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		<title>James Connolly und der Osteraufstand 1916</title>
		<link>https://derkommunist.de/james-connolly-und-der-osteraufstand-1916/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alan Woods und Ted Grant]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Apr 2026 14:26:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Revolutionen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Diesen April jährt sich der irische Osteraufstand von 1916 zum 110. Mal. Diese Bewegung kämpfte gegen die Herrschaft des britischen Imperialismus und ihr herausragendster Anführer war James Connolly. Aus diesem [&#8230;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Diesen April jährt sich der irische Osteraufstand von 1916 zum 110. Mal. Diese Bewegung kämpfte gegen die Herrschaft des britischen Imperialismus und ihr herausragendster Anführer war James Connolly. Aus diesem Anlass veröffentlichen wir einen Artikel über die Bedeutung dieses historischen Kampfs, den Ted Grant und Alan Woods 2001 zum 85. Jahrestag verfassten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gab viele Versuche, Connolly einfach als irischen Nationalisten darzustellen. Doch Connolly war in erster Linie ein revolutionärer Arbeiterführer und Marxist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">James Connolly kam 1868 in einer armen Familie in Edinburgh zur Welt. Er war ein echter Proletarier. Sein Arbeitsleben begann im Alter von zehn. Sein gesamtes Leben lebte er in und atmete die Luft der Arbeiterklasse, teilte ihre Nöte und Leiden, litt unter ihren Niederlagen und bejubelte ihre Siege. Connolly war ein Autodidakt (jemand, der sich Wissen selbst aneignet; Anm.), der ein brillanter Redner und Theoretiker wurde. Er allein schaffte es, in der Geschichte der britischen und irischen Arbeiterbewegung die Ideen des Marxismus weiterzuentwickeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf der Basis eines genauen Studiums der Schriften von Marx und Engels entwickelte er einen unabhängigen Standpunkt und leistete einen eigenständigen Beitrag und das ohne direkten Kontakt mit anderen herausragenden Marxisten seiner Zeit wie Lenin, Trotzki oder Luxemburg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von Anfang an musste Connolly mit den Problemen kämpfen, die auch den Rest seiner Klasse heimsuchten: bittere und anhaltende Armut, was es ihm zeitweise nahezu unmöglich machte, seine Familie zu ernähren. Doch nichts konnte ihn von seinem Weg abbringen. Mit unaufhörlicher Energie und absoluter Zielstrebigkeit kämpfte Connolly für den Sozialismus. Das von Connolly verfasste Programm der „Irish Socialist Republican Party“ war kein nationalistisches, sondern ein sozialistisches Programm, das auf folgender Grundlage stand:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Gründung einer IRISCHEN SOZIALISTISCHEN REPUBLIK basierend auf dem öffentlichen Eigentum des irischen Volkes an Land und den Mitteln der Produktion, der Verteilung sowie des Handels. Die Landwirtschaft wird als öffentliche Aufgabe verwaltet, unter der Leitung von Verwaltungsräten, die von der landwirtschaftlichen Bevölkerung gewählt werden und dieser sowie der gesamten Nation rechenschaftspflichtig sind. Alle anderen Formen der Arbeit, die für das Wohlergehen der Gemeinschaft notwendig sind, werden nach denselben Grundsätzen durchgeführt werden.“</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Connolly war in erster Linie ein revolutionärer Arbeiterführer. Die „Irish Transport and General Workers Union“ (ITGWU), unter der Führung von Larkin und Connolly, stand an der Spitze der stürmischen Wellen des Klassenkampfes, die Irland in den Jahren vor 1914 schwerwiegend erschütterten Selten sahen diese Inseln so einen scharfen Klassenkampf. Die Auswirkungen erschütterten nicht nur Dublin, sondern reichten bis nach Belfast, wo Connolly es schaffte, katholische und protestantische Arbeiter im Kampf gegen ihre Bosse zu vereinen. Im Oktober 1911 führte er den berühmten Streik der Textilarbeiterinnen in Belfast an und organisierte die Beschäftigten dieses Sektors, die größtenteils schlecht bezahlte und massiv ausgebeutete Frauen waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Streikwelle wurde 1913 von den Bossen mit dem berüchtigten „Dublin Lockout“ beantwortet. Hier zeigte die irische Bourgeoisie ihr wahres Gesicht: habgierig, unterdrückend und reaktionär. Dublins Bosse, organisiert von William Martin Murphy, dem Vorsitzenden der Arbeitgebervereinigung und Eigentümer der „Irish Independent newspaper“, machten sich auf, um die Arbeiter und ihre Organisationen zu zerschlagen. Die ITGWU reagierte mit dem Boykott von Murphys Zeitung und er reagierte daraufhin mit der Aussperrung aller ITGWU-Mitglieder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frage der Klasseneinheit zieht sich wie ein roter Faden durch alle Schriften und Reden von Connolly: „Vielleicht werden sie sehen, dass der Grundbesitzer, der seine Bauern auf einem Anwesen in Connemara schindet, und der Grundbesitzer, der seine Mieter in den Elendsvierteln von Cowgate Wucherzinsen abverlangt, in Tat und Wahrheit Brüder sind. Vielleicht werden sie realisieren, dass der irische Arbeiter, der in einer irischen Hütte verhungert, und der schottische Arbeiter, der in einer Edinburgher Dachkammer verkümmert, Brüder mit derselben Hoffnung und demselben Schicksal sind.“ (C.D. Greaves, James Connolly, S. 61.)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während des Lockouts appellierten Larkin und Connolly immer wieder an die Klassensolidarität der britischen Arbeiter. Sie sprachen auf Massenkundgebungen in England, Schottland und Wales, die gleichermaßen Schauplätze massiver Klassenkämpfe in den Jahren vor dem Krieg waren. Der Appell der irischen Arbeiter stieß nicht auf taube Ohren. Ihr Kampf wurde enthusiastisch von den Massen der britischen Bewegung unterstützt, obwohl die rechte Labour-Führung dazu bereit war, die irischen Arbeiter sobald wie möglich fallen zu lassen. Trotz der Solidarität und Sympathie der britischen Arbeiter weigerten sich die Gewerkschaftsführer, Solidaritätsstreiks zu organisieren. Dies wäre der einzige Weg gewesen, um für die Bewegung einen Sieg zu erringen. Am Ende wurden die Arbeiter ausgehungert, bis sie wieder arbeiten mussten. Connolly schrieb bitter:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Und so müssen wir irischen Arbeiter wieder in die Hölle hinabsteigen, uns für die letzten Sklaventreiber bücken, unsere Herzen von seinem Hass verbrennen lassen und anstatt des Sakraments der Brüderlichkeit und der gemeinsamen Aufopferung müssen wir den Staub der Niederlage und des Verrates fressen. Dublin ist isoliert.“ (S. 23)</p>
</blockquote>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Die Bürgerarmee</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg sahen die britischen Herrschenden sich mit revolutionären Entwicklungen in Irland und England konfrontiert. Um die Gefahr der Revolution abzuwenden, spielten sie die „orangene Karte“ aus. Lord Carson organisierte und bewaffnete die Hooligans der Belfaster Slums in den sogenannten Ulster Volunteer Force (UVF), die erklärten, die irische Selbstverwaltung mit der Waffe in der Hand zu bekämpfen. Als die liberale Regierung in London überlegte, die britische Armee in Irland einzusetzen, kam es zur „Meuterei von Curragh“. Connolly blieb im Angesicht von wahnsinnigem Sektierertum standhaft. Er organisierte eine Arbeiterdemonstration unter dem Banner der ITGWU, „der einzigen Gewerkschaft, die keinen Fanatismus in ihren Reihen duldete“. Als Antwort auf Sektierer und religiöse Fanatiker rief er zum Klassenkampf auf und veröffentlichte sein berühmtes Manifest „To the Linen Slaves of Belfast“ (An die Leinensklaven von Belfast).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um sich gegen die Polizei und die von den Bossen angeheuerten Schlägertruppen zu verteidigen, gründeten die Arbeiter die „Irish Citizens Army (ICA)“ (Irische Bürgerarmee). Zum ersten Mal in Irland organisierten die Arbeiter sich mit Waffe in der Hand, um sich gegen ihren gemeinsamen Feind zu verteidigen: die Bosse und die Streikbrecher. Letztere waren auf Grund massiver Armut und Verzweiflung viel zahlreicher als heute. Ihre wichtigsten Anführer waren James Connolly (er war auch ehemaliger Soldat) und Captain Jack J. White – ein Protestant aus der Provinz Ulster. Doch Connolly sah die ICA nicht nur als Verteidigungskraft, sondern als eine revolutionäre Armee mit der Aufgabe, den Kapitalismus und Imperialismus zu stürzen. Er schrieb:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Eine bewaffnete Organisation der irischen Arbeiterklasse ist eine Sensation in Irland. Bisher haben die irischen Arbeiter immer als Teil der Armee ihrer Herrschenden gekämpft, niemals als Mitglied einer Armee, die angeführt, trainiert und inspiriert von Männern ihrer eigenen Klasse war. Doch jetzt, mit Waffen in der Hand, steuern sie ihren eigenen Kurs und gestalten ihre eigene Zukunft.“ (Workers Republic, 30. Oktober 1915)</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Wie wir diesen Zeilen entnehmen können, sah Connolly die ICA als eine Organisation, die organisch mit den Massenorganisationen des Proletariats verbunden ist. Sie wurde von den Geldern der Gewerkschaftsmitglieder finanziert, und ihre Aktivitäten wurden von der Liberty Hall, dem Hauptquartier der ITGWU in Dublin, organisiert. Die ICA marschierte mehrere Jahre vor 1916 öffentlich auf den Straßen Dublins und hielt Paraden ab. Es handelt sich hier nicht um eine Geheimorganisation mit Methoden von individuellem Terrorismus, sondern um eine echte Arbeitermiliz: Sie war die erste Rote Arbeiterarmee in Europa!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bedauerlicherweise wurde die Bewegung Richtung Revolution durch den Beginn des Ersten Weltkriegs abrupt unterbrochen. Im August 1914, trotz aller Resolutionen des Kongresses der Sozialistischen Internationale, verrieten alle Führer der sozialdemokratischen Parteien die Losung des Sozialistischen Internationalismus und stimmten für den Krieg. Die einzigen Ausnahmen waren die Russen, Serben – und die Iren. Von Anfang an nahm Connolly eine unerschütterliche internationalistische Haltung an, die in allen grundlegenden Punkten identisch mit Lenins Position war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Reaktion auf den Verrat der Führer der Sozialistischen Internationale schrieb er in der Zeitung „Forward“ (15. August 1914):</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Was passiert nun mit all unseren Resolutionen; all unseren Protesten der Verbrüderung; all unseren Drohungen des Generalstreiks; all unseren sorgfältig aufgebauten Instrumenten des Internationalismus; all unserer Hoffnung für die Zukunft?“</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Und er kam zur selben Schlussfolgerung wie Lenin. Als Antwort auf den Pazifismus, der das Markenzeichen der Labour-Linken wie Ramsay MacDonald (zu der Zeit) und der Führung der ILP (Independent Labour Party) war, schrieb er:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Ein großer kontinentaler Aufstand der Arbeiterklasse würde diesen Krieg stoppen; ein allgemeiner Protest auf öffentlichen Versammlungen würde kein einziges Leben vom sinnlosen Abschlachten retten.“</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Connolly war nicht nur Sozialist, nicht nur Revolutionär: Er war ein Internationalist bis ins Mark!</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Der Osteraufstand</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Seit Kriegsbeginn war Connolly praktisch isoliert. International hatte er keinerlei Kontakte. Außerhalb Irlands schien die Arbeiterbewegung in Friedhofsruhe zu verharren. Es gab zwar Anzeichen für eine Wiederbelebung der Bewegung in Großbritannien, wie beispielsweise den Mietstreik in Glasgow 1915, doch Connolly befürchtete, dass sich die Arbeiter Englands zu spät in Bewegung setzen würden. Die Idee eines Aufstands hatte klare Gestalt in Connollys Kopf angenommen. Die Gefahr, dass England eine Wehrpflicht in Irland einführen würde, war das Hauptthema, das nicht nur Connolly, sondern auch die kleinbürgerlichen Nationalisten der Irish Volunteers beschäftigte. Deswegen drängte Connolly sie dazu, ein militantes Bündnis mit der Labour-Partei für einen bewaffneten Aufstand gegen den britischen Imperialismus einzugehen. Doch kurz vor dem Aufstand zogen sich die Führer der Volunteers zurück und ließen den Aufstand im Stich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">War es richtig von Connolly, zu diesem Zeitpunkt zu handeln? Diese Frage ist schwer zu beantworten. Die Voraussetzungen waren klarerweise unvorteilhaft. Es gab zwar bis zum Ausbruch des Aufstands in Irland Streiks, die irische Arbeiterklasse war aber durch die Strapazen des Lockouts sehr erschöpft und geschwächt. Es gab auch Gerüchte, dass die britischen Behörden planten, die irischen revolutionären Anführer zu verhaften. Connolly entschied sich schließlich dazu, alles in die Waagschale zu werfen. Er kam zum Schluss, dass es besser sei, zuerst anzugreifen. Sein Ziel war es, zuzuschlagen und das Eis zu brechen, um damit sogar, wenn es sein Leben kosten würde, der Arbeiterklasse den Weg aufzuzeigen. Zu kämpfen und zu verlieren war besser, als nichts zu tun und zu kapitulieren. Als Connolly an diesem schicksalhaften Tag zum letzten Mal Liberty Hall verließ, flüsterte er einem Genossen zu: „Wir werden abgeschlachtet werden.“ Als dieser ihn fragte: „Gibt es keine Chance auf einen Sieg?“, antwortete er: „Gar keine.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Connolly war ohne Zweifel eine herausragende Persönlichkeit. Seine Taten waren die eines wahren Revolutionärs, im Gegensatz zum feigen Verhalten der Labour-Führung, die das imperialistische Abschlachten unterstützte – unter lautem Beifall der irischen bürgerlichen Nationalisten. Doch auch Connolly machte einige Fehler. Wir können und dürfen seine Fehler nicht verschweigen, auch wenn manche Connolly zu einem Heiligen machen wollen – während sie seine Ideen verwerfen oder verzerren. Es gab ernstzunehmende Schwächen im Aufstand. Es gab keinen Versuch, einen Generalstreik auszurufen. Am Montag, dem 24. April 1916, fuhren die Straßenbahnen in Dublin noch, und die meisten Menschen gingen ihrem gewohnten Alltag nach. Es gab keine Appelle an die britischen Soldaten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nur 1.500 Mitglieder der Dublin Volunteers und der ICA folgten dem Aufruf zum Aufstand. Die Nationalisten hatten sich bereits in die Redmonditen (die parlamentarische irische Gruppe, die den Krieg unterstützte) und den linken Flügel gespalten. Am Vorabend des Aufstands forderte der Führer der Volunteers, Eoin MacNeil, auch noch öffentlich alle Mitglieder dazu auf, zuhause zu bleiben. Wie schon so oft zuvor und seitdem verriet die nationale Bourgeoisie die Sache Irlands.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Verrat der nationalistischen Führer kam nicht überraschend für Connolly. Er sah den Kampf um die nationale Befreiung immer von einem Klassenstandpunkt aus. Niemals vertraute er den Bürgerlichen oder den kleinbürgerlichen Republikanern, und er arbeitete stets unermüdlich daran, eine unabhängige Bewegung der Arbeiterklasse aufzubauen, die er als die einzige Garantie für eine Rückeroberung Irlands sah. Seit seinem Tod gab es dutzende Versuche, seine wahre Identität als revolutionärer Sozialist auszulöschen und ihn lediglich als einen weiteren Nationalisten zu präsentieren. Das ist völlig falsch. Eine Woche vor dem Aufstand warnte er die Bürgerarmee: „Die Chancen stehen tausend zu eins gegen uns. Doch sollten wir gewinnen, gebt die Waffen nicht aus der Hand, denn die Volunteers könnten ein anderes Ziel haben. Erinnert euch, wir sind nicht bloß für die politische Freiheit, sondern auch für ökonomische Freiheit.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus militärischer Sicht war der Aufstand von Anfang an zum Scheitern verurteilt – obwohl er weitaus erfolgreicher hätte sein können, wenn ihn die Volunteers nicht hinterrücks verraten hätten. So aber konnte die britische Artillerie das GPO (Zentrum der Rebellen) in die Knie zwingen. Donnerstag nachts, nach vier heroischen Tagen des Kampfes gegen übermächtige Feinde, waren die Rebellen zur bedingungslosen Kapitulation gezwungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl der Aufstand selbst in einer Niederlage endete, hinterließ er eine kämpferische Tradition, die weitreichende Folgen hatte. Das war es wahrscheinlich, was Connolly im Sinn hatte. Insbesondere die Gräueltaten der britischen Armee, die nach einem grotesken Schnellverfahren alle Führer des Aufstands kaltblütig erschoss, lösten eine Welle der Empörung in ganz Irland aus. James Connolly, der so stark verletzt war, dass er nicht mal mehr stehen konnte, wurde gefesselt auf einem Stuhl erschossen. Doch die Briten haben sich verschätzt. Die Kugel, die das Leben dieses großen Märtyrers der Arbeiterklasse beendete, erweckte eine neue Generation von Kämpfern, die darauf brannte, das Unrecht, das Irland angetan worden war, zu rächen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Osteraufstand hallte wie eine Kirchenglocke durch ganz Europa. Nach zwei Jahren der imperialistischen Barbarei wurde das Eis endlich gebrochen! Ein mutiges Wort wurde gesprochen, das über dem Lärm der Bomben und des Kanonenfeuers gehört werden konnte. Lenin nahm die Nachricht vom Aufstand begeistert auf. Dies war verständlich, wenn man seine Position berücksichtigt. Der Krieg erzeugte massive Schwierigkeiten für die marxistischen Internationalisten. Lenin war mit einer kleinen Gruppe von Unterstützern isoliert. Von allen Seiten kamen Kapitulation und Verrat. Der Klassenkampf war vorübergehend stillgelegt. Die Labour Führer gingen in Koalitionsregierungen mit Sozialpatrioten. Die Ereignisse in Dublin standen dem völlig entgegen. Deswegen war Lenin über den Aufstand so begeistert. Doch er hob hervor, dass:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das Unglück der Iren besteht darin, daß ihr Aufstand nicht zeitgemäß war, da der Aufstand des europäischen Proletariats noch nicht herangereift ist. Der Kapitalismus ist nicht so harmonisch aufgebaut, daß die verschiedenen Aufstandsherde sich von selbst, ohne Mißerfolge und Niederlagen, sogleich miteinander vereinigen könnten.“ (LW 22, S. 366)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hätte der Aufstand ein paar Jahre später stattgefunden, wäre er nicht isoliert gewesen. Er hätte mächtige Unterstützung in Form einer revolutionären Massenbewegung gehabt, die aufgrund der Oktoberrevolution ganz Europa erfasste. Doch Connolly konnte das nicht wissen.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Die Bedeutung der Führung</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Manche bemitleidenswerte Ex-Marxisten, wie Plekhanow, kritisierten den Osteraufstand von einem rechten Standpunkt aus. In einem Artikel in der Nashe Slovo, datiert auf den 4. Juli 1916, verurteilte Trotzki Plekhanovs Bemerkungen über den Osteraufstand als „erbärmlich und beschämend“ und fügte hinzu: „Die Erfahrung des irischen Nationalaufstands ist vorbei… die historische Rolle des irischen Proletariats beginnt gerade erst.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bedauerlicherweise wurde diese Vorhersage durch die Geschichte widerlegt. Die Tragödie der irischen Arbeiterklasse bestand darin, dass Connolly im Gegensatz zu Lenin keine revolutionäre marxistische Partei schuf, die mit Theorie ausgestattet seine Arbeit nach seinem Tod fortsetzen konnte. Das war sein größter Fehler und der mit den schlimmsten Konsequenzen. In gleicher Weise wie der Mord an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht die deutsche Revolution köpfte, nahm der Mord an Connolly der irischen Arbeiterbewegung jede Chance, eine revolutionäre Bewegung gegen den britischen Imperialismus zu führen. Dies war ein hoher Preis!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Connolly gründete die irische Labour-Partei, die über eine feste Basis in den Gewerkschaften und der Arbeiterklasse verfügte. Am Ende des Tages waren es die Arbeiter der ICA, die den Osteraufstand anführten, nicht die kleinbürgerlichen Volunteers. Faktisch spielte Sinn Féin KEINE Rolle im Aufstand, während die irischen bürgerlichen Nationalisten die Bewegung offen verrieten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dennoch waren es die Bürgerlichen und Kleinbürger, die nach Connollys Ermordung die Kontrolle über die Bewegung übernahmen. Tragischerweise waren die Führer der irischen Labour-Partei, ohne Connollys Einsicht in die marxistische Theorie, komplett unfähig, die Aufgaben zu bewältigen, die die Geschichte ihnen stellte. Anstatt Connollys Kampf für einen unabhängigen Klassenstandpunkt weiterzuführen, liefen sie den Nationalisten hinterher und traten sogar in den Wahlen nach dem Krieg zugunsten dieser zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter der Führung der bürgerlichen und kleinbürgerlichen Nationalisten wurde die Bewegung zuerst in Guerillakämpfe abgelenkt und dann verraten. Verängstigt von der Perspektive einer Revolution schmiedeten die verrotteten irischen Bürgerlichen einen Pakt mit London, um Irland aufzuteilen. Alle Warnungen Connollys über die verräterische Rolle der Bürgerlichen wurden in den schrecklichen Geschehnissen rund um die Spaltung Irlands bestätigt. Die Nachwirkungen dieses Verrats sind bis heute spürbar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den letzten 85 Jahren haben die irischen bürgerlichen und kleinbürgerlichen Nationalisten ihre komplette Unfähigkeit unter Beweis gestellt, die Aufgaben des irischen nationalen Befreiungskampfes zu lösen. 1922 unterschrieben die Bürgerlichen die Teilung Irlands. Dieser Konflikt kann nicht auf kapitalistischer Basis gelöst werden. 30 Jahre lang versuchte die 1969 gegründete „Provisional IRA“ das Problem durch eine sinnlose Kampagne von Bombenanschlägen und Schießereien zu lösen. Diese Methoden von individuellem Terrorismus haben nichts mit den Methoden von Connolly und der IRA gemein. Seine Methoden beruhten immer auf Klassenpolitik und sie waren organisch mit dem Proletariat und den Arbeitermassenorganisationen verbunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was haben die Methoden der „Provisional IRA“ nach 30 Jahren erreicht? Über dreitausend Tote; die Zerstörung einer ganzen Generation von jungen Iren; die Spaltung der Bevölkerung des Nordens in zwei feindliche Lager; ein schreckliches Vermächtnis von wahnsinnigem Sektierertum. Und was wurde erreicht? Wurde die Grenzfrage gelöst? Reden wir Klartext: Nach drei Jahrzehnten des sogenannten bewaffneten Widerstands ist die Aussicht auf eine irische Wiedervereinigung weiter weg denn je. Schändlicherweise haben die Führer der „Provisionals“ für ein paar schwache Ministerpöstchen komplett kapituliert. Weder für die Katholiken noch für die Protestanten wurde irgendetwas gelöst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dies ist das erbärmliche Erbe von jahrzehntelangem individuellem Terrorismus und eines völligen Mangels an jeglicher klassenpolitischer oder sozialistischer Perspektive. Es stimmt, dass es in der Vergangenheit eine tiefe Spaltung zwischen Katholiken und Protestanten in Nordirland gab. Aber statt einer Spaltung haben wir jetzt eine tiefe Kluft. Nichts davon wäre nötig gewesen, wenn Connollys Ideen und Methoden sich durchgesetzt hätten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu seinen Lebzeiten kämpfte Connolly immer für die Einheit der Arbeiterklasse über alle nationalen oder religiösen Grenzen hinweg. Weil er sich auf den Klassenkampf konzentrierte, konnte er katholische und protestantische Arbeiter gegen ihren gemeinsamen Feind, die besitzende Klasse, vereinen. Dies ist der einzige Weg, der uns aus dem aktuellen Chaos befreien kann. Der einzige Weg, die nationale Frage in Irland zu lösen, ist der revolutionäre Kampf für die sozialistische Revolution! Das war ein Fakt, als Connolly lebte, und hat sich seitdem nicht verändert. Eine Wiedervereinigung Irlands ist nicht möglich, solange die Arbeiterklasse durch konfessionelle Grenzen gespalten ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die sozialistische Revolution in Nordirland ist untrennbar mit der des Südens und Englands verbunden. In anderen Worten: Sie kann nur mit einer proletarischen und internationalistischen Politik gelöst werden. Es gibt immer noch einen Hoffnungsschimmer in Nordirland. Trotz allem sind die fundamentalen Organisationen der Arbeiterklasse, die Gewerkschaften, vereint. Sie sind wahrscheinlich die letzten überkonfessionellen Massenorganisationen, die noch existieren. Das ist das Fundament, auf dem wir aufbauen können! Das wäre zweifellos die Botschaft von James Connolly, wenn er heute noch leben würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">85 Jahre später ist es notwendig, dass wir alle historischen Fantasien und nationalistischen Mystifizierungen rund um den Osteraufstand überwinden und die Schlüsselrolle des Proletariats erkennen. Welch große Chance wurde mit dem Tod von James Connolly vertan! Doch die neue Generation muss sich diese Lektion zu Herzen nehmen. Connolly scheiterte, weil er nicht, wie Lenin, das notwendige Werkzeug zur Veränderung der Gesellschaft schuf: eine revolutionäre Partei und eine revolutionäre Führung!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute stellen wir uns in die Verteidigung des politischen Erbes dieses großartigen Marxisten, Kämpfers und Märtyrers der Arbeiterklasse. Wir müssen Connollys Ideen, die von Leuten, die nichts mit ihm, dem Sozialismus oder der Arbeiterklasse gemeinsam haben, gestohlen und zur Unkenntlichkeit entstellt wurden, retten. Wir müssen weiterhin für Connollys Ideen kämpfen – die einzigen Ideen, die den letztendlichen Sieg garantieren können. Wir müssen die notwendige revolutionäre Organisation aufbauen, die fest auf dem Programm, der Politik und den Methoden des Marxismus steht. Und wir müssen verstehen, dass diese Organisation fest mit jenem Boden verwurzelt sein muss, in dem sie wachsen und gedeihen kann: den Gewerkschaften und Massenorganisationen der Arbeiterklasse in Irland, sowohl im Norden als auch im Süden, und auch auf der anderen Seite der Irischen See.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Osteraufstand war ein glorreicher Vorbote dessen, was noch kommen wird. Die Aufgabe blieb 1916 ungelöst. Nun liegt sie auf unseren Schultern. Gewappnet mit den Ideen von Marx, Engels, Lenin, Trotzki – und Connolly – werden wir nicht scheitern!</p>
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			</item>
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		<title>Kuba 50 Jahre später – wohin geht die Revolution?</title>
		<link>https://derkommunist.de/kuba-50-jahre-spaeter-wohin-geht-die-revolution/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jorge Martin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Mar 2026 17:42:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Revolutionen]]></category>
		<category><![CDATA[Imperialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Kuba]]></category>
		<category><![CDATA[Kubanische Revolution]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In diesem Artikel aus dem Jahr 2009 zeigt Jorge Martin, wie die kubanische Revolution, die als bürgerlich-demokratische Revolution begann, gezwungen war, gegen den Kapitalismus vorzugehen, um ihre Ziele zu erreichen. [&#8230;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">In diesem Artikel aus dem Jahr 2009 zeigt Jorge Martin, wie die kubanische Revolution, die als bürgerlich-demokratische Revolution begann, gezwungen war, gegen den Kapitalismus vorzugehen, um ihre Ziele zu erreichen. Damit stellte sie eine brillante Bestätigung von Trotzkis Theorie der Permanenten Revolution dar. Der Artikel befasst sich auch mit den widersprüchlichen Tendenzen innerhalb Kubas in den ersten Jahren nach der Revolution.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er diskutiert weiter, wie Kuba dem Druck widerstand, den kapitalistischen Weg einzuschlagen, wie es in der Sowjetunion und in China geschehen war, und wie Kuba dabei eine schwere Krise durchlief. Er zeichnet heraus, wie hieraus innerhalb Kubas der Druck, das sogenannte „chinesische Modell” zu übernehmen, wuchs, d.h. Veränderungen im Raum standen, die letztendlich zur Wiederherstellung des Kapitalismus in Kuba führen könnten. Aber es gibt auch diejenigen, die sich dieser Idee widersetzen und nach Wegen suchen, den Sozialismus auf der Insel aufzubauen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 31. Dezember 1958 traf sich der kubanische Diktator Fulgencio Batista mit einer kleinen Gruppe seiner Freunde, um im Militärlager Columbia Silvester zu feiern. Dort führten sie eine vorab einstudierte politische Inszenierung auf: General Eulogio Cantillo, der im Namen der Streitkräfte sprach, forderte Batista auf, zurückzutreten, „um den Frieden wiederherzustellen, den das Land so dringend braucht”. Der Diktator ernannte Cantillo daraufhin zum Oberbefehlshaber der Streitkräfte und floh in die Dominikanische Republik. Das Batista-Regime, das bereits auf dem Sterbebett lag, versuchte, sein Gesicht zu ändern, um Kuba für die USA und ihre lokalen Handlanger sicher zu halten. Aber es war bereits zu spät.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Diktator Fulgencio Batista im Jahr 1952</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Bewegung des 26. Juli (M-26J) stand kurz davor, die Macht zu übernehmen, nachdem sie seit dem 2. Dezember 1956 einen dreijährigen Guerillakrieg gegen Batista geführt hatte, der mit der Landung am Strand von Las Coloradas im Osten Kubas begann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Manöver der Handlanger der Diktatur und des Imperialismus war offensichtlich: Batista sollte das Land sicher verlassen können und eine Militärjunta unter der Führung von Cantillo eingesetzt werden. So sollte der Anschein einer Veränderung erweckt werden, ohne dass sich in Wirklichkeit etwas änderte. Vor allem wollte der US-Imperialismus seine Interessen auf der Insel verteidigen. Das erforderte einen Personalwechsel. Die Bewegung des 26. Juli antwortete mit einem Aufruf zum Generalstreik. Die Botschaft von Fidel Castro, die in den frühen Morgenstunden des 1. Januar 1959 von Radio Rebelde (Rebellenradio) ausgestrahlt wurde, war scharf und klar:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Revolution ja, Militärputsch nein! Dem Volk den Sieg zu rauben, wird den Krieg nur verlängern! (&#8230;) Das Volk und insbesondere die Arbeiter der Republik müssen wachsam bleiben und Radio Rebelde verfolgen und sich an allen Arbeitsplätzen dringend auf den Generalstreik vorbereiten, der, sobald der Befehl erteilt wird, notfalls beginnen wird, um jedem Versuch eines konterrevolutionären Putsches entgegenzuwirken.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Aufruf zum revolutionären Generalstreik folgte nur wenige Minuten später. In Havanna gingen die Massen auf die Straße, um die Flucht des verhassten Diktators zu feiern. Zusammen mit den Revolutionären, die im Castillo del Principe-Gefängnis meuterten, übernahmen sie wichtige Punkte in der Stadt wie offizielle Gebäude, Polizeistationen usw. Die Truppen der Guerillakommandanten Che Guevara und Camilo Cienfuegos befanden sich noch in einiger Entfernung zur Hauptstadt, in Las Villas. Aber der Apparat der Diktatur brach wie ein Kartenhaus zusammen. Ihre Handlanger flohen so schnell sie konnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Fidel Castro in seinen Tagen als Guerillakämpfer</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Ende des Tages sprach Fidel Castro nach der Kapitulation der in der Stadt stationierten Truppen vor der Menge in Santiago de Cuba. Eine neue Regierung unter dem Vorsitz von Manuel Urrutia wurde vereidigt. Am 2. Januar zogen Che und Cienfuegos triumphierend in Havanna ein und stürzten die Militärjunta von Cantillo. Der Generalstreik dauerte vom 1. bis zum 4. Januar und sicherte den Sieg der Revolution und den endgültigen Zusammenbruch des morschen Apparats der Batista-Diktatur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 8. Januar erreichte Fidel Castro die Hauptstadt und die neue Regierung von Urrutia übernahm mit José Miró Cardona als Premierminister die Macht. Die Revolution hatte gesiegt. In weniger als drei Jahren würde der Kapitalismus auf der kleinen Karibikinsel abgeschafft sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fünfzig Jahre nach diesen Ereignissen arbeitet die bürgerliche Maschinerie des historischen Revisionismus auf Hochtouren, um die Bedeutung der kubanischen Revolution und ihrer Errungenschaften herunterzuspielen. Die kapitalistischen Medien in Lateinamerika, Spanien und auch darüber hinaus veröffentlichen Artikel von kubanischen Konterrevolutionären, vorzugsweise solchen, die ursprünglich Verbindungen zur Revolution hatten, diese aber aufgaben, als sie unaufhaltsam auf den Bruch mit dem Kapitalismus zusteuerte. In Chile beispielsweise hat <em>El Mercurio</em> ein Interview mit Hubert Matos veröffentlicht.<a href="https://marxist.com/cuba-50-years-later.htm#_ftn1"><sup>[1]</sup></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Hauptargument dieser Kampagne ist nicht, dass es 1959 in Kuba keine Revolution gebraucht hätte; das wäre zu plump. Das subtilere Argument lautet, dass die Revolution vom <em>Kommunismus </em>und <em>Autoritarismus</em> gekapert wurde und dass sich diese fünfzig Jahre später als unfähig erwiesen haben, das Land weiterzuentwickeln. In Argentinien lautet die Schlagzeile von <em>La Nación</em>: „Ein Traum von Freiheit, der in einem Albtraum der Unterdrückung endete“.<a href="https://marxist.com/cuba-50-years-later.htm#_ftn2"><sup>[2]</sup></a> Die bezahlten Schreiberlinge der herrschenden Klasse fügen ihre eigenen falschen Behauptungen hinzu, dass Kuba 1958 bereits ein entwickeltes Land gewesen sei. Sie spielen damit die späteren Fortschritte herunter, die durch die Revolution ermöglicht wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Art von Argumenten wurde immer wieder wiederholt. Als Beispiel kann man den Artikel von Andrés Oppenheimer in der spanischen Zeitung <em>El País</em> vom 2. Januar 2009 mit dem Titel „Ein halbes Jahrhundert später hat Kuba nicht viel vorzuweisen” anführen.<a href="https://marxist.com/cuba-50-years-later.htm#_ftn3"><sup>[3]</sup></a> Dieser „renommierte“ Journalist, der Lateinamerika-Experte des <em>Miami Herald</em>, erfindet eine Reihe von „Fakten“ und „Statistiken“, nicht etwa, um zu beweisen, dass die kubanische Revolution nicht gerechtfertigt war, sondern dass „sie sich nicht gelohnt hat“. „Andere lateinamerikanische Länder wie Costa Rica und Chile haben mehr erreicht als Kuba, ohne grundlegende Freiheiten zu opfern und mit viel geringeren Kosten in Bezug auf menschliches Leid”. Was für ein Skandal! Seit wann hat Chile keine „grundlegenden Freiheiten” geopfert und „geringe Kosten in Bezug auf menschliches Leid” gehabt? Fragt die Zehntausenden, die von der Pinochet-Diktatur gefoltert oder getötet wurden. Herr Oppenheimer, der diese Fakten als „Lateinamerika-Spezialist“ sehr gut kennt, beklagt die hohen menschlichen Kosten der Revolution (die er auf das Exilierung von 10% der Bevölkerung schätzt), erzählt uns aber nichts über nette, demokratische Länder wie Ecuador, El Salvador, Guatemala, Mexiko und vielen andere, in denen Millionen Menschen auswandern, ihre Familien zurücklassen mussten. Die ihr Leben riskierten, um Grenzen zu überqueren, und schließlich unter brutalster kapitalistischer Ausbeutung, institutionellem Rassismus, Polizeibrutalität usw. zu leiden hatten. Im Falle Ecuadors sollte Herr Oppenheimer wissen, dass ein Viertel der Gesamtbevölkerung auswandern musste. Lasst uns also über diese menschlichen Kosten sprechen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die tatsächlichen Fakten und Zahlen lügen jedoch nicht, und zum 50. Jahrestag der Revolution müssen wir uns erneut daran erinnern, wie diese Fakten und Zahlen aussehen. Die Lebenserwartung bei der Geburt in Kuba beträgt heute (laut den Zahlen des Berichts über die menschliche Entwicklung 2005 der Vereinten Nationen) 77,7 Jahre (62 im Jahr 1959) und ist damit fast genauso hoch wie in den USA (77,9). Sie ist viel höher als im benachbarten Haiti (ein freies kapitalistisches Land, Herr Oppenheimer), wo sie nur 59,5 Jahre beträgt, und deutlich höher als in Brasilien (71,7). Die Alphabetisierungsrate unter Erwachsenen liegt in Kuba bei 99,8%, während sie in Brasilien kaum 88,6% erreicht, und sie ist auch höher als in Oppenheimers Lieblingsländern Chile (95,7%) und Costa Rica (94,9%). Tatsächlich hat Kuba laut demselben Bericht der Vereinten Nationen den vierthöchsten Entwicklungsstand (Human Development Index) in Lateinamerika (vor Costa Rica!).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Betrachtet man die Zahlen zur Säuglingssterblichkeit (Todesfälle pro 1.000 Lebendgeburten) auf Grundalge des CIA World Factbook 2008 (das nicht der kommunistischen Propaganda verdächtigt werden kann), so ist die Situation in Kuba (heute 5,93 gegenüber 78,8 im Jahr 1959)<a href="https://marxist.com/cuba-50-years-later.htm#_ftn4"><sup>[4]</sup></a> sogar besser als in den USA (6,3), Chile (7,9), Costa Rica (9,01, Herr Oppenheimer) und Brasilien (26,67), ganz zu schweigen von Haiti, wo die Rate bei 62,33 Todesfällen pro 1.000 Lebendgeburten liegt. Diese Zahlen sollten uns nicht überraschen. Nach den neuesten Zahlen der Weltbank (einer weiteren Quelle, die frei von jeglichem kommunistischen Einfluss ist) ist Kuba mit 5,91 Ärzten pro 1.000 Einwohner das Land mit der zweithöchsten Ärztezahl weltweit, während die USA nur 2,3, Brasilien 2,06, Chile 1,09, Costa Rica 1,32 und Haiti gerade einmal 0,25 Ärzte pro 1.000 Einwohner aufweisen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber, wenn wir das Argument akzeptieren würden, dass die Revolution „es nicht wert war”, was ist dann das Kuba, das Herr Oppenheimer verteidigt? 1958 war Batistas Kuba das Bordell der USA. Ein Viertel der Bevölkerung waren Analphabeten. Der Anteil der Kinder, die zur Schule gingen, war niedriger als in den 1920er Jahren. Im Jahr 1954 hatten nur 15% der Häuser in den Städten und 1% der Häuser auf dem Land sanitäre Anlagen. Gleichzeitig gab es in Havanna mehr Cadillacs als in jeder anderen Stadt der Welt. Weniger als 30.000 Landbesitzer kontrollierten 70% aller Ackerflächen, während 78,5% der Landbesitzer nur 15% der Gesamtfläche bewirtschafteten.<a href="https://marxist.com/cuba-50-years-later.htm#_ftn5"><sup>[5]</sup></a> Etwa 20% der erwerbsfähigen Bevölkerung waren zu chronischer Arbeitslosigkeit verdammt, während weitere 20% der Landarbeiter vier Monate im Jahr in der <em>zafra</em> (Zuckerrohrernte) arbeiteten und den Rest des Jahres unter miserablen Bedingungen hungerten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kubas Abhängigkeit vom US-Imperialismus war absolut. „Kuba kaufte in den USA nicht nur Autos und Maschinen, chemische Produkte, Papier und Kleidung, sondern auch Reis und Bohnen, Knoblauch und Zwiebeln, Fett, Fleisch und Baumwolle. Eiscreme wurde aus Miami, Brot aus Atlanta und sogar Luxusgerichte aus Paris importiert“, erklärte Eduardo Galeano in seinem Klassiker „Die offenen Adern Lateinamerikas“. „Dreizehn US-amerikanische <em>ingenios </em>(Zuckerfabriken) kontrollierten mehr als 47% der gesamten Ernte (…). Der Reichtum unter der Erde – Nickel, Eisen, Kupfer, Mangan, Chrom, Wolfram – war Teil der strategischen Reserven der USA, deren Unternehmen diese Bodenschätze entsprechend den vielfältigen Bedürfnissen der Armee und der Industrie des Nordens abbauten. Im Jahr 1958 gab es in Kuba mehr registrierte Prostituierte als Bergarbeiter.“<a href="https://marxist.com/cuba-50-years-later.htm#_ftn6"><sup>[6]</sup></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz der Lügen von Herrn Oppenheimer und Co. wäre Kuba ohne die Revolution und die Abschaffung des privaten Gewinnstrebens heute ein armes und rückständiges Land, in dem die Mehrheit der Bevölkerung in Armut leben würde, mit Arbeitslosigkeit und Analphabetismus konfrontiert wäre und an heilbaren Krankheiten sterben müsste wie die Menschen im benachbarten Haiti und in der Dominikanischen Republik.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus diesem Grund feiern revolutionäre Marxisten die kubanische Revolution und verteidigen ihre Errungenschaften bedingungslos.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Der Charakter der Revolution</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Revolution, die vor 50 Jahren in Kuba siegte, hatte ein fortschrittliches demokratisches Programm, das nationale Befreiung und Agrarreform mit starkem sozialem Inhalt vorsah, aber die Abschaffung des Kapitalismus zur Verwirklichung dieser Aufgaben nicht thematisierte. Wer die Reden der Revolutionsführer in diesen ersten Monaten dieser Euphorie liest, wer die von ihnen erlassenen Dekrete und die getroffenen Maßnahmen studiert, kann leicht erkennen, dass der Sozialismus nicht auf der Tagesordnung stand. Trotzdem stimmt es, dass es einige Personen in der Revolutionsführung gab, die sich bereits damals als Sozialisten oder Kommunisten betrachteten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Zusammensetzung der ersten Regierung nach dem Sturz Batistas veranschaulicht dies. Präsident Urrutia, ein Richter ohne revolutionären Hintergrund, war politisch konservativ und ein offener Antikommunist. Premierminister Miró Cardona, ein Anwalt, war ein konservativer Bourgeois ohne revolutionäre Vergangenheit. Es gab weitere bürgerliche Konservative ohne revolutionäre Vergangenheit, wie den Finanzminister López Fresquet und den Staatsminister Agramonte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In seinen Memoiren „<em>Cuban Revolutionary Government. </em><em>First Steps”</em> (Kubanische Revolutionsregierung. Erste Schritte) beschreibt der damalige Minister im Präsidialamt, Luís M. Buch, die Situation deutlich:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Angesichts dieser Umstände herrschte in den USA und unter den großen Wirtschaftsgruppen zweifellos ein Klima relativer Zuversicht, und die Genossen, die die Notwendigkeit einer tiefgreifenden Revolution verkündet hatten, hegten gewisse Vorbehalte, von denen einige unter uns noch Monate oder Jahre lang bestehen blieben”.<a href="https://marxist.com/cuba-50-years-later.htm#_ftn7"><sup>[7]</sup></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">In Wirklichkeit war es jedoch nicht möglich, ein so fortschrittliches nationales demokratisches Programm umzusetzen, ohne frontal mit den Interessen der USA, die die Wirtschaft des Landes kontrollierten, und denen der eng verbundenen Allianz aus Großgrundbesitzern und Bourgeoisie, den lokalen Handlangern des Imperialismus, in Konflikt zu geraten. Die Entwicklung der kubanischen Revolution zwischen 1959 und 1962 ist eine brillante Bestätigung der Theorie der Permanenten Revolution, die Trotzki auf der Grundlage der Erfahrungen der Russischen Revolution formuliert hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Werk, das bis heute nichts an Aktualität verloren hat, erklärt Trotzki, dass die schwache Kapitalistenklasse in rückständigen kapitalistischen Ländern in der Epoche der imperialistischen Herrschaft nicht in der Lage ist, die Probleme der nationalen demokratischen Revolution (Agrarreform und Befreiung vom Imperialismus) zu lösen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„In bezug auf die Länder mit einer verspäteten bürgerlichen Entwicklung, insbesondere auf die kolonialen und halbkolonialen Länder, bedeutet die Theorie der permanenten Revolution, daß die volle und wirkliche Lösung ihrer demokratischen Aufgabe und des Problems ihrer nationalen Befreiung nur denkbar ist mittels der Diktatur des Proletariats als des Führers der unterdrückten Nation und vor allem ihrer Bauernmassen.“<a href="https://marxist.com/cuba-50-years-later.htm#_ftn8"><sup>[8]</sup></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Versuch, genau das Gegenteil zu tun, nämlich die Agrarreform durchzuführen und die nationale Souveränität zu erreichen auf der Grundlage eines Bündnisses mit der „fortschrittlichen“ (anti-batistischen) Bourgeoisie und ohne mit dem Kapitalismus zu brechen, erwies sich als völlig unmöglich. Nach und nach, als die Revolution praktische Maßnahmen ergriff, insbesondere in Bezug auf die Agrarreform, begannen die bürgerlichen Elemente sich abzuspalten und schlossen sich dem konterrevolutionären Lager an. Bereits am 16. Februar 1959 ersetzte Fidel Miró Cardona als Premierminister. Aber erst die Verabschiedung des ersten Agrarreformgesetzes im Mai desselben Jahres führte zum offenen Bruch mit den eher bürgerlichen Elementen. Am 11. Juni wurden vier Minister ersetzt (darunter der Landwirtschaftsminister, der sich gegen das Agrarreformgesetz ausgesprochen hatte). Am 18. Juli trat Präsident Urrutia zurück. Im Oktober desselben Jahres, bereits in einem Klima konterrevolutionärer Provokationen und bewaffneter Angriffe, verriet Kommandant Hubert Matos, der für Camagüey zuständig war, die Revolution.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während sich die bürgerlichen Elemente abspalteten, wuchs die Unterstützung für die Revolution unter den Massen der Arbeiter und Bauern und wurde noch stärker. Die Umsetzung der Agrarreform, die Senkung der Mieten sowie der Strom- und Telefongebühren waren greifbare Errungenschaften, für die das Volk bereit war, zu kämpfen und sie zu verteidigen. Im März wurden auf Initiative des Arbeiterzirkels in San Antonio de los Baños die ersten bewaffneten Milizen aus Arbeitern, Studenten, Bauern, Fachkräften und Hausfrauen gebildet, die sich später im ganzen Land ausbreiteten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einer Abfolge von Streiks und Gegenstreiks, Provokationen der kubanischen Kapitalisten und vor allem des US-Imperialismus, auf die die revolutionäre Regierung scharf reagierte, gewann die Revolution einen zunehmend radikalen Charakter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Laufe des Jahres 1960 wurde die Verstaatlichung ausländischer Unternehmen und Banken beschlossen, sodass zu dem Zeitpunkt, als Fidel am 17. April 1961, am Vorabend der versuchten Invasion in Playa Girón (Schweinebucht), den sozialistischen Charakter der Revolution verkündete, der Kapitalismus in Kuba praktisch ausgelöscht war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Ereignisse und das atemberaubende Tempo der kubanischen Revolution in den ersten Jahren enthalten wichtige Lehren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne mit dem Regime des kapitalistischen Privateigentums zu brechen, können in einem rückständigen kapitalistischen Land weder die grundlegenden Probleme, die die Massen der Arbeiter und Bauern betreffen, noch eine echte Befreiung vom Joch des Imperialismus erreicht werden. Nur die Enteignung der Interessen und Besitztümer der Imperialisten, der Großgrundbesitzer und der lokalen Kapitalistenklasse kann die Voraussetzungen garantieren, unter denen mit der Lösung der anstehenden nationalen demokratischen Aufgaben begonnen werden kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Das erste Jahrzehnt, Debatten und Konflikte</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die kubanische Revolution fand auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges statt. Durch den Bruch mit dem Kapitalismus wurde die kubanische Führung unaufhaltsam in Richtung der UdSSR getrieben. Aber dieser Prozess verlief nicht ohne Konflikte und Schwierigkeiten. Die UdSSR von 1959 war weit entfernt von dem revolutionären Land, das Lenin und Trotzki zwischen 1917 und 1924 geführt hatten. Die Usurpation der Macht durch die stalinistische Bürokratie hatte den Charakter des Regimes tiefgreifend verändert. Eine autoritäre Diktatur hatte die Sowjet-Demokratie der ersten Jahre ersetzt. Auch wenn das staatliche Eigentum an den Produktionsmitteln und die Planwirtschaft bestehen blieben und der UdSSR enorme Fortschritte ermöglicht hatten, hatte die Bürokratie eine zutiefst konservative und konterrevolutionäre Haltung eingenommen. Die Außenpolitik der stalinistischen Bürokratie basierte auf der sogenannten „friedlichen Koexistenz“, die im krassen Gegensatz zum revolutionären Internationalismus von Lenins und Trotzkis Sowjetrussland stand. In Kuba hatte der Stalinismus bereits katastrophale Auswirkungen auf die Politik der Kommunistischen Partei Kubas (die später in Sozialistische Volkspartei umbenannt wurde), sodass die Partei von 1940 bis 1944 mit zwei Ministern an der Regierung Batistas beteiligt war. Viele kubanische Revolutionäre betrachteten die Sozialistische Volkspartei 1959 nicht als eine wirklich revolutionäre Organisation. Die Führer der Partei standen bei der Durchführung der Verstaatlichungen in den Jahren 1959–61 oft rechts von der Politik Fidel Castros. Trotzdem war die Anziehungskraft der UdSSR für eine kleine Nation, die sich gerade erst vom Joch einer großen imperialistischen Macht nur 90 Meilen vor ihrer Küste befreit hatte, sehr stark. Wir sollten jedoch nicht vergessen, dass die Führer der kubanischen Revolution nicht aus dem Stalinismus hervorgegangen waren, sondern ihre eigene Unterstützerbasis hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie hatten ihre eigene Revolution durchgeführt und waren nicht vollständig von der UdSSR abhängig. In den ersten Jahren der Revolution war das Verhältnis zur UdSSR voller Widersprüche und Konflikte, darunter Säuberungen gegen die Stalinisten innerhalb der vereinigten revolutionären Organisationen, wie die beiden Säuberungen gegen Escalante 1962 und 1967–68.<a href="https://marxist.com/cuba-50-years-later.htm#_ftn9"><sup>[9]</sup></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war vielleicht Che Guevara, der diese Widersprüche am schärfsten zum Ausdruck brachte. Für ihn war die Idee der „friedlichen Koexistenz” – zu Recht – eine konterrevolutionäre Idee. Fidel und Che betrachteten die kubanische Revolution eindeutig als Teil der lateinamerikanischen Revolution und, im weiteren Sinne, als Teil des Kampfes der kolonialisierten Völker gegen den Imperialismus. Diese Auffassung stand in direktem Widerspruch zur Außenpolitik der sowjetischen Bürokratie und führte zu Konflikten in vielen kommunistischen Parteien des Kontinents. Ches Fehler bestand darin, dass er versuchte, die Methoden der Guerilla<em>-Foco</em>, die in Kuba aufgrund besonderer Umstände erfolgreich gewesen waren, zu verallgemeinern und sie als gültig für alle Länder und alle Umstände darzustellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ablehnung des Stalinismus war unter einer Generation von Revolutionären, die durch ihre eigenen Erfahrungen in der kubanischen Revolution zum Marxismus gekommen waren, sehr stark. Das Team der Philosophischen Fakultät der Universität Havanna beispielsweise lehnte die sowjetischen Lehrbücher zum „Marxismus-Leninismus” ab und arbeitete einen eigenen Lehrplan für das Studium des Marxismus aus, der auf den Originaltexten von Marx, Engels, Lenin und den klassischen Philosophen basierte. Dieselbe Gruppe von Revolutionären (die meisten von ihnen waren sehr jung) begann mit der Veröffentlichung der Zeitschrift <em>Pensamiento Crítico</em> (Kritisches Denken), in der sie offen und kritisch verschiedene Versionen des Marxismus diskutierten und versuchten, mit der verknöcherten, verzerrten und antimarxistischen Version zu brechen, die sie aus der Sowjetunion erhielten. Im Bereich der Kunst, Kultur und des Kinos gab es heftige öffentliche Polemiken gegen den Versuch der Stalinisten, den „sowjetischen Realismus“ und die Zensur von allem, was davon abwich, durchzusetzen. Che Guevara verteidigte die Planwirtschaft und die Notwendigkeit der Industrialisierung des Landes gegen die Stalinisten, die sich für den Einsatz von Marktmechanismen und materiellen Anreizen in der Wirtschaft einsetzten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Phase endete jedoch Anfang der 1970er Jahre. Das Scheitern Ches Versuch im Jahr 1967, die Revolution auf den Kontinent auszuweiten, besiegelte die Isolation der kubanischen Revolution. Auch das Scheitern der 10-Millionen-Tonnen-Zuckerrohrernte von 1970, das zu einer Verwerfung der Wirtschaft des Landes führte, markierte die vollständige wirtschaftliche Abhängigkeit Kubas von der UdSSR, die 1972 mit dem Beitritt zum CAME (Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe) besiegelt wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Abhängigkeit der kubanischen Revolution von der stalinistischen UdSSR hatte in allen Bereichen erhebliche negative Folgen: Die Diskussion von Ideen wurde eingeschränkt (sowohl die Philosophieabteilung als auch <em>Pensamiento Critico</em> wurden geschlossen), im Bereich Kunst und Kultur kam es zu Repressionen und Zensur (die schrecklichen <em>Quinquenio Gris</em>, die fünf grauen Jahre) und die stalinistische Bürokratie beeinflusste die Außenpolitik, die Wirtschaftspolitik usw.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Kuba widersteht dem Untergang der UdSSR</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz dieses Stalinisierungsprozesses war die kubanische Revolution jedoch nicht tot. Ihre Vitalität und ihre Wurzeln in der Bevölkerung kamen Ende der 1980er Jahre mit dem Zusammenbruch der UdSSR wieder zum Vorschein. Fast zwei Jahrzehnte lang war die kubanische Wirtschaft, die von den USA blockiert wurde, vollständig mit der Wirtschaft der UdSSR und der osteuropäischen Länder verflochten. Man könnte sogar diskutieren, ob diese Integration nicht in verzerrter Weise stattfand und die Entwicklung einer industriellen Basis in Kuba, für die Che sich eingesetzt hatte, blockierte. Klar ist, dass die Auswirkungen des Zusammenbruchs des Stalinismus aus wirtschaftlicher Sicht katastrophal waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die UdSSR kaufte kubanischen Zucker zu Preisen, die über denen des Weltmarktes lagen<a href="https://marxist.com/cuba-50-years-later.htm#_ftn10"><sup>[10]</sup></a>, und verkaufte Kuba alle Arten von Produkten (von Maschinen und Ersatzteilen bis hin zu Lebensmitteln und Treibstoff) zu Preisen unter denen des Weltmarktes. Ebenso gewährte die UdSSR Kuba Kredite zu sehr günstigen Konditionen, mit denen Kuba dann Produkte auf dem Weltmarkt kaufen konnte. 63% der kubanischen Lebensmittelimporte stammten aus der UdSSR, ebenso wie 80% der Maschinenimporte. 80% des kubanischen Handels fand mit der UdSSR und dem osteuropäischen Block statt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">All dies verschwand über Nacht. Zwischen 1989 und 1992 sank die Importkapazität der kubanischen Wirtschaft um 70%. Kuba wurde nicht nur der Handel zu äußerst günstigen Konditionen entzogen, sondern auch der Zugang zu Finanzmitteln für den Kauf von Produkten auf dem Weltmarkt abgeschnitten. Dies führte zu einem Einbruch des kubanischen BIP um 2,9% im Jahr 1990, 10% im Jahr 1991, 11,62% im Jahr 1992 und weiteren 14,9% im Jahr 1993.<a href="https://marxist.com/cuba-50-years-later.htm#_ftn11"><sup>[11]</sup></a> Zwischen 1989 und 1993 betrug der kumulierte Rückgang des BIP 35% (vergleichbar mit dem Crash von 1929 in den USA), der Rückgang der Exporte betrug 79%, der Rückgang der Importe 75% und der Rückgang der Bruttoinvestitionen 61%.<a href="https://marxist.com/cuba-50-years-later.htm#_ftn12"><sup>[12]</sup></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Wirtschaftszahlen vermitteln uns nur eine oberflächliche Vorstellung von den enormen menschlichen Kosten des Zusammenbruchs der Wirtschaft: Probleme wie Nahrungsmittelknappheit, Vitaminmangel, der fast vollständige Ausfall des Transportwesens, Mangel an Brennstoffen für die Stromerzeugung (mit den damit einhergehenden Stromausfällen) usw. Hinzu kommen die politischen Auswirkungen, die überwältigende ideologische Kampagne der herrschenden Klasse weltweit, wonach „der Sozialismus gescheitert“ sei, der Zusammenbruch eines Systems, das für Kuba 20 Jahre lang ein Bezugspunkt gewesen war und an dem keine ernsthafte Kritik geübt worden war. Und doch überstand Kuba trotz allem die sogenannte „Sonderperiode in Friedenszeiten“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der UdSSR leitete und organisierte die Führung der falsch benannten Kommunistischen Partei die Wiederherstellung des Kapitalismus mit dem Ziel, selbst Kapitalisten zu werden, indem sie Staatseigentum stahlen, plünderten und raubten. In Kuba widerstand die Revolution trotz aller Schwierigkeiten der Wiederherstellung des Kapitalismus. Es war eine Zeit, in der der Kampfgeist der kubanischen Revolution wiedergeboren wurde. Wir sahen den Willen eines Volkes, das die Freiheit erobert hatte und nicht erneut versklavt werden wollte. Trotz der enormen Schwierigkeiten und Leiden überwand die kubanische Revolution diese Periode, und zwar aus politischen Gründen.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Die kubanische Wirtschaft auf dem Weltmarkt</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig wurde (bereits seit 1988) eine Reihe von Maßnahmen eingeführt, die wichtige Zugeständnisse an den Kapitalismus bedeuteten, um auf dem Weltmarkt bestehen zu können. Diese waren unvermeidlich, wurden aber gleichzeitig zur Quelle von Widersprüchen und Gefahren für die Planwirtschaft in Kuba.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu diesen Maßnahmen gehörten die Öffnung der Wirtschaft für ausländische Investitionen, die Förderung des Tourismus als Quelle für harte Währung (mit allen damit verbundenen Widersprüchen), die Legalisierung des Dollars, die Dezentralisierung des Außenhandels, die Öffnung freier Agrarmärkte und die Gründung kleiner Bauerngenossenschaften sowie die (kontrollierte) Legalisierung der Selbstständigkeit und einiger kleiner Unternehmen usw.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Maßnahmen, die durch die unmittelbare Notwendigkeit des Überlebens bedingt waren, bargen große Gefahren. Die Teilnahme Kubas am Weltmarkt erfolgte unter extrem ungleichen Bedingungen. Die kubanische Wirtschaft basierte hauptsächlich auf Rohstoffen und Dienstleistungen und musste alle Arten von Industriegütern importieren. Selbst im Kontext einer starken Planwirtschaft, die in der Lage gewesen wäre, Maschinen zu produzieren, mit einem starken Industriesektor, der auf dem Weltmarkt hätte konkurrieren können, hätten die damals ergriffenen wirtschaftlichen Maßnahmen eine Durchdringung durch den Weltmarkt bedeutet. Dies galt umso mehr für die schwache und unterentwickelte kubanische Wirtschaft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die eingeführten Veränderungen drohten eine unaufhaltsame Entwicklung in Richtung Kapitalismus auszulösen. Seit 2003 hat die kubanische Regierung jedoch eine Wende zurück zur Zentralisierung der Wirtschaft vollzogen. Der Umlauf des Dollars wurde verboten (dieser wurde jedoch durch den konvertiblen Peso, CUC, ersetzt, der fest unter der Kontrolle des Staates steht), der Außenhandel wurde wieder unter zentrale Kontrolle gestellt, Zugeständnisse an Selbstständige und kleine Unternehmen wurden eingeschränkt und auch ausländische Investitionen und Joint Ventures wurden begrenzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ausschlaggebend ist die Schwäche der kubanischen Wirtschaft, die derzeit auf Einnahmen aus dem Tourismus, dem Export von Dienstleistungen (hauptsächlich kubanischer Ärzte nach Venezuela und anderen Ländern) und dem Export von Nickel basiert. Die Rolle der Industrie in der kubanischen Wirtschaft ist äußerst schwach und hauptsächlich auf die Versorgung des Tourismussektors ausgerichtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">All dies führte zu Widersprüchen und Ungleichheiten in der kubanischen Gesellschaft. Die Abhängigkeit vom Tourismus bedeutet einerseits, dass ein großer Teil der begrenzten landwirtschaftlichen Produktion in diesen Sektor fließen muss, zum Nachteil der Bedürfnisse der kubanischen Bevölkerung im Allgemeinen. Andererseits haben alle, die mit der Tourismusbranche in Kontakt stehen, Zugang zu konvertierbaren Pesos (CUC), mit denen sie Produkte kaufen können, um ihr monatliches Budget aufzubessern. Was ein Taxifahrer, ein Hotelportier oder jemand, der ein Zimmer vermietet, an einem Tag verdienen kann, kann so hoch sein wie der Monatslohn eines Bauarbeiters, eines Lehrers oder eines Arztes. Dies mindert den Wert der Löhne, führt zu einem Mangel an Ärzten und Lehrern und schafft eine Situation, in der ein großer Teil der Bevölkerung von <em>lucharla</em> lebt, d.h. von halblegalen oder offen illegalen Methoden, um an Einkommen zu kommen (Diebstahl am Arbeitsplatz, Diebstahl öffentlicher Ressourcen, legale oder illegale Selbstständigkeit usw.). Der gefährlichste Aspekt dieser Phänomene ist, dass sie die Idee einer individuellen Lösung von Problemen gegenüber einer kollektiven Lösung fördern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Export medizinischer Dienstleistungen (der einigen Zahlen zufolge bereits 50% des Gesamtwerts der Exporte von Waren und Dienstleistungen und damit fast doppelt so viel ausmacht wie die Einnahmen aus dem Tourismus) bedeutet, dass die Tatsache, dass etwa 25.000 kubanische Ärzte im Ausland tätig sind, negative Auswirkungen auf das Gesundheitswesen in Kuba hat, eine der wichtigsten Errungenschaften der Revolution.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Überweisungen von Kubanern im Ausland, die einen Wert von 1,1 Milliarden Dollar haben<a href="https://marxist.com/cuba-50-years-later.htm#_ftn13"><sup>[13]</sup></a>, sind ebenfalls eine Quelle weiterer Widersprüche, da sie nicht alle Bevölkerungsschichten gleichermaßen erreichen, wodurch die soziale Ungleichheit zunimmt und der Status der Löhne als Haupteinkommensquelle geschwächt wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich unterliegen die Nickel-Exporte in der aktuellen Krise des Kapitalismus der Volatilität des Marktes für Bodenschätze. Der Durchschnittspreis für Nickel lag 2008 um 41% unter dem von 2007 und um 80% unter seinem Höchststand von 2007.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig ist die kubanische Wirtschaft stark von diesen Deviseneinnahmen abhängig, um auf dem Weltmarkt alle Güter zu kaufen, die sie benötigt (von Lebensmitteln bis hin zu Bussen für den öffentlichen Nahverkehr) und die sie nicht selbst produziert. Der Bedarf an Devisen wurde durch die Hurrikane erhöht, die 2008 die Insel heimgesucht haben und Schäden in Höhe von 10 Milliarden Dollar (20% des BIP) verursacht haben, indem sie Ernten, Infrastruktur und Häuser zerstört haben.<br></p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Die Weltrevolution, die einzige Lösung für die Probleme der kubanischen Revolution</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">All diese wirtschaftlichen Faktoren bestätigen nur die Idee, dass letztendlich die einzige wirkliche Lösung für die kubanische Wirtschaft in der Ausbreitung der Revolution auf andere Länder zu finden ist. Genau das ist der zweite Teil von Trotzkis Gleichung in „<em>Die Permanente Revolution</em>“:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Der Abschluß einer sozialistischen Revolution ist im nationalen Rahmen undenkbar. Eine grundlegende Ursache für die Krisis der bürgerlichen Gesellschaft besteht darin, daß die von dieser Gesellschaft geschaffenen Produktivkräfte sich mit dem Rahmen des nationalen Staates nicht vertragen. (…) Die sozialistische Revolution beginnt auf nationalem Boden, entwickelt sich international und wird vollendet in der Weltarena.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Folglich wird die sozialistische Revolution in einem neuen, breiteren Sinne des Wortes zu einer permanenten Revolution: sie findet ihren Abschluß nicht vor dem endgültigen Siege der neuen Gesellschaft auf unserem ganzen Planeten. (…) Die weltumfassende Arbeitsteilung, die Abhängigkeit der Sowjetindustrie von der ausländischen Technik, die Abhängigkeit der Produktivkräfte der fortgeschrittenen Länder Europas von den asiatischen Rohstoffen usw. usw. machen in keinem Lande der Welt den Aufbau einer selbständigen nationalen sozialistischen Gesellschaft möglich.“<a href="https://marxist.com/cuba-50-years-later.htm#_ftn14"><sup>[14]</sup></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dies traf in den 1930er Jahren zu, als der russische Revolutionär die theoretischen Schlussfolgerungen aus den Erfahrungen der Oktoberrevolution niederschrieb. Aber es trifft heute, da die Verflechtung der Weltwirtschaft ein extremes Ausmaß erreicht hat, noch mehr zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig sind die revolutionären Bedingungen in ganz Lateinamerika heute viel weiter fortgeschritten als 1989, als Kuba vollständig isoliert war. Die Entwicklung der venezolanischen Revolution hat bereits einen Verbündeten für die kubanische Revolution geschaffen, sowohl in wirtschaftlicher Hinsicht (zum Beispiel durch den Austausch von Ärzten gegen Öl zu vorteilhaften Konditionen) als auch in politischer. Dies bestätigt die Notwendigkeit, die Revolution international zu verbreiten, als einzigen Ausweg für die kubanische Revolution.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das trotz der Tatsache, dass der Kapitalismus in Venezuela noch nicht abgeschafft worden ist. Doch wenn dies nicht geschieht, wird die venezolanische Revolution besiegt werden, was einen schweren Schlag für die kubanische Revolution bedeuten würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus diesem Grund muss die Außenpolitik der kubanischen Revolution fest auf dem proletarischen Internationalismus basieren. Die Lehren der kubanischen Revolution für Venezuela, Bolivien, Ecuador usw. sind klar: Nur durch die Enteignung der Imperialisten, Großgrundbesitzer und Kapitalisten ist es möglich, die dringendsten Bedürfnisse der Massen der Arbeiter und Bauern anzugehen und zu lösen.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Der Kampf gegen Bürokratie und Korruption</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Allerdings sind nicht alle Probleme, mit denen die kubanische Revolution konfrontiert ist, direkt auf ihre Isolation zurückzuführen oder externen Faktoren zuzuschreiben. In einer sehr wichtigen Rede, die Fidel am 17. November 2005 an der Universität von Havanna hielt<a href="https://marxist.com/cuba-50-years-later.htm#_ftn15"><sup>[15]</sup></a>, warnte der kubanische Führer bereits davor, dass die Revolution Gefahr liefe, sich selbst zu zerstören, und nannte Bürokratie, Korruption und die Neureichen als zentrale Probleme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist unvermeidlich, dass in jeder Gesellschaft mit begrenzten Ressourcen Bürokratie und Korruption entstehen, aber der einzige Weg, diese Phänomene zu bekämpfen, die für die Planwirtschaft wie ein Krebsgeschwür sind, ist die Arbeiterdemokratie, die allumfassende Kontrolle der Wirtschaft und der Staatsverwaltung durch die Arbeiter. Wenn die Arbeiter nicht das Gefühl haben, dass sie die Herren und Eigentümer des Landes und der Produktionsmittel sind, dass sie an den Entscheidungen beteiligt sind (insbesondere an den schwierigsten, die die Verteilung knapper Ressourcen betreffen), dann werden die Samen der Demoralisierung und Skepsis gesät. Wie der kubanische Kommunist Frank Josué Solar Cabrales betonte: „Die einzige Lösung für Kuba besteht darin, einerseits Anreize zu schaffen, die Mechanismen der Arbeiterkontrolle, die zu bestimmten Zeiten nur Übergangslösungen waren, zu vertiefen und sie systematisch zu machen, sie in der Wirtschaft und Politik Kubas zu institutionalisieren”.<a href="https://marxist.com/cuba-50-years-later.htm#_ftn16"><sup>[16]</sup></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ablösung Fidels durch Raúl Castro weckte große Erwartungen auf Veränderungen in Kuba. Auf allen Ebenen wurde eine Diskussion über die wichtigsten Probleme des Landes eröffnet. Hunderttausende Kubaner beteiligten sich daran und bekräftigten ihre mehrheitliche Unterstützung für den Sozialismus, wiesen aber gleichzeitig auf die Probleme hin, mit denen die Revolution konfrontiert ist und denen die Kubaner täglich gegenüberstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus dieser Debatte gingen jedoch nur begrenzte und sekundäre Veränderungen hervor (wie die Liberalisierung des Besitzes von Mobiltelefonen, des Verkaufs einiger Elektrogeräte, die Möglichkeit, in Hotels zu übernachten), die in Wirklichkeit nur denjenigen Schichten zugutekommen, die einen direkteren Zugang zu CUCs haben, und somit die soziale Ungleichheit nur noch verstärken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus wurden Maßnahmen zur Förderung „materieller Anreize” ergriffen, wie die Abschaffung der Obergrenze für Produktivitätsprämien, eine Maßnahme, die ebenfalls die soziale Differenzierung verstärkt.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Kuba – auf dem Weg nach China?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Debatte, die in Kuba eröffnet wurde, ist deutlich zu erkennen, dass eine starke Tendenz besteht, Lösungen zu betonen, die angeblich „praktisch”, administrativ und effizienzbezogen sind, im Gegensatz zu politischen Maßnahmen. Die internationalen kapitalistischen Medien haben darüber spekuliert, ob Raúl Castro ein Befürworter eines „chinesischen Weges” für Kuba ist, d.h. der schrittweisen Einführung von Marktmaßnahmen, die letztendlich zur Wiederherstellung des Kapitalismus führen würden. Offensichtlich wäre dies die bevorzugte Option für die Kapitalisten weltweit. In den offiziellen kubanischen Medien wird betont, dass Kuba sich von China unterscheidet, dass die Bedingungen anders sind und Modelle nicht kopiert werden können. Gleichzeitig schlagen kubanische Ökonomen jedoch genau die gleichen Marktreformen vor, die in China zur Wiederherstellung des Kapitalismus geführt haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So spricht beispielsweise Omar Everleny, stellvertretender Direktor des einflussreichen Zentrums für kubanische Wirtschaftsforschung (CEEC) an der Universität Havanna, in einem Interview, das in der mexikanischen Zeitung <em>La Jornada</em> veröffentlicht wurde, von der Notwendigkeit, ausländische Investitionen zu fördern, private kleine und mittlere Unternehmen zu entwickeln, die Wirtschaftstätigkeit zu dezentralisieren und die Rolle des Marktes in der Wirtschaft zu stärken. Am Beispiel Vietnams weist Everleny darauf hin: „In einem Land und einer Wirtschaft, selbst wenn sie sozialistisch sind, muss der Markt ein wichtiger Bestandteil sein. Wir sollten diskutieren, in welchem Verhältnis, aber ich denke, dass ein gewisser Marktanteil für den Entwicklungsprozess unter den Bedingungen Kubas unerlässlich ist. Vietnam hat es geschafft, den Markt einzuführen, und ist eine Wirtschaft mit hohen Wachstumsraten, mit wachsendem Wohlstand und spielt heute eine Schlüsselrolle beim Export von Grundprodukten weltweit.“<a href="https://marxist.com/cuba-50-years-later.htm#_ftn17"><sup>[17]</sup></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Derselbe Omar Everleny wiederholt dieselben Ideen in einem kürzlich erschienenen Artikel: „Die kubanische Wirtschaft braucht dringend eine tiefgreifende strukturelle Transformation mit Schwerpunkt auf Dezentralisierung. In eine solche Strategie muss die Gestaltung <em>nichtstaatlicher Eigentumsformen einbezogen werden, nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch im verarbeitenden Gewerbe und im Dienstleistungssektor</em>. Der Staat sollte sich die Rolle des Regulierers vorbehalten und seine Energie auf die strategischen Sektoren konzentrieren. Die 50 Jahre des kubanischen Sozialismus zeigen, mit einigen Ausnahmen, dass die Rezentralisierung und <em>eine Politik, die darauf abzielt, den Markt zu verdrängen, zu wirtschaftlichen Rezessionen und ungünstigen Situationen</em> geführt haben. Dies ist nicht der Weg, der in Zukunft eingeschlagen werden sollte. Der Staat sollte von einer Rolle als allgemeiner Verwalter zu einer Rolle als allgemeiner Regulierer übergehen, ohne das von den Kubanern beschlossene sozialistische Projekt zu ändern. Es besteht kein Zweifel, und die Zeit wird zeigen, dass <em>diese Reform des Wirtschaftssystems die Rolle des Marktes, die staatliche Regulierung der Eigentumsformen und die Organisation der Unternehmen einbeziehen muss.</em>”<a href="https://marxist.com/cuba-50-years-later.htm#_ftn18"><sup>[18]</sup></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es scheint klar zu sein, was Everleny vorschlägt: die Öffnung des verarbeitenden Gewerbes und des Dienstleistungssektors für Privateigentum, die Ablehnung einer Politik, die sich vom Markt entfernt, und dass der Staat, anstatt die Wirtschaft zu planen, sie lediglich „regulieren” sollte. Auch wenn Everleny behauptet, dass dies keine Änderung des „sozialistischen Projekts” bedeuten würde, ähnelt die Art von Sozialismus, die er vorschlägt, sehr stark dem sogenannten „Marktsozialismus mit chinesischen Merkmalen”, also dem Kapitalismus. Es ist kein Zufall, dass sein Artikel in der Zeitschrift <em>Nueva Sociedad</em> der Friedrich-Ebert-Stiftung der deutschen Sozialdemokratie veröffentlicht wurde, dem freundlichen Gesicht der kapitalistischen Konterrevolution.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Armando Nova, ebenfalls vom CEEC, besteht auf der Notwendigkeit, Unternehmen (Genossenschaften verschiedener Art) im Agrarsektor volle Autonomie zu gewähren, damit sie „die Autonomie haben, die sie benötigen, um über die effiziente Kombination der Produktionsfaktoren, den Erwerb von Produktionsmitteln, die Kontrolle und Entscheidung über ihr Endprodukt und die wirtschaftlichen Gewinne zu entscheiden, <em>kurz gesagt, um das Gefühl der Eigenverantwortung zu verwirklichen.</em>”<a href="https://marxist.com/cuba-50-years-later.htm#_ftn19"><sup>[19]</sup></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">In einer kürzlich veröffentlichten und sehr interessanten Studie über den aktuellen Zustand der kubanischen Wirtschaft betonen Jorge Martio Sánchez Egozcue vom Zentrum für Studien über die Vereinigten Staaten an der Universität Havanna und Juan Triana Cordoví vom CEEC dieselben Vorschläge: die Wiederbelebung der Landwirtschaft (was ihrer Meinung nach private ausländische Investitionen erfordern würde), die Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen (als private Unternehmen, kooperativ oder nicht, mit dem Ziel, „ein Unternehmensgefüge zu schaffen, das zur Steigerung der Effizienz des gesamten Systems beiträgt“) und die Förderung ausländischer Investitionen (Ausweitung auf neue Sektoren und Förderung durch „Veränderungen im rechtlichen Rahmen“).<a href="https://marxist.com/cuba-50-years-later.htm#_ftn20"><sup>[20]</sup></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese vorgeschlagenen Maßnahmen können insgesamt als „chinesischer Weg” oder wie auch immer bezeichnet werden, aber in der Praxis handelt es sich um dieselben Maßnahmen, die ursprünglich in China mit dem Ziel der wirtschaftlichen Entwicklung eingeführt wurden und schließlich zur Wiederherstellung des Kapitalismus führten. Im Falle Kubas würde die Annahme und Weiterverfolgung dieser Art von Maßnahmen nicht nur das Risiko einer Wiederherstellung des Kapitalismus mit sich bringen, sondern auch keine der wirtschaftlichen Ergebnisse Chinas erzielen, gerade weil die Bedingungen sehr unterschiedlich sind. Unter anderem verfügt Kuba nicht über einen massiven Vorrat an billigen Arbeitskräften oder die Fähigkeit des Staates, Infrastrukturen für die Exportindustrie zu schaffen. Darüber hinaus hat die weltweite Wirtschaftskrise die Exportmärkte zerstört, von denen China ursprünglich profitierte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Einführung einiger dieser Maßnahmen hat bereits begonnen, insbesondere in Bezug auf die Landwirtschaft, die Dezentralisierung der Entscheidungsfindung in der Wirtschaft und die Kopplung von Löhnen und Produktivität.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Selbstverwaltung?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Rahmen dieser Debatte über die Erneuerung des kubanischen Sozialismus haben einige die Idee der Selbstverwaltung als Weg in die Zukunft vorgeschlagen. Pedro Campos und andere haben ein Dokument unterzeichnet, in dem sie 13 programmatische Maßnahmen als Teil der Debatte im Vorfeld des IV. Parteitags, der später in diesem Jahr stattfinden wird, vorbringen.<a href="https://marxist.com/cuba-50-years-later.htm#_ftn21"><sup>[21]</sup></a> Zweifellos enthält das Dokument eine Reihe interessanter Vorschläge, darunter die Bildung von „Arbeiterräten an allen Arbeitsplätzen”. Es ist klar, dass Pedro Campos zutiefst besorgt über die Probleme der kubanischen Wirtschaft ist und nach Lösungen sucht, die eine vollständige Beteiligung der Arbeiter an der Verwaltung der Wirtschaft und den Entscheidungsprozessen auf allen Ebenen vorsehen. In diesem Punkt sind wir uns einig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir sind jedoch der Meinung, dass die Grundidee des Dokuments nicht nur falsch, sondern auch sehr gefährlich ist. Im Wesentlichen wird darin vorgeschlagen, dass in kleinen und mittleren Unternehmen „das Eigentum an den Produktionsmitteln direkt und vollständig an die Arbeiter übertragen wird, entweder durch Verkauf, Vorauszahlung oder Kredit, oder durch Übertragung durch den Staat“ und dass „Unternehmen von nationalem oder strategischem Interesse“ „gemeinsam vom Staat und vom Kollektiv der Arbeiter verwaltet werden, wobei Eigentum und Verwaltung von der zuständigen staatlichen Stelle geteilt werden können oder auch nicht und teilweise oder vollständig als Pacht oder Nießbrauch an die Arbeiter übertragen werden“. In all diesen Unternehmen würde „die Form der Lohnzahlung“ durch „die gerechte Aufteilung eines Teils der Gewinne“ ersetzt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das bedeutet, dass das Eigentum an Unternehmen an die dort beschäftigten Arbeiter übertragen würde und diese anstelle von Löhnen an den Gewinnen beteiligt würden. Das vorgeschlagene System ähnelt stark der „sozialistischen Selbstverwaltung“, die in Jugoslawien eingeführt wurde und zum wirtschaftlichen Zusammenbruch des Landes und später zu dessen Zerfall führte. Diese Art des Eigentums und der Gewinnverteilung führt unweigerlich zu einer Sichtweise, die nicht kollektiv ist, sondern individuell für jede Gruppe von Arbeitern in jedem Unternehmen. Wenn es beispielsweise zwei Transportunternehmen in derselben Stadt gäbe, würden die Arbeiter in jedem dieser Unternehmen dazu gedrängt, mit den Arbeitern des anderen Unternehmens zu konkurrieren, um höhere Gewinne zu erzielen, die sie unter sich aufteilen könnten (genau das ist in Jugoslawien geschehen).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus lässt dieses System individueller materieller Anreize in jedem Unternehmen das Problem der Verwaltung öffentlicher Dienstleistungen außer Acht, d.h. von Unternehmen, die nicht unbedingt Gewinne erzielen, aber einen nützlichen Dienst für die Gesellschaft erbringen, wie beispielsweise öffentliche Verkehrsmittel, Gesundheitswesen und Bildung. Welche Gewinne würden Unternehmen in diesen Sektoren für die Arbeiter zur Aufteilung erzielen? Selbstverwaltung würde auch zu extremer Ungleichheit zwischen Arbeitern in verschiedenen Wirtschaftssektoren mit unterschiedlichen Gewinnraten führen. Wenn beispielsweise der Nickelpreis auf dem Weltmarkt dramatisch einbricht, müssten die Arbeiter in diesem Sektor Verluste aufteilen, während die Arbeiter im Biotechnologiesektor beispielsweise erhebliche Gewinne zu verteilen hätten. Die Verteilung der Gewinne würde in diesem Fall überhaupt nicht von der Qualität und Intensität der Arbeit dieser Arbeitergruppen abhängen, sondern von Faktoren, die ihnen völlig fremd sind. Dies würde zu einer Abwanderung von Arbeitern aus den weniger profitablen oder sogar verlustbringenden Wirtschaftssektoren (z.B. Gesundheitswesen, Bildung, öffentlicher Nahverkehr oder Nickel) in die profitableren Sektoren (z.B. Tourismus, Biotechnologie) führen, wodurch sich dieselben Probleme wiederholen würden, mit denen wir derzeit konfrontiert sind und die mit diesen Maßnahmen eigentlich gelöst werden sollten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Tatsache, dass die Löhne der Arbeiter an die Gewinne gekoppelt wären, würde alle Probleme reproduzieren, mit denen Genossenschaften in einer kapitalistischen Wirtschaft konfrontiert sind. Die Arbeiter wären gezwungen, sich noch mehr auszubeuten, um genügend Gewinne für die Verteilung zu erzielen oder um mehr Gewinne als die Arbeiter in anderen Unternehmen, mit denen sie im Wettbewerb stehen, zu erzielen, indem sie länger arbeiten, die Arbeitsintensität erhöhen, Gesundheits- und Sicherheitsaspekte außer Acht lassen usw. Wir gehen davon aus, dass es in dem von Campos vorgeschlagenen System Wettbewerb geben würde, da er sagt: „Die derzeit bestehenden staatlichen Monopole auf dem Binnenmarkt müssten verschwinden und kommerziellen Aktivitäten weichen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Wirklichkeit führt Selbstverwaltung mit einem Markt unweigerlich zum Kapitalismus und unterscheidet sich nicht wesentlich von den Vorschlägen derjenigen, die sich für Marktmaßnahmen, materielle Anreize und die Privatisierung kleiner und mittlerer Unternehmen einsetzen, die wir zuvor analysiert haben. Dieses Programm würde die Arbeiter nicht befreien, sondern sie zu Kapitalisten machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Camila Piñeiro Harnecker kritisiert sowohl diejenigen, die Marktmechanismen zur Stimulierung der Produktion verteidigen, als auch diejenigen, die wie Pedro Campos vorschlagen, dass die Arbeiter direkte Eigentümer der Unternehmen sein sollten, in denen sie arbeiten. In einem interessanten Artikel, der in der Zeitschrift <em>Temas</em> veröffentlicht wurde, argumentiert Camila Piñeiro, dass „die Beteiligung der Arbeiter an der Unternehmensführung nicht nur zu ihrer vollen Entfaltung beitragen würde, sondern auch eine wichtige Motivationsquelle wäre”. <a href="https://marxist.com/cuba-50-years-later.htm#_ftn22"><sup>[22]</sup></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">In seiner brillanten Analyse der stalinistischen Degeneration der UdSSR betonte Leo Trotzki, dass „die Planwirtschaft die Arbeiterdemokratie ebenso braucht wie der menschliche Körper Sauerstoff”. Die Arbeiter sollten Eigentümer der Produktionsmittel und des Staates sein und sich auch wirklich als solche fühlen und direkt und effizient an der Führung der Wirtschaft und der Verwaltung der öffentlichen Angelegenheiten beteiligt sein. Aber das Programm, das diesen Bedürfnissen am treuesten entspricht, ist das Programm der Arbeiterdemokratie und der demokratischen Planung der Produktionsmittel, das Programm von Lenin und Trotzki.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Ideologische Wiederbewaffnung der kubanischen Revolution</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in Kuba gibt es eine Strömung, die nach einer <em>linken</em> Lösung für die Probleme der Revolution sucht. Während der Buchmesse in Havanna 2008 äußerte sich der kubanische Schriftsteller Desiderio Navarro in einem Forum für Debatten und Diskussionen wie folgt: „Die jüngste Geschichte hat gezeigt, dass Sozialismus ohne Kritik und ohne kollektive Beteiligung dazu verdammt ist, im schlimmsten Kapitalismus zu enden“, und er fügte hinzu, dass er sowohl gegen „Experimente vom Typ Perestroika als auch gegen chinesische Schattenspiele“ sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Erfahrung des Bolschewistischen Workshops<a href="https://marxist.com/cuba-50-years-later.htm#_ftn23"><sup>[23]</sup></a>, einer Reihe von Treffen und Debatten über die Geschichte der UdSSR und Kubas aus einer „sozialistisch-kritischen“ Perspektive, die 2007 in einer Versammlung von mehr als 500 Jugendlichen zum Gedenken an die Russische Revolution gipfelte,<a href="https://marxist.com/cuba-50-years-later.htm#_ftn24"><sup>[24]</sup></a>, sind ein Hinweis auf die lebhafte Diskussion und den Ideenreichtum, die dort herrschen. Dieses Treffen, das von der Basis aus organisiert wurde und sich offen zum revolutionären Charakter des Marxismus und zum unterdrückten Erbe der Oktoberrevolution (einschließlich dessen Trotzkis) bekannte, war auch ein Beweis dafür, dass es möglich ist, die kubanische Jugend für die Verteidigung der Revolution zu interessieren, wenn man einen klar antikapitalistischen Standpunkt einnimmt. Diese Debatte konzentriert sich hauptsächlich auf Intellektuelle und Universitätsstudenten und ist nicht frei von Schwierigkeiten. Innerhalb des Staatsapparats gibt es stalinistische oder prokapitalistische Fraktionen, die sich durch diese Debatte bedroht fühlen und versuchen, sie zu verhindern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Diskussion von Ideen ist entscheidend, und die ideologische Wiederbewaffnung der kubanischen Revolution ist notwendig, um sie zu stärken. Allerdings sind nicht alle Ideen gleichwertig. Es gibt diejenigen, die reformistische Ideen verteidigen, die sagen, dass es möglich ist, „Sozialismus” zu haben, aber mit dem Markt, und dass mehr „Demokratie” notwendig ist (wobei sie in Wirklichkeit die <em>bürgerliche</em> Demokratie befürworten). Revolutionäre Marxisten bringen in dieser Debatte zwei Hauptideen vor: Für uns kann die Verteidigung der kubanischen Revolution nur dann erfolgreich sein, wenn sie auf internationalem Sozialismus und echter Arbeiterdemokratie basiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne Zweifel steht die kubanische Revolution in ihrem 50. Jahr an einem Scheideweg. Sie ist mit wirtschaftlichen und politischen Schwierigkeiten konfrontiert, unterliegt einer brutalen imperialistischen Blockade und sieht sich den heimtückischen Angriffen jener Teile des Weltkapitalismus ausgesetzt, die eine „Öffnung“ als Weg zur Wiederherstellung des Kapitalismus anstreben. Sie wird auch von denjenigen innerhalb der Insel bedroht, die einen „chinesischen Weg“ verteidigen, der in Wirklichkeit zum Kapitalismus führt. Und es gibt diejenigen, die den Status quo der Bürokratie verteidigen, was letztendlich zum Zusammenbruch der Revolution führen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus Sicht des Klassenkampfs ist das internationale Umfeld für die Revolution günstig. Die Revolution breitet sich in ganz Lateinamerika aus. Die Krise des Kapitalismus (die auch zur Krise des „chinesischen Modells” führen wird) diskreditiert das kapitalistische System in den Augen von Millionen von Arbeitern auf der ganzen Welt und in Kuba selbst gegenüber denen, die noch Illusionen in dieses System haben könnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In dieser Situation könnte das enorme politische und soziale Reservoir an Unterstützung, über das die Revolution verfügt, wenn es mit der Verteidigung des proletarischen Internationalismus und der Arbeiterdemokratie verbunden ist, zu einem mächtigen Faktor im Kampf um die Verteidigung und Ausbreitung der Errungenschaften der Planwirtschaft und um die Eröffnung einer sozialistischen Zukunft in Lateinamerika und der Welt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute mehr denn je:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Es lebe die kubanische Revolution!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Es lebe die sozialistische Weltrevolution!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/cuba-50-years-later.htm#_ftnref1">[1]</a> <em>El Mercurio</em>, 28. Dezember 2008. Hubert Matos war einer der ersten, der von innen gegen die Revolution konspirierte, ein General Baduel der kubanischen Revolution.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/cuba-50-years-later.htm#_ftnref2">[2]</a> <a href="http://www.lanacion.com.ar/nota.asp?nota_id=1086535&amp;pid=5624946&amp;toi=6262">Un sueño de libertad que derivó en una pesadilla de opresión</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/cuba-50-years-later.htm#_ftnref3">[3]</a> <a href="http://www.elpais.com/articulo/internacional/Medio/siglo/despues/Cuba/tiene/mucho/mostrar/elppgl/20090102elpepiint_6/Tes">Medio siglo después, Cuba no tiene mucho que mostrar</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/cuba-50-years-later.htm#_ftnref4">[4]</a> Auch wenn die jüngsten, gerade veröffentlichten Daten zeigen, dass die Säuglingssterblichkeit nur 4,7 pro 1.000 Lebendgeburten beträgt, was den niedrigsten Stand in der Geschichte darstellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/cuba-50-years-later.htm#_ftnref5">[5]</a> Zitiert in „<em><a href="http://www.engels.org/docu/cuba/indice.htm">La Revolución Cubana. Pasado Presente y Futuro</a>”</em>. Fundación Federico Engels, Madrid 2004.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/cuba-50-years-later.htm#_ftnref6">[6]</a> Eduardo Galeano. <em>Las venas abiertas de América Latina</em>. SXXI Editores. Mexiko 1971</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/cuba-50-years-later.htm#_ftnref7">[7]</a> Luís M. Buch. <em>Gobierno Revolucionario. Primeros Pasos</em>. Ciencias Sociales, Havanna 2004. S. 196</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/cuba-50-years-later.htm#_ftnref8">[8]</a> Leo Trotzki, <em>Die Permanente Revolution, Grundsätze</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/cuba-50-years-later.htm#_ftnref9">[9]</a> Unter anderem warf die Escalante-Mikrofraktion Che Guevara vor, die Sowjetunion angegriffen und „trotzkistische” Positionen eingenommen zu haben, und lehnte Fidels Kritik an der Politik der Sowjetunion in Lateinamerika, einschließlich der Unterstützung für Chile und Brasilien, ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/cuba-50-years-later.htm#_ftnref10">[10]</a> Im Zeitraum 1975–1989 zahlte die UdSSR 36,4 Cent pro Pfund Zucker, während der Weltmarktpreis im gleichen Zeitraum bei 11,49 lag (J.L. Rodríguez, <em>El desarrollo económico y social de Cuba</em>, 1990, S. 292).</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/cuba-50-years-later.htm#_ftnref11">[11]</a> Zitiert in Richard Gott, <em>Cuba. A new history</em>. Yale University Press, 2004</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/cuba-50-years-later.htm#_ftnref12">[12]</a> Anicia García, CEEC Universidad de La Habana, 2007</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/cuba-50-years-later.htm#_ftnref13">[13]</a> Nach Schätzungen der Lateinamerikanischen Wirtschaftskommission CEPAL und des kubanischen Amtes für nationale Statistik für 2004</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/cuba-50-years-later.htm#_ftnref14">[14]</a> Leo Trotzki, <em>Die Permanente Revolution, Grundsätze</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/cuba-50-years-later.htm#_ftnref15">[15]</a> Rede von Dr. Fidel Castro Ruz, Präsident der Republik Kuba, anlässlich der Feier zum 60. Jahrestag seiner Immatrikulation an der Universität Havanna, in der Aula Magna der Universität Havanna, am 17. November 2005. <a href="http://www.cuba.cu/gobierno/discursos/2005/ing/f171105i.html">Rede von Dr. Fidel Castro Ruz</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/cuba-50-years-later.htm#_ftnref16">[16]</a> Frank Josué Solar Cabrales, <a href="https://marxist.com/cuba/debate-socialism-21st-century.htm">Kuba am Scheideweg – Kuba und die Debatte über den Sozialismus des 21. Jahrhunderts</a>, 29. Januar 2008, In Defence of Marxism.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/cuba-50-years-later.htm#_ftnref17">[17]</a> <a href="http://www.jornada.unam.mx/2008/03/17/index.php?section=mundo&amp;article=031n1mun">Kuba muss „alle produktiven Kräfte freisetzen”</a>. <em>La Jornada</em>, 16. März 2008.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/cuba-50-years-later.htm#_ftnref18">[18]</a> Omar Everleny. <a href="http://www.nuso.org/upload/articulos/3533_1.pdf">La economía en Cuba: un balance necesario y algunas propuestas de cambio.</a> <em>NUEVA SOCIEDAD</em> Nr. 216, Juli-August 2008.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/cuba-50-years-later.htm#_ftnref19">[19]</a> Armando Nova. <a href="http://www.nodo50.org/cubasigloXXI/economia/novag2_310808.pdf">„La necesidad de un modelo agrícola eficiente”</a>, in Cuba Siglo XXI, <em>La Habana</em>, Agosto 2008.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/cuba-50-years-later.htm#_ftnref20">[20]</a> Jorge Mario Sánchez Egozcue und Juan Triana Cordoví. <em>An Overview of the Cuban Economy, the Transformations Underway and the Prospective Challenges it Face.</em> DT Nº 31/2008 – 26.06.2008. Real Instituto Elcano</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/cuba-50-years-later.htm#_ftnref21">[21]</a> Pedro Campos y varios compañeros. <a href="http://www.kaosenlared.net/noticia/cuba-necesita-socialismo-participativo-democratico-propuestas-programa">Cuba necesita un socialismo participativo y democrático.</a> <em>Propuestas programáticas</em>. 17 agosto, 2008.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/cuba-50-years-later.htm#_ftnref22">[22]</a> Camila Piñeiro Harnecker. <a href="http://www.nodo50.org/cubasigloXXI/politica/pineiro_310108.pdf">El socialismo requiere la solidaridad, y ésta no se construye apelando al egoísmo</a>. Revista Temas #52 (octubre-diciembre 2007)<a href="https://marxist.com/cuba-50-years-later.htm#_ftnref23">[23]</a> <a href="http://www.cuba-urss.cult.cu/">http://www.cuba-urss.cult.cu/</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/cuba-50-years-later.htm#_ftnref24">[24]</a> Siehe Ariel Dacal, <a href="https://marxist.com/cuba-october-youth-future.htm">Cuba, October, youth and the future</a></p>
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		<title>Spaniens Revolution gegen Franco: der große Verrat</title>
		<link>https://derkommunist.de/spaniens-revolution-gegen-franco-der-grosse-verrat/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alan Woods]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 06 Mar 2026 14:48:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Revolutionen]]></category>
		<category><![CDATA[Franco]]></category>
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		<category><![CDATA[Revolution]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vor 50 Jahren, am 3. März 1976, verübte das Franco-Regime ein Massaker an streikenden Arbeitern in Vitoria-Gasteiz, der Hauptstadt des Baskenlands. Dieses Ereignis war ein entscheidender Wendepunkt in den Klassenkämpfen [&#8230;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Vor 50 Jahren, am 3. März 1976, verübte das Franco-Regime ein Massaker an streikenden Arbeitern in Vitoria-Gasteiz, der Hauptstadt des Baskenlands. Dieses Ereignis war ein entscheidender Wendepunkt in den Klassenkämpfen der 1970er. Aus diesem Anlass veröffentlichen wir einen Artikel von Alan Woods, der an der letzten Phase des Kampfes gegen Franco beteiligt war. Er zeigt auf, wie die revolutionäre Bewegung der Arbeiterklasse das Regime zu Fall brachte – und wie sie ohne den Verrat der Arbeiterführung noch weiter hätte gehen können. Der Artikel von Alan Woods bietet einen kompakten Überblick über die Ereignisse, die in <a href="https://www.1917-verlag.at/product/spains-revolution-against-franco-the-great-betrayal/">seinem Buch</a> ausführlicher analysiert werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Geschichte der spanischen Revolution der 1930er Jahre ist den meisten Linken gut bekannt. Weit weniger bekannt sind jedoch die Ereignisse, die darauf folgten. Mit dem Sieg Francos 1939 war die Geschichte keineswegs zu Ende. Im Gegenteil: Der Sturz der Franco-Diktatur durch die revolutionäre Bewegung der spanischen Arbeiter in den 1970er Jahren gehört zu den inspirierendsten Kapiteln der neueren Geschichte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter schwierigsten und gefährlichsten Bedingungen organisierten die spanischen Arbeiter eine Streikbewegung, die in der Geschichte ihresgleichen sucht. Vergleichbares findet sich weder im Widerstand gegen das nationalsozialistische Deutschland noch in Mussolinis Italien. Ausgehend von der heroischen Bewegung der asturischen Bergarbeiter 1962 folgte eine Welle auf die andere: Streiks, Generalstreiks, Demonstrationen und Massenproteste erschütterten das Regime immer wieder aufs Neue.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dies war eine echte Revolution, die viel weiter hätte gehen können und müssen. Die spanische Arbeiterklasse und Jugend taten alles in ihrer Macht Stehende, um einen revolutionären Wandel der Gesellschaft herbeizuführen. Dass ihnen dies letztendlich nicht gelang, war nicht ihre Schuld. Die spanische Revolution der 1970er wurde von den Führern der kommunistischen und sozialistischen Parteien auf schändliche Weise verraten, die sich mit ehemaligen Faschisten wie Adolfo Suárez verbündeten, um die revolutionäre Bewegung zu stoppen. Das Ergebnis dieses Verrats war der sogenannte demokratische Übergang, der lediglich ein Feigenblatt war, um die Fortsetzung des alten Regimes unter dem Deckmantel einer „parlamentarischen Monarchie“ zu verschleiern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Unkenntnis darüber, was wirklich geschehen ist, beschränkt sich nicht nur auf Länder außerhalb Spaniens. Vier Jahrzehnte lang hat die spanische herrschende Klasse mit Hilfe und Unterstützung der reformistischen und stalinistischen Führungen, die die Revolution verraten haben, alles daran gesetzt, das historische Gedächtnis des spanischen Volkes unter einem Berg von Lügen, Halbwahrheiten, Verzerrungen und Mythen zu begraben. Die Schlüsselrolle der Arbeiterklasse beim Sturz der Diktatur wurde verschwiegen, während diejenigen, die sich verschworen hatten, um die Herrschaft des Kapitals und die wesentlichen Merkmale des alten Franco-Staates zu erhalten, zynischerweise als Retter der spanischen Demokratie dargestellt wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte die Ehre und das Privileg, persönlich an der letzten, entscheidenden Phase dieses inspirierenden Klassenkampfes teilzunehmen, und wurde Zeuge einiger seiner Schlüsselmomente.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist mir daher ein tiefes Anliegen, die neue Generation über die wirklichen Ereignisse zu informieren, den dichten Schleier aus Lügen zu zerreißen, mit dem die Wahrheit verdeckt wurde, und die außergewöhnliche revolutionäre Stimmung jener bewegenden Zeit wieder lebendig werden zu lassen.</p>



<h3 class="wp-block-heading" style="font-size:22px"><strong>Die lange Nacht des Franquismus</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Am 1. April 1939 erklärte General Franco den Sieg über das spanische Volk. Damit begann ein langer Albtraum, der fast vier Jahrzehnte andauerte. Niemand weiß genau, wie viele Menschen in dem blutigen vierjährigen Bürgerkrieg ums Leben kamen. Schätzungen reichen von 200.000 bis zu einer Million. Die tatsächliche Zahl dürfte irgendwo zwischen diesen Schätzungen liegen. Doch das Gemetzel war damit noch nicht zu Ende.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die brutale Unterdrückung, die während des Bürgerkriegs in den nationalistischen Gebieten begann, setzte sich nach Kriegsende unvermindert fort. Die Faschisten nahmen schreckliche Rache an den Arbeitern. Hunderttausende Republikaner, Kommunisten und Sozialisten wurden verhaftet und in Konzentrationslagern interniert, unzählige wurden ermordet oder verschwanden in Francos Gefängnissen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Streiks, Demonstrationen, Arbeiterversammlungen, freie Gewerkschaften und politische Parteien wurden verboten. Unter Franco waren alle spanischen Arbeiter verpflichtet, der faschistischen Gewerkschaft CNS (Sindicato) beizutreten, die von den Arbeitern als „vertikale Gewerkschaft” bezeichnet wurde. Nach dem Vorbild der Gewerkschaften in Mussolinis Italien organisierte die CNS sowohl Unternehmer als auch Arbeiter in derselben Organisation. Die Löhne wurden von den Unternehmern und Funktionären der CNS festgelegt. Die „Vertreter” der Arbeiter wurden von den Bürokraten der Gewerkschaft in Absprache mit den Bossen handverlesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die römisch-katholische Kirche hatte während des Bürgerkriegs die Faschisten unterstützt, den sie als „Kreuzzug“ bezeichnete. Unter Franco genoss die Kirche ein absolutes Monopol über das religiöse, kulturelle und bildungspolitische Leben. Die Priester und Bischöfe übten eine geistige Diktatur über die Seelen der Menschen aus, die das genaue Gegenstück zur physischen Diktatur war.</p>



<h3 class="wp-block-heading" style="font-size:22px"><strong>Das Wiedererwachen</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Es dauerte lange, bis sich das spanische Proletariat von seinen Wunden erholt hatte. Aber es erholte sich. In den 1960ern läuteten die ersten Bergarbeiterstreiks in Asturien das revolutionäre Wiedererwachen der spanischen Arbeiterklasse ein. Eine beispiellose Streikwelle begann im Frühjahr 1962 und diese großartige Bewegung entfaltete sich trotz der Gesetze der faschistischen Diktatur. Die Bewegung sah sich einer brutalen Unterdrückung gegenüber.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Regierung verhängte in den vom Streik betroffenen Provinzen den Belagerungszustand. Dies kam einer Verhängung des Kriegsrechts gleich. Gewerkschaftsaktivisten wurden verhaftet und vom Kriegsgericht zu Haftstrafen zwischen 5 und 18 Jahren verurteilt. Doch dies nützte nichts mehr – die Bewegung hatte bereits eine unaufhaltsame Dynamik entwickelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwischen 1964 und 1966 belief sich die Zahl der bestreikten Arbeitstage auf 171.000. Zwischen 1967 und 1969 stieg die Streikzahl auf 345.000 und zwischen 1970 und 1972 verdreifachte sie sich beinahe auf 846.000. Von 1973 bis 1975 nahm sie nochmals deutlich zu und erreichte 1.548.000 Arbeitstage. Nach dem Tod Francos erreichte die Streikbewegung ihren Höhepunkt. Von 1976 bis Mitte 1978 beliefen sich die Streikzahlen auf erstaunliche 13.240.000 Arbeitstage. 1970 gab es viermal so viele Streiks wie 1969, und 1971 waren es zweieinhalb Mal so viele wie 1970.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser Kampf forderte viele Opfer. Viele Arbeiter verloren ihr Leben bei Zusammenstößen mit der Polizei, und Hunderte weitere wurden wegen ihrer Teilnahme an Demonstrationen, Streiks oder illegalen Versammlungen inhaftiert oder entlassen. Aber die Kurve der Streikbewegung stieg steil an. 1973 wurde in Pamplona ein Generalstreik ausgerufen, und es wurde ein Streikkomitee gewählt, das sich aus Vertretern aller wichtigen Unternehmen zusammensetzte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viele der Streiks wurden nicht durch Lohnforderungen ausgelöst, sondern durch Solidaritätsaktionen mit entlassenen Arbeitern desselben Unternehmens oder eines anderen Unternehmens, das sich in einem Konflikt befand. So agierten die Arbeiter selbst unter den Gewehren der bewaffneten Polizei und trotz des Netzwerks von Informanten, Polizeispitzeln und Provokateuren als Klasse.</p>



<h3 class="wp-block-heading" style="font-size:22px"><strong>Der Tod eines Diktators</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">In der letzten Phase seines Lebens wurde Franco auf Befehl einer herrschenden Clique, die in Todesangst vor seinem Ableben war, künstlich am Leben erhalten. Die Tatsache, dass das Regime sein Schicksal vom verfallenden Körper eines kranken alten Mannes abhängig machte, war ein deutlicher Ausdruck seiner extremen Schwäche. In Wirklichkeit hatte das Regime seine Massenbasis in der Gesellschaft verloren. Unter dem Einfluss der Massenstreiks der Arbeiter war praktisch jede Schicht der spanischen Gesellschaft gegen das Regime. Nicht nur die Studentenschaft, sondern auch Anwälte, Ärzte, Universitätsdozenten und Zeitungsredakteure, Schauspieler, Filmregisseure und Dramaturgen schlossen sich der Opposition gegen die Diktatur an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 20. November 1975 wurde schließlich der Tod Francos bekannt gegeben. Das Regime rief eine offizielle Trauerzeit aus, doch in allen Arbeitervierteln wurde die Nachricht mit Jubel aufgenommen. Die Geschäfte berichteten, dass ihre Champagnervorräte schnell zur Neige gingen. Das Verschwinden des verhassten Diktators öffnete die Schleusen des Klassenkampfs, der eine neue Intensität erreichte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die neue Regierung unter Arias Navarro präsentierte eine „Reform“, die in Wirklichkeit nichts anderes war als die Fortsetzung des Franco-Regimes unter einem neuen Namen. Aber dieser Trick täuschte niemanden. Das Regime war gespalten und kämpfte um sein Überleben. Wie ein verwundetes Tier jedoch machte es gerade diese Schwäche nur noch brutaler.</p>



<h3 class="wp-block-heading" style="font-size:22px"><strong>In Madrid</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Im Januar 1976 zog ich mit meiner ersten Frau Pam und unseren beiden kleinen Kindern nach Madrid. Von unserer Wohnung im Arbeiterviertel Carabanchel aus konnten wir das berüchtigte Gefängnis sehen, in dem das Regime politische Gefangene und Gewerkschaftsführer einsperrte. Die Atmosphäre in Madrid war elektrisierend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gab Streiks in der U-Bahn, im Post- und Telekommunikationssektor, im Eisenbahnnetz (Renfe), bei den Taxifahrern und bei Hunderten anderen Unternehmen im roten Gürtel Madrids, ebenso wie bei Getafe Metal, Pegaso, Standard, Chrysler und anderen. Die Madrider Zeitung Informaciones (am 9. Januar) bezifferte die Zahl der streikenden Arbeiter in der Hauptstadt auf 100.000; inoffizielle Schätzungen gingen jedoch von etwa doppelt so vielen aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Regierung musste das Militär einsetzen, um den U-Bahn- und Postbetrieb aufrechtzuerhalten. Tatsächlich stand Madrid kurz vor einem Generalstreik. Auch die Studenten wurden aktiv. An den Universitäten herrschte eine Atmosphäre ständiger Unruhe – geprägt von illegalen Versammlungen und ununterbrochener politischer Agitation.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Vorgehen der Polizei war brutal. Ana Munoz, damals Studentin an der Complutense-Universität Madrid, erinnert sich, wie sich einige Studenten durch Fensterscheiben warfen, um den Schlagstöcken der Bereitschaftspolizei zu entkommen. Viele Menschen wurden verhaftet, geschlagen und gefoltert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fraga, Franco-Hardliner und Innenminister, drohte den Demonstranten: „Die Straße gehört mir.“ Aber die Arbeiter und Jugendlichen Spaniens stellten diese kühne Behauptung jeden Tag in Frage. Die revolutionäre Bewegung, die ganz Spanien erfasste, erreichte am 3. März 1976 in der baskischen Stadt Vitoria ihren Höhepunkt.</p>



<h3 class="wp-block-heading" style="font-size:22px"><strong>Der 3. März</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Streikbewegung in Vitoria hatte bereits zu Anfang des Jahres begonnen. Die Arbeiter organisierten demokratisch gewählte Vertretungskomitees, die von den Unternehmern als „lokaler Sowjet“ bezeichnet wurden. Ich fuhr mit einer Gruppe von Genossen nach Vitoria. Was wir dort vorfanden, glich einer besetzten Stadt, in der es von bewaffneten Polizisten und Zivilgardisten nur so wimmelte. Tatsächlich entgingen wir in dieser Nacht nur knapp der Verhaftung, als unser Auto an einer Polizeikontrolle angehalten wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich nahm an einer Versammlung von mehreren tausend Arbeitern und ihren Frauen in der Kirche San Francisco teil. Damals waren Kirchen und Klöster die einzigen Orte, an denen man sich treffen konnte. Es war tatsächlich ein Sowjet. Am meisten beeindruckten mich die strenge Disziplin der Versammlung und die revolutionäre Leidenschaft der Reden der Arbeiter, insbesondere der Frauen, die eine eiserne Entschlossenheit zeigten, den Kampf bis zum Ende zu führen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am nächsten Tag marschierten die Arbeiter in geordneten Kolonnen ins Stadtzentrum. Sie bildeten so etwas wie menschliche Barrikaden auf den Straßen und stoppten den Verkehr. Nach einer Weile waren die Sirenen der Polizei zu hören, und die menschlichen Barrikaden lösten sich auf. Aber die Arbeiter waren immer noch da: an Straßenecken oder in Bars. Es war eine Art Guerillakrieg. Nach einer Weile kam jemand auf die Idee, statt sich selbst in den Weg zu stellen, Straßenlaternen zu zerstören oder Autos zu verschieben, um Barrikaden zu bilden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Irgendwann fuhren wir die Straße entlang, als ein Polizist mit gezogenem Schlagstock auf uns zustürmte, offensichtlich mit der Absicht, die Windschutzscheibe einzuschlagen, obwohl wir nichts getan hatten. Es war offensichtlich, dass sie Leute verprügeln wollten, aber da der unsichtbare Feind verschwunden war, sobald sie ankamen, gab es niemanden, den sie verprügeln konnten. Sie waren außer Kontrolle, verrückt vor Frustration und Wut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gegen 17 Uhr versammelten sich die Arbeiter und ihre Familien erneut in der Kirche von San Francisco. Überraschenderweise ließ die Polizei sie eintreten. Aber sobald sie drinnen waren, umzingelte die Polizei die Kirche und blockierte alle Eingänge. Sie befahlen den Menschen, sich zu zerstreuen, und als diese sich weigerten, feuerten sie Tränengas und Rauchbomben in die Kirche.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Explosionen und das Geräusch zersplitternden Glases verursachten Panik in der Kirche, in der sich eine große Anzahl von Männern, Frauen und Kindern versammelt hatte. Die Menschen rangen nach Luft und versuchten, hinauszugelangen. Doch als sie ins Sonnenlicht taumelten, eröffnete die Polizei das Feuer mit automatischen Waffen. Fünf Arbeiter wurden getötet und viele weitere verletzt.</p>



<h3 class="wp-block-heading" style="font-size:22px"><strong>Die Idee eines Generalstreiks</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ereignisse in Vitoria hatten eine aufrüttelnde Wirkung auf das Bewusstsein von Hunderttausenden von Arbeitern in ganz Spanien. In verschiedenen Teilen des Landes kam es zu Streiks und spontanen Demonstrationen. In Spanien hatte sich eine eindeutige vorrevolutionäre Situation entwickelt. Alle klassischen objektiven Voraussetzungen für eine sozialistische Revolution waren gegeben. Unter diesen Bedingungen wurde die Parole des Generalstreiks ganz offen gestellt. Die Arbeiter hatten bereits lokale und regionale Generalstreiks überall organisiert, begleitet von Massendemonstrationen und Straßenprotesten. Aber solche Aktionen hatten klare Grenzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die spanischen Arbeiter hatten ihre Macht eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Doch diese Macht existierte bisher nur als Potenzial. Damit dieses Potenzial verwirklicht werden konnte, musste es organisiert und mobilisiert werden. Dafür brauchte es einen landesweiten Generalstreik, um den begonnenen Kampf zu Ende zu führen. Die Voraussetzungen dafür waren durchaus gegeben. Alles, was es gebraucht hätte, wäre ein klarer Aufruf der Führung gewesen – die Festlegung eines Termins, ein entschlossener Schritt nach vorn. Doch dieser Aufruf blieb aus. Der Grund dafür lag nicht in mangelnder Entschlossenheit der Arbeiter. Immer wieder hatten sie ihre Kampfbereitschaft bewiesen und gezeigt, dass sie bereit waren, Opfer zu bringen, um ihre Forderungen durchzusetzen. Das eigentliche Hindernis lag bei der Führung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Durch ihre Streiks und Generalstreiks hatten die Arbeiter ihre Macht demonstriert, die gesamte Gesellschaft zum Stillstand zu bringen. Mit beeindruckendem Mut und Entschlossenheit hatten sie sich dem Staat und seinen repressiven Kräften widersetzt. Letztendlich zählte all dies jedoch nichts. Die Zukunft Spaniens wurde von einer winzigen Handvoll Personen bestimmt, die eigentlich nur sich selbst repräsentierten. Reformistische Arbeiterpolitiker und eine kleine Clique ehemaliger Franco-Bürokraten entschieden hinter dem Rücken der Massen über alles.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kommunistische Partei war zu dieser Zeit die entscheidende Kraft in der Arbeiterklasse. Aber ihre Führer lehnten die Idee eines Generalstreiks entschieden ab. Sie hatten absolut kein Vertrauen in die Fähigkeit der spanischen Arbeiter, die Macht selbst in die Hand zu nehmen, und suchten verzweifelt nach jemandem, dem sie die Macht übertragen konnten, die sie selbst nicht zu übernehmen wagten.</p>



<h3 class="wp-block-heading" style="font-size:22px"><strong>Revolution und Konterrevolution</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Vor seinem Tod versuchte Franco, die Fortführung seines Regimes in Form einer Restauration der Monarchie zu sichern. Seit einigen Jahren hatte er Prinz Juan Carlos auf diese Rolle vorbereitet, und als König begann dieser, sein Recht auf die Ausübung der Macht geltend zu machen. Arias war nun völlig diskreditiert, und Juan Carlos nutzte im Juli 1976 die Gelegenheit, ihn zu entlassen und einen neuen Mann an seine Stelle zu berufen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Adolfo Suárez war früher Vorsitzender der Nationalen Bewegung – der einzigen politischen Partei, die in Francos Spanien erlaubt war. Im Juli 1976 ernannte Juan Carlos, den Franco zu seinem Nachfolger und König von Spanien ernannt hatte, ihn zum Regierungspräsidenten (entspricht dem Amt des Premierministers). Es gibt wohl nur wenige derart bemerkenswerte Wandlungen in der Geschichte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Entlassung von Arias Navarro und die überstürzte Ernennung von Adolfo Suárez waren deutliche Anzeichen dafür, dass das Regime in zwei Lager gespalten war. Dieser Schritt war kein Zeichen von Stärke, sondern von extremer Schwäche. Doch anstatt diese Schwäche auszunutzen, um in die Offensive zu gehen, hissten die Arbeiterführer sofort die weiße Fahne und beeilten sich, einen Deal auszuhandeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tatsächlich hatten sie dies von Anfang an vorgehabt. Sie hatten nur auf eine geeignete Gelegenheit und einen kooperativen Verhandlungspartner gewartet, mit dem sie einen Ausverkauf aushandeln konnten. Diese Gelegenheit bot sich nun in Gestalt von Adolfo Suárez, den sie mit größtmöglichem Enthusiasmus empfingen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Januar 1977 erreichte die Lage in Spanien einen kritischen Punkt. Die rechtsextremen Kräfte, entschlossen, jede Möglichkeit einer Reform zu sabotieren, bedienten sich faschistischer Banden, um auf den Straßen eine Atmosphäre des Terrors zu schaffen. Zu diesem Zweck wurden terroristische Aktionen, Entführungen und Morde verübt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ermordung eines jungen Studenten namens Arturo Ruiz löste massive Studentendemonstrationen in den Straßen Madrids aus. Bei einer dieser Demonstrationen wurde ein junges Mädchen, Mari-Luz Najera, getötet, als ein Polizist eine Rauchbombe direkt auf ihr Gesicht abfeuerte. Am selben Tag drangen bewaffnete Faschisten in Atocha im Zentrum Madrids in das Büro einer Gruppe von Arbeitsrechtsanwälten ein, die für die mehrheitlich kommunistischen Arbeiterkommissionen arbeiteten, und erschossen kaltblütig fünf Menschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Marx sagte einmal, dass die Revolution die Peitsche der Konterrevolution braucht. Die blutigen Provokationen der Konterrevolutionäre hatten das Gegenteil ihrer beabsichtigten Wirkung. Sie sollten der Kommunistischen Partei einen Schlag versetzen, erreichten aber nur, dass ihre Autorität in den Augen der Massen noch größer wurde. Sie sollten eine Atmosphäre der Angst schaffen, aber die Morde von Atocha lösten eine Welle der Abscheu und Wut aus, wie ich sie zuvor und seitdem nie wieder gesehen habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Initiative ging nun auf die Revolution über. Alle Voraussetzungen für einen Generalstreik waren gegeben. Aber wieder einmal bremsten die Führer der Kommunistischen Partei. Die massive Demonstration, die anlässlich der Beerdigungen der Opfer die Straßen Madrids füllte, wurde von Ordnern der Kommunistischen Partei streng überwacht, die Schweigen verhängten und das Zeigen von Transparenten oder Slogans verhinderten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Führer der KP sahen darin keine Gelegenheit, eine Massenbewegung zum Sturz des Regimes anzuführen, sondern es zu stützen und Verhandlungen aufzunehmen. Santiago Carrillo erklärte öffentlich, dass „wir die Regierung unterstützen müssen“.</p>



<h3 class="wp-block-heading" style="font-size:22px"><strong>Pakte und Konsens</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Im Buch Genesis verkaufte Esau sein Erstgeburtsrecht für ein Linsengericht. Doch im Vergleich zu dem, was Santiago Carrillo (Generalsekretär der Kommunistischen Partei – PCE) und Felipe González (Generalsekretär der Sozialdemokraten – PSOE) taten, war das beinahe ein guter Handel: Sie gaben die durch die Aktionen der Arbeiterklasse errungene Macht im Austausch für eine Scheindemokratie auf. Darin liegt das Geheimnis des sogenannten demokratischen Übergangs.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Suarez war zwar ein Mann ohne weitreichende politische Perspektiven und noch weniger Prinzipien, aber dennoch ein geschickter politischer Manövrierkünstler. Er begriff schnell, dass das Regime, um zu überleben, Zugeständnisse machen und einen Deal mit den Führern der Arbeiter schließen musste. Da es ihm nicht gelungen war, die Bewegung durch Repression zu besiegen, versuchte er, sie durch Zugeständnisse zu untergraben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der neue Präsident wusste, dass er ohne die Unterstützung der Führer der sozialistischen und kommunistischen Parteien nicht regieren konnte. Er stützte sich auf sie, und sie stützten sich auf die Arbeiterklasse. Aber anstatt sich auf die Macht der Arbeiterklasse zu konzentrieren, waren diese Führer vom Gespenst der Staatsmacht hypnotisiert, obwohl diese Macht vor ihren Augen rasch zerfiel. Sie verhielten sich wie verängstigte Kaninchen, die vom Scheinwerferlicht eines Autos geblendet waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Suarez muss erstaunt gewesen sein, als er feststellte, dass die Führer der Sozialisten und Kommunisten nur allzu bereit waren, einen Deal zu machen. Besonders wichtig war die Rolle von Santiago Carrillo, dem Führer der Kommunistischen Partei (PCE). Der Hauptpunkt von Carrillos Programm – man könnte es als Obsession bezeichnen – war die Notwendigkeit, sich bei den Liberalen oder sogar dem sogenannten reformistischen Flügel des Franco-Regimes beliebt zu machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie hatten vor allem Angst: vor dem Regime, vor der Armee, vor der Kirche, vor den Massen und sogar vor dem Klang ihrer eigenen Stimmen. Sie betrachteten die Massenbewegung nicht als Machtfaktor, sondern lediglich als Verschubmasse in ihren Verhandlungen mit dem Regime. Sie waren bereit, sie im Austausch für alles, was ihnen angeboten wurde, zu opfern. Selbst als Verhandlungsführer im engeren gewerkschaftlichen Sinne waren sie nicht besonders gut. Am Ende blieb von den ursprünglichen Forderungen nicht viel übrig. In Wirklichkeit hatten die Führer der Opposition bereits beschlossen, sich zu ergeben, noch bevor sie die Tür zu Suárez‘ Büro betreten hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Gegenzug für die Legalisierung der Kommunistischen Partei war Carrillo bereit, fast alles zu akzeptieren. Er akzeptierte Suárez‘ Reform in ihrer Gesamtheit, einschließlich der Monarchie und ihrer Flagge. Dies war ein Verrat an den grundlegendsten Prinzipien, nicht nur der Kommunistischen Partei, sondern auch der Demokraten im Allgemeinen. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Monarchie in Spanien absolut keine Unterstützerbasis.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hätte es ein Referendum gegeben, um zu entscheiden, ob Spanien eine Republik oder eine Monarchie sein sollte, wäre das Ergebnis mit überwältigender Mehrheit zugunsten einer Republik ausgefallen. Dies gab Suárez später selbst zu. Doch ein solches Referendum fand nie statt, und die Kommunistische Partei verbot das Zeigen republikanischer Flaggen bei ihren Versammlungen und verprügelte diejenigen, die versuchten, sie zu zeigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hier sehen wir die wahre Fratze des demokratischen Übergangs in Spanien. Wir sollten hinzufügen, dass das Verhalten von Felipe González und der PSOE nicht besser war.</p>



<h3 class="wp-block-heading" style="font-size:22px"><strong>„demokratischer Übergang“</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Um diese erbärmliche Kapitulation zu rechtfertigen, versuchten González und Carrillo zu argumentieren, dass die Alternative eine Intervention der Armee und eine blutige Niederschlagung gewesen wäre. Dieses Argument geht erstaunlicherweise davon aus, dass nur die persönliche Autorität von Adolfo Suárez eine solche Niederschlagung verhindert habe. Es scheint, als hätten ein paar Gespräche mit Suárez und dem König die spanischen Generäle überzeugt. Hier verlassen wir den Bereich der politischen Realität und begeben uns in das Reich der Märchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zunächst einmal hatte die viel gefürchtete Unterdrückung während der gesamten vorangegangenen Periode kontinuierlich stattgefunden. Die brutale Niederschlagung von Demonstrationen und Streiks, die Attentate in Atocha, am 3. März in Vitoria und viele andere Fälle von Repression sind ausreichender Beweis dafür, dass das Regime den Weg der Unterdrückung bereits ausgeschöpft hatte, der die revolutionäre Bewegung überhaupt nicht aufhalten konnte. Eine Fortsetzung dieser Methoden hätte zwangsläufig zu einer Explosion geführt, die das Regime vollständig hinweggefegt hätte. Daher sah sich das Regime aus Gründen der Selbsterhaltung dazu gezwungen, Repression durch Zugeständnisse zu ersetzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was den Einsatz der Armee angeht, so wäre dies eine äußerst riskante Strategie gewesen. Die spanische Armee basierte zu dieser Zeit auf der Wehrpflicht. Die Ereignisse in Vitoria hatten die ernsthaften Spannungen zwischen Soldaten und Polizei offengelegt. Jeder Versuch, die Truppen gegen die Streikenden einzusetzen, hätte die Gefahr mit sich gebracht, die Armee zu spalten. Die Generäle waren sich dessen bewusst, und auch an der Spitze der Armee und sogar innerhalb der Polizei kam es zu Spaltungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tatsache ist, dass sowohl die kommunistischen als auch die sozialistischen Führer keinerlei Vertrauen in die Fähigkeit der Arbeiterklasse hatten, die Gesellschaft zu verändern. Sie beschlossen im Voraus, dass der beste Weg zu einer parlamentarischen Demokratie, in der sie bequem Ministerposten bekleiden könnten, darin bestand, einen Deal mit dem Regime zu machen. Die Kommunistische Partei hatte dies bereits Jahrzehnte zuvor beschlossen, als sie den sogenannten Freiheitspakt akzeptierte. Seitdem hat sie diese Position beibehalten. Das Kräfteverhältnis hatte damit absolut nichts zu tun.</p>



<h3 class="wp-block-heading" style="font-size:22px"><strong>Der große Verrat</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Den Preis für diese Periode zahlten die Massen, die für den Sturz des alten Regimes gekämpft hatten. Der sogenannte demokratische Übergang konnte dem alten Regime einen leichten „demokratischen“ Anstrich verleihen, ließ es aber ansonsten nahezu unangetastet. Die repressiven Organe blieben bestehen. Die Guardia Civil schoss weiterhin auf Demonstranten und folterte und ermordete Gefangene in den Gefängnissen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht eine einzige Person wurde für die Verbrechen, Morde und Gräueltaten der Diktatur bestraft. Die Mörder und Folterer konnten sich frei auf den Straßen bewegen und ihren Opfern ins Gesicht lachen. Ein 1977 verabschiedetes Amnestiegesetz verbot die Verfolgung von Verbrechen, die während der Diktatur begangen worden waren. Es wurde ein Schweigepakt auferlegt, der das spanische Volk jahrzehntelang knebelte. Es sollte einfach vergessen, dass eine Million Menschen im Bürgerkrieg und während der 40 Jahre der Diktatur getötet worden waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die ungeheuren Privilegien der römisch-katholischen Kirche, dieses Bollwerk der Konterrevolution, blieben unangetastet – eine unerträgliche Last für das spanische Volk. Die riesigen Heerscharen von Nonnen und Priestern sollten weiterhin die Verantwortung für ihre Schulen tragen, während ihre Gehälter vom Steuerzahler bezahlt wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Geschichtsbücher wurden so umgeschrieben, dass es schien, als sei nichts davon je geschehen. Die Massengräber, in denen Tausende namenloser Leichen unter Olivenhainen und Bergpässen ruhen, blieben unberührt – um Touristen nicht daran zu hindern, die Aussicht zu genießen. Dies war ein Verrat an allem, wofür die Arbeiter Spaniens gekämpft hatten. Vier Jahrzehnte später sind die Menschen in Spanien immer noch mit den Folgen dieses Verrats konfrontiert</p>
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		<title>Gen-Z-Revolutionen und Generalstreik in Italien! Die Macht der Massen entfesseln!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Alexander Kalabekow]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Nov 2025 13:54:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Revolutionen]]></category>
		<category><![CDATA[Weltgeschehen]]></category>
		<category><![CDATA[Klassenkampf]]></category>
		<category><![CDATA[Leitartikel]]></category>
		<category><![CDATA[Reformismus]]></category>
		<category><![CDATA[Revolution]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die vergangenen Monate haben den wahren Charakter der Periode offenbart, in der wir heute leben. Der Klassenkampf ist im Aufstieg und Revolutionen sind auf der Tagesordnung. Wir müssen aus den [&#8230;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Die vergangenen Monate haben den wahren Charakter der Periode offenbart, in der wir heute leben. Der Klassenkampf ist im Aufstieg und Revolutionen sind auf der Tagesordnung. Wir müssen aus den Geschehnissen die richtigen Lehren ziehen, um die Bewegung in Deutschland für die kommenden Jahre zu orientieren:</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>1) Generation Revolution</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer jung ist, dessen Bewusstsein ist ungetrübt vom Ballast der Vergangenheit. Geboren zu Beginn dieses Jahrtausend und bewusst geworden inmitten der tiefsten Krise des Kapitalismus, kennt die Generation Z den Kapitalismus nur als Gesellschaft gebrochener Versprechen, andauernden Niedergangs, extremer Krisen und Katastrophen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weltweit wächst eine „Generation Revolution“ heran, die ihre Zukunft aus den Fesseln des Kapitals herausbrechen wird. Realitätsfremde Politiker verleumden sie gern als verweichlicht und arbeitsscheu. Aber dieses Jahr gab sie eine Kostprobe ihrer Lebenskraft: die Gen-Z-Revolutionen in Indonesien, Nepal, Osttimor, Philippinen, Peru, Madagaskar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Jugend zeigte Regierungen die Grenzen ihrer Macht auf oder brachte sie sogar zu Fall. Auch in Serbien, Frankreich (Bloquons tout!), Griechenland (Generalstreik) und insbesondere in Italien (politischer Generalstreik für Palästina) stand sie dieses Jahr mutig an der Spitze von Klassenkämpfen und revolutionären Bewegungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in Deutschland wächst so eine Generation heran. Die Welle der Radikalisierung begann maßgeblich mit den Klimaprotesten ab 2018. Viele haben gelernt, dass Appelle an Regierungen vergeblich sind. Die Mitverantwortung aller Parteien am Völkermord an den Palästinensern und deren Heuchelei haben diese Einsicht nur vertieft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein großer Teil der Jugend entdeckte für sich den „Schulstreik“ als Kampfmittel, mit welchem man nicht nur gegen untragbare Umstände protestieren, sondern sich auch gegen die Institutionen der kapitalistischen Herrschaft auflehnen kann. Die Erfahrungen aus den Schulstreiks wird die Jugend vertiefen, sobald sie zu Betriebsstreiks greift. Inspiration zu diesem Schritt liefert der italienische Generalstreik.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>2) Direkte Aktion der Massen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gen-Z-Revolutionen und Bewegungen waren so mächtig, weil sie direkte Aktionen der Massen waren — im Unterschied zu den üblichen Demonstrationen oder direkten Aktionen von isolierten Kleingruppen. Millionen von Menschen traten in den Kampf und genossen den Rückhalt der überwältigenden Mehrheit der Gesellschaft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den Bewegungen lag die Erfahrung zu Grunde, dass einfache Demonstrationen allein nicht ausreichen, um die Herrschenden in Bedrängnis zu bringen und die eigenen Interessen durchzusetzen. Die Massen müssen ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und den Kampf auf die Frage der Macht lenken: Wer regiert und in wessen Interesse?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Klassenkämpfe scheinen ihre Ursachen in kleinen Ereignissen zu haben: In Serbien der Einsturz eines Bahnhofsdachs; in Italien die Drohungen Israels, die „Flotilla“ anzugreifen; in Nepal Videos korrupter Politiker; in Spanien blockierten einige Demonstranten eine Etappe des Vuelta-Radrennens und wenige Tage später machten es Hunderttausend in Madrid ihnen gleich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Ereignisse waren Zufälle, die eine tieferliegende Notwendigkeit zum Vorschein brachten. Die wirklichen Ursachen und der Motor dieser Klassenkämpfe sind die akkumulierten Folgen von Jahrzehnten organischer Krise des Kapitalismus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Kapitalismus hat seine Existenzberechtigung längst verloren und zieht die Menschheit in den Abgrund. Chaos, Kriege und der Kampf um die Neuaufteilung der Welt zwischen den Imperialisten sind die neue Normalität. Aber diese Systemkrise ist auch der Motor von Klassenkampf und Revolutionen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in Deutschland hat sich jede Menge brennbaren Materials im Bewusstsein angesammelt: Jahrzehnte von Austerität, steigende Ausbeutung, Inflation, politische Skandale, Ausverkauf der DDR, Corona-Pandemie, Ukrainekrieg, Energiekrise, Völkermord in Palästina, Einschränkungen demokratischer Rechte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Folge ist die rasant wachsende Ablehnung des Establishments und fallendes Vertrauen in die staatlichen Institutionen sowie die starke Polarisierung, die sich im Niedergang der etablierten Parteien, im Aufstieg der AfD wie auch im diesjährigen Aufstieg der Linkspartei ausdrückt. Auch hierzulande werden die Massen irgendwann in Aktion treten.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>3) Politischer Streik</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Einen Wendepunkt für den Klassenkampf markiert der politische Generalstreik in Italien. Millionen von Menschen solidarisierten sich mit den Palästinensern und richteten ihren Kampf gegen die Meloni-Regierung, die Israels Völkermord unterstützt und die kapitalistische Krise auf dem Rücken der italienischen Massen austrägt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Italien zeigt: Wer Austerität, Deindustrialisierung, Aufrüstung und Einschränkungen demokratischer Rechte im eigenen Land bekämpfen will, muss uneingeschränkt solidarisch mit den Palästinensern sein und für ihre Freiheit kämpfen. Die Arbeiterklasse braucht eine vom Establishment unabhängige Position, denn wer sich in Fragen der Außenpolitik auf die Seite der Herrschenden stellt, stärkt seine eigenen Unterdrücker. Die Position muss deshalb sein: Kampf gegen die eigene herrschende Klasse, der Hauptfeind steht im eigenen Land.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die direkte Aktion der Massen war in Italien damit verbunden, dass Teile der Arbeiterklasse als Klasse handelten, d.h. mit den Methoden, die die Macht der herrschenden Klasse erschüttern und herausfordern: Streik, politischer Streik, politischer Generalstreik.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein politischer Generalstreik geht weiter als allein der Sturz einer Regierung. Er rüttelt am Fundament des Kapitalismus — den Eigentumsverhältnissen — und stellt die Machtfrage grundsätzlicher: Wessen Interessen und Bedürfnisse sollen Banken und Konzerne befriedigen? Wem sollen sie gehören? Wer ist Herr der Gesellschaft?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn die Arbeiterklasse zu politischen Generalstreiks greift, dann markiert das einen fundamentalen Fortschritt des Bewusstseins und Wandel im Kräfteverhältnis zwischen den Klassen. Die italienische Arbeiterklasse hat einen neuen Zyklus des explosiven Klassenkampfes in Europa eingeleitet, der sich über die kommenden Jahre entfalten wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Deutschland ist der Katalysator für diese Entwicklung. Die Krise der deutschen Industrie zieht die gesamte EU abwärts. Die deutsche herrschende Klasse handelt nach dem Prinzip „Germany first“, d.h. sie wälzt ihre Krise auf den Rest Europas ab. Das schürt die Flamme des Klassenkampfes in Europa. Die Bewegung in Deutschland muss echte internationale Solidarität üben und diese Flamme auch hierzulande entzünden.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>4) Reformistische Führung überwinden</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Revolutionen und Klassenkämpfe in all den verschiedenen Ländern gingen viel weiter, als die traditionellen Führungen der Gewerkschaften und Arbeiterparteien es wollten. In Wirklichkeit lähmen und behindern die reformistischen Führer jede Entwicklung des Klassenkampfes. Sie handeln als Stützpfeiler des Kapitalismus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Initiative ging immer von den Massen aus — vor allem von der Jugend. Sie zwangen ihre Führungen zum Handeln. So rief Italiens größter gewerkschaftlicher Dachverband den Generalstreik nur deshalb mit aus, weil seine Mitglieder gegen den Willen der Führung die Vorbereitungen bereits begonnen hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die lähmende Rolle der offiziellen Führungen wird für die Arbeiterklasse immer offensichtlicher und bringt sie dazu, den Kampf in die eigenen Hände zu nehmen, um die Blockade der Bürokratie zu durchbrechen. Dieser Konflikt zwischen Basis und realitätsfremder Führung legt die Grundlage für eine Erneuerung der Führung in den Gewerkschaften im Klassenkampf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So bildete sich in Folge der Gelbwesten-Bewegung in Frankreich ab 2018, eine wachsende linke Opposition im zweitgrößten Gewerkschaftsverband CGT heraus — die Unité CGT. Diese Opposition möchte die Erfahrungen der Bewegung in den Gewerkschaften der CGT verankern und beteiligt sich am Kampf gegen Macron und seine Regierungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">CGT Unité war Teil der Bewegung „Bloquons tout!“ — Lasst uns alles blockieren! — im September, die eine Regierung zu Fall brachte und den geplanten Kürzungsmaßnahmen des französischen Establishments einen Riegel vorschob. Das Establishment kann seine Haushaltskrise nicht lösen, weil die offizielle Führung der Gewerkschaft gezwungen war, die Bewegung mitzutragen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in Deutschland macht die Deindustrialisierung eine Streikbewegung notwendig. Die Austerität — ein politischer Angriff der Merz-Regierung auf das ganze Volk — kann nur mit politischen Streiks und Generalstreiks zurückgewiesen werden, wie auch die Unterstützung des Völkermords in Gaza und das in die Länge ziehen des Ukraine-Kriegs durch die Bundesregierung.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>5) Klassenkampf für Sozialismus</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Bewegungen dieses Jahres zeigen, dass höhere Löhne, ein ausfinanzierter Sozialstaat und Frieden nur gegen die Interessen der Herrschenden und ihre Regierungen durchgesetzt werden können: durch Organisierung der Massen für den Kampf auf der Straße und im Betrieb um die Macht in der Gesellschaft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Methoden, mit denen die Arbeiterklasse ihre Interessen durchsetzen kann, haben die Bewegungen gezeigt. Was ihnen allen aber gefehlt hat, ist ein Programm, dass diese Interessen eindeutig formuliert und die Selbstaktivität der Massen, die Mobilisierung ihrer Macht, dem Zufall entreißt und zu einer bewusst gesetzten Aufgabe macht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hierfür muss die Arbeiterbewegung ihre vollständige politische Unabhängigkeit gewinnen. Anstelle der Zusammenarbeit mit den Kapitalisten und den bürgerlichen Regierungen muss sich die Arbeiterbewegung allein auf die eigene Kraft stützen, den Klassenkampf wählen und für die Überwindung des Kapitalismus kämpfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die radikalen Schichten der Jugend können diese Aufgabe lösen, wenn sie ideologisch mit dem Reformismus brechen und sich um ein kommunistisches Programm organisieren. Dann können sie jeden Kampf im Hier und Jetzt als einen Schritt hin zur sozialistischen Revolution führen. So würde die Arbeiterklasse schneller aus der Sackgasse des Reformismus herausfinden und die Erneuerung der Führung insbesondere der DGB-Gewerkschaften gelingen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So ein Programm kann nicht nur die Angriffe der herrschenden Klasse und ihrer Regierungen aufhalten, es würde auch dem Aufstieg der rechten Demagogen ein Ende bereiten, wie Italien zeigt. Trotz eingeschränktem Streikrecht und Drohungen von Meloni und Co. konnten die Rechten den Generalstreik nicht aufhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das verdeutlicht: Anders als die Linkspartei es vorgibt, kann man die AfD nicht mit dem Programm „Rettet die Demokratie“ bekämpfen. Man muss den Kampf gegen die Merz-Regierung, das Establishment und den Kapitalismus insgesamt führen. Das würde die Passivität, die den Massen von ihrer reformistischen Führung aufgezwungen wird, durchbrechen und den Demagogen den Schein einer Alternative rauben.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>6) Funken der Weltrevolution</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die weltweiten Bewegungen zeigen, dass der Sozialismus schon heute weltweit erkämpft werden kann. Die sozialistische Weltrevolution wird von der Krise des Kapitalismus erzeugt. Die Arbeiterklasse hat die historische Rolle, diese Aufgabe zu lösen. Es ist der einzige Weg, der die Gesellschaft aus der Barbarei und zu neuem Fortschritt führen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Bewegung in Serbien zeigt, dass die Arbeiterklasse und Jugend sich bereits unbewusst dieser Aufgabe zuwenden. Dort bildeten Studenten und Arbeiter dieses Jahr Aktionskomitees (Zborowi) welche die Grundlage einer sozialistischen Rätemacht hätten sein können, die den bürgerlichen Staat ersetzen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Massen lernen aus ihren Erfahrungen, sie inspirieren sich über Grenzen hinweg, wie die gemeinsamen Slogans (Alles blockieren!), gemeinsame Symbole (One-Piece-Fahnen) und gemeinsame Methoden (Aufstände, Massenaktionen, politische Streiks) zeigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber was fehlt ist eine Weltpartei, die in diesen Bewegungen eine bedeutende Rolle spielt und sie zusammenführt, wie es einst die Kommunistische Internationale unter der Führung von Lenin und Trotzki tat. Sie nahm teil an Revolutionen und Klassenkämpfen, organisierte diese, wertete systematisch Erfahrungen aus, diskutierte Erfolge und Niederlagen, entwickelte Programme, Strategien und Taktiken, mit welchen der Erfolg der Weltrevolution nicht dem Zufall überlassen werden sollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute knüpfen wir mit dem Aufbau der Revolutionären Kommunistischen Internationale (RKI) an diesem Projekt an. In der Verbindung aus den internationalen Erfahrungen und den Ideen von Marx, Engels, Lenin und Trotzki liegt der Schlüssel für eine neue Weltpartei der sozialistischen Revolution, die den Kampf gegen Kapitalismus und Imperialismus zum Ziel führen wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Klassenkampf ist im Aufschwung und die Massen nehmen immer häufiger und entschiedener ihr Schicksal in die eigenen Hände. Organisier dich in der RKI, wenn auch du Einfluss auf den Gang der Geschichte nehmen und für das notwendige revolutionäre Programm in der Bewegung kämpfen willst. Kämpf mit uns für Sozialismus in unserer Lebenszeit.</p>
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		<title>Von Sri Lanka bis Nepal: Lehren aus der revolutionären Welle</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Ben Curry]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Nov 2025 14:03:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Revolutionen]]></category>
		<category><![CDATA[Weltgeschehen]]></category>
		<category><![CDATA[Anti-Establishment]]></category>
		<category><![CDATA[Jugend]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Gestern schien das Land noch ruhig und die herrschende Clique fest im Sattel der Macht zu sitzen. Einen Tag später stehen die revolutionären Massen vor dem brennenden Parlamentsgebäude. Die Polizei [&#8230;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Gestern schien das Land noch ruhig und die herrschende Clique fest im Sattel der Macht zu sitzen. Einen Tag später stehen die revolutionären Massen vor dem brennenden Parlamentsgebäude. Die Polizei ist weg, die Abgeordneten sind geflohen – inklusive des Premierministers. Die Fotos und Videos, die vor Kurzem aus&nbsp;<a href="https://marxist.com/rulers-cower-as-nepalese-masses-seek-to-burn-the-system-down.htm">Nepal</a> kamen, waren erstaunlich. Erstaunlich ähnlich sind sie auch den Szenen, die wir bereits in&nbsp;<a href="http://marxist.com/sri-lanka-lessons-from-the-struggle.htm">Sri Lanka</a>,&nbsp;<a href="https://marxist.com/where-next-for-bangladesh.htm">Bangladesch</a>,&nbsp;<a href="https://marxist.com/kenya-welcome-to-the-gen-z-revolution.htm">Kenia</a> und&nbsp;<a href="https://marxist.com/indonesia-the-wheel-of-revolution-has-turned.htm">Indonesien</a> gesehen haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was ist die Bedeutung dieser Ereignisse? Einige Linke, beeindruckt von diesen Szenen, lassen sich von der Flut mitreißen, ohne einen Moment innezuhalten und zu fragen, wohin die Flut überhaupt spült. Sie verhalten sich wie reine Cheerleader für die Massen, was das Letzte ist, was die Massen in einer Revolution brauchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andere wiederum betrachten das Ganze eher zynisch. Sie schauen sich Nepal, Sri Lanka oder jedes andere dieser Beispiele an und vergleichen es mit dem Schema, das in ihren Köpfen steckt, wie eine Revolution&nbsp;<em>auszusehen hat</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie finden keine Arbeiterräte, Sowjets, vor. Vielmehr sind die Massen um zufällig entstandene Führungen oder sogar lediglich Social-Media-Hashtags organisiert, sofern sie überhaupt organisiert sind. Sie sehen auch keine roten Fahnen, sondern stattdessen sri-lankische, kenianische, bangladeschische und nepalesische Flaggen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die wenigen Forderungen dieser Bewegungen, sind für ihren Geschmack zu schwammig und begrenzt, besonders im Vergleich zu dem vollendeten Programm einer sozialistischen Revolution, und sie weisen auf die unbestreitbare Tatsache hin, dass diese Revolutionen bisher kaum grundlegende Veränderungen bewirkt haben. Spöttisch erklären sie, dass das überhaupt keine Revolutionen seien und dass man sie doch wieder aufwecken solle, wenn die&nbsp;<em>echte</em>&nbsp;Revolution da ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ernsthafte Kommunisten können wir uns weder von oberflächlichen Erscheinungen beeindrucken lassen, noch können wir erwarten, dass sich Revolutionen nach vorgefassten Schemata richten. Wir müssen das Wesen der konkreten Ereignisse analysieren und konkrete Lehren ziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was also ist unsere Haltung gegenüber diesen sich abspielenden Ereignissen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von Sri Lanka bis Nepal, haben all diese Revolutionen ihre eigenen, einzigartigen Charakteristika. Aber inzwischen zeichnen sich klare und unmissverständliche Muster ab, die, zusammengenommen, eine Menge über den Charakter der Epoche, in die wir eingetreten sind, aussagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Die Macht der Massen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuerst einmal muss gesagt werden, dass wir von den revolutionären Massen mehr Anstrengung oder Heroismus nicht hätten verlangen können. Sie haben gezeigt, welche gewaltigen Kräfte in ihnen schlummern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor drei Jahren, als das Volk in Sri Lanka den Präsidentenpalast erstürmte und damit den ersten Dominostein zu Fall brachte, wurde die Polizei wie Spielzeug beiseite gefegt und die Rajapaksas flohen. Keine andere Kraft in der Gesellschaft könnte sich auch nur im Entferntesten mit dieser Macht messen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Regime stand mit einem Mal völlig hilflos da und war der Revolution schutzlos ausgeliefert, die es an Ort und Stelle hätte zerschlagen können. In Wirklichkeit lag die Macht in den Händen der Massen auf der Straße und alles, was gefehlt hätte, wäre, das alte Regime für abgesetzt zu erklären. Jedoch waren die Massen sich dieser Macht nicht bewusst und es gab keine Partei, die durchsetzungsfähig genug war, um in ihrem Namen die Macht zu ergreifen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So kam es dazu, dass an demselben Abend, an dem dieser atemberaubende Sieg errungen wurde, es nichts weiter für die revolutionären Massen zu tun gab, als den Präsidentenpalast zu räumen und nach Hause zurückzukehren. Worauf das alte, verhasste Parlament, in der die herrschende Rajapaksa-Partei eine Mehrheit hatte, seinen Ersatzpräsidenten wählte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 5. August 2024 fand sich das Regime in Bangladesch in der gleichen verzwickten Lage wieder. Die Polizei, die in den Wochen zuvor noch eine Schreckensherrschaft ausgeübt hatte, trat mit einem Mal in den ‚Streik‘. In Wahrheit waren sie geflohen, weil sie sich vor der Vergeltung der Massen fürchteten. 450 der 600 Polizeistationen im Land waren nur noch rauchende Ruinen und die verhasste Premierministerin Sheikh Hasina wurde von den führenden Militärs in einen Helikopter geladen und aus dem Land befördert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die revolutionären Massen hatten die Macht und hätten&nbsp;<em>ihre eigene</em>&nbsp;revolutionäre Regierung errichten können. Aber sie waren sich, wie schon gesagt, ihrer Macht nicht bewusst. Das alte Regime war besiegt. Die alten Generäle und Richter hätte man beiseite werfen können und sollen. Stattdessen gingen die Führer der Studentenbewegung auf die besiegten Generäle zu, um mit ihnen zu&nbsp;<em>verhandeln</em>. Sie einigten sich auf eine Übergangsregierung unter Führung eines Ex-Bankiers, in der sie symbolisch Ministerposten bekamen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Kenia wurde trotz all der Opfer und all des Blutvergießens, sogar noch weniger erreicht. Präsident Ruto bleibt weiterhin an der Macht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das zentrale Rätsel in all diesen Fällen ist der Kontrast zwischen der überwältigenden Macht, die die Massen entfalteten, und wie wenig von Bedeutung sich veränderte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dies ist das Ergebnis eines fehlenden Faktors, auf den wir wiederholt zurückkommen werden: das Fehlen einer revolutionären Führung. Ohne Führung herrscht Verwirrung über das Programm und das Endziel der Revolution. So blieben all diese Revolutionen auf halbem Weg stehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber denen, die behaupten wollen, dass dies überhaupt keine Revolutionen waren, sagen wir:&nbsp;<em>Keine andere Art Revolution war unter diesen Umständen möglich</em>. Lenin beantwortet diesen Einwand mit Bestimmtheit in seiner Antwort an diejenigen, die die revolutionäre Bedeutung des irischen Osteraufstands von 1916 verleugneten und ihn auf einen bloßen ‚Putsch‘ zu reduzieren versuchten:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Denn zu glauben, dass die soziale Revolution denkbar ist ohne Aufstände kleiner Nationen in den Kolonien und in Europa, ohne revolutionäre Ausbrüche eines Teils des Kleinbürgertums mit allen seinen Vorurteilen, ohne die Bewegung unaufgeklärter proletarischer und halbproletarischer Massen gegen das Joch der Gutsbesitzer und der Kirche, gegen die monarchistische, nationale usw. Unterdrückung &#8211; das zu glauben heißt der sozialen Revolution entsagen. Es soll sich wohl an einer Stelle das eine Heer aufstellen und erklären: „Wir sind für den Sozialismus“, an einer anderen Stelle das andere Heer aufstellen und erklären: „Wir sind für den Imperialismus“, und das wird dann die soziale Revolution sein! Nur unter einem solchen lächerlich-pedantischen Gesichtspunkt war es denkbar, den irischen Aufstand einen ‚Putsch‘ zu schimpfen. Wer eine ‚reine‘ soziale Revolution erwartet, der wird sie niemals erleben. Der ist nur in Worten ein Revolutionär, der versteht nicht die wirkliche Revolution.“ (Lenin,&nbsp;<a href="https://www.marxists.org/archive/lenin/works/1916/jul/x01.htm"><em>Die Ergebnisse der Diskussion über die Selbstbestimmung</em></a>)</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Das Problem der Führung</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es fehlt zwar an klarer Führung, aber das Entscheidende ist, dass die Massen unter solch verzweifelten Umständen leben, dass es für sie zu einem Ding der Unmöglichkeit wird, auf diesen fehlenden Faktor zu warten. Die Jugend ist noch am wenigsten dazu bereit, geduldig abzuwarten, bis die Bedingungen genau richtig sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein weiteres markantes Merkmal all dieser revolutionären Umbrüche ist die Art und Weise, wie eine ganz neue Generation von Jugendlichen die Bühne betreten hat. Die Jugend, der ihre Zukunft geraubt wurde, die am wenigsten zu verlieren und am meisten zu gewinnen hat, die energischste Schicht, nicht belastet durch vergangene Niederlagen, stand überall an vorderster Front.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Nepal und Kenia wurde die Bewegung sogar „Gen Z Revolution“ getauft. In Serbien und Bangladesch kanalisierten riesige Studentenbewegungen die Wut von Millionen einfacher Arbeiter und armer Menschen wie ein Blitzableiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn es von Land zu Land Unterschiede gibt, stellte meist die Jugend das bisschen an organisierter Führung, das es gab. Bringt sie Verwirrung mit sich? Selbstverständlich. Aber wessen Schuld ist das? Darauf antworten wir mit Nachdruck: es ist die Schuld der Führer der Arbeiterorganisationen, deren Aufgabe es ist, zu führen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist eine zu verurteilende Tatsache, dass ihre feige Abwesenheit das schmachvolle Gegenstück zu dem Mut der Jugend in der Vorhut bildet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So wie die Generäle in Kenia und Bangladesch die Soldaten in Kasernen einsperrten, um zu verhindern, dass sie mit der Revolution infiziert wurden, so bekamen im selben Maße die schweren Bataillone der Arbeiterklasse von den Arbeiterführern ‚Ausgangssperre‘.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist kriminell. Letztendlich hat nur die Arbeiterklasse die Macht in ihren Händen, um den Kapitalismus, der die wahre Quelle allen Elends und Leidens der Massen ist, mitsamt Wurzel zu vernichten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Jugend hat in vielen Fällen versucht, sich mit den Arbeitern zu verbinden. So muss man den Studenten in Serbien zugutehalten, dass sie&nbsp;<em>richtigerweise</em>&nbsp;die Gewerkschaften dazu aufgefordert haben, einen Generalstreik gegen das Vučić-Regime zu organisieren und zur Bildung von <em>zborovi</em>&nbsp;(Massenversammlungen) am Arbeitsplatz aufgerufen haben. Aber die engstirnigen Bürokraten in den Gewerkschaftsbüros widersetzten sich all diesen Aufrufen, die sie als Eingriffe in ihre eigenen kleinen Fürstentümer betrachteten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Kenia verteidigte sogar der elende Generalsekretär des COTU-K Gewerkschaftsdachverbandes Rutos regressives Finanzgesetz von 2024, das die ganze Bewegung überhaupt vom Zaun gebrochen hatte!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und 2022, auf dem Höhepunkt des <em>Aragalaya&nbsp;</em>(‚Kampf‘) in Sri Lanka, wurde die Idee, einen<em> hartal</em> (revolutionären Generalstreik) zu führen, weit verbreitet. Aber die Gewerkschaften weigerten sich, zu irgendetwas anderem als einem eintägigen Streik aufzurufen.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Gegen Korruption</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Verlauf dieser Bewegungen haben wir gesehen, wie die Massen die offensichtlichsten und wirkungsvollsten Symbole ins Visier genommen haben, die ihre Wut hervorrufen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die korrupten herrschenden Cliquen, die diese Länder dominieren und sowohl wegen ihrer Brutalität als auch wegen ihrer Korruption verhasst sind, haben die ganze Wut der Massen auf sich gezogen: die Rajapaksa-Clique in Sri Lanka; die Hasina-Clique in Bangladesch; die Ruto-Clique in Kenia; die Herrscher und ihre „Nepo-Kinder“ in Nepal; die Politiker, die sich in Indonesien fabelhafte Gehaltserhöhungen zahlten; und Vučić und seine Schergen in Serbien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber in erster Linie greifen die Massen in Sri Lanka, Kenia, Bangladesch, Nepal, Indonesien und anderswo die&nbsp;<em>Korruption </em>an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viele Skeptiker weisen darauf hin und spotten, dass das der Beweis für ihre Behauptungen ist, dass dies keine Revolutionen sind. Eine echte Revolution, sagen sie, wäre gegen den Kapitalismus und nicht gegen Korruption.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber Korruption ist nur das stärkste und extremste Symptom der ganzen Fäulnis des kapitalistischen Systems selbst. Die Massen sind von einem tiefen Gefühl der Ungerechtigkeit, des Hasses und der Empörung erfüllt, wenn sie an die unfassbaren Reichtümer denken, die sie umgeben. Aber aus ihrer Sicht wird dieser Reichtum von einer korrupten Elite abgezweigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Westliche Kommentatoren erklären, dass Korruption ein bedauerliches Merkmal der sogenannten „Dritten Welt“ ist und verweisen darauf als Ursache ihrer Unterentwicklung. Selbstverständlich tun sie dies, um die Rolle des&nbsp;<em>Imperialismus</em>, der Hauptursache für Armut und Unterentwicklung, zu verschleiern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber ähnliche Korruption grassiert in&nbsp;<em>allen</em>&nbsp;kapitalistischen Ländern, nicht zuletzt in Europa. Betrachten wir die Ähnlichkeit zwischen dem Verbrechen des Einsturzes des Bahnhofsdachs von Novi Sad in Serbien und der Eisenbahnkatastrophe von Tempi in Griechenland, die beide riesige Massen auf die Straßen brachten. In beiden Fällen sind korrupte Politiker schuld. Sie zählen das Geld, das sie durch Bestechung und korrupte Geschäfte gemacht haben, während die Armen ihre Toten von den Katastrophen zählen, die diese Korruption verursacht hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unterdessen muss ein armer Rikscha-Fahrer in Sri Lanka oder Bangladesch nur seinen knurrenden Magen mit luxuriösen Prestigeprojekten wie dem Lotus Tower in Colombo oder der Padma-Brücke über den Ganges vergleichen, um die enorme Kluft zu spüren, die ihn von seinen Herrschern trennt. Während Jakarta für die Armen eine Hölle auf Erden darstellt, ist die indonesische Regierung damit beschäftigt, eine neue, glitzernde Hauptstadt meilenweit entfernt von der Armut und dem Schmutz der heutigen Hauptstadt zu bauen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als die Massen in Sri Lanka, Indonesien, Bangladesch oder Nepal gegen ihre Regime aufstanden, waren es diese verwöhnten Heuchler, diese „Führer der Nation“, die sie angriffen. Instinktiv trafen sie den Kopf dieser verdorbenen Cliquen und brachten uns die Szenen von gestürmten Parlamentsgebäuden, geplünderten Präsidentenpalästen, brennenden Parteibüros und den brennenden Häusern von Parlamentariern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Massen zeigten den richtigen Instinkt, indem sie diese korrupten Gangster angriffen, die sich durch ihre Ämter über die Maßen bereichert hatten. Jedoch, selbst wenn diese Leute hochkant vor die Tür befördert wurden, stehen letztendlich doch nur wieder andere bereit, ihren Platz einzunehmen. Die Sache ist die, dass wir, um Korruption zu beenden, die Herrschaft des Kapitals beenden müssen. Das bedeutet, das Privateigentum abzuschaffen und die bewaffneten Formationen des kapitalistischen Staates, die die Basis der Macht der herrschenden Klasse bilden.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Hass auf alle Parteien</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In all diesen Bewegungen herrscht das Gefühl, dass nicht nur die jetzige herrschende Clique, sondern&nbsp;<em>alle</em>&nbsp;Politiker und Parteien gleich schlecht sind. Die sogenannte ‚Opposition‘ hat sich in den meisten Fällen als genauso korrupt herausgestellt wie die Regierung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und sie sind nicht nur aufgrund ihrer Korruption verhasst. Allein die Tatsache, dass sie an denselben verhassten parlamentarischen Spielchen teilnehmen und dieselbe verlogene Politiker-Sprache sprechen, diskreditiert die Opposition in den Augen der Massen genauso wie die Amtsinhaber.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">So erhoben die Massen in Sri Lanka neben dem Slogan „Go home Gota“ (Gota, geh heim), der auf den korrupten Präsidenten Gotabaya Rajapaksa abzielte, den Slogan „Go home 225“ – mit dem alle 225 Abgeordneten des Parlaments gemeint waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Kenia bezeichnen die Jugendlichen die Abgeordneten als ‚MPigs‘ (‚Abgeordnetenschweine‘). Das ist absolut richtig! Während sie Gesetze erlassen, um die Armen ärmer zu machen, haben diese ‚Abgeordnetenschweine‘ – ohne Ausnahme – ihre Schnauzen tief im Futtertrog der parlamentarischen Diäten und Privilegien. Die kenianische Jugend will mit Ruto nichts zu tun haben, aber genauso wenig mit Oppositionsführern wie Odinga, der sich schnell, aus Angst vor der revolutionären Jugend, schutzsuchend hinter Rutos Stiefel verkrochen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr Slogan „Kein Stamm, kein Anführer, keine Partei“ erfasste eine sehr gesunde instinktive Ablehnung all jener stammeskapitalistischen Banden, die in Kenia als „politische Parteien“ durchgehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber wenn alle existierenden Parteien Werkzeuge dieser oder jener korrupten Fraktion der herrschenden Klasse sind, bedeutet das, dass die Arbeiter und die Jugend ohne Partei auskommen können? Die Antwort lautet: Nein. Die Situation schreit nach einer&nbsp;<em>eigenen</em>&nbsp;Partei und Führung, die&nbsp;<em>ihre</em>&nbsp;Interessen vertritt.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Die politische Linke: keinen Deut besser</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Ablehnung&nbsp;<em>aller</em>&nbsp;politischen Parteien spiegelt auch die Tatsache wider, dass in den meisten Fällen die sogenannten „linken“ Parteien genauso schlecht sind wie die rechten Parteien!</p>



<p class="wp-block-paragraph">In manchen Fällen wurden die „linken“ Parteien genauso korrupt wie die rechten Parteien. Häufig stellen sich diese eifersüchtigen Sozialaufsteiger sogar als noch schlimmer heraus und ziehen das Wort „links“ in den Schmutz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist nicht nur das Produkt eines moralischen Defekts oder Versagens der Linken. Diese Fäulnis ist in falschen theoretischen Prinzipien verwurzelt. Schuld an diesem traurigen Zustand trägt insbesondere der Stalinismus mit seiner unheilbringenden „Etappentheorie“, die direkt dazu geführt hat, dass sich viele Parteien der Linken mit den schlimmsten, korruptesten Elementen der herrschenden Klasse verbünden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn nach dieser Theorie sind die drängendsten Aufgaben in unterentwickelten Ländern nicht sozialistische, sondern bürgerlich-demokratische Aufgaben. Darin steckt ein Fünkchen Wahrheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der klarste und drängendste Wunsch der Massen in rückständigen kapitalistischen Ländern wie Nepal, Bangladesch, Sri Lanka und Indonesien ist es, die korrupte und willkürliche Herrschaft der gegenwärtigen Regime zu brechen. Vor allem anderen wollen die Massen, die unter diesen brutalen Regimen leben, frei atmen. Sie wollen demokratische Rechte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Aufgaben sind an sich nicht von sozialistischer Natur. Sie sind das, was Marxisten als „bürgerlich-demokratische“ Aufgaben bezeichnen würden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber von dem Punkt ausgehend, dass die Revolution sich mit bürgerlich-demokratischen Aufgaben konfrontiert sieht, zieht die stalinistische „Etappentheorie“ den Schluss, dass man einen „progressiven“ Flügel der Bourgeoisie finden muss, der diese Revolution anführen kann. Erst nach Jahren kapitalistischer Entwicklung, die das national-bürgerliche Stadium der Revolution einleiten soll, würde das Land schließlich reif für den Sozialismus werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt nur einen kleinen Haken bei der Sache: Es gibt heutzutage in keinem rückständigen Land einen solchen „progressiven“ Flügel der Kapitalistenklasse. Es handelt sich um eine völlig parasitäre Klasse, die vollständig vom Imperialismus abhängig ist. Sie hat Angst vor den revolutionären Massen und vor allem vor der einzigen konsequent revolutionären Klasse in der Gesellschaft, der Arbeiterklasse. All ihre Politik, Handlungen und Äußerungen belegen dies.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf ihrer Jagd nach dem Einhorn eines ‚progressiven‘ Flügels der Kapitalistenklasse haben sich die Stalinisten immer ans Bein dieser oder jener korrupten Clique geklammert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kommunistische Partei Bangladeschs hat über Jahrzehnte die Awami-Liga von Hasina und ihrem Vater Mujib unterstützt. Sie bezeichneten die Awami-Liga als „fortschrittliche“ Verteidiger der nationalen Befreiung Bangladeschs und begründeten ihre anhaltende Unterstützung damit, dass die „säkulare“ Awami-Liga ein geringeres Übel als die religiösen Fundamentalisten von Jamaat-e-Islami sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt sind sie in den Augen der Massen ganz genau so diskreditiert wie Hasina, während die Reaktionäre von Jamaat-e-Islami sich als Märtyrer im Kampf gegen Hasinas Awami-Liga-Regime darstellen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne revolutionäre Partei, die die Frage der Korruption mit dem Kapitalismus in Verbindung bringen konnte, stellten sich die Islamisten an die Spitze und begannen, selbst von der „Bekämpfung der Korruption“ zu sprechen. „Ja, auch wir sind gegen korrupte Politiker“, sagen sie. „Wir brauchen eine sauberere Politik und neue Gesichter anstelle der alten“. Diese Reaktionäre lenken die Schuld für Korruption vom Kapitalismus weg und auf andere vermeintliche Ursachen, wie einen Mangel an Moral oder Frömmigkeit seitens der Säkularisten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die vielleicht vernichtendste Anklage gegen die stalinistische „Etappentheorie“ lässt sich anhand des Falls der nepalesischen Maoisten erheben, die das Land politisch dominieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damals, im Jahr <a href="https://marxist.com/victory-nepalese-maoists-elections.htm">2006</a>, wurden die Maoisten nach einem jahrzehntelangen Aufstand auf der Grundlage einer revolutionären Welle an die Macht gebracht. Was haben sie also getan? Sie unterzeichneten umgehend eine gemeinsame 12-Punkte-Vereinbarung mit offen bürgerlichen Parteien wie der nepalesischen Kongresspartei und seitdem wird das Land von Koalitionen zwischen sogenannten „Kommunisten“ und diesen bürgerlichen Elementen regiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre Rechtfertigung dafür war, dass sich alle „fortschrittlichen“, „antifeudalen“ Kräfte vereinen müssten, um die Monarchie zu stürzen und eine Republik aufzubauen. Dies würde zur Entwicklung des nepalesischen Kapitalismus führen, der zu einem bestimmten Zeitpunkt die Grundlage für eine sozialistische Revolution in Nepal legen würde.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwischen 2008 und 2025 wurden jedoch keine Fortschritte verzeichnet. Nepal ist im Index&nbsp;der menschlichen Entwicklung&nbsp;<a href="https://nepaldiplomat.com/3795/">aus 193 Ländern von Platz 140&nbsp;auf Platz 145</a> gefallen. Jedes Jahr fliehen Tausende Jugendliche aus der Armut des Landes, indem sie im Ausland arbeiten, sodass ein Drittel des BIPs aus Überweisungen aus dem Ausland besteht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem sie anderthalb Jahrzehnte lang den Staat im Interesse der Kapitalisten verwaltet haben, sind die maoistischen Politiker selbst zum Gegenstand des Hasses der Massen geworden. Sie sind genauso korrupt wie die offen bürgerlichen Parteien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter den „Nepo-Kindern“, deren prunkvoller Reichtum die jüngsten Ereignisse ausgelöst hat, finden wir wen? Junge Leute wie Smita Dahal, die mit Handtaschen, die ein Vielfaches eines durchschnittlichen Monatsgehalts eines nepalesischen Arbeiters kosten, durch die Gegend stolziert, und deren Vater kein anderer als der ehemalige Anführer der maoistischen Guerillas, der Vorsitzende Prachanda ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Farbrevolutionen?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt eine Ansicht – die bei den Befürwortern der neuen „multipolaren“ Welt beliebt ist – das, was wir sehen, das genaue Gegenteil von Revolution ist. Sie sagen, dass dies&nbsp;Konterrevolutionen oder „Farbrevolutionen“ sind. Das heißt, dass es sich hierbei um finstere Verschwörungen westlicher Geheimdienste handele, die die Massen manipulieren sollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dasselbe wurde oft über den Arabischen Frühling gesagt, der viele Ähnlichkeiten mit der gegenwärtigen Welle von Revolutionen aufwies. Wir können verstehen, warum einige Leute fälschlicherweise denken, dass hinter dem Arabischen Frühling eine Verschwörung steckte. Die Arbeiterklasse in Ägypten war nicht in der Lage, die Macht zu ergreifen. Das Ergebnis? Mubarak wurde durch Al-Sisi ersetzt und heute ist die Lage in Ägypten hundertmal schlimmer als 2010. Libyen und Syrien konnte der Imperialismus in einen barbarischen Bürgerkrieg stürzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Tatsache, dass die gegenwärtige Welle von Revolutionen in Südasien konzentriert ist und dass einige der betroffenen Regime tendenziell China nahestehen, verleiht der Idee, dass dies vom Westen eingefädelte Regimewechsel sind, etwas Glaubwürdigkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Idee, dass es sich hier um eine Welle an Farbrevolutionen handeln könnte, hat jedoch eine gewisse Ironie an sich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Verteidiger der „multipolaren Welt“ behaupten, dass die Linke, um den Imperialismus zu bekämpfen, „progressive“, „antiimperialistische“ bürgerliche Regime im „globalen Süden“ unterstützen muss. Aber sie sind blind gegenüber der Tatsache, dass die Linken gerade eben deshalb so diskreditiert sind, weil sie seit Jahren dasselbe Märchen einer „progressiven“, „antiimperialistischen“ nationalen Bourgeoisie hochhalten, dass sie ein Vakuum hinterlassen. Das können die Reaktionären versuchen zu füllen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Vorstellung, dass dies „Farbrevolutionen“ sind, ist falsch. Was wir erleben, lässt sich nicht als Verschwörung erklären. Jedoch ist es eine falsche Idee, die ein Fünkchen Wahrheit enthält. Ohne revolutionäre Führung&nbsp;kann&nbsp;die Konterrevolution die Oberhand gewinnen, die Imperialisten&nbsp;können Möglichkeiten&nbsp;finden, um einzugreifen, und die Dinge&nbsp;können&nbsp;in eine sehr reaktionäre Richtung degenerieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir müssen unverblümt sagen, dass die Bilanz dieser Revolutionen dies bestätigt und dass dies eine Lehre ist, die gezogen werden muss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Scheitern der syrischen Revolution, ein proletarisches Programm zu formulieren, erlaubte den Imperialisten, die Bewegung zu kapern und in einen islamistischen Aufstand zu verwandeln. Ebenso driftete der iranische Jugendaufstand 2018, der keinen klaren Klassenansatz entwickelte, in die Umlaufbahn der vom Westen unterstützten liberalen Opposition.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und in diesen neueren Beispielen? In Kenia bleibt Ruto weiterhin an der Macht. Die nüchterne Wahrheit ist, dass die Jugend es nicht geschafft hat, ihn durch einfache Aktionstage zu Fall zu bringen. In Bangladesch und Sri Lanka wurde das alte Regime gestürzt und doch führen die Regierungen in allen drei Ländern Sparmaßnahmen durch und greifen die Arbeiterklasse und die Armen auf Geheiß des IWF an. Sie alle sind gezwungen, diese Politik durchzuführen, weil sie die einzige Politik ist, die unter dem Kapitalismus möglich ist.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inmitten der überschwänglichen Begeisterung für die wirtschaftliche „Erholung“ in Sri Lanka blieb die Armutsrate bis zum letzten Jahr doppelt so hoch wie Anfang 2022. Die Jugend versucht auszuwandern, wenn es geht, und ist ansonsten gezwungen, endlos viele Stunden zu arbeiten, um zu überleben. In Bangladesch sind seit der Bewegung im Juli 2024 rund&nbsp;<a href="https://www.thedailystar.net/news/bangladesh/news/21m-people-lost-jobs-and-86-them-women-3904316">2,1 Millionen Arbeitsplätze</a>&nbsp;verloren gegangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Bedingungen verschlechtern sich weiter. Tatsache ist, dass die Wurzel des Leidens und der Unzufriedenheit der Massen in der Krise des Kapitalismus liegt und dass diese Revolutionen nicht die Wurzel des Kapitalismus angegriffen haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die Korruption wurde nicht beendet. In Bangladesch haben die Studentenführer den größten Teil ihrer Autorität verbraucht. Das Sahnehäubchen ist, was mit dem Quotensystem passiert ist, das die Revolution in Bangladesch ausgelöst hatte. Im vergangenen Jahr mobilisierten die Studenten, um Diskriminierung zu beenden: die Quoten für gut bezahlte Stellen im öffentlichen Sektor für die Angehörigen der Veteranen des Unabhängigkeitskriegs von 1971 zu beenden, um genau zu sein. Ein System, das&nbsp;<em>de facto</em> für die Lakaien von Hasina und dem Awami-Liga-Regime Arbeitsplätze schaffte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses Quotensystem wurde in der Tat auf den Müll befördert &#8230; und durch ein Quotensystem mit zugewiesenen Arbeitsplätzen für die Familienmitglieder der Veteranen des Aufstands vom Juli 2024 ersetzt!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alles, was unter dem Kapitalismus möglich ist, ist eine Neuaufteilung der Beute, aber es gibt nie ein Ende der Plünderung.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Unvollendete Prozesse</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Revolutionen sind keine Dramen mit nur einem Akt und das ist nicht das Ende der Geschichte. In Sri Lanka, Nepal und Bangladesch wurden die alten, verhassten Regime gestürzt. Die ersten Siege, die die Massen erzielten, waren überwältigend. Doch bei näherer Betrachtung stellt sich heraus, dass die Siege eher die Erscheinung, als die Substanz des Regimes trafen. Die Köpfe der Regime sind weg, aber der alte Staat, die alte herrschende Klasse, hat immer noch die Macht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt Gemeinsamkeiten zwischen dem, was wir hier erlebt haben, und den Ereignissen in Russland im Februar 1917.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die russischen Arbeiter erstürmten mit einem revolutionären Generalstreik die Bühne. Innerhalb weniger Tage musste der Zar abdanken und eine provisorische Regierung wurde gebildet. Aber als die Begeisterung nachließ, stellte sich heraus, dass die alten monarchistischen Generäle und Bürokraten an Ort und Stelle blieben. Die Kapitalisten besaßen weiterhin die Fabriken, die Grundbesitzer das ganze Land. Es blieb der Zarismus, nur ohne den Zaren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Sieg war erst dann vollendet, als der alte Staat zerschlagen und die Arbeiter&nbsp;<em>selbst</em>&nbsp;die Macht übernommen hatten. Dies geschah in der Oktoberrevolution von 1917. Und das war nur möglich dank der bolschewistischen Partei, die die Ziele der Revolution klärte und die Arbeiterklasse und andere unterdrückten Massen Russlands um ihr Banner scharen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wäre sie nicht da gewesen, hätte die alte herrschende Klasse Russland in die Barbarei hinabgezogen. Bürgerkrieg, begleitet von Pogromen, hätte auf der Tagesordnung gestanden. Aller Wahrscheinlichkeit nach wäre Russland zwischen den imperialistischen Mächten aufgeteilt worden und viele Millionen wären gestorben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit anderen Worten: Russland hätte ein ähnliches Schicksal erlitten wie der Sudan heute. Dort hatten die revolutionären Massen&nbsp;<a href="https://marxist.com/sudan-uprising-has-ousted-dictator-but-the-regime-tries-to-stay-in-power.htm">2019 die perfekte Gelegenheit,</a>&nbsp;die Macht zu ergreifen. Die Führung ließ sie an sich vorbeiziehen und jetzt wird das Land von einem&nbsp;<a href="https://marxist.com/sudan-bloody-clash-erupts-within-counter-revolution.htm">barbarischen Bürgerkrieg</a> zwischen zwei reaktionären bewaffneten Banden und den verschiedenen imperialistischen Mächten, die hinter diesen Banden stehen, zerrissen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich sind solch verheerende reaktionäre Folgen, wie wir sie jetzt im Sudan erleben, keineswegs unausweichlich. Die Stärke der Arbeiterklasse und eine ganze Reihe anderer Faktoren spielen bei der Bestimmung des Ausgangs eine Rolle. Nichtsdestotrotz ist es eine brutale Warnung.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Wer ist als Nächstes an der Reihe?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die revolutionären Ereignisse, die wir gesehen haben, werden sich wahrscheinlich über einige Jahre in Sri Lanka, Bangladesch, Nepal, Indonesien, Kenia und anderswo fortsetzen. Die Entwicklungen werden manchmal abebben, manchmal sich zuspitzen und zweifellos sogar neue Aufstände hervorbringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn uns die Geschichte des Bolschewismus von 1903 bis 1917 eines lehrt, dann, dass eine Partei&nbsp;<em>vor</em>&nbsp;der Revolution aufgebaut werden muss, wenn sie eine entscheidende Rolle spielen soll. Wir wollen nicht völlig auszuschließen, dass eine revolutionäre Partei nicht auch unter den Bedingungen der Revolution aufgebaut werden kann, aber das ist keine leichte Aufgabe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir richten das, was wir jetzt zu sagen haben, an die fortschrittlichsten revolutionären Arbeiter und Jugendlichen im Rest der Welt, der noch nicht von der Revolution erfasst wurde. Die Aufgabe, die revolutionäre Partei aufzubauen, muss dringend in Angriff genommen werden, und zwar jetzt! Alle diese Vorkommnisse, die wir aufgelistet haben, weisen auf diese Tatsache hin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es braucht Zeit, um den Kaderstamm einer zukünftigen revolutionären Massenpartei aufzubauen. Aber Zeit haben wir nicht im Überfluss. Die Bedingungen, die die Revolutionen in allen zuvor genannten Ländern hervorgebracht haben, reifen&nbsp;<em>überall</em> schnell heran.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist auffällig, wie ähnlich diese Bedingungen waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf den ersten Blick waren dies nicht einmal die krisenreichsten Länder der Welt. Ganz im Gegenteil, sie erlebten Booms mit Wachstumsraten, die die Wirtschaftsexperten der fortgeschrittenen kapitalistischen Länder vor Neid erblassen lassen würden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nepal verzeichnete zwischen 2010 und 2024, das Pandemiejahr 2020 ausgenommen, ein jährliches Wachstum von 4,7 Prozent, Kenia 5,2 Prozent und Indonesien 5,23 Prozent. Sri Lanka geriet früher in die Krise, verzeichnete aber auch in den Jahren 2010 bis 2018 ein durchschnittliches Wachstum von 6,43 Prozent pro Jahr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kratzt man jedoch an der Oberfläche, findet man was? Extrem ungleichmäßiges, „beschäftigungsloses“ Wachstum, anhaltende Armut und ein Berg unbezahlbarer Wucherschulden, die den Imperialisten geschuldet werden. Am bedrohlichsten für die herrschende Klasse sind die hohe Jugendarbeitslosigkeit und das Fehlen einer anständigen Zukunft.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.statista.com/statistics/813026/youth-unemployment-rate-in-sri-lanka/">In Sri Lanka</a> lag die Jugendarbeitslosigkeit 2021 bei 25 Prozent, dem Vier- bis Fünffachen der durchschnittlichen Quote. 7 Millionen der 44 Millionen Jugendlichen Indonesiens sind arbeitslos. In Bangladesch hat weniger als jeder fünfte 25- bis 29-Jährige einen sicheren Arbeitsplatz mit einem Vertrag, der länger als ein Jahr andauert. Vor der Pandemie waren 39 Prozent aller Bachelorabsolventen <a href="https://thefinancialexpress.com.bd/economy/bangladesh/nearly-39pc-university-graduates-jobless-1556339685">in Bangladesch</a> arbeitslos.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie ein kenianischer Jugendlicher es ausdrückte: „Wir haben keine Arbeitsplätze und keine Zukunft, also haben wir alle Zeit der Welt, euch zu stürzen, und nichts zu verlieren, wenn wir euch bekämpfen“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sind dies einzigartige Merkmale dieser Länder? Nein, sind sie nicht. In vielen, vielen anderen Ländern sind die Bedingungen bemerkenswert ähnlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stand 2023 sind&nbsp;<a href="https://marxist.com/debt-crisis-predatory-powers-fight-over-scraps-in-pillage-of-poor-nations.htm">21 Länder</a> mit zusammengenommen 700 Millionen Einwohnern bankrott oder stehen kurz vor dem Bankrott. <a href="https://www.independent.co.uk/news/ap-antonio-guterres-international-monetary-fund-united-states-african-b2374201.html">3 Milliarden Menschen weltweit</a>&nbsp;leben in Ländern, die mehr für die Abzahlung von Schuldzinsen ausgeben als für Gesundheit oder Bildung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits während der ‚guten Zeiten‘, haben die Massen damit gekämpft, den Kopf über Wasser halten zu können. Dies gilt insbesondere für arme und sogenannte Länder mit mittlerem Einkommen, die nicht über die notwendigen Reserven verfügten, um die Verwüstungen der durch die COVID-19-Pandemie ausgebrochenen Krise zu überstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Sri Lanka 2022 von der Revolution erfasst wurde, sagten wir voraus, dass ähnliche Ereignisse in einem Land nach dem anderen stattfinden würden, da sie dieselben grundlegenden Merkmale aufweisen. Und so ist es auch passiert und wir gehen zuversichtlich davon aus, dass die lange Liste an Ländern noch nicht vollständig ist. Die herrschenden Klassen Indiens und Pakistans – und ihre vielen ‚Nepo-Kinder‘! – schlottern wahrscheinlich schon mit den Knien, während sie diese Ereignisse beobachten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese revolutionäre Welle hat in den ärmeren, weniger weit entwickelten Ländern begonnen, aber sie wird nicht auf sie beschränkt bleiben. Wie Trotzki erklärte: „Gicht beginnt mit dem kleinen Finger oder dem großen Zeh, aber wenn sie einmal begonnen hat, schreitet sie voran, bis sie das Herz erreicht.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Flammen der Revolution lecken bereits an den Rändern Europas in Serbien, und die&nbsp;Bloquons&nbsp;<em>tout-Bewegung</em>&nbsp;in Frankreich zeigt, dass die Revolution tatsächlich bis ins Herz vordringt. Die Welt steht in Flammen und revolutionäre Explosionen stehen auf der Tagesordnung. Wir müssen diese Tatsache verinnerlichen und damit auch die Verantwortung wahrnehmen, die uns als Revolutionären auferlegt wird, dringend die Internationale aufzubauen.</p>
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		<title>Der Deutsche Bauernkrieg: Als die Geknechteten ins Feld zogen, um den Himmel auf die Erde zu holen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Lukas Kutschera]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 13 May 2025 14:47:06 +0000</pubDate>
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<p class="wp-block-paragraph">Zum 500. Mal jährt sich dieses Jahr der Höhepunkt des Deutschen Bauernkriegs von 1524/26. Im Verlauf dieses Krieges, der sich im Zuge der ersten bürgerlichen Revolution überhaupt entfaltete, erhoben sich die geknechteten Massen in Stadt und Land gegen die verrottende Feudalordnung. Die entscheidenden Niederlagen der Aufständischen im Mai/Juni 1525 veränderten nicht nur die Geschichte Deutschlands, sondern ganz Europas für immer.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Der Bauernkrieg war ein bedeutendes Ereignis der Reformation, die Friedrich Engels neben dem Englischen Bürgerkrieg (1642-1651) und der Französischen Revolution (1789-1794) zu den wichtigsten Etappen im Kampf des europäischen Bürgertums gegen den Feudalismus zählte.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Was als Konflikt des deutschen Mönchs und Theologieprofessors Martin Luther mit der römischen Kirche begann, entfachte einen revolutionären Flächenbrand im Europa der Frühen Neuzeit. In den Niederlanden brachte die Reformation tatsächlich die Bourgeoisie an die Macht. Dort errangen die protestantischen Calvinisten die Unabhängigkeit von ihren katholischen Fremdherrschern, den spanischen Habsburgern, und gründeten die Republik der Sieben Vereinigten Provinzen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Doch als Erstes hatten sich die Massen in Süd- und Mitteldeutschland sowie in Österreich, dem Elsass und der Schweiz erhoben. Nicht nur die Bauern betraten die Bühne der Geschichte, „sondern hinter ihnen die Anfänge des jetzigen Proletariats, die rote Fahne in der Hand und die Forderung der Gütergemeinschaft auf den Lippen“<a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftn1"><sup>[1]</sup></a>, wie Engels schrieb.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Als die Bewegung ihren Lauf nahm, gingen Teile der Ausgebeuteten, inspiriert von der Reformation, über den Kampf gegen die Kirche oder sogar den Feudalismus hinaus. Manche predigten eine Art Kommunismus. Damit antizipierte der Deutsche Bauernkrieg zukünftige Klassenkämpfe – zwischen Bourgeoisie und Proletariat.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Unterdrückten begannen, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Sie organisierten sich, testeten Programme und Methoden aus, zogen aus ihrer Erfahrung radikale Schlussfolgerungen. Zehntausende oft namenlose Helden ließen ihr Leben in diesem Kampf. Das allein ist Grund genug, sich mit dem Bauernkrieg auseinanderzusetzen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">In dem Moment, als die Massen mit ihren eigenen Forderungen auf den Plan traten, spaltete sich die Reformation in Deutschland entlang der Klassenlinien, zwischen den Besitzenden und Habenichtsen. Luther und das städtische Bürgertum stellten sich auf die Seite des protestantischen Adels. Dieser schlug gemeinsam mit seinen katholischen Klassengenossen die Bauern und ihre Verbündete, die sie mehr als alles andere fürchteten, brutal nieder. Die erste bürgerliche Revolution endete somit nicht mit der Machtübernahme der Bourgeoisie.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Engels beschäftigte sich immer wieder mit der Reformation. Im Jahr 1850 veröffentlichte er die Broschüre „Der deutsche Bauernkrieg“, in der er die Parallelen zwischen der Revolution von 1525 und der von 1848/49 herausarbeitete. Über 300 Jahre später hatte das deutsche Bürgertum in Deutschland erneut aus Angst vor den Massen mit dem Adel paktiert, anstatt den Kampf gegen den Feudalismus zu Ende zu führen. Engels erklärte:</p>

<blockquote>
<p class="wp-block-paragraph">„Die Klassen und Klassenfraktionen, die 1848 und 49 überall verraten haben, werden wir schon 1525, wenn auch auf einer niedrigeren Entwicklungsstufe, als Verräter vorfinden.“<a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftn2"><sup>[2]</sup></a></p>
</blockquote>

<p class="wp-block-paragraph">Das Werk ist ein Meilenstein in der Entwicklung des Marxismus. Zum allerersten Mal wurde der Historische Materialismus auf ein Ereignis der fernen Vergangenheit angewandt. Eine Auseinandersetzung mit dem Bauernkrieg und der Broschüre von Engels bietet bis heute wertvolle Lehren für jeden, der den Marxismus und den Klassenkampf verstehen möchte.</p>

<h3><strong>Eine Welt im Umbruch</strong></h3>

<p class="wp-block-paragraph">Revolutionen entstehen, wenn die Produktionsverhältnisse – wie zwischen Grundherren und Bauern oder Sklavenhaltern und Sklaven – die Entwicklung der Produktivkräfte der Menschheit, d.h. von Wissenschaft, Industrie und Technik, hemmen. Dieser Widerspruch war die treibende Kraft hinter der Reformation und dem Bauernkrieg. Damals reiften neue, produktivere kapitalistische Verhältnisse heran. Doch die Feudalordnung stand deren Entwicklung entgegen. Dessen wurden sich wachsende Teile der Bevölkerung immer bewusster.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Im 16. Jahrhundert war Deutschland zersplittert in die über 300 Kleinstaaten des Heiligen Römischen Reichs und in eine hierarchisch gegliederte Ständegesellschaft. An deren Spitze stand zwar formal der Kaiser, anders als etwa in England oder Frankreich gab es jedoch kaum eine Zentralgewalt, weil der ökonomische Entwicklungsstand und die sich daraus ergebenden Interessen der unterschiedlichen Provinzen des Reichs für eine Zentralisation zu weit auseinandergingen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Davon profitierten die weltlichen und geistlichen Landesfürsten in den größeren Kleinstaaten. Dieser Hochadel baute seine Territorien zu beinahe unabhängigen absolutistischen Staaten mit stehenden Heeren und eigenständigen Beamtenapparaten aus. So konnten sie gegenüber dem Kaiser, aber auch dem mittleren und niederen Adel sowie den Städten ihre Macht erweitern.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Diese Entwicklung hatte revolutionäre Konsequenzen. Der Unterhalt von Söldnern und Beamten kostet Geld. Das mussten auch diejenigen, die sich den Bestrebungen der Fürsten entgegenstellen oder mit ihrem Prunk mithalten wollten, aufbringen. Zum Beispiel begannen sich durch die Erfindung des Schießpulvers Feuerwaffen zum wichtigsten Mittel der Kriegsführung durchzusetzen. Doch nur die Reichsten konnten sich diese Waffen leisten.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Die feudale Produktionsweise beruhte auf der Ausbeutung der Bauernschaft, ursprünglich durch die Abgabe von Naturalien wie dem Zehnt – eine Steuer von zehn Prozent der Jahresproduktion, die an den Klerus abgeführt wurde – und durch unbezahlte Arbeit auf den Ländereien der Grundherren, den sogenannten Frondiensten. Mit diesen Formen der Ausbeutung wurden Adel, Klerus und die Herrschenden in den Städten unterhalten. Die Bauern dagegen lebten von den Lebensmitteln, die sie für sich selbst neben der Arbeit für die Obrigkeiten anbauten.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Im Grad der Ausbeutung gab es Abstufungen: Leibeigene waren quasi Sklaven ihrer Grundherren und besaßen kaum Rechte. Hörige genossen zwar einige persönliche Freiheiten, aber mussten dennoch Frondienste verrichten. Zinsbauern hatten dagegen nur eine Pacht zu zahlen. Der ständig steigende Geldbedarf der Obrigkeiten führte jedoch zu einem enormen Druck, die Entrechtung und Ausbeutung der gesamten Bauernschaft zu steigern.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Zum Ende des 15. Jahrhunderts hin waren ihre Lebensbedingungen unerträglich geworden. Die Grundherren nahmen die Bauern so sehr aus, wie es nur ging. Dazu erfanden sie etwa unzählige neue Abgaben und Dienste, verboten Wegzug, schränkten die Nutzung vom Gemeindeland der Dörfer ein und warfen Hörige wie freie Bauern sogar in den Kerker, um sie in die Leibeigenschaft zu nötigen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Dort setzten sie ihre Untertanen den brutalsten Foltermethoden ungestraft aus. Die Formen der „Gerechtigkeit“ der Grundherren reichten vom Spannen auf die Folterbank, dem Abschneiden von Ohren, Nasen und Augen, dem Abhacken von Fingern und Händen bis hin zur Hinrichtung durch Enthauptung, Rädern, glühende Eisen und Vierteilung. Wenn der Tod den Bauern schließlich von seinen irdischen Qualen erlöste, mussten die Hinterbliebenen einen großen Teil ihres Erbes an ihren Grundherrn abtreten.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig bauten die Herrschenden das Justizwesen zu ihren Gunsten um. Zuvor führten vielerorts Schöffen aus der Dorfgemeinschaft selbst und nach lokalem Gewohnheitsrecht die Prozesse. Nun setzten die Herren professionelle Juristen ein und kodifizierten das Gesetz – selbstverständlich gemäß ihren eigenen ausbeuterischen Interessen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Um die aus den Bauern herausgepresste Überschüsse zu Geld zu machen, mussten die Grundherren sie in Form von Waren verkaufen. Davon profitierten in erster Linie die Städte und ihr Bürgertum. Dort keimte der Handels- und Manufakturkapitalismus auf. Neben dem noch dominierenden mittelalterlichen Zunfthandwerk waren sogar schon die ersten Ansätze von Lohnarbeit vorhanden. Zum Beispiel in Form des sogenannten Verlagswesens, das vor allem in der Textilindustrie verbreitet war. Oder im Bergbau, der im heutigen Thüringen und Sachsen florierte.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Die zunehmende Förderung von Edelmetallen hatte weitreichende Folgen – nicht nur, weil das Gold und Silber den wachsenden Geldbedarf stillten. Wie Karl Kautsky analysierte, kurbelte der Bergbau die Warenproduktion auch auf dem Land an und nicht nur in den Städten, wo die Metalle verarbeitet wurden. Zur Versorgung der Bergknappen brauchte es Lebensmittel. Für die Schächte, Gleise und das Brennen von Erzen war Holz notwendig.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Im „Deutschen Bauernkrieg“ schrieb Engels noch, dass Deutschlands nationale Produktion nicht schritthalten konnte mit dem Aufschwung anderer Länder. Ein Brief von 1889 an Kautsky, in dem er dessen Analysen zur Relevanz des Bergbaus lobte, belegt, dass er seine Einschätzung grundlegend änderte:</p>

<blockquote>
<p class="wp-block-paragraph">„Mir ist [&#8230;] klar geworden […], wie sehr die Gold- und Silberproduktion Deutschlands […] das letzte treibende Moment war, das Deutschland 1470–1530 ökonomisch an die Spitze Europas stellte und damit zum Mittelpunkt der ersten bürgerlichen Revolution, in religiöser Verkleidung der sog. Reformation machte. Das letzte Moment in dem Sinn, daß es zu der relativ hohen Zunfthandwerks- und Zwischenhandelsentwicklung kam und damit für Deutschland gegenüber Italien, Frankreich, England den Ausschlag gab.“<a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftn3"><sup>[3]</sup></a></p>
</blockquote>

<p class="wp-block-paragraph">Deutsche Unternehmerfamilien wie die Fugger und Welser gehörten zu den mächtigsten der Welt. Sie konzentrierten gewaltige Reichtümer in ihren Händen, die sie an die Kirche, an Kaiser und Fürsten verliehen. Wegen dieser Geschäftsbeziehungen waren sie jedoch eng mit den feudalen Herrschern verbunden und genossen bestimmte Privilegien. Diese Bevorzugung einzelner Fraktionen spaltete die Bourgeoisie.</p>

<p class="wp-block-paragraph">In den Stadtverwaltungen hatte das Großbürgertum, die Patrizier, das Sagen. Das kleine und mittlere Bürgertum forderte Teilhabe an der politischen Macht. Die städtischen Arbeiter und Armen besaßen kein Bürgerrecht und waren damit ausgeschlossen von jeglicher Repräsentation. Den Patriziern standen also eine bürgerliche Opposition <em>und</em> eine revolutionär-plebejische Opposition der Ausgebeuteten gegenüber.</p>

<h3><strong>Fesseln des Fortschritts</strong></h3>

<p class="wp-block-paragraph">Die Gesellschaft des 16. Jahrhunderts im Heiligen Römischen Reich bildete eine „höchst verworrene Masse mit den verschiedenartigsten, sich nach allen Richtungen durchkreuzenden Bedürfnissen“<a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftn4"><sup>[4]</sup></a>. Trotzdem gerieten viele Schichten, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen, in Konflikt mit der alten Ordnung.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Diese verkörperte nichts so sehr wie die katholische Kirche, welche Engels als das „große internationale Zentrum des Feudalsystems“<a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftn5"><sup>[5]</sup></a> bezeichnete:</p>

<blockquote>
<p class="wp-block-paragraph">„Sie umgab die Feudalverfassung mit dem Heiligenschein göttlicher Weihe. Sie hatte ihre eigene Hierarchie nach feudalem Muster eingerichtet, und schließlich war sie der größte aller Feudalherrn, denn mindestens der dritte Teil alles katholischen Grundbesitzes gehörte ihr. Ehe der weltliche Feudalismus in jedem Land und im einzelnen angegriffen werden konnte, mußte diese zentrale, geheiligte Organisation zerstört werden.“<a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftn6"><sup>[6]</sup></a></p>
</blockquote>

<p class="wp-block-paragraph">Die Prasserei der Bischöfe, Äbte und ihrer Armee von Mönchen schürten den Pfaffenhass des Adels, des Bürgertums und der Geknechteten in Stadt und Land gleichermaßen. Die lukrativen Posten in der Kirche vergab der Papst, nicht der deutsche Adel. Oft gingen sie an Ausländer. Etwa mit Kirchensteuern, dem sogenannten Ablasshandel (d.h. Erlass von Sünden gegen Geldzahlungen) oder dem Verkauf von gefälschten Heiligenbildern und Reliquien zog der Klerus der Bevölkerung das Geld aus den Taschen. Außerdem waren die hohen Geistlichen selbst Grundherren. Ein bedeutender Teil des Reichtums ging auf diese Weise nach Rom oder an dessen Lakaien.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Die katholische Kirche hemmte offensichtlich die Entwicklung der Produktivkräfte im Reich. Gleichzeitig verlor sie durch die geschichtlichen Umbrüche mehr und mehr ihre gesellschaftliche Funktion. Der Aufbau der fürstlichen Beamtenapparate, die Anforderungen des aufsteigenden Handels und die Erfindung des Buchdrucks untergruben ihr Monopol auf das Lesen und Schreiben, aber auch auf Bildung und Verwaltung.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Dennoch stellte Religion den ideologischen Grundpfeiler der Gesellschaft dar. Engels erklärte:</p>

<p class="wp-block-paragraph">„Die Dogmen der Kirche waren zu gleicher Zeit politische Axiome, und Bibelstellen hatten in jedem Gerichtshof Gesetzeskraft.“<a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftn7"><sup>[7]</sup></a></p>

<p class="wp-block-paragraph">Mit ihr begründeten die Herrschenden ihre Stellung. Etwa krönte der Papst den Kaiser. Theologie war die Basis für Philosophie, Politik und Justiz.</p>

<h3><strong>Der Zündfunke</strong></h3>

<p class="wp-block-paragraph">Daraus folgt, dass jede gesellschaftliche und politische Bewegung gegen den Feudalismus zunächst eine theologische Form annehmen musste. Engels schrieb:</p>

<blockquote>
<p class="wp-block-paragraph">„Die sämtlichen Reformationen und die sich daran knüpfenden, unter religiöser Firma geführten Kämpfe, vom 13. bis ins 17. Jahrhundert, sind nach ihrer theoretischen Seite nichts als wiederholte Versuche des Bürgertums, der Städteplebejer und der im Anschluß an beide rebellisch gewordenen Bauern, die alte, theologische Weltanschauung den veränderten ökonomischen Bedingungen und der Lebenslage der neuen Klasse anzupassen.“<a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftn8"><sup>[8]</sup></a></p>
</blockquote>

<p class="wp-block-paragraph">Im Kampf um die Auslegung der Religion zugunsten der aufstrebenden Bourgeoisie liegt der Klasseninhalt der Reformation. Doch durch die heftige Reaktion des Papstes und des Kaisers auf seine Kritik am Ablasshandel wurde Luther zur Symbolfigur gegen die alte Ordnung und damit zum Anziehungspunkt nicht nur für das Bürgertum, sondern für alle oppositionellen Kräfte. Im Jahr 1520 wurde Luther mit einer päpstlichen Bannbulle aus der katholischen Kirche ausgeschlossen, 1521 rief Kaiser Karl V. ihn vor den Wormser Reichstag, wo er sich für seine Ketzerei verantworten sollte.</p>
<figure id="attachment_4767" aria-describedby="caption-attachment-4767" style="width: 190px" class="wp-caption alignleft"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-medium wp-image-4767" src="https://derkommunist.de/wp-content/uploads/2025/05/Lucas_Cranach_d.Ae_._-_Martin_Luther_1528_Veste_Coburg-190x300.jpg" alt="" width="190" height="300" srcset="https://derkommunist.de/wp-content/uploads/2025/05/Lucas_Cranach_d.Ae_._-_Martin_Luther_1528_Veste_Coburg-190x300.jpg 190w, https://derkommunist.de/wp-content/uploads/2025/05/Lucas_Cranach_d.Ae_._-_Martin_Luther_1528_Veste_Coburg-647x1024.jpg 647w, https://derkommunist.de/wp-content/uploads/2025/05/Lucas_Cranach_d.Ae_._-_Martin_Luther_1528_Veste_Coburg-768x1216.jpg 768w, https://derkommunist.de/wp-content/uploads/2025/05/Lucas_Cranach_d.Ae_._-_Martin_Luther_1528_Veste_Coburg-970x1536.jpg 970w, https://derkommunist.de/wp-content/uploads/2025/05/Lucas_Cranach_d.Ae_._-_Martin_Luther_1528_Veste_Coburg-1294x2048.jpg 1294w, https://derkommunist.de/wp-content/uploads/2025/05/Lucas_Cranach_d.Ae_._-_Martin_Luther_1528_Veste_Coburg-scaled.jpg 1617w" sizes="(max-width: 190px) 100vw, 190px" /><figcaption id="caption-attachment-4767" class="wp-caption-text">Martin Luther, porträtiert von Lucas Cranach d.Ä.</figcaption></figure>

<p class="wp-block-paragraph">Stritt Luther in seinen 95 Thesen vom 31. Oktober 1517 noch für eine Reform des Ablasshandels und nicht dessen vollständige Abschaffung, radikalisierte er sich im Konflikt mit Rom und durch die Sympathien aus dem Volk, die ihm dabei zuteilwurden. So predigte er schon 1520 den bewaffneten Aufstand gegen die katholische Kirche:</p>

<blockquote>
<p class="wp-block-paragraph">„Wenn die Raserei der Romanisten so fortfährt, so scheint mir kein anderes Heilmittel übrig zu bleiben, als daß der Kaiser, die Könige und Fürsten mit <em>Gewalt der Waffen</em> dazu thun, sich rüsten, diese Pest des Erdkreises angreifen und diese Sache zur Entscheidung bringen, nicht mehr mit Worten, sondern mit Eisen. Wenn wir Diebe mit dem Strang, Mörder mit dem Schwert, Ketzer mit dem Feuer bestrafen, warum greifen wir nicht vielmehr mit allen Waffen diese Lehrer des Verderbens an, diese Kardinäle, diese Päpste und das ganze Geschwür des römischen Sodom, welche die Kirche Gottes ohne Unterlaß verderben, und <em>waschen unsere Hände in ihrem Blute.“<a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftn9"><sup><strong>[9]</strong></sup></a></em></p>
</blockquote>

<p class="wp-block-paragraph">Doch nicht nur gegen den Klerus, sondern später auch gegen den Kaiser und diejenigen Fürsten, die sich ihm nicht angeschlossen hatten, wetterte Luther. Teile des Adels standen jedoch auf seiner Seite, um sich an den Kirchengütern zu bereichern sowie um den Einfluss Roms und des Kaisers zu brechen. So wurden nicht nur viele Städte, sondern auch ganze Fürstentümer protestantisch.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Auf dem Wormser Reichstag war über Luther die Reichsacht verhängt worden. Das bedeutete, dass die Lektüre und Verbreitung seiner Schriften verboten wurden. Er selbst galt als vogelfrei. Doch Kurfürst Friedrich von Sachsen nahm Luther auf der Wartburg in seine Obhut, wo dieser unter anderem an der Übersetzung der Bibel auf Deutsch arbeitete. Anhand dieser engen Verbindung mit Teilen des Adels wird klar, warum Luther seinen radikalen Worten keine revolutionären Taten folgen ließ.</p>

<h3><strong>Die Massen betreten die Bühne</strong></h3>

<p class="wp-block-paragraph">Mit der Reformation teilte sich die Gesellschaft in drei große Lager: „in das katholische oder reaktionäre, das lutherische bürgerlich-reformierende und das revolutionäre“<a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftn10"><sup>[10]</sup></a>. Doch erst im Verlauf des Bauernkriegs trat die Spaltung der Oppositionellen offen hervor.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Denn auch die revolutionären Elemente bezogen sich zunächst auf Luther. Mit der Übersetzung der Bibel „hatte er dem feudalisierten Christentum der Zeit das bescheidene Christentum der ersten Jahrhunderte, der zerfallenden feudalen Gesellschaft das Abbild einer Gesellschaft entgegengehalten, die nichts von der weitschichtigen, kunstmäßigen Feudalhierarchie wusste“<a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftn11"><sup>[11]</sup></a>.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn es Luther rein um Religionsfreiheit ging, legten die ausgebeuteten Massen seine Schriften wie „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ weltlich aus. Schließlich hatte der Reformator ja nicht nur gegen den Klerus, sondern genauso gegen den Adel gepredigt. So schrieben sich die Unterdrückten Freiheit von der feudalen Willkürherrschaft auf die Fahne, was sie mit Luther und der Bibel begründeten.</p>
<figure id="attachment_4766" aria-describedby="caption-attachment-4766" style="width: 257px" class="wp-caption alignleft"><img decoding="async" class="wp-image-4766 size-medium" src="https://derkommunist.de/wp-content/uploads/2025/05/Von_der_Freiheit-257x300.jpg" alt="" width="257" height="300" srcset="https://derkommunist.de/wp-content/uploads/2025/05/Von_der_Freiheit-257x300.jpg 257w, https://derkommunist.de/wp-content/uploads/2025/05/Von_der_Freiheit.jpg 640w" sizes="(max-width: 257px) 100vw, 257px" /><figcaption id="caption-attachment-4766" class="wp-caption-text">Die Geknechteten schrieben sich Freiheit von der feudalen Willkürherrschaft auf die Fahnen Bild / public domain</figcaption></figure>

<p class="wp-block-paragraph">Schon vor dem Bauernkrieg hatten sich bäuerliche Erhebungen wie die Bundschuh-Bewegung oder der „Arme Konrad“ gehäuft, die aber lokal begrenzt blieben. Zu sehr unterschieden sich die Bedingungen von Ort zu Ort. Die vereinzelten Verschwörungen wurden in der Regel an die Behörden verraten, welche diejenigen, die gefangenen wurden, mit brutalster Folter bestraften.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Doch mit der Übersetzung der Bibel und seinen Ideen als Ausgangspunkt lieferte Luther den Unterdrückten einen einheitlichen ideologischen Rahmen für ihre unterschiedlichen Forderungen und Ziele. Auf dieser Grundlage konnte sich der Aufstand 1525 ausweiten.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Auch der Bauernkrieg begann mit einer lokalen Angelegenheit. Im Sommer 1524 erhoben sich die Bauern in Stühlingen im Schwarzwald. Der Tropfen, der dort das Fass zum Überlaufen gebracht haben soll: Der Legende zufolge befahl Landgraf Sigismund II. seinen Untertanen, im Wald Schneckenhäuser zu sammeln, damit seine Gattin diese als Garnrollen benutzen konnte. Bewaffnet zogen die Bauern vor das Schloss ihres Herren, um gegen diesen willkürlichen Frondienst und zu hohe Abgaben zu protestieren.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Um April 1525 hatte sich der Aufstand ausgebreitet. In Süddeutschland und Thüringen sowie in Teilen Sachsens, des Elsass, der Schweiz und Österreichs griffen die Bauern zu den Waffen, verweigerten Frondienste und Abgaben. Vielerorts schlossen sich ihnen die städtischen Arbeiter und Arme an. Teilweise unterstützen auch das Bürgertum und der niedere Adel die Forderungen der Bauern – oft aus Zwang oder Machtkalkül, manchmal aus ehrlichen Sympathien.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Aufständischen beriefen sich auf das „göttliche Recht“ der Bibel, das sie als höheres Recht den willkürlichen, lokalen Übergriffen ihrer weltlichen und geistlichen Obrigkeiten gegenüberstellten. Ideen der Reformation dienten als Bindeglied der Bewegung. Um die Auslegung der „Heiligen Schrift“ zu kontrollieren, war die Forderung der Wahl der Pfarrer durch die Gemeinde weit verbreitet. Über die Legitimität der Belange sollten oft protestantische Gelehrte wie Luther und seine Anhänger befinden.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Zu Beginn des Bauernkriegs nahm Luther noch eine vermittelnde Rolle ein. Engels schrieb:</p>

<blockquote>
<p class="wp-block-paragraph">„Er griff die Regierungen entschieden an. Sie seien schuld am Aufstand durch ihre Bedrückungen; nicht die Bauern setzten sich wider sie, sondern Gott selbst. Der Aufstand sei freilich auch ungöttlich und wider das Evangelium, hieß es auf der anderen Seite. Schließlich riet er beiden Parteien, nachzugeben und sich gütlich zu vertragen.“<a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftn12"><sup>[12]</sup></a></p>
</blockquote>

<p class="wp-block-paragraph">Doch Luthers Haltung änderte sich, als sich der Aufstand auch auf protestantische Gebiete ausgeweitet hatte und sich zunehmend radikalisierte. Ein Wendepunkt war die sogenannte „Weinsberger Bluttat“. Am 17. April 1525 stürmten Bauern die Burg des Grafen Ludwig von Helfenstein und nahmen Rache für jahrzehntelange Unterdrückung, Ausbeutung und Misshandlung. Der Graf und seine Begleiter wurden hingerichtet.</p>
<figure id="attachment_4758" aria-describedby="caption-attachment-4758" style="width: 584px" class="wp-caption aligncenter"><img decoding="async" class=" wp-image-4758" src="https://derkommunist.de/wp-content/uploads/2025/05/Graefin_Helfenstein_von_Matthaeus_Merian_d_Ae-300x212.jpg" alt="" width="584" height="413" srcset="https://derkommunist.de/wp-content/uploads/2025/05/Graefin_Helfenstein_von_Matthaeus_Merian_d_Ae-300x212.jpg 300w, https://derkommunist.de/wp-content/uploads/2025/05/Graefin_Helfenstein_von_Matthaeus_Merian_d_Ae-1024x725.jpg 1024w, https://derkommunist.de/wp-content/uploads/2025/05/Graefin_Helfenstein_von_Matthaeus_Merian_d_Ae-768x544.jpg 768w, https://derkommunist.de/wp-content/uploads/2025/05/Graefin_Helfenstein_von_Matthaeus_Merian_d_Ae-1536x1088.jpg 1536w, https://derkommunist.de/wp-content/uploads/2025/05/Graefin_Helfenstein_von_Matthaeus_Merian_d_Ae.jpg 1570w" sizes="(max-width: 584px) 100vw, 584px" /><figcaption id="caption-attachment-4758" class="wp-caption-text">Die Angehörigen des Grafen von Helfenstein beteln um Gnade<br />Bild / public domain</figcaption></figure>

<p class="wp-block-paragraph">Konfrontiert mit der revolutionären Energie der Unterdrückten, die sich auch gegen seine Gönner richtete, vergaß Luther alle alten Feindschaften. Jetzt rief er die Obrigkeiten – egal ob katholisch oder protestantisch – dazu auf, keine Gnade mit den Aufständischen walten zu lassen. In seiner berühmten Hetzschrift „Wider die mörderischen und räuberischen Rotten der Bauern“ heißt es: </p>

<blockquote>
<p class="wp-block-paragraph">„Man soll sie <em>zerschmeißen</em>, <em>würgen</em> und <em>stechen</em>, <em>heimlich</em> und <em>öffentlich,</em> wer da kann, wie man einen <em>tollen Hund</em> totschlagen muß! […] Darum, liebe Herren, loset hie, rettet da, steche, schlage, würge sie, wer da kann, bleibst du darüber tot, wohl dir, seligeren Tod kannst du nimmermehr überkommen.“<a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftn13"><sup>[13]</sup></a></p>
</blockquote>

<p class="wp-block-paragraph">Luther verleugnete nicht nur den Bauernkrieg, sondern jegliche Auflehnung gegen die Autoritäten, obwohl er sie vorher selbst gepredigt hatte. Der Reformator wandte die Bibel nun gegen die Bewegung. Mit dem Evangelium wurde das „Fürstentum von Gottes Gnaden, der passive Gehorsam, selbst die Leibeigenschaft“<a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftn14"><sup>[14]</sup></a> sanktioniert. Engels sprach von einem Lobgesang „auf die von Gott eingesetzte Obrigkeit […], wie ihn kein Tellerlecker der absoluten Monarchie je zustande gebracht hat“<a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftn15"><sup>[15]</sup></a>. Das bürgerliche Lager um Luther hatte sich ausdrücklich gegen den Aufstand gestellt.</p>

<h3><strong>Das Schicksal in den eigenen Händen</strong></h3>

<p class="wp-block-paragraph">Die Reformation beschwor Geister herauf, welche die Vertreter der besitzenden Klassen – sowohl die katholischen als auch protestantischen – in Angst und Schrecken versetzten. Im Bauernkrieg begannen die Unterdrückten, sich selbst zu organisieren, zunächst gegen ihre örtlichen Grundherren. Die Haufen, wie die militärischen Einheiten der Aufständischen hießen, waren demokratische Zusammenschlüsse auf lokaler oder regionaler Ebene. Sie wählten Hauptleute als Anführer, die dem Haufen gegenüber rechenschaftspflichtig waren.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Diese Art der demokratischen Kontrolle ermöglichte es, die militärische Ausbildung und Erfahrung von Adeligen, die sich dem Aufstand angeschlossen hatten, für die Bewegung nutzbar zu machen. So führten etwa Götz von Berlichingen „mit der eisernen Hand“ – ein kaiserlicher Ritter, der in Goethes gleichnamigem Stück verewigt wurde – den Neckartal-Odenwälder Haufen oder Florian Geyer den Schwarzen Haufen an.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Stellenweise verbanden sich die Haufen auch überregional, zum Beispiel in Oberschwaben zur „Christlichen Vereinigung“. Bei deren Gründung Anfang März 1525 in Memmingen wurde mit der „Bundesordnung“ die demokratische Organisation des Widerstands in Form einer gewählten Führung festgehalten:</p>

<blockquote>
<p class="wp-block-paragraph"><a>„So sollen von jedem Haufen dieser Vereinigung ein Oberster und vier Räte geordnet und gesandt werden; sie sollen Gewalt haben, mitsamt anderen Obersten und Räten zu handeln, wie sich gebührt, damit die Gemeinde nicht allwegen zusammen sein müsse.“</a><a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftn16"><sup>[16]</sup></a></p>
</blockquote>

<p class="wp-block-paragraph">Etwa 1000 Vertreter der fränkischen Haufen verabschiedeten im April 1525 in Ochsenfurt die „Kriegsordnung“. Dort steht etwa:</p>

<blockquote>
<p class="wp-block-paragraph"><a>„Der oberste Feldhauptmann solle vom gemeinen hellen Haufen erwählt werden, über alles Volk Gewalt zu haben, dem auch ein jeder untertänig und gehorsam sein soll, doch mit dem Auftrag, daß derselbe oberste Feldhauptmann allein nichts bestimmen noch handeln soll ohne Wissen und Willen der geordneten Hauptleute und Räte, die von dem ganzen Haufen geordnet sein oder werden</a>.“<a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftn17"><sup>[17]</sup></a></p>
</blockquote>

<p class="wp-block-paragraph">Solche demokratischen Zusammenschlüsse an sich waren schon revolutionär. Vorübergehend hielten die Aufständischen in ganzen Regionen ihr Schicksal in den eigenen Händen. Die Bauern, Arbeiter und Arme selbst konnten über die nächsten Schritte diskutieren. Und wo die Feudalgewalten geschlagen waren, hatte diese Selbstorganisation der Massen das Potenzial, die alte Verwaltung zu ersetzen.</p>

<h3><strong>Reform oder Revolution?</strong></h3>

<p class="wp-block-paragraph">Wie so oft in der Geschichte stellte sich die entscheidende Frage: Reform oder Revolution? Die Memminger „Christliche Vereinigung“ verabschiedete im März 1525 auch die „Zwölf Artikel“. Sie sind die weitverbreitetste Flugschrift des Bauernkriegs.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Die „Zwölf Artikel“ griffen die Grundfesten des Feudalismus an, was die Unterdrückten mit ihrer Interpretation der Bibel begründeten. Sie standen für die Abschaffung des Zehnts, für eine Reduzierung der Frondienste und für die Wiederherstellung alter Rechte, zum Beispiel bezüglich der Nutzung von Gemeindeland und der Wälder oder der Jagd. Eine der Forderungen war auch die Wahl der Pfarrer durch die Gemeinde.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Deutlich zeigt sich in dieser populärsten Schrift des Bauernkriegs der Bezug zur Reformation und deren Funktion als verbindendes Element. Die Argumentation mit dem „göttlichen Recht“ machte sie universell anwendbar.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Im dritten Artikel, der sich gegen die Leibeigenschaft als heftigste Form feudaler Ausbeutung richtet, wird aber der versöhnliche Ton des Programms klar. Weil Jesus laut der Bibel alle Menschen gleichermaßen erlöst hat durch seinen Tod am Kreuz, ergebe sich, „daß wir frei seien und wollen seien“<a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftn18"><sup>[18]</sup></a>. Doch gleich in den nächsten Sätzen heißt es:</p>

<blockquote>
<p class="wp-block-paragraph"><a>„Nicht, daß wir überhaupt frei sein wollen, gar keine Obrigkeit haben wollen. Lehrt uns Gott nicht, wir sollen in Geboten leben, nicht in freiem fleischlichem Mutwillen, sondern Gott lieben, ihn als unseren Herrn in unsrem Nächsten erkennen […]. Darum sollen wir nach seinem Gebot leben. Zeigt und weist dieses Gebot nicht an, daß wir der Obrigkeit gehorsam seien?“</a><a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftn19"><sup>[19]</sup></a></p>
</blockquote>

<p class="wp-block-paragraph">Aus den „Zwölf Artikel“ sprach die Hoffnung auf Mitspracherechte durch einen Kompromiss mit den Obrigkeiten, obwohl sich die Forderungen gegen deren Herrschaftsgrundlage richteten.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Bauern waren kein einheitlicher Block. Einige von ihnen hatten durchaus noch etwas zu verlieren. Darüber hinaus war auch das besitzende Bürgertum an der Formulierung der Forderungen beteiligt. Denn die Stadt Memmingen hatte sich der „Christlichen Vereinigung“ angeschlossen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn die „Zwölf Artikel“ programmatischer Ausgangspunkt für viele Haufen war, ging der Aufstand in der Praxis häufig über sie hinaus. Die „Weinsberger Bluttat“ ist nur ein Beispiel, wie sich der Bauernkrieg zum revolutionären Vernichtungskrieg gegen die Obrigkeiten entwickeln konnte. Vielerorts wurden Burgen, Schlösser und Klöster gebrandschatzt.</p>
<figure id="attachment_4750" aria-describedby="caption-attachment-4750" style="width: 298px" class="wp-caption alignright"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-4750 " src="https://derkommunist.de/wp-content/uploads/2025/05/Titelblatt_12_Artikel-210x300.jpg" alt="" width="298" height="424" srcset="https://derkommunist.de/wp-content/uploads/2025/05/Titelblatt_12_Artikel-210x300.jpg 210w, https://derkommunist.de/wp-content/uploads/2025/05/Titelblatt_12_Artikel.jpg 704w" sizes="(max-width: 298px) 100vw, 298px" /><figcaption id="caption-attachment-4750" class="wp-caption-text">Das Deckblatt der bedeutendsten Flugschrift des Bauernkriegs: Die &#8222;Zwölf Artikel&#8220; Bild / public domain</figcaption></figure>

<p class="wp-block-paragraph">Schon zu Beginn der Erhebung gab es unter den Aufständischen radikale Fraktionen. Im „Artikelbrief“, der sogar vor den „Zwölf Artikeln“ entstanden war, wurde die Auslöschung der Herrschenden gefordert, sollten sie sich nicht anschließen wollen. Andere kamen durch die praktische Erfahrung mit der Kompromisslosigkeit und Hinterlist ihrer Herren zu revolutionären Schlussfolgerungen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Es war insgesamt eine dynamische Situation: Gemäßigte und Radikale wechselten ins jeweils andere Lager, Bündnisse zwischen den Blöcken wurden geschmiedet und lösten sich wieder auf. Denn lokaler Partikularismus und politische Unerfahrenheit erschwerten eine dauerhafte Vereinigung der Bewegung.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Der Horizont der Aufständischen endete oft mit dem eigenen Dorf oder der eigenen Kleinstadt. Reisen kostete Geld und Zeit, war gefährlich und zum Beispiel Leibeignen auch gar nicht erlaubt. Die Massen hatten meist keinen Zugang zur Bildung oder zu Nachrichten. Noch dazu war es in erster Linie der lokale Grundherr, der einem das Leben zur Hölle machte. Bot dieser Zugeständnisse an, senkten die Ausgebeuteten häufig die Waffen und zogen heim – nur um im Anschluss niedergemetzelt zu werden.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Statt zu erkennen, dass es um Leben oder Tod ging, verweigerten die Aufständischen oft ihren potentiellen Kampfgenossen im Nachbarort die Hilfe. Für vermeintliche Zugeständnisse beteiligten sie sich teilweise sogar bei der Niederschlagung der Rebellion. Hinzu kommt die Fragmentierung der Gesellschaft in eine Vielzahl von Klassen und Schichten mit unterschiedlichen, häufig gegenläufigen Interessen, die Bündnisse selbst unter den Unterdrückten behinderten.</p>

<h3><strong>Die kapitalistische Lösung</strong></h3>

<p class="wp-block-paragraph">Im Mai 1525 wurde dennoch ein Versuch unternommen, den Aufstand zusammenzuführen in eine reichsweite Bewegung mit einem gemeinsamen Programm. Die Stadt Heilbronn „sollte das Zentrum der verschiedenen Haufen werden, die auch wirklich Delegierte hinschickten und über gemeinsame Forderungen der Bauernschaft berieten“<a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftn20"><sup>[20]</sup></a>.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Das Ergebnis dieser Verhandlungen, das sogenannte „Heilbronner Programm“, stand für eine komplette Umwälzung der feudalen Gesellschaft im Zuge der Reformation. Es ist aber auch geprägt von der Einsicht, dass keiner der Stände weit genug entwickelt war, um diese Revolution alleine tragen zu können. Das Programm zielte deswegen darauf ab, Adel und Bürgertum durch Konzessionen für die Bewegung zu gewinnen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">In diesem Sinne wurde die Überwindung der wirtschaftlichen Zersplitterung des Heiligen Römischen Reichs durch die Herstellung der Einheit von Münze, Maß und Gewicht sowie die Abschaffung von Zöllen gefordert. Das hätte die Entstehung eines nationalen Marktes bedeutet, wovon natürlich primär die Bourgeoisie profitiert hätte.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Dem Adel wurden Zugeständnisse gemacht. Die Bauern sollten nicht einfach freigelassen werden, sondern sich von ihren Grundherren freikaufen. Wie Engels erklärte, hätte dieser Schritt „die schließliche Verwandlung des feudalen Grundbesitzes in bürgerlichen“<a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftn21"><sup>[21]</sup></a> bedeutet.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Das „Heilbronner Programm“ nahm damit die Bauernbefreiung im Frankreich der 1790er Jahre vorweg, die ähnlich im 19. und frühen 20. Jahrhundert dann auch im Rest Kontinentaleuropas verwirklicht wurde. Für den aufsteigenden Kapitalismus wäre das die beste Lösung gewesen: Die Masse der Bauern hätte sich die Befreiung nicht leisten können, ihr Land deswegen verloren und so als Lohnarbeiter zur Verfügung gestanden. Aus den Feudalherren wären Unternehmer geworden mit dem notwendigen Startkapital. Ein ähnlicher Prozess fand im 16. Jahrhundert bereits in England statt.</p>

<figure id="attachment_4754" aria-describedby="caption-attachment-4754" style="width: 295px" class="wp-caption alignright"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-4754 " src="https://derkommunist.de/wp-content/uploads/2025/05/Georg_III_Truchsess_von_Waldburg_Christoph_Amberger-237x300.jpg" alt="" width="295" height="372" srcset="https://derkommunist.de/wp-content/uploads/2025/05/Georg_III_Truchsess_von_Waldburg_Christoph_Amberger-237x300.jpg 237w, https://derkommunist.de/wp-content/uploads/2025/05/Georg_III_Truchsess_von_Waldburg_Christoph_Amberger-768x971.jpg 768w, https://derkommunist.de/wp-content/uploads/2025/05/Georg_III_Truchsess_von_Waldburg_Christoph_Amberger.jpg 786w" sizes="(max-width: 295px) 100vw, 295px" /><figcaption id="caption-attachment-4754" class="wp-caption-text">Georg Truchsess von Waldburg schlug den Aufstand in Süddeutschland blutig nieder Bild / public domain</figcaption></figure>
<p class="wp-block-paragraph">Aber zur Umsetzung des Programms kam es nicht. Bedroht durch das Bündnis der Bauern mit der revolutionär-plebejischen Fraktion rückten in den Städten die bürgerliche Opposition und die Patrizier häufig wieder zusammen. Die meisten Städte, die sich dem Aufstand angeschlossen hatten oder neutral verhielten, stellten sich nun gegen ihn.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Währenddessen bekam die feudale Konterrevolution den Bauernkrieg zunehmend unter Kontrolle. Protestantische wie katholische Fürsten erkannten das gemeinsame Klasseninteresse und gingen geeint gegen die Erhebung vor.</p>

<p class="wp-block-paragraph">In Süddeutschland erlitten die Aufständischen entscheidende Niederlagen. Die Heilbronner Delegierten mussten fliehen, um der Reaktion zu entkommen. Der Schwäbische Bund – ein militärischer Zusammenschluss der süddeutschen Obrigkeiten – hatte mittlerweile ein mächtiges Söldnerheer zur Niederschlagung der Erhebung zusammengestellt. Das dafür notwendige Kleingeld gaben die Fugger und Welser, die fest an der Seite des Adels standen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Unter der Führung von Georg Truchsess von Waldburg zog die Konterrevolution eine Schneise der Vernichtung durch die Region. Am 4. April 1525 wurden Tausende Aufständische in der Schlacht bei Leipheim getötet. Mit dem Vertrag von Weingarten vom 17. April 1525 beendeten die meisten oberschwäbischen Haufen die Kampfhandlungen im Gegenzug für die Zusage, fortan bei Streitigkeiten mit den Herrschenden ein Schiedsgericht einberufen zu dürfen. Bezüglich der Abgaben und Frondienste erhielten sie keine Zugeständnisse.</p>

<p class="wp-block-paragraph">In der Schlacht bei Böblingen am 12. Mai 1525 schlug der Schwäbische Bund eine 12.000 Mann starke Vereinigung von Haufen. Währenddessen scheiterten in Würzburg Versuche, die Festung Marienberg zu stürmen. Mit der Niederlage bei Königshofen am 2. Juni 1525 war der Bauernkrieg in Süddeutschland vorbei.</p>

<h3><strong>Kommunistische Utopien</strong></h3>

<p class="wp-block-paragraph">Auch im heutigen Thüringen wurden die Aufständischen niedergeworfen. Eine Koalition des protestantischen Landgrafen Philipp von Hessen mit dem katholischen Herzog Georg von Sachsen besiegte sie in der Schlacht bei Frankenhausen am 15. Mai 1525. Söldner und Reiter standen hauptsächlich mit Arbeitsgeräten bewaffneten Bauern gegenüber. Trotzdem griff die Konterrevolution zu einer List: Sie vereinbarte einen Waffenstillstand, den sie aber brach. So gab es auf Seiten der Aufständischen mindestens 6000 Tote, während vom Fürstenheer nur sechs Söldner starben.</p>
<figure id="attachment_4749" aria-describedby="caption-attachment-4749" style="width: 240px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-4749" src="https://derkommunist.de/wp-content/uploads/2025/05/Thomas_Muentzer-221x300.jpg" alt="" width="240" height="326" srcset="https://derkommunist.de/wp-content/uploads/2025/05/Thomas_Muentzer-221x300.jpg 221w, https://derkommunist.de/wp-content/uploads/2025/05/Thomas_Muentzer.jpg 536w" sizes="(max-width: 240px) 100vw, 240px" /><figcaption id="caption-attachment-4749" class="wp-caption-text">Ein zeitgenössisches Porträt von Thomas Müntzer Bild / public domain</figcaption></figure>

<p class="wp-block-paragraph">Thüringen war eine Hochburg der Radikalen gewesen. In Mühlhausen hatte dort im März 1525 die plebejische Opposition den alten patrizischen Stadtrat gestürzt und die Regierung dem neugewählten „Ewigen Rat“ übertragen, in dem der kommunistische Prediger Thomas Müntzer eine bedeutende Rolle spielte.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Als reformierter Priester war Müntzer zu Beginn ein Anhänger Luthers. Er wurde von ihm sogar 1520 als erster protestantischer Prediger in Zwickau eingesetzt. „Aber er predigte nicht, wie Luther damals schon, die ruhige Debatte und den friedlichen Fortschritt, er setzte die früheren gewaltsamen Predigten Luthers fort und rief die sächsischen Fürsten und das Volk auf zum bewaffneten Aufstand“<a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftn22"><sup>[22]</sup></a>, erläuterte Engels. So zum Beispiel auf Schloss Allstedt, wo er am 13. Juli 1524 vor Johann von Sachsen und dessen Sohn Johann Friedrich die revolutionäre „Fürstenpredigt“ hielt. Dort wetterte Müntzer:</p>

<blockquote>
<p class="wp-block-paragraph">„Die, welche Gottes Offenbarung zuwider sind, soll man wegtun, ohne alle Gnade, wie Hiskias, Cyrus, Josias, Daniel und Elias die Baalspfaffen verstöret haben, anders mag die christliche Kirche zu ihrem Ursprung nicht wieder kommen. Man muß das Unkraut ausraufen aus dem Weingarten Gottes in der Zeit der Ernte. Gott hat 5. Mose 7 gesagt, ihr sollt euch nicht erbarmen über die Abgöttischen, zerbrecht ihre Altäre, zerschmeißt ihre Bilder und verbrennet sie, auf daß ich nicht mit euch zürne.“<a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftn23"><sup>[23]</sup></a></p>
</blockquote>

<p class="wp-block-paragraph">In seiner Schrift „An die Fürsten von Sachsen wider den aufrührerischen Geist“ wandte sich Luther nun öffentlich gegen seinen einstigen Anhänger und rief die Obrigkeiten dazu auf, gegen den Revolutionär vorzugehen. Spätestens jetzt kam es zum kompletten Bruch zwischen den beiden. Müntzer feuerte Dezember 1524 in der „Hochverursachten Schutzrede“ zurück, in der er Luther unter anderem als „das geistlose, sanftlebende Fleisch zu Wittenberg“<a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftn24"><sup>[24]</sup></a> beschimpfte. Er prangerte die Heuchelei des Fürstenknechts an, wie er für seine persönlichen Zwecke die ausbeuterischen Herren mit der Bibel deckt<a>e.</a></p>

<p class="wp-block-paragraph">Müntzer wollte mit seiner Vision der Reformation die Wurzel von Ausbeutung und Unterdrückung auslöschen. So kam er zu kommunistischen Schlussfolgerungen, die Engels folgendermaßen beschrieb:</p>

<blockquote>
<p class="wp-block-paragraph">„Unter dem Reich Gottes verstand Münzer […] einen Gesellschaftszustand, in dem keine Klassenunterschiede, kein Privateigentum und keine den Gesellschaftsmitgliedern gegenüber selbstständige, fremde Staatsgewalt mehr bestehen. Sämtliche bestehende Gewalten, sofern sie sich nicht fügen und der Revolution anschließen wollten, sollten gestürzt, alle Arbeiten und alle Güter gemeinsam und die vollständige Gleichheit durchgeführt werden. Ein Bund sollte gestiftet werden, um dies durchzusetzen, nicht nur über ganz Deutschland, sondern über die ganze Christenheit; Fürsten und Herren sollten eingeladen werden, sich anzuschließen; wo nicht, sollte der Bund sie bei der ersten Gelegenheit mit den Waffen in der Hand stürzen oder töten.“<a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftn25"><sup>[25]</sup></a></p>
</blockquote>

<p class="wp-block-paragraph">Als sich in Süddeutschland mit den ersten Erhebungen der Bauernkrieg anbahnte, sah Müntzer die Zeit reif für die Revolution. Er zog durch die Region, wo er die radikalen Elemente mit seinen Ideen beeinflusste. Folgendermaßen schätzte Engels die Rolle des kommunistischen Agitators ein:</p>

<blockquote>
<p class="wp-block-paragraph">„Die Propagandareise Münzers hat offenbar zur Organisation der Volkspartei, zur klaren Feststellung ihrer Forderungen und zum endlichen allgemeinen Ausbruch des Aufstandes im April 1525 wesentlich beigetragen.“<a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftn26"><sup>[26]</sup></a></p>
</blockquote>

<p class="wp-block-paragraph">Während der Machtkämpfe im Mühlhausener Stadtrat kehrte Müntzer nach Thüringen zurück. Der Sturz der Patrizier gelang. Doch an die Durchsetzung eines kommunistischen Programms war nicht zu denken. Die Maßnahmen des neuen „Ewigen Rats“ gingen nicht über den Rahmen einer bürgerlich-demokratischen Republik hinaus. Engels erklärte:</p>

<blockquote>
<p class="wp-block-paragraph">„Es ist das schlimmste, was dem Führer einer extremen Partei widerfahren kann, wenn er gezwungen wird, in einer Epoche die Regierung zu übernehmen, wo die Bewegung noch nicht reif ist für die Herrschaft der Klasse, die er vertritt, und für die Durchführung der Maßregeln, die die Herrschaft dieser Klasse erfordert. Was er tun kann, hängt nicht von seinem Willen ab, sondern von der Höhe, auf die der Gegensatz der verschiedenen Klassen getrieben ist, und von dem Entwicklungsgrad der materiellen Existenzbedingungen der Produktions- und Verkehrsverhältnisse, auf dem der jedesmalige Entwicklungsgrad der Klassengegensätze beruht. […] Er findet sich so notwendigerweise in einem unlösbaren Dilemma: Was er tun kann, widerspricht seinem ganzen bisherigen Auftreten, seinen Prinzipien und den unmittelbaren Interessen seiner Partei, und was er tun soll, ist nicht durchzuführen. Er ist, mit einem Wort, gezwungen, nicht seine Partei, seine Klasse, sondern die Klasse zu vertreten, für deren Herrschaft die Bewegung gerade reif ist.“<a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftn27"><sup>[27]</sup></a></p>
</blockquote>

<p class="wp-block-paragraph">Es war kein Zufall, dass Müntzer gerade in Thüringen größeren Einfluss genoss. Im Bergbau der Region und in der Textilproduktion, die in Mühlhausen aufblühte, waren bereits Lohnarbeiter tätig, die nichts besaßen als ihre Arbeitskraft. Die Masse der Oppositionellen stellten aber noch selbstständige Handwerker und Bauern. Das kommunistische Programm war „weniger die Zusammenfassung der Forderungen der damaligen Plebejer als die geniale Antizipation der Emanzipationsbedingungen der kaum sich entwickelnden proletarischen Elemente unter diesen Plebejern“<a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftn28"><sup>[28]</sup></a> und hatte somit nur eine schmale soziale Basis.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Dennoch ging Müntzer daran, Mühlhausen zum Stützpunkt der Erhebung für das gesamte Reich zu machen. Er stand im regen Austausch mit den Aufständischen in Süddeutschland. Als die Konterrevolution auch in Thüringen heranrückte, versuchte er, die Mühlhausener und andere Städte zu mobilisieren, um die Reaktion zusammen mit den Bauern bei Frankenhausen zu schlagen. Ihm folgten jedoch lediglich 300 Mann aus Mühlhausen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Nach der verheerenden Niederlage wurde Müntzer am 27. Mai 1525 vor den Toren Mühlhausens nach schwerer Folter enthauptet, sein Leib aufgespießt und sein Kopf auf einen Pfahl gesteckt. Die Stadt selbst wurde von den fürstlichen Truppen eingenommen, verlor ihre einstigen Privilegien und musste hohe Strafen zahlen. Auch andere Anhänger des „Ewigen Rats“ richtete die Reaktion hin.</p>

<h3><strong>Ihr Kampf ist unser Kampf</strong></h3>

<p class="wp-block-paragraph">Im Frühjahr 1526 fiel im österreichischen Salzburg die letzte Bastion des Bauernkriegs. Wie jede herrschende Klasse in der Geschichte entfesselten die Fürsten eine Orgie brutalster Vergeltung gegen ihre besiegten Untertanen. Insgesamt ermordete die feudale Konterrevolution zwischen 75.000 und 100.000 Aufständische. Der Lebensstandard der Massen sank nach der Niederlage im Bauernkrieg zwar nicht, aber das hatte nichts mit der Milde der Herren zu tun. Schon vor dem Ausbruch des Aufstandes lebten die Ausgebeuteten am Existenzminimum und konnten nicht weiter herabsinken.</p>
<figure id="attachment_4762" aria-describedby="caption-attachment-4762" style="width: 506px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-4762 " src="https://derkommunist.de/wp-content/uploads/2025/05/Urs_Graf_Schrecken_des_Kriegs_1521-300x200.jpg" alt="" width="506" height="336" /><figcaption id="caption-attachment-4762" class="wp-caption-text">Diese zeitgenössische Darstellung zeigt zwar nicht eine Schlacht des Bauernkriegs, sie lässt jedoch erahnen, welche Verwüstung die Niederschlagung des Aufstands gebracht haben muss Bild / public domain</figcaption></figure>

<p class="wp-block-paragraph">Die Folgen der Niederlage gingen aber über den Blutzoll, den sie forderte, hinaus: „Von da an verschwindet Deutschland auf drei Jahrhunderte aus der Reihe der selbstständig in die Geschichte eingreifenden Länder“<a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftn29"><sup>[29]</sup></a>, so Engels.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Reformation hatte alle oppositionellen Kräfte mobilisiert. Objektiv stellte sich die Aufgabe der Überwindung der feudalen Fesseln, die den Aufstieg des Kapitalismus zurückhielten. Die Zerschlagung der katholischen Kirche wäre ein bedeutender Schritt in diese Richtung gewesen. Aber die Bourgeoisie war nicht stark genug, der Bewegung ihr Programm aufzudrängen. Angesichts des revolutionären Eifers der ausgebeuteten Massen stellte sich das bürgerlich-oppositionelle Lager um Luther auf die Seite der Fürsten, welche die Erhebungen gnadenlos niederschlugen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Damit aber wurde die Zersplitterung des Reichs zementiert. Die Reformation entwickelte sich zum Kampf der protestantischen Fürsten gegen den Kaiser und die katholischen Fürsten. Die Verwüstung durch die folgenden Religionskriege und den Dreißigjährigen Krieg stürzte das Reich noch tiefer in die Rückständigkeit.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Deswegen sprach Engels vom Bauernkrieg als Wendepunkt in der Geschichte Deutschlands. Von der fortschrittlichsten Nation sank es auf die hinteren Ränge herab. Noch 1848 war das in der Folge unterentwickelte deutsche Bürgertum nicht stark genug, sich gegen die Fürsten durchzusetzen. Letztendlich war es die Arbeiterklasse, die mit der Revolution von 1918 die feudalen Überreste in Deutschland hinwegfegte.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Doch international setzte Luthers Reformation wichtige Impulse für den Kampf des aufstrebenden Bürgertums. In der Schweiz, den Niederlanden und in England zwangen die Protestanten den Feudalismus in die Knie. Sie mobilisierten die Massen für das „Reich Gottes“ und schufen das Reich der Bourgeoisie.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Heute bestreiten viele Historiker, dass es sich bei Reformation und Bauernkrieg um eine Revolution handelte. Den Bauern sei es, so heißt es, größtenteils um ihre lokalen Forderungen gegangen, nicht um die Überwindung des Systems. Sie hätten lediglich ihre alten Rechte zurückgewollt, welche die Obrigkeiten immer weiter beschnitten. Aber diese weisen Damen und Herren vergessen die Tatsache, dass der Verlust dieser Rechte und die lokalen Leiden der Bauernschaft alle mit der Krise des Feudalismus zusammenhingen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Müntzer und seine Genossen wollten die Revolution gegen dieses verrottende System. Sie forderten sogar schon die Abschaffung der Klassengesellschaft. Doch erst der Kapitalismus hat die materiellen Bedingungen für den Kommunismus geschaffen. Anders als im 16. Jahrhundert sind heute die breite Mehrheit Lohnarbeiter, die nichts zu verlieren haben als ihre Ketten.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Wie der Feudalismus zur Zeit des Bauernkriegs befindet sich jetzt das kapitalistische System in einer Sackgasse. Erneut stehen allein die Obrigkeiten dem Fortschritt im Weg, wieder wälzen sie die Krise auf die Ausgebeuteten ab. Doch die Arbeiterklasse schafft den gesamten gesellschaftlichen Reichtum. Damit hat sie die Macht, Müntzers Kampf zu Ende zu führen und den Himmel auf die Erde zu holen.</p>
<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity" />
<p class="wp-block-paragraph"><a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftnref1"><sup>[1]</sup></a> Friedrich Engels (1873-1882): <em>Dialektik der Natur</em>, in: <em>MEW Bd. 20</em>, Dietz Verlag, Berlin, S. 311.</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftnref2"><sup>[2]</sup></a> Friedrich Engels (1850): <em>Der deutsche Bauernkrieg</em>, in: <em>MEW Bd. 7</em>, Dietz Verlag, Berlin, S. 329.</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftnref3"><sup>[3]</sup></a> Friedrich Engels (1889): <em>Engels an Kautsky – 15. September 1889</em>, in: <em>MEW Bd. 37</em>, Dietz Verlag, Berlin, S. 274.</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftnref4"><sup>[4]</sup></a> Engels: <em>Bauernkrieg</em>, S. 340.</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftnref5"><sup>[5]</sup></a> Friedrich Engels (1892): <em>Einleitung zur englischen Ausgabe der „Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft“</em>, in: <em>MEW Bd. 22</em>, Dietz Verlag, Berlin, S. 299.</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftnref6"><sup>[6]</sup></a> Ebd.</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftnref7"><sup>[7]</sup></a> Engels: <em>Bauernkrieg</em>, S. 343.</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftnref8"><sup>[8]</sup></a> Friedrich Engels (1883-1889): <em>Aufzeichnungen – Juristen-Sozialismus</em>, in: <em>MEW Bd. 21</em>, Dietz Verlag, Berlin, S. 492.</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftnref9"><sup>[9]</sup></a> Zit. n. Karl Kautsky (1895): <em>Vorläufer des neueren Sozialismus</em>, Dietz Verlag, Berlin, S. 263.</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftnref10"><sup>[10]</sup></a> Engels: <em>Bauernkrieg</em>, S. 342.</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftnref11"><sup>[11]</sup></a> Ebd., S. 350f.</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftnref12"><sup>[12]</sup></a> Ebd. S. 349.</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftnref13"><sup>[13]</sup></a> Zit. n. Engels: <em>Bauernkrieg</em>, S. 350.</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftnref14"><sup>[14]</sup></a> Engels: <em>Bauernkrieg</em>, S. 351.</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftnref15"><sup>[15]</sup></a> Ebd.</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftnref16"><sup>[16]</sup></a> Unbekannt (1525): <em>Die Bundesordnung der oberschwäbischen Bauernhaufen</em>, in: <em>Dokumente aus dem Bauernkrieg</em>, Reclam, Leipzig, S. 88 – eigene Übersetzung auf Hochdeutsch.</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftnref17"><sup>[17]</sup></a> Unbekannt (1525)<em>: Die Kriegsordnung der fränkischen Bauern zu Ochsenfurt</em>, in: <em>Dokumente aus dem Bauernkrieg</em>, Reclam, Leipzig, S. 115 – eigene Übersetzung auf Hochdeutsch.</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftnref18"><sup>[18]</sup></a> Unbekannt (1525): <em>Die 12 Artikel</em>, in: <em>Dokumente aus dem Bauernkrieg,</em> Reclam, Leipzig, S. 79 – eigene Übersetzung auf Hochdeutsch.</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftnref19"><sup>[19]</sup></a> Ebd., S. 79f – eigene Übersetzung auf Hochdeutsch.</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftnref20"><sup>[20]</sup></a> Engels: <em>Bauernkrieg</em>, S. 385.</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftnref21"><sup>[21]</sup></a> Ebd., S. 392.</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftnref22"><sup>[22]</sup></a> Ebd., S. 352.</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftnref23"><sup>[23]</sup></a> Zit. n. Engels: <em>Bauernkrieg</em>, S. 352.</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftnref24"><sup>[24]</sup></a> Thomas Müntzer (1524): <em>Hochverursachte Schutzrede</em>, in: <em>Thomas Müntzer – Schriften und Briefe</em>, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh, S. 107.</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftnref25"><sup>[25]</sup></a> Engels: <em>Bauernkrieg</em>, S. 354.</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftnref26"><sup>[26]</sup></a> Ebd., S: 357.</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftnref27"><sup>[27]</sup></a> Ebd., S. 400f.</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftnref28"><sup>[28]</sup></a> Ebd., S. 353.</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="applewebdata://61C88DE3-D4D5-4D89-A818-14F95E131FD6#_ftnref29"><sup>[29]</sup></a> Friedrich Engels (1888): <em>Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie</em>, in: <em>MEW Bd. 21</em>, Dietz Verlag, Berlin, S. 304.</p>
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			</item>
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		<title>Was tun? Wie Lenin eine revolutionäre Partei aufbaute</title>
		<link>https://derkommunist.de/was-tun-wie-lenin-eine-revolutionaere-partei-aufbaute/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[RKI]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 10 Apr 2025 10:00:54 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Im Jahr 1901 veröffentlichte Lenin sein lang erwartetes Buch Was tun? Dieses Meisterwerk der marxistischen Literatur ist ein unvergleichliches Handbuch für alle, die eine bolschewistische Partei aufbauen und ernsthaft für den Sturz [&#8230;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 1901 veröffentlichte Lenin sein lang erwartetes Buch <em>Was tun?</em> Dieses Meisterwerk der marxistischen Literatur ist ein unvergleichliches Handbuch für alle, die eine bolschewistische Partei aufbauen und ernsthaft für den Sturz des Kapitalismus kämpfen wollen. In diesem Artikel erklären wir, warum dieses Buch bis heute so bedeutend ist und warum jeder Kommunist sich den Inhalt aneignen sollte.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Nachdem die Delegierten des ersten Kongresses der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands (SDAPR) im Jahr 1898 verhaftet wurden, geriet die marxistische Bewegung in Russland in Unordnung. Dilettantische Methoden, Des-Organisation und mangelnde politische Klarheit herrschten in den kleinen isolierten marxistischen Zirkeln im ganzen Land.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Nach seiner Rückkehr aus dem sibirischen Exil reiste Lenin nach Westeuropa. Dort schloss er sich mit Martow und Potresow den Veteranen der marxistischen Bewegung, Plechanow, Sassulitsch und Axelrod an. Gemeinsam gründeten sie die Zeitung <em>Iskra</em>, um diese Probleme zu lösen. Mit dieser Zeitung arbeiteten sie daran, die verstreuten Elemente zu verbinden und der Partei eine klare politische Linie, Richtung und Organisation zu geben.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Doch ihre Bemühungen stießen auf Widerstand. In der Partei gab es eine Strömung, die die schwierige Lage der Marxisten nicht nur hinnahm, sondern sie sogar zur Stärke erklärte. Sie verherrlichte die amateurhaften und unklaren Methoden und idealisierte die rein spontane Natur der Arbeiterbewegung, anstatt sie auf das Niveau einer bewussten, organisierten Bewegung unter kommunistischer Führung zu heben. Diese Strömung wurde als «Ökonomismus» bekannt.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Es war notwendig, einen entschiedenen politischen Kampf gegen diese Strömung zu führen, um die Jugendkrise zu überwinden und ins Erwachsenenalter einzutreten. Und gerade in scharfen Auseinandersetzungen zeigte Lenin stets seine größte Stärke.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Das kurze Buch <em>Was tun?</em> war das Ergebnis dieser Polemik. Dieses Meisterwerk der marxistischen Literatur steckt voller Lehren für den heutigen Aufbau einer revolutionären Partei. Es bleibt eine unverzichtbare Lektüre für jeden ernsthaften Kommunisten.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Wie Lenins Lebensgefährtin und Genossin Nadeschda Krupskaja es ausdrückte, ist dies ein Buch, das von jedem studiert werden sollte, der ein Leninist in der Praxis und nicht nur in Worten sein will.</p>

<h3><strong>Ökonomismus</strong></h3>

<p class="wp-block-paragraph">Seit Mitte der 1890er Jahre kam es in Russland zu einem gewaltigen Anstieg der Arbeiterunruhen. In allen großen Fabriken brachen Streiks aus. Die Marxisten stürzten sich in die Agitation rund um wirtschaftliche Fragen. Oft genügte schon ein Flugblatt der, SDAPR das Missstände in einer Fabrik aufdeckte, um die Arbeiter zum Streik zu bewegen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Dies war eine spontane, elementare Bewegung. Sie stellte die ersten Vorboten eines erwachenden Bewusstseins der Arbeiterklasse dar. Lenin und die Anhänger der Iskra verstanden, dass die Rolle der Partei der Avantgarde der Arbeiterklasse darin bestand, das Bewusstseinsniveau der Arbeiterklasse anzuheben: diese ersten Ansätze von Klassenbewusstsein in ein klares, revolutionäres Verständnis zu verwandeln.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Als die Arbeiter begannen, sich gegen ihre eigenen Chefs zu wenden, war es nötig, ihren Blick zu heben: zu erklären, dass ihr Feind nicht nur ein einzelner Chef war, sondern die Bosse als Klasse, die Grundbesitzer und die gesamte zaristische Autokratie.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Wenn die Arbeiterklasse zu einer kämpferischen Kraft werden sollte, die die Autokratie herausfordern kann, musste die wirtschaftliche Agitation durch eine umfassende politische Agitation und Propaganda ergänzt werden – mit anderen Worten, dieses spontane, halbbewusste Erwachen musste auf die Ebene einer organisierten, bewussten, revolutionären Bewegung gehoben werden.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Ökonomisten hingegen verherrlichten die spontane Bewegung der Arbeiterklasse. Die Redakteure von Rabocheye Dyelo warfen Lenin und den Anhängern der <em>Iskra </em>vor, zu viel Wert auf Politik und Theorie zu legen, die nur für Intellektuelle und fortgeschrittene Arbeiter geeignet seien, und zu wenig auf die «praktische», alltägliche Arbeit und einfache wirtschaftliche Agitation, die sich an den «Durchschnittsarbeiter» richtet.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Politisches Bewusstsein ergebe sich automatisch aus dem wirtschaftlichen Kampf – «Politik ergibt sich aus der Wirtschaft». Das Eingreifen einer Avantgarde, um dieses Bewusstsein zu heben, sei daher unnötig. Es genüge, wenn die Marxisten die Streikbewegung energisch ermutigen, und den Rest würden die Arbeiter selbst erledigen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Aber Lenin erklärte, dass die Arbeiter viel besser wissen als die Marxisten, dass sie wirtschaftlich ausgebeutet werden! Wenn die Marxisten ihre Agitation darauf beschränken, den Arbeitern zu sagen, was sie bereits wissen, besteht die Gefahr, dass sie die Arbeiter langweilen. Bis heute gibt es viele sogenannte «marxistische» Sekten, die wie die Ökonomisten glauben, dass die Arbeiter nur an «praktischen» Fragen interessiert sind, die das tägliche Brot betreffen. Ihre grauen Zeitungen lesen sich weniger wie Organe des revolutionären Kampfes und eher wie eine Nachtlektüre, die gegen Schlaflosigkeit helfen soll.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Der wahre Lenin ist für diese modernen Sekten ein Rätsel, obwohl sie in jedem zweiten Satz auf Lenin schwören. Sie versuchen, eine Abkürzung zu den «rückständigen» Arbeitern zu finden, indem sie ihr Material verwässern, und dabei behandeln sie die Arbeiter wie Kinder:</p>

<p class="wp-block-paragraph">«Ihr Herren Sachwalter der ‘Durchschnittsarbeiter’ beleidigt ja eigentlich die Arbeiter durch euren Wunsch, euch unbedingt zu bücken, bevor ihr von Arbeiterpolitik oder von Arbeiterorganisation zu reden anfangt. Redet doch von ernsten Dingen in aufrechter Haltung und überlasst die Pädagogik den Pädagogen, nicht den Politikern und Organisatoren!»</p>

<p class="wp-block-paragraph">Lenin warf ihnen vor, dass sie die Rolle der Parteimitglieder auf die Rolle von Gewerkschaftssekretären reduzierten, indem Sie sich auf ökonomische Fragen beschränkten.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Was im Gegensatz dazu eigentlich nötig benötigt war, war eine Partei auf Grundlage professioneller Revolutionäre, die in marxistischer Theorie gestählt sind und als «Volkstribun» handeln können. Das heißt, die gesamte innere Logik des Kapitalismus offenlegen und die Arbeiter darin ausbilden und die lebendige Berichte und Analysen einbringen, die den Arbeitern helfen, den Klassenkampf von allen Seiten zu erkennen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Er erklärte, dass es viele verschiedene Formen von Agitation und Propaganda gebe, welche die Massen erreichen und bilden können, nicht nur ökonomische Fragen:</p>

<p class="wp-block-paragraph">«Die Landeshauptleute und die Prügelstrafen für Bauern, die Bestechlichkeit der Beamten und die Behandlung des ‘gemeinen Volks’ in den Städten durch die Polizei, der Kampf gegen die Hungernden und das Kesseltreiben gegen das Streben des Volkes nach Licht und Wissen, die Zwangseintreibung der Abgaben und die Verfolgungen der Sektierer, das Drillen der Soldaten und die Kasernenhofmethoden bei der Behandlung der Studenten und liberalen Intellektuellen – stellen denn alle diese und tausend andere ähnliche Erscheinungen der Unterdrückung, die nicht unmittelbar mit dem ‘ökonomischen’ Kampf verknüpft sind, im allgemeinen weniger ‘weit anwendbare’ Mittel und Anlässe der politischen Agitation, der Einbeziehung der Massen in den politischen Kampf dar?»</p>

<p class="wp-block-paragraph">Erst wenn die Arbeiter erkennen, dass sie nicht nur im Konflikt mit ihrem eigenen Boss, sondern mit der ganzen Kapitalistenklasse, dem Staatsapparat, den Medien und dem Schulsystem sind, wenn die Arbeiter den wirklichen Inhalt der Phrasen der Politiker verstehen, die Stärken und Schwächen der anderen Klassen erkennen, können sie sich bereitmachen für den finalen Kampf für den Sozialismus. Die Rolle der Kommunisten ist es, die Arbeiterklasse zu organisieren und ihr ein umfassendes politisches Verständnis zu geben, angefangen bei der fortgeschrittensten Schicht.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Aber anstatt danach zu streben, die Arbeiter zu führen und ihr politisches Verständnis zu heben, ließen sich die Ökonomisten hinab auf das Level, das ihrer Meinung nach dem Bewusstsein der Arbeiter entsprach.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Sie spotteten über die Partei-«Theoretiker», die sie des Elitismus beschuldigten, weil diese es wagten, über Dinge zu sprechen, die angeblich über das Interesse und Verständnis des «durchschnittlichen Arbeiters» hinausgehen. Kurz gesagt: Sie verherrlichten die Rückständigkeit und Ignoranz in der Arbeiterklasse und bedienten mit demagogischen Phrasen über „die Massen» oder «die Arbeiter für die Arbeiter» die übelsten Vorurteile gegen die «Führer» und Theoretiker.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Anstatt der Bewegung zu helfen, über dessen Anfangsphase hinauszuwachsen, hilft dieser «Workerismus», wie es Marxisten nennen, die Massenbewegung künstlich in ihren Kinderschuhen festzuhalten. Indem sie den politischen Kampf aufgaben, überließen sie den Einfluss in der Arbeiterklasse der liberalen Bourgeoisie.</p>

<p class="wp-block-paragraph">In <em>Was tun? </em>Wendete sich Lenin entschieden gegen diese Verachtung der Theorie – begründet mit der Notwendigkeit, sich auf «kleine», «praktische» Taten zu konzentrieren, die damals wie heute zur politischen Unterwerfung gegenüber der liberalen Bourgeoisie führt:</p>

<p class="wp-block-paragraph">«Man kann danach beurteilen, welchen Mangel an Takt das ‘Rabotscheje Delo’ zeigt, wenn es mit triumphierender Miene Marx’ Ausspruch ins Treffen führt: ‘Jeder Schritt wirklicher Bewegung ist wichtiger als ein Dutzend Programme.’ Diese Worte in einer Zeit der theoretischen Zerfahrenheit wiederholen ist dasselbe, als wolle man beim Anblick eines Leichenbegängnisses ausrufen: ‘Mögen euch immer so glückliche Tage beschieden sein’.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Ohne revolutionäre Theorie kann es auch keine revolutionäre Bewegung geben. Dieser Gedanke kann nicht genügend betont werden in einer Zeit, in der die zur Mode gewordene Predigt des Opportunismus sich mit der Begeisterung für die engsten Formen der praktischen Tätigkeit paart.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Jetzt möchten wir nur darauf hinweisen, dass die Rolle des Vorkämpfers nur eine Partei erfüllen kann, die von einer fortgeschrittenen Theorie geleitet wird.»</p>

<p class="wp-block-paragraph">Heute wird dieselbe Herangehensweise des «Workerismus» und der Verspottung der Theorie genutzt, um den hässlichsten Opportunismus zu rechtfertigen. In 2018 hat Alexandria Ocasio-Cortez in einem Vanity Fair-Artikel ein krudes Beispiel dieser Herangehensweise gezeigt:</p>

<p class="wp-block-paragraph">«Ich denke, es ist echt bougie, mit einer definierten politischen Ideologie aufzuwachsen. Du brauchst dafür Eltern, die auf dem College waren und ein politisches Lexikon besitzen. Meine Mutter hat nicht einmal ein Englisch-Lexikon! Wenn Leute sagen, ich sei nicht sozialistisch genug, dann empfinde ich das als sehr klassizistisch. Ich bin dann so: ‘Was – lese ich dir nicht genug Bücher, Junge?’.» (Unsere Übersetzung)</p>

<p class="wp-block-paragraph">Sie stellt ihre Herkunft aus der Arbeiterklasse zur Schau, um sich über die kommunistischen «Bücherwürmer» lustig zu machen, die Ideen und Theorie ernst nehmen. Doch was hat sie getan? Sie hat ihren Einfluss genutzt, um die Arbeiter direkt in die Arme der herrschenden Klasse zu treiben! Im Jahr 2019 haben sie, Sanders und der gesamte «Squad» Biden und die Demokraten auf schändliche Weise unterstützt. Es folgte noch viel Schlimmeres, darunter die Unterstützung Bidens beim Verbot des Eisenbahnerstreiks und bei der Militärhilfe für Israel seit dem 7. Oktober.</p>

<p class="wp-block-paragraph">AOC ist natürlich eine durchschaubare Karrieristin. Es ist eine Verleumdung der Arbeiterklasse zu sagen, dass diese sich nicht für die Theorie interessiere oder sie nicht verstehen könne. Wenn die Theorie einfach und auf lebendige Weise erklärt wird, wenn Marxisten gute Agitation und Propaganda zu den verschiedensten Themen betreiben, dann werden die Arbeiter – angefangen bei der fortgeschrittensten Schicht – sie verstehen können. Die Kraft der marxistischen Theorie besteht darin, dass sie wahr ist. Und das Leben lehrt die Arbeiter täglich dieselben Wahrheiten.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Aufgabe der Marxisten ist es genau, den Arbeitern zu helfen, alle korrekten revolutionären Schlussfolgerungen aus ihrer Erfahrung zu ziehen. Wir können nicht davon ausgehen, dass automatisch und spontan die korrekten politischen Schlussfolgerungen aus den ökonomischen Kämpfen der Arbeiter gezogen werden.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Lenin wies auf das Beispiel Großbritanniens hin, wo die Verfechter des Fabianismus (der schrittweisen Reformen im Schneckentempo) die Führung der Labour-Partei beherrschten, um zu zeigen, wie die Arbeiterbewegung für Zugeständnisse auf wirtschaftlicher Ebene auch unter den politischen Einfluss der kleinbürgerlichen Liberalen geraten kann, die nicht weiter schauen als kleinliche Reformen auf parlamentarischer Ebene. Um dies zu verhindern, müssen die Kommunisten einen entschlossenen Kampf um politischen Einfluss führen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Eine kurze Randbemerkung: Wir sollten festhalten, dass Lenin im Kampf gegen diese Verschandelung des Marxismus den Bogen manchmal etwas in die andere Richtung überspannt hat. Das führte zu einer Formulierung in <em>Was tun?, </em>die Lenin von Kautsky übernommen hat und seither nie mehr wiederholte, dass die Arbeiterklasse «ausschließlich aus eigener Kraft nur ein trade-unionistisches [gewerkschaftliches] Bewusstsein hervorzubringen vermag».</p>

<p class="wp-block-paragraph">Das ist offensichtlich ein Fehler, der aus einer Übertreibung fließt. Wie Lenin im Buch selbst erklärt, ist das eine stark vereinfachte Faustregel. Trotzdem wiederholen viele sogenannte Leninisten diese Worte. In Wahrheit ist die Geschichte voll mit Beispielen von Arbeitern, die weitreichende politische Schlussfolgerungen gezogen haben, ohne dass diese Ideen von außen von Marxisten hineingetragen wurden. Es reicht, etwa die fortgeschrittenen politischen Schlussfolgerungen des «physical force» Chartismus in Großbritannien in den 1830er Jahren zu erwähnen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Was Lenin jedoch richtigerweise betonte, war die essentielle Rolle der revolutionären Partei im politischen Kampf, deren erste Kader aus allen Klassen stammen können – zu der in Russland nicht nur viele Studenten, sondern sogar Kinder von Kapitalisten und Aristokraten gehörten – und deren Aufbau bis zu einem gewissen Grad unabhängig vom Wachstum der Arbeiterbewegung ist.</p>

<h3><strong>Eine Partei aus professionellen Revolutionären</strong></h3>

<p class="wp-block-paragraph">Die Ökonomisten zeigten alle realen Probleme auf, mit denen die marxistische Bewegung zu kämpfen hatte – insbesondere die amateurhaften Methoden, die zu Polizeidurchsuchungen führten, welche die Arbeit unterbrachen – aber zogen alle falschen Schlussfolgerungen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Sie machten vor allem die Tatsache dafür verantwortlich, dass Studenten über lange die Führung der marxistischen Zirkel dominiert hatten. Sie plädierten stattdessen dafür, die Arbeit unter Studenten zugunsten einer «breiten» Partei der Arbeiter zu vernachlässigen. Für eine Partei der «Massen», nicht der «Führer».</p>

<p class="wp-block-paragraph">Aber Lenin erklärte, dass das Gegenteil einer losen, amateurhaften, schlecht geführten Organisation eine zentralisierte, disziplinierte, gut geführte Organisation von geschulten professionellen Revolutionären ist. Damit meinte Lenin nicht nur Fulltimer. In der ersten Ausgabe der <em>Iskra </em>erklärte er: Ein professioneller Revolutionär ist jemand, der sein gesamtes Leben, nicht nur die freien Abende der Revolution widmet. Ob ein professioneller Revolutionär vorher ein Student, ein Intellektueller oder ein Arbeiter war, ist egal.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Um diesen Punkt zu erklären, hat Lenin einen direkten Vergleich zwischen dem Klassenkrieg und dem traditionellen Krieg gezogen. Oftmals hat in der Geschichte hat eine kleine, aber disziplinierte Armee mit guten Offizieren größere Armeen besiegt, die aus mutigen Soldaten bestanden, aber von schlechten Offizieren geführt waren. Dasselbe gilt für den Klassenkrieg. Eine revolutionäre Partei – soll sie denn effektiv sein – muss um politisch und technisch geschulte und gestählte Kader aufgebaut werden.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Der einzige Weg für eine solche Partei, sowohl politische Klarheit als auch Einheit in der Aktion zu erreichen, ist mithilfe des demokratischen Zentralismus. Das bedeutet breiteste demokratische Diskussionen in der gesamten Partei, bevor eine Entscheidung gefällt wird, um die maximale Klarheit zu erreichen und das Verständnis auf ein höheres Level zu heben. Aber nachdem die Entscheidung gefällt ist, ist die disziplinierte Einheit in der Aktion unverzichtbar.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Dieses Modell wurde nicht von Lenin erfunden. Er hat es aus der marxistischen Bewegung vor ihm, und insbesondere von der Deutschen Sozialdemokratischen Partei übernommen, die sich zu der Zeit noch als marxistische Organisation bezeichnete und international als Vorbild gehandelt wurde.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Heute gibt es viele auf der sogenannten Linken, die den demokratischen Zentralismus verhöhnen, da sie die Lügen der bürgerlichen Historiker glauben, die Lenin’s Namen anschwärzen wollen, indem sie ihn mit dem Stalinismus verbinden und fälschlicherweise den demokratischen Zentralismus mit dem monströsen bürokratischen Zentralismus von Stalins Diktatur gleichsetzen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Diese Linken glauben diesen Mythos und haben das Gefühl, mit ihren «breiten», losen Netzwerken etwas gefunden zu haben, das viel «demokratischer» ist als Lenins zentralisierte Partei. Ausnahmslos führen ihre «Innovationen» aber zum Aufstieg von bürokratischen Cliquen, ungewählten Führungen ohne Rechenschaftspflicht und schließlich ins Desaster. Das ist genau, was Lenin verhindern wollte.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Ein Beispiel: Kurz nachdem Corbyn 2015 zum Parteipräsidenten der Labour Party in Großbritannien gewählt wurde, als Hunderttausende von normalen Arbeitern und Jugendlichen in die Partei strömten, gab es einen Versuch, dem Corbynism einen organisierten Ausdruck zu geben: Momentum. Hunderte Gruppen entstanden überall im Lande, Zehntausende wurden von diesem Banner angezogen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Dessen Führer, etwa Jon Lansmann, erklärten, sie bauten eine «breite Basisbewegung» auf. Das klingt alles sehr schön und sehr «demokratisch». Was bedeutete es in der Praxis? Anstatt demokratischer Konferenzen mit Delegierten, die politische Ideen diskutieren, das Verständnis heben und ein Aktionsprogramm entwickeln, das die innere Revolution in der Labour Partei zum Abschluss bringt, kreierten sie eine demokratische Fassade mit gelegentlichen Online-Abstimmungen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Ihr Vorbild war die Podemos, die viele scheinbar sehr demokratische Online-Debatten und -Konsultationen abhielt. Dabei konnten aber nur diejenigen an den Diskussionen teilnehmen, die alle Zeit der Welt hatten. Mangels angemessenen internen Kanälen wurde die Mehrheit von dem gesamten Prozess entfremdet und auf eine passive Position reduziert.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Führer von Momentum und Podemos hatten in Wahrheit Angst, die Kontrolle über die Organisation zu verlieren, wenn sie den Basismitgliedern die Initiative übergeben. Stattdessen wurden die Mitglieder behandelt wie hirnlose Fußsoldaten für eine Wahlmaschine, die wie ein Wasserhahn ein- und ausgeschaltet werden kann.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Momentum-Führer hatten nie den Anspruch, Marxisten zu sein. Aber die Situation ist bei vielen Sekten nicht besser, die sich «marxistisch» oder sogar «leninistisch» nennen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Nachdem die Socialist Party in Großbritannien die bestehenden Arbeitermassenorganisationen als verrottet und bürokratisch abgelehnt hat, hat sie wiederholt versucht, einfach neue, «breite» «Arbeitermassenparteien» auszurufen. In der Praxis verwässern sie einfach ihr revolutionäres Profil, wie es die Ökonomisten taten, nehmen eine reformistische Färbung an, sprechen ausschließlich über «Brot und Butter»-Fragen und verschwenden eine Menge Zeit damit, ihre leblose «breite Front» künstlich am Leben zu erhalten.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Solche Versuche sind ausnahmslos immer gescheitert.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Für uns, als ernsthafte revolutionäre Kommunisten, ist der Aufbau einer disziplinierten Organisation aus professionellen Revolutionären, die gefestigt sind in der marxistischen Theorie, nicht nur ein schönes Hirngespinst. Es ist die absolut unabdingbare Voraussetzung für den Aufbau einer kämpferischen revolutionären Partei, die um die politische Führung der Arbeiterklasse konkurrieren kann. Die Oktoberrevolution hat die Richtigkeit der Leninschen Konzeption ein für alle Mal bewiesen. <em>Was tun?</em> bleibt deshalb ein Handbuch für uns, auf dem Weg, eine revolutionäre kommunistische Internationale zu gründen.</p>

<h3><strong>Eine gesamtrussische marxistische Zeitung</strong></h3>

<p class="wp-block-paragraph">Wenn einmal klar ist, dass wir eine Partei von professionellen Revolutionären brauchen, stellt sich die Frage nach einem Plan. Wie gehen wir diese Aufgabe an? Lenin’s Antwort war klar: Die revolutionäre Bewegung braucht eine gesamtrussische marxistische Zeitung.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Ökonomisten waren perplex. Für sie kam die Frage nach einem Plan erst gar nicht auf, und der Plan von Lenin erschien ihnen doch sehr «buchmäßig». Nein, sagten sie, wir müssen einfach etwas tun: mehr «praktische» Arbeit leisten, «die Bewegung aufbauen», Streikgelder sammeln, usw. usf.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Aber die Revolutionäre in Russland waren sehr aktiv! Das Problem war, dass diese Aktivität schlecht koordiniert war. Gruppen in einem Teil des Landes konnten nicht aus den Erfahrungen aus anderen Regionen lernen. Die Nachricht eines Streiks im Ural, eines Massakers auf dem Lande etc. wurde im restlichen Land nicht gehört. Qualitativ hochwertiges theoretisches Material erreichte die lokalen Gruppen nur selten und die Verbindung zur nationalen Führung war in den besten Fällen lückenhaft. Es gab massive Doppelarbeit, da überall lokale Zeitungen entstanden, die dann nach einer Verhaftungswelle durch die Okhrana (zaristische Geheimpolizei) wieder eingestellt wurden.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus würde sogar die technische Vorbereitung der Zeitung die Organisation stählen und disziplinieren. Lenin erklärte die Rolle der Zeitung mit einer Analogie: eine Richtschnur, die von Maurern verwendet wird.</p>

<p class="wp-block-paragraph">«Die Gründung einer gesamtrussischen Zeitung muss die wichtigste Richtschnur sein, an Hand derer wir die Organisation (d.h. die revolutionäre Organisation, die stets bereit ist, jeden Protest und jedes Aufflackern zu unterstützen) unbeirrt tiefer entwickeln und erweitern können. Sagt doch bitte: Wenn Maurer an verschiedenen Stellen die Steine für einen ungeheuer großen, noch nie dagewesenen Bau legen – ist es dann eine ‘papierne’ Arbeit, wenn sie eine Schnur ziehen, die die richtige Stelle für das Legen der Steine anzeigt, die auf das Endziel der gemeinsamen Arbeit hinweist, die die Möglichkeit gibt, nicht nur jeden Stein, sondern auch jedes Stück Stein zu verwerten, das, sich dem vorhergehenden und dem folgenden einfügend, die letzte Lücke in der vollendeten und allumfassenden Linie schließt? […] Hätten wir einen Trupp erfahrener Maurer, die so gut aufeinander eingearbeitet sind, dass sie auch ohne Schnur die Steine gerade dort hinlegen könnten, wo es notwendig ist (das ist, abstrakt gesprochen, durchaus nicht unmöglich), dann könnten wir vielleicht auch nach einem anderen Kettenglied greifen. Aber das ist ja eben das Malheur, dass wir noch keine erfahrenen und gut aufeinander eingearbeiteten Maurer haben, dass die Steine oft ganz nutzlos gelegt werden, dass sie nicht nach einer gemeinsamen Schnur gelegt werden, sondern so verstreut, dass der Feind sie einfach fortbläst, als wären es nicht Steine, sondern Sandkörner.»</p>

<p class="wp-block-paragraph">So wie eine Richtschnur bei der gemeinsamen Arbeit hilft, so soll die Zeitung die gemeinsame Arbeit der Partei anleiten. Sie soll regelmäßigen Kontakt und Korrespondenz zwischen den Regionen und dem Center fördern. Dafür braucht es ein Netzwerk zur Verteilung der Zeitung, zum Sammeln des Geldes, um die revolutionäre Organisation zu finanzieren, und die Entwicklung eines zuverlässigen Netzwerks von Kontakten in den Fabriken.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Dieselben Kontakte, welche die <em>Iskra </em>und andere Zeitungen, die die bolschewistische Partei später in den russischen Massen etabliert hatten, würden wie ein Nervensystem funktionieren, wenn der Tag für den Aufstand kommt.</p>

<p class="wp-block-paragraph">In der Tradition dieser bewährten Methoden haben unsere Genossinnen und Genossen im Vorfeld der Gründung der Revolutionären Kommunistischen Internationale in den letzten Monaten in einer Reihe von Ländern die kommunistische Presse ins Leben gerufen oder wiederbelebt, unter anderem in Großbritannien, Kanada, Deutschland, El Salvador, Portugal, Schweden, der Schweiz und Ungarn, wobei in einer ganzen Reihe weiterer Länder neue Zeitungen in Vorbereitung sind.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Heute gibt es viele sogenannte Linke (viele davon, die sich als Anhänger von Lenin verstehen!), die sich auch heute noch über die wahren Leninisten lustig machen, weil diese darauf bestehen, eine Zeitung zu veröffentlichen. Sie verweisen auf neue Formen der elektronischen und sozialen Medien. Mit einem Blog kann jeder, der in seinem Keller sitzt, sagen, was er will.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Aber der Aufbau einer Zeitung benötigt eine rundum professionelle Organisation. Sie erfordert eine klare redaktionelle Linie und ein starkes Netzwerk von geschulten, ausgebildeten Korrespondenten. Die nörgelnden Kritiker der revolutionären Presse verstehen nicht, dass das, was wir eigentlich aufbauen, überhaupt keine Zeitung ist: Wir bauen den Keim einer revolutionären Organisation auf.</p>

<h3><strong>Eine internationale Spaltung</strong></h3>

<p class="wp-block-paragraph">Obwohl Lenin ein marxistischer Anführer in Russland war, war sein Ausblick niemals nur national. Er verstand sofort die wahre Bedeutung des Ökonomismus als russische Form des globalen opportunistischen Trends, der in der Arbeiterbewegung aufgekommen war.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Überall entwickelte sich eine klare Trennung innerhalb der sozialistischen Internationale zwischen dem revolutionären und dem opportunistischen Flügel.</p>

<p class="wp-block-paragraph">In Deutschland war die Arbeiterbewegung – in Worten – immer noch dem Marxismus ergeben, aber eine verräterische Bürokratie von bequemen Karrieristen war dabei, sich zu festigen, vor allem in den oberen Schichten der Partei und der Gewerkschaften. Eine lange Boom-Periode bis 1914, in der die herrschende Klasse wichtige Zugeständnisse machte, ohne dass ernsthafte Klassenkämpfe geführt wurden, hatte in einer Schicht die Illusion genährt, dass alles immer besser werden würde.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Eduard Bernstein war der erste, der eine theoretische Rechtfertigung für diesen Opportunismus gab, indem er den Marxismus zu revidieren versuchte. Der Kapitalismus sei dabei, seine inneren Widersprüche zu lösen, behauptete er. Die friedliche Entwicklung würde für immer anhalten. Seiner Meinung nach können schrittweise kleine Reformen die Notwendigkeit für eine Revolution ersetzen – die SPD müsse nur ihre Parlamentsfraktion vergrößern, um sich für kleine Reformen einzusetzen und kleine ökonomische Konzessionen zu verlangen. Schon lange zuvor (1889) hatte Rosa Luxemburg in ihrem brillanten Pamphlet <em>Reform oder Revolution </em>eine Antwort darauf formuliert. </p>

<p class="wp-block-paragraph">Alle Voraussagen von Bernstein über den Kapitalismus ohne Widersprüche wurden mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 zerschmettert.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Im Gegensatz zu Deutschland mussten die russischen Kommunisten im Untergrund arbeiten. Es gab nur wenige legale Möglichkeiten für die Partei. Alles, was sie ihren Mitgliedern anbieten konnten, war ein Leben in Gefahr und Aufopferung. Nur diejenigen, die von den edelsten Absichten geleitet wurden, wurden in die Bewegung gezogen. Egoistische Karrieristen konnten dort nichts finden. Trotzdem drückte sich dieselbe opportunistische Tendenz aus, nur in einer subtileren Form. Doch gerade die Gefahren und Schwierigkeiten der revolutionären Arbeit in Russland und die Tatsache, dass eine ganze Generation ins Exil gezwungen wurde, um dort die Lehren aus der internationalen Bewegung zu ziehen, schärfte den Verstand Tausender junger Revolutionäre.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Die Spaltung der Arbeiterbewegung zwischen Opportunismus und Revolution ist nicht zufällig. Es ist ein Zeichen der Zeit. Während der Kapitalismus von einer Krise in die nächste taumelt, schwindet der Spielraum für ernsthafte, dauerhafte Reformen immer mehr. Die Zeiten, in denen man ernsthafte Reformen durchsetzen konnte, während man Lippenbekenntnisse zur zukünftigen sozialistischen Revolution abgab, die wie eine ferne Zukunftsperspektive erschien, liegen hinter uns. Die Frage des revolutionären Sturzes des Kapitalismus durch die Arbeiterklasse steht im Raum. Heutzutage endet der Reformismus schnell in Verrat und völliger Kapitulation vor der herrschenden Klasse. Die Leichen von Syriza und der Corbyn- und Sanders-Bewegung sind eine deutliche Erinnerung an diese Tatsache.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Der Kampf darum, alle revolutionären Kommunisten in einer Partei zu vereinen, die den Kampf aufnimmt, um den Einfluss des reformistischen Opportunismus über breite Schichten der Arbeiterklasse zu brechen, ist der entscheidende Kampf unserer Zeit. Bevor Kommunisten die Macht erobern können, müssen sie die Arbeiterklasse erobern.</p>

<p class="wp-block-paragraph">In diesem Sinne hat <em>Was tun? </em>Heute nicht an Bedeutung verloren. Reformisten, Sektierer und Anarchisten wiederholen weltweit die Argumente der Ökonomisten.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Sie bevormunden die Arbeiterklasse. Sie sagen uns, dass «das Bewusstsein der Arbeiterklasse zu tief ist», um revolutionäre Ideen zu verstehen. Stattdessen müssen wir uns auf kleine Schritte begrenzen, sagen sie. Wir begrenzen unseren Fokus auf Dinge wie simple Gewerkschaftsarbeit, «mutual aid» und «Brotfragen»; wir sollen uns «wählbar» machen für die breiten Massen, anstatt den Blick der Massen für die großen historischen Aufgaben zu heben, die sie selbst noch nicht begreifen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Sie behandeln Arbeiter wie Kinder und verwechseln ihre eigene Rückständigkeit, ihr eigenes tiefes Level mit demjenigen der Arbeiter. Sie lehnen die Idee einer Partei der Avantgarde der Arbeiterklasse auf Grundlage von professionellen Revolutionären ab, weil es «elitär» sei. Stattdessen sehen die Reformisten die Partei nur als Wahlmaschine, um sie ins Parlament zu hieven. Währenddessen verherrlichen Anarchisten die spontane Bewegung der Arbeiterklasse, was sie praktischerweise von der Pflicht, etwas zu tun, befreit, außer vielleicht ab und zu den Arbeitern einen Anstoß zu geben durch «direkte Aktion». Lenin hat im Stil einer scharfen Polemik in <em>Was tun?</em> längst all das beantwortet. Die Kommunisten sollten dieses Buch wieder und wieder lesen, um sich auf die kommende Zeit vorzubereiten.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>The ‘Two Tactics’ of the 1905 Revolution: a line is drawn between Bolshevism and Menshevism</title>
		<link>https://derkommunist.de/the-two-tactics-of-the-1905-revolution-a-line-is-drawn-between-bolshevism-and-menshevism/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[In Defence of Marxism]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 11 Jan 2025 10:00:07 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Bildungsmappe Bolschewismus]]></category>
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<p class="wp-block-paragraph">When divisions among Russian Marxists between ‘Bolsheviks’ and ‘Mensheviks’ first emerged at the second congress of the RSDLP in 1903, they remained confined to secondary differences over organisational questions. Only with the 1905 Revolution did real political differences emerge, as Lenin explained in his brilliant pamphlet of that year,&nbsp;<em>Two Tactics of the Social-Democracy in the Democratic Revolution</em>. More than anything else, war and revolution bring out political differences with crystal clarity.</p>



<p class="wp-block-paragraph">The significance of the 1905 Revolution cannot be understated in the development of Bolshevism and of Lenin’s thinking. Lenin stated more than once that the October Revolution of 1917 would have never succeeded without this earlier experience.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1905 was a year of extreme crisis and turbulence. The Russo-Japanese War of 1904-5 rapidly exposed the inner rottenness of Tsarism that suffered humiliating defeats. This only added to the already existing hatred for the regime.</p>



<p class="wp-block-paragraph">On 16 January 1905, a strike broke out at the Putilov workers and began to spread rapidly throughout the country. By 20 January, a general strike was under way involving 456 enterprises with up to 150,000 workers.</p>



<p class="wp-block-paragraph">The young working class went into an all-out struggle with tsarism that sidelined the liberal opposition in the process. “People were awakened to political consciousness for the first time”, explained Lenin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">No one had foreseen that Russia would be shaken by such explosions. The Bolshevik organisation inside Russia was initially wrong-footed. The Russian Social Democratic Party (RSDLP) split at the Second Congress of 1903, but many comrades of the party were still as yet confused as to the real nature of this split.</p>



<p class="wp-block-paragraph">After the first shocks of the revolution, preparations for the Third Congress were made, which was organised in London in April 1905. This was exclusively a Bolshevik congress as the Mensheviks stayed away.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In&nbsp;<em>Two Tactics</em>, Lenin covers the importance of the Third Congress. He explains how a revolutionary party must make its position very clear on the following questions: 1) the significance of a provisional revolutionary government; 2) its attitude towards a provisional revolutionary government; 3) the precise conditions of Social-Democratic participation in this government; 4) the conditions under which pressure is to be brought to bear on this government from below, i.e., in the event of there being no Social-Democrats within it.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Going over these questions, Lenin was able to bring out the fundamental political differences between the Bolsheviks and Mensheviks, which centred around the main point: which class would lead this bourgeois revolution? The Mensheviks increasingly demonstrated their illusions in the Russian liberal bourgeoisie. They laid heavy stress on their leading role. They counter-posed two ‘tactics’: either the Marxists wait for the Tsar to call a Duma (i.e. semi-parliament) and then try to ‘influence’ it; or the Marxists should lead the struggle for an armed insurrection of the working class.</p>



<p class="wp-block-paragraph">The latter, they claimed, was impossible. They raised excuses about how the working class “is not yet sufficiently class conscious”, and that an insurrection would “isolate” the workers from the bourgeoisie. According to the Mensheviks only the bourgeoisie can lead the bourgeois revolution to a decisive victory over tsarism. Their choice of ‘tactics’ therefore involved complete subordination of the working class to the liberal bourgeoisie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">But the liberal bourgeoisie, through its mouthpiece&nbsp;<em>Osvobozhdeniye</em>&nbsp;[‘Liberation’], was not arguing for a republic and the overthrow of Tsarism, but only a constitutional monarchy. I.e. it was preparing to compromise with Tsarism, as it was more afraid of the revolutionary movement of the workers that had been unleashed than it was interested in gaining power for itself. In&nbsp;<em>Two Tactics</em>, Lenin explains why this is a fundamental mistake;</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">“[We Marxists] must be perfectly clear in our minds as to what real social forces are opposed to “tsarism” and are capable of gaining a “decisive victory” over it. Such a force cannot be the big bourgeoisie, the landlords, the factory owners, “society” which follows the lead of the Osvobozhdentsi. We see that these do not even want a decisive victory. We know that owing to their class position they are incapable of waging a decisive struggle against tsarism; they are too heavily fettered by private property, capital and land to enter into a decisive struggle. They need tsarism with its bureaucratic, police and military forces for use against the proletariat and the peasantry too much to be able to strive for its destruction.”</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">He concludes:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">“No, the only force capable of gaining “a decisive victory over tsarism,” is the people, i.e., the proletariat and the peasantry, […]&nbsp;<em>No one else is capable of gaining a decisive victory over tsarism</em>.”</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Lenin argued strongly for this, and put forward the slogan of “the dictatorship of the proletariat and the peasantry” – i.e. a revolutionary, democratic regime of the plebeian and working masses.</p>



<p class="wp-block-paragraph">This was in stark contrast to the position of the Mensheviks who stopped at merely adopting the most widespread slogans, such as the call for a popular constituent assembly, which even the monarchist bourgeoisie supported. This flowed from their false perspectives.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lenin warned about this, saying “There is nothing more dangerous in a revolutionary period than belittling the importance of tactical slogans that are sound in principle.”</p>



<p class="wp-block-paragraph">The Mensheviks imposed their abstract schema onto reality. They started from the indisputable fact that in Russia, the main tasks of the revolution were <em>bourgeois</em>: i.e. the overthrow of autocracy and the creation of a democratic regime. But they drew from this the radically false conclusion that the revolution must be led by the bourgeoisie, despite the fact that the latter had shown their fear and hatred of the revolution.</p>



<p class="wp-block-paragraph">The Mensheviks were utterly incapable of understanding the real class dynamics. Lenin explained that beyond a mere change from autocracy to a republic, the bourgeois revolution above all signifies an&nbsp;<em>agrarian revolution</em>, in which the land must be seized from the landlords and redistributed to the peasantry.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seen from this angle, Lenin explained, we can see how the Russian bourgeoisie could&nbsp;<em>never</em>&nbsp;support such a revolution. They had too many interests connecting them to landed property: the capitalists were also big landowners, and were connected to the landlords via the mortgages that the latter had with the banks. To push forward a thorough agrarian revolution, the party had to lead the proletariat into a revolutionary alliance with the rural peasantry. But the Mensheviks had no desire to lead the proletariat at all. They merely dragged at the tail of events.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lenin expressed his frustration in the text:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">“…we are offered a general description of a process, which does not say a word about the concrete aims of our activity.</p>



<p class="wp-block-paragraph">“The philosophers have only interpreted the world, in various ways, said Marx, the point, however, is to change it. Similarly, the new-Iskraists [i.e. the Mensheviks] can give a tolerable description and explanation of the process of struggle which is taking place before their eyes, but they are altogether incapable of giving a correct slogan for this struggle.”</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Through Lenin’s deep understanding of the material conception in history he remained firm on the principles of Marxism, and the need for the proletariat to have its own independent party and programme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">It’s important to note that at this time Trotsky was developing his own analysis of events in parallel to Lenin, which had important points of contact with the ideas of the latter. Trotsky fully worked out what became the theory of permanent revolution in his work “Results and Prospects”, which was published in 1906.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotsky agreed with Lenin that the bourgeoisie was destined by its position to play a counter-revolutionary role, and he likewise emphasised that only the proletariat and peasantry could play a revolutionary role. But he went further, explaining that of the two classes, only the proletariat could play the leading role. Therefore, whereas Lenin raised the somewhat algebraic slogan of “the democratic dictatorship of the proletariat and peasantry”, which left open the question of the role that these two classes would play, Trotsky posed the possibility that the revolution in Russia could establish a socialist regime of the dictatorship of the proletariat. This perspective was proven correct by the events of 1917.</p>



<p class="wp-block-paragraph">The aim of this worker’s government would be to carry out the tasks of the bourgeois democratic revolution, such as land reform, resolution of the national question and establishing a republic. However, once accomplished, the worker’s government would not stop there, but would be forced to immediately proceed towards socialist tasks – nationalising the property of the counter-revolutionary bourgeoisie, instituting workers’ control, national planning, etc.</p>



<p class="wp-block-paragraph">From here, Trotsky explained that the socialist revolution would spread and be completed on the world stage. Although in&nbsp;<em>Two Tactics</em>, Lenin did not yet pose the possibility of the Russian Revolution growing over from a bourgeois into a socialist revolution, he too posed the possibility that the Russian Revolution might “carry the revolutionary conflagration into Europe”. In short, both Lenin and Trotsky based everything on an&nbsp;<em>internationalist</em>&nbsp;perspective, in contrast to the anti-Marxist theory of ‘socialism in one country’ espoused by the Stalinists who falsely claim to stand in the tradition of Lenin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">By 1917, Lenin converged on the same perspective as Trotsky. From this time on, he dropped the slogan of the “democratic dictatorship of the proletariat and peasantry”, first raised in&nbsp;<em>Two Tactics</em>, on account of the changing situation, and adopted “the dictatorship of the proletariat” instead.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Only later, after Lenin’s death, did Stalin revive Lenin’s old slogan of a “democratic dictatorship”. But he did so only to counter-pose it to the idea of a&nbsp;<em>socialist</em>dictatorship, as a step backwards towards justifying the counter-revolutionary foreign policy of Stalinism. This was a policy of precisely subordinating the workers’ movement in oppressed colonial nations to the leadership of the national bourgeoisie as we saw in 1925-27 in China, and on a host of later occasions. In other words, the same slogan, raised at a time when it had become antiquated, was used precisely in the&nbsp;<em>opposite</em>&nbsp;spirit in which it was intended in Lenin’s&nbsp;<em>Two Tactics</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">This pamphlet was a watershed moment in the development of Bolshevism. It was in this period when the political differences between Bolshevism and Menshevism, between revolution and reformist opportunism, were solidified. Through this text, we gain a real insight into Lenin’s method of thinking. Whereas the Menshevik faction merely contented itself with analysing the situation and allowing events to take their ‘natural’ course (that is to say, they surrendered leadership of the revolution to the liberals), Lenin’s brilliance lay in charting a line of revolutionary action at a historical juncture that was without precedent.</p>



<p class="wp-block-paragraph">This is what set the Bolsheviks on the right path which ultimately led to the victory of the Bolshevik revolution in 1917.</p>
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		<title>“The greatest event in human history”: Lenin and the Russian Revolution</title>
		<link>https://derkommunist.de/the-greatest-event-in-human-history-lenin-and-the-russian-revolution/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alan Woods und Rob Sewel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 11 Jan 2025 09:00:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Revolutionen]]></category>
		<category><![CDATA[Bildungsmappe RusRev]]></category>
		<category><![CDATA[Lenin]]></category>
		<category><![CDATA[Russische Revolution]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>One-hundred-and-seven years ago, on 7 November 1917, the Russian working class conquered power.  This was the greatest event in human history. For the first time ever, workers and peasants overthrew [&#8230;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">One-hundred-and-seven years ago, on 7 November 1917, the Russian working class conquered power. </p>

<p class="wp-block-paragraph">This was the greatest event in human history. For the first time ever, workers and peasants overthrew the dictatorship of the rich, took control of society <em>themselves</em>, through their ‘soviets’, i.e. workers’ councils – and held it. They could not have done so, however, without the leadership of the Bolshevik Party; the party of Lenin and Trotsky.</p>

<p class="wp-block-paragraph">To commemorate the anniversary of this momentous, world-historic event, and to arm communists today with the ideas that enabled the conquest of power, we are republishing an extract from Alan Woods and Rob Sewell’s biography of the great revolutionary, <em>In Defence of Lenin</em>.</p>

<p class="wp-block-paragraph">This extract, taken from the second volume of the book, covers Lenin’s struggle within the party to prepare it for the insurrection, and the revolutionary overturn itself. </p>

<p class="wp-block-paragraph">The November insurrection, however, was only the climax of Lenin and the Russian communists’ long struggle to build a revolutionary, working-class party, and to win the leadership of the revolutionary movement. </p>

<p class="wp-block-paragraph">To read about this struggle, and to learn how the Bolsheviks acted in power, at the head of the world&#8217;s first workers&#8216; state, <a href="https://wellred-books.com/in-defence-of-lenin/">get your copy of <em>In Defence of Lenin</em> from Wellred Books</a>, the publishing house of the Revolutionary Communist International.</p>

<p class="wp-block-paragraph">By the end of September, the situation had undergone a complete transformation as the pendulum swung sharply to the left. The reformist leaders of the Mensheviks and SRs had – unsurprisingly – dismissed as ‘fanciful’ the Bolsheviks’ offer of a peaceful transfer of power within the Soviets. There was no longer going to be any progress on that front. In the meantime, Kerensky and his ‘socialist’ government were becoming more unpopular by the day. The initiative was now firmly in the hands of the Bolshevik leadership. The fate of the insurrection hung in the balance.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Lenin made his way to Petrograd on 22 October. This was to be only a little over two weeks before the Bolshevik insurrection would take place, but few, apart from Lenin, realised the urgency of the situation.</p>

<p class="wp-block-paragraph">The objective conditions had fully developed for a decisive showdown. Lenin now had to convince the Bolshevik leadership to draw the necessary conclusions and act accordingly. But even at this late stage, this proved to be no easy task.</p>

<p class="wp-block-paragraph">On 23 October, Lenin was to attend the crucial meeting of the Central Committee where the insurrection was on the agenda. Ironically, the venue of this historic meeting was in the house of Sukhanov, the Left Menshevik, which had been made available by his wife, a Bolshevik sympathiser.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Lenin had not attended a single Central Committee meeting since first going into hiding in early July. That now seemed an eternity away. He had moved from Finland to live secretly in a suburb of Petrograd, in order to be closer to the centre of operations. He clearly saw that time was pressing and the insurrection could not be delayed any longer. Lenin’s campaign of relentless pressure found its expression in a stream of letters to the leadership demanding an insurrection.</p>

<p class="wp-block-paragraph">There are moments in which a few days, or even hours, can mean the difference between victory and defeat. This is just as true in a revolution as in normal warfare. The masses could not be kept permanently in a state of expectation. Further prevarication could lead to a fatal loss of impetus. The precise calculation of the right moment to launch a decisive offensive is the essence of what Trotsky called the art of insurrection. And Lenin, like Trotsky, was a master of that art.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Following a tense discussion, the Central Committee meeting adopted Lenin’s proposal to prepare for an immediate armed insurrection by a majority of ten votes – Lenin, Trotsky, Sverdlov, Stalin, Uritsky, Felix Dzerzhinsky, Kollontai, Grigory Sokolnikov, Andrei Bubnov and Lomov (Georgy Oppokov). But two prominent members of the Central Committee voted against – Kamenev and Zinoviev. And quite a few others, though they voted for the resolution, did so with reservations.</p>

<p class="wp-block-paragraph">“We are practically approaching the armed insurrection. But when will it be possible? Perhaps a year from now – one can’t really tell”, pondered Mikhail Kalinin. Vladimir Milyutin, a member of the Central Committee, also added his voice to the doubters: “We are not ready to strike the first blow. We are in no position to overthrow the government or stop its supporters in the days to come.”<sup><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftn1">[1]</a></sup></p>

<p class="wp-block-paragraph">Sukhanov was later briefed about the meeting. Referring to Lenin as the ‘Thunderer’, he commented about what had happened in the following terms:</p>

<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">&#8222;In the Central Committee of the Party this decision was accepted by all but two votes. The dissenters were the same as in June – Kamenev and Zinoviev… This of course could not confound the Thunderer. He had never been confounded even when he remained practically alone in his own party; now he had the <em>majority </em>with him. And, besides the majority, <em>Trotsky was with Lenin</em>. I don’t know to what degree Lenin himself valued this fact, but for the course of events it had incalculable significance. I have no doubt of that…&#8220;<sup><a> </a><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftn2">[2]</a></sup></p>
</blockquote>

<p class="wp-block-paragraph">There were, nevertheless, still some loose ends and the exact date of the seizure of power was still left hanging in the air. The Second National Congress of Soviets was scheduled for 2 November (20 October, Old Style), where the Bolsheviks were guaranteed a majority. It was therefore assumed that an insurrection should begin sooner, certainly not later than around 28 October. But that schedule only gave them five days to finalise everything, which was deemed insufficient. It was therefore agreed that another Central Committee meeting would take place on 29 October to finalise matters.</p>

<h3 class="wp-block-heading">Opposition of Kamenev and Zinoviev</h3>

<p class="wp-block-paragraph">Following the Central Committee of 23 October, Zinoviev and Kamenev sent a personal statement of their opposition to an insurrection to Central Committee members, while sending a circular, entitled ‘On the Current Situation’, to a number of Bolshevik organisations. This read:</p>

<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">&#8222;We are deeply convinced that to proclaim an armed insurrection now is to put at stake not only the fate of our Party but also the fate of the Russian and the international revolution.</p>

<p class="wp-block-paragraph">&#8222;There is no doubt that historical circumstances do exist when an oppressed class has to recognise that it is better to go on to defeat than surrender without a fight. Is the Russian working class in just such a position today? <em>No,</em> <em>a</em> <em>thousand</em> <em>times </em><em>no!! </em>[…]</p>

<p class="wp-block-paragraph">&#8222;The influence of Bolshevism is growing. Whole sections of the working population are still only beginning to be swept up in it. With the right tactics, we can get a third of the seats in the Constituent Assembly, or even more.&#8220;<sup><a> </a><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftn3">[3]</a></sup></p>
</blockquote>

<p class="wp-block-paragraph">It was abundantly clear that Zinoviev and Kamenev simply envisaged the role of the Bolshevik Party as an opposition group in the Constituent Assembly. This statement, coming from leading members, led to some confusion within the ranks of the Party. To counter this, Lenin immediately wrote two letters directly to the membership over the following few days. In them, he attacked Zinoviev and Kamenev, but without naming them:</p>

<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Only a most insignificant minority of the gathering, namely, all in all two comrades, took a negative stand. The arguments which those comrades advanced are so weak, they are a manifestation of such an astounding confusion, timidity, and collapse of all the fundamental ideas of Bolshevism and proletarian revolutionary internationalism that it is not easy to discover an explanation for such shameful vacillations. The fact, however, remains, and since the revolutionary party has no right to tolerate vacillations on such a serious question, and since this pair of comrades, who have scattered their principles to the winds, might cause some confusion, it is necessary to analyse their arguments, to expose their vacillations, and to show how shameful they are.&#8220;<sup><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftn4">[4]</a></sup></p>
</blockquote>

<p class="wp-block-paragraph">Lenin then answered the objections that somehow the uprising was hopeless, and that the Bolsheviks should therefore wait for the summoning of the Constituent Assembly, so as to form a strong opposition, and so on. This ‘peaceful’ parliamentary perspective was wholly at odds with Lenin’s perspective of taking power and therefore he felt the need to pose things very sharply: either they – the Bolsheviks – would immediately seize power or a military dictatorship, not a Constituent Assembly, would be established:</p>

<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Let us forget all that was being and <em>has</em> <em>been</em> <em>demonstrated</em> by the Bolsheviks a hundred times, all that the six months’ history of our revolution has proved, namely, that there is no way out, that there is no objective way out and can be none <em>except </em>a dictatorship of the Kornilovites or a dictatorship of the proletariat.&#8220;<sup><a> </a><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftn5">[5]</a></sup></p>
</blockquote>

<p class="wp-block-paragraph">He then continued to ridicule the route of the Constituent Assembly:</p>

<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Let us forget this, let us renounce all this and wait! Wait for what? Wait for a miracle, for the tempestuous and catastrophic course of events from 20 April to 29 August to be succeeded (due to the prolongation of the war and the spread of famine) by a peaceful, quiet, smooth, legal convocation of the Constituent Assembly and by a fulfilment of its most lawful decisions. Here you have the ‘Marxist’ tactics! Wait, ye hungry! Kerensky has promised to convene the Constituent Assembly.&#8220;<sup><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftn6">[6]</a></sup></p>
</blockquote>

<p class="wp-block-paragraph">In regard to the accusation of Blanquism made against the proposed insurrection, Lenin replied:</p>

<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Marxism is an extremely profound and many-sided doctrine. It is, therefore, no wonder that <em>scraps</em> of quotations from Marx – especially when the quotations are made <em>inappropriately </em>– can always be found among the ‘arguments’ of those who break with Marxism. Military conspiracy is Blanquism, <em>if</em> it is organised not by a party of a definite class, <em>if</em> its organisers have not analysed the political moment in general and the international situation in particular, <em>if</em> the party has not on its side the sympathy of the majority of the people, as proved by objective facts, <em>if </em>the development of revolutionary events has not brought about a practical refutation of the conciliatory illusions of the petty bourgeoisie, <em>if</em> the majority of the Soviet- type organs of revolutionary struggle that have been recognised as authoritative or have shown themselves to be such in practice have not been won over, <em>if </em>there has not matured a sentiment in the army (if in war-time) against the government that protracts the unjust war against the will of the whole people, <em>if</em> the slogans of the uprising (like ‘All power to the Soviets’, ‘Land to the peasants’, or ‘Immediate offer of a democratic peace to all the belligerent nations, with an immediate abrogation of all secret treaties and secret diplomacy’, etc.) have not become widely known and popular, <em>if </em>the advanced workers are not sure of the desperate situation of the masses and of the support of the countryside, a support proved by a serious peasant movement or by an uprising against the owners and the government that defends the owners, <em>if </em>the country’s economic situation inspires earnest hopes for a favourable solution of the crisis by peaceable and parliamentary means.&#8220;<sup><a> </a><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftn7">[7]</a></sup></p>
</blockquote>

<p class="wp-block-paragraph">Lenin ends his letter: “This is probably enough.”<sup><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftn8">[8]</a></sup> He had made everything clear.</p>

<p class="wp-block-paragraph">With the Petrograd Military Revolutionary Committee under the control of the Bolsheviks, and Trotsky at its head, the pieces were being put into place for a successful insurrection. This was the situation facing the extended Central Committee meeting, held on 29 October, and attended by representatives from the Petrograd committee, the military organisation, and the factory committees.</p>

<p class="wp-block-paragraph">At this meeting, Lenin once again forcefully argued for an insurrection without any delay. “The masses had put their trust in the Bolsheviks and demanded deeds from them, not words”, he argued.<sup><a> </a><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftn9">[9]</a></sup> If we take power now, he said, “the Bolsheviks would have all proletarian Europe on their side”, once again linking the Russian revolution to the European revolution.<sup><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftn10">[10]</a></sup></p>

<p class="wp-block-paragraph">But Zinoviev and Kamenev pressed their opposition, demanding that the decision be postponed until after the Soviet Congress so as to ‘confer’ with delegates from the provinces. In any case, they believed the plans for the insurrection were not sufficiently serious, as little had been prepared. Kamenev stated:</p>

<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">&#8222;A week has passed since the resolution was adopted and this is also the reason this resolution shows how not to organise an insurrection: during that week, nothing was done; it only spoiled what should have been done. The week’s results demonstrate that there are no factors to favour a rising now.&#8220;<sup><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftn11">[11]</a></sup></p>
</blockquote>

<p class="wp-block-paragraph">Tempers became quite heated within the meeting. However, in the end, it was agreed by twenty-two votes in favour and two against – again the votes of Zinoviev and Kamenev – to endorse the resolution of the 23 October and proceed with the planned insurrection. But time was clearly running out.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Fortunately, unbeknown to them, the Mensheviks and SRs came to the rescue. For their own reasons, they decided to postpone the Soviet Congress until 7 November (25 October, Old Style). This extra week proved indispensable.</p>

<p class="wp-block-paragraph">In the biography of Stalin prepared by the Marx-Engels-Lenin Institute in Moscow in 1940, a spurious claim is made: “On 16 (29) October, the Central Committee elected a Party Centre, headed by Comrade Stalin, to direct the uprising.”<sup><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftn12">[12]</a></sup> While it is true that the Central Committee did elect a ‘Centre’ to assist the insurrection, this body <em>never actually met! </em>It was simply overtaken by events and relegated to the waste paper basket.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Control of the October insurrection was in the hands of the Military Revolutionary Committee, under Trotsky’s direction.</p>

<h3 class="wp-block-heading">‘Strike-breaking’</h3>

<p class="wp-block-paragraph">At the end of the Central Committee of October 29, Kamenev, having opposed the insurrection, announced his resignation from the Central Committee. Two days later, on 31 October, Kamenev and Zinoviev attacked the whole idea of an insurrection publicly in an article in Maxim Gorky’s paper, <em>Novaya Zhizn</em>.</p>

<p class="wp-block-paragraph">When their fellow comrades heard this news, they were stunned. Not only was this a complete breach of discipline and trust, but it was a clear warning to the enemies of the Party of their plans for an insurrection. This was the worst kind of betrayal – a stab in the back on the eve of battle.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Once Lenin heard the news, he was beside himself with rage at this outrageous behaviour. He immediately wrote a letter to the membership denouncing it:</p>

<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">&#8222;This is a thousand times more despicable and a <em>million times more harmful </em>than all the statements Plekhanov, for example, made in the non-Party press in 1906-07, and which the Party so sharply condemned! At that time it was only a question of elections, whereas now it is a question of an insurrection for the conquest of power!&#8220;<sup><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftn13">[13]</a></sup></p>
</blockquote>

<p class="wp-block-paragraph">He then wrote in another letter to the Central Committee: “No self-respecting party can tolerate strike-breaking and blacklegs in its midst.”<sup><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftn14">[14]</a></sup> He then called for the expulsion of Zinoviev and Kamenev from the Party. The next day he wrote a further letter, elaborating on the first.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Up until this point, Kamenev and Zinoviev were the ‘old Bolsheviks’, Lenin’s closest Party comrades, who had been with him for many years. Zinoviev was personally with Lenin throughout the war years. And yet, when faced with the decisive question of power, they politically collapsed.</p>

<p class="wp-block-paragraph">In an attempt to limit the public damage, Trotsky tried to disguise the insurrection by refuting the allegations. However, in doing so, he also added that any attempt by the counter-revolution to disrupt the Soviet Congress would be met with the severest measures. In the end, Kamenev had no alternative but to go along with Trotsky’s public explanation.</p>

<p class="wp-block-paragraph">However, to add to the confusion, the <em>Pravda </em>editors, after publishing a brief statement by Zinoviev, added an extraordinary statement from themselves, downplaying the betrayal. It even criticised Lenin for his tone! “The matter may be considered closed. The sharp tone of comrade Lenin’s article does not change the fact, fundamentally, we remain of one mind.”<sup><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftn15">[15]</a></sup> It turned out that it was Stalin, as one of the editors, who was responsible for this statement.</p>

<p class="wp-block-paragraph">At the Central Committee meeting of 3 November, Lenin was not present. His letter, however, condemning Zinoviev and Kamenev, was read out. But those present took a very lenient view. Stalin immediately declared that as far as Lenin’s proposal was concerned, “expulsion from the Party was no remedy, what is needed is to preserve Party unity…” Therefore, Kamenev and Zinoviev should not be expelled, but should remain as members of the Central Committee.<sup><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftn16">[16]</a></sup></p>

<p class="wp-block-paragraph">After some discussion, Kamenev’s resignation from the Central Committee was accepted and Zinoviev and Kamenev were simply instructed to make no further announcements. Following the objections from Stalin, Miliutin, Uritsky and Sverdlov, Lenin’s proposal to expel Zinoviev and Kamenev was also turned down. This was an exceptionally mild rebuke under the circumstances!</p>

<p class="wp-block-paragraph">Trotsky, however, not only denounced their strike-breaking behaviour in the meeting, but he also attacked Stalin’s mealy-mouthed statement in <em>Pravda</em>. In response, Stalin offered his resignation, but this was brushed aside as the <em>Pravda </em>statement was deemed not to be from him personally, but from the <em>whole </em>editorial board and the meeting merely passed on to the next business.</p>

<p class="wp-block-paragraph">When he heard all of this, Lenin, it should be noted, did not agree with these decisions, but accepted them so as to concentrate everything on the success of the impending insurrection.</p>

<h3 class="wp-block-heading">The October insurrection</h3>

<p class="wp-block-paragraph">Despite the damage, it was agreed that the insurrection would still take place before the opening of the Second All-Russian Congress of Soviets. Nevertheless, Lenin was still opposed to linking the date of the insurrection to the Soviet Congress, fearing it would be postponed and the opportunity missed. Lenin’s fears were not without foundation as the Menshevik leaders, who controlled the Soviet Executive Committee, were definitely seeking to delay matters. Morgan Price writes:</p>

<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">&#8222;I found members of the Executive very depressed. Reports from the provinces showed that the Bolshevik agitation for an immediate summoning of a Second Congress had met with great response… They had done, said the Menshevik Central Executive, everything to prevent the summoning of this Second Soviet Congress because they considered it useless.&#8220;<sup><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftn17">[17]</a></sup></p>
</blockquote>

<p class="wp-block-paragraph">In reality, they knew they were in a minority and were destined to lose their positions once the Congress took place.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Trotsky, however, was in favour of this date. Due to his pivotal position, he was more in tune with the situation than most. Given the pressure from below, he firmly believed the Congress would proceed as planned on 7 November, which would give the insurrection greater legitimacy in the eyes of the masses, a ‘legality’, than if the Party carried it out alone. In the end, Trotsky was proved to be correct as he energetically directed the military operations of the insurrection.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Up to the very last minute, Lenin was understandably on tenterhooks. He, more than anyone else, realised the importance of the moment. His whole life’s work was concentrated in these days and hours. He understood that any delay by the Party could end in ruin and that everything was now in the balance. “Now or never!” he repeated.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Even the day before the insurrection, Lenin was still pleading for the Central Committee to act! “The government is tottering”, he wrote. “It must be given the death-blow at all costs. To delay action is fatal.”<sup><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftn18">[18]</a></sup> In fact, it was the Provisional Government that moved first by ordering two Bolshevik offices to be closed down. This played into the hands of the insurrectionists, who used this to go onto the offensive.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Lenin, feeling increasingly anxious, defied the orders of the Central Committee and made his way over to Smolny, the headquarters of the Soviet. However, by this time, Trotsky had things firmly in hand and the insurrection was well under way.</p>

<p class="wp-block-paragraph">During the night of 6-7 November (24-25 October, Old Style), the Military Revolutionary Committee deposed the Kerensky Government and carried through a smooth and peaceful transition of power – just in time for the opening of the Soviet Congress. All the key points of Petrograd were occupied and members of the Provisional Government had been arrested or had fled the scene. “The city was absolutely calm”, writes Sukhanov. “Both the centre and the suburbs were sunk in a deep sleep, not suspecting what was going on in the quiet of the cold autumn night.”<sup><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftn19">[19]</a></sup></p>

<p class="wp-block-paragraph">Once the Winter Palace had fallen, the old regime was finally at an end. “The operations, gradually developing, went so smoothly that no great forces were required”, explains Sukhanov.<sup><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftn20">[20]</a></sup> The insurrection was so peaceful, even compared to the February Revolution, that there were only five casualties, all from the ranks of the revolutionaries. This was the most bloodless revolution in history.</p>

<p class="wp-block-paragraph">“The Provisional Government is deposed”, read the statement issued by the Petrograd Soviet of Workers’ and Soldiers’ Deputies at ten o’clock in the morning of 7 November:</p>

<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">&#8222;The State Power has passed into the hands of the organ of the Petrograd Soviet of Workers’ and Soldiers’ Deputies, the Military Revolutionary Committee, which stands at the head of the Petrograd proletariat and garrison. […]</p>

<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Long live the revolution of the workers, soldiers, and peasants!&#8220;<sup><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftn21">[21]</a></sup></p>
</blockquote>

<p class="wp-block-paragraph">According to one witness:</p>

<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">&#8222;All practical work in connection with the organisation of the uprising was done under the immediate direction of Comrade Trotsky, the President of the Petrograd Soviet. It can be stated with certainty that the Party is indebted primarily and principally to Comrade Trotsky for the rapid going over of the garrison to the side of the Soviet and the efficient manner in which the work of the Military Revolutionary Committee was organised. The principal assistants of Comrade Trotsky were Comrades Antonov and Podvoisky.&#8220;<sup><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftn22">[22]</a></sup></p>
</blockquote>

<p class="wp-block-paragraph">The writer was none other than Joseph Stalin. However, in a speech delivered to the Plenum of the Communist Fraction of the All-Union Central Council of Trade Unions six years later, Stalin paints a totally different picture:</p>

<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Comrade Trotsky, who was a relative newcomer in our Party in the period of October, did not, and could not have played any <em>special </em>role either in the Party or in the October uprising.&#8220;<sup><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftn23">[23]</a></sup></p>
</blockquote>

<p class="wp-block-paragraph">Stalin’s depiction of events had changed by 1924, as this was the year that an all-out struggle took place against Trotsky, to denigrate his achievements and prevent him from assuming the leadership after Lenin’s death.</p>

<h3 class="wp-block-heading">The Congress opens</h3>

<p class="wp-block-paragraph">From the early morning of 7 November, the Smolny Institute began to fill with delegates. As the opening of the Congress was continually delayed, caucus and faction meetings repeatedly took place throughout the day. By three o’clock in the afternoon, the Great Hall was full of representatives from all parts of the country waiting in anticipation for the grand opening. But there was a further delay, as the Winter Palace had not yet been taken. Then, at twenty to eleven at night, as the Red Guards stormed the Winter Palace, the Congress finally opened.</p>

<p class="wp-block-paragraph">From the very outset, a packed Smolny resounded with rallying speeches and enthusiastic appeals. It became clear that the Bolsheviks and their allies were in a large majority. According to estimates, the Bolsheviks held 390 seats out of a total of 650. The SRs held between 160 to 190 seats, but they had already split into left and right factions. The Mensheviks, which in June had 200 delegates, were now reduced to less than half, with only sixty to seventy. It was certain that an overwhelming majority of delegates favoured the insurrection and the seizure of power by the Soviets.</p>

<p class="wp-block-paragraph">But the old members of the Congress Executive Committee still reflected the previous balance of forces. This meant that the first part of the proceedings was presided over by the outgoing Committee, dominated by the Mensheviks and SRs, with Fyodor Dan in the chair. “We have met under the most peculiar circumstances”, he said in his opening remarks. “On the eve of the elections for the National Assembly the Government has been arrested by one of the parties in this Congress. As a spokesman of the old Executive I declare this action to be unwarranted.”<sup><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftn24">[24]</a></sup> But his opinions fell on deaf ears.</p>

<p class="wp-block-paragraph">The delegates moved to elect a new chairman, with the Bolshevik, Sverdlov, taking charge of proceedings. Suddenly, an SR member jumped up to protest that three comrades of his party were at that very instant under siege in the Winter Palace. “We demand their immediate release!” he proclaimed.</p>

<p class="wp-block-paragraph">This was answered by Trotsky, who immediately went to the rostrum. He replied that the outburst was completely hypocritical, as it was the SRs who shared responsibility for the arrest of a number of Bolsheviks, as well as permitting the spying activities on the Bolshevik Party by the old secret police! With Trotsky’s reply, the whole hall erupted in general tumult.</p>

<p class="wp-block-paragraph">The Mensheviks and right-wing SRs were feeling the ground shifting under their feet. They therefore moved that negotiations be immediately opened by the Soviet with the Provisional Government to establish a new Coalition government. But they also made it clear that the Bolsheviks, who they accused of being responsible for the ‘adventure’, would never be allowed to share power.</p>

<p class="wp-block-paragraph">As expected, this proposal fell flat, since the Mensheviks and SRs were in a small minority at the Congress. Despite appeals from Martov, the Mensheviks and the Bund delegates, realising their impotence, walked out, taking around 20 per cent of the hall with them. As they left, they were met with cat-calls and jeers from all sides. Everyone felt that with this action, the Rubicon had been crossed.</p>

<p class="wp-block-paragraph">At that moment, the platform read out that the Provisional Government had been arrested, which provoked stormy jubilation. Then, with a sea of hands, the delegates ratified the transfer of state power to the Soviet, followed by ecstatic cheers of celebration. Amid the noise and commotion, Martov tried to speak as if nothing had happened. His proposal for a coalition of all socialist parties, including those opposed to the seizure of power, was again met with derision. Then Trotsky once again took the floor.</p>

<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">&#8222;The masses of the people have followed our banner, and our insurrection was victorious. And now we are told: Renounce your victory, make concessions, compromise. With whom? I ask with whom ought we to compromise? With those wretched groups who have left us…? But we have seen through them completely. No one in Russia is with them any longer. Should those millions of workers and peasants represented in this Congress make a compromise, as between equals, with the men who are ready, not for the first time, to leave us at the mercy of the bourgeoisie? No, here no compromise is possible. To those who have left, and to those who suggest it to us, we must say: You are miserable bankrupts, your role is over; go where you ought to be – into the dustbin of history.&#8220;<sup><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftn25">[25]</a></sup></p>
</blockquote>

<p class="wp-block-paragraph">Martov, angered by this intervention, shouted from the platform: “Then, we’ll leave as well.”<sup><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftn26">[26]</a></sup> And so his supporters walked out.</p>

<p class="wp-block-paragraph">“Lenin was not present at it”, explained Trotsky, relating to the first session of the Congress.</p>

<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">&#8222;He remained in his room at Smolny, which, according to my recollection, had no, or almost no furniture. Later someone spread rugs on the floor and laid two cushions on them. Vladimir Ilyich and I lay down to rest. But in a few minutes I was called: “Dan is speaking; you must answer.” When I came back after my reply I again lay down near Vladimir Ilyich, who naturally could not sleep. It would not have been possible. Every five or ten minutes someone came running in from the session hall to inform us what was going on there…</p>

<p class="wp-block-paragraph">&#8222;It must have been the next morning, for a sleepless night separated it from the preceding day. Vladimir Ilyich looked tired. He smiled and said, “The transition from the state of illegality, being driven in every direction, to power – is too rough.” “It makes one dizzy”, he at once added in German, and made the sign of the Cross before his face. After this one more or less personal remark that I heard him make about the acquisition of power he went about the tasks of the day.&#8220;<sup><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftn27">[27]</a></sup></p>
</blockquote>

<h3 class="wp-block-heading">Lenin speaks</h3>

<p class="wp-block-paragraph">John Reed, the American journalist and Communist, was present at the Congress. He recalled the events in his celebrated classic, <em>Ten Days That Shook the World</em>, to which Lenin wrote a preface “recommending it to the workers of the world…” Reed described the scene at the second session of the Congress where Lenin was about to speak:</p>

<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">&#8222;It was 8.40 when a thunderous wave of cheers announced the entrance of the praesidium, with Lenin – great Lenin – among them. A short, stocky figure, with a big head set down on his shoulders, bald and bulging. Little eyes, a snubbish nose, wide generous mouth, and heavy chin; clean-shaven now but already beginning to bristle with the well-known beard of his past and future. Dressed in shabby clothes, his trousers much too long for him. Unimpressed, to be the idol of a mob, loved and revered as perhaps few leaders in history have been. A strange popular leader – a leader purely by virtue of intellect; colourless, humourless, uncompromising and detached, without picturesque idiosyncrasies – but with the power of explaining profound ideas in simple terms, of analysing a concrete situation. And combined with shrewdness, the greatest intellectual audacity.&#8220;</p>
</blockquote>

<p class="wp-block-paragraph">After some interventions, Lenin rose to speak. John Reed continues:</p>

<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Now Lenin, gripping the edge of the reading stand, letting his little winking eyes travel over the crowd as he stood there waiting, apparently oblivious to the long- rolling ovation, which lasted several minutes. When it finished, he said simply, &#8218;We shall now proceed to construct the Socialist order!&#8216; Again that overwhelming human roar.</p>

<p class="wp-block-paragraph">&#8222;&#8218;The first thing is the adoption of practical measures to realise peace… We shall offer peace to the peoples of all belligerent countries upon the basis of Soviet terms – no annexations, no indemnities, and the right of self-determination of peoples. At the same time, according to our promise, we shall publish and repudiate the secret treaties… The question of War and Peace is so clear that I think that I may, without preamble, read the project of a Proclamation to the Peoples of All the Belligerent Countries…'&#8220;</p>
</blockquote>

<p class="wp-block-paragraph">“No gestures. And before him, a thousand simple faces looking up in intent adoration”, explained Reed. Lenin proceeded to read the proclamation, and ended with the words:</p>

<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">&#8222;The revolution has opened the era of Social Revolution… The labour movement, in the name of peace and Socialism, shall win, and fulfil its destiny…&#8220;</p>
</blockquote>

<p class="wp-block-paragraph">Reed commented:</p>

<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">&#8222;There was something quiet and powerful in all this, which stirred the souls of men. It was understandable why people believed when Lenin spoke…&#8220;<sup><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftn28">[28]</a></sup></p>
</blockquote>

<p class="wp-block-paragraph">This was the first time that Lenin had appeared or spoken in public for quite some time, having spent almost four months in hiding. What a transformation in the situation! From underground fugitive to becoming leader of the Russian Revolution.</p>

<p class="wp-block-paragraph">The insurrection had been successful. In the words of Rosa Luxemburg later: “They dared!”<sup><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftn29">[29]</a></sup> They dared and by their actions transformed the words of socialism into deeds. These events would ‘shake the world’ and make Lenin and the Bolsheviks a household name internationally.</p>

<p class="wp-block-paragraph">The Soviet Congress continued with its revolutionary business. The results in the elections for a new Central Executive Committee or Presidium were announced: sixty-seven Bolsheviks were elected, together with twenty- nine Left SRs, with twenty other seats divided among smaller tendencies, including Maxim Gorky’s group.</p>

<h3 class="wp-block-heading">Council of People’s Commissars</h3>

<p class="wp-block-paragraph">The newly elected Soviet Executive Committee then appointed a new government – to be called the Council of People’s Commissars – to run the country in the name of the Soviet Republic. The following day it was announced, amid loud and prolonged cheers, that Lenin was chosen, without portfolio, as Chairman of the new government. The list of members of the new government was then read out by Kamenev, who had been newly elected as chairman of the Executive Committee, with bursts of applause after each name. The Left SRs were offered posts in the new government, but for the moment they refused to accept them. The bourgeois concept of ‘Minister’ was rejected in favour of a new, more revolutionary-sounding title of ‘Commissar’.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Trotsky recalled a conversation with Lenin about the new revolutionary terminology to be adopted to describe members of the new government:</p>

<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">&#8222;&#8218;What shall we call it?&#8216; asked Lenin, thinking aloud. &#8218;Only let us not use the word Minister: it is a dull, hackneyed title.&#8216;</p>

<p class="wp-block-paragraph">&#8222;&#8218;Perhaps ‘Commissars’&#8216;, I suggested, &#8218;only there are too many Commissars just now. Perhaps Supreme Commissars? … No, ‘Supreme’ sounds wrong too. What about ‘People’s Commissars’?&#8216;</p>

<p class="wp-block-paragraph">&#8222;&#8218;People’s Commissars? Well, this sounds alright. And the government as a whole?&#8216;</p>

<p class="wp-block-paragraph">&#8222;&#8218;Council of People’s Commissars&#8216;, picked up Lenin. &#8218;That’s splendid; it smells of revolution.'&#8220;<sup><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftn30">[30]</a></sup></p>
</blockquote>

<p class="wp-block-paragraph">Apart from Lenin as Chairman of the Council, other appointments included:</p>

<p class="wp-block-paragraph">People’s Commissar of the Interior: AI Rykov</p>

<p class="wp-block-paragraph">Agriculture: VP Milyutin Labour: AG Shlyapnikov</p>

<p class="wp-block-paragraph">Army and Navy Affairs: A committee consisting of: VA</p>

<p class="wp-block-paragraph">Ovseyenko (Antonov), NV Krylenko and PY Dybenko</p>

<p class="wp-block-paragraph">Commerce and Industry: VP Nogin</p>

<p class="wp-block-paragraph">Education: AV Lunacharsky Finance: II Skvortsov (Stepanov)</p>

<p class="wp-block-paragraph">Foreign Affairs: LD Bronstein (Trotsky) Justice: GI Oppokov (Lomov) Food: IA Teodorovich</p>

<p class="wp-block-paragraph">Posts and Telegraph: NP Avilov (Glebov) Chairman for Nationalities’ Affairs: JV Dzhugashvili (Stalin)</p>

<p class="wp-block-paragraph">The office of People’s Commissar of Railways was left temporarily vacant, mainly as a result of the strained relations with the leadership of the Menshevik-controlled All-Russian Railway Workers’ Union.</p>

<p class="wp-block-paragraph">The Congress continued with a number of other sessions, accompanied by numerous intervals and breaks. It was, without doubt, a real proletarian revolutionary assembly, the likes of which nobody had ever witnessed before. Power was finally in the hands of the Soviets, in <em>their </em>hands, the hands of the representatives of the proletariat and poor peasants.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Every decision of the Congress was met with enormous enthusiasm, hurrahs, thunderous clapping and caps and hats thrown into the air. The delegates also sang the funeral march in memory of the martyrs of the war, as well as the <em>Internationale</em>. Everyone could sense that the working class was finally in power! This was the most democratic revolution in history.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Morgan Philips Price, <em>Manchester Guardian </em>journalist, was so astonished that he couldn’t believe his eyes. He had never experienced anything like it:</p>

<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Soon I was beginning to feel that the whole thing might be a mad adventure. How could committees of workmen and soldiers, even if they had the passive consent of war-weary and land-hungry peasants, succeed against the whole of the technical apparatus of the still-functioning bureaucracy and the agents of the Western Powers? Splendid as was this rebellion of the slaves, as showing that there was still hope and courage in the masses, it was surely doomed in the face of these tremendous odds. Russia could hardly escape the fate of Carthage.&#8220;<sup><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftn31">[31]</a></sup></p>
</blockquote>

<p class="wp-block-paragraph">But deep down, there was a feeling of hope for the future, born out of the horrors of war. “It seemed as if there was, for the first time for many months, a political force in the country that knew what it wanted”, wrote Price: “This was clearly reflected in the common talk in the streets.”<sup><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftn32">[32]</a></sup> “Everything happened so simply and so naturally”, wrote Victor Serge: “It was all quite unlike any of the revolutionary scenes we knew from history.”<sup><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftn33">[33]</a></sup></p>

<p class="wp-block-paragraph">History was being made – and the masses felt and participated in it. For the delegates in Smolny, celebrating their victory, their hearts were uplifted, their eyes fixed on the future, while their ears were still ringing with Lenin’s immortal words: “We shall now proceed to construct the socialist order.” With these simple words, Lenin announced the greatest event in history and the beginning of a revolutionary new era internationally.</p>

<h3 class="wp-block-heading">References</h3>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftnref1">[1]</a> Quoted in Liebman, <em>The Russian revolution</em>, pp. 242-3</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftnref2">[2]</a> Sukhanov, <em>The Russian Revolution 1917</em>, p. 557, emphasis in original</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftnref3">[3]</a> ‘Statement by Kamenev and Zinoviev’, 11 (24) October 1917, <em>The Bolsheviks and the October Revolution: CC Minutes</em>, p. 90, emphasis in original</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftnref4">[4]</a> Lenin, ‘Letter to Comrades’, 17 (30) October 1917, <em>LCW</em>, Vol. 26, pp. 195-6</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftnref5">[5]</a> Ibid., p. 203, emphasis in original</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftnref6">[6]</a> Ibid.</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftnref7">[7]</a> Ibid., pp. 212-3, emphasis in original</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftnref8">[8]</a> Ibid., p. 213</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftnref9">[9]</a> Lenin, ‘Meeting of the Central Committee of the RSDLP(B)’, 10 (23) October 1917, ibid., pp. 191-2</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftnref10">[10]</a> Ibid., p. 192</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftnref11">[11]</a> <em>The Bolsheviks and the October Revolution: CC Minutes</em>, p. 103</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftnref12">[12]</a> <em>Joseph Stalin</em>, p. 38</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftnref13">[13]</a> Lenin, ‘Letter to Bolshevik Party Members’, 18 (31) October 1917, <em>LCW</em>, Vol. 26, p. 217, emphasis in original</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftnref14">[14]</a> Lenin, ‘Letter to the Central Committee of the RSDLP(B)’, 19 October (1 November) 1917, ibid., p. 223</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftnref15">[15]</a> <em>The Bolsheviks and the October Revolution: CC Minutes</em>, p. 120</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftnref16">[16]</a> Ibid., p. 112</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftnref17">[17]</a> Price, <em>Dispatches From the Revolution</em>, p. 90</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftnref18">[18]</a> Lenin, ‘Letter to Central Committee Members’, 24 October (6 November) 1917, <em>LCW</em>, Vol. 26, p. 235</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftnref19">[19]</a> Sukhanov, <em>The Russian Revolution 1917</em>, p. 620</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftnref20">[20]</a> Ibid.</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftnref21">[21]</a> See Reed, Ten Days that Shook the World</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftnref22">[22]</a> Stalin, <em>Pravda</em>, No. 241, 6 November 1918, <em>The October Revolution</em>, p. 30</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftnref23">[23]</a> Stalin, <em>Pravda</em>, No. 269, 26 November 1924, <em>The October Revolution</em>, p. 72</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftnref24">[24]</a> Price,<em> Dispatches From the Revolution: Russia</em> <em>1916-18</em>, p. 91</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftnref25">[25]</a> Quoted in Liebman, <em>The Russian Revolution</em>, p. 274</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftnref26">[26]</a> Quoted ibid.</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftnref27">[27]</a> Trotsky, <em>Lenin</em>, pp. 126-7</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftnref28">[28]</a> Reed, <em>Ten Days That Shook the World</em>, pp. 128-9, 132</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftnref29">[29]</a> See Luxemburg, ‘The Russian Revolution’, <em>Rosa Luxemburg Speaks</em>, p. 395</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftnref30">[30]</a> Trotsky, <em>On Lenin</em>, p. 114</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftnref31">[31]</a> Price, <em>Dispatches From the Revolution</em>, p. 94</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftnref32">[32]</a> Ibid.</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://marxist.com/in-defence-of-lenin-october-revolution.htm#_ftnref33">[33]</a> Quoted in Liebman, <em>The Russian Revolution</em>, p. 285</p>
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		<title>The Truth about Stalin &#8211; a Reply to the Morning Star</title>
		<link>https://derkommunist.de/the-truth-about-stalin-a-reply-to-the-morning-star/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alan Woods]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 11 Jan 2025 09:00:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Revolutionen]]></category>
		<category><![CDATA[Bildungsmappe Stalinismus]]></category>
		<category><![CDATA[Russische Revolution]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>On Monday 17 October, the Morning Star published a review of the new edition of Trotsky’s biography of Stalin written by Andrew Murray. While admitting that “this book has literary and historical [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[		<div data-elementor-type="wp-post" data-elementor-id="4845" class="elementor elementor-4845" data-elementor-post-type="post">
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<p class="wp-block-paragraph"><em>On Monday 17 October, the Morning Star published a <a href="https://www.morningstaronline.co.uk/a-d8f4-Trotskys-sins-of-omission">review</a> of the new edition of Trotsky’s biography of Stalin written by Andrew Murray. While admitting that “this book has literary and historical merit,” Murray states that “it has much less as an actual biography of Stalin”. How does he justify these claims?</em></p>

<p class="wp-block-paragraph">He writes: “Obviously, it misses the last 13 years of Stalin’s life, including the second world war, altogether and the coverage of the 1930s when Trotsky was already in exile is very sketchy — there is little about industrialisation or collectivisation in the USSR, about Stalin’s diplomacy and more.”</p>

<p class="wp-block-paragraph">We should respectfully point out to him that Trotsky could hardly deal with the last 13 years of Stalin’s life because his own life was cut short by the assassination ordered by Stalin in 1940. The book does in fact deal with industrialisation and collectivisation, which Trotsky advocated in the 1920s when Stalin, together with Bukharin, was in favour of appeasing the rich peasants (Kulaks). He also deals with Stalin’s “diplomacy”. But let us take these things one at a time.</p>

<h3 class="wp-block-heading">Industrialisation and collectivisation</h3>

<p class="wp-block-paragraph">After Lenin’s death the policies of Stalin and Bukharin caused a very dangerous situation in the countryside, where the kulaks were becoming a powerful force hostile to the Soviet power. The Left Opposition continually warned of the kulak danger and demanded a policy based on industrialisation, five year plans and collectivisation. This was rejected by Stalin.</p>

<p class="wp-block-paragraph">In February 1928 Stalin wrote: &#8222;The NEP is the foundation of our economic policy and will so remain for a long time to come.&#8220; In April of the same year, Stalin and the Plenum of the Central Committee had passed a resolution to the effect that &#8222;only liars and counterrevolutionaries could spread rumours about the abolition of the NEP.&#8220;</p>

<p class="wp-block-paragraph">Then within a few months the whole policy was thrown into reverse. The kulaks had organised a grain strike as the first step in the capitalist counterrevolution against Soviet power. By the end of 1927 the drop of grain supplies to the towns had assumed alarming proportions. In a 180-degree somersault, Stalin announced the &#8222;liquidation of the kulaks as a class.&#8220;</p>

<p class="wp-block-paragraph">In 1930 Trotsky warned that the collectivisation of the peasantry should proceed gradually and on a voluntary basis, so as not to open up a conflict between the proletariat and the peasantry. He advocated that no more than 20-25 percent of peasant farms should be collectivised &#8222;lest the framework of reality should be overstepped.&#8220; This was in line with Lenin&#8217;s attitude to collectivisation.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Stalin appropriated the policy of collectivisation from the programme of the Left Opposition, but carried it out in a bureaucratic, adventurist and hooligan manner. They collectivised everything – down to the felt boots that were dragged off the feet of the kulak&#8217;s children. In the process, no distinction was made between the rich and middle peasants. The result was a bloody civil war in which the Red Army had to be sent into the countryside.</p>

<p class="wp-block-paragraph">As a result of this lunacy, a terrible famine swept across the land in 1932-33. Millions of people starved to death. Later Stalin had to retreat, but the damage was done. Stalin&#8217;s adventurist policy of forced collectivisation of agriculture provoked a catastrophe from which Soviet agriculture never fully recovered.</p>

<p class="wp-block-paragraph">In the field of industry something similar occurred. Stalin carried out a similar zig-zag. When Trotsky, following in Lenin&#8217;s footsteps, advocated a policy of industrialisation based on Five Year Plans and electrification he was accused of being a &#8222;super industrialiser&#8220;. Stalin ridiculed Trotsky&#8217;s proposal for the building of a hydro-electrical project on the Dnieper (Dnieperstroy) as the equivalent of offering a peasant a gramophone instead of a cow.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Stalin then also opportunistically “borrowed” the policy of industrialisation and five year plans from the Left Opposition, which he had previously opposed. But he copied them in a distorted, one-sided and bureaucratic manner. In 1929 he suddenly proclaimed a &#8222;five year plan in four years.&#8220; This led to serious dislocation in industry, which was only rectified with difficulty, after great losses.</p>

<p class="wp-block-paragraph">The launching of the Five Year Plans was undoubtedly a giant step forward for the USSR. Despite the chaos, mismanagement and bungling of the bureaucracy, it enabled the Soviet Union to achieve results that have never been equalled by any capitalist economy. But in the absence of workers’ democracy and internationalism, the result was not a genuine socialist policy but a bureaucratic caricature.</p>

<p class="wp-block-paragraph">A number of former Oppositionists – prominent Old Bolsheviks like Kamenev and Zinoviev – capitulated to Stalin. That did not save them. Stalin forced them to make humiliating confessions and then had them murdered. He later murdered every one of the principal leaders of Lenin’s Party. The consolidation of Stalinism demanded the complete liquidation of the Old Bolsheviks because Stalinism and Bolshevism are two mutually antagonistic and incompatible tendencies.</p>

<h3 class="wp-block-heading">The Kirov assassination</h3>

<p class="wp-block-paragraph">The 17th Party Congress of the Communist Party in 1934, known as the “Congress of Victors”, was supposed to celebrate the decisive victory of the Stalin faction and the fulfilment of the first Five Year Plan. But it did not turn out as Stalin had planned. The chaos caused by Stalin’s adventurism, especially in the field of agriculture provoked mass discontent and serious divisions in the leading faction.</p>

<p class="wp-block-paragraph">The opposition to Stalin crystallised around Sergei Kirov, the Leningrad Party leader. At the Congress Kirov was greeted by the kind of applause that equalled that which was reserved for Stalin. His speech was critical of the General Line and he was elected to the all-powerful Secretariat of the Central Committee. Stalin found himself in a minority in the Politburo. This was an intolerable situation for Stalin inevitably saw Kirov as a dangerous rival. He therefore hatched a plot to eliminate him.</p>

<p class="wp-block-paragraph">This brings us to Andrew Murray’s second criticism. He writes:</p>

<p class="wp-block-paragraph">“He [Alan Woods] still believes the cold war myth that Stalin ordered the murder of Kirov, a tale now comprehensively debunked by Western academics.” Contrary to Murray’s confident claims, there can be no doubt whatsoever that Stalin was behind the assassination of Kirov. The so-called “new evidence” does not, and cannot, prove categorically that Nikolaev acted alone and therefore does not claim to have “comprehensively debunked” anything.</p>

<p class="wp-block-paragraph">The “latest revelations” tell us nothing significant we did not already know. Previously secret documents, classified for decades by the secret police that were supposed to shed light on the Kirov murder, were published in Russia in 2009. They “painted a picture of a disillusioned Communist Party functionary acting alone, out of bitterness and revenge”:</p>

<p class="wp-block-paragraph">“Nikolayev had tried hard to rise to the top of the Leningrad Party hierarchy but instead was told to go and work at a factory in a lower position. He decided to take revenge on Kirov after he was thrown out of the party for ‘breaching party discipline,’ denied treatment in a sanatorium despite having heart problems, and could no longer get food rations available to party apparatchiks.</p>

<p class="wp-block-paragraph">&#8222;You can eat yourself now – no money, no food,&#8220; the father of two wrote in his diary. &#8222;For themselves, they (party leaders) hold garages with automobiles, for us they have sodden bread.&#8220; All this is true, and was known a long time ago. But it is not all the truth. And it does not answer any of the questions that arise from the known facts of the case.</p>

<h3 class="wp-block-heading">Let us remind ourselves of those facts</h3>

<p class="wp-block-paragraph">Various accounts of Leonid Nikolayev’s life coincide in painting a picture of man with a murderous grudge. Having failed to achieve a suitable post in the Party, he found himself expelled, unemployed and in financial difficulties. In fact, he was already well-known to the Leningrad NKVD, which had arrested him for various petty offences.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Alexander Orlov, who defected during the Purges was a general in the NKVD (Stalin’s Secret Police), states that Nikolayev had told a “friend” of his desire to kill the head of the party control commission that had expelled him. This was then reported to the NKVD. Orlov, who was in a position to know the facts, stated that Stalin had ordered Yagoda, the head of the secret police, to arrange the assassination of Kirov. Orlov explains thatYagoda ordered the NKVD agent Vanya Zaporozhets to undertake the job. Zaporozhets returned to Leningrad to search for a likely assassin and found the name of Leonid Nikolayev in the files of the NKVD.</p>

<p class="wp-block-paragraph">According to Orlov, Nikolayev&#8217;s mysterious “friend” was in fact a provocateur of the NKVD, who had supplied him with the revolver and money. Nikolayev&#8217;s mysterious “friend” was later shot. In fact, every single person that was a witness in this case was either shot or died in mysterious circumstances.</p>

<p class="wp-block-paragraph">On 1 December 1934, Nikolaev entered the Smolny Institute where Kirov worked carrying a briefcase containing a revolver. The Smolny Institute was not just any building. It served as the chief offices of the Leningrad Party apparatus and as the seat of the local government. As such, it was well guarded. Yet on the day of the assassination the usual guard post at the entrance to Kirov&#8217;s offices was left unmanned. The NKVD had previously withdrawn all but four police bodyguards assigned to Kirov. These four guards accompanied Kirov each day to his offices at the Smolny Institute, and then left.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Although Nikolayev was already known to the Leningrad NKVD, he was allowed to pass by the main security desk. Later a suspicious guard asked to examine his briefcase and found the revolver. Nikolayev was then arrested. So a man, who was already on the NKVD files as a suspicious character, was found in the headquarters of the Party with a loaded pistol. It is difficult to imagine a more serious breach of the law. At the very least he should have been taken away and interrogated. But that did not happen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">A few hours later the security police not only set Nikolayev free, but even thoughtfully gave him back his loaded pistol. After that nobody challenged him and he made his way to the third floor, where he calmly waited in a hallway until Kirov appeared. But the “mystery” does not end there. At the moment when the fatal shots were fired, Borisov, who was supposed to be guarding Kirov, was nowhere to be seen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">According to one version he was some 20 to 40 paces behind his boss, but other sources say he had left Kirov “to prepare his luncheon”. Whatever version is accepted, the fact is that Kirov, the most important Party leader after Stalin, was unprotected when he passed his assassin in the corridor. Nikolayev drew his revolver and shot Kirov in the back of the neck.</p>

<h3 class="wp-block-heading">Unanswered questions</h3>

<p class="wp-block-paragraph">The questions that must be answered are as follows: Why was a man known to the NKVD as suspicious allowed to enter the Smolny with a revolver in his bag? Why, after being arrested and found to be in possession of a gun, was he released and the weapon returned to him? Why was Nikolayev not prosecuted for these flagrant violations of the law? How was it that not only was he released without formal charges but he had his revolver returned to him? Why was Kirov&#8217;s bodyguard absent during the assassination? In other words: who gave him (the assassin) his chance, and why?</p>

<p class="wp-block-paragraph">Having successfully eliminated his most dangerous rival, Stalin then made sure that no witnesses survived. Stalin immediately demanded swift punishment of the “traitors” and those found negligent in Kirov&#8217;s death. Nikolayev was tried alone and in secret. After a summary trial on 29 December a military court found Nikolayev and 13 others guilty of taking part in a terrorist organization called &#8222;the Leningrad Centre.&#8220; They were sentenced to death by shooting and the sentence was carried out that very night.</p>

<p class="wp-block-paragraph">All these circumstances are extremely suspicious. Why was Nikolayev tried in secret? And why was he killed immediately? Why was he not interrogated further, in order to reveal the precise circumstances of the assassination, exposing the plot and revealing his contacts and collaborators? The answer is quite clear. Nikolayev had to be tried in secret because of what he might say in a public trial. He had to be eliminated because he knew too much. When asked why he committed the murder, he is supposed to have answered, &#8222;Ask them.&#8220; These words can only refer to members of the Leningrad NKVD.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Nikolayev&#8217;s wife, Milda Draule was executed three months later. His mother, brother, sisters, cousin and some other people close to him were arrested and later liquidated or sent to labour camps. Borisov, the man in charge of Kirov’s security, died the day after the assassination, allegedly by falling from a moving truck. This is said to have occurred while he was riding with a group of NKVD agents. How were they not able to prevent him from falling from a moving vehicle? Later Borisov&#8217;s wife was committed to an insane asylum.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Other witnesses who may have presented embarrassing evidence died in mysterious “car accidents”. Former NKVD agents later admitted that these “accidents” had been staged murders. On whose authority were these murders committed?</p>

<p class="wp-block-paragraph">The only possible answer to these questions is that the security services not only allowed the assassination to take place but actively collaborated in it. But that does not exhaust the question. The local units of the NKVD could never have acted in this way without permission and instructions from the highest level, which is to say from Yagoda himself. But Yagoda had no interest in murdering Kirov. On the contrary, such an act would have placed him in the gravest danger.</p>

<p class="wp-block-paragraph">A half intelligent five year old could see that all this could only have been done with Stalin&#8217;s approval. Stalin was the only one with both the motive and the means of killing his rival. There can be no doubt that Stalin ordered his henchmen Yagoda to carry it out, just as Orlov said. No amount of twisting and turning can alter these well-known facts.</p>

<p class="wp-block-paragraph">In his famous speech at the 20th Congress of the CPSU Khrushchev gave the facts of the case that provided incontrovertible evidence that the assassination of Kirov took place with the full knowledge and connivance of Stalin’s secret police. He said:</p>

<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">“There are reasons for the suspicion that the killer of Kirov, [Leonid] Nikolayev, was assisted by someone from among the people whose duty it was to protect the person of Kirov.</p>

<p class="wp-block-paragraph">“A month and a half before the killing, Nikolayev was arrested on the grounds of suspicious behaviour but he was released and not even searched. It is an unusually suspicious circumstance that when the Chekist assigned to protect Kirov was being brought for an interrogation, on December 2, 1934, he was killed in a car ‘accident’ in which no other occupants of the car were harmed. After the murder of Kirov, top functionaries of the Leningrad NKVD were given very light sentences, but in 1937 they were shot. We can assume that they were shot in order to cover up the traces of the organizers of Kirov’s killing.</p>

<p class="wp-block-paragraph">“[Movement in the hall.]”</p>
</blockquote>

<p class="wp-block-paragraph">There is not the slightest doubt that this assassination was planned by Stalin. He feared Kirov as a rival. At a time when Stalin was losing support, Kirov&#8217;s name was circulating in Party circles as a possible replacement. He had to be eliminated and he was eliminated. What is astonishing is that six decades later, there are still people who are trying to “cover up the traces of the organizers of Kirov’s killing”. Sixty years after Khrushchev’s speech comrade Murray still maintains that Stalin had nothing to do with it. To which we reply: “There are none so blind as they who will not see.”</p>

<h3 class="wp-block-heading">Stalin’s Purges</h3>

<p class="wp-block-paragraph">Stalin took his revenge on the delegates who had humiliated him at the &#8222;Congress of Victors&#8220;. Almost every member of the Congress was murdered in the Purges of the thirties. The Kirov assassination was only the first chapter of a murderous plan organised by Stalin to eliminate all his actual or potential enemies. No “new and startling recent revelations” can change that.</p>

<p class="wp-block-paragraph">The killing of Kirov provided Stalin with the excuse to launch the notorious Purges in order to eliminate all actual or potential enemies and that was the intention from the start. On the question of the Purges comrade Murray shuffles uncomfortably, humming and hawing on a subject he finds embarrassing for understandable reasons.</p>

<p class="wp-block-paragraph">He cannot deny the fact that Stalin murdered millions of Soviet citizens since this fact nowadays is known to everyone. Instead, he tries to confuse the issue when he writes: “Nor does Trotsky’s view that the terror of 1937-38 was above all directed at ‘old Bolsheviks’ any longer attract the near-consensus it once did. The killing of former oppositionists is now known to have been a small part of a very much larger and more horrifying operation.”</p>

<p class="wp-block-paragraph">But who were the Purge Trials directed against? Everybody knows the answer: the main accusation was against the Trotskyists. Trotsky himself was said to have been an agent of Hitler planning to restore capitalism in the USSR. In all the Trials he was, effectively, the principal defendant. And who were the men in the dock in these murderous farces? They were precisely the Old Bolsheviks, Lenin’s principal comrades in arms: Kamenev, Zinoviev, Radek, Piatakov, Sokolnikov, Bukharin, Rykov, Rakovsky, Krestinsky and others. These were all Old Bolsheviks who had served the cause of the working class and socialism all their lives.</p>

<p class="wp-block-paragraph">And who was the man in charge of prosecuting them on Stalin’s behalf? Andrei Yanuarevich Vyshinsky, the former Menshevik and bitter enemy of Bolshevism and the October Revolution. This is the man who insulted these revolutionary martyrs as &#8222;Dogs of the Fascist bourgeoisie&#8220;, &#8222;mad dogs of Trotskyism&#8220;, &#8222;dregs of society&#8220;, &#8222;decayed people&#8220;, &#8222;terrorist thugs and degenerates&#8220;, and &#8222;accursed vermin,&#8220; the man who screamed:</p>

<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">“Shoot these rabid dogs. Death to this gang who hide their ferocious teeth, their eagle claws, from the people! Down with that vulture Trotsky, from whose mouth a bloody venom drips, putrefying the great ideals of Marxism!(&#8230;) Down with these abject animals! Let&#8217;s put an end once and for all to these miserable hybrids of foxes and pigs, these stinking corpses! Let&#8217;s exterminate the mad dogs of capitalism, who want to tear to pieces the flower of our new Soviet nation! Let&#8217;s push the bestial hatred they bear our leaders back down their own throats!”</p>
</blockquote>

<p class="wp-block-paragraph">The same vile things were slavishly repeated by the Stalinists internationally. Dare we remind comrade Murray that The Daily Worker, the newspaper of the Communist Party of Great Britain and forerunner of the Morning Star, carried on its front page the words “Shoot the Reptiles!”?</p>

<h3 class="wp-block-heading">The extent of the Purges</h3>

<p class="wp-block-paragraph">We might agree with Andrew Murray when he says that the Purges went far further than the murder of the Old Bolsheviks, that they were “part of a very much larger and more horrifying operation.” But, Murray fails to tell us anything of that operation, except that it was “horrifying”.</p>

<p class="wp-block-paragraph">The extent of Stalin’s purges was certainly far greater than what most people realise. Not only Trotskyists were killed but also many Stalinists who fell into the disfavour of the &#8222;Beloved Leader and Teacher&#8220;. Abel Yenukidze, for example, was shot for trying to save the lives of Old Bolsheviks. And not content with killing his enemies, Stalin took his revenge on their families and friends.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Hundreds of thousands were sent to the camps not just as &#8222;enemies of the people&#8220;, but also as chesirs or &#8222;family members of a traitor to the motherland&#8220;. Among these victims were the wife and sisters of Tukhachevsky, the wife of Bukharin, Trotsky&#8217;s first wife, and his eldest son, Sergei, who was not involved in active politics, was arrested but courageously refused to denounce his father and was shot.</p>

<p class="wp-block-paragraph">A wave of terror was unleashed by Stalin against the people of the USSR. Tens of millions of people were arrested, condemned and sent into the Gulag. Even the security services were purged. In 1937-38 23,000 NKVD officers were arrested. Many informed on others in order to survive.</p>

<p class="wp-block-paragraph">The criminal methods of the GPU were exposed in a surprising way during the Moscow Trials themselves. When Yagoda was himself put on trial, Vyshinsky declared (on March 11, 1938): &#8222;Yagoda stood at the peak of the technology of killing people in the most devious ways. He represented the last word in the &#8217;science&#8216; of bestiality.&#8220; (Sudebny otchet po delu antisovetskogo trotskiiskogo tsentra – The Official Report of the Trial in Russian, Moscow 1937, p. 332.). Amidst all the miserable morass of lies and distortions that make up these documents, this is probably the only truthful statement.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Comrade Murray would like to draw a discrete veil over these things. He wishes to forgive and forget – above all forget. That is why he is so critical of Trotsky’s biography of Stalin – a truthful account of the crimes of Stalin and the Stalinists that they would naturally like to brush under the carpet. But historical truth is not so easily disposed of.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Murray informs us that Stalin’s Purges were “horrifying”, but then he immediately attempts to minimise them. Just look at what he says about the Purge of the Red Army: “…his [Woods’] assertions about the number of Red Army officers suppressed in the purges are wide of the mark by significant magnitudes.” [My emphasis, AW] It would perhaps have been more useful if Andrew had stated the precise number of Red Army officers purged by Stalin instead of making vague allegations about allegedly exaggerated magnitudes. This method is intended not to clarify but to muddy the waters and sow doubts. He quibbles about “magnitudes” but furnishes not one single figure himself. Let us help him attain some clarity on this question.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Stalin’s Purge destroyed the entire leading cadre of the Red Army and badly damaged the defence capabilities of the USSR. The military Purge that continued throughout 1938 led to the elimination of 90 percent of all generals, 80 percent of all colonels, and 30,000 lower ranking officers. Talented officers and heroes of the Civil War like Tukhachevsky, Yakir and others were shot in secret because they refused to confess to the monstrous crimes attributed to them.</p>

<p class="wp-block-paragraph">According to Japanese intelligence the total number of victims was 35,000 in all, or about half of the total officer corps. They included 3 out of 5 marshals; 13 out of 15 Army commanders; 57 out of 85 corps commanders; 110 out of 195 division commanders; 220 out of 406 brigade commanders; all eleven Vice Commissars of War; 75 out of 80 members of the Supreme Military Council, including all the military district commanders. The air force, navy and all but one of the fleet commanders were eventually eliminated.</p>

<p class="wp-block-paragraph">All this was a sufficiently “significant magnitude” to have persuaded Hitler to attack the USSR in 1941. At the Nuremberg trial, Marshal Keitel testified that many German generals had warned Hitler not to attack Russia, arguing that the Red Army was a formidable opponent. Rejecting these Hitler gave Keitel his main reason: &#8222;The first-class high-ranking officers were wiped out by Stalin in 1937, and the new generation cannot yet provide the brains they need.&#8220; On the 9th January 1941, Hitler told a meeting of generals planning the attack on Russia: &#8222;They do not have good generals.&#8220; (Medvedev, Let History Judge, p. 214)</p>

<h3 class="wp-block-heading">Stalin and the Second World War</h3>

<p class="wp-block-paragraph">Andrew complains that the book does not deal with Stalin’s role in the Second World War. Again, this was hardly possible for Trotsky to do since he was murdered one year before Hitler invaded the Soviet Union. But he certainly dealt with Stalin’s disastrous diplomacy, which placed the Soviet Union in very great danger and was directly responsible for the military catastrophe suffered by the USSR in 1941.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Unlike Lenin, who stood for a consistent internationalist policy, Stalin&#8217;s foreign policy was dictated by narrow nationalist considerations. It consisted in a series of manoeuvres with the imperialists that sacrificed the interests of the revolution in the West in the supposed interests of the Soviet Union. In reality, these manoeuvres did not remove the war danger but enormously increased it.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Stalin believed that his manoeuvres would safeguard the Soviet Union from attack. His actions, as always, were based on narrow-minded calculations and completely ignored the working class of other countries, except as pawns in the diplomatic game. With the Hitler-Stalin Pact of 1939 Stalin went to the most incredible extremes to conciliate the Nazis.</p>

<p class="wp-block-paragraph">In his diary the German diplomat, Hencke describes the banquet which celebrated the signing of the Pact: &#8222;Toasts: In the course of the conversation, Herr Stalin spontaneously proposed to the Führer, as follows: &#8218;I know how much the German nation loves its Führer; I should therefore like to drink to his health’.” Here we have a prime example of Stalin’s diplomacy.</p>

<p class="wp-block-paragraph">By collaborating with Hitler, Stalin increased the danger a thousand fold. His actions effectively disarmed the Soviet Union, encouraged Hitler and disoriented the world working class in a moment of extreme danger. In the end it had the opposite result to that intended.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Four million German troops were amassed on the border ready to invade. There were also 3,500 tanks, around 4,000 planes, and 50,000 guns and mortars. Attempts were made to keep this mobilisation secret, but given its size, numerous reports from border units, the Soviet intelligence service, even officials of the British and US governments, were passed on to the Soviet government. Stalin refused to act on these reports, instead wrote on them &#8222;For the archives&#8220;, and &#8222;To be filed&#8220;. This was all confirmed by General Zhukov in his Reminiscences and Reflections.</p>

<p class="wp-block-paragraph">This completely disarmed the Soviet Union in the face of Nazi aggression. When the Soviet military command asked for permission to put the Soviet troops on the alert, Stalin refused. &#8222;German planes increasingly broke into Soviet airspace,&#8220; reports Air Marshal A. Novikov, &#8222;but we weren&#8217;t allowed to stop them.&#8220; (Quoted in Medvedev, Let History Judge, p. 332.) Stalin refused to believe that Hitler would invade. So when in June 1941 Hitler&#8217;s armies launched a devastating attack on the USSR he refused to act.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Even when Hitler actually launched his offensive, Stalin ordered the Red Army not to resist. The mighty Soviet armed forces were paralysed for the first critical 48 hours. Due to this confusion and paralysis at the top, huge swathes of territory were lost in the first few weeks. In the first 24 hours, over 2,000 Soviet planes were destroyed on the ground. The German army advanced deep into Soviet territory, reaching the approaches to Moscow.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Despite the fact that the combined firepower of the Red Army was greater than that of the Germans, the Purges had effectively crippled it by destroying the officer corps. The result was a military catastrophe. Between two and three million Soviet soldiers were encircled and captured by the Germans.</p>

<p class="wp-block-paragraph">After the war, strenuous attempts were made by the Kremlin to spread the myth of Stalin as a &#8222;Great War Leader&#8220;. This does not stand up to the slightest scrutiny. In those critical days Stalin was nowhere to be seen. He remained in his dacha in a state of collapse. Khrushchev recalled: &#8222;It would be incorrect to forget that, after the first severe disaster and defeat at the front, Stalin thought that this was the end. In one of his speeches in those days he said: &#8218;All that which Lenin created we have lost for ever&#8216;.”</p>

<p class="wp-block-paragraph">Even when he began to play an active role, Stalin’s actions were negative and disruptive. He constantly interfered with the military command, issuing orders that seriously increased the number of Soviet casualties. The notorious Order 270 stated that no Soviet soldier could surrender and all who did so were to be regarded as traitors. Large numbers of Soviet soldiers who had been surrounded and captured in 1941 as a direct result of Stalin&#8217;s bungling, found themselves under suspicion and sent to Siberia after the War.</p>

<p class="wp-block-paragraph">In the end the USSR won the war against Hitler single-handedly. The British and Americans were mere onlookers in a titanic battle between the Soviet Union and Hitler&#8217;s Germany with the combined productive forces of Europe behind it. By 1942 the economy was recovering fast. By 1943 the Soviets were out-producing and outgunning the enemy.</p>

<p class="wp-block-paragraph">The fact that the USSR defeated Hitler was not thanks to Stalin but in spite of him. The glorious victory of the Red army is a testament to the colossal superiority of a nationalised planned economy which enabled the USSR to survive the first disasters and reorganize the productive forces beyond the Urals. This is the secret of their success. It gives the lie to the oft-repeated allegation that a nationalised planned economy is not capable of producing goods of a high quality.</p>

<h3 class="wp-block-heading">Why did the Soviet Union collapse?</h3>

<p class="wp-block-paragraph">Murray accuses Trotsky of “showering abuse” on Stalin, and making “wild political judgements”, for example: “Stalin is a Georgian nationalist on one page and a Great-Russian nationalist a few pages later”. He evidently finds a contradiction in this, whereas in reality there is none.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Stalin was a Georgian but he came to embrace all the most negative features of Great Russian nationalism. Such a phenomenon is not unknown in history. Napoleon Bonaparte was a Corsican and in his youth flirted with Corsican nationalists. But he later became the most passionate advocate of French centralism. We see exactly the same process in the case of Stalin.</p>

<p class="wp-block-paragraph">It was not Trotsky but Lenin who first denounced Stalin as a representative of the bureaucracy and Great Russian chauvinism, something that Lenin had fought against it all his life. During Lenin&#8217;s last illness he launched a sharp struggle against Stalin over his handling of the Georgian question. It was on this issue that he broke off all personal and comradely relations with Stalin and demanded his removal as General Secretary.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Stalin’s bureaucratic policy on the national question did immense damage to the relation between the peoples of the different republics of the Soviet Union, undermining solidarity and exacerbated national contradictions, thus preparing the way for the final breakup of the USSR.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Despite the crimes of Stalin and the bureaucracy, the superiority of a nationalised plan of production is shown by the rapid transformation of what was a backward semi-feudal country like Pakistan today to a mighty industrial power with an educated population and more scientists than the USA, Germany and Japan put together.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Before the War, in the first Five Year Plans, the USSR achieved an annual rate of growth never before seen in any capitalist country: approximately 20 percent. This remarkable result was achieved with full employment, no inflation and a balanced budget. It is sufficient to compare these results with the miserable three percent or so that is nowadays considered to be a great success in the West to see the advantage of a nationalised planned economy.</p>

<p class="wp-block-paragraph">An annual growth rate of ten percent – which was the norm in the USSR until the mid-sixties – was unprecedented. If this rate of growth had been maintained, the USSR could have overtaken the West not just in relative but even in absolute terms. By the 1970s the USSR was already a modern and advanced economy where the working class was the overwhelming majority. All the objective conditions existed at least for beginning to move in the direction of socialism. But instead, the USSR moved backwards – towards capitalism. How can one explain such a monstrosity?</p>

<p class="wp-block-paragraph">The main reason the growth rate was not maintained was the colossal waste caused by the mismanagement, bungling and corruption of the bureaucracy itself. This was an enormous drain, which by the mid-60s was wasting between one third and one half of the wealth produced by the Soviet working class every year. Without the democratic control and management of the working class, the bureaucracy was undermining the planned economy, clogging up all the pores and suffocating all the creative powers of the Soviet people, both the workers and intellectuals.</p>

<p class="wp-block-paragraph">In 1936 Leon Trotsky predicted that “the fall of the present bureaucratic dictatorship, if it were not replaced by a new socialist power, would thus mean a return to capitalist relations with a catastrophic decline of industry and culture.” (The Revolution Betrayed, p. 251)</p>

<p class="wp-block-paragraph">That prediction was entirely vindicated. In the end the Stalinist bureaucrats went over to capitalism with the same careless ease of a man passing from a smoking to a non-smoking compartment of a train. The so-called &#8222;Communist&#8220; Party of the Soviet Union collapsed overnight like a house of cards, and its top members fell over themselves in their eagerness to embrace the “market” and transform themselves into private businessmen and women. It is impossible to understand this phenomenon if one accepts Andrew Murray’s view that what existed in the USSR was genuine socialism.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Marxists defend what was progressive in the USSR – that is, the nationalised planned economy. But it is necessary to separate what was progressive from what was reactionary. The bureaucratic totalitarian regime established by Stalin had nothing in common with the October revolution or socialism. It was their complete antithesis and negation. That was what finally undermined the USSR and dragged Russia into the abyss of capitalism.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Comrade Murray ends his article with an appeal for a “new vocabulary”, presumably avoiding words like Stalinism and Trotskyism. But Marxism is a science and as in every science it has a very precise vocabulary, denoting definite ideas. We do not need to change our vocabulary because we do not need to change the fundamental ideas of Marxism, which have retained all their relevance and vitality since The Communist Manifesto first appeared.</p>

<p class="wp-block-paragraph">In any event we can make a small concession to our friend’s lexicographical sensitivities. Why not return to Lenin? You will find that the ideas of Trotsky are in all fundamentals the same as those of Lenin, whose ideas are those of Marx and Engels. It is those ideas that we stand for and we have not the slightest intention of changing them – even to please the Morning Star.</p>
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