der Aufstieg jeder anderen historischen Figur ist auch der seine letztlich auf objektive gesellschaftliche Prozesse zurückzuführen.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Mit anderen Worten: Sein Aufstieg ist untrennbar mit der objektiven Weltlage in den ersten Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts verbunden.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Der entscheidende Wendepunkt in der modernen Geschichte war die Krise von 2008, die das gesamte System ins Wanken brachte. Der Kapitalismus stand am Rande des Zusammenbruchs. Als Lehman Brothers pleite ging, erinnere ich mich noch genau daran, wie Banker öffentlich äußerten, sie hätten Angst, dass sie binnen weniger Monate von den Straßenlaternen hängen würden.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Diese Angst war keineswegs unbegründet. Tatsächlich waren alle objektiven Bedingungen für eine sozialistische Revolution vorhanden. Das einzige, was diese Entwicklung verhinderte, war die panische Intervention des Staates, der das Finanzsystem mit enormen Mengen an öffentlichen Geldern rettete.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Das stellte einen eklatanten Widerspruch zu all den Theorien dar, die die offiziellen bürgerlichen Ökonomen drei Jahrzehnte lang gepredigt hatten. Über Jahre wurde uns eingetrichtert, dass der Staat keine oder nur eine minimale Rolle in der Wirtschaft spielen dürfe. Der freie Markt würde alle Probleme lösen, wenn man ihn sich selbst überließ.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Doch im Moment der Wahrheit entlarvte sich diese Theorie als falsch. Das kapitalistische System wurde nur durch massives staatliches Eingreifen gerettet. Doch diese Rettung brachte neue Widersprüche mit sich: enorme, letztlich untragbare Schulden.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Seit 2008 steckt der Kapitalismus in seiner tiefsten Krise. Er taumelt von einer Katastrophe zur nächsten. Bei jedem Schritt griffen die Regierungen auf die gleiche, verantwortungslose Politik zurück: Staatsverschuldung und massives Gelddrucken, um kurzfristig die Löcher zu stopfen.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Die kurzsichtigen Strategen des Kapitals – dieser erbärmliche Haufen bürgerlicher Ökonomen und ihr nicht minder bankrottes politisches Establishment – glaubten allen Ernstes, das könne ewig so weitergehen: Unbegrenzte Geldmengen aus dem Nichts, endlose billige Kredite, niedrige Inflation, niedrige Zinsen. Doch sie haben sich geirrt.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Sie häuften lediglich Widersprüche auf und bereiteten damit die größte Krise aller Zeiten vor.</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/crisis-of-capitalism-and-tasks-of-marxists-1.htm#:~:text=The%20last%20two,is%20already%20surmounted">Wir sagten damals voraus</a>, dass alle Versuche der Bourgeoisie, das wirtschaftliche Gleichgewicht wieder herzustellen, nur zur Zerstörung des gesellschaftlichen und politischen Gleichgewichts führen würden. So ist es auch gekommen.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Die objektiven Bedingungen für eine sozialistische Revolution waren eindeutig vorhanden. Warum kam es nicht dazu? Weil eine entscheidende Variable in dieser Gleichung fehlte: die revolutionäre Führung.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Über Jahre hinweg schlug das Pendel in Land um Land nach links aus. Das spiegelte sich im Aufstieg einer ganzen Reihe von radikal klingenden linken Bewegungen wider: Podemos in Spanien, Syriza in Griechenland, Bernie Sanders in den USA – und allen voran Corbyn in Großbritannien. Doch all das zeigte letztlich nur, wo die Grenzen des Linksreformismus liegen.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Man nehme das Beispiel Tsipras: Ganz Griechenland stand hinter ihm, als er sich gegen das Austeritätsdiktat aus Brüssel stellte. Doch er kapitulierte. Und das Ergebnis war ein Rechtsruck.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">In Spanien verlief es ähnlich. Podemos gab sich anfangs ein ausgesprochen radikales Image. Doch die Führung beschloss, „verantwortungsvoll“ zu handeln – und ging eine Koalition mit den Sozialdemokraten ein, mit den erwartbaren Konsequenzen.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">In den USA katapultierte sich Bernie Sanders aus dem Nichts heraus an die Spitze einer Massenbewegung, die unmissverständlich nach einer sozialistischen Alternative suchte. Er hatte jede Möglichkeit, eine ernsthafte linke Alternative zu den Demokraten und Republikanern aufzubauen. Aber was tat er? Er kapitulierte vor dem Establishment der Demokratischen Partei – und die Gelegenheit war vertan.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Am deutlichsten zeigte sich das in Großbritannien: Corbyn kam wie Sanders aus dem Nichts. Eine mächtige Bewegung nach Links katapultierte ihn an die Spitze der Labour Party. Diese Bewegung hatte nicht er geschaffen, aber sie machte ihn zu ihrem Bezugspunkt, zum Ausdruck des aufgestauten Zorns und der tiefen gesellschaftlichen Unzufriedenheit.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Das Ergebnis versetzte die herrschende Klasse in Panik und Verblüffung. Sie erklärte offen, dass sie die Kontrolle über Labour verloren hatte. Und so war es. Oder besser gesagt: Es hätte wahr sein sollen.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Doch im Moment der Wahrheit weigerte sich Corbyn, gegen die rechte Führung der Labour-Parlamentsfraktion vorzugehen, die mit der Unterstützung der bürgerlichen Medien eine brutale Kampagne gegen ihn organisierte.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Am Ende kapitulierte Corbyn vor den Rechten und bezahlte den Preis für seine Feigheit. Was sich hier zeigte, war nichts anderes als die organische Rückgratlosigkeit des linken Reformismus.</p>
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<h3 class="wp-block-heading"><strong>Trump und Corbyn</strong></h3>
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<p class="wp-block-paragraph">Hier zeigt sich ein krasser Kontrast zu Donald Trump. Auch er wurde vom Establishment angegriffen, sogar von der eigenen Parteiführung. Doch im Gegensatz zu Corbyn tat er, was Corbyn hätte tun müssen: Er mobilisierte seine Basis gegen die alte Führung der Republikaner und zwang sie zum Rückzug.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Das ändert natürlich nichts daran, dass Trump ein reaktionärer bürgerlicher Politiker blieb. Doch man muss schon zugeben, dass er den Mut und die Entschlossenheit hatte, die Corbyn offenkundig fehlten.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Trump scherte sich außerdem keinen Deut um politische Korrektheit und Identitätspolitik, während die linken Reformisten diese Ideologie leider blind geschluckt haben. Das spielte bei Corbyn eine absolut verheerende Rolle.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Als ihn die Parteirechte wegen angeblichen Antisemitismus angriff (ein völlig haltloser Vorwurf), knickte er sofort ein. Er wurde zur leichten Beute für die reaktionäre zionistische Lobby und die gesamte britische Bourgeoisie. In kürzester Zeit war er auf elende Unterwerfung reduziert – ein hilfloses Opfer seiner eigenen Fixierung auf reaktionäre Identitätspolitik.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Hätte Corbyn wie Trump gehandelt, hätte er sich der Antisemitismus-Kampagne direkt entgegengestellt, seine Basis gegen das rechte Establishment entfesselt und die Labour-Partei gründlich von diesen verfaulten Elementen gesäubert.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Hätte er das getan, hätte er ohne jeden Zweifel gewonnen. Doch er tat es nicht. Das ermöglichte dem rechten Labour-Flügel, in die Offensive zu gehen, die Linke aus der Partei zu werfen – einschließlich Corbyn selbst – und Labour von oben bis unten zu säubern. Das Ergebnis war der Sieg von Starmer – und das Experiment „Corbynismus“ endete in einem völligen Desaster.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Diese Erfahrung hat sich immer und immer wieder wiederholt. Und jedes Mal spielte die Führung der Linken eine absolut erbärmliche Rolle. Sie enttäuschten ihre Basis und übergaben die Macht kampflos an den rechten Flügel.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Genau das – nichts anderes – erklärt den aktuellen Rechtsruck. Er war unvermeidlich nach der feigen Kapitulation der Linken.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Sollen sich andere über Trump und rechte Demagogen beklagen. Unsere Antwort darauf ist Verachtung: Hört auf zu jammern. Ihr seid selbst schuld! Ihr habt einfach bekommen, was ihr verdient. Und jetzt müssen wir alle die Konsequenzen tragen.</p>
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<h3 class="wp-block-heading"><strong>Was stellt Trump wirklich dar?</strong></h3>
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<p class="wp-block-paragraph">Fangen wir mit dem Offensichtlichen an. Donald Trump ist ein reaktionärer bürgerlicher Politiker. Das lohnt sich kaum auszusprechen. Ebenso wenig muss man wiederholen, dass Kommunisten ihn in keiner Weise unterstützen.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Aber diese Feststellung allein bringt uns keinen Schritt weiter in der Analyse von Trump und Trumpismus. Ist es zum Beispiel korrekt zu sagen, dass es keinen Unterschied zwischen Trump und Biden gibt?</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Ja, sie sind beide bürgerliche Politiker, die im Wesentlichen für die gleichen Klasseninteressen stehen. In diesem Sinne könnte man sagen, sie sind alle gleich. Doch selbst für die Blindesten unter den Blinden muss klar sein, dass es sehr ernste Unterschiede zwischen beiden gibt, ja ein Abgrund zwischen beiden klafft.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Denn nur weil zwei bürgerliche Politiker grundsätzlich dieselben Klasseninteressen vertreten, heißt das noch lange nicht, dass es innerhalb dieser Klasse keine scharfen Konflikte gibt. Solche Konflikte hat es tatsächlich immer gegeben.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Das zentrale Problem der Bourgeoisie ist, dass das Modell, das den Kapitalismus jahrzehntelang stabil gehalten hat, endgültig gescheitert ist.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Die Globalisierung, die es ihnen lange erlaubte, die Grenzen des Nationalmarktes zu überwinden, ist an ihre Grenzen gestoßen. An ihre Stelle tritt der Aufstieg des wirtschaftlichen Nationalismus. Überall setzt die Kapitalistenklasse nun ihre eigenen nationalen Interessen gegen die der anderen durch. Die Ära des Freihandels weicht einer Ära der Zölle und Handelskriege.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Die Nostalgiker des Liberalismus beklagen das Ende der alten Ordnung. Doch Donald Trump umarmt sie mit der Inbrunst eines frisch Bekehrten. Und damit hat er die Weltordnung auf den Kopf gestellt – zum Entsetzen der schwächeren Nationen.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Donald Trump ruft sich damit den Zorn seiner früheren „Verbündeten“ in Europa herbei, die ihm für ihr ganzes Unglück die Schuld geben. Doch er hat diese Situation nicht erfunden. Er ist nur ihr schärfster und konsequentester Vertreter.</p>
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<h3 class="wp-block-heading"><strong>Der Bankrott des Liberalismus</strong></h3>
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<p class="wp-block-paragraph">Seit vielen Jahren haben die herrschende Klasse und ihre politischen Vertreter im Westen systematisch ein pseudo-progressives Image gepflegt, um die Realität der Klassenherrschaft zu verschleiern. Sie haben die sogenannte Identitätspolitik geschickt als Waffe der Konterrevolution eingesetzt.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Und die „Linken“, denen jegliche belastbare ideologische Grundlage fehlt, haben diesen Unsinn komplett geschluckt. Das hat sie in den Augen der Arbeiterklasse nur noch weiter diskreditiert. Statt für die tatsächlichen Interessen von Arbeitern, Frauen und anderen unterdrückten Schichten zu kämpfen, streiten sie sich über Worte und wiederholen endlos die Phrasen der sogenannten politischen Korrektheit.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Wenn dann ein Donald Trump kommt und Identitätspolitik und politische Korrektheit anprangert, ist es wenig überraschend, dass er bei Millionen einfacher Menschen auf Resonanz stößt, deren Gehirne nicht völlig vom postmodernen Wahnsinn vernebelt sind.</p>
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<h3 class="wp-block-heading"><strong>Verteidigen die Liberalen die Demokratie?</strong></h3>
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<p class="wp-block-paragraph">Die Liberalen haben eine ziemlich merkwürdige Auffassung von Demokratie. Wie wir gesehen haben, sind sie für Wahlen – aber nur, wenn ihr bevorzugter Kandidat gewinnt. Fällt das Ergebnis nicht in ihrem Sinne aus, schreien sie sofort Betrug, werfen mit Anschuldigungen über Wahlfälschung um sich und spekulieren über alle möglichen fragwürdigen Machenschaften – meist ohne einen einzigen Beweis.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Das war nach Trumps Wahlsieg über Hillary Clinton 2016 zu beobachten. Trump war der erste US-Präsident der Geschichte, der weder ein öffentliches Amt noch eine militärische Laufbahn hatte. Er war ein Außenseiter, der nicht mit dem bestehenden Washingtoner Establishment verbandelt war, das seit Jahrzehnten das politische Monopol innehatte.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Sie sahen in ihm eine Bedrohung für ihr Monopol und handelten entsprechend, um die Demokratie zu untergraben und das Wahlergebnis rückgängig zu machen. Die Demokraten inszenierten den berüchtigten „Russiagate“-Skandal mit dem klaren Ziel, Trump aus dem Amt zu drängen.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Das könnte man mit Fug und Recht einen demokratischen Putschversuch nennen. Ein Verstoß gegen die Demokratie? Natürlich. Aber wenn es manchmal nötig ist, die Regeln der Demokratie zu brechen, um die Demokratie zu verteidigen, dann muss das eben so sein.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Anschließend gingen sie zu den absurdesten Mitteln über, um zu verhindern, dass Trump je wieder Präsident wird. Eine regelrechter Tsunami von Gerichtsverfahren wurde gegen ihn losgetreten, mit dem Ziel, ihn ins Gefängnis zu bringen.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Vier große Prozesse richteten sich direkt gegen ihn – angefangen mit der berüchtigten Stormy-Daniels-Affäre, über Wahlmanipulationsvorwürfe in Georgia bis hin zur Affäre um geheime Dokumente in Mar-a-Lago. Dazu kamen über 100 weitere Klagen gegen seine Regierung.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Die Massenmedien wurden vollständig mobilisiert, um diesen Angriff auszunutzen. Aber es ging völlig nach hinten los. Jedes dieser Verfahren führte nur dazu, dass seine Unterstützung in den Umfragen weiter wuchs. Das Endergebnis zeigte sich bei der Präsidentschaftswahl am 5. November 2024.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Mit der zweithöchsten Wahlbeteiligung seit 1900 (nach 2020) gewann Trump 77.284.118 oder 49,8 Prozent der Stimmen. Das war die zweithöchste Stimmenzahl in der US-Geschichte (nach Bidens Sieg 2020). Trump gewann alle sieben Swing States.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Das war nicht einfach nur ein Wahlsieg – es war ein triumphaler Durchmarsch. Es war eine totale Abfuhr für das liberale Establishment der Demokraten. Und eine schallende Ohrfeige für die korrupten Medien, die sich fast geschlossen hinter Harris gestellt hatten. Von den Tageszeitungen stellten sich 54 hinter Harris und nur 6 hinter Trump. Von den Wochenzeitungen waren 121 für Harris und nur 11 für Trump. Wie soll man das erklären?</p>
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<h3 class="wp-block-heading"><strong>Trump und die Arbeiterklasse</strong></h3>
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<p class="wp-block-paragraph">Bemerkenswert ist der Unterschied in der Klassenzusammensetzung der Stimmen. Während die Mehrheit der Wähler mit einem Einkommen von über 100.000 Dollar für Harris stimmte, <a href="https://www.ft.com/content/6de668c7-64e9-4196-b2c5-9ceca966fe3f">konnte Trump die Mehrheit der Wähler mit einem Einkommen unter 50.000 Dollar für sich gewinnen</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Daran ist überhaupt nichts Überraschendes oder “Weirdes”. Trumps Anziehungskraft auf die Arbeiterklasse hat eine materielle Grundlage. Seit den frühen 1980ern sind die Reallöhne der amerikanischen Arbeiterklasse entweder stagniert oder gesunken – insbesondere, weil Jobs in andere Länder ausgelagert wurden. Das <a href="https://www.epi.org/publication/charting-wage-stagnation/">Economic Policy Institute</a> berichtet, dass die Einkommen der mittleren und unteren Klasse sich seit den späten 1970er Jahren kaum gestiegen sind, während die Lebenshaltungskosten kontinuierlich anstiegen.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">In vielen US-Städten herrschen mittlerweile Zustände von Elend und Verwahrlosung, die den ärmsten Gegenden Lateinamerikas, Afrikas oder Asiens in nichts nachstehen. Und dieses Elend existiert neben der obszönsten Konzentration von Reichtum in wenigen Händen, die seit über 100 Jahren zu beobachten war.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Doch all das bleibt für die „progressiven“ Mittelschichtslinken offenbar unsichtbar. Das politische Establishment und seine gutbezahlte Journalisten- und Kommentatorenbande waren auf ihrer identitätspolitischen Vergiftung derart hängengeblieben, dass sie die wirklichen Probleme der Arbeiterklasse – egal ob schwarz oder weiß, männlich oder weiblich, hetero oder queer – konstant ignoriert haben.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Ein typisches Beispiel war die absurde Kampagne der politisch korrekten Dummköpfe, den Begriff „Latinx“ als genderneutrale Alternative zu „Latino“ zu etablieren. Doch laut <a href="https://www.pewresearch.org/race-and-ethnicity/2024/09/12/latinx-awareness-has-doubled-among-u-s-hispanics-since-2019-but-only-4-percent-use-it/">Pew Research</a> verwenden gerade mal vier Prozent der Hispanics diesen Begriff – 75 Prozent sagen, er solle überhaupt nicht benutzt werden.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Diese Ignoranz öffnete Demagogen wie Donald Trump Tür und Tor, um die aufgestaute Wut von Millionen Menschen aufzugreifen, die sich vom liberalen Establishment in Washington völlig ignoriert fühlten.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">2024 konnte Trump deshalb seine Basis ausbauen, indem er gezielt schwarze und lateinamerikanische Arbeiterklasse-Milieus ansprach.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Das ist das direkte Ergebnis des Verrats der „Linken“ wie Sanders, die keinerlei klare Alternative zu den Liberalen aufzeigten und damit rechten Demagogen wie Trump Tür und Tor öffneten.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Tatsache ist, dass bis vor Kurzem selbst der Begriff <em>Arbeiterklasse</em> in der Wahlpropaganda der großen Parteien praktisch nicht mehr existierte. Noch die wagemutigsten Linken sprachen stattdessen von der <em>Mittelschicht</em>. Und so war die amerikanische Arbeiterklasse in der politischen Praxis schlichtweg ausradiert.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Natürlich gab es hier und da eine Ausnahme. Aber es ist wirklich keine Übertreibung zu sagen, dass ausgerechnet Donald Trump – ein milliardenschwerer, rechter Demagoge – der Einzige war, der in seinen Reden beanspruchte, für die Arbeiterklasse einzutreten. Man könnte fast sagen, dass er allein die Arbeiter wieder ins Zentrum der amerikanischen Politik gerückt hat.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Natürlich wissen wir, dass das bloße Demagogie ist – leere Rhetorik ohne Substanz. Natürlich sagt Trump solche Dinge nur für seine eigenen Zwecke, die zwangsläufig mit den Interessen der Klasse zusammenhängen, der er angehört.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Das ist uns völlig klar und es ist völlig belanglos. Die einfache Wahrheit ist, dass es den Millionen von Arbeitern, die ihn gewählt haben, eben nicht klar war. Diese Wahrheit ignorieren wir auf eigene Gefahr.</p>
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<h3 class="wp-block-heading"><strong>Wessen Interessen verteidigt Trump?</strong></h3>
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<p class="wp-block-paragraph">Die Antwort darauf ist eigentlich denkbar einfach. Wir sagen: Dieser Milliardär verteidigt die Interessen seiner Klasse. Alles, was er sagt, dient letztlich diesen Interessen – also den Interessen der Kapitalisten und Banker. Daraus folgt wie die Nacht auf den Tag, dass diese Interessen niemals mit denen der Arbeiterklasse übereinstimmen können.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Um die Unterstützung der Arbeiter zu gewinnen, wird er aber manchmal Dinge sagen, die für sie plausibel klingen. Wenn er über Jobs, sinkende Löhne oder steigende Preise spricht, dann kommt das natürlich an.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Und es kann sogar sein, dass die eine oder andere seiner Aussagen faktisch korrekt ist. Trump hat selbst zugegeben, dass er einige Ideen aus Sanders’ Reden verwendet hat, um Arbeiter für sich zu gewinnen.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Natürlich bleibt er trotzdem ein reaktionärer, bürgerlicher Politiker. Aber das heißt nicht, dass er dasselbe ist wie jeder andere reaktionäre, bürgerliche Politiker. Er hat seinen eigenen Blick auf die Dinge, seine eigene Sichtweise, Politik und Strategie, die sich in vielen grundlegenden Punkten von derjenigen von Joe Biden und seiner Clique unterscheidet.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">In mancher Hinsicht scheinen seine Positionen sogar mit unseren übereinzustimmen – zumindest bis zu einem gewissen Grad. Man denke an seine Haltung zum Ukraine-Krieg, an die Auflösung von USAID oder seine Ablehnung der sogenannten „Wokeness“. Dass es solche Überschneidungen zwischen dem, was bürgerliche Politiker sagen, und dem, was wir selbst vertreten, geben kann, ist nichts Neues. Trotzki hat das schon vor langer Zeit erklärt.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Im Mai 1938 schrieb er den Artikel <a href="https://www.marxists.org/deutsch/archiv/trotzki/1938/05/denken.htm"><em>Lernt denken – ein freundschaftlicher Rat an gewisse Ultralinke</em></a>. Darin heißt es: „In neunzig von hundert Fällen setzen die Arbeiter tatsächlich ein Minuszeichen, wo die Bourgeoisie ein Pluszeichen setzt. In zehn Fällen hingegen sind sie gezwungen, dasselbe Zeichen zu setzen wie die Bourgeoisie – allerdings mit ihrem eigenen Stempel, der ihr Misstrauen gegenüber der Bourgeoisie ausdrückt. Die Politik des Proletariats ergibt sich keineswegs automatisch aus der Politik der Bourgeoisie, nur mit umgekehrtem Vorzeichen (dann wäre jeder Sektierer ein Meisterstratege). Nein, die revolutionäre Partei muß sich in jedem Falle, in der inneren wie in der äußeren Lage, unabhängig orientieren und die Entscheidungen treffen, die den Interessen des Proletariats am besten entsprechen. Diese Regel gilt für Kriegszeiten genauso wie für Friedenszeiten.“</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Selbst wenn Trump also die Wahrheit sagt, tut er das immer aus der Perspektive seiner eigenen Klasseninteressen und zu reaktionären Zwecken, mit denen wir absolut nichts gemeinsam haben.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Der entscheidende Punkt ist: Wir müssen in jeder Frage die Klassenposition betonen. Deshalb wäre es absolut unzulässig, uns mit Trumps Politik zu identifizieren. Es wäre ein schwerer Fehler.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Doch es wäre ein noch weitaus größerer Fehler – ja, geradezu ein Verbrechen –, auch nur einen Moment lang an der Seite der sogenannten „liberalen“ und „demokratischen“ Bourgeoisie zu stehen, deren Angriffe auf Trump nichts anderes sind als ein Versuch des reaktionären bürgerlichen Establishments, das von Trump aktuell bekriegt wird.</p>
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<h3 class="wp-block-heading"><strong>Das kleinere Übel?</strong></h3>
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<p class="wp-block-paragraph">Sobald man sich Zugeständnisse an Anschuldigungen wie „Faschismus“, „Bonapartismus“ oder die angebliche „Gefahr für die Demokratie“ macht, begibt man sich in Gefahr – und sei es nur unbewusst – auf die Position des kleineren Übels abzurutschen. Das ist aber zweifellos die größte Gefahr.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Ist es richtig zu sagen, dass das Biden-Regime gegenüber Trump fortschrittlich war? So wurde es uns verkauft. Und die sogenannte Linke hat das naiv geschluckt.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Sie versuchen zu argumentieren, Trump sei ein Feind der Demokratie. Doch wer sich das ungeheuerliche Verhalten der Biden-Clique ansieht, erkennt, dass sie bis zum letzten Moment nichts als Verachtung für die Demokratie zeigte.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Man nehme nur Bidens sogenannte „eiserne“ Unterstützung für Israels Angriff auf Gaza – die ihm den Spitznamen „Genocide Joe“ einbrachte. Oder die brutale Unterdrückung des Versammlungsrechts unter seiner „demokratischen“ Regierung, bei der hunderte Studierende zusammengeschlagen und 3.200 landesweit verhaftet wurden, nur weil sie sich friedlich mit Palästina solidarisierten.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Biden hatte versprochen, „der gewerkschaftsfreundlichste Präsident in der Geschichte der USA“ zu sein, doch er zerschlug das Streikrecht der Eisenbahner. Er hatte versprochen, die Abschiebungen unter Trump zu beenden – und deportierte am Ende sogar mehr Menschen ohne Papiere als sein Vorgänger. Und die Liste ließe sich fortsetzen.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Selbst als bereits offensichtlich war, dass er unfähig war, das Amt auszuüben, und er von seiner eigenen Partei als Präsidentschaftskandidat abgesetzt war, klammerte sich Biden weiter an sein Amt.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Selbst nachdem die überwältigende Mehrheit der Wählerschaft die Demokraten abgewählt hatte, nutzte er seine Macht als Präsident, um offen Sabotage gegen den demokratisch gewählten Kandidaten Trump zu betreiben, und die USA an den Rand eines Krieges mit Russland zu treiben.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Es wäre schwer, sich eine unverhohlenere Missachtung der Demokratie und des Willens der überwältigenden Mehrheit der US-Bevölkerung vorzustellen. Doch dieser Gangster und seine Clique gaben weiterhin vor, die Verteidiger der Demokratie gegen die angebliche Gefahr der Diktatur zu sein!</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Auch vieles andere, was Biden und seine Gang taten, war unendlich konterrevolutionärer, desaströser und ungeheuerlicher als irgendetwas, von dem Trump je geträumt hat. Das ist die Wahrheit. Und es gibt trotzdem Linke, die behaupten, es wäre vorzuziehen, wenn man die Demokraten gegen Trump unterstützt, „um die Demokratie zu verteidigen“!</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Unsere Aufgabe ist es nicht, uns an ein sinkendes Schiff zu klammern. Im Gegenteil – wir tun alles, um es zum Sinken zu bringen. Es ist nicht unsere Politik, Illusionen in die Liberalen und ihre sogenannte Demokratie zu säen, sondern sie als zynische Unwahrheit und Täuschung zu entlarven.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Trotzki machte in <a href="https://www.marxists.org/deutsch/archiv/trotzki/1934/wohinfr1/wohin1.htm#zusa"><em>Wohin geht Frankreich?</em></a> klar, dass die Politik des „kleineren Übels“ nichts als ein Verbrechen und ein Verrat an der Arbeiterklasse ist: „Die Arbeiterpartei soll sich nicht mit hoffnungslosen Versuchen abgeben, diese Partei von Bankrotteuren zu retten, sie muss im Gegenteil aus Leibeskräften den Prozess der Befreiung der Massen vom Einfluss der Radikalen fördern.“ [Die Radikalen waren eine liberale Partei, die in den 1930er Jahren in Frankreich an der Macht war.]</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Das ist heute ein ebenso treffender Ratschlag. Im Kampf gegen die Trump-Reaktion dürfen wir uns in keiner Weise mit den bankrotten liberalen Demokraten assoziieren.</p>
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<h3 class="wp-block-heading"><strong>Der Weg zur Arbeiterklasse</strong></h3>
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<p class="wp-block-paragraph">Übergangsperioden wie die, in der wir uns gerade befinden, führen zwangsläufig zu Verwirrung. Wir werden immer wieder mit vielerlei neuen und komplexen Phänomenen konfrontiert sein, für die es keine klaren historischen Präzedenzfälle gibt.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Um sich nicht aus dem Gleichgewicht bringen zu lassen, muss man sich jederzeit an den grundlegenden Prinzipien orientieren und darf sich nicht durch diese oder jene zufällige Entwicklung vom Kurs abbringen lassen. Das zentrale Element der gegenwärtigen Lage ist, dass die objektive Lage einerseits nach einer revolutionären Lösung schreit.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Das Potenzial ist vorhanden. Andererseits gibt es aktuell keine Kraft, die stark genug wäre, um dieses Potenzial zu verwirklichen. Daher bleibt es – zumindest vorerst – eben nur ein Potenzial.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Die Massen suchen verzweifelt nach einem Ausweg aus der Krise. Sie setzen einen Politiker nach dem anderen auf die Probe und decken rasch die Mängel aller bestehenden Organisationen auf. Das erklärt die allgemeine politische Instabilität, die sich in heftigen Schwankungen im Wahlverhalten ausdrückt – mal nach links, dann nach rechts, und wieder zurück.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">In der Abwesenheit einer revolutionären Führung bleibt das Feld offen für die verschiedensten seltsamen Abweichungen und Demagogen à la Trump.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Solche Figuren können in kürzester Zeit aufsteigen und dem aufgestauten Zorn der Massen einen Ausdruck verleihen. Doch früher oder später scheitern sie an der Realität, und die Enttäuschung ebnet den Weg für eine neue Bewegung in die entgegengesetzte Richtung.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Wer das rein negativ betrachtet, hat den Prozess völlig missverstanden. Die Massen sind verzweifelt und brauchen schnell Lösungen für ihre Probleme. Figuren wie Trump scheinen ihnen genau das zu versprechen.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Wir müssen das verstehen und solche Bewegungen nicht einfach als “rechtsextrem” (ein ohnehin völlig nichtssagender Begriff) abtun. Natürlich gibt es in solchen Bewegungen immer reaktionäre Elemente. Aber die Tatsache, dass sie eine Massenbasis haben, bedeutet, dass sie auch innere Widersprüche enthalten.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Wenn wir einen Weg zu den Arbeitern finden wollen, egal in welchem Land, dann müssen wir sie nehmen, wie sie sind – nicht wie wir sie gerne hätten. Um einen Dialog mit den Arbeitern zu führen, müssen wir an ihrem aktuellen Bewusstseinsstand ansetzen. Jede andere Herangehensweise ist nichts als ein Rezept für Sterilität und Hilflosigkeit.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Wer ernsthaft mit einem Arbeiter sprechen will, der Illusionen in Trump hat, kann nicht mit schrillen Verdammungen oder Faschismus-Vorwürfen anfangen. Wenn wir ihm aber aufmerksam zuhören, können wir bei vielen Punkten anknüpfen, bei denen Übereinstimmung besteht, und dann mit geschickten Argumenten nach und nach Zweifel daran säen, dass die Interessen der Arbeiterklasse wirklich von einem milliardenschweren Geschäftsmann vertreten werden können.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Natürlich werden diese Argumente in der aktuellen Etappe nicht notwendigerweise Erfolg haben. Die Arbeiterklasse lernt im Allgemeinen nicht aus Diskussionen, sondern durch eigene Erfahrung. Und die Erfahrung mit einer neuen Trump-Regierung wird für viele Arbeiter eine äußerst schmerzhafte Lernkurve sein.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Deshalb müssen wir gegenüber Trump-Wählern freundlich auftreten, allem zustimmen, dem wir zustimmen können, und ihnen dann geschickt die Grenzen des Trumpismus aufzeigen und für den Sozialismus argumentieren.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Die Widersprüche werden früher oder später an die Oberfläche kommen. Trotzdem werden sich die Illusionen in Trump eine Weile halten.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Wer sich den vielen ehrlichen Arbeitern gegenüber, die aus völlig verständlichen Gründen jetzt Trump unterstützen, nur feindselig und aggressiv verhält, erreicht gar nichts. Eine solche Herangehensweise ist völlig steril und kontraproduktiv.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Die Geschichte kennt viele Beispiele von Arbeitern, die ihre ersten politischen Erfahrungen mit extrem rückständigen, ja sogar reaktionären Ansichten machten, nur um dann unter dem Einfluss der Ereignisse in die entgegengesetzte Richtung zu gehen.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Zu Beginn der Russischen Revolution 1905 waren die Marxisten eine kleine, isolierte Minderheit. Die große Mehrheit der russischen Arbeiter war rückständig, gläubig und hatte Illusionen in den Zaren.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Die überwältige Mehrheit der Arbeiter in St. Petersburg folgten anfangs dem Popen Gapon, der aktiv mit der Polizei zusammenarbeitete. Als die Marxisten Flugblätter verteilten, die den Zaren angriffen, wurden die Flugblätter oft zerrissen und die Revolutionäre oft von eben diesen Arbeitern zusammengeschlagen.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Doch nach dem Massaker des Blutsonntags am 9. Januar verwandelte sich all das in sein Gegenteil. Die gleichen Arbeiter, die zuvor die Flugblätter zerrissen hatten, kamen nun zu den Revolutionären gelaufen und verlangten Waffen, um den Zaren zu stürzen.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">In den USA gab es ein weniger dramatisches, aber dennoch aufschlussreiches Beispiel: Farrell Dobbs. Dieser junge Arbeiter begann seine politische Laufbahn in den 1930er Jahren als überzeugter Republikaner.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Doch durch die Erfahrung des Klassenkampfes wechselte er direkt von der rechten Republikanischen Partei zum revolutionären Trotzkismus und wurde zu einer der zentralen Figuren der Teamster-Rebellion in Minneapolis.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">In den kommenden stürmischen Klassenkämpfen in den USA werden wir viele solcher Beispiele sehen. Und einige der Arbeiter, die heute noch Trump oder ähnlichen Demagogen hinterherlaufen, können auf Grundlage der kommenden Ereignisse für das Banner der sozialistischen Revolution gewonnen werden.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">An der Oberfläche wirkt die Trump-Bewegung stabil, ja unzerstörbar. Doch das ist eine optische Täuschung. In Wahrheit ist sie extrem heterogen und voller Widersprüche. Früher oder später werden sie aufbrechen.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Trumps liberale Feinde hoffen darauf, dass das Scheitern seiner Wirtschaftspolitik zu weit verbreiteter Enttäuschung führt und er seine Unterstützung verliert. So etwas vorherzusehen, ist keine Kunst. Die Zölle führen schon jetzt zu unvermeidbaren Gegenmaßnahmen. Diese müssen sich schließlich in Arbeitsplazverlusten und Werksschließungen in den betroffenen Branchen ausdrücken.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Doch Prognosen über einen baldigen Niedergang der Trump-Bewegung sind verfrüht. Trump hat enorme Erwartungen und Hoffnungen bei Millionen Menschen geweckt, die zuvor völlig perspektivlos waren. Solche Illusionen sitzen tief. Sie sind stark genug, um eine ganze Serie von Erschütterungen und vorübergehenden Enttäuschungen zu überstehen.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Es wird Zeit brauchen, bis der hypnotische Bann von Trumps Demagogie nachlässt. Doch früher oder später wird die Desillusionierung einsetzen – und je länger es dauert, bis die Arbeiterklasse erkennt, dass ihre Klasseninteressen nicht vertreten werden, desto heftiger wird die Reaktion ausfallen.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Trump ist schon sehr alt geworden. Selbst wenn er einem Attentat entgeht, wird früher oder später die Natur ihre eisernen Gesetze durchsetzen. So oder so ist es unwahrscheinlich, dass er noch einmal für das Präsidentenamt kandidiert – selbst wenn sich die Regeln zu seinen Gunsten ändern ließen.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Trumpismus ohne Donald J. Trump ist kaum vorstellbar. Gerade seine Persönlichkeit, sein unbestreitbares Talent als Massenführer und Meister der Demagogie ist der Kitt, der seine heterogene Bewegung zusammenhält. Ohne ihn werden die inneren Widersprüche, die in ihr schlummern, unweigerlich an die Oberfläche treten und zu internen Krisen und Spaltungen in der Führung führen.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">J.D. Vance scheint der wahrscheinlichste Nachfolger von Trump zu sein, doch er besitzt weder dessen immense Autorität noch dessen Charisma. Er ist jedoch ein kluger Mann, der sich – je nach Verlauf der Ereignisse – in die unterschiedlichsten Richtungen entwickeln kann. Was dabei herauskommt, ist nicht vorhersehbar.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Ein bekanntes Gesetz der Mechanik besagt, dass jede Aktion eine gleich große und entgegengesetzte Reaktion erzeugt. Trump ist ein Meister der Übertreibung. Seine demagogischen Äußerungen kennen keine Grenzen. Alles ist „marvellous“, „tremendous“, „wonderful“, „enormous“ und so weiter. Und entsprechend wird die Enttäuschung, wenn sie kommt, ebenso gewaltig sein.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">An einem bestimmten Punkt wird seine Bewegung beginnen, sich entlang von Klassenlinien aufzuspalten. Sobald die Arbeiter sich von ihm abwenden, werden sich die fanatisierten kleinbürgerlichen Elemente wahrscheinlich den Embryo einer neuen, tatsächlich faschistischen oder bonapartistischen Organisation bilden.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Aus diesem chaotischen Prozess heraus wird die Bewegung hin zu einer dritten Partei unaufhaltsam werden. Ihrer Natur nach wird sie zunächst widersprüchlich sein – keineswegs zwangsläufig links oder fortschrittlich. Doch die Ereignisse werden ihre eigene Logik entfalten.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Viele Arbeiter, die sich an Trumps Experiment die Finger verbrannt haben, werden nach einer neuen Banner suchen, das ihren Zorn und ihren tief verwurzelten Hass auf die Reichen und das Establishment klarer widerspiegelt, der selbst nichts anderes ist als ein unreifes, instinktives Aufbegehren gegen das kapitalistische System selbst. Das wird sie mit voller Wucht nach links treiben.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Es ist keineswegs abwegig anzunehmen, dass einige der kühnsten, engagiertesten und selbstlosesten Kämpfer der zukünftigen kommunistischen Bewegung in den USA genau aus jenen Arbeitern bestehen werden, die einst die Schule des Trumpismus durchlaufen haben und daraus die richtigen Lehren gezogen haben. Wie wir gesehen haben, gibt es für solche Entwicklungen zahlreiche historische Parallelen.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Zum Abschluss sei eines klargestellt: Was ich hier skizziert habe, ist keine ausgearbeitete Perspektive, geschweige denn eine detaillierte Vorhersage der Zukunft. Um das zu leisten, bräuchte man nicht die marxistische Methode, sondern eine Kristallkugel – die leider noch nicht erfunden wurde.</p>
<p> </p>
<p class="wp-block-paragraph">Auf der Grundlage aller mir verfügbaren Fakten habe ich eine vorläufige Einschätzung gegeben, die nicht mehr als eine begründete Annahme sein kann. Die gegenwärtige Situation ist eine extrem komplexe Gleichung mit vielen möglichen Lösungen. Erst die Zeit wird die Lücken füllen und uns die Antwort liefern.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Die Geschichte wird uns noch viele Überraschungen bereiten. Nicht alle werden schlecht sein.</p>
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		<title>Demokratie, Bonapartismus, Faschismus</title>
		<link>https://derkommunist.de/demokratie-bonapartismus-faschismus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Willy Hämmerle und Sandro Tsipouras]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 11 Jan 2025 09:00:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theorie]]></category>
		<category><![CDATA[Bildungsmappe Staat]]></category>
		<category><![CDATA[Faschismus]]></category>
		<category><![CDATA[Marxismus & Staat]]></category>
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<p class="wp-block-paragraph">Die Demokratie gilt heute in der westlichen Welt als Wesensmerkmal der kapitalistischen Gesellschaft. Diese Vorstellung wurde in der krisenfreien Nachkriegszeit nach 1947 und besonders in der ideologischen Offensive nach dem Fall der Sowjetunion geprägt. Dass Kapitalismus und Diktatur aber gut miteinander können, ja dass das Kapital viel eher geneigt ist, Demokratie auszuschalten, als auf Klassenprivilegien für Vermögende und Kapitalbesitzer zu verzichten, ist eine historische Tatsache. Dies war noch der Arbeiterbewegung in den 1970er und 1980er Jahren voll geläufig. Der Putsch gegen Pinochet in Chile, das Franco-Regime in Spanien (bis 1978) und die Militärdiktatur in Griechenland (bis 1974) waren damals mahnende Beweise, dass auch die Demokratie eine Errungenschaft ist, die weitgehend von der Arbeiterklasse erkämpft werden musste. Dieses Verständnis dringt im Zuge der autoritären Krisenbewältigung wieder zunehmend ins Bewusstsein der Menschen. Laut einer repräsentativen Umfrage der Freien Universität Berlin glauben 60% der Deutschen, dass die Demokratie durch staatliche Maßnahmen (etwa Überwachung) aktuell in Gefahr ist. Angesichts der sich rasant entfaltenden Prozesse ist es Zeit, die Begrifflichkeiten zu überprüfen und zu ordnen, um in den realen Klassenkampf richtig intervenieren zu können.</p>

<h3><strong>Staat und Gesellschaft</strong></h3>

<p class="wp-block-paragraph">Der Staat abseits seiner bürgerlichen „Idealform“, der parlamentarischen Demokratie, stellt die VertreterInnen der idealistischen Denkschulen vor ein Rätsel. Ihre Analyse beschränkt sich in der Regel auf das schematische Herausstreichen von scheinbaren Unterschieden und Gemeinsamkeiten zwischen historischen und aktuellen Staaten, sowie den Grad ihrer Abweichung von der „vernünftigen” Demokratie. Auf ihren Checklisten stehen: Grad der Diktatur, Willkürjustiz, Nationalismus, Klerikalismus etc. Je nach Ausprägung dieser Symptome kann ein Attest erstellt, der Fall abgeschlossen werden. Wie das Urteil auch ausfällt, ob es sich einer historischen Parallele (Faschismus, Bonapartismus) bedient oder sich mit Wortspielereien (mit Begriffen wie Links-/Islamfaschismus, Sultanismus, „gemäßigter Diktatur” etc.) zu helfen weiß, es vermag maximal die oberflächliche Erscheinungsform eines Staates zu beschreiben. Je turbulenter sich die gesellschaftlichen Verhältnisse verändern, desto klarer stellt sich heraus, dass diese Vorgehensweise keine praktischen Schlüsse hervorbringen kann.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Nur der Marxismus war und ist dazu fähig diesen kruden Impressionismus hinter sich zu lassen, die gesellschaftlichen Verwerfungen und Übergänge, die zum Faschismus führen, adäquat zu analysieren und daher ein Programm zu entwerfen, mit dem er geschlagen werden kann. Den größten Beitrag zum marxistischen Erfahrungsschatz lieferte dabei Trotzki in seinen Polemiken gegen den Opportunismus der reformistischen Sozialdemokratie auf der einen, und den Linksradikalismus der stalinistischen Führungen der kommunistischen Parteien auf der anderen Seite.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Um den Charakter eines Staates zu verstehen, müssen die Beziehungen zwischen den Klassen innerhalb der Gesellschaft untersucht werden. Das Kräfteverhältnis zwischen den verschiedenen Polen der Gesellschaft ist kein abstrakter, statischer Faktor, sondern der lebendige Gradmesser der Bewegung der Klassen, des Klassenkampfes. Ohne diese Bewegung zu verstehen, kommt man über den Formalismus, das hilflose Jonglieren mit Allgemeinplätzen, nicht hinaus.</p>

<h3><strong>Die Vulgarisierung des Marxismus</strong></h3>

<p class="wp-block-paragraph">Der Stalinismus der Zwischenkriegszeit hat diese Lektion nicht verstanden. Er war, im Gegensatz zu den TrotzkistInnen der linken Opposition, nicht fähig, die spezifischen Erfahrungen des italienischen Faschismus zu verallgemeinern, um so zu einem konkreteren Verständnis der deutschen Situation zu gelangen. Im Gegenteil, der Stalinismus erklärte eine abstrakte Gegebenheit, nämlich die „Diktatur“ der Bourgeoisie bzw. des Finanzkapitals, zum allein relevanten Faktor und leitete seine ganze Taktik daraus ab.</p>

<p class="wp-block-paragraph">In der Untersuchung der deutschen Situation nach dem ersten Weltkrieg kamen die StalinistInnen dadurch zu den abenteuerlichsten Schlüssen. Sie beginnt bei der für sich genommen (wir sagen: abstrakt) korrekten Feststellung, dass die notwendigen Bedingungen für eine parlamentarisch-demokratische Entwicklung (stabile wirtschaftliche Entwicklung, beruhigter Klassenkampf) im Zwischenkriegsdeutschland nicht mehr gegeben waren. Zu tief war die kapitalistische Krise, zu zugespitzt waren die gesellschaftlichen Widersprüche.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Dem unbedingten Bedürfnis folgend, die Realität in ein Schema zu packen, und unter prinzipiellen Ausschluss der Möglichkeit der Demokratie, blieb nur mehr übrig, die oberflächlichen Erscheinungsmerkmale des italienischen Faschismus, die Herrschaft des Finanzkapitals, eins zu eins auf Deutschland umzulegen und hinter jeder bürgerlichen Offensive den Faschismus zu entdecken. Daraus ergibt sich das fehlende Verständnis von Übergangsformen, unter ihnen den Bonapartismus. Unter Bonapartismus verstehen wir den Verzicht einer gesellschaftlich herrschenden Klasse auf unmittelbare politische Herrschaft und Repräsentation zugunsten des autoritären Staatsapparates.</p>

<p class="wp-block-paragraph">In letzter Instanz bestimmen die gesellschaftlichen Produktionsverhältnisse, vermittelt durch die staatlich-gewaltsame Durchsetzung spezifischer Eigentumsverhältnisse, den Klassencharakter eines Staates. Parlamentarische Demokratie, Bonapartismus und Faschismus sind ihrer grundlegenden Natur nach bürgerliche Herrschaften, Diktaturen des Kapitals. Das ist ihre Gemeinsamkeit (wir verzichten hier auf die Diskussion des proletarischen Bonapartismus der entarteten russischen Revolution, dessen politischer Ausdruck der Stalinismus ist).</p>

<p class="wp-block-paragraph">Anstatt aber die Untersuchung der realen, spezifischen Zusammenhänge im krisenhaften Kapitalismus in Angriff zu nehmen, blieb die stalinistische Führung bei der grundlegenden Erkenntnis (es handelt sich um die Diktatur des Kapitals) stehen und verkehrte sie zu einer Karikatur. In der Folge war sie nur mehr zu fatalistischen Schlüssen und einer passiven, abwartenden Praxis fähig, was 1933 in der friedlichen Machtübernahme Hitlers gipfelte.</p>

<h3><strong>Die Archetypen der bürgerlichen Klassenherrschaft</strong></h3>

<p class="wp-block-paragraph">Bewaffnet mit der Theorie des Marxismus wollen wir es besser machen. Dazu betrachten wir die Dynamik der Klassenauseinandersetzungen im Übergang von der Demokratie zum Faschismus in der ersten österreichischen Republik.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Zum Zeitpunkt der Errichtung der bürgerlichen Demokratie in der Novemberrevolution 1918 war sie, ähnlich wie in Deutschland, geschichtlich bereits überholt. Sie war nicht das Resultat einer bürgerlichen Revolution auf dem Boden der Entwicklung des Kapitalismus, sondern das einer proletarischen Revolution, in einer Periode des Niedergangs der kapitalistischen Produktionsweise, die durch den Ersten Weltkrieg zum Ausdruck gebracht wurde. Durch die reformistische Strategie der Sozialdemokratie blieb die Revolution auf halbem Wege stehen und machte den Weg frei für ein 13-jähriges parlamentarisches Intermezzo.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Der anhaltende Klassenkonflikt führte schließlich zur Ausschaltung des Parlaments durch den Putsch von Dollfuß im März 1933. Die Regierung handelte ab diesem Zeitpunkt nicht mehr als Ausschuss der parlamentarischen Mehrheit, sondern setzte sich temporär über die Klassen hinweg. Gestützt auf Polizei und Militär, nutzte Dollfuß das Kräftegleichgewicht zwischen den verfeindeten Klassen, und erschien nun als Mediator der Nation, als Schiedsrichter zwischen den Klassen, als Bewahrer der Ordnung. Diese Situation nennen wir Bonapartismus: Die Stabilität dieses Regimes ist bestimmt durch die Stabilität des gesellschaftlichen Gleichgewichts, das es hervorbrachte.</p>

<p class="wp-block-paragraph">In unserem Fall führte die zunehmende Opposition der sozialdemokratischen Massenbasis gegen die abwartende und abwiegelnde Politik der Führung zu einem wachligen Kräfteverhältnis zwischen den Klassen. Politischer Ausdruck dieses Prozesses war der bereits illegale Floridsdorfer Parteitag im Oktober 1933, wo die Parteiführung die Kontrolle über die Partei verlor, ohne dass die linke Opposition politisch vorbereitet gewesen wäre, die kollektive Handlungsfähigkeit der Partei auf revolutionärer Basis aufrecht zu erhalten.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Der Niedergang des Kapitalismus verschärft nicht nur die Kämpfe zwischen Proletariat und Kapital, er ruiniert auch die Zwischenschichten wie Kleinbauern, kleine Kaufleute und Ministerialbürokratie. Ohnehin unfähig mit der Großbourgeoisie zu konkurrieren wird das Kleinbürgertum in Stadt und Land von der fortschreitenden wirtschaftlichen Krise umso heftiger ins Elend gestürzt. Die reihenweise Verelendung dieser Schichten erlaubt es dem Faschismus, eine Massenbasis zu entwickeln, die sich in diesem Fall in den Heimwehren sammelte.<br />Ihr Zweck wurde in den Februartagen 1934 offenbart. Die kleinbürgerlichen Massen, organisiert in der sogenannten Heimwehr, dienten als Schocktruppen gegen das aufständische Proletariat der österreichischen Arbeiterhochburgen. Die Aufgabe, die sie zu erfüllen hatten, ist nicht weniger als die Zerschlagung der organisierten Arbeiterklasse: Ihre Entwaffnung, die Zerstörung ihrer Presse und die physische Liquidierung ihrer führenden Kader. Die physische Vernichtung der Arbeiterbewegung durch zu faschistischen Banden organisierte, panische Kleinbürger, Arbeitslose und Kriminelle – das ist der spezifische Charakter des Faschismus.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Während der Bonapartismus eine Defensive der Bourgeoisie bedeutet, die sich aus Schwäche vor dem eskalierenden Klassenkampf hinter einer Polizeidiktatur versteckt, um ihn einzufrieren und eine Gleichgewichtssituation zu erzwingen, ist der Faschismus an der Macht die siegreiche Offensive der Bourgeoisie, mit der sie ihre Feinde nachhaltig und möglichst restlos vernichtet. Das sind die Lehren der italienischen Erfahrungen, die es auf Österreich und Deutschland umzulegen gilt.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Sich zu unseren eingangs erwähnten IdealistInnen gesellend waren die deutschen StalinistInnen und die Führung der Komintern, die Checkliste stets zur Hand, zu keinem anderen Schluss fähig, als dass sie es in der Weimarer Republik mit mal offensiveren, mal defensiveren Spielarten des Faschismus zu tun hatten. Dieses Unverständnis erklärt ihre Machtlosigkeit gegenüber dem tatsächlichen Faschismus und die Herkunft der famosen Phrase: „Nach Hitler kommen wir!”. In diesem Slogan wurde die wohl falscheste und fatalistischste Perspektive, die die Arbeiterbewegung jemals hervorgebracht hat, zusammengefasst.</p>

<h3><strong>Rolle der Sozialdemokratie</strong></h3>

<p class="wp-block-paragraph">Die reformistische Führung der Sozialdemokratie beantwortete die Frage von der anderen Seite. Die materielle Basis der sozialdemokratischen Führung liegt im bürgerlichen Staat – solange er die Form der Demokratie behält. Ihre Taktik besteht daher ausschließlich darin, ihre Stellung in der Gesellschaft zu halten, das heißt die bürgerliche Demokratie zu verteidigen. Diese Haltung nimmt sie sowohl gegen die Revolution als auch gegen den Faschismus ein. In Zeiten des stabilen Kapitalismus ist sie damit fähig, die arbeitenden Massen bei der Stange zu halten und die bürgerliche Herrschaft zu stabilisieren. In dem Maß, wie sich die Widersprüche des Kapitalismus verschärfen, spitzen sich auch die Widersprüche innerhalb des Reformismus zu, zwischen der bürgerlichen Führung und ihrer proletarischen Basis.</p>

<p class="wp-block-paragraph">In einer Periode der Krise der kapitalistischen Gesellschaft und scharfer Klassenkämpfe wird die Führung der Sozialdemokratie zwischen den Fronten aufgerieben, bis sie ihre Rolle als Säule des Kapitalismus nicht mehr erfüllen kann. Dieser Prozess ist aktuell in Europa ein wichtiges Element der Politik. Ist das Vertrauen in die Fähigkeit der ReformistInnen, die ArbeiterInnenklasse weiterhin zurückzuhalten und politisch in den Kapitalismus zu integrieren, erst einmal verloren, kann das Kapital unter passenden Umständen zu dem Schluss kommen, im Faschismus eine bessere Stütze zu erkennen.</p>

<h3><strong>Sozialfaschismus und der Sieg des Faschismus</strong></h3>

<p class="wp-block-paragraph">Wir sahen: Sozialdemokratie und Faschismus sind auf verschiedenen Stufen der kapitalistischen Krisenentwicklung politische Instrumente des Kapitals, um seine Herrschaft abzusichern. Das ist ihre Gemeinsamkeit. Und wieder bleibt, zufrieden damit, ein passendes Schema gefunden zu haben, der Stalinismus an dieser Stelle stehen, und identifiziert das eine mit dem anderen: Das war der Kerngehalt der Sozialfaschismusthese. Über Sozialdemokratie und Faschismus schrieb damals Josef Stalin: „Das sind keine Antipoden, sondern Zwillinge!“ und verpflichtete die kommunistischen Parteien zum Kampf gegen die Sozialdemokratie als Hauptgegnerin. Mit dieser sektiererischen Haltung gegenüber den in der Sozialdemokratie organisierten ArbeiterInnen zementierte der Stalinismus die Spaltung der deutschen und internationalen Arbeiterklasse und wurde so, ironischerweise, selbst zum entscheidenden Steigbügelhalter für die Faschisten.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Erst 1935 änderte die Komintern, wie es typisch für sie geworden war, praktisch über Nacht ihre Linie und setzte den Aufbau der sogenannten „antifaschistischen Volksfront“ auf die Tagesordnung. Nun sollten die KPen auf völlig prinzipienloser Basis mit jedem Dahergelaufenen zusammengehen, der sich gegen den Faschismus stellte – dazu sollten insbesondere auch „demokratische“ Kräfte des bürgerlichen Lagers gehören. Angewandt wurde diese Strategie erstmals in der spanischen Revolution. Vom Extrem des Sektierertums in der Arbeiterbewegung war man ins gegenüberliegende Extrem, des Verzichts auf die soziale Revolution zugunsten „einer Koalition mit dem Schatten der Bourgeoisie“ (Trotzki) gerutscht. Anstatt die ArbeiterInnen und das arme Kleinbürgertum auf Basis ihrer wirklich materiellen Interessen gegen das Kapital zu vereinigen, versuchte man mit spektakulärer Erfolglosigkeit, alle gesellschaftlichen Schichten auf Basis des Patriotismus gegen die radikalste Strömung des Kapitals zu vereinigen. Das reale Ergebnis war die Demoralisierung der sozialen Massenbasis der Revolution und der militärische Sieg Francos und damit der Sieg des spanischen Faschismus. Bis dieses Ergebnis schließlich erreicht worden war, stellte sich die Volksfront-Regierung ein ums andere Mal gegen die aufständischen Massen (in Barcelona 1937 usw.) und erzwang aktiv ihre Niederlage.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Wir haben bereits argumentiert, dass der Faschismus allgemein als soziales und politisches Massenphänomen Ausdruck der kapitalistischen Krise ist. Die Trennung der sozialen Frage (kapitalistische Krise und ihre sozialen Auswirkungen) von der politischen Frage (Aufrechterhaltung der Demokratie) hat sich historisch als erfolglos bewiesen. Die Einheitsfront der Arbeiterorganisationen dagegen hätte zum Sieg gegen den Faschismus führen können. Durch den gemeinsamen Kampf von RevolutionärInnen und ReformistInnen auf Basis eines Programms, das grundlegende demokratische und soziale Forderungen verknüpft wäre der Einfluss der reformistischen Führung in der Praxis überwunden worden. So wären die Bedingungen geschaffen worden, um den Kampf gegen den Faschismus nahtlos in einem Kampf zum Sturz der kapitalistischen Herrschaft an sich münden zu lassen. Als erfolgreiches historisches Beispiel wollen wir hier die Oktoberrevolution anführen: In letzter Konsequenz war die Machtübernahme des all-russischen Rätekongresses vom 7. November 1917 nur die konsequente Umsetzung des bolschewistischen Slogans „Land, Brot, Frieden“. Die Alternative zur Machtübernahme der Räte wäre nicht die bereits völlig erschöpfte Demokratie, sondern die Diktatur von Generälen mithilfe von faschistischen Banden gewesen. In Deutschland und Österreich offenbarte sich dies nur wenige Jahre später in den 1930iger Jahren.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Der materielle Grund dafür, dass die grundlegendsten Strategien der russischen Revolution im weiteren Verlauf des 20. Jhdt. von der überwiegenden Mehrheit der kommunistischen Bewegung ignoriert wurden, liegt in der Entwicklung der Sowjetunion. So wie die Führung der Sozialdemokratie materiell an die Existenz eines demokratischen bürgerlichen Regimes gebunden ist, so war die Führung der kommunistischen Bewegung materiell an die Existenz der Sowjetunion gebunden. Die internationalistische Opposition der russischen und internationalen Bewegung (die „TrotkistInnen“) wurden verfolgt und ermordet, um die Doktrin des „Sozialismus in einem Lande“ politisch durchzusetzen. Die Politik der Kommunistischen Internationale war infolge völlig auf die „Verteidigung der Sowjetunion“ ausgerichtet. Wo immer eine stalinistische Bürokratie von der Geschichte die Verantwortung erhielt, die proletarische Revolution zu organisieren, handelte sie konterrevolutionär und fatalistisch, weil sie wussten, dass ihre privilegierte soziale Stellung unter den Hammerschlägen der Revolution zerbrechen musste. Angesichts der militärischen Bedrohung durch den Faschismus war die Politik der KommunistInnen von geopolitischen Erwägungen geprägt. Dies führte 1943 schlussendlich zur Auflösung der Kommunistischen Internationale (KI) überhaupt. Diese Gesamtlage erklärt die sich rasch wandelnden Einschätzungen und Taktiken der KI in den entscheidenden 1930iger Jahren.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Selbst nach der kapitalistischen Restauration des Kapitalismus in der Sowjetunion blieben die Ideentrümmer politisch bis heute wirkmächtig. Dies drückt sich einerseits im sektiererischen Verhalten der stalinistischen KKE gegenüber SYRIZA bei den griechischen Wahlen im Mai und Juni 2012 (bei gleichzeitiger lauter Verkündigung der Notwendigkeit, die Volksfront aufzubauen!) aus, andererseits im Fatalismus des ehemaligen SYRIZA-Finanzministers Varoufakis, der angesichts der tiefen kapitalistischen Krise als Alternativen nur einen reformierten Kapitalismus oder den Sieg des Faschismus sieht, woraus sich die Unterordnung des Klassenkampfes unter die Stabilisierung des griechischen (und europäischen) Kapitalismus ableitet. Traten KKE und SYRIZA im ersten Halbjahr 2015 als politische Gegner auf, so bezogen sie ihre politischen Ideen trotzdem beide aus dem Reformismus – einmal aus seiner linksradikalen stalinistischen Phase (Sozialfaschismus), einmal aus seiner opportunistischen (Volksfront, bzw. Sozialdemokratie). Genau wie die sozialdemokratische Bürokratie fürchten beide nichts mehr, als zwischen den Fronten des Klassenkampfs zerrieben zu werden. Das sind keine Antipoden, sondern Zwillinge.</p>

<h3><strong>Besteht die Gefahr eines Faschismus in Österreich?</strong></h3>

<p class="wp-block-paragraph">In Österreich geht es vielen leicht über die Lippen, die FPÖ faschistisch zu nennen. Unsere bisherige Auseinandersetzung mit dem Faschismus macht deutlich, dass diese Klassifizierung zum jetzigen Zeitpunkt falsch ist. Zweifellos tummeln sich im Umfeld der Partei organisierte Zellen, die dem faschistischen Spektrum angehören, allen voran die Identitären und der neonazistische Anhang, der sich langsam hinter ihnen sammelt. Allerdings hat weder die Parteiführung ein Interesse daran, diese Kräfte aktiv zu stärken, noch erfordert die Situation des Klassenkampfes den Einsatz faschistischer Prügelabteilungen gegen die Arbeiterbewegung. Im Gegenteil, die offene Unterstützung bewaffneter Verbände wäre im Rahmen der stabilen Demokratie, die Österreich heute zweifellos noch ist, mehr als kontraproduktiv.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Selbst für die Zukunft bleibt das Kräfteverhältnis für den Einsatz des Faschismus ungünstig. Der Nährboden des Faschismus, das Kleinbürgertum und das Lumpenproletariat, sind im Verlauf des Nachkriegsaufschwungs völlig zusammengeschrumpft. Sicherlich wird sich die Bourgeoisie nicht lumpen lassen, die Überreste dieser faschistischen Hauptstützen im Bedarfsfall gegen das Proletariat zu mobilisieren. Angesichts der schlechten Ausgangsposition werden diese jedoch ein viel unvorteilhafteres Kräfteverhältnis vorfinden als in den 30ern, von der erfolgreichen Machtübernahme ganz zu schweigen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Bezeichnung der FPÖ als faschistische Partei und eine Agitation gegen sie, die sich auf eine solche argumentative Basis stützt sind schwere, politische Fehler. Was ist die Hauptgefahr, die der Arbeiterklasse in Österreich droht? Ist es der Aufbau eines faschistischen Regimes, in dem Sozialdemokratie, Gewerkschaften und radikale Linke verboten, Oppositionelle in Konzentrationslager geschickt und eine kriegerisch-imperialistische Außenpolitik getrieben wird, während die ArbeiterInnen und Jugend in faschistische Massenorganisationen vom Typ einer Hitlerjugend oder Deutschen Arbeitsfront gezwungen und militaristisch-nationalistisch indoktriniert werden? Oder ist es nicht doch eher die EU-weite Austeritätspolitik, die vom Reformismus mitgetragen wird, die auf ganz un-faschistische Weise den Lebensstandard und die demokratischen Rechte der Menschen zerstört? Sozialdemokratie und Gewerkschaft werden in der momentanen Klassenkampflage von der Bourgeoisie sicher nicht zerstört, sondern im Gegenteil bis zu deren bitteren Ende gebraucht, um den Kapitalismus am Leben zu halten. Die Strategie der Bürgerlichen läuft mitnichten auf die Zerstörung der Organisationen der Arbeiterklasse, sondern im Gegenteil auf deren weitest mögliche Inklusion ins politische System eines zunehmend autoritären Sparregimes hinaus.</p>

<p class="wp-block-paragraph">In einer solchen Situation Ängste vor einem angeblich drohenden Faschismus zu schüren, kann zu nichts anderem als Desorientierung führen. Es ist Aufgabe der MarxistInnen, zu erklären, dass die FPÖ eine radikalbürgerlich-nationalistische Partei ist, die, wenn sie zur Macht kommt, für die Arbeiterklasse durch barbarische Kürzungs- und Privatisierungspolitik eine soziale Katastrophe verursachen und MigrantInnen und Flüchtlingen durch nationalistische Hetze das Leben zur Hölle machen wird. Wir müssen weiterhin erklären, dass sie damit nicht als faschistische Kraft, sondern als Agentin der EU-Austeritätspolitik handelt, als deren Gegnerin sie sich darstellt, und dass diese Politik nur durch den entschiedenen Bruch mit dem Reformismus und die revolutionäre Überwindung des Kapitalismus besiegt werden kann.</p>
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		<title>Donald Trumps Populismus &#8211; wofür steht er?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Rob Sewell]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 01 Nov 2024 13:00:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nordamerika]]></category>
		<category><![CDATA[Weltgeschehen]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[		<div data-elementor-type="wp-post" data-elementor-id="3489" class="elementor elementor-3489" data-elementor-post-type="post">
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									<p><span style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Dieser Artikel wurde ursprünglich auf der Seite unserer britischen Genossen</span> <a href="https://communist.red/donald-trumps-populism-what-does-it-represent/">communist.red</a> <span style="color: #000000;">veröffentlicht.</span></span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Angesichts des Kopf-an-Kopf-Rennens der beiden Kandidaten vor dem Wahltag kann man die Angst der herrschenden Klasse spüren, die den Außenseiter Trump überwiegend ablehnt. Aber warum hat seine Anti-Establishment-Botschaft bei einem Teil der amerikanischen Gesellschaft Anklang gefunden?</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Der Wahltag in den USA ist auf den 5. November festgelegt. Am selben Abend werden in Großbritannien Familien Freudenfeuer für die Guy-Fawkes-Nacht entzünden, die an den</span><a href="https://communist.red/gunpowder-treason-and-plot/"> <span style="font-weight: 400;">gescheiterten Versuch</span></a><span style="font-weight: 400; color: #000000;"> des Katholiken Fawkes erinnert, 1605 den Westminster-Palast mit dem König und dem Parlament in die Luft zu sprengen.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Viele seiner Anhänger sehen Donald Trump in den Fußstapfen von Fawkes &#8211; er will die verhasste politische Elite in Washington, die der republikanische Präsidentschaftskandidat gerne als „den Sumpf“ bezeichnet, in die Luft jagen.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Ob Trump gewinnt oder nicht, ist noch sehr ungewiss. Er liegt Kopf an Kopf mit Kamala Harris, der Kandidatin der Demokraten.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Doch je näher der Wahltag rückt, desto größer wird die Unruhe in der bürgerlich-liberalen Presse.</span></p><p><span style="color: #000000;"><span style="font-weight: 400;">In einem Artikel der</span><i><span style="font-weight: 400;"> Financial Times</span></i><span style="font-weight: 400;"> vom 24. Oktober wird beklagt, dass Harris&#8216; Ansatz zur Wirtschaft „auf der Zielgeraden</span></span><a href="https://www.ft.com/content/a85d86c2-e299-42a5-9f75-9f1f8f2ee4cc"> <span style="font-weight: 400;">an Schwung</span></a><span style="color: #000000;"><span style="font-weight: 400;"> verloren hat“. Und der britische </span><i><span style="font-weight: 400;">New Statesman</span></i><span style="font-weight: 400;"> stellte offen die Frage: „</span></span><a href="https://www.newstatesman.com/cover-story/2024/10/kamala-harris-moment-of-truth"><span style="font-weight: 400;">Hat Kamala Harris es vermasselt?</span></a><span style="font-weight: 400; color: #000000;">“.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Das Establishment hat sich größtenteils gegen Trump aufgestellt. Infolgedessen sucht er anderswo nach Möglichkeiten, seine Basis zu stärken. Wie in früheren Wahlkämpfen versucht er, eine Schicht von Opfern der Krisen des Kapitalismus für sich zu gewinnen &#8211; vor allem die Arbeiter in Amerikas „Rustbelt“.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Trotz seiner reaktionären Politik und seines Status als Milliardär präsentiert sich Trump daher als radikaler „Anti-Establishment“-Kandidat. Harris und die Demokraten hingegen gelten als Handlanger der Wall Street.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Harris nickt zwar den Gewerkschaften zu, bezeichnet sich aber stolz als „Kapitalistin“, die an „freie und faire Märkte“ glaubt.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">In Wirklichkeit vertreten weder Trump noch Harris die Interessen der amerikanischen Arbeiterklasse. Ganz im Gegenteil!</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Die jüngste Wendung ist, dass die Teamsters Union mit ihren 1,3 Millionen Mitgliedern beschlossen hat, den demokratischen Kandidaten</span><a href="https://www.bbc.co.uk/news/articles/c8elwrklrk7o"> <span style="font-weight: 400;">nicht zu unterstützen</span></a><span style="font-weight: 400; color: #000000;">, nachdem eine Umfrage unter den Gewerkschaftsmitgliedern ergeben hat, dass etwa 58 Prozent Trump unterstützen wollen.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Die Teamsters haben traditionell die Demokraten unterstützt. Im Jahr 2020 unterstützte die Gewerkschaft Biden und Harris. Nun hat die Gewerkschaft unter Druck zum ersten Mal seit 28 Jahren keinen der beiden Präsidentschaftskandidaten unterstützt. Dies stellt eine bedeutende Veränderung der Situation dar.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">An anderer Stelle </span><span style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">hat</span> </span><a href="https://www.newsweek.com/donald-trump-working-class-polls-1962073"><i><span style="font-weight: 400;">Newsweek </span></i><span style="font-weight: 400;">eine Umfrage zitiert</span></a><span style="font-weight: 400; color: #000000;">, die prognostiziert, dass Trump von allen Republikanern in den letzten vierzig Jahren die größte Unterstützung aus der Arbeiterklasse erhalten wird.</span></p><h2><span style="color: #000000;"><b>Verlust der Kontrolle</b></span></h2><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Es ist offensichtlich, dass die führenden Teile der amerikanischen herrschenden Klasse Kamala Harris („Ich liebe den Kapitalismus“) dem unangenehmeren Donald Trump als Präsident vorziehen würden.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Trump gilt als Außenseiter, der seine eigene gefährliche Agenda verfolgt. Im Falle eines Wahlsiegs würde er die Instabilität und Unsicherheit, die die US-Gesellschaft und die internationalen Beziehungen bereits plagen, noch erheblich verschärfen, was sie lieber vermeiden würden. Harris hingegen gilt als vertrauenswürdig.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Aber die herrschende Klasse hat die Situation nicht unter Kontrolle.</span><a href="https://communist.red/united-states-class-war-2024-the-tasks-of-communists-in-the-coming-election/"> <span style="font-weight: 400;">Die amerikanische Politik ist in Aufruhr.</span></a></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Im Jahr 2016 nahm Donald Trump es mit dem Establishment der Republikanischen Partei und dem US-Establishment im Allgemeinen auf. In den letzten zehn Jahren ist es ihm gelungen, die alte Garde zu besiegen. Die Republikanische Partei ist nicht mehr die Partei, die sie einmal war. Sie ist jetzt die Partei von Donald Trump.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Infolgedessen hat die amerikanische herrschende Klasse ihren Einfluss auf die Republikaner, eine ihrer beiden traditionellen Parteien, verloren.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Eine ähnliche Entwicklung ist in Großbritannien zu beobachten. Die herrschende Klasse hat unter Corbyn vorübergehend die Kontrolle über die Labour-Partei verloren und kämpft immer noch darum, ihren Einfluss auf die Tory-Partei zu bewahren.</span></p><h2><span style="color: #000000;"><b>Zurückgelassen</b></span></h2><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Trump, der Populist, hat eine offene Verachtung für Washington. Diese Ansicht findet bei Millionen von Amerikanern Anklang, die vom Establishment und seinen Vertretern desillusioniert sind. Sie bilden die Basis der Unterstützung für Trump.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Obwohl seine Politik zweifellos reaktionär ist, ist er klug genug, seine Propaganda direkt auf den desillusionierten amerikanischen Arbeiter auszurichten.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Das war sehr effektiv. Viele Arbeiter sind zutiefst frustriert über den Status quo und verbittert gegenüber denen, die an der Spitze stehen. Die Arbeiterklasse wurde im Stich gelassen. Traditionelle Arbeitsplätze sind verloren gegangen, Fabriken werden geschlossen, und die Reallöhne sind stark gesunken. Viele leben von Gehaltsscheck zu Gehaltsscheck und kämpfen darum, über die Runden zu kommen.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Für diese Arbeiter und ihre Familien ist der amerikanische Traum in weite Ferne gerückt. Und die Enttäuschung hat sich in Zorn und Wut verwandelt.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Trump hat diese Stimmung erfolgreich aufgegriffen. Die Demokraten werden inzwischen nur noch als Verteidiger des Status quo gesehen. Dies hat die amerikanische Politik auf den Kopf gestellt.</span></p><h2><b>Großunternehmen gegen Industriearbeiter</b></h2><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Trumps Wahlkampfveranstaltungen wurden manchmal mit religiösen Versammlungen verglichen, bei denen er die Menge mit dem Versprechen „Make America Great Again“ (MAGA) anheizt. Seine „America First“-Politik &#8211; einschließlich des wirtschaftlichen Nationalismus &#8211; wird mit Fremdenfeindlichkeit und Rassismus vermengt.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Sein Kandidat J.D. Vance ist zwar ein ehemaliger Risikokapitalgeber, aber er verstärkt diese Anti-Establishment-Rhetorik noch. Trump wählte ihn absichtlich aus, um die Industriearbeiter in den wichtigsten umkämpften Staaten zu umwerben.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">In seiner Rede auf dem Parteitag der Republikaner wetterte Vance gegen das Großkapital und die „Wall-Street-Barone“. Er stellte die Demokraten als Teil der Unternehmenselite dar, die dem globalen Kapital treu dienen. Gleichzeitig bezeichnete er die Republikaner als die Partei der „vergessenen“ Gemeinden und Industriearbeiter in Amerika.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">„Wir sind fertig damit, der Wall Street zu dienen“, sagte er. „Wir werden uns für die Arbeiter einsetzen.“</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Vance verwendete eine radikale Sprache, die eher an Bernie Sanders, den linken Senator aus Vermont, erinnert:</span></p><blockquote><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">„Ich glaube nicht, dass es eine Art Kompromiss gibt, den wir mit den Leuten schließen können, die derzeit das Land kontrollieren, wenn wir sie nicht auf irgendeine Weise stürzen, werden wir weiter verlieren.“</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">„Wir sind fertig damit, ausländische Arbeitskräfte zu importieren. Wir werden für die amerikanischen Bürger, ihre guten Arbeitsplätze und ihre guten Löhne kämpfen.“</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">„Wir brauchen eine Führungspersönlichkeit, die nicht in der Tasche des Großkapitals sitzt, sondern den Arbeitern, ob gewerkschaftlich organisiert oder nicht, Rechenschaft ablegt; eine Führungspersönlichkeit, die sich nicht an multinationale Konzerne verkauft“, sagte er, als er Donald Trump unterstützte.</span></p></blockquote><p><span style="color: #000000;"><span style="font-weight: 400;">Dieses unternehmensfeindliche, isolationistische Credo &#8211; von den Führern der traditionell unternehmensfreundlichen Republikanischen Partei &#8211; hat die Wall Street alarmiert. „Wir brauchen keinen republikanischen Bernie Sanders“, sagte ein Investor der </span><i><span style="font-weight: 400;">FT</span></i><span style="font-weight: 400;"> und beschrieb damit Trumps Vizekandidaten.</span></span></p><h2><span style="color: #000000;"><b>Zölle und Arbeitsplätze</b></span></h2><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Finanzministerin Janet Yellen schätzte in diesem Jahr, dass seit dem Beitritt Chinas zur Welthandelsorganisation im Jahr 2001 zwei Millionen Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe in den USA verloren gegangen sind.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Als Reaktion hat sich Trump an die Spitze der Forderung nach Zöllen gegen Amerikas Konkurrenten gestellt &#8211; nicht zuletzt gegen China. Ausländische Importe sollten mit Zöllen in Höhe von 20 Prozent belegt werden, die für Waren aus China auf 60 Prozent steigen.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">„Dieses Mal“,</span><a href="https://www.ft.com/content/f5f60203-176b-4fd8-baa1-03f27afa3482"> <span style="font-weight: 400;">kommentiert</span></a><span style="color: #000000;"><span style="font-weight: 400;"> die </span><i><span style="font-weight: 400;">FT</span></i><span style="font-weight: 400;">, “hat Trump eine viel populistischere wirtschaftspolitische Agenda entwickelt, die ihn als Verteidiger der Interessen der einfachen Arbeiter und der heimischen Industrie darstellen soll.“</span></span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">„Wenn sie kommen und unsere Arbeitsplätze und unseren Wohlstand stehlen, dann stehlen sie unser Land“, sagte Trump im April dem</span><a href="https://time.com/6972022/donald-trump-transcript-2024-election/"> <i><span style="font-weight: 400;">Time Magazine</span></i></a><span style="font-weight: 400; color: #000000;">. „Ich nenne es einen Ring um das Land.“</span></p><blockquote><p><span style="font-weight: 400;">„Nein, wir werden nicht zulassen, dass diese Leute Zugang zu unseren Märkten haben, wenn sie versuchen, amerikanische Löhne zu unterbieten und amerikanische Fabriken zu stehlen“, so Vance.</span></p></blockquote><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">In Ermangelung einer sozialistischen Alternative für die Massen hat Trumps Rhetorik bei vielen Arbeitern Anklang gefunden.</span></p><blockquote><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">„Ich wüsste nicht, warum wir nicht auf alles, was aus China kommt, Zölle erheben sollten“, sagt Nelson Westrick, ein Arbeiter bei Ford, der in Macomb County in der Nähe von Detroit lebt, ‚und auch auf alles aus Mexiko‘, fügt er hinzu.</span></p></blockquote><h2><span style="color: #000000;"><b>Isolationismus und Panikmache</b></span></h2><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Auch in der Außenpolitik hat sich Trump von den Demokraten distanziert. Er ist eher isolationistisch: Er lehnt weitere US-Hilfen für die Ukraine ab, steht der NATO kritisch gegenüber und ist dagegen, das US-Militär in ausländische Konflikte zu verwickeln, es sei denn, es ist absolut notwendig.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Für die amerikanische herrschende Klasse birgt diese Rhetorik große Gefahren. Alle Angriffe Trumps auf das Establishment, die Wall Street und das Großkapital heizen seine Basis nur noch mehr an.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Trotz seines Reichtums wird er von vielen als der „Anti-Establishment“-Kandidat gesehen, als der Mann, der sie vertritt &#8211; den kleinen Mann, den einfachen Mann auf der Straße.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Dies wird von den Kapitalisten und ihren Apologeten als gefährliche Sache angesehen.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Die Tatsache, dass Trump in der Arbeiterklasse Fuß gefasst hat, hat in der Demokratischen Partei für Unruhe gesorgt.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Wähler aus der Arbeiterklasse galten früher als das Fundament der Unterstützung der Demokraten. Aber sie wurden immer als sehr selbstverständlich angesehen. Infolgedessen sind diese Wähler jetzt offenbar offener für Trump als zuvor.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Im Jahr 2020 zeigten die NBC-Umfragen, dass Arbeiter Biden gegenüber Trump um 16 Prozentpunkte bevorzugen. Dieser Wert ist nun auf 9 Prozentpunkte gesunken.</span></p><h2><span style="color: #000000;"><b>Ist Trump ein „Faschist“?</b></span></h2><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Bidens Hauptangriff gegen Trump war, dass er eine Bedrohung für die Demokratie und ein Störenfried sei. Aber solche Argumente sind heutzutage nicht mehr sehr überzeugend.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Es gibt viele, die so desillusioniert und wütend sind, dass sie Trump im Weißen Haus sehen wollen, gerade um das System zu stören und zu bedrohen.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Trump einfach als „Faschist“ anzugreifen, wird seine Unterstützung nicht schwächen. Es ist sogar kontraproduktiv. </span><a href="https://communist.red/what-is-fascism-and-is-it-an-imminent-threat-today/"><span style="font-weight: 400;">Trump ist kein Faschist</span></a><span style="font-weight: 400; color: #000000;">, der die Zerstörung der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung oder die Errichtung einer rücksichtslosen Diktatur anstrebt.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Allerdings verfügt Trump über einen Kern von eingefleischten reaktionären Anhängern, darunter einige kleine faschistische Gruppierungen. Er hat auch die Unterstützung einer Schicht reaktionärer Kleinunternehmer.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">In erster Linie ist er ein reaktionärer Demagoge, der ein rechtes, isolationistisches „America First“-Programm verfolgt. Darin webt er jedoch bewusst scharfe Angriffe auf die Wall Street und das Washingtoner Establishment ein.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Das kommt bei Trumps Arbeiterbasis gut an, die sich von den kleinen faschistischen Banden und Schichten, die ihn ebenfalls unterstützen, stark unterscheidet.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Für sie gilt Trump als mutig &#8211; als jemand, der bereit ist, sich gegen die alte Garde, die privilegierte Elite und die Lügenmedien zu stellen. Er erscheint furchtlos und setzt sich über alle Traditionen und Konventionen hinweg. Er scheut sich nicht, die liebgewonnenen Institutionen der bürgerlichen Demokratie anzugreifen.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Damit artikuliert er die Wut vieler. Er wird von seinen Anhängern als jemand angesehen, der sozusagen „Eier in der Hose“ hat.</span></p><h2><b>Angriffe und Anschuldigungen</b></h2><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Viele sehen die Angriffe auf Trump als Versuche des Establishments, ihn zu Fall zu bringen. Und damit haben sie nicht Unrecht. Die herrschende Klasse hat alles gegen ihn unternommen, aber es ist ihr nicht gelungen, ihn zu vernichten.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Nichts scheint zu gelingen. Als er Präsident war, haben sie alles getan, um ihn zu diskreditieren. Sie haben alles versucht &#8211; einschließlich zweier Versuche, ihn anzuklagen.</span></p><p><span style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Nachdem Trump bei den Wahlen 2020 gestürzt worden war, wurde alles getan, um zu verhindern, dass er erneut kandidiert. Sie versuchten, ihn in verschiedenen Bundesstaaten von der Wahl auszuschließen. </span></span><a href="https://communist.red/united-states-trumps-conviction-shows-turmoil-and-instability-are-the-new-normal/"><span style="font-weight: 400;">Er wurde in 34 Fällen strafrechtlich verurteilt</span></a><span style="font-weight: 400; color: #000000;">, und mehr als 50 Verfahren sind noch im Gange. In Zivilprozessen wegen Geschäftsbetrugs und einer Verleumdungsklage wegen Vergewaltigungsvorwürfen wurde er zur Zahlung von Hunderten von Millionen verurteilt.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Aber jede gegen ihn erhobene strafrechtliche Anklage hat nur dazu beigetragen, seine Unterstützung zu vergrößern. Jede Anschuldigung prallt einfach an ihm ab.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Tatsächlich sind all diese Angriffe nach hinten losgegangen. Sie werden von seinen Anhängern als Hexenjagd gegen Trump durch den „deep state“ &#8211; den Feind des Volkes &#8211; angesehen.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Auch die</span><a href="https://communist.red/trump-assassination-attempt-capitalism-breeds-political-violence/"> <span style="font-weight: 400;">jüngsten Attentatsversuche</span></a><span style="font-weight: 400; color: #000000;"> haben die Überzeugung verstärkt, dass er ein gebrandmarkter Mann ist, der im Visier eines rücksichtslosen Establishments steht.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Die Situation in Amerika war noch</span><a href="https://communist.red/an-inch-from-civil-war-a-near-miss-for-us-capitalism/"> <span style="font-weight: 400;">nie so polarisiert<span style="color: #000000;">.</span></span></a><span style="font-weight: 400; color: #000000;"> Man müsste bis zum Bürgerkrieg in den 1860er Jahren zurückgehen, um einen Vergleich anstellen zu können. Die Tatsache, dass 45 Prozent der Republikaner die</span><a href="https://communist.red/usa-trump-s-insurrection-and-the-chaos-of-us-bourgeois-democracy/"> <span style="font-weight: 400;">Erstürmung des Kapitols im Januar 2021</span></a><span style="font-weight: 400; color: #000000;"> unterstützten, spiegelt dies wider.</span></p><h2><b>Was ist „Populismus“?</b></h2><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Trotz allem weigert sich Trump, sich zu fügen. Selbst als er die Wahl im November 2020 gegen Biden verlor, erhielt er immer noch über 73 Millionen Stimmen &#8211; 11 Millionen mehr als bei der Wahl 2016.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Diese Millionen waren sicher nicht alle reaktionär, wie manche behaupten. Es sind Wählerinnen und Wähler, die von den alten Politikern wiederholt betrogen wurden und die etwas Neues, etwas Radikales ausprobieren wollen. Das ist es, was Trump ihnen zu bieten versucht.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Trump wird als „Populist“ bezeichnet. „Populismus“ ist ein ziemlich vager Begriff, der nur Demagogie bedeutet: wenn ein Führer an die Massen appelliert, an ihre Instinkte, um an die Macht zu kommen.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Das ist eindeutig ein sehr dehnbares Konzept. Es gibt verschiedene Arten von Populisten, die aus dem gesamten politischen Spektrum kommen, sowohl vom rechten als auch vom linken Flügel.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Das zeigt sich in Lateinamerika mit</span><a href="https://communist.red/five-years-on-the-revolutionary-legacy-of-hugo-chavez/"> <span style="font-weight: 400;">Hugo Chavez</span></a><span style="font-weight: 400; color: #000000;"> in Venezuela auf der radikalen Linken und</span><a href="https://marxist.com/argentina-far-right-milei-victory-reveals-crisis-of-bourgeois-regime.htm"> <span style="font-weight: 400;">Javier Milei</span></a><span style="font-weight: 400; color: #000000;"> in Argentinien auf der libertären Rechten.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Natürlich repräsentiert Trump die rechte, reaktionäre Variante &#8211; jemand, der die Unzufriedenheit einer Schicht der Massen zynisch für seine eigenen egoistischen Interessen ausnutzen wird.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Liberale Kommentatoren können nicht verstehen, wie ein so fanatischer Reaktionär, ein offener Frauenfeind und Rassist, so viel Unterstützung finden kann.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Tatsächlich ist es genau das Versagen der Liberalen und des Liberalismus, das den Aufstieg von Trump vorbereitet hat. Die Liberalen sind dem Kapitalismus und der Wall-Street-Elite verschrieben. Sie haben für einen sinkenden Lebensstandard gesorgt, während die Reichen noch reicher wurden.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Dabei haben sie Millionen von Menschen entfremdet und einen Teil der Arbeiterklasse für Trumps Argumente und seine Anti-Wall-Street-Rhetorik geöffnet.</span></p><h2><span style="color: #000000;"><b>Bernie Sanders</b></span></h2><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Es lohnt sich zu fragen, ob die Linke etwas von Trump lernen kann.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Diese Frage mag viele beunruhigen, die in ihm ein Anathema sehen. Aber es hat keinen Sinn, die Augen vor dem zu verschließen, was geschieht.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Trump hat Eigenschaften, die diejenigen anziehen, die sich entrechtet fühlen. Er kommt als harter Kerl rüber, dem es egal ist, was man ihm vorwirft. Er hat sich hartnäckig geweigert, seine Niederlage im Jahr 2020 einzugestehen, und behauptet, die Wahl sei „gestohlen“ worden. Er verachtet die politische „Konvention“ völlig.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Daher wird er von seinen Anhängern als mutiger Bannerträger für die vom Kapitalismus Geknechteten gesehen, als Störenfried des Systems. Er appelliert unverblümt an die Arbeiterklasse, als entschlossener Kämpfer für sie.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Darauf haben die Demokraten und Liberalen keine Antwort.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Die einzige Person, die Trump herausfordern und seine Anhänger aus der Arbeiterklasse für sich gewinnen konnte, war</span><a href="https://communist.red/the-bernie-sanders-phenomenon-what-does-it-mean-and-where-is-it-going/"> <span style="font-weight: 400;">Bernie Sanders</span></a><span style="font-weight: 400; color: #000000;">.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">In seinen Worten wandte sich Sanders energisch gegen die „Milliardärsklasse“. Tatsächlich versprach er eine „politische Revolution gegen die Milliardärsklasse“. Er weigerte sich, ihr Geld anzunehmen. Auch er wurde als Anti-Establishment-Kandidat angesehen, im Gegensatz zu Hillary Clinton, der Kandidatin der Wall Street.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Sanders&#8216; Radikalismus kam bei Trumps Basis gut an. Bei einer Kundgebung von Trump wurden auf einer riesigen Leinwand Ausschnitte von Clintons Reden gezeigt. Dies führte zu Buhrufen aus der Menge.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Als jedoch ein Ausschnitt von Sanders gezeigt wurde, war die Reaktion der Trump-Anhänger eine völlig andere. Es herrschte Schweigen, ein Zeichen des Respekts der Menge für diese Anti-Establishment-Figur.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Dies zeigte, dass Sanders&#8216; Versprechen einer „politischen Revolution“ bei Trumps Basis ankam, die einen grundlegenden Wandel anstrebte. Clinton hingegen hatte keinerlei Anziehungskraft auf diese Schichten. Im Gegenteil, sie stieß sie mit ihrer Unnahbarkeit und Arroganz aktiv ab.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Sowohl Sanders als auch Trump wurden vom politischen Establishment als „Außenseiter“ betrachtet. Aber genau das machte ihre Anziehungskraft für Millionen von Menschen aus, die mit dem System unzufrieden waren.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Wie Trump vertrat auch Sanders einen „Populismus“ gegen das Establishment. Er hatte ein Millionenpublikum, das einen grundlegenden Wandel anstrebte und sich vom „Sozialismus“ angezogen fühlte. Dazu gehörten auch die 43 Prozent der Menschen, die sich selbst als „Unabhängige“ einstuften.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Er setzte enorme Klassenkräfte frei, insbesondere unter der Jugend, die noch nie gewählt hatte.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Trotz seiner Beschränkungen verlieh er dem unbewussten Wunsch der Arbeiterklasse, die Gesellschaft zu verändern, einen bewussten Ausdruck.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Leider hat Sanders am Ende, anstatt mit den Demokraten zu brechen und eine neue antikapitalistische Partei zu gründen, erst Clinton und dann Biden unterstützt und</span><a href="https://communist.red/bernie-s-betrayal-the-fight-for-socialism-continues/"> <span style="font-weight: 400;">die von ihm angeführte Bewegung verraten</span></a><span style="font-weight: 400; color: #000000;">. Das Potenzial, das er geweckt hatte, wurde durch seine Kapitulation vergeudet.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Dadurch wurde Sanders in den Augen vieler zu einem Mann des Establishments, zu einem Teil der demokratischen Maschinerie. Dies spielte Trump in die Hände. Es kam ihm gelegen, der einzige Anti-Establishment-Kandidat im Rennen zu sein.</span></p><h2><span style="color: #000000;"><b>Lektionen für die Linke</b></span></h2><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Heute haben sich Sanders, Alexandria Ocasio-Cortez und die anderen „linken“ Demokraten hinter Kamala Harris gestellt.</span></p><p><span style="color: #000000;"><span style="font-weight: 400;">Dahin führt die bankrotte</span><a style="color: #000000;" href="https://communist.red/the-socialist-case-against-lesser-evil-politics/"> <span style="font-weight: 400;">Politik des „geringeren Übels</span></a><span style="font-weight: 400;"> “. Für sie reduziert sich alles auf die Unterstützung der „Demokratie“ gegen die Bedrohung durch den „Faschismus“.</span></span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">In Wirklichkeit haben sie einfach vor dem Apparat der Demokraten kapituliert. Letztendlich spiegelt dies die Schwäche ihrer reformistischen Politik wider.</span></p><p><span style="color: #000000;"><span style="font-weight: 400;">Das Gleiche hat man in Großbritannien gesehen.</span><a style="color: #000000;" href="https://communist.red/parties-movements-and-lessons-for-the-left/"> <span style="font-weight: 400;">Die Corbyn-Führung</span></a><span style="font-weight: 400;"> dachte, dass sie mit dem rechten Flügel von Labour &#8211; den Vertretern des Kapitalismus innerhalb der Partei &#8211; koexistieren könnte. Die Blairisten hätten vertrieben werden müssen, als Corbyn die Chance dazu hatte. Aber die linken Führer hatten Angst vor einer Spaltung.</span></span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Die rechten Saboteure durften bleiben und die Partei von innen heraus unterminieren. Schwäche lud zur Aggression ein.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Man muss das mal mit Boris Johnson vergleichen. Als Premierminister sah er sich mit dem Widerstand einer Schicht seiner eigenen Abgeordneten wegen des Brexit konfrontiert. Er hat einfach 21 von ihnen aus der Partei ausgeschlossen, ohne zu zögern.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Im Gegensatz dazu kapitulierte die Corbyn-Führung trotz ihrer breiten Unterstützung vor dem rechten Flügel und entschuldigte sich beschämend für nicht vorhandenen „Antisemitismus“. Damit bereitete sie den Boden</span><a href="https://communist.red/the-corbyn-movement-5-years-on-lessons-for-the-left/"> <span style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">für</span> ihre letztendliche Niederlage.</span></a></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Sobald die Rechten wieder an der Macht waren, zögerten sie natürlich nicht,</span><a href="https://communist.red/corbyn-blocked-by-starmer-which-way-forward-for-the-left/"> <span style="font-weight: 400;">die Linken zu vertreiben und Corbyn zu suspendieren.</span></a><span style="font-weight: 400; color: #000000;"> Der Grund für diese Rücksichtslosigkeit war, dass hinter ihnen das Gewicht der herrschenden Klasse, ihrer Medien und die Ressourcen der bürgerlichen Gesellschaft standen.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Wenn es eine Sache gibt, die wir von Trump lernen können, dann ist es dies. Obwohl er ein ausgesprochener Reaktionär ist, bleibt er standhaft und weigert sich, gegenüber seinen Gegnern Kompromisse einzugehen oder nachzugeben. Er weigert sich zu kapitulieren, egal was ihm entgegengeschleudert wird. Diese Hartnäckigkeit verschafft ihm den Respekt von Millionen.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Die Linke würde von einer solchen Entschlossenheit enorm profitieren. Sie muss Feuer mit Feuer bekämpfen. Einfach ausgedrückt: Die Linke muss sich ein Rückgrat zulegen.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Dies erfordert eine revolutionäre Perspektive und ein revolutionäres Programm, was den reformistischen Führern leider fehlt. Sie verstehen nicht, dass die Massen, die nach einer Führung suchen, nichts Geringeres wollen als eine echte Revolution &#8211; nicht in Worten, sondern in Taten.</span></p><h2><span style="color: #000000;"><b>Die kommende amerikanische Revolution</b></span></h2><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Die herrschende Klasse hat Guy Fawkes gefangen und gehängt. In Amerika hingegen könnte Trump, der Störenfried, durchaus ein zweites Mal Präsident werden.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Aber weder Trump noch Harris werden in der Lage sein, die Probleme der Arbeiterklasse zu lösen. Im Gegenteil, die Krise des US- und des Weltkapitalismus &#8211; verschärft durch Trumps wirtschaftlichen Nationalismus &#8211; wird zu noch mehr Austerität und Angriffen führen.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Angesichts des Bankrotts der Demokraten wird das Scheitern des Trumpismus Schichten seiner Unterstützer aus der Arbeiterklasse dazu bringen, nach einem neuen revolutionären Ausweg zu suchen.</span></p><p><span style="font-weight: 400; color: #000000;">Diese Kräfte werden ihrerseits dazu beitragen, die Reihen der kommenden amerikanischen Revolution zu bilden: eine Revolution gegen die Milliardärsklasse und ihr System.</span></p><p><br /><br style="font-weight: 400;" /><br /></p>								</div>
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		<title>Wie verteidigen sich Revolutionäre Kommunisten gegen Faschisten?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Adrian Espurna]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Aug 2024 22:33:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Anti-AfD]]></category>
		<category><![CDATA[Faschismus]]></category>
		<category><![CDATA[Strategie & Organisation]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In den letzten Jahren haben überall Angriffe auf Linke, Migranten und Minderheiten zugenommen. Seit 1990 wurden in Deutschland mehr als 200 Menschen von Faschisten ermordet. Die Krise des Kapitalismus ist [&#8230;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">In den letzten Jahren haben überall Angriffe auf Linke, Migranten und Minderheiten zugenommen. Seit 1990 wurden in Deutschland mehr als 200 Menschen von Faschisten ermordet. Die Krise des Kapitalismus ist der Nährboden für die Ausbreitung von rassistischen und rechtsradikalen Organisationen. Auch wenn es heute keine faschistische Massenbewegung gibt, ist eine kollektive Gegenwehr notwendig.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Auf kollektive Stärke setzen</strong>&nbsp;</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Überall, wo Faschisten organisiert sind, dürfen wir uns von ihrer vermeintlichen Stärke nicht einschüchtern lassen. Selbst in jeder Kleinstadt gibt es klassenbewusste Arbeiter und Jugendliche, die sich gegen Rechte und Faschisten zur Wehr setzen möchten. Was sie brauchen, ist eine Anleitung, wie man diesen Kampf führt – diese können wir ihnen mit unseren Ideen und Methoden geben. Dafür können wir z. B. gemeinsame Treffen organisieren.&nbsp;&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hier zeigen wir auf, welche Rolle der Faschismus im Kapitalismus spielt und welche Gefahr von ihm für die Arbeiterklasse ausgeht. Wir erklären die Ursache für den Aufstieg der Rechten und wie wir sie bekämpfen können. Antifaschismus bedeutet für uns, überall gegen reaktionäre Kräfte aufzutreten und dies mit dem Kampf gegen den Kapitalismus zu verbinden.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dafür erarbeiten wir einen gemeinsamen Aktionsplan, der die nächsten Schritte aufzeigt. Sei es das Drucken eines Flyers oder die Organisation einer Demonstration. Wir arbeiten immer darauf hin, die Massenorganisationen der Arbeiterklasse – allen voran die Gewerkschaften – mitzuziehen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Uns muss klar sein, dass wir uns nur auf unsere eigene Organisation, kollektive Stärke, Klassensolidarität und Initiative verlassen können. Letztlich müssen Faschisten mit physischer Gewalt durch den organisierten Widerstand der Arbeiterklasse und Jugend besiegt werden.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Auge um Auge, Zahn um Zahn</strong>&nbsp;</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wir müssen den Faschisten dort eine Lektion erteilen, wo es darauf ankommt: in den Schulen, Unis, Fabriken und auf der Straße. Faschisten muss klargemacht werden, dass ihr Handeln für sie folgenschwere Konsequenzen haben wird. Wo nötig, sammeln wir Informationen über die Anführer in unserer Umgebung und veröffentlichen diese. Jeder Angriff auf uns wird ihnen tausendfach zurückgezahlt.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Infostände, Demonstrationen und Streiks diskutieren wir die Frage der Selbstverteidigung. Wir bereiten uns entsprechend vor und setzen uns, wenn nötig, physisch zur Wehr. Ein inspirierendes Beispiel hierfür ist der spanische Schülerstreik im Dezember 1986. Nach Angriffen von bewaffneten Faschisten organisierten unsere Genossen disziplinierte und gut geschulte Ordner, welche die Demonstrationen mit schweren Stöcken verteidigten. Dabei wurden sie von den wichtigsten Gewerkschaften Spaniens mit weiterem nützlichem technischem Equipment ausgestattet. Es gab keine weiteren Angriffe seitens der Faschisten, da sie mit der Härte des Asphalts vertraut gemacht wurden.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Klassenkampf-Methoden</strong>&nbsp;</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Als Kommunisten wählen wir eine Herangehensweise, die das Klassenbewusstsein der Arbeiterklasse schärft. Heimliche Anschläge auf Faschisten sind deswegen genauso kontraproduktiv wie ein vermummter schwarzer Block, aus dessen Reihen Steine auf Nazis fliegen. Die herrschende Klasse und ihre Medien nutzen dies, um gegen Linke zu hetzen, während die Arbeiterklasse nicht in den Kampf einbezogen wird und dementsprechend die Anwendung von Gewalt als unverhältnismäßig ablehnt.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stattdessen muss ein offener Kampf mit vorausgehender Diskussion geführt werden, so dass die Arbeiterbewegung sich bewusstwird, dass die Gewalt von den Faschisten mit Unterstützung des bürgerlichen Staates ausgeht. Nur so erkennt die Arbeiterbewegung, dass sie die Selbstverteidigung in die eigenen Hände nehmen muss.&nbsp;&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Klassenkampf vereint, kann die Arbeiterklasse zum Angriff übergehen: Faschisten entwaffnen, die Bankkonten ihrer Organisationen trockenlegen und sie durch Streiks, etwa im Transportwesen, an der Verbreitung ihrer reaktionären Ideologie behindern. Schließlich können wir faschistische Gruppen nur vollständig beseitigen, wenn wir die Macht der Banken und Konzerne brechen und die Gesellschaft von Grund auf verändern.&nbsp;</p>
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		<title>Wieso kamen 1933 die Faschisten an die Macht?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Alma Lieckfeld]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Jul 2024 15:23:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Marxismus]]></category>
		<category><![CDATA[Theorie]]></category>
		<category><![CDATA[Ausgabe 6]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche Arbeiterbewegung]]></category>
		<category><![CDATA[Faschismus]]></category>
		<category><![CDATA[Marxismus & Staat]]></category>
		<category><![CDATA[Welche Rolle spielt der Staat? Was bringen Appelle an Politiker durch soziale Bewegungen?]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In einem taz-Artikel von Georg Diez, ein Historiker und Autor, der für die FAZ, die Süddeutsche, die Zeit und andere große Medien schrieb, fragt er die Leser, „wen man eigentlich [&#8230;]</p>
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									<p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">In einem taz-Artikel von Georg Diez, ein Historiker und Autor, der für die FAZ, die Süddeutsche, die Zeit und andere große Medien schrieb, fragt er die Leser, „wen man eigentlich schützen will, wenn man es vermeidet, Faschisten Faschisten zu nennen“.</span></p><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Damit fasst er in Worte, was ein Teil der Bürgerlichen sich sehr wohl traut in Worte zu fassen: Die AfD sei faschistisch, Meloni sei Postfaschistin und auch Donald Trump ginge als Faschist durch.</span></p><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Für Diez zeichnet sich Faschismus aus durch „die Verherrlichung einer mythologischen Vergangenheit, die Propaganda von ‚wir‘ gegen ‚die‘, Antiintellektualismus, den hierarchischen Führerkult, eine Opferrhetorik, die Rede von Sicherheit und Ordnung, von Arbeit und Disziplin“. Diese Aneinanderreihung von oberflächlichen Merkmalen lässt eine ernsthafte Analyse des Faschismus außen vor. Das ist typisch für bürgerliche „Theorien”. Hält man sich an solche Darstellungen, dann kann man nicht nur die AfD, sondern auch Julius Cäsar als Faschisten bezeichnen. Geholfen ist damit niemandem. Um den Faschismus zu verstehen, müssen wir in die Geschichte gucken.</span></p><p style="font-weight: 400;"><strong style="color: #000000; font-size: 1.875rem; font-style: inherit; font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; text-align: var(--text-align);"> </strong></p><h3 style="font-weight: 400;"><strong style="color: #000000; font-size: 1.875rem; font-style: inherit; font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; text-align: var(--text-align);">Vor der Konterrevolution kam die Revolution</strong></h3><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Im November 1918, inmitten von Hungersnot, Kältetod und Leichenbergen an der Front, die alle im imperialistischen Ersten Weltkrieg starben, erhob sich in Deutschland die Arbeiterklasse gegen diese Barbarei. In der Novemberrevolution stürzten die Arbeiter- und Soldatenmassen das deutsche Kaiserreich und beendeten den ersten Weltkrieg.</span></p><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Doch die reformistische Führung der SPD, damals die einflussreichste und größte Arbeiterpartei weltweit, lenkte die Revolution in bürgerliche Bahnen um und verhindert so die Errichtung einer sozialistischen Räterepublik.</span></p><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Stattdessen richteten die Führungen der SPD, USPD und Gewerkschaften die bürgerliche Weimarer Republik ein. Sie hielten die Revolution auf halbem Wege auf. Die Arbeiterklasse erkämpfte sich zwar weitreichende demokratische Rechte, aber verlor die politische Macht, die sie sich in der Revolution genommen hatte. Die SPD rettete den Kapitalismus und gab die Macht an die Bourgeoisie zurück.</span></p><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Damit war aber kein stabiles soziales und politisches Gleichgewicht hergestellt. Im Gegenteil: Die Verschuldung der deutschen Republik trieb die Wirtschaft in den Ruin. Das befeuert wiederum den Klassenkampf. Immer weitere Schichten der Arbeiterklasse zogen revolutionäre Schlussfolgerungen weshalb die KPD neben der SPD und der USPD an Einfluss gewann.</span></p><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">1920 versuchte ein Teil der Kapitalistenklasse der Republik, den Errungenschaften der Revolution sowie der SPD-Regierung ein Ende zu setzen. Es kam zum reaktionären Kapp-Putsch. Das war eine frühe Warnung vor dem Faschismus. Die Arbeiterklasse reagierte damals sofort und beendete den drohenden Albtraum einer reaktionären Diktatur durch einen Generalstreik, den größten Generalstreik der deutschen Geschichte mit über 12 Millionen Streikenden. Die Arbeiterklasse bewies eindrucksvoll ihre Macht. Doch erneut scheiterte sie an der Machtübernahme. Der Generalstreik endete nicht im Sozialismus, sondern in der Rettung der Weimarer Republik durch die Führung der SPD und Gewerkschaften, die wieder einen Kompromiss mit den Kapitalisten eingingen.</span></p><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">1923 fand eine weitere Revolution statt. Alle Bedingungen für eine erfolgreichen Sturz des Kapitalismus waren vorhanden. Es gab erneute Generalstreiks. Letzten Endes wurde dieses Mal die Machtübernahme der Arbeiterklasse von der KPD abgesagt. Diese Niederlage markiert das Ende einer revolutionären Phase, der Kapitalismus stabilisierte sich relativ.</span></p><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Die Widersprüche des niedergehenden Kapitalismus blieben allerdings bestehen und vertieften sich. Sie traten mit der Weltwirtschaftskrise 1929 mit aller Macht zum Vorschein. Der Staat attackierte die Arbeiterklasse mit massiven Kürzungen und die Kapitalisten warfen Millionen Arbeiter auf die Straße und kürzten die Löhne. Der Lebensstandard der Arbeiterklasse brach drastisch ein, Arbeitslosigkeit erreichte die Rekordzahl von mehr als sieben Millionen.</span></p><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">„Für Europa und vor allem für Deutschland gibt es kein Vorwärts auf kapitalistischem Wege“, schrieb der russische Revolutionär Leo Trotzki damals. Es war klar: Früher oder später würde es auf der Grundlage der kapitalistischen Krise zu einem erneuten Kräfteringen zwischen den Klassen kommen müssen. Die Kapitalistenklasse bereitete sich auf einen Entscheidungskampf gegen die Arbeiterklasse vor und begann faschistische Kräfte, insbesondere die NSDAP und Hitler zu unterstützen. Sie finanzierte die organisierte faschistische Bewegung.</span></p><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Um ihre Profite in der tiefen Krise wiederherzustellen, musste die herrschende Klasse alle Errungenschaften der Novemberrevolution zerstören, inklusive der Arbeiterparteien und Gewerkschaften, um jede kollektive Gegenwehr der Arbeiterklasse unmöglich zu machen. Die Weimarer Republik gewährt der Arbeiterklasse die Möglichkeit, sich frei zu organisieren, deshalb setzt das Kapital auf den Faschismus, um ihre Konterrevolution zu Ende zu bringen.</span></p><p style="font-weight: 400;"><strong style="color: #000000; font-size: 1.875rem; font-style: inherit; font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; text-align: var(--text-align);"> </strong></p><h3 style="font-weight: 400;"><strong style="color: #000000; font-size: 1.875rem; font-style: inherit; font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; text-align: var(--text-align);">Verhältnis von Demokratie und Faschismus</strong></h3><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Für viele ist Faschismus ein völliger Gegensatz zur Demokratie. Aber Marxisten unterscheiden Gesellschaftssysteme nicht abstrakt in Diktatur und Demokratie, wir gucken uns die Produktionsverhältnisse und den Klassencharakter der Systeme an.</span></p><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">In „Was Nun?“ wird das Verhältnis von Demokratie und Faschismus von Trotzki auf den Punkt gebracht: „Zwischen Demokratie und Faschismus besteht ein Gegensatz. Er ist durchaus nicht ‚absolut‘ oder, in der Sprache des Marxismus zu reden, bezeichnet durchaus nicht die Herrschaft zweier unversöhnlicher Klassen. Aber es kennzeichnet verschiedene Herrschaftssysteme ein und derselben Klasse. Diese beiden Systeme, das parlamentarisch-demokratische und das faschistische, stützen sich auf verschiedene Kombinationen der unterdrückten und ausgebeuteten Klassen und geraten unvermeidlich in schroffe Zusammenstöße miteinander.“</span></p><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Bürgerlicher Parlamentarismus und Faschismus sind verschiedene Herrschaftsformen des Kapitals. In dem Sinne sind beides Diktaturen des Kapitals. Trotzdem ist es fatal beide gleichzustellen, was die Stalinisten zu dieser Zeit mit ihrer „Sozialfaschismusthese“ taten.</span></p><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Während die gleiche Klasse – also die Kapitalisten – in beiden Systemen an der Macht bleibt, stützt sich ihre Herrschaft jeweils auf unterschiedliche Klassen. Die beiden Regierungsformen unterscheiden sich in ihrem Verhältnis zu den anderen Klassen in der Gesellschaft, zum Kleinbürgertum und der Arbeiterklasse. Während sich die bürgerliche Demokratie zu großen Teilen auf die Passivität der Arbeiterklasse stützt – aufrechterhalten durch die reformistischen Führungen in den Arbeiterorganisationen – stützt sich der Faschismus auf die Bewegung des durch die Krise wildgewordenen Kleinbürgertums und faschistische Schlägertrupps, die sich aus diesem rekrutieren.</span></p><p style="font-weight: 400;"><strong style="color: #000000; font-size: 1.875rem; font-style: inherit; font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; text-align: var(--text-align);"> </strong></p><h3 style="font-weight: 400;"><strong style="color: #000000; font-size: 1.875rem; font-style: inherit; font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; text-align: var(--text-align);">Die soziale Basis des Faschismus: Das Kleinbürgertum</strong></h3><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Kleine faschistische Gruppen gab es bereits vor dem Aufstieg der NSDAP. Der erfolglose Putschversuch von Hitler 1923 zeugte von der fehlenden Massenbasis dieser Bewegung. Diese wurde mit der Krise nach 1929 geschaffen, nachdem die Arbeiterklasse bereits die gravierenden Niederlagen ihrer Revolutionen erlebt hatte.</span></p><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Große Teile des Kleinbürgertums wurden ökonomisch durch die Weltwirtschaftskrise völlig ruiniert, ihr Lebensstandard fiel teilweise unter den der Arbeiterklasse. Die Arbeiterklasse war durch Gewerkschaften und historische Errungenschaften ihres kollektiven Kampfes, wie das Arbeitslosengeld, besser vor Armut und Verzweiflung geschützt als das Kleinbürgertum. Letzteres hat keine kollektiven, solidarischen Kampfmethoden.</span></p><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Die Basis des Faschismus bildeten vor allem kleine Gewerbetreibende, Bauern, Beamtenschaft, Studenten, Lumpenproletariat und nur zu kleinem Teil politisch rückständige Arbeiter. Sie waren dem Untergang des Kapitalismus hilflos ausgeliefert. Dieser Frust, die Angst vor dem Elend und dem sozialen Abstieg waren der Nährboden für die Verbreitung der faschistischen Ideen im Kleinbürgertum und dafür, dass diese Klasse in Bewegung gebracht werden konnte.</span></p><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Das reaktionäre Programm der NSDAP richtete sich ideologisch auf das Kleinbürgertum und knüpfte an deren Bewusstsein an. Die Faschisten schürten einerseits Judenhass und verknüpften das demagogisch mit oberflächlicher Kritik gegen das Bankenkapital. Die konfuse, teilweise mit „sozialistischen“ Phrasen gespickte Propaganda war dabei reine Fassade – aber eben eine nützliche. Sie verstärkte damit den Eindruck, als sei die faschistische Bewegung gegen „die da oben“ gerichtet, die die Massen ruinierten. Andererseits hetzten die Nazis gegen den größten Feind des Kapitals und des Faschismus: die organisierte Arbeiterbewegung.</span></p><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Um eine Massenbewegung zu werden, bedurfte es der Unterstützung des Großkapitals. Ohne diese wäre eine organisierte faschistische Bewegung in Form einer Massenpartei nie möglich gewesen. Für die Kapitalisten galt und wird schlussendlich immer gelten: lieber Faschismus als Sozialismus. Die Millionensummen, die dem Faschismus zugeschoben wurden, zeigen das wahre Gesicht der Kapitalistenklasse.</span></p><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Nicht dazu in der Lage, die Arbeiterbewegung zu zerstören, stützte sich die Bourgeoisie auf ihre letzten Register der Konterrevolution gegen den Sozialismus. Der Faschismus wird von Palmiro Togliatti, ein italienischer Kommunist, als „konsequentestes und bis zu Ende geführtes System der Reaktion“ beschrieben und genau diesen Charakter muss man in Bezug auf die Klassenverhältnisse definieren.</span></p><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Trotzki erklärt in „Was Nun?“: „Um zu versuchen, einen neuen Ausweg zu finden, muß sich die Bourgeoisie vollends des Drucks der Arbeiterorganisationen entledigen, sie hinwegräumen, zertrümmern, zersplittern. Hier setzt die historische Funktion des Faschismus ein. Er bringt jene Klassen auf die Beine, die sich unmittelbar über das Proletariat erheben und fürchten, in dessen Reihen gestürzt zu werden, organisiert und militarisiert sie unter Deckung des offiziellen Staates mit den Mitteln des Finanzkapitals und treibt sie zur Zertrümmerung der proletarischen Organisationen, der revolutionären wie der gemäßigten.“</span></p><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Es gibt bereits im Kapitalismus Elemente der sozialistischen Gesellschaftsstruktur. Gewerkschaften und Arbeiterparteien vertreten die Arbeiterklasse im Kampf um den Reichtum der Gesellschaft. Sie werden im Sozialismus fortbestehen und eine wichtige Rolle in der Organisation der Gesellschaft einnehmen. Die Aufgabe des Faschismus bestand darin, nicht nur die kommunistische Avantgarde des Proletariats zu zerstören, sondern alle Stützpunkte der Arbeiterklasse innerhalb des kapitalistischen Systems zu vernichten und die Arbeiterklasse völlig wehrlos zu machen. Davor warnte Trotzki in diversen Schriften immer wieder.</span></p><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Es liegt eine gewisse traurige Ironie darin, dass die SPD und die Gewerkschaften sich damals ihr eigenes Grab schaufelten, indem sie den Sozialismus nicht erkämpften. Trotzki kommentiert treffend: „Die Partei, die sich auf die Arbeiter stützt, aber der Bourgeoisie dient, muß in der Periode höchster Zuspitzung des Klassenkampfes den Odem des Grabes spüren.“</span></p><p style="font-weight: 400;"><strong style="color: #000000; font-size: 1.875rem; font-style: inherit; font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; text-align: var(--text-align);"> </strong></p><h3 style="font-weight: 400;"><strong style="color: #000000; font-size: 1.875rem; font-style: inherit; font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; text-align: var(--text-align);">SPD: „Staat greif ein!“</strong></h3><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Kräftetechnisch war die Arbeiterklasse dem Faschismus jedoch eine lange Zeit überlegen. Bei Wahlen zu Beginn der 1930er kamen SPD und KPD gemeinsam noch auf über 40 % und oft spiegeln Wahlen das tatsächliche Bewusstsein nur eingeschränkt wider. Zu Ehren der Arbeiterklasse muss man festhalten, dass kein Widerstand gegen den Faschismus so bedeutend war wie der der Arbeiterklasse und der Kommunisten.</span></p><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">„Sind Tote zum Kampf untauglich, so sind sie doch gut genug, die Lebenden am Kämpfen zu hindern!“ So kann man die SPD-Führung damals in Trotzkis Worten charakterisieren. Tot in dem Sinne, dass die Führung jegliche Ideen des Sozialismus aufgegeben hatte. Gut darin, die Lebenden am Kämpfen zu hindern, denn die reformistische SPD-Führung organisierte in ihren Reihen immer noch einen relevanten Teil der Arbeiterklasse, der für den Sozialismus kämpfen wollte, und hielt diesen passiv.</span></p><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Die SPD-Führung wollte durch schrittweise Reformen innerhalb der bürgerlichen Demokratie zum Sozialismus gelangen. Während des wirtschaftlichen Aufschwungs (1924-1929) waren einige kleinere Reformen möglich, aber in der Krise wandelte sich ihre Politik in leere Phrasen um. Die SPD-Führung setzte im Kampf gegen die faschistische Gefahr vollständig auf den bürgerlichen Staatsapparat. Durch die Unterstützung der Aufrüstung und die Tolerierung der Regierung von Heinrich Brüning (1930-32) enttäuschte sie Teile ihrer Anhänger, die einen sozialistischen Ausweg aus der Krise suchten.</span></p><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Die Politik der SPD erwies sich als fataler Fehler. Der Staat, verkörpert durch Reichspräsident Hindenburg, ernannte schließlich auf Geheiß der Kapitalistenklasse Hitler zum Reichskanzler und unterstützte die Machtübernahme der Nazis uneingeschränkt. Den Ruf der SPD „Staat greif ein!” entlarvte Trotzki gekonnt: „,Staat greif ein! ‘ Das heißt: ,Brüning, zwinge uns nicht, uns mit den Kräften der Arbeiter zu verteidigen! ‘“</span></p><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Auf den Staat war kein Verlass im Kampf gegen den Faschismus und das lag nicht an der Verfassung der Weimarer Republik. Der Staat nimmt keine neutrale Rolle ein. Er ist immer der Staat der herrschenden Klasse und dient dazu, die Klassenwidersprüche zu bändigen, die unterdrückte Klasse unterdrückt zu halten. Trotzdem wird bis heute der Mythos verbreitet, dass der Aufstieg des Faschismus wegen einer „fehlerhaften“ Verfassung der Weimarer Republik möglich war. Darum müsse man heute einen gesetzlichen Rahmen schaffen, damit eine solche Machtübernahme nie wieder passieren kann. So lernt man nichts aus der Geschichte.</span></p><p style="font-weight: 400;"><strong style="color: #000000; font-size: 1.875rem; font-style: inherit; font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; text-align: var(--text-align);"> </strong></p><h3 style="font-weight: 400;"><strong style="font-style: inherit; font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; text-align: var(--text-align); color: #000000; font-size: 1.875rem;">Sozialfaschismus und fehlende Einheitsfront</strong></h3><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Während die Faschisten an Zulauf gewannen, etablierte sich in der Kommunistischen Internationale und in der KPD Ende der 1920er die stalinistische Sozialfaschismusthese. Sie wurde Anfang 1924 erstmals von Sinowjew vertreten. Im September 1924 stimmte Josef Stalin dieser zu und bezeichnete die Sozialdemokratie und den Faschismus als „Zwillingsbrüder“: „Der Faschismus ist eine Kampforganisation der Bourgeoisie, die sich auf die aktive Unterstützung der Sozialdemokratie stützt. Die Sozialdemokratie ist objektiv der gemäßigte Flügel des Faschismus. […] Diese Organisationen schließen einander nicht aus, sondern ergänzen einander. Das sind keine Antipoden, sondern Zwillingsbrüder.“</span></p><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Diese völlig falsche Position führte die KPD und ihre Anhänger in eine tödliche Sackgasse. Wenn alles, was rechts von der KPD steht, als „faschistisch“ betrachtet wird, macht es keinen Unterschied, ob Sozialdemokraten, bürgerliche Parteien oder Hitler regieren.</span></p><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Hinter der „Wir fürchten uns nicht vor dem Faschismus“ Aussage des führenden KPD-Mitglieds Remmele steckte eigentlich der Beweis des Bankrotts der KPD. Trotzki kommentierte das in „Was nun?“: „‚Wir fürchten nicht‘ Hitlers Machtergreifung – das ist ja eben die Kehrseite der Feigheit. ‚Wir‘ halten uns nicht für fähig, Hitler an der Machtergreifung zu hindern.“</span></p><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Der größte Fehler der KPD lag in ihrer Verweigerung der Einheitsfront mit der SPD. Die Kommunistische Partei macht die Sozialdemokratie für die Passivität der Massen verantwortlich. Sie denunzierte allerdings nicht nur die Führung der SPD, sondern richtete sich auch mit Ultimaten an die SPD-Basis, statt die SPD-Anhänger auf die Seiten der Revolution zu ziehen und die reformistische SPD-Führung im gemeinsamen Kampf zu entlarven. Mit der Einheitsfront-Taktik hätte sie die Arbeiterklasse von der Sozialdemokratie wegholen und sie davon überzeugen können, dass der Kampf gegen Faschismus, der Kampf für Sozialismus ist.</span></p><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Mit der Politik, die aus der „Sozialfaschismusthese“ floss, spaltete die KPD die Arbeiterbewegung. Sie überließ die Arbeiter in der SPD ihrer Führung, welche wiederum alles auf den deutschen Staat setzte und mit antikommunistischer Propaganda ebenso die Arbeiterbewegung spaltete.</span></p><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Der Stalinismus und der Reformismus besiegelten letzten Endes den Sieg der faschistischen Barbarei. Nachdem die Führungen der Arbeiterbewegung 1933 die Machtübergabe an Hitler und die NSDAP kampflos geschehen ließen, wurden die KPD, SPD und Gewerkschaften zerschlagen und die Arbeiterklasse jeglicher effektiven Gegenwehr beraubt.</span></p><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Die Massen waren nicht einem charismatischen Diktator verfallen. Permanenter Terror durch die faschistische Massenbewegung und ihre bewaffneten Arme SA und SS zwangen ihnen die faschistische Diktatur auf. Der Faschismus hatte seine historische Aufgabe als absolute kapitalistische Konterrevolution erfüllt.</span></p><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Trotz der Fehler, die die Führung der Arbeiterbewegung machte, konnten die Nazis unter den Arbeitern lange keine nennenswerte Unterstützung mobilisieren: Bei den Betriebsratswahlen im Herbst 1933 zum Beispiel erhielten sie weniger als 3 % der Stimmen.</span></p><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Es war Trotzki und die linke Opposition, die in Zeiten des Aufstiegs des Faschismus dessen wahren Charakter erkannt hatten. Trotzki trat in all seinen Schriften für die Einheitsfront zwischen KPD und SPD ein. Er betonte immer: „Die Hauptschlacht muß geliefert werden, ehe Brünings bürokratische Diktatur vom faschistischen Regime abgelöst wird, das heißt, bevor die Arbeiterorganisationen vernichtet sind.“</span></p><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Die linke Opposition war allerdings zu klein und hatte kaum Einfluss auf die Arbeiterklasse. So blieb die Arbeiterklasse unter dem Einfluss der Reformisten und der Stalinisten.</span></p><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Wir stehen in der Tradition der linken Opposition und müssen aus der grausamen Niederlage lernen. Die Taktik der Einheitsfront bleibt heute genauso relevant wie damals. Wenn man verstehen will, was heute passiert, so muss man auch die Geschichte verstehen. Nur mit richtiger Theorie können wir zu den richtigen taktischen Schlussfolgerungen kommen. Damit die richtigen Ideen wirkmächtig werden, braucht es eine Partei, die Einfluss auf die Jugend und die Arbeiterklasse hat.</span></p><p style="font-weight: 400;"><strong style="color: #000000; font-size: 1.875rem; font-style: inherit; font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; text-align: var(--text-align);"> </strong></p><h3 style="font-weight: 400;"><strong style="color: #000000; font-size: 1.875rem; font-style: inherit; font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; text-align: var(--text-align);">Rechte Demagogie heute</strong></h3><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Wir befinden uns auch heute in einer tiefen Krise des Kapitalismus. Die Regierung setzt im Interesse des Kapitals Sparpolitik und andere Angriffe gegen die Arbeiterklasse durch. Das kapitalistische System lebt von der Produktion für Profit, nicht für die Bedürfnisse der Menschen.</span></p><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Auch heute gewinnen rechte Parteien, Rassismus und in gewissem Maße faschistische Ideologien an Zustimmung. Diese widerwärtige Entwicklung entsteht, weil die kapitalistische Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung zutiefst kaputt und überholt ist.</span></p><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Gleichzeitig rufen die etablierten Parteien und die bürgerlichen Eliten dazu auf „unsere Demokratie“ zu retten. Die bürgerliche Demokratie ist jedoch nicht unsere Demokratie, es ist die Demokratie der Kapitalisten. Nicht die AfD schafft die Krise der bürgerlichen Demokratie, die bürgerliche Demokratie befindet sich in der Krise und schafft rechte Demagogen, Hetze und Raum für spalterische Ideen.</span></p><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Während kleine faschistische Banden wie der „Dritte Weg“ Angriffe auf die schwächsten Teile der Arbeiterklasse und Jugend machen werden und wir kollektive Gegenwehr organisieren müssen, gibt es heute keine faschistische Massenbewegung. Das wird der AfD-Wählerschaft immer wieder zu Unrecht vorgeworfen. Die Klassenverhältnisse sind heute völlig andere als in den 1930ern.</span></p><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Faschismus ist die schwärzeste kapitalistische Konterrevolution und kann nur am Ende einer revolutionären Epoche entstehen, wenn sich das System in völligem Niedergang befindet. Selbst in Zeiten langer kapitalistischer Krisen kann der Faschismus nur dann Zulauf finden, wenn die Arbeiterorganisationen es versäumen, die antikapitalistischen Gefühle der Massen zu aufzufangen. Außerdem muss die Voraussetzung erfüllt sein, dass seine soziale Basis, das Kleinbürgertum, noch in ausreichender Stärke vorhanden ist und sich diesen Ideen zuwendet.</span></p><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Doch heute ist dem Faschismus die soziale Basis entzogen worden. Der Großteil der Bevölkerung ist Teil der Arbeiterklasse. Während damals noch ein Großteil der Beamten und Studierenden Teil des Kleinbürgertums waren, hat sich das heute grundlegend verändert. Die meisten Lehrer sind gewerkschaftlich organisiert, studieren ist keine Eintrittskarte mehr in den kleinbürgerlichen Wohlstand, sondern man bleibt auch mit Bachelor und Master Teil der Arbeiterklasse.</span></p><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Arbeiter haben die Methoden des kollektiven, organisierten Kampfes gegen das Kapital, mit denen sie auf die Krise reagieren können. Mit mehr Frontalangriffen auf den Lebensstandard des Proletariats wird der organisierte Klassenkampf zunehmen. Wir befinden uns noch weit am Anfang einer langen revolutionären Periode. Die Arbeiterklasse hat noch keine Niederlagen erlebt. Wir können heute im Kampf gegen die AfD, die etablierten Parteien und den Kapitalismus insgesamt, ihren Sieg vorbereiten, in dem wir die RKP aufbauen und den Marxismus in der Bewegung verankern.</span></p><p style="font-weight: 400;"><span style="color: #000000;">Georg Diez endet seinen Artikel über Faschismus in der taz mit den Worten: „um [den Faschismus] zu bekämpfen, muss man ihn benennen.“ Dem halten wir entgegen: Wer den Faschismus und rechte Ideologien wirklich bekämpfen will, der muss den Kapitalismus durch die sozialistische Revolution auf den Müllhaufen der Geschichte befördern.</span></p>								</div>
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		<title>Der Spanische Bürgerkrieg und die Verbrechen des Stalinismus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Arturo Rodriguez]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 02 Sep 2023 10:26:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Faschismus]]></category>
		<category><![CDATA[Marxismus & Staat]]></category>
		<category><![CDATA[Revolution]]></category>
		<category><![CDATA[Stalinismus]]></category>
		<category><![CDATA[Strategie & Organisation]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Spanische Bürgerkrieg nahm im Juli 1936 mit dem Beginn des Putsches durch General Franco seinen Anfang. Die faschistischen Kräfte hätten durch den Aufstand und die Gegenwehr der Arbeiter besiegt [&#8230;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Der Spanische Bürgerkrieg nahm im Juli 1936 mit dem Beginn des Putsches durch General Franco seinen Anfang. Die faschistischen Kräfte hätten durch den Aufstand und die Gegenwehr der Arbeiter besiegt werden können. Doch ihr Heldenmut wurde von den Stalinisten verraten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lies&nbsp;<a href="https://derfunke.at/geschichte/10497-der-lange-schatten-der-spanischen-revolution">diesen Artikel</a>&nbsp;als Hintergrund zum Spanischen Bürgerkrieg</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während des Spanischen Bürgerkriegs (1936-139) legte die Arbeiterklasse die Entschlossenheit, Opferbereitschaft und organisatorische Fähigkeit für nicht nur eine, sondern zehn Revolutionen an den Tag, wie Trotzki schrieb. Und doch scheiterten sie schlussendlich, betrogen von allen ihren Führungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter diesen Führungen spielten die Stalinisten die konterrevolutionärste Rolle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Josef Stalin hatte sich in der Sowjetunion der Macht der Arbeiterklasse bemächtigt und ihre aktivste Avantgarde zerschlagen. Er vertrat die Interessen der Sowjetbürokratie – eine parasitäre Kaste privilegierter Staatsadministratoren. Diese Kaste entstand inmitten der Armut, Rückständigkeit und der imperialistischen Interventionen, von denen Russland nach der Revolution heimgesucht wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Stalinisten spielten nicht nur in der Sowjetunion eine reaktionäre Rolle, sondern auch darüber hinaus, einschließlich im Spanischen Bürgerkrieg. Sie konnten sich dafür auf ihren Einfluss in der internationalen kommunistischen Bewegung stützen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die stalinistische Bürokratie war tief nationalistisch und genoss ihre Privilegien dank ihrer Kontrolle über den Sowjetstaat. Sie fürchtete, dass revolutionärer Internationalismus die Stabilität des Sowjetstaats gefährden und die Beziehungen zu seinen Nachbarstaaten verschlechtern könnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor allem aber würde eine Revolution in einem anderen Land die sowjetische Arbeiterklasse mit Enthusiasmus anstecken, was eine Bedrohung für die Position der Stalinisten zu Hause wie anderorts darstellen würde. Und so suchten die Stalinisten Übereinkünfte mit kapitalistischen Mächten wie Großbritannien oder Frankreich, anstatt die Revolution international auszuweiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die&nbsp;<a href="https://derfunke.at/geschichte/revolution-konterrevolution-vor-1945/12184-arbeiter-aller-laender-vereinigt-euch">Kommunistische Internationale</a>, 1919 als Partei der Weltrevolution gegründet, wurde zu einem diplomatischen Hebel in den Händen der stalinistischen Clique degradiert, sobald die Bürokratie dort die Zügel fest an sich gerissen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der engstirnige Nationalismus der Bürokratie wurde mit Stalins „Theorie“ vom „Sozialismus in einem Land“ gerechtfertigt. Diese verräterische Politik war eine Absage an den marxistischen Internationalismus und führte die Arbeiter in Ländern wie Großbritannien (1926), China (1927) und Deutschland (1933) in Niederlagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch der zweifellos grausamste Verrat der Stalinisten an der proletarischen Revolution passierte im Spanischen Bürgerkrieg von 1936-1939. Denn hier fungierte er nicht nur als Bremse für die Arbeiterklasse, sondern als bewusst agierende, ausgesprochen konterrevolutionäre Kraft.<br></p>



<h3 class="wp-block-heading">Sektierertum</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Am 14. April 1931 floh König Alfons XIII aus Spanien, und nach einem überwältigenden Sieg der republikanischen Parteien bei Lokalwahlen wurde die Zweite Spanische Republik ausgerufen. Das war der Startschuss der Spanischen Revolution – der weitreichendste revolutionäre Prozess in Europa seit der&nbsp;<a href="https://derfunke.at/geschichte/russische-revolution/10592-russland-1917-ein-zerrissenes-land">Russischen Revolution 1917</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu jenem Zeitpunkt war die offizielle Spanische Kommunistische Partei (PCE) eine winzige Kraft mit etwa 800 Mitgliedern. Die dominierenden Kräfte in der spanischen Arbeiterbewegung waren die anarchosyndikalistische&nbsp;<em>Confederación Nacional del Trabajo</em>&nbsp;(CNT) sowie die sozialdemokratische&nbsp;<em>Partido Socialista Obrero Español</em>&nbsp;(PSOE).</p>



<p class="wp-block-paragraph">1921 zu einer Organisation vereint, nahm die PCE nie an Fahrt auf. Sie fristete ihr Dasein in den 1920er Jahren unter Repression und internen Streitigkeiten. Wie auch in den anderen Sektionen der Kommunistischen Internationale gerieten sie unter die eiserne Kontrolle Moskaus und in Folge der Stalinisten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gab talentierte Persönlichkeiten in den Reihen der PCE, wie etwa Andreu Nin, Maurín oder Juan Andrade. Doch regelmäßige Säuberungen und der politische Zickzack-Kurs Moskaus entfernten sie von der Partei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1931 war die Partei mit gefügigen Figuren wie Mije, Ibárruri und Díaz besetzt, die unfähig waren, einen unabhängigen Gedanken zu fassen und immer bereit, die neueste Phrase aus dem Kreml wiederzukäuen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damals ging die Kommunistische Internationale durch ihre sogenannte „Dritte Periode“-Phase: Eine ultralinke Episode, in der ein unversöhnlicher Krieg gegen die Sozialdemokraten ausgerufen wurde, die als „Sozialfaschisten“ bezeichnet wurden. In Deutschland&nbsp;<a href="https://socialist.net/january-1933-how-and-why-hitler-gained-power/">verhalf dieses Sektierertum Hitler zur Machtergreifung</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den Vorgaben Moskaus folgend begrüßte die PCE die Republik mit der Losung „Nieder mit der bürgerlichen Republik, alle Macht den Räten!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Losung war in zweierlei Hinsicht falsch. Erstens genoss die Republik in ihren Anfängen breite Unterstützung innerhalb der Arbeiterklasse. Und zweitens gab es in Spanien zu dem Zeitpunkt keine Sowjets und es konnte sie auch nicht geben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die PCE war durch und durch sektiererisch. Diese winzige Kraft bezichtigte die PSOE des „Sozialfaschismus“ und die CNT des „Anarchofaschismus“. Die Stalinisten bildeten ihre eigenen Ersatzgewerkschaften. Die ultralinke PCE stand während des Drangs zur Einheit der Arbeiterklasse 1933-34 anfangs im Abseits.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Rechte Parteien gewannen im November 1933 die Wahlen, die zu einem Zeitpunkt tiefer Desillusionierung mit den Reformisten und der Republik als Ganzes stattfanden. Der Sieg der Rechten rüttelte jedoch die Arbeiterbewegung auf, die nach der Machtübernahme der Nazis in Deutschland die Gefahr des Faschismus akut wahrnahmen.<br></p>



<h3 class="wp-block-heading">Drehungen und Wendungen</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Ein großer Teil der PSOE rückte scharf nach links. Linke Organisationen begannen für eine Einheitsfront zu agitieren, die sich dann auch in den Alianzas Obreras (Arbeitereinheiten) verwirklichte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zunächst wandte die PCE der Arbeitereinheiten den Rücken zu. Doch plötzlich verlangte Moskau einen Kurswechsel. Der Sieg Hitlers zwang zur Hinterfragung des kriminellen Sektierertums in Form des „Dritte-Periode“-Ultralinkstums.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stalin war nicht nur über die Zerstörung der Deutschen Kommunistischen Partei besorgt, sondern vielmehr über Hitlers aggressive Außenpolitik, die den Sowjetstaat direkt bedrohte. Und so revidierte Stalin seine internationale Strategie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach einer Phase der Anspannung mit Großbritannien und Frankreich zwischen 1927-33 suchte Moskau nun wieder Anschluss an die westlichen „Demokratien“, um sich gegenüber Deutschland abzusichern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Suche nach Allianzen mit bürgerlichen Demokratien drückte sich auch in der Kommunistischen Internationalen aus, die nun instruiert wurde, mit reformistischen und liberalen Kräften zu kollaborieren und revolutionäre Agitation im Namen der „antifaschistischen Einheit“ zu betreiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im September 1934 wurde die PCE gezwungen, ihr Sektierertum aufzugeben. Die Jasager in der Führung nahmen diese Kehrtwendung als etwas ganz Natürliches hin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Partei beteiligte sich daraufhin am Generalstreik im Oktober 1934, der nach der Koalitionsbeteiligung der extremen Rechten organisiert wurde. Da die Stalinisten allerdings ausgesprochen klein waren, machte ihre Teilnahme keinen nennenswerten Unterschied.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von größerer Bedeutung war die Ablehnung der Arbeitereinheiten durch die anarchistische CNT, die Großteils für die Niederlage des Aufstands in den meisten Teilen Spaniens verantwortlich war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ereignisse des Oktober 1934 führten zu wichtigen Verschiebungen innerhalb der spanischen Linken. Insbesondere verdeutlichten sie die Wichtigkeit von Einheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die PCE hausierte nun mit einer antifaschistischen Front und folgte einem moderaten Kurs. Sie trat den sozialistischen Gewerkschaften bei. Sie intervenierte in der Sozialistischen Jugend, die 1933-34 weit nach links geschwenkt war. Die Stalinisten schafften es, diese gesamte Organisation zu dominieren, was ihnen erstmals eine Massenbasis verschaffte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dies war möglich aufgrund des bedauernswerten Sektierertums der spanischen Trotzkisten, die von der Führung der Sozialistischen Jugend eingeladen worden war, ihnen beizutreten, um zu helfen die Bewegung zu „bolschewisieren“. Stattdessen entschieden sie sich, mit anderen kleinen Gruppen die Partido Obrero de Unificación Marxista (Partei der Marxistischen Einheit, POUM) zu gründen – eine Entscheidung, die Trotzki scharf kritisierte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Katalonien traten die Stalinisten diversen linken Gruppierungen bei, um die Vereinte Sozialistische Partei Kataloniens zu gründen. Die PCE agitierte intensiv für die spanische Volksfront: eine breite Allianz von Linken und liberalen Parteien mit einem zahmen reformistischen Programm, das Februar 1936 die Wahlen gewann.<br></p>



<h3 class="wp-block-heading">Revolution und Bürgerkrieg</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Volksfrontregierung stand für Recht und Ordnung. Doch nach ihrem Sieg erreichte die soziale Bewegung eine davor ungesehene Intensität. Das überzeugte die herrschende Klasse davon, dass die bürgerliche Demokratie die Arbeiter nicht zurückhalten konnte – was es brauchte, war eine Diktatur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor diesem Hintergrund orchestrierte General Franco im Juli 1936 seinen Putsch. Sein Putsch rief heftigen Widerstand der Massen hervor und die Niederlage des Putsches in Schlüsselregionen entfesselte die soziale Revolution: Arbeiter bildeten Arbeitermilizen, übernahmen Fabriken und Landgüter, gründeten Barrikadenkomitees u.v.m.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Arbeiterklasseorganisationen nahmen das wirtschaftliche und soziale Leben in ihre eigenen Hände und verwalteten es im Interesse der Mehrheit. Sie führten den ersten militärischen Gegenschlag gegen Franco. Die revolutionären Arbeiter versammelten hinter sich die arme Bauernschaft und Teile der Mittelklassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der republikanische Staat fand sich in einer Schockstarre. Zwar bedroht von Franco, war er doch viel grundlegender von der Macht der Arbeiterklasse abgestoßen, die den Kapitalismus als Ganzes in Frage stellte. Doch wegen des Aufstands der Arbeiter war der Staat desorganisiert und stand ohne Repressionsapparat da.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Arbeitermacht war in der Situation angelegt. Auf der Tagesordnung stand die Beseitigung der Überreste der Republik, um die Arbeiterklasseorganisationen als eine neue Macht zu vereinigen und dann einen revolutionären Krieg gegen Franco zu führen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gründung einer vereinten proletarischen Armee war die dringlichste Mission der Revolution. Um zu gewinnen, hätte sie sich auf Basis der Prinzipien des Klassenbewusstseins und der eisernen revolutionären Disziplin zusammenschließen müssen, anstelle der Hierarchien einer bürgerlichen Armee. Auf Basis eines Programmes der sozialen Umwälzung hätte sie die Massen begeistern und so die Widersprüche innerhalb der Franco-Armee ausschlachten können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau das hatten die Bolschewiki nach Ausbruch des Bürgerkriegs in Russland 1918 getan, als sie die Rote Armee schufen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Spanien war jedoch keine Organisation dieser Aufgabe gewachsen. Die Anarchisten weigerten sich, die Macht zu ergreifen und entschieden sich stattdessen, mit den bürgerlichen republikanischen Autoritäten zu kooperieren, indem sie im November der Regierung beitraten. Die Linken der PSOE wählten ebenfalls den Weg der Kollaboration und übernahmen im September die Regierung. Selbst die abtrünnigen Kommunisten der POUM traten dem katalanischen Kabinett bei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so begann der Wiederaufbau der bürgerlichen Staatsmaschine. Ein Bürgerkrieg bedarf einer zentralisierten Befehlsgewalt. Die Weigerung der Anarchisten und Sozialisten, eine solche Autorität auf revolutionärer Basis aufzubauen, hinterließ ein Vakuum, das gefüllt werden musste. Dies tat der alte bürgerliche Staat mit Unterstützung der Stalinisten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dennoch traf dieser Prozess auf die zerstreute Arbeitermacht, die sich während der Kämpfe im Juli gebildet hatte. Sie konnte nur durch einen Bürgerkrieg innerhalb des Bürgerkriegs gebrochen werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Historiker Hugh Thomas bezeichnete den Spanischen Bürgerkrieg richtigerweise als den „Krieg zweier Konterrevolutionen“: Die franquistische und die demokratisch-republikanische.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Stalinisten taten sich durch ihre Rücksichtslosigkeit, Zielstrebigkeit und sowjetischen Rückhalt hervor und wurden zum Rammbock der republikanischen Konterrevolution.<br></p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Rolle Moskaus</h3>



<p class="wp-block-paragraph">In den Augen Moskaus war die iberische Halbinsel nicht der Ort einer weitreichenden proletarischen Revolution, sondern ein Spielfeld auf dem diplomatischen Schachbrett.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stalins höchste Priorität war 1936 das Bezirzen der britischen und französischen Imperialisten für eine Allianz gegen Deutschland. Dafür musste sich die Sowjetunion als respektabler Partner beweisen, der die Interessen des britischen und französischen Kapitals nicht gefährden würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ereignisse in Spanien verkomplizierten seine Pläne. Stalin versuchte daher, die spanische Revolution als Opferlamm zu schlachten, um eine deutliche Vertrauensbotschaft nach London und Paris zu senden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 20. März 1937<a href="https://savezrada.files.wordpress.com/2020/06/the-diary-of-georgi-dimitrov-1933-1949-by-georgi-dimitrov-ivo-banac.pdf">&nbsp;kommentiert Stalin</a>:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Das spanische Volk ist derzeit nicht in der Lage eine proletarische Revolution herbeizuführen – die interne und insbesondere die internationale Situation ist ungünstig.“</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Die sowjetischen Bemühungen, Großbritannien und Frankreich in eine Allianz zu ziehen und zu überzeugen, die spanische Republik zu unterstützen, führten jedoch ins Leere.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fernando Claudín, ein PCE-Führer, der später die Kriegsstrategie der Partei kritisierte,&nbsp;<a href="https://www.marxistarkiv.se/espanol/komintern/claudin-crisis_del_movimiento_vol1.pdf">kommentierte richtig</a>:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Die ‚westlichen Regierungen‘ sahen – anders als die Kommunistische Internationale – die Frage in Klassenbegriffen und verstanden, dass der verlässlichste Vertreter des spanischen Kapitalismus nicht [der sozialdemokratische Permier] Negrín, sondern Franco war.“</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Paris und London bevorzugten einen Deal mit Hitler in München, den sie im Oktober 1938 schlossen. Stalin zog nach und bildete im August 1939 seine eigene Allianz mit Hitler.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diplomatische Verbindungen mit den Imperialisten auf den Aschen der Spanischen Revolution konnten den Aufstieg des Faschismus und die Barbarei des Weltkriegs nicht aufhalten. Doch eine siegreiche Revolution in Spanien hätte dem Weltfaschismus eine verheerende Niederlage zugefügt.<br></p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Entwaffnung der Revolution</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Stalin nutzte sowjetische Hilfeleistungen für die Republik als Hebel in Verhandlungen, um die republikanische Regierung nach rechts zu drücken. Die Isolation der spanischen Antifaschisten kam ihm dabei zugute, da nur die Sowjetunion und Mexiko Waffen an die Republik verkauften.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die von Moskau kontrollierten internationalen Brigaden mobilisierten zehntrausende Freiwillige, die in Spanien mutig kämpften. Doch sie wurden von den Stalinisten auch als Druckmittel benutzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig bewiesen die internationalen Brigaden, dass der einzige Freund der spanischen Kämpfer die internationale Arbeiterklassensolidarität ist und nicht der britische und französische Imperialismus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die PCE und ihre Drahtzieher in Moskau vertraten eine offen menschewistische Politik in Spanien.&nbsp;<a href="https://www.marxists.org/archive/broue/1961/spain/rev-spain.html">José Díaz erklärte</a>, den sowjetischen Instruktionen folgend: „Die Frage der Diktatur des Proletariats oder des Sozialismus stellt sich derzeit überhaupt nicht, sondern ausschließlich die des Kampfes der Demokratie gegen den Faschismus.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Stalinisten behaupteten, die spanische Revolution sei ein Kampf gegen den Feudalismus und die deutsch-italienische Intervention gewesen, es handle sich um eine bürgerliche Revolution für Demokratie und nationale Unabhängigkeit. Und das obwohl die meisten spanischen Bürgerlichen schon im Juli auf Francos Seite übergelaufen oder erschossen worden waren!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Stalinisten war der Sozialismus ein Ziel in ferner Zukunft, möglich nur nach einer langen Phase einer bürgerlich-demokratischen Evolution.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist eine wortwörtliche Wiederholung des Programms der russischen Menschewiki. Die spanische „kommunistische“ Partei war nur dem Namen nach kommunistisch. Sie wurde zum fanatischen Gegner allesjenem, das bolschewistisch anmutete und das sie, korrekter- und fälschlicherweise, als Trotzkismus bezeichnete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In ihrer öffentlichen Propaganda der ersten Kriegsmonate griffen die Stalinisten jedoch auf ein etwas anders geartetes Argument zurück: Erst den Krieg gewinnen, dann die Revolution vollziehen. Doch diese mechanische Formel ging völlig am Kern der Sache vorbei. Der Anarchist Camilo Berneri&nbsp;<a href="https://www.marxists.org/archive/broue/1961/spain/rev-spain.html">fasste es richtig</a>: „Das einzige Dilemma ist das folgende: entweder Sieg über Franco durch einen revolutionären Krieg, oder Niederlage.“<br></p>



<h3 class="wp-block-heading">Niederschlagung</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Stalinisten gliederten sich in die reorganisierte republikanische Armee und Polizei ein. Mit ihrer wachsenden institutionellen Macht ging die PCE hart gegen die Milizen vor, löste Bauern- und Fabrikskomitees auf, retournierte das Eigentum in die Hände der alten Herren und ersetzte Arbeiterkomitees mit republikanischen Institutionen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Verteidigung der bürgerlichen Gesetzlichkeit durch die Stalinisten bescherte ihnen eine große Anhängerschaft im Kleinbürgertum, dem die Ereignisse des Juli 1936 einen Schrecken eingejagt hatten. In Madrid waren von über 60.000 PCE-Mitgliedern nur 10.000 Gewerkschaftsmitglieder, was einen guten Eindruck ihrer sozialen Zusammensetzung vermittelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zunächst nahm die Konterrevolution die Form vereinzelter Plänkeleien an. Doch im Mai 1937 trat dieser verdeckte Bürgerkrieg in einen offenen Showdown ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 3. Mai 1937 versuchte eine stalinistisch kontrollierte Abteilung der republikanischen Polizei die CNT aus der Telefonzentrale Barcelonas zu entfernen. Deren Übernahme durch die Arbeiter war 1936 eine wichtige Errungenschaft der Revolution gewesen, die symbolische aber auch praktische Bedeutung hatte, da man so die Regierungskommunikation belauschen konnte. Dieser Zusammenstoß war folgenreich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Arbeiterklasse Barcelonas reagierte auf diesen Angriff mit einem spontanen Aufstand. Am darauffolgenden Tag befanden sich neun Zehntel der Stadt in den Händen der Rebellen. Doch trotz der überwältigenden Macht des Aufstands fehlte den Arbeitern eine Führung. Die Führer der CNT und der POUM riefen die Rebellen dazu auf, die Barrikaden zu verlassen. Der Aufstand zerfiel.<br></p>



<h3 class="wp-block-heading">Die stalinistische Konterrevolution</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Den Maiereignissen folgte eine Welle konterrevolutionärer Gewalt. Unter dem Druck der PCE und der Sowjetdiplomatie wurde die POUM verboten. Stalinistische Agenten entführten, folterten und erschossen ihren Anführer Andreu Nin. Viele weitere wurden ermordet, einschließlich des bereits erwähnten Berneri.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Stalinisten schufen ein Klima des Terrors. Die republikanische Armee und Polizei sowie stalinistische bewaffnete Gruppen zerschlugen alles, was von der Arbeitermacht noch geblieben war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Aragon, einer der Hochburgen der spanischen Revolution, wurde das Verteidigungskomitee, das als de facto Arbeiterregierung fungiert hatte, von einer stalinistischen Armee aufgelöst. Der Anführer des Komitees, der Anarchist Joaquín Ascaso, wurde unter an den Haaren herbeigezogenen Vorwürfen eingesperrt. Der Bürgerkrieg verwandelte sich nun in einen gewöhnlichen Krieg zur Verteidigung der republikanischen Gesetzlichkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Stalinisten wuchsen zu einer Massenkraft heran, die im Juni 1937 Millionen Mitglieder zählte. Die Gründe dafür waren etwa, dass die Massen die PCE mit den sowjetischen Hilfeleistungen assoziierte, die Rekrutierung des verängstigten Kleinbürgertums und Repression.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Hauptgrund für die stalinistische Übermacht war jedoch die Desorganisierung ihrer Gegenspieler. Die CNT, die POUM und die PSOE-Linke boten keine glaubwürdige Lösung für die Machtfrage.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da keine der zentralen Organisationen einen ernsthaften Plan für einen revolutionären Krieg auf Basis einer neuen Arbeiterregierung vorlegte, schwenkte die ganze Logik des Bürgerkriegs in Richtung der Verteidigung der bürgerlich-republikanischen Ordnung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Stalinisten waren die konsequentesten Verfechter dieser Strategie, die sie noch dazu mit linkem Glanz und dem Prestige des Sowjetstaates verzierten. Sie stachen als die bestorganisiertesten und hingebungsvollsten Kämpfer im Krieg hervor und zogen so viele ehrliche Arbeiter an.<br></p>



<h3 class="wp-block-heading">Niederlage</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem Mai 1937 verflüchtigte sich die revolutionäre Energie, die Franco noch im Juli 1936 zurückgeschlagen hatte. Eine apathische Stimmung machte sich breit. Unter diesen Umständen konnten die Faschisten an Boden gewinnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im März 1939 orchestrierten professionelle republikanische Armeeoffiziere rund um General Casado einen Putsch. Sie verfolgten die Stalinisten und machten den Franquisten das verbliebene republikanische Territorium zugänglich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dem Putsch waren Monate der wachsenden Isolierung der PCE vorangegangen. Nachdem sie die Dreckarbeit der Zerstörung der Revolution vollbracht hatten, wurden die Stalinisten von ihren defätistischen republikanischen Freunden beiseitegeschoben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Cernando Claudín fasste die Jammergeschichte der Stalinisten von 1936-39&nbsp;<a href="https://www.marxistarkiv.se/espanol/komintern/claudin-crisis_del_movimiento_vol1.pdf">folgendermaßen zusammen</a>:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„In der ersten Phase schafften es die Republikaner, Sozialisten, Reformisten und Kommunisten, die Revolution zurückzuschlagen, sie im bürgerlich-demokratischen Rahmen einzuengen und richteten auf dieser Basis den republikanischen Staat wieder auf […]. In der zweiten Phase verdrängten die reformistischen Sozialisten und Republikaner systematisch die Kommunisten aus dem Staatsapparat […] und bereiteten die endgültige Kapitulation vor.“</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Francos Sieg war der tragische Ausgang eines Krieges, der als proletarische Revolution begonnen hatte, in der die Massen mobilisiert worden waren, doch aufgrund der stalinistisch-reformistischen Konterrevolution in einem gewöhnlichen Krieg zur Verteidigung eines diskreditierten bürgerlichen Regimes endete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der damalige PCE-Kämpfer Timoteo Ruiz&nbsp;<a href="https://archive.org/details/bloodofspainoral00fras">reflektierte rückblickend die Ereignisse so</a>:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Kämpfen und sterben, dachten wir manchmal, all das – und wofür? Um zu dem zurückzukehren, was wir früher gekannt hatten? Wenn das der Fall sein sollte, so war das kaum ein guter Grund zu kämpfen. Sie verstanden nicht, wie schmachvoll es war, dass aus einer Revolution ein demoralisiertes Volk geschaffen wurde.“</p>
</blockquote>
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