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	<title>China Archives -</title>
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		<title>Wie die globale Krise Russland stärkt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Alexandra Sablina]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 May 2026 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Asien]]></category>
		<category><![CDATA[Weltgeschehen]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Perspektiven]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Auch wenn die Analysten über Ölpreise und geopolitische Kalküle diskutieren: Die Realität des Krieges im Nahen Osten lässt sich nicht in Diagrammen ausdrücken, sondern in Menschenleben messen. Innerhalb weniger Tage wurden mehr als tausend Menschen getötet. Unter ihnen waren 165 Schülerinnen und Angestellte, die bei Angriffen auf zivile Infrastruktur im Iran ums Leben kamen.</p>



<p>In der gesamten Region – vom Gold bis zur Levante – verstecken sich Zivilisten in Kellern und Tiefgaragen, während Raketen über ihre Köpfe hinwegfliegen. Was als Machtdemonstration begann, ist zu einem Konflikt eskaliert, der zunehmend der Kontrolle des amerikanischen Imperialismus entgleitet.</p>



<p>Für die Vereinigten Staaten und Donald Trump persönlich hat sich diese Kampagne als weitaus komplizierter erwiesen als die üblichen geopolitischen Abenteuer der letzten Monate. In die Enge getrieben und mit wenig Rückzugsmöglichkeiten hat der Iran äußerst aggressiv reagiert. Länder, die eng mit Washington verbündet sind wie Katar, Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien befinden sich nun inmitten des eskalierenden Konflikts.</p>



<p>Im Zentrum der Krise liegt die Straße von Hormus, eine wichtige Lebensader des globalen Energiesystems. Ein großer Teil des weltweiten Öls und Gases fließt durch diese Meerenge. Deshalb versetzt jede Störung dort die globalen Märkte sofort in Aufruhr. Ein einziger regionaler Konflikt hat nun das Potenzial, die gesamte Struktur des globalen Kapitalismus zu destabilisieren.</p>



<p>Doch während Millionen leiden, profitieren andere. Paradoxerweise könnte einer der wirtschaftlichen Nutznießer des Konflikts Russland sein. Das liegt nicht daran, dass Russland den Krieg begonnen hat oder direkt involviert ist. Es ist auch unwahrscheinlich, dass Moskau direkt militärisch zugunsten des Iran interveniert. Das ist aber auch gar nicht unbedingt notwendig. Die Asymmetrie des Konflikts bedeutet, dass der Iran gewinnt, wenn er nicht verliert, während spekuliert wird, dass Russland möglicherweise mit Satellitenaufklärung und wirtschaftlicher Unterstützung hilft. Doch gerade weil Russland außerhalb des Konflikts bleibt, kann es von der daraus resultierenden globalen Instabilität profitieren.</p>



<p>Das heutige russische Regime ist geschickt darin geworden, globale Turbulenzen zu meistern. Steigende Ölpreise, Verschiebungen der Handelsströme und Störungen bei konkurrierenden Lieferanten können Russlands Position als bedeutender Rohstoffexporteur stärken. In diesem Sinne könnte der Nahostkonflikt die russische Wirtschaft vorübergehend stabilisieren.</p>



<p>Ein tiefgreifender Wandel ist im Gange. Dieser wird einerseits angetrieben durch den relativen Niedergang des US-Imperialismus, der seine Position der vollständigen Vorherrschaft als Weltmacht verloren hat. Andererseits herrscht aufgrund der organischen Krise des Kapitalismus ein Wettlauf um die Kontrolle über Märkte, Ressourcen, Lieferketten und Einflusssphären, vor allem zwischen den USA und China. Und genau in diesem imperialistischen Gemetzel versucht Russland, sich zu etablieren.</p>



<p style="font-size:22px"><strong>Öl und das Blut der Weltwirtschaft</strong></p>



<p>Die Rolle der fossilen Brennstoffe für die russische Wirtschaft wird im Westen oft übertrieben dargestellt. Diese ist weitaus komplexer als die bloße Förderung von Brennstoffen. Dennoch stammen 17% des BIP und 30% der Einnahmen der Regierung aus Gas und Öl, die den Löwenanteil der russischen Exporte ausmachen.</p>



<p>Wenn imperialistische Spannungen – etwa ein Krieg im Nahen Osten – Versorgungswege wie die Straße von Hormus bedrohen, steigen die weltweiten Ölpreise fast augenblicklich. Für einen großen Exporteur wie Russland bedeuten höhere Preise direkt höhere Exporteinnahmen, selbst wenn sein Öl aufgrund von Sanktionen mit einem Preisnachlass verkauft wird.</p>



<p>Trump hat die Sanktionen gegen russisches Öl vorübergehend gelockert, um den Preisanstieg abzumildern. Zudem musste er seine Versuche aufgeben, Indien dazu zu zwingen, weniger russisches Öl zu kaufen. Indische Raffinerien haben seit Beginn des US-Kriegs gegen den Iran bereits 30 Millionen Barrel russisches Öl gekauft.</p>



<p>Die russischen Produktionskosten sind relativ niedrig, was bedeutet, dass ein Anstieg der Weltmarktpreise die Gewinnmargen der Energieunternehmen deutlich vergrößert und die Steuereinnahmen des Staates erhöht. Dies verschafft Moskau zusätzliche Deviseneinnahmen, stabilisiert den Haushalt und hilft bei der Finanzierung staatlicher Ausgaben, einschließlich der Militärausgaben.</p>



<p>Auf der anderen Seite schwächen Energieengpässe einige von Russlands Konkurrenten, indem sie die Volatilität auf den globalen Märkten erhöhen und gleichzeitig große Importeure – insbesondere in Asien – dazu zwingen, sich alternative Lieferquellen zu sichern. Infolgedessen kann sich Russland in Zeiten der Instabilität als relativ zuverlässiger Lieferant positionieren. So stärkt Russland und seinen wirtschaftlichen Einfluss und seine diplomatische Verhandlungsmacht.</p>



<p>Kurz gesagt: Eine Ölkrise macht die russische Wirtschaft nicht gesünder, aber sie stärkt vorübergehend ihren zentralen Vorteil, nämlich der Kontrolle über groß angelegte Energieexporte in einer Welt, die plötzlich verzweifelt nach stabilen Lieferungen sucht.</p>



<p>Doch selbst diese vorübergehende Stabilisierung wäre ohne eine tiefgreifende Umstrukturierung der außenwirtschaftlichen Beziehungen Russlands im Verlauf des Krieges in der Ukraine nicht möglich gewesen. Das nach 2022 verhängte Sanktionsregime zwang Moskau dazu, Handel, Finanzströme und Lieferketten rasch von Europa weg und hin zu asiatischen Märkten umzulenken.</p>



<p>Bei dieser Transformation hat China eine zentrale Rolle gespielt. In den letzten Jahren ist Peking zu Russlands größtem Handelspartner geworden. China hat einen erheblichen Anteil der umgeleiteten Energieexporte aufgenommen, während es gleichzeitig Maschinen, Elektronik, Fahrzeuge und andere Industriegüter liefert, die viele westliche Importe ersetzen.</p>



<p>Chinesische Unternehmen und Finanzinstitute haben zudem die parallelen Handelsnetzwerke gefördert, die Russland den Zugang zu Komponenten und Technologien ermöglichen, die ansonsten durch Sanktionen eingeschränkt wären. Gleichzeitig hat die Verwendung des chinesischen Yuan im bilateralen Handel und in den russischen Finanzreserven dramatisch zugenommen und die Rolle, die zuvor westliche Währungen spielten, teilweise ersetzt.</p>



<p>Dieser Wandel hat es der russischen Wirtschaft ermöglicht, den Zusammenbruch zu vermeiden, den viele Analysten ursprünglich vorausgesagt hatten, als die Sanktionen gegen Russland erstmals verhängt wurden. Wir hingegen argumentierten, dass Europa infolge ihrer eigenen Sanktionen einen größeren Schlag erleiden würde. Die Realität hat unsere Vorhersagen voll und ganz bestätigt.</p>



<p style="font-size:22px"><strong>Wende nach Osten</strong></p>



<p>Um die aktuelle russische Außenpolitik zu verstehen, müssen wir auf die frühen 2000er Jahre zurückblicken. In dieser Zeit versuchte Russland nach dem Zusammenbruch der UdSSR, sich in das westliche Wirtschaftssystem zu integrieren. China baute währenddessen seine Wirtschaft rasch aus und nutzte dabei eine Kombination aus staatlicher Zentralisierung und Marktmechanismen.</p>



<p>Im Laufe von zwei Jahrzehnten machte die chinesische Wirtschaft einen kolossalen Sprung und China entwickelte sich zum wichtigsten wirtschaftlichen Konkurrenten der Vereinigten Staaten. Russland versuchte in dieser Zeit, zwischen verschiedenen Machtzentren zu balancieren. Das russische Regime hoffte, Teil des westlichen Clubs imperialistischer Mächte zu werden, an der G8 teilzunehmen und Einflusssphären mit Europa und den Vereinigten Staaten zu teilen. Doch diese Illusionen schwanden allmählich. Der Wendepunkt kam mit der globalen Krise von 2008 und der fortgesetzten Osterweiterung der NATO.</p>



<p>Die russische herrschende Klasse empfand die Pläne der Ukraine und Georgiens, der NATO beizutreten, als direkte Bedrohung ihrer Interessen. Nach den Ereignissen von 2014 und den darauf folgenden Sanktionen begann Russland, seine Wirtschaftsstrategie rasch nach Osten auszurichten. Damals begann eine echte Annäherung an China.</p>



<p>Zuvor waren die Beziehungen zwischen den Ländern eher punktuell und regional begrenzt und führten meist eher zu Absichtserklärungen als zu konkreten Wirtschaftsprojekten. Nach 2022 und der Verhängung westlicher Sanktionen konnte Russland jedoch einen wirtschaftlichen Zusammenbruch dank China weitgehend vermeiden.</p>



<p>Bis zu 80% der russischen Ölexporte wurden nach Indien und China umgeleitet. Natürlich ging dies mit erheblichen Preisnachlässen einher – bis zu 20 bis 30 Dollar pro Barrel. Doch angesichts der enormen Mengen Russlands und der hohen weltweiten Ölpreise wuchs das BIP. Der Verlust des europäischen Marktes war für Russland keine Katastrophe.</p>



<p>China spielt auch eine Schlüsselrolle bei der Umgehung von Sanktionen: Es liefert Elektronik, erleichtert Parallelimporte, beteiligt sich an der Finanzierung von Energieprojekten und gewährt großen russischen Konzernen Kredite.</p>



<p>In der russischen Luftfahrt, Pharmaindustrie und IT füllen chinesische Lieferungen eine erhebliche technologische Lücke. Sogar die Währungsstruktur der russischen Reserven hat sich verändert: Der Yuan ist zur wichtigsten Reservewährung für den russischen Staat geworden. Ein Paradebeispiel ist das Flugzeug MS-21, eine russische Entwicklung, die potenziell westliche Flugzeuge im russischen Luftfahrtsektor ersetzen könnte. Russland ist das einzige Land der Welt, das ein Flugzeug vollständig selbst bauen kann, wenn auch unter Verwendung chinesischer Komponenten. Das ist sehr aufschlussreich.</p>



<p>Russland ist seit langem einer der weltweit führenden Waffenexporteure und der andauernde Krieg in der Ukraine hat diese Position auf paradoxe Weise weiter gestärkt. Trotz Sanktionen und politischer Isolation spielt der russische militärisch-industrielle Komplex weiterhin eine bedeutende Rolle auf dem globalen Waffenmarkt.</p>



<p>Der Konflikt hat Russland praktisch zu einem groß angelegten Testfeld für moderne Kriegsführung gemacht, auf dem Waffensysteme, Drohnen, Mittel der elektronischen Kriegsführung, Luftabwehrtechnologien und die Logistik auf dem Schlachtfeld ständig angepasst und verfeinert werden. Diese realen Kampferfahrungen sind in der globalen Rüstungsindustrie äußerst wertvoll, da potenzielle Käufer genau beobachten, wie sich Waffen unter realen Kampfbedingungen bewähren.</p>



<p>Infolgedessen bewahrt Russland nicht nur seinen Ruf als bedeutender Waffenlieferant – insbesondere für Länder in Asien, Afrika und dem Nahen Osten –, sondern sammelt auch operative Erfahrungen, die die Wettbewerbsfähigkeit seines Verteidigungssektors stärken.</p>



<p>Die Beteiligung Nordkoreas an der Unterstützung Russlands während des Konflikts hat ebenfalls wichtige Auswirkungen. Moskau ist es gelungen, ein Netzwerk von Verbündeten zu festigen, die trotz Sanktionen zur wirtschaftlichen, militärischen und politischen Zusammenarbeit bereit sind. Aus Pekings Sicht deutet Russlands Fähigkeit, die Kriegsanstrengungen aufrechtzuerhalten, die Beziehungen zu nicht-westlichen Partnern zu vertiefen und die innere Stabilität zu wahren, darauf hin, dass sich das Kräfteverhältnis in Eurasien verschiebt.</p>



<p>In diesem Sinne hat der Konflikt Russlands geopolitische Stellung nicht so sehr geschwächt, wie viele Analysten erwartet hatten. In mancher Hinsicht hat er sogar Moskaus Rolle als zentraler Akteur in der sich abzeichnenden multipolaren Ordnung gestärkt.</p>



<p>Es wäre ein Fehler, Russlands Rolle in der Weltwirtschaft auf das Klischee einer bloßen „Tankstelle mit Atomwaffen“ zu reduzieren. Diese Beschreibung wurde in den letzten zehn Jahren in westlichen politischen Kommentaren populär, doch die jüngsten Entwicklungen haben gezeigt, wie irreführend sie sein kann. Europa selbst hat bereits den Preis dafür bezahlt, die strukturelle Bedeutung russischer Energie und Rohstoffe unterschätzt zu haben.</p>



<p>Aus ähnlichen Gründen sollte die zunehmend enge Beziehung zwischen Russland und China nicht als einfache Verwandlung Russlands in eine chinesische Kolonie interpretiert werden. Natürlich ist die Partnerschaft zwischen den beiden Ländern eindeutig asymmetrisch: Chinas Wirtschaft ist deutlich größer, seine industrielle Basis weiter fortgeschritten und seine technologischen Fähigkeiten breiter gefächert. Asymmetrie bedeutet jedoch nicht automatisch Abhängigkeit im kolonialen Sinne.</p>



<p>Ein entscheidender Unterschied liegt im Eigentum an den Produktionsmitteln. China kontrolliert nicht die Schlüsselbereiche der russischen Wirtschaft. Die großen Öl- und Gasunternehmen, die Energieinfrastruktur, die Industrieanlagen und die natürlichen Ressourcen bleiben unter der Kontrolle des russischen Staates oder des inländischen Kapitals.</p>



<p>Es gibt zwar chinesische Investitionen, doch diese konzentrieren sich auf bestimmte Projekte und Sektoren, anstatt eine systemische Kontrolle über die russischen Produktionsmittel darzustellen. Dies ist ein wichtiger Unterschied zu klassischen Mustern kolonialer oder halbkolonialer Abhängigkeit.</p>



<p>Die Energiezusammenarbeit zwischen den beiden Ländern veranschaulicht diese Beziehung besonders gut. Der geplante Ausbau der Pipeline-Infrastruktur, insbesondere durch das Projekt „Power of Siberia 2“, dürfte die russischen Gasexporte nach China drastisch steigern. Sobald die Pipeline in Betrieb ist, könnte sie Mengen liefern, die fast dem Umfang entsprechen, den Russland zuvor nach Europa geliefert hat.</p>



<p>Mit anderen Worten: Während Russland einen Großteil seines europäischen Gasmarktes verloren hat, baut es gleichzeitig eine langfristige Alternative in Asien auf. Die strategische Bedeutung dieser Verlagerung zeigt sich bereits in den politischen Diskussionen in Russland. Präsident Wladimir Putin hat die Regierung sogar angewiesen, die Möglichkeit eines vollständigen und beschleunigten Rückzugs aus dem europäischen Energiemarkt zu prüfen. Dies begründet er damit, dass es für Russland möglicherweise rationaler sei, seine Position in den aufstrebenden asiatischen Märkten zu festigen, anstatt auf weitere europäische Restriktionen zu warten.</p>



<p style="font-size:22px"><strong>Imperialistisches Tandem</strong></p>



<p>Die Zusammenarbeit zwischen Russland und China beschränkt sich nicht auf den Handel mit Rohstoffen oder die Umleitung von Energieflüssen. Sie erstreckt sich auch auf mehrere strategische Industriezweige, in denen beide Staaten langfristige geopolitische und wirtschaftliche Vorteile sehen.</p>



<p>Zu den wichtigsten dieser Industriezweige zählen die Kernenergie, die Rohstoffgewinnung in der Arktis und groß angelegte Infrastrukturprojekte für Flüssigerdgas (LNG). Diese Projekte veranschaulichen, wie die Partnerschaft zwischen Moskau und Peking in der Praxis funktioniert: Sie verbindet russische Rohstoffe, ingenieurtechnisches Know-how und staatliche Energiekonzerne mit chinesischem Kapital, industriellen Lieferketten und einer langfristigen Energienachfrage.</p>



<p>Einer der politisch bedeutendsten Bereiche der Zusammenarbeit ist die zivile Kernenergie. Das russische Staatsunternehmen Rosatom arbeitet seit Jahrzehnten mit China zusammen und ist nach wie vor eines der wenigen ausländischen Unternehmen, die tief in Chinas Ausbau der Kernenergie eingebunden sind. Russische Ingenieure waren am Bau des großen Kernkraftwerks Tianwan beteiligt und vor kurzem vereinbarten die beiden Länder den Bau weiterer Reaktoren an den Standorten Tianwan und Xudapu.</p>



<p>Bei diesen Projekten stellt Russland Reaktortechnologie, Kernbrennstoff und ingenieurtechnisches Know-how bereit, während China die Finanzierung, Baukapazitäten und den Zugang zu einem der am schnellsten wachsenden Strommärkte der Welt beisteuert. Obwohl das direkte Handelsvolumen der nuklearen Zusammenarbeit geringer ist als das des Öl- oder Gashandels, ist ihre strategische Bedeutung erheblich.</p>



<p>Ein weiterer wichtiger Bereich der Zusammenarbeit ist die Erschließung der Energieressourcen in der Arktis. Die Arktis hat sich aufgrund der sich dort öffnenden Schifffahrtswege sowie ihrer riesigen Vorkommen an Erdgas, Öl und kritischen Mineralien zu einer der strategisch am meisten umkämpften Regionen der Welt entwickelt. Russland kontrolliert den größten Teil der arktischen Küstenlinie und verfügt über umfangreiche technische Erfahrung bei der Arbeit unter extremen polaren Bedingungen.</p>



<p>Die Erschließung dieser Felder erfordert jedoch enorme finanzielle Mittel, spezialisierte Infrastruktur und Zugang zu globalen Märkten. Aus diesem Grund wendet sich Moskau zunehmend an asiatische Partner – insbesondere China –, um Hilfe bei der Finanzierung und Unterstützung großer Arktis-Projekte zu erhalten.</p>



<p>Das bekannteste Beispiel ist das Yamal-LNG-Projekt, das vom russischen Unternehmen Novatek betrieben wird. Chinesische staatliche Einrichtungen, darunter die China National Petroleum Corporation (CNPC) und der Silk Road Fund, investierten Milliarden von Dollar in das Projekt und stellten über chinesische Banken umfangreiche Kredite bereit.</p>



<p>Diese Finanzierung trug dazu bei, den Rückzug westlichen Kapitals nach der Verhängung von Sanktionen auszugleichen. Das Projekt hat sich seitdem zu einem der größten LNG-Exportknotenpunkte in der Arktis entwickelt und versendet Lieferungen über die Nordostpassage in asiatische und europäische Märkte. Chinesische Unternehmen haben auch in das Folgeprojekt Arctic LNG 2 investiert, das darauf abzielt, Russlands Flüssigerdgas-Kapazitäten in der Region weiter auszubauen.</p>



<p>Die arktische Partnerschaft erstreckt sich auch auf Offshore-Fördertechnologien und Infrastrukturplattformen. Russland hat spezielle technische Lösungen für den Betrieb in arktischen Meeren entwickelt, darunter Offshore-Anlagen, die extremen Temperaturen und Eisdruck standhalten können.</p>



<p>Ein bekanntes Beispiel ist die Priraslomnaja-Plattform, die in der Petschorasee in Betrieb ist. Sie stellt eine der ersten arktischen Offshore-Ölförderanlagen dar, die speziell für polare Bedingungen gebaut wurden. Projekte dieser Art erfordern fortschrittliche Bohrtechnologie, eisbeständige Konstruktionen und ein komplexes logistisches Netzwerk aus Eisbrechern, Versorgungsschiffen und spezialisierten Häfen.</p>



<p>Für China bietet die Beteiligung am arktischen Energieausbau nicht nur Zugang zu Ressourcen, sondern auch zu technologischem Know-how und neuen Transportwegen. Peking hat zunehmend das Konzept einer „Polaren Seidenstraße“ gefördert, das arktische Schifffahrtsrouten mit seiner umfassenderen „Belt and Road Initiative“ verbindet.</p>



<p>Die Nordostpassage entlang der russischen Arktisküste kann die Transportzeiten zwischen Asien und Europa im Vergleich zu traditionellen Routen durch den Suezkanal erheblich verkürzen. Infolgedessen zeigen chinesische Reedereien, Energieunternehmen und Finanzinstitute wachsendes Interesse an arktischen Infrastrukturprojekten, LNG-Terminals und Transportkorridoren, die mit russischen Häfen verbunden sind.</p>



<p>Die russisch-chinesischen Beziehungen sind weder eine koloniale Abhängigkeit noch ein perfekt ausgewogenes Bündnis. Vielmehr handelt es sich um eine pragmatische strategische Partnerschaft, die durch die konvergierenden Interessen zweier Großmächte geprägt ist, die ihre Position in einem sich wandelnden globalen Wirtschaftssystem stärken wollen.</p>



<p>Was Anfang der 2000er Jahre als vorsichtige Beziehung begann, hat sich zu einer viel engeren politischen und wirtschaftlichen Annäherung entwickelt. Beide Länder betrachten die Vereinigten Staaten zunehmend als das zentrale Hindernis für ihre strategischen Ambitionen. Sie haben eine gemeinsame Basis gefunden, um sich gegen die Dominanz der amerikanischen Großmacht in globalen Institutionen und Handelsstrukturen zu stellen.</p>



<p>Währenddessen ist Europa selbst in eine Phase interner Krisen eingetreten. Wirtschaftliche Stagnation, Energieunsicherheit, politische Fragmentierung und zunehmende soziale Spannungen haben den Zusammenhalt des europäischen Projekts geschwächt.</p>



<p>Ironischerweise sind die europäische Energiewende und die Abkehr weg von Russland selbst zu einer Quelle politischer Konflikte innerhalb der Europäischen Union geworden. Meinungsverschiedenheiten zwischen den Mitgliedstaaten über Sanktionen, Transitrouten und Energieversorgung haben erhebliche Risse offenbart. Ein besonders sichtbares Beispiel war der Streit zwischen Ungarn und der Ukraine über Gastransit- und Liefervereinbarungen.</p>



<p>Vor allem aber hat der Verlust der billigen russischen Gasimporte die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie auf dem Weltmarkt offenbart. Dies hat daher dazu beigetragen, einen Prozess der Deindustrialisierung auf dem gesamten Kontinent voranzutreiben. Inmitten dieser Krise bemühen sich die 27 verschiedenen europäischen Staaten, ihre eigenen nationalen Interessen zu sichern.</p>



<p>Diese Risse haben es den europäischen Regierungen erschwert, eine einheitliche geopolitische Strategie gegenüber Russland und China aufrechtzuerhalten.</p>



<p>Das Ergebnis der sich wandelnden globalen Landschaft ist eine neue Konstellation, in der sowohl Russland als auch China ihre Positionen stärken konnten. China profitiert vom Zugang zu vergünstigten Energieressourcen, erweiterten Handelswegen und einem stabilen strategischen Partner in Eurasien.</p>



<p>Und Russland gewinnt einen riesigen Markt für seine Exporte, technologische Alternativen zu westlichen Importen und einen mächtigen Verbündeten in der umfassenderen Konfrontation mit den Vereinigten Staaten. Die Partnerschaft ist in vielerlei Hinsicht ungleich, aber unter den aktuellen globalen Bedingungen für beide Seiten vorteilhaft.</p>



<p>Mit anderen Worten: Der Versuch der Vereinigten Staaten und ihrer europäischen Verbündeten, Russland zu isolieren, hat nicht zu dem von ihnen erwarteten geopolitischen Ergebnis geführt. Stattdessen hat er die Konsolidierung einer eurasischen Wirtschaftsachse beschleunigt, in deren Mittelpunkt Russland und China stehen – eine Achse, die zunehmend in der Lage ist, die wirtschaftliche und politische Vorherrschaft des Westens herauszufordern.</p>



<p style="font-size:22px"><strong>Reiten auf den Wellen der globalen Krise</strong></p>



<p>Trotz des Drucks durch Krieg, Sanktionen und globale wirtschaftliche Turbulenzen weist das russische politische System derzeit ein beträchtliches Maß an innerer Stabilität auf. Diese Stabilität bedeutet nicht, dass es keine Spannungen innerhalb der herrschenden Klasse gäbe. Im Gegenteil: In den letzten Jahren kam es zu sichtbaren Konflikten, Umbesetzungen und Antikorruptionskampagnen innerhalb von Teilen der Elite.</p>



<p>Mehrere hochrangige Beamte wurden ihres Amtes enthoben, darunter ein stellvertretender Verteidigungsminister und andere hochrangige Funktionäre, denen Korruption vorgeworfen wurde. Solche Vorfälle sollten jedoch nicht als Anzeichen für einen Zusammenbruch des Regimes interpretiert werden – Anzeichen, die westliche Kommentatoren stets zu erfinden und aufzubauschen versuchen. Vielmehr spiegeln sie ein Muster wider, das für bonapartistische politische Systeme typisch ist, in denen die Zentralgewalt ihre Dominanz aufrechterhält, indem sie rivalisierende Fraktionen innerhalb der Elite regelmäßig diszipliniert und diese Maßnahmen gleichzeitig als Kampagne gegen „Korruption“ oder „Ineffizienz“ präsentiert.</p>



<p>In diesem Sinne dienen interne Säuberungen und Personalwechsel weniger als Strukturreformen, sondern vielmehr als Mechanismen zur Aufrechterhaltung des Machtgleichgewichts innerhalb des herrschenden Blocks.</p>



<p>Gleichzeitig hat sich die russische Wirtschaft als widerstandsfähiger erwiesen, als viele Beobachter in Europa und den Vereinigten Staaten ursprünglich erwartet hatten. Es gibt zwar Inflation und sie bleibt ein erhebliches Problem für die Haushalte. Doch sie ist nicht außer Kontrolle geraten.</p>



<p>Tatsächlich lag die Inflationsrate in Russland in mehreren Zeiträumen sogar unter der in Teilen Europas. Eine Kombination aus Kapitalkontrollen, umgeleiteten Handelsströmen, hohen Rohstoffeinnahmen und staatlichen Ausgaben hat es der Regierung ermöglicht, trotz des Krieges und der Sanktionen die Stabilität aufrechtzuerhalten. Energieexporte, insbesondere Öl, sorgen weiterhin für hohe Deviseneinnahmen, während der Handel mit asiatischen Märkten die verlorenen wirtschaftlichen Verbindungen zu Europa teilweise ersetzt hat.</p>



<p>Die Stabilität des Regimes und die Widerstandsfähigkeit des makroökonomischen Systems sollten jedoch nicht mit einer allgemeinen Verbesserung der sozialen Verhältnisse verwechselt werden. Die wirtschaftlichen Vorteile, die durch hohe Ölpreise und geopolitische Instabilität entstehen, konzentrieren sich in erster Linie auf eine kleine Schicht staatlich verbundener Unternehmen und politischer Eliten.</p>



<p>Energieunternehmen, Finanzinstitute und große Industriekonzerne, die mit dem Staatsapparat verbunden sind, vereinen den Großteil der zusätzlichen Einnahmen aus den globalen Energiepreisschocks auf sich. Ein kleiner Teil hochqualifizierter Arbeitskräfte im Energie- und militärisch-industriellen Sektor konnte zudem indirekte Vorteile durch höhere Löhne oder eine gestiegene Nachfrage nach ihrer Arbeitskraft erfahren.</p>



<p>Die breite Bevölkerung erlebt die Situation ganz anders. Die öffentlichen Ausgaben verlagern sich zunehmend in Richtung Militärproduktion, Sicherheitsstrukturen und strategische Industrien. Sie fließen nicht in Richtung sozialer Dienstleistungen und Sozialleistungen. Infolgedessen führen die durch hohe Energiepreise generierten Mehreinnahmen für die meisten Menschen nicht zu einer signifikanten Verbesserung des Lebensstandards. In vielen Sektoren stagnieren die Realeinkommen oder sind sogar gesunken, wenn man Inflation und steigende Lebenshaltungskosten berücksichtigt.</p>



<p>Diese Situation trägt zu einem umfassenderen Problem bei, nämlich einer Krise der Reproduktion der Arbeitskraft.</p>



<p>Eine stabile wirtschaftliche Entwicklung erfordert nicht nur Produktion, sondern auch die Fähigkeit der Gesellschaft, ihre Arbeitskräfte zu reproduzieren – durch bezahlbaren Wohnraum, zugängliche Gesundheitsversorgung, Bildung und Strukturen zur Familienunterstützung.</p>



<p>In Russland sind viele dieser Voraussetzungen jedoch nach wie vor fragil. Steigende Lebenshaltungskosten, begrenzte langfristige Karriereaussichten in vielen zivilen Sektoren und die zunehmende Militarisierung der Wirtschaft machen es jüngeren Generationen schwer, sich eine stabile Zukunft vorzustellen.</p>



<p>Diese Belastungen spiegeln sich bereits in den demografischen Trends wider. Russland sieht sich mit sinkenden Geburtenraten, einer alternden Bevölkerung und zunehmenden regionalen Ungleichheiten konfrontiert. Für viele junge Arbeiter bleiben die wirtschaftlichen Anreize zur Familiengründung schwach, während die Kosten für die Kindererziehung – insbesondere in großen städtischen Zentren – weiter steigen.</p>



<p>Mit anderen Worten: Die aktuelle Situation mag den russischen Staat vorübergehend stärken und das politische Regime stabilisieren, löst jedoch nicht die tieferen strukturellen Widersprüche innerhalb der russischen Gesellschaft. Die Gewinne, die durch hohe Energiepreise und geopolitische Instabilität erzielt werden, stärken in erster Linie das bestehende System der Macht- und Vermögensverteilung.</p>



<p>Es gibt Widersprüche im russischen Kapitalismus, doch derzeit sind sie anderer Art als jene, die wir im Westen beobachten. Im Westen mangelt es an rentablen Investitionsbereichen. In Russland tendiert die Wirtschaft nicht zur Stagnation, sondern zur Überhitzung; es gibt nicht genügend Arbeitskräfte.</p>



<p>Aktuell hat die Krise im Nahen Osten das Potenzial, das Haushaltsdefizit Russlands zu verringern, die Finanzmärkte zu stabilisieren und Moskaus diplomatischen Einfluss in globalen Verhandlungen zu stärken. Doch die Arbeiter werden davon nicht profitieren.</p>



<p>Im breiteren Kontext der anhaltenden Krise des globalen Kapitalismus dürften sich die zugrunde liegenden Widersprüche innerhalb der russischen Gesellschaft eher verschärfen als verschwinden. Die Kluft zwischen Arbeit und Kapital, zwischen staatlich gelenkter Ressourcenakkumulation und den alltäglichen wirtschaftlichen Lebensbedingungen der Bevölkerung, wird immer größer. Die durch hohe Rohstoffpreise erreichte wirtschaftliche Stabilisierung wirkt als vorübergehender Puffer, der das Auftreten tieferer struktureller Spannungen hinauszögert.</p>



<p>In diesem Sinne ist Russlands derzeitige Position nur aufgrund der durch den amerikanischen Imperialismus verursachten Instabilität in der Welt stark. Die Krise ist nicht verschwunden. Sie wurde lediglich aufgeschoben. Und wenn sie eintritt, müssen die Kommunisten in Russland darauf vorbereitet sein.</p>
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		<title>Tektonische Verschiebungen in den Weltbeziehungen</title>
		<link>https://derkommunist.de/tektonische-verschiebungen-in-den-weltbeziehungen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jorge Martin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Jan 2025 11:12:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
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		<category><![CDATA[Weltgeschehen]]></category>
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		<category><![CDATA[USA]]></category>
		<category><![CDATA[Wieso treten die imperialistischen Staaten heute wieder in einen offenen Wettkampf?]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Weltlage ist von enormer Instabilität geprägt. Dies ist das Ergebnis des Hegemoniekampfes zwischen den USA – der mächtigsten imperialistischen Nation der Welt, die sich in einem relativen Niedergang befindet [&#8230;]</p>
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<p class="wp-block-table">Die Weltlage ist von enormer Instabilität geprägt. Dies ist das Ergebnis des Hegemoniekampfes zwischen den USA – der mächtigsten imperialistischen Nation der Welt, die sich in einem relativen Niedergang befindet – und schwächeren, aber dennoch aufstrebenden Mächten, vor allem China.<br />Wir erleben eine tektonische Verschiebung: Die Kräfteverhältnisse konkurrierender imperialistischer Mächte wandeln sich. Und wie bei der Bewegung der tektonischen Platten auf der Erdkruste werden solche Bewegungen von Explosionen aller Art begleitet.<br />Als Lenin 1916 in seinem Werk „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus<em>“ </em>den Imperialismus beschrieb, sah er ihn nicht als etwas für immer Festgelegtes, sondern als Ergebnis eines dynamischen Kampfes zwischen verschiedenen imperialistischen Mächten. Jetzt erleben wir einen Kampf um die Aufteilung und Neuaufteilung der Welt.<br />Der Krieg in der Ukraine – wo sich eine demütigende Niederlage für die USA und die NATO abzeichnet – und der wachsende Konflikt im Nahen Osten, der sich zu einem regionalen Krieg auszuweiten droht, sind Ausdruck dieses Konflikts. </p>
<h3 class="wp-block-table"><strong>Relativer Niedergang des US-Imperialismus</strong></h3>
<p class="wp-block-table">Wir müssen betonen, dass der Niedergang des US-Imperialismus relativ ist. Die Vereinigten Staaten sind nach wie vor in jeder Hinsicht die mächtigste – und reaktionärste – Macht der Welt. 1985 machten die USA 34,6% des weltweiten Bruttoinlandprodukts (BIP) aus. Inzwischen sind es nur noch 26,3%, aber sie sind trotzdem noch die größte Volkswirtschaft der Welt.<br />Die USA dominieren die Weltwirtschaft nach wie vor durch ihre Kontrolle über die Finanzmärkte. 58% der weltweiten Währungsreserven werden in US-Dollar gehalten (während nur zwei Prozent in chinesischen Renminbi gehalten werden), obwohl diese Zahl im Vergleich zu 73% im Jahr 2001 gesunken ist.<br />Was den Nettoabfluss ausländischer Direktinvestitionen (ein Indikator für den Kapitalexport) betrifft, so liegen die USA mit 454 Billionen US-Dollar weltweit an der Spitze, während China (einschließlich Hongkong) mit 287 Billionen US-Dollar an zweiter Stelle steht.<br />Die wirtschaftliche Größe eines Landes verleiht ihm internationale Macht. Diese muss jedoch durch militärische Macht gestützt werden. Die Militärausgaben der USA machen 40% der weltweiten Militärausgaben aus, China liegt mit 12% an zweiter Stelle und Russland mit 4,5% an dritter Stelle.<br />Dennoch hat die Dominanz der USA ihre Grenzen erreicht. Ab 2001 hatte sich der US-Imperialismus in zwei nicht zu gewinnenden Kriegen, im Irak und in Afghanistan, festgefahren, was für ihn selbst mit hohen Kosten in Bezug auf Ausgaben und Personal verbunden war. Im August 2021 war er zu einem demütigenden Rückzug aus Afghanistan gezwungen.<br />Die Weigerung der USA, nach diesen Erfahrungen Bodentruppen einzusetzen, bedeutete, dass sie nicht in der Lage waren, effektiv in den syrischen Bürgerkrieg einzugreifen, sodass Russland zum einflussreichsten Akteur in diesem Konflikt wurde. Ein solches Ergebnis – in einer sehr wichtigen geostrategischen Region wie dem Nahen Osten – wäre zehn Jahre zuvor undenkbar gewesen.<br />Dies führte zu einem neuen Kräfteverhältnis im Nahen Osten. Der Iran ging gestärkt aus dem Konflikt hervor und hatte eine Reihe regionaler Verbündeter: Hamas, Hisbollah, die schiitischen Milizen im Irak und die Huthis im Jemen. Ein von China vermitteltes Abkommen zwischen dem Iran und Saudi-Arabien setzte dem Krieg im Jemen ein Ende. Heute ist China der größte Abnehmer der Energieexporte der Golfstaaten.<br />Russland gewann in Syrien die Oberhand, was mit der Verschlechterung der Beziehungen der USA zu Saudi-Arabien, einem wichtigen Verbündeten in der Region, zusammenfiel. Dafür gab es eine Reihe von Gründen: die Unfähigkeit Washingtons, Mubarak während der arabischen Revolution in Ägypten an der Macht zu halten; die Entwicklung der Schieferölproduktion in den USA, die zu einem Konkurrenten für die saudischen Ölexporte wurde; der Konflikt um die Ermordung von Khashoggi; das energiehungrige China, das zum wichtigsten Exportmarkt für sein Öl wurde, usw.<br />So wurde Saudi-Arabien dazu gedrängt, eine unabhängigere Politik zu entwickeln, die u. a. darin bestand, Russland dabei zu helfen, die Ölpreise hochzuhalten, um die US-Sanktionen wegen des Ukraine-Kriegs zu überwinden, ein „umfassendes strategisches Partnerschaftsabkommen“ mit China zu schließen und einem von China vermittelten Friedensabkommen mit dem Iran zuzustimmen.</p>
<h3 class="wp-block-table"><strong>Aufstieg Chinas</strong></h3>
<p class="wp-block-table">China ist nicht nur ein kapitalistisches Land, sondern auch ein imperialistisches. Als Spätzünder in der internationalen Arena hat es seine Macht hauptsächlich durch wirtschaftliche Mittel ausgedehnt. Aber es baut auch seine militärische Macht aus.<br />China ist heute eine technologisch fortgeschrittene kapitalistische Wirtschaft, die eine beherrschende Stellung in modernen High-Tech-Sektoren (Elektrofahrzeuge und Batterien, Photovoltaikzellen usw.) einnimmt und auch Kapital exportiert.<br />Jetzt stößt es an seine eigenen Grenzen. China steht vor einer klassischen Krise der kapitalistischen Überproduktion. Gleichzeitig stoßen die chinesischen Exporte auf Zollschranken und Protektionismus, während die Ausweitung des Welthandels zum Stillstand gekommen ist.<br />Die chinesische Wirtschaft wächst immer noch, aber viel langsamer. Massive Konjunkturpakete – keynesianische Maßnahmen – haben einen noch stärkeren Rückgang verhindert. Aber die Rendite sinkt.<br />Mit der gleichen Investitionssumme lässt sich nicht mehr das gleiche Wirtschaftswachstum erzielen. Und was produziert wird, lässt sich auf dem Weltmarkt schwieriger verkaufen.<br />Eine massive Verschuldung ist der Nebeneffekt. Chinas Schuldenquote betrug im Jahr 2000 nur 23% und ist nun auf 83% im Jahr 2023 gestiegen. Damit liegt China zwar immer noch unter dem Wert der meisten fortgeschrittenen kapitalistischen Volkswirtschaften, aber es ist dennoch ein deutlicher Anstieg. Da der chinesische Kapitalismus ein Plateau erreicht hat, wird es sehr schwierig sein, die Wachstumsraten der Vergangenheit wieder zu erreichen.<br />Inzwischen hat sich in China eine riesige Arbeiterklasse herausgebildet, die sich über einen langen Zeitraum hinweg an eine stetige Verbesserung ihres Lebensstandards gewöhnt hat. Diese Arbeiterklasse ist jung und frisch, unbelastet von Niederlagen und nicht an reformistische Organisationen gebunden. Wenn sie sich in Bewegung setzt, wird dies eine Explosion von seismischem Ausmaß auslösen.</p>
<h3 class="wp-block-table"><strong>Russland</strong></h3>
<p class="wp-block-table">Russland ist eine viel schwächere imperialistische Macht. Es ist wirtschaftlich viel kleiner als China, hat aber eine mächtige Armee und Verteidigungsindustrie aufgebaut und verfügt über ein Atomwaffenarsenal, das es von der UdSSR geerbt hat.<br />Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wollte die russische herrschende Klasse als gleichberechtigter Partner auf der Weltbühne akzeptiert werden. Sie brachte sogar die Idee auf, der NATO beizutreten. Dies wurde abgelehnt. Die USA wollten die vollständige und uneingeschränkte Herrschaft über die Welt ausüben und sahen keine Notwendigkeit, ein schwaches und krisengeschütteltes Russland einzubeziehen.<br />Im Jahr 2008 führte Russland einen kurzen und effektiven Krieg in Georgien und zerstörte die Armee des Landes, die von der NATO ausgebildet und ausgerüstet worden war. Das war der erste Warnschuss. Syrien war der nächste. Die russische Invasion in der Ukraine war die logische Konsequenz der Weigerung des Westens, die nationalen Sicherheitsbedenken Russlands zu akzeptieren, die in der Forderung nach Neutralität für die Ukraine und einem Stopp der Osterweiterung der NATO zum Ausdruck kamen. <br />Der US-Imperialismus dachte, er könnte die Ukraine als Kanonenfutter in einem Feldzug zur Schwächung Russlands und zur Lähmung seiner Rolle in der Welt einsetzen. Washington wollte auch China in Bezug auf Taiwan eine klare Botschaft senden.<br />Heute stehen die USA vor einer Niederlage in der Ukraine. Die Sanktionen haben nicht die gewünschte Wirkung gezeigt. Russland wurde nicht isoliert, sondern hat engere Wirtschaftsbeziehungen zu China aufgebaut. Und mehrere Länder, die eigentlich im Einflussbereich der USA liegen sollten – Indien, Saudi-Arabien, die Türkei – haben dazu beigetragen, die Sanktionen zu umgehen.<br />China und Russland sind nun viel engere Verbündete in ihrem Widerstand gegen die Vorherrschaft der USA in der Welt und haben eine ganze Reihe anderer Länder um sich geschart.<br />Wenn die USA ihre Niederlage in der Ukraine endlich einsehen, wird dies enorme und dauerhafte Folgen für die Weltbeziehungen haben und die Vorherrschaft des US-Imperialismus weiter zurückdrängen. Es ist klar, welche Schlussfolgerungen China daraus in Bezug auf Taiwan ziehen wird.</p>
<h3 class="wp-block-table"> <br /><strong>Der Nahe Osten</strong></h3>
<p class="wp-block-table">Der Angriff vom 7. Oktober war ein schwerer Schlag für die herrschende Klasse Israels. Er zerstörte den Mythos der Unbesiegbarkeit des zionistischen Staates und stellte seine Fähigkeit in Frage, seine jüdischen Bürger zu schützen – die Schlüsselfrage, mit der die herrschende Klasse Israels die Bevölkerung hinter sich versammelt hat.<br />Der Angriff wurde von Netanjahu – der unmittelbar zuvor mit Massenprotesten konfrontiert war – als Vorwand genutzt, um eine völkermörderische Kampagne gegen Gaza zu starten.<br />Der Zusammenbruch seiner Unterstützung veranlasste Netanjahu, die Situation mit der Invasion des Libanon zu eskalieren. Dies ging mit ständigen Provokationen gegen den Iran einher. Um sich politisch zu retten, hat Netanjahu wiederholt gezeigt, dass er bereit wäre, einen regionalen Krieg vom Zaun zu brechen, der die USA zwingen würde, direkt an seiner Seite zu intervenieren.<br />Dass die engstirnigen persönlichen Interessen eines Mannes einen so unglaublichen Einfluss auf die Ereignisse haben können, spiegelt die enorme Instabilität der gesamten Weltlage wider. Die herrschende Klasse ist nicht immer in der Lage, in ihrem eigenen Interesse rational zu handeln.<br />Der plötzliche und unerwartete Zusammenbruch des Assad-Regimes in Syrien hat das regionale Kräfteverhältnis erneut verändert. Die Türkei ist eine kleine kapitalistische Macht in der Weltwirtschaft, aber sie hat große regionale Ambitionen. Erdoğan hat den Konflikt zwischen dem US-Imperialismus und Russland sehr geschickt zu seinem eigenen Vorteil genutzt. Ein Beispiel dafür ist sein Versuch, das fortschrittlichste russische Luftverteidigungssystem zu erwerben, während er gleichzeitig die USA um die neuesten Kampfflugzeuge anwirbt.<br />Da der Iran und Russland anderweitig beschäftigt waren (Russland in der Ukraine und der Iran im Libanon), versuchte Erdogan, Assad zu drängen, ihm einen größeren Teil des syrischen Kuchens zu überlassen. Als Assad sich weigerte, beschloss Erdoğan, die Offensive der HTS-Dschihadisten aus Idlib zu unterstützen.<br />Der Sturz Assads ist ein Schlag für das Ansehen und den Ruf Russlands als kleine Weltmacht und des Iran als Regionalmacht.<br />Netanjahu, ermutigt durch die Schwächung des Iran und die Schläge gegen die Hisbollah im Libanon, wird nun versuchen, die Interessen Israels gegenüber der Hamas, aber auch im Westjordanland, auf den Golanhöhen und sogar weiter in Syrien durchzusetzen.<br />Es kann im Nahen Osten keinen Frieden geben, solange die palästinensische Nationalfrage nicht gelöst ist. Dies ist im Kapitalismus nicht möglich. Die Interessen der zionistischen herrschenden Klasse in Israel – unterstützt von der mächtigsten imperialistischen Macht der Welt – lassen die Bildung eines echten Heimatlandes für die Palästinenser nicht zu, und noch weniger das Rückkehrrecht von Millionen von Flüchtlingen.<br />Der Staat Israel und seine zionistische herrschende Klasse können nur besiegt werden, indem die Bevölkerung des Landes entlang der Klassenlinien gespalten wird. Nur eine sozialistische Föderation kann die nationale Frage ein für alle Mal lösen. Alle Völker, Palästinenser und israelische Juden, aber auch Kurden und alle anderen, hätten das Recht, in einer solchen sozialistischen Föderation in Frieden zu leben.<br />Das wirtschaftliche Potenzial der Region würde in einem gemeinsamen sozialistischen Produktionsplan voll ausgeschöpft werden. Arbeitslosigkeit und Armut würden der Vergangenheit angehören. Allein auf dieser Grundlage könnten die alten nationalen und religiösen Hassgefühle überwunden werden.</p>
<h3 class="wp-block-table"><strong>Krise in Europa</strong></h3>
<p class="wp-block-table">Während die USA weltweit einen relativen Rückgang ihrer Stärke und ihres Einflusses hinnehmen mussten, sind die alten europäischen imperialistischen Mächte – Großbritannien, Frankreich, Deutschland und andere – seit ihren glorreichen Tagen noch weiter abgestiegen und zu zweitklassigen Mächten geworden.<br />Europa als imperialistischer Block hat im letzten Jahrzehnt besonders an Stärke verloren. Eine Reihe von Militärputschen hat Frankreich aus Zentralafrika und der Sahelzone verdrängt, wovon Russland profitiert.<br />Die europäischen Mächte folgten dem US-Imperialismus in seinem Stellvertreterkrieg in der Ukraine gegen Russland – etwas, das direkt gegen ihre eigenen Interessen ging.<br />Seit dem Zusammenbruch des Stalinismus 1989–91 hatte Deutschland eine Politik der Ausweitung seines Einflusses nach Osten verfolgt, die seiner langjährigen außenpolitischen Ausrichtung entsprach, wobei es enge wirtschaftliche Beziehungen zu Russland aufgebaut hatte.<br />Die deutsche Industrie hatte von billiger russischer Energie profitiert. Vor dem Ukraine-Krieg stammten mehr als die Hälfte des deutschen Erdgases, ein Drittel des gesamten Öls und die Hälfte der deutschen Kohleimporte aus Russland. Letztendlich musste Europa viel teureres Flüssigerdgas (LNG) aus den USA importieren, ebenso wie viel teurere russische Ölprodukte über Indien. Tatsächlich stammt ein großer Teil des deutschen Gases immer noch aus Russland, nur dass es jetzt über Drittländer zu einem viel höheren Preis bezogen wird. Die Vereinigten Staaten haben sich bei ihren europäischen Verbündeten mit einem Handelskrieg revanchiert, mit einer Reihe protektionistischer Maßnahmen und Industriesubventionen.<br />Die EU war ein Versuch der geschwächten imperialistischen Mächte des Kontinents, sich zusammenzuschließen, in der Hoffnung, mehr Einfluss auf die Weltpolitik und die Wirtschaft zu gewinnen. In der Praxis dominierte das deutsche Kapital die anderen schwächeren Volkswirtschaften.<br />Die verschiedenen nationalen herrschenden Klassen, aus denen sie sich zusammensetzt, blieben jedoch bestehen, jede mit ihren eigenen besonderen Interessen. Trotz aller Reden gibt es keine gemeinsame Wirtschaftspolitik, keine einheitliche Außenpolitik und keine einzige Armee, die sie umsetzen könnte.<br />Während das deutsche Kapital auf wettbewerbsfähigen Industrieexporten basierte und seine Interessen im Osten lagen, bezieht Frankreich aus der EU hohe Beträge an Agrarsubventionen, und seine imperialistischen Interessen liegen in den ehemaligen französischen Kolonien, hauptsächlich in Afrika.<br />Die Staatsschuldenkrise, die auf die Weltwirtschaftskrise 2008/2009 folgte, brachte die EU an ihre Grenzen. Seitdem hat sich die Situation noch weiter verschlechtert. Die Krise des europäischen Kapitalismus hat bedeutende politische und soziale Auswirkungen. Der Aufstieg rechtspopulistischer, euroskeptischer und Anti-Establishment gerichteter Kräfte auf dem gesamten Kontinent ist eine direkte Folge davon. Der Zusammenbruch der französischen und deutschen Regierungen sind die jüngsten Manifestationen dieser Krise.<br />Die europäische Arbeiterklasse, deren Kräfte weitgehend intakt und unbesiegt sind, wird eine neue Runde von Sparmaßnahmen und Massenentlassungen nicht kampflos hinnehmen. Die Voraussetzungen für eine Explosion des Klassenkampfes sind gegeben.</p>
<h3 class="wp-block-table"><strong>Wettrüsten und Militarismus </strong></h3>
<p class="wp-block-table">Historisch gesehen wurde jede bedeutende Veränderung der relativen Stärke verschiedener imperialistischer Mächte letztendlich durch Krieg beigelegt, vor allem durch die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts. Heute macht die Existenz von Atomwaffen einen direkten Weltkrieg in der nächsten Zeit sehr unwahrscheinlich.<br />Kapitalisten führen Kriege, um Märkte, Investitionsfelder und Einflussbereiche zu sichern. Ein Weltkrieg würde heute zur vollständigen Zerstörung der Infrastruktur und des Lebens führen, wovon keine Macht profitieren würde.<br />Dennoch beherrscht der Konflikt zwischen imperialistischen Mächten – der den Kampf um eine neue Aufteilung des Planeten widerspiegelt – die Weltlage.<br />Dies äußert sich in mehreren regionalen Kriegen und Stellvertreterkriegen, die massive Zerstörung und den Tod von Zehntausenden Menschen verursachen, sowie in immer stärkeren Handels- und diplomatischen Spannungen. Im vergangenen Jahr gab es die höchste Anzahl an Kriegen seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.<br />Dies hat zu einem neuen Wettrüsten geführt. Die weltweiten Militärausgaben beliefen sich 2023 auf über 2,44 Billionen US-Dollar, was einem Anstieg von 6,8% gegenüber 2022 entspricht. Dies war der größte Anstieg seit 2009 und der höchste jemals verzeichnete Wert.<br />Der Kampf gegen Militarismus und Imperialismus ist zu einer zentralen Frage unserer Epoche geworden. Wir sind entschiedene Gegner imperialistischer Kriege und des Imperialismus. Aber der einzige Weg, um Frieden zu garantieren, ist die Zerschlagung des kapitalistischen Systems, das die Ursache all dieser Kriege ist.</p>
<h3 class="wp-block-table"><strong>Umkehrung der Globalisierung </strong></h3>
<p class="wp-block-table">„Globalisierung“ – die Ausweitung des Welthandels – war eine Zeit lang nach dem Zusammenbruch des Stalinismus in Russland und der Restauration des Kapitalismus in China einer der Hauptmotoren des Wirtschaftswachstums.<br />Stattdessen haben wir jetzt Zollschranken und Handelskriege zwischen allen großen Wirtschaftsblöcken (China, der EU und den USA), die jeweils versuchen, ihre eigene Wirtschaft auf Kosten der anderen zu retten.<br />1991 machte der Welthandel 35% des weltweiten BIP aus, eine Zahl, die seit 1974 im Wesentlichen unverändert geblieben war. Dann begann eine Phase des schnellen Wachstums, die 2008 mit einem Spitzenwert von 61% ihren Höhepunkt erreichte und eine stark zunehmende Integration der Weltwirtschaft widerspiegelte.<br />Dies war natürlich kein ausgeglichener Prozess, von dem alle Länder profitierten. Der Abbau der Zollschranken zwischen den USA und Mexiko kam beispielsweise dem US-Kapital zugute und zerstörte die Landwirtschaft in Mexiko.<br />Seit der Krise von 2008 stagniert der Welthandel als Prozentsatz des weltweiten BIP. Im Jahr 2023 führten Regierungen weltweit 2.500 protektionistische Maßnahmen (Steueranreize, gezielte Subventionen und Handelsbeschränkungen) ein – dreimal so viele wie fünf Jahre zuvor. Die US-Zölle auf chinesische Waren haben sich auf 19,3% versechsfacht. Im Falle von Elektrofahrzeugen haben die USA Zölle in Höhe von 100% auf chinesische Importe erhoben.<br />Wir sollten nicht vergessen: Es war eine allgemeine Hinwendung zum Protektionismus, die die Welt in den 1930er Jahren von einer wirtschaftlichen Rezession in eine Depression stürzte.</p>
<h3 class="wp-block-table"><strong>Revolutionärer Ausweg </strong></h3>
<p class="wp-block-table">Was auch immer Trumps Absichten sein mögen, der US-Imperialismus ist die dominierende Weltmacht. Er kann sich nicht davon lösen, jeder echte Rückzug Washingtons von der Weltbühne wäre ein Sieg für seine Rivalen.<br />Die Vorherrschaft des Imperialismus kann nur durch den revolutionären Sturz des Kapitalismus und die Machtübernahme der Arbeiterklasse überwunden werden.<br />Nur dann wäre es möglich, eine wirklich gerechte Gesellschaft zu schaffen, in der die Produktionsmittel, die die Menschheit im Laufe von Tausenden von Jahren geschaffen hat, in gemeinschaftlichem Besitz wären und im Rahmen eines demokratischen Produktionsplans genutzt würden, um die Bedürfnisse der Mehrheit zu befriedigen – und nicht den unstillbaren Profitdurst einer parasitären Minderheit.</p>
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		<title>Die Chinesische Revolution von 1949</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Alan Woods]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 17 Oct 2024 08:37:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Asien]]></category>
		<category><![CDATA[Revolutionen]]></category>
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									<p><span style="color: #000000;">Am 1. Oktober 2024 jährte sich die Chinesische Revolution zum 75. Mal. Damals erhoben sich Millionen von Bauern und Arbeitern, um die Großgrundbesitzer und Kapitalisten zu stürzen. Aus dieser inspirierenden revolutionären Bewegung lassen sich viele wichtige Lehren für heute ziehen. Deshalb veröffentlichen wir den folgenden Artikel von <em>Alan Woods</em> aus dem Jahr 2009.</span><br><span style="color: #000000;">Für Marxisten ist die Chinesische Revolution das großartigste Ereignis der Menschheitsgeschichte, nur überboten von der bolschewistischen Revolution 1917 in Russland. Millionen von Menschen, die bis dahin unter der Unterdrückung durch den Imperialismus litten, befreiten sich vom demütigenden Joch des Imperialismus und des Kapitalismus und traten auf die Bühne der Weltgeschichte.<span style="font-family: var( --e-global-typography-text-font-family ), Sans-serif; text-align: var(--text-align); font-size: 1rem;">&nbsp;</span></span></p>
<p><span style="color: #000000;">Die erste Chinesische Revolution von 1925-27 war eine wahrhaft proletarische Revolution. Sie wurde jedoch durch die falsche Politik Stalins und Bucharins zunichte gemacht, indem sie die chinesische Arbeiterklasse der sogenannten „demokratischen Bourgeoisie“ unterordneten, an deren Spitze Chiang Kai-shek stand. Die chinesische Kommunistische Partei (KPCh) wurde so in die bürgerliche Kuomintang (KMT) aufgelöst. Stalin schlug Chiang Kai-shek sogar vor, Mitglied des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale zu werden.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Diese verheerende Politik führte zur katastrophalen Niederlage im Jahr 1927, als der sogenannte „bürgerliche Demokrat“ Chiang Kai-shek das Massaker tausender Kommunisten in Shanghai anordnete. Die Zerschlagung der chinesischen Arbeiterklasse bestimmte den zukünftigen Charakter der Chinesischen Revolution. Die Reste der kommunistischen Partei flohen aufs Land und begannen einen Guerillakrieg auf Basis der Bauernschaft zu organisieren, was den Kurs der kommenden Revolution entscheidend veränderte.</span></p>
<h2><span style="color: #000000;">Die verrottete Bourgeoisie</span></h2>
<p><span style="color: #000000;">Die Revolution von 1949 konnte aufgrund der völligen Sackgasse des Kapitalismus und des Großgrundbesitzertums zum Sieg führen. Dem bürgerlichen Nationalisten Chiang Kai-shek, der 1927 über die Leichenberge der Arbeiter von Shanghai an die Macht gekommen war, blieben zwei Jahrzehnte seiner Herrschaft, um sein Können unter Beweis zu stellen. Letztendlich blieb China jedoch wie zuvor abhängig vom Imperialismus, die Landfrage blieb ungelöst und im Allgemeinen war China rückständig, halbfeudal und halbkolonial. Die chinesische Bourgeoisie war, zusammen mit den anderen besitzenden Klassen, verwachsen mit dem Imperialismus und bildeten zusammen einen reaktionären Block, der jeder Veränderung feindlich gegenüberstand.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Der reaktionäre Charakter der Bourgeoisie zeigte sich, als das imperialistische Japan 1931 in der Mandschurei einfiel. Im Kampf gegen die japanische Armee boten die chinesischen Kommunisten der bürgerlich-nationalistischen KMT unter Chiang Kai-shek eine Einheitsfront an. In Wahrheit war die tatsächliche Zusammenarbeit zwischen Maos Streitkräften und der KMT während des Zweiten Weltkriegs minimal. Nur dem Namen nach war die Allianz zwischen der KPCh und der KMT eine gemeinsame Front.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Chinas Kampf gegen Japan wurde Teil des allgemeinen Weltbrandes im Zweiten Weltkriegs. Während die KPCh den Löwenanteil des Kampfes gegen die Japaner stemmten, war das Hauptaugenmerk der KMT der Kampf gegen die chinesischen Kommunisten. Im Dezember 1940 ordnete Chiang Kai-shek der Neuen Vierten Armee der KPCh an, aus den Provinzen Anhui und Chiangsu abzuziehen, was zu schwerwiegenden Zusammenstößen zwischen der Volksbefreiungsarmee (VBA) und Chiang Streitkräften führte, und tausende Todesopfer zur Folge hatte. Damit war das Ende der sogenannten Einheitsfront eingeläutet.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Der Zweite Weltkrieg führte zu einer enormen Stärkung des US-Imperialismus auf der einen, und Russland unter Stalin auf der anderen Seite, wobei deren bevorstehender Konflikt schon vor dem Ende des Krieges absehbar war. Am 9. August 1945 begannen sowjetische Truppen die beeindruckende Operation Auguststurm und griffen die Japaner in der Mandschurei und entlang der chinesisch-mongolischen Grenze an. In einer Blitz-Kampagne zerschlug die Sowjetarmee die japanische Armee und besetzte die Mandschurei. 700.000 japanische Soldaten, die in der Region stationiert waren, ergaben sich und die Rote Armee eroberte die Mandschurei, die innere Mongolei, Nordkorea, Südsachalin und die Inselkette der Kurilen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Die Niederlage der japanischen Kwantung-Armee gegen die Rote Armee ist in Vergessenheit geraten, obwohl sie ein entscheidender Faktor für die Kapitulation Japans und das Ende des 2.Weltkriegs war. Das Ereignis spielte eine wichtige Rolle in den Plänen Washingtons für Asien. Die US-Imperialisten befürchteten, dass die Rote Armee der Sowjetunion durch China hindurchmarschieren und Japan direkt angreifen würde, genau, wie sie zuvor durch Osteuropa vorgedrungen war. Nach dem Abwurf der Atombomben der USA auf Hiroshima und Nagasaki kapitulierte Japan schließlich gegenüber den USA. So wurden diese japanischen Städte hauptsächlich aus dem Grund ausgelöscht, um Stalin die neue, angsteinflößende Waffe im US-Waffenarsenal zu demonstrieren.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Die USA diktierte die Bedingungen für die Kapitulation Japans. Die japanischen Truppen erhielten das Kommando sich nur Chiangs Truppen zu ergeben, nicht aber den Kommunisten in den von ihnen besetzten Gebieten Chinas. Der Grund, warum sich japanische Kräfte in der Mandschurei dennoch der Sowjetunion gegenüber ergaben, war schlichtweg, dass die KMT in diesen Regionen keinerlei Truppen hatte. Chiang Kai-shek befahl den japanischen Soldaten, ihre Posten zu halten bis die KMT sie erreicht, anstatt sich den Kommunisten zu ergeben.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Nach Japans Kapitulation war US-Präsident Truman sehr deutlich, wenn er sagte „die Japaner benutzen, um die Kommunisten in Schach zu halten“. In seinen Memoiren schreibt er:</span></p>
<blockquote>
<p><span style="color: #000000;">„Eines war uns unmissverständlich klar: Wenn wir die Japaner aufgefordert hätten, die Waffen niederzulegen und sich in die Küstenregionen zu begeben, wäre das gesamte Land von den Kommunisten besetzt worden. Deshalb mussten wir den ungewöhnlichen Schritt machen, den Feind als Besatzungsmacht zu nutzen, bis wir nationale chinesische Truppen nach Südchina einfliegen und Marinesoldaten entsenden konnten, um die Häfen zu bewachen“.</span></p>
</blockquote>
<h2><span style="color: #000000;">Stalin und die Chinesische Revolution</span></h2>
<p><span style="color: #000000;">Was war Moskaus Position zu den Vorgängen? Ursprünglich erlaubte die Rote Armee der VBA, ihre Position in der Mandschurei auszubauen. Im November1945 machten sie jedoch eine Kehrtwende. Chiang Kai-shek und der US-Imperialismus befürchteten eine Übernahme der Mandschurei durch die Kommunisten, nachdem die Sowjetunion abgezogen war. Deshalb schloss er ein Abkommen mit Moskau, den Rückzug hinauszuzögern, bis er genug seiner besten Soldaten und moderne Kriegsgerätschaften in die Region verschoben hatte. Die KMT-Truppen wurden dann in Flugzeugen der Vereinigten Staaten in die Region geflogen. Die Russen erlaubten ihnen, strategisch zentrale Städte in Nordchina zu besetzen, während ländliche Teile unter der Kontrolle der KPCh blieben.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Tatsächlich misstraute Stalin den Führungspersonen der KPCh und glaubte auch nicht an eine erfolgreiche Machtübernahme durch sie. Die Bürokratie aus Moskau war mehr daran interessiert, eine freundschaftliche Beziehung mit der Regierung Chiang Kai-sheks aufrechtzuerhalten, als die chinesische Revolution zu unterstützen. Nach der Revolution beschwerte sich Mao hämisch darüber, dass der letzte Botschafter, der Chiang verließ, der sowjetische Botschafter war. Stalin drängte Mao, in eine Koalitionsregierung mit der KMT einzutreten, was Mao anfangs akzeptierte:</span></p>
<blockquote>
<p><span style="color: #000000;">„Während der Krieg andauerte, hatte Mao Zedong von den Nationalisten verlangt, dass sie der Bildung einer Koalitionsregierung zustimmen, die ihre Einparteienherrschaft der KMT ersetzt, nachdem Stalin und Molotov gesagt hatten, dass die beiden chinesischen Seiten Verhandlungen führen sollten. Am 14. August 1945 ging die Sowjetunion einen Schritt weiter. Sie verhandelte mit Chiang Kai-shek einen sino-sowjetischen Vertrag wechselseitiger Freundschaft und Allianz aus. <em>Anschließend gab Stalin den chinesischen Kommunisten den Ratschlag, dass ihr Aufstand ‚keine Perspektive’ habe und dass sie Teil Chiangs Regierung werden und die Armee auflösen sollten.</em></span></p>
<p><span style="color: #000000;">Am selben Tag, an dem die Nationalisten ihren Vertrag mit der Sowjetunion abschlossen, lud Chiang Kai-shek auf das Drängen von General Hurley Mao Zedong zu gemeinsamen Gesprächen nach Chongqing ein.“ <a style="color: #000000;" href="https://derfunke.at/22883-die-chinesische-revolution-von-1949#_edn1" name="_ednref1">[1]</a></span></p>
</blockquote>
<p><span style="color: #000000;">Am Ende war es unvermeidbar, dass die Verhandlungen scheiterten und sich der Bürgerkrieg fortsetzte. Die Sowjetunion bot der VBA nur sehr beschränkte Militärhilfe, während die USA die Nationalisten mit Militärgerätschaften und -ausrüstung im Wert von hunderten Millionen Dollar unterstützten. General Marshall gab zu, dass er von keinem Nachweis wisse, dass die VBA von der Sowjetunion militärisch versorgt wurde. Tatsächlich eroberte sich die VBA viele Waffen, die von den Japanern zurückgelassen wurden, u.a. einiger Panzer. Später ergaben sich viele gut ausgebildete KMT-Soldaten und schlossen sich der VBA an, womit ihre überwiegend in den USA produzierten Waffen in den Besitz der chinesischen Kommunisten übergingen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Die sowjetischen-Streitkräfte nutzten die Zeit, um die Industrie der Mandschurei systematisch abzubauen. So wurden ganze Fabriken in die UdSSR verschifft, zu einem Wert von bis zu zwei Milliarden. Dollar. Wie bereits verdeutlicht war Stalin skeptisch, was Maos Möglichkeiten auf einen Erfolg anging und versuchte freundschaftliche Beziehungen mit Chiang Kai-shek aufrechtzuerhalten, wie Schram vermerkt:</span></p>
<blockquote>
<p><span style="color: #000000;">„Das Muster setzt sich fort, [Mao sah sich, Anm.] im Unklaren gelassen, einerseits wegen Stalins Sorge um die Sicherheit der Sowjetunion, andererseits von dessen fehlenden Enthusiasmus für die dynamische, revolutionäre Bewegung, welche er möglicherweise nicht kontrollieren könne.“ <a style="color: #000000;" href="https://derfunke.at/22883-die-chinesische-revolution-von-1949#_edn2" name="_ednref2">[2]</a></span></p>
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<figcaption id="caption-attachment-22888" class="wp-caption-text"></figcaption>
</figure>
</blockquote>
<p><span style="color: #000000;">Der Keim für den sino-sowjetischen Konflikt waren so von Anfang an vorhanden: Dabei handelt es sich nicht um einen ideologischen Konflikt, wie oft behauptet wurde, sondern lediglich um einen Interessenkonflikt zwischen zwei konkurrierenden Bürokratien die habgierig <em>ihre</em> eigenen, nationalen Interessen, Territorien, Ressourcen, Macht und Privilegien verteidigten. Dieser engstirnige Nationalismus steht in komplettem Gegensatz zum Geist des proletarischen Internationalismus von Lenin und Trotzki. Lenin erklärte wiederholt, dass er bereit dazu sei, die Russische Revolution, falls nötig, zu opfern, um der sozialistischen Revolution in Deutschland zum Sieg zu verhelfen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Hätten Stalin und Mao auf der Grundlage eines leninistischen Programms gehandelt, hätten sie von Beginn an die Schaffung einer <em>Sozialistischen Föderation der Sowjetunion und China</em>vorgeschlagen, von welcher alle Völker in großem Maße profitiert hätten.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Stattdessen waren ihre Beziehungen von engstirnigen, nationalen Interessen und zynischen Kalkulationen geprägt. Im Endeffekt gipfelte dies in der schrecklichen Situation, in welcher russische und chinesische „Genossen“ in der Sprache von Raketen und Artilleriegeschoßen eine „Debatte“ führten, über eine arbiträre Grenze, welche der Zar von Russland und der Kaiser von China im 19. Jahrhundert gezogen hatten.</span></p>
<h2><span style="color: #000000;">Die USA unterstützen Chiang Kai-shek</span></h2>
<p><span style="color: #000000;">Die Amerikaner hatten das Ziel, China nach dem Krieg zu einer US-Einflusszone, also eigentlich zu einer Semi-Kolonie, zu machen. Aber nach all dem Leid des Zweiten Weltkriegs wäre die amerikanische Bevölkerung nicht dazu bereit gewesen, einen neuen Krieg zu unterstützen, um China zu unterwerfen. Vor allem die amerikanischen Soldaten wären nicht bereit gewesen, in einem solchen Krieg zu kämpfen. Die Unmöglichkeit einer Intervention durch den US-Imperialismus gegen die chinesische Revolution spielte daher eine maßgebliche Rolle.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Unter diesen Umständen waren die US-Imperialisten gezwungen zu manövrieren und Intrigen zu schmieden. Washington schickte 1946 General George C. Marshall nach China, vorgeblich um Verhandlungen zwischen der VBA unter Mao einerseits und Chiang Kai-shek andererseits vorzubereiten. In Wirklichkeit aber war das Ziel, Chiang zu stärken, indem massenhaft Waffen, Geld und Ausrüstung verschifft wurden, um die nationalen Streitkräfte für eine neue Offensive zu rüsten. Dieses Ablenkungsmanöver täuschte Mao nicht eine Sekunde. Er stimmte der Aufnahme von Verhandlungen zu, rüstete sich aber gleichzeitig gegen neuerliche Kriegshandlungen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Obwohl der US-Imperialismus unfähig dazu war, sich direkt in den Bürgerkrieg von 1946-49 einzumischen, lieferte Washington riesige Mengen an Geld, Waffen und Vorräte, um die Nationalisten zu unterstützen. Die nationalistische KMT wurde mit zusätzlichen modernen Kriegsgeräten im Wert von hunderten Millionen Dollar unterstützt. Die von Washington gesendeten Waffen wurden später im Vietnamkrieg gegen die US-Armee eingesetzt, nachdem beinahe das gesamte Waffenarsenal von Maos Truppen erobert wurde.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Nach der Moskauer Konferenz der Außenminister der Sowjetunion, der USA und Großbritannien im Dezember 1945, hielten sich die USA an eine „Nichteinmischungspolitik in Chinas interne Angelegenheiten“. Dies war natürlich eine Farce, genau wie die zuvor beschlossene „Nichteinmischung“ in Spanien während des Bürgerkriegs, als die sogenannten Demokratien die spanische Republik boykottierten, während Hitler und Mussolini massenhaft Waffen und Soldaten schickten, um Franco zu unterstützen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Hierfür rüstete die USA die KMT mit Bombern, Kampfflugzeugen, Gewehren, Panzern, Raketenwerfern, automatischen Gewehren, Benzinbomben, Gasgeschossen und anderen Waffen aus. Im Gegenzug übergab die KMT dem US-Imperialismus sowohl Verfügungsrechte über Chinas eigenes Gebiet, Wasserwege und Luftraum, gestand ihnen sowohl nationales Navigationsrecht, als auch spezielle Handelsprivilegien, als auch spezielle Privilegien in inneren und äußeren Angelegenheiten zu. US-Streitkräfte machten sich vielerlei Gräueltaten gegen die chinesische Bevölkerung schuldig. Sie schlugen sie zusammen, ermordeten sie, überfuhren sie mit Autos, vergewaltigten Frauen, ohne dafür belangt zu werden.</span></p>
<h2><span style="color: #000000;">Die Agrarrevolution</span></h2>
<p><span style="color: #000000;">Im Juli 1946 stürzte die KMT China mit aktiver Unterstützung des US-Imperialismus in einen gigantischen Bürgerkrieg voll von beispielsloser Brutalität. Chiang Kai-shek startete eine konterrevolutionäre Offensive gegen die VBA. Er hatte alles penibel vorbereitet, verfügte über rund dreieinhalb Mal so viele Truppen wie die VBA zu diesem Zeitpunkt und Chiang hatte weit mehr materielle Ressourcen im Vergleich zu Maos Streitkräften. Chiang hatte Zugang zu modernen Industrieanlagen und Kommunikationsgeräte auf dem neuesten Stand der Technik, welche der VBA fehlten. Theoretisch sollte es ein einfacher Sieg werden.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Im ersten Jahr des Krieges (Juli 1946 bis Juni 1947), war die KMT in der Offensive, die VBA wurde in die Defensive gezwungen. Zuerst konnten Chiangs Truppen schnell vorrücken und viele Städte und Gebiete einnehmen, welche von der VBA kontrolliert worden waren. Die Streitkräfte der KMT errungen einen scheinbar entscheidenden Sieg, als sie die Hauptstadt des Roten Chinas (Yan’an) einnahmen. Für viele Beobachter schien dies eine entschiedene Niederlage der VBA zu sein.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Doch diese Einschätzung war falsch. Im Angesicht der überwältigenden schlechten Chancen, entschied sich Mao für einen strategischen Rückzug. Er entschied sich dafür, die große Stadt nicht mit unterlegenen Truppen zu verteidigen, sondern sich auf die ländlichen Gebiete zu konzentrieren, wo er eine solide Basis unter der Bauernschaft hatte. Von hier aus konnte er sich neu formieren und seine Kräfte für einen Gegenangriff sammeln.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Was der US-Imperialismus und Chiang Kai-shek nicht erkannten, war, dass die effektivste Waffe in den Händen der VBA nicht Kanonen und Panzer waren, sondern Propaganda. Sie versprachen der landlosen und hungernden Bauernschaft, dass sie sich durch ihren Kampf für die VBA Ackerland ihrer Grundherren nehmen werden können.&nbsp; In den meisten Fällen wurden umliegende ländliche Regionen und Kleinstädte schon früher von der VBA kontrolliert als die Städte. Dies war der Ursprung von Maos Theorie der „Umzingelung der Städte durch das Land“.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Als Stalin die politische Linie der Kommunistischen Internationale von der ultra-linken Politik der Dritten Periode 1928-34 zur opportunistischen Politik der Volksfront änderte, revidierte Mao sein Agrarprogramm. Die radikale Politik: „das Land jenen, die es bewirtschaften“ wurde durch eine moderate Politik der Pachtsenkung ersetzt. Nun vertrat er die Idee, „fortschrittliche Grundherren“(!) für sich zu gewinnen. Nach 1946 veränderte er die politische Ausrichtung erneut:</span></p>
<blockquote>
<p><span style="color: #000000;">„Die folgende Agrarpolitik war radikaler als jene der Periode 1937-45, welche viel mehr Zins- und Pachtsenkung als unmittelbare Landreform beinhaltete, die Taktik war jedoch stufenweise und angepasst an örtliche Bedingungen. Mao beabsichtigte weiterhin, die ‚patriotische Gentry‘ Teil einer ‚sehr breiten Einheitsfront‘ werden zu lassen, welche er entschlossen war, aufrechtzuerhalten. Lediglich nach mehreren Jahren kommunistischer Kontrolle in einem bestimmten Gebiet würde das ganze Land neu verteilt werden. Im Moment sollte die Reform höchstens zehn Prozent der Bevölkerung betreffen. Mao gab die ‚drei Regeln der Disziplin‘ und die ‚acht Punkte der Vorsicht‘ wieder aus: Sie hatten in der einen oder anderen Form über zwanzig Jahre den Respekt gegenüber der Zivilbevölkerung und ein Verbot von Plünderungen zum Ausdruck gebracht, welche die Rote Armee von allen Armeen unterschied, welche die bäuerliche Bevölkerung in der Vergangenheit erlebt hatte, was überwältigend dazu beitrug, die Unterstützung der Bevölkerung zu sichern.“<a style="color: #000000;" href="https://derfunke.at/22883-die-chinesische-revolution-von-1949#_edn3" name="_ednref3">[3]</a></span></p>
</blockquote>
<p><span style="color: #000000;">In jedem Dorf verteilte die VBA Land an die Bauern, aber ließ stets einige Parzellen für Chiang Kai-sheks Soldaten frei. In Gefangenschaft geratene KMT-Soldaten wurden nicht getötet oder schlecht behandelt, sondern ihnen wurde Essen gegeben und sie erhielten medizinische Versorgung. Schließlich wurden ihnen politische Vorträge gehalten, welche das korrupte und reaktionäre Regime von Chiang Kai-shek anprangerten. Die Gefangenen wurden daraufhin Heim geschickt, um den Bauern und anderen Soldaten zu berichten, dass sich die VBA für die Verteilung des Landes der Grundherren an die Bauern einsetzte.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Durch das Versprechen von Land an die Bauern konnte die VBA eine große Anzahl an Menschen für den Kampf sowie logistische Unterstützung gewinnen, was sich als höchst effiziente Methode herausstellte. Chiangs Armee hatte vermutlich die höchste Desertionsrate aller Armeen in der Geschichte. Das bedeutete, dass die VBA trotz hoher Verluste weiterkämpfen konnte, aufgrund laufend neuer Rekruten. Während der Huaihai-Kampagne alleine konnten 5.430.000 Bauern für den Kampf gegen die KMT-Kräfte mobilisiert werden. Stuart Schram betont das drastische Wachstum der VBA:</span></p>
<blockquote>
<p><span style="color: #000000;">„Während 1945 stieg die Truppenstärke unter dem Kommando der Achten Marscharmee und der Neuen Vierten Armee von etwa einer halben Million auf eine Million. Jene der KMT waren ungefähr vier Mal größer. Mitte 1947, nach einem Jahr ausgedehntem Bürgerkrieg, veränderte sich das Verhältnis von 1:4 auf 1:2.“<a style="color: #000000;" href="https://derfunke.at/22883-die-chinesische-revolution-von-1949#_edn4" name="_ednref4">[4]</a></span></p>
</blockquote>
<h2><span style="color: #000000;">Die letzte Offensive</span></h2>
<p><span style="color: #000000;">Karl Clausewitz machte die berühmte Bemerkung, dass Krieg die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln ist. Die Politik spielt in jedem Krieg eine wichtige Rolle, doch dies ist insbesondere wahr für Bürgerkriege. Obwohl die Amerikaner (wie immer) die Fiktion aufrechterhielten, es handle sich um einen Krieg zwischen „Kommunismus und Demokratie“, war ihre chinesische Marionette Chiang Kai-shek in Wirklichkeit ein brutaler Diktator. Vermutlich unter dem Druck Washingtons gab Chiang vor, demokratische Reformen umzusetzen, um Kritiker im In- und Ausland Wind aus den Segeln zu nehmen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Er kündigte eine neue Verfassung und eine Nationalversammlung an, von der die Kommunisten natürlich ausgeschlossen sein sollten. Diese „Reformen“ wurden von Mao sofort als Betrug zurückgewiesen. Die breite Bevölkerung sorgte sich vielmehr um die um sich greifende Korruption der Regierung sowie um das politische und wirtschaftliche Chaos, insbesondere die massive Hyperinflation, die zum Zusammenbruch des Lebensstandards führte. Studentische Massenproteste gegen den US-Imperialismus formierten sich im ganzen Land.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">In den Gebieten, die unter Kontrolle der Nationalarmee waren, herrschte ein Regime des Weißen Terrors. Chiang verwendete genau dieselbe Strategie, welche von den japanischen Invasoren genutzt worden war: Niederbrennen, plündern, vergewaltigen und töten. Millionen Männer und Frauen, Jung und Alt, wurden massakriert. Das brachte ihnen den verdienten Hass der Bevölkerung ein und ließ die Unterstützung der VBA erstarken.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Theoretisch hatten die Nationalisten gegenüber der VBA noch immer einen großen Vorteil. Am Papier genoss die KMT eine klare Übermacht an Truppen und Waffen. Sie kontrollierten ein viel größeres Gebiet und mehr Bevölkerungsteile als ihre Gegner und erhielten beträchtliche internationale Unterstützung von den USA und Westeuropa. Am Boden der Realität ergab sich jedoch ein anderes Bild. Die nationalistischen Kräfte litten unter einem Mangel an Moral und zügelloser Korruption, welche ihre Kampffähigkeit drastisch reduzierte. Die Unterstützung unter der Zivilbevölkerung war zusammengebrochen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Die demoralisierten und undisziplinierten nationalistischen Truppen schmolzen angesichts des unaufhaltsamen Vormarsches der VBA dahin. Sie kapitulierten oder flohen und ließen ihre Waffen zurück. Durch die Gefangennahme vieler KMT-Truppen konnte die Volksbefreiungsarmee Panzer, schwere Artillerie und anderes Kriegsmaterial für das Gefecht der verbundenen Waffen [Zusammenführung mechanisierter Truppengattungen, um einen hohen gemeinsamen Gefechtswert zu erzielen, Anm.] übernehmen, welche notwendig für die Offensiven südlich der Chinesischen Mauer waren. Die VBA konnte nicht nur schwer befestigte Städte der KMT einnehmen, sondern auch große Formationen von KMT-Kerntruppen einkreisen und zerstören, welche ein- bis mehrere hunderttausend Mann umfasste. Im April 1948 nahm sie die Stadt Luoyang ein und schnitten die KMT damit von Xi’an ab.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Die VBA konnte zur Gegenoffensive übergehen, was die KMT dazu zwang, ihren Plan einer allgemeinen Offensive aufzugeben. Indem sie vom Feind große Mengen an Waffen erlangen konnte, war die VBA fähig, ihre militärischen Möglichkeiten zu verbessern, ihre eigene Artillerie und Pioniertruppen zu entwickeln und die Taktik, schwer befestigte Ziele zu stürmen, zu meistern. Zuvor hatte sie weder Flugzeuge noch Panzer besessen, als sie jedoch Artillerie und Pioniertruppen formierte, welche jenen der KMT-Armee überlegen waren, konnten sie nicht nur einen Bewegungskrieg, sondern ebenso einen Stellungskrieg durchführen. Wie Mao selbst beschrieb:</span></p>
<blockquote>
<p><span style="color: #000000;">„Jeden Monat zerschlug [die VBA] durchschnittlich ungefähr acht Brigaden regulärer Kuomintang-Truppen.“<a style="color: #000000;" href="https://derfunke.at/22883-die-chinesische-revolution-von-1949#_edn5" name="_ednref5">[5]</a></span></p>
</blockquote>
<p><span style="color: #000000;">Die Veränderung der militärischen Situation war unglaublich. Die VBA, welche über Jahre hinweg in der Unterzahl war, gewann zwischen Juli und Dezember 1948 letztendlich die zahlenmäßige Mehrheit gegenüber der KMT-Armee. Folgende Zahlen legte Mao seinerzeit vor:</span></p>
<blockquote>
<p><span style="color: #000000;">„[I]m ersten Jahr 97 Brigaden, von denen 46 Brigaden vollkommen vernichtet wurden; im zweiten Jahr 94 Brigaden, davon 50 vollkommen vernichtet; in der ersten Hälfte des dritten Jahres waren es, nach noch unvollständigen Angaben, 147 Divisionen, davon 111 vollkommen vernichtet. In diesen sechs Monaten wurden 15 feindliche Divisionen mehr vollkommen vernichtet als insgesamt in den beiden vorangegangenen Jahren. Die strategische Front des Feindes ist vollständig zusammengebrochen. Die feindlichen Truppen im Nordosten sind restlos vernichtet worden, die in Nordchina werden bald ganz zerschlagen sein, und in Ostchina und der Zentralebene sind nur noch wenige feindliche Truppen übrig. Die nördlich des Yangtse erfolgte Vernichtung der Hauptkräfte der Kuomintang erleichtert sehr die künftige Überquerung des Yangtse durch die Volksbefreiungsarmee sowie ihren Vorstoß nach Süden zur Befreiung ganz Chinas. Gleichzeitig mit dem Sieg an der militärischen Front hat das chinesische Volk auch an der politischen und wirtschaftlichen Front enorme Siege errungen. Gerade aus diesem Grund bestreitet jetzt die öffentliche Meinung der ganzen Welt, einschließlich der gesamten imperialistischen Presse, nicht mehr im geringsten die Gewißheit, daß das chinesische Volk im Landesmaßstab den Sieg im Befreiungskrieg erringen wird.“<a style="color: #000000;" href="https://derfunke.at/22883-die-chinesische-revolution-von-1949#_edn6" name="_ednref6">[6]</a></span></p>
</blockquote>
<p><span style="color: #000000;">Es gibt keine Hinweise darauf, warum die Aussage im Kern nicht richtig sein sollten. Alle bürgerlichen Historiker akzeptieren die Faktenlage so weit, dass zu diesem Zeitpunkt Chiangs Streitkräfte sich chaotisch zurückzogen und die VBA sehr schnell an Stärke gewann.</span></p>
<h2><span style="color: #000000;">Die Eroberung Beijings</span></h2>
<p><span style="color: #000000;">Ende 1948 hatte sich das Blatt gewendet. Die VBA nahm im Norden Shenyang und Changchun ein und eroberte nach einer schwierigen Kampagne den Nordosten des Landes. Nach einer brutalen, sechsmonatigen Besetzung von Changchun, welche den Hungertod von 300.000 Zivilisten mit sich brachte, zwang sie die Elitetruppen der KMT, aufzugeben. Chiangs Pläne einer Gegenoffensive waren zerstört. Die VBA erlangte nicht nur die meisten Gebiete Nordost-Chinas wieder, sondern dehnte die Front in die von der KMT kontrollierten Landesteile nördlich der Flüsse Yangtze und Wei Shui aus. Sie eroberten Shijiazhuang, Yuncheng, Szepingkai, Luoyang, Yichuan, Baoji, Weihsien, Linfen und Kaifeng.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">1949 überschritt die Volksbefreiungsarmee den Langen Fluss und das Ende des Krieges war in Sicht. Einige sogenannte Trotzkisten leugneten weiterhin, was offensichtlich war: Max Shachtman in Amerika machte sich über Cannons Aussagen lustig, Mao würde vor Chiang kapitulieren. Shachtman meinte: „Ja, Mao wünscht sich, vor Chiang zu kapitulieren, sein Problem ist aber, dass er ihn nicht einholen kann!“. Ende 1948 war die Lage der Nationalisten aussichtslos. Chiang stand nun mit dem Rücken zur Wand und bot einen Frieden an. Nur drei Jahre zuvor hatte Chiang geprahlt, er würde die Kommunisten ausrotten. Seine Truppen folgten voller Begeisterung seiner Methode des Niederbrennens, Plünderns und Tötens. Im Angesicht der Niederlage begann er Loblieder auf den Frieden zu singen. Was für eine unerwartete Sinneswandlung!</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Hinter Chiangs Friedensstrategie stand Washington, unterstützt von den britischen und französischen Imperialisten, denen allesamt dämmerte, dass der Krieg verloren war. Nachdem sie an der Zerschlagung der VBA durch Gewalt gescheitert waren, hofften sie, durch politische Intrigen noch etwas von dem Trümmerhaufen zu retten. Doch ein solches Manöver täuschte niemanden, am wenigsten Mao Zedong.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">In den meisten Fällen gelangte das bäuerliche Umland und die Dörfer lange vor den Städten unter die Kontrolle der VBA. Dies war Teil der Strategie des „Volkskriegs”. Im Januar 1949 konnte die Volksbefreiungsarmee Beiping kampflos einnehmen, welches danach seinen alten Namen Beijing wieder bekam. Zwischen April und November fielen andere zentrale Städte, ebenfalls ohne größeren Widerstand. Am 21. April überquerten Maos Truppen den Langen Fluss und nahmen Nanjing, die Hauptstadt der KMT. In kurzer Zeit drängten sie die desorganisierten und demoralisierten Überreste der KMT-Truppen nach Südchina ab.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Am Ende zogen sich Chiang und rund zwei Millionen nationalistische Chinesen, überwiegend ehemalige Bürokraten aus der Regierung und Geschäftsleute, vom Festland auf die Insel Taiwan, damals Formosa, zurück. Chiang deklarierte Taipei zur vorübergehenden Hauptstadt Chinas. Vor der Flucht traf Chiang Vorkehrungen, um die Staatskasse um 30 Millionen US-Dollar zu erleichtern, um seine eigenen Taschen und die seiner Handlanger zu füllen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">All das gipfelte in der Ausrufung der Volksrepublik Chinas durch Mao Zedong am 1. Oktober 1949. Damit begann ein neues Kapitel der Weltgeschichte.</span></p>
<h2><span style="color: #000000;">Die Rote Armee und die Arbeiter</span></h2>
<p><span style="color: #000000;">Vor dem Krieg hatte Trotzki bereits darauf hingewiesen, dass die entscheidende Frage sei, was passieren würde, wenn die Rote Armee die Dörfer und Städte betritt. Ein wahrer Arbeiterstaat würde sich auf die Arbeiterklasse und ihre Organe zur Machtausübung stützen: die Sowjets. Er würde die Selbstorganisation der Arbeiter und tatsächliche Gewerkschaften, die frei vom Staat wären, fördern.&nbsp; Die Chinesische Revolution 1949 wurde jedoch in bonapartistischer Art und Weise von oben durchgeführt. Anstatt sich auf die Arbeiterklasse zu stützen, um den bürgerlichen Staat zu stürzen, bildeten sie eine Koalitionsregierung, welche aus verschiedenen Fraktionen der ehemaligen KMT-Regierung bestand. Weit davon entfernt, eine unabhängige Bewegung der Massen zu fördern, wurde jeglicher Ausdruck von eigenständiger Aktion seitens der Arbeiterschaft unterdrückt.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Mao begann ursprünglich mit einem Programm, das nicht über die Grenzen des Kapitalismus hinausging. An einem gewissen Zeitpunkt hatte er sogar Illusionen in ein Abkommen mit den Amerikanern, wie Stuart Schramm darstellt:</span></p>
<blockquote>
<p><span style="color: #000000;">„Der Leitartikel der ‚Liberation Daily‘ vom 4. Juli 1944 lobte überschwänglich die demokratische Tradition der USA und verglich Amerikas Kampf für Demokratie und nationale Unabhängigkeit im 18. Jahrhundert zu Chinas Kampf 20.:</span></p>
<p><span style="color: #000000;">‚Das demokratische Amerika hat bereits einen Freund, wie auch Sun Yatsen einen Erben gefunden hat, in der chinesischen kommunistischen Partei und die anderen demokratischen Kräfte. Die Arbeit, welche wir Kommunisten heute weiterführen, ist dieselbe, welche früher in Amerika von Washington, Jefferson und Lincoln geleistet wurde. Sie wird mit Sicherheit, und hat tatsächlich bereits die Zustimmung des demokratischen Amerikas erhalten.‘“<a style="color: #000000;" href="https://derfunke.at/22883-die-chinesische-revolution-von-1949#_edn7" name="_ednref7">[7]</a></span></p>
</blockquote>
<p><span style="color: #000000;">Diese Sprache ist die der bürgerlichen Demokratie und sie ergibt sich aus Maos Konzeption der Chinesischen Revolution. Mao balancierte zwischen der Bourgeoisie und den Arbeiter und Bauern, um den neuen Staat zu festigen und die Macht in seinen Händen zu konzentrieren. In der ersten Etappe setzte er alle Hebel in Bewegung, um die Arbeiterschaft daran zu hindern, an die Macht zu kommen, wobei er gegen alle Elemente einer unabhängigen Arbeiterbewegung, die im Entstehen waren, vorging. Wie bereits 1936 in Spanien, formte Mao kein Bündnis mit der Bourgeoisie, sondern mit dem Schatten der Bürgerlichen.&nbsp; Wo in Spanien jedoch zugelassen wurde, dass dieser Schatten Gestalt annahm, wurde er in China hinweggefegt. Als die Rote Armee Chinas die Städte einnahm, rief sie die Arbeiter auf, weder zu streiken noch zu demonstrieren. Folgende acht Punkte bildeten die Grundlage ihrer Propaganda:</span></p>
<blockquote>
<p><span style="color: #000000;">„1) Das Leben und das Eigentum des Volkes wird geschützt. Haltet die Ordnung aufrecht und vertraut nicht auf Gerüchte. Plünderungen und Tötungen sind strengstens verboten.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">2) Individueller Besitz des chinesischen Handels und der chinesischen Industrie wird geschützt. Private Fabriken, Banken, Lagerhäuser usw. werden nicht angegriffen und können ihren Geschäften nachgehen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">3) Das bürokratische Kapital, einschließlich Fabriken, Geschäften, Banken, Lagerhäuser, die Bahn, die Post, Telefon und Fernmeldeämter, Kraftwerke usw. werden von der Befreiungsarmee übernommen, wobei die Beteiligungen der privaten Aktionäre respektiert wird. Arbeitende in diesen Organisationen sollen weiterarbeiten und auf die Übernahme warten. Belohnt werden jene, die Eigentum und Dokumente schützen, andere, die streiken oder Sachbeschädigungen durchführen, werden bestraft. Diejenigen, die weiterarbeiten wollen, bleiben angestellt.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">4) Schulen, Krankenhäuser und öffentliche Institutionen werden bewacht. Studierende, Lehrende und alle Arbeiter sollen ihre Aufzeichnungen und Dokumente bewahren. Jedem, der arbeiten kann, wird Arbeit gegeben.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">5) Ausgenommen von ein paar wenigen hochrangigen Kriegsverbrechern und allgemein bekannten Reaktionären werden alle KMT-Beamten, Polizei und <em>Pao-Chia</em> Arbeiter der Provinz-, Kommunal- und Kreisregierung begnadigt, wenn sie keinen bewaffneten Widerstand leisten. Sie sollen ihre Aufzeichnungen bewahren. Jeder, der arbeiten kann, soll arbeiten.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">6) Sobald eine Stadt befreit wurde, sollen sich zurückgebliebene feindliche Soldaten sofort beim neuen Truppenstandort, der Polizei oder den Armeebehörden melden. Jeder, der seine Waffe übergibt, geht straffrei aus. Jene, die sich verstecken, werden bestraft.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">7) Das Leben und der Besitz aller Ausländer wird gesichert. Sie müssen sich an die Gesetze der Befreiungsarmee und der demokratischen Regierung halten. Weder Spionage noch illegale Handlungen werden erlaubt. Kriegsverbrecher dürfen nicht beherbergt werden. Diese werden sich für ihre Vergehen vor Militär- oder Zivilgerichten verantworten.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">8) Das Volk soll generell öffentliches Eigentum verteidigen und die öffentliche Ordnung aufrechterhalten.“<a style="color: #000000;" href="https://derfunke.at/22883-die-chinesische-revolution-von-1949#_edn8" name="_ednref8">[8]</a></span></p>
</blockquote>
<p><span style="color: #000000;">Die chinesischen Stalinisten verwandelten die Gewerkschaften, dem Vorbild des stalinistischen Russlands folgend, in „eine Schule der Produktion, welche die produktiven und positiven Eigenschaften des Proletariats fördert“. Sie schafften das Streikrecht ab und führten verpflichtende Schiedsgerichtsverfahren ein. Jegliche Streiks und ähnliche Aktionen, welche die Verteidigung der Interessen der Arbeiter zum Ziel hatten, wurden als „linkes Abenteurertum“ verurteilt.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Zu Beginn ließen sie die privaten Unternehmen der Kapitalisten gewähren. Nur ehemaliges Eigentum des sogenannten „bürokratischen Kapitals” wurde verstaatlicht. In diesen Unternehmen wurde die Leitung allerdings durch Kontrollkomitees ausgeübt, in welchen der Manager der Fabrik jeweils Präsident war. Im Übrigen bestanden sie aus Vertretern ehemaliger Besitzer, Vertretern der Vorarbeiter und Vertretern der Arbeiter. Arbeiter hatten lediglich beratende Rechte, der Manager behielt das letzte Wort bezüglich aller Entscheidungen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Mao hatte ursprünglich die Perspektive von 50 oder 100 Jahren kapitalistischer Entwicklung. Er bestand darauf, nur das „bürokratische Kapital“ zu enteignen. Einmal an die Macht gekommen, wurde Mao sich sehr bald bewusst, dass die verrottete, korrupte chinesische Bourgeoisie unfähig war, irgendeine progressive Rolle zu spielen. Er stützte sich daher auf die Arbeiterklasse und ging dazu über, die Banken und jegliche Großindustrie zu verstaatlichen und Grundbesitzer und Kapitalisten zu enteignen. Dies war nicht so schwierig zu bewerkstelligen.&nbsp; Wie Trotzki anmerkte: Um einen Löwen zu töten, braucht es ein Gewehr, doch für eine Fliege reicht ein Fingernagel.</span></p>
<h2><span style="color: #000000;">Der Schatten der Bourgeoisie</span></h2>
<p><span style="color: #000000;">Maos ursprüngliche Idee war es, eine Koalitionsregierung mit Repräsentanten der Arbeiter, Bauern, Intellektuellen, der nationalen Bourgeoisie und sogar fortschrittlichen Grundbesitzern zu bilden. Allerdings gab es ein kleines Problem. Die Bourgeoisie war mit Chiang Kai-shek nach Formosa (Taiwan) geflohen. Rein formal handelte es sich um eine Volksfront-Regierung. Es bestand jedoch ein grundlegender Unterschied zwischen seiner Regierung und der Volksfront in Spanien 1936.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Die einzige bewaffnete Kraft in China war die VBA, die Bauernarmee unter der Kontrolle der chinesischen Stalinisten. Lenin erklärte, dass der Staat in letzter Instanz eine besondere Formation bewaffneter Menschen ist. Die KPCh zählte im Jahr 1949 rund 4,5 Millionen Mitglieder, wovon 90% Bauern waren. Mao war der Parteivorsitzende und hielt die tatsächlichen Fäden der Macht in seinen Händen, obwohl die Regierung formell von seiner rechten Hand Zhou Enlai geführt wurde. Armee, Polizei und Geheimpolizei waren allesamt in ihren Händen, mit anderen Worten, sie hatten die Staatsmacht inne. Das war ihre echte Machtbasis und das entscheidende Element der Situation.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Theoretisch handelte es sich bei der Regierung der Volksrepublik um eine Koalition von mehreren Parteien. Alle Parteien, außer der KPCh, waren jedoch irrelevante Sekten, von denen manche gerade mal auf dem Papier existierten. Am 1. Mai gab die KPCh einen umfassenden Aufruf für eine breite Einheitsfront gegen die Nationalisten heraus:</span></p>
<blockquote>
<p><span style="color: #000000;">„Arbeitende Menschen im gesamten Land, vereinigt euch; Verbündet euch mit der Intelligenz, der liberalen Bourgeoisie, allen demokratischen Parteien und Gruppen, gesellschaftlichen Berühmtheiten und anderen patriotischen Elementen. Festigt und weitet die Einheitsfront gegen imperialistische, feudalistische und bürokratisch kapitalistische Kräfte aus; kämpft zusammen, um die Kuomintang-Reaktionäre zu zerstören und ein neues China aufzubauen. Alle demokratisch Parteien und Gruppen, Volksorganisationen und gesellschaftliche Berühmtheiten, versammelt euch unverzüglich in einer politischen Konferenz, diskutiert und setzt die Einberufung einer Volksvertreterversammlung um, damit eine demokratische Koalitionsregierung gebildet werden kann!“<a style="color: #000000;" href="https://derfunke.at/22883-die-chinesische-revolution-von-1949#_edn9" name="_ednref9">[9]</a></span></p>
</blockquote>
<p><span style="color: #000000;">Was war die Antwort? Eine kleine Gruppe chinesischer Polit-Exilanten, die freiwillig auf die Insel Hongkong geflohen waren, folgten dem Aufruf. Ihr Telegramm an Mao Zedong am 5. Mai erklärte aufgeblasen: „Wir drücken hiermit unsere Unterstützung für euren Aufruf aus und folgen eurem Apell. Wir hoffen durch dessen Verwirklichung unsere nationale Renaissance einzuläuten.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Das Telegramm war von den Führern des „revolutionären Komitees der KMT (RKK)”, der demokratischen Liga, der demokratischen Partei der Bauern und Arbeiter, National Salvation Society (NSS), Chinesische Vereinigung zur Förderung der Demokratie, der San Min Chu I Genossen-Verbindung, der demokratischen Promotionsgesellschaft der KMT und der Chih Kung Partei unterzeichnet worden.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Doak Barnett merkt an:</span></p>
<blockquote>
<p><span style="color: #000000;">„Ein großer Teil dieser Personen waren einst respektierte Mitglieder der KMT und viele hatten ranghohe Positionen. Aus persönlichen oder ideologischen Gründen sind sie nun jedoch Dissidenten.“<a style="color: #000000;" href="https://derfunke.at/22883-die-chinesische-revolution-von-1949#_edn10" name="_ednref10">[10]</a></span></p>
</blockquote>
<p><span style="color: #000000;">So schloss die mächtige kommunistische Partei Chinas, nicht mit der chinesischen Bourgeoisie, sondern mit ihrem Schatten ein Bündnis. Diese „Parteien” waren lediglich Splittergruppen im Exil in Hongkong. Durch die gütige Erlaubnis der Stalinisten wurden die Namen dieser Führer aus der Vergessenheit zu neuer Berühmtheit gebracht. Dieser Schritt führte zu lebhaften Spekulationen. Es gab sogar ein Gerücht, nach welchem die Führer der RKK, Li Chisheng und Feng Yuxiang (vor seinem Tod), politische und militärische Spitzenposten erhalten sollten und die kommunistischen Führer, Mao Zedong und Zhu De, so auf den zweiten Platz verdrängen sollten!</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Diese fantasiereichen Gerüchte hatten natürlich keine reale Basis. Mao hatte die Macht erobert und diese kam, um ihn selbst zu zitieren: „aus den Gewehrläufen”. Er war keinesfalls kurz davor, die Macht an die nationale Bourgeoisie abzugeben, und schon gar nicht an Männer, die Niemanden repräsentierten, außer sich selbst.</span></p>
<blockquote>
<p><span style="color: #000000;">„Zurzeit treffen sich Repräsentanten der Hongkonger Gruppen mit den Kommunisten in Harbin und helfen, die von den Kommunisten finanzierte politische Konsultativkonferenz (PKK) zu planen, die für nächstes Jahr geplant ist ‚wahrscheinlich in Beijing, wenn es die militärische Situation erlaubt‘, hatte mir Li Chisheng kürzlich erzählt, um die ‚Versammlung der Volksvertreter zur Errichtung einer demokratischen Koalitionsregierung‘ vorzubereiten. Der prominenteste Vertreter ist General Cai Tingkai (KRR), Shen Chunyu und Chang Bochun (Führungspersonen der demokratischen Partei der Bauern und Arbeiterpartei, National Salvation Society , aber beide vertraten die Demokratische Liga Harbins). Ein breites Spektrum pro-kommunistische ‚Berühmtheiten‘, einschließlich Madame Feng Yuxiang, sind im Laufe dieser Versammlungen in Harbin zusammengekommen, und noch mehr Vertreter der Hongkonger Gruppen sind nun am Weg, wahrscheinlich via Schiff über Nordkorea.“<a style="color: #000000;" href="https://derfunke.at/22883-die-chinesische-revolution-von-1949#_edn11" name="_ednref11">[11]</a></span></p>
</blockquote>
<p><span style="color: #000000;">Die wahre Situation wurde von A. Doak Barnett sehr gut beschrieben, der amerikanische Journalist, der zu jener Zeit in China war:</span></p>
<blockquote>
<p><span style="color: #000000;">„Bevor ich jetzt jede dieser Gruppen, die zurzeit in Hongkong tätig sind, einzeln beschreibe, können einige Verallgemeinerungen über sie gemacht werden, da sie viele Ähnlichkeiten aufweisen. Vorneweg ist keine von ihnen zum jetzigen Zeitpunkt eine politische Partei, obwohl mehrere darauf hoffen, eine zu werden. Es handelt sich lediglich um kleine politische Gruppen, jede mit wenigen hunderten bis zu wenigen tausenden Mitgliedern. Nicht eine von ihnen hat eine Massenbasis oder eine starke politische Organisation. Weiters besitzen sie keine Armeen, was eine Voraussetzung für politische Macht in China in den letzten Jahrzehnten ist. Zusammenfassend haben sie keine der offensichtlichen Voraussetzungen für erfolgreiche unabhängige Aktionen, um im vorherrschenden rauen und unberechenbaren Klima zeitgenössischer, chinesischer Politik. Sie spielen merklich keine Rolle im Kampf um die Macht.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Alle Hongkonger Gruppen nennen sich ‚liberal‘ und oft werden sie einfach als chinesische demokratische Gruppen bezeichnet. Zweifellos können sich einige von ihnen mit Recht als liberal beschreiben (obwohl dieses Wort schwer zu definieren ist), aber andere sind sicherlich politische Opportunisten. Was einige ihrer höchsten Führungsfiguren betrifft, ist es schwer, grundlegende Differenzen auszumachen, in denen sie sich von Führern der Zentralregierung unterscheiden, außer, dass sie nun auf der anderen Seite der Barrikade im Bürgerkrieg stehen.“<a style="color: #000000;" href="https://derfunke.at/22883-die-chinesische-revolution-von-1949#_edn12" name="_ednref12">[12]</a></span></p>
</blockquote>
<h2><span style="color: #000000;">Der neue Staat</span></h2>
<p><span style="color: #000000;">Unter Mao festigte sich ein neuer Staat, der nicht direkter Ausdruck der Arbeiterklasse war, sondern in dem er zwischen den Klassen balancierte. Durch diesen Staat enteignete er Grundherren und Kapitalisten. Obwohl dies in verzerrter Form geschah, war die Etablierung einer verstaatlichten Planwirtschaft progressiv und ein enormer Schritt vorwärts für China. Allerdings handelte es sich dabei um keine proletarische Revolution im Sinne von Marx und Lenin. Die chinesischen Stalinisten handelten im Namen des Proletariats und verwirklichten die grundlegenden, ökonomischen Aufgaben der sozialistischen Revolution. Doch die Arbeiterklasse blieb während des Verlaufs des Bürgerkriegs passiv und spielte keine unabhängige Rolle in dem gesamten Prozess. Die Folge davon war, dass die Revolution in bonapartistischer Manier von oben durchgeführt wurde, ohne die Beteiligung und demokratische Kontrolle der Arbeiter. Die Bürokratie entwickelte eine totalitäre Ein-Parteien-Diktatur nach dem Vorbild von Stalins Russland. Berücksichtigt man wie die Revolution durchgeführt wurde und die Existenz eines mächtigen, stalinistischen Regimes an Chinas Grenze, so war das Resultat absolut vorhersehbar.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Mao nutzte die Bauernarmee als Rammbock, um den alten Staat zu zerschlagen. Die Bauernschaft ist jedoch eine Klasse, die am wenigsten dazu fähig ist, ein sozialistisches Bewusstsein zu erlangen. Natürlich muss die Bauernschaft eine wichtige Rolle in den unterentwickelten Kolonialen und halb-kolonialen Ländern spielen. Aber dies kann nur eine unterstützende Rolle sein, die der revolutionären Bewegung der Arbeiter in den Städten untergeordnet ist. Wir sollten uns daran erinnern, dass bis zur russischen Revolution selbst Lenin die Möglichkeit „des Siegs der proletarischen Revolution in einem rückständigen Land“ ausschloss. Allein Trotzki hatte vor der Revolution die Perspektive aufgestellt, dass die russische Arbeiterklasse vor dem Proletariat Westeuropas an die Macht kommen könnte. 1917 trat genau das auch ein. Die bolschewistische Partei unter der Führung von Lenin und Trotzki brachte die Arbeiter in Russland an die Macht. Das Land war, wie China 1949, extrem rückständig und halb-feudal. Die russische Arbeiterklasse war nur eine kleine Minderheit der Gesellschaft, in der die Mehrheit aus Bauern bestand. Sie stellt sich dennoch an die Spitze der Gesellschaft und führte eine klassische sozialistische Revolution im Oktober 1917 durch. Unter Lenin und Trotzki verwirklicht das Proletariat sofort die Aufgaben der bürgerlich-demokratischen Revolution, enteignete in weiterer Folge die Kapitalisten und errichtete eine Arbeiterdemokratie. Es wäre möglich gewesen, dass sich die Chinesische Revolution in der gleichen Weise vollzogen hätte wie die Oktoberrevolution in Russland. Was in China fehlte, war der subjektive Faktor: die bolschewistische Partei von Lenin und Trotzki.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Das etablierte Regime in China stellt eine Abweichung von der klassischen Regel dar. Doch im echten Leben vollziehen sich Prozesse nicht immer nach idealen Regeln. Eine breite Palette von Verzerrungen und Besonderheiten sind möglich. Ted Grant war der einzige marxistische Theoretiker, der die Rolle des proletarischen Bonapartismus als eine spezifische Variante von Trotzkis Theorie der permanenten Revolution erklärte. Als Mao weiterhin an der Perspektive einer langen Periode des Kapitalismus festhielt, erklärte Ted die Unvermeidbarkeit von Maos Sieg sowie die der Errichtung eines deformierten Arbeiterstaats. Er sah ebenso den Konflikt der chinesischen Bürokratie mit Moskau vorher. (siehe: <a style="color: #000000;" href="http://www.tedgrant.org/archive/grant/1949/james.htm">Antwort an David James</a>).</span></p>
<h2><span style="color: #000000;">Ein gigantischer Schritt vorwärts</span></h2>
<p><span style="color: #000000;">Die Chinesische Revolution war ein gigantischer Schritt nach vorne. Wäre sie gescheitert, wäre das Land sicherlich in ein halb-koloniales Land unter Herrschaft des US-Imperialismus, verwaltet durch den Diktator Chiang Kai-shek, verwandelt worden. Stattdessen emanzipierte sich das chinesische Volk 1949 erstmals von jeglicher Fremdherrschaft. Die Revolution war ein schwerer Schlag für den Imperialismus weltweit. Sie gab den Revolten der versklavten kolonialen Bevölkerung einen mächtigen Antrieb. Das allein war Grund genug, sie zu begrüßen und zu unterstützen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Doch das ist noch nicht alles: Die Revolution endete mit dem Sturz der Großgrundbesitzer und der Kapitalisten. Der Sturz der Grundbesitzer befreite China vom Joch halb-feudaler Produktionsbeziehungen. Ebenso verlieh die Abschaffung des Privateigentums an Industrie und die Einführung des Staatsmonopols im Außenhandel der Entwicklung der chinesischen Industrie einen mächtigen Antrieb. Die Verstaatlichung an Produktionsmitteln ist jedoch noch nicht Sozialismus, obwohl sie eine Voraussetzung dafür darstellt.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Die Entwicklung in Richtung Sozialismus erfordert die Kontrolle, Führung und Teilnahme des Proletariats. Die unkontrollierte Herrschaft einer privilegierten Elite verträgt sich nicht mit wahrem Sozialismus. Sie wird alle möglichen neuen Widersprüche hervorbringen. Bürokratische Kontrolle bringt Korruption, Vetternwirtschaft, Verschwendung, Missmanagement und Chaos mit sich, welche schließlich die Vorteile einer staatlichen Planwirtschaft untergraben. Die Erfahrung von Russland als auch China beweist dies.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Der wahre Grund für die spezifischen Varianten und Deformationen der Revolution in ex-kolonialen Ländern während einer ganzen Periode war die Verzögerung der sozialistischen Revolution in den fortschrittlichen kapitalistischen Ländern. Aber das Blatt wendet sich. All die objektiven Bedingungen für eine sozialistische Revolution reifen nun weltweit heran. Lediglich die Schwäche der Kräfte des wirklichen Marxismus hat zur Folge, dass der Prozess in die Länge gezogen wird.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Ohne die Chinesische Revolution 1949 wäre China nicht fähig gewesen, die gewaltige, bisherige Entwicklung durchzumachen. Die Arbeiter der Welt können als Beweis für das Potential einer staatlichen Planwirtschaft auf die riesigen Fortschritte verweisen, die China nach der Revolution gemacht hat. Heutzutage ist es Mode geworden, Verstaatlichung und Planwirtschaft zu belächeln. Argumente der angeblichen Überlegenheit der sogenannten Marktwirtschaft entpuppen sich aber als vollkommen haltlos seit der Wirtschaftskrise 2008, der tiefsten Krise des Weltkapitalismus seit 1929.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Die Errungenschaften der staatlichen Planwirtschaft waren die Basis für den Aufstieg Chinas zu einer mächtigen Industrienation. Ein Vergleich zwischen China und Indien reicht aus, um den Unterschied zu erkennen. Beide befanden sich in den späten 1940er Jahren auf einem ähnlichen Niveau, aber China entwickelte sich in einem viel höheren Tempo.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">60 Jahre nach dem Sturz des Kapitalismus‘ und der Großgrundbesitzer in China hat die führende Schicht den <a style="color: #000000;" href="https://derfunke.at/geschichte/stalinismus/11260-chinas-langer-marsch-zum-kapitalismus">Weg zurück zum Kapitalismus genommen</a>. Diese Möglichkeit war in einer Situation, in welcher die Bürokratie sich selbst über die Gesellschaft erhob, angelegt. Was als Maßnahmen zur Anregung des Wirtschaftswachstums innerhalb der Planwirtschaft begann, führte zur Aneignung von kapitalistischen Methoden durch die Bürokratie. Trotz hoher Wachstumszahlen dient die aufgezwungene „Marktwirtschaft“ aber nicht den Interessen der Arbeiter und der Bauernschaft. Sie schafft neue, furchtbare Widersprüche in Städten und Dörfern, die an einem gewissen Punkt zu einem neuen, revolutionären Aufschwung führen müssen.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Auf Grundlage von Erfahrungen werden die chinesischen Arbeiter, Bauern, Studenten und Intellektuelle die großartigen, revolutionären Traditionen der Vergangenheit wiederentdecken. Die neue Generation wird die Ideen von Marx, Engels, Lenin, Trotzki und Chen Duxiu, dem Gründer des chinesischen Kommunismus und sein wahrer Erbe, ergreifen und sich zu eigen machen. Napoleon sagte einst über China: „Wenn dieser Gigant erwacht, wird die Welt erzittern!“. Wir lassen diese Worte widerhallen mit dem Zusatz: Der Riese, der dazu bestimmt ist, die Welt zu erschüttern, ist niemand anderer als das mächtige, chinesische Proletariat. Wir blicken seinem Erwachen mit Vorfreude entgegen.</span></p>
<hr>
<p><span style="color: #000000;"><a style="color: #000000;" href="https://derfunke.at/22883-die-chinesische-revolution-von-1949#_ednref1" name="_edn1">[1]</a> Edward E. Rice (1972): Mao’s Way, S.114, eigene Übersetzung, eigene Hervorhebung.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"><a style="color: #000000;" href="https://derfunke.at/22883-die-chinesische-revolution-von-1949#_ednref2" name="_edn2">[2]</a> Stuart Schram (1974): Mao Tse-Tung, S.239, eigene Übersetzung.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"><a style="color: #000000;" href="https://derfunke.at/22883-die-chinesische-revolution-von-1949#_ednref3" name="_edn3">[3]</a> Ebenda, S.242, eigene Übersetzung.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"><a style="color: #000000;" href="https://derfunke.at/22883-die-chinesische-revolution-von-1949#_ednref4" name="_edn4">[4]</a> Ebenda, 242, eigene Übersetzung.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"><a style="color: #000000;" href="https://derfunke.at/22883-die-chinesische-revolution-von-1949#_ednref5" name="_edn5">[5]</a> Mao Zedong (1945/1969): Ausgewählte Werke, Band 4, Verlag für fremdsprachige Literatur, Peking, S.320.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"><a style="color: #000000;" href="https://derfunke.at/22883-die-chinesische-revolution-von-1949#_ednref6" name="_edn6">[6]</a> Ebenda, S321f.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"><a style="color: #000000;" href="https://derfunke.at/22883-die-chinesische-revolution-von-1949#_ednref7" name="_edn7">[7]</a> Mao Zedong, zit. nach Stuart Schram (1974), S.225f.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"><a style="color: #000000;" href="https://derfunke.at/22883-die-chinesische-revolution-von-1949#_ednref8" name="_edn8">[8]</a> A. Doak Barnett, China on the Eve of Communist takeover, S. 327f, eigene Übersetzung.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"><a style="color: #000000;" href="https://derfunke.at/22883-die-chinesische-revolution-von-1949#_ednref9" name="_edn9">[9]</a> Groot, G. The CCP and United Front Work, 2004, Routledge, p48.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"><a style="color: #000000;" href="https://derfunke.at/22883-die-chinesische-revolution-von-1949#_ednref10" name="_edn10">[10]</a> A. Doak Barnett, China on the Eve of Communist takeover, S. 85-86, eigene Übersetzung.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"><a style="color: #000000;" href="https://derfunke.at/22883-die-chinesische-revolution-von-1949#_ednref11" name="_edn11">[11]</a> Ebenda S. 83-84, eigene Übersetzung.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"><a style="color: #000000;" href="https://derfunke.at/22883-die-chinesische-revolution-von-1949#_ednref12" name="_edn12">[12]</a> Ebenda, S. 85; eigene Übersetzung, eigene Hervorhebung.</span></p>								</div>
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		<title>Die zunehmenden Risse in der Weltordnung und die Aufgaben der Kommunisten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hamid Alizadeh und Ben Curry]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 07 Jul 2023 10:40:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
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		<category><![CDATA[Imperialismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Krise des Kapitalismus ist auch die Krise der Weltordnung nach dem Zerfall der UdSSR, die sich auf die Vorherrschaft des US-Imperialismus stützte. Mit dem Aufstieg Chinas zur Weltmacht, Russlands [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Die Krise des Kapitalismus ist auch die Krise der Weltordnung nach dem Zerfall der UdSSR, die sich auf die Vorherrschaft des US-Imperialismus stützte. Mit dem Aufstieg Chinas zur Weltmacht, Russlands international zunehmend trotziger Haltung und der Unfähigkeit der USA, militärisch in einem großen Maßstab einzugreifen, wiegt der Schlagstock des Weltpolizisten nicht mehr so schwer und fordert auch nicht mehr dieselbe Fügsamkeit ein, wie er es einst tat. Dies hat erhebliche Auswirkungen auf die Machtverhältnisse auf der Weltbühne.</p>



<p>Im Irak, in Afghanistan und in Syrien, wurden die USA besiegt. In Libyen wurden sie überlistet. Gleichzeitig sind zweitrangige Mächte, viele von ihnen lange Verbündete der USA, zunehmend von den Wünschen Washingtons abgewichen.</p>



<p>Im Ukrainekrieg sahen die Amerikaner eine Möglichkeit, Russland, den mächtigsten Verbündeten ihres Hauptrivalen Chinas, zu schwächen. Aber jemand, der im Treibsand steckt, sollte sich nicht bewegen, sagt man. Anstatt das Ansehen des US-Imperialismus wiederherzustellen, hat der Krieg die Widersprüche der Weltordnung verschärft und die amerikanische Autorität noch weiter untergraben.</p>



<p>All dies kündigt ein neues Zeitalter zunehmender Instabilität und Konflikte zwischen Staaten an. Für Kommunisten unterstreicht dies die Sackgasse des Kapitalismus und die Notwendigkeit eines entschiedenen, klassenbasierten und internationalen Kampfes für den Sozialismus.&nbsp;<br></p>



<h3 class="wp-block-heading">Der Ukrainekrieg – Öl in die Flammen gießen</h3>



<p>Seit Ausbruch des Stellvertreterkrieges zwischen dem US-Imperialismus und Russland in der Ukraine hat die Propagandamaschine der westlichen Medien versucht, folgendes Bild zu malen: Auf der einen Seite steht Russland ausgestoßen, isoliert und allein. Auf der anderen Seite steht die ganze Welt, mit den USA an ihrer Spitze, vereint in der Verdammung des Tyrannen im Kremlin.</p>



<p>Aber wenn wir die Oberfläche dieser sorgfältig gepflegten Darstellung ankratzen, stoßen wir schnell auf ein völlig anderes Bild. Die Ziele der Vereinigten Staaten im Ukrainekrieg bestanden darin, ihren russischen Rivalen mit einem Schlag zu isolieren und zu schwächen, und gleichzeitig die Beziehungen zwischen Russland und Europa zu schwächen, um dadurch ihren Einfluss auf Europa zu verstärken. „Ziehen wir Russland in den Schlamassel“, verkündeten westliche Politiker einander triumphal.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Putins Russland ist nicht unser Freund und es ist Chinas mächtigster Verbündeter“, schrieb der ehemalige republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney kürzlich. „Die Ukraine zu unterstützen, schwächt einen Widersacher, stärkt unsere nationale Sicherheit und benötigt kein vergießen amerikanischen Blutes.“</p>
</blockquote>



<p>Mit dieser Einstellung hat der Westen, angeführt von den USA, gewaltige Mengen an Waffen in die Ukraine geliefert und ihr eine Fülle direkter militärischer, wirtschaftlicher und geheimdienstlicher Hilfe zur Verfügung gestellt. Gleichzeitig haben sie eine Reihe von Sanktionen gegen Russland verhängt: die strengsten, die je seit dem zweiten Weltkrieg gegen ein Land verhängt worden waren.</p>



<p>Russland wurde seitdem von westlichen Investitionen abgeschnitten, der Zugang zu fortschrittlicheren Technologien verweigert und vom elektronischen Banksystem SWIFT ausgeschlossen. 400 Milliarden Dollar an zentralen Vermögenswerten wurden eingefroren und eine Kampagne wurde durchgeführt, um den Gasstrom nach Europa abzuschneiden.</p>



<p>Aber wie wir sehen, geht diese Politik nun nach hinten los und die herrschende Klasse der USA muss jetzt gegen ihren eigenen Schlamassel ankommen. In einem Interview mit Bloomberg, sagte der ehemalige US-Finanzminister Larry Summers folgendes:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Es gibt eine wachsende Akzeptanz der Zersplitterung und – vielleicht noch beunruhigender – gibt es eine aufkommende Ansicht, dass unserer vielleicht nicht der beste Splitter ist, mit dem man in Verbindung gebracht werden sollte. Wir sind auf der richtigen Seite der Geschichte – mit unserer Verpflichtung an die Demokratie, mit unserem Widerstand gegen die russische Aggression, aber es schaut ein wenig einsam auf der richtigen Seite der Geschichte aus, denn jene, die viel weniger auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen scheinen, schließen sich zunehmend in einer ganzen Reihe von Strukturen zusammen.“</p>
</blockquote>



<p>Wenn man über die heuchlerische Phrasendrescherei über die „richtige Seite der Geschichte“ hinausblickt, finden wir in der obigen Aussage eine bedrohliche Warnung eines ernsthaften bürgerlichen Strategen.</p>



<p>Während die Zerreibungen auf dem Schlachtfeld bisher noch keinen klaren Wendepunkt an eine der Seiten gebracht haben, entspricht die politische Realität der Weltbühne nicht den Kriegszielen des US-Imperialismus.</p>



<p>Es ist offensichtlich, dass abgesehen vom Westen und Japan, ein großer Teil, wenn nicht die Mehrheit, der herrschenden Klassen der verschiedenen Staaten weltweit, kein Interesse daran haben, in den Ukrainekonflikt auf der Seite des Westens hineingezogen zu werden.</p>



<p>Vielmehr als nur Russland zu isolieren haben die Handlungen der USA in Wahrheit die bestehenden Spannungen in Weltbeziehungen verschärft, die Beschränkungen der US-Macht unterstrichen und damit seine Autorität geschwächt.&nbsp;<br></p>



<h3 class="wp-block-heading">Sanktionen gehen nach hinten los</h3>



<p>Ein kürzlich im britischen rechten Magazin&nbsp;The Spectator&nbsp;veröffentlichten Artikel, wurde folgendes gesagt:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Der Westen hat seinen Sanktionskrieg mit einer Selbstüberschätzung seines weltweiten Einflusses begonnen. Wie wir feststellen konnten, mangelt es den nicht-westlichen Ländern am Willen, Sanktionen auf entweder Russland oder russische Oligarchen zu verhängen. Das Ergebnis dieser Fehleinschätzung sehen wir alle.</p>



<p>Im April des letzten Jahres, prognostizierte das IMF, dass die russische Wirtschaft im Jahr 2022 um 8,5 Prozent schrumpfen würde und weitere 2,3 Prozent in diesem Jahr. Wie sich herausstellte ist das BIP nur um 2,1 Prozent im letzten Jahr gefallen, während das IMF für dieses Jahr einen kleinen Zuwachs von 0,7 Prozent prognostiziert. All das, obwohl der Krieg in der Ukraine viel schlechter verläuft als es sich viele im Februar letzten Jahres vorgestellt hatten.</p>



<p>Die russische Wirtschaft wurde nicht zerstört; sie wurde lediglich neu konfiguriert und neu ausgerichtet, um, statt nach Westen nach Osten und Süden zu blicken.“</p>
</blockquote>



<p>Während es stimmt, dass einige Sektoren der russischen Wirtschaft getroffen wurden und dass sie an Engpässen spezieller Komponenten leidet, haben die Sanktionen nicht erreicht, was der Westen damit beabsichtigt hatte: Sie zu verstümmeln, bis die Weiterführung des Krieges in der Ukraine hinfällig wäre.</p>



<p>Steigende Preise für Kohlenwasserstoffexporte, Großteils umgeleitet über Indien oder China, haben die russische Wirtschaft über Wasser gehalten. Und Russland konnte Zugang zu fortgeschrittenen Technologien über Drittstaaten wie China, die Türkei und die Golfstaaten gewinnen.&nbsp;</p>



<p>Der kürzliche Besuch des chinesischen Premierministers Xi Jinping in Moskau war eine hochkarätige Unterstützungserklärung an Putin und ein offener Trotz entgegen den Versuchen des US-Imperialismus, ihn zu isolieren. Die von den Medien geschürten Bilder der russischen Isolation platzten wie Seifenblasen. Der Handel zwischen den beiden Ländern ist im letzten Jahr um 40 Prozent angestiegen. Es ist klar, dass sich Russland ohne die Unterstützung aus Peking bei der Fortführung seiner Militärkampagne in der Ukraine sicherlich sehr schwergetan hätte.</p>



<p>China hat Russland bisher nicht mit Waffen für den Einsatz in der Ukraine beliefert, zumindest nicht öffentlich bekannt. Aber es hat Europa als größten Importeur von Rohöl überholt. Vielmehr ist es zu einem wichtigen Mittel für Russland geworden, Sanktionen beim Import wichtiger Güter, wie integrierte Schaltkreise, zu umgehen.</p>



<p>Anstatt Russland zu isolieren und es dem US-Imperialismus zu ermöglichen, sich auf seinen hauptsächlichen Rivalen zu konzentrieren, haben Washingtons Handlungen Russland in die Arme des KPCh-Regimes gedrängt: Ein Bündnis, das für die Amerikaner bereits ein zunehmendes Problem darstellt.&nbsp;<br></p>



<h3 class="wp-block-heading">Unbehagen vom Rest der Welt&nbsp;</h3>



<p>Darüber hinaus sieht es nicht viel besser aus für die USA.</p>



<p>Bereits im Oktober verurteilte die UN die russischen Annexionsreferenden in den von Russland kontrollierten Regionen in der Ukraine mit 143 zu fünf Stimmen. Dieses Ergebnis wurde vom Westen herumposaunt, um zu sagen: „Seht ihr? Schaut doch wie Russland auf der Weltbühne dasteht. Es ist ganz allein.“</p>



<p>Aber selbst das&nbsp;Time&nbsp;Magazin musste zugeben, dass die UN-Abstimmung in Wahrheit zeigte, dass „Russland nicht so isoliert ist, wie es der Westen gerne hätte“, da die 35 Länder, unter anderem China und Indien, die sich der Stimme enthielten, beinah die Hälfte der Weltbevölkerung repräsentieren. Trotz der großen Zahl an Enthaltungen ist das Problem bei dieser UN-Resolution, dass sie nur aus Worten bestehen. Aber in der Politik zählen Taten, und Taten allein.</p>



<p>Wenn wir die Taten betrachten, stoßen wir auf eine vollkommen andere Geschichte.</p>



<p>Ein interessanter Artikel im&nbsp;Economist &#8211;&nbsp;betitelt „Wie man die Spaltung von Supermächten überlebt“ – fand heraus, dass nur 52 Länder (beschrieben als „der Westen und seine Freunde“) bereit sind „Russlands Handlungen zu kritisieren und&nbsp;zu bestrafen“ (unsere Hervorhebung). Gleichzeitig haben es 127 Staaten versäumt, sich auf die eine oder andere Weise klar zu positionieren und helfen effektiv damit Russland, die Auswirkungen der Sanktionen zu minimieren.</p>



<p>Die Türkei, ein Schlüsselmitglied der NATO, hat eine besonders ausschlaggebende Rolle gespielt, Russland beim Umgehen der Sanktionen zu helfen.</p>



<p>Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan bejubelte die „besondere Beziehung“ zu Russland und weigerte sich, Moskau die westlichen Sanktionen aufzuerlegen. In den ersten sechs Monaten nach Beginn der russischen Invasion, stiegen türkische Exporte nach Russland um 45 Prozent und Importe stiegen um 125 Prozent.</p>



<p>Saudi-Arabien, ein weiterer traditioneller Verbündeter der USA, widersetzte sich ebenfalls den westlichen Imperialisten, indem es ein Abkommen mit Russland schloss, die Ölproduktion um fünf Prozent zu reduzieren, um die Öl- und Gaspreise inmitten eines globalen Abschwungs hoch zu halten. Washingtons Empörung über diesen Zug wurde von Riyad mit kaum mehr als einem Achselzucken beachtet.</p>



<p>Israel hat ebenfalls eine mehr oder weniger neutrale Haltung zum Ukrainekrieg eingenommen, obwohl es die Hauptstütze des US-Imperialismus im Nahen Ost ist, und weigerte sich, Waffen an die Ukraine zu liefern oder Sanktionen zu implementieren.</p>



<p>In Lateinamerika hielten Brasilien, Argentinien, Mexiko, Chile und sogar Kolumbien, einstiger Verbündeter der Vereinigten Staaten, dem Druck ihres mächtigen Nachbarn stand, indem sie sich weigerten, Waffen an die Ukraine zu liefern.</p>



<p>Nach seinem Besuch in China im April, griff der brasilianische Präsident Lula den Westen dafür an, den Krieg mit zunehmenden Waffenlieferungen zu verlängern und sagte:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„[Die Vereinigten Staaten] müssen aufhören, den Krieg zu anzufeuern und müssen beginnen über Frieden zu reden, die Europäische Union muss beginnen über Frieden zu reden, sodass wir Putin und Selenskyj überzeugen können, dass Frieden in aller Interesse ist und dass Krieg nur im Interesse von ihnen beiden ist.“</p>
</blockquote>



<p>Woanders hat Indien den Russen geholfen, beinah all ihre verlorenen Verkäufe an Öl und Gas wettzumachen. Indien hat seine eigenen Gründe mit Russland ein gutes Verhältnis beizubehalten. Aber russisches Öl und Gas unter den Marktpreisen versüßt sicherlich den Deal. Seine Ölimporte aus Russland haben sich seit Kriegsbeginn um das Zweiundzwanzigfache vermehrt. Tatsächlich raffiniert Indien sogar Teile dieser Kohlenwasserstoffe als Diesel für den Export an den europäischen Markt!</p>



<p>Russland verbleibt zudem Indiens größter Rüstungslieferant, inklusive Pläne, das Waffenangebot auf die fortschrittlichsten russischen Luftraum-Verteidigungssysteme zu erweitern.</p>



<p>Die südafrikanische Regierung tat den Protest von Seiten der USA über die Abhaltung der gemeinsamen Flotten-Militärübungen mit China und Russland an seiner Ostküste im Februar ebenfalls ab. Und sie gab Putin diplomatische Immunität und ermöglichten es ihm damit, den BRICS-Gipfel in Südafrika zu besuchen, offen dem Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofes gegen diesen trotzend.</p>



<p>Der Ukrainekrieg hat die Öl-, Gas-, Lebensmittel- und Düngerpreise merklich in die höhe getrieben. Das sind besonders ausschlaggebende Güter in armen Ländern, wo Millionen Menschen von der Weltwirtschaftskrise in die Armut getrieben werden. Quer durch Afrika, sowie Lateinamerika, sind russische Getreide- und Düngerexporte gestiegen.</p>



<p>Um eine soziale Explosion zu vermeiden, würden viele Länder lieber mit Russland zusammenarbeiten, das ihnen Güter unter den Marktpreisen bieten kann, als Sanktionen aufzuerlegen, die die Preise nur noch weiter ansteigen lassen.</p>



<p>Solche Beispiele gibt es noch viele. Mit der Weltwirtschaft auf der Kippe und steigenden Spannungen in allen Bereichen, ist der Preis, den USA blind in einen weiteren destabilisierenden Konflikt zu folgen, einfach zu hoch.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><br>Europa</h3>



<p>Auf dem Papier scheint Europa tatsächlich die einzige Region zu sein, die treu dem Diktat des US-Imperialismus folgt. Aber selbst hier ist das rosige Bild einer harmonischen, geeinten „westlichen Allianz“ getrübt von aufkommenden Antagonismen.</p>



<p>Der Ukrainekrieg traf die EU-Wirtschaft, durch den Wegfall billigen russischen Gases, hart. Dies hat die Wettbewerbsfähigkeit der EU am Weltmarkt untergraben, besonders die des deutschen und französischen Kapitalismus. Das ist warum alle großen EU-Länder jedes Mal, wenn es um Waffenlieferungen oder die Verhängung von Sanktionen gegen Russland ging, gezögert haben.</p>



<p>In der Zwischenzeit haben die Amerikaner den&nbsp;Inflation Reduction Act&nbsp;verabschiedet: ein 400 Milliarden Dollar Paket, das besonders auf US-basierte Firmen abzielt und die europäischen Kapitalisten unterbieten soll. Washington versucht außerdem Europa tiefer in seinen Konflikt mit China zu involvieren, welches zufällig der wichtigste Handelspartner Europas ist.</p>



<p>Bei aller Kritik an Donald Trump, die Biden-Administration führt praktisch Trumps „America First“-Politik weiter, zum großen Entsetzen von Amerikas traditionellen Verbündeten.</p>



<p>In einem Versuch, etwas Unabhängigkeit zu zeigen, besuchte Bundeskanzler Olaf Scholz im November China. Er setzte auch den Teilerwerb eines Containerterminals in Hamburg durch das chinesische Unternehmen Cosco durch, was ihm allerdings scharfe Angriffe der kriegstreibenden grünen Außenministerin Baerbock einbrachte, während sich die Spitzen vieler DAX-Unternehmen hinter den Kanzler stellten.</p>



<p>Scholz Besuch wurde diesen Frühling gefolgt vom offiziellen Besuch des französischen Präsidenten Emmanuel Macron in Peking. Dies offenbart klar die zunehmende Spannung zwischen den USA und seinen wichtigsten europäischen Verbündeten.</p>



<p>In einem kaum versteckten Seitenhieb auf die USA sagte Macron, dass es eine „Falle für Europa“ wäre, in Krisen verwickelt zu sein, die nicht europäische Krisen seien und dass so etwas europäische Länder im Wesentlichen zu „Vasallen“ machen würde. Macrons Bemerkungen bezogen sich spezifisch auf den Konflikt zwischen den USA und China, aber er hatte eindeutig auch die Ukraine im Sinn.</p>



<p>Auf seiner Reise begleitet wurde Macron von einer Reihe von Wirtschafts- und Unternehmensführungen, von denen er sich erhoffte Geschäfte machen zu können – um die wirtschaftliche Relevanz des französischen Handels mit China zu betonen.</p>



<p>Am ärgerlichsten für die Strategen des US-Imperialismus war der Deal von Airbus, einem französisch-europäischen Unternehmen, das den Verkauf von 200 Passagierflugzeugen an China ankündigte; einem Helikopter-Deal sowie die Öffnung eines neuen Airbuswerks in Tianjin. Mit China als weltweit am schnellsten wachsender Markt für kommerzielle Flugzeuge, ist solch ein Geschäft ein direkter Schlag gegen die Interessen von Boeing, einer amerikanischen Firma. Dies wird auch zum Austausch von Technologie führen, gegen den der US-Imperialismus so unnachgiebig anzukommen versucht.</p>



<p>Die französische herrschende Klasse hatte ihre eigenen Ambitionen in der Weltarena und möchte eine unabhängigere Rolle spielen. Zum Beispiel sind ihre Atomwaffen außerhalb der Kontrolle der NATO. Außerdem hat auch der französische Imperialismus seine eigenen Interessen, besonders in Afrika. Trotz seines begrenzten Einflusses in internationalen Beziehungen, versucht Frankreich, ein Gleichgewicht zwischen den USA und China herzustellen, um einen gewissen Grad an Autonomie für sich selbst zu erlangen. Unterdessen ist das chinesische Regime daran interessiert, die Widersprüche zwischen EU und USA für seinen eigenen Vorteil auszunützen.</p>



<p>Während Macrons Besuch teilweise auch als Ablenkung von den Massenprotesten gegen die Pensionsreform in Frankreich gedacht war, verkörpern seine Aussagen eindeutig das Denken eines Flügels der westeuropäischen Bourgeoisie, die viel zu verlieren und wenig zu gewinnen hat, blind in Washingtons Konflikte in der Weltarena zu folgen.</p>



<p>Die EU wurde geschaffen, um Staaten zu vereinigen, die auf der Weltbühne keine unabhängige Rolle spielen konnten. Heute ist sie gelähmt von den Widersprüchen zwischen ihren Mitgliedsstaaten – Widersprüche die ständig von den größeren imperialistischen Mächten ausgenützt werden.&nbsp;<br></p>



<h3 class="wp-block-heading">Zersplitterung</h3>



<p>Für eine lange Zeit nach dem zweiten Weltkrieg waren die Weltbeziehungen relativ stabil, da sich zwei Supermächte einer ähnlichen Stärke (und Atomwaffen) sich gegenüberstanden. Dieses Equilibrium wurde mit dem Zusammenbruch des Stalinismus 1989-91 zerstört.</p>



<p>Nach dem Fall der Sowjetunion waren die USA als einzige Supermacht der Welt verblieben. Wie Ikarus aus der griechischen Mythologie, der zu nah zur Sonne flog, hielt auch sie ihre Macht für grenzenlos. Sie intervenierte in einem Land nach dem anderen, um jeglichen Ungehorsam zu bestrafen und stieß auf wenig Widerstand. Zur Zeit des imperialistischen Golfkrieges im Jahr 1991 enthielten sich China und Russland bloß beim UN-Sicherheitsrat, der die Anwendung von Gewalt im Irak genehmigte. Es war sogar die Rede davon, Russland zum NATO-Beitritt einzuladen. Russland wurde 1999 beim Vorstoß nach Priština von der NATO gedemütigt.</p>



<p>Aber mit der Jahrtausendwende und des Einmarsches im Irak und Afghanistan wendete sich das Blatt. Die Niederlagen in diesen Kriegen zeigten die Beschränkungen des mächtigsten Land der Welt auf. Besonders wichtig war, dass sie zu einer weit verbreiteten Opposition in der amerikanischen Arbeiterklasse zu jeglichen weiteren militärischen Abenteuern führte.</p>



<p>Folglich war es den USA nicht möglich Truppen zu stationieren und in größere Kriegsgeschehen einzutreten. Tatsächlich konnte Barack Obama 2014 nicht einmal den US-Kongress dazu bringen, einer beschränkten Bombardierungskampagne gegen das Assad-Regime in Syrien zuzustimmen.</p>



<p>Diese Schwäche hat die Fähigkeit der USA, ihre Macht zu demonstrieren, erheblich beschränkt. In Syrien etwa konnten wir sehen, wie es Russland und dem Iran gelang, die US-geführte Koalition zu besiegen. Auch in Libyen wurden die westlichen Mächte von russisch-orientierten Streitkräften und welchen, die der Türkei zugewandt waren, vollkommen ins Abseits gedrängt.</p>



<p>Gemeinsam mit der effektiven Niederlage im Irak und dem erniedrigenden Rückzug aus Afghanistan waren dies schwere Schläge für die Autorität der USA.</p>



<p>Ein paralleler Prozess fand auf einer wirtschaftlichen und diplomatischen Ebene statt.</p>



<p>Unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg verkörperten die USA 40 % des Weltweiten BIPs. Auf dieser Grundlage und mit „Freihandel“ als Hauptlosung, riss Washington Barrieren nieder und öffnete den Weltmarkt, unter der Kontrolle von US-basierten Institutionen wie dem IMF und der Weltbank. Der Dollar wurde als die stabile Währung des sich enorm ausweitenden Weltmarktes etabliert.</p>



<p>Doch heute ist der relative Anteil am weltweiten BIP der USA auf 24 % gesunken, während China von einem vernachlässigbaren Anteil auf 18 % herangewachsen ist. China ist bei weiten nicht dabei, die USA auf wirtschaftlicher Ebene zu überholen. Sein Aufstieg bedeutete jedoch eine Verringerung der relativen Gewichtung letzterer innerhalb der Weltwirtschaft.</p>



<p>Gleichzeitig hat die Weltwirtschaftskrise die Spannungen zwischen den Staaten erhöht. Daher ist der US-Kapitalismus, um seine Position zu verteidigen, vom lautesten Befürworter des Freihandels zur stärksten Kraft des Protektionismus geworden.</p>



<p>Der Handelskrieg gegen China, der von der Trump-Administration gestartet worden war, geht unvermindert unter der Präsidentschaft von Biden weiter. Die USA haben außerdem Maßnahmen gesetzt, die inländische Produktionskapazität zu sichern. Gleichzeitig wird der Dollar – und dollarbasierte Finanzsysteme, wie SWIFT – als Waffe gegen alle eingesetzt, die es wagen, die USA zu verärgern.</p>



<p>Dies hat das Vertrauen in die postsowjetische Weltordnung erschüttert. Wenn Russlands Vermögenswerte über Nacht eingefroren werden können, wer ist dann als nächstes dran?</p>



<p>Trotzki bemerkte einmal, dass der britische Kapitalismus, an seinem Höhepunkt, in Jahrhunderten und Kontinenten dachte. Auch der US-Imperialismus versuchte, in seiner Aufstiegsphase, nach vorne zu blicken, bevor er handelte.</p>



<p>Heute jedoch charakterisiert sich die US-Bourgeoisie durch extreme Kurzsichtigkeit und Dummheit. Dies ist an sich ein Ausdruck der organischen Krise des Kapitalismus und der Dominanz des Finanzkapitals und des Aktienmarktes, der nicht weitersehen kann als zur nächsten Spekulationsblase oder im besten Fall zum nächsten Quartalsbericht.</p>



<p>In einer Periode der allgemeinen Krise des Kapitalismus, ist der beste Weg nach vorne, den Status Quo beizubehalten. Aber der Status Quo ist unmöglich zu erhalten geworden.</p>



<p>Wie ein betrunkener Elefant torkelt der US-Imperialismus ohne einen klaren Plan auf der internationalen Bühne umher.&nbsp; Damit untergräbt er eine Weltordnung, die nach dem Fall der Sowjetunion auf seine eigene absolute Herrschaft basiert. Der Ukrainekrieg und die Sanktionen gegen Russland haben diesen Prozess beschleunigt.</p>



<p>Wir dürfen uns nicht beirren lassen, im Moment gibt es&nbsp;keine Macht, die die Weltmacht der USA auf militärischer oder wirtschaftlicher Ebene herausfordern kann. Die Arbeitsproduktivität in den USA ist der von China (auch wenn sich der Abstand verringert) immer noch weit voraus. US-Militärausgaben sind auch größer als die der nächsten zehn Staaten&nbsp;zusammen&nbsp;und machen 39 Prozent der weltweiten Militärausgaben dar. Aber Risse machen sich bemerkbar in der US-dominierten Weltordnung – Risse in die kleinere Mächte wie China, und zu einem bestimmten Grad auch Russland, eindringen und zur bestehenden Instabilität beitragen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">China und die BRICS-Staaten</h3>



<p>Die Chinesen haben die Stimmung der wachsenden Unsicherheit der Weltbeziehungen wirksam ausgenützt. Bei seinem Besuch in Moskau wich Xi Jinping US-Geschwafel um „rote Linien“ der militärischen Hilfe an Russland aus. Stattdessen war er mit einem Friedensplan ausgerüstet.&nbsp;</p>



<p>Die Erfolgschancen des Friedensplans waren nahe null, aber das war nicht dessen Zweck. Die Absicht war es, eine Botschaft an die restlichen Staaten der Welt zu schicken: „Was hat euer Anbandeln mit den USA euch außer Instabilität und Krieg gebracht? Wählt uns und ihr bekommt Frieden, Stabilität und Handel.“</p>



<p>Die Botschaft greift gekonnt ein weltweites Gefühl tiefer Bestürzung auf – das traditionelle Feinde wie Verbündete der USA verspüren.</p>



<p>Im März hat China einen Deal zwischen Saudi-Arabien und dem Iran vermittelt, die jahrelang über Einfluss im Nahen Osten gewetteifert haben. Das war ein schwerer Schlag für den Stellenwert der USA, die über Jahrzehnte die mächtigste Macht im Nahen Osten waren und der Hauptgönner des Saudi-Regimes.</p>



<p>Saudi-Arabien wurde außerdem der Status eines Dialogpartners der&nbsp;Shanghai Cooperation Organisation&nbsp;(SCO), einem politischen und wirtschaftlichen Gremium, das von China geführt und von Russland gestützt wird, zugeteilt. Ein saudischer Analyst, Ali Shihabi, sagte dazu:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Die traditionelle monogame Beziehung mit den USA ist nun zu Ende. Und wir sind in einer offeneren Beziehung; stark mit den USA aber ebenso stark mit China, Indien, UK, Frankreich und anderen“</p>
</blockquote>



<p>Viele kleinere Mächte nutzen das große Machtgefüge, um durch die Risse nach oben zu gelangen. In den Worten des brasilianischen Präsidenten Lula da Silva bei seinem Besuch in Peking, würden sie gerne mit den USA und China zusammenarbeiten, um „die Weltgeopolitik ins Gleichgewicht zu bringen“.</p>



<p>„Gleichgewicht“ ist schön ausgedrückt. Die brasilianische herrschende Klasse kann es sich nicht leisten, den USA vollkommen den Rücken zu kehren. Aber es wird sich auch nicht vor allen Forderungen der US-Regierung niederknien, wie wir in der Weigerung Brasiliens, der Ukraine Waffen zu senden, sehen können. Ebenso war Lula, während er in China war auch mutig genug, das Huawei-Werk zu besichtigen, das 5G-Technologie hergestellt, die von den USA verboten wurde. Brasiliens großer agrarwirtschaftlicher Sektor ist außerdem von russischen Düngern abhängig.</p>



<p>Länder wie Brasilien, Südafrika und Indien sind schon lange groß und mächtig genug, um einen teilunabhängigen Weg in manchen Fragen einzuschlagen, ohne dem westlichen Imperialismus vollkommen den Rücken zuzuwenden.</p>



<p>Tatsächlich haben die sogenannten BRICS-Staaten schon lange einen halbformellen Block gebildet, als ein selbsterklärtes Gegengewicht zu den G7-Staaten des Westens, mit Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika als Gründerstaaten.</p>



<p>Aber laut dem südafrikanischen Außenminister gibt es nicht weniger als 12 Bewerbungen von Ländern, der Vereinigung beizutreten. Viele von ihnen, die sich nun anschließen wollen, waren jahrzehntelang die Schoßhunde des US-Imperialismus, darunter Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Ägypten.</p>



<p>Der Aufstieg Chinas lockert eindeutig den Griff der USA auf verschiedene Teile der Welt. Aber es wäre falsch China darzustellen, als wäre es dabei ihre Macht weltweit zu ersetzen oder gleichauf zu sein.</p>



<p>Auf der militärischen Ebene allein existiert ein enormes Missverhältnis zwischen den beiden. Die US-Wirtschaft ist außerdem viel größer und fortschrittlicher. Und sie verfügen über eine entscheidende Kontrolle über wichtige Hebel der Weltwirtschaft.</p>



<p>Vielmehr ist es klar, dass China selbst eine noch nie da gewesene Wirtschaftskrise bevorsteht – und damit verbunden eine Periode schwerwiegender sozialer Erschütterungen, die den bisherigen Kurs des Landes einbremsen werden.&nbsp;<br></p>



<h3 class="wp-block-heading">Der Kampf gegen den Imperialismus und die Aufgaben der Kommunisten</h3>



<p>Im Jahr 1928, als der amerikanische Imperialismus noch in seiner Phase der Expansion war, schrieb Leon Trotzki folgendes:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„[G]erade die internationale Macht der Vereinigten Staaten und der daraus wachsende unaufhaltsame Expansionsdrang […] zwingt [sie], dem Fundament ihres Baues das Pulverfass der ganzen Welt, alle Gegensätze des Westens und des Ostens, den Klassenkampf des alten Europas, die Aufstände der Kolonialmassen, alle Kriege und Revolutionen einzufügen. Das macht einerseits den Kapitalismus Nordamerikas zu einem konterrevolutionären Hauptfaktor der Neuzeit, der immer mehr an der Aufrechterhaltung der ‚Ordnung‘ in jedem Winkel der Erdkugel interessiert ist, andererseits aber wird dadurch eine gigantische revolutionäre Explosion dieser selben herrschenden und noch immer wachsenden imperialistischen Weltmacht vorbereitet. Die Logik der internationalen Beziehungen spricht dafür, dass diese Explosion keine allzu lange Frist hinter der proletarischen Revolution Europas zurückbleiben kann.“</p>
</blockquote>



<p>Diese Worte sind heute zutreffender als zum Zeitpunkt, zu dem sie geschrieben wurden. Der US-Imperialismus ist die reaktionärste Kraft auf dem Planeten. Seine wirtschaftlichen, militärischen, diplomatischen und kulturellen Tentakel erstrecken sich tief in fast jedes Land. Und er repräsentiert eine Gefahr für die Arbeiterklasse, wo auch immer die Massen sich entschlossen in Richtung Revolution bewegen.</p>



<p>Gleichzeitig hat der Aufstieg des US-Imperialismus die mächtigste Arbeiterklasse der Welt geschafften, die fähig ist, den Verlauf der Geschichte zu verändern. Der Kampf gegen den Imperialismus ist ein wesentlicher Bestandteil des Kampfes der Arbeiterklasse für den Sozialismus.</p>



<p>Innerhalb der USA sind die Vorstellungen des „Pax Americana“ und des „Amerikanischen Jahrhunderts“ mächtige Propagandawerkzeuge der herrschenden Klasse gewesen, dem Klassenkampf ein Ende zu bereiten. Aber heute ist die zynische Lüge, die amerikanischen „Guten“ würden „Demokratie“ auf der ganzen Welt verbreiten genauso befleckt und entlarvt wie der sogenannte&nbsp;American Dream.</p>



<p>Mit jedem Rückfall und jeder Niederlage für den US-Imperialismus, ist die Stellung der herrschenden Klasse zuhause weiter geschwächt, zum Vorteil der Arbeiterklasse.</p>



<p>Die Aufgabe der Kommunisten ist es zu jedem Zeitpunkt, eine unabhängige Position für die Arbeiterklasse herauszuarbeiten. Wir müssen all das heuchlerische und zynische Gerede des Establishments über die Verteidigung der „Demokratie“ und des „Widerstands gegen starke Männer“ wie Putin entlarven, das als bloßer Deckmantel für die beschränkten räuberischen Interessen der Kapitalisten dient.</p>



<p>Es reicht die Millionen verlorene Leben der Kriege der letzten Jahrzehnte im Nahen Osten zu erwähnen; das blutige Aufbrechen Jugoslawiens und Osteuropas in den 1990ern; der Würgegriff, in dem der Westen Afrika hält; das Entfesseln islamistischen Fundamentalismus; Regimeänderungen, Putsche und Konterrevolutionen auf Kosten Millionen von Menschenleben, die jahrhundertealte Politik Militärputsche zu unterstützen, blutige Diktaturen zu tragen und progressive Regierungen in Lateinamerika zu stürzen. Die Liste geht weiter und weiter.</p>



<p>Dieses mörderische Vermächtnis der westlichen Mächte im letzten Jahrhundert hat einen tiefsitzenden Hass unter den kolonialen, halbkolonialen und ex-kolonialen Nationen gegen den Imperialismus geschürt.</p>



<p>Die Aufgabe das reaktionäre Regime Putins zu stürzen, ist die der russischen Arbeiter. Die Aufgabe der US-Arbeiterklasse ist der Kampf gegen ihre eigene herrschende Klasse, die für Jahrzehnte der größte Feind für alle revolutionären Bewegungen in der ganzen Welt war. Ohne dem kann von einer wahren internationalen Einheit der Arbeiterklasse nicht gesprochen werden.&nbsp;<br></p>



<h3 class="wp-block-heading">Multipolare Welt</h3>



<p>Es gibt solche, die meinen, dass wir, da wir gegen den westlichen Imperialismus sind, seine Rivalen unterstützen sollten.</p>



<p>Die sogenannte multipolare Welttheorie, die in vielen Auslegungen und Formen kommt, suggeriert dass wir für eine Welt mit mehreren imperialistischen Mächten kämpfen sollen, die einander ausgleichen, statt wie die gegenwärtige, die von einer einzigen Supermacht dominiert wird.</p>



<p>Im Vorwort seines Buches&nbsp;Beyond&nbsp;US Hegemony?: Assessing the Prospects for a Multipolar World&nbsp;schreibt Samir Amin 2006:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„[Ich] will die Konstruktion einer multipolaren Welt sehen, damit ist offensichtlich die Niederlage von Washingtons vorherrschaftlichem Projekt der militärischen Kontrolle des Planeten gemeint. Aus meiner Sicht ist es ein überhebliches Projekt, von krimineller Natur, dass die Welt in endlose Kriege zieht und alle Hoffnung auf sozialen und demokratischen Fortschritt erstickt, nicht nur in den südlichen Ländern, sondern zu einem anscheinend geringeren Grad, auch in den nördlichen Ländern.“ (Eigene Übersetzung)</p>
</blockquote>



<p>Heute bekommt diese Idee wieder Aufwand in manchen Teilen Linken auf der ganzen Welt, die glauben, dass wir den Aufstieg Chinas und den Wiedereinstieg Russlands als Großmacht in die Weltarena unterstützen sollten.</p>



<p>In solch einer multipolaren Welt, so ist die Argumentation, halten der chinesische und russische Imperialismus und vielleicht der von anderen Ländern wie Indien und Brasilien, das US-Reich in Schach und führen zu einer friedlicheren und gerechteren Welt. Warum aber diese Länder mehr Interesse in Frieden und „Gerechtigkeit“ hätten als die USA, wird nie erläutert.</p>



<p>Hier sehen wir die zugespitzte Essenz der alten Theorie der Volksfront (wenn auch auf einem internationalen Maßstab!), die von den Stalinisten in ihrer Blütezeit lange vertreten wurde.</p>



<p>Anstatt die Klassenwidersprüche zwischen den Arbeitern und Kapitalisten klarzustellen, verwischt diese Haltung die Klassenlinien und versucht die Arbeiterklasse hinter einem imperialistischen Block – wenn auch dem schwächeren – gegen den anderen zu drängen.</p>



<p>Statt den Kampf gegen den Kapitalismus voranzubringen, säht dies Illusionen in die Möglichkeit einer Lösung innerhalb des gegenwärtigen Systems.</p>



<p>Russland und China sind vielleicht kleinere Mächte als die USA. Aber das macht Putin und Xi kein bisschen progressiver. Es sind kapitalistische Regime, die auf der Ausbeutung der Arbeiterklasse ausbauen. Sie sind die Feinde der Arbeiter und der Armen.</p>



<p>Und während es nicht die Aufgabe des westlichen Proletariats ist, sie zu stürzen, ist es sicherlich die Aufgabe der russischen und chinesischen Arbeiter. Für sie gibt es innerhalb der engen Begrenzungen des Kapitalismus keinen Weg nach vorne.</p>



<p>Um den Klassenkampf einzudämmen und die Nation hinter ihren Regimes zu vereinen, stützen sich sowohl Xi als auch Putin demagogisch auf die Bedrohung des US-Imperialismus und die antiimperialistischen Einstellungen der russischen und chinesischen Arbeiter. In anderen Worten, die Bedrohung des US-Imperialismus wird eingesetzt, um russische und chinesische Arbeiter zu bändigen.</p>



<p>Anstatt Illusionen in diese Regimes zu schüren, ist es die Pflicht von Kommunisten, diese Demagogie zu entlarven und zu zeigen, dass die Interessen dieser Regimes in direkter Opposition zu denen der Arbeiter und der Armen stehen.</p>



<p>Zum Glück für unsere „multipolaren“ Freunde in der Linken haben sich Wladimir Putin und Xi Jinping selbst bei ihrem kürzlichen Treffen in Moskau dieser Ansicht angeschlossen. Dort haben sie die Absicht unterstrichen eine „multipolare Weltordnung, ökonomische Globalisierung und Demokratisierung internationaler Beziehungen“ gefordert, und die „Entwicklung einer globalen Führung in einer gerechteren und rationaleren Weise zu fördern“.</p>



<p>Ihr Konflikt mit dem westlichen Imperialismus hat einen anderen Klassencharakter als der Antiimperialismus der Massen.</p>



<p>Wenn Xi und Putin von „ökonomische Globalisierung und Demokratisierung internationaler Beziehungen“ und einer gerechteren „Entwicklung globaler Führung“ sprechen meinen sie damit nicht ein Ende des Imperialismus und nationaler Unterdrückung, sondern die Errichtung einer neuen Weltordnung – eine wo ihre jeweiligen herrschenden Klassen ein größeres Stück vom Kuchen bekommen, von dem sie glauben das es der Westen verschlingt.</p>



<p>Was China sucht, sind Investitionsmöglichkeiten und Quellen von Rohstoffen und Energien sowie die Kontrolle über Handelsrouten, alles im Interesse der chinesischen Kapitalisten. Es ist kein echter Kampf gegen den Imperialismus. Es ist bloß ein Angebot, den einen Imperialismus mit einem anderen zu ersetzen.</p>



<p>Damit die Massen in Russland und China wirklich gegen den Imperialismus kämpfen können, müssen sie die Macht zuerst in ihre eigenen Hände nehmen und dann ihren Kampf, mit dem der Arbeiter im Westen verknüpfen. Nur unter diesen Bedingungen kann ein aufrichtiger internationaler antiimperialistischer Kampf beginnen.&nbsp;<br></p>



<h3 class="wp-block-heading">Arbeiter aller Länder, vereinigt euch!</h3>



<p>Das 21. Jahrhundert wurde als das neue amerikanische Jahrhundert angekündigt. Wenn die USA „Springt!“ riefen, hat die Welt im Chor geantwortet: „Wie hoch?“. Aber dieser Chor erfreut sich nicht mehr der Einstimmigkeit, die er einst hielt.</p>



<p>Während neue Mächte ins Geschehen eintreten und die Beschränktheit der US-Macht offenbart werden, versuchen regionale Mächte ihren Einfluss auszuweiten und einen unabhängigeren Kurs einzuschlagen. Die Amerikaner stellen fest, dass ihre zuvor treuen Verbündeten nun glauben, dass sie das beste beider Welten bekommen können, indem sie die USA auf der einen Seite und China und Russland auf der anderen balancieren.</p>



<p>Mit der untergrabenen Autorität der Vereinigten Staaten und keinem realistischem Konkurrenten auf die weltweit dominante wirtschaftliche und militärische Macht, werden wir neue Konflikte sehen.</p>



<p>Anstatt einer Ära des Friedens wird diese neue „multipolare“ Welt eine zunehmend erbitterten Wettstreit zwischen kleineren imperialistischen Mächten, die versuchen ihre Muskeln spielen zu lassen, mit sich bringen.&nbsp;</p>



<p>In diesen Auseinandersetzungen werden kleinere Staaten politisch und wirtschaftlich vernichtet werden; oder wie wir am Beispiel in Libyen, Syrien und der Ukraine sehen, militärisch.</p>



<p>Es wird eine Periode von extremen Turbolenzen sein, mit „kleinen“ Konflikten und Stellvertreterkriegen – die alle in die allgemeine Krise des Kapitalismus einfließen und sich mit ihr vermischen.</p>



<p>Dies stellt die dringende Aufgabe eines internationalen Kampfes, um diesem sterbenden System endgültig den Todesstoß zu verpassen: Die Errichtung einer sozialistischen Weltordnung, ohne die erdrückenden Zwänge des Profitstrebens und dem Nationalstaat.</p>



<p>Die Internationale Marxistische Tendenz ist eine revolutionäre kommunistische Organisation in über 40 Länder auf der ganzen Welt. Tritt uns bei im Kampf für die sozialistische Revolution in deinem Land und weltweit!&nbsp;</p>
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