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	<title>Europa Archives -</title>
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	<title>Europa Archives -</title>
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		<title>Wehrpflicht gegen Putin?</title>
		<link>https://derkommunist.de/wehrpflicht-gegen-putin/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Franz Rieger]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 Jun 2026 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Imperialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Über 60% der Bevölkerung sind für Wehrpflicht und Wiederaufrüstung. Und zwar nicht, weil sie chauvinistische Nationalisten sind und Krieg wollen. Sie haben ehrlich Angst vor einem russischen Angriff und fallen [&#8230;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Über 60% der Bevölkerung sind für Wehrpflicht und Wiederaufrüstung. Und zwar nicht, weil sie chauvinistische Nationalisten sind und Krieg wollen. Sie haben ehrlich Angst vor einem russischen Angriff und fallen auf die Propaganda der Herrschenden rein, die Aufrüstung diene dem Frieden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kein Wunder, denn mit einer Medienkampagne wird ihnen Angst und Schrecken eingejagt: „Russische Bedrohung: Was, wenn es auf Rügen passiert?“ fantasiert die SZ. Deutschland rüste nicht für Krieg, sondern für Frieden durch Abschreckung, erklärt Verteidigungsminister Pistorius (SPD). In unzähligen Talkshows belehrt man uns: Wer nicht für die Wehrpflicht ist, will Putins Terrorherrschaft über Deutschland.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die radikalisierte Jugend muss das widerlegen können, um die Anti-Wehrpflicht-Bewegung auszuweiten. Pazifistische Phrasen, wie Ole Nymoens „Lieber besetzt als tot“, werden hingegen nicht ausreichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Schwächt die Aufrüstung Putin?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Putin vertritt die Interessen des russischen Imperialismus und der Oligarchen. Er will die verbliebenen Einflussbereiche Russlands in Osteuropa, dem Kaukasus und andernorts gegen den westlichen Imperialismus verteidigen und, wo möglich, ausweiten. Diese Regionen sind Beute, um die der amerikanische, deutsche und russische Imperialismus zanken, wie im Ukrainekrieg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch vor den russischen Arbeitern begründet Putin diesen Krieg anders, um sich zumindest ihre passive Unterstützung zu sichern. Denn Putin ist keinesfalls vom russischen Volk geliebt. Das zeigten Massenproteste 2018 gegen die Erhöhung des Rentenalters und 2021 gegen Korruption. Putins Zustimmungswerte sanken so sehr, dass der russische Staat einfach aufhörte, die Statistik zu veröffentlichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem hat Putin eine gewisse Unterstützung in der Bevölkerung. Und zwar aus einem Grund: Weil er, aus der Sicht der Massen, Russland nach dem Fall der Sowjetunion vor dem Zerfall und der völligen Ausschlachtung durch den US-Imperialismus gerettet hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Wiedereinführung des Kapitalismus in Russland war eine Katastrophe. Millionen verarmten, die Gesellschaft löste sich stellenweise in Barbarei auf, die Lebenserwartung für Männer sank in kürzester Zeit um zehn Jahre. Westliche Kapitalisten und ehemalige Bürokraten fielen wie Heuschrecken über das Land her. Die Wirtschaft versank in Chaos.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Putin kam zur Macht und beendete diesen Zustand. Als bonapartistischer Diktator hielt er die Arbeiterklasse nieder, aber wies auch die Kapitalisten in ihre Schranken, um zu verhindern, dass Russland zerfällt und eine westliche Kolonie wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>NATO-Imperialismus</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Sache fürchten die russischen Arbeiter noch mehr als Putin: den NATO-Imperialismus. Sie haben genau beobachtet, welche Zerstörung, Armut und Verwüstung USA und NATO nach 1990 in Jugoslawien und im Nahen Osten brachten. Sie haben keine Illusionen über die Segnungen „westlicher Werte“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tatsächlich sind US-Imperialismus und NATO die reaktionärste Macht der Welt: Vietnam, Irak, Jugoslawien, Afghanistan, Gaza, Iran – seit 1945 intervenierten die USA militärisch in über 100 Ländern und töteten Millionen Zivilisten, unterstützt von ihren europäischen Verbündeten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">USA und EU nutzen zudem Sanktionen, um kleinere Länder ihren imperialistischen Interessen gefügig zu machen. Das trifft vor allem die Zivilbevölkerung. Eine Studie von <em>The Lancet </em>wies nach, dass zwischen 1970 und 2021 ungefähr 38 Millionen Menschen durch westliche Sanktionen starben. Jährlich sind es über 560.000.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Russland im Visier</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig sahen die russischen Arbeiter, wie die NATO nach Ende des Kalten Krieges weiterbestand und sich bis an die Grenzen Russlands ausdehnte. Ab 2014 versuchten die USA auch, die Ukraine endgültig in ihre Einflusssphäre zu ziehen. Dazu organisierten sie einen Staatsstreich, um eine pro-amerikanische Regierung zu installieren. Diese begann einen Bürgerkrieg gegen die eigene russischsprachige Bevölkerung und stützte sich dabei auch auf faschistische Milizen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie müssen die russischen Arbeiter also die europäische Aufrüstung seit 2022 wahrnehmen? Europa gibt schon jetzt mehr Geld für Rüstung aus als Russland; Deutschlands Militärausgaben explodieren; eine deutsche Panzerbrigade mit 5.000 Mann steht im Baltikum; bis vor kurzem sollten US-Mittelstreckenraketen in Deutschland stationiert werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hinzu kommt die kriegstreiberische und antirussische Rhetorik westlicher Politiker. Annalena Baerbock erklärte in ihrer unvergleichlichen Weise: „Wir sind im Krieg mit Russland!“ Der lettische Präsident Edgars Rinkevics sagte in Anlehnung an die völlige Auslöschung Carthagos durch das antike Rom: „Russia delenda est“ („Russland muss zerstört werden!“). Europäische Politiker forderten, dass die Ukraine Russland mit amerikanischen ATACM-Raketen beschießt und dabei auch zivile Opfer in Kauf nehmen solle. Die engagiertesten NATO-Fanboys fabulierten zu Beginn des Ukrainekrieges von einem „Regime Change“ in Russland und davon, das Land zu „dekolonisieren“, also die russische Föderation wie Jugoslawien zu zerschlagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Frieden durch Aufrüstung?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die westliche Aufrüstung wird die russischen Arbeiter nur weiter in die Arme des Putin-Regimes treiben, da ihnen Putin und der russische Militarismus als einziger Schutz vor dem westlichen Imperialismus erscheinen müssen. Jeder Klassenkampf innerhalb Russlands, jede Opposition kann mit Verweis auf die westliche Bedrohung unterbunden werden. Weit davon entfernt, Putin zu schwächen, stärkt die westliche Aufrüstung dessen Glaubwürdigkeit unter den Massen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn auch sie verfolgt einzig und allein den Zweck, imperialistische Profitinteressen in Osteuropa zu schützen. Sie ist ein Akt der Aggression.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Geschichte zeigt: Aufrüstung macht Kriege wahrscheinlicher. Eine Studie von Diehl &amp; Crescenzi von 1998 untersuchte 100 Krisen zwischen 1918 und 1990: In den Fällen, in denen beide Seiten zuvor signifikant aufgerüstet hatten, lag die Wahrscheinlichkeit für einen Kriegsausbruch bei 62%. Ohne vorherige Aufrüstung waren es 21%.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn Aufrüstung frisst Geld, das sich erst dann rentiert, wenn die Waffen eingesetzt werden und Kriegsbeute gemacht wird. Je mehr Geld für Waffen ausgegeben wurde, desto größer die Versuchung, sie zu nutzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Kampf dem deutschen Militarismus!</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der einzige Weg, um das Leben und Wohlergehen der deutschen Bevölkerung und den Frieden auf dem europäischen Kontinent zu wahren, ist der Kampf der Arbeiterklasse gegen ihre eigene herrschende Klasse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn die Anti-Wehrpflicht-Bewegung zum Ausgangspunkt für eine klassenkämpferische Massenbewegung in Deutschland wird, kann sie etwa durch politische Streiks die Wehrpflicht und andere Aufrüstungsmaßnahmen verhindern. Sie kann erzwingen, dass Geld ins Gesundheitssystem statt in Waffen fließt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das würde tatsächlich die Sicherheit erhöhen und Menschenleben retten. Denn noch kein deutscher Zivilist ist durch eine russische Granate gestorben, aber jedes Jahr sterben Zehntausende an den Folgen von Armut und dem kaputtgesparten Gesundheitssystem. Allein 5.000 Schlaganfalltote wären jährlich vermeidbar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zudem zerstören die Kriege der Reichen unseren Lebensstandard: Ukrainekrieg und Irankrieg ließen die Inflation explodieren. Der Wegfall russischer Energie beschleunigt die Deindustrialisierung: 200.000 Industriearbeitsplätze verlor Deutschland seitdem.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Internationalismus</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber vor allem: Welches Signal würde eine siegreiche Massenbewegung hierzulande an die russischen Arbeiter senden? Sie würden erkennen, dass die NATO kein monolithischer Block ist, sondern dass sie in der Arbeiterklasse der westlichen Länder Verbündete im Kampf gegen den reaktionären westlichen Imperialismus hat. Putin würde eine bedeutende Säule, mit der er sich auf die Massen stützt, wegbrechen: die Bedrohung durch den NATO-Imperialismus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So würde die deutsche Arbeiterklasse den russischen Massen die Hände frei machen, um Putin zu stürzen und die Macht zu übernehmen. Ebenso wäre eine solche antimilitaristische Massenbewegung in Deutschland der beste Ausgangspunkt für die Arbeiter hierzulande, selbst die Macht zu übernehmen und endlich die ganzen wirtschaftlichen Ressourcen des Landes unter ihrer Kontrolle zum Schutz und Wohl der Bevölkerung einzusetzen. Dann hätten wir ein Vaterland, das es wert wäre, verteidigt zu werden.</p>
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		<title>Ungarn: Orbán ist weg, aber hat Magyar die Antworten?</title>
		<link>https://derkommunist.de/ungarn-orban-ist-weg-aber-hat-magyar-die-antworten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nye Shaw]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 03 May 2026 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Perspektiven]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Orbán wurde von Péter Magyar, dem Vorsitzenden der Tisza-Partei, besiegt. Obwohl Tisza faktisch erst seit zwei Jahren als bedeutende Kraft existiert, hat sie die Zweidrittel-Hürde im Parlament überschritten, die es [&#8230;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Orbán wurde von Péter Magyar, dem Vorsitzenden der Tisza-Partei, besiegt. Obwohl Tisza faktisch erst seit zwei Jahren als bedeutende Kraft existiert, hat sie die Zweidrittel-Hürde im Parlament überschritten, die es einer Regierung ermöglicht, die Verfassung zu ändern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was die Nation elektrisiert und die Wähler dazu gebracht hat, in Rekordzahlen zur Wahl zu gehen, ist nicht ihre tiefe Liebe zu Magyar, sondern ihr tiefer Hass auf Orbán und Fidesz. Es ging nicht darum, für Magyar zu stimmen, sondern vielmehr darum, gegen Orbán zu stimmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Wirtschaftlicher Niedergang</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Zeit lang gelang es Orbán, relativ erfolgreich zwischen der EU und Russland zu lavieren. Ungarn profitierte sowohl von EU-Subventionen in zweistelliger Milliardenhöhe als auch von billigem russischem Öl und Gas sowie von russischen Investitionen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dies verdeckte jedoch lediglich tiefgreifendere Probleme der ungarischen Wirtschaft. Als die Weltwirtschaft immer tiefer in die Krise rutschte und Ereignisse wie der Krieg in der Ukraine weiter Öl ins Feuer kippten, begann die ungarische Wirtschaft zu stagnieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ungarn verzeichnet seit 2020 eine der höchsten kumulativen Inflationsraten in der EU; die Preise in Ungarn sind in den letzten sechs Jahren um 57% gestiegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Eckpfeiler von Orbáns Programm war es, die einheimische ungarische Kapitalistenklasse durch massive staatliche Eingriffe zu stärken. Diese Bemühungen haben kaum Früchte getragen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einem nationalistischen Versuch, Ungarns Bedarf an Arbeitsmigranten zu verringern, versuchte Orbán, die Geburtenrate anzukurbeln. Durch Steuererleichterungen und zinslose Darlehen hat die ungarische Regierung rund 5% ihres BIP für dieses Vorhaben ausgegeben … und es ist völlig gescheitert. Seit 2011 ist die Bevölkerung um 500.000 Menschen zurückgegangen. Über 8.500 Ärzte haben das Land in den letzten zehn Jahren auf der Suche nach besseren Löhnen und Arbeitsbedingungen verlassen, sodass Ungarn mittlerweile nur noch 3,5 Ärzte pro 1.000 Einwohner hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dazu wurde Orbáns Regierung vier Jahre in Folge als das korrupteste EU-Mitglied eingestuft. Dies gilt insbesondere für den Bereich des öffentlichen Beschaffungswesens, in dem Regierungsaufträge durchweg an Personen vergeben wurden, die dem engsten Kreis um Orbán nahestehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Auftritt: Magyar</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor diesem Hintergrund traten Péter Magyar und die neue Partei Tisza ins Rampenlicht. Magyar war fast sein ganzes Leben lang Mitglied der Fidesz. Im Jahr 2024 kam es zu einem Skandal, als die Regierung dem stellvertretenden Leiter des Kossuth-Zsuzsa-Kinderheims, der dort sexuellen Missbrauch vertuscht hatte, eine Begnadigung gewährte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Magyar witterte eine Chance, verließ Fidesz und startete eine landesweite Kampagne gegen Korruption. Unter vielen Wählern herrscht Einigkeit darüber, dass sie zwar auch keine Fans von Magyar sind, ihr Hass auf Orbán nach 16 Jahren Herrschaft jedoch ausreichte, um für das „kleinere Übel“ zu stimmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da er mit einer Mehrheit gewählt wurde, die groß genug ist, um die Verfassung zu ändern und viele seiner politischen Vorhaben mühelos umzusetzen, richten sich nun alle Augen auf Magyar, damit er die Probleme löst, mit denen das ungarische Volk konfrontiert ist. Doch Magyar wird nicht die Bedingungen relativer Stabilität und des Wachstums genießen können, die sein Vorgänger vorfand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Weltwirtschaft ist in einem weitaus schlechteren Zustand als zuvor, insbesondere angesichts der massiven Instabilität, die durch die Sperrung der Straße von Hormus hervorgerufen wurde. Diese hat dazu geführt, dass die Ölpreise in die Höhe geschnellt sind, was die Inflation weiter steigen lassen wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus bringen engere Beziehungen zur EU, für die Magyar steht, bestimmte Auflagen mit sich. Ungarns jährliches Haushaltsdefizit gehört zu den höchsten in der EU; daher wird der Druck aus Brüssel zunehmen, Ausgaben zu kürzen, um es an den EU-Standard anzupassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Orbán ohne Orbán</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Tatsächlich hat Magyar zeitweise versucht, Fidesz rechts zu überflügeln, und Orbán einmal dafür kritisiert, in der Einwanderungsfrage zu nachgiebig zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Ukraine-Frage beispielsweise haben viele Artikel Magyars Wahl als neuen Wendepunkt im Ukraine-Krieg gepriesen, da Orbán wiederholt sein Veto gegen EU-Hilfe für die Ukraine eingelegt hat. Es stimmt zwar, dass Magyar versprochen hat, die Blockade des aktuellen 90-Milliarden-Euro-EU-Pakets für die Ukraine zu beenden, doch er hat auch erklärt, dass er Orbáns Politik fortsetzen werde, kein ungarisches Geld für dieses Vorhaben bereitzustellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Magyar versprach zwar, die Abhängigkeit von russischem Öl und Gas zu verringern, betonte aber im gleichen Atemzug, dass „man die Geografie nicht ändern kann“.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Wo ist die Linke?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor der Wahl verfügte die Ungarische Sozialistische Partei (MSZP) nur über zehn Sitze im Parlament, und nun stellte sie gar keine Kandidaten auf, um die Stimmen für Magyar zu stärken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die MSZP war in den 2000er Jahren lange Zeit an der Macht und hat sich dabei gründlich diskreditiert, indem sie durch Sparmaßnahmen Angriffe auf die Arbeiterklasse zuließ. Es war gegen die diskreditierte „sozialistische“ Regierung, dass Orbán 2010 an die Macht gelangen konnte. Doch nach 16 Jahren war der Mehrheit der Wählerschaft klar geworden, dass es ihm nicht gelungen war, auch nur eines der Probleme zu lösen, die er sich vorgenommen hatte. Magyar hat dieselben Rahmenbedingungen geerbt wie Orbán und diese werden sich nur noch weiter verschlechtern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Diskreditierung von Orbán ist der erste Schritt auf dem Weg zu einer Vertiefung des Klassenbewusstseins. Die nächste Phase wird durch die Diskreditierung Magyars vorbereitet werden. Dadurch wird sich auf der Linken ein Raum öffnen. Die Frage ist: Was wird diesen Raum füllen? Der einzige Ausweg aus der gegenwärtigen Sackgasse besteht darin, dass eine echte Arbeiterpartei auf der Bildfläche erscheint, deren Programm die Verstaatlichung aller wichtigen wirtschaftlichen Ressourcen des Landes unter Arbeiterkontrolle in den Mittelpunkt stellt. Eine solche Partei muss aufgebaut werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<item>
		<title>Linkspartei Berlin will „Rote Metropole“: Liverpool der 80er birgt relevante Lehren</title>
		<link>https://derkommunist.de/linkspartei-berlin-will-rote-metropole-liverpool-der-80er-birgt-relevante-lehren/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Caspar Müller]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Apr 2026 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[RKI]]></category>
		<category><![CDATA[Strategie & Organisation]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Linkspartei steuert in den kommenden Berlin-Wahlen das Rote Rathaus an und will damit an ihrem Erfolg bei der Bundestagswahl 2025 anknüpfen. Ihr Wahlkampfslogan lautet: „Berlin zurückerobern – für eine [&#8230;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Die Linkspartei steuert in den kommenden Berlin-Wahlen das Rote Rathaus an und will damit an ihrem Erfolg bei der Bundestagswahl 2025 anknüpfen. Ihr Wahlkampfslogan lautet: „Berlin zurückerobern – für eine Rote Metropole“ und soll dem Beispiel von New Yorks neuem Bürgermeister Zohran Mamdami folgen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schon einmal 2001 warb der damalige Fraktionsvorsitzende Harald Wolf mit der „roten Zukunft“ Berlins. Die Partei ging daraufhin in eine Regierung mit der SPD, in der sie Spar- und Privatisierungsmaßnahmen mittrug. Als 2021 der Volksentscheid „Deutsche Wohnen und Co. enteignen“ von 58% der Berliner befürwortet wurde und der Linkspartei erneut in die Regierung verhalf, führte sie das Anliegen der Berliner zusammen mit SPD und Grüne in eine bürokratische Sackgasse. Die Forderung einer „Roten Metropole“ darf sich daher nicht wieder im Parlamentarismus verflüchtigen, sondern muss im Klassenkampf errungen werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sollte die Linkspartei anstreben, die Regierung in der Stadt zu übernehmen, wird sie sich mit einem gewaltigen Haushaltsloch konfrontiert sehen, das der Schwarz-Rote Senat hinterlassen hat. „Für eine Rote Metropole“ heißt diesem Druck zu Kürzungen den Kampf bereiten – gegen die Immobilienhaie, gegen die Finanz-Heuschrecken in der Stadt und gegen die Merz-Regierung. Ein Beispiel der Geschichte zeigt uns, wie so ein Kampf aussehen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1979 wurde Margaret Thatcher von der konservativen Tory-Partei Großbritanniens Premierministerin. Die Bourgeoisie beauftragte sie mit der gleichen Aufgabe wie heute Friedrich Merz: Schocktherapie gegen die Arbeiterklasse und Wiederherstellung der Profite fürs Kapital. Während ein Großteil der Linken die Thatcher-Jahre als allgemeinen Rechtsruck der britischen Politik in Erinnerung behält, wird oft der tapfere Widerstand der Massen gegen die „Eiserne Lady“ ausgeblendet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Stadt, die besonders schwer unter der Privatisierungs- und Demontagewelle litt, die seit den 1970ern über das Land zog, war Liverpool. An der gesamten Merseyside wurden 25% der Jobs durch die Offensive des Kapitals zerstört, im Fertigungssektor 61%, jeder Fünfte hatte keine Arbeit, in einigen Vierteln sogar jeder Dritte, mit einer Jugendarbeitslosigkeit von bis zu 90%. Die Bevölkerungszahl sank um ein Drittel und der Ausverkauf der Stadt an private Investoren führte zu einem massiven Rückgang in den öffentlichen Ausgaben. Zwischen 1979 und 1983 kürzte die Zentralregierung 270 Millionen Pfund an staatlichen Zuschüssen und stopfte sie direkt in die Taschen der Kapitalisten, die für die katastrophale Lage verantwortlich waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während die sozialdemokratische Labour-Partei auf nationaler Ebene unter Thatchers Diktat zusammenbrach und ihre Angriffe mittrug oder duldete, organisierte die Liverpooler Labour-Partei unter der revolutionären Führung der „Militant Tendency“ die Arbeiterklasse zur Gegenwehr. Mit einer klassenkämpferischen Wahlkampagne gegen Thatcher und die Kürzungen errang Labour unter „Militant“ bei den Wahlen 1982 einen historischen Sieg und ergriff nur ein Jahr später auf der Welle eines stadtweiten Generalstreiks gegen die Privatisierungen die absolute Mehrheit im Stadtrat. „Militant“ versprach einen Stopp der Kürzungen und Entlassungen und forderte die Regierung zum Kampf heraus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inmitten des industriellen Niedergangs setzte der Liverpooler Stadtrat auf der Grundlage eines marxistischen Programms umgreifende Reformen durch, die mit einem „illegalen“ Defizithaushalt finanziert werden sollten. Unter dem Slogan „Besser das Gesetz brechen als die Armen“ schuf der Stadtrat mehr als 6.000 neue Arbeitsplätze und reduzierte die Wochenarbeitszeit auf 35 Stunden. Wo vorher heruntergekommene Hochhäuser standen, wurden 5.000 neue Wohnungen gebaut. Dazu kamen sechs Krankenhäuser, fünf Sportzentren und 17 neue Schulen, begleitet von einer Reform des Bildungs- und Sozialwesens.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Kampf um den Haushalt war mehr als nur eine parlamentarische Angelegenheit. Ihm lag das neue Selbstbewusstsein der Arbeiterklasse zu Grunde. Mit dem Streik der britischen Bergarbeiter im Rücken verteidigte sie ihre Stadt gegen Thatcher und ging in die Offensive. Ganz Liverpool war elektrifiziert von politischem Elan. Alte Spaltungslinien zwischen Herkunft oder Geschlecht traten vor dem gemeinsamen Kampf in den Hintergrund. Selbst tiefe Feindschaften wie zwischen den Fans der rivalisierenden Fußballclubs Everton FC und Liverpool FC wurden überwunden. Vor dem Derby im Milk Cup Finale 1984 besangen sie gemeinsam ihren Stadtrat und forderten „Maggie, Maggie, Maggie – Raus, Raus, Raus“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Straßen von Liverpool erlebten in den Jahren 1983-87 unzählige Massenaktionen und mehrere Generalstreiks. An der parlamentarischen Front gewann Labour unter „Militant“ trotz gewaltigen medialen Hetzkampagnen und politischen Repressionen von Jahr zu Jahr an Stimmen, wobei die Wahlbeteiligung für lokale Wahlen mit über 50% und 80% in der Arbeiterklasse ungewöhnlich hoch war. Während landesweit der Reformismus in der Labour-Partei dominierte und den Torys kampflos das Feld überließ, bewies „Militant“, dass Labour mit einem revolutionären Programm, das die Arbeiterklasse in Bewegung setzte, die Macht der Konservativen und der Kapitalisten brechen konnte. Das Gewicht der Massen konnte den sonst scheinbar rigorosen Torys in Liverpool mehr als 60 Millionen Pfund abringen, die „Militants“ Sozialprogramm mitfinanzierten. In den 4 Jahren des revolutionären Stadtrats war Liverpool tatsächlich eine rote Metropole.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch eine rote Metropole kann sich in einem Meer der Privatwirtschaft nicht ewig halten. Wenn die Massen nicht national die Macht ergreifen, den Staat zerschlagen und selbst die Kontrolle über Wirtschaft und Finanzen übernehmen, kann kein Reformprojekt überleben. Eine solche Möglichkeit hätte in Großbritannien existiert. In anderen Labour-geführten Städten bildete sich ebenfalls Widerstand gegen die Kürzungen, doch statt den Kampf wie in Liverpool kämpferisch zu führen, wurde er von den Reformisten aufgegeben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der neue Labour-Führer Neil Kinnock bewies sich als Zwangsvollstrecker der Bourgeoisie innerhalb der Partei und wetterte in einer Hexenjagd drakonisch gegen die „Militant“-Leute, die er unter Jubel der bürgerlichen Presse des „grotesken Chaos“ beschuldigte. Die Führer von „Militant“ wurden schließlich trotz einer mehrheitlichen Unterstützung in der Basis und unvergleichbarer elektoraler Mehrheiten aus der Partei ausgeschlossen und Liverpools Stadtrat von der Regierung wegen des illegalen Budgets suspendiert, was den Beginn einer fortwährenden Degeneration Labours einläutete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Fall Liverpool beweist, dass eine rote Metropole mehr sein kann als eine Utopie. Unter dem Druck des Klassenkampfs kann die herrschende Klasse selbst in Zeiten der Offensive geschlagen werden. Die entscheidende Stellschraube dafür ist jedoch ein Programm, das die Arbeiterklasse mobilisiert und Spaltungen durchbricht. Dieses Programm muss revolutionär sein und die Ohnmacht des Reformismus, die in Liverpool letztlich zur Niederlage führte, zersprengen. Wer sich nicht traut, die Eigentumsfrage zu stellen und den Arbeitern landesweit zur Macht zu verhelfen, wird nur rote Zahlen verwalten. Eine rote Zukunft kann nur im Kampf gegen die Kapitalisten und ihre Diener in den Partei- und Staatsapparaten errungen werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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			</item>
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		<title>Deutscher Imperialismus in Osteuropa</title>
		<link>https://derkommunist.de/deutscher-imperialismus-in-osteuropa/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[David Sifft]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 23 Apr 2026 09:58:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Empfohlen]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Imperialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Osteuropa]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Deutschland rüstet auf. Angeblich, weil Russland schon 2029 in der Lage wäre, Europa anzugreifen, und man deshalb selbst kriegstüchtig sein müsse. Doch Clausewitz sagte einmal „Krieg ist die Fortsetzung von [&#8230;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Deutschland rüstet auf. Angeblich, weil Russland schon 2029 in der Lage wäre, Europa anzugreifen, und man deshalb selbst kriegstüchtig sein müsse. Doch Clausewitz sagte einmal „Krieg ist die Fortsetzung von Politik mit anderen Mitteln“. Lenin ergänzt: Politik ist in letzter Instanz konzentrierte Ökonomie. Warum will Deutschland also kriegstüchtig werden?</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Deutschland und Osteuropa</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In den 1970er Jahren erkannten Teile der deutschen herrschenden Klasse enorme Vorteile in wirtschaftlichen Beziehungen zu den osteuropäischen Planwirtschaften: Einen neuen großen Absatzmarkt für deutsche Industriegüter und langfristige Lieferverträge für Energieträger wie Öl und Gas, auf die die deutsche Industrie bis heute angewiesen wäre. Deutschland vergab Kredite an diese Länder, mit denen sie deutsche Waren kauften und gleichzeitig von Deutschland abhängig wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit der Annexion der DDR und dem Zusammenbruch des Stalinismus konnte Deutschland seine Stellung als dominierende imperialistische Macht in Europa weiter festigen und sich nach Osten ausweiten. So wurde Deutschland mit einem Handelsvolumen von 120,5 Mrd. USD (1994) zu Russlands wichtigstem Handelspartner und übertraf das US-russische Handelsvolumen von 56,3 Mrd. USD bei Weitem.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die deutsche Ostpolitik nach 1990 balancierte dazwischen, einerseits seine wirtschaftliche Partnerschaft mit Russland weiter auszubauen, um billige russische Energie für die deutsche Industrie zu behalten, was sowohl die osteuropäischen Länder als auch die USA beunruhigte, und andererseits seine Einflusssphäre in Osteuropa auszuweiten, was wiederum Russland nicht gefiel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Russland, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion stark geschwächt, musste mit ansehen, wie Deutschland immer mehr wirtschaftlichen und politischen Einfluss in Osteuropa gewann. Als Teil des westlichen Bündnisses hatte die BRD im Zweifel die militärische Stärke der USA im Rücken. Um die Sorgen um ein Wiedererstarken Deutschlands als europäische Großmacht der ost- wie westeuropäischen Länder zu zerstreuen, nutzte der deutsche Imperialismus vor allem die Ausdehnung der Europäischen Union (EU) nach Osten, um Einfluss in diesen Ländern zu gewinnen, und konnte sie im Laufe der 1990er und 2000er Jahre immer weiter wirtschaftlich an sich binden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den USA war es recht, dass Deutschland nun Russland als vorrangige Macht in Osteuropa ablöste, um Russland so weiter zu isolieren. Mit der NATO-Osterweiterung wollte man Osteuropa dem Einflussbereich eines wiedererstarkenden Russlands entziehen, worin Deutschland eine Schlüsselrolle spielte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Allerdings wollten die USA einen Spaltkeil zwischen Deutschland und Russland treiben. Der wichtige US-Stratege Brezinski erklärte 1997, dass ein Zweck der NATO auch sei, Deutschland an die USA anzuleinen, um dessen eigenständigen Weg nach Osten zu verhindern. Europa und Deutschland waren kontrollierbar, aber ein deutsch-russischer Block hätte die moderne deutsche Industrie mit den 150 Millionen Einwohner Russlands und nahezu unbegrenzten Rohstoffvorkommen kombiniert. Das hätte die Stellung der USA in Europa stark geschwächt und einen mächtigen Konkurrenten der USA erschaffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Insbesondere unter Schröder (SPD) versuchte ein Teil der deutschen herrschenden Klasse, in der Außenpolitik und den Handelsbeziehungen mehr Eigenständigkeit vom US-Imperialismus zu erlangen. Der Bau der Nord-Stream-1-Pipeline für den deutsch-russischen Handel, das Angebot Putins im Bundestag 2001 zur engen politischen Partnerschaft und der Höhepunkt 2003, als Deutschland mit Frankreich und Russland gegen den Irak-Krieg stimmte, waren Ausdrücke davon.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In ihrer Amtszeit schob Merkel (CDU) der deutsch-russischen Blockbildung erstmal einen Riegel vor und vertiefte die US-deutschen Beziehungen erneut. Das geschah unter Druck des US-Imperialismus und insb. Polens und der baltischen Länder. Mit der Ukrainekrise ab 2013/14 entwickelten deren herrschende Klassen eine ausgesprochen russlandfeindliche Politik, die die deutsche herrschende Klasse unter Zugzwang setzte, um die Zentrifugalkräfte in der EU zu dämpfen. Trotzdem ging sie nicht so weit, die wirtschaftlich zentralen Beziehungen zu Russland aufzugeben. Erst im Ukrainekrieg ab 2022 wurde sie vom US-Imperialismus endgültig dazu gezwungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Das Werkbank-Modell</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit den ersten großen Privatisierungen in den ehemaligen Ostblock-Staaten zwischen 1990-93 begannen gerade deutsche Unternehmen wie Volkswagen, Mercedes-Benz und Siemens, Joint Ventures in Osteuropa aufzubauen. In den Folgejahren siedelten sich deutsche Autokonzerne großflächiger an und auch die Zulieferer folgten kurz darauf. Mit den Jugoslawien-Kriegen wurde die Region weiter unter Kontrolle gebracht. Aber der wirklich große Sprung kam dann mit der EU-Erweiterung 2004, also der Aufnahme 10 ehemaliger Ostblock-Staaten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute hat der deutsche Imperialismus seinen Einfluss auf nahezu ganz Osteuropa erstreckt. Das Handelsvolumen mit osteuropäischen Ländern hat 2025 mit 550 Mrd. Euro einen neuen Rekordwert erreicht. Inzwischen ist Polen z.B. der viertgrößte deutsche Absatzmarkt und liegt damit sogar vor China.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber die Region dient vor allem auch als Produktionsstandort für die deutsche Industrie („Werkbank-Modell“). Durch den Industriefokus der früheren Planwirtschaften existiert hier bis heute ein großes und hierfür gut ausgebildetes Arbeitskräftepotenzial. Und dabei sind die Lohnkosten sehr gering: Während die Arbeitskosten für eine qualifizierte Fachkraft in Deutschland 2026 stündlich bei 38,60€ liegen, sind das in Polen 5,92€ und in Rumänien sogar nur 1,95€.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Vorsitzende des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft erklärte: „Mercosur oder Indien mögen in Zukunft wichtig werden – die Gegenwart heißt Mittel- und Osteuropa.“</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Deutschland verteidigt seine Beute</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Osteuropa ist für die deutsche Wirtschaft entscheidend. Doch nun droht Deutschland seine imperialistische Dominanz über Osteuropa zu verlieren. Denn Russland konnte sich in den letzten 20 Jahren wieder stabilisieren und ist zu einer imperialistischen Weltmacht geworden. Der Ukrainekrieg zeigt, dass Russland nicht mehr dazu bereit ist, die Ostexpansion von NATO und EU zu akzeptieren. Es geht gestärkt aus dem Ukrainekrieg hervor und wird versuchen, Deutschland und die EU aus seiner traditionellen Einflusssphäre in Osteuropa zu verdrängen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig ziehen die USA sich militärisch spürbar aus Europa zurück, da sie ihre Ressourcen lieber auf die Abschreckung gegenüber ihrem Hauptwettbewerber China konzentrieren wollen. Aber ohne das US-Militär im Rücken verlieren Deutschland und Europa auf einen Schlag einen großen Teil ihres Gewichts in der Weltpolitik.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch Chinas Einfluss in Osteuropa wächst: 2025 ist das Handelsvolumen zwischen China und den mittel- und osteuropäischen Ländern um 6,85% gestiegen und China ist inzwischen Polens zweitwichtigster Lieferant (2025: +15,7%).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Deswegen rüstet Deutschland jetzt auf! Wenn die herrschende Klasse von „Verteidigung“ spricht, dann geht es dabei um ihr „Recht“ Osteuropa auszubeuten. Und nicht etwa um die Verteidigung deutschen Staatsgebietes gegen einen angeblichen russischen Angriff, an dem Russland gegenwärtig weder Interesse noch die notwendigen militärischen Kapazitäten hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Stationierung deutscher Soldaten in Litauen ist die erste dauerhafte Stationierung deutscher Streitkräfte im Ausland seit 1945. Friedrich Merz (CDU) betonte: „Der Schutz von Vilnius ist die Verteidigung von Berlin.“</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Kampf dem deutschen Imperialismus!</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Dominanz des deutschen und westlichen Imperialismus brachte Osteuropa seit den 1990ern nur Wirtschaftskrisen, Verarmung und finanzielle Abhängigkeit durch hohe Schulden. Außerdem befleißigt sich der „demokratische Westen“, überall in Osteuropa politischen Einfluss zu nehmen, um seine eigene Machtstellung abzusichern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für den deutschen Imperialismus gibt es heute aber keine gute Option, er wird zwischen den imperialistischen Großmächten USA, China und Russland aufgerieben. Sein Niedergang ist unumkehrbar. Trotzdem versucht die herrschende Klasse, genau das durch die Wiedergeburt des deutschen Militarismus zu verhindern. Für all das werden die Arbeiterklasse und Jugend zahlen müssen, begründet mit dem Versprechen, dass man jetzt zwar die Zähne zusammenbeißen müsse, aber am Ende des Tunnels auch Licht sei. Das ist eine Lüge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die einzige Möglichkeit für ein Ende dieser Krise ist, wenn die Arbeiterklasse ihr Schicksal in die eigenen Hände nimmt und für die vereinigten sozialistischen Staaten von Europa und schlussendlich der ganzen Welt kämpft.</p>
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		<title>Spaniens Revolution gegen Franco: der große Verrat</title>
		<link>https://derkommunist.de/spaniens-revolution-gegen-franco-der-grosse-verrat-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alan Woods]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 Mar 2026 10:25:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Revolution]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vor 50 Jahren, am 3. März 1976, verübte das Franco-Regime ein Massaker an streikenden Arbeitern in Vitoria-Gasteiz, der Hauptstadt des Baskenlands. Dieses Ereignis war ein entscheidender Wendepunkt in den Klassenkämpfen [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Vor 50 Jahren, am 3. März 1976, verübte das Franco-Regime ein Massaker an streikenden Arbeitern in Vitoria-Gasteiz, der Hauptstadt des Baskenlands. Dieses Ereignis war ein entscheidender Wendepunkt in den Klassenkämpfen der 1970er. Aus diesem Anlass veröffentlichen wir einen Artikel von Alan Woods, der an der letzten Phase des Kampfes gegen Franco beteiligt war. Er zeigt auf, wie die revolutionäre Bewegung der Arbeiterklasse das Regime zu Fall brachte – und wie sie ohne den Verrat der Arbeiterführung noch weiter hätte gehen können. Der Artikel von Alan Woods bietet einen kompakten Überblick über die Ereignisse, die in <a href="https://www.1917-verlag.at/product/spains-revolution-against-franco-the-great-betrayal/">seinem Buch</a> ausführlicher analysiert werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Geschichte der spanischen Revolution der 1930er Jahre ist den meisten Linken gut bekannt. Weit weniger bekannt sind jedoch die Ereignisse, die darauf folgten. Mit dem Sieg Francos 1939 war die Geschichte keineswegs zu Ende. Im Gegenteil: Der Sturz der Franco-Diktatur durch die revolutionäre Bewegung der spanischen Arbeiter in den 1970er Jahren gehört zu den inspirierendsten Kapiteln der neueren Geschichte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter schwierigsten und gefährlichsten Bedingungen organisierten die spanischen Arbeiter eine Streikbewegung, die in der Geschichte ihresgleichen sucht. Vergleichbares findet sich weder im Widerstand gegen das nationalsozialistische Deutschland noch in Mussolinis Italien. Ausgehend von der heroischen Bewegung der asturischen Bergarbeiter 1962 folgte eine Welle auf die andere: Streiks, Generalstreiks, Demonstrationen und Massenproteste erschütterten das Regime immer wieder aufs Neue.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dies war eine echte Revolution, die viel weiter hätte gehen können und müssen. Die spanische Arbeiterklasse und Jugend taten alles in ihrer Macht Stehende, um einen revolutionären Wandel der Gesellschaft herbeizuführen. Dass ihnen dies letztendlich nicht gelang, war nicht ihre Schuld. Die spanische Revolution der 1970er wurde von den Führern der kommunistischen und sozialistischen Parteien auf schändliche Weise verraten, die sich mit ehemaligen Faschisten wie Adolfo Suárez verbündeten, um die revolutionäre Bewegung zu stoppen. Das Ergebnis dieses Verrats war der sogenannte demokratische Übergang, der lediglich ein Feigenblatt war, um die Fortsetzung des alten Regimes unter dem Deckmantel einer „parlamentarischen Monarchie“ zu verschleiern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Unkenntnis darüber, was wirklich geschehen ist, beschränkt sich nicht nur auf Länder außerhalb Spaniens. Vier Jahrzehnte lang hat die spanische herrschende Klasse mit Hilfe und Unterstützung der reformistischen und stalinistischen Führungen, die die Revolution verraten haben, alles daran gesetzt, das historische Gedächtnis des spanischen Volkes unter einem Berg von Lügen, Halbwahrheiten, Verzerrungen und Mythen zu begraben. Die Schlüsselrolle der Arbeiterklasse beim Sturz der Diktatur wurde verschwiegen, während diejenigen, die sich verschworen hatten, um die Herrschaft des Kapitals und die wesentlichen Merkmale des alten Franco-Staates zu erhalten, zynischerweise als Retter der spanischen Demokratie dargestellt wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte die Ehre und das Privileg, persönlich an der letzten, entscheidenden Phase dieses inspirierenden Klassenkampfes teilzunehmen, und wurde Zeuge einiger seiner Schlüsselmomente.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist mir daher ein tiefes Anliegen, die neue Generation über die wirklichen Ereignisse zu informieren, den dichten Schleier aus Lügen zu zerreißen, mit dem die Wahrheit verdeckt wurde, und die außergewöhnliche revolutionäre Stimmung jener bewegenden Zeit wieder lebendig werden zu lassen.</p>



<h3 class="wp-block-heading" style="font-size:22px"><strong>Die lange Nacht des Franquismus</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Am 1. April 1939 erklärte General Franco den Sieg über das spanische Volk. Damit begann ein langer Albtraum, der fast vier Jahrzehnte andauerte. Niemand weiß genau, wie viele Menschen in dem blutigen vierjährigen Bürgerkrieg ums Leben kamen. Schätzungen reichen von 200.000 bis zu einer Million. Die tatsächliche Zahl dürfte irgendwo zwischen diesen Schätzungen liegen. Doch das Gemetzel war damit noch nicht zu Ende.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die brutale Unterdrückung, die während des Bürgerkriegs in den nationalistischen Gebieten begann, setzte sich nach Kriegsende unvermindert fort. Die Faschisten nahmen schreckliche Rache an den Arbeitern. Hunderttausende Republikaner, Kommunisten und Sozialisten wurden verhaftet und in Konzentrationslagern interniert, unzählige wurden ermordet oder verschwanden in Francos Gefängnissen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Streiks, Demonstrationen, Arbeiterversammlungen, freie Gewerkschaften und politische Parteien wurden verboten. Unter Franco waren alle spanischen Arbeiter verpflichtet, der faschistischen Gewerkschaft CNS (Sindicato) beizutreten, die von den Arbeitern als „vertikale Gewerkschaft” bezeichnet wurde. Nach dem Vorbild der Gewerkschaften in Mussolinis Italien organisierte die CNS sowohl Unternehmer als auch Arbeiter in derselben Organisation. Die Löhne wurden von den Unternehmern und Funktionären der CNS festgelegt. Die „Vertreter” der Arbeiter wurden von den Bürokraten der Gewerkschaft in Absprache mit den Bossen handverlesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die römisch-katholische Kirche hatte während des Bürgerkriegs die Faschisten unterstützt, den sie als „Kreuzzug“ bezeichnete. Unter Franco genoss die Kirche ein absolutes Monopol über das religiöse, kulturelle und bildungspolitische Leben. Die Priester und Bischöfe übten eine geistige Diktatur über die Seelen der Menschen aus, die das genaue Gegenstück zur physischen Diktatur war.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Das Wiedererwachen</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Es dauerte lange, bis sich das spanische Proletariat von seinen Wunden erholt hatte. Aber es erholte sich. In den 1960ern läuteten die ersten Bergarbeiterstreiks in Asturien das revolutionäre Wiedererwachen der spanischen Arbeiterklasse ein. Eine beispiellose Streikwelle begann im Frühjahr 1962 und diese großartige Bewegung entfaltete sich trotz der Gesetze der faschistischen Diktatur. Die Bewegung sah sich einer brutalen Unterdrückung gegenüber.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Regierung verhängte in den vom Streik betroffenen Provinzen den Belagerungszustand. Dies kam einer Verhängung des Kriegsrechts gleich. Gewerkschaftsaktivisten wurden verhaftet und vom Kriegsgericht zu Haftstrafen zwischen 5 und 18 Jahren verurteilt. Doch dies nützte nichts mehr – die Bewegung hatte bereits eine unaufhaltsame Dynamik entwickelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwischen 1964 und 1966 belief sich die Zahl der bestreikten Arbeitstage auf 171.000. Zwischen 1967 und 1969 stieg die Streikzahl auf 345.000 und zwischen 1970 und 1972 verdreifachte sie sich beinahe auf 846.000. Von 1973 bis 1975 nahm sie nochmals deutlich zu und erreichte 1.548.000 Arbeitstage. Nach dem Tod Francos erreichte die Streikbewegung ihren Höhepunkt. Von 1976 bis Mitte 1978 beliefen sich die Streikzahlen auf erstaunliche 13.240.000 Arbeitstage. 1970 gab es viermal so viele Streiks wie 1969, und 1971 waren es zweieinhalb Mal so viele wie 1970.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser Kampf forderte viele Opfer. Viele Arbeiter verloren ihr Leben bei Zusammenstößen mit der Polizei, und Hunderte weitere wurden wegen ihrer Teilnahme an Demonstrationen, Streiks oder illegalen Versammlungen inhaftiert oder entlassen. Aber die Kurve der Streikbewegung stieg steil an. 1973 wurde in Pamplona ein Generalstreik ausgerufen, und es wurde ein Streikkomitee gewählt, das sich aus Vertretern aller wichtigen Unternehmen zusammensetzte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viele der Streiks wurden nicht durch Lohnforderungen ausgelöst, sondern durch Solidaritätsaktionen mit entlassenen Arbeitern desselben Unternehmens oder eines anderen Unternehmens, das sich in einem Konflikt befand. So agierten die Arbeiter selbst unter den Gewehren der bewaffneten Polizei und trotz des Netzwerks von Informanten, Polizeispitzeln und Provokateuren als Klasse.</p>



<h3 class="wp-block-heading" style="font-size:22px"><strong>Der Tod eines Diktators</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">In der letzten Phase seines Lebens wurde Franco auf Befehl einer herrschenden Clique, die in Todesangst vor seinem Ableben war, künstlich am Leben erhalten. Die Tatsache, dass das Regime sein Schicksal vom verfallenden Körper eines kranken alten Mannes abhängig machte, war ein deutlicher Ausdruck seiner extremen Schwäche. In Wirklichkeit hatte das Regime seine Massenbasis in der Gesellschaft verloren. Unter dem Einfluss der Massenstreiks der Arbeiter war praktisch jede Schicht der spanischen Gesellschaft gegen das Regime. Nicht nur die Studentenschaft, sondern auch Anwälte, Ärzte, Universitätsdozenten und Zeitungsredakteure, Schauspieler, Filmregisseure und Dramaturgen schlossen sich der Opposition gegen die Diktatur an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 20. November 1975 wurde schließlich der Tod Francos bekannt gegeben. Das Regime rief eine offizielle Trauerzeit aus, doch in allen Arbeitervierteln wurde die Nachricht mit Jubel aufgenommen. Die Geschäfte berichteten, dass ihre Champagnervorräte schnell zur Neige gingen. Das Verschwinden des verhassten Diktators öffnete die Schleusen des Klassenkampfs, der eine neue Intensität erreichte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die neue Regierung unter Arias Navarro präsentierte eine „Reform“, die in Wirklichkeit nichts anderes war als die Fortsetzung des Franco-Regimes unter einem neuen Namen. Aber dieser Trick täuschte niemanden. Das Regime war gespalten und kämpfte um sein Überleben. Wie ein verwundetes Tier jedoch machte es gerade diese Schwäche nur noch brutaler.</p>



<h3 class="wp-block-heading" style="font-size:22px"><strong>In Madrid</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Im Januar 1976 zog ich mit meiner ersten Frau Pam und unseren beiden kleinen Kindern nach Madrid. Von unserer Wohnung im Arbeiterviertel Carabanchel aus konnten wir das berüchtigte Gefängnis sehen, in dem das Regime politische Gefangene und Gewerkschaftsführer einsperrte. Die Atmosphäre in Madrid war elektrisierend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gab Streiks in der U-Bahn, im Post- und Telekommunikationssektor, im Eisenbahnnetz (Renfe), bei den Taxifahrern und bei Hunderten anderen Unternehmen im roten Gürtel Madrids, ebenso wie bei Getafe Metal, Pegaso, Standard, Chrysler und anderen. Die Madrider Zeitung Informaciones (am 9. Januar) bezifferte die Zahl der streikenden Arbeiter in der Hauptstadt auf 100.000; inoffizielle Schätzungen gingen jedoch von etwa doppelt so vielen aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Regierung musste das Militär einsetzen, um den U-Bahn- und Postbetrieb aufrechtzuerhalten. Tatsächlich stand Madrid kurz vor einem Generalstreik. Auch die Studenten wurden aktiv. An den Universitäten herrschte eine Atmosphäre ständiger Unruhe – geprägt von illegalen Versammlungen und ununterbrochener politischer Agitation.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Vorgehen der Polizei war brutal. Ana Munoz, damals Studentin an der Complutense-Universität Madrid, erinnert sich, wie sich einige Studenten durch Fensterscheiben warfen, um den Schlagstöcken der Bereitschaftspolizei zu entkommen. Viele Menschen wurden verhaftet, geschlagen und gefoltert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fraga, Franco-Hardliner und Innenminister, drohte den Demonstranten: „Die Straße gehört mir.“ Aber die Arbeiter und Jugendlichen Spaniens stellten diese kühne Behauptung jeden Tag in Frage. Die revolutionäre Bewegung, die ganz Spanien erfasste, erreichte am 3. März 1976 in der baskischen Stadt Vitoria ihren Höhepunkt.</p>



<h3 class="wp-block-heading" style="font-size:22px"><strong>Der 3. März</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Streikbewegung in Vitoria hatte bereits zu Anfang des Jahres begonnen. Die Arbeiter organisierten demokratisch gewählte Vertretungskomitees, die von den Unternehmern als „lokaler Sowjet“ bezeichnet wurden. Ich fuhr mit einer Gruppe von Genossen nach Vitoria. Was wir dort vorfanden, glich einer besetzten Stadt, in der es von bewaffneten Polizisten und Zivilgardisten nur so wimmelte. Tatsächlich entgingen wir in dieser Nacht nur knapp der Verhaftung, als unser Auto an einer Polizeikontrolle angehalten wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich nahm an einer Versammlung von mehreren tausend Arbeitern und ihren Frauen in der Kirche San Francisco teil. Damals waren Kirchen und Klöster die einzigen Orte, an denen man sich treffen konnte. Es war tatsächlich ein Sowjet. Am meisten beeindruckten mich die strenge Disziplin der Versammlung und die revolutionäre Leidenschaft der Reden der Arbeiter, insbesondere der Frauen, die eine eiserne Entschlossenheit zeigten, den Kampf bis zum Ende zu führen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am nächsten Tag marschierten die Arbeiter in geordneten Kolonnen ins Stadtzentrum. Sie bildeten so etwas wie menschliche Barrikaden auf den Straßen und stoppten den Verkehr. Nach einer Weile waren die Sirenen der Polizei zu hören, und die menschlichen Barrikaden lösten sich auf. Aber die Arbeiter waren immer noch da: an Straßenecken oder in Bars. Es war eine Art Guerillakrieg. Nach einer Weile kam jemand auf die Idee, statt sich selbst in den Weg zu stellen, Straßenlaternen zu zerstören oder Autos zu verschieben, um Barrikaden zu bilden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Irgendwann fuhren wir die Straße entlang, als ein Polizist mit gezogenem Schlagstock auf uns zustürmte, offensichtlich mit der Absicht, die Windschutzscheibe einzuschlagen, obwohl wir nichts getan hatten. Es war offensichtlich, dass sie Leute verprügeln wollten, aber da der unsichtbare Feind verschwunden war, sobald sie ankamen, gab es niemanden, den sie verprügeln konnten. Sie waren außer Kontrolle, verrückt vor Frustration und Wut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gegen 17 Uhr versammelten sich die Arbeiter und ihre Familien erneut in der Kirche von San Francisco. Überraschenderweise ließ die Polizei sie eintreten. Aber sobald sie drinnen waren, umzingelte die Polizei die Kirche und blockierte alle Eingänge. Sie befahlen den Menschen, sich zu zerstreuen, und als diese sich weigerten, feuerten sie Tränengas und Rauchbomben in die Kirche.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Explosionen und das Geräusch zersplitternden Glases verursachten Panik in der Kirche, in der sich eine große Anzahl von Männern, Frauen und Kindern versammelt hatte. Die Menschen rangen nach Luft und versuchten, hinauszugelangen. Doch als sie ins Sonnenlicht taumelten, eröffnete die Polizei das Feuer mit automatischen Waffen. Fünf Arbeiter wurden getötet und viele weitere verletzt.</p>



<h3 class="wp-block-heading" style="font-size:22px"><strong>Die Idee eines Generalstreiks</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ereignisse in Vitoria hatten eine aufrüttelnde Wirkung auf das Bewusstsein von Hunderttausenden von Arbeitern in ganz Spanien. In verschiedenen Teilen des Landes kam es zu Streiks und spontanen Demonstrationen. In Spanien hatte sich eine eindeutige vorrevolutionäre Situation entwickelt. Alle klassischen objektiven Voraussetzungen für eine sozialistische Revolution waren gegeben. Unter diesen Bedingungen wurde die Parole des Generalstreiks ganz offen gestellt. Die Arbeiter hatten bereits lokale und regionale Generalstreiks überall organisiert, begleitet von Massendemonstrationen und Straßenprotesten. Aber solche Aktionen hatten klare Grenzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die spanischen Arbeiter hatten ihre Macht eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Doch diese Macht existierte bisher nur als Potenzial. Damit dieses Potenzial verwirklicht werden konnte, musste es organisiert und mobilisiert werden. Dafür brauchte es einen landesweiten Generalstreik, um den begonnenen Kampf zu Ende zu führen. Die Voraussetzungen dafür waren durchaus gegeben. Alles, was es gebraucht hätte, wäre ein klarer Aufruf der Führung gewesen – die Festlegung eines Termins, ein entschlossener Schritt nach vorn. Doch dieser Aufruf blieb aus. Der Grund dafür lag nicht in mangelnder Entschlossenheit der Arbeiter. Immer wieder hatten sie ihre Kampfbereitschaft bewiesen und gezeigt, dass sie bereit waren, Opfer zu bringen, um ihre Forderungen durchzusetzen. Das eigentliche Hindernis lag bei der Führung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Durch ihre Streiks und Generalstreiks hatten die Arbeiter ihre Macht demonstriert, die gesamte Gesellschaft zum Stillstand zu bringen. Mit beeindruckendem Mut und Entschlossenheit hatten sie sich dem Staat und seinen repressiven Kräften widersetzt. Letztendlich zählte all dies jedoch nichts. Die Zukunft Spaniens wurde von einer winzigen Handvoll Personen bestimmt, die eigentlich nur sich selbst repräsentierten. Reformistische Arbeiterpolitiker und eine kleine Clique ehemaliger Franco-Bürokraten entschieden hinter dem Rücken der Massen über alles.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kommunistische Partei war zu dieser Zeit die entscheidende Kraft in der Arbeiterklasse. Aber ihre Führer lehnten die Idee eines Generalstreiks entschieden ab. Sie hatten absolut kein Vertrauen in die Fähigkeit der spanischen Arbeiter, die Macht selbst in die Hand zu nehmen, und suchten verzweifelt nach jemandem, dem sie die Macht übertragen konnten, die sie selbst nicht zu übernehmen wagten.</p>



<h3 class="wp-block-heading" style="font-size:22px"><strong>Revolution und Konterrevolution</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Vor seinem Tod versuchte Franco, die Fortführung seines Regimes in Form einer Restauration der Monarchie zu sichern. Seit einigen Jahren hatte er Prinz Juan Carlos auf diese Rolle vorbereitet, und als König begann dieser, sein Recht auf die Ausübung der Macht geltend zu machen. Arias war nun völlig diskreditiert, und Juan Carlos nutzte im Juli 1976 die Gelegenheit, ihn zu entlassen und einen neuen Mann an seine Stelle zu berufen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Adolfo Suárez war früher Vorsitzender der Nationalen Bewegung – der einzigen politischen Partei, die in Francos Spanien erlaubt war. Im Juli 1976 ernannte Juan Carlos, den Franco zu seinem Nachfolger und König von Spanien ernannt hatte, ihn zum Regierungspräsidenten (entspricht dem Amt des Premierministers). Es gibt wohl nur wenige derart bemerkenswerte Wandlungen in der Geschichte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Entlassung von Arias Navarro und die überstürzte Ernennung von Adolfo Suárez waren deutliche Anzeichen dafür, dass das Regime in zwei Lager gespalten war. Dieser Schritt war kein Zeichen von Stärke, sondern von extremer Schwäche. Doch anstatt diese Schwäche auszunutzen, um in die Offensive zu gehen, hissten die Arbeiterführer sofort die weiße Fahne und beeilten sich, einen Deal auszuhandeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tatsächlich hatten sie dies von Anfang an vorgehabt. Sie hatten nur auf eine geeignete Gelegenheit und einen kooperativen Verhandlungspartner gewartet, mit dem sie einen Ausverkauf aushandeln konnten. Diese Gelegenheit bot sich nun in Gestalt von Adolfo Suárez, den sie mit größtmöglichem Enthusiasmus empfingen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Januar 1977 erreichte die Lage in Spanien einen kritischen Punkt. Die rechtsextremen Kräfte, entschlossen, jede Möglichkeit einer Reform zu sabotieren, bedienten sich faschistischer Banden, um auf den Straßen eine Atmosphäre des Terrors zu schaffen. Zu diesem Zweck wurden terroristische Aktionen, Entführungen und Morde verübt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ermordung eines jungen Studenten namens Arturo Ruiz löste massive Studentendemonstrationen in den Straßen Madrids aus. Bei einer dieser Demonstrationen wurde ein junges Mädchen, Mari-Luz Najera, getötet, als ein Polizist eine Rauchbombe direkt auf ihr Gesicht abfeuerte. Am selben Tag drangen bewaffnete Faschisten in Atocha im Zentrum Madrids in das Büro einer Gruppe von Arbeitsrechtsanwälten ein, die für die mehrheitlich kommunistischen Arbeiterkommissionen arbeiteten, und erschossen kaltblütig fünf Menschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Marx sagte einmal, dass die Revolution die Peitsche der Konterrevolution braucht. Die blutigen Provokationen der Konterrevolutionäre hatten das Gegenteil ihrer beabsichtigten Wirkung. Sie sollten der Kommunistischen Partei einen Schlag versetzen, erreichten aber nur, dass ihre Autorität in den Augen der Massen noch größer wurde. Sie sollten eine Atmosphäre der Angst schaffen, aber die Morde von Atocha lösten eine Welle der Abscheu und Wut aus, wie ich sie zuvor und seitdem nie wieder gesehen habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Initiative ging nun auf die Revolution über. Alle Voraussetzungen für einen Generalstreik waren gegeben. Aber wieder einmal bremsten die Führer der Kommunistischen Partei. Die massive Demonstration, die anlässlich der Beerdigungen der Opfer die Straßen Madrids füllte, wurde von Ordnern der Kommunistischen Partei streng überwacht, die Schweigen verhängten und das Zeigen von Transparenten oder Slogans verhinderten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Führer der KP sahen darin keine Gelegenheit, eine Massenbewegung zum Sturz des Regimes anzuführen, sondern es zu stützen und Verhandlungen aufzunehmen. Santiago Carrillo erklärte öffentlich, dass „wir die Regierung unterstützen müssen“.</p>



<h3 class="wp-block-heading" style="font-size:22px"><strong>Pakte und Konsens</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Im Buch Genesis verkaufte Esau sein Erstgeburtsrecht für ein Linsengericht. Doch im Vergleich zu dem, was Santiago Carrillo (Generalsekretär der Kommunistischen Partei – PCE) und Felipe González (Generalsekretär der Sozialdemokraten – PSOE) taten, war das beinahe ein guter Handel: Sie gaben die durch die Aktionen der Arbeiterklasse errungene Macht im Austausch für eine Scheindemokratie auf. Darin liegt das Geheimnis des sogenannten demokratischen Übergangs.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Suarez war zwar ein Mann ohne weitreichende politische Perspektiven und noch weniger Prinzipien, aber dennoch ein geschickter politischer Manövrierkünstler. Er begriff schnell, dass das Regime, um zu überleben, Zugeständnisse machen und einen Deal mit den Führern der Arbeiter schließen musste. Da es ihm nicht gelungen war, die Bewegung durch Repression zu besiegen, versuchte er, sie durch Zugeständnisse zu untergraben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der neue Präsident wusste, dass er ohne die Unterstützung der Führer der sozialistischen und kommunistischen Parteien nicht regieren konnte. Er stützte sich auf sie, und sie stützten sich auf die Arbeiterklasse. Aber anstatt sich auf die Macht der Arbeiterklasse zu konzentrieren, waren diese Führer vom Gespenst der Staatsmacht hypnotisiert, obwohl diese Macht vor ihren Augen rasch zerfiel. Sie verhielten sich wie verängstigte Kaninchen, die vom Scheinwerferlicht eines Autos geblendet waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Suarez muss erstaunt gewesen sein, als er feststellte, dass die Führer der Sozialisten und Kommunisten nur allzu bereit waren, einen Deal zu machen. Besonders wichtig war die Rolle von Santiago Carrillo, dem Führer der Kommunistischen Partei (PCE). Der Hauptpunkt von Carrillos Programm – man könnte es als Obsession bezeichnen – war die Notwendigkeit, sich bei den Liberalen oder sogar dem sogenannten reformistischen Flügel des Franco-Regimes beliebt zu machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie hatten vor allem Angst: vor dem Regime, vor der Armee, vor der Kirche, vor den Massen und sogar vor dem Klang ihrer eigenen Stimmen. Sie betrachteten die Massenbewegung nicht als Machtfaktor, sondern lediglich als Verschubmasse in ihren Verhandlungen mit dem Regime. Sie waren bereit, sie im Austausch für alles, was ihnen angeboten wurde, zu opfern. Selbst als Verhandlungsführer im engeren gewerkschaftlichen Sinne waren sie nicht besonders gut. Am Ende blieb von den ursprünglichen Forderungen nicht viel übrig. In Wirklichkeit hatten die Führer der Opposition bereits beschlossen, sich zu ergeben, noch bevor sie die Tür zu Suárez‘ Büro betreten hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Gegenzug für die Legalisierung der Kommunistischen Partei war Carrillo bereit, fast alles zu akzeptieren. Er akzeptierte Suárez‘ Reform in ihrer Gesamtheit, einschließlich der Monarchie und ihrer Flagge. Dies war ein Verrat an den grundlegendsten Prinzipien, nicht nur der Kommunistischen Partei, sondern auch der Demokraten im Allgemeinen. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Monarchie in Spanien absolut keine Unterstützerbasis.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hätte es ein Referendum gegeben, um zu entscheiden, ob Spanien eine Republik oder eine Monarchie sein sollte, wäre das Ergebnis mit überwältigender Mehrheit zugunsten einer Republik ausgefallen. Dies gab Suárez später selbst zu. Doch ein solches Referendum fand nie statt, und die Kommunistische Partei verbot das Zeigen republikanischer Flaggen bei ihren Versammlungen und verprügelte diejenigen, die versuchten, sie zu zeigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hier sehen wir die wahre Fratze des demokratischen Übergangs in Spanien. Wir sollten hinzufügen, dass das Verhalten von Felipe González und der PSOE nicht besser war.</p>



<h3 class="wp-block-heading" style="font-size:22px"><strong>„demokratischer Übergang“</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Um diese erbärmliche Kapitulation zu rechtfertigen, versuchten González und Carrillo zu argumentieren, dass die Alternative eine Intervention der Armee und eine blutige Niederschlagung gewesen wäre. Dieses Argument geht erstaunlicherweise davon aus, dass nur die persönliche Autorität von Adolfo Suárez eine solche Niederschlagung verhindert habe. Es scheint, als hätten ein paar Gespräche mit Suárez und dem König die spanischen Generäle überzeugt. Hier verlassen wir den Bereich der politischen Realität und begeben uns in das Reich der Märchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zunächst einmal hatte die viel gefürchtete Unterdrückung während der gesamten vorangegangenen Periode kontinuierlich stattgefunden. Die brutale Niederschlagung von Demonstrationen und Streiks, die Attentate in Atocha, am 3. März in Vitoria und viele andere Fälle von Repression sind ausreichender Beweis dafür, dass das Regime den Weg der Unterdrückung bereits ausgeschöpft hatte, der die revolutionäre Bewegung überhaupt nicht aufhalten konnte. Eine Fortsetzung dieser Methoden hätte zwangsläufig zu einer Explosion geführt, die das Regime vollständig hinweggefegt hätte. Daher sah sich das Regime aus Gründen der Selbsterhaltung dazu gezwungen, Repression durch Zugeständnisse zu ersetzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was den Einsatz der Armee angeht, so wäre dies eine äußerst riskante Strategie gewesen. Die spanische Armee basierte zu dieser Zeit auf der Wehrpflicht. Die Ereignisse in Vitoria hatten die ernsthaften Spannungen zwischen Soldaten und Polizei offengelegt. Jeder Versuch, die Truppen gegen die Streikenden einzusetzen, hätte die Gefahr mit sich gebracht, die Armee zu spalten. Die Generäle waren sich dessen bewusst, und auch an der Spitze der Armee und sogar innerhalb der Polizei kam es zu Spaltungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tatsache ist, dass sowohl die kommunistischen als auch die sozialistischen Führer keinerlei Vertrauen in die Fähigkeit der Arbeiterklasse hatten, die Gesellschaft zu verändern. Sie beschlossen im Voraus, dass der beste Weg zu einer parlamentarischen Demokratie, in der sie bequem Ministerposten bekleiden könnten, darin bestand, einen Deal mit dem Regime zu machen. Die Kommunistische Partei hatte dies bereits Jahrzehnte zuvor beschlossen, als sie den sogenannten Freiheitspakt akzeptierte. Seitdem hat sie diese Position beibehalten. Das Kräfteverhältnis hatte damit absolut nichts zu tun.</p>



<h3 class="wp-block-heading" style="font-size:22px"><strong>Der große Verrat</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Den Preis für diese Periode zahlten die Massen, die für den Sturz des alten Regimes gekämpft hatten. Der sogenannte demokratische Übergang konnte dem alten Regime einen leichten „demokratischen“ Anstrich verleihen, ließ es aber ansonsten nahezu unangetastet. Die repressiven Organe blieben bestehen. Die Guardia Civil schoss weiterhin auf Demonstranten und folterte und ermordete Gefangene in den Gefängnissen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht eine einzige Person wurde für die Verbrechen, Morde und Gräueltaten der Diktatur bestraft. Die Mörder und Folterer konnten sich frei auf den Straßen bewegen und ihren Opfern ins Gesicht lachen. Ein 1977 verabschiedetes Amnestiegesetz verbot die Verfolgung von Verbrechen, die während der Diktatur begangen worden waren. Es wurde ein Schweigepakt auferlegt, der das spanische Volk jahrzehntelang knebelte. Es sollte einfach vergessen, dass eine Million Menschen im Bürgerkrieg und während der 40 Jahre der Diktatur getötet worden waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die ungeheuren Privilegien der römisch-katholischen Kirche, dieses Bollwerk der Konterrevolution, blieben unangetastet – eine unerträgliche Last für das spanische Volk. Die riesigen Heerscharen von Nonnen und Priestern sollten weiterhin die Verantwortung für ihre Schulen tragen, während ihre Gehälter vom Steuerzahler bezahlt wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Geschichtsbücher wurden so umgeschrieben, dass es schien, als sei nichts davon je geschehen. Die Massengräber, in denen Tausende namenloser Leichen unter Olivenhainen und Bergpässen ruhen, blieben unberührt – um Touristen nicht daran zu hindern, die Aussicht zu genießen. Dies war ein Verrat an allem, wofür die Arbeiter Spaniens gekämpft hatten. Vier Jahrzehnte später sind die Menschen in Spanien immer noch mit den Folgen dieses Verrats konfrontiert.</p>
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		<title>Schutzzoll oder Freihandel?</title>
		<link>https://derkommunist.de/schutzzoll-oder-freihandel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sandro Tsipouras]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 08 Apr 2025 06:00:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Marxismus]]></category>
		<category><![CDATA[Weltgeschehen]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte ab 1945]]></category>
		<category><![CDATA[Nordamerika]]></category>
		<category><![CDATA[Protektionismus]]></category>
		<category><![CDATA[Welthandel]]></category>
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									<p><em></em></p>
<p class="wp-block-paragraph" style="font-weight: 400;">Der Ausbruch des Krieges in der Ukraine im Februar 2022 hat die Ära der Globalisierung endgültig beendet. Russland wurde mit Sanktionen in historisch einmaligem Ausmaß belegt. Vor allem die USA unter Donald Trump, aber auch die anderen Großmächte errichten untereinander Handelsschranken oder drohen damit. Welche Haltung sollte die Arbeiterbewegung dazu einnehmen?</p>
<p style="font-weight: 400;">Die europäischen „Experten“ reagieren mit Empörung auf das Ende des Freihandels. Auf der anderen Seite gibt es Überlegungen, ob eine aktive Schutzzollpolitik nicht nützlich sein könnte. Beide Herangehensweisen vereint der Irrtum, die Regierung eines Staates könnte willkürlich politisch entscheiden, wie sie sich zum Weltmarkt verhalten will.</p>
<h3>Vom Nationalstaat zum Weltmarkt</h3>
<p style="font-weight: 400;">Im Mittelalter war Europa ein Fleckenteppich aus winzigen, isolierten Märkten. Der aufkommende Kapitalismus schuf an ihrer Stelle wenige große Märkte, die Millionen von Menschen umfassten: die modernen Nationalstaaten. Nur in der Donaumonarchie und dem Zarenreich verzögerte sich die Durchsetzung dieses Modells bis ins 20. Jahrhundert.</p>
<p style="font-weight: 400;">Je produktiver der Kapitalismus wurde, desto mehr drängte es die Kapitalisten der stärksten Nationen dazu, die Grenzen des nationalen Marktes zu überschreiten – weil sie mehr Abnehmer für ihre Waren oder mehr Arbeiter für ihre Fabriken brauchten. Daraus entstand der Weltmarkt und schließlich der Imperialismus. Der Imperialismus ist die höchste und letzte Stufe des Kapitalismus – ein System, in dem Staaten Werkzeuge der wirtschaftlichen Expansion ihrer Konzerne sind und die mächtigsten Staaten (mit den produktivsten Unternehmen) die Welt unter sich aufteilen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Freihandel und Protektionismus haben sich zusammen mit den Aufwärts- und Abwärtsbewegungen der Weltwirtschaft entwickelt. So leitete die Wirtschaftskrise von 1873 in Deutschland und Österreich („Gründerkrach“) eine Phase des Protektionismus ein, um die heimische Industrie und Landwirtschaft vor Importen aus dem produktiveren Ausland (damals Großbritannien) zu schützen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Gegen Ende des 19. Jahrhunderts setzte wiederum die britische Industrie immer deutlicher auf protektionistische Maßnahmen um sich wiederum vor dem aufsteigenden Rivalen Deutschland und den USA zu schützen. Nach der Wirtschaftskrise 1929 in den frühen 1930er Jahren setzten viele Länder auf massive Zollschranken und Maßnahmen, um den Binnenhandel zu begünstigen. Der Welthandel brach innerhalb weniger Jahre um etwa zwei Drittel ein, was die Krise weltweit enorm vertiefte.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Konkurrenz zwischen den Staaten ist eine höhere Ebene der Konkurrenz zwischen den einzelnen Großunternehmen. Freihandel und Protektionismus sind zwei verschiedene Taktiken für die Kapitalisten und ihren Staat, sich am Weltmarkt durchzusetzen. Weil das Kapital nicht aufhören kann zu expandieren, ist der Protektionismus vor allem dafür da, sich fit und konkurrenzfähig zu machen, bevor man erneut in den Ring steigt und „Freihandel!“ fordert. Wer sich nicht öffnet, muss dann damit rechnen, dass er dazu gezwungen wird.</p>
<h3>Von der Globalisierung zum Handelskrieg</h3>
<p style="font-weight: 400;">Die Entwicklung, die rückblickend oft als „Globalisierung“ bezeichnet wird, begann nach dem 2. Weltkrieg mit einem weltweiten Nachkriegsaufschwung („Wirtschaftswunder“). Die kapitalistische Welt vereinte sich hinter den USA, um der Sowjetunion die Stirn zu bieten. Die Führungsmacht der „Freien Welt“ forcierte den Freihandel, um ihre im Krieg geschaffene industrielle Überkapazität auszulasten und sich am Wiederaufbau zu bereichern. Dazu wurden die Vorläufer der EU und WTO (Welthandelsorganisation) gegründet.</p>
<p style="font-weight: 400;">In den 1990er wurde durch die Wiedereinführung des Kapitalismus in der Sowjetunion und in China der Weltmarkt enorm vergrößert. Rohstoffabbau und Industrieproduktion konzentrierten sich dort, wo sie am billigsten waren. Die Globalisierung der Lieferketten und Produktionsprozesse ermöglichte die Entwicklung einer ganzen Reihe moderner Technologien vom Smartphone bis zum E-Auto. China wurde immer mehr zum Hauptprofiteur dieses Prozesses und überholte 2010 die USA als führendes Industrieland. Jetzt erbringt es 30% der weltweiten Industrieproduktion.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Trendwende kam nach der Finanzkrise 2008: Erst Obamas „Buy American“-Politik, dann Trumps Handelskrieg gegen China, schließlich die Pandemie und der Ukraine-Krieg beendeten die Ära des freien Handels. Die einmalige Rolle des Staates in der chinesischen Wirtschaft ermöglichte es dort, trotz Krise und Pandemie die Produktivität seiner Industrie immer weiter zu steigern. Jetzt wird China zum Opfer seines eigenen Erfolgs: Obwohl die Arbeiter aller Länder sich über billige chinesische Waren freuen würden, sind sich die Kapitalisten einig, dass billige Waren von dort eine Gefahr für ihren eigenen Profit und Macht sind.</p>
<h3>Der Weltmarkt und die Arbeiterklasse</h3>
<p style="font-weight: 400;">Freier Handel heißt: Freizügigkeit für Arbeitskräfte, billige Importgüter und Lohndruck durch internationale Konkurrenz. Protektionismus heißt: dichte Grenzen, teure Importgüter und Lohndruck durch sinkende Produktivität. Gegen den Lohndruck hilft nur der Klassenkampf – sich einen höheren Anteil am Profit der Kapitalisten zu erkämpfen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Eine produktive Wirtschaft ist auf dem Weltmarkt durchsetzungsfähig und setzt auf Freihandel. Eine schwache Wirtschaft setzt auf Handelsschranken. Die Expansion der Produktion nach 1945 führte zur erwähnten Globalisierung. Die weltweite Überproduktion seit 2008 beendet sie. Gegen diese Stagnation hat der Kapitalismus jedoch kein Rezept. Die Wurzel der kapitalistischen Krise liegt in der Produktion, nicht im Handel. Es wird zu viel produziert, als dass alle Waren profitträchtig auf den Markt gebracht werden können.</p>
<p style="font-weight: 400;">„Was ist also unter dem heutigen Gesellschaftszustand der Freihandel? Die Freiheit des Kapitals“, und sonst nichts, wusste Marx schon 1847 (Rede über den Freihandel). Über Propaganda für den Schutzzoll spottete er nicht weniger bissig, denn die Argumentation läuft für die Arbeiterklasse darauf hinaus zu behaupten: „Es ist besser, von seinen Landsleuten, als von Fremden ausgebeutet zu werden.“ (Die Schutzzöllner, die Freihandelsmänner und die arbeitende Klasse). Marx führt weiter aus, dass man nicht auf die Menschenliebe der Kapitalisten hoffen sollte, sondern dass soziale Verbesserungen nur durch die Arbeiterklasse errungen werden können.</p>
<p style="font-weight: 400;">Eine internationale Zusammenarbeit im Interesse der Arbeiterklasse erfordert, dass sie die Macht ergreift, die Kapitalisten enteignet und eine demokratische sozialistische Planwirtschaft aufbaut. Wenn Technik, Wissenschaft, Industrie und natürliche Grundlagen in Einklang gebracht werden, können die Lebensgrundlagen des Planeten und die Bedürfnisse der Menschheit in den Mittelpunkt der Produktion rücken. Freihandel oder Protektionismus aber sind nur zwei Taktiken der Kapitalisten auf dem Weltmarkt, um den eigenen Profit abzusichern.</p>
<p style="font-weight: 400;">Der Reformismus geht von der Illusion aus, dass Löhne und Arbeitsplätze von der Höhe des Profites abhängen. Deswegen will er den Erfolg der Kapitalisten und macht sich Sorgen um Profitmasse, Investitionsquote, Exportüberschuss und sonstige Messwerte der Profitmacherei. Es bringt uns aber nichts, den Kapitalisten dabei unter die Arme zu greifen. Die Kapitalisten versuchen so oder so – mit oder ohne Zölle oder Freihandelsabkommen –, den im Inland und Ausland produzierten Reichtum möglichst für sich zu behalten. Ob die Arbeiterklasse von ihrer Arbeit leben kann, hängt nicht am Erfolg ihrer Ausbeuter, sondern am Erfolg ihres Kampfes gegen die Ausbeuter.</p>
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		<title>Europa ohne Amerika: Wir steuern auf schwere Zeiten zu </title>
		<link>https://derkommunist.de/europa-ohne-amerika-wir-steuern-auf-schwere-zeiten-zu/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ben Curry]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Mar 2025 17:00:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Nordamerika]]></category>
		<category><![CDATA[Weltgeschehen]]></category>
		<category><![CDATA[Imperialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Militarismus]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
		<category><![CDATA[Wieso wird in Deutschland aufgerüstet?]]></category>
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<p class="wp-block-paragraph">Noch bevor Trump als 47. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika bestätigt wurde, hatte ein europäischer Think Tank erklärt, dass „die größte Krise in den transatlantischen Beziehungen seit Suez“ im Gange sei. Ein EU-Bürokrat schlug in die gleiche Kerbe: „Gibt es überhaupt noch Beziehungen zwischen der EU und den USA?“ Panik macht sich in den europäischen Machtzentralen breit. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Es ist nicht schwer zu verstehen, warum. Trump hat mit Zöllen in Höhe von 20 Prozent auf alle europäischen Importe gedroht; er hat eine Einigung mit Putin zur Beendigung des Ukraine-Kriegs versprochen; er hat damit gedroht, Grönland vom NATO-Mitgliedsland Dänemark zu annektieren; und er hat von den europäischen NATO-Mitgliedern verlangt, ihre Verteidigungsausgaben auf fünf Prozent des BIP zu erhöhen, andernfalls würden sie zusehen müssen, wie die USA aus dem Militärbündnis austrete. Bemerkenswert war auch, dass die einzige europäische Amtsinhaberin, die eine Einladung zu seiner Amtseinführung erhielt, die Italienerin Georgia Meloni war, obwohl viele Führer sogenannter „rechtsextremer“ und euroskeptischer Parteien auf besondere Einladung anwesend waren. </p>

<p class="wp-block-paragraph">All dies ergibt sich aus Trumps Strategie, die einen Bruch mit der Politik des US-Imperialismus seit der Nachkriegszeit darstellt. Das Problem ist, dass die europäische Kapitalistenklasse ihr ganzes Vermögen auf dieser Politik aufgebaut hat, nämlich darauf, dass der US-Imperialismus um jeden Preis seinen Status als die alles beherrschende wirtschaftliche und militärische Supermacht der Welt aufrechterhält, als oberster Schiedsrichter dessen, was man heute „die Regelbasierte Weltordnung“ nennt. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Jeder US-Präsident seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion hat bisher versucht, die uneingeschränkte Vorherrschaft der USA in der Welt aufrechtzuerhalten. Dies steht jedoch zunehmend im Widerspruch zu hartnäckigen materiellen Fakten. Trump ist der festen Überzeugung, dass diese nicht länger ignoriert werden können, ohne die imperialistischen Interessen der USA zu gefährden. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Da die amerikanische Industrie einem immer härteren Wettbewerb durch aufstrebende Konkurrenten ausgesetzt ist, beabsichtigt Trump, allen, die auf den US-Markt drängen, die Tür vor der Nase zuzuschlagen. Und wenn er sagt „Amerika zuerst“ (<em>America first)</em>, meint er nicht „Amerika und seine Verbündeten zuerst“. Er meint genau das, was er sagt. Das bedeutet Zölle nicht nur auf chinesische Waren, sondern auch auf europäische Waren. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Der europäische Kapitalismus befindet sich bereits in einer Sackgasse. Ein Zollkrieg wird seine Probleme noch vergrößern, nicht nur, weil er den Zugang der EU zu ihrem größten Exportmarkt behindern wird, sondern auch, weil er China zwingen wird, sich nach anderen Märkten, einschließlich des europäischen, umzusehen, um seinen eigenen Überschuss abzusetzen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Aber das ist nur der Anfang des Problems für Europa. Trumps Politik ist nicht nur eine des wirtschaftlichen Protektionismus, sondern auch eine des geopolitischen Rückzuges. </p>

<h3><strong>Rückzug</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Im Wahlkampf im November haben sich die Liberalen darüber ausgelassen, dass Trump „verrückt“ sei. Sie wollen uns glauben machen, dass sie im Gegensatz dazu „die Erwachsenen im Raum“ sind. Die Unverfrorenheit von Trumps Rhetorik und die scheinbare Skurrilität seiner Äußerungen über die Annexion von Teilen der Nachbarländer und Verbündeten der USA könnten den Eindruck erwecken, dass er tatsächlich verrückt sei. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Doch in vielerlei Hinsicht sind es die Liberalen, die den Bezug zur Realität verloren haben, und Trump, dessen Politik die nüchternere Einschätzung der harten Realitäten darstellt, mit denen der US-Imperialismus im Moment konfrontiert ist. Die Politik der Liberalen, die die Realität ignorieren und versuchen, die US-Hegemonie überall auf einmal durchzusetzen, hat zu einer teuren Katastrophe nach der anderen geführt: in Afghanistan, in Syrien, in der Ukraine. Und wofür? Sie haben den Niedergang der USA weder aufgehalten noch auch nur verlangsamt.  </p>

<p class="wp-block-paragraph">Trump beabsichtigt, dieses Ungleichgewicht zu korrigieren und in Taten anzuerkennen, dass die USA zwar immer noch die größte Militärmacht der Welt sind, aber nicht mehr alles beherrscht und sich auch nicht mehr so darstellen sollte. Die USA müsse sich ihre Schlachten aussuchen. Das bedeutet, dass sie ihre Macht in den Teilen der Welt stärken muss, in denen sie wirklich lebenswichtige Interessen und Einflusssphären zu verteidigen hat. Es bedeutet aber auch, anzuerkennen, dass ihre Konkurrenten ebenfalls ihre Einflussbereiche haben, um die zu streiten vergeblich wäre. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Darin liegt eine unbestreitbare Logik. Aber das bedeutet eine Reihe von Dingen. Es bedeutet, dass der US-Imperialismus die heuchlerische Behauptung aufgeben muss, eine so genannte „regelbasierte Ordnung“ aufrechtzuerhalten. Nein, Trump steht für das „Recht des Stärkeren“ (oder, um seine eigene Formulierung zu verwenden, „Frieden durch Stärke“).  </p>

<p class="wp-block-paragraph">Das bedeutet auch, dass die USA die Kontrolle über ihr „nahes Ausland“ bekräftigen: Kanada, Mexiko, Panama und natürlich Grönland. Die dänische Regierung war entsetzt über Trumps Pläne für ihren Kolonialbesitz. Aber da sie nur 50 Soldaten dort stationiert hat, kann sie wenig tun, außer öffentlich zu protestieren &#8230; und privat zu verhandeln. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Wir haben es hier mit einem NATO-Mitglied zu tun, das einem anderen NATO-Mitglied mit einer Invasion droht. Was sagt das über die Zukunft dieses sogenannten Bündnisses aus? Trump möchte die Präsenz der USA in Gebieten verstärken, die er als strategisch und wirtschaftlich wichtig erachtet. Dazu gehören Grönland und die Arktis. Auch der pazifische Raum ist für das amerikanische Kapital ein Gebiet von entscheidender geostrategischer Bedeutung. Aber das kleine Hinterland Europa fällt nicht mehr in diesen Bereich. Der Schwerpunkt der Weltwirtschaft hat sich längst vom Atlantik in den Pazifikraum verlagert. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Die primäre militärische Funktion der NATO lag jedoch schon immer genau in Europa, mit dem Fokus auf Russland (früher die Sowjetunion und der Warschauer Pakt) und der Sicherung der westlichen Vorherrschaft in Europa. Trump hat wiederum ganz offen gesagt, dass der Ukraine-Krieg vom Westen durch die Osterweiterung der NATO provoziert wurde. Er hat auch deutlich gemacht, dass dieser Krieg aus Sicht der USA ein teures Ablenkungsmanöver ist, das weit vom Zentrum der US-Interessen entfernt ist. Mit beiden Einschätzungen liegt er richtig, und er hat geschworen, über das Ende des Krieges zu verhandeln, sobald er das Oval Office betritt. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Das hat in den europäischen Hauptstädten wirklich die Katze aus dem Sack gelassen. Die Europäer wurden von der Biden-Administration in diesen Krieg hineingezogen. Das Scheitern des Krieges und die damit einhergehenden Sanktionen haben zu einem Schlag für die Wirtschaft und das Ansehen der Europäer geführt, der in jüngster Zeit ohne Beispiel ist. Jetzt wird ihnen gesagt, dass die Europäer, wenn der Krieg fortgesetzt werden soll, dies zu ihren eigenen Bedingungen und auf ihre eigenen Kosten tun können, ohne Unterstützung der USA. Es handelt sich um einen NATO-Krieg, und dennoch hat der wichtigste militärische Beitragende der NATO erklärt, dass er sich aus dem Krieg zurückziehen wird. </p>

<p class="wp-block-paragraph">All dies wirft die Frage nach der künftigen Existenz der NATO auf. Trump hat deutlich gemacht, dass ihm das keine schlaflosen Nächte bereiten wird. In Anbetracht der Tatsache, dass die USA 65 Prozent der militärischen Schlagkraft für ein Bündnis bereitstellen, das weit von seinem eigentlichen Interessensschwerpunkt entfernt ist, erscheint ihm dies &#8211; nicht zu Unrecht &#8211; als eine unnötige Subventionierung der europäischen Verteidigungsausgaben. Er hat deutlich gemacht, dass die Europäer Schmarotzer sind, und wenn die NATO-Mitglieder des Kontinents ihre Militärausgaben nicht auf 5 % des BIP anheben, ist er bereit, das Bündnis ganz zu verlassen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Sein Werben um sogenannte „rechtsextreme“ nationalistische Gruppierungen in Europa, ganz zu schweigen von Elon Musks Tiraden gegen die „undemokratische“ Natur des Europäischen Parlaments, würde darauf hindeuten, dass nicht nur die NATO, sondern auch die EU selbst an die Wand gefahren werden könnte, wenn es nach Trump ginge. Dies würde zu seiner „America First“-Strategie passen, die nicht nur die amerikanische Industrie ankurbeln, sondern auch die industriellen Konkurrenten, einschließlich Europa, schwächen will.  </p>

<p class="wp-block-paragraph">Da die transatlantischen Handels- und Verteidigungsbeziehungen ausfransen, besteht sowohl für die NATO als auch für die EU die reale Gefahr, dass sie sich in nächster Zeit völlig auflösen. Eine solche Zersplitterung des Kontinents wäre eine Katastrophe für die herrschenden Klassen in Europa. </p>

<h3><strong>Am Rockzipfel der USA hängen </strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Der europäische Kapitalismus hat sich seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs an die Fersen des US-Imperialismus geheftet/am Rockzipfel der USA gehangen.  </p>

<p class="wp-block-paragraph">In der NATO bot der US-Imperialismus den kleinen imperialistischen Nationen Europas einen militärischen Schutzschirm, unter dem sie sich versammeln konnten. In der späteren EU zwang er sie, oft gegen ihre eigenen kleinen nationalen Interessen, sich zu einem Block zusammenzuschließen. Und er gab den wirtschaftlichen Anstoß für die Wiederbelebung des europäischen und insbesondere des deutschen Kapitalismus, nachdem sich der Kontinent im Zweiten Weltkrieg bis zur Erschöpfung bekämpft hatte. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Als Berlin 1945 an die Alliierten fiel, war der erste Instinkt der Briten und Franzosen der einer kleinlichen, ruinierten Siegernation. Sie begannen damit, Deutschland auszurauben und auszuplündern, in der Hoffnung, den deutschen Imperialismus endgültig zu Fall zu bringen und Deutschland ein für alle Mal auch als Industrienation zu beenden. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Fabriken wurden demontiert und zum Wiederaufbau nach Großbritannien und Frankreich verfrachtet. Tonnen von Rohstoffen wurden als Reparationsleistungen entnommen, und Zehntausende von deutschen Kriegsgefangenen wurden zu Zwangsarbeitern für den britischen und französischen Wiederaufbau gemacht. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Hätte man es Großbritannien und Frankreich überlassen, so wäre Deutschland ein „Super-Versailles“ auferlegt worden. Doch die USA schritten ein, um diesen Machenschaften ein Ende zu setzen, die die zwergenhaften Ambitionen der inzwischen zweitklassigen Mächte widerspiegelten. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Die USA mussten ein mächtiges, industrialisiertes Westdeutschland als Gegengewicht zur Sowjetunion auf dem europäischen Kontinent wieder aufbauen. Sie mussten Europa wieder aufbauen, um eine Revolution zu verhindern und den Vormarsch des Kommunismus aufzuhalten. Sie finanzierte also eine Politik des Wiederaufbaus des europäischen Kapitalismus und zwang diese kleinen Staaten unter ihrer eigenen Herrschaft zusammen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Anfang der 1950er Jahre bestand die Politik der USA gegenüber Europa darin, riesige Summen an Marshall-Hilfe für den Wiederaufbau bereitzustellen. Es wurden günstige Kredite gewährt und alte Schulden getilgt. Es war der Druck der USA, der die kontinentaleuropäischen Mächte dazu zwang, sich in der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl zusammenzuschließen, dem Vorläufer der EU. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Sehr zum Ärger der USA beharrten die Briten darauf, abseits zu bleiben, und hielten an ihrer albernen Vorstellung fest, eine Macht erster Ordnung mit einer „besonderen Beziehung“ zu den USA zu sein, mit denen sie sich der Illusion hingaben, sie könnten auf Augenhöhe verhandeln. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Amerikaner hätten es vorgezogen, Europa um Großbritannien herum zu vereinen, um ihre eigenen Interessen sicherer zu vertreten. Stattdessen stützten sie sich auf die Franzosen, die den US-Plan begeistert mitmachten und sich fälschlicherweise einbildeten, dass sie und nicht die Deutschen dazu bestimmt seien, ein neues integriertes Europa zu beherrschen. Doch es waren die Amerikaner, die von Anfang an das Sagen hatten und den Prozess der europäischen Integration vorantrieben. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Dieser Plan, ein industriell wiederaufgebautes Europa als Gegengewicht zur Sowjetunion zusammenzuführen, wurde durch das 1949 gegründete Militärbündnis NATO und die Präsenz von fast einer halben Million US-Soldaten auf dem Kontinent untermauert, ganz zu schweigen von den nuklearen Fähigkeiten. Auch hier waren die USA mit dem Drängen der einstigen Großmächte Europas konfrontiert, die versuchten, ihren alten Status zu erhalten. Die herrschende Klasse Frankreichs beispielsweise bestand darauf, ein eigenes, von der NATO getrenntes Atomwaffenarsenal zu besitzen. Sie bildeten sich gerne ein, dass sie dadurch mit den großen Supermächten auf eine Stufe gestellt würden, was natürlich nicht der Fall war. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Natürlich waren die EU und ihre Vorgängerorganisationen nicht nur Vehikel für die Interessen der USA. Die europäischen Kapitalistenklassen hatten immer ihre eigenen Interessen und konkurrierten mit dem amerikanischen Kapitalismus. Der US-Imperialismus wollte nicht zulassen, dass sich der europäische Imperialismus zu einem mächtigen militärischen Konkurrenten entwickelt, und seiner Unterstützung für die europäische Integration waren stets Grenzen gesetzt. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Die NATO ging Hand in Hand mit einer Begrenzung der deutschen Wiederaufrüstung, und während der gesamten Nachkriegszeit waren die USA stets auf der Hut vor einer gemeinsamen europäischen Verteidigungspolitik unabhängig von der NATO. Nachdem die Briten als treue Schoßhündchen des US-Imperialismus der EWG und dann der EU beigetreten waren, konnte man sich stets darauf verlassen, dass sie wiederholte Initiativen zur Bildung von so etwas wie einer europäischen Armee blockieren würden. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Dennoch profitierte Europa eine ganze Zeit lang von diesem Arrangement, bei dem seine militärischen Ambitionen von den USA abgewürgt wurden. Mit Hilfe der NATO konnten die Militärausgaben relativ niedrig gehalten werden, und das so eingesparte Geld konnte wieder in Investitionen gesteckt werden. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Die wirtschaftliche Macht der USA war die Grundlage dafür, dass die USA Europa wirtschaftlich und militärisch unterwerfen und dominieren konnten. Doch all die Faktoren, die den US-Imperialismus dazu anregten und es ihm ermöglichten, den europäischen Kapitalismus zu stützen und zu binden, haben sich in den letzten Jahrzehnten in ihr Gegenteil verkehrt. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Seit den 1990er Jahren gibt es keine Notwendigkeit mehr, die Sowjetunion „einzudämmen“. Die NATO blieb ein nützlicher Schirm, um den westlichen (d.h. amerikanischen) Einfluss in die ehemalige sowjetische Einflusssphäre zu verlagern. Der Anstoß zur Gründung der EU im Jahr 1993 ging jedoch von den Europäern selbst aus. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Um im Wettbewerb auf dem Weltmarkt bestehen zu können, mussten sie sich zusammenschließen. In einer Zeit der Handelsliberalisierung und Globalisierung stieß die Gründung des Gemeinsamen Marktes auf keinerlei Einwände der USA, und die Osterweiterung der EU diente als weiterer Transmissionsriemen für den amerikanischen Einfluss in Richtung Russland. </p>

<p class="wp-block-paragraph">In militärischer Hinsicht war der Abbau der US-Militärpräsenz in Europa nach dem Ende des Kalten Krieges auch eine klare Botschaft an den europäischen Kapitalismus. Sie konnten sich nicht unbegrenzt auf die militärische Macht der USA verlassen. Sie unternahmen verschiedene Versuche, sich aus eigener Initiative militärisch zu vereinigen und scheiterten jedes Mal an dem unvereinbaren Flickenteppich nationaler Interessen, aus dem die EU besteht. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Es genügt, die Frage zu stellen: „Worauf würde sich ein EU-Militär konzentrieren?“, um zu erkennen, in welche Zwangslage eine gemeinsame Verteidigungspolitik die EU bringt. Die Franzosen haben imperialistische Interessen in Westafrika zu verteidigen. Die baltischen und nordischen Länder würden sich auf die russische Bedrohung konzentrieren. Für die Iren stellt sich die Frage der transatlantischen Unterseekabel usw. usw. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Die geringe Größe der europäischen Industrie stellt auch ein wirtschaftliches Hindernis für ihre militärischen Möglichkeiten dar. Das Projekt zur Entwicklung des Eurofighters beispielsweise führte aufgrund des komplizierten transnationalen Mischmaschs eines an der Entwicklung beteiligten Konsortiums zu einer Kostenspirale und immer neuen Verzögerungen. Es bestand aus verschiedenen europäischen Luft- und Raumfahrtunternehmen, von denen jedes einen Teil der Lieferkette bediente, und der gesamte Prozess war von Chaos geprägt. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Doch trotz all dieser strauchelnden Bemühungen, auf eigenen Füßen zu stehen, hat Europa weiterhin zusammengehalten. Das ist nicht zuletzt der Tatsache zu verdanken, dass die herrschende Klasse der USA an der Vorstellung festgehalten hat, sie könne und werde die ganze Welt auf unbestimmte Zeit unter der Ägide ihrer eigenen Alleinherrschaft halten. Nachdem die Sowjetunion nicht mehr im Weg stand, schienen die USA eine imperialistische Macht mit scheinbar unbegrenzter globaler Reichweite zu sein. Dies sollte das neue amerikanische Jahrhundert sein.  </p>

<p class="wp-block-paragraph">Doch dieses Ziel geriet bald ins Wanken. Der US-Imperialismus wurde überdehnt. Inzwischen hat das Wachstum des Kapitalismus in Ostasien das Zentrum der US-Interessen vom Atlantik in den Pazifikraum verlagert. Europa ist für den US-Kapitalismus heute von geringer Bedeutung. Und selbst wenn der US-Imperialismus seinen einstigen Einfluss überall aufrechterhalten wollte, befindet er sich im relativen Niedergang. Er verfügt nicht mehr über die Ressourcen, die er einst hatte, um die Kosten zu tragen, die sein wirtschaftliches und militärisches Bündnis mit Europa mit sich bringt. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Schon unter Biden wurde der Wandel deutlich. Die Zölle und Subventionen, die unter seiner Regierung durch den Inflation Reduction Act (IRA), den CHIPS Act und andere Gesetze eingeführt wurden, zielten genau auf die europäische Industrie ab. Trump spiegelt diese Tatsachen in seiner Politik nur noch deutlicher wider. </p>

<h3><strong>Wir steuern auf schwere Zeiten zu</strong> </h3>

<p class="wp-block-paragraph">Was bedeutet das alles nun für Europa? Es bedeutet, dass es in eine Zukunft blickt, in der es aus eigener Kraft untergehen oder schwimmen wird, und die Aussichten sind nicht gut. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Gründung der Europäischen Union spiegelt das Bedürfnis kleiner, im Niedergang begriffener Mächte wider, sich zusammenzuschließen, um zu überleben. Sie wurde jedoch nicht durch eine Revolution, die die nationalen Gegensätze beseitigte, als politische Einheit geschaffen. Die europäische Integration wurde durch die Unterstützung des US-Imperialismus und das Glück eines lang anhaltenden Wirtschaftsbooms zusammengehalten, der die gesamte Nachkriegszeit andauerte und die unterschiedlichen nationalen Interessen eines Flickenteppichs von Kleinstaaten vorübergehend überdeckte. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Dies ist die Ursache für den langfristigen Niedergang des europäischen Kapitalismus. Diese kleinen Nationalstaaten verfügen nicht über die Mittel, um Monopole von der Größe und Produktivität zu schaffen, die notwendig sind, um mit den amerikanischen und chinesischen Giganten zu konkurrieren. Indem sie mit dem Ausbruch des Ukraine-Krieges das russische Gas vom europäischen Markt abschnitten, trugen sie zu ihrer eigenen Misere bei, und ein erneuter Handelskrieg wird sie weiter verschärfen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Die wirtschaftliche Verschlechterung hat das Potenzial, eine erneute Staatsschuldenkrise auszulösen, nur dass dieses Mal nicht nur die kleineren, „peripheren“ europäischen Länder akut betroffen sein werden. Vielmehr dürften die Kernländer, darunter Frankreich und Italien, mit ihren ausufernden Defiziten und vor allem Schulden im Auge des Sturms stehen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Da die USA nicht mehr der einzige Gravitationspol sind, der auf den Kontinent einwirkt, werden die europäischen Nationen in alle möglichen unterschiedlichen Richtungen gezogen werden. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Mit dem sich abzeichnenden Ende des Ukraine-Krieges wird es einige nationale kapitalistische Klassen geben, die ein Interesse an der Wiederherstellung der Öl- und Gasströme aus Russland haben, wie Österreich und Deutschland, und andere, die sehr feindselig sind, wie Polen, die baltischen Staaten und die Skandinavier. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Ohne die USA, die den Marschbefehl geben, werden die Spannungen wahrscheinlich immer offener ausbrechen. Und Trump hat deutlich gemacht, dass er zwar kein Interesse an einer Fortsetzung des Ukraine-Kriegs hat, aber wenn Europa nicht den wirtschaftlichen Zorn der USA auf sich ziehen will, sollte es besser schnell anfangen, mehr amerikanisches Öl und Gas zu kaufen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Wenn die Mauern um den US-Markt hochgezogen werden, werden auch die verschiedenen europäischen Länder in unterschiedliche Richtungen ziehen, um neue Märkte zu finden. Einige werden eine vollständige Kapitulation vor allen US-Forderungen vorziehen. Auf andere wiederum wartet Russland, und China ebenso. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Bereits im letzten Jahr kam es zwischen den Mitgliedsstaaten zu offenen Differenzen über die Einführung von Zöllen auf chinesische Elektrofahrzeuge. Frankreich, Polen und die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, führten die Initiative an. Doch Deutschland, Ungarn, Spanien und die Slowakei äußerten öffentlich ihren Unmut über die Pläne &#8211; Deutschland aus Angst vor chinesischen Vergeltungsmaßnahmen, die anderen, weil sie um chinesische Investitionen buhlen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Und das alles, bevor wir die politischen Auswirkungen der wachsenden Unzufriedenheit in Europa betrachten, die eine Reihe rechter Parteien an die Macht zu bringen droht, die nicht zum traditionellen Establishment gehören: Le Pen in Frankreich, die AfD in Deutschland, die FPÖ in Österreich und sogar Farage in Großbritannien. Welche neuen Variablen würden solche Regierungen darstellen, sobald sie an die Macht kommen? </p>

<p class="wp-block-paragraph">Ist das alles unvermeidlich? Es gibt Strategen in Europa, die nicht nur Trumps Missachtung der „regelbasierten Ordnung“ und anderer Schibboleths beklagen, sondern die kalten, harten Fakten verstehen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Draghi hat, wie wir bereits an anderer Stelle kommentiert haben, eine sehr interessante Studie vorgelegt, in der er massive, staatlich gelenkte Investitionen auf dem gesamten Kontinent fordert. Nur so könne der Kontinent eine Klasse von europäischen Champions hervorbringen, massive Monopole, die mit ihren amerikanischen und chinesischen Rivalen ernsthaft konkurrieren könnten. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Es gibt jedoch ein paar Probleme. Wohin würden diese Investitionen fließen? Würden es deutsche oder französische Champions sein? Man kann sicher davon ausgehen, dass es keine griechischen, spanischen oder portugiesischen Champions sein werden. Eine solche Investition wirft einmal mehr das hartnäckige Problem der konkurrierenden nationalen Interessen des europäischen Kapitalismus auf. Darüber hinaus würde eine solche massive Erhöhung der Investitionen mit massiven Kosten verbunden sein, die nach Draghis eigenen Angaben 4,5 Prozent des europäischen BIP betragen würden. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Auch andere haben mit Blick auf die Ära Trump eine Warnung an Europa ausgesprochen. Mark Rutte, Generalsekretär der NATO, hat die europäischen Mitglieder aufgefordert, die Militärausgaben auf 4 Prozent des BIP zu erhöhen und damit auf das Doppelte des derzeitigen Ziels von 2 Prozent. Wenn Europa auf eigenen Füßen stehen will, wenn es darum geht, seine imperialistischen Interessen militärisch zu verteidigen, hat es keine andere Wahl. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass die EU keine eigene Armee hat und ihre Armeen über die NATO weiterhin unter US-Kommando stehen! </p>

<p class="wp-block-paragraph">Aber hier ist das Problem mit Ruttes Vorschlag: Die europäische Kapitalistenklasse hat die Ausgaben bereits mit massiven Sparmaßnahmen bis auf die Knochen gesenkt, und dennoch haben 10 der 27 Mitgliedsstaaten immer noch Defizite, die über der im Maastricht-Vertrag festgelegten Grenze von 3 Prozent des BIP liegen. Frankreich hat ein sattes Defizit von 6,1 Prozent. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Obendrein wird ihnen von Leuten wie Draghi und Rutte gesagt, dass sie die Staatsausgaben für Investitionen und Militärausgaben enorm erhöhen müssen, wenn der europäische Kapitalismus eine Zukunft haben soll! Um das zu erreichen, müssten die europäischen Regierungen Sparmaßnahmen mit einer Brutalität durchführen, die es in der Geschichte des Kontinents noch nie gegeben hat. Genau dies erklärte Rutte in seiner Rede im Dezember: „Ich weiß, dass mehr Ausgaben für die Verteidigung bedeuten, dass wir weniger für andere Prioritäten ausgeben müssen“, erklärte er vor der Presse und den Politikern. „Aber es ist nur ein bisschen weniger.“ </p>

<p class="wp-block-paragraph">Nur ein bisschen weniger Lebensmittel, nur ein bisschen weniger für das Gesundheitssystem, ein bisschen weniger Heizung für die Rentner. Ein bisschen weniger, und Europa könnte eine Militärmaschinerie von Weltklasse produzieren, die für die europäische Milliardärsklasse töten und verstümmeln kann. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Die französische Regierung ist jedoch nach einem gescheiterten Versuch im Herbst, ein Sparpaket zu verabschieden, mit dem das Defizit lediglich von 6,1 Prozent auf 5,4 Prozent des BIP gesenkt worden wäre, zusammengebrochen. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Bisher haben sich die herrschenden Klassen davor gescheut, auch nur annähernd die Maßnahmen zu ergreifen, die notwendig wären, um dem europäischen Kapitalismus eine Zukunft in der kommenden Welt des „fressen oder gefressen werden“ zu geben. Und zwar deshalb, weil sie wissen, was dies bedeuten würde: soziale Unruhen, politischer Aufruhr, sogar Revolution. Dennoch könnten sie in Zukunft gezwungen sein, eine solche Politik zu betreiben, mit allen Risiken, die damit verbunden sind. Denn die Alternative ist für den europäischen Kapitalismus in der Tat düster. Sie verspricht einen sich beschleunigenden Niedergang. Das Ende der NATO ist durchaus möglich, ebenso wie die völlige Zersplitterung des Kontinents und der Zusammenbruch der EU. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Am Ende wird der Kontinent dort landen, wo er jetzt ist. Die Ereignisse legen den Grundstein für die europäische Revolution. </p>
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		<title>Serbien: Auf zum Generalstreik!</title>
		<link>https://derkommunist.de/serbien-auf-zum-generalstreik/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Zvonko Dan]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Jan 2025 11:00:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Weltgeschehen]]></category>
		<category><![CDATA[Balkan]]></category>
		<category><![CDATA[Generalstreik]]></category>
		<category><![CDATA[Streik]]></category>
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<p class="wp-block-paragraph">15 Menschen wurden getötet, als im November ein Betondach am neu eröffneten Bahnhof in Novi Sad einstürzte. Seitdem rollt eine riesige Protestwelle durch das Land. „Gegen die kriminelle Fahrlässigkeit der Regierung!“, lautet das Motto der Hunderttausenden die auf die Straße gehen. Der Slogan des Generalstreiks wird erhoben und Studierende besetzten ihre Fakultäten.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Kundgebungen von Studierenden wurden von regierungstreuen Schlägern attackiert. Doch statt die Jugend zu verängstigen, provozierte die Regierung so eine Sintflut der Wut. Als Reaktion auf die Angriffe besetzten Studenten eine Fakultät nach der nächsten. Angefangen bei der Akademie der darstellenden Künste (FDU) und Protesten in den Gymnasien in Sremski Karlovci und Novi Sad, weitete sich die Bewegung aus. Nach nur wenigen Tagen waren über 50 Bildungseinrichtungen besetzt, in den drei größten Städten sogar alle.</p>

<p class="wp-block-paragraph">An einem Gymnasium stimmte der Elternrat mit nur drei Gegenstimmen für die Besetzung der Schule. Als der Direktor ins Schulgebäude wollte, wurde ihm der Zutritt verwehrt. Der verzweifelte Mann wusste nicht weiter, als sich vor der Schule hinzuknien und zu beten, nur himmlische Kräfte konnten ihn noch retten.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Forderungen der FDU-Studierenden lauten: die Verantwortlichen für das eingestürzte Betondach müssen strafrechtlich verfolgt und alle Unterlagen über das Bauprojekt veröffentlicht werden, es muss Konsequenzen für die Verantwortlichen der Polizeigewalt gegen Demonstranten geben. Das Manifest wurde zum Programm der Bewegung. Die Studierenden organisierten auch ein Plenum, um den weiteren Verlauf des Kampfes demokratisch festzulegen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Eskalation der Massenbewegung durch das entschiedene Handeln der Studierenden, hat die schon lange angestaute Wut in der Bevölkerung freigesetzt. Viele Professoren und sogar Dekane unterstützen die Blockaden. Ljubica Oparnica von der Fakultät für Pädagogik meint in einem Interview: „Wenn Unrecht zum Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht. Wir Professoren stehen an der Seite unserer Studenten und werden das weiterhin tun, bis alle ihre Forderungen erfüllt sind.“</p>

<p class="wp-block-paragraph">Lehrer, die bereits im Streik für eine Gehaltserhöhung waren, haben begonnen ihren Lohnkampf mit den Forderungen der Jugendlichen zu verbinden.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Bauern brachten Verpflegung für die Besetzer. Das war die solidarische Antwort auf den Versuch der Regierung, den Abbau von Lithium durch den Konzern Rio Tinto durchzudrücken (siehe „Serbien: Aufstand gegen imperialistischen Bergbau“, Funke Nr. 227).</p>

<p class="wp-block-paragraph">Es gab Massendemonstrationen in Belgrad, Novi Sad und weiteren großen Städten, die von der anhaltenden Repression nur noch weiter angefacht wurden. Der Kampf fand sein Echo auch im Rest des ehemaligen Jugoslawiens und darüber hinaus. Studierende in Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Slowenien, Mazedonien und sogar Polen zeigten ihre Solidarität mit ihren Kommilitonen in Serbien.</p>

<h3 class="wp-block-heading">Die Regierung bebt vor Angst</h3>

<p class="wp-block-paragraph">Die Bewegung hat die Regierung in Angst versetzt. Präsident Vučić sagt, er hört der Jugend zu und versteht sie. Im nächsten Moment bedroht er sie mit Spezialeinheiten und unterstellt ihnen, Teil einer ausländischen Verschwörung zu sein. Während einer seiner Ansprachen versammelten sich die Demonstranten vor Ort zu einem lautstarken Protest. In der TV-Übertragung der Ansprache konnten die Pfiffe und Parolen nicht übertönt werden. Der Präsident bat die Studenten um einen Dialog, ihre Antwort: „Wer hat dich gefragt?“</p>

<p class="wp-block-paragraph">Die herrschende Regierungspartei spricht von einer neuen „Farbrevolution“, also einer demokratischen Konterrevolution gegen anti-westliche Diktaturen. Laut ihnen sollen diesmal nicht die USA und EU (und auch nicht Russland oder China) die Bewegung managen, sondern Kroatien! Dieser Lächerlichkeit zeigt, wie tief ihre Verzweiflung ist. Doch mit dem Schüren von nationalem Hass kommen sie hier nicht durch. Präsident Vučić ist sichtlich niedergeschlagen, in einem Interview zu Neujahr kommentierte er, dass es in den Plenarsitzungen der Studierenden Bolschewiki und Menschewiki gäbe, also eine offene Debatte um soziale Reform oder soziale Revolution.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Auftritte von politischen Machthabern werden mit Wut und Protest beantwortet. Die Bildungsministerin, deren Rücktritt schon von streikenden Lehrern gefordert wurde, wurde im Stadtrat von Parlamentsstürmern überrascht. Ein Video gedemütigter Sicherheitsbeamter, die verzweifelt fliehen, zeigt den Massen am Balkan die wahren Kräfteverhältnisse. Nichts und niemand stoppt ein Volk das gemeinsam und solidarisch aufsteht!</p>

<h3 class="wp-block-heading">Für einen Generalstreik!</h3>

<p class="wp-block-paragraph">Die Frage nach dem Sturz der Regierung muss gestellt werden. Die Studierenden haben bereits zu einem Generalstreik aufgerufen und jetzt, wo das Schulsemester wieder begonnen hat, findet in zahlreichen Schulen kein Unterricht, sondern Protestaktionen statt. Auch die Anwaltskammer Serbiens und die unabhängige Gewerkschaft der Pädagogen teilten den Aufruf zum Streik. Die großen Gewerkschaften, die im ständigen Dialog mit der Regierung sind, kämpfen nur zaghaft. Dies hinderte in mehreren Städten die Lehrer nicht daran selbstständig Plena zu organisieren. Dort wurde mehrheitlich für einen Streik gestimmt.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Aktuell (während Der Funke in Druck geht) wird breit für einen Generalstreik am Freitag, den 24.01 mobilisiert. Ein Entscheidungskampf steht kurz bevor, die Bewegung hat ihren Höhepunkt noch nicht erreicht.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Ein erfolgreicher Generalstreik würde beweisen, dass die Massen in Serbien stärker sind als die herrschende Klasse und ihre Politiker. Und dass die Zeit gekommen ist, dass diese die Forderungen der Bewegung erfüllen – auch die nach dem Rücktritt von Präsident Vučić und der Regierung. Die Jugend ist oft die Inspiration für den Eintritt der Arbeiterklasse in eine Bewegung, aber nur die Arbeiter haben die Macht, die Hebel der Wirtschaft zu stoppen, was die Regierung in die Knie zwingen würde.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Einige „Zugeständnisse“ wurden bereits gemacht – Bauleiter in Novi Sad wurden verhaftet und angeklagt. Aber die Hauptverantwortlichen, z.B. der Minister für Infrastruktur, mussten noch keine Kosequenzen tragen. Natürlich können wir von der jetzigen Regierung keine Gerechtigkeit für die Verbrechen in Novi Sad erwarten. Vučić und seine Partei müssen beseitigt werden, um die korrupte Staatsmaschine zu zerstören!</p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Massen in Serbien sind dabei, ihre Kräfte auszutesten. Wie weit sie dabei gehen, ist noch offen. So oder so stellt die Bewegung einen gewaltig inspirierenden Schritt vorwärts für die internationale Arbeiterklasse dar.</p>

<ul class="wp-block-list">
<li>Nieder mit Vučić!</li>

<li>Nieder mit der Serbischen Fortschrittspartei!</li>

<li>Die Regierung muss zurücktreten!</li>

<li>Gerechtigkeit für die Opfer!</li>

<li>Strafen für die Verantwortlichen!</li>

<li>Studenten und Arbeiter in den gemeinsamen Kampf!</li>

<li>Für den Generalstreik!</li>
<li>Die RKP Deutschland steht in Solidarität mit dem Kampf der Massen Serbiens. Wir sagen auch: Bundesheer, EU, NATO und alle Imperialisten – Hände weg vom Balkan! Gerechtigkeit für unsere Klassengeschwister!</li>
</ul>
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		<title>Standortschließungen in der Autoindustrie offenbaren die Tiefe der Krise in Europa</title>
		<link>https://derkommunist.de/standortschliessungen-in-der-autoindustrie-offenbaren-die-tiefe-der-krise-in-europa/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Niklas Albin Svensson]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Jan 2025 20:19:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
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									<p style="font-weight: 400;">Die europäische Wirtschaft ist in der größten Krise seit einem Jahrzehnt. In den letzten Monaten häuften sich die Ankündigungen von Entlassungswellen in Frankreich und Deutschland. Hunderttausende Arbeitsplätze sind gefährdet, weil die Unternehmen versuchen, ihre Kosten zu senken. Gleichzeitig senkt die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinssätze und ihre Wachstumsprognose. Dies spiegelt die historische Krise des europäischen Kapitalismus wider. Er hat nichts als eine Zukunft der Sparmaßnahmen und des Elends zu bieten.</p><h3 style="font-weight: 400;"><strong>Massenentlassungen in der deutschen Autoindustrie</strong></h3><p style="font-weight: 400;">Die Autoindustrie steht im Zentrum dieser Krise. In diesem Herbst kündigte Volkswagen den Abbau von zehntausenden von Arbeitsplätzen und die Schließung von drei Fabriken an, gefolgt von BMW, die den Abbau von 8.000 Arbeitsplätzen ankündigten. Auch der Hersteller für Autoteile Bosch will weitere 10.000 Arbeitsplätze abbauen und Ford hat den Abbau von 4.000 Arbeitsplätzen angekündigt, hauptsächlich in Deutschland.</p><p style="font-weight: 400;">Zusätzlich zu den Werksschließungen fordert die Geschäftsleitung von Volkswagen von den verbleibenden Mitarbeitern eine Lohnkürzung von 10 Prozent und die Zustimmung zu einem zweijährigen Lohnstopp. Natürlich hat sich Geschäftsleitung geweigert, selbst solche Opfer zu bringen. Kein Wunder, dass 100.000 Automobilarbeiter bei Volkswagen gegen diese Vorschläge des Managements in den Streik getreten sind.</p><p style="font-weight: 400;">Die Automobilindustrie ist für Europa von entscheidender Bedeutung und erwirtschaftet einen Mehrwert von knapp über 1 Billion für Europa, was etwa sechs Prozent der gesamten Wirtschaft ausmacht. Sie beschäftigt außerdem etwa 14 Millionen Arbeitnehmer, was ca. sechs Prozent der gesamten europäischen Erwerbsbevölkerung entspricht. Die Automobilindustrie hat weltweit mit Schwierigkeiten zu kämpfen, aber die Krise in Europa ist besonders schwerwiegend. </p><p style="font-weight: 400;">Die Kapazitätsauslastung in der globalen Automobilindustrie liegt im Durchschnitt bei 62 Prozent. Mit anderen Worten: Die Fabriken produzieren nur 62 Prozent dessen, was sie könnten, weil der Markt einfach nicht groß genug ist, um mit voller Kapazität zu produzieren. Diese Quote ist um 70 Prozent im Jahr 2018 gesunken, und alles unter 70 Prozent gilt als untragbar. In Europa ist das Problem jedoch noch größer: Die Auslastung der Automobilindustrie liegt bei nur 58 Prozent, verglichen mit 66 Prozent in Nordamerika. Dies hängt mit einem Verlust des europäischen Marktanteils zusammen, der von 31 Prozent aller Fahrzeugverkäufe im Jahr 2008 auf 20 Prozent im Jahr 2023 gesunken ist.</p><p style="font-weight: 400;">Dazu kommt, dass Trump die europäische Autoindustrie im Visier hat. Er ist entschlossen, Autohersteller durch die Erhebung von Zöllen dazu zu zwingen, Autos in den USA herzustellen, wenn sie in den USA verkauft werden sollen. Er besteht darauf, das Handelsdefizit der USA, das sich momentan auf etwa 150 Milliarden Euro mit Europa beläuft (ein Drittel des Wertes der EU-Exporte in die USA), zu beseitigen. Dies ist eine massive Bedrohung für die europäische Produktion, insbesondere für die Produktion mit traditionellen Verbrennungsmotoren. Es ist kein Zufall, dass die deutschen Autohersteller jetzt Stellen abbauen wollen, während Trump auf dem Vormarsch ist</p><p style="font-weight: 400;">Das bedeutet aber nicht, dass die Probleme für die europäische Industrie mit Trump begannen.</p><h3 style="font-weight: 400;"><strong>Im Rückstand</strong></h3><p style="font-weight: 400;">Historisch gesehen hatten deutsche Fahrzeughersteller einen enormen Vorteil in der Dieselmotorenproduktion, mit der sie viel Geld verdienten – und immer noch verdienen. Dialektisch betrachtet ist es jedoch genau dieser Vorteil, der sie so anfällig für Misserfolge machte, wenn eine neue Technologie aufkam.</p><p style="font-weight: 400;">In seinem Buch über die deutsche Wirtschaft, das passenderweise den Titel <em>„Kaput“</em> trägt, weist der ehemalige Kolumnist der <em>Financial Times</em>, Wolfgang Münchau, darauf hin, dass die Perfektion, die die Automobilkonzerne bei Dieselmotoren erreicht haben, dazu führte, dass sie alles auf eine Karte setzten, anstatt sich auf den nächsten Technologiesprung vorzubereiten. Sie hatten einen enormen Vorteil bei diesem Motortyp. Aber anstatt die Gewinne in neue Technologien zu investieren, beschäftigten sie sich damit, Diesel als grüne Alternative zu bewerben. Und dann schummelten sie bei den Emissionstests, um die Wahrheit zu verschleiern.</p><p style="font-weight: 400;">Gleichzeitig investierten chinesische Unternehmen massiv in Elektrofahrzeuge und die dafür erforderlichen Batterietechnologien. Trotz des Geredes, dass westliche Regierungen in grüne Technologien investieren, geschah dies einfach nicht. Der chinesische Markt wuchs jedoch rasant und ist heute mit Abstand der größte Markt für Elektrofahrzeuge. Derzeit werden drei Viertel der weltweit verkauften Elektrofahrzeuge in China verkauft. Dies bot chinesischen Unternehmen wie BYD eine hervorragende Grundlage, um schnell zu expandieren und eine Vormachtstellung auf dem weltweiten Markt für Elektrofahrzeuge zu erlangen.</p><p style="font-weight: 400;">Für die deutsche Autoindustrie verheißt dies nichts Gutes. Im Jahr 2022 exportierte sie Straßenfahrzeuge und -teile im Wert von 30 Milliarden US-Dollar nach China, aber davon kaum Elektrofahrzeuge. Stattdessen exportieren europäische Hersteller Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor nach China. Die von der EU eingeführten Zölle könnten zwar den Verkauf von Elektrofahrzeugen nach Europa verhindern, aber sie würden den deutschen Exporten von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor nach China in keiner Weise helfen, aber genau das ist es, was die Autoindustrie will. Dies erklärt zum Teil, warum deutsche Autohersteller gegen die Zölle sind. Sie sind auch anfällig für mögliche Vergeltungsmaßnahmen und möchten sich deswegen die chinesische Regierung nicht zum Feind machen.</p><p style="font-weight: 400;">Aber es geht um mehr als das. Europäische Unternehmen haben in China massiv in die Produktionskapazitäten für Elektrofahrzeuge investiert. Volkswagen beispielsweise produzierte dort im Jahr 2022 drei Millionen Autos. Doch jetzt verlieren deutsche Autohersteller Marktanteile. Sie machen immer noch 15 Prozent des chinesischen Marktes aus, aber das ist weniger als die 25 Prozent vor der Pandemie.</p><p style="font-weight: 400;">Jetzt ist die chinesische Wirtschaft ins Stocken geraten, und Autos europäischer Marken sind teurer als chinesische. Infolgedessen werden Elektrofahrzeugwerke, die in China gebaut wurden, um zunächst den chinesischen Markt zu bedienen, nun stattdessen für den Export von Fahrzeugen in die Europäische Union genutzt. 22 Prozent der in Europa verkauften Elektroautos wurden von nicht-chinesischen Firmen (Tesla, Volkswagen usw.) aus China nach Europa exportiert. Nur acht Prozent der verkauften Autos stammten von chinesischen Unternehmen, die nach Europa exportierten. Dies ist ein weiterer Grund, warum die europäischen Autohersteller gegen die Zölle waren, da sie ihre eigenen Exporten nach Europa beeinträchtigen würden.</p><p style="font-weight: 400;">Das Problem des Exportmarktes wird durch den schrumpfenden europäischen Markt noch verschärft. Die Konjunkturabschwächung im vergangenen Jahr hat sich stärker auf Elektroautos ausgewirkt als auf andere, da sie teurer sind. Arbeiter, die Schwierigkeiten haben, über die Runden zu kommen, entscheiden sich für ein günstigeres traditionelles Fahrzeug, anstatt einen Aufpreis für ein Elektroauto zu zahlen. Dies wurde durch die Streichung der staatlichen Subventionen für Neuwagen durch die deutsche Regierung noch verschärft, was zu einem Rückgang der Verkaufszahlen, insbesondere in Deutschland, führte.</p><p style="font-weight: 400;">Für das kommende Jahr hat die EU allen Unternehmen das Ziel gesetzt, 20 g CO2 pro Kilometer zu erreichen. Die meisten Automobilunternehmen werden diese Ziele wohl nicht erreichen, was Geldstrafen nach sich ziehen würde. Wie zu erwarten war, fordern die Unternehmen nun, dass die Umsetzung der Ziele verschoben wird, und bestehen stattdessen darauf, dass Europa eine „Industriepolitik“ entwickeln muss, womit sie zweifellos direkte oder indirekte Subventionen meinen.</p><p style="font-weight: 400;">Sie setzen den europäischen Regierungen die Pistole auf die Brust und drohen ihnen mit massiven Arbeitsplatzverlusten. Und mehrere Regierungen haben bereits nachgegeben, darunter Italien und Frankreich. </p><p style="font-weight: 400;">Das ist schon ein hartes Stück, wenn man bedenkt, dass diese Unternehmen alle massive Gewinne machen, Rekorddividenden ausschütten (weitaus höhere als ihre asiatischen und nordamerikanischen Konkurrenten) und zig Milliarden Dollar an Bargeld horten. Anstatt dieses Geld in das Unternehmen zu stecken und mutige Investitionen zu tätigen, überschütten sie ihre Aktionäre mit Geld. Nicht umsonst hat der Generalsekretär von IndustriAll, dem internationalen Gewerkschaftsbund, dies als „Zerschlagung von Vermögenswerten“ bezeichnet.</p><p style="font-weight: 400;">Die Hauptaufgabe eines kapitalistischen Unternehmens besteht jedoch nicht darin, Arbeitsplätze zu sichern oder den Übergang zu Elektrofahrzeugen zu gewährleisten, sondern Gewinne für seine Aktionäre zu erwirtschaften. Gemessen an diesem Maßstab sind die europäischen Automobilunternehmen derzeit sehr erfolgreich.</p><p style="font-weight: 400;">Warum in den Bau weiterer Fabriken investieren, wenn die Arbeiter in Europa zu arm sind, um die von ihnen produzierten Autos zu kaufen? Fabriken stehen bereits still. Besser, man hält sich zurück und hält die Aktionäre mit massiven Ausschüttungen bei Laune.</p><p style="font-weight: 400;">Man könnte argumentieren, dass sie sich auf die Zukunft hätten vorbereiten sollen, aber in Wahrheit ist der Elektromotor eine komplette Überarbeitung des Autos und seiner Funktionsweise. Deshalb haben sich neue Unternehmen, die über Erfahrung in den Bereichen Software, Batterieproduktion, Smartphone-Produktion usw. verfügen, als ebenso fähig erwiesen, in diesen neuen Markt einzusteigen, wie die alten Industriegiganten. </p><p style="font-weight: 400;">Die Dominanz Chinas und Südostasiens in der Produktion von Halbleitern und die Dominanz der USA in der Produktion von Software und Online-Diensten lassen Europa weit zurück. </p><p style="font-weight: 400;">Es steht viel auf dem Spiel. Das Beratungsunternehmen McKinsey schätzt, dass Europa bis 2035 bis zu 400 Milliarden US-Dollar (36 Prozent seines derzeitigen Marktes) verlieren könnte, insbesondere bei der Produktion von Bauteilen für Autos. Viele Bauteile werden bereits in Südostasien hergestellt, und es ist unwahrscheinlich, dass europäische Unternehmen in diesen Markt eintreten können, da Europa bei der Entwicklung von Elektronik und Software weitgehend abseits stand.</p><p style="font-weight: 400;">Dies wird bei einem Blick auf die Investitionszahlen der letzten Zeit mehr als deutlich. </p><h3 style="font-weight: 400;"><strong>Mangel an Investitionen</strong></h3><p style="font-weight: 400;">Der ehemalige Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, hat einen Bericht über die europäische Wirtschaft vorgelegt, in dem der Investitionsrückstand Europas deutlich wird.</p><p style="font-weight: 400;">Draghi geht davon aus, dass Europa jährlich zusätzliche 800 Milliarden Euro an öffentlichen und privaten Investitionen benötigen würde. Das wären zusätzliche 4,5 Prozent des BIP, und das zu einer Zeit, in der die meisten Regierungen und Unternehmen versuchen, Bereiche zu finden, in denen sie sparen können. </p><p style="font-weight: 400;">Der Grund dafür ist, dass Europa seit einiger Zeit hinter den USA und China zurückliegt. In den 20 Jahren zwischen 1997 und 2019 stieg der Wert des Kapitals pro Beschäftigten in den USA um 50 Prozent, von 197.000 auf 293.000 US-Dollar. In China stieg er um das Achtfache, von 11.000 auf 87.000 US-Dollar. In Westeuropa wuchs er lediglich 10 Prozent. Mitteleuropa mit Tschechien, der Slowakei und Ungarn schnitt mit einem Anstieg von 120 Prozent deutlich besser ab, aber das reicht bei weitem nicht aus, um den Rückstand aufzuholen. Die Investitionen in Deutschland sind besonders niedrig und liegen weit hinter denen anderer großer europäischer Länder zurück, ganz zu schweigen von den USA.</p><p style="font-weight: 400;">Seit 2012 haben die USA durchweg höhere Investitionen getätigt als alle großen europäischen Volkswirtschaften, gemessen am Anteil der Wirtschaftsleistung. Die USA haben etwa einen Prozentpunkt des BIP mehr für Investitionen ausgegeben als die EU. Ein Blick über die Gesamtzahl hinaus zeigt jedoch, dass ein größerer Teil der europäischen Investitionen in Immobilien (Häuser, Büros usw.) floss. Was Investitionen in Maschinen und geistiges Eigentum (Forschung und Entwicklung) betrifft, so geben die USA jedes Jahr durchschnittlich zwei Prozent ihres BIP mehr aus als die EU.</p><p style="font-weight: 400;">Dies liegt zum Teil daran, dass die europäischen Regierungen ihre öffentlichen Investitionsbudgets gekürzt haben, aber zum größten Teil daran, dass Unternehmen einfach nicht investieren. US-Unternehmen geben derzeit 1,6 Billionen US-Dollar für Investitionen aus, entweder für Anlagekapital (Maschinen, Fabriken usw.) oder für Forschung und Entwicklung. Ihre europäischen Pendants geben nur 900 Milliarden US-Dollar aus.</p><p style="font-weight: 400;">Europa liegt in allen Wirtschaftssektoren zurück, außer in der Automobil- und der Werkstoffindustrie. Um nur einige Beispiele zu nennen: Europäische Telekommunikationsunternehmen haben nur ein Viertel der Investitionen ihrer US-amerikanischen Pendants getätigt. Halbleiterunternehmen haben halb so viel investiert. Selbst im Pharmasektor, in dem Europa nicht so weit zurückliegt, werden 43 Prozent weniger für Anlagekapital oder Forschung und Entwicklung ausgegeben.</p><p style="font-weight: 400;">Entscheidend ist, dass die USA im Bereich Software und Computertechnik deutlich vorne liegen. In Europa gibt es kein großes Software- oder Cloud-Computing-Unternehmen. Was den Markt für KI betrifft – der zweifellos eine bedeutende Rolle bei der Steigerung der Produktivität spielen wird – spielt Europa kaum eine Rolle, sei es bei der Erstellung des Codes, der Herstellung der Prozessoren oder dem Hosting der Serverfarmen.</p><h3 style="font-weight: 400;"><strong>Die Krise auf dem europäischen Energiemarkt</strong></h3><p style="font-weight: 400;">Erschwerend kommt hinzu, dass europäische Unternehmen mit extrem hohen Energiepreisen konfrontiert sind. Die europäischen Strompreise waren schon immer hoch, aber jetzt ist der Preis für die Industrie mehr als doppelt so hoch wie in den USA (20 Eurocent pro kWh für die EU, verglichen mit 8 in den USA). Aufgrund der historisch hohen Strompreise neigte die europäische Industrie dazu, Gas als Hauptenergiequelle zu nutzen. Billiges russisches Gas war in großen Mengen verfügbar. </p><p style="font-weight: 400;">Seit dem Ukraine-Krieg hat sich Europa jedoch vom russischen Gas abgeschnitten, und nach dem anfänglichen Anstieg liegt der Preis nun etwa um 50 Prozent höher als vor dem Krieg. Dies hatte besonders verheerende Auswirkungen auf die energieintensive Industrie (Metalle, Chemikalien, Öl, Papier, Glas usw.), deren Produktion um 20 Prozent zurückgegangen ist. Diese industrielle Selbstsabotage zeigt, wie der Nationalstaat und der Imperialismus ein Hindernis für die zukünftige Entwicklung Europas darstellen.</p><p style="font-weight: 400;">Aber auch hier ist der Ukraine-Krieg nicht so sehr die Ursache des Problems, sondern der letzte Tropfen, der das Fass für den Energiesektor zum Überlaufen bringt. Schon vor der Pandemie waren die öffentlichen und privaten Investitionen in die europäische Energieerzeugung und -infrastruktur fast halb so hoch wie die der USA (420 Milliarden Dollar gegenüber 260 Milliarden Dollar im Jahr 2019). Die privaten Investitionen liegen noch weiter zurück und sind halb so hoch wie die US-Investitionen. </p><p style="font-weight: 400;">Natürlich investieren die USA viel in die Öl- und Gasförderung, aber man würde erwarten, dass Europa diese Investitionen in alternative Energiequellen aufbringt, vor allem nach dem Lärm, den europäische Politiker darum gemacht haben. Zum Vergleich: China investierte 2019 560 Milliarden US-Dollar in den Energiesektor, davon 154 Milliarden US-Dollar in erneuerbare Energien, dreimal mehr als Europa. </p><p style="font-weight: 400;">Seitdem sich die europäischen Kapitalisten vom russischen Gas abgeschnitten haben, haben sie ihre Investitionen in Energie auf 450 Milliarden Dollar pro Jahr erhöht (Stand 2024). Aber sie liegen immer noch weit hinter denen Chinas zurück, die jetzt bei 850 Milliarden Dollar liegen, und immer noch dreimal so hoch für erneuerbare Energien.</p><p style="font-weight: 400;">Woher wird also die zukünftige Energieversorgung Europas kommen? Die EU-Regierungen drängen die Industrie dazu, auf strombasierte Produktion umzusteigen und sich vom Gas zu verabschieden. Sie drängen Autobesitzer dazu, batteriebetriebene Fahrzeuge zu nutzen. Und natürlich würden sie gerne mehr Investitionen in die Serverinfrastruktur für KI und Cloud-Computing erhalten. Aber all diese Dinge erfordern eine enorme Menge an Strom, und die Investitionen sind einfach nicht vorhanden, um dies kostengünstig bereitstellen zu können.</p><p style="font-weight: 400;">Dieser Mangel an Investitionen in Energie ist auch einer der Gründe, warum europäische Hersteller nicht in der Lage waren, mit den chinesischen Herstellern mitzuhalten. Der Markt für ihre Produkte war einfach nicht vorhanden, und daher blieben die Produktionsmengen relativ klein und teuer, während die chinesischen Hersteller von Skaleneffekten profitierten. Dies ist der Hauptgrund dafür, dass China im Gegensatz zu Europa inzwischen einen Marktanteil von über 60 Prozent bei Solarmodulen und deren Komponenten hat. Der chinesische Markt war viel größer und ermöglichte es den Unternehmen, sich zu riesigen Monopolen zu entwickeln, mit denen europäische Unternehmen nicht konkurrieren konnten.</p><h3 style="font-weight: 400;"><strong>Das Northvolt-Abenteuer</strong></h3><p style="font-weight: 400;">China hat durch seine Rolle auf dem Elektronik- und Automobilmarkt eine fast vollständige Kontrolle über den Markt für Lithiumbatterien erlangt, die für den Einsatz grüner Technologien von entscheidender Bedeutung sind. Diese Batterien werden in allen Bereichen eingesetzt, von Smartphones bis hin zu großen Stromspeichersystemen, die mit Solar- und Windenergie verbunden sind. </p><p style="font-weight: 400;">Chinesische Unternehmen haben sich eine beherrschende Stellung gesichert, angeführt von zwei Unternehmen: BYD und CATL. Auch Tesla hat einen kleinen Anteil am Markt.</p><p style="font-weight: 400;">Die europäische Bourgeoisie wurde jedoch völlig aus dieser Branche ausgeschlossen. Und so ergriffen sie die Gelegenheit beim Schopf, als der Batteriehersteller Northvolt auf den Plan trat und große Versprechungen machte. Banken, Regierungen und Autohersteller investierten 4 Milliarden Euro in das Unternehmen. Goldman Sachs erwarb einen Anteil von 20 Prozent an dem Unternehmen und Volkswagen weitere 20 Prozent. Das Unternehmen expandierte von seiner einzigen Fabrik im schwedischen Skellefteå zu Fabriken in Deutschland und den USA.</p><p style="font-weight: 400;">Aber sie waren nicht in der Lage, Geld zu verdienen. Im vergangenen Jahr verlor das Unternehmen 5 € für jeden 1 € Umsatz, und dabei sind die Verwaltungs- und Forschungskosten noch nicht einmal berücksichtigt. Sie waren weit davon entfernt, die Kosten für die Produktion der verkauften Batterien zu decken.</p><p style="font-weight: 400;">Um dieses Problem zu lösen, müssten sie ihre Produktion enorm steigern, um die gleichen Skaleneffekte wie chinesische Unternehmen zu erzielen. Northvolt machte im vergangenen Jahr einen Verlust von 1,2 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Tesla verzeichnete einen Rekordverlust von 710 Milliarden US-Dollar, als das Unternehmen versuchte, die notwendigen Skaleneffekte für den Massenmarkt zu erreichen. Das war ein entscheidendes Jahr, und es machte Tesla groß, aber Northvolt hat es anscheinend gebrochen.</p><p style="font-weight: 400;">Um den schwedischen Kapitalisten gegenüber fair zu sein: Eine Milliarde Dollar ist nicht viel für die Liga, in der sie mitspielen wollen. Der chinesische Batteriehersteller CATL hat beispielsweise gerade angekündigt, eine 4,1 Milliarden Euro teure Fabrik in Spanien zu bauen. Northvolt hat gerade bewiesen, dass es ohne Milliarden zusätzlicher Finanzmittel nicht in dieser Liga mitspielen kann, und diese Investitionen stehen wahrscheinlich nicht in Aussicht.</p><p style="font-weight: 400;">Die Investition von CATL ist auch typisch für eine neue Art von chinesischen Investitionen in Europa. Um Zölle zu vermeiden, investieren chinesische Unternehmen in Europa als Montageplattform. Daher wird der größte Teil des Produktwerts den Komponenten hinzugefügt<em>, bevor</em> sie in der Fabrik ankommen, um zusammengebaut zu werden, was bedeutet, dass die Anzahl der Arbeitsplätze, die dadurch in Europa geschaffen werden, begrenzt ist. Der größte Teil der Lieferkette befindet sich außerhalb Europas. </p><p style="font-weight: 400;">Die Geschichte von Northvolt veranschaulicht die Schwierigkeiten, mit denen neue Unternehmen konfrontiert sind, die versuchen, in einen etablierten Markt einzutreten. Infolgedessen haben sich neue europäische Batterie-Start-ups entschieden, den Markt für Elektrofahrzeuge den Chinesen zu überlassen und sich stattdessen auf andere Märkte zu konzentrieren, wie z. B. Massenspeicher-Anlagen. </p><p style="font-weight: 400;">So sieht Monopolkapitalismus aus. Die massiven Investitionen, die bereits in diese Branche geflossen sind, sowohl in Sachkapital als auch in Forschung und Entwicklung, schließen neue Marktteilnehmer effektiv aus. Sobald ein Unternehmen irgendwo auf der Welt ein Monopol erlangt hat, wird es durch keine noch so hohen Zölle von dieser Position verdrängt werden können.</p><h3 style="font-weight: 400;"><strong>Wohin steuert Europa?</strong></h3><p style="font-weight: 400;">Der Kapitalismus entwickelte sich zuerst in Europa. Durch die Plünderung der Welt und die Rückführung der Beute in das Heimatland entwickelte sich der europäische Kapitalismus sprunghaft. Großbritannien, Frankreich und Deutschland waren Ende des 19. Jahrhunderts das Zentrum der Weltwirtschaft.</p><p style="font-weight: 400;">In den gigantischen Auseinandersetzungen der imperialistischen Mächte in zwei Weltkriegen zeigte sich jedoch, dass die europäischen Mächte ins Hintertreffen geraten waren. Das gewaltige Potenzial der Vereinigten Staaten wurde offenkundig, und sie wurden zur dominierenden Weltmacht. </p><p style="font-weight: 400;">Die vom Krieg verwüsteten europäischen Mächte bauten auf der Grundlage der neu entwickelten Industrien wieder auf und stellten Autos und Industriemaschinen aller Art her. Sie konnten sich nicht nur erholen, sondern erreichten zu einem bestimmten Zeitpunkt sogar das gleiche Produktivitätsniveau wie die USA. All dies geschah unter dem sogenannten „Sicherheitsschirm“ der USA. </p><p style="font-weight: 400;">In einem Freihandelsgebiet, das vom US-Imperialismus geschützt wurde, konnten europäische Unternehmen überall in der kapitalistischen Welt gleichberechtigt konkurrieren. Die US-Bourgeoisie murrte ein wenig darüber, dass sie den Großteil der Kosten für die Aufrechterhaltung ihres massiven Militärapparats tragen musste, aber letztendlich stabilisierte die Entwicklung des Kapitalismus in Westeuropa die politische Situation für eine ganze historische Periode und verhinderte die weitere Entwicklung der Weltrevolution. Und natürlich bekamen auch die US-Banken und multinationalen Konzerne ihren Anteil am wachsenden Kuchen ab.</p><p style="font-weight: 400;">In einer Epoche des Freihandels waren die Grenzen, die Europa in kleine Nationen aufteilten, für die Entwicklung der Produktivkräfte weniger einschränkend. Der gemeinsame Markt und später die EU lockerten diese Beschränkungen weiter und ermöglichten die Entstehung von Monopolen, die im Weltmaßstab konkurrenzfähig waren, wie Airbus, eine Handvoll Automobilunternehmen und sogar einige Banken. </p><p style="font-weight: 400;">Die Schaffung des Gemeinsamen Marktes wurde jedoch mit Unterstützung des US-Imperialismus durchgeführt, der lange Zeit die EU und ihre Einzelstaaten als in seinem strategischen Interesse liegend betrachtete. Die kleinen europäischen Nationen konnten sich auf ihren großen US-amerikanischen Cousin stützen, der ihnen die Märkte der kapitalistischen Welt offenhielt. Einige von ihnen, wie Finnland, Schweden und Österreich, konnten sogar gutes Geld mit dem Handel mit den Bürokratien des Ostblocks verdienen. </p><p style="font-weight: 400;">Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion begann sich all das zu ändern. Zunächst herrschte Euphorie: Neue Märkte öffneten sich für die gemeinsame Ausbeutung durch den westlichen Imperialismus. Sie konnten die ehemaligen Staatsbetriebe plündern und gleichzeitig die Ausbeutung der Arbeiter im Westen intensivieren. China bot außerdem einen hervorragenden Weg für gewinnbringende Investitionen, indem es Möbel, Textilien, einfache verarbeitete Güter und Montageplattformen herstellte. </p><p style="font-weight: 400;">Doch 2008 war die Grenze erreicht. Der bereits begonnene Prozess der Entflechtung der Globalisierung erhielt nun einen massiven neuen Impuls. Eine neue, viel härtere Realität nahm Gestalt an, die ein verstärktes staatliches Eingreifen erforderte, um die Interessen der eigenen multinationalen Unternehmen gegen die ihrer Konkurrenten zu verteidigen. </p><p style="font-weight: 400;">Die Kapitalisten in den USA und Europa wurden 2015 mit der Erkenntnis wach, dass China nicht mehr nur eine schwache Macht war, die Möbel herstellte und westliche Elektronikgeräte zusammenbaute. China hatte viel größere Ambitionen, wie im Dokument „Made in China 2025“ dargelegt, und verfügte über die Mittel, um diese zu erreichen.</p><p style="font-weight: 400;">Doch während die USA, insbesondere unter Trump und Biden, eine Kampagne gegen die chinesische Entwicklung führten und China neuer Technologien und des Marktzugangs beraubten, blieb Europa gespalten und ließ sich in verschiedene Richtungen ziehen. Die Deutschen, unterstützt von den Niederlanden und den nordischen Ländern, hielten an ihren strengen Haushaltsregeln fest und zögerten, wenn es um die Finanzierung gemeinsamer Schulden ging.</p><p style="font-weight: 400;">Während China und die USA in der Lage waren, massive Staatsdefizite zu verkraften, was die Nachfrage und Investitionen hochhielt, musste Europa nach der Eurokrise von 2010–2012 seine öffentlichen Ausgaben einschränken. Nach den Theorien der neoklassischen Ökonomen hätte dies Kapital für private Investitionen freisetzen sollen, aber wie wir gesehen haben, ist dies einfach nicht geschehen. </p><p style="font-weight: 400;">Jetzt kommt Trump wieder an die Macht. Er wird zweifellos versuchen, Zwietracht zwischen den europäischen Mächten zu säen, indem er Zuckerbrot für einige und Peitsche für andere einsetzt. Aus seiner Sicht ist die EU ein Hindernis für die Umsetzung von „America First“. Die Regierungen Chinas und Russlands haben bereits versucht, verschiedene europäische Länder in ihren Bann zu ziehen. Da sich Frankreich und Deutschland inmitten politischer Krisen befinden und die EU bei den Massen in Europa immer unbeliebter wird, sieht die Zukunft der europäischen Einheit auf kapitalistischer Basis düster aus.</p><h3 style="font-weight: 400;"><strong>Überleben auf alten Verdiensten</strong></h3><p style="font-weight: 400;">Mario Draghi war in seinem Bericht relativ offen, insbesondere für einen europäischen Politiker. Er ist nun zum Gesprächsthema der europäischen Bourgeoisie geworden. Aber Reden allein wird wenig dazu beitragen, die tiefsitzenden Probleme zu lösen, auf die er hinweist, und niemand hat eine glaubwürdige Idee, wie man die von ihm geforderten 800 Milliarden Euro aufbringen könnte.</p><p style="font-weight: 400;">Selbst wenn es ihnen gelingen sollte, das Geld aufzutreiben, werden die europäischen Kapitalisten einer harten Konkurrenz durch die US-amerikanischen und chinesischen Kapitalisten ausgesetzt sein, die alle dasselbe Programm haben: sich aus der Krise heraus zu exportieren. Dies ist ein Rezept für Handelskriege, in denen Europa in einer schwachen Position ist.</p><p style="font-weight: 400;">Draghi warnt in seinem Bericht, dass das europäische „Sozialmodell“ ohne die notwendigen Investitionen in die Wirtschaft nicht aufrechtzuerhalten ist. </p><p style="font-weight: 400;">Einerseits droht er den Arbeitnehmern und ihren Vertretern, dass es noch schlimmer für sie kommen wird, wenn sie nicht zustimmen, dass ihre Bedingungen untergraben werden; andererseits droht er den Arbeitgebern mit revolutionären Unruhen, sollten sie nicht liefern. </p><p style="font-weight: 400;">Jahrzehntelang hat die europäische Arbeiterklasse ein relativ gutes Leben geführt. Aber die materiellen Voraussetzungen dafür verschwinden schnell. Und es ist mehr als offensichtlich, dass die europäische Bourgeoisie nicht in der Lage ist, dies aufzuhalten. Nach dem Krieg in der Ukraine, der verheerende Auswirkungen auf die deutsche Industrie hatte, droht mit der zweiten Präsidentschaft von Donald Trump eine weitere Katastrophe. </p><p style="font-weight: 400;">Das europäische „Sozialmodell“ ist auf der Grundlage des Kapitalismus unhaltbar. Der europäische Kapitalismus, einst an vorderster Front, ist heute alt und heruntergekommen. Der Nationalstaat ist zu einer absoluten Fessel für seine zukünftige Entwicklung geworden. Seine verschiedenen nationalen Kapitalistenklassen leben von alten Verdiensten und von Investitionen, die in der Vergangenheit getätigt wurden. Er kann den europäischen Nationen keinen Weg nach vorne bieten. </p><p style="font-weight: 400;">Europa droht zu einem industriellen Friedhof zu werden. Nur die Arbeiterklasse kann den Weg nach vorne weisen. Indem sie die herrschenden Klassen Europas auf den Müllhaufen der Geschichte befördert, wäre die Arbeiterklasse in der Lage, Europa zu vereinen und die beträchtlichen Ressourcen des Kontinents für den Aufbau einer neuen Zukunft zu nutzen. Eine sozialistische Föderation Europas würde das gesamte Potenzial freisetzen, das der Kapitalismus niemals erreichen kann. Das ist der einzige Ausweg.</p>								</div>
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		<title>Die herrschende Klasse will die EU aus der Krise retten (und wird scheitern)</title>
		<link>https://derkommunist.de/die-herrschende-klasse-will-die-eu-aus-der-krise-retten-und-wird-scheitern/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Caspar Müller]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 16 Dec 2024 08:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Europa]]></category>
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									<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Der Wahlsieg Trumps löste eine skurrile Reaktion in den Reihen der europäischen herrschenden Klasse aus: Hatten sie zuvor noch ausdrücklich vor Trump gewarnt, gratulierten sie ihm in der Stunde seines Sieges allesamt wie in einer einstudierten Choreo. Dabei kündigte Trump bereits an, dass die EU unter ihm nichts Gutes zu erwarten hat. So drohen dem Wirtschaftsraum bis zu 20 % Einfuhrzölle in die USA. Hinter der Fassade der Diplomatie und der Wahlgratulationen steht in Wahrheit die Angst der EU-Eliten, in der imperialistischen Neuordnung der Welt zermalmt zu werden.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">„Make Europe Great Again“</span></h3>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Seit 1999 ist der Anteil der EU-Staaten an der Weltwirtschaftsleistung von <a style="color: #000000;" href="https://www.macrotrends.net/global-metrics/countries/EUU/european-union/gdp-gross-domestic-product%20https:/www.statista.com/statistics/253512/share-of-the-eu-in-the-inflation-adjusted-global-gross-domestic-product/%20https:/globaltradedata.wto.org/official-data" target="_blank" rel="noreferrer noopener">24 %</a> auf <a style="color: #000000;" href="https://www.statista.com/statistics/253512/share-of-the-eu-in-the-inflation-adjusted-global-gross-domestic-product/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">14 %</a> gefallen, am weltweiten Export außerhalb der EU-Grenzen von <a style="color: #000000;" href="https://globaltradedata.wto.org/official-data" target="_blank" rel="noreferrer noopener">13,2 % auf 11,6 %</a>. Die wirtschaftlichen und politischen Turbulenzen in Deutschland und Frankreich, die zwei größten Volkswirtschaften und „Motoren Europas“, werden diesen Prozess beschleunigen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Grund dafür ist die europäische Kleinstaaterei. In einem <a style="color: #000000;" href="https://www.ft.com/content/c4ddf3ab-94c6-41b3-95c1-1afd38d23704" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Interview mit der Financial Times</a> erklärte die Vorsitzende der Europäischen Zentralbank Christine Lagarde: „Statt 27 Kapitalmarktaufsichtsbehörden sollten wir eine einzige Aufsichtsbehörde haben. Wie wir die 27 bestehenden in den Mitgliedstaaten integrieren, muss noch definiert werden“.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Damit die EU im globalen Wettbewerb mithalten kann, braucht es mehr Einheit als Block und mehr Unabhängigkeit vom Rest der Welt. Im April wurden zwei Strategiepapiere veröffentlicht. Der italienische Sozialdemokrat <a style="color: #000000;" href="https://www.consilium.europa.eu/media/ny3j24sm/much-more-than-a-market-report-by-enrico-letta.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Enrico Letta</a> drängt zur Schaffung eines gemeinsamen europäischen Kapitalmarkts und der ehemalige EZB-Chef <a style="color: #000000;" href="https://derkommunist.de/draghi-europa-in-existenzieller-krise/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Mario Draghi</a> zur Steigerung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Beide argumentieren, dass die Fragmentierung Europas nur durch die <a style="color: #000000;" href="https://www.europarl.europa.eu/RegData/etudes/BRIE/2024/762469/EPRS_BRI(2024)762469_EN.pdf">Intensivierung eines „Einheitsmarkts“</a> überwunden werden kann, durch die die Innovationskraft europäischer Unternehmen gesteigert werden soll. In der Sprache der Kapitalisten bedeutet das: Die europäischen Unternehmen sind zu klein für den Weltmarkt. Damit Europa konkurrenzfähig bleibt, braucht es stärkere, größere und europäischere Monopole, vor allem in den Bereichen Energie, Telekommunikation, Raumfahrt und Militär.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Wer zahlt?</span></h3>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Die Forderungen Draghis und Lettas sollen von der <a style="color: #000000;" href="https://www.politico.eu/article/ursula-von-der-leyen-mario-draghi-is-creating-a-task-force/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">neuen EU-Kommission</a> angegangen werden. Doch sie steht dabei vor einem gewaltigen Problem: der Finanzierung.<a style="color: #000000;" href="https://www.politico.eu/article/mario-draghi-report-says-eu-must-spend-twice-as-much-after-wwii/" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> 800 Mrd. Euro</a> jährlich an Investitionen sind laut Draghi notwendig, damit der Rückstand in der Wirtschaft aufgeholt werden kann. Damit diese Summe mobilisiert werden kann, braucht es staatliche Zuschüsse, für die sich die EU hoch verschulden müsste.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Eine solche Verschuldung kommt jedoch für einen Teil der herrschenden Klasse nicht in Frage. Zu tief liegen die Wunden der <a style="color: #000000;" href="https://marxist.com/the-greek-crisis-europe-on-the-brink-of-a-precipe.htm" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Staatsschuldenkrisen</a> in Griechenland, Spanien, Portugal, Irland und Italien, die die EU 2010/11 beinahe in den Abgrund stießen. Knapp <a style="color: #000000;" href="https://www.tagesschau.de/wirtschaft/weltwirtschaft/rettungspakete-101.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">278 Mrd. Euro</a> Kredite flossen damals allein in die Rettung der griechischen Wirtschaft. Noch einmal kann sich die herrschende Klasse eine solche Aktion nicht leisten, zu groß ist das wirtschaftliche und soziale Risiko.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Gerade Deutschland, das selbst in einer tiefen Haushaltskrise steckt, wird sich nur schwer dazu bewegen lassen, gemeinschaftlichen EU-Schulden zuzustimmen. Statt Schulden fordert es weitere Einsparungen: <a style="color: #000000;" href="https://www.etuc.org/en/pressrelease/100bn-cuts-next-year-under-council-austerity-plan" target="_blank" rel="noreferrer noopener">100 Mrd. Euro </a>sollen in den Haushalten der EU-Länder für das nächste Jahr gekürzt werden. Seit 2011 führt Berlin einen Feldzug der Sparpolitik gegen den Rest Europas unter der Devise „jede unserer Zahlungen habt ihr doppelt zurückzuzahlen“. Selbst an der Krise konnten sich die Kapitalisten damals <a style="color: #000000;" href="https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/griechenland-hilfe-deutschland-macht-2-9-milliarden-euro-gewinn-a-1214134.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">milliardenfach bereichern</a>, aber sie beschworen damit einen viel schlimmeren Sturm: Soziale Unruhen und <a style="color: #000000;" href="https://marxist.com/greece-the-spark-of-the-european-revolution.htm" target="_blank" rel="noreferrer noopener">revolutionäre Bewegungen</a> in Spanien und Griechenland waren die Folge.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>
<p class="wp-block-paragraph"><span style="color: #000000;">Das ist das eigentliche Dilemma, in dem sich Europas Eliten befinden: Jeder Versuch, das ökonomische Gleichgewicht wiederherzustellen, bedeutet eine Zerstörung des sozialen Gleichgewichts. Die EU kann nicht gerettet werden. Die kommenden sozialen Revolutionen in Europa aber bergen den Keim einer Lösung: die Vereinigten Sozialistischen Staaten von Europa.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"></span></p>								</div>
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